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diE tEUFEl im dinG SprEChEn mit dEn tEUFEln da draUSSEn (SKUlptUr, EiGEnBaU, JUJU-maGiE) Skulptur ist Handeln mit Dingen im Raum. Welcher Raum? Der soziale Raum, die Trias von Fabrik / Manufaktur / Hobbykeller, aber auch der Raum der Geschichte und die Biosphäre. Was für ein Handeln? Die Auseinandersetzung mit dem Teufel im Detail, dem Geist des Ortes und den Dämonen der Vergangenheit, der Dinge und der Tiere. Jan Verwoert

Ich möchte als Theoretiker der Praxis sprechen. In den letzten Jahren habe ich viel unterrichtet und viel Zeit in Ateliers verbracht, und dort steht eigentlich immer die Frage immer im Raum: Wie sollen wir das jetzt machen, wie soll das gehen? Von der Perspektive aus würde ich gern über Skulptur und Magie reden. Wie soll das gehen mit der Skulptur, eine ganz praktische Frage und Magie ist auch immer eine Frage der Praxis. Aleister Crowley sagt, Magie hat nichts mit Glaube zu tun, Magie hat damit zu tun, das man weiß, wie es geht. Auf der Ebene möchte ich zwei verschiedene Gedankengänge zum Thema Skulptur und Magie präsentieren, ein Versuch darüber, wie wir über Skulptur nachdenken können, wenn die Skulptur wie ein magisches Objekt, wie ein Fetisch mit allem redet. Der erste Versuch ist ein Gedankengang zur sympathetischen Magie: die Idee, das vom animistischen Standpunkt aus betrachtet in der Welt alle Dinge mit einander sprechen – und was das bedeuten könnte, wenn wir uns der Skulptur aus dieser Perspektive nähern. Die zweite Perspektive geht auf das zurück, worüber Alexandra Mir auch gesprochen hat: diesen Moment, wenn eine Skulptur eine Seele bekommt. Das hat auch sehr viel mit dem zu tun, was Jennifer Allen über die Idee der Memoria gesagt hat – über die Erinnerung. Was passiert, wenn ein Objekt eine Erinnerung erhält oder sich ein Objekt mit einer Erinnerung auflädt, wie man das zum Beispiel von Dreamcatchern kennt? Was bedeutet es, wenn sich eine Skulptur mit einer Geschichte, einer Erinnerung oder einem Trauma auflädt? Aber immer, wie gesagt, diskutiert vor dem Hintergrund der Frage: wie wollen wir das machen? Ich kann keine Wahrheitsbehauptung aufstellen, will ich auch nicht, es geht einfach nur um praktische

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Fragen: Wie geht das? Wie können wir das hinbekommen? Unter den Gesichtspunkten möchte ich verschiedene Beispiele aufführen von Bildhauern und Magiern. Das Interessante bei der Sympathetischen Magie ist, dass auf einer gewissen Ebene die Logik von Identität und Differenz aufgehoben ist. Wir kennen das aus der abendländischen Tradition, wenn der Saturn zuviel mit der Milz spricht kommt Melancholie dabei raus, weil da grüßt sich was. Der Planet ist nicht die Milz, aber trotzdem verbinden sich auf der Ebene der Wirkung und der Ebene der Stimmung die Effekte genau so, wie das in der Fetisch-Magie der Fall ist. Wenn ich einen JuJu-Talisman habe, dann schützt der mich vor bestimmten Teufeln, weil er selbst dieser Teufel ist. Ich kann mich auch unsichtbar machen mit einem Fetisch, der dann wiederum selber unsichtbar ist, oder ich schütze mich vor bestimmten Dämonen, weil diese Dämonen, vor denen ich mich schütze, in diesem Fetisch wohnen. Der Fetisch kann zudem mehrere ontologische Kategorien im Sprung verbinden: das ist ein Objekt, aber gleichzeitig auch ein Lebewesen, irgendwie halbes Huhn und halbe Schlange. Mit unseren abendländischen Begrifflichkeiten von Identität und Differenz kommt man da nicht weit. Aber trotzdem sind diese Objekte im Gebrauch und die Leute arbeiten damit. Der Grund warum ich überhaupt darüber nachdenke, ist eine Bildhauerin, die ich sehr verehre, Alina Szapocznikow, die in den 1960iger und 1970iger Jahren ihr Hauptwerk produziert hat und dann an Krebs gestorben ist. Meine Intuition ist, dass bei ihrer besonderen Form von Materialkunst das Material auf magische Art spricht und sie auf höchst aktive Weise Kategorien der Differenz aufhebt und dadurch


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