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Ausgabe N°37 • April / Mai 2014 • Jahrgang 6 • trafficnewstogo.de

TRAFFIC

NEWS TO–GO

PRESS!

ZEITGESCHEHEN S. 8

S. 15

KUNST S. 30

DER RENTENWAHNSINN DER

WHERE TO GO

JUAN GAITÁN ÜBER DIE 8. BERLIN BIENNALE

GROKO

GALLERY WEEKEND

FEUILLETON S. 11

̗2$(3$-«2 ««

BILDER DES POLITISCHEN WIDERSTANDS WETTER S. 12

BERLIN, BASEL, HONG KONG, MIAMI SPORT S. 14

DER WEG DES BOGENS

FRANK THIEL:

NOWHERE IS A PLACE

MODE S. 35

ZEIG MIR DEINE UHR UND ICH SAG DIR WER DU BIST

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MIAMI AND THE BEACH KUNST S. 28

DIE WICHTIGSTEN KUNSTMESSEN IM ÜBERBLICK

REISE S. 36

SAO PAULO WÄHREND DER PROTESTE S. 38

ENGLISH APPENDIX


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Contributors

Ausgabe N°37 • April / Mai 2014 • Jahrgang 6 • trafficnewstogo.de

by Krystian Geyr

CONTRIBUTORS

CONOR CREIGHTON

FRANK THIEL

RAIMAR STANGE

Conor Creighton ist ein Journalist und Konzeptkünstler, der mit Text-Performances arbeitet. Er arbeitet als Korrespondent und Fotograf für den Guardian und Vice. Conor’s Beitrag für diese Ausgabe entstand während seines Aufenthalts in Sao Paolo, wo er über die Movimento Passa Livre berichtete, einer sozialen Bewegung, die während der Proteste gegen den Worldcup in Brasilien 2013 Bekanntheit erlangte. Im Februar 2014 veröffentlichte er außerdem seinen ersten Roman, Saint Frank. Conor’s Sternzeichen ist Stier.

Frank Thiel, der bereits 2010 Fotos vom dekonstruierten Palast der Republik bei TRAFFIC News to-go veröffentlicht hat, beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit Bildern urbaner Transformationen. Seine Bilder eines Berlins, dessen Architektur sich in einem stetigen, unwahrscheinlich schnellen Wandels befindet, sind zu den wichtigsten künstlerischen Arbeiten zu diesem Sujet geworden und sind bereits auf der ganzen Welt in Institutionen wie dem schwedischen Moderna Museet und im spanischen Museo National Centro de Arte Reina Sofia ausgestellt worden. Dieses Editorial zeigt Transformation von Gletschern im Argentinischen Teil Patagoniens.

Raimar Stange könnte man fast schon als Urgestein in der Berliner Kunstszene bezeichnen. Schon vor dem großen Kunstboom hat sich der gebürtige Hannoveraner als freier Kurator und Kunstkritiker in der Bundeshauptstadt gelassen. Neben seiner kuratorischen Arbeit publiziert Raimar regelmäßig in hochrangigen nationalen und internationalen Fachmagazinen wie ArtReview, Frieze, Spike, Artist und Camera Austria.

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VERLEGER Jacques C. Stephens V.i.S.d.P. jacques@trafficnewstogo.de REDAKTEUR Quynh Tran SCHLUSSREDAKTION Frances Marabito, Quynh Tran DESIGN Superbo WEBDESIGN Desisn MITARBEITER DIESER AUSGABE Awst & Walther, Claire Beerman, Nam Hoai Cao, Olivia Capadose, Conor Creighton, Verena Dauerer, Thorsten Denkler, Ralf Diesel, Alexander Duve, Kathrin Eckhardt, Stefan Elfenbein, Juan Gaitan, Natalie Holmes, Frances Marabito, Sophia Mill, Milicent Nobis, Dr. Inge Schwenger, Raimar Stange, Jacques C. Stephens, Max Sudhues, Superbo, Quynh Tran, Adrian Stanley Thomas, Cornelia Tomerius, Saskia Trebing COVER Frank Thiel Perito Morento #11 DRUCK H. Heenemann GmbH & Co. KG ISSN 1869-943 X


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Zeitgeschehen

Ausgabe N°37 • April / Mai 2014 • Jahrgang 6 • trafficnewstogo.de

Die GroKo verfeuert 160 Milliarden Euro für Rentner. Das ist Wahnsinn mit Methode.

REDEN WIR ÜBER RENTE von Thorsten Denkler OK, DAS THEMA scheint jetzt erst mal nicht so prickelnd. Rente. Das klingt nach Siechtum und Krückstock. Das will doch keiner. Aber: weit gefehlt liebe Leserinnen und Leser der Generation Ist-noch-weit-hin-biszum-Altenteil! Was nämlich die GroKo, die große Koalition aus CDU, CSU und SPD, sich da rentenpolitisch zusammengezimmert hat geht dummerweise jeden an. Jetzt schon. Das Rentenpaket ist auf dem Weg. Abgeschickt hat es erst kürzlich Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles von der SPD. Spätestens im Juli soll es ankommen. Dann dürften sich Rentner und solche die es werden wollen sich mächtig freuen: es wird nämlich Geld regnen aus dem Paket. 160 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 – und das ist nur eine vorsichtige Schätzung. Nur damit jeder das versteht: 160 Milliarden Euro, das ist eine Summe, die sieht in Zahlen so aus: 160.000.000.000 Euro. Sie entspricht weit mehr als der Hälfte des Bundeshaushaltes. Nur mal zum Vergleich: etwa fünf Milliarden Euro gibt der Bund für den Ausbau der Kinderbetreuung aus, der Gesamtetat des Bundesmi-

nisterium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit beträgt 6,3 Milliarden Euro und für Bildung und Forschung werden 13 Milliarden Euro pro Jahr ausgegeben. Die Ausgaben für die Rentengeschenke der Bundesregierung stellen das alles in den Schatten. Teuerster Posten im Rentenpaket ist mit fast 70 Milliarden Euro die Mütterrente, jener Gießkannensegen, den sich die CSU ausgedacht hat, die CDU mitgemacht hat und beide in der großen Koalition durchgedrückt haben. Mütter von vor 1992 geborenen Kindern bekommen je nach dem pro Kind bis zu 28 Euro mehr im Monat. Bei allem Respekt vor der Lebensleistung dieser Mütter – das ist ein nettes Geschenk. Aber angewiesen sind sie darauf nicht. Die heutige Rentnergeneration gehört zu der finanziell am besten abgefederten aller Zeiten. Das Argument, die Mütter müssten vor Armut geschützt werden zieht nicht. Denn was müssen Rentnerinnen mit der Mütterrente machen, die von Sozialhilfe leben? Richtig, sie müssen sich jeden Cent auf die Sozialhilfe anrechnen lassen. Heißt unterm Strich ein dickes Plus von genau Null Cent in der Tasche. Na, Danke auch. Das perfide ist, dass die Mütterrente fast voll-

ständig aus der Rentenkasse finanziert wird. Jeder, der in die gesetzliche Rentenkasse einzahlt, finanziert den Unsinn mit. Damit sind Beamte und wohlhabende Selbständige wie Ärzte und Anwälte raus. Und Spitzenverdiener weitgehend auch, weil ihre Beiträge gemessen am Einkommen relativ niedrig sind. Wesentlich gerechter wäre es, das Rentengeschenk aus der Einkommenssteuer zu bezahlen. Aber dann hätten ja die Steuern für Reiche erhöht werden müssen. Das wollten CDU und CSU dann doch nicht. Noch so ein Quatsch ist die Rente mit 63. Die geht auf das Konto der SPD. Wer 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat und währenddessen höchstens zwei Jahre arbeitslos war, der kann mit 63 in Abzüge in Rente gehen. Toll. Alles spricht vom demographischen Wandel. Wir leben immer länger und müssen deshalb auch länger arbeiten, damit die Renten in Zukunft nicht finanzierbar sind. Darum gibt es die Rente jetzt in der Regel erst ab 67 Jahren. Das ist nicht lustig aber kaum anders zu machen wenn die Rentenbeiträge nicht ins Unermessliche steigen oder die Renten massiv sinken sollen. Was nämlich die Rentner

Monat für Monat auf ihr Konto überwiesen bekommen haben kurz zuvor die rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer eingezahlt. Der Witz ist: wieder bekommen das Geschenk vor allem solche Menschen, die jetzt nicht ganz zwingend darauf angewesen wären. Gut verdienende Facharbeiter vor allem. Ausgerechnet solche Arbeitskräfte aber werden jetzt schon händeringend gesucht. Ein Irrsinn denen einen Anreiz zu geben zwei Jahre vor der Zeit in Rente gehen zu können. Und jetzt zu uns. Uns Beitragszahlern, die wir das alles bezahlen müssen. Schon was gemerkt? Richtig, der Rentenbeitrag ist zum Jahreswechsel gar nicht gesunken. Hätte er eigentlich. Um 0,5 Prozent. 200 Euro weniger hätte ein Durchschnittsverdiener im Jahr zahlen müssen. Hätte. Die GroKo hat in einer ihrer ersten Amtshandlungen die eigentlich gesetzlich vorgeschriebene Beitragssenkung verhindert. Das Geld wird natürlich nicht reichen, die Beiträge werden steigen müssen – auch wenn die Regierung Anderes verspricht. Nachhaltige Politik sieht irgendwie anders aus. zeitgeschehen@trafficnewstogo.de


Ausgabe N°37 • April / Mai 2014 • Jahrgang 6 • trafficnewstogo.de

UNVERHOFFT GEFUNDEN

Die monatliche Apokalypse in drei Akten

SPURLOS VERSCHWUNDEN Am 8. März, gegen 1.30 Uhr Ortszeit, kam der Fluggesellschaft Malaysian Airlines zwischen Kuala Lumpur und Peking eine Boing 777 mit 239 Menschen an Bord, mehr als die Hälfte davon Chinesen, abhanden. Obwohl sich zahlreiche Nationen an der Suche beteiligten blieb die Maschine unauffindbar. Dafür fand man aber andere spannende Dinge. Riesige Müllteppiche mitten auf dem Meer zum Beispiel. Gigantische Lücken im Sicherheitssystem (welches ja zwei Iraner mit gestohlen gemeldeten Pässen passieren konnten). Und die Chinesen: endlich mal ein Grund zu de-

monstrieren (gegen die Fluggesellschaft aus Malaysia)! Konsumenten von US-TV-Serien fanden indes noch etwas anderes: nämlich dass das, was mit der Maschine passierte, erschreckende Ähnlichkeiten mit der Story aus „Lost“ aufweist, jener Mystery-Serie von J.J. Abrams, in der die Überlebenden eines Flugzeugsabsturzes in einer Parallelwelt landen und sich dort auf eine Insel retten. Auch da verschwand eine Boing 777 spurlos über dem asiatischen Luftraum. Auch da musste der Pilot den Kurs ändern. Auch da fand zeitgleich zum Verschwinden der Maschine ein Erdbeben am Meeresboden statt. Und ebenfalls mysteriös: ausgerechnet in jenen Tagen, wo die ganze Welt fieberhaft die verschwundene Maschine sucht feierten die

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kurzerhand annektierte. Das führte bekanntlich zu Spannungen und Sanktionen, zu Krise und Kriegsangst – und auch zu der Frage wo wir denn hinkämen, wenn die Einwohner eines Fleckchens Erde einfach selbst entscheiden könnten zu wem sie gehörten? Mallorca wäre dann wohl bald auch de jure Deutsch. Weite Teile Afrikas sicher ebenso, wollen doch viele von dort zu uns – was wiederum den Vorteil hätte, dass kein Flüchtling mehr die gefährliche Flucht antreten und weder Geld noch Leben opfern müsste, käme das ersehnte Deutschland ja direkt zu ihm. Nur, was wäre mit uns – zu wem wollen wir dann lieber gehören?

1,2,3 von Cornelia Tomerius

Zeitgeschehen / Feuilleton

Macher von „Lost“ in L.A. das zehnjährige Jubiläum der Erfolgsserie. Zufall? SICHTBAR VERLOREN Kein Flugzeug, sondern gleich eine ganze Halbinsel ging der Ukraine verloren: die Krim, deren Wahrzeichen übrigens – und vielleicht nicht ohne Grund – ein gefährlich nah am Abgrund thronendes Schloss ist. Zwar wusste man in diesem Verlustfall zumindest über den genauen Aufenthaltsort der Krim Bescheid – die Insel liegt nach wie vor am Schwarzen Meer – nur gehört sie jetzt zu Russland, nachdem die Bewohner per Referendum entschieden, dass sie lieber Russen wären als Ukrainer und Putin die Halbinsel daraufhin

Es gehen aber nicht nur Dinge verloren. Manchmal wird auch was gefunden. So entdeckten Beamte am Flughafen Leipzig-Halle in einem Frachtpaket aus Südamerika, das an den Vatikan adressiert war, 340 Gramm Kokain in flüssiger Form. Der Schwarzmarktwert lag bei 40 000 Euro, abgepackt – und jetzt wird es interessant – in 14 Kondomen! Es hat ja eine Weile gedauert, bis der Vatikan entdeckte, dass Präservative nicht nur Familiengrößen gefährden, sondern durchaus auch nützlich sind. Erst im Jahr 2010 erkannte der Papst an, dass Kondome vor Aids schützen können und lockerte das strikte Verbot der Verhüterli. Wie der Fund der Leipziger Zollbeamten zeigt, hatte man nun offenbar noch weitere Verwendungsmöglichkeiten gefunden. Gratulation! Sollte man im Vatikan jetzt überlegen, was man mit den Dingern vielleicht sonst noch anstellen kann, erinnern wir an dieser Stelle gern an das Gemälde der Künstlerin Niki Johnson, die aus 17000 Kondomen ein riesiges Porträt von Papst Benedikt geknotet hat. Zugegeben, eine Heidenarbeit.

SCHWEIGEN IM PALAST von Saskia Trebing DAS SCHWEIGEN IN der Kunst hat Tradition. Yoko Ono ließ sich 1965 in stoischer Stille die Kleider vom Leib schneiden und nahm mit John Lennon „Two Minutes of Silence“ auf. Gut 40 Jahre später machte Marina Abramovic das Schweigen zum Spektakel. Für ihre Retrospektive saß die Künstlerin drei Monate lang wort- und bewegungslos im New Yorker MoMA. „The Artist is present“ hieß die Ausstellung, die mit 500 000 Besuchern zu eine der erfolgreichsten des

Was passiert, wenn die Bilder des politischen Widerstandes im Museum landen? Museums wurde. Abramovic schaute und atmete – das war genug, um ihren Status als Performance-Heilige zu manifestieren. Seit den Protesten in der Türkei hat die Kunst der Stille einen neuen Hauptdarsteller. Im Juni 2013, nach der Eskalation der Gewalt in den Straßen Istanbuls, stellte sich Erdem Gündüz mitten auf den geräumten Taksim-Platz und

tat stundenlang gar nichts. Die Bilder seines schweigenden Protests verbreiteten sich blitzartig über die sozialen Netzwerke; Gündüz wurde ein Echtzeit-Denkmal für den Widerstand gegen das Regime Erdogan. Inzwischen haben sich seine Aktion und die Bilder davon auch im engeren Sinne zur Skulptur verwandelt. Die Protestbewegungen

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der letzten Jahre sind nicht nur die bestdokumentierten aller Zeiten – ein Phänomen, das der Kulturwissenschaftler Helmut Lethen „Überschuss an Gegenwart nennt“ – sie gelangen auch so schnell wie noch nie zuvor als Kunst in Museen. Peter Weibel, Direktor des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe, vergleicht Erdem Gündüz mit Joseph Beuys und dem Künstlerduo Gilbert & George. Seine Präsenz auf dem Taksim-Platz stellt er in einem Interview in die Tradition der „Living Sculpture“. S.10


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Medizin / Feuilleton

Ausgabe N°37 • April / Mai 2014 • Jahrgang 6 • trafficnewstogo.de

von Dr. Inge Schwenger-Holst, Medizinerin.

Still und stumm… …so sieht der Volksmund den als „Männlein im Walde“ stehenden Fliegenpilz oder den – freiwillig – in meditativer Klausur verharrenden ZenMeister. Lebensreale Bürde ist dies jedoch für die ca. 80.000 gehörlosen Menschen in Deutschland, denn wer ohne Gehör zur Welt kommt, oder dieses früh verliert, hat zunächst keine Chance sprechen zu lernen. Angeborene Taubheit ist häufig genetisch (so haben gehörlose Eltern nicht selten auch gehörlose Kinder), aber auch infektionsbedingt oder toxisch verursacht. Das sonst harmlose, für das Ungeborene im Mutterlaub aber fatale Rötelnvirus, Antibiotika, Zigaretten und / oder Alkoholkonsum während der Schwangerschaft oder eine schwere Komplikation während des Geburtsvorgangs können die Ursache für den Verlust eines unserer wichtigsten Sinne sein. Mit Hilfe objektiver Hörtests kann heutzutage bereits beim Neugeborenen eine Gehörlosigkeit diagnostiziert werden. Weitere Tests sind dann erforderlich um die Lokalisation der Schädigung und damit auch die Weichenstellung für eine eventuelle Therapie möglich zu machen. Ist der Hörnerv intakt und liegt das Problem im Mittel- oder Innenohr gibt es heute bereits ausgereifte Techniken deren Funktion zu imitieren, wenn auch nicht wirklich zu ersetzen. Damit wiederum entscheidet sich, ob nach der für Gehörlose ersten wichtigen Sprache – der Gebärdensprache – die zweite, die Lautsprache gut erlernbar ist. Unbestritten ist, dass die frühe Förderung mit gebärdensprachlichem Unterricht die Sprachentwicklung der betroffenen Kinder wesentlich verbessert. Surft man auf den einfachen aber sehr nachdenklich stimmenden Portalen von Gehörlosen („Visuelles Denken“, „Taubenschlag“), so versteht man, dass es nicht darum geht, eine Gruppe Behinderter, sondern eine „sprachliche Minderheit“ zu verstehen, die sich u.a. auch in einer regelmäßigen Sendung des Bayrischen Rundfunks „sehen statt hören“ wiederfindet. Und dann erhält die meditative Stille, in die wir als vom Lärm der Welt heimgesuchten Hörenden fliehen, eine andere Bedeutung.

Alle Bilder: Exhibition view global aCtIVISm ZKM | Museum of Contemporary Art Photo: Wootton © ZKM | Karlsruhe 2013


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S. 9 Gündüz‘ Performance verweist jedoch nicht nur auf seine Rolle als Künstler, sondern auf den unmittelbaren Ausnahmezustand um ihn herum. Das Schweigen zieht vom Museum auf die Straße – und dann doch wieder ins Museum zurück. Im ZKM in Karlsruhe ist vor wenigen Tagen die Ausstellung „Global aCtIVISm“ zu Ende gegangen. Zu sehen waren Bilder und Artefakte des globalen Aufstandes. Die arabische Revolution traf auf Pussy Riot, Femen und Greenpeace. Dazu türmten sich bunte Occupy-Zelte auf dem Fußboden, und ein Bauzaun mit Flugblättern erinnerte an die Wutbürger von Stuttgart 21. Das ZKM nennt diese Verbindung von Kunst und politischem Engagement „Artivismus“. Ein Begleittext bezeichnet das Phänomen als „vielleicht erste neue Kunstform des 21. Jahrhunderts“. Mit dieser Auffassung sind die Kuratoren der Ausstellung offenbar nicht allein, denn auch andere Museen haben sich in den vergangenen Jahren als Institutionen der Sofortarchivierung präsentiert. Im Sommer 2012 besetzten Occupy-Aktivisten auf Einladung die 7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst und breiteten sich erwünscht und beobachtet in der Haupthalle der Kunst-Werke aus. Auch in ihrer Geburtsstadt New York fand sich die Occupy-Bewegung schneller in Ausstellungen wieder als sich „We are the 99%“ rufen lässt. Während auf der Straße noch die Plakate getragen wurden, zeigte das New York Museum eine Schau mit Protestbotschaften. Diese unmittelbare Musealisierung zeigt die komplexe und widersprüchliche Rolle, die den Bildern des weltweiten Aktivismus heute zukommt. Auf dokumentarischer Ebene informieren sie über Geschehenes und ermöglichen Anteilnahme für alle, die nicht dabei sind. Gleichzeitig formen sie unsere Wahrnehmung der Ereignisse und konstruieren so Realität. Die sozialen Netzwerke bieten die Möglichkeit, die Flut der Bilder nahezu ungefiltert und abseits der etablierten Medien zu verbreiten. Fast ohne zeitliche Distanz folgen jedoch die Kulturwissenschaftler, Kunsthistoriker und Museen, die ebendiese ungefilterten Bilder für sich beanspruchen. „In den kalten, weißen Hallen und tristen

Black Boxes dieser Institutionen macht man sich nur selten die Mühe, Kunst und Kreativität zu nutzen, um effektive Formen des Widerstands zu etablieren“, schreibt der Aktionskünstler John Jordan in seinem Essay Fashion Victims – Kunstaktivismus und die Maske der Institution. „Man betreibt jedoch sehr viel Aufwand, um Taktiken des Protests in den Bereich der Kunst zu verbannen, als handele es sich dabei um einen Zoo für exotische Arten: die echten AktivistInnen. So kommt es zu absurden Situationen, wenn zum Beispiel ein gut situiertes One-PercentPublikum die Protestler der Berlin Biennale beim Demonstrieren beobachtet. Hinter den Mauern des Museums kann der Widerstand nicht mehr stören, und so besteht die Gefahr, dass die politischen Anliegen als erledigt – und damit unbedeutend und ungefährlich – wahrgenommen werden. „Können diese Institutionen Werkzeuge sein, die unser Potenzial verstärken?“ fragt John Jordan, „oder sind sie Paläste, die eigens dafür errichtet wurden, damit wir darin den Hofnarren geben?“ Lethen kommentiert den Aktivismus im Museum weniger zynisch. „Fotos entfalten ihr ganzes Potenzial erst in der Zirkulation. Bilder sind Waren. Und das ist gut so.“ Er sieht die Musealisierung nicht als Hofnarr-Präsentation, sondern eher als Bestärkung der politischen Anliegen: „Das ist eine Rangerhöhung für die Bewegungen. Das Museum generiert Aufmerksamkeit und Schutz für die Beteiligten. Man kann sie nicht mehr ignorieren.“ Im Überfluss der Gegenwart versteht er die Institutionen auch als filternde Instanz für den bodenlosen Bilderstrudel. „Mit Ausstellungen können die Mechanismen untersucht werden, mit denen die Massenkommunikation funktioniert. Sie können kritische Schneisen in die Bilderflut schlagen. Damit man darin nicht untergeht.“ Aus den Millionen Bildern vom Taksim-Platz hat Erdem Gündüz die kritische Prüfung überlebt. Sein Schweigen hat Bestand – auch im Museum. Im ZKM in Karlsruhe wird seine Aktion „duran adam“ jeden Freitag um 14 Uhr wiederholt. Dort kann man selbst herausfinden, inwieweit das Gefühl des Protestierens transportabel ist.

Feuilleton

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Das Wetter

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HE GRAND HOTEL LES TROIS

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DAS WETTER 25 HOURS HOTEL

von Olivia Capadose aus dem Englischen von Frances Marabito wetter@trafficnewstogo.de

© Lars Tunbjörk

RESTAURANT PIERRE — HONG KONG

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JAMES HOTELS

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BASEL

BERLIN

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47° 56’ N, 07° 60’ E

52° 51’ N, 13° 38’ E

MILDES MIKROKLIMA

HEITER MIT SPONTANEN SCHAUERN

In einem Tal mit eigenen Mikroklima begrüßt Basel im Juni nicht nur den schönsten klimatischen Monat des Jahres, sondern auch internationales Publikum zur wohl wichtigsten zeitgenössischen Kunstmesse. Basel ist die Mutter der Art Basel – wo würde es sich da besser logieren als in Basels ursprünglichstem Hotel? The Grand Hotel Les Trois Rois gehört zu den Ältesten in Europa – man denke an reiche Farben, antike Möbel, goldene Wasserhähne und Michelin-Sterne. Von Größen wie Napoleon und später Pablo Picasso beehrt, strahlt es die Aura einer vergangenen Ära aus, ohne dabei antiquiert zu wirken. Und für die Blaublütigen unter uns bietet die Suite Les Trois Rois mit Whirlpool auf der Dachterrasse und einem Blick über den Rhein alles was das Herz begehrt.

Zum 10. Jubiläum des Gallery Weekends versammelt sich die Kunstwelt diesen Mai wieder in der Bundeshauptstadt – da ist die Nachfrage nach einer Bleibe, die den Erwartungen der Kunstwelt gerecht wird, in Hochkonjunktur. Das 25hours Bikini scheint kreative Vielfalt zu liefern. Das Hotel in dem 1950er-Hochhaus haben sich drei selbsternannte Streiche-Spieler ersinnt, die in die Welt gezogen sind um Hotels ihre gleichgeschaltete Steifheit auszutreiben. Mit einem 360°-Panorama über Tiergarten und Kurfürstendamm, einer eigenen Bäckerei und bunt zusammen gewürfeltem Design erreicht dieser urbane Dschungel das auf jeden Fall. Er ist jung, macht Spaß und stimuliert die Geister der Besucher des Gallery Weekends mit seinem kreativen Design ganz bestimmt.

HONG KONG

MIAMI

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4

22° 27’ N, 114° 15’ E

25° 78’ N, 80° 22’ W

SCHWÜL MIT GETRÜBTER SICHT

HEISSE SOMMERNÄCHTE

Auch wenn die Art Basel in Hong Kong erst in ihrem zweiten Jahr ist, ist sie bereits zu einer wichtigen Plattform geworden um asiatische Künstler und Galerien in einer sonst sehr westlich zentrierten Industrie zu zeigen. Als offizieller Partner der Kunstmesse würdigt das Mandarin Oriental das Engagement um die Kunst und bietet Kunstfanatikern ein experimentelles „Art Stay“ an. Dazu gehören nicht nur Ausstellungen in den eigenen Räumen, sondern auch kreative Cocktails in der M Bar und kunst-inspirierte Gerichte wie eine Berliner Mauer aus Brioche und Foie Gras im Sterne-Restaurant Pierre mit Blick auf die Victoria Harbour.

Während Basel der Pate der Art Basel ist, ist Miami der aufstrebende Superstar. Sie trumpft mit strahlendem Meer, Neonlicht und VIPPartys – bei der amerikanischen Version der Art Basel, trifft das Kunstvolk aus der alten Welt auf Stars aus Hollywood und New York. Miami ist Glitzer, Glanz und Glamour und umschmeichelt Eitelkeit und Party-Lust. Die Location des The James Royal Palm Hotel an Miamis Ozeanfront zieht ebendieses quirlige Publikum an. Mit Art déco-Design, kühnen Farben und einem Panorama-Blick auf das türkisblaue Meer ist es der Inbegriff der Stadt und der perfekte Ort um die Hitze bis tief in die Nacht zu treiben.


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Sport

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von Conor Creighton — Übersetzt aus dem Englischen (S.38) von Frances Marabito ES WAR EIN Deutscher aus Bayern, der dem Rest der Welt über japanisches Bogenschießen berichtete. Kyudo, wie es genannt wird, wurde lange Zeit als erhabene Kampfsportkunst gesehen, aber mit Ankunft der Portugiesen und ihrer Feuerwaffen verlor Kyudo an Bedeutung. In der modernen Zeit erblüht Kyudo in zweierlei Hinsicht. KYUDO IST MEDITATION. DAS ZIEL VON KYUDO IST DEIN HERZ TIEF ZU REINIGEN. Eugen Herrigel war ein bayrischer PhilosophieProfessor zwischen den Weltkriegen. Er reiste nach Japan um Zen zu studieren und traf auf den Kyudo-Meister Awa Kenzô. Nach mehrjährigem Studium bei Awa publizierte er das Buch Zen in der Kunst des Bogenschießens. Dieses Buch war es, das der Welt Kyudo nahebrachte und sogar eine neue Generation von Japanern ermutigte Kyudo zu praktizieren. DAS ZIEL ZU TREFFEN IST DER WEG DER BEGIERDE. DAS IST NICHT HILFREICH. WENN ETWAS DAS ZIEL TRIFF KANN MAN GLÜCKSELIGKEIT EMPFINDEN. KYUDO ABER GEBIETET DIESER ART VON GLÜCKSELIGKEIT, DIE LEDIGLICH EIN VERGNÜGEN UNSERES EGOS IST, EINHALT. OB DAS ZIEL GETROFFEN WIRD ODER NICHT IST NICHT DAS WESENTLICHE DIESER ÜBUNG. Kyudo ist im Prinzip ein Sport, aber das Ziel zu treffen wird Anfängern sehr leicht gemacht. Die Zielscheibe, Makiwara genannt, wird gerade mal drei Meter vom Bogen, Yumi genannt, platziert – selbst ein einarmiger Schütze könnte da kaum verfehlen. Laut Eugens Deutung nach Zen-Prinzip sollte es das letzte sein an die Zielscheibe zu denken, sondern es sollte darum gehen, sich „von den Neigungen des Bogens einnehmen zu lassen“.

zum Zen falsch sind und jene, die den sportiven Aspekte als konträr zur Essenz des Kyudos sehen. Im Detail gibt es natürlich, wie mit allen Dingen, die von einer fremden Kultur aufgegriffen werden Probleme. Gerade Eugens meditative Interpretationen werden, oft als falsch angesehen, weil er möglicherweise mit falschen Übersetzern zusammenarbeitete, weil möglicherweise Awa Kenzô gar kein wirklicher Meister war, sondern nur Aufschneider. Eugen selbst konnte dazu keine Stellung nehmen weil er – auch nach 1945 – als glühender Anhänger der NSDAP ins akademische Exil verbannt wurde. Der Titel des Buchs wurde jedenfalls zu einer Zielscheibe der Parodie. Zen und die Kunst des Schreibens oder Zen und die Kunst der Motorradreparatur sind nur zwei der Abwandlungen. Zen Bogenschießen, wie es Eugen praktizierte, hat aber in Europa und den USA an Popularität gewonnen, wohl auch wegen des allgemeinen Trends des In-SichKehrens und der Sehnsucht nach Ruhe und Loslösung. Wie bei der versehentlichen Erfindung von LSD ist es wohl auch hier den Kyudo-Meditatoren egal, dass ihr Urheber ein kultureller Blindgänger sein könnte. HASTIG IN KLEINEN KREISEN UMHERRENNEN, DAS IST NICHT KYUDO. HALTE INNE. BETRETE DEN GROSSEN KREIS. DAS IST DER WEG UM EINE FRIEDLICHE WELT ZU SCHAFFEN. WIR KÖNNEN EINEN GROSSEN BOGEN DES FRIEDENS UM DIE WELT SPANNEN. DAS IST DER SIEG!

Alle Zitate von Kanjuro Shibata XX, Sensai und erster Meister, der Kyudojos außerhalb von Japan eröffnete.

Aber natürlich überlassen Kampfsportschützen nichts dem Zufall. Gerade wenn sie Ziele über 60 Meter anpeilen verbringen sie ihr ganzes Leben damit jegliche Zufallskomponente zu eliminieren. BEIM KENDO, KARATE, JUDO, BEI ALL DIESEN FORMEN, KOMMT DER SIEG DAVON, JEMAND ANDEREN ZU BESCHNEIDEN. IM KYUDO IST DAS GANZ ANDERS. HIER BESCHNEIDET MAN SICH SELBST, DAS EIGENE EGO. Kyudo ist wie eine zweiköpfige Schlange. Es gibt jene, die glauben, dass die Verbindung

sport@trafficnewstogo.de

© GIME

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Kunst

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Berlin mag vielleicht keine weltbewegende Kunstmesse haben, aber wie artnet News erst im Frühjahr geschrieben hat ist Berlin „the place to go“ für Kunstsammler und Kunstinteressierte. Gerade zum GALLERY WEEKEND trumpfen die hochkarätigen Berliner Galerien und Kunsträume mit ihren besten Shows. von Sophia Mill VIER BERLINER KREATIVE VERRATEN UNS IHRE FAVORITEN UND „PLACES TO GO“ RUND UM DAS GALLERY-WEEKEND.

Alexander Duve

Max Sudhues

GALERIST, DUVE BERLIN

BILDENDER KÜNSTLER

Was sind Deine Must-Sees für das Gallery Weekend David Claerbout bei Johnen, Simon Dybbroe MølDieses Jahr gibt es viele interessante Shows. ler bei Kamm sowie Thomas Bayrle, Harald PridMeine Highlights in diesem Jahr sind wohl die und welche Off-Site-Veranstaltungen empfiehlst Du? gar und Michel Majerus bei Neugerriemschneider Shows bei Carlier Gebauer, Contemporary Fine im Majerus Estate. Ein Off-Tip ist der junge Raum Arts, Croy Nielsen und Societé. Bei mir läuft die 3. Solo-Show des US-Künstlers Evan Gruzis, die man sich auch nicht entgehen lassen sollte. „insitu“, der mit der Ausstellung „Blank Page“ aufwartet – die die Frage beantwortet, was passiert, wenn Künstler sich langweilen und im Atelier oder auf Flugreisen die Zeit totschlagen. Aus diesem Zeitvertreib können sehr sehenswerte Arbeiten entstehen! Kunst ist doch schon lange nicht mehr skandalös. Was ist das Beeindruckendste oder Skandalöseste, was Du Die für mich bisher beeindruckendste Ausstellung Für Skandale sorgen jetzt andere … Aber zwei Ausin 2014 war „Okazaki“ von Ariel Schlesinger bei dieses Jahr gesehen hast? stellungen, die man nicht unerwähnt lassen darf Gregor Podnar. Die Sprünge im Glas japanischer sind die aktuelle Einzelausstellung von John Bock bei Sprüth Magers und die Christoph Schlingen- Holzfenster, die Schlesinger erst abfotografiert, dann aus ihrem Rahmen gelöst und später mit sief neulich in den Kunstwerken. dem Foto der beschädigten Situation zusammen neu gerahmt und ausgestellt hat, und auch seine „Inside-Out-Urnen“ sind wunderschöne, fragile Erzählungen, beinahe mentale Bildhauerei, und kratzen an ganz großen existentiellen Fragen.

Wohin gehst Du Zum Dinner ins Grill Royal oder kein Dinner und nur Curry Mitte am Rosenthaler Platz. Für Drinks bleibt man am besten gleich im Grill, oder da wo es einen eben spontan hin verschlägt.

Organic Art ist ein Trend in Berlin. Und Berlin hat schon alles was es braucht um internationale Metropole zu werden.

zum Dinner und für Drinks?

Man kann Dinner und Drinks köstlich verbinden – zum Beispiel in der Bar „Das Gift“ in Neukölln, die auch einen kleinen Projektraum hat. Mit „Das Gegengift“ wird dort seit kurzem richtig leckeres und dazu preiswertes schottisches Essen serviert, das man später mit Whiskey und Bier abrunden kann. Wer meint, es gibt keine kulinarischen Highlights aus UK, wird hier eines Besseren belehrt!

Welcher Trend zeichnet sich in Berlin ab? Und was braucht die Stadt um internationale Metropole zu werden?

Wenn man Kunst und Leben nicht voneinander trennt, kein guter: Sobald man aus den weißen Sälen der etablierten Kunstpräsentation auf die Straße tritt bestimmen leider die immer schneller um sich greifende Gentrifizierung, der Anstieg der Mieten und die daraus folgende Verarmung und schließlich Verdrängung (nicht nur) von Künstlern und Kreativen aus den Innenstadtlagen Berlins das derzeitige Bild. Daran verdienen Investoren und Hausbesitzer, aber ganz sicher nicht diejenigen, die laut Gentrifizierungslogik jetzt dem „Fortschritt“ weichen müssen. Dieser Druck killt über kurz oder lang die Produktivität – und das macht arm und ist so gar nicht sexy.


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Special: Gallery Weekend

Ausgabe N°37 • April / Mai 2014 • Jahrgang 6 • trafficnewstogo.de

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Opening: 02 May `14 - 7 pm 02 May – 14 June`14

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5. BQ Richard Wright Weydingerstrasse 10

9. Carlier | Gebauer Memory Palaces Markgrafenstrasse 67

13. Croy Nielsen Hugh Scott-Douglas Weydingerstrasse 10

17. Galerie Michael Haas Arnulf Rainer; Dennis Scholl Niebuhrstrasse 5

21. Kewenig Bertrand Lavier Brüderstrasse 10

2. Galerie Guido W. Baudach Björn Dahlem Potsdamer Strasse 85

6. Galerie Buchholz Lutz Bacher Fasanenstrasse 30 7. Buchmann Galerie Wolfgang Laib Charlottenstrasse 13 Buchmann Box Charlottenstr. 75

14. Galerie Eigen + Artv Tim Eitel Auguststrasse 26 Eigen + Art Lab Despina Stokou Auguststrasse 11–13

18. Galerie Max Hetzler Richard Phillips Bleibtreustrasse 45 Robert Holyhead Goethestrasse 2/3

22. Kicken Berlin Structures And Surfaces Linienstrasse 161 A

3. Blain | Southern Lynn Chadwick Potsdamer Strasse 77–87

10. Mehdi Chouakri Gerold Miller Edison Höfe, Invalidenstr. 117 (Entrance Schlegelstr. 26)

4. Galerie Isabella Bortolozzi Seth Price Bülowstrasse 74 Wu Tsang Schöneberger Ufer 61

8. Capitain Petzel Adam Mcewen Karl-Marx-Alle 45

11. Circus Just ’Cos Always Obentrautstrasse 21/ Haus 17 (Backyard) 12. Contemporary Fine Arts Christian Rosa; Maximalism Am Kupfergraben 10

15. Konrad Fischer Galerie Magnus Plessen Lindenstrasse 35 16. Gerhardsen Gerner Julian Opie Holzmarktstrasse 15–18 (S-Bahnbogen 46)

19. Johnen Galerie David Claerbout Marienstrasse 10 20. Galerie Kamm Simon Dybbroe Møller Rosa-Luxemburg-Strasse 45 Outdoor Installation Kurfürstenstrasse 142

23. Johann König Jessica Jackson Hutchins Dessauer Strasse 6–7 St. Agnes Michael Sailstorfer Alexandrinenstrasse 118–121 24. Kow Chris Martin Brunnenstrasse 9

25. Kraupa-Tuskany Zeidler Katja Novitskova Karl-Liebknecht-Strasse 29 (4Th Floor) 26. Tanya Leighton Robert And Trix Haussmann; Friedrich Kuhn Kurfürstenstr. 156 27. Meyer Riegger Katinka Bock Friedrichstrasse 235 Showroom Friedrichstrasse 17 28. Moeller Fine Art Pravoslav Sovak Tempelhofer Ufer 11


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32. Peres Projects David Ostrowski Karl-Marx-Alle 82

36. Esther Schipper Liam Gillick Schöneberger Ufer 65

40. Sommer & Kohl Andreas Eriksson Kurfürstenstrasse 13/14

33. Galeria Plan B Achraf Touloub Potsdamer Strasse 77–87 (Second Backyard, Building G)

37. Galerie Micky Schubert Maximilian Zentz Zlomovitz Bartningallee 2–4

41. Sprüth Magers Berlin London Reinhard Mucha; Peter Fischli / David Weiss; Philip-Lorca Dicorcia Oranienburger Strasse 18

34. PSM Nadira Husain Köpenicker Strasse 126

38. Galerie Thomas Schulte Gordon Matta-Clark; Dieter Appelt Charlottenstrasse 24

35. Aurel Scheibler Philip Guston Schöneberger Ufer 71

39. Société Ned Vena Genthiner Strasse 36

42. Supportico Lopez Julian Beck Kurfürstenstrasse 14 B 43. Galerie Barbara Thumm Antonio Paucar Markgrafenstrasse 68

44. Sassa Trülzsch Klaus Vom Bruch Ingo Günther Blumenthalstrasse 8

48. Kunsthandel Wolfgang Werner Gerhard Von Graevenitz Fasanenstrasse 72

45. VW (Veneklasen/Werner) Huma Bhabha Rudi-Dutschke-Strasse 26

49. Wien Lukatsch Georges Adéagbo Schöneberger Ufer 65

46. Galerie Barbara Weiss Geta Brâtescu Kohlfurter Strasse 41–43

50. Zak | Branicka Zofia Kulik Lindenstrasse 35

47. Wentrup Florian Meisenberg Tempelhofer Ufer 22

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PERITO MORENO #16 VORHERIGE SEITE: PERITO MORENO #11


PIEDRAS BLANCAS


FAST 20 JAHRE HAT SICH DER KÜNSTLER FRANK THIEL DAMIT BESCHÄFTIGT, WIE SICH DIE STÄDTEBAULICHEN, POLITISCHEN, KULTURELLEN UND SOZIALEN VERÄNDERUNGEN IM BERLIN NACH DEM MAUERFALL IN DIE SICH RADIKAL VERÄNDERNDE URBANE TOPOGRAFIE DER STADT EINGESCHRIEBEN HABEN. SEINE BILDER DES ÜBERGANGS, DES UNFERTIGEN UND PROZESSHAFTEN GEHÖREN ZU DEN WICHTIGSTEN KÜNSTLERISCHEN ARBEITEN ZUM THEMA STÄDTISCHE TRANSFORMATION. MIT DEMSELBEN, FAST ARCHÄOLOGISCHEN BLICK FÜR DETAILS UND KOMPOSITION UND EINEM NAHEZU MALERISCHEN VERSTÄNDNIS FÜR ABSTRAKTION UND FARBEN HAT FRANK THIEL 2012 BEGONNEN SEINE ÄSTHETIK DES UNFERTIGEN AUF ANDERE THEMEN ZU ÜBERTRAGEN UND DIE ORGANISCHE „ARCHITEKTUR“ VON GLETSCHERN IM ARGENTINISCHEN TEIL PATAGONIENS ZU SEINEM THEMA GEMACHT. ENTSTANDEN IST EINE BILDERSERIE, DIE EINE EINDRUCKSVOLLE REFLEXION ÜBER DIE ERHABENHEIT UND UNVERWÜSTLICHKEIT, UND ZUGLEICH DIE FRAGILITÄT, BEDROHUNG UND ENDLICHKEIT DIESER EINZIGARTIGEN GEBILDE DER NATUR IST. RELIEFARTIGE OBERFLÄCHEN IN ENDLOSEN VARIATIONEN VON BLAU, GRAU, SCHWARZ UND WEISS, MIT EINEM UNBESCHREIBLICHEN DETAILREICHTUM, VERFÜHRERISCH UND BEUNRUHIGEND ZUGLEICH. MAJESTÄTISCH ANMUTENDE EISWÄNDE MIT METERBREITEN RISSEN, TIEFEN SPALTEN, DRAMATISCHEN VORSPRÜNGEN, GLITZERNDEN KRISTALLINEN SPITZEN, MIT AUSSERIRDISCH AUSSEHENDEN FORMEN, DURCHZOGEN VON WIE EINGRAVIERT WIRKENDEN, BLAUEN ADERN, DIE SICH BIS ZU 80 METER ÜBER DEN LAGO ARGENTINO UND DIE UMLIEGENDEN BERGE ERHEBEN. DIESE MONUMENTE DER NATUR SIND ÜBER JAHRTAUSENDE AUS EIS GEFORMT UND DAMIT ÄLTER ALS ALLE VON MENSCHENHAND GESCHAFFENEN BAUWERKE. FRANK THIELS BILDER WURDEN ANFANG DES JAHRES ZUM ERSTEN MAL IN NEW YORK BEI SEAN KELLY AUSGESTELLT UND SIND AB MITTE MAI IN SÃO PAULO IN DER GALERIE LEME ZU SEHEN. ABBILDUNGEN: COURTESY SEAN KELLY GALLERY – NEW YORK; GALERIA LEME – SÃO PAULO © VG BILD-KUNST, BONN


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25. Kraupa-Tuskany Zeidler Katja Novitskova Karl-Liebknecht-Strasse 29 (4Th Floor) 26. Tanya Leighton Robert And Trix Haussmann; Friedrich Kuhn Kurfürstenstr. 156 27. Meyer Riegger Katinka Bock Friedrichstrasse 235 Showroom Friedrichstrasse 17 28. Moeller Fine Art Pravoslav Sovak Tempelhofer Ufer 11


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B U Y A RT 29. Galerie Neu » 20 Years Galerie Neu « Linienstrasse 119 ABC Alex Hubbard Mehringdamm 72 30. Neugerriemschneider Pae White Linienstrasse 155 Michel Majerus Estate Thomas Bayrle/Harald Pridgar & Michel Majerus Knaackstrasse 12 31. Galerie Nordenhake Paul Fgerskild Lindenstrasse 34

32. Peres Projects David Ostrowski Karl-Marx-Alle 82

36. Esther Schipper Liam Gillick Schöneberger Ufer 65

40. Sommer & Kohl Andreas Eriksson Kurfürstenstrasse 13/14

33. Galeria Plan B Achraf Touloub Potsdamer Strasse 77–87 (Second Backyard, Building G)

37. Galerie Micky Schubert Maximilian Zentz Zlomovitz Bartningallee 2–4

41. Sprüth Magers Berlin London Reinhard Mucha; Peter Fischli / David Weiss; Philip-Lorca Dicorcia Oranienburger Strasse 18

34. PSM Nadira Husain Köpenicker Strasse 126

38. Galerie Thomas Schulte Gordon Matta-Clark; Dieter Appelt Charlottenstrasse 24

35. Aurel Scheibler Philip Guston Schöneberger Ufer 71

39. Société Ned Vena Genthiner Strasse 36

42. Supportico Lopez Julian Beck Kurfürstenstrasse 14 B 43. Galerie Barbara Thumm Antonio Paucar Markgrafenstrasse 68

44. Sassa Trülzsch Klaus Vom Bruch Ingo Günther Blumenthalstrasse 8

48. Kunsthandel Wolfgang Werner Gerhard Von Graevenitz Fasanenstrasse 72

45. VW (Veneklasen/Werner) Huma Bhabha Rudi-Dutschke-Strasse 26

49. Wien Lukatsch Georges Adéagbo Schöneberger Ufer 65

46. Galerie Barbara Weiss Geta Brâtescu Kohlfurter Strasse 41–43

50. Zak | Branicka Zofia Kulik Lindenstrasse 35

47. Wentrup Florian Meisenberg Tempelhofer Ufer 22

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ND BERLIN 2014

2.5.2014 – 7.6.2014 Op eni ng on Fri d ay M ay 2, 2014, 7– 9.30 p m


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Kunst

Ausgabe N°37 • April / Mai 2014 • Jahrgang 6 • trafficnewstogo.de

Claire Beermann

Nam Cao Hoai

BLOGGERIN

GASTRONOM, DUDU & BONBON BAR

Ich freue mich besonders auf Richard Phillips in der Galerie Max Hetzler in der Bleibtreustraße, Klaus vom Bruch bei Sassa Trülzsch und Michael Sailstorfer in der Galerie Johann König in der St. Agnes Kirche.

Nicht skandalös, aber paradiesisch schön (und damit eine richtige Wohltat in Zeiten rauer Kunst): Philipp Keel in der Galerie Camera Work.

Zum Dinner ins Ruben & Carla und für Drinks ins Melody Nelson.

Was sind Deine Must-Sees für das Gallery Weekend und welche Off-Site-Veranstaltungen empfiehlst Du?

Nicht kunstbezogen, aber hier drei tolle Orte in Berlin: im Mauerpark kann man sehen wie vielfältig Berlin ist. Da trifft sich alles, Berliner, Zugezogene, Touristen, das Zusammengewürfelte aus allen Himmelsrichtungen, was Berlin ausmacht. Potsdam mit dem Babelsberger Park, Heiligensee und das Holländische Viertel. Es tut gut einfach mal aus der Stadt zu kommen. Gärten der Welt, Tee im Pavillon im Chinesischen Garten.

Was ist das Beeindruckendste oder Skandalöseste, was Du dieses Jahr gesehen hast?

Was mich in letzter Zeit ästhetisch am meisten beeindruckt hat ist die Realisierung des neuen Dudu im Bleibtreu Hotel hat ist die architektonische Realisierung des zweiten Dudu31 im Bleibtreu Hotel. Das Innenraumkonzept ist inspiriert von einer im Meer versunkenen Schmuckschatulle und ist visuell einfach in sich stimmig.

Wohin gehst Du zum Dinner und für Drinks?

Für Drinks in die Bonbon Bar und zum Würgeengel. Beim Essen mag ich es puristisch, meine Favoriten sind das Grill Royal, das Jolesch, das ehrliches, österreichisches Essen macht, und der Dong Xuan Markt in Lichtenberg für authentisches vietnamesisches Essen.

Die Galerien sind definitiv das Alleinstellungs- Welcher Trend zeichnet sich in Berlin ab? Und was braucht Die Stadt diversifiziert sich. Die Leute trauen sich, merkmal der Stadt, weil sie so vielseitig und unterwerden kreativer. In der Gastro-Szene macht sich die Stadt um internationale Metropole zu werden? schiedlich sind: Kunstliebhabern wird von schödas auch durch Streetfood und mehr Alternativen ner bis anti-sinnlicher, zweckloser bis politischer aus Amerika wie Burger bemerkbar. Auch sonst haKunst, von Max Hetzler bis Wien Lukatsch alles geboten. Berlins Kunstszene ist sehr offen und ben die Leute mehr Mut Träume und Ideen umzusetzen. Berlin ist damit auf einem guten Weg Mebleibt dabei kritisch und differenziert. Ist Berlin nicht längst Metropole? Das neue New York, tropole zu werden. Aber die Politik und die Bürokratie sind ein bisschen festgefahren und könnten heißt es doch. offener werden.


Ausgabe N°37 • April / Mai 2014 • Jahrgang 6 • trafficnewstogo.de

Also runter vom Dach, kurz Pizza essen, bei „Lucali“, dem wahren Insider-Szene-Treff on the Beach in einer alten Fabrikhalle fast an der Bay. Star am Ofen ist Brooklyns einstiger Kult-Pizzabäcker Mark Iacono. „Hier auf der Beach-Rückseite gab’s vorher nichts“, sagt Restaurantmanager Thomas Ladd, „und gute Pizza in ganz Miami nicht.“ Die wird aber nun, gleich einen halben Meter groß, auf Metallständern auf den Tischen wie ein Kunstwerk präsentiert. Zutaten wählt man selber, alles von Bio-Farmern aus Südflorida, die frisch pürierte und richtig schön sonnig-aromatische Tomatensauce mit saftigen Knoblauchstücken kommt separat im Suppenteller. Die Art-déco-Meile, die in den 1940er Jahren mit der Fifth Avenue verglichen wurde, soll durch einen Insel-Masterplan aufgepeppt werden. Gleich zwei angesagte Orte hat man hier im „SLS Hotel South Beach“ eröffnet: das „Katsuya“ von Katsuya Uechi, wo asiatisch-kalifornisch-kreatives Seafood im „ Juvia“-Ambiente serviert wird, und „The Bazaar“ von José Andrés. Vor schrägem, französischem Landhausstil von Philippe Starck wird herrlich verrückte „Miami meets the World“-Küche kredenzt, Traditionelles aus aller Welt, neuinterpretiert mit Miami-Note - oder umgekehrt. „Little Sandwichs“, zum Beispiel, drei mit Gänselebermus, Erdnussbutter und Himbeergelee gefüllte Macarons aus original nachgerührtem Wonder Bread-Teig – dem ehemaligen amerikanischen Weißbrot-Wunder - gereicht auf einem Art Deco-Diner-Toastbrot-Ständer, oder „Key Lime Pie José’s Way“, ein Carpaccio aus hauchdünnen, honigsüß marinierten Limonenscheiben, geflammten Mini-Baiser-Häubchen und knuspriger Crumble.

THE BAZAAR by Skott Snider

Wir fahren über die Bay zum Festland nach Downtown, wo gerade durch den neuen Museumspark von Herzog & de Meuron und die Art Basel Miami viel passiert. Lunchen kann man in „Wolfgang’s Steakhouse“. Interessanter ist aber das „Cipriani Downtown“ im „IconBrickel“, Miamis spektakulärstem Luxus-Wohnprojekt – weniger wegen des Essens, sondern wegen der Kulisse der neuen High Society – Murano-Glass und Kellner im Frack zu denen man erst über die Anfahrt durch einen „Urwald“ von stählernen Bäumen, entworfen von Philippe Starck, gelangt. Weiter in Coral Gables, wo das Old Money residiert, befindet sich das „Swine Southern Table & Bar“, ein hoher Raum, rappelvoll, mit Galerie, viel Backstein, rohes Holz, Wellblech, Jazz aus den 30s. „Mitten in der Krise haben wir on the Beach Heimatliches vermittelt, mit gutem Service, besten regionalen Produkten“, sagt CEO John Kunkel und gratuliert zur Wahl des „Swine Burger“, einem Berg aus Fleisch von Ribs und Brisket, mit Beacon, hausgemachten Pickles. Auf nach Wynwood in den „Wynwood Art District“, wo nun die führenden Künstler und Galerien nach der Krise hingezogen sind. Kein SoHo mit kuscheligen Ecken und Cafés, stattdessen lange Häuserbocks mit Fabrik- und Lagerhallen, jetzt alle bunt bemalt. Und alles spielt sich innen ab, hinter Türen, die man kennen muss. Immer und für jeden offen ist die „Wynwood Kitchen & Bar“, mit verrückt-rot-goldenem Interieur und Kunst und Skulpturen im großen Garten. Mit-

CYPRESS BURGER by Michael's Genuine

JUVIA by Michael Stavaridis

Über das „ Juvia“ im gläsernen Penthouse auf dem Dach des UFO-artigen Komplex von Herzog & de Meuron am Ende der Lincoln Road spricht fast jeder in der Stadt. Schon das Gebäude hat für Aufsehen gesorgt. Dazu passend, das „Interieur: leicht futuristisch, spacig-schlicht, viel Weiß, ein bisschen Lila. Und auf der Karte moderne Szene-Küche, Ceviche, Sushi, Hummer, Steaks, aber auch Kreatives. Schön angerichtet waren die an Spießen aus Zuckerrohr gegrillten und servierten Riesengarnelen mit Yuzu-Vinaigrette und „Tostones“, Plätzchen aus frittierten Süßkartoffeln. Gelungen auch das Dessert, Haselnuss-Ravioli mit GranatapfelSorbet im Zitrusfrüchte-Süppchen. Highlight und Hauptattraktion ist aber die Aussicht, unschlagbar - und irgendwie auch symbolhaft! Auf der einen Seite schaut man über ganz South Beach, bis hin zur Art-déco-Hotel-Parade am azurblauen Atlantik, auf der anderen, hinter der Biscayne Bay, sieht man das Festland, die Stadt Miami – zwei bis vor kurzem zumindest noch mental getrennte Welten. Genau das hat sich aber klar geändert. „On the Beach“ und „off the Beach“, auf der Insel oder eben nicht, eins von beiden hört man eigentlich ständig. Miami-Stadt, in weiten Teilen einst eher leer und düster, hat auf einmal die „In“-Bezirke. Die schicke, teure Beach dagegen musste sich nach dem Platzen der Immobilien-Blase vor sechs Jahren neu erfinden.

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tags gibt es gute Cocktails und Kleinigkeiten, abends kreatives Südamerikanisches; Kochbananen, Bohnen, Oktopus. Kulinarischer Geheimtipp ist aber das hinter einer unscheinbaren Klingel versteckte „Copperbox Culinary Atelier“, das Reich der venezolanischen Küchenchefin Gabriela Machado, die vor zwei Jahren nach Amerika kam. An drei Abenden in der Woche lädt Machado bis zu 30 Gäste zum legeren Talk bei Häppchen und Champagner und anschließenden SiebenGänge-Gourmet-Menü ein. Die Sitzordnung ergibt sich beim Reden. Die Gänseleber, mit Grand Marnier und Blattgold und die perfekte Crème Brûlée stammen aus „einer kleinen Kupferschachtel, in der ich all die Träume, die ich in Amerika verwirklichen wollte, Wünsche, Versprechen, Rezepte, hatte“ – und die Mangos für das Dessert mit gerösteten Bananen und Ananas-Eis kommen aus dem eigenen Garten.

Ein paar Meter weiter ist man im „Florida Cookery“ im „The James Royal Palm“ , benannt nach einem alten Kochbuch, fast wie in einer anderen Welt: Wände und Decke aus Zypressenholz wirken, als sei alles grob zusammengezimmert, und durch Spalten fällt scheinbar gleißend-gelbes Sonnenlicht. Kris Wessel, dessen Familie schon seit 1925 in Florida ansässig ist, serviert köstliche Froschschenkeln in Maismehl paniert und mit Mandeln gebacken, auf einem Salat aus Orangen, Zitronen und Knoblauch mit einer schön süßlich-sauren Vinaigrette und wunderbare „Empanadas“, kunstvoll geknetete Teigtaschen gefüllt mit Ochsenschwanz und Wildkräutern, frischen Austern oder Alligator, Tomate und Ziegenkäse, sowie Limonen-Pfeffer- und Wildschwein-Braten-Sauce zum Dippen – ursprüngliche Zutaten aus den alten Zeiten.

von Stefan Elfenbein

Gourmet

Im zweiten In-Bezirk, dem „Design District“, ist zum Abschluss noch ein Besuch bei „The Cypress Room“, dem neuen Restaurant von Miamis großem Küchenstar Michael Schwartz, angesagt. Miamis neue High Society, das haben wir oft gehört, sind Reiche aus Südamerika, die sich hier versammeln seit die Immobilen nach der Krise günstiger geworden sind. Statt dem Glitzer der schicken Wohntürme setzt der Chef auf’s Gegenteil, auf Tradition, Urig-Gewachsenes, dunkles Holz, alte Ventilatoren, an der Wand Jagdtrophäen, Rocky Mountains-Lodge-Atmosphäre. Serviert wird legere Gourmetküche aus Regionalem. Die „Royal Red Shrimps“ aus Cape Canaveral kamen als Carpaccio, roh mariniert in einer wunderbaren Kokosnuss-Limetten-Vinaigrette mit Estragon, Minze, Gurke, lila Zwiebeln und knackigem Puffreis, schön dekoriert mit bunten Blüten. Wunderbar frisch, saftig, aromatisch war der in der Pfanne scharf angebratene „Black Grouper“, ein Zackenbarsch, der Fang des Tages, gereicht auf geröstetem Fenchel, Spinatblättern, getrockneten Tomaten und in einer würzigen Krustentier-Brühe. Und der „Chess Pie“, bzw. „ Just Pie“ wie man früher in Florida zu Omas Zitronenkuchen sagte, kam, verfeinert mit gerösteter weißer Schokolade und Preiselbeeren, noch in der Backform auf einem bunten Sammeltassen-Teller samt Häkeldeckchen. Es ist 21 Uhr, Michael Schwartz kommt aus der Küche. „Vor sieben Jahren habe ich die Insel verlassen, ich war der erste off the Beach“, sagt er. Seinen „Michael’s Genuine“ gibt’s immer noch. „Ich wollte regional und auch für Leute, die hier wohnen, kochen.“ On the Beach sei dies damals nicht gegangen. „ Jetzt, mit all dem Wandel, ist alles möglich.“ Bunte Vielfalt, auf dem Festland, wie auf der Insel. Wir haben es erlebt!

MIAMI UND THE BEACH $(-«*4+(- 1(2"'$1«231 -#̗« UND LANDSPAZIERGANG ZU DEN NEUESTEN &.41,$3̗. 2$-«#$1«23 #3


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Kunst

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Kunstmessen sind, ob man es gut findet oder nicht, längst das Herz der real existierenden Kunstwelt geworden. Nicht nur hat ihre Anzahl in den letzten 10 Jahren sprunghaft zugenommen, Messen finden heute zudem auf allen Kontinenten statt, nicht mehr nur in Europa und den USA wie bis in die 1990er Jahre. So vermeldet das Internetportal „Artports“ 270 Kunstmessen für das Jahr 2014, also etwa 23 pro Monat. Und diese Verkaufsshows finden in Basel und New York ebenso statt wie in Dubai, New Dehli und in Johannesburg. So ist die zeitgenössische Kunst wieder einmal ein Spiegel der modernen Gesellschaft, die geprägt ist durch Kommerzialisierung und Globalisierung. Und in der es immer mehr Lucky Few gibt, die sich teure Kunstwerke leisten können. Hier eine Übersicht der derzeit vielleicht weltweit interessantesten Kunstmessen. von Raimar Stange

NEW YORK CITY

STANDESGEMÄSSE KUNST DIE GLOBALISIERUNG DES *4-23̗*.,,$19$2

Die New Yorker Kunstmesse „Armory Show“ hat sich nach der legendären gleichnamigen Kunstausstellung benannt, die 1913 den Beginn der Modernen Kunst in den USA einläutete. Mitten in Manhattan fand die Messe 1994 erstmals statt, damals ungewöhnlicherweise in den Räumen des historischen „Gramercy“ Hotels, 1999 zog die „Armory Show“ dann an die Lexington Avenue, seit 2011 stellen knapp 300 Galerien am Hudson River am Pier 92 aus. Die Messe zählt neben der „Art Basel“ zu den verkaufsträchtigsten der Welt und richtet sich vor allem an die US-amerikanischen Sammler.

DUBAI Die „Art Dubai“ ist die wichtigste Kunstmesse im Nahen Osten und Südasien. Unter der Schirmherrschaft von Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum wird die Messe jedes Jahr im Frühjahr ausgerichtet, dieses Jahr immerhin zum 8. Mal und mit gut 80 Galerien aus mehr als 30 Ländern. Diese Messe hat, wegweisend für die Region, einen Frauentag. Auch wenn die Sammlerschaft in den Arabischen Emiraten nicht gerade arm ist - die „Art Dubai“ ist im internationalen Maßstab noch von geringerem Interesse.

LONDON KÖLN

MIAMI

Die „Art Cologne“ fand bereits 1967 das erste Mal statt und ist so etwas wie die Mutter aller heutigen Messen. An den Ständen der „Art Cologne“ gibt es seitdem nicht zur zeitgenössische Kunst zu kaufen, sondern auch solche der Klassischen Moderne. Die Sammler kommen zumeist aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Die während der Hochzeit der Pop Art gegründete „Art Cologne“ ist inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen und hat längst nicht mehr die überragende Bedeutung der ersten Jahrzehnte. Aber noch immer ist sie die wichtigste Messe in Deutschland.

Die „Art Basel in Miami“ ist die erste Satellitenmesse der Art Basel. Seit 2002 wird an der strahlend blauen Pazifikküste in erster Linie der amerikanische Markt mit hochwertiger Kunst verwöhnt. Jedes Jahr im Dezember, also dann, wenn es im „alten Europa“ kalt, in Miami aber hochsommerlich warm ist, stellen 200 ausgesuchte Galerien ihre edle Kunstware vor und hoffen bei der in aller Regel nicht mehr ganz jungen Sammlerschaft finanzkräftige Käufer zu finden. Und wie man hört, lohnt sich der Besuch der „Art Basel in Miami“ für die meisten der Galerien.

BASEL Die „Art Basel“ schreibt seit ihrer Premiere 1970 eine beispiellose Erfolgsgeschichte und ist die wohl wichtigste Messe der kommerziellen Kunstszene. So gilt sie längst als „Olympiade der Kunstwelt“. Anfangs war der Zugang zur „Art Basel“ quasi basisdemokratisch geregelt, jede Galerie durfte teilnehmen. Seit 1974 aber entscheidet ein international besetztes „Selection Committee“ aus inzwischen über 1000 Bewerbungen, wer an der Messe teilnehmen darf. Sammler, Galeristen und Künstler aus der ganzen Welt treffen sich hier, um an über 300 Ständen aktuelle Kunstproduktionen, aber auch wertbeständige Klassiker entdecken und erwerben zu können.

HONG KONG Elf Jahre nach dem Start der „Art Basel in Miami“ expandierte die „Art Basel“ in den asiatischen Raum und gründete die „Art Basel in Hong Kong“. Endgültig zum Global Player geworden festigte die „Art Basel“ somit ihre weltweit führende Position. Und baut jetzt auch auf die Finanzstärke des Dank der Globalisierung wirtschaftlich zunehmend florierenden, größten Kontinents der Erde. Knapp 250 Aussteller, die Hälfte etwa kommt aus dem asiatischen Raum, bieten hier ihre Exponate vor allem potenten Sammlern aus der Region an.

Die „Frieze Art Fair“ wurde 2003 von dem britischen Kunstmagazin „Frieze“ gegründet – ein ungewöhnlicher Schritt, der die Gewaltentrennung von Markt und Kritik ein Stück weit ins Wanken brachte. Doch schnell avancierte die Messe zu einem international angesagten Hotspot, an dem gerade jüngere Kunst sich einem größeren internationalen Publikum vorstellen kann. Die Messe findet statt an einem ungewöhnlichen Ort, nämlich in einem Festzelt im Regent Park, wo sich dann alljährlich nicht nur die Stars der Kunstszene, sondern auch die aus Pop und Film an den Ständen von gut 170 Galerien treffen. Seit 2012 organisiert die „Frieze Art Fair“ zudem eine Schwestermesse in New York City.

WIEN Die „VIENAFAIR“ ist Österreichs größte Kunstmesse. Seit 2005 öffnet sie auf Grund der geographischen Lage Wiens das Fenster des Kunstbetriebs hin zum Osten Europas. Junge Kunst aus Osteuropa nämlich sucht dort vornehmlich nach Käufern. Bemerkenswert ist zudem das diskursive Begleitprogramm bestehend z. B. aus Vorträgen, Talks und Diskussionsrunden. Auch Performances finden während der Messe statt. So versucht die „VIENNAFAIR“ mehr zu sein als ein bloß kommerzielles Display für eine immer mehr zum neoliberalen Luxusgut werdende Kunst.


Kunst

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Basel

Moskau Wien

PARIS Die „FIAC“ ist die zweitälteste Kunstmesse der Welt, sie fand bereits 1974 erstmals in Paris statt. Jedes Jahr im Herbst zeigen inzwischen rund 200 Galerien und Kunsthändler im altehrwürdigen Grand Palais ihre Exponate. Vor allem europäische Kunst wird gezeigt, ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Präsentation junger, zeitgenössischer Kunst gelegt. Mit diesem Konzept hat sich die „FIAC“, nachdem sie Anfang des neuen Millenniums beinahe vor ihrem Ende stand, wieder zu einer wichtigen europäischen Kunstmesse entwickelt, die auch hochkarätige Ausstellungen und Installationen in der ganzen Stadt mit sich zieht.

MOSKAU Hong Kong

Die „Art Moskwa“ ist neben der Moskau Biennale das wichtigste Kunstevent in Russland. Die Messe wurde 1996 gegründet und wird immer noch in erster Linie von Sammlern aus Russland besucht. Die ausstellenden Galerien gehören nicht unbedingt zur europäischen Spitzenklasse, Malerei und Photographie geben hier vor allem den Ton an. Eines aber ist sicher: Allein die Tatsache, dass es in Moskau eine Kunstmesse gibt, zeugt von der Kommerzialisierung des russischen Kunstsystems.

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BERLIN Jede europäische Metropole hat heute mindestens eine Kunstmesse – bis auf eine Ausnahme. Ausgerechnet Berlin, das derzeit wohl weltweit wichtigste Zentrum zeitgenössischer Kunst, verfügt, abgesehen von einigen drittklassigen Verkaufsevents, nicht mehr über eine Kunstmesse. Zwar versuchte man Anfang des neuen Millenniums das Art Forum Berlin zu etablieren, aber 2012 wurde die Messe mangels Erfolgs wieder eingestellt. In der Spreemetropole gibt es inzwischen gut 600 Galerien – da ist wohl kein Platz und keine Notwendigkeit für eine weitere Verkaufsveranstaltung, zumal gerade die Platzhirsche dieser ausufernden Galerieszene, dieser quasi ganzjährigen Messe ihre Käufer zunehmend außerhalb Deutschlands suchen.

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Kunst

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8. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst — 29.5.-3.8.2014 — Juan A. Gaitán — Kurator 8. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst — Foto: Thomas Eugster, 2013

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Museen Dahlem © Staatliche Museen zu Berlin — Foto: Maximilian Meisse

KW Institute for Contemporary Art, Berlin — Foto: Fette Sans, 2011

Haus am Waldsee — Tony Cragg, Outspan, 2008, Bronze — Courtesy Haus am Waldsee

von Quynh Tran — Übersetzt aus dem Englischen (S.38)

Vom 29. Mai bis zum 3. August wird in den Kunst-Werken Berlin, im Haus am Waldsee und in den Museen in Dahlem unter der künstlerischen Leitung von Juan Gaitán und seinem beratenden Team aus den Künstlern und Kuratoren Tarek Atoui, Catalina Lozano, Natasha Ginwala, Mariana Munguía, Olaf Nicolai und Danh Vo die 8. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst gezeigt. Die diesjährige Biennale beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen historischen Narrativen und individueller Wahrnehmung und untersucht Aspekte der Stadt und ihrer Umgebung, die Identifikation der Bewohner mit ihrer Stadt und der Beziehung zwischen Stadt und Arbeit. Wie sehr bezieht sich diese Biennale auf Berlin und seine Menschen? Es geht definitiv nicht nur um Berlin, aber die Stadt hilft eine Unterhaltung zu entfachen, die auch auf andere Orte zutrifft. Crash Pad, die erste Produktion, bezieht sich auf Griechenland, seine romantische Auffassung von der Antike und die Aneignung dieses romantisierten Bildes von den Griechen, um sich vom Osmanischen Reich loszulösen. Aber es erinnert auch an die Salons des Berlins des 18. Und 19. Jahrhunderts; und wenn man es schafft die richtige Atmosphäre zu rekonstruieren induziert man möglicherweise den richtigen Diskurs. Der Diskurs um die Rekonstruktion von kulturellem Erbe findet schließlich überall statt: in den Arabischen Emiraten, wo Monumente islamischer Überlieferung gebaut werden, in Kambodscha, wo es etliche Bezüge zur Khmer-Geschichte gibt, in Deutschland, wo mit dem Stadtschloss die Preußische Ära revitalisiert wird – und das ist eine sehr kosmetische Art Geschichte zu betrachten. Um nach geeigneten Orten für die Biennale zu suchen, sind wir durch jede Ecke der Stadt gegangen, und dabei ist mir bewusst geworden, wie viele Wünsche und Projektionen mit dem Preußischen Erbe der Stadt verbunden sind. Und auch wenn die meisten Produktionen für die Biennale an anderen Orten passiert sind und per se nicht Berlin reflektieren haben die Erfahrungen

8. BERLIN BIENNALE J UA N G A I T Á N S B L I C K A U F D I E B E D E U T U N G H I STO R I S C H E R NAR R ATI VE F Ü R DA S H I E R U N D J ETZT doch mein Denken von der Stadt geprägt. Wie wurden die Künstler für die diesjährige Biennale gewählt? Es gibt verschiedene Auswahlstufen. Zum einen denkt man natürlich sofort an Künstler, die einen beeindrucken und deren Arbeit man würdigt, und trotzdem muss man dabei beachten, nicht zu weit zu gehen und auch neue, vorher unbekannte Künstler zuzulassen. Die zweite Stufe bestand aus Forschungsreisen, die ich gemacht habe, um Material und Informationen zu sammeln. Und wenn die Ideen und Arbeiten Form annehmen, wird nochmal justiert, welche Inhalte stärker und weniger stark hervorgehoben werden müssen. Wo haben dich die Forschungsreisen hin verschlagen, wie hast Du die Ziele ausgewählt und was bringst Du davon nach Berlin zurück? Ich war in Indien, Südostasien (Philippinen, Thailand, Vietnam, Kambodscha und Taiwan) und Südafrika. Ich denke, ich musste herausfinden, wo Deutschland und Europa im asiatischen Denken zu lokalisieren sind. Lateinamerika hat eine sehr enge, fast abhängige Beziehung zu Europa, während sich die Menschen in Asien kaum weniger drum sche-

ren könnten. Ich wollte immer nach Indien, um zu sehen, was es bedeutet in so einem Land Künstler zu sein. Südostasien war vor allem wegen der fragmentierten Narrative interessant; Inseln mit einer gemeinsamen Geschichte, die wohl auch aufgrund der Geografie nicht so recht zusammenkommen. Taiwan, weil es nicht so wirklich China ist, auch nicht richtig Japan oder Südostasien, und dieses nichtso-richtig-zugehörig-sein ist faszinierend. Die Erfahrungen über diese verschiedenen, historischen Perspektiven werden natürlich in der 8. Berlin Biennale eine Rolle spielen. Wie hast Du dein Beratungsteam zusammengesetzt? Die meisten Menschen denken, dass es zu jeder Entscheidung im Leben eine Antwort gibt, und ich muss ehrlich zugeben, in diesem Fall habe ich keine. Danh Vo ist einer der Künstler, der es schafft, historische und zeitgenössische Narrative zusammenzubringen, genau das, worum es in dieser Biennale geht. Mit Tarek Atoui habe ich bereits vorher zusammengearbeitet und Natasha Ginwala schien mir eine großartige Person für die Zusammenzuarbeit... und so hat es sich entwickelt. Wenn man es so betrachtet, und das Team ist sehr international,


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8TH BERLIN BIENNALE FOR CONTEMPORARY ART PRESENTS Andreas Angelidakis: Study for Crash Pad, 2013 Courtesy: Andreas Angelidakis and The Breeder, Athens / Monaco

dann hat man einen Fuß hier und einen Fuß dort, sodass es nicht nur um das Hier geht, es aber auch nicht nur eine Lehre über das Anderswo ist. Die gängige Tendenz bei Ausstellungen ist es, entweder eine Ausstellung zu machen, die entweder durch und durch europäisch ist, oder aber eine Lektion, wie Europäer über andere Kulturen und Orte denken sollen – ich wollte weder das eine noch das andere. Was wichtig für mich ist, ist dass wir akzeptieren, dass eine internationale zeitgenössische Ausstellung abseits dieser Grenzen funktionieren kann. Es gibt andere Wege, und heute ist klarer als noch vor einigen Jahrzehnten, dass ein Kunstwerk, das nicht explizit politisch ist, nicht notwendigerweise bedeutet, dass das Werk oder der Künstler nicht betroffen sind. Um das Thema der politischen Betroffenheit aufzugreifen: Im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt haben Europa und Nordamerika eine starke Tradition schriftlicher Protokolle, die als Instrument historischer Wahrheit gesehen werden. Wie kann Kunst historische Methoden als visuelle Zeugnisse beeinflussen? Geschichte wurde in Lateinamerika niedergeschrieben. Aber ein wichtiger Aspekt der Geschichte der westlichen Hemi-

sphäre ist, dass die Technologie und Systeme der Repräsentation so effektiv waren, dass sie sämtliche Aufzeichnungen aus der prä-kolumbianischen Zeit ausgelöscht haben, sodass wir keinen Zugang mehr zu dem haben, was vorher da war. In Asien ist das anders, weil die Kolonialisierung erst 300 Jahre später begann und im Vergleich zu Südamerika kürzer war. Zu der Zeit war das Osmanische Reich das stärkste, China und Japan waren nie schwach und dazwischen gab es noch andere Reiche, so konnten diese Kräfte viele ihrer Traditionen vor der wachsenden Kolonialmacht des Westens schützen. Und wenn man von Kunst spricht, so hatte das Bild immer mehr Macht als das Wort. Das öffentliche Bild wurde aus dem Wunsch zu konvertieren heraus geboren. Im Mittelalter zum Beispiel sind in ganz Europa in Kirchen Bilder erschienen; als primäres Instrument um Menschen zu bekehren. Für jene, die nicht in der Lage waren zu lesen und zu schreiben ist das Bild der erste und einzige Referenzpunkt, und noch heute funktionieren Bilder auf diese Weise. Wenn ich irgendwohin reise, sehe ich Zeichen, die mich führen. Es sind ganze Bildwelten. Und die asiatischen und lateinamerikanischen Bildwelten sind besonders ausdrucksstark.

Globale und lokale Bilder sind zur gleichen Zeit präsent, und wenn man Literalität von diesem Standpunkt aus betrachtet, gibt es ein hohes Maß der Alphabetisierung, aber eine verarmte Sprache. Die Flut an Bildern, die in der Welt zirkuliert ist sehr beschränkt in der Kraft, wie wir über sie denken. Was wir in der zeitgenössischen Kunst machen, ist genau dieser Reduzierung von Bildbedeutungen entgegenzuwirken, die Sprache der Bilder in Bezug auf sinnliche Erfahrung zu verbessern. Was unterscheidet die Berlin Biennale von anderen Biennalen? Es gibt viele Gründe, warum eine Biennale existiert. Nichts existiert einfach nur weil es da ist, alles hat eine Daseinsberechtigung. Es ist da, weil es zu einem gewissen Grad notwendig ist. Ich denke, dass die Berlin Biennale die wichtigste Plattform ist neue Arbeiten in Berlin in diesem Maßstab zu zeigen, eben weil sie kein Museum ist und nicht als Museum agieren kann. Nennen wir sie bei der Nummer – 8 im Vergleich zu 56 in Venedig – sie ist noch immer etwas Frisches, ist im Werden und deshalb eine großartige und großzügige Plattform, auf der man verschiedene Dinge machen kann und Risiken ergreifen kann.


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Design

Ausgabe N°37 • April / Mai 2014 • Jahrgang 6 • trafficnewstogo.de

KULTUR UND CODE Das Resonate Festival in Belgrad macht eine vielschichtige Nische zwischen Code und Kultur auf. von Verena Dauerer Zum dritten Mal fand Resonate in der serbischen Hauptstadt statt. Das Festival zeigt im Prinzip jede Art von Umsetzung mit Code in einer kulturellen Umgebung und hat sich damit ziemlich schnell einen Namen gemacht. Resonate steht inhaltlich für eine vielschichtige Nische, und das gelingt auch bei der Programmauswahl der Präsentationen: Es gibt jede Menge Theorien, wie Technologien die Gesellschaft verändern, Konzepte und spekulatives Design auf der einen Seite, praktische ProjektBesprechungen und Portfolio-Präsentationen auf der anderen. Eduard Prats Molner, Mitgründer und Kurator von Resonate, erklärt: „Für viele ist es eine feste Größe auf der Weltkarte und ein Meta-Ort, an dem sie sein wollen.“ Mit viele meint er alle, die der Programmiercode eint, gepaart mit einem ästhetischen Empfinden: es ist ein Festival für gleichgesinnte Programmierer, Designer, Datenvisualisierer, Game-Developer, Architekten und Künstler. Auch äußerlich gleichgesinnt sind die Besucher, die schätzungsweise zu 80 % aus Bartträgern und nur zu 20 % Frauen bestehen. „Die Person neben dir ist wahrscheinlich genauso clever wie die auf der Bühne – da solltest du dich vielleicht mal vorstellen“, schlägt das Programmheft vor. Ein sachter Wink mit dem Zaunpfahl. Stimmt aber: Speaker, die im letzten Jahr eingeladen waren kommen im nächsten Jahr auch so wieder und kaufen sich ein Ticket. Das Besondere des Festivals sind die Workshops, die die Speaker persönlich halten – etwa zu cinder, einer Programmier-Bibliothek, um die Sprache C++ mit Visualisierungsmöglichkeiten zu erweitern, oder der Programmiersprache Processing, die oft

für generatives Design genutzt wird. Denn es gibt zwar online eine rege Community und Tutorials auf Plattformen wie openFrameworks oder GitHub, aber offline noch wenig Orte, wo so etwas überhaupt gelehrt wird. Die zweite Spezialität des Festivals sind die Projekte, wobei die Kuratoren zu Produzenten werden, indem sie Kollaborationen zwischen verschiedenen Künstler anschieben. Eine davon ist „Transcranial“, eine Performance, die in nur knapp zwei Wochen zwischen Daito Manabe, Kyle McDonald und Klaus Obermaier entstanden ist. Der japanische Künstler Manabe staffiert gerne Gesichter und Körper mit Elektroden aus und bringt sie mittels Elektro-Impulsen zum zucken – eine Art von ferngesteuerter Mimik. Ein Coup von Kyle McDonald aus New York war, () das Gesicht einer anderen Person auf Gesichter zu projizieren und diese so mit einer fremden Mimik anzureichern. Der Effekt dieser Augmented Reality, einer Person eine andere Identität aufzuzwingen, wirkt lustig bis unheimlich. Und der Medien-Künstler und Choreograf Klaus Obermaier arbeitet mit Licht-Installationen, die die Körper von Tänzern verformen. Alles in einen Topf geworfen, gibt es eine spannende Serie an Körperverfremdungen. Man darf gespannt sein, wie sich das Projekt weiter entwickelt – wieder gezeigt wird es eventuell auf dem niederländischen STRP Festival. Es gab aber noch viel mehr als ein künstlerisches Work in Progress. Der Sound Designer Yuri Suzuki, zum Beispiel, stellte sein Projekt Ototo vor. Mit dem Bastel-Kit können Kinder sich einen Synthesizer aus einem Arduino Mikroprozessor zusammenbauen ohne löten oder Programmieren zu müssen. Es

gibt 16 Dreiecke, die wie eine Klavier-Tastatur benutzt werden, Sensoren und mehrere Krokodilklemmen. Verbindet man diese mit leitenden Objekten, wird das Board zu einem unendlich arrangierbaren Musikinstrument. Und das Gifpop-Projekt von Rachel Binx und Sha Hwang versuchte die Konvergenz von online und offline auf nicht ganz ernst gemeinte Art: User können ihre Lieblings-Gifs als 3D-Postkarten ausdrucken. Die flüchtige Digitalanimation wird in statische Bildabfolgen umgewandelt und lebt so auf den altbekannten und -geliebten Wackelpostkarten in der physischen Welt weiter. Noch einen Schritt weiter in die Konzeptkunst ging Andreas Nicholas Fischer mit seinem treffenden Vortrag „Die sozioökonomischen Auswirkungen der Computerisierung und ihre Effekte auf die zeitgenössische Kunstproduktion“. Er ließ seine digitalen 3D-Modelle von professionellen Kunstkopierern im chinesischen Städtchen Dafeng in Öl nachmalen. Dann nahm er das Thema Outsourcing zum Anlass, sich von Grafik-Arbeitern in der dritten Welt Logos aus seinen Initialen entwerfen zu lassen. Zum Buzzwort Crowdcuration generierte er hundert 3D-Bilder, stellte sie auf seine Tumblr-Webseite und ließ die User entscheiden: Die Bilder mit den meisten Likes oder Reposts wurden für eine Ausstellung ausgewählt. Das Schlusswort hat Daito Manabe, der über seine vielen Experimente mit Elektro-Impulsen nur lapidar meinte: „Test fehlgeschlagen, aber Erfolg war nicht das Ziel.“ Das ist auch genau die Haltung dieses Festivals – eine spielerische Herangehensweise, aus der oft erst innovative Lösungen entstehen. Resonate hat das Zeug dazu, sich als visionäres Event zu etablieren.


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Mode

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ZEIG MIR DEINE UHR Uhren sind nicht bloss Zeitmesser, sondern ein persÜnliches Stilmerkmal. Welcher Stiltyp trägt die neue Rado Hyper Chrome und wer ist die Käuferin der Blancpain Villeret 2014? Hier finden sie die passenden Antworten. von Kathrin Eckhardt, Zßrich

RADO TRĂ„GER

NOMOS TRĂ„GER / IN

18:30 – Arbeitsschluss, Trainingsbeginn

08:35 – Erste Tasse Kaffee

„Hightech Keramik“ in den Farben „Shades of Grey“

„Formuhr“, „feminin“, „schnuckig“

Tyson Beckford

Frida Kahlo, Elton John

Dr. Martens Stiefel

FĂźnf-Kilo-Hanteln

Freitag-Tasche

Besitzerin einer illegalen Bar, Besitzerin eines SĂźssigkeitenladens

Cover-Model von Men’s Health

Bildende KĂźnstlerin, Umweltaktivistin

Isst Steroide

Wirft Glas manchmal in den gewĂśhnlichen Abfall

Fitness-Training, Frauen, mit dem Pick-up in die Berge fahren

Malen, auf Demos gehen, tiefgrßndige Gespräche mit Freunden und anderen Kreativen fßhren

30 – 45

27 – 55

Studio in der Stadt

Atelier in Wohnung umgebaut, inklusive Stadtgarten

Dating

In einer Beziehung, Motto: gemeinsam frei sein

Venice Beach L.A., Spring Break Party

Kraftorte in den Schweizer Bergen

26 3"'Ě—31u&$1ÂŤÂŤ(Pastry chefs, Lekker

Hyper Chrome Ceramic Touch Dual Timer

Kleene

LIEBSTE TAGESZEIT 23:55 kurz vor Mitternacht ĂœBERZEUGENDE PRODUKTBESCHREIBUNG „Silikon Armand“, „Lakritze“ STILVORBILD Cara Delevingne ZWEITLIEBSTES ACCESSOIRE

TRAUMBERUF

BEST BEHĂœTETES GEHEIMNIS Besucht heimlich das Asphalt LIEBSTER ZEITVERTRIEB Batik färben, Nähen, die Nächte im Underground Club durchtanzen LEBENSABSCHNITT Bis 30 TEMPORĂ„RE BLEIBE Wohngemeinschaft mit Freunden BEZIEHUNGSMODELL Single, probiert sich aus LIEBLINGSDESTIONATION AUSZEIT London


Mode

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By Millicent Nobis

UND ICH SAGE DIR WER DU BIST

ART SCHMART.

POLKA DOT PRINCESS I am a big fan of the avant-garde artist Yayoi Kusama and I am pretty sure she would be a big fan of these polka dotted “Gummistiefel” a must have for dancing in the mud at your chosen summer music festival. Wellington Drench Boot, Dr. Martins Store, 129 Dirckenstraße 49, 10179 Berlin

FRAME YOUR FACE. “A face is like a work of art. It deserves a great frame.” Amen. Bondu Sunglasses by l.a.Eyeworks 435 Lunettes Store,Torstraße 172, 10119 Berlin

3 &«'$4$1̗31u&$1

Carrera Calibre 1887 Monaco Grand Prix Limited Edition

!+ -"/ (-̗31u&$1(Lieblingsdestination Auszeit

LIEBSTE TAGESZEIT 12:45 – Business-Lunch

16:00 – Tea Time ÜBERZEUGENDE PRODUKTBESCHREIBUNG

„Sonderauflage“, „Rote Applikation“

„Die natürliche Eleganz“ STILVORBILD

David Beckham

Caroline von Monaco ZWEITLIEBSTES ACCESSOIRE

Kugelschreiber von Porsche Design

“GRETA, READY FOR THE VERNISSAGE” A surrealist take on handbags, there are 5 handpainted porcelain “bag lady's”, the love children of TUSH magazine's fashion editor, who can be found at ÉCOLE, Berlin's new boutique to be. “Schöngeist, es ist 5 vor 12” Greta Bag, 670 ÉCOLE Boutique, Torstraße 3, 10119 Berlin

Ihr Dackel „Fridolin“ TRAUMBERUF

Formel-1-Fahrer, Profisportler

Kommunikations-Chefin einer Luxusmarke BEST BEHÜTETES GEHEIMNIS

Hat Fahrerflucht begangen

Klaut im Supermarkt Sojamilch LIEBSTER ZEITVERTRIEB

Schnelles Autofahren, schnelles Motorradfahren, schnelles Fahrradfahren

Reiten, mit dem Hund spazieren, den Koloristen besuchen LEBENSABSCHNITT

30 — 45

45- Lebensende TEMPORÄRE BLEIBE

Neue Stadtwohnung, moderne Architektur

Anwesen vor Stadtgrenze

WOMAN.MADE Designer Stephanie sites rebel artist Jean-Michel Basquiat's project “Man Made” as an inspiration behind her first collection. Inspired by his use of found and raw materials the resulting is copper tube, wrapped up in butter soft leather and strung on cord make the perfect statement necklace. WOMAN.MADE Necklace 01, 120 VECTOR Boutique, Gormannstraße 23, 10119 Berlin

BEZIEHUNGSMODELL Glücklich verheiratet

Wohlhabend verheiratet LIEBLINGSDESTIONATION AUSZEIT

Monaco, Mallorca

Safari in Südafrika

3.̗&.« BOUTIQUE


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Reisen

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Ich entdeckte leere Schwimmbäder und Tankstellen-Vorplätze, an denen Prostituierte sich umhertrieben, bis sie von Freiern eingesammelt und nach 15 Minuten dort wieder abgesetzt wurden. Ich suchte überall nach verlassenen Straßen und ruhigen Plätzen, und wenn ich sie gefunden hatte, fotografierte ich sie. Während ich wegspazierte hörte ich ein Hüsteln oder das Geräusch eines Feuerzeugs und erspähte ein Gesicht, das mich aus der Dunkelheit anstarrte. Es gibt schätzungsweise mehrere Tausend Obdachlose in São Paulo. Was diese Zahl angeht finde ich es schwer, eine Schätzung abzugeben, außer die Obdachlosen machen eine solche Schätzung selbst. Was wissen denn schon Menschen, die nicht auf der Straße leben, darüber? Während meiner gesamten Zeit in São Paulo hatte ich einen Eindruck von der Stadt, für den ich mich zu sehr schämte, als dass ich ihn mit Jemandem hätte teilen können. Ich schämte mich, da er äußerst unschmeichelhaft für diese Stadt war. Denn sie erinnerte mich an das Mostar der 1990er Jahre, an das Pristina von 2004 und an das Kabul von heute. Natürlich ist es

ALLEIN MIT ALLEN. von Conor Creighton Übersetzt aus dem Englischen von Frances Marabito São Paulo war so wie es heute ist nie vorgesehen. Als die ersten Franziskaner die Gegend erreichten und sich erschöpft und betäubt von der Malaria dort niederließen hätten sie wohl niemals geglaubt, dass der Ort sich zu einer der größten Städte der südlichen Hemisphäre entwickeln würde. Die Stadt hat die längsten Pendelwege in Südamerika; um einmal von A nach B zu gelangen braucht man im Durchschnitt drei Stunden. Zu Stoßzeiten steht man in den Stationen schon mal in fünfzehnter Reihe um auf die U-Bahn zu warten. Gehwege fühlen sich manchmal an wie vibrierendes Tanzparkett. Wenn man schneller laufen möchte, geht das – ohne Witz – nur in der schmutzigen Straßenrinne. Für einen Europäer, der Abstand und Platz um sich gewöhnt ist sind diese Zustände nervenzermürbend und für einen Agoraphobiker sicherlich die Hölle. Ich verbrachte im Sommer – ihrem Winter – vier Monate in São Paulo. Es war während des FIFA-Konföderationen-Pokals, eine Veranstaltung, die dort niemand wollte und sich eigentlich auch niemand leisten konnte. Brasilien gewann, doch der Wettbewerb entfachte Straßenunruhen und Repressalien. Jetzt rüstet sich die brasilianische Regierung für die Weltmeisterschaft indem sie in Panzerfahrzeuge investiert. Ich mietete ein kleines Studio in Santa Cecilia mit offenen Räumen, das mir eine Chefköchin überließ, die sich in Lettland auf Kräutersuche befand. Sie schöpft ihren eigenen Honig aus Maracuja-Früchten, der so lecker schmeckt, dass man ihn gleich aus dem Glas schlürft. Sie wies mich an, die Fenster am Tag geschlossen zu halten. Falls nicht, würden sich die Möbel durch die Abgase schwarz färben. Eines Nachts, während ich die Nachrichten eingeschaltet hatte, bemerkte ich draußen, nur einige Blocks entfernt, eine Gruppe von Protestierenden – hauptsächlich Studenten – die von der Bereitschaftspolizei zurückgedrängt wurde. Ich ging hinaus um mir die Sache genauer anzusehen und wurde mit Tränengas attackiert. Als ich das Knallen von Plastikgeschossen hörte rannte ich. Der Weg zurück zu meiner Wohnung war übersäht mit brennenden Autos und Abfalleimern und Reihe um Reihe von Militärpolizeiund Kavallerieeinheiten. Der südamerikanische Frühling, wie Journalisten es hastig betitelten, hatte begonnen. Wie man sich vorstellen kann, verstopften die Proteste die Stadt noch mehr. Der Verkehr wurde schlimmer. Viel schlimmer. Menschen stiegen mitten auf der Stadtautobahn einfach aus ihrem Auto und ließen es stehen. Brennende Barrikaden aus Autoreifen blockierten die Zufahrtstraßen. Es fühlte sich an, als würden wir uns selbst belagern. Ich berichtete für einige Zeitungen in Europa von den Protesten und wurde erneut beschossen und mit Tränengas angegriffen. Es war mir egal. Die Brasilianer sind ein sehr freundliches Volk. Einige schrieben mir und bedankten sich dafür, dass ich ihre Geschichten erzählte. Dies ist wohl der Grund, weshalb man Journalist wird und Albert Camus liest. Man sagt, vor der Vergangenheit kann man nicht fliehen, und das denke ich auch. Stadtkinder kommen in der Stadt gut zurecht, Kinder vom Land eher mittelmäßig. Beide wissen jedoch,

dass hier etwas vom Wesen her falsch ist. Der Lärm, der Mangel an Raum, die Abwesenheit von Natur, und so weiter. Ich bin in einem 843-Seelen-Dorf aufgewachsen. Im Zentrum gab es eine Kirche, eine Schule und zwei Bars. Bei 5 Minuten Fußmarsch aus dem Zentrum in egal welche Richtung fand man sich im Schlamm, im Wald, oder bis zum Hals in einem Fluss oder Bach wieder. Ich komme mit Städten zurecht, aber ich würde mich niemals heimisch fühlen. In São Paulo ging ich zu den einsamsten Zeiten aus dem Haus, früh am Morgen oder erst spät am Abend. Ich nahm meine Kamera mit und schoss Bilder zu einer Tageszeit, zu der die Stadt der Welt den Rücken zukehrte. Auf meinen Streifzügen fand ich eine verwaiste Stadtautobahn. Miracon wird sie genannt. Sie ist Zeugnis von Korruption und einem früheren Minister, der den Bau dieser 10 Meter hohen Straße erteilte. Sie reicht so nahe an die umliegenden Gebäude heran, dass Eltern ihre Kinder warnen mussten, ihre Hände nicht aus dem Fenster zu strecken. Die Läden unterhalb dieses Betonmonsters liegen in ewigem Schatten, von Staub und Dreck bedeckt, den die fahrenden Autos auf dem maroden Straßenbelag hinabschleudern. Man erzählt sich, dass diese Straße vom Haus des Ministers mehr oder weniger bis zu seinem Arbeitsplatz reicht.

nicht dasselbe. Ganz und gar nicht, aber diese Stadt evoziert ein Nachkriegszeit-Gefühl, das ich nicht ausmachen konnte, bis man es mir erklärte. Im Jahr 2006 hat der Bürgermeister ein Gesetz verabschiedet, das alle Werbetafeln und Reklamewände aus dem Straßenbild verbannte. Es ist komisch, aber scheinbar ist man an die Werbebanner in urbanen Räumen gewöhnt. Und so, als hätte man die Straßenlaternen nachts ausgeknipst, fühlt man sich doch unwohl ohne sie. Es ist schwer, São Paulo als Schönheit zu verkaufen. Doch die Stadt hat solche Seiten. Dämmerung und Morgengrauen sind nur zwei davon.


Literatur

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AUF EIN WORT: VORRÜCKSCHAU D I E LE I PZ I G E R B U C H M E S S E I M Ü B E R -B LI C K

York durch die Apokalypse seiner eigenen Bedürfnisse, eine Apokalypse sintflutet die Zivilisation. Buchstäblich ohne Worte wortgewaltig, bildgewaltig, und es sticht heraus, da es druckgewaltig ist, ein Schwarz, schwärzer als Schwarz, man ertrinkt drin. Diese Bilder sind zum „Auslesen“. Quasi abgesaugt wurden die Manga-Kostümierten, nicht wie früher das Gedränge verdichtend, tröpfeln sie nurmehr als konspirative Gestalten über das Messegelände, sammeln sich an ihrem eigenen Pool, einer eigenen Halle, mit eigenem Eintritt und eigenen Events. Unkostümierte kommen hier kaum hin, würden sie sich ohne Verkleidung doch ertappt fühlen. Alles andere über alle anderen und von allen anderen wurde schon gesagt. Denis Scheck trennte mehrfach das Gute vom Bösen, das Sofa ist immer noch blau, die Schweiz ist die Schweiz, ein Buchpreis ein herrliches Geschöpf. Geschichten werden gemacht. Nun denn, auf die diesjährige blickend, mit dem Rücken voraus zur nächsten Leipziger.

von Ralph Diesel Zu vorgerückter Stunde lassen sich in der Presselounge Dinge in Erfahrung bringen, die man lieber nicht erfahren möchte. Darum ist es besser, sich dort rauszuhalten. Unerhörtes ist deshalb hier auch unerwähnt. Allein Begegnungen, die sind wichtig. Und genau das ist das Schöne an der Leipziger Buchmesse, man kann auf sich zukommen lassen, quasi die Hallen an sich vorbeiwandern lassen, nur ab und zu die Hand ausstrecken damit etwas unter den Augen verweile, oder das Wort richten und in dem ruhigen Fluss momenthaft ankern, mehr erfahren, Neues. Wenn Leipzig sich zur Bühne umgestaltet, auf dem Messegelände wie über die gesamte Stadt verteilt mit dem Programm „Leipzig liest“, geht das literarische Familienleben in einem spazieren. Das muss an Leipzig liegen, nicht das Familiäre, sondern das In-Einem. Wo in Berlin das, was von außen kommt, nachgerade devoriert wird (für den Anderen kommt man selber auch von außen!),

Flut Eric Drooker AVANT VERLAG BERLIN Jun. 2013 — 192 Seiten zweifarbig/vierfarbig , Softcover 19,95 Euro

hat Leipzig eine wenig konsumierende Gangart. Vor allem wird Zeit nicht konsumiert. Das Schiff Leipzig scheint unerhört unneurotisch – eine Reise ist nicht allein das Ziel, eine Reise ist eine Reise, ein Hier und ein Jetzt, und dabei ein Woanders-Sein. Das ist genau das Moment des Lesens, wie auch des Schreibens: Ganz Leipzig ist während der Buchmesse woanders, im Jetzt hinfort. Das Buch ist in Leipzig, und Leipzig ist im Buch. Das Buch greift in den Leser, der Leser greift in das Buch. Und während des Lesens eine Zeit in einer Zeit. Von daher hier eine zeitlose Empfehlung, an und für sich und da nicht

neu zu dieser Messe erschienen, „Stoner“ von John Williams, die Geschichte eines Unprätentiösen, dem die Literatur unvorhersehbar ins Leben griff, welches er nun, als Professor, der Literatur widmet. Die Literatur hat sein Leben aufgelesen. John Williams schreibt ein Leben, nicht einen Roman, William Stoner, der Protagonist, liest und wird gelesen. Was er wohl dabei empfinden mag, wenn er gelesen wird? Auf der Messe viele Worte, gestapelt, aufgereiht, nachgeschoben, vorverlegt, aufgeschoben. Daher noch eine andere Empfehlung: „Flut“ von Eric Drooker, eine Graphic Novel ohne Worte. Ein Protagonist stolpert in New

Stoner John Williams Aus dem Englischen von Bernhard Robben DTV September 2013 — 352 Seiten 19,90 Euro


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English Appendix

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ARROGANT BASTARD ART OF SEDUCTION By Adrian Stanley Thomas Since I’m from the land of liberty, individual freedom is sort of the mantra in these parts, especially since the man of change is in the white house. He likes to talk about Lincoln a lot, because of the whole civil war thing that happened and the courage president Lincoln displayed by freeing the slaves. How unfortunate that this courage needed war to show its face. Even though we wear freedom and individual sovereignty more as a shawl rather than a coat of armor, we pretend that it’s the glue that binds us all together. When you wear a shawl, it’s just easier to remove when you need to do business. While I was typing a text message the other day standing in the train station looking at an acrylic painting of a beach with a huge sunrise, I started thinking about the person who was in charge of making the decision that a bright picture of a beach was appropriate. Clearly the intent was to take my mind off of the fact that I was underground surrounded by artificial light and people that looked highly suspicious, probably liberals. This led me to recall the ambiance of public spaces, the curvature of letters at a stop sign reminiscent of Helvetica, the amenities in a new car, commercials that dizzy the mind and seduce the senses and prohibit the spontaneous investigation of government. I can hear your minds working already. A commercial about deodorant is not responsible for the lack of participation among the masses. I’m not saying that one observation of mind control that presents itself in the public domain alone should lead one to this conclusion, but the collective impact all of these art representations together do present an interesting picture to examine. I say art because according to Oxford, art is the expression of creative skill and imagination in a visual form. Now, it does depend on how one evaluates creative skill and imagination, but all of it is art, so they say. I guess what I’m trying to imply is that the Neanderthal had a lot of free time on his hands which didn’t include a cell phone or riding a subway. This also would lead one to accept the premise that there wasn’t a lot of silly art floating around. The movie theater wasn’t around to sell 12$ tickets so hunting for food, fighting other guys for ladies and building shelter was on the calendar every day, now that sounds like a party. Clearly, we are extremely occupied as opposed to 100,000 years ago. We work outside the home, generally; we take a device with us to communicate, to watch art, send art, destroy art, and critique it at every opportunity if we can. Because I was thinking about the column for this issue and what art really means to us and in what context, it led me to take a second look at art as a form of control. The art of seduction aptly applies to the position that creative images play in the global lexicon of population control. It’s like propaganda for the senses. It would be very naive to think that government entities don’t recognize the influence of art as way to corral a population or at the very least occupy their minds in order to subdue protest. Case in point - No One Occupies Wall Street except rich CEO’s, this very short movement that was supposed to change the culture of Wall Street, only produced record profits and bonuses for the big business CEO in 2014, impressive. Am I suggesting that art played a role in this debacle? No, but I am saying that those occupiers were not in for the long haul. They simply didn’t have the stamina. Not only that, do you know how many cable channels there are now? It’s a lot.

THE WAY OF THE BOW by Conor Creighton ( German translation on page 14 ) It took a German from Bavaria to teach the rest of the world about Japanese archery. Kyudo, as it's called in Japan, was long considered the supreme martial art, but with the arrival of the Portuguese in the fifteenth century and their introduction of firearms, Kyudo declined in importance. In the modern era Kyudo has flourished but in two distinct fields. “Kyudo is meditation. The main point of kyudo practice is to polish your heart, deeply.” Eugen Herrigel was a Bavarian philosophy professor between the wars. He travelled to Japan to study Zen and while there, met the Kyudo master Awa Kenzô. Eugen studied under Awa for many years and produced the book Zen in the Art of Archery. It was this book that introduced the rest of the world to

Kyudo and strangely enough, also encouraged a new generation of Japanese to become involved in Kyudo. “Trying to master hitting the target is the way of desire. Not helpful. When someone hits the target, you can sometimes see happiness. In kyudo, you cut this happiness. That’s merely the enjoyment of ego. Whether you hit the target or not this is not the true measure of your practice.” Kyudo is principally a sport but the obvious objective of hitting the target is made quite easy for beginners. The Makiwara, as it's called, is placed just three metres away from the bow, or yumi. Even a one armed archer couldn't miss. According to Eugen's interpretation of Kyudo, Zen elements attached to the sport mean hitting a bull’s-eye is the last thing on your mind. An archer, according to Eugen, should be “taken by surprise by the bow.” Of course competitive archers are not taken by surprise. Competitive archers spend their whole life eliminating any element of surprise. Especially when they're shooting arrows over sixty meter distances. “In kendo, karate, judo, all these forms of fighting training, victory comes from cutting someone else. Kyudo is completely different. You cut yourself, your own ego.” Kyudo is very much a two-headed snake. There are those who believe any Zen attachments are false and those who consider the sporting elements to be contrary to the pure aims of Kyudo. And of course, as with everything that's been assumed from distant cultures, there are problems in the details. Many people believe that Eugen's interpretations of Kyudo were wrong. That the translators he worked with were not up to the task and that the master he studied under, Awa Kenzô was more snake oil salesman than Zen master. Eugen spent the later part of his life in academic exile and could never defend himself. He was a vociferous supporter of the Nazi party. Even beyond 1945. The title of his book became a subject to parody. Zen and the art of writing and Zen and the art of motorcycle maintenance were just two. Zen archery, as championed by Eugen, has grown at a phenomenal rate in Colorado and California. Like Albert Hoffman when he mistakenly invented LSD, the standing meditators of Kyudo don't seem to mind that their practices genesis was nothing more than a cross cultural blunder. “Busily running around in little circles, this is not Kyudo. Come to a stop. Enter a big circle. This is Kyudo. This is high quality practice. In this way, we can begin to create a peaceful world. We can make a circle of peace the whole world over. That is victory!” All quotes from Kanjuro Shibata XX, Sensei and the first Master to open up Kyudojos outside of Japan.

JUAN GAITÁN Interview by Quynh Tran (German translation on pg. 30) From May 29th to August 3rd, the 8th Berlin Biennale for Contemporary Art (in Übersetzung: 8. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst) will be shown at Haus am Waldsee, at KW Institute for Contemporary Art, and at the Museen Dahlem - Staatliche Museen zu Berlin under the curatorship of Juan A. Gaitán and his artistic team consisting of Tarek Atoui, Catalina Lozano, Natasha Ginwala, Mariana Munguía, Olaf Nicolai and Danh Vo. The 8th Berlin Biennale discusses the relation of historical narratives and individual life, considering the aspects of the city and its environment, the identification of its inhabitants and the relation between city and work. How much is it related to the city of Berlin and it’s people? It’s definitely not only about Berlin, but the city helps in starting a conversation about something that applies to other places, as well. Crash Pad, the first production, is referring to Greece, treating the romantic relationship to antiquity and it’s approbation by the Greeks to separate themselves from the Ottoman Empire. But it also reminds of Berlin’s salons in the 18th and 19th century, and if the romance of salons is reconstructed you may get the right conversation going on inside. The discussion about the reconstruction of a heritage is happening everywhere: In the Emirates, monuments with reference to Islamic heritage are constructed, in Cambodia there is reference to the Khmer heritage, in Germany it’s the Prussian heritage that is being revived, and it is a very cosmetic way of looking at history. In order to look for possible venues for the Berlin Biennale, I went to every corner of Berlin, and I became aware of the desires and projections associated with the Prussian heritage and to which parts of the city go and to which parts they don’t go. And even though the most of the production have not happened in Berlin and are not reflecting the city itself as such, the urban experiences have determined much of my thinking of the city.

How did you choose the artists for this year’s Berlin Biennale? There are different stages. The first one is intuitive, you immediately think of artists to work with and are shy to allow yourself to go with it too far because you need to be open to meet new artists, too. Secondly, I went on research trips to collect information. When things eventually take shape, they reveal which aspects need to be triggered, and that alteration and refinement probably is the third stage in the selection process. Where did your trips take you, why did you choose those regions and what are you bringing back to Berlin? I went to India, South East Asia (Philippines, Taiwan, Vietnam, Cambodia and Thailand) and South Africa. I think I needed to understand how and where Germany fits in the Asian consciousness. It is about how Europe figures in Asia. Latin America has a very dependent relationship on Europe while in Asia people couldn’t care less. I always wanted to go to India to learn what it means to be an artist there. South East Asia was interesting because of its fragmented narratives due to the geography; islands with a common history that are unable to come together. Taiwan, because it’s not quite China, not quite Japan and not quite South East Asia either – its notquiteness is fascinating. Different things from these journeys will be brought to Berlin during the Berlin Biennale. How did you set up your artistic advisory team? Most people think there are answers to every decision in life, and I frankly have to say I don’t in this case. Danh Vo is one of the artists who is able to bridge historical and contemporary narratives, which is also what this Berlin Biennale is about, with Tarek Atoui, I worked before, Natasha Ginwala, I thought, is a great person to work with, and so on... If you look at it this way, you need to have a foot here and a foot out, so you’re not fully committed to the here, but it doesn’t become a lesson about elsewhere. The tendency usually is to make a show that is intensely European or a show that is meant to teach Europeans how to think about somewhere else and I was not interested in making either of these two things. I think what’s important is that we accept that a global contemporary exhibition is aside of these junctions. There are other ways and it’s clearer today then it was decades ago that an artwork that is not openly political doesn’t mean it’s an artwork that is not concerned or it doesn’t mean the artist is not concerned. Speaking of political concern: Unlike in many other parts of the world, Europe and Northern America have a strong tradition of written record as an instrument of historical truth. How do you think art can influence historical methodology as visual testimonials? In fact, in Latin America, history was written. But one important aspect of the history of the Western hemisphere is that the technologies and the systems of representation were so effective that they erased the records from the pre-Colombian period in Latin America and we have no access of what was going on before. It’s not the case so much it seems in Asia because colonialization took place 300 years later and was shorter compared to South America. The Ottoman empire was the strongest at the time, in between were other empires and China and Japan were never weak, so there were manifold traditions these powers were able to protect from the rising colonial powers of the West. When talking about art, the image has always been more powerful than the written text. In fact the public image was born in the desire to convert. In medieval times for example, images started to appear in churches across Europe as a primary method of conversion to Christianity. So for someone who is unable to read or write, an image becomes the first and only point of access and the image continues to function this way. When I go to another place, I only see signs that are taking me through the place. And then there are image worlds. And the Asian and the Latin American one is quite powerful. Global and local images are present at the same time, and if you look at literacy from that point of view, there’s a high level of literacy, but an impoverished language. The large amount of images that circulate around the world are quite limited in how we can think of and about them. What we do in contemporary art is to work against this reduction of images, working to improve the language of sensible experiences. What makes the Berlin Biennale different from other Biennales? There are many different reasons for a Biennale to exist. Nothing exists because it’s just there, but everything has a reason to be there, because, to some extent, it’s necessary. I do think the Berlin Biennale is the most important platform to present new artworks in Berlin at that scale because it’s not a museum and it cannot behave like a museum since it does not have museum spaces. Calling it by its number – 8 compared to 56 in Venice – it is something that is fresh and in the process of becoming and therefore a great and generous podium where you are allowed to do a lot of different things and take risks.


»NUR DIE NACHT DARF NICHT AUFHÖR’N, NUR DER TAG DARF NICHT SEIN!« Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, 3. Akt, Nr. 17

PREMIERE 6. JUNI AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY Kurt Weill MUSIKALISCHE LEITUNG Wayne Marshall | INSZENIERUNG Vincent Boussard BÜHNENBILD Vincent Lemaire | KOSTÜME Christian Lacroix 8. / 12. / 15. / 20. / 25. JUNI 2014 | TICKETS 030 – 20 35 45 55 | WWW.STAATSOPER-BERLIN.DE


TRAFFIC News to-go #37  

THE "ART" ISSUE, FRANK THIEL, JUAN GAITAN, GALLERY WEEKEND, BERLIN BIENNALE , MIAMI BASEL, CDU, SPD, MEDIZIN, FEUILLETON, WETTER, SPORT, ALE...

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