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No. 3/2016 Mai/Juni 6. Jahrgang

Das einzige Schweizer Gratis-Magazin f端r musikalische Lebenskultur

mit g Sch rosse w Sze eizer m ne T eil

>POP >ROCK >METAL >INDIE/ALTERNATIVE >COUNTRY/AMERICANA >SWISS >BLUES

STORIES INTERVIEWS KONZERTE WETTBEWERBE CD+DVD REZENSIONEN

VOLBEAT GAVIN JAMES ANNENMEYKANTEREIT AMON AMARTH DEFTONES DESTRUCTION ALEX HARVEY ELVIS PRESLEY MANILLIO

>WORLD

GARBAGE

BROKEN TEETH * MORBID SAINT * JUNIOR TSHAKA * SHAKRA * BLUES CARAVAN * DREAM THEATER


Inhalt GARBAGE

10

FEATURES / INTERVIEWS: - ANNENMAYKANTEREIT

Sie ist nur glücklich, wenn es regnet! Das verkündete GarbageFrontfrau Shirley Manson in einem der prägendsten Songs der Alternativrock-Welt in den 90ern. Nun, 20 Jahre danach, ist das immer noch so und auch die Liebe zu dunkler, trauriger Musik ist geblieben, wie man auf dem neuen Album «Strange Little Birds» hören kann.. TRACKS sprach mit der Garbage-Frontfrau.

4

Songs aus der WG-Küche

- GAVIN JAMES

16

Bittere Pillen

- MORBID SAINT

23

Alles neu

- BROKEN TEETH

27

Die beissen, die Briten

28

VOLBEAT

Die Outlaw Gentlemen schlagen wieder zu! Dänemarks größte Rock-Band Volbeat lädt auf ihrem sechsten Studioalbum „Seal The Deal & Let's Boogie“ zum Parforceritt durch Metal, Country und Todesboogie, merklich gestärkt von Rob Caggianos entfesseltem Gitarrenspiel. TRACKS war zum Antrittsbesuch in Kopenhagen.

- DESTRUCTION

34

Schmier ohne Blatt vor dem Mund

- DEFTONES

40

Vier Jahre sind genug

- ALEX HARVEY

50

Lebenswerk

- ELVIS PRESLEY

54

Weltkulturerbe

Schweizer Szene: - MANILLIO

42

Optimist

AMON AMARTH

34 Die Berufswikinger haben wieder die Segel gen Ruhm und Ehre gesetzt und schipperten in der Schweiz überraschend auf Platz 3 der Charts. Bei gleichbleibend epischer Hymnenwucht zwischen Heavy Metal und melodischem Death Metal überraschen die schwedischen Ausnahmekämpfer auf „Jomsviking“ mit einem filmreifen Konzept.

22

Hard/Heavy/Metal Metal Church, Hatebreed, Grand Magus, Mantar, Deftones, Volbeat, Amon Amarth, Otep, The Order...

44

LIVE REVIEWS - SHAKRA - BLUESCARAVAN 2016 - DREAM THEATER

Swiss Basement Saints, The Formers, Blues Max, Wolfman, Manillio, Hillbilly Moon Explosion...

56 57 58

Blues/Soul/World The Rides, Tasha Taylor, Layla Zoe, Knucklebone Oscar, Big Boy Bloater,

Mainstream/Indie/Alternative Andra Day, Die Krupps, Iggy Pop, John Cale, Ben Harper & the Innocent Criminals, The Lumineers, Rival Sons, Rick Springfield, All Saints, Birdy, Santana, Gwen Stefani...

46

Klare Botschaften

48

Reviews

6

- JUNIOR TSHAKA

49

Americana/Country/Roots George Strait, Della Mae, Jason James, Leroy Stagger, The Psycho Sisters

52

Re-Releases

59

DVD/BluRay

60 62

Konzertkalender

Metallica Deep Purple, Love, DM3... Twisted Sister

Wettbewerb / Impressum

3


Raue Stimme, Songs aus der WGKüche, Klavier und Gitarre – mit einfachsten Mitteln wurden AnnenMayKantereit zum unaufhaltsamen Rock-Überflieger. Mit „Alles nix Konkretes“ veröffentlichte die Kölner Band ihr Debüt. Und landete damit auch in der Schweiz auf dem ChartsThron.

bs. Er ist nicht unbedingt einfach zu erklären, dieser phänomenale Erfolg. Aber vielleicht muss man ihn ja auch gar nicht erklären. Vielleicht reicht es ja auch, ihn einfach so hinzunehmen, ihn als das zu begreifen, was er ist. Ein Phänomen, ein schönes Wunder in einer ansonsten gern rigiden, starren und überraschungsarmen Musiklandschaft. 2001 gegründet und benannt nach den Nachnamen der drei Bandmitglieder, fingen AnnenMayKantereit als waschechte Straßenmusiker in Kölns Innenstadt an. Dabei blieb es für Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit nicht allzu lang. Die Schulfreude nahmen ein (Demo-)Album in Eigenregie auf, kaum veröffentlicht, war es praktisch sofort wieder vergriffen. Es folgten eigene Konzerte, Gigs auf großen Festivals, Auftritte im Vorprogramm der Beatsteaks – alles ohne reguläres Debüt-Album, wohlgemerkt! Dann, irgendwann im Oktober 2015, gab es mit „Wird schon irgendwie gehen“ mal eine EP. Die Folge: Alle anstehenden Konzerte waren im Nu ausverkauft. Jetzt ist das Debüt „Alles nix Konkretes“ da, bietet zwölf Songs, die nach WG-Küche und verflossener Liebe klingen, nach Semesterferien, nach der ersten eigenen Wohnung und Uni-Partys. Es sind einfach Lieder mit einfachen Texten, direkt aus dem Leben und gerade deswegen

4

mit einer eigentümlichen poetischen Ader ausgestattet. Keine großen Weisheiten, die gab's heute Vormittag schon in der Philosophie-Vorlesung. Jetzt gibt es billigen Wein, selbstgedrehte Zigaretten und die Bestandsaufnahme eines jungen Lebens. Da liegt er wahrscheinlich, der Schlüssel zu diesem beispiellosen Höhenflug, der AnnenMayKantereit auch in der Schweiz in aller Munde sein lässt. „Auch wenn wir unsere Songs mittlerweile vor sehr vielen Leuten spielen, sind es eben immer noch ehrliche Songs mit verdammt ehrlichen Texten“, versucht Christopher Annen die Faszination seiner Band zu ergründen. „Dazu kommen unzählige kleine Bausteine, die wir in den letzten Jahren errichtet haben und die uns Stück für Stück voranbrachten. Wie es jetzt gewachsen ist, ist zwar krass, aber dann irgendwie doch lückenlos nachzuvollziehen.“ Von nichts kommt natürlich nichts, und auch AnnenMayKantereit haben hart für das gearbeitet, was sie jetzt ernten. Ihre Musik trifft einen Nerv. Anders als Wanda, aber ähnlich unaufgesetzt. Echt. „Ich persönlich finde eine Band wie uns ja eh viel sympathischer“, meint Annen schmunzelnd. „Ich finde den Begriff authentisch zwar mittlerweile viel zu ausgelutscht, doch im Grunde trifft es das ja schon.“ Er findet es schön, dass es derzeit einen derart großen Bedarf an solchen


Bands gibt. „Wir können aber auch gar nicht anders“, betont er. Was so wirkt wie eine unzertrennliche Bande von Freunden, die musizierend und feiernd durch die Lande zieht, ist natürlich längst ein hochprofessionelles Unternehmen, an dem zahlreiche Menschen beteiligt sind. Dennoch versucht die Band, sich ein gerüttelt Maß an Spontaneität zu bewahren. „Es wäre natürlich Blödsinn zu behaupten, wir würden alles aus dem Bauch heraus entscheiden. Hey, gerade haben wir die Tour 2017 geplant, da kann nicht groß die Rede von Spontaneität sein“, so der Gitarrist. „Wir quatschen aber einfach unheimlich viel – über alles. Es ist nicht selten, dass wir uns stundenlang über persönliche oder bandbezogene Dinge unterhalten, was bei AnnenMayKantereit dafür sorgt, dass wir in alle Prozesse miteinbezogen sind. Natürlich müssen wir mehr und mehr in andere Hände abgeben, stellen aber sicher, dass diese Dinge dann bei Menschen liegen, die uns sehr gut kennen.“ Gern gibt Annen zu, dass das bisweilen ein eher mulmiges Gefühl auslöst. Wo man früher noch alles selbst in der Hand hatte, sitzen jetzt Menschen, die viele Entscheidungen für die Band treffen – eigentlich ein Widerspruch zu der hippie-esken DIY-Mentalität, mit der man vor fünf Jahren anfing. „Wir haben jedoch das nötige Vertrauen in die Menschen um uns, um relativ

beruhigt durch den Tag zu gehen“, kommentiert Annen. „Und wenn doch mal was falsch läuft, scheuen wir uns nicht, das auch anzusprechen. Wir haben in gewissen Belangen allerdings einfach zu wenig Ahnung, als dass wir da allein unsere Entscheidungen treffen könnten. Letzten Endes sind wir eine Band, die Musik machen und nicht zehn Stunden in der Woche CDs verschicken will.“ Auf „Alles nix Konkretes“ machen AnnenMayKantereit (übrigens mit Bassist Malte Huck mittlerweile zum Quartett angewachsen) genau das. Liebeslieder, mal bittersüß, mal abgekämpft, mal euphorisch. Wie das Leben eben. „Das Album ist eine Bestandsaufnahme unseres Lebens der letzten Jahre“, nickt Gitarrist Annen. „Ein Fotoalbum, in das schöne und unschöne Erinnerungen reingeklebt wurden.“ Eine der zweifellos schönen Erinnerungen dürften gleich die Aufnahmen gewesen sein. Eingespielt wurde das Debüt nämlich in den Berliner Hansa Studios, wo zuvor schon der Genius von David Bowie, Iggy Pop oder Nick Cave durch die Räume schwebte. „Man betritt das Studio und hat direkt Bock, Musik zu machen“, zeigt sich Annen durchaus beeindruckt von so viel Historie. „Wir haben aber nicht wirklich darüber nachgedacht, wer hier jetzt schon alles auf dem Klo einen Haufen gesetzt hat.“ Wäre aber wahrscheinlich interessant...

5


REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative

THUNDER All You Can Eat Ear Music/tba hh. 2 CDs und 1 DVD finden sich im aktuellen Output der altgedienten Briten, die mit ihrem letztjährigen Album „Wonder Days“ ein grandioses, zu den besten ihrer Karriere zählendes Werk abgeliefert hatten. Bei „All You Can Eat“ handelt es sich um Live-Mitschnitte, bei denen ein Hauptgewicht auf den Titeln von „Wonder Days“ liegt. Und das wird auch wohl der Grund für die Briten sein, noch einen weiteren Live-Mitschnitt ihre Discografie hinzuzufügen, in der bereits sage und schreibe 30(!) Live-Alben vorhanden sind. Eine stolze Anzahl trotz der inzwischen (mit einigen Unterbrüchen) 27 –jährigen Karriere, mit der sie wohl langsam reif für einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde sein dürften. CD 1 bietet 14 Songs, die in den legendären Londoner RAKStudios bei Proben für den bevorstehenden Gig in der Brooklyn Bowl (auf CD 2 enthalten) im November 2014 mitgeschnitten wurden. Und hier zeigt sich in allerbester Soundqualität, was für ein mächtiges Kaliber der Hardrockfünfer ist und dass sie zu den besten Live-Bands überhaupt gehören. Ohne Netz und doppelten Boden, soll heissen ohne jedwede Overdubs, spielen sich die Herren perfekt durch ein spannendes Programm, in dem acht Songs aus „Wonder Days“ auf der SetListe stehen. Ergänzt wird das Ganze mit einigen, dicht am Original gehaltenen Coverversionen von Frankie Miller („Be Good To Yourself“), Thin Lizzy („The Rocker“), Stevie Wonder („Superstition“), Creedence Clearwater Revival („Up Around The Bend“), Beatles („I'm Down“) und Free („The Stealer“). Erwähnenswert ist hier auf jeden Fall Gitarrist Peter Shoulder, der während der Krebserkrankung von Thunder-OriginalGitarrist/Keyboarder Ben Matthews als temporärer Ersatz verpflichtet wurde. Shoulder ist ein fantastischer Saitenartist, passt zu Thunder wie die Faust aufs Auge und ist ein alter Kumpel von Thunder-Gitarrist Luke Morley, mit dem er 2009 zusammen das Projekt The Union hatte. CD 2 ist dann das eigentliche Live-Album aus der Londoner Brooklyn Bowl, das zwei Tage nach den RAK-Sessions stattfand. Es gibt natürlich ein paar Songüberschneidungen, aber die Set-Liste an diesem Abend beinhaltet natürlich zusätzlich einige Thunder Klassiker und Hits. Mit einer Spielzeit von gut 80 Minuten wurde das CD-Format bis zum letzten ausgenutzt – für Fans heisst das, knapp 1,5 Stunden Thunder at it's best. Auf der knapp dreistündigen DVD findet sich eine Dokumentation mit dem Titel „Wonder Days – The Documentary Film“ in der die Geschichte des Albums mit ausführlichen Interviews und Live-Sequenzen die Geschichte des Albums nachgezeichnet wird. Dazu gibt es Konzertausschnitte aus dem Loud Park (Tokyo) sowie einige Highlights aus den RAK- und Brooklyn Bowl-Gigs. Fazit: Ein superbes Paket von Britanniens wahren Verwaltern des Bad Company Erbes, das jeden Fan mit grosser Nachhaltigkeit erfreuen wird. Und alle diejenigen Classic-/HardrockFans, die sich bislang mit dieser Band noch nicht beschäftigt haben, sollten das jetzt dringend nachholen. Thunder gehören nach wie vor zu den besten Live-Bands weltweit und haben eine schon fast beängstigend riesige Anzahl an grandiosen Songs im Gepäck. „All You Can Eat“ ist definitiv ein Pflichtkauf!

6

IGGY POP

RIVAL SONS

Post Pop Depression

Hollow Bones

Loma Vista

Earache/Warner

ip. Wenn Iggy Pop ein neues Album veröffentlicht dann steht die Musikwelt immer einen Moment lang still. Entweder passiert das aus Hochachtung oder aber Verwirrung, manchmal auch aus purem Vergnügen und ab und zu auch aus nicht entsprochener Erwartung. Wenn Iggy Pop mit Josh Homme und Dean Fertita (Queens Of The Stone Age) und Matt Helders (Arctic Monkeys) eine Platte schreibt und aufnimmt, und die auch von Herrn Homme produziert wird, dann bekommt man allerdings genau das, was man aus dieser Konstellation erwartet: Schlicht gehaltene Songs mit einer Menge Groove, dem hypnotischen QOTSA-Charme und dem unwiderstehlichen Charisma des Punkpaten. Was mit „Break Into Your Heart“ und dem wunderbaren „Gardenia“ versprochen wird, nämlich sparsame Kunst, zieht sich in verschiedenen Facetten durch das gesamte Album. Viel Raum in den Drums verbreitet Retrofeeling in „American Valhalla“ und es erstaunt, wie weich und zart man einen, im Kern rocknrolligen, Punksong interpretieren kann, wenn man die richtige Instrumentierung und den passenden Sound wählt. „In The Lobby“ glänzt mit unvorhersehbarem Beat, „Sunday“ mit präsentem Basslauf, der direkt ins Tanzbein kriecht, und melodiösem Refrain. Den sprichwörtlichen Vogel schiesst die Truppe allerdings im besten Sinne mit „Vulture“ ab, einer minim instrumentierten Nummer mit ausgefeiltem Arrangement in Gesang und Backing Vocals. Und einem herrlichen Text. Weder bei Iggy Pop noch bei Josh Homme weiss man so genau, ob ihr Songbaukasten mit ausgeklügelter Sachlichkeit oder doch eher mit naivem Instinkt bedient wird. Wahrscheinlich trifft sich die Realität irgendwo in der Schnittmenge dessen, obwohl es doch eine viel schönere Vorstellung ist, dass die beiden Magier aus ein paar wenigen Zutaten einen betörenden Zaubertrank herstellen. Denn genau das ist „Post Pop Depression“ vom ersten bis zum letzten Ton, denn das Album ergiesst sich durch die Ohren in den ganzen Körper und füllt die Blutbahn mit einem ganz bestimmten Gefühl, das man erst kennt, wenn man das Album gehört hat. Und deshalb sollte man das unbedingt tun.

bs. Wo soll man bei dieser Band nur anfangen? Vielleicht bei ihrem phänomenalen letzten Album „Great Western Valkyrie“, einem echten Blues-RockPrimaten allererster Güte? Vielleicht auch bei den unvergesslichen Konzerten, die den Jungs aus Long Beach längst den Ruf eine der besten Livebands des Planeten einbrachte und sie noch bis zum Herbst mit Black Sabbath durch die Welt tingeln lässt? Nein. Wir fangen beim neuen Album „Hollow Bones“ an. Das macht so viel richtig, dass man gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Jeder auch nur ansatzweise lebendige Musikliebhaber wird sich in dieses Album verlieben, wird an den Lippen von Jay Buchanan hängen und mit einem breiten Grinsen realisieren, dass Rival Songs möglicherweise wirklich die beste Rock-Band dieser Zeit sind. Müßig aufzudröseln, was da jetzt Blues ist, was Classic Rock, was Soul und was Hard Rock. Am Ende ist es einfach so: „Hollow Bones“ ist ein zeitloses Meisterwerk des Rock'n'Roll, dargeboten von einer Band, die diese Musik versteht, liebt und braucht. Zugegeben, das war schon auf den letzten vier Alben so. Es wird rückblickend aber „Hollow Bones“ sein, das man sich in Erinnerung rufen wird, wenn man über diese Band redet. Ein essentielles Stück amerikanische Rockgeschichte.

Erscheint am 10.6.

RICK SPRINGFIELD Rocket Science Frontiers Records mv. Rick Springfield ist ein echter Vorzeigerocker und trotz seiner mittlerweile 66 Jahren immer noch voll dabei. So sorgt auch das neuste Werk des gebürtigen Australiers wieder für massig gute Laune und läutet wie kaum ein anderes Album gekonnt den Frühling ein. Schon der grossartige Opener "Light This Party Up" macht alles klar und bietet den perfekten Soundtrack für die ersten Outdoor-Partys des Frühlings. Springfield hat das Rocken definitiv nicht verlernt


Mainstream/Indie/Alternative REVIEWS und zeigt einmal mehr eindrucksvoll, dass er auch im 2016 nicht auf seine alten Hits wie „Jessie’s Girl“ oder „Love Somebody“ reduziert werden muss sondern immer noch aktuelle, relevante Musik schreiben kann. Ein weiterer ganz grosser Hit ist das knackige “The Best Damn Thing“, welches ebenfalls im Radio auf Dauerrotation gehen dürfte. „Rocket Science“ bietet aber nicht nur wunderbaren Classic Rock, der gute Rick hat auch seine Liebe zu Country ausgelebt und so haben doch einige Songs eine starke CountrySchlagseite. Beste Beispiele dazu sind die Country-Rock Nummern „Miss Mayhem“, „Crowded Solitude“ oder „That One“ sowie das melancholische „Found“. Und das Gute daran ist, dass diese Nummern nicht nur absolut grossartig sind sondern auch perfekt zu Rick Springfield und seiner kraftvollen Stimme passen. Nicht zu vergessen die wunderschöne Ballade „Let Me In“, welche natürlich ebenfalls grosses Radio-Potential hat. Mit „Rocket Science“ hat Springfield somit alles richtig gemacht und bietet ein Album voller Leidenschaft, welches graue Tage aufhellen und schlechte Laune vertreiben soll.

ALL SAINTS Red Flag Universal Music hef. Sie sind zurück. Nach zehnjähriger Schaffenspause legt das britische Damen-Quartett sein neues Album vor. DamenQuartett statt Girlgroup – die Ladies sind älter und auch um einiges reifer geworden. Deshalb können die Schwestern Nicole und Natalie Appleton, Melanie Blatt und Shaznay Lewis aus dem Vollen schöpfen, was die Themen ihrer zwölf neuen Songs betrifft. Die Vorab-Single "One Strike" zeigte schon den Weg. Das Lied handelt von den Folgen der Trennung zwischen OasisSänger Liam Gallagher und Nicole Appleton. Zum Comeback meint Shaznay: "Wenn wir keine neue Musik hätten, an die wir glauben, hätten wir All Saints wohl Vergangenheit sein lassen." Auf ihren grossen Hits "Never Ever" und ihrem Cover des Klassikers "Lady Marmelade" spürt man direkt die Lebensfreude der

vier Sängerinnen. Zehn Jahre danach kommen die perfekt produzierten und arrangierten Songs emotionaler, gemächlicher und auch gelassener daher. Man muss sie sich erhören, dann entfalten sie ihre wahre Schönheit. Vor allem der Titelsong "Red Flag" fährt ein, auch weil er etwas aus dem Rahmen fällt. Mit rhythmischem Klatschen und einer Art Sprechgesang, untermalt von orientalisch wirkendem Chören, fängt es an. Dann steigert sich der Song zum Crescendo. Um danach wieder in Sanftheit zurückzufallen. Höchst spannend und nicht der einzige Titel, der überrascht.

ANNENMAYKANTEREIT Alles nix Konkretes Vertigo/Universal bs. Wie definiert man Erfolg? Eigentlich unmöglich zu sagen, daher lässt man dieser Tage in einer solchen Diskussion einfach den Namen AnnenMayKantereit fallen und alle nicken wissend. Die mittlerweile zum Quartett angewachsene Kölner Band fing als Straßenmusikbande an und hat sich mittlerweile an die Spitze deutschsprachiger Rockmusik gespielt – und das mit nur einem Album! „Alles nix Konkretes“ heißt das und enthält nicht weniger als den Soundtrack einer ganzen Generation. Die Vertonung des Lebens vom Schulabschluss bis zur ersten Uni-Krise: Liebe, erste Wohnung, WGPartys, Semesterferien und Ausflüge an den Badesee, eingefasst in direkte, ehrliche, unverkrampfte Texte, die von Henning Mays charakteristisch tief rumpelnder Stimme voller Leben vorgetragen werden. Weisheiten sucht man hier vergebens. Dafür wissen AnnenMayKantereit, wie man den Sound der Gegenwart einfängt, wissen, was die Menschen da draußen bewegt. Ganz normale Dinge eben, besungen in ganz normalen Songs von ganz normalen Typen. Wenn das die neuen Popstars sind, dann läuft endlich mal wieder was richtig in der Musikwelt.

JOHNNY MOPED It's A Real Cool Baby Damaged Goods Records rp. Was haben Chrissie Hynde (Pretenders) und Captain Sensible (The Damned, Solo) gemeinsam? Genau, beide haben einmal in Johnny Mopeds Band gespielt.

Kolumne Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie von Christian Hug

Punk? Dead! 2016 ist also ein Punk-Jahr, Entschuldigung, ein PunkJubiläumsjahr beziehungsweise ein Punk-Gedenkjahr. Dazu, liebe Kinder, erzähl ich euch eine schöne Geschichte: 1976 veröffentlichten die Sex Pistols ihr Debütalbum «Never Mind The Bollocks, Here's The Sex Pistols». Sie wetterten darauf gegen alles und jeden, insbesondere gegen die englische Königin, fluchten, rotzten, wollten das ganze Establishment auf den Mond schiessen, und Bassist Sid Vicious schoss sich dann bald darauf per Heroin selber ab. Erfinder der Band war Malcolm McLaren, der mit seiner Gattin Vivienne Westwood grad die Kleiderboutique «Sex» führte und die Sex Pistols eigentlich als Werbegag für die Boutique verstand. Ähnlich wie Jahre später Nirvana traten die Sex Pistols aber unverhofft eine Welle aufgestauter sozialer Wut los, die als Punk das Musikverständnis und die Musik als solche und auch ein bisschen die Gesellschaft umkrempelte. Vivienne Westwood kreierte dann lustige Mode mit Sicherheitsnadeln drin, Malcolm McLaren begann selber Musik zu machen, die Sex Pistols gingen spektakulär unter, und irgendwann passierte das, was mit allen Jugendbewegungen passiert: Die Akteure wurden älter, gingen einer geregelten Arbeit nach und wurden bürgerlich, man kann ja nicht ewig wütend sein. Und das Establishment machte das, was es immer tut, wenn es einen Feind nicht besiegen kann: Es machte Punk zum Teil seiner selbst. 2016 ist nun also Punk-Gedenkjahr, und sogar die Queen hat offiziell ihren Segen zur Durchführung einer PunkGedenkveranstaltung ereilt. Das wiederum – jetzt kommts – brachte Joseph Corré, den Sohn von McLaren und Westwood, schampar schauderlich in Rage. Das sei, trompetete er, «das Erschreckendste, das ich je gehört habe». Skandal! Schlimm! Alles Scheisse! Punk's not dead, will er uns mit seiner Tirade mitteilen. Nun muss man wissen, dass Joseph Corré 1994 mit seiner damaligen Frau Serena Rees das Dessous-Label Agent Provcateur gründete. Ihr wisst schon, das ist diese verschnörkelte Unterwäsche für Frauen, die für ein Minimum an Stoff ein Maximum an Geld ausgeben wollen. 2007 verkaufte das mittlerweile Ex-Ehepaar das etablierte Label für sagenhafte 60 Millionen Pfund. So. Und nun also meine Frage: Was haben 60 Millionen Pfund denn mit Punk zu tun? Und warum haben die Punk-Memorabilia, die Herr Corré demnächst als Zeichen des Protests öffentlich verbrennen will, nach eigenen Angaben einen Wert von 5 Millionen Pfund? Eben. Da kann man als sozialisierter Ex-Punk nur den Mittelfinger ganz steif durchdrücken und klar und vernehmlich sagen: Fuck you. Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte, was selbstredend auch für das Album gilt, das er und seine unbebrillten Freunde für dieses Jahr angekündigt haben. Und wenn wir grad dabei sind: Who the fuck will Axl Rose bei AC/DC?

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REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative Pally’s kurz und knapp THE RAZORBLADES - New Songs For The Weird People «New Songs For The Weird People» - passend ist dieser Albumtitel nicht gerade. Songtitel wie «I Can Smell the Summer» oder «Anthem for the Beach Freaks» geben besser Auskunft über den Sound der Wiesbadener Band um Rob Razorblade: Die 17 Tracks auf «New Songs For The Weird People» sind Nahrung für Freunde sommerlicher Beach-Musik. Wohlan Dick Dale, Jan & Dean, die frühen Beach Boys und Konsorten. Gewürzt wird das Ganze mit einem Schuss Punk. Die (Beach)-party ist eröffnet. SCRAPER - Misery Hans-Dampf-In-Vielen-Gassen Ty Segall, der es ja wissen muss, produzierte Scrapers Debüt-EP. «Misery» ist nunmehr der zweite Lonplayer des 2011 in Leben gerufenen Trios um Gitarrist und Sänger Billy Schmidt. Die elf Songs klingen wie einer. Pausen gibt es nicht wirklich. Bevor man sich versieht, ist die CD zu Ende. Roher Old School Punk, irgendwo zwischen den frühen Wire, Angry Samoans, SS Decontrol und anderen PunkVeteranen. Abgeschmeckt mit garstig bösen Texten. San Francisco Punk zum Drahtzäune durchschneiden. KING MUD - Victory Motel Sessions King Mud ist ein Seitenprojekt von Van Campbell (Black Diamond Heavies) und Freddy J IV (Left Lane Cruiser). Unterstützt werden die beiden auf «Victory Motel Sessions» von Parker Griggs (Radio Moscow). Wer die angestammten Bands der beiden Frontmänner mag, wird auch Gefallen an den «Victory Motel Sessions» finden. Der raue Bluesrock, Siebziger Heavy Rock gewürzt mit einer Prise Soul (z.B. in «Take A Look») rumpelt und kratzt erfrischend in den Gehörgängen. Auch die beiden Coverversionen «I Can Only Give You Everything» (Troggs) und Wilko Johnsons (Dr. Feelgood) «Keep It Out Of Sight» hauen gut rein. Nichts für Hi-FiLiebhaber. ILLEGALE FARBEN - Illegale Farben Ja, das Alter lässt einem ruhiger werden. Die Mitglieder der Illegalen Farben haben Ihre Vergangenheit in diversen Hardcore Bands auf ihrem selbstbetitelten Debüt hinter sich gelassen. Etwas gerockt wird hier und da schon noch, doch meistens klingt ihre Gitarrenmusik gedrosselt, zuweilen gar poppig und auch mal tanzbar. Intensiv ist dafür der Gesang von Thom Kempkes. Das werden Bezüge zu den seligen Fehlfarben offenbar. Nicht gerade «Es geht voran» aber zumindest «Endlich ist wieder etwas los». SO PITTED - Neo Nett schaut das US-Trio So Pitted im Video zu «Rot In Hell» in die Kamera. Weniger nett ist da der Text: Verrotte in der Hölle. Besagter Track klingt wie die frühen Nirvana, So Pitted stammen übrigens aus Seattle, bloss unfreundlicher. Der Rest von «Neo» haut in die gleiche Kerbe. Kracht zuweilen ganz ordentlich, aber ob ihr nächstes, zweites Album ein zweites «Nevermind» wird, ist zu bezweifeln. THE BONNEVILES - Arrow Pierce My Heart «Arrow Pierce My Heart» ist das dritte Album des nordirischen Duos um Sänger und Gitarrist Andrew McGibbon Jr und Schlagzeuger Chris McMullan. Die beiden hauen auf ihrem neuen Opus in die gleiche Kerbe wie die Labelkollegen von Left Lane Cruiser oder zuweilen Radio Moscow. Rauer reduzierter Garagen-Rock-Blues ohne Schnörkel. Als kleines Schmankerl gibt es mit «Erotica Laguna Lurgana» noch eine Link Wray mässiges Instrumental.

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Doch von Anfang an. Paul Halford, wie Moped richtig heisst, trat 1974 der englischen Band Genetic Breakdown bei, die sich daraufhin in Johnny Moped And The Five Arrogant Superstars und später Johnny Moped's Assault And Buggery unbenannte. 1975 wurde daraus schliesslich kurz und bündig Johnny Moped. Ihr «Moronic Rock'n'Roll» passte bestens in aufkommende Punkwelle. Johnny Moped eröffneten für The Damned und waren auf dem legendären UKPunk-Sampler «The Roxy London WC2» (1977) vertreten. Ein Jahr später erschien die LP «Cycledelic» mit wunderbar schrägen Punksongs wie «V.D. Boiler», «Little Queenie», «Darling, Let's Have Another Baby» oder «Hell Razor». Die Ramones und auch REM liebten das Album. Kurz darauf tauchte die Band unter, Johnny Mopeds exzentrische Art hätte wohl einen grösseren Erfolg verhindert. Unerwartet reformierte sich die Band Ende der Achtziger und veröffentliche «The Search For Xerxes» (1991), benannt nach Xerxes, dem mysteriösen Mitglied der Anfangszeit. Dem eher schwer verdaulichen Album folgt jetzt, 26 Jahre später, ein Werk, das an die alten Tage anknüpft. «It's A Real Cool Baby» ist ein charmant naives BubblegumPunk-Werk. Johnny Moped kann immer noch nicht singen, aber wenn kümmert das? Songs wie der Titeltrack, «Everything Is You», «Simon Can't», «I Want To Die», «Super Woofa» oder «Honey Bun» (mit Anleihen an die Sex Pistols) sind wunderbare Ohrwürmer. Moped hat sogar kleine Finessen wie Keyboards, Saxophon fast jazzige Momente und Frauenchöre eingebaut. «It's A Real Cool Baby», indeed.

VIOLENT FEMMES We Can Do Anything Pias rp. Irgendwie entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass die Violent Femmes ihren bekanntesten Song «Blister In The Sun» zu Werbezwecken an die US-Hamburgerkette Wendys verkauft haben. Gordon Gano, der Vegetarier ist, hatte «Blister In The Sun» 2007 unter Protest von Bassist Brian Ritchie verscherbelt. Im besagten Song geht es übrigens unter anderem um Masturbation. Hamburger und Masturbation, eine spezielle Kombination! Gut, von irgendetwas muss man ja leben. So richtigen Erfolg hatte das Trio, zum dem auch mal Dresden Dolls' Brian Viglione gehörte,

nämlich schon lange keinen mehr. Ihr Debüt von 1983, mit besagtem «Blister In The Sun», war bis dato ihr erfolgreichstes Album. Vielleicht kehren die Violent Femmes deshalb mit ihrem ersten Album seit gut 16 Jahren musikalisch wieder zu ihren Anfängen zurück? «We Can Do Anything» könnte gleich auf ihr Debüt gefolgt sein, auch thematisch. Die charakteristische Mischung aus LoFi-Folk, Blues und Akustik-Punk versprüht auch heute noch viel Charme. Hoffentlich beschert «We Can Do Anything» den Violent Femmes genügend Geld, damit sie in Zukunft von solchen Aktionen wie mit «Blister In The Sun» absehen können.

Motorpsycho Here Be Monsters Stickman rp. The norwegischen Motorpsycho gehen auf ihrem neuen Album wieder mal etwas behutsamer zu Gange. «Here Be Monsters», dessen Grundstein 2014 am Jubiläum des norwegischen technischen Museum gelegt wurde, lässt und nimmt sich Zeit, Stimmungen zu inszenieren, entwickeln und auszubreiten. Dass ihr circa 25. Werk mit einem Song namens «Sleepwalking» beginnt, passt da gut ins Bild. Dass dieser Song fast zehn Minuten dauert ebenso. Lange instrumentale Passagen werden eingeflochten, Gitarrensolos und dezente aber wirkungsvolle dramaturgische Effekte sorgen für Spannung. Zuweilen klingt das wie die mittleren Pink Floyd, gewisse Passagen mitunter wie JamSessions («Lacuna/Sunrise»). Intros dauern da schon mal etwas länger, Übergänge werden fliessend oder Motorpsycho offerieren gleich reine Instrumentalmusik. Den Höhepunkt an Intensität erreicht das Album im Song «I.M.S». Gleich darauf folgt die wunderbare Interpretation des PsychKlassikers der amerikanischen HP Lovecraft «Spin Spin Spin». Psychedelisch schön. Eigentlich könnte das Album hier enden. Aber noch einmal wird (kurz) schlafgewandelt und zum Abschluss folgt ein harmonischer und ausgiebiger Spaziergang (17 Minuten) mit einem grossen schwarzen Hund, der zwischendurch auch etwas bissig werden kann. Alles in der gewohnten MotorpsychoKonstanz.

ABRAMOWICZ Call The Judges & Generation Uncle M Music / Cargo Records cw. Der Hang zu unrecherchierbaren, faden Bandnamen existiert nicht erst seit gestern. Da lässt ein slawischer Familienname wie Abramowicz erst einmal angenehm aufhorchen. Dass es sich hierbei weder um die jugoslawische Performance-Künstlerin,


Mainstream/Indie/Alternative REVIEWS noch um den russischen Oligarchen (beide werden eh mit itsch geschrieben), sondern um eine junge Hamburger Band handelt, ist nicht weiter schlimm. In Erscheinung treten Abramowicz vielmehr mit ihrem bodenständigen Blue CollarPunk/-Rock. Ihr Kapital ist jedoch vor allem der trocken heisere Gesang von Frontmann Sören Warkentin, mit dem er seine erzählerischen Texte abgebrüht und gekonnt umgarnt. Dass „Call The Judges & Generation“ - ein Doppel-Release bestehend aus einer neuen und alten EP - das Quasi-Debüt der Nordlichter darstellt, ist angesichts der romantischen Eheschließung von nordisch maritimer Melancholie und amerikanischen Heartland-Rock kaum zu glauben. Dass viele bei Dauerreferenzen wie The Gaslight Anthem oder Bruce Springsteen die Augen rollen werden, kann man ihnen nicht übel nehmen. Dennoch, Abramowicz beweisen, dass in diesem vielzitierten Genre noch längst nicht alles gesagt ist.

PUP The Dream Is Over SideOneDummy Records / Cargo Records cw. Wer seinen Punkrock schon immer mit einer gehörigen Dosis Garage und Rock'n'Roll und dazu schön kaputt und bratzig mochte, der wusste bereits das selbstbetitelte Debüt der Kanadier Pup zu schätzen. Zwei Jahre und 450 Shows später haut uns der Vierer ihren beeindruckenden Zweitling „The Dream Is Over“ um die Ohren, der vor Energie und Verspieltheit nur so strotzt. Und das war nach dem zermürbenden Tourzyklus der vergangenen 24 Monate gar nicht so selbstverständlich und spätestens mit programmatischen Titeln wie „If This Tour Doesn't Kill You, I Will“ wird umso deutlicher: Es schien so, als sei der Traum für Pup ausgeträumt. Umso furchtloser stürzt sich die Band nun ihr zweites Kapitel. Mal krachig, mal groovig, mal mit Weezeresquen Versatzstücken und mal mit einem Zwinkern in Richtung Südstaaten-Rock. „The Dream Is Over“ ist immer hoch energetisch, unwiderstehlich hymnisch und nicht zuletzt durch die lebhafte Produktion von Dave Schiffman wuchtig und druckvoll. Pup sind das sprichwörtliche organisierte Chaos. Wer Alben von Fidlar oder The Thermals sein Eigen nennen kann oder zuletzt The Dirty Nil in sein Herz geschlossen hat, der sollte nicht lange hadern.

BAZOOKA Useless Generation Slovenly Recordings rp. Ihre anfänglich angeberische Überheblichkeit, Bazookas Debüt-EP hiess «I Want To Fuck All The Girls In My School» ist auf dem dritten Album einer Niedergeschlagenheit, Perspektivenlosigkeit und Hoffnungslosigkeit gewichen. Im PschedelikPunk-Kracher «The Screen» bekennt Sänger Xanthos verdrossen: «I Live in Safety Within The Screen». Der Computer als letzte Zuflucht und Schutz. In Griechenland, wo Bazooka herkommen, verständlich. Die hoffnungslose Situation ihres Landes hat sich in den Texten niedergeschlagen. Im Song «Repetition» bekennt er: «And Now I Am Suffering From Deep Depression And My Brain Is Suffering Depression.» Und im Titeltrack bricht alles zusammen: «I Am From The Useless Gemeration. I Learned Everything In Life Late. My Body Is Full Of Preservatives. I've Shit Myself.» «Useless Genration» ist ein wütend depressives und wichtiges Statement gegen eine kapitalistische Welt, welche die Verlierer alleine lässt.

MARTIN GORDON Gilbert Gordon & Sullivan Radiant Future Records rp. Erlauben sie mir, zuerst die Akteure dieses komischen Dramas vorzustellen: Martin Gordon, seines Zeichens ehemaliges Mitglied von Jet, den Sparks und den Radio Stars, hat sich auch schon mit Worldmusic rumgeschlagen und war einmal sogar als neuer Bassist der Rolling Stones im Gespräch, ist in multiinstrumentaler und ausführender Position zu hören und zu sehen. Gilbert & Sullivan, beide seit über 100 Jahren tot, deshalb arbeitet Martin Gordon auch mit ihnen, haben die Lieder dazu beigesteuert. Der Komponist Arthur Sullivan und der Schriftsteller und Librettist William Schwenck Gilbert, wie die beiden mit vollem Namen heissen, haben in ihrer Karriere 14 komische Opern getextet und komponiert. Was Gordon nicht ganz ungelegen

kommt. Schliesslich hat er ja mal bei den Sparks den Bass gezupft, denen Pathos, Extravaganz und Theatralik kein Fremdwort ist und, die sicherlich den einen oder anderen Trick bei Gilbert & Sullivan abgeschaut haben. Auch den Soloalben von Gordon, «Gilbert Gordon & Sullivan» ist bereits sein siebtes, sind komischdramatische Momente nicht fremd. Gordon und seine Mitstreiter haben den 15 Nummern ein modernes Gewand verpasst. Verspielt, überdreht, rockig, schrill und ironisch soll es sein. Theatralische Rock- und Popmusik mit einem gehörigen Augenzwinkern. Einzelne Songs (gerade «Lord High Executioner», «Make Way For The Wise Men / In Every Mental Lore» und «Modern Major General») könnten durchaus von einem Sparks-Album stammen. Dies, obwohl Martin Gordon heute nicht mehr so gut auf die Mael-Gebrüder zu sprechen ist. Eigentlich ist das ja auch egal. «Gilbert Gordon & Sullivan» macht auf der ganzen Linie Spass. Geneigte Hörerinnen und Hörer sollten diesem Album sicherlich ein Ohr (oder vielleicht auch zwei) leihen. «Make Way For The Wise Men».

WILLIAM FITZSIMMONS Charleroi: Pittsburgh Volume 2 Grönland rp. War «Pittsburgh», das letzte Werk des amerikanischen SingerSongwriters William Fitzsimmons eine Ehrerbietung an seine 2014 verstorbene Grossmutter Virgina. So ist «Charleroi: Pittsburgh Volume 2» eine Referenz an die Mutter seines Vaters, die Fitzsimmons, im Gegensatz zu Virgina, nicht gekannt hat. Ihr Name war Thelma und sie lebte in Charleroi, Pennsylvania. Sie brachte neben seinem Vater vier Kinder auf die Welt, die sie aber nicht selber aufzog. William Fitzsimmons fand erst heraus, wer seine andere Grossmutter ist, als sie schon gestorben war. Sicherlich ist es ein spezieller Ansatz über jemanden zu schreiben, den man nicht gekannt hat. Fitzsimmons tut das einmal mehr auf behutsame Weise mit Indiefolk. Sehr wahrscheinlich ist, dass der ehemalige Psychotherapeut Fitzsimmons mit «Charleroi: Pittsburgh Volume 2» eine Aufarbeitung seiner eigener Vergangenheit unternimmt. Am Schluss bleibt ihm nichts anderes übrig, als festzustellen: «Nothing Can Be Changed».


Wie Tränen im Regen Über 20 Jahre ist es her, dass Garbage mit ihrem selbstbetitelten Debüt für Furore in der Alternative-Welt sorgten. Zwischenzeitlich lag die Band auf Eis, 2012 meldete sich die schottisch-amerikanische Unternehmung auf dem eigenen Label zurück. „Strange Little Birds“ zeigt jetzt eine Band, die endlich wieder zu sich selbst gefunden hat – und eine Shirley Manson, die offensichtlich immer noch glücklich ist, wenn es ordentlich regnet.

bs. Jeder sang sie in den Neunzigern inbrünstig mit, diese eine ikonische Zeile: „I'm only happy when it rains“ verkündete eine feuerrote Shirley Manson in einem der prägendsten Songs der Neunziger. Das zugehörige Album „Garbage“ etablierte die junge Band 1995 gleich mal im Thronsaal der Alternative-Rock-Welt, bescherte ihr Touren mit den Smashing Pumpkins und zwei Grammy-Nominierungen. Gut 20 Jahre später lebt Shirley Manson nicht mehr in Edinburgh, sondern in Los Angeles, ist trotz der dortigen klimatischen Verhältnisse allerdings unverändert nur dann glücklich, wenn es regnet. „Jedem, der das neue Album „Strange Little Birds“ hört, muss auffallen, dass ich immer noch der Mensch bin, der 1995 „Only Happy When It Rains“ gesungen hat“, steigt sie mit ihrem hinreißenden schottischen Akzent in das Gespräch ein. „Wir als Band lieben dunkle und traurige Musik über alles, und ich denke, das merkt man diesem Album besonders deutlich an. Wir schworen uns schon im Vorfeld, ein düsteres Album zu schreiben, weil wir alle die Schnauze gestrichen voll hatten von diesen belanglosen, fröhlichen Pop-Songs im Radio. Also packten wir die dunklen Gitarren und die dräuenden Stimmungen aus, um einen Gegenpol darzustellen. „Strange Little Birds“ ist ein Album, das sich mit den unschönen Seiten des Lebens auseinandersetzt.“ Noch dazu ist das sechste Studioalbum der einflussreichen Band eine feinsinnige Verbeugung vor dem Helden der Mitglieder. „Als Musiker verbringst du einen Großteil deiner Karriere damit, dich weit genug von deinen Helden zu entfernen, um eine eigene Stimme zu finden“, holt die 49jährige Sängerin mit dem unverkennbar roten Haarschopf. „Diesmal waren wir uns jedoch alle einig, dass „Strange Little Birds“ durchaus als Hommage an unsere Helden durchgehen kann – und zwar ohne dass wir unsere Identität verlieren. Also wollten wir eben auch so einen dunklen, dräuenden Gitarrensound, der an unsere Idole Television, The Cure, David Bowie oder Echo And The Bunnymen erinnert. Wir kramten alle unsere alten Lieblingsplatten raus und ließen uns ganz bewusst von ihrer Stimmung und Ausstrahlung beeinflussen.“ Das kommt nicht von ungefähr. Dass sich Garbage so etwas trauen, wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. „Not Your Kind Of People“ erschien 2012 nach einer fünfjährigen Pause, die Zeit davor war geprägt vom Druck großer Plattenfirmen. Auch deshalb gründeten Garbage mit Stunvolume ihr eigenes Label. „Nach unserer Pause rechneten wir mal durch und kamen zu dem Entschluss, dass wir mit einem eigenen Label besser dran wären“, gibt sich die Schottin offen und ehrlich. „Bevor wir also wieder bei einem Major unterschrieben, wollte wir lieber als Indie-Label voranschreiten. Kleiner und mit weniger Einfluss, sicher, aber dafür mit mehr Kontrolle und Unabhängigkeit. Wir hatten keine Lust mehr darauf, in die Taschen der großen Firmen zu musizieren, und entschieden uns für den schwierigeren, aber

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freieren Weg.“ Die Arbeiten am Comeback erwiesen sich dennoch als nahezu unschaffbar, wie Shirley Manson durchaus bewegt zurückblickt: „Als wir „Not Your Kind Of People“ aufnahmen, hatten wir uns fünf Jahre nicht im selben Raum aufgehalten“, erzählt sie. „Wir wussten aber, dass wir uns nach dieser langen Pause zusammenreißen und auch auf Tour gehen mussten, wenn wir wieder bei den Leuten ankommen wollten. Das kostete kolossale Mengen Energie und war eine regelrecht herkulische Anstrengung.“ Das hört man dem Album an. Es klang wie unter großem Druck geschmiedet, unfrei, beinahe ein wenig verkrampft. „Kein Wunder“, nickt Manson, „die Arbeit daran fühlte sich so an, als müssten wir einen riesigen Stein einen Berg hinaufwuchten. Als wir den Stein oben hatten, waren wir allerdings umso überraschter, dass wir so gut aufgenommen wurden und total überwältigt davon, dass die Fans immer noch hinter uns standen. Immerhin waren wir fünf Jahre verschwunden, wer wusste schon, ob uns noch jemand hören oder zu einem Konzert kommen würde?“ Doch man hörte sie und man kam zu ihren Konzerten. Garbage waren plötzlich wieder da. „Das hat sich definitiv auf „Strange Little Birds“ ausgewirkt“, so die Frontdame hocherfreut. „Wir fühlten uns deutlich befreiter, saßen wieder fest im Sattel, sozusagen. Wir hatten so viel Spaß an der Musik wie schon lange nicht mehr.“ Um zu verstehen, wie Garbage funktionieren, muss man das komplexe Eigenleben der amerikanischschottischen Bande ganz genau sezieren und vor allem die Pause von 2006 bis 2011 mal genauer in Augenschein nehmen. „Wenn man es ganz genau nimmt, haben wir mit Garbage eine Pause eingelegt, um ein wenig Abstand voneinander zu bekommen“, gesteht sie. „Diese Zeit war mir sehr wichtig und aus kreativer Sicht unglaublich beflügelnd. Ich machte mit anderen Leuten Musik, besuchte Schauspielkurse und spielte einen Roboter in der „Terminator“-Serie. Nachdem ich all das gemacht hatte, fühlte ich mich bereit, zu den Jungs zurückzukehren und mit ihnen

Garbage Strange Little Birds Stunvolume/PIAS

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weiterzumachen. Du musst wissen, als ich zu Garbage stieß, waren alle Mitglieder angesehene Musiker, die man sehr verehrte und respektierte. Auch ich sah zu ihnen auf und fühlte mich durchaus eingeschüchtert, mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten. Es ist kompliziert, vier Platten mit Menschen aufzunehmen, denen man sich nicht unbedingt gewachsen fühlt.“ Nach ihrer Rückkehr jedoch, betont sie, war das plötzlich anders. „Ich fühlte, dass ich ihnen ebenbürtig war, was diesen Neustart deutlich gesünder und dynamischer machte als jemals zuvor.“ Endlich klingen Garbage wieder auf ihre unerreicht euphorisierende Weise deprimierend, endlich verbreiten sie wieder dunkle Wolken mit ihren Texten und ihren Melodien. Die Leichtigkeit hat wieder Einzug gehalten im Sound der Alternative Rocker – und mit ihr auch die neuentdeckte Lust der Spontaneität. „Diese Spontaneität erfordert eine Menge Disziplin, um ehrlich zu sein“, meint Manson. „Doch je älter ich werde, desto weniger will ich mich auf vertrautem Terrain bewegen. Ich will vorankommen, ich will mich herausfordern. Das ist es, was mich antreibt, aber eben auch eine Menge Disziplin erfordert.“ Es ist ein schmaler Grat, sagt sie, zwischen dem Schmieden und dem Ersticken eines Songs. Zwischen der Kontrolle und der Zerstörung einer Idee. Doch in welch bestechender Form die Band derzeit ist, zeigt sich eben auch daran, wie schlafwandlerisch sicher sie darauf wandelt. Woher die Band ihre Kraft schöpft, ist so individuell wie ein Leben nur sein kann. Woher Shirley Manson ihre Kraft und ihre Inspiration bezieht, ist indes Gegenstand einer schönen Anekdote: „Mein Vater ist mein großes Vorbild“, platzt es aus ihr heraus. „Er ist fast 80 und liebte meine Mutter über alles. Als sie starb, ließ er sich eben nicht vom Kummer erdrücken und brachte sich dazu, wirklich unglaubliche Dinge zu tun. Er erlebte Abenteuer auf der ganzen Welt und ist bis heute ein großes Vorbild, was Lebenswillen und Lebensfreude angeht. Für mich steht fest: Ich möchte mal genau so werden wie er!“

bs. Alles auf Anfang. Ein Motto wie dieses ist für viele Bands zunächst mal eine Verzweiflungstat, weil bisherige Konzepte nicht mehr funktionieren. Bei Garbage ist das ein wenig anders. Nach langen Jahren bei Major-Labels, nach zehn Millionen verkauften Alben und ausschweifenden Welttourneen zogen die Alternative Rocker um Ikone Shirley Manson die Reißleine. Man hatte keine Lust mehr auf Ausbeutung, machte fünf Jahre Pause, kehrte 2013 mit „Not Your Kind Of People“ und dem eigenen Label Stunvolume zurück. Auf diesem erscheint jetzt auch das bemerkenswerte Album „Strange Little Birds“. Frei von allen Zwängen und Erwartungen gelang es der in Kalifornien ansässigen Band tatsächlich, den rohen Charme, die Andersartigkeit

des Sensationsdebüts „Garbage“ glaubhaft in die Gegenwart zu transferieren. Düster wie lange nicht mehr, mit Gitarren, die so auch von The Cure stammen könnten, und Texten, die genau so schottisch-miserabel und übellaunig klingen wie vor 20 Jahren erfinden sich Garbage neu. Sie leben sich aus in atmosphärischen Melodiebögen, in trippigen Elektro-Elementen und in einem angenehm soliden Bandfundament, schwimmen sich frei und stammten gleichzeitig ihrer Vergangenheit einen Besuch ab. Manchmal muss man eben doch zurückschauen, um voranzukommen.


«Je älter ich werde, desto weniger will ich mich auf vertrautem Terrain bewegen.»


REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative Meilenstein der Rockgeschichte

SILVERHEAD Silverhead (1972) Purple Records ub. Die Glam Rock-Raketen David Bowie, Marc Bolan oder The Sweet trugen mit Strass und Pailletten übersäte Jeans und ein oft androgyn wirkendes Glitzer Make-up. Glam Rock war der britische Rock'n'Roll-Sound der 70er-Jahre, der auch den alten US-Pionieren Chuck Berry, Jerry Lee Lewis und Little Richard ein Revival bescherte. Die Band Silverhead gehörte zum Aufregendsten, was die Glam Rock-Ära damals zu bieten hatte. Der dekadente Frontmann Michael Des Barres zog eine Show voller obszöner Anspielungen ab und passte hervorragend in die Zeit, in der die sexuelle Präsenz einen grossen Teil der musikalischen Ausdrucksform darstellte. Aber ähnlich wie die New York Dolls schafften auch Silverhead den grossen Durchbruch nie. Dennoch waren sie stilistische Vorbilder für den Sleaze Rock der 80er (mit Bands wie L.A. Guns, Faster Pussycat, Mötley Crüe oder Guns N' Roses). Silverheads kompakte Debüt-LP vom April 1972 zählt zu den einflussreichsten Platten des Glam Rocks. “Ace Supreme” (mit B-Seite “Oh No No No”) wurde im Juni zusätzlich als Single ausgekoppelt. Doch trotz des erfahrenen Produzenten Martin Birch und der Schützenhilfe des Deep Purple-Labels blieb der erwartete Erfolg aus: Silverheads Kracher blieben wie Blei in den Regalen liegen und schafften es nicht in die Charts. Offensichtlich von den Rolling Stones, The Faces und Marc Bolan inspiriert, spielte die Combo schlichten Rock'n'Roll. Kraftvoll donnernde Tracks wie „Long Legged Lisa“, „Underneath The Light“ oder „Rolling With My Baby“ waren der breiten Masse wohl zu heftig,

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den echten Rockfans wiederum zu mondän. Silverhead legten noch eine weitere LP nach: 1973 folgte „16 And Savaged“. Nach dem Ende der Band im Juli 74 gingen die Musiker eigene Wege: Bassist Nigel Harrison wurde mit Blondie erfolgreich, Gitarrist Robbie Blunt schloss sich Stan Webb (Chicken Shack) an und war in den 80ern mit Robert Plants Honeydrippers unterwegs. Trommler Pete Thompson spielte mit Robin Trower (ex-Procol Harum) sowie Ken Hensley und David Byron (beide ex-Uriah Heep). Rampengott Michael Des Barres gründete zusammen mit dem ehemaligen YesKeyboarder Tony Kaye und dem ex-Steppenwolf Gitarristen Michael Monarch die Band Detective. Rätselhafterweise fiel jedoch auch diese Gruppe zwischen Stuhl und Bank, trotz zwei hervorragenden Alben beim Led ZeppelinLabel Swan Song („Detective“ und „It Takes One To Know One“) und einer Tournee im Vorprogramm von Kiss (Alive II Tour). Schliesslich heiratete der lüsterne Des Barres das Groupie Miss Pamela und wurde Schauspieler. 1985 griff er noch einmal zum Mikro und ersetzte Robert Palmer bei The Power Station für den Auftritt beim Live Aid-Konzert in London. 2015 veröffentlichte Des Barres mit „The Key To The Universe“ ein weiteres Soloalbum.

BIRDY Beautiful Lies Warner Music hef. Im zarten Alter von 14 Jahren hat Jasmine van den Bogaerde alias Birdy aufhorchen lassen. Mit ihrem dritten StudioAlbum zeigt sie, dass sie mit 19 Jahren reif, ja sogar irgendwie abgeklärt wirkt. "Das ist mein <Coming of Age>-Album", sagt Birdy. "Ich habe in den letzten Jahren so viel gelernt, dass ich all meine Erfahrungen – gute wie schlechte – als Inspiration einfliessen lassen konnte. Ich habe die Entwicklung eines neuen Albums noch nie so selbstbewusst und stolz gesteuert, vom Schreiben der Songs über die Produktion bis zum Artwork des Covers." Heraus kamen 15 Songs, darunter die Single "Keeping Your Head Up", plus fünf Bonus-Tracks in der Deluxe-Albumversion. Philosophisch erklärt Birdy zu den neuen Liedern: "Ein Grossteil des Albums dreht sich darum, ein Licht in der Dunkelheit zu finden und so die Zeiten zu überstehen, in denen wir uns komplett verloren fühlen." Na ja, ein bisschen hochgestochen formuliert. Aber ihr reifer Sound, angesiedelt etwa zwischen Kate Bush und Lana Del Rey, hebt sich noch immer weit vom Mainstream-Pop ab wie zum Beispiel das sanft melancholische "Save Yourself". Birdy bleibt eine anspruchsvolle Songwriterin. Das zeigt alleine schon, wer alles ihre Songs benützt. Thieves etwa coverten ihren Klassiker "Wings", ihre Musik wurde auch in Filmen wie "Die Tribute von Panem" und "Merida – Legende der Highlands" verwendet. Zum Film "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" schrieb sie sogar die ganze FilmMusik. Von der noch nicht 20jährigen wird man in den nächsten Jahren wohl noch sehr viel hören.

GWEN STEFANI This Is What The Truth Feels Like Universal Music hef. Der Country-Sänger Blake Shelton, "The Voice"-Kollege der wasserstoffblond en Sängerin, hat Bush-Star und Ex-Mann Gavin Rossdale im Liebesleben abgelöst. Gelöst hingegen scheinen noch viele Dinge in der Vergangenheit des einstigen Traumpaares noch lange nicht zu sein. Das singt Gwen Stefani bereits im

ersten der 17 neuen Songs auf dem ersten Album nach zehn Jahren Schaffenspause. "You're like drugs to me", besingt sie das frische Liebesglück: "Hurry up, pull me out of my misery". Hol mich raus aus diesem früheren Beziehungselend. Rossdale war mit dem bildschönen Kindermädchen fremd gegangen und in flagranti ertappt worden. Aus die Maus der Beziehung! "I Used To Love You" heisst ein Titel, ohrwurmig, mit Mitsing-Refrain und vielen oh, oh, oh, und zeigt dem Bush-Ex, was 'ne Harke ist. "Send Me A Picture" ein perfekter uptempo-Popsong, "Red Flag" im coolen Hip-Hop-Groove und teilweise so richtig zynisch gezogen gesungen wie etwa, ätsch, du musst nicht meinen. Dabei heisst es "This is what happens when you're livin' with no consequence". Später dann "Naughty", auf Deutsch ungezogen, bösartig, ja frech. Rache ist süss. Doch, der Titel macht Spass, hat mächtig Drive und haut in dieselbe Kerbe wie "Red Flag". Gwens Art zu singen ist bösartig, naughty eben. Nur: Wollen wir wirklich wissen, wie es in der Gefühlswelt der gehörnten Ehefrau aussieht? Nein, aber Schadenfreude ist's trotzdem. Tröstlich irgendwie doch, dass andere dieselben Probleme haben wie wir. Nur können wir die kaum in coole Songs umsetzen. Ach ja: Ein Hit habe ich keinen ausgemacht. So wie es etwa vor 20 Jahren Gwens Einstand "Don't Speak" mit der Gruppe No Doubt war. Dieser Überhit wird auch in 50 Jahren noch Bestand haben. Aber Gwen Stefani lebt im Jetzt und Heute. Deshalb ist dieses Album eine spannende Bestandesaufnahme eines glamourösen Lebens, das sich im neuen Look von Frau Stefani spiegelt: im besten Look von good ol' Marilyn.

FIELD MUSIC Commontime Memphis Industries rp. Als Field Music den Auftakt «The Noisy Days Are Over» ihres neuen, sechsten Albums «Commontime» im Netz veröffentlichte, twitterte niemand geringer als Prince seine Begeisterung darüber. Besagter Song, der einmal mehr Field Music's Nähe zu den Talking Heads demonstriert, fährt durch seine funkige Leichtigkeit gut in die Beine. Funk ist ein Genre, das sich auf «Commontime» da und dort eingeschlichen hat. Die Band um die Gebrüder Peter und David Brewis wagt sich aber auch, wie schon zuvor, in das Gebiet von Bands wie Todd Rundgren, XTC, Alan Parsons, Sparks, Steely Dan, Gentle Giant und neu etwas späte Gang Of Four. Und natürlich ist Field Music einer guten Popmelodie nie abgeneigt, bloss soll sie


Mainstream/Indie/Alternative REVIEWS nicht nur in den Gehörgängen für Freude sorgen sondern auch die Hirnwindungen stimulieren. Songs wie «Disappointed», «I'm Glad», «Don't You Want To Know What's Wrong?», «Trouble At The Lights» und «It's A Gopod Thing» demonstrieren diese eingängige Vertracktheit mit Leichtigkeit und Brillanz. «Commontime» ist einmal mehr die hohe Kunst der harmonischen zuweilen tanzbaren Nicht-Gradlinigkeit.

THE STEEPWATER BAND Shake Your Faith Daimond Day Rec. hh. Obwohl das Chicago Quartett bereits seit 17 Jahren aktiv ist und in dieser Zeit fünf Alben veröffentlichte, ist die Band bei uns noch weitgehend unbekannt. Das sollte sich mit dem neuen Output „Shake Your Faith“ und der damit zusammenhängenden Europa-Tour nun hoffentlich ändern. Denn für Liebhaber von AmericanaSounds über Neil Young, Gov't Mule bis hin zu den Rolling Stones gibt es hier prachtvolles Ohrenfutter. Dass die Truppe zu Beginn ihrer Laufbahn dem britischen Blues zugetan war und die Beatles, Stones, Grease Band und Fleetwood Mac zu den Favoriten gehörten, kann auch heute nicht verleugnet werden. Gleichwohl haben die Steepwaters die europäischen Einflüsse mit ihren eigenen amerikanischen Roots, sprich Country, Southernrock und Delta Blues vermischt. Herausgekommen sind auf dem neuen Album 11 Songs, die für Fans vorgenannter Genres keine Wünsche offenlassen. Die Band begeistert mit feinen Harmonien, ist prächtig aufeinander eingespielt und pflegt diesen uramerikanischen laid back Groove. Technisch haben es die Jungs, allen voran Gitarrist Eric Saylors, der zudem auch als Slider glänzt, ohne Einschränkungen drauf. Die durch im Durchschnitt 140 Konzerte pro Jahr erworbene Routine ist der Steepwater Band deutlich anzuhören. Dabei konnten sie trotzdem eine gesunde Frische konservieren, die man ihren neuen Songs auf „Shake Your Faith“ deutlich anhört, ist schon erstaunlich. Also, Fans von The Band Of Heathens, Gov't Mule, Crazy Horse etc. – zugreifen und freuen.

SANTANA IV Irascible hef. Seit ihren erfolgreichen Anfängen ist der Name Santana gleichbedeutend mit Latino-Rock. Und auf die Santana-Art unnachahmlich. Nun ist die ganze SantanaBande wieder in Originalbesetzung zusammen, nur Bassist David Brown fehlt; er starb im Jahr 2000. Und als ob es gestern gewesen wäre: Der Sound von Santana 2016 ist ein Rückschritt auf die beste Zeit dieser Band von

Anfangs 1970er Jahre. Rückschritt kann auch Fortschritt bedeuten. In diesem Falle sind das Santana in Mainstream, keine jazzigen und egozentrischen Ausflüge mehr, sondern straight auf den Punkt gebrachter, vielfältiger Latin-Rock. Zwei Titel singt Ronald Isley von den Isley Brothers, "Freedom In Your Mind" ist eine Friedensbotschaft, wie sie damals in Woodstock mit "Three Days of Love & Peace" propagiert wurde, der Frieden

REBEL HOT Rebel Hot

Erscheint 27.5.

Metalapolis Rec. hh. Das Quartett kommt zwar aus Italien, hat aber so überhaupt gar nichts italienisches an sich, zumindest musikalisch. Da bewegen sich Rebel Hot in ur-amerikanischen Gefilden, gepaart mit den besten Essenzen aus britischem Bluesrock der frühen 70er. Mit ihrem Debüt setzen sie das fort, was die schmerzlichst vermissten Cry Of Love hinterliessen - und zwar 1:1. Sound, Songs und Arrangements sind dem grandiosen Cry Of Love Album «Brother» dermassen eng angelehnt, dass man auch von einer Kopie sprechen darf. Aber das werfen wir den Italienern keinesfalls vor, denn wir sind ja glücklich und preisen den Herrn, dass es endlich wieder eine derartige Band gibt. Und Rebel Hot machen ihre Sache verdammt gut: erdig, direkt, ohne Netz und doppelten Boden - alles live. Sänger Husty ist eine perfekte Mischung aus Bon Scott und Alex Harvey und begeistert mit mächtig Gefühl und tollen Melodien. Gitarrist Paul hat den maximalen Stratocaster-Ton drauf und spielt meisterlich. Das kann man auch von der Rhythmus-Fraktion behaupten, hier wird dermassen höllisch gegroovt, wie es Simon Kirke und Andy Fraser zu seligen Free-Tagen vorlegten und natür-

lich später besagte Cry Of Love. Ein wahrlich wunderbares Album mit einem ganzen Haufen wunderbarer Songs, die gerade

aber leider nicht allzu lange anhielt. Nach dem friedlichen Woodstock kam es bekanntlich nur gerade drei Monate später zum Mord vor der Rolling Stones-Bühne in Altamont. Mit diesen nostalgischen Santana-Klängen, unter anderem mit dem instrumentalen neuen „Samba Pa Ti“, „Suenos“, kann man wieder abheben wie früher, diesmal vielleicht mit weniger Grass oder allenfalls so-gar völlig nüchtern. Allein dieser Sound entführt in die weiten Sphären des Universums. Sogar das Cover wur-de dem des Debüt-Albums angelehnt. Ach ja: Keine andere internationale Band hat das Zürcher Hallenstadion öfters gefüllt als – na klar – Santana!

durch ihre «Nacktheit» einen unwiderstehlichen Reiz entfalten, nachhaltig begeistern und hell strahlen. Herausragend!


GAVIN JAMES

Kein Plan B

Gavin James berührt mit seinem neuen Album “Bitter Pill“ das Herz. Dies schafft der junge Ire mit seiner einzigartigen Stimme und der zurückhaltenden Musik. Alles andere als zurückhaltend ist der junge Herr. Es sprudelt aus ihm heraus wie es von den lauten Anfängen und persönlichen Erfahrungen zu “Bitter Pill“ kam. Nicht unwesentlich für seinen schnellen Erfolg war eine Begegnung mit einem anderen bekannten Rothaarigen. Es schreit beinahe nach einer Gegenüberstellung der beiden Ginger, der Gavin James glücklicherweise standhält.

kw. Wenn Gavin James im Song “Remember Me“ hofft, sie erinnere sich doch daran, als sie 17 waren und ihre Träume lebten, dann ist das auf den ersten Blick fast schon belustigend. Der Musiker ist 24 und schreibt über Liebeskummer als wäre er schon grau und alt. Dabei ist er ja überhaupt nicht grau. Die roten Haare, die grössere Statur, die schwarze Kleidung fallen sofort auf. Und wenn man Gavin James sprechen hört, spitzbübisch, schnell und lebensfroh, dann ist er eben ganz wie ein Vierundzwanzigjähriger. Aussergewöhnlich viel hat er auch in Liebesdingen nicht gelitten, zweimal hatte er schlimmeren Herzschmerz. Mittlerweile sei er aber darüber hinweg. Also eigentlich ist er ein fröhlicher junger Mann, der als seine grosse Inspiration seinen Vater nennt, der der glücklichste Mensch der Welt sei. Nein, die Erklärung seiner Ambivalenz ist eine andere. Er hat Talent. Beigetragen hat sicherlich auch, dass er in einem musikalischen Haus aufgewachsen ist. Die Urgrosseltern waren Opernsänger. Es gibt zwar einen missglückten Versuch im Kinderschulchor, sonst ist er aber in seiner Kindheit von irischer Musik und Instrumenten umgeben. Die musikalische Karriere

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musste einfach klappen, denn einen Plan B gab es nicht. Gavin James erzählt, dass er in einem Shoppingcenter gearbeitet habe und es abgrundtief hasste. Er wolle solange Musik machen bis er nicht mehr kann. Sie sei sein Psychiater, eine Möglichkeit alles zu verarbeiten. “Bitter Pill“ drückt auf die Tränendrüse, aber es hat auch einige muntere Songs. Die Musik ist schlicht im Hintergrund gehalten. Im Vordergrund steht immer die gefühlsbetonte Stimme von Gavin James. Beeindruckend sind die Falsetteinlagen in “Nervous“. Klavier und Gesang sind das tragende Gerüst im wunderschönen Lied “For You“. Unterstreicht werden die Lieder ab und zu auch durch Chöre oder Gitarren. Das Letztere kommt in “Remember Me“ bestens zum Ausdruck, da es ein wenig irisch und volkstümlich angehaucht ist. “Hole In My Heart“ ist auch ein gutes Exempel für Leichtigkeit und den volkstümlichen Hauch. Der Song “Bitter Pill“ im Gegensatz dazu ist so schwer wie ein Totenmarsch. Das neue Album ist nichts zum nebenbei hören, auch wenn es puristisch ist. Der Hörer muss sich auf jeden Fall darauf einlassen. Hat man sich jedoch einmal mit der Welt von


“Bitter Pill“ vertraut gemacht, geht es nachher leicht vonstatten. Gavin James wollte unter keinen Umständen ein überproduziertes Album. Ein grosses Orchester als Begleitung kann er sich höchstens mit 90 und einer Zigarre vorstellen. Schliesslich hat auch alles mit einem profanen Livealbum angefangen. Die Resonanz war positiv. Ein zufälliges Zusammentreffen 2014 mit Ed Sheeran hat wohl den Karriereanfang etwas beschleunigt. “Ed Sheeran ist ein super netter Typ, habe ihn kürzlich wiedergesehen“, erzählt Gavin James. “Damals rief mich ein Freund begeistert um drei Uhr in der Früh an und sagte mir der Überraschungsgast im Pub The Ruby Sessions sei Ed Sheeran. Ich war gerade in der Stadt und lief sofort los. Wir kamen ins Gespräch, jammten lange und tranken viel.“ Wo auch sonst als in einem Pub in Irland, war dann Ed Sheeran so begeistert über diese spontane Jamsession, dass er anschliessend sofort twitterte, dass die Plattenlabels eine Chance verpassten, wenn sie seinen Freund Gavin James nicht sofort unter Vertrag nähmen. Kurz darauf unterschrieb er einen Publishing-Deal und nahm “Live At Whelan's“ auf. Im März erschien nun “Bitter Pill“. Renommierte Produzenten waren an den 13 Tracks beteiligt. Fraser T. Smith (Adele -“21“) und Cam Blackwood (George Ezra) griffen unter die Arme. Meistens beginne das Komponieren mit einer kleinen Melodie im Kopf, um die er dann den Text und die Begleitung konstruiere. Der umgekehrte Fall sei eher selten. Das Lied “Nervous“ habe sich fast wie von selbst geschrieben. Der Ire merkt an, dass dieser Song strukturell gesehen der Seltsamste vom Album sei. Ihn live zu spielen bereite viel Vergnügen. Weiter sagt Gavin James, dass er einige Songs schon vor mehreren Jahren geschrieben habe. In “Bitter Pill“ ginge es um verschiedenen Erlebnisse und Erfahrungen, die er bis jetzt gemacht habe und durch die wohl jeder früher oder später müsse. Jeder kennt wohl so ähnliche Gefühle wie “Or would you stay a while, just stay a while with me? / And fix the hole in my heart / Where your love used to be“. Gavin James legt sein Herz offen. Das Geheimnis des Albums ist vielleicht, dass es so reduziert ist und trotzdem anspruchsvoll blieb. Ein Wort der Warnung ist hier angebracht, denn wer diese Art von Musik nicht mag, wird es eher schwer haben. Man wird

kaum plötzlich ein Anhänger von Kuschelmusik, wenn man es nicht schon vorher war. Die Zukunftspläne des Musikers sind ambitioniert, wieder in der Schweiz auftreten, möglichst viele weitere Gigs in Europa und Ende Jahr noch die USA. Bis jetzt sieht es gut aus, er war schon im Vorprogramm von Sam Smith. Das neue Album wurde in Irland schon vorveröffentlicht und hat bereits Platin-Status erreicht. Die Frage bleibt, ob Gavin James die grossen Massen erreichen wird oder eher unter den Kennern verweilen wird. Die Nachfrage wäre da, Ed Sheeran, Sam Smith oder Adele feiern beachtliche Erfolge. Der Musiker gibt zu, dass er sich an einer zu grossen Berühmtheit stören würde. Ein Vergleich von Ed Sheeran mit Gavin James liegt nahe. Vor dieser Gegenüberstellung hat Gavin James keine Angst. „Wir sind ja beide Ginger“, lacht er selbstbewusst. Gavin James ist nicht ein zweiter Ed Sheeran, auch wenn die Musik, der Stil und die Haare sehr ähnlich sind. Gavin James ist um einiges subtiler, minimalistischer und klingt dann doch nicht so perfekt wie Ed Sheeran. Gavin James wird wohl kaum seine Ecken und Kanten ablegen, auch wenn er ein kommerzielles Label hat und seinen Stil komplett ändern würde. Als Teenager hat er früher in einer Rockband gespielt und erzählt, dass er mit den nach hinten frisierten Haaren wie ein Goldfisch aussah. Er fügt hinzu, dass er in Pubs arbeitete und die Band nicht mitbringen konnte, stattdessen aber die die akustische Gitarre. So gewöhnte er sich daran alleine und akustisch aufzutreten. “Wahrscheinlich werde ich zu dem Punkt kommen, an dem ich wieder eine Band haben werde.“ Auch wenn sich sein jetziges Repertoire von den musikalischen Anfängen entfernt hat, mag er diese Musik immer noch sehr. “Das zweite Album wird vielleicht rockig, wäre sicher eine Überraschung für die Fans“, sagt er amüsiert. Ich bin ein Fan von den Stone Temple Pilots, Blink-182 oder auch Korn und Slipknot. “Es wird vielleicht fröhlicher, da ich mich im Moment sehr gut fühle.“ Schwierig zu sagen, was wir von Gavin James noch zu hören bekommen. Wir lassen uns gerne überraschen und halten die Taschentücher für alle Fälle doch noch bereit.


REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative MASSIVE Destination Somewhere Earache/Nonstop hh. Die Australier setzen mit ihrem neuen Album den Weg, den sie mit ihrem begeisternden Debüt „Full Throttle“ aus dem Jahr 2013 angezeigt haben, nahtlos fort. Und das heisst auch auf „Destination Somewhere“ energetischer, druckvoller Hardrock – immer punktgenau auf die 12, Gefangene werden hier nicht gemacht. Damit stellt sich das Quartett aus Melbourne in eine Riege mit den typischen Aussie-Rockern wie Airbourne, Angels bis hin zu Rose Tattoo, Melodie und Härte also! Wobei Massive genug Eigenständigkeit aufweisen, um sich von ihren bekannten Landsleuten zu unterscheiden. Auch auf dem neuen Album glänzen die Jungs wieder mit tollen Songs, packenden Hooklines und mächtig Druck und Power. Wobei zum Debüt ein wichtiger Unterschied auszumachen ist: Massive zeigen sich heute nicht mehr derart ungestüm und wild. Aber das ist keineswegs negativ, im Gegenteil – Massive zeigen sich gereifter, was besonders dem Songwriting zugute kommt, ohne an Härte und Kraft zu verlieren. Und das bedeutet für die Aussies, dass ihnen mit „Destination Somewhere“ ein wichtiger Schritt auf der Karriereleiter gelungen ist.

ASP Verfallen, Teil 2: Fassaden SoulFood/Musikvertrieb em. Die Geschichte „Folge 1: Astoria“ geht mit „Teil 2: Fassaden“ weiter und findet ihren schaurigen Höhepunkt. Inspiriert durch Kai Meyers Kurzgeschichte „Das Fleisch der Vielen“ liessen ASP ihre Anhänger an der wunderschönen, aber auch tragischen Geschichte um den Protagonisten Paul und die geheimnisvolle Spuk-Gestalt Astoria, teilhaben. Schauplatz ist das 1915 erbaute Hotel Astoria in Leipzig. Einst luxuriös und nobel, steht das Gebäude nun mehr seit fast zwei Jahrzehnten leer. Wie bereits beim Vorgängeralbum bestechen ASP in erster Linie

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mit der Fortsetzung der spannungsgeladenen Geschichte, die Tiefgang hat und den Hörer zu fesseln vermag. Musikalisch zeigt sich die GothicRock-Band sehr melodiös, treibend, rockig und abwechslungsreich („Unwesentreiben“, „OdeM“). Wenn es die Story erfordert sind langsame Parts mit subtil morbidem Charakter eingebaut worden („Höhepunkt“, „Abfall“, oder auch „Ich bringe dir nichts mehr“). Der Horror entfaltet sich nur schleppend, kriecht nur zögerlich voran. Wie bereits im ersten Teil ist auch hier jeder der 14 Songs als Einzelstück hörbar, aber empfehlenswert ist es gewiss, sich alle Titel der Reihe nach anzuhören, um richtig in die Erzählung eintauchen zu können.

L'ÂME IMMORTELLE Unsterblich SoulFood/Musikvertrieb em. Das Gothic-Duo L'Âme Immortelle aus Österreich veröffentlicht mit „Unsterblich“ ein Album, das dem geneigten Hörer eine Übersicht des bisherigen Schaffens dieser Künstler verleiht. Thomas Rainers und Sonja Kraushofers theatralisches Auftreten und ihre kunstvollen Werke haben viele Musiker dieses Genres geprägt und beeinflusst. 20 Jahre dunkelromantische Musikgeschichte zusammengetragen in 13 Songs zeigen eine vielschichtige Band mit einem Gespür für schöne Melodien, welche gespickt ist mit punktuellen Metal-Elementen, ElektroParts und bemerkenswerten Lyrics. L'Âme Immortelle haben aber nicht einfach nur eine Auswahl von Kompositionen getroffen, sondern diese Stücke wurden aufwendig neu inszeniert und liefern so dem Hörer ein neues Klangerlebnis. Die limitierte Sonderausgabe wartet mit 2 CDs auf. Auf der CD „Gegenwart“ wurden sämtliche Tracks behutsam überarbeitet und remastered, auf der CD „Vergangenheit“ finden sich vergriffene und gesuchte Original-Lieder sowie drei Bonus-Tracks. Mit „Judgment“, „Gefallen“, dem Riesenohrwurm „Aus den Ruinen“, „Tiefster Winter“, „Requiem“, dem morbiden „Bitterkeit“, „Changes“, dem finsteren „Ich gab dir alles“, „Love is lost“, „Stumme Schreie“, „5 Jahre“, „Phönix“ und „Life will never be the

same“ schaffen L'Âme Immortelle eine Gänsehaut und zeigen ihre virtuosen und emotionalen Seiten. Diese Werkschau ist für jeden Anhänger eine wahre Freude und für all jene, welche L'Âme Immortelle (noch) nicht kennen, ein hervorragender Einstieg, um dieser GothicSpeerspitze musikalisch endlich näher zu kommen.

REMAIN IN SILENCE ...and the soul goes on MiG/Indigo/Musikvertrieb em. Lange war es ruhig um die 1983 gegründeten Dark-WavePioniere Remain in Silence. Die Herren Buchwald (Gitarre) und Gimpel (Gesang) haben eine neue Mannschaft um sich versammelt und präsentieren nun ihr neustes Werk „...and the soul goes on“. Die Band hat sich auf ihre Wurzeln besonnen und somit sind in erster Linie 14 atmosphärische, melodiöse und dichte Kompositionen entstanden, die mehrere Hördurchgänge erfordern. Ihren angepriesenen eigenen Klangkosmos haben Remain in Silence allerdings nicht geschaffen, denn im Laufe der Zeit hat die Konkurrenz nicht geschlafen. Es gibt zahlreiche Musiker respektive Gruppen, die ähnlich klingen, in etwa genau so lange existieren und deren Gesang sich möglicherweise noch einen Zacken authentischer und einvernehmender gestaltet. Zum Beispiel Alexander Veljanov von Deine Lakaien um nur einen Namen zu nennen. Es gibt aber auf „...and the soul goes on“ durchaus spezielle Momente. Das filigrane und gefühlvolle „This silent sea“, welches ganz reduziert nur mit Pianoklängen und der Stimme von Gimpel auskommt. Auf diese Perle folgt das Schlusslicht „Endless sea“. Eine Mischung aus beklemmender Stimmung durch einen dichten Gitarrenteppich und einem feinen und zaghaften musikalischen Lichtstrahl. Instrumental, schön und dunkel. Die zwei genannten Stücke sind allerdings die beiden letzten und stellen die zwölf Nummern zuvor recht eindrucksvoll in den Schatten.

HÄMATOM Wir sind Gott SoulFood/Musikvertrieb em. Die Deutsch-RockFormation Hämatom hat es schon immer verstanden sich unbequem, sozialkritisch und schonungslos ehrlich bemerkbar zu machen. So auch auf ihrem neusten Wurf „Wir sind Gott“. Wütend, ungestüm und wild präsentieren sich die 13 Songs. Der gleichnamige Opener kommt in typischer Hämatom-Manier daher. „All u need is love“ oder auch „Fick das System“ brettern ungemein und walzen alles platt, Mitgröl-Refrains natürlich inklusive. Nummern wie „Offline“ oder „Ikarus Erben“ bestechen durchaus auch mit ziemlich gelungenen Melodien, welche sich ohne Probleme angenehm im Gedächtnis festkrallen. Mit dem Titel „I have a dream“ geben die Herren auch noch ein klares Statement gegen Rechts ab. Dass die aggressiven Hämatom auch sanfter können, stellen sie mit der Ballade „Zu wahr um schön zu sein“ eindrucksvoll unter Beweis. Eine willkommene Abwechslung. Ein Genre wie den Deutsch-Rock kann man nur schwer neu erfinden. Betrachtet man „Wir sind Gott“ aus diesem Blickwinkel haben Hämatom ein solides und kräftiges Album abgeliefert. Ein Wermutstropfen ist aber sicherlich, die fehlende Vielfalt.

SAMBA DE LA MUERTE Colors Irascible Sicher, es gibt bessere Bandnamen als Samba De La Muerte (Samba des Todes). Der offene Synthpop auf «Colors», dem Debüt der französischen Band um Adrien Leprêtre macht diesen kleinen Fauxpas mehr als nur wett. Frankreich hat ja eine fruchtbare Tradition von Synth-Pop-Bands ( Kas Product, Taxi Girl, Telex, Metal Boys, u.a). Samba De La Muerte erinnern sich auf ihrem Debüt an diese Vergangenheit, mischen aber auch Elemente aus Pop, Elektro, Dance, World, Ambient und wenig Krautrock und Postrock in ihren Sound. Der instrumentale Auftakt «Le Vent», offeriert ein Gemisch aus Ambient, Postrock und Krautrock (Harmonia). In «La Roche» und «The Beat» meint man gar Depeche Mode zu hören. Das geht zuweilen unaufdringlich und ansteckend in die Beine.


ZOAX Zoax Century Media/Sony lg. Zoax, eine Rockband moderner Prägung aus London, existiert erst seit 2013, konnte aber mit zwei EPs ("Lonely Souls", Is Everybody Listening?") bereits erste Aufmerksamkeit ergattern. Mit "Zoax" kommt diese Tage der Erstling in die Plattenregale. Musikalisch kommt der Fünfer sehr breit daher und spielt härteren Rock im weiteren Sinne, der sowohl Härte, Grooves wie auch Stadiontaugliche Melodien umfasst. Stilistisch hört man da ältere Linkin Park (vom Gesang her), Foo Fighters, Billy Talent oder softere Metalcore-Bands heraus. Man hat beim Anhören des Albums ständig den Eindruck, dass die Band sehr genau weiss, was sie will, und nicht scheut, auch genrefremde Elemente in ihre Musik aufzunehmen (funkige Parts oder auch elektronische Elemente). Auf jeden Fall fliessen die zwölf kurzen Songs sehr einfach runter und das Album bleibt schon nach wenigen Hördurchgängen im Ohr hängen. Zoax machen hier vieles richtig, denn die grossartigen Melodien, welche sich mit Härte paaren, werden in einer zwingenden Art vorgetragen. Als Anspieltipps seien die ersten drei Songs ("The Bad Blood", "Devil Dance" und "Roses All The Way") genannt, den sie stehen charakteristisch für "Zoax", das wie aus einem Guss tönt. Machen Zoax so weiter, könnten sie eine rosige Zukunft vor sich haben. Aufregendes Album!

DIE KRUPPS Live im Schatten der Ringe AFM/Musikvertrieb hug. «Vielen Dank, vielen Dank, vielen Dank», ruft Jürgen Engler adrenalingepumpt ins Publikum der Turbinenhalle in Oberhausen, wo er mit den Krupps im Februar 2014 im Rahmen des E-tropo lis -Festivals gespielt hat und das Konzert aufzeichnen liess. Das allererste Live-Album der Band erscheint als Doppel-CD und gleich noch mit ihrer allerersten DVD, und das ist

nach über 30 Jahren Bandgeschichte doch überaus ungewöhnlich. Aber grossartig: Live drücken Die Krupps ihre Songs noch härter ans Limit der Verausgabung als im Studio. Engler wie gesagt auf Adrenalin, Keyboarder Ralf Dörper schmeisst die gewohnte KruppsElektronik, Bradley Bills am Schlagzeug und Marcel Zürcher an der Gitarre ergänzen und verstärken die beiden Erstgenannten zu einer Vorzeigeband der Abteilung Neue Deutsche Härte. Das kann man so sagen, weil auch die Songs aus früheren Zeiten, «To The Hilt» zum Beispiel oder «Metal Machine Music», modernisiert wurden und sich nahtlos in den Klang und die Atmosphäre der neueren Songs aus den letzten beiden Alben einfügen, die im 90-minütigen Set den Grossteil ausmachen. Was wir hier leider nicht beurteilen können: Die Klangqualität und die Abmischung der Aufnahmen, was zwar bei einer Elektroband von eminenter Wichtigkeit ist, per Stream-Bemusterung aber einfach nur scheisse klingt. Soviel kann aber festgestellt werden: «Live im Schatten der Ringe» knallt wunderbar, und die Rufe des Publikums sind auf einem Minimum gehalten.

HELLSINGLAND UNDERGROUND Understanding Gravity Killed By Records hh. Auf ihrem vierten Album präsentieren die Schweden wieder ihre gewohnte Mischung aus Southern-, Country-, Jam- und Classic Rock. Und sie machen es natürlich wieder hervorragend, auch wenn die Aufnahmen zu diesem Album offenbar extrem schwierig waren, es heisst sogar es wäre eine Zerreissprobe gewesen. Musikalisch ist davon nichts zu hören, die Songs kommen beschwingt und leichtfüssig daher, die Allman Brothers lassen grüssen, ebenso wie The Band, Neil Young und sogar Bruce Springsteen. Das alles mischen die Schweden gekonnt zusammen, packen noch ein paar europäische Einflüsse dazu und machen daraus ihr eigenes Ding, soll heissen schöne, ins Herz treffende Songs mit tollen Hooklines und warmen Harmonie-Gesängen. Die Musiker haben ihre Sache band- und songdienlich voll im Griff, harmonieren und grooven prächtig und speziell die Gitarristen glänzen mit einigen wunderbaren TwinLead-Passagen. Schönes Album, das sich zu entdecken lohnt.


REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative ANDRA DAY Cheers To The Fall Warner hh. In den USA ist die junge R&BSängerin der Shooting Star schlechthin. Kaum ist ihr Debüt-Album „Cheers To The Fall“ auf dem Markt, hagelt es auch schon die ersten Auszeichnungen in Form von zwei Grammy-Nominierungen für das beste R&BAlbum und die beste R&BPerformance für den Song „Rise Up“. Unverdient ist das nicht, „Cheers To The Fall“ ist in seiner Gesamtheit tatsächlich ein überdurchschnittlich gutes R&B-Album mit überwiegend sehr guten Songs. Dass Andra Day gern und oft mit Amy Winehouse und Adele verglichen wird, hat durchaus seine Berechtigung. Besonders der Song „Only Love“ ist extrem dicht bei Amy Winehouse – sowohl stimmlich wie auch von der Phrasierung und der Melodieführung. Allerdings ist Frau Day eine Spur geschmeidiger und auch die Produktion ist kompakter und komprimierter – amerikanischer halt! Zudem hat Frau Day (noch) nicht diese spezielle Winehouse-Brüchigkeit in der Stimme, auch wenn sie sich in diese Richtung bemüht. Der Vergleich mit Adele hat zwar was, aber da ist die Britin doch noch in einer höheren Güteklasse unterwegs. Aber Andra Day hat alle Möglichkeiten und vor allem so viel Talent, in naher Zukunft einen Platz an Adele's Tisch zu ergattern. Fazit: „Cheers To The Fall“ ist ein starkes Debüt einer stimmgewaltigen jungen Sängerin, der zweifellos die Zukunft gehören wird. Allerdings hätte das Album den einen oder anderen „fetzigeren“ Titel gut vertragen.

BEN HARPER & THE INNOCENT CRIMINALS Call It What It Is Caroline/Universal bs. Bald zehn Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Album haben Ben Harper und seine Backing Band The Innocent Criminals wieder zueinandergefunden. Schöne Sache! „Call It What It Is“ tut dann auch emsig so, als wäre es erst ein paar Wochen her, dass man das letzte Mal zusammen im Proberaum trank,

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im Studio schwitzte und auf der Bühne alles gab. Unterwegs im Namen von Folk, Blues, Country und Rock ist Harper natürlich noch immer, der Mann mit der Slide-Gitarre und den Grammys im heimischen Regal hat seine Seele in den Neunzigern am Kreuzweg nicht umsonst an den Teufel verkauft. Er und seine Band haben ihn im Blut, den staubigen Sound der Landstraße, folgen dem Geräusch marschierender Stiefel und dem Gefühl unter Schmerz erkaufter Freiheit. „Call It What It Is“ gibt sich vielleicht eine Ecke zaghafter, stiller, gereifter als viele seiner zurückliegenden

dieses gewaltige Sehnen. Noch immer waten sie knietief durch Melancholie und andächtige Elegie, kommen 2016 aber durchaus auch eine Ecke düsterer und nachdenklicher um die Ecke. Die Stimme von Wesley Keith Schultz bricht öfter, die Pianos erzählen ihre traurige Geschichte zu verwaschenen Gitarren und CountryFernweh. Wie eine desillusionierte Ausgabe von Of Monsters And Men wirkt das auf „Cleopatra“, gipfelt in eingängigen und dennoch wunderbar introspektiven Einblicken in ein Seelenleben, das das Leben nicht immer als Genuss empfindet und dennoch das

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kanern eben auf nichts verlassen kann. „Basses Loaded“ heißt nicht ohne Grund so und wurde mit nicht weniger als sechs verschiedenen Bassisten aufgenommen. Das ist natürlich Quatsch und völlig übertrieben, aber es sind schließlich auch die Melvins, von denen wir hier sprechen. Wer erwartet da denn ernsthaft etwas anderes? Und da es insbesondere der Posten des Tieftöners war, der in der langen und denkwürdigen Karriere der Ostküstler am öftesten vakant war, ist „Basses Loaded“ zugleich ein weiterer herrlicher Beweis für die Selbstironie der Truppe. Jetzt wird der zähe, knarzende, spröde Rock' n'Roll unter anderem vom Krist Novoselic (Nirvana) und Steve McDonald (Redd Kross) wummernd befeuert. Der Rest ist eine weitere überzeugende Untermauerung der These, dass die Melvins das uneheliche und in einem Drogenrausch entstandene Kind von Black Sabbath, The Doors und den Dead Kennedys sind.

TELEMAN Brilliant Sanity Moshi Moshi/Rough Trade

Das legendäre Internationale Trucker & Country-Festival Interlaken vom 24. - 26. Juni 2016 steht für 3 Tage WesternSpass pur! Mit 1400 riesigen Trucks, integriertem BikerTreffen, einer einzigartigen Stimmung, der authentischen Western City, tollen Attraktionen, viel Line-Dance und feinster Country-Musik mit internationalen Top-Stars wie Carlene Carter/USA, The Baseballs/D, Truck Stop/D, Two Tons of Steel/USA und weiteren 30 Bands! Infos auf www.trucker-festival.ch und Facebook! zwölf Platten. Noch immer steht aber der Song im Vordergrund. Den schmieden er und seine getreuen Gefährten mit so viel handwerklicher Hingabe, Gusto und Spielfreude, dass man einmal mehr nur den Cowboyhut ziehen kann.

THE LUMINEERS bs. „Ho Hey“ war 2013 einer der Songs, an dem niemand vorbeikam. Er ging auf die Kappe der Lumineers, einer jungen Band aus Colorado, die mit ihrer feurigen Mischung aus Folk, Americana, Rock und Mid-Western-Melancholie im großen Stil abräumte. Diese Mischung haben sie mit „Cleopatra“ ein weiteres Mal behutsam verfeinert. Es dominiert die Musik immer noch,

Beste daraus machen will. Hier kommt sie ins Spiel, die große Hoffnung, die immer wieder in den anmutig geschmiedeten Stücken aufblitzt. Dennoch: Insbesondere die Entrücktheit, dieses Gefühl von Isolation stehen der Band wirklich ausgezeichnet.

MELVINS Basses Loaded PIAS/Rough Trade bs. Auf die Plätze, fertig, Bass! Die Melvins sind zurück. Ein Grund zum Feiern, zum Haare raufen, zum Biertrinken am Vormittag. Seit über 30 Jahren ist Verlass auf die Bande um Weirdo-Prinz Buzz Osborne – zumindest für die, die darunter verstehen, dass man sich bei den Ameri-

bs. Die ganze Musikwelt ist auf der Suche nach ihm, im letzten halben Jahrhundert gab es mehr als überzeugende Kandidaten für den Sieg: Der perfekte Popsong ist die Büchse der Pandora. Mit „Brilliant Sanity“ werfen die Londoner Teleman elf weitere Bewerbungen ins Rennen, die vor allem eines zeigen: Pop darf wild sein, teilweise krude arrangiert und ungewöhnlich instrumentiert. Im abschließenden „Devil In My Shoe“ knarzen die Gitarren wie bei den Black Keys, der Albumopener „Dusseldorf“ bietet Achtziger-Keyboards zu einem zackigen Wave-Beat und einer ungewöhnlichen Liebeserklärung inklusive deutschsprachigem Sample. Sänger Thomas Sanders führt das Quartett mit sicherer Hand und einer Stimme, die weiß, wie man Pathos überzeugend einsetzt. The-Stranglers-Sänger Hugh Cornwell machte das früher auf ganz ähnliche Weise. Ein Album, das eigentlich keiner klarenn Linie folgt und gerade deswegen so einnehmend und verführerisch ist. Die Suche nach dem perfekten Popsong, sie ist mit „Brilliant Sanity“ vielleicht nicht abgeschlossen. Aber doch einen Schritt weiter.


REVIEWS Hard/Heavy/Metal LAST IN LINE Heavy Crown Frontiers Records/Musikvertrieb

OTEP Generation Doom Napalm Records/Musikvertrieb em. Die US-Band um Ausnahme-Frontfrau Otep Shamaya ist hierzulande weniger bekannt, obwohl das Quartett bereits seit 16 Jahren Musik macht. Ihr Sound ist wahrlich nicht einfach zu beschreiben, da sie Regeln brechen, Barrieren niederreissen, Verstand und Gehör dazu nötigen, aus gewohnten Umgebungen auszubrechen und sich in neue Sphären zu begeben. Nu-Metal-Elemente treffen auf höchste Aggressivität, ein extrem brachiales schreiendes Stimmorgan, cleane Vocals, diabolisches Geflüster, Rap, IndustrialEinflüsse und eine Härte, die ihresgleichen sucht. Otep Shamaya kann einfach alles und das ohne nur einen Funken an Unsicherheit aufkeimen zu lassen. Die Künstlerin selbst bezeichnet die Werke, die sie mit ihren Mitstreitern erschafft als ARTCore und HeavyMental-Rock. Otep sind ein Kunstprojekt, eine Bewegung, eine Revolution und dank der Aufmerksamkeit von Sharon Osbourne zumindest in Amerika seit 2001 keine Unbekannten mehr. Auf ihrem neusten Output gibt es zwölf mehr oder weniger knallharte Songs auf die Ohren, die dem Hörer nur ab und zu Luft zum Atmen lassen. Treibend, kraftvoll, rasendschnell und unglaublich kompromisslos walzen Otep gekonnt alles platt. Emotionsgeladen, technisch auf höchstem Niveau und sauber produziert stehen diese Kompositionen ihrem grössten Hit 2004 „Warhead“ in nichts nach. Es ist schwer die Perlen auf „Generation Doom“ auszumachen. Der Einstieg mit „Zero“ ist so herrlich heftig oder das zu Beginn harmlos wirkende „Lords Of War“, welches sich zu einem schmetternden Gewitter entwickelt um dann wieder zurück in die Ruhe vor dem erneuten Sturm zu kehren – überzeugend sind sie alle. Auch die Coverversion des Pop-Hits der jungen Sängerin Lorde „Royals“ ist einfach nur genial! Auch „In Cold Blood“, „No Colour“ oder auch „Lie“, die durch das reduzierte Tempo und mit einer für Otep schon fast lieblichen Melodie hervorstechen sind fantastische Nummern. Das an Clawfingers „Catch Me“ erinnernde „Down“, in dem reduzierte Rap-Elemente Einzug halten, die in schwere Gitarrenwände übergehen muss an dieser Stelle ebenfalls lobend hervorgehoben werden. Otep zeigen sich auf „Generation Doom“ (auch der gleichnamige Track ist Wahnsinn!) facettenreich, kreativ, einfallsreich, wunderbar ungewöhnlich und vor allem eigenständig. Aus Tausenden würde man Otep raushören, das ist das Eine, aber dabei auch noch so grandios sein, das Andere.

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mv. Die Alben “Holy Diver”, “Last In Line” und “Sacred Heart” von Dio gehören mit Sicherheit zu den grössten Klassikern der Rock- und Metal-History. Es gibt wohl kaum einen Metalfan, der diese Alben nicht in der Sammlung hat oder zumindest die meisten Hits davon in- und auswendig kennt. Die Musiker, mit welchen Ronnie James Dio (R.I.P.) damals diese Meilensteine erschuf, nämlich Vinny Appice, Jimmy Bain and Vivian Campbell, haben sich nun tatsächlich wieder zusammengefunden und mit Last In Line eine neue Band aus dem Boden gestampft. Das Debut-Album nennt sich verheissungsvoll „Heavy Crown“ und die Erwartungen waren nicht ohne Grund riesengross. Leider wurde der Release dieses Albums nun von einem tragischen Ereignis überschattet, denn Bassist Jimmy Bain verstarb kurz vor der Veröffentlichung von „Heavy Crown“. Der Verlust dieses grossartigen Musikers macht eine objektive Besprechung dieses Albums nicht gerade einfach. „Heavy Crown“ ist aber zum Glück ein würdiges Album als Abschied von Jimmy geworden und hat den sentimentalen Bonus nicht nötig. Zusammen mit Sänger Andrew Freeman (Ex-Hurricane, Lynch Mob) wurde hier gar nicht erst versucht, ein Abklatsch der alten Klassiker zu erschaffen. Die neuen Songs bieten einfach alle Facetten von Hard Rock, Heavy Metal und bluesgetränktem Rock und mischen dies mit viel Frische und Herzblut zu einem tollen Album zusammen. Gute Melodien und viel Groove sind im Mittelpunkt und da die Stimme von Andrew Freeman völlig anders klingt als jene von Dio, kommt man erst gar nicht in Versuchung, die Band allzu sehr zu vergleichen. Songs wie „Devil In Me“, „Martyr“, „Starmaker“ oder „Burn This House Down“ machen einfach Spass und genau das soll diese Platte schlussendlich machen. Man kann nur hoffen, dass Last In Line nun trotz des Todes von Jimmy Bain weitermachen wird. Es wäre schade, wenn diese tolle Band schon kurz nach diesem gelungenen Start schon wieder Geschichte wäre.

MYSTIC PROPHECY War Brigade Massacre Records mv. Warum Mystic Prophecy trotz unzähliger Hammeralben immer noch nicht richtig durchgestartet sind bleibt echt ein Rätsel. Gerade die letzten Alben „Killhammer“ und „Ravenlord“ hatten wirklich alles,

was das Metalherz begehrt. Aber zum Glück liessen sich die Jungs und Mädel rund um Sänger und Aushängeschild R.D. Liapakis nicht entmutigen und setzen mit „War Brigade“ genau da an, wo sie mit „Killhammer“ aufgehört hatten. Will heissen, kompromissloser, knallharter Heavy Metal mit thrashigem Einschlag. Schon nur das Eröffnungstripple bestehend aus dem brachialen Uptempo-Opener „Follow The Blind“, der Mitsing-Hymne „Metal Brigade“ und dem Highspeed-Killer „Burning Out“ macht keine Gefangenen und zeigt die Band in absoluter Höchstform. Aber auch intensive Abrissbirnen wie „The Devil Is Back“, „Fight For One Nation” oder „The Crucifix“ sind einfach nur Paradebeispiele, wie echter Heavy Metal geschmiedet werden muss. Dank sehr starken Leadgitarren und gut herausgearbeiteten Gesangsmelodien bleibt das Album auch trotz des vielen Geballers jederzeit abwechslungsreich und spannend. Dafür sorgen auch das balladeske „10.000 Miles Away” und die originelle Tom Jones-Coverversion „Sex Bomb“, welche mit einem Augenzwinkern zu geniessen ist. Noch zu erwähnen ist sicher das sehr passende Coverartwork, welches sich sicher besonders auf Vinyl gut machen wird, und der fantastische Sound der Platte, für welcher der prominente Schwede Fredrik Nordström engagiert wurde. Mystic Prophecy haben es einmal mehr geschafft, ein Album ohne Schwächen zu veröffentlichen und es wäre der überaus sympathischen Band endlich gegönnt, den längst verdienten Erfolg einzufahren.

PARAGON Hell Beyond Hell Remedy Records mv. Fast etwas zu ruhig war es geworden um die deutschen Paragon, man musste schon fürchten, die Band hätte sich klammheimlich von der Szene verabschiedet (der letzte Output “Force Of Destruction” erschien im 2012). Umso erfreulicher, dass die sympathischen Hanseaten nun ohne grosse Ankündigung mit einem neuen Album am Start sind. Und der qualitätsbewusste Kuttenträger und Keep It True-Besucher weiss natürlich, was ihn bei Paragon seit über 20 Jahren und zehn Alben erwartet: Purer Teutonenstahl der besten Sorte. Schon alleine die Songtitel verraten sofort, um was es bei Paragon geht, man lasse sich nur Titel wie „Rising Forces“, „Thunder In The Dark“, „Heart Of The Black“ oder „Buried In Blood“ auf der Zunge zergehen… Für das neue Album ist Bandgründer und Gitarrist Martin Christian zu Paragon zurückgekehrt. Das scheint die Band für „Hell Beyond Hell“ kräftig motiviert zu haben, sich im Songwriting so richtig reinzuknien. Aggressive Headbanger wie „Stand Your Ground“ oder „Hypnotized“


haben wir es nie geschafft, vor unserer Reunion 2010 in Europa zu spielen", so Jay. Allerdings konnten sie mit Vorläuferbands von Slipknot oder Disturbed auftreten. Das zweite Album,"Destruction System", wurde ja nie regulär veröffentlicht und kam schliesslich erst 2015 zu Vinylehren. "1993 waren wir am Boden. Die Musikszene hatte sich total verändert und unsere Musik war noch weniger gefragt als zuvor. Auch spielten andere Faktoren eine Rolle. Ich wurde Vater und wollte mich voll auf meine neue Rolle konzentrieren. Deswegen – und auch wegen Geldmangels – blieb unser zweites Album im Demostadium", erklärt Jay. 2010 hat die Band – wie bereits erwähnt – wieder Lunte gerochen. Es kam zur Reunion. Jay: "Wir fanden wieder zusammen und hatten geniale Auftritte, auch ausserhalb der USA (Mexiko, China). Insbesondere unser Gig am Keep It True in Deutschland bleibt unvergessen." Die Band strahlt live eine unglaubliche Energie aus und legt jede Bühne in Schutt und Asche. Es bleibt zu hoffen, dass Morbid Saint nachlegen und neues Material aufnehmen werden. "Ja, da sind wir dran. Allerdings ist unser Sänger Pat Lind vor wenigen Wochen ausgestiegen, was uns zurückwirft. Wir müssen Ersatz finden und dann werden wir angreifen!"

MORBID SAINT Spectrum Of Death (Expanded Edition – 2 CD) Century Media/Sony

Anlässlich der Wiederveröffentlichung des gesamten bis anhin aufgenommenen Materials des Thrash-Metal Kommandos Morbid Saint – und insbesondere des Albums "Spectrum of Death" – hat TRACKS mit Bandgründer und einzig verbliebenem Ur-Mitglied Jay Visser (Git.) ein Gespräch geführt. Der Fünfer aus Sheboygan im US-Staat Wisconsin am Westufer des Lake Michigan war in den 80er Jahren wahrlich nicht am Epizentrum der Thrash-Metal Bewegung und konnte sich trotz früher Gründung im Jahre 1984 als Coverband und eines kolossalen Albums (mit Einflüssen von Bands wie alten Slayer, Kreator oder auch Whiplash) nie im Bewusstsein der grösseren Heavy Metal Gemeinde verankern. Folglich blieben Morbid Saint ein wahrliches Underground-Thema. Allerdings konnten sie sich als Produzenten Eric Greif angeln, der von 1988 bis 1992 Manager von Death und ChucK Schuldiner war (und heute die Death DTA Aktivitäten organisiert) und somit Morbid Saint zu etwas Aufmerksamkeit verhalf. Jay erklärt: "Eric war absolut entscheidend für den Werdegang von Morbid Saint. Wir lernten ihn auf einer Party kennen und konnten ihn als Produzenten für "Spectrum Of Death" gewinnen. Das Resultat kling auch entsprechend brachial. Zudem konnte uns Eric zu verschiedensten Gigs mit Death verhelfen (unter anderem am legendären Milwaukee Metalfest). Auch unterstützte er uns beim jetzigen Re-release unseres gesamten Materials via Century Media.". In den 80er Jahren und bis zu ihrer Auflösung 1993 haben Morbid Saint nie ganze Touren gespielt, sondern vielmehr Einzelauftritte – dies auch aufgrund der Tatsache, dass sie kein richtiges Label im Rücken hatten. "Wir waren ein Haufen Kids, mieteten ein Lokal und liessen dann die Sau raus. Wir hatten grossen Spass, doch

wechseln sich ab mit grossen Hymnen wie dem Titeltrack oder „Thunder Of The Dark“ und für Abwechslung sorgen die langen, epischen „Heart Of The Black“ und „Devil’s Waitingroom“, die gleichzeitig auch die Höhepunkte dieser sehr starken Platte bilden. Das Album wurde wie schon oft wieder von Piet Sielck (Iron Savior) ordentlich produziert und wird von Fans der

deutschen Traditions-Stahlschmiedekunst à la Grave Digger, Wizard oder Iron Savior hoffentlich blind verhaftet werden.

BLACK RAINBOWS Stellar Prophecy Heavy Psych lg. Das italienische Trio um Bandchef Gabriele Fiori (Gitarre und Gesang) tönt wie eine Mischung aus Monster Magnet,

lg. Morbid Saint haben 1988 ihr erstes Demo "Lock Up Your Children" aufgenommen, welches dann 1990 als "Spectrum Of Death" (vom Demo nur abweichend im Mix und im Pitch) über das obskure mexikanische Label Avanzada Metalica veröffentlicht wurde (im Original heute eine recht gesuchte Rarität). Die Band geriet trotz des überragenden Albums, welches musikalisch grob als Mischung zwischen alten Kreator, Slayer, Destruction und Dark Angel bezeichnet werden kann, schnell in Vergessenheit. Daran Schuld waren einerseits die Auflösung der Band und anderseits die Tatsache, dass Morbid Saint aus dem US-Staat Wisconsin sich nicht gerade am Nabel der Musikindustrie befanden. Doch nach der Reunion von Morbid Saint im Jahre 2010 wurde der Metal-Underground wieder auf diese pfeilschnelle Thrash-Metal Perle aufmerksam, so dass Relapse Records "Spectrum Of Death" als LP im Jahre 2012 wiederveröffentlichten. Nach wie vor war aber "Spectrum Of Death" schwer aufzutreiben und es existierten viele Bootleg-CDs, so dass die vorliegende Veröffentlichung aus dem Hause Century Media sehr viel Sinn macht. Neben dem "Spectrum Of Death"-Album (alle acht Songs sind Abrissbirnen par excellence) finden sich auf den beiden Silberlingen DemoSongs aus den Jahren 1992, das 1992 aufgenommene zweite und nie veröffentlichte Album "Destruction System" sowie vier nach der Reunion eingespielte (gutklassige) Songs. Insbesondere das zweite Album ist – wenn auch etwas weniger schnell als der Erstling – sehr cool geworden. Wer diese Thrash-Granate noch nicht hat/kennt, kann jetzt zugreifen (2 CD oder LP in verschiedenen Farben).

Hawkwind und Fu Manchu. Nach dem sehr gelungenen Vorgänger "Hawkdope" aus dem letzten Jahr legen Black Rainbows diesmal sieben Songs vor. Die Abwechslung auf "Stellar Prophecy" ist gross – neben einem reinrassigen

Seventies-Classic Hit ("Woman") finden sich auch zwei epische Longtracks ("Golden Widow" und "The Traveler") sowie fuzzige Songs wie "Electrify" und "Is Time To Die". Stellar Prophecy ist eine sehr kurzweilige und interessante Scheibe geworden, welche mit Sicherheit live perfekt funktionieren wird. So muss psychedelischer Hardrock tönen!

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REVIEWS Hard/Heavy/Metal

Klassiker

CORONER Mental Vortex Noise Records mv. Die Schweizer Thrash-Metal-Legende Coroner hatte es wahrlich nie einfach gehabt, denn der Grossteil der Metaller interessierte sich damals halt nun mal für die grossen ThrashBands aus den USA (Metallica, Slayer, Anthrax, Megadeth, Exodus, Testament etc.) oder auf der anderen Seite an den etwas rüpelhaften, brachialen Gruppen aus Deutschland (Kreator, Sodom, Tankard, Destruction, Exumer etc.). Für die technisch hochstehenden Schweizer, welche da zwischen den Stühlen lärmten, waren die Aussichten auf den Durchbruch eher gering und es sollte leider schlussendlich auch nie klappen. Vergleiche mit Bands wie Voivod, Watchtower oder Anacrusis hinkten, denn diese Bands waren alle wie Coroner auch einfach total unvergleichbar und kreierten ganz eigenständige Sounds. Trotzdem, heute gelten die Alben des Trios um Ron Royce, Tommy T. Baron und Marquis Marky (aka Ron Broder, Tommy Vetterli und Marky Edelmann) allesamt als kleine Klassiker und Kult. Und dies zu Recht ! Ihr Meisterwerk lieferten Coroner 1991 mit dem vierten Album „Mental Vortex“ ab. Hatten die Vorgänger es bereits immer mehr angedeutet, wurde bei diesem Album die Kombination aus brachialer Härte, technischer Raffinesse und kompakten Arrangements perfektioniert. Der gnadenlose Opener „Divine Step“, aber auch Nackenbrecher wie „Son Of Lilith“, „Pale Sister“ oder „Metamorphosis“ strotzen nur so vor genialen Riffs, filigranen Licks und anspruchsvollen Breaks und bleiben trotzdem immer kompakt und gut nachvollziehbar. Ein absolutes Kunststück. Zudem versprühen die Songs eine düstere, absolut fesselnde Atmosphäre. Keines der 8 Stücke fällt auch nur ansatzweise ab und mit "I Want You (She’s So Heavy)“ gibt’s zum Schluss noch eine wunderbar originelle Coverversion der Beatles. Die erstklassige Tom Morris Produktion rundet dieses Hammeralbum ab, welches auch von der Band selber danach nicht mehr übertroffen werden konnte. Edelstahl mit „Made In Switzerland“ Gütesiegel.

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HATEBREED The Concrete Confessional Nuclear Blat/Warner bs. Hatebreed. Ein Name wie Donnerhall. Ein Sound, so massiv, präzise und unerbittlich wie er nur sein kann. Wo Hatebreed au der Packung prangt, ist eben immer auch eine Extraportion Hatebreed drin. Im Falle des siebten Studioalbums „The Concrete Confessional“ bedeutet das einmal mehr die totale Abrissbirne aus Hardcore und Metal. Unerreicht in ihrem Genre und nicht zuletzt auch wegen Galionsfigur Jamey Jasta so etwas wie die ultimative Verknüpfung dieser beiden Stilrichtungen, schöpft auch „The Concrete Confessional“ aus den Vollen, was die Texte angeht, wandelt die Wut und die Frustration, die der Blick in die Zeitung auslöst, in etwas Positives um. Darin waren Hatebreed schon immer gut, eine Fähigkeit wie diese ist in der heutigen Zeit aber wertvoller denn je. Doch selbst an einer positivistischen Band wie Hatebreed, die uns seit 1994 lehrt, uns nicht unterkriegen zu lassen und für unser Glück zu kämpfen, geht die Dunkelheit dieser Tage nicht spurlos vorüber. Nicht zuletzt offenbart sich das im verdammt düsteren Artwork, das direkt hinein in eine faulige Gruft führt. Sänger Jamey Jasta hat Folgendes dazu zu sagen: „Da Vinci traf den Nagel auf den Kopf, als er sagte, dass Malerei Poesie ist, die eher gesehen als gefühlt wird – und Poesie ein Gemälde, das man eher fühlt als sieht. Das aktuelle Cover fängt das Grundgefühl unserer musikalischen und lyrischen Vision kongenial ein und spricht Bände.“ Es geht also zur Sache auf diesem von Zeuss ungemein erbarmungslos produzierten Werk. Provokanter denn je greifen Hatebreed den Wahnsinn auf, zu dem unser Alltag mutiert ist. Terrorismus, Polizeigewalt, Verfall der Werte, Gier, Verrat, Rassismus und der verblassende Schatten des amerikanischen Traums fanden Eingang in die wahrscheinlich direktesten Songs der Bandgeschichte. Dass das keine Schlaflieder werden, dürfte so langsam jedem klar sein. Dass selbst Hatebreed die Intensität ankurbeln und die Härteschraube andrehen, hätten aber sicherlich die wenigsten für möglich gehalten. Besondere Umstände erfordern aber eben besondere Maßnahmen, das muss man einem Aggressionskommando wie Hatebreed nicht zweimal sagen. Die Connecticut-Bande war sich noch nie zu fein, mit dem Finger offen auf die Missstände zu zeigen. Das brachte ihnen einerseits eine treu ergebene Fanbase ein, führte andererseits sogar schon zu einer Grammy-Nominierung und stolzen 17.000 verkauften Exemplaren von „The Divinity Of Purpose“ in der ersten Woche in Amerika. Zwei Jahre auf der Straße haben Hatebreed noch entschlossener, noch wütender und noch lauter gemacht. Auf „The Concrete Confessional“ sitzt zumindest jedes Riff und jeder Shout. „Es gibt doch nichts besser als Verstärker, die dir ins Gesicht schreien, Riffs, die dich direkt in den Brustkorb treffen und Texte, die dich aufrütteln“, so Jasta. „Das ist unsere musikalische DNS. Das sind wir. Wir brauchen keine Trends. Wir können einfach Hatebreed sein.“ Die hauen uns diesmal 13 Songs in 33 Minuten um die Ohren – bis in die Haarspitzen aufgeladen und bereit, dir an die Kehle zu gehen. „Das Album schrieb sich fast von selbst“, blickt der Sänger zurück. „Ich brauchte nur die Nachrichten einzuschalten und konnte loslegen. Für ihn und für viele seiner Fans liegt ein reinigendes, therapeutisches und kathartisches Element in aggressiver Musik wie dieser. „Du gestehst, negative Gedanken zu haben, und befreist dich von ihnen, in dem du sie rausschreist.“ Oder wahlweise „The Concrete Confessional“ in die Anlage schiebst.


Hard/Heavy/Metal REVIEWS ARTILLERY Penalty By Perception Metal Blade Records mv. Artillery sind bereits seit Mitte der 80er aktiv und mit Sicherheit der explosivste Stahlexport Dänemarks. Vor allem die Scheibe „By Inheritance“ von 1990 ist ein ganz grosser Thrash Metal Klassiker. Trotz mehreren längeren Bandpausen in den 90ern und 00er Jahren sind Artillery nun seit Jahren wieder sehr aktiv und veröffentlichen ein Album nach dem anderen. Motor der Band sind dabei seit Beginn die Gebrüder Michael und Morten Stützer, welche für die schier unendlich vielen Killerriffs bei Artillery zuständig sind und auch auf „Penalty By Perception“ wieder ein herrliches Feuerwerk an den Gitarren zünden. Dass Artillery aber schon länger keine reine Thrash Metal-Band mehr sind, liegt vor allem am Gesang von Frontmann Michael Bastholm Dahl, der mit seiner melodiösen Stimme gut auch Power Metal singen könnte. Die Kombination dieses Gesangs mit den fiesen Riffattacken erinnert dann auch immer wieder an Bands wie Heathen oder Forbidden, ohne allerdings ganz an deren Klasse heranzukommen. Die Platte beginnt mit einem bärenstarken EröffnungsTriple, so knallen „In Defiance Of Conformity“, „Live By The Scythe” und der Titeltrack herrlich aggressiv wie eingängig durch die Boxen und überzeu-

METAL CHURCH XI Nuclear Blast

gen mit tollen Ideen und prägnanten Refrains. Für Abwechslung sorgen das mit seinen orientalischen Einwürfen gespickte „Sin Of Innocence“ sowie die überraschende, wirklich gute Halbballade „When The Magic Is Gone“. Was dem Album aber über die Dauer etwas fehlt sind ein paar richtig herausragende Nummern (à la „Khomaniac“, „Don’t Believe“ oder „Chill My Bones“, um mal ein paar echte Artillery-Killer zu zitieren), gerade in der zweiten Hälfte geht „Penalty By Perception“ langsam etwas die Luft aus und viele Ideen wirken manchmal leicht austauschbar und zähflüssig. Ein weiterer Minuspunkt gibt das billige Covertartwork, welches eher für eine Playmobil-Schachtel als für ein Thrash Metal-Album geeignet gewesen wäre. Trotz dieser Kritikpunkte, Artillery haben hier sicher kein schlechtes Album am Start, Fans der Band und Anhänger von melodiösem Thrash Metal werden auf jeden Fall trotzdem ihre Freude an „Penalty By Perception“ haben.

CREMATORY Monument SPV/Musikvertrieb em. Die deutsche GothicMetal-Formation Crematory gibt es tatsächlich auch schon 25 Jahre. Man ist mittlerweile beim 13. Studioalbum angelangt und das hat es zumindest teilweise in sich. Grundsätzlich hört man typische Trademarks wie die Mischung von klarem Gesang und tiefen Growls oder

mv. Diese Reunion war für sehr viele Metal Fans ein absoluter Traum und man hatte nach all den Jahren eigentlich schon lange die Hoffnung aufgegeben, dass es tatsächlich noch passieren könnte. Und nun ist es tatsächlich soweit, Mike Howe, der Sänger von solch grandiosen Klassikern wie "Blessing In Disguise" oder "The Human Factor" ist zu Metal Church zurückgekehrt und es gibt sogar bereits ein neues Album dieses ehemaligen Dreamteams. Es ist klar,

auch die Mixtur von deutschen und englischen Texten. Teppiche aus Keyboardklängen gehören selbstverständlich auch zu Crematory wie die eingängigen Refrains. Es gibt aber auch eine grosse Erneuerung. Gitarrist und Klarsänger Matthias Hechler hat nach vielen Jahren die Band verlassen. Nach dessen Entscheidung machten Crematory aus der Not eine Tugend und verpflichteten gleich zwei Nachfolger: Als Rhythmusgitarrist und neuer Sänger kam Tosse Basler und als Leadgitarrist Rolf Munkes dazu. Der frische Wind ist deutlich hörbar und bereits der treibende Opener „Misunderstood“ strotzt nur so vor Kraft, Härte und Schwung. „Haus mit Garten“ heisst das fantastische zweite Stück. Es besticht mit fetten Gitarren und einem tollen Text, der nebst düsterem Growlgesang in diabolischem FastGeflüster vorgetragen wird. „Die So Soon“ wirkt dann eher episch und hat opulenten Charakter, der mit verspielten Elektroelementen ergänzt wird. Es folgt die Midtemponummer „Ravens Calling“, die vor allem mit einer starken Melodie aufwartet, bevor es mit „Eiskalt“ weitergeht. Die technoiden Beats sind schon sehr dominant, aber sobald die stampfenden Rhythmen, die bretternden Gitarren und die dunklen Growls einsetzen, dürfte der geneigte Hörer wieder zufrieden sein. Mit „Nothing“, „Before I Die“ und „Falsche Tränen“ flacht das Werk dann ab und verliert an Eigenständigkeit, wobei auch diese

dass damit die Erwartungshaltung an das schlicht „XI“ betitelte Reunion-Album riesig ist. Denn all die Alben, welche die Band nun seit dem Abgang von Mike Howe Mitte der 90er veröffentlichte, konnten nie auch nur annähernd an die ersten 5 Meilensteine anschliessen. Vorab kann hier schon geschrieben werden, dass das Comeback definitiv gelungen ist und die Fans aufatmen dürfen. „XI“ setzt tatsächlich nahtlos an „Hanging In The Balance“ an und schon nach dem Uptempo -Eröffnungsdoppel „Reset“ und „Killing Your Time“ dürfte jeder Metal Church-Fan ein fettes Grinsen im Gesicht haben. Mike Howe singt immer noch erhaben und kraftvoll wie vor 20 Jahren und Bandleader/ Hauptkomponist Kurdt Vanderhoof hat sich in Sachen Songwriting mächtig ins Zeug

Lieder gewiss nicht als schlecht bewertet werden dürfen. Auch „Everything“ ist eher im Mittelmass anzusiedeln. „My Love Within“ und auch „Die letzte Schlacht“ sind zwar durchaus hörenswert, reissen das Ruder aber leider auch nicht wieder rum. Das Schlusslicht „Save Me“ ist ein balladesker Song, der zwar einen schönen Kontrast bildet, aber sonst auch nicht weiter erwähnenswert ist. Crematory haben mit „Monument“ eine gute Platte hinbekommen, die gerade in der ersten Hälfte viele Höhepunkte aufweist, dann aber rasch zu den Schwachstellen übergeht. Als ein Monument ist dieser Longplayer nicht zu bezeichnen, aber als eine solide und abwechslungsreiche CD, die eine gelungene Verschmelzung von Härte und Emotionen bietet.

FUTILE Fractured Divine Eigenvertrieb

rp. «Fractured Divine» ist das vierte Album der «nutzlosen» deutschen Rockband Futile. Bereits der Auftakt, «Seventyfour», zu dem es auch ein Video gibt, zeigt, was in der fünfköpfigen Band um Sänger Oliver Reinecke steckt. Der vielschichtige Prog-Metal-Song klingt dynamisch anregend gelegt und sich auf die Stärken der Band besonnen. So sind dann die nachfolgenden „No Tomorrow“, „Signal Path“ und „Sky Falls In“ weitere Volltreffer voller mitreissender Melodien und zündenden Killerriffs. Auch wenn nicht alle Songs dieses Niveau halten können, der abschliessende Dampfhammer „Suffer Fools“ zeigt Metal Church nochmal in Topform und ist das Geld des Albums schon alleine wert. Die letzten Alben werden somit mit „XI“ locker in den Schatten gestellt. Als das „beste Werk ihrer Karriere“, wie das Album von der Band und Label her angekündigt wurde, ist dann aber doch etwas hoch gegriffen. So oder so, definitiv ein Pflichtkauf mit Vorfreude auf die Europatournee!

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REVIEWS Hard/Heavy/Metal und lässt öfters die Muskeln spielen. Reineckes Organ deckt dabei die Bandbreite von sanft bis erschütternd ab. Im zweiten Song, der mit RATM mässigen Gitarrentricks beginnt, wird dynamisch subtiler gearbeitet, aber nicht weniger intensiv. Dies trifft ebenso auf den folgenden Song «Drops To The Lake» zu. Etwas Drama darf es aber schon sein. «Ripples» und der Abschluss «Still Awake» feuern dann wieder, dynamisch akkurat, eine Breitseite Gitarrengewitter in Richtung des geneigten Hörers. Wobei letzterer gar poppige Passagen bereit hält. Die ausgeklügelte Verpackung (siehe futilemusic. com/fractured-divine/) rundet das positive Gesamtbild ab.

DISCHARGE End Of Days Nuclear Blast/Warner lg. Wenn eine derartig stilprägende und einflussreiche Band wie die englische Hardcore-Punk Band Discharge

auch nach fast 40 Jahren Bandgeschicht e nach wie vor Alben veröffentlicht, fragt man sich, ob es das wirklich braucht. Die revolutionierende Energie des ersten Albums "Hear Nothing, See Nothing, Say Nothing" kann natürlich nicht mehr auf Konserve gebannt werden, doch macht die Truppe um die drei verbliebenen Urmitglieder Roy Wainwright (Bass) und den beiden Brüdern an der Gitarre, Tony Roberts und Terry Roberts einen sehr frischen und guten Eindruck. Herrlich kaputte Riffs werden vom Gitarrenduo aus den Ärmeln geschüttelt und es wird geschrummelt, was das Zeugs hält. Schnelle und aggressive Punk-Geschosse wie die Single "End Of Day", dem Titelsong, "Meet Your Maker" oder "Raped and Pillage" pfeifen dem Hörer um die Ohren. Super!

Metal Thrashing Mad mit Laurent BLOOD CEREMONY - Lord Of Misrule lg. Die kanadische Formation um die charismatische Sängerin und Flötistin Alia O'Brien hat sich in recht kurzer Zeit und mit ihren ersten drei Alben als Headliner Act etabliert und den Okkult-Rock Genre um ein paar Facetten erweitert. Mit der vierten Scheibe "Lord Of Misrule" unterstreicht die Band, dass sie nach wie vor essentiell ist. Ansprechender Hardrock in der Schnittmenge von Deep Purple und Coven. MGLA - Exercises In Futility Das im Jahre 2000 gegründete Duo Mgla aus Polen bewegt sich mit seinem dritten Album in Gewässern des traditionellen und sehr rohen Black Metals der norwegischen Schule der frühen Neunziger. Bathory sind allgegenwärtig, aber auch die musikalische Rohheit von Acts wie alten Dark Throne, Burzum oder Immortal fehlt nicht. Ein grossartiges Album und mithin neben Watain etwas vom Besten, was die aktuelle Black Metal Szene bietet. MOURNING BELOVETH - Rust & Bone Die Iren von Mourning Beloveth sind mit ihrem Death/Doom seit den 90er Jahren aktiv, doch niemand nahm bisher so richtig Notiz von ihnen. Mit dem siebten Album “Rust & Bone” scheint sich dies zu ändern, den die Scheibe geniesst bereits relativ breite Anerkennung und überzeugt durch grandiose Songs teilweise epischer Ausmasse. Essentiell für Schwarzheimer, welche es schleppend mögen. SAVAGE MASTER - With Whips And Chains Die Band aus Kentucky um die aufreizende Stacy Savage und ihren stets verhüllten Lederknappen konnte mit dem Debüt „Mask Of The Devil“ (2014) punkten. Mit „With Whips And Chains“ spielen sie nach wie vor traditionellen Metal relativ einfacher Machart, doch überzeugt der Fünfer leider nicht so. Die Songs klingen etwas gar vorhersehbar – dafür gefällt Stacey immer noch... Die Vorbilder wie Acid und Bitch sind viel besser! WALLS OF JERICHO - No One Can Save You From Yourself Walls Of Jericho aus Detroit um die schwer tätowierte und muskelbepackte Sängering Candace Kucsulain spielen brutalen Metalcore/Hardcore und sind seit knapp 20 Jahren aktiv. Auch das neue Album macht keine Gefangenen und geht voll ab – dennoch auf Dauer etwas monton, aber wenigstens immer mit Vollgas auf die zwölf.

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GRAND MAGUS

DEFTONES

Sword Songs

Gore

Nuclear Blast/Warner

Reprise/Warner

lg. Das schwedische Trio um Frontmann JB konnte sich mit den letzten Alben „Hammer Of The North“, „The Hunt“ und vor allem auch „Triumph And Power“ mit ihrem Dio-angehauchten Sound bei Fans traditioneller Metal-Klänge mehr als etablieren. Auch durch viele Konzertreisen konnten Grand Magus Präsenz markieren. Leider hat man beim dennoch sehr guten „Sword Songs“ das Gefühl, alles schon mal gehört zu haben (und zwar bei Grand Magus selber), was etwas schade ist. Dies ist natürlich jammern auf allerhöchstem Niveu, denn von Grand Magus gab es nie schlechte Alben, doch etwas weniger Pathos hätte dem Bandsound gut getan. Dennoch eine Runde Sache. Anspieltipp: die Killerhymne „Forged In Iron – Crowned in Steel“.

bs. Letztlich genügt ein Blick auf das Cover von „Gore“, um die Deftones zu verstehen: Liebliche Flamingos vermitteln ein Gefühl von Frieden und Harmonie, der Albumtitel suggeriert ein Blutband. Davon lebte sie immer, die Musik der Kalifornier: Schroffe Härte und jenseitige Melodie, Sanftmut und Brutalität, Licht und Dunkel, Leben und Tod. „Gore“ macht da keine Ausnahme. Chino Morenos Gesang kann noch so melodisch, so harmonisch tönen; er täuscht nicht darüber hinweg, dass im Hintergrund Beunruhigendes vor sich geht. Nach dem Tod des langjährigen Bassisten Chi Cheng exorzieren die Alternative Metaller ihre Dämonen, lassen es nach zuletzt ruhigen, introvertierten Werken wieder ordentlich krachen. Beängstigend intensiv, berstend emotional, musikalisch eh über jeden Zweifel erhaben – „Gore“ ist ein kapitaler Befreiungsschlag, ein Bekenntnis zum Leben, das dennoch ein Messer an der Kehle hat.

MANTAR Ode To The Flame Nuclear Blast/Warner lg. Das 2013 gegründete norddeutsche Duo konnte im Underground sowohl mit intensiven Live-Shows und dem tollen Debüt "Death By Burning" gehörig Staub aufwirbeln. Sogar Branchenprimus Nuclear Blast wurde auf Hanno Klaenhardt (v./git.) und Erinc Sakarya aufmerksam und nahm die Band kurzerhand unter Vertrag. Wer will, kann der Band Ausverkauf vorwerfen, doch "Ode To The Flame", das sich wie der Vorgänger mit dem Thema Feuer auseinandersetzt, geht voll auf die zwölf und beinhaltet Songs, die als aggressiver Bastard aus Hardcore und Doom durchgehen. Obschon kein Bass auf dem Album zu hören ist, kommt die Gitarre von Hanno derart druckvoll aus den Boxen (mit sehr wuchtigem Drumming ergänzt), dass der Bass nie fehlt. "Ode To The Flame" groovt wie die Hölle. Als Anspieltipps seien "Praise The Plague", "Era Borealis" und "Schwanenstein" genannt. Wenn Mantar den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen, werden sie ein Underground-Thema bleiben, aber ein vielbeachtetes. Neben Bölzer und Mgla derzeit das beste Metal-Duo!

THE ORDER Rock'n'Rumble Massacre Records/MV lg. Die Schweizer Hardrock-Band The Order um Sänger Gianni Pontillo (exPure Inc.) und den drei ehemaligen Gurd-Mitglieder steigen mit "Rock'n'Rumble" zum fünften Mal albumtechnisch in den Ring. Und sofort legt die Truppe ordentlich los und knallt mit dem AC/DC artigen "Play It Loud" voll rein. Der Titelsong "Rock'n'Rumble (1984)" erinnert einen eher an Van Halen, während das langsamere "No One Can Take You Away From Me" mit ordentlichem 80er Jahre Kitsch in Richtung Steelheart und Konsorten geht. Auf dem gesamten Album dominieren grossartige Melodien verbunden mit dem musikalischen Können der Protagonisten, was "Rock'N'Rumble" zu einem sehr gelungenen Hard-Rock Album mit rechtem 80er Jahre Einschlag macht. Die gute Produktion tut ihr Übriges dazu, während das Cover etwas gar trashig wirkt.


BROKEN TEETH lg. Broken Teeth HC aus Manchester haben sich 2007 in einer Zeit formiert, als im Bereich Metalcore/Hardcore die Bands mehr auf ihr Aussehen achteten und aus dem damaligen Trend eher Profit herauszuschlagen versuchten als gute Songs zu schreiben. TRACKS konnte Sänger Dale Graham ein paar Fragen stellen.

LIVE 10.5. Zürich, Dynamo

Broken Teeth HC spielen mehr Hardcore alter Prägung mit einem Metal-Einschlag. Was waren die wichtigsten Einflüsse für euch? In den letzten Jahren haben uns so viele Bands beeinflusst, was zu einer endlosen Liste führen würde. Ich nenne mal Merauder, Cro-Mags, Icemen, Sepultura, Machine Head und Cold As Life, welche für das neue, erste Album in irgendeiner Art und Weise jeweils von Bedeutung waren. Welche sind aus Deiner Sicht die besten Alben aller Zeiten? Alpha & Omega von Cro-Mags, dann (What's the story) Morning Glory und schliesslich Physical Graffiti von Led Zeppelin. England ist doch das Mutterland des Punks. Wie wichtig waren denn Bands wie Sex Pistols, The Exploited, Discharge und GBH für euch? Alle vier waren und sind wichtig auf ihre Art, doch ohne Discharge hätte es Cro-Mags nie gegeben und ohne Cro-Mags hätte es uns wohl nie gegeben. Cro-Mags ist die Band die für alle fünf Mitglieder von Broken Teeth HC von grosser Bedeutung ist. Und Discharge stammen wie unser Gitarrist Matt und unser Bassist Nial aus Stoke. Matt und Nial teilten sich mit ihrer alten Band früher mit Discharge einen Proberaum, hahaha. Viele hatten ehrlich gesagt Broken Teeth HC bis jetzt gar nicht auf dem Schirm. War es für euch allerdings eine bewusste Entscheidung, jahrelang Shows zu spielen und stetig etwas mehr Aufmerksamkeit zu ergattern? Ja, wir hatten immer diesen Ansatz: Live-Shows spielen und dann weiterschauen. Wir hatten zudem immer die Attitüde überall zu spielen, egal ob an einem Festival oder vor 20 Leuten in einem Keller. Während eurer bis jetzt neunjährigen Karriere habt ihr bloss ein paar EPs veröffentlich, was ja bereits ungewöhnlich ist. War es für euch unerwartet, dass gerade Nuclear Blast bei euch angeklopft haben und euch einen Deal offerierten? Das kam in der Tat aus dem Nichts. Wir hatten gerade ein paar Demos aufgenommen und Nuclear Blast gelangte an uns mit der Bitte, diese Demos zu hören. Dann kam es zum Deal, was für uns sehr aufregend war und nach wie vor ist. Wie erschaffen Broken Teeth HC normalerweise Songs? Die beiden Gitarristen Matt und Dave setzen sich im Proberaum zusammen und basteln aus Riffs eine Basisstruktur für einen Song. Anschliessend legen wir das Schlagzeug darüber und halten das Ganze fest. Anschliessend hören wir uns das an und besprechen, wie wir den Song mit noch mehr Durchschlagskraft versehen und überhaupt besser machen können. Eine Songstruktur und die Riffs können sich mehrmals verändern bis wir alle zufrieden sind. Dann kommt mein Teil und ich erarbeite die Gesangslinien. Seltener passiert es auch, dass Adam (dr.) und Matt oder Dave jammen und wir das alle total krank und gut finden.

Worum geht es in den Texten auf "At Peace Amongst Chaos“? Ich lasse mich meist über persönliche Frustrationen und Aggressionen gegenüber der modernen Gesellschaft aus. Hardcore ist eine Gemeinschaft für Leute, die von der Aussenwelt als Aussenseiter angeschaut werden. Auf den gut 30 Minuten lasse ich meine Wut über Probleme aus, und es fühlt sich wie eine Therapie an. So fühle ich mich gesund. Was habt ihr mit Broken Teeth HC für Zukunftspläne? Wir möchten so viele Shows wie möglich spielen. Wir haben gerade mit Sick Of It All getourt und werden im Mai mit Terror unterwegs sein, bevor wir dann im Juni an einem Festival in Los Angeles spielen werden. Dann folgen weitere Festivalshows im Sommer. Für ein neues Album haben wir noch gar keine Pläne, " At Peace Amongst Chaos" kommt ja erst heraus! Ihr kommt ja aus Manchester, was unweigerlich die Frage nach euren Fussballvorlieben nach sich zieht. Wir unterstützen alle verschiedene Teams. Ich unterstütze Manchester United, während Dave Manchester City Fan ist. Matt und Nial sind Supporter von Port Vale. Habt ihr spezielle Erinnerungen an die Schweiz? Wir haben erst dreimal bei euch gespielt. Vor ein paar Wochen haben wir in Zürich mit Sick Of It All gespielt und dies war eine der besten Shows der gesamten Tour. Wir sind im Mai zurück mit Terror.

BROKEN TEETH HC At Peace Amongst Chaos Nuclear Blast/Warner lg. Die englische Band von Broken Teeth HC kommt für zumindest nicht in der HardcoreSzene verankerte Personen wie aus dem Nichts und legt gleich via Branchenriese Nuclear Blast albumtechnisch los, was doch erstaunt. Doch die fünfköpfige Truppe aus Manchester konnte sich mit einigen EPs und ausgiebigem Touren bereits eine anständige Basis schaffen. Und das Album "At Peace Amongst Chaos" ist wahrlich nicht von schlechten Eltern. Variable und superheavy Riffs werden mit Leidenschaft gespielt, die Songs variieren zwischen schnell und Mid-tempo. Und vor allem groovt der Sound wie die Hölle. Sänger Dale Graham macht seinen Job ebenfalls gut und so kommt ein metallisch angehauchtes Hardcore-Album im Stile der Cro-Mags oder Sick Of It All heraus. Anspieltipps: der Opener "Take Me Away" sowie der Titelsong.

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Tanzbeinschwung und grosse Melodien Die Outlaw Gentlemen schlagen wieder zu! Dänemarks größte RockBand Volbeat lädt auf ihrem sechsten Studioalbum „Seal The Deal & Let's Boogie“ zum Parforceritt durch Metal, Country und Todesboogie, merklich gestärkt von Rob Caggianos entfesseltem Gitarrenspiel. TRACKS war zum Antrittsbesuch in Kopenhagen.

LIVE 9. Juni 2016 Greenfield Festival

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bs. Es ist der 1. August 2015. Ein sonniger Sommertag in Odense. Die Menschen sitzen in Straßencafés, liegen faul in der Sonne, flanieren durch die Altstadt. Etwas außerhalb von Hans-Christian Andersens Geburtsort liegt der Tusindårsskoven, der Tausendjährige Wald. Der klingt nicht nur wie aus einem Märchen, er wird an diesem Tag auch Teil eines solchen. Eines Rock-Märchens, um genau zu sein, denn genau hier spielen Volbeat die bisher größte Show, die es jemals in Dänemark gegeben hat. 37.000 Fans werden am Ende ihre Outlaw-Helden feiern und der steilen Karriere von Kopenhagens berühmtesten Rockern ein weiteres glanzvolles Kapitel hinzufügen. Wenige Monate später. Kopenhagen im März. Es gießt wie aus Eimern, der Himmel ist grau. In den Räumlichkeiten des Volbeat-Managements herrscht dennoch gute Stimmung. Das liegt ausnahmsweise mal nicht an den unzähligen Edelmetallscheiben, die hier die Wände zieren, sondern am neuen Volbeat-Album „Seal The Deal & Let's Boogie“, das gerade fertig geworden und heute erstmals vorgestellt wird. Sänger, Bandkopf und Obercowboy Michael Poulsen und Rob Caggiano, der von Anthrax übergewechselte und mittlerweile fest im Sattel sitzende Gitarrist, sind sichtlich zufrieden, wie alles gelaufen ist. „Ich kann ehrlich sagen, dass jeder in der Band davon überzeugt ist, dass das unser bisher bestes Album ist. Jeder hat noch mal ein paar Briketts nachgelegt und richtig Gas gegeben“, gibt sich Poulsen sichtlich zufrieden. Unter uns: Das kann er auch sein. Der Däne hat auch mit dem sechsten Album alles richtig gemacht und sein Händchen für richtig starke Songs bewiesen. Es ist einerseits ein typisches VolbeatAlbum, bietet andererseits genügend Neues, um das Hörerlebnis spannend zu halten. „Das Wichtigste bei Volbeat ist aber immer die Suche nach der richtigen Melodie, einem guten Chorus und einem guten Gesamtgefühl. Es muss von Herzen kommen, und in dieser Hinsicht sind uns eigentlich so gut wie keine Grenzen gesetzt.“ Das hat dem Frontmann zufolge zu Songs geführt, die so eigentlich auch auf dem ersten Album stehen könnten – und die vor allem beweisen, dass sich die Band als Songwriter und Musiker merklich weiterentwickelt hat. „Volbeat sind so solide wie noch nie“, gibt er sich selbstbewusst. Das liegt auch an Rob Caggiano, der schon auf „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ zu hören war, diesmal aber seine Premiere als zweiter Ideengeber feierte. Das war für Poulsen, der das Volbeat-Regiment bislang einsam an der Spitze führte, nicht unbedingt leicht. „Anfangs hat mich das regelrecht fertig gemacht!“, gibt er zu. „Es war, als müsste ich mein Baby aus der Hand geben. Natürlich merkte ich schnell, dass Rob einen Haufen gute Ideen hatte, die Volbeat

«Wir sind mittlerweile zu alt, um unsere Zeit mit Kindergartenkram zu vergeuden» - Michael Poulsen

«Bei Volbeat gibt es Weiber im Publikum!» - Rob Caggiano 

voranbringen könnten. Ich musste sie eben nur zulassen.“ Für Poulsen, der seine Band über alles liebt, ist das durchaus eine Herausforderung gewesen – eine Herausforderung, die er letztlich meistern konnte und jetzt sogar meint: „Ich denke, beim nächsten Album werden Rob und ich noch besser miteinander arbeiten können. So etwas braucht Zeit. Am Ende des Tages wollen wir aber eben beide das Gleiche: Das bestmögliche Volbeat-Album.“ Dem kommen sie mit dieser sechsten Platte schon ziemlich nahe. Volbeat röhren massiv wie eh und je, brillieren mit gewaltigen Stadionrefrains, knackiger Härte, Tanzbeinschwung und großen Melodien. „Dieses Album fühlt sich auch wirklich nach einem an – nach einem Album, dessen Songs eine Familie bilden“, so Poulsen. Der Sänger bleibt Dreh- und Angelpunkt von Volbeat, daran gibt es nichts zu rütteln. Der Einstieg von Caggiano hat aber eine Dynamik in die Band gebracht, die ungemein vitalisierend und elektrisierend wirkt. „Es klickte schon, als wir das erste Mal zusammen jammten“, erinnert sich der Gitarrist. „Wir waren ja auch mit ihnen auf Tour, und ich spielte mit ihnen regelmäßig alte Misfits-Songs. Damals dachte ich mir: Wow, das fühlt sich an wie eine richtige Band!“ Das ist natürlich nicht der einzige Unterschied zu seiner alten Band Anthrax, wie er weiter ausführt: „Bei Volbeat gibt es Weiber im Publikum!“, lacht er. „Aber Spaß beiseite: Die Musik von Volbeat bietet verdammt viel Raum, um Gitarre zu spielen – mehr noch als bei Anthrax. Anthrax waren sehr rifforientiert, was natürlich auch cool ist, doch der Volbeat-Sound ist offener, ich kann mich komplett austoben und die wildesten Dinge ausprobieren.“ Das ist auch Poulsens Entscheidung, Caggiano von Anfang an fest zu positionieren, zu verdanken. „Für mich als Songwriter war es wichtig, ihm Raum zu schaffen, damit er sich entfalten kann“, sagt er dazu. „Rob nahm diese Rolle dankbar und mit einer Menge Enthusiasmus an.“ Zeit ist hier das Zauberwort. Auch wenn zwischen den beiden von Anfang an eine ausgezeichnete Chemie herrschte, so mussten sie sich doch aneinander gewöhnen. „Wir sind auf einem guten Weg, der uns bestimmt noch viele verdammt coole Dinge offenbart“, lautet das Fazit des Sängers. Redet man mit Poulsen, stellt man schnell fest, wie wichtig ihm Harmonie und Stabilität im Bandgefüge sind. Statt Ersatz für den letztes Jahr ausgestiegenen Bassisten Anders Kjølholm zu suchen, ließ er kurzerhand Caggiano alle BassParts des neuen Albums einspielen. „Jede Band funktioniert nach ihren eigenen Regeln“, meint er erklärend. „Jemanden in ein intaktes und enges Gefüge aufzunehmen, ist nicht einfach, weil so viele Faktoren stimmen müssen, wenn man weiterhin so gut funktionieren will.“ Es muss also jemand sein, zählt er auf, der verdammt gut ist, der schon oft auf der Bühne stand, der kein Problem damit hat, oft und lange


unterwegs zu sein und der vor allem bereit ist, große familiäre Opfer zu bringen.“ Um das zu verstehen, muss man nur mal einen Blick auf die aktuellen Tourdates werfen. Aktuell in den USA auf Tour, im Sommer auf europäischen Festivalbühnen zuhause, dann wieder zurück in die Staaten, wo man unter anderem mit Metallica auftritt. Und das sind nur die nächsten Monate. Da kann Poulsen niemanden gebrauchen, der nicht wirklich zur Band passt. „Ein neues Mitglied muss verstehen, was es heißt, in einer Band zu sein. Es muss umgänglich sein und nicht zu sehr mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen haben. Wir alle haben unsere Dämonen, das ist ganz klar, doch wir sind mittlerweile zu alt, um unsere Zeit mit Kindergartenkram

VOLBEAT Seal The Deal & Let's Boogie Vertigo/Universal

Erscheint 27.5. bs. Oftmals sind es die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen. Volbeat sind natürlich immer noch Volbeat, daran ändert sich auch bei „Seal The Deal & Let's Boogie“ nicht. Dennoch sind sie da, die Faktoren, die den Unterschied machen, die auch diesem sechsten Studioalbum eine klar erkennbare eigene Note verleihen. Der Dreh- und Angelpunkt der Veränderungen liegt natürlich auf Gitarrist Rob Caggiano, der mittlerweile als permanentes Mitglied an Bord der Kopenhagener ist und mit seinem furiosen Gitarrenspiel für offene Münder sorgen wird. In enger Zusammenarbeit mit Frontmann Michael

zu vergeuden. Im Grunde ist es leicht, in einer Band zu sein, allerdings fällt es vielen Menschen schwer, das auch zu akzeptieren. Ich meine, die 90 Minuten auf der Bühne sind der leichteste Teil des Jobs. Man muss ja aber noch den ganzen restlichen Tag mit seiner Band rumkriegen.“ Rob Caggiano erfüllte diesen Kriterienkatalog mit Bravour – ein entspannter, witziger und gutmütiger Typ mit einem großen Herzen. „Wir alle sind zigfach um die ganze Welt getourt und dementsprechend kulturell offen und kosmopolitisch“, charakterisiert er sich und seine neuen Bandmitglieder. „Letzten Endes sprechen wir alle dieselbe Sprache – Rock'n'Roll. Da ist es doch völlig egal, woher man kommt.“

Poulsen hat er sich einen Platz im dicken Volbeat-Sound erarbeitet und kann glanzvolle Akzente setzen. Ansonsten regiert natürlich die gute alte Keule aus Metal, Country, Rock'n'Roll und dem Boogie aus der Hölle – überlebensgroße Melodien, fette Grooves und Poulsens präzises Riffgewitter sitzen wie angegossen und bescheren der stetig wachsenden Volbeat-Gemeinde mit Stücken wie „Goodbye Forever“ astreinen Hymnennachschub. Beim phänomenalen Straßenrock-Knaller „Black Rose“ darf Danko Jones als Gastsänger ans Mikro und passt da wirklich hin wie die Faust aufs Auge, „For Evigt“ erweist sich als äußerst melodramatische, aber fies eingängige Hymne mit dänischen Parts und einem Auftritt von Johan Olsen von den dänischen Lokalhelden Magtens Korridorer. Elvis-Metal, wie man zu Beginn gerne gesagt hat, ist das hier schon lang nicht mehr. Richtig gut hingegen immer noch – eine zweifellos super geglückte Mischung aus bewährter Kost und frischem Wind.

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Keine Gnade

Die Berufswikinger haben wieder die Segel gen Ruhm und Ehre gesetzt. Bei gleichbleibend epischer Hymnenwucht zwischen Heavy Metal und melodischem Death Metal überraschen die schwedischen Ausnahmekämpfer auf „Jomsviking“ mit einem filmreifen Konzept.

bs. Wo Amon Amarth draufsteht, ist auch Amon Amarth drin. Das ist zunächst mal eine relativ plumpe Feststellung, birgt im Kern aber eine wunderbare Erkenntnis: Die schwedischen Viking Metaller sind eine der wenigen wirklich originellen Bands, die sich im Laufe der Zeit einen einzigartigen und originellen Sound geschmiedet hat. Dessen Wiedererkennungswert wird höchstens von AC/DC übertroffen. „Wir sind verdammt stolz darauf, die AC/DC des Viking Metal zu sein“, lacht Johan Söderberg, seit 1998 der Mann für die unvergleichlichen Gitarrenriffs. „Es gibt doch nichts Besseres, als wenn man ein Amon-Amarth-Album auch sofort als solches erkennt.“ Recht hat er. Dennoch muss erwähnt werden, dass im Grunde keine zwei Platten gleich klingen. Sicher, es sind mitunter subtile Unterschiede. Präsent sind sie aber eben dennoch. Auf „Jomsviking“ zeigt sich das unter anderem am erhöhten Heavy-Metal-Anteil – bei gleichbleibend hoher Hymnenbefeuerung, wohlgemerkt. „In der Vergangenheit sahen wir uns eher als Death-Metal-Band und achteten darauf, uns auch diesem Dunstkreis entsprechend zu verhalten“, blickt der Hauptkomponist zurück. „Das ist aber lange vorbei. Unsere größten Helden sind Bands wie Iron Maiden und Accept, und wir versuchen schon lang nicht mehr, das zu verheimlichen. Wir schreiben die Musik, die wir auch selbst hören würden.“ Natürlich wäre es gewöhnungsbedürftig, Oberwikinger Johan

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Hegg nicht mehr kolossal grollen, sondern hoch trällernd zu hören. Dazu wird es aber höchstwahrscheinlich eh nicht kommen, meint Söderberg lachend. Ob Death Metal oder Heavy Metal, ob Grunts oder hohe Schreie: Was Amon Amarth auch tun, wird von gewaltigen Heerscharen an Fans geliebt. Weil eine erfolgreiche Band wie Amon Amarth aber eben auch viele Hater, Neider und Kritiker hat, griffen die Schweden im Vorfeld der „Jomsviking“-Veröffentlichung tief in die Trickkiste und enttarnten all diese schwachbrüstigen InternetQuerulanten in ihrem brüllend komischen „Keyboard Warrior“Video. „Für gewöhnlich lese ich gar nichts, was irgendjemand irgendwo kommentiert, und wenn doch, dann bringt es mich eigentlich nur zum Lachen“, äußert sich Söderberg zur regelmäßig aufflammenden Kritik an seiner Band. „Ich weiß ja, dass es dort draußen unzählige Menschen gibt, die mögen, was wir tun, also fühle ich mich durch den einen oder anderen negativen Beitrag keinesfalls gestört. So wütend wie in diesem Video“, fügt er grinsend an, „wird zumindest niemand von uns.“ Dass es großes Glück ist, dass Bands wie Amon Amarth seit fast 20 Jahren qualitativ und quantitativ Maßarbeit abliefern, beweist auch „Jomsviking“. Sicher kann man den Ruf nach mehr Weiterentwicklung bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen; es ist ja aber nun mal so, dass dieselben Menschen sofort schreien würden, wenn Amon Amarth


plötzlich einen auf Metalcore oder gar Rock machen würden. Die Schweden sind langhaarige und bärtige Schuster, die erkannt haben, dass ihre Leisten zu den besten, epischsten und massivsten im Geschäft gehören – und mit Freuden dabei bleiben. Fans werden dennoch mit frischen Ideen und neuen Impulsen versorgt: Das zehnte Studioalbum ist das erste Konzeptwerk der Bandgeschichte. „Der Plan, ein Konzeptalbum zu machen, stand sehr bald nach dem letzten Album fest“, verrät der Axtschwinger. „Dafür schrieb Johan ein Drehbuch, aus dem er anschließend die Geschichte des Albums schmiedete. Anschließend machten wir uns als Band an die Musik.“ Die ist immer ein hartes Stück Arbeit, weiß er zu berichten: „Neue Songs zu schreiben, das ist bei uns stets ein sehr aufreibender Prozess, der eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. Meine Parts an „Jomsviking“ kosteten mich beispielsweise neun Monate – und damit meine ich neun Monate, in denen ich praktisch rund um die Uhr daran gearbeitet habe.“ Im Gegensatz zu anderen Bands, die in jeder Lebenslage komponieren und auch mal auf Tournee ein komplettes Album schreiben, benötigen Amon Amarth viel Ruhe und vollkommene Konzentration. „Ich brauche die Gewissheit, dass ich jetzt einfach meine Ruhe und genügend Zeit habe“, nickt Söderberg. „Ich habe ein Studio zuhause, in dem ich mehr oder weniger einem normalen 9-to-5-Job nachgehe“, erklärt er. „Ich wache auf, spiele ein bisschen Gitarre, wärme mich auf und gehe dann an die Songwriting-Arbeit. Wie ein Schreiner, würde ich sagen.“ Nur so kann sie also gewährleistet werden, die „perfekte Balance aus großen Melodien, Eingängigkeit und einem brutalen Sound“, wie der Gitarrist es nennt. In gewisser Weise kann man sich Amon

AMON AMARTH Jomsviking Columbia/Sony

bs. Mächtig, mächtiger, Amon Amarth. Auch nach 20 Jahren in Diensten der nordischen Götter sind die schwedischen Viking Death Metaller die unangefochtene Nummer Eins in ihrem Metier. Das kommt nicht von ungefähr und ist auch auf „Jomsviking“ mit Schweiß, Blut und Tränen erkauft. Die Vorzeigewikinger nehmen ihr Tagwerk sehr ernst, gruben sich monatelang im Studio ein, um dieses Bündel mythologischer Überhymnen zu schnüren. Erstmals in der Geschichte der Band als Konzeptwerk angelegt, erzählt „Jomsviking“ mit furioser Wucht von den titelgebenden Söldnern, denen nur die härtesten Kerle beitreten konnten. Perfekter Stoff für ein episches Album wie dieses, das schon mit den Opener „First Kill“ die Hymnenlatte verdammt hoch ansetzt und in der Folge nicht mehr unterschreitet. Album zehn ist ein tonnenschwerer, epischer, erhabener Monolith zwischen klassischem Heavy Metal und nordischem Death Metal, versehen mit spektakulären Melodien, großen Refrains und Gastsängerin Doro im dramatischen „A Dream That Cannot Be“. Wie bereits gesagt: Mächtig, mächtiger, Amon Amarth.

Amarth als gewaltige schwedische Hymnenmaschinerie mit Trinkhörnern vorstellen, eine verschworene Gemeinschaft, die bis zum Ausstieg des Schlagzeuger Fredrik Anderssons vergangenes Jahr seit der Gründung in nahezu unveränderter Besetzung spielte. Das passt natürlich wie die Faust aufs Auge zum Hintergrund des Albums, der dem Söldnerverbund der Jomswikinger nachspürt. „Um ein Mitglied dieser verschworenen Einheit zu werden, musste man viele harte Prüfungen bestehen – eine Art nordisches Gegenstück zur französischen Fremdenlegion vielleicht.“ Und ein Spiegel der strengen Bedingungen, die Amon Amarth an ihren nächsten Drummer stellen werden. „Vielleicht“, gibt Söderberg lachend zu. Bis es soweit ist, werden sich die Armeen an treu ergebenen Amon-Amarth-Fans mit Freuden der filmreifen Geschichte hinter „Jomsviking“ hingeben. Die ist nämlich viel mehr als ein vertonter Wikipedia-Artikel, wie er verlauten lässt: „Das Album erzählt die Geschichte eines Mannes, dessen Geliebte entführt wird. Beim Versuch, sie zu befreien, tötet er versehentlich die rechte Hand des Königs, muss aus seinem Dorf fliehen und stößt zufällig auf die Jomswikinger. Es geht also weniger um die Historie dieses Stammes und vielmehr um die persönliche Geschichte unseres Helden. Die hat natürlich eine Menge mit Rache zu tun und wird auch nicht gut enden. Vor allem für unseren Hauptcharakter.“ Der, soviel verrät der Schwede, wird das blutige Finale des Albums nicht überleben. „Etwas anderes kam für uns nicht in Frage. Wir stehen einfach nicht auf Happy-Ends!“ Wer hätte das gedacht? Live 10. Juni 2016 Greenfield Festival


Klartext vom Chef

ip. Destruction und Thrash Metal aus Deutschland sind Synonyme. Seit 1982 setzt das Trio aus dem beschaulichen und pittoresken Markgräflerland Massstäbe, was auf den Punkt gebrachte Härte und Virtuosität angeht. „Under Attack“ heisst der neueste Angriff auf die Nackenmuskeln und wird bei Fans einerseits füttern, was sie von Destruction erwarten dürfen, andererseits aber auch einige Überraschungen auslösen. Frontmann Schmier, der gewohnt eloquente Gesprächspartner, gibt in einem äusserst angeregten Gespräch Auskunft über das neue Album, aber vor allem auch einen Einblick in seinen Textbaukasten. Dazu teilt er, ohne Blatt vor dem Mund, seine Ansichten über die aktuelle Weltpolitik oder Internetmobbing und zeigt damit, dass er nicht dem Klischee des unnahbaren Rockstars entspricht, sondern eine mitdenkende und fürsorgliche Seite hat, die man nicht nur zwischen den Zeilen suchen muss. Das Gespräch leitet er gleich selbst ein, indem er auf den Text des ersten veröffentlichten Videos verweist. Nachrichten verfolgt habe und wir beide nur noch den Kopf Schmier: Der Text, der auf „Under Attack“ heraussticht, ist schütteln konnten. Sie hat nach einem Beitrag „We're getting „Second To None“. Das ist unser erstes Lyricvideo geworden und used to the evil“ gesagt. Ich fand den Satz als Songtitel so gut, handelt von der Stalkerproblematik. Das geht uns ja mittlerweile dass ich direkt einen Song dazu geschrieben habe. Die alle etwas an, denn jeder ist im Internet unterwegs und jeder Verrohung der Gesellschaft ist allgegenwärtig. Als Kind der 80er wurde wohl auch schon mal auf Facebook genervt oder Jahre weiss ich noch, dass es einen Riesenaufschrei gab, wenn angepöbelt. Diese Unart nimmt überall zu und die Mobberei ist im Fernsehen irgendwo ein nackter Busen zu sehen war. Am mittlerweile so verbreitet, dass man davon sogar schon in den nächsten Tag stand das gross in der Bild-Zeitung und man hatte Nachrichten hört. Auch an Bands geht das nicht spurlos vorbei. einen handfesten Skandal. Mittlerweile bekommst du alleine Von den ganzen Internetportalen ist vor allem Youtube ein auf den ganzen Pornoportalen umsonst die abartigsten richtiger Hasskanal geworden. Filmchen zu sehen. Auch daran merkt man, wie weit die Keith Emerson hat sich, laut seiner Freundin, aus diesem Verrohung fortgeschritten ist. Grund vor kurzem das Leben genommen. (Anm.: Der Die TV-Nachrichtenredaktionen haben sich lange, und leider Keyboarder der legendären Prog Rock Band Emerson, Lake & nicht mehr, sehr streng an den Pressekodex gehalten und Palmer konnte in den letzten Jahren aufgrund einer keine Toten gezeigt. chronischen Nervenerkrankung seine rechte Hand nur noch Das macht man ja eigentlich auch nicht. Ich bekomme bedingt benutzen. Live spielte er deshalb mit der mittlerweile Nachrichten auf Facebook von Leuten, die mir Unterstützung eines zweiten Keyboarders, was im Internet irgendwelche Erschiessungsvideos aus dem Nahen Osten mit teilweise sehr boshaften Bemerkungen kommentiert schicken. Ich will das nicht sehen! wurde. Emerson litt sehr an seiner Einschränkung und nahm Was kannst du zu meinem persönlichen Favoriten „Elegant sich diese Beiträge so sehr zu Herzen, dass dies zusammen Pigs“ sagen? mit der Depression über die Krankheit zu seinem In dem Song geht es um die ganzen Playback-Bands, die auch selbstgewählten Tod führte.) bei uns im Metal Einzug gehalten haben. Es geht um die Ehre, Genau. Er wollte nicht mehr von den „Fans“ ausgelacht werden. dass man als Rock'n'Roll-Band keine Sounds aus der Konserve Der Mann hat Rockgeschichte geschrieben und so viele auf der Bühne benutzt. Bei den Popbands wusste man immer, Menschen glücklich gemacht! Und am Ende seiner Karriere wird dass die Playback auftreten und nicht live spielen. Mittlerweile er im Internet gemobbt und bringt sich um. Das muss man sich ist das aber auch in unserem Genre mal vorstellen! angekommen. Der Spiegel der Was für Gesellschaft hat auch vor dem Metal nicht Arschlöcher es «Bei den Franzosen fühlen wir mit, aber Halt gemacht. Musiker betrügen mit auf der Welt gibt. bei den Türken nicht mehr? Da wird mir schlecht.» Backing-Tracks, Gesänge und Instrumente Und denen ist kommen bei Konzerten teilweise komplett nicht mal bewusst, was sie damit anrichten. Sie denunzieren Menschen vom Band. Teilweise laufen die kompletten Songs von der CD online und denken sich nichts dabei, sondern wollen einfach nur und die Band spielt dazu. Der Tontechniker mischt den Sound eine grosse Fresse haben und meinen, da passiert ja sowieso dann so zurecht, dass es fürs Publikum nach was klingt. Wenn nichts. Mit „Second To None“ schimpfen wir jetzt zurück. die Band dann nach zwei Songs mies klingt, wird das, was die Worum geht es in „Getting Used To The Evil“? Band live spielt, halt in den Hintergrund gemischt. Der Song erzählt davon, dass man sich dabei ertappt, sich Als Musiker fällt einem das auf, der Grossteil des Publikums irgendwann an alles zu gewöhnen. Vor allem an die Brutalität in merkt dieses Geschummel aber nicht. der Welt. Die Nachrichten lassen einen langsam kalt. Man hört Es wird auch in den Magazinen nicht angesprochen! Ich finde, so oft, dass hier 30 Leute getötet wurden, da noch mal 60, dann die Redaktionen hätten die Pflicht, das anzusprechen und publik wird irgendwo geputscht und jemand erschossen. Das ist zu machen. Es wird aber einfach unter den Tisch gekehrt. In den interessant: Alle kennen das Massaker von Charlie Hebdo, und einschlägigen Metalmagazinen wird das hie und da mal am alle sind plötzlich „Paris“. Aber wer war vor kurzem Ankara? Rande kritisiert, richtig zur Sprache kommt das aber nie. Ich Keiner. verstehe schon, dass die Plattenfirmen, und damit auch ihre Und warum? Bands, die Magazine durch Anzeigen unterstützen. Aber es gibt Es waren Türken. so viele Fanzines, die sich damit brüsten, wie unabhängig sie Genau! Wie arm ist das denn für unsere Gesellschaft, sind. Auch da passiert nichts. Wie auch immer, die Playbackbitteschön? Bei den Franzosen fühlen wir mit, aber bei den Sache ist ein trauriges Phänomen und hat im Rock'n'Roll nichts Türken nicht mehr? Da wird mir schlecht. Der Text zu „Getting zu suchen. Solche Bands sollte man benennen und deutlich Used To The Evil“ ist entstanden, als ich mit meiner Freundin die sagen, dass die nicht live spielen, damit das Publikum sich nicht

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verarschen lassen muss. Allerdings ist auch der Metal schon zu sehr vom Mainstream verwässert. Wenn man sich heutzutage ansieht, was als Rock oder Metal vermarktet wird, kommt mir das Kotzen. Du hast mit Destruction schon immer den Finger in die gesellschaftlichen Wunden gedrückt. „Under Attack“ ist kurz vor dem Wahldebakel in Deutschland und dem damit verbundenen AfD-Gau fertig geworden. Wie würdest du den momentanen Stand der deutschen Politik deuten, wenn du noch einen Song auf die Platte packen könntest? Es ist ja nicht nur die deutsche Politik. Guck in die Schweiz, guck nach Ungarn, egal wohin. Es ist überall fürchterlich. Rechtsruck, Protestwähler und so weiter. Machen wir uns nichts vor: Der Normalbürger hat von Politik oft keine grosse Ahnung. Er sieht nur, dass irgendwas grade schiefläuft und wählt dann halt den nächsten Dreck. Die AfD hat sich deshalb so in den Mittelpunkt gerückt, und wurde übrigens auch von der Presse gepusht, dass die Protestwähler dafür gestimmt haben. Ich frage aber auch: Was soll man denn wählen? Ich habe mich an der letzten Wahl nicht beteiligt, weil ich von den ganzen Parteien keine wählen kann. Die sind alle Scheisse. Warum machen wir denn nicht alle mal eine Protestwahl? Es gibt ja diesen Artikel, dass wenn die Beteiligung unter 40 Prozent liegt, die Wahl gar nicht gültig ist. Man müsste

Grundsätzlich ist das Schreiben der Texte für mich immer Therapie. Sie klingen zwar negativ, sind es aber nicht durchgehend. Da ist zwischendurch ein Augenzwinkern drin und auch wenn ich keine Lösungen präsentieren kann, ist mir der Aspekt des Hinterfragens wichtig. Man sollte sich selber und das grosse Ganze immer wieder hinterfragen. „Stigmatized“ auf „Under Attack“ handelt davon, von der Gesellschaft nicht akzeptiert zu werden. Menschen, die gemobbt werden, landen ja oft in einer Spirale aus Depression und Burn Out, was bis zum Selbstmord führen kann. Ich habe versucht, dieses Thema aus einem positiveren Blickwinkel zu betrachten. Was die Aufnahmen angeht: Die waren dieses Mal sehr angenehm. Wir haben in Etappen aufgenommen und sind zwischen den Touren ins Studio gegangen. Das hat den Stress reduziert. Eigentlich wäre das der beste Weg, aber im Normalfall arbeitet man ja nicht so. Es sei denn, man hat selber ein Studio. Für mich waren diese Aufnahmen eine gute Erfahrung und auf jeden Fall die angenehmsten, die wir je hatten. Indem du stückweise aufnimmst, hast du immer Demos von den Songs und kannst im Nachhinein Dinge verändern und bearbeiten, die dir nicht mehr so gut gefallen. Der Abstand zwischen den Songs tut der Sichtweise gut. Wenn du die Platte während eines

«Musiker betrügen mit Backing-Tracks, Gesänge und Instrumente kommen bei Konzerten teilweise komplett vom Band.»

einzigen Studioaufenthalt es aufnimmst, dann fehlt dieser

grundsätzlich was ändern, indem man zum Beispiel gar nicht zur Abstand. Wahl geht. Als ich 18 war, habe ich angefangen zu wählen und für Für die Schlagzeugaufnahmen seid ihr nach Köln gefahren? die Sozialisten gestimmt. Ich habe aber dann auch schnell Ja, nach Troisdorf bei Köln. Das hat ein Kumpel von uns gemerkt, dass sich überhaupt nichts änderte und das es sogar gemacht, Martin Buchwalter, der selber auch Drummer ist und noch schlimmer wurde, als die Sozialdemokraten in die einen entsprechend guten Schlagzeugraum im Studio hat. Regierung kamen. Die Grünen fand ich auch mal gut. Aber Vaaver (Destruction Drummer) arbeitet sehr gerne mit ihm, weil mittlerweile ist das alles nur noch übel. Es passiert genau nichts. die beiden sich gegenseitig gut coachen können. Das ist für mich Die Frage ist: Hat die Politik überhaupt noch einen Draht zu den sehr entspannend, weil ich nicht die ganze Zeit angespannt Menschen? Ich glaube, dass das schon lange nicht mehr der Fall zuhören und aufpassen muss. Das dient der guten Atmosphäre, ist. die wiederum zu einer guten Platte führt. Unter Anspannung und Die AfD hat mit ihrer Wortwahl allerdings offensichtlich einen Stress kann keine gute Platte entstehen. Nerv bei vielen Menschen getroffen. Habt ihr wieder Gäste für den einen oder anderen Track Naja, man darf sich nicht darüber wundern, wenn Merkel halb eingeladen? Afrika zu uns einlädt und die Leute hier merken, dass den V.O. Pulver von GurD/Poltergeist, der ja auch für einen Teil der Fremden geholfen wird, während es den Einheimischen schlecht Recordings verantwortlich ist, hat zwei Soli eingespielt. Dann ist geht. Im Osten ist die Arbeitslosigkeit extrem hoch, die Städte Damir Eskic von den Schweizer Metallern Gonoreas mit dabei, verlodern, die Menschen wandern ab. Die logische Folgerung ist, unser ehemaliger Gitarrist Harry hat etwas beigesteuert und dass die Leute AfD wählen. Wenn es zusätzlich noch mit der Schmuddel, mit dem ich bei Headhunter gespielt habe, hat Bildung hapert, dann ist der Blickwinkel: „Bei uns geht alles vor ebenfalls zwei Soli beigetragen. Er kam neulich zu einem unserer die Hunde, aber den Fremden wird geholfen“. Das ist schlechte Konzerte, wir hatten uns Jahre nicht gesehen, und meinte: „Ich Bildung vermischt mit Propaganda und Verzweiflung. Da macht möchte ein einziges Mal ein Solo auf einer Destruction-Platte die Regierung grundlegend etwas falsch. spielen“. Daraufhin haben wir ihn eingeladen und dann im Auch das ist nicht deutschlandspezifisch. Studio gut gefeiert (lacht). An dem Tag hatten wir Nein, das ist überall das gleiche. Guck nach Amerika, da ist ununterbrochen an anderen Dingen gearbeitet, Drums, Backing Vocals, dann wieder was ausgetauscht, aber kein Solo Donald Trump, dieser Flegel, dieser Wahnsinnige! Was meinst du, aufgenommen. Abends um elf, nach dreizehn Bier, musste er was da abgeht, wenn der Präsident wird. Die Clinton geht ja auch dann sein Solo spielen (lacht). Wir haben uns das am nächsten nicht, aber trotzdem kann man nur hoffen, dass die das Rennen macht. Es ist schon traurig zu sehen, dass die Politik weltweit am Ende ist. Guck nach Brasilien, da waren Millionen auf der Strasse, um gegen ihre Präsidentin zu «Wenn man sich heutzutage ansieht, was als Rock oder Metal protestieren, die in korrupte Geschäfte verwickelt ist. Die Menschen sind unzufrieden. Man bewegt vermarktet wird, kommt mir das Kotzen.» sich zurück, statt nach vorne. In Europa hatten wir jetzt lange Frieden und man dachte, man sei auf dem richtigen Weg. Das wurde aber alles wieder kaputtgetreten. Die europäische Union fällt auseinander wegen dieser Flüchtlingskrise. Das ist traurig. Allerdings gibt dir das unendlich viel Stoff für die nächsten Alben. Mir wäre es lieber, wenn ich nicht so viel Stoff für neue Songs kriegen würde. Ich habe einige Dinge früher schon in meinen Texten vorausgeahnt. Viele Leute haben dann gesagt: „Das ist doch alles gar nicht so schlimm“. Aber nicht alles passiert von heute auf morgen, sondern es bahnt sich an. Gewisse Sachen brauchen halt zehn oder fünfzehn Jahre, bis der Schlamassel richtig ordentlich wird. Und jetzt haben wir diesen Schlamassel. Daran, dass so viele Menschen aus den Kriegsgebieten flüchten, haben auch die USA und Russland einen gehörigen Anteil. Weltpolitik, Öl, Waffen, darum geht es immer wieder. Um dem Gespräch wieder einen etwas positiveren Aspekt zu geben: Was war für dich ein Highlight bei den Aufnahmen?

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Tag noch mal angehört und ihm allen Respekt für seine dem Zustand entsprechend erstaunliche Leistung gezollt! Dann kann er ja was, das ist doch gut (Gelächter). Er ist ein Instinktspieler und kann auch mit drei Promille noch ein geiles Solo spielen. Das ist dann vielleicht nicht mehr so filigran (lacht), aber es hat immer noch Feeling. Das hat er im Blut. Zwischen all den Touren, Konzerten und den Plattenaufnahmen hast du eine Schweizer All Girl Metalband gecoacht, die Burning Witches. Ja, sehr empfehlenswert für alle Hardrock oder Melodic Heavy Metal Fans! Ich finde das total bemerkenswert, wenn junge Mädels harte Musik spielen, diesen 80er Spirit weiter verkörpern, gute, solide Songs schreiben und eine eigene Identität suchen. Es ist zwar alles schon einmal da gewesen, aber trotzdem haben die Mädels ein eigenes Flair und einen eigenen Stil. Grade in dieser Zeit, wo so viele Metalbands nicht mehr so echt sind, wie das in diesem Genre sein sollte, fand ich die Burning Witches


richtig schön pur und interessant. Es gibt ja auch nicht viele gute Frauenbands im Metal. Ich habe die Promophase der Burning Witches auf Blabbermouth (Online Nachrichtenmagazin für Rock und Metal) verfolgt und da standen dann so Kommentare wie „Warum muss man extra anmerken, dass das eine All Female Band ist? Ist das wichtig?“. Ja, natürlich ist das wichtig, weil es eben nicht viele Frauenbands in unserem Genre gibt! Die paar wenigen sind meistens nicht überragend. Nichts gegen Metalmusikerinnen, aber es gibt einfach nicht viele gute Frauenbands. Wenn die Burning Witches aber so weitermachen, wie sie jetzt gestartet sind, kann das eine echt gute Karriere werden. Es ist nach wie vor nicht immer ganz einfach für Frauenbands. Weil man sich immer anzickt (Gelächter). Ja, das auch. Dann kommt noch die Akzeptanz dazu. Ich habe Machosprüche gehört, von Plattenfirmen und bekannten Konzertagenturen, denen ich die Songs von den Burning Witches angeboten habe, da fällt dir nichts mehr zu ein. Ich habe mich in dem Moment geschämt, ein Mann zu sein. Und so was im Jahr 2016. Man denkt immer, die Emanzipation wäre weit fortgeschritten, aber im Metal und Hardrock ist das noch nicht so angekommen. Es gibt zwar die Female Fronted Bands, vor allem im Symphonic Metal, aber Rock'n'Roll-Gruppen wie Crucified Barbara kannst du an einer Hand abzählen. Stimmt. Andererseits scheint es unter Frauen aber auch nicht wahnsinnig populär zu sein, ein Instrument spielen zu wollen. Das ist komischerweise in Amerika anders. Guck dir nur mal Nita Strauss an, die bei Alice Cooper Gitarre spielt, die ist richtig gut. Oder Courtney Cox von den Iron Maidens, eine grossartige Gitarristin. Aber Amerika ist eben auch riesig und der Rock'n'Roll hat einen ganz anderen Stand als hier. Europa ist wesentlich konservativer. In Südamerika gibt es übrigens auch einige Frauenbands, da hat sich etwas getan. Nervosa ist eine Thrashband aus Brasilien, die mittlerweile ziemlich bekannt ist. Wenn wir in Südamerika unterwegs sind, dann kommen ab und zu Musikerinnen, die mir ihre Demos oder CDs in die Hand drücken. Aber Europa ist leider immer noch ein bisschen lau.

DESTRUCTION Under Attack Nuclear Blast ip. Wer sich „Under Attack“ zulegt, der bekommt eine gute Dreiviertelstunde Adrenalin und hochgradigen Thrash mit Gütesiegel geboten. Und da auch die süddeutsche Kultband keine Zeit mit Geplänkel verliert, sondern direkt loslegt, machen wir das mit dieser Review auch: Der Titeltrack fühlt sich an wie eine dreifach beschleunigte Achterbahnfahrt und dass auf den gut sechs Minuten nur im Intro an Tempo gespart wird, dürfte jedem Thrashmetalfan ein fettes Grinsen ins Gesicht meisseln. Ab und an fragt man sich auch kopfschüttelnd, wie um alles in der Welt Schlagzeuger Vaaver solche Breaks und Fills hinbekommt. In dieselbe Kerbe schlägt Song Nummer zwei „Generation Nevermore“, der ebenfalls in einem Affenzahn durchs Gehör rast. Den Solopart teilen sich Damir Eskic (Gonoreas) und Mitproduzent/GurD-Frontmann V.O. Pulver mit Destructions Saitenkünstler Mike, der für das Trio nach wie vor die Trademark-Gitarrenläufe ausrollt, die die deutsche Thrashlegende so unverwechselbar machen. Neben den grossartigen Krachern, zu denen sich auch „Dethroned“, „Conductor Of The Void“ mit genialem Stop-and-

Go-Riff oder „Stigmatized“, ein klassischer DestructionKnaller, gesellen, hat „Under Attack“ aber auch die eine oder andere Überraschung zu bieten. „Gettin Used To The Evil“ beispielsweise ist wohl einer der langsamsten und damit groovigsten Songs der Bandgeschichte. Die Reduktion auf Wucht steht dem Dreier ausgesprochen gut und bringt ausserdem interessante Dynamik in das mittlerweile vierzehnte Album der Badener. Auf einer Platte, die keine Schwächen zeigt, ein Highlight zu benennen, ist an sich obsolet. Wenn überhaupt, dann geht es eigentlich nur darum, einen favorisierten Song oder Gitarrenlauf auszumachen. Auf „Under Attack“ findet sich dieses Goldstückchen in Form von „Elegant Pigs“, einer straighten Fräsmaschine mit ur-klassischem Destruction-Riff. Ohne Schnörkel, gradeaus, dreikommafünf Minuten lang, zack-bumm, so geht das. Schützenhilfe am Mikrofon bekommt Schmier im Track „Black Metal“ von Alex Camargo, der ansonsten bei den Brasilianern Krisiun singt. Und mit „Thrash Attack“ ist ein altbekannter Liebling aus dem Jahr 1985, respektive vom Debut „Infernal Overkill“, vorhanden. Das Instrumental wurde neu aufgenommen und findet Platz als würdiger Schlusspunkt auf „Under Attack“. Destruction sind Fachmänner mit Auszeichnung und aus diesem Grund gibt es für „Under Attack“ gebührende Anerkennung für nahtlos ausgeführtes Handwerk und die volle Punktzahl.

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bs. Aus „Eros“ wurde „Gore“. Die Liebe verkehrte sich in ein Blutbad – ein mehr als nur symbolischer Titel, den sich die Deftones für ihr neues Album ausgesucht haben. Und ein alles andere als willkürlich gewählter. Die Band hat schwere Zeiten hinter sich, stand mehr als einmal am Abgrund. Nachdem der langjährige Bassist Chi Cheng 2008 nach einem schweren Autounfall ins Koma fiel, veröffentlichten die kalifornischen NuMetal-Pioniere zwar noch zwei Alben und tourten mit ihnen um die Welt. Es war dennoch eine andere, eine merklich geschädigte Band, die da auf der Bühne stand. 2013 verstarb Cheng, als Konsequenz wurde das lange angekündigte neue Album „Eros“ erst mal ad acta gelegt. Dafür melden sich die Ausnahmerocker jetzt mit „Gore“ zurück und signalisieren schon mit dem Titel, dass dunkle Tage hinter ihnen liegen. Und gleichzeitig, dass sie nach vorne schauen, sich davon nicht unterkriegen lassen. „Es war die schwerste Phase der Bandgeschichte“, gibt Schlagzeuger Abe Cunningham offen

zu. „Wenige Bands, die ich kenne, sind eine so verschworene und unzertrennliche Gemeinschaft wie die Deftones. Ist jemand nicht mehr da, hinterlässt er eine riesige Lücke.“ In der Tat waren die Deftones-Kernmitglieder Chino Moreno, Stephen Carpenter, Abe Cunningham und Chi Cheng seit 1988 ein Team, manövrierten ihre Band von den Underdogs zu einer der visionärsten und wichtigsten Alternative-Metal-Bands der Neunziger. „Wenn du so lange zusammen spielst, kannst du nur schwer ersetzt werden“, so Cunningham weiter. „Deshalb ist Chi auch sehr präsent auf „Eros“. Nicht an seinem Instrument, aber in uns allen.“ Ihm und dem Rest der Band wird der Basser als lebenslustiger, charismatischer und genialer Wirrkopf in Erinnerung bleiben, der die Band maßgeblich geprägt hat. Der Neustart mit „Gore“ geht mit einer Neujustierung bewährter Bandmethoden einher. Wo sich die Deftones früher so lange im Studio einschlossen, bis das Album fertig war, gestand man sich diesmal deutlich mehr Zeit zu. „Wir trafen uns und arbeiteten für einige Wochen, dann gingen wir wieder

Es ist eines der meist erwarteten Alben des Jahres. Mit „Gore“ brechen die Deftones ihr vierjähriges Schweigen und lassen die dunklen Zeiten mit einem gewohnt ambitionierten Alt-Metal-Meisterwerk endgültig hinter sich zurück.

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getrennte Wege, ließen das Material eine Weile arbeiten und trafen uns dann wieder.“ Als im Vorfeld der Albumveröffentlichung bekannt wurde, dass Stephen Carpenter mit der musikalischen Ausrichtung des neuen Materials alles andere als einverstanden war, brodelte die Gerüchteküche im Internet sofort auf Hochtouren. Für Cunningham ist das ganz normal. „Wir sind fünf Menschen mit fünf starken Meinungen“, winkt er ab. „Es ist doch völlig normal, dass nicht immer alle einverstanden sind mit dem, was wir tun. Das Wichtige ist doch, das zu erkennen und daran zu arbeiten.“ Das haben sie offensichtlich erfolgreich getan, mittlerweile ist auch Carpenter besänftigt. „So haben wir die Dinge in dieser Band immer geregelt. Wir sprechen miteinander.“ Das ist nicht die Regel für eine Band dieser Größenordnung. Doch die Deftones sind eben nicht wie andere Bands, das bewiesen sie in ihrer bald 30-jährigen Karriere oft genug. Schon damals eine andere Liga als die meisten modernen Metal-Truppen, schon immer Meister darin, feingliedrige Emotionen in knurrige Riffs zu hüllen, liefern sie auch mit „Gore“ ein wütendes Album im Schlafrock, ein Werk, das dir an die Kehle will und dir

gleichzeitig den Kopf streichelt. „Ja, das scheint unsere Masche zu sein“, gibt der Drummer lachend zu. „Ich denke mal, das ist die logische Konsequenz aus einem Raum voller Typen, die alle etwas auf dem Herzen haben.“ Wie zuletzt auf „Saturday Night Wrist“, das 2006 Chino Morenos Drogenprobleme und zerrüttete Ehe kanalisierte und so eine kathartische Erfahrung ermöglichte, ist auch „Gore“ voll von den Geistern der Vergangenheit. Nicht, dass man das unbedingt merkt, wenn man Chinos Texte liest. „Stimmt“, meint Cunningham und schmunzelt, „auch ich habe oft keine Ahnung, was er da eigentlich meint. Er malt Bilder mit seinen Worten, und genau das versuchen wir auch mit der Musik.“ Auch das achte Studioalbum der einflussreichen Band ist ein wandelnder Widerspruch zwischen schön und hässlich, zwischen sanft und brutal. „Mir gefallen diese Widersprüche. Du weißt nie genau, was dich bei einem Deftones-Album erwartet. Ich bin sehr froh, dass wir uns diesen Status erarbeitet haben.“ Diese Freude ist „Gore“ anzuhören. Das Album sprüht vor Ideen und vor Energie, macht nach zuletzt träumerischen und schwebenden Zwischentönen auch wieder vermehrt Druck. Dafür können wir doch gut auf „Eros“ verzichten.

LIVE 8. Juni 2016 Greenfield Festival


Manillio, wie kam es zu diesem Albumtitel? Kryptonit ist Supermans Achillesferse. Ein fiktives Mineral seines Heimatplaneten, wogegen er absolut machtlos ist. Und ein schönes Bild für unsere eigene Vergänglichkeit: Gegen die Zeit kommen wir nicht an. Wehmütig berichtest Du von Deinen Helden, die langsam alt werden. Wie hiessen Deine Vorbilder? Greis ist der Fixstern. Für mich ist er der beste Mundartrapper der Schweiz. Sein erstes Soloalbum „Eis“ von 2003 war technisch stark und hatte grossen Einfluss auf mich. Hast Du Dich auch schon beim Erzählen von „ausgeschmückten Räubergeschichten“ aus den „guten alten Zeiten“ ertappt? Ja, schon. Doch mein Umfeld ist farbig und bunt durchmischt und inspiriert mich jeden Tag aufs Neue. So bleibe ich immer in Bewegung. Das klingt zuversichtlich... Ich bin grundsätzlich sehr optimistisch. Derzeit läuft alles rund. Seit drei Jahren kann ich nun von der Musik leben. Natürlich weiss ich nicht, was alles noch auf mich zukommen wird, das ist klar. Der Sicherheitsgedanke wird dir schlichtweg mit auf den Weg gegeben, wenn du in einem Schweizer Haushalt aufgewachsen bist. Wer keine klar definierte Karriere-Planung für die nächsten 5 Jahre präsentieren kann, ist beinahe ein Freak... Dennoch fühle ich mich sicher und gut aufgehoben. Ich habe gute Leute um mich herum. Selbst wenn es mit der Musik schief laufen sollte, wäre ich nicht verloren. Mir kann nichts passieren. Mein Umfeld trägt mich jederzeit. Ich glaube daran, dass es sich lohnt, ein guter und positiver Mensch zu sein, weil es letztendlich auf dich zurückfällt, wie du dich anderen gegenüber verhältst. Es fällt auf, dass auf „Kryptonit“ viele Gastmusiker zu hören sind. Diese Kollaboration ist normal im HipHop. Die RapSzene ist sehr brüderlich. Nicht ganz so selbstverständlich gestaltete sich hingegen die Zusammenarbeit mit Büne Huber. Zunächst mussten wir einander besser kennenlernen. Es verging einige Zeit, bis Büne mit „Sunny Side Up“ ankam. Der Titel wurde für das letztjährige Patent Ochsner-Album „Finitolavoro - Rimini Flashdown Part 3“ verwendet. „Aues Gloge“ auf meiner neuen Platte ist somit bereits der zweite Track, den ich mit Büne einspielte. Inzwischen verbindet uns eine schöne und gute Freundschaft. Als ich nach Zürich zog, habe ich Gülsha und Ugur von JOIZ kennengelernt, die im Videoclip zu „Monbijou“ zu sehen sind.

Ist mit „Monbijou“ der Berner Stadtteil gemeint? Nein. „Monbijou“ gefiel mir als Wort und ist mit „Mein Juwel“ zu übersetzen. Jeder Mensch braucht etwas, das ihm Halt gibt im Leben. Doch jeder entscheidet selbst: Viele mögen es, sich an Dingen wie Handys oder Hanteln festzuhalten, andere suchen Trost bei Freunden. Wann und wie hast Du den Rap entdeckt? Ursprünglich wollte ich DJ werden. Doch die Sprache liegt mir als Ausdrucksform. Vielleicht bin ich stark in Sprache weil mein Vater Journalist ist. Bereits als 13-Jähriger habe ich mich im Freestyling versucht. Zuhause habe ich damals Vinyl-Platten mit Instrumental-Versionen aufgelegt und dabei Texte frei improvisiert und alles mit einfachsten Mitteln aufgenommen. Als ein Freund professionelle Aufnahmen machte, durfte ich sein Gehilfe sein und traf den Produzenten des Solothurner Rappers Bensch. Dann nahm alles seinen Lauf… 2009 erschien Deine erste Platte „Jede Tag Superstar“. Genau, das war mein erstes offizielles Soloalbum. Ein Jahr zuvor hatte ich ein Mix-Tape veröffentlicht. Wie gehst Du an neue Stücke heran? Ich arbeite gerne konzeptionell. Will heissen, am Anfang mache ich mir Gedanken über die Kernaussage der Story. Was will ich aussagen? Wenn diese steht, baue ich den Text drum herum. Nur beim Titeltrack „Kryptonit“ bin ich diesmal anders vorgegangen. Da wusste ich lediglich, dass ich etwas über das Älterwerden erzählen und dabei die gängigen Klischees „YOLO“ oder „Live Fast – Die Young“ auf die Schippe nehmen wollte. Seit April bist Du auf CH-Tour. Wo und wie wirst Du noch auftreten? Wir werden diesen Sommer auch in Frauenfeld und am Gurten-Festival spielen. Auf der aktuellen Tournee werden wir auf eine musikalischere Variante mit echten Instrumenten (Schlagzeug, Bass, Gitarre und Piano) setzen und auf die Umsetzung mit DJ verzichten. Anfänglich gestaltete sich dies etwas schwierig, da die Songs im Studio mit Computern produziert wurden. Doch wir sind auf einem guten Weg. Der Punch wird nicht verloren gehen!


Grundsätzlich optimistisch

MANILLIO ub. Das neue Album des Mundartrappers Manillio ist die derzeit heisseste Neuerscheinung der CH-Szene. Früh fiel der Wahlzürcher durch musikalische Vielseitigkeit auf. Bereits das Debüt „Jede Tag Superstar“ zeigte den Rapper als nachdenklichen Poeten. Nach „Irgendwo“ von 2013 steht nun das dritte Werk „Kryptonit“ am Start. TRACKS sprach mit dem trefflichen Verseschmied.

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MANILLIO Kryptonit Universal Music

BASEMENTS SAINTS Get Ready Irascible hh. Mit den Solothurnern Basements Saints schickt die Schweiz die nächste Vintage-/Retrorocktruppe ins Rennen. Und das Trio bewegt sich auf gleich hohem Niveau wie die Landsleute von Sexy, Brainholz oder The Konnincks – was auf jeden Fall als grosses Kompliment zu verstehen ist. Musikalisch unterscheiden sich die Heiligen allerdings von vorgenannter „Konkurrenz“ dadurch, dass sie in ihren Songs wesentlich mehr Platz zu Jams und Improvisationen zulassen. Ausserdem ist der Verzicht auf einen Bassisten nicht alltäglich, fällt im Sound jedoch kaum bis gar nicht auf. Das Trio, bestehend aus den beiden Gitarristen Tobias Arn und Anton Delen, der auch den Gesang übernimmt, sowie Drummer Samual Taussi, spielt mit grosser Leidenschaft und Energie, lässt es richtig krachen und rocken und erinnert oft an die grossen Alten des psychedelischen Rocks wie Blue Cheer , Doors, Hot Tuna oder Jefferson Airplane. Aber auch in der frühen Szene Britanniens haben die Jungs gewildert und sich Inspirationen bei Bands wie Yardbirds oder Pretty Things geholt. Die Songs kommen treibend, lassen dabei Platz für ruhige Passagen, was für eine gesunde Dynamik sorgt. Das Album haben die Saints live im Studio eingespielt und dabei auf einen Produzenten verzichtet. „Get Ready“ ist ein gelungenes Debüt einer jungen, spannenden Band und ist jedem Retrorock-Fan dringlichst empfohlen. Allerdings muss auch gesagt werden, dass sich die Band hinsichtlich griffigerem Songwriting noch steigern kann (und sicher auch wird). Ein paar geilere Hooklines würden aus den guten Songs ausgesprochen sehr gute Songs machen. Da hätte ein guter Produzent sicher schon jetzt einiges mehr herausgeholt. Aber wie gesagt, es ist ein selbstgefertigtes Debüt-Album, es ist verdammt gut gelungen, macht mächtig Spass und ist ein grosses Versprechen an die Zukunft. Und vor allem macht „Get Ready“ mächtig Lust darauf, die Band live zu erleben. Da wird sicher ein Feuerwerk erster Güte gezündet.

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ub. Zu Beginn der Zehnerjahre schmorte der Gangsta -Rap in seinen eigenen Klischees und erstarrte musikalisch. Glücklicherweise hatte der HipHop unterdessen neue und vielfältigere Formen gefunden. Genre-Grösse Sido bewies, dass es funktionierte, als Erwachsener über erwachsene Themen zu rappen. So macht sich Wort-Akrobat Manillio Gedanken über die menschliche Vergänglichkeit und Supermans Waterloo steht dabei Pate für den Albumtitel. Der 28-jährige Solothurner Manuel Liniger alias Manillio unterhält mit reflektierten Lyrics und satten Beats. Als geschickter Mundartrapper schmiedet er schlaue Verse zum Nachdenken ohne absolute Wahrheiten zu predigen. Immer überlässt er dem Hörer seine eigene Deutung und stellt nebenbei fest, dass Betty Bossi keine Hilfe bietet, „wie me ohni feschte Job glych guet läbt“. Statements, die Kreativität und Denkfähigkeit offenbaren. Der beschwingte und eingängige Track „Monbijou“ zeichnet ein schönes Bild der Dinge, die den Menschen im Leben Halt geben. „808s & Härzchriesi“ ist eine Anspielung an Kanye Wests Album „808s & Heartbreak“ von 2008 mit dem Unterschied, dass ein „Härzchriesi“ eben ein Infarkt ist (der TR-808 ist ein Drum Computer). Auf Manillios brandneuem Werk wirken viele Gäste wie die Berner Rapper Tommy Vercetti (“Tinnitus”), Leduc (“<3”) und Baze („Öpfu Zimt Punsch“) sowie die Band Jeans for Jesus (“Looping”) mit. Last but not least enthält das Album mit “Aues Gloge” ein entspanntes Duett mit Büne Huber. Alles in Allem stellt die Platte eine hervorragend funktionierende Insel der Gelassenheit im hektischen Alltag dar. Grösstenteils produziert von Manillios Hausproduzenten Sir Jai und Ruck P, ist „Kryptonit” ein musikalisch und textlich substanzielles HipHop-Album und darüber hinaus Kraftquelle und Haltgeber für alle Fans der Mundartmusik.

THE FORMERS The Day We Get Started Ambulance Recordings/Irascible hef. Immer wieder spannend, Biografien von Newcomern zu lesen, die bereits ein breites Palmarès vorweisen können. Das Schweizer Indie-Quartett The Formers ist so eine Truppe. Positiv zuerst, dass schon mal das originelle

Cover anmacht, Tramschienen im prallen Sonnenuntergang, auf dem Fahrbahnmittelstreifen eine Frau mit langem Rock, das Gesicht unsichtbar. Ein bisschen Geheimnis macht zum Hören an, die Antennen schon mal auf positiv gestellt. Der erste Titel "Adrenaline" lässt dieses noch nicht richtig ausschütten, obwohl der Song ohrwurmig und originell arrangiert daherkommt, mit Chören und sattem Sound. Das zuerst noch etwas holprig klingende Englisch hebt sich nach den ersten Sätzen auf. Man spürt bereits beim zweiten Titel "Control" die Emotionen der Band zu ihrer Musik, das unbedingte Wollen, etwas Gutes hinzukriegen und den Kritiker zu überzeugen. Und tatsächlich hebt sich diese Musik vom Durchschnitt ab. Gefälliger Up-tempo-Pop/Rock, ohne Schnörkel und Firlefanz, einfach gut. Zum Schluss ein paar Fakten: Sie spielten letzten Silvester als erste Schweizer vor 500 000 Menschen vor dem Brandenburger Tor in Berlin, Drummer Ueli Spoerri rockte lange Jahre mit Russo und Hank Shizzoe, Sänger/Gitarrist Matthias Müller landete in den 1990er Jahren mit "Selfish" einen Top-10-Hit bei "Viva", der deutsche Bassist Roland Bergmann tourte mit seinen früheren Bands mit u.a. Deep Purple, Uriah Heep, Alice Cooper u.a. durch die Lande. Lukas Müller verdiente sich seine musikalischen Sporen in zahlreichen Punk-, Indie-, Crossover-, Hip-Hop- und JazzBands ab. Bei soviel Professionalität und Erfahrung konnte man ja eigentlich auch einiges erwarten. Die Quintessenz der Bio trifft ins Schwarze: "The Formers setzen sich mit ihren Vorbildern auseinander, die bei Depeche Mode anfangen und bei The Skype enden, um irgendwo dazwischen bei Interpol und Arctic Monkeys zu naschen."

THIERRY CONDOR So Close NiRo Music hef. Viertes Album des in der Schweiz lebenden Sängers mit deutsch-italienischen Wurzeln. Der renommierte Produzent Urs Wiesendanger hat in seinen Powerplay Studios in Maur ZH die elf Songs verschiedenster Autoren filigran arrangiert und produziert. Namen wie David Foster, Kenny Loggins, Tom Snow oder Jay Grauton unter den Komponisten lassen aufhorchen. Das ist Easy-Listening-Music im höheren Segment, keine FahrstuhlMusik also, sondern gepflegte Sounds zum Entschleunigen. Das meiste midtemp und Balladen, die an die Gefühle gehen. "Love Will Rise And Fall" hat Urs Wiesendanger bereits mit 16 Jahren geschrieben. Der Titel erinnert an Peter Cetera, den früheren Chicago-Sänger. Und so war der Song auch gedacht.


Wiiesendanger war inspiriert vom genialen Chicago-Album "17", und mit den ohrwurmigen Passagen und den fetzigen Bläsern ist dies der beste AlbumTrack. Überhaupt sollte Thierry Condor Balladen singen. Die wirken bei seiner hohen, filigranen und unverwechselbaren Stimme am besten.

BLUES MAX Kino Sound Service hef. Max Werner Widmer kann es einfach. Der gebürtige Thurgauer, der so astreines Züritüütsch spricht und singt, hat es als Strassenmusiker in der Hippiezeit und nach langen Jahren auf den Kleintheater-Bühnen des deutschen Sprachraums auch entsprechend gelernt. In Kombination mit dem Slide-Gitarrengott Richard Koechli und dem Schwyzerörgeli-Papst Markus Flückiger sind dem 63-jährigen 17 oberlockere Songs gelungen, zu denen Max' angeraute Stimme und die irgendwie auch oberlässig hingerotzte "Zürischnurrä" passen wie die Faust aufs Auge. Unnachahmlich, wie Max den Lässigen raushängen lässt, als ginge ihn das alles nichts an. Grosszügig inspiriert von Cracks wie Chuck Berry, Bob Dylan bis Bobby Hebb macht Blues Max jedes Lied zum Ereignis und Unikat. Zuweilen fühlt es sich an wie eine Art Schweizer J.J. Cale, dann wieder sieht man sich ins Paris der Bohemiens versetzt, wenn das Akkordeon Musettemässig Max' Texten das gewisse Flair verleiht. Die Texte des einstigen Politbarden sind heute Kopf-Kino, Geschichten aus dem Alltag, bitter-süssschräg-böse bis simpel formuliert, bluesig und jazzig swingend vorgetragen. So simpel etwa, wie es im Titel "S'Neggscht" heisst: "Ich ha kei Message, ha kein Witz, mir fallt nüt ii, das wär die zweit Schtrophä gsi". Und weiter: "Das Lied, das isch in Sachä Text allerhöchschtens halb so guet wie s'neggscht, doch allerdings, die Melodie, die fahrt doch eifach tierisch ii". Genau Max, man muss ja alles auch nicht so tierisch ernst nehmen.

ELRITSCHI & ECHO VOM SPANNORT ä Hütte us Schtäi Noman/Tudor hug. Der Engelberger Richard Blatter aka Elritschi sorgt schon

seit über dreissig Jahren als Sänger von Jolly & The Flytrap mit seiner sprudelnd-quirligen Performance für überaus gute Laune in den kleinen und mittleren Konzertlokalen der Schweiz und manchmal auch darüber hinaus. Wenn er als Solist unterwegs ist, spielt der gerne Songs, die er schlicht «Liädli» nennt, sie sind musikalisch weniger überbordend und textlich mehr heimatverbunden als bei den Jollys. Für sein drittes Solo-Album hat er sich nun mit seinen sechs Engelberger Freunden der Alphornbläserformation Echo vom Spannort zusammengetan und zwölf Stücke eingespielt, die zweierlei sind: Einerseits wunder-wunderschön mit diesen schwebenden Alphornmelodien und den schnörkellos heimatverbundenen Texten. So haben wir Volksmusik noch nie gehört (in der Regel ergeben sich bei solchen CrossoverProjekten jeweils Jazz-Resultate), so haben wir aber auch noch nie, wenn man so will, Singer/Songwriter gehört. Sehr gut! Anderseits zwickt es die Freunde von Jolly &The Flytrap ein bisschen im Gemüt: Man hätte sich «ä Hütte us Schtäi» bei einer Frohnatur wie Elritschi durchaus zwickiger, eckiger, witziger vorstellen können (in der Regel ergeben sich bei solchen Crossover-Projekten jeweils sehr ernsthafte Resultate). Dieser Einwand ist allerdings nur ein theoretischer: Er tut dem schönen Album keinerlei Abbruch.

THE HILLBILLY MOON EXPLOSION With Monsters And Gods Clouds Hill/Rough Trade hug. Die sind ja dann immer wieder mal weg und dann sind sie wieder da, und jetzt, nach drei Jahren Album-Pause und allerlei Touren durch fremde Länder und ebensolche Strassenzüge, kommen die lustigsten Rockabilly-Nerds der Schweiz und weit darüber hinaus endlich, endlich mit einem neuen Album, und es ist, Freude herrscht, so lüpfig und swingend und griffig wie selten zuvor, es rockt und schlägt in den Psychobilly aus und dreht den Rock'n'Roll auf, sogar

Hörner schmettern, und Sängerin Emanuela Hutter ist mit ihren drei Jungs, mit Monstern und Göttern wie immer in Bestform. Als ExtraZückerchen für zwischendurch singt Mark «Sparky» Phillips, Frontman von Demented Are Go!, mit Emanuela «Jackson» im Duett und covert die Band Blondies «Call Me». Darum erstens: Album dringend empfohlen! Zweitens: Wenn die Band in deiner Nähe spielt – geh hin!

NIK BÄRTSCH'S MOBILE Continuum ECM/Musikvertrieb hug. 1. Wenn du nicht weisst, was es ist, dann ist es Jazz. 2. Der Zürcher Pianist Nik Bärtsch macht Jazz. Aber er weiss 3. sehr genau, was es ist, und das hat 4. mit sehr viel mehr als Jazz zu tun. Man kann das so erklären: Er entwickelt mit seinen Mitmusikern kürzere und längere Sequenzen, er nennt das Module, und lagert diese in wechselnder Reihenfolge über-, neben- und nacheinander. Das Ganze geht er sehr minimalistisch an und lässt sich dazu auch noch sehr viel Zeit, was am Ende einen wenn nicht treibenden, so doch hypnotisierenden Effekt ergibt. Viel davon kommt auch nicht-Jazzern bekannt vor: Die ganze TechnoBranche arbeitet modul-artig und hypnotisierend, sämtliche Marihuana- und LSD-Bands kennen diesen Effekt ebenfalls. Weltmusiker wie Manu Chao haben das System der beliebig kombinierbaren Module meisterlich auf einem kompletten Nicht-Jazz-Gebiet umgesetzt. Und wer sich als RockFreund noch immer nicht angesprochen fühlt, soll sich mal das fast 14-minütige «Modul 14» vom Album «Live» reinziehen, Progrockern sei «Modul 35» vom Album «Stoa» empfohlen. Beide Alben hat Bärtsch übrigens mit seiner zweiten Band Ronin eingespielt, bei der es im Vergleich zu Mobile etwas griffiger zu und her geht. Alles in allem könnte man das modularer Jazz nennen, Bärtsch nennt es Zen-Funk, womit ein weiterer musikalischer Einfluss definiert ist. Also: Auf «Continuum» verwebt das MobileProjekt seine Musik erstmals mit Violine, Viola und Cello – natürlich auch hier streng reduziert, hochkonzentriert und überaus effektvoll. Ein im übergeordneten Sinne grenz- und genreübergreifendes Qualitätsalbum, das man sich auch als Jazz-Nicht-Möger zwecks überraschender und spannender Horizonterweiterung angedeihen lassen sollte.


JUNIOR TSHAKA Der globale Blick Junior Tshaka, der sich als Citoyen du Monde sieht, hat ein lebensfrohes Album mit klaren Botschaften vorbereitet. Nicht nur das Album “360“ hat Einflüsse aus aller Welt, sondern auch der Schweizer selbst. Seit über 20 Jahren treiben Junior Tshaka das Fernweh und der Reggae intensiv. Foto: Audrey Gerber

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kw. Als Kind reist Junior Tshaka viel. Eine nicht endende Liebesgeschichte mit dem afrikanischen Kontinent beginnt. Mit 13 oder 14 Jahren entdeckt er, dank einer Bob Marley Kassette, den Reggae für sich. Kürzlich folgten erfolgreiche Konzerte in China zum Beispiel, wo man von Bob Marley noch nie gehört hat. Und heute, steht das dritte Album „360“ bereit. Der Einstieg wird einem leicht gemacht. Der Song “360“ erfreut mit einem Klavierintro, dem Hip Hop Einfluss, exotischem Background Gesang und klingt irgendwie gar nicht so nach Reggae. “Pas Le Temps“ hat, wie viele andere Lieder auch, Rhythmus und kräftige Bläserkompositionen. Mit “Laisse-Les Parler“ lässt sich dann, wieder ganz typisch Reggae, alles einen Gang runterschalten. Das Album endet schliesslich mit dem Anfang, dem Klavierintro. Die Aussagen der Songs sind unmissverständlich. Junior Tshaka betont, dass Musiker eine Meinung haben sollten und Sachverhalte in Frage stellen müssten. Er sieht sich zudem als Idealist mit realisierbaren Träumen, auch wenn ihm die aktuelle Zeit nicht Recht gebe. Das neue Album bleibt durch viele Kooperationen mit Künstlern aus Burkina Faso bis Jamaika interessant. Die meisten sind Freunde, da er seit langer Zeit jährlich nach Afrika geht, erklärt Junior Tshaka. Woher kommt denn nun diese Faszination für diesen Teil der Erde? Der Neuenburger kann es sich selbst nicht erklären. “Mir gefällt die Lebensfreude, die Einfachheit, die Natur, das positive Afrika sozusagen. Hier setzt man häufig Afrika mit Krieg und Hungersnot gleich, dabei findet man dort starke Gesellschaften mit Werten.“ Stark, lebensfroh und zupackend ist auch das Album. Das ist das Bemerkenswerteste an “360“. Dazu sind die Sprache und die Musik so schlicht und klar, was das Ganze noch verstärkt. “Ein Konzept gab es im Vorfeld nicht“, sagt der Westschweizer. “Ich habe Stück für Stück zusammengesetzt. Nachher habe ich bemerkt, dass viele Songs einen globalen Blick annehmen. Daher auch der Titel 360, der ein wenig ein Konzept repräsentiert.“ Nebst der Musik bereichert Junior Tshaka die Philosophie der Rastafari Kultur. “Die Offenheit, die Welt als eine Einheit, wir alle als Weltbürger, auch wenn das jetzt alles klischeehaft klingt, inspiriert“, legt der Schweizer dar. “Die Dinge positiv zu betrachten, auch wenn es die Situation eigentlich nicht erlaubt.“ Ist nun alles Reggae und alles Rasta? Der Musiker verneint. Er habe seine europäischen Gewohnheiten und Verhaltensweisen und keinen festen Glauben. “Ich möchte mich frei fühlen und habe diese Freiheit im Reggae gefunden.“


COME 'N GO'S Tumbling Heights Voodoo Records rp. Die Bieler The Come 'n Go's hatten schon immer ein Faible für das Abwegige. Vielleicht liess das Quartett deshalb ihr neues Album «Tumbling Heights» von Eric Merz (Peter, Sue und Marc) mastern!? Irgendwie passt dazu auch ihre spacige (und gelungene) Interpretation des Bad Brains Klassikers «Attitude», charmant gesungen von Drummerin Marina. Songs wie eben «Attitude», «Today Sometime», «David Briggs Talk», «Borderland» oder «Lemmy» zementieren auf jeden Fall ihren Ruf als grandios charmante und eloquente GaragenrockKrachmacher.

WOLFMAN Modern Age Irascible hug. «All Is Random» hiess einer der Songs auf dem Debüt «Unified» des Zürcher Elektro-Duos Wolfman, und entsprechend breiteten

Katerina Stoykova und Angelo Repetto auf dem Album eine Palette von Songs aus, die zwischen Melancholie, FastTanzbarkeit und zurückhaltender Unruhe changierten. Auf ihrem Zweitling sind die beiden konziser geworden, sie haben sich auf entspannte, loungige Wellness-Musik konzentriert, denen immer eine glücklicherweise Jammer-freie Gepflegtheit zugrunde liegt. Das kann dann über die Dauer des Albums... langweilig wäre definitiv das falsche Wort, aber sagen wir mal: etwas zu unaufgeregt werden. Man muss also in der richtigen Stimmung sein, um «Modern Age» am Stück durchzuhören. Aber hey: Dazu sind Stimmungen ja da!

MANTOCLIFF Umbilical Radicalis rp. Nives Onori hatte erstmals 2013 mit ihrem Soloalbum «Nebbio» auf

sich aufmerksam gemacht, positiv wohlgemerkt. Mit einem Hang zum Experimentieren wandelte die junge Baslerin darauf auf den Spuren von Tracy Chapman, Norah Jones, Fiona Apple oder einer Katie Melua. Im Gefüge der Band Mantocliff (Wortkreation aus der griechischen Mythengestalt Manto und dem englischen Wort für Klippe) beschreitet Nives Onori auf «Umbilical» jetzt andere Wege. In den zehn Songs nehmen elektronische Elemente einen grösseren Stellenwert ein und auch stilmässig sind Veränderungen zu vernehmen. Im mythischen Auftakt «How Loud» schwebt die sinnlich betörende Stimme von Onori auf einem zuweilen orientalisch gefärbten Klangteppich. Damit mahnt sie an Goldfrapp und Björk, nicht zum letzten Mal übrigens. Einen Song weiter werden tanzbare Elemente zwischen die sphärischen Strukturen platziert. Im rhythmisch und gesanglich überraschenden Elektro, Ambient und Trip-Hop angehauchten Titelsong

windet sich Onoris Stimme elegant um den geneigten Hörer, nimmt ihn ein. Einen Song weiter, iin «Sea-Son», dominieren dezent eingesetzte Bläser das Soundbild, im Einklang mit Onoris Stimme. Passend zum Titel kommt «Old Man» dann dezent schwerfällig daher, entwickelt und verändert sich aber zusehends. Mantocliff lassen ebenso Ambient, jazzige, folkige und progrockige Elemente in ihren nach vielen Seiten offenen Sound einfliessen. Dies verleiht der Band einen eigenen Charakter. Und macht «Umbilical» zu einem spannenden Werk, das seine ganze Kraft erst nach mehrmaligen Hören entfaltet.


REVIEWS Blues/Soul/World LAYLA ZOE Breaking Free Ruf Records/MV hh. Im Vergleich zu ihren zwei Bluessisters Ina Forsman und Tasha Taylor, mit denen sie derzeit unter dem Banner des „Bluescaravan 2016“ durch Europa zieht, ist die Kanadierin Layla Zoe wesentlich rockiger unterwegs. Gleich der Opener „Backstage Queen“ ihres aktuellen Albums ist eine mächtig heavy rockende Nummer, in der Layla Zoe klar macht, weshalb sie in vielen Medien mit Janis Joplin verglichen wird. Auch im folgenden ruhigeren Blues „Why Do We Hurt The Ones We Love“ kann dieser Vergleich durchaus gezogen werden, besonders wenn gegen Schluss wieder Fahrt aufgenommen wird. Sie hat aber auch einiges von Melissa Etheridge in den Stimmbändern, wobei nun die grobe Richtung klar sein sollte, worum es bei Layla Zoe geht. Musikalisch überwiegen auf „Breaking Free“ stimmungsvolle, überwiegend im Midtempo- und Balladenbereich angesiedelte Songs, die von der ausgezeichneten Band, allen voran Gitarrist/Organist Jan Laacks (der alle OriginalSongs des Albums komponierte – Layla Zoe verfasste die Texte), in meisterlichem Groove eingespielt wurden. Die einzige Fremdkomposition des Albums, der sparsam nur mit einer Akustik-Gitarre vorgetragene Stones-Klassiker „Wild Horses“, ist zwar auf eigene Art intoniert, erreicht aber die Intensität und Klasse des Originals nicht ganz. Alles in Allem ist „Breaking Free“ ein rundum gelungenes Werk, das sowohl Blues- wie auch (gemässigtere) Rockfans ansprechen wird. Vor allem Liebhaber von Melissa Etheridge und Anverwandten sollten hier unbedingt ein Ohr riskieren.

TASHA TAYLOR Honey For The Biscuit Ruf Records/MV hh. Mit ihrem dritten Soloalbum setzt die aus Dallas, Texas stammende Sängerin ihren Weg als Rhythm&Blues-Sängerin fort. Als Tochter des Stax RecordsArtisten Johnny Taylor, der in

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den 60er/70er Jahren einige Hits hatte, wuchs sie mit der schwarzen Musik des amerikanischen Südens auf und diese Tradition wird auch auf ihrem neuen Album ausgelebt. Tasha hat eine warme, soulige Stimme, kann aber auch Gas geben, verzichtet aber glücklicherweise auf das nervige Ad-Lips-Geschreie der meisten in diesem Genre angesiedelten Sangesschwestern. Alle 13 hier enthaltene Songs stammen aus der Feder von Tasha und bewegen sich qualitativ im oberen Durchschnitt aktueller Blues-/SoulProduktionen. Es gibt Höhen und einige wenige Tiefen, allen gemein ist jedoch Tasha's Gefühl für die Musik ihres Vaters und ihre stimmliche Kompetenz. Die Produktion kommt ebenfalls traditionell daher, mit stimmigen Bläsersätzen und schöner Hammond-Orgel. „Honey For The Biscuit“ zerreisst zwar keine grossen Stricke, ist dennoch allen Freunden des traditionellen Rhythm&Blues zu empfehlen, denn im Vergleich zu den meisten ihrer Konkurrentinnen hat Tasha Taylor doch etwas die Nase vorn.

THE RIDES Pierced Arrow Provogue/MV

Erscheint am 6.5.

hh. Die amerikanische Blues-Supergroup, die Sänger/Gitar rist Stephen Stills auch gern „Die Bluesband meiner Träume“ nennt, bringt nach dem 2013er Debüt „Can't Get Enough“ nun den Nachfolger an den Start. Neben ex-CSNY/ Buffalo Springfield Stephen Stills besteht das Trio aus dem fünffach Grammy-Nominierten Gitarrist Kenny Wayne Shepherd und dem Session-Keyboarder Barry Goldberg. Den hervorragenden Einstand, den The Rides mit „Can't Get Enough“ vorlegten, setzten sie auf dem neuen Album nahtlos fort. Auf die technischen Fähigkeiten der Protagonisten müssen wir hier ja nicht speziell eingehen, alle drei Musiker gehören seit langen Jahren zum Besten, was die US-Szene herzugeben hat. Dieses Qualitätsniveau hält das Trio auch hier problemlos. Gleichermassen auf ähnlich hohem Niveau kommen auch die neuen Songs daher, wobei man speziell dem mittlerweile 70-jährigen Stills keinerlei stimmliche Abnutzungen attestieren kann. Musikalisch bewegt sich „Pierced Arrow“ dezent rockig im

Bluesbereich, wobei des Öfteren die in diesem Genre eng gesteckten Grenzen überschritten werden. Das sorgt für Spannung und Überraschungen, obwohl im Grunde lediglich jeder der drei Musiker seine eigenen Roots einbringt – aber das macht eben den speziellen, mitunter faszinierenden Mix aus. Schöne Songs, wobei sich ruhige und rockige Nummern die Waage halten, sorgen für hohen Hörgenuss. Die Produktion, vom Trio plus Bassist McCormick gleich selbst erledigt, lässt keine Wünsche offen. Der Sound ist warm und transparent, lässt den Druck nicht vermissen und weist gesunde Ecken und Kanten auf. Fazit: „Pierced Arrow“ ist ein klasse Album mit tollen Songs, das jeden Blues(-rock)Fan nachhaltig begeistern wird.

KNUCKLEBONE OSCAR King Of Helsinki Stupido Records

Erscheint am 20.5.

hh. Der finnische Bluesrocker feiert in diesem Jahr bereits sein 20-jähriges Bühnenjubiläum und bringt dazu sein fünftes Album auf den Markt. Oscar ist zwar bereits seit langen Jahren auf Tour, dürfte aber in unseren Breitengraden lediglich einer Handvoll von Bluesfans bekannt sein. Schade drum, denn Oscar und seine Jungs lassen musikalisch nichts anbrennen und gehen mit massiver Power zu Werke. Geboten wird dreckiger Bluesrock (passend zu Oscars Stimme) mit deutlichen Garage-Rock Zutaten. Aber der finnische Gitarrist wildert ebenfalls im Rock'n'Roll der 50er, holt sich Inspirationen aus dem Soul und Blues der 60er und mixt das alles zu einem mächtig brodelnden Süppchen. Das ist wahrhaftig keine Kost für Bluespuristen, aber all diejenigen, die es etwas schmutziger und derber mögen, und damit sprechen wir Fans von beispielsweise Five Horse Johnson oder Geezer an, bekommen hier das volle Brett. Macht mega Spass und ist mehr als eine Empfehlung.

BIG BOY BLOATER & THE LIMITS Luxury Hobo Provogue/MV hh. in seiner Heimat England zählt Big Boy Bloater zu den

erfolgreichsten Bluesern und legt hier sein drittes reguläres Album vor. Bloaters herausragendes Markenzeichen ist seine raue Raspelstimme, die seinem Erscheinungsbild, voll und ganz ein Big Boy, entspricht. „Luxury Hobo“ ist zwar in der Essenz ein echtes BluesrockAlbum, der Brite bedient sich aber auch gern beim typisch britischen 70er Pubrock der Marke Dr. Feelgood, Inmates oder Count Bishops. Als Gitarrist gehört Bloater zu den überdurchschnittlichen Saitenartisten und ist auch amtlich als Slider unterwegs. „Luxury Hobo“ wartet mit tollen Songs auf, rockt durchgehend und bietet einige Überraschungen. Unterm Strich ist Big Boy Bloater ein waschechter Rock'n'Roller mit einer grossen Liebe zum Blues. Genau das spiegelt „Luxury Hob“ vom ersten bis zum letzten Ton wider.

Americana/Roots/Country GEORGE STRAIT Cold Beer Conversation MCA hh. Der CountryVeteran ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Musiker überhaupt. 19 Alben und 44 Singles seiner Discografie schafften es auf Platz 1 der offiziellen US-Charts, er verkaufte weit über 70 Millionen Platten und seine Edelmetall-Sammlung dürfte wertmässig bald einmal mit Fort Knox auf Konkurrenz gehen. Auch was es sonst noch so an Awards und Auszeichnungen in den USA gibt, George Strait hat sie alle. Mit seinem aktuellen Album stellt der 64-jährige all seine Fans ein weiteres Mal in jeder Beziehung zufrieden. 13 hervorragend gespielte und produzierte Countrysongs, dominiert von Strait's sonorer Stimme. Zwischendurch lässt er es auch schon mal rocken, von Müdigkeit nach dieser langen Karriere keine Spur. Strait zeigt mit „Cold Beer Conversation“ noch den meisten NachwuchsMitbewerbern, wo der Hammer hängt. Ein prächtiges Album für jeden Countryfan und gleichzeitig eines der besten in George Strait's endloser Discografie.


DELLA MAE Della Mae Rounder/Universal hh. Das weibliche Quartett aus Boston ist in der amerikanischen Bluegrass-Szene schon seit Jahren ein fester und erfolgreicher Begriff. Spätestens seit das zweite Album „This World Oft Can Be“ 2014 den vier Ladies eine Grammy-Nominierung als „bestes Bluegrass Album“ einbrachte. Auch auf dem selbstbetitelten aktuellen Album ist ausschliesslich Bluegrass Trumpf und die Damen beweisen sich dabei als versierte Musikerinnen auf den typischen, traditionellen Instrumenten wie Fiddle, Banjo, Gitarre und Mandoline. Gesanglich harmonieren sie ebenfalls prächtig zusammen, die Satzgesänge sind vom Feinsten und Lead-Sängerin Celia Woodsmith trifft mit ihrer gefühlvollen Stimme direkt ins Herz. Bei den Songs gibt es keine Ausfälle, hier ist von A – Z alles vom Feinsten , es swingt und groovt und spätestens jetzt wäre ein Grammy fällig. Mit „No Expectations“ haben sie die Ladies dann auch noch einen Stones-Song vorgenommen und daraus praktisch einen eigenen Titel gemacht. Grosses Kompliment für diese durchweg herausragende Leistung, ein wunderschönes, stimmungsvolles Album.

JASON JAMES Jason James New West Rec. hh. Jason Jems sieht aus wie der lebendig gewordene Traum jeder

Schwiegermutter, die sich für ihre Tochter einen gepflegten, anständigen und gut gekleideten jungen Mann ohne Ecken und Kanten wünscht. Ein derartiges Image funktioniert wohl immer noch prächtig bei den amerikanischen Country-Traditionalisten, die James mit seinem Debüt-Album auch ohne Wenn und Aber bedient. Musikalisch hat der junge Mann nicht viel mit seinen „rebellischen“ Labelkollegen Steve Earle, Buddy Miller oder John Hiatt zu tun, dafür umso mehr mit typischen Grand Ole Opry Vertretern. Und das ist keineswegs negativ gemeint, denn James verweigert sich auf seinem Album konsequent den modernen glattpolierten und aufgepoppten Nashville-Produktionen und glänzt mit echter, typischer old school Countrymusik und schönen Songs. Mitunter erinnert er an Dwight Yoakam und Hank Williams, so wundert es nicht, dass zu den Mitarbeitern an diesem Album unter den Topmusikern von Nashville auch ehemalige Dwight Yoakam-Kollegen sind. Wer eher auf rockige Countrysounds steht, wird mit diesem Album nur begrenzt etwas anfangen können. Aber die Traditionalisten bekommen hier allerbestes Ohrenfutter, dem kein Staub aus der Vergangenheit anhängt – sondern einfach schöne, zeitlose Songs, gespielt von herausragenden Musikern, erstklassig gesungen und warm und transparent produziert. Toller Einstand.

LEROY STAGGER Dream It All Away Blue Rose hh. Der Kanadier legt hier bereits sein zehntes Studioalbum und liefert eine hervorragend funktionierende

Melange aus Country- und Heartlandrock, in die er auch den einen oder anderen Bluessprenkel einfliessen lässt. Damit fällt Stagger im weitesten Sinn in die Americana-Schublade, wo er sich inzwischen einen komfortablen Platz erobert hat. Seine Songs sind entspannt und laid-back vorgetragen und begeistern mit eingängigen Melodien und ohrwurmträchtigen Refrains. Assoziationen zu den Travelling Wilburys, Tom Petty und sogar Bob Dylan sind nicht zu überhören. Was gleichzeitig bedeutet, dass sich Fans vorgenannter Künstler unbedingt mit „Dream It All Away“ beschäftigen sollten. Sie werden garantiert nicht enttäuscht.

THE PSYCHO SISTERS Up On The Chair Beatrice Blue Rose/MV hh. Hier kommt sozusagen ein Familienunternehmen mit seinem Debütalbum. Denn ex-Bangles Vicky Peterson ist mit dem Bruder ihrer Bandpartnerin Susan Cowsill verheiratet und zusammen sind die beiden Ladies die Psycho-Schwestern. Auch wenn der Bandname den einen oder anderen abschrecken mag, so sehr psycho sind die Beiden gar nicht, zumindest musikalisch nicht. Auf „Up On The Chair…“ präsentieren sie eine bunte Mischung aus Rock, Folk und Country, wobei die von Vicky Peterson geschrie-

benen Songs Erinnerungen an die „verblichenen“ Bangles zulassen. Die beiden Damen harmonieren musikalisch hervorragend, gesanglich bewegen sie sich ohnehin auf hohem Niveau, ihre Stimmen ergänzen sich glänzend. Im Song „Gone Fishin'“ scheint der Geist der Everly Brothers durch die Lautsprecherboxen zu schweben. Mit diesem Album ist dem Duo ein hervorragender Einstieg gelungen, der gleichzeitig ein grosses Versprechen an künftige Werke ist.

THE WHITE BUFFALO Love And The Death Of Damnation Earache/Nonstop hh. Wem dieser aus Kalifornien stammende Singer/Song writer unbekannt ist, sich aber für die US-TV-Serie «Sons Of Anarchy» interessiert, wird spätestens nach den ersten Takten dieses Albums diese warme, tiefe Stimme wiedererkennen.Ein knappes Dutzend Songs hat Jake Smith aka The White Buffalo zur Serie beigesteuert und damit bereits Millionen Clicks auf Streaming- und Downloadportalen erreicht. Nun soll auch ausserhalb der USA der Büffel erfolgreich ins Rennen geschickt werden. Mit diesem spannenden Outlaw-Americana-Album hat Smith die besten Chancen. Eine Sammlung toller Songs mit klugen, tiefgehenden Texten und an Steve Earle und Towns Van Zandt angelehnte Lieder, in denen der weisse Büffel die eine oder andere Überraschung parat hält, werden jeden Americana und alternativen Country Fan eindrücklich und nachhaltig begeistern. Herausragend!


The Last Of The Teenage Idols

Zwischen 1972 und 1976 stieg der schottische Sänger/Gitarrist Alex Harvey mit seiner Sensational Alex Harvey Band (SAHB) zu einem der erfolgreichsten Acts der britischen Rockszene auf, verkaufte Millionen von Platten und galt als einer der spektakulärsten Live-Acts. Seine herausragenden Texte zeigten ihn als grossartigen Geschichtenerzähler, die er mit einer grossen Portion typisch derbem britischen Humor und schottischem Nationalstolz würzte. Bon Scott bezeichnete Alex Harvey als sein grösstes Vorbild, sowohl als Texter wie auch als charismatischer Rock-Entertainer. Im März veröffentlichte Universal ein wahrlich fettes Gesamtpaket, das auf 14 CDs die gesamte Karriere des Schotten würdigt.

hh. Als Alex Harvey zu Beginn der 70er Jahre seine erfolgreichste Zeit startete, war der 1935 geborene Schotte bereits ein alter Hase im Musikgeschäft. Ende der 50er Jahre gehörte er mit seiner Big Soul Band zu den vielbeschäftigten Acts in der britischen Live-Szene und war ebenfalls Dauergast in Hamburgs legendärem Top Ten Club. Zwei Alben entstanden 1963, bevor Harvey die Band aus Kostengründen auflöste und zusammen mit seinem jüngeren Bruder Les 1964 als Duo das Album „The Blues“ aufnahm. Les Harvey gründete später zusammen mit der „schottischen Janis Joplin“ Maggie Bell die legendäre (Blues-)Rockband Stone The Crows und starb 1972 während einer Bandprobe an einem elektrischen Schlag. Mitte der 60er trieb es Alex nach London, wo er sich als Gitarrist im Ensemble des „Hair“-Musicals verdingte und zwei Solo-Alben („Roman Wall Blues“, „The Joker Is Wild“) veröffentlichte. Obwohl er bereits mit den aufkommenden harten Sounds von Bands wie Jimi Hendrix oder Yardbirds liebäugelte, waren die Songs auf seinen beiden Solo-Platten noch ein obskures Gemisch aus Soul, R&B, schrägem Mainstream und Covern. Allerdings finden sich auf diesen beiden Platten bereits einige Songs („Midnight Moses“, „Hammer Song“, „Hole In Her Stocking“), die später zu den erfolgreichen Tracks der Sensational Alex Harvey Band gehören sollten. Anfang der 70er war Alex's Suche nach Mitstreitern für eine moderne, hart rockende Band dann erfolgreich. Mit der schottischen Truppe Tear Gas fand er die Band, die fortan unter dem SAHBBanner zur Legende wurde. Mit „Framed“ erschien 1972 das erste SAHB-Album, mit dem sich die neue Band gleich hervorragend in der britischen Szene etablierte. Das Gemisch aus Hardrock, Blues und

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Rock'n'Roll mit einigen Vaudeville-Sprenkeln ebnete den Weg zum überragenden Nachfolger „Next“ (1973), der mit Songs wie „The Faith Healer“, „Gang Bang“, „Next“ und „The Last Of The Teenage Idols“ zum musikalischen Höhepunkt der Band avancierte. SAHB tourten unaufhörlich und galten als einer der besten LiveActs der damaligen Zeit. Das war speziell Harvey's theatralischem Talent geschuldet, der jeden SAHB-Gig zu einer spannenden, faszinieren und humorvollen Rock-Revue ausbaute und sich schnell den Beinamen „the working man's hero“ verdiente. Neben seinen eigenen Songs sorgte Harvey vor allem auch als Interpret von eigenwilligen Cover-Versionen wie „Delilah“ (Tom Jones) für Charts-Platzierungen. Nach nur fünf Jahren und insgesamt sieben LPs war 1977 das Ende der SAHB angesagt. Trotz Millionen verkaufter Platten war die Band finanziell am Ende und der Chef selbst ausgebrannt und gesundheitlich ein Wrack, hervorgerufen durch massiven Alkohol- und Tablettenmissbrauch. Während die SAHBMusiker in Bands wie Nazareth, Michael Schenker Group oder bei Rory Gallagher


unterkamen, versuchte Alex mit neuen Musikern weiterzumachen. Zwar kamen mit „Rock Drill“ (1978) und „The Mafia Stole My Guitar“ (1979) sowie dem finalen „The Soldier On The Wall“ (1983) noch weitere Alex-Harvey-Alben heraus, aber obwohl es auch hier noch den einen oder anderen Song-Schmankerl gibt, konnte keine dieser Platten auch nur im Ansatz an die Klasse und den Erfolg der SAHB-Outputs anknüpfen. Auch live sank der Stern des Schotten kontinuierlich. Seine Alkohol-Abhängigkeit hatte inzwischen beängstigende Ausmasse angenommen und resultierte in komatösen Aussetzern auf der Bühne. Alex wusste teilweise nicht mehr wo und wer er war, vergass die Texte selbst seiner grössten Erfolge und nicht wenige Konzerte mussten bereits nach den Anfangsakkorden abgebrochen werden. Am 4. Februar 1982, einen Tag vor seinem 47. Geburtstag, starb der legendäre Rock-Entertainer während einer Tour im belgischen Zeebrugge an einem Herzinfarkt. Das jetzt vorliegende 14 CDs umfassende Box-Set „The Last Of The Teenage Idols“ bietet einen kompletten Überblick über die

Karriere von Alex Harvey. Insgesamt 217 Songs, darunter jede Menge bislang unveröffentlichtes Material wie Live-Aufnahmen, Studio-Outtakes und Interviews, sind in remasterten Versionen enthalten, wobei die frühen Aufnahmen soundmässig eher Material für die-hard-Fans sind. Die studiotechnische Überarbeitung/Aufbereitung der SAHB-Original-Aufnahmen ist dagegen durchweg als gelungen zu bezeichnen, die Songs kommen mit ordentlichem Druck und grosser Transparenz durch die Boxen. Das beiliegende Hardcover-Buch erzählt auf 64 Seiten die Geschichte von Alex Harvey und ist mit jeder Menge raren Fotos bestückt. Alles in Allem ist „The Last Of The Teenage Idols“ für jeden Historiker ein unverzichtbares Stück Musikgeschichte, für Alex Harvey Fans sowieso und alle jüngeren Rockfans, denen die Sensational Alex Harvey Band bislang unbekannt war, bekommen hier die Gelegenheit, einen der grandiosesten und einzigartigsten britischen Rockacts der goldenen 70er zu entdecken.

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ReReleases, Best Of, Tributes

METALLICA Kill'Em All (Super Deluxe Boxsets) Ride The Lightning (Super Deluxe Boxsets) Universal

lg. Metallica sind in diesem Jahre die Ambassadoren des mittlerweile umstrittenen Record Store Day, und veröffentlichen neben dem exklusiven Record Store Day Release – die Live-CD Liberté, Egalité, Fraternité, Metallica!, Live at Le Bataclan in Paris am 11 Juni 2003 (dessen Erlös für Benefizwecke verwendet wird) – am selben Tag zwei Boxsets der Superlative. Die beiden ersten beiden Alben und Meilensteine Kill'Em All (1983) und Ride The Lightning (1984) sind remastered und mit umfangreichem Bonusmaterial versehen worden. Diese beiden Scheiben haben neben den Anfängen von Slayer den Heavy Metal auf eine neue Ebene gebracht und die Genres Thrash- und Speed Metal trotz jugendlicher Unbekümmertheit der Akteure weitergebracht und mit der Zeit auch etabliert. An der Speerspitze dieses damals noch jungen Genres standen Metallica um den dänischen Drummer Lars Ulrich (der mit seinen Eltern nach Kalifornien ausgewandert ist) und James Hetfield (der nach dem Rauswurf von Dave Mustaine kurz vor den Aufnahmen von Kill'Em All neben der Rhythmusgitarre auch die Vocals übernahm). Das Boxset zum Debüt Kill'Em All besteht aus sagenhaften vier LPs, fünf CDs und einer DVD, einem grossen Buch sowie eines Aufnähers. Die erste LP kommt mit dem vollen Album, das zu Recht als früher Thrash-Metal Klassiker gilt (man denke nur an die Übersongs "Hit The Lights", "The Four Horsemen", "Whiplash" oder an den Song, der jede Metallica-Show beschliesst, "Seek And Destroy"), LPs 2 und 3 bilden eine unveröffentlichte Show aus Paris von 1984, anlässlich welcher das gesamte Album durchgespielt wurde, und die vierte LP ist eine Neuausgabe der seinerzeit veröffentlichten Picture LP Jump In The Fire. Bei den CDs wird es interessant: Die ersten beiden Silberlinge kommen mit dem Album und Interviews, während CDs 3 bis 5 mit raren und teilweise unveröffentlichten Mixes sowie Live-Aufnahmen (aus Kalifornien und New York) aufwarten. Die DVD zeigt schliesslich die ganz jungen Metallica in Aktion (eine volle Show aus Chicago vom August 1983 ist da zu finden, und zwar bereits mit

LOVE Reel To Real High Moon Records

rp. Lange vorbei waren die Zeiten ihrer grossen und leider

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nicht gleichermassen erfolgreichen Alben (Das erfolgreichste «Forever Changes» erreichte bloss Platz 24 der UK-Charts) wie «Da Capo» (1967) oder «Forever Changes» (1967), mit Songs wie «Seven And Seven Is», oder Alone Again Or», als Love Ende 1974 nach fast fünf Jahren wieder ein Album veröffentlichten. Arthur Lee, der 2006 verstorbene Kopf der Band, hatte das siebte und letzte offizielle Werk der Band u.a mit einigen namhaften Sessionmusikern wie Harvey

dem Mustaine-Ersatz Kirk Hammett an der Gitarre). Rundum eine tolle Sache, welche aber auch aufgrund von wenig vorhandenem Archivmaterial nicht mit echten Überraschungen aufwarten kann. 1984 legten Metallica mit dem für viele Fans besten Album der Bandgeschichte Ride The Lightning nach, welches wohl von allen Metallica-Scheiben die wohl traditionellste Scheibe der Band überhaupt ist und durchs Band nur noch genial ist. Die acht Songs auf Ride The Lightning sind für die Ewigkeit. Einen derartigen Facettenreichtum haben Metallica seither nie mehr schaffen können. Vom thrashigen Opener "Fight Fire With Fire", über den grossartigen Titeltrack, dem live fast immer gespielten MidtempoKracher "For Whom The Bell Tolls" und der ersten Halbballade der Bandgeschichte - "Fade To Black" – kann die A-Seite restlos überzeugen und gilt als mithin das Beste, was jemals unter dem Banner Heavy Metal veröffentlicht worden ist. Doch auch die BSeite ist nicht viel schwächer (unter anderem mit dem herausragenden "Creeping Death" und dem sehr düsteren und abwechslungsreichen Instrumental "The Call Of Ktulu"). Man spürt hier förmlich den Geist von Bassist Cliff Burton. Nach Burtons Tod 1986 bei einem tragischen Busunfall in Schweden während der Europa-Tour zu Master Of Puppets verloren Metallica nicht nur einen tollen Menschen sondern auch etwas das Gespür für absolut packende Melodien. Das originale Album ist auch Programm der ersten LP bzw. CD dieses vier LPs, sechs CDs und eine DVD umfassenden Boxset. LP 2 und 3 umfassen ein Konzert von 1985 aus L.A und die vierte Scheibe ist eine Replika der 1984 veröffentlichten Picture-Maxi zu "Creeping Death" (mit den packenden Coverversionen von Diamond Heads "Am I Evil" und "Blitzkrieg" der gleichnamigen Band). Bei den fünf Bonus-CDs wird anderes Material zu Tage gefördert: Interviews, interessante Demos und Mixes der Albumtracks und sagenhafte drei Konzerte (San Francisco 1985, London 1984 und Castle Donington/Monsters Of Rock 1985). Weitere Konzertmitschnitte finden sich auf der DVD (Metal Hammer Festival auf der Loreley 1985 und Oakland/Kalifornien 1985). Hier wird einer (zwar jungen) Band auf dem absoluten Höhepunkt ihres Schaffens gehuldigt. Grossartig! Diese Boxset- und Wiederveröffentlichungsreihe wird fortgesetzt. Laut Drummer Lars Ulrich ist dann ab dem vierten Album …And Justice For All (1988) richtig rares und spezielles Material verfügbar. Wenn auch preislich eher im höheren Segment angesiedelt (ca. 200 Franken) sind diese Boxsets jedem Metalhead zu empfehlen und gehen als liebevolle Aufarbeitung zweier der grössten Metalklassiker aller Zeiten durch. In diesem Sinne: Bang that head that doesn't bang!

Mandel oder Buzzy Feiten eingespielt. Lee hatte sich darauf vom psychedelisch angehauchten Folk und dem Barock-Pop der Frühzeit und dem Rock des letzten Werkes «False Start» (1970) abgewandt. Die elf Songs offerieren grösstenteils Funk und R'n'B infizierten Rock. Lee macht aber auch Ausflüge in Richtung Proto-Punk («Busted Feet»), folky Sing-A-Long-Pop («Everybody's Gotta Live») oder fügt dezente Blues-Anleihen ein («Which Witch Is Which» und «You Said You Would».

«Reel To Real» war wahrscheinlich nicht gerade das, was Fans der frühen Tage erwarten hatten, trotzdem hat das Werk seine Berechtigung. Arthur Lee geht darauf zurück zu seinen Wurzeln, die im Jazz und eben R'n'B liegen. Dabei konnte er, weil erstmals viel Geld da war, seiner Kreativität vollen Lauf lassen. Was sich in vielen interessanten Details zeigt. Die erstmalige Veröffentlichung auf CD kommt mit zwölf Bonustracks! Vier Songs davon sind unveröffentlicht.


ReReleases, Best Of, Tributes JOHN CALE

DM3

Music For A New Society

West Of Anywhere

Mental Groove Records

Alive Natural Sound

rp. John Cale (ehemals Velvet Underground) legt «Music For A New Society», eines seiner wichtigsten Werke nicht einfach so neu auf, wie es 1982 erschienen ist. Neben drei Bonustracks gibt es dazu mit «M: Fans» ein weiteres Album mit Neubearbeitungen der zehn Songs und Ergänzungen. «Music For A New Society» sollte damals futuristisch klingen, genau wie «M: Fans» heute. Wobei unzweifelhaft auch heute noch einige der Songs auf «Music For A New Society» ziemlich ungewöhnlich klingen. Als Beispiele seien hier die experimentellen und teils verstörend klingenden «Thoughtless Kind» und «Sanctus» angeführt, die Cale wahrscheinlich bewusst an den Anfang gesetzt hatte. Daneben stehen mit «Close Watch», «Broken Bird»,

rp. DM3 waren und sind (Die Band löste sich 1999 auf und kam 2011 wieder zusammen) eine von Australiens besten Power-Pop-Bands. Das Trio um Sänger und Gitarrist Dom Mariani (Stems, Someloves, Datura 4) hat drei fantastische Studioalben, mehrere EPs und Singles veröffentlicht. «West Of Anywhere» ist eine Art Best-Of der Band aus Perth. Die 18 Tracks enthalten Songs aus all ihren drei Alben. Der Auftakt macht der Klassiker «One Time, Two Times Devastated» aus ihrem Debüt «One Time Two Times Three Red Light» (1993). Besagte Nummer kombiniert knackige Gitarrenriffs, satte Schlagzeug-Beats mit unwiderstehlichen Gesangsharmonien zu einem FeelGood-Song auf der ganzen Linie. Mindestens so gut sind «Please Don't Lie», «Can't Get What You Want», «Hold On», «Foolish», «Second Floor» und «Just Like Nancy». Andere, wie «Something Heavy» oder «Take It All» zeigen DM3 von ihrer weicheren Seite. «West Of Anywhere» ist gut für Einsteiger geeignet. Dieser wird aber bald all ihre Alben haben wollen.

«Chinese Envoy» und «Damn Life» Songs, die Cales Hang zu melancholischen, zuweilen dramatischen Nummern repräsentieren. Irgendwie dazwischen oder besser gesagt ausserhalb finden sich das rock-poppige «Changes Made» und der orchestrale Abschluss «Risé, Sam and Rimsky-Korsakov» mit dem Sprechgesang von Risé Cale. Erstaunlicher weise hat Cale das kurze «Mama's Song» weggelassen. Auf «M: Fans» lässt Cale die damaligen Songs gespenstiger («If You Were Still Around»), Störgeräusche reicher («Taking Your Life In Your Hands», bekömmlicher («Thoughtless Kind»), verwirrender («Sanctus»), tanzbarer («Chinese Envoy») und intensiver («Broken Bird») klingen. Interessanter Ansatz, der aber die Kraft der Originale nicht ersetzen kann und wahrscheinlich auch nicht will.


Ein Label Ein Lebenswerk Ein Weltkulturerbe Vor gut 60 Jahren spielte der King of Rock'n'Roll sein erstes Album für das Musiklabel RCA ein. In Gedenken an den legendären Künstler präsentiert Sony Music die »Elvis Presley – The Album Collection«. Dabei handelt es sich um alle zu Lebzeiten veröffentlichten Alben des "King", eine insgesamt 60 CDs umfassende Sammlung, die der Künstler bei RCA veröffentlichte, der Plattenfirma, der er während seiner gesamten Karriere die Treue gehalten hatte.

hh. Im März 1956 debütierte der Sänger mit seinem selbstbetitelten Album »Elvis Presley«. Im Oktober desselben Jahres folgte mit »Elvis« Album Nummer zwei. Beide Alben landeten auf Platz eins der Charts in den USA, erreichten Platinstatus und starteten Elvis' unglaubliche Karriere, die ganze 33 Nummer-eins-Singles allein in den Staaten hervorbrachte. Zu den Höhepunkten der CD-Box gehören unter anderem: »Elvis Presley« und »Elvis«, die beiden RCA-Studioalben aus dem Jahr 1956, die den Sänger zum Star machten, sowie sein grandioses 1968er Comeback-Special „Elvis (NBC-TV Special)“, mit dem er all denen, die ihn auf Grund von Mega-Erfolgen junger Bands wie Beatles und Rolling Stones schon abgeschrieben hatten, eindrücklich zeigte wer der wahre King ist, außerdem die 17 Soundtrackalben, darunter »Loving You«, »King Creole«, »G. I. Blues«, »Blue Hawaii«, »Girls! Girls! Girls!« und »Roustabout«. Ebenfalls in der Box enthalten: die 1969er American-SoundSessionalben »From Elvis In Memphis« und »Back In Memphis« sowie Elvis' Nashville-Alben aus den 1960er Jahren. Die gefeierten Konzertmitschnitte »On Stage« (1970), »Elvis: As Recorded Live At Madison Square Garden« (1972) und »Aloha From Hawaii Via Satellite« (1973) geben einen Einblick in die sensationellen Livequalitäten Presleys. Weitere Highlights sind die Elvis-Compilations wie die Elvis' Golden Records-Serie. Sie wurden zwischen 1958 und 1968 veröffentlicht und enthalten viele von Elvis' Hits, die nie auf anderen Alben erschienen. Die seltene RCA Camden »Budget«Series umfasst Songs, die für die Filme des King eingespielt wurden, aber nie auf den klassischen Soundtracks zu hören waren sowie weiteres selten gehörtes Songmaterial. Außerdem dabei: die legendären Sun-Sessions (aufgenommen 1954 und 1955 im Sun Studio in Memphis, Tennessee, bevor Elvis

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bei RCA unter Vertrag genommen wurde) und seine ersten RCASessions von Januar 1956. Dazu kommen offizielle Veröffentlichungen wie Soundtracks, Livemitschnitte und Compilations mit Songs, die bislang nicht auf Longplayern zu hören waren. Alle Longplayer der »Elvis Presley – The Album Collection« wurden mit rekonstruiertem Originalartwork der Alben versehen. So finden sich in dem Boxset u. a. Gatefoldcover mit gestanzter Innenhülle, Nachbildungen von RCA-Victor-Beilegern und Aufklebern sowie CD-Labels, die die ursprünglichen Beschriftungen der Longplay-A-Seiten nachbilden. Zudem umfasst die »Elvis Presley – The Album Collection« ein 300 Seiten starkes Hardcoverbooklet mit zahlreichen Illustrationen, Diskografien, hochinteressanten Zusatzinfos zu den Sessions und Aufnahmen sowie einen Essay des Elvis-Kenners John Jackson. Als spezielles Extra enthält die Sammlung drei weitere CDs mit seltenen Aufnahmen. Jede der CDs ist einem Jahrzehnt – den 1950er, 1960er und 1970er Jahren – gewidmet, welche der King of Rock'n'Roll, mit seiner Musik prägte. Elvis Presley zählt bis heute zu den erfolgreichsten Musikern aller Zeiten. Allein seine Umsätze und Auszeichnungen in den USA sind aus heutiger Sicht nahezu unglaublich: 33 Nummer-EinsSingles, 135 Millionen verkaufter Platten, 25 Multi-Platin-, 52 Platin- und 92 Gold-Awards - weltweit gingen über eine Milliarde Tonträger über die Ladentheken. Sage und schreibe 57 Originalalben (Studio- und Liveaufnahmen, Compilations, Singleversionen von Songs, die nicht als LP-Version existieren, Soundtracks und sogar sogenannte Budgetalben mit seltenem Songmaterial) nahm Elvis in seiner Karriere auf, von denen im Zeitalter digitaler Veröffentlichungen nur wenige neu aufgelegt wurden.


ReReleases, Best Of, Tributes

DEEP PURPLE The Vinyl Collection (Boxset) Universal

»Elvis Presley – The Album Collection« die CDs im Überblick: Elvis Presley (1956) Elvis (1956) Loving You (1957) Elvis Christmas Album (1957) Elvis' Golden Records (1958) King Creole (1958) For LP Fans Only (1959) A Date With Elvis (1959) Elvis' Gold Records Volume 2 – 50, 000, 000 Elvis Fans Can't Be Wrong (1959) Elvis Is Back! (1960) G. I. Blues (1960) His Hand In Mine (1960) Something For Everybody (1961) Blue Hawaii (1961) Pot Luck (1962) Girls! Girls! Girls! (1962) It Happened At The World's Fair (1963) Elvis' Golden Records Volume 3 (1963) Fun In Acapulco (1963) Kissin' Cousins (1964) Roustabout (1964) Girl Happy (1965) Elvis For Everyone (1965) Harum Scarum (1965) Frankie And Johnny (1966) Paradise, Hawaiian Style (1966) Spinout (1966) How Great Thou Art (1967) Double Trouble (1967) Clambake (1967) Elvis' Gold Records Volume 4 (1968) Speedway (1968) Elvis Sings Flaming Star (1968) Elvis (NBC-TV Special) (1968) From Elvis In Memphis (1969) From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis (2 discs, 1969) Let's Be Friends (1970) On Stage (1970) Almost In Love (1970) That's The Way It Is (1970) Elvis Country (I'm 10, 000 Years Old) (1971) Love Letters From Elvis (1971) C'mon Everybody (1971) I Got Lucky (1971) Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas (1971) Elvis Now (1972) He Touched Me (1972) Elvis: As Recorded At Madison Square Garden (1972) Aloha From Hawaii Via Satellite (2 discs, 1973) Elvis (Fool) (1973) Raised On Rock (1973) Good Times (1974) Elvis: As Recorded Live On Stage In Memphis (1974) Promised Land (1975) Elvis Today (1975) From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee (1976) Moody Blue (1977) '50s Rarities (new collection) '60s Rarities (new collection) '70s Rarities (new collection)

lg. Von Deep Purple ist vor einigen Wochen ein schönes und sehr stabiles Vinyl-Boxset erschienen, das etwas zufälligerweise die Studioalben sechs bis zwölf umfasst; mit anderen Worten sind das das für den Heavy Metal genredefinierende und grossartige "Machine Head" (1972), dann "Who Do You Think We Are" (1973), die drei Coverdale-Alben "Burn" (1974), "Stormbringer" (1974) "Come Taste The Band" (1975, ohne Bandleader und Gitarrist Ritchie Blackmore, der Rainbow ins Leben rief), das grandiose Comeback der Mark IIBesetzung "Perfect Strangers" (1984) sowie zum Abschluss das etwas experimentierfreudige "The House Of Blue Light" (1987). Alles in allem ein schön aufgemachtes Teil, das zu einem fairen Preis angeboten wird und dazu Donwloadcodes für alle Alben bereithält. Wenn auch musikalisch insbesondere "Come Taste The Band" nicht wirklich relevant ist, macht sich vorliegendes Boxset in jeder ernstzunehmenden Rock-Sammlung gut.


LIVE REVIEWS

SHAKRA, THE NEW ROSES, BLACK MOUNT RISE hh. Zwar nicht ganz ausverkauft, aber bestens gefüllt war der Schweizer Rocktempel. Shakra, die No.3 der Schweizer HardrockGilde, bat zum Tanz und taufte ihr aktuelles Album „High Noon“. Gleichzeitig feierten die Emmentaler Rocker den Tourauftakt und die Rückkehr ihres Sängers Mark Fox. Den Auftakt machte die junge Nachwuchscombo BLACK MOUNT RISE. In seinem halbstündigen Set rockte das Quartett mit einer Mischung aus Alternative und Hardrock ordentlich die Bühne, wobei allerdings spätestens nach dritten Song klar wurde, dass die Band noch einiges am Songwriting zu feilen hat. Zu ähnlich bzw. fast identisch sind die Arrangements der Songs und werden auf Dauer somit austauschbar. Das immer gleiche auf Dynamik bedachte Rezept (ein volles Brett Intro, dann sparsam/ruhiger instrumentierte Strophe, um dann wieder volle Lotte loszudonnern) verliert auf Dauer den Reiz. Immerhin hat die Truppe einen sehr guten Sänger, spielt tight zusammen und kommt sympathisch rüber. Bei durchdachterem Songwriting kann von den Fribourgern künftig noch einiges erwartet werden. In einer anderen Liga rocken da schon die deutschen THE NEW ROSES, die als zweite Band die Bühne enterten. Ist aber auch kein Wunder, denn mit unzähligen Gigs und bereits zwei Alben im Gepäck ist das Quartett bereits live-gestählt. Die Band wird zu Recht in ihrer Heimat als die grösste Hard-/ClassicrockHoffnung bezeichnet, ihr aktuelles Album „Dead Man's Voice“ ist ein absolutes KlasseWerk mit herausragenden Songs. Diese Qualität beweist die Truppe auch live mühelos und nachhaltig. Sänger/Gitarrist

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18.3.2016

Pratteln, Z7

Fotos: Dani Strub

Timmy Rough hat eine mächtig druckvolle Stimme und gehört auch international zu den besten Rockshoutern, seine Fähigkeit zu prägnanten Melodien und Hooklines ist herausragend. Die neuen Rosen sind live wie auch in Konserve tatsächlich etwas vom Besten, das es derzeit im Classicrock-Bereich zu geniessen gibt. So war das Publikum also bestens eingestellt, als SHAKRA nach langer Pause zum ersten Mal wieder die Bühne rockte.

Die Emmentaler wurden begeistert begrüsst und als der „verlorene Sohn“ Mark Fox ins Rampenlicht trat, gab es bei den Fans kein Halten mehr. Mit „Hello“, der ersten Single des neuen Albums, fiel der Startschuss zu einer prächtigen Tour De Force durch praktisch die gesamte ShakraDiscographie, wobei mit acht Songs der Hauptteil auf das neue Album fiel. Auffallend war dabei, dass gerade die neuen Songs nicht nur zu den besten des gesamten Repertoires gehörten, sondern vor allem live hervorragend funktionieren. Die Band sprühte vor Energie und Spiellaune, der Sound war fett, mächtig druckvoll und hervorragend abgemischt. Lead-Gitarrist Thom Blunier glänzte mit herausragender Virtuosität und es scheint, dass die neuen bluesigeren Songs seinen herausragenden Fähigkeiten sehr entgegenkommen. Die grosse Überraschung war jedoch Mark Fox. In den letzten Jahren ist der Mann hörbar gereift. Was sich bereits auf seinen beiden Solo-Alben abzeichnete, findet jetzt den vorläufigen


LIVE REVIEWS Höhepunkt – so gut wie heute war der Shakra-Frontmann selten, sowohl stimmlich wie auch mit seiner BühnenPräsenz, mit der er seinen Vorgänger John Prakesh von der ersten Sekunde an vergessen liess . Letzteres kann auch über die ganze Band gesagt werden – sie präsentierte sich als geschlossene, stets auf den Punkt hart rockende und groovende Einheit. So kann festgestellt werden, dass nicht nur das aktuelle Album „High Noon“, sondern auch die jetzige Live-Performance die Band auf ein neues, höheres Qualitätslevel gehievt haben. Welcome back, boys!

BLUESCARAVAN 2016 (INA FORSMAN, TASHA TAYLOR, LAYLA ZOE)

6.4.2016

Frick, Monti

hh. Die Vorfreude war gross nach dem Ina Forsman Debüt Album, wie die junge Finnin ihre wunderbaren Rhythm&BluesSongs live vortragen wird. Zusammen mit ihren „Blues-Sisters“ Tasha Taylor und Layla Zoe ist sie ja schon seit vielen Wochen in Europa auf Tour und setzt die traditionelle Bluescaravan-Serie von Ruf-Records-Label fort. Das gemütliche und schöne Konzertlokal Monti in Frick, das aber überwiegend als Kino genutzt wird, steht schon lange für qualitativ hochstehende und ausgesuchte Konzerte, überwiegend im Bluesbereich. Für die drei Ladies und ihre Band das passende Venue. Die, um es vorwegzunehmen, fantastische Band bestehend aus Gitarre, Bass und Drums begleitete denn auch alle drei Sängerinnen in ihren Solo-Sets. Die Musiker spielten mit Herz und Leidenschaft und waren jeder für sich Meister an ihren Instrumenten. Dass sie das jedoch nie zur Schau stellten, stets songdienlich und zurückhaltend ihre jeweilige Frontlady begleiteten und einen fantastisch groovenden Teppich legten, sorgte beim Publikum für den einen oder anderen Zwischenapplaus. Es war wirklich höchst faszinierend, wie reduziert eine Band spielen kann und trotzdem maximale Dynamik und packendes Gefühl transportiert. Ganz grosses Kino in kleinstem Rahmen – Respekt vor dieser Leistung. Nach kurzem Intro aller drei Sisters übernahm Ina Forsman den ersten Solopart und sang sich durch ihr Debüt-Album. Sie ist trotz ihrer jungen 20 Jahre bereits eine faszinierende Persönlichkeit, charmant und sexy – hat sich aber auch glücklicherweise eine spezielle jugendliche (T)Rotzigkeit bewahrt. Welche Güteklasse ihre selbstgeschriebenen Songs haben, bewies, dass die auf Platte mit Bläsern und grosser Band eingespielten Tracks auch hervorragend in dieser MinimalBesetzung funktionierten. Ina ist eine herausragende Sängerin, eigentlich braucht sie nicht mehr als solch eine kleine Band um zu glänzen und im Groove aufzugehen. Ina Forsman war/ist definitiv der Star des Abends und der Bluescaravan-Show 2016. Gefolgt wurde sie von Tasha Taylor, Tochter des Stax-SoulSängers Johnny Taylor („Who's Making Love“). Tasha pflegt den traditionellen amerikanischen Soul und Blues und integriert gern

Foto: Marcel Suter

Funk-Einflüsse. Auch sie ist eine sehr gute Sängerin, ihre Songs erreichen aber nicht die Güteklasse ihrer finnischen Sangesschwester und bewegen sich, wie auch sie selbst als Sängerin, im durchschnittlichen Bereich dessen, was in diesem Genre in der USSzene unterwegs ist. Aber für Klagen oder Tadel gab es keinen Grund, im Gegenteil, sie wurde vom Publikum zu recht herzlich aufgenommen. Layla Zoe ist Kanadierin und hat von ihren Bluessisters die rockigste und raueste Stimme. Dass sie den Rock ebenso wie den Blues liebt, machte sie gleich mit dem ersten Song, ein fetziger Rocker, deutlich. Dann allerdings fiel die Formkurve doch merklich ab. Layla machte einen ziemlich verpeilten Eindruck und überliess einen Hauptteil ihres Sets der Band, indem sie die Musiker zu ausgedehnten Solo-Einlagen aufforderte – wobei die Verwunderung darüber dem Gitarristen deutlich anzusehen war, denn er musste Solo auf Solo vortragen, während Layla an ihm herumnestelte. Was auch immer der Grund dafür war (vielleicht die gute Weinauswahl im Monti), Layla Zoe konnte in keinster Weise mit dem Leistungen ihrer Kolleginnen mithalten. Zum Abschluss kamen dann alle drei Sisters wieder zusammen für einen Song auf die Bühne, bevor sie vom begeisterten Publikum für die Zugaben zurückgeholt und mit stehenden Ovationen verabschiedet wurden. Ein schöner Abend im Zeichen des Blues und Souls mit herausragender Band, sehr gutem Sound und einer tollen Ina Forsman.

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LIVE REVIEWS DREAM THEATER

23.3.2016

Zürich, Kongresshaus

lg. Wenn die Meister der progressiven Metal rufen, dann folgen ihnen in der Regel ihre Jünger. So geschieht das bei Dream Theater, welche sich als Branchenprimus erfolgreich etabliert haben. Doch mit dem neuen, ausufernden und gemischt aufgenommenen Wert "The Astonishing" haben Dream Theater auf der zugehörigen Tour neue Wege beschritten und entschieden, nur "The Astonishing" aufzuführen und zwar in dessen vollen Länge von zwei Stunden und fünfzehn Minuten, was im Vorfeld der Konzertreise auch bei treuen Fans zu einiger Skepsis führte. Auch die ausgesuchten Venues waren nicht herkömmliche Rockhallen, sondern ausgesuchte und bestuhlte Konzertsäle, wo sonst eher andere Musik als Metal gespielt wird. So war es auch etwas ungewohnt, das Metalpublikum an einem Ort zu sehen, wo sonst andere Musik dominiert. Doch muss man ehrlich sagen, dass Dream Theater mittlerweile so etabliert sind, dass sie ein breites Publikum anziehen. Das Kongresshaus war für den mit An Evening With Dream Theater betitelten Abend trotz gesalzener Ticketpreise mit knapp 1700 Besucher nahezu ausverkauft. Punkt zwanzig Uhr ging es los mit der Show, die entsprechend der beiden CDs von „The Astonishing“ in zwei Akten unterteilt war. Und was die Band, welche in Höchstform agierte, auf die Bühne legte, war nicht von diesem Planeten. Musikalisch ist die Truppe um die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder John Myung (bs.) und John Petrucci sowieso über jeden

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Fotos: Ian Keates

Zweifel erhaben, doch zeigte das Traumtheater an diesem Abend auch grosse Emotionen. Mögen die langsameren Songs auf "The Astonishing" auf Konserve noch etwas langweilen, offenbaren sie sich live dem Hörer vollends. Highlights sind neben den Visuals, die das Album optisch aufwändig wiedergeben, der stets grossartige Gesang von James LaBrie, sowie die besten Songs des Albums, When

Your Time Has Come“, „The Gift Of Music“, „Three Days“ oder dem mit einer genialen Solo-Einlage von Petrucci aufwarten-den Song „A New Beginning“. Interessant ist zu sehen, wie Keyboarder Jordan Rudess dem Sound auch Live seinen Stempel aufdrückt und wie nun Mike Mangini an den Drums UrSchlagzeuger Portnoy vergessen macht. Die Band wird unter tosendem Applaus verabschiedet und scheint dies sichtlich zu geniessen. Ein rundum grossar-tiger Abend, nach welchem man wiederum feststellen kann, dass Dream Theater glücklich machen. Und das trotz oder weil sie gerade nur „The Astonishing" und sonst nichts gespielt haben. Grandios!


DVD/BluRay

TWISTED SISTER We Are Twisted F*ucking Sister Monoduo Films

hh. Diese Rock-Doku endet da, wo andere beginnen – nämlich an einem Zeitpunkt, wo eine relativ erfolglose Band SuperstarStatus erlangt. Die Rede ist von den New Jersey-Rockern Twisted Sister, eine Band die sich zehn Jahre lang sprichwörtlich den Arsch abgearbeitet hat, tausende von Fans eroberte, in den New Jersey- und New York-Clubs eine Macht waren, ausverkaufte Konzerte ablieferte und die trotzdem keine Plattenfirma haben wollte. Zu schrill war das Image der bunt geschminkten Glam-Rock'n'Roller, die amerikanischen Plattenfirmen hielten Dee Snider und seine Jungs für einen Witz und wollten sich an diesen abgefahrenen Typen nicht die Finger verbrennen. Als Band ging es den Schwestern im Vergleich zu den meisten anderen Gruppen ohne Plattenvertrag zwar gut, sie spielten ihren Bowie/Reed/NY Dolls-Glam Rock praktisch jeden

Abend in vollen Häusern und verdienten dabei ordentlich. Aber für den grossen Durchbruch bedurfte es die Unterstützung und den Support einer Plattenfirma – und den bekamen sie nicht. Erst ein obskures kleines englisches Punklabel sorgte dafür, dass die Schwestern aus ihren enggesteckten Grenzen ausbrechen konnten. Ein selbstfinanzierter Trip nach England, ein Auftritt in einer dortigen TV-Show und die Hilfe von Lemmy Kilmister sorgten dafür, dass Twisted Sister endlich das Licht am Ende des Tunnels sahen. Die über 2-stündige Doku lässt neben den Musikern jede Menge beteiligte Personen und Weggefährten zu Wort kommen und zeigt diverse Konzertmitschnitte aus den frühen 70ern bis hin zum Durchbruch zu Beginn der 80er Jahre. Etwas mehr von diesen Live-Sequenzen anstatt jede Menge ausufernde Interviews hätten zwar für mehr Spannung gesorgt, trotzdem ist „We Are Twisted F*ucking Sister“ eine sehr gelungene Dokumentation über eine massiv hart arbeitende Band auf dem Weg zur Spitze, Pleiten, Pech und Pannen inbegriffen.


KONZERTKALENDER

Heitere Open Air 12. - 14. August 2016 Heitere-Platz, Zofingen www.heitere.ch Das Open Air auf dem «Heitere» oberhalb des zentral gelegenen Städtchens Zofingen trumpft mit der überschaubaren Grösse, der lauschigen Atmosphäre, dem friedlichen Zeltplatz – und einem enorm vielseitigen Musikangebot auf drei Bühnen. Aufgrund der grossen Nachfrage sind derzeit nur noch Tagestickets für den Sonntag sowie Zeltplatz-Voucher erhältlich. Das Programm des letzten Festivaltages ist gespickt mit Highlights: Höhepunkt ist die britische Reibeisenstimme James Morrison. Mit Black M konnte zudem einer der beliebtesten französischen HipHop-Acts gebucht werden. Eine heisse Prise südländisches Feeling kann von Senkrechtstarter Álvaro Soler erwartet werden, der es mit dem Sommer-Hit «El Mismo Sol» in die Charts vieler europäischer Länder schaffte. Idealbesetzung für einen tollen Heitere-Sonntag sind die verpflichteten Schweizer Künstler, angefangen mit der Combo Troubas Kater, die ihr neues und überraschend frisches Projekt mit Tuba, Akkordeon und Bläsersätzen präsentiert, bis hin zum Zürcher Nickless, der für seinen Ohrwurm «Waiting» mit einem Swiss Music Award ausgezeichnet wurde. Mit seinem neuen Album «Heiterefahne» darf natürlich Trauffer keinesfalls fehlen. Hinzu kommen 77 Bombay Street, welche ihr Album «Seven Mountains» und alle ihre Hits im Gepäck haben, sowie der regelmässige Heitere-Gast Bligg, der immer wieder mitreissende Shows garantiert. Mit diesen Aussichten gilt: Jetzt Tickets beim Ticketcorner sichern!

TRAUFFER

JAMES MORRISON

60

BLIND GUARDIAN

FEUERSCHWANZ, IGNIS FATUU

14.5. Chur, Palazzo

28.10. Pratteln, Z7

BLUE OYSTER CULT

FIDDLER'S GREEN

31.7. Pratteln, Z7

19.11. Pratteln, Z7

BLUES CARAVAN 2016

5 SECONDS OF SUMMER

24.6. Rapperswil, Blues'n'Jazz

24.5. Zürich, Hallenstadion

BONFIRE

GARY CLARK JR.

14.5. Wetzikon, Hall Of Fame

15.6. Zürich, X-Tra

BRYAN ADAMS

GLASPERLENSPIEL

2.6. Zürich, Hallenstadion

29.9. Bern, Bierhübeli

BUDDY GUY

30.9. Zürich, X-Tra

5.7. Zürich, Kongresshaus

GOJIRA

CANNIBAL CORPSE, KRISIUN

17.6. Pratteln, Z7

10.5. Aarau, KIFF

HAKEN

CARO EMERALD

30.5. Pratteln, Z7

3.11. Zürich, Kaufleuten

HATEBREED, BURY TOMORROW

CHARLIE PUTH

5.5. Zürich, X-Tra

8.5. Zürich, X-Tra

HERBERT GRÖNEMEYER

CHRIS BROWN

10.6. St. Gallen, AFG Arena

26.5. Zürich, Hallenstadion

HILLBILLY MOON EXPLOSION

COOL SOUL FESTIVAL mit

8.5. Dübendorf, Love Ride

THE BELLRAYS, DALLAS FRESCA &

13.5. Schaffhausen, Kammgarn

THE FLESHTONES

14.5. Bulle, Ebullition

6.5. Zug, Galvanik

4.6. Genf, La Graviere

COLDRAIN

3.9. Aarburg, Route 66 Festival

10.5. Zürich, Komplex Club

IL DIVO

CROWBAR, TROUBLE

3.6. Zürich, Hallenstadion

11.5. Zürich, Dynamo

IN EXTREMO

DANA FUCHS

20.10. Zürich, Komplex 457

28.6. Pratteln, Z7

IRON MAIDEN + weitere Acts

DIANA KRALL

3.6. Luzern, Allmend

AC/DC

BABYMETAL

15.7. Zürich, Kongresshaus

JADED HEART, CROWN OF GLORY

29.5. Bern, Stade de Suisse

2.6. Pratteln, Z7

DISTURBED

27.5. Wetzikon, Hall Of Fame

ADAM LAMBERT

BAD RELIGION

8.6. Zürich, Komplex 457

JETHRO TULL

5.5. Zürich, Volkshaus

11.7. Pratteln, Z7

ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA

13.+14.11. Basel, Musical Theater

ADELE

BARCLAY JAMES HARVEST

3.5. Zürich, Hallenstadion

KALLES KAVIAR

17.+18.5. Zürich, Hallenstadion

21.11. Zürich, Volkshaus

ELVIS COSTELLO

13.5. Aarau, KIFF

ALICE COOPER

BASEMENT SAINTS

1.6. Zürich, Volkshaus

KICKIN VALENTINA, KING ZEBRA

9.6. Pratteln, Z7

7.5. Rapperswil, Rattenfest

ES BRENNT - WAS TUN

20.5. Wetzikon, Hall Of Fame

AL PRIDE

9.7. Olten, Coq d'Or

6.5. Will, Gino's

KISSIN DYNAMITE

20.5. Luzern, Schüür

29.7. Oppigen, Biohof

28.5. Bischofszell, OA

27.10. Pratteln, Z7

27.5. Aarau, KIFF

30.7. Etziken, Open Air

9.7. Nufenen, OA Rheinwald

KORN

ANDREAS KÜMMERT & BAND

BEHEMOTH

23.7. Flüelen, Tells Bells OA

16.6. Pratteln, Z7

26.11. Pratteln, Z7

29.10. Luzern, Schüür

6.8. Malans, OA

L'AME IMORTELLE

ANTHRAX

BEYONCE

EXODUS

8.10. Pratteln, Z7

18.6. Pratteln, Z7

14.7. Zürich, Letzigrund

8.8. Pratteln, Z7

LAURA PAUSINI

ATREYU

BEN HARPER & INNOCENT CRIMIN.

FAMARA

20.10. Zürich, Hallenstadion

21.6. Zürich, Dynamo

3.10. Zürich, Hallenstadion

21.5. Liestal, Guggenheim OA

21.10. Genf, Arena

BABOON SHOW

BETH HART

2.6. Horgen, Autofähre

LIMP BIZKIT

5.5. Bern, ISC

6.7. Pratteln, Z7

4.6. Sins, Seiserkurve

23.8. Zürich, Komplex 457


KONZERTKALENDER MANFRED MANN'S EARTHBAND

PAOLO CONTE

STEEL PANTHER

3.10. Pratteln, Z7

18.5. Zürich, Kongresshaus

8.8. Zürich, Komplex 457

MANILLIO

PATTY SMITH & HER BAND

TAJ MAHAL TRIO

14.5. Luzern, Schüür

29.6. Zürich, Volkshaus

6.5. Zürich, Kaufleuten

28.5. Aarau, KIFF

PENDRAGON

TERROR, BROKEN TEETH

15.7. Bern, Gurtenfestival

15.5. Pratteln, Z7

10.5. Zürich, Dynamo

MANTOCLIFF

PENTATONIX

THE CHIKITAS

25.5. Luzern, Schüür

14.6. Zürich, Hallenstadion

14.5. Aarau, KIFF

MARDUK

PLACEBO

THE CURE

16.5. Pratteln, Z7

16.11. Zürich, Hallenstadion

4.11. B asel, St. Jakobshalle

MARIA MENA

POTHEAD

THE DUES @ WAHUBAR

6.11. Zürich, Kaufleuten

22.5. Pratteln, Z7

5.5. Zug, Galvanik

MARKY RAMONE

QUEENSRYCHE

THE HOOTERS

16.6. Solothurn, Kofmehl

21.8. Pratteln, Z7

24.7. Pratteln, Z7

MASTERS OF SYMPHONIC METAL:

RAMMSTEIN + weitere Acts

THE MYSTERY LIGHTS

LEAVES EYES, VISIONS OF ATLANTIS, 4.6. Luzern, Allmend

1.6. Luzern, Schüür

ALMANC

ROCK THE RING:QUEEN, SCORPIONS, THE ORDER

14.5. Pratteln, Z7

IGGY POP, MARILLION, SHAKRA,

6.5. Pratteln, Z7

MEGADETH

MANDO DIAO, EUROPE + mehr

THE QUIREBOYS

15.6. Pratteln, Z7

17.-19.6. Hinwil

21.11. Pratteln, Z7

METAL CHURCH

RODRIGUEZ

UNEARTH

12.5. Pratteln, Z7

6.7. Zürich, X-Tra

19.8. Luzern, Schüür

METALMAYHEM: LONG DISTANCE

ROD STEWART

UP IN SMOKE FESTIVAL: ELECTRIC

CALLING, PIL & BUE u.a.

1.7. Zürich, Hallenstadion

WIZZARD, TRUCKFIGHTERS, ELDER,

7.5. Aarau, KIFF

SCHILLER

PENTAGRAM, MONKEY 3, COUGH,

METALMAYHEM: CANNIBAL CORP.

10.10. Zürich, Hallenstadion

1000 MODS, YAWNING MAN u.a.

KRISIUN, HIDEOUS DIVINITY

SEVEN

30.10.+1.11. Pratteln, Z7

10.5. Aarau, KIFF

6.5. St. Gallen, Kugel

VANDEN PLAS

METALMAYHEM: RISE OF THE

7.5. Chur, Palazzo

9.9. Pratteln, Z7

NORTHSTAR, GWLT

SICK OF IT ALL, VALE TUDO

VANNA INGET

12.5. Aarau, KIFF

24.6. Solothurn, Kofmehl

26.5. Bern, ISC

METALSTORM Vol. 4: MOONSPELL,

SILBERMOND

WALTER TROUT

BLACK SUN AEON, WOLFHEART,

25.5. Zürich, Hallenstadion

8.11. Pratteln, Z7

CONTORSION, BLOODSTAINED GR.

SIMON PHILLIPS

WARREN HAYNES

1.10. Luzern, Schüür

20.5. Pratteln, Z7

13.7. Pratteln, Z7

MINISTRY

SLAM & HOWIE

WHITESNAKE

31.7. Luzern, Schüür

28.5. Huttwil, Sporrtzentrum

Pratteln, Z7

MUMFORD & SONS

18.6. Monte Carasso, OA

WOLFMOTHER

16.5. Zürich, Hallenstadion

16.7. Klewenalp, OA

9.5. Zürich, Volkshaus

MUNICIPAL WASTE

13.8. Mannried, OA

YOKKO

30.6. Zürich, Dynamo

25.8. Glarus, Sounds Of Glarus

14.5. Lyss, KUFA

MUSE

3.9. Oberarth, Horseshoe

Y&T

11.+12.5. Zürich, Hallenstadion

10.9. Jaun, Oktopenair

18.9. Pratteln, Z7

NICKELBACK

SLAYER

ZAKK WYLDE

13.9. Zürich, Hallenstadion

27.6. Pratteln, Z7

29.5. Zürich, Komplex 457

NOISE FEST Vol. 3 mit

SOILWORK

ZUCCHERO

DEFENDER, GHOST LIGHTS

1.7. Pratteln, Z7

31.10. Zürich, Hallenstadion

FINAL STORY, MINDCOLLISION

SOLSTAFIR

2.11. Genf, Arena

21.5. Zug, Galvanik

19.5. Aarau, KIFF

OROPAX

STATUS QUO

23.+24.6. Luzern, Schüür

15.10. Zürich, Hallenstadion

präsentiert

MONSTER TRUCK 10.11. Zürich, Dynamo

ERIC BURDON & THE ANIMALS 2.9. Zürich, Volkshaus

IN EXTREMO 20.10. Zürich, Komplex 457


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«Alles Nix Konkretes»

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KONZERT-TICKETS:

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AMON AMARTH

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MONSTER TRUCK

«Jomsviking» CD

7.6. Zürich, Dynamo

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