Page 42

Frontmann Matt Stöckli, der vor rund zwei Jahren alles auf die Karte Musik setzte, legen einen professionellen Auftritt hin. Interessanterweise war der Band zu Beginn nicht klar, ob es ein englisches oder ein Mundartalbum werden soll. Parallel entstanden englische und von Bassist Stef Zobrist schweizerdeutsche Texte. Durchaus tiefgründig, erzählen die vielsagenden Lyrics von Liebe, Trennung und Gewissensbissen, reflektieren Erfolge und verpasste Chancen. Zwölf ihrer besten Songs

GURD Fake LC Records Drei Jahre ist es her, seit man von der Schweizer Metalinstitution zum letzten Mal etwas aus dem Studio gehört hat. Zum 20jährigen Bestehen veröffentlicht der Vierer aus dem Nordosten des Landes nun „Fake“, das die bisherige Bandgeschichte beleuchtet. Es handelt sich aber nicht um eine Compilation von schon veröffentlichten Songs, sondern um ein komplett neues Studioalbum, dessen Songs durch alle Phasen führen, die GurD bisher geschrieben haben. So hätte der Opener und Titeltrack mit seiner mächtigen Riffwand und dem straighten Drumming von Steve Karrer auch gut auf das 1998er Album „Down The Drain“ gepasst. „White Death“ und das gegen Ende platzierte „Neglected“ sind lupenreine Thrasher, wie man sie immer mal wieder auf verschiedenen Alben finden konnte, denn trotz des immer noch verbreiteten CrossoverHüpf-Images standen GurD eigentlich auch immer schon für eine volle Breitseite aus dem rabiateren Metalgenre. „Wiped From The Earth“ ist flott, fordernd und treibend und steht für eine GurDtypische Groovenummer und das nachfolgende „Go For It“ klingt wie ein in die Gegenwart geholter Song vom 1995er Debut. Dies vor allem auch, weil Gitarrist Pat Müller den Song singt und damit eine alte Tradition aus dem Hause GurD wiederbelebt wurde. „Last Hooray“ hingegen stampft nach „Addicted“Manier durch die Membran und könnte eventuell ein neuer Livekracher werden. Mit „Hunter Of Dreams“ ist ein Song vertreten, der sich nicht ohne weiteres in eines der neun vorgängigen Studioalben einordnen lässt, denn hier wird zum typischen GurD-

42

Sound eine Richtung eingeschlagen, die in Arrangement und Songwriting neu ist und andeuten könnte, was die Band in Zukunft von sich hören lässt. Ähnlich geht es mit „Near Miss“ weiter, der fast wie ein Bastard aus alten Metallica und Exodus klingt (und mit „knapp daneben“ auch den Frust über den verpassten Sommer ausdrückt). „Bong, Bong“ wiederum ist nicht nur inhaltlich eine Nummer mit „Addicted“-Kaliber, pumpt und drückt an allen Ecken und hat einen bestechend einfachen Mitsing-Refrain mit Humor. Einen Rock'n'Roll-Touch versprüht „Liquid Vision“, das Pulver seinem Freund Gary Meskil von Pro-Pain gewidmet hat und spätestens hier ist dann auch klar, dass das Solo wieder zelebriert werden darf. Ähnlich ist es beim letzten Song „Strike 'em Down“, der nochmal eine letzte Thrashmarke setzt und mit seiner Geschwindigkeit eher unüblich für eine Ausgangsnummer ist. Mit „Fake“ ist GurD ein musikalischer Rundumschlag gelungen. Abwechslungsreiches Songwriting, spielerisches Können, Spass an der Sache und eine niet- und nagelfeste, wuchtige Produktion sind mehr als genug Gründe, sich dieses Album ins Wohnzimmer zu stellen. Die drei Jahre Wartezeit haben sich gelohnt und GurD haben mit „Fake“ ein absolut würdiges Jubiläumspaket für Metalfans verschiedener Sparten geschnürt.

wurden von Department Of Noise (Seven, Marc Sway, Caroline Chevin) für das Debüt der Aargauer produziert. Musikalisch eine Schnittmenge zwischen Plüsch, Mash und Adrian Stern, sind auch GotthardBalladen nicht weit entfernt. Kino Kino spielen kraftvoll produzierten Mundart-Pop ohne grosse Überraschungen. “Chum Doch Zrugg” und “Es Reins Gwüsse” orientieren sich an den schweren Gedanken der britischen Vorbilder Travis und Coldplay. Originell und witzig ist die rockige Single-Auskoppelung “Millionär” mit OhrwurmQualitäten und der Substanz, ein Radio-Hit zu werden. Die Band steht am Anfang ihrer Karriere und hat das Potenzial, im kleinen Musikmarkt Schweiz erfolgreich durchzustarten. Das Live-Charisma wird entscheidend sein.

AZIZ Sorroweater Subversive/Irascible

zehnjährigen Bandgeschichte haben sich die drei Jungs nie auf einen festen Stil festlegen lassen und sich stetig weiterentwickelt. Dabei wurden modische Strömungen nicht gross beachtet, Aziz machten das, worauf sie Bock hatten. Und das ist harter Rock mit Ausflügen in den Metal, ihre stellenweise verzwickten Songarrangements lehnen sich zudem am Prog an. Auf „Sorroweater“ gehen sie den Weg konsequent weiter, sie wildern nach wie vor in allen Schubladen des Rock und verbinden diese verschiedenen Stile auf ihre ureigene Art. Heraus kommt ein zwar sperriges, aber überaus faszinierendes Gebilde, das seinen Reiz erst mit mehrmaligem Hören offenbart. Grund dafür ist in erster Linie der überwiegende Verzicht auf Ohrwurm-Hooklines. Der Aziz-Wurm ist wesentlich perfiderer Art, er frisst sich unaufhaltsam ins Gehirn und infiziert seinen Wirt mit grosser Nachhaltigkeit. Die vertrackten Songs sind sicher nicht jedermanns Sache, aber wer sich darauf einlässt wird auf eine mitreissende musikalische Entdeckungsfahrt gehen. „Sorroweater“ verlangt dem Hörer einiges ab, vor allem Zeit und den Willen in diesen Sound einzutauchen. Denn für oberflächliches Hören ist das Album wahrlich nicht geeignet. Es gibt nur sehr wenige Bands, die in der Schweiz einen dermassen eigenwilligen und eigenständigen Sound pflegen. Aziz erledigen den Job mit Bravour.

SUCHAS Invisible Goldon

hh. Schwere Kost, was uns das Berner Trio mit dem vierten Longplayer da auftischt. Nun gut, einfach handzuhaben war die Band nie, im Laufe ihrer über

ip. Suchas sollte allen noch ein Begriff sein, die Anfang und Mitte der 90er Jahre Hardcore gehört haben, denn damals war das Trio aus Luzern zum ersten Mal aktiv. Nach drei Alben und unzähligen Gigs, unter anderem mit den Spudmonsters, zogen die Jungs allerdings leider den Stecker und lösten sich auf. Das war für die Schweizer

Tracks 6 14 (November/Dezember 2014)  

TRACKS Magazin Switzerland Das grösste Schweizer Gratis-Print-Musikmagazin informiert aktuell über Pop, Rock, Metal, Blues, Country/American...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you