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No. 1/2015 Januar / Februar 5. Jahrgang

Das einzige Schweizer Gratis-Magazin f端r musikalische Lebenskultur

>POP >ROCK >METAL >INDIE/ALTERNATIVE >COUNTRY/AMERICANA >SWISS >BLUES

MELISSA ETHERIDGE DARKHAUS TENACIOUS D ROCK MEETS CLASSIC

>WORLD

FOO FIGHTERS

ARCHIVE * TAPED * PHRASELAND * MORGOTH * IN THIS MOMENT * iGROOVE * PIGEONS ON THE GATE * SLASH * KILL IT KID * THE BEATLES * THE KINKS


Inhalt MELISSA ETHERIDGE

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Melissa Etheridge ist eine Frau, die weiss, wer sie ist und wo sie hin will. Und ihr Weg heisst RocknRoll, auf dem sie bereits jede Menge Awards aufgesammelt hat. Mit ihrem neuen Album zeigt sie eindrücklich, dass sie sich von Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lässt. Die Powerfrau im Interview.

DARKHAUS

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Die beiden Köpfe hinter Darkhaus, dem neuen Rock'n'Goth-Überflieger, sind Gary Meskil von der Hardcorelegende Pro-Pain und Rupert Keplinger, der unter anderem bei der Neue-DeutscheHärte-Band Eisbrecher tätig ist. Die Hintergründe dieses abenteuerlichen Projekts erklären Gary und Sänger Kenny Hanlon.

FOO FIGHTERS

FEATURES / INTERVIEWS: - ARCHIVE

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Klangkünstler

- SPIKE

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Der Quireboys-Fronter gibt Frankie Miller die Ehre

- ROCK MEETS CLASSIC 20 Das jährliche Bombast-Spektakel

- IN THIS MOMENT

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Sex›n›Metal

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Dave Grohl hat nach dem Ende von Nirvana glücklicherweise nichts anbrennen lassen und mit den Foo Fighters eine der erfolgreichsten Rockbands gegründet, die rund um den Globus gefeiert wird. Das achte Studioalbum „Sonic Highways“ präsentiert das Quintett nun in ein einem zwar gewohnten, aber neu beleuchteten Outfit. Leadgitarrist Chris Shiflett gibt Auskunft.

- TENACIOUS D

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Spass in den Backen

- MORGOTH

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Ein Comeback mit Schatten

Schweizer Szene: Hier liegt

- iGROOVE

38

Schweizer Fairtrade Musikportal

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- PIGEONS ON THE GATE 40 Irish Tunes

- TAPED

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Liechtensteiner Wölfe

- PHRASELAND

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Singer/Songwriter zwischen den Welten

Aus administrativen Gründen können wir Einzelexemplare nur im Abo (Seite 60) verschicken

www.tracks-magazin.ch

Live Reviews: SLASH, KILL IT KID LUCERNE BLUES FESTIVAL

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Reviews

- 8

Mainstream/Indie/Alternative Billy Idol, Foo Fighters, Blackberry Smoke, Melissa Etheridge, Farin Urlaub, Jerry Lee Lewis, Slipknot, Neil Young, Status Quo, Trigger Hippy ...

- 34

Swiss Bloodstained Ground, Johnny Fontane & The Rivals, The Pearlbreakers, Rebel Squad, Influence X...

Blues Gary Moore, Mike Zito & The Wheel, Vargas Blues Band, Howlin Bill

- 48

DVD/BluRay

- 50

Re-Releases

Hard/Heavy/Metal Sodom, Crobot, Slomind, Crazy Lixx, Rated X, Magnum, Nitrogods, Hämatom, Hypnos, Allen Lande, Vlad In Tears, Soledown...

- 42

- 46

Jeff Beck, Rolling Stones, Guns`n`Roses The Beatles, The Kinks, Bryan Adams, Kiss, Groundhogs, The Who, Smashing Pumpkins ...

- 60 - 62

Konzertkalender Wettbewerb / Impressum

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Rock n Roll stirbt nie

MELISSA ETHERIDGE ip. Mit 27 Jahren holte sich Melissa Etheridge ihre erste Grammynominierung ab, der den wohl bekanntesten Song „Bring Me Some Water“ ihres 1988 erschienen Debüts ehrte. Mit nach Hause nehmen durfte sie die Auszeichnung einige Jahre später für „Ain't It Heavy“ und „Come To My Window“ und das sollten nicht die einzigen Preise innerhalb ihrer bemerkenswerten Karriere sein. Der Gibson Guitar Award krönt beispielsweise die Seriosität, mit der sie ihr Handwerk betreibt und ein Songwriter Of The Year Award spricht für sich selbst. Mit „M.E.“ hat sie ein neues Album veröffentlicht, auf dem sie ihrem typischen Stil frischen Wind einhaucht, das aber immer noch ihre Hingabe zum Rock'n'Roll feiert und ihren nach wie vor enorm hohen musikalischen Tatendrang unterstreicht. Melissa Etheridge ist eine Frau, die weiss, wer sie ist und wo sie hin will und die sich durch diverse Schicksalsschläge nicht von ihrem Kurs hat abbringen lassen. TRACKS führte mit ihr ein aufschlussreiches Gespräch mit intimen Einblicken.

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Du sagst, dass dein neues Album dein bisher persönlichstes ist. Ich würde allerdings sagen, dass alle deine Songs immer sehr persönlich klingen und du genau deshalb zu den wenigen Künstlerinnen gehörst, die sehr nah an ihren Fans sind. Du hast Recht. Zu sagen, dass dieses Album das persönlichste ist, ist eigentlich ein bisschen blöd, weil das auch alle vorherigen sind. Der Grund, warum es sich gerade jetzt danach anfühlt, ist schlicht der, dass es das zeitlich aktuellste ist. Es spiegelt wider, wie es mir momentan geht. Die alten Songs waren damals aktuell und stimmten mit meinem Leben zu dieser Zeit überein. Jetzt liegen sie aber in der Vergangenheit. In meinen neuen Songs hört man die Gegenwart, das ist der Grund für diese Aussage. Du hast vor ein paar Monaten wieder geheiratet. Hat deine Beziehung zu deiner Frau einen Einfluss auf das neue Album gehabt? Absolut. Sie ist wohl die Person, mit der ich meine bisher intuitivste Beziehung führe. Sie arbeitet in der TV-Industrie und kennt sich daher mit kreativen Prozessen aus. Sie hilft mir, mich zu fokussieren und an mich und meine Arbeit zu glauben. Sie inspiriert mich immer wieder. Du magst Bruce Springsteen sehr gerne und auf deinem Album findet sich mit „I Won't Be Alone Tonight„ ein Tribut an ihn. Oh, ja! Als ich anfing, mit meinem Produzenten Jon Levine zu arbeiten und ihn kennenlernte, sagte ich zu ihm, dass ich Bruce Springsteen sehr mag. Und er antwortete: „Ich auch“. Daraufhin sind wir völlig in einem Gespräch über unsere gemeinsame Liebe zu Springsteen-Songs aufgegangen und wir fragten uns, ob wir nicht einen Song schreiben sollten, den er hätte komponieren können. Und daraus entstand der Opener des Albums „I Won't Be Alone Tonight“, eine total unverfrorene Liebeserklärung an Bruce. Alleine der Rhythmus, aber auch die Instrumentierung, das ist alles Springsteen. Auf „M.E.“ gibt es leichte elektronische Anleihen, denn du hast mit einigen Effekten experimentiert. Das steht deinem bekannten Stil sehr gut und gibt ihm einen ganz neuen Zugang. Wie ist das passiert? Das war meine volle Absicht. Als ich das Album zu schreiben begann, wollte ich die heutige Technologie, die heutigen Sounds nutzen, ohne den soliden Rock'n'Roll-Kern zu verlieren. Denn dieser Kern steckt in mir drin, das bin ich. Ich wollte meine Gitarren, meine Stimme, meine Melodien und meine Texte nehmen und dies dann sozusagen in ein neues Auto packen. Dieses Auto steht sinnbildlich für diesen neuen Sound, und ich bin damit einfach losgefahren. Das hat meine ursprüngliche Musik unterstützt, aber nicht überlagert. Diesem roten Faden bin ich auf dem Album gefolgt und es hat sich sehr gut angefühlt. Das hört man auch, denn die neuen Elemente sind überhaupt nicht übertrieben, sondern sehr überlegt eingesetzt und das Resultat klingt sehr ausbalanciert. Das freut mich sehr zu hören, vielen Dank. Das war meine Absicht. „M.E.“ ist vollgepackt mit potentiellen Lieblingssongs. Zwei meiner persönlichen Favoriten sind „A Little Bit Of Me“ und „Who Are You Waiting For“. Wie kommt es, dass diese beiden Nummern ganz am Ende des Albums gelandet sind? (lacht) Das sind vermutlich die beiden gefühlvollsten Songs auf der Platte. Sie sind sehr fein, sehr zart. Ich wollte sie nicht zwischen den Rock'n'Roll-Tracks platzieren, da wären sie vielleicht untergegangen. Alle anderen Songs sind sehr roh und sehr direkt. Als wir diese beiden von dir genannten dazwischen legten, wurde mir klar, dass sie da nicht hinpassten. Ich wollte diese beiden Songs in Sicherheit bringen, deshalb habe ich sie ans Ende gelegt (lacht). Du hast gerade die rohe, rockige Seite deines Albums angesprochen. In einem kürzlich veröffentlichten Interview meintest du, dass der Rock'n'Roll nicht tot ist, wie oft plakativ behauptet wird. Ich schliesse mich deiner Aussage an, denn das ist meistens einfach eine Frage des Blickwinkels. Warum kann deiner Meinung nach der Rock'n'Roll nie sterben? Weil er ein „Spirit“ ist. Er nimmt so viele Formen an und ist nicht einfach ein Musikgenre. Du kannst nicht auf einen Carl PerkinsSong zeigen und sagen: „Das ist Rock'n'Roll!“ und alles, was ähnlich klingt, ist es dann eben auch. Rock'n'Roll ist eine

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Einstellung, er inspiriert einen jungen Menschen dazu, musikalisch Stellung zu nehmen, Grenzen zu überschreiten und zum Beispiel über Liebe und Verlangen zu singen, wenn sie eigentlich gar nicht dazu in der Lage sind, weil die Liebe zu diesem Zeitpunkt unerreichbar scheint. Es geht um Gefühle, um einen Einblick in die Seele, aber auch darum, das Publikum auf die Beine zu holen und sie zum durchdrehen zu bewegen. Das ist Rock'n'Roll. Und das ist auch bei jedem meiner Konzerte meine Absicht: Ich will rocken! Du bist ein Gitarren-Nerd, wenn man das so ausdrücken darf. Jaa!! Das ist relativ ungewöhnlich für eine Frau. Was ist das Wichtigste zwischen dir und deiner Gitarre? Die Geschichte von mir und meiner Gitarre ist eine lange Reise. Das Solospielen habe ich viele Jahre lang immer den Jungs in meiner Band überlassen. Vor fünf Jahren kam bei mir dann der Punkt, wo ich das selbst übernehmen wollte. Ich wollte spielerisch aufsteigen, selbst die Soli übernehmen und die ganzen Möglichkeiten, die damit zusammenhängen, studieren. Ich habe mich also mit meinen besten Gitarristen zusammengesetzt und sie haben mich beraten, was Sounds angeht, Pedale, Effekte, verschiedene Gitarrenmodelle und Techniken. Ich bin ihnen wahnsinnig dankbar dafür, denn ich habe so viel gelernt. Ich habe jetzt keine Angst mehr davor, rauszugehen und die grossen Sachen zu spielen, richtig Lärm zu machen und der Leadgitarrist zu sein. Du sagtest auch an anderer Stelle, dass dir dein Gitarrenroadie leid tut, weil er auf Tour jeden Tag die Saiten deiner drei zwölfsaitigen Gitarren wechseln muss. (lacht) Ja, das tut er! Er hat verdammt viele Saiten zu wechseln. Er ist ein ganz fantastischer Mann, aber das sind echt viele Saiten. Deine 82er Les Paul Custom ist deine meistbenutzte und somit liebste Gitarre. Wenn du jetzt eine unlimitierte Menge an Geld zur Verfügung hättest, um dir damit Gitarren zu kaufen, was würde in deinem Einkaufskorb landen? (lacht) Ich würde sie ALLE kaufen! Ich liebe Vintage-Gitarren! Was ich dringend noch brauche, ist eine Stratocaster von exzellent guter Qualität. Ich hätte eigentlich auch gerne eine 57er Les Paul Custom für 50'000 Dollar. Da gäbe es wohl kein Halten mehr für mich (lacht). Welche Gitarristen zählst du zu deinen Favoriten? Ich bin ein grosser Fan von Keith Richards, ich mag seinen Rhythmus. Stevie Ray Vaughn mag ich auch sehr gerne und natürlich Jimi Hendrix. Das sind wohl meine drei Favoriten. Lass uns die Zeit etwas zurückdrehen. Es gibt diesen Auftritt von dir und Joss Stone bei den Grammy Awards 2005. Das war wohl einer der berührendsten Bühnenmomente in der Musikgeschichte, denn es handelte sich um deinen ersten Auftritt nach deiner Krebserkrankung. Du hast mit deiner Entscheidung, keine Perücke zu tragen, ein unglaublich mutiges Statement abgeliefert und deine Performance war unglaublich kraftvoll. Ihr habt „Cry Baby“ und „Piece Of My Heart“ gespielt und Joss Stone singt die Zeile „Welcome back home, baby“. War es für dich ein „Willkommen zurück zu Hause“-Moment, als du auf die Bühne kamst? Das war es tatsächlich. Es war das erste Mal, dass ich überhaupt irgendwo in Erscheinung getreten bin. Ich war während der ganzen Zeit meiner Krebsbehandlung nicht ein einziges Mal in der Öffentlichkeit. Als ich die Anfrage zu diesem Auftritt bekam, merkte ich, dass ich das tun wollte. Meine Intention war, den Leuten zu zeigen, dass die Krankheit nichts von meinem Kampfgeist und meiner Seele genommen hatte. Ich wollte immer noch da rausgehen und rocken! Und alle Leute, die entweder daran mitgearbeitet oder den Auftritt gesehen hatten, haben mich mit offenen Armen empfangen. Das war wirklich ein sehr besonderer Augenblick in meinem Leben. Ich hoffe, dass ich damit auch einigen Menschen helfen konnte. Das sind immer wichtige Momente für mich, wenn mir jemand auch noch nach zehn Jahren erzählt, dass ihnen dieser Auftritt geholfen hat. Das bedeutet mir sehr viel. Auf deiner Facebookseite gibt es ein Video, auf dem dein Besuch bei einem der Auftritte von Anthony Robbins, einem bekannten amerikanischen Motivationstrainer, zu sehen ist. Du sitzt im Publikum und er spricht dich auf deine schlimmste Angst an. Du sagst, dass du am meisten


«Ich habe jetzt keine Angst mehr davor, rauszugehen und die grossen Sachen zu spielen, richtig Lärm zu machen und der Leadgitarrist zu sein» fürchtest, dass dein Erfolg etwas von deinem Familienleben wegnimmt. Robbins antwortet darauf, dass jede Sache etwas von einer anderen Sache wegnimmt, du aber durch deinen Erfolg sehr viel an eine Menge anderer Leute weitergibst. Was waren deine Gedanken, nachdem du Robbins zugehört hattest? Er ist ein toller Mentor für mich. Er hat mir geholfen zu verstehen, dass ich nur dann die beste Mutter für meine Kinder sein kann, wenn ich für mich selber das Beste bin und meine Träume und Wünsche mit Freude verfolgen kann. Ich versuche ich auch, meinen Kindern zu vermitteln, dass dies eigentlich der Sinn des Lebens ist. Er sagte auch im Zusammenhang mit deinem Erfolg, dass Bestätigung nicht das gleiche wie Liebe ist. Es ist natürlich ein sehr grosser Unterschied zwischen der Liebe, die du für deine Familie empfindest, und der Beziehung, die du zu deinen Fans hast. Würdest du die beiden Begriffe „Liebe“ und „Bestätigung“ auch dann trennen, wenn es um dein Publikum geht? (denkt nach) Ja, sicher. Ich weiss, dass meine Fans mich lieben und das gilt natürlich auch umgekehrt. Sie bestätigen damit meine Hoffnung, dass sie meine Musik geniessen. Natürlich gibt es einen Unterschied, aber ich würde nie wollen, dass ein Fan denkt, dass ich ihn nicht zurückliebe! Ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Ok, gut (lacht). War dir auch vor dem Besuch bei Robbins klar, welch grossen Einfluss du auf das Leben deiner Fans hast? Dass der eine oder andere Song jemandem durch eine schwere Zeit helfen konnte? Ich bekomme viele Rückmeldungen darüber, sei es als Email oder mündlich. Die Menschen erzählen mir ihre Geschichte und sagen, dass meine Musik ihnen sehr geholfen hat und sie ihnen viel bedeutet. Manchmal nutzen sie meine Songs sogar bewusst als Unterstützung, um eine schwere Zeit durchzustehen. Was kann man sich als Musiker mehr wünschen? Ein anderer Eintrag auf deiner Facebookseite zitiert Albert Einstein: „Wer der Menge folgt, wird gewöhnlich nicht weiter kommen als die Menge. Wer alleine marschiert, wird sich wahrscheinlich an Orten wiederfinden, an denen noch keiner

zuvor gewesen ist.“ Was war der Grund dafür, dieses Zitat zu posten? (schmunzelt) Ich sage oder schreibe manchmal Dinge, die ausserhalb der bequemen Konformitätszone liegen. Dieses Zitat war eine indirekte Antwort auf einen Artikel für die AARC (American Association for Respiratory Care), in dem ich über Gesundheit geschrieben habe. Ich schrieb, dass ich Gesundheit als individuelle Verantwortung sehe. Wie du mit deinem Körper umgehst, hat einen massgeblichen Einfluss auf deine Gesundheit. Aufgrund dieses Artikels bekam ich sehr viele Rückmeldungen von Krebspatienten, die ihre Krankheit überwunden hatten oder noch in Behandlung waren, aber auch von Angehörigen, die ihre Lieben an diese Krankheit verloren hatten. Sie hatten meine Äusserungen als Affront verstanden und dachten, ich hätte ihnen die Schuld an ihrer Krankheit gegeben. Das führte zu vielen bösen Emails, Blog- und Interneteinträgen über mich. Das hat mich ziemlich getroffen, aber ich glaube trotzdem sehr daran, was ich gesagt habe. Viele Fans waren auch ziemlich traurig darüber, dass ich so angegriffen wurde. Mit diesem Zitat wollte ich sie wissen lassen, dass es nicht immer einfach ist, in der Öffentlichkeit zu stehen und seine Meinung äussern zu können, ohne dass man verurteilt wird. Würdest du dich, als Künstlerin, als eine Person beschreiben, die alleine marschiert, wie im Zitat? (überlegt lange) Ja, das würde ich. Wenn ich mich heutzutage umsehe, dann finde ich keine Schublade, in die ich passen würde. Darüber bin ich auch froh, denn ich will gar nirgends hineinpassen. Ich konnte den Trends standhalten und bin, wer ich bin. Sind in der nächsten Zeit Europakonzerte von dir zu erwarten? Ich werde Anfang Januar nach Europa kommen, um Pressetermine wahrzunehmen. Und wir arbeiten an einer Europatour im Frühling, die wahrscheinlich zwischen März und Mai stattfinden wird. Dann wünschen wir dir sicheres Reisen und bedanken uns für das Gespräch. Danke auch und ich freue mich auf die Shows bei euch im Frühling.

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REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative PINK FLOYD The Endless River Parlophone/Warner

Unsaid“, „Calling”), zusammen mit Gilmours typischem Gitarrensound („Allons-Y“) und verträumten Piano-Balladen („Anisina” und „The Lost Art Of Conversation“); viel hat sich nicht verändert: Für die einen noch immer „lustlos umhertapsende Improvisationen“, für andere eine „überirdische Schöpfung“. In jedem Fall tickt die Zeit zugunsten Pink Floyds unsterblicher Musik.

TOKIO HOTEL Kings Of Suburbia Universal

BILLY IDOL Kings And Queens Of The Underground BFI hh. In diesem Jahr wird er 60. Aber von Altersmilde keine Spur. Auf seinem neuen Album spielt Billy Idol eine Trumpfkarte nach der anderen und knüpft an seine grössten Erfolge aus den 80ern an. Ein Grund dafür dürfte die neuerliche Zusammenarbeit als Songwriterteam mit seinem langjährigen Gitarristen Steve Stevens sein, denn gerade die gemeinsam geschriebenen Songs gehören zu den stärksten des Albums. Aufs erste Hören scheint das Album nach heftig rockendem Auftakt gegen Mitte abzuflachen, aber nur aufs erste Hören! Schon beim zweiten Durchgang offenbaren auch die etwas ruhigeren Songs ihre Klasse und graben sich unaufhaltsam in die Gehörgänge. Schon nach seinem harschen Comeback-Album „Devil's Playground“ (2005) war das Erstaunen gross, dass sich der blonde MainstreamPunkrocker wieder aus dem zwischenzeitlichen Drogensumpf herausgepaddelt hatte und ungebrochen und stark wieder ins Rampenlicht zurückkehrte. Lediglich Songs, wie die alten charmanten Megahits waren auf dem Album (noch) nicht auszumachen. Das hat sich nun geändert, Billy Idol ist auf „Kings & Queens…“ wieder in der Spur und liefert eine beachtliche Anzahl Songs, die zu seinen besten Zeiten hätten entstanden sein können. Und dafür gebührt, wie vorerwähnt, seinem Sidekick Steve Stevens alle Ehre. Zusammen sind Idol und Stevens ein perfektes

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Team, das sich auch nach all den Jahren immer noch blind versteht. Idol selbst weiss das zu schätzen, nicht umsonst stellt er bei Live-Konzerten seinen Kumpel gern und oft ins Spotlight. „Kings & Queens…“ ist zugleich ein sehr persönliches Album geworden, in dem Idol (im Titelsong)seine Vergangenheit Revue passieren lässt und zugleich optimistisch in die Zukunft blickt, wie im bewegenden „Postcards From The Past“. Idols Texte haben Tiefgang und rühren an, etwas, das im Popbereich ja nicht gerade oft vorkommt. Aber so kommt das Album auch musikalisch rüber, es ist zwar Mainstream-Rock, aber ohne kalkuliertes Schielen auf Chartsplatzierungen und bewahrt sich so eine gesunde Leichtigkeit und vor allem hohe Glaubwürdigkeit. Zudem gibt es musikalisch ebenfalls nichts zu mäkeln, die beteiligten Musiker, allen voran Steve Stevens, spielen mit höchster Qualität, druckvoll und stets songdienlich. Und der Chef selbst glänzt nach wie vor mit kraftvoller, ausdrucksstarker Stimme, die nichts von ihrer früheren Faszination und Eigenständigkeit, sprich hohem Wiedererkennungswert, verloren hat. Das der Sound sich der hohen Qualität der Songs ohne Abstriche anpasst, ist ein weiteres Plus. Bleibt nichts mehr zu sagen als: Klasse!!!

ub. „Die Einfallslosigkeit auf der ganzen Linie ist in jeder Sekunde präsent“, nörgelt Sounds 1975 über die LP “Wish You Were Here”. Über “schlechte Musik, die überhaupt nicht losgeht“, lässt sich bekanntlich nicht streiten. Heute spricht man von einer „überirdischen Schöpfung“ Pink Floyds. Deren Werke scheinen für die Ewigkeit gemacht, eine Annäherung braucht Zeit und Geduld. Dazwischen wurde der Tod des Rock-Giganten immer wieder heraufbeschworen, dabei machten David Gilmour, Nick Mason und Rick Wright ohne Gründungsmitglied Roger Waters weiter, der den Rechtsstreit um den Bandnamen gegen Gilmour verlor. Das letzte Lebenszeichen „The Division Bell“ erschien vor über zwanzig Jahren und war kommerziell massiv erfolgreich. Pink Floyd waren wieder Pink Floyd. Der Tod von Wright im Jahre 2008 begrub dann die letzte Hoffnung auf eine komplette Wiedervereinigung der Floyds. Relativ überraschend erscheint nun „neues“ Material, eingespielt von Gilmour, Wright und Mason, produziert von Gilmour und Phil Manzanera (Roxy Music). Die Neuveröffentlichung basiert auf 1993erSessions für „Division Bell“ und ist ein expliziter Tribut an Rick Wright. Das Material wurde mittels moderner Studiotechnologie überarbeitet, Parts wurden hinzugefügt, andere ganz neu eingespielt. Oft gibt es ja gute Gründe, wieso Bänder nicht veröffentlicht werden. Pink Floyd präsentieren mit „The Endless River“ jedoch keineswegs aufbereiteten musikalischen Abfall, sondern ein erstklassiges und zeitloses Instrumental-Opus. Zugegeben klingt vieles nach einem melancholischen Rückblick auf die frühen Jahre. Der „Crazy Diamond“ schimmert hie und da durch („It's What We Do“, „Talkin' Hawkin'“ oder beim beruhigenden und einzigen Stück mit Text „Louder Than Words“). Sphärische, teils monströse Klangteppiche aus dem Jenseits („Things Left

ip. In edler Aufmachung erscheint das vierte Studioalbum der einstigen TeenieIdole aus Magdeburg. Die vorliegende Deluxe-Edition mit zusätzlicher Interview-DVD wartet mit zwei Scheiben in dezentem Goldschallplattenlook auf und das Booklet ist designtechnisch dem elektronischen Sound angepasst. Denn genau so bunt und stilgemixt, wie das Booklet aussieht, klingt auch das Album. Es ist nicht mehr viel übrig von Songs wie „Monsun“ oder „Schrei“, die noch mit Gitarrenpop und ganz netten Hooks etwas darstellten. Auf „Kings Of Suburbia“ werden die echten Instrumente eingemottet und man setzt auf elektronische Spielereien und glattgebügelte Club-Nummern („Love Who Loves You Back“) mit feschen Dubstep-Anleihen. Als ersten Song haben Tokio Hotel „Run, Run, Run“ veröffentlicht, was schleierhaft ist, denn hier gibt es ausser Klavier nur Bill Kaulitz' Stimme zu hören und das ist nicht unbedingt gewinnbringend weil zu gewollt, geschweige denn repräsentabel für den Rest des Albums. Auf einem Grossteil der 15 Tracks kommt der CherGedenk-Autotunes-Effekt in etwas ermüdender Häufigkeit zum Zug. Einen Tiefpunkt der Songtextgeschichte erreicht das Quartett aber mit „Girl Got A Gun“, das zudem gewöhnungsbedürftig mit 80er-Jahre Videospielmusik unterlegt wird. Der Titeltrack kommt einem von irgendwoher bekannt vor und er verpasst es schmählich,


Mainstream/Indie/Alternative REVIEWS die Intention eines epischen Stadionsongs in die Realiltät umzusetzen. „We Found Us“ wird im Refrain um die Zeile „In this club, in this club“ erweitert, was diese altbackene Schote offensichtlich auch nicht besser macht. (Den Rest des Textes möchte man nicht wissen. Wirklich nicht.) Musikalisch bewegt sich „Kings Of Suburbia“ auf einem zu Recht verdrängten 90erNiveau mit 80er-Einschlag ohne erkennbare Zielgruppe, und das lässt sich auch nicht mit neuen technischen Mitteln schönreden. Hier gibt es aber auch nicht das kleinste bisschen Innovation, was man beispielsweise bei Lady Gaga oder sogar David Guetta finden kann und hier muss man anmerken, dass das DanceGenre ja eigentlich doch sehr viel Freiraum für Neuerfindung lässt. Vielleicht habe ich aber auch das Konzept einfach nicht verstanden und die mitgealterten Fans von damals reissen sich um dieses neue Album. Schwer vorzustellen ist allerdings, dass Tokio Hotel an ihren damaligen Erfolg anknüpfen können. Polarisieren können Tokio Hotel allerdings immer noch im grossen Stil.

LAURA CARBONE Sirens Duchess Box Records hh. Die ehemalige Sängerin der Mannheimer Poppunker Deine Jugend wagt den Alleingang. „Sirens“ ist ein feines, absolut gelungenes Debüt mit schönen Songs und zeigt Laura als einfühlsame Sängerin, die aber auch ihre rockigen Seiten nicht versteckt. Sie versteht es, in ihre Songs jede Menge Gefühl und Melancholie zu packen, aber auch in intimen Momenten immer mit einem gewissen trotzig-rotzigen Unterton. Das steht den Songs gut und sorgt für eine hohe Eigenständigkeit. Dass zudem noch ein paar echte Perlen dabei sind, die durchaus das Zeug zum Hit haben, macht die ganze Sache umso attraktiver. Produzent Bonassis (exLiquido), der bereits zusammen mit Carbone bei Deine Jugend rockte, kennt seinen Schützling offenbar sehr genau, denn er schneidert den perfekten Sound auf Carbone's Stimme und holt aus ihrem Gesang das Beste heraus. Tolles Debüt, gerne mehr davon! Offizielle Veröffentlichung: 27.1.15

PETER MAFFAY Wenn das so ist -Live Sony

hh. Nach dem durchschlagenden Erfolg seines letzten Studioalbums „Wenn das so ist“, kommt Peter Maffay jetzt mit einem Live-Mitschnitt der selben Songs dieses Albums hinterher. Da darf durchaus die Frage gestellt werden, was das soll? Ok, Live-Versionen unterscheiden sich meist von den Studioversionen, im besten Fall überträgt sich die KonzertAtmosphäre auch per Konserve auf den Hörer und vermittelt das Gefühl, auch dabei gewesen zu sein. Zudem gibt es normalerweise den einen oder anderen Song, der bislang noch nicht zu hören war oder es kommen neue Version von bekanntem Liedgut. All das ist hier nicht der Fall bzw. nur in beschränktem Mass. Es macht zwar Spass, die hervorragende Maffay-Band quasi bei der „echten“ Arbeit zu erleben, aber das konnte man ja auch schon auf der Studio-Platte, die ohnehin grösstenteils live eingespielt wurde. Und wie es nun mal so ist, die Studioplatten sind soundtechnisch nun mal eine andere Kategorie als Live-Mitschnitte. Hier hat der Künstler Zeit an Sounds zu basteln und, im Fall von Maffays letztem Studiooutput, ein optimales Ergebnis vorzulegen. Wobei ausdrücklich gesagt werden muss, dass das Live-Album auch vom Sound her auf höchstem Niveau daherkommt. Aber weniger ist bei Maffay sowieso nicht zu erwarten, der Mann bringt seit Jahrzehnten stets höchste Qualität. Also, was ist nun der Grund für ein derartiges LiveAlbum, das sich vom regulären in nichts unterscheidet (ausser der Titelreihenfolge). Wir wissen es nicht und können nur mutmassen. Wahrscheinich soll es die Vorfreude (und Ticketverkäufe) der am 15.1. startenden Tour bei den Fans anheizen. Aber da die meisten Konzerte sowieso ausverkauft sind, gibt es da schon wieder ein Fragezeichen. Vielleicht als Souvenir für die Konzertgänger, damit die

Erinnerung daran auch zuhause hörbar bleibt. Aber dann sollte Maffay das Album nur auf der Tournee verkaufen, das würde dann Sinn machen. So bleibt also Ratlosigkeit. Aber wir nehmen mal an, dass sich Maffay & Co sicher etwas bei diesem Release gedacht haben. Was auch immer das ist, unterm Strich bleibt, dass alle, die bereits die reguläre Studioplatte haben, das LiveAlbum eigentlich nicht brauchen. Aber diejenigen, die sich das Live-Album besorgt und die Studioplatte noch nicht haben, sollten das schleunigst nachholen – denn getoppt werden die grandiosen Studioversionen der Songs mit „Wenn das so ist – Live“ definitiv nicht.

BRYAN FERRY Avonmore BMG

ub. Nun ist es soweit: Bryan

Ferry veröffentlicht sein 14. Solo-Album "Avonmore". Der alte Herr kann es nicht lassen: Zehn neue Tracks wurden in Zusammenarbeit mit dem norwegischen DJ Todd Terje produziert. Als New WavePionier und Frontmann von Roxy Music war er ab Mitte der 70er-Jahre auch solo äusserst erfolgreich. Vorweg: Der gereifte Gentleman bleibt sich treu, erfindet sich auch 2014 kaum neu. Die Platte bietet sowohl erstklassige Tracks (“Driving Me Wild”, “One Night Stand”) als auch ergreifende Up tempo-Songs (“Avonmore”), der Sound wurde hörbar modernisiert und den heutigen Ansprüchen angepasst. Geblieben sind der charakteristische Gesang und die Aura, die den zeitlosen Künstler und seine Songs umgibt. Er ist unbestritten “A Special Kind Of Guy”. Trotzdem beschleicht einen das Gefühl, die meisten Songs schon mal gehört zu haben. Die Singleauskoppelung “Loop De Li” könnte, wie einer seiner grössten Hits, aus den 80ern stammen. “Midnight Train” erinnert an Yello aus diesem Jahrzehnt. “Lost” ist eine Ballade à la “Slave To Love”. Einzig “Soldier Of Fortune” (geschrieben mit Johnny Marr) sticht als starke und erfrischende Über-


REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative raschung heraus und fällt mit viel Gitarre komplett aus dem Rahmen. Schade, dass auf Ferrys neuer Scheibe nicht mehr solch innovative und kreative Stücke vertreten sind. Neben acht neuen Eigenkompositionen sind auch zwei wirklich coole und gut gewählte Neufassungen aufgezeichnet worden: "Send In The Clowns", geschrieben von Stephen Sondheim für das 73erMusical „A Little Night Music“, erlangte einst Berühmtheit durch die Interpretation von Frank Sinatra. Mit einem Beat unterlegt, erreicht Ferry nicht die Intensität der Frankie-Version. Sehr speziell hingegen ist die sphärische Neuinterpretation des Robert Palmer-Hits von 1980 „Johnny & Mary“ (an dem sich auch schon Züri West und Placebo versuchten). Aber auch hier gilt schlussendlich: „It's the song, not the singer“.

STATUS QUO Aquostic –Stripped Bare Ear Music / Phonag hh. Die Spannung war gross, obwohl diese « unplugged »Versionen ihrer bekannten Klassiker und Hits bereits seit langem von praktisch jeder erfolgreichen Truppe erhältlich sind. Meistens ist der Grund, dass man die Zeit zwischen zwei regulären Alben überbrücken kann und dabei noch ein paar Dollars verdient oder schlimmstenfalls, weil einem nichts mehr einfällt. Auf die grosse Mehrheit dieser Akustik-Versionen kann man verzichten, es gibt in diesem ganzen UnpluggedÜberangebot tatsächlich nur wenige Scheiben, die wirklich funktionieren und Sinn machen. Von daher durfte man bei Status Quo skeptisch sein, denn die alten Boogie-Kracher machen ja nun erst richtig Spass, wenn's elektrisch und laut ist. So war die Überraschung gross, als die ersten Klänge aus den Boxen kamen. Parfitt und Rossi haben nicht einfach nur ihre Dauerbrenner auf akustischen Gitarren runtergeschrammelt, sondern lassen sie durch Einsatz von Akkordeon, Ukulelen und Streichern in einem völlig neuen Licht erstrahlen. Und das funktioniert in praktisch jedem der hier verewigten 22 (!) Songs. Es swingt und groovt, dass es eine wahre Freude ist. Viele Titel erhalten so einen ganz neuen Charakter, das geht von Cajun-angelehntem bis hin zu irischen Folk-Roots, ohne jedoch die Rockwurzeln zu verlieren. Der Gesang kommt in dieser Form auch bestens zur Geltung, eigentlich so gut wie selten! Ausserdem beweisen Quo, dass ihre Songs eben auch in anderer Form nichts von der Klasse

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JERRY LEE LEWIS

And Tired“. Aufgenommen wurde überwiegend in Memphis, was deutlich hörbar ist. Lewis lässt sich auf dem Album von einer massiven Anzahl der besten Musiker begleiten, die sich in diesem Genre wohlfühlen: u.a. Keith Richrads, Ronnie Wood, Waddy Wachtel, Doyle Bramhall, Greg Leisz, Jim Keltner, Neil Young, Vonda Shepherd, Ivan Neville, Robbie Robertson, Nils Lofgren oder Kenny Lovelace. Das Album wirkt bei aller Entspanntheit doch sehr frisch, etwas, das den letzten Alben von Jerry Lee etwas abging. Fans des Killers werden, nein, MÜSSEN hier zugreifen und alle R'n'R- und Countryfreunde sollten unbedingt ein Ohr riskieren. Prächtiges Alterswerk.Albumtitel ist Programm.

COLOSSEUM Time On Our Side Ruf Records

Rock & Roll Time der Originalvorlagen verlieren. Und das ist ein Beweis für die Güte ihrer Kompositionen, die nur von oberflächlichen Hörern und Ignoranten gern als „simpler geht's nicht“ abgekanzelt werden. Merke: elektrische Rocksongs, die auch in akustischen Versionen Rasse und Klasse vorweisen, haben hohe Qualität. Und das wird auf „Stripped Bare“ auf eindrücklichste bewiesen. Klar, es gibt auch ein paar weniger tolle Sachen, besonders die manchmal schmalzigen und wirklich überflüssigen weiblichen Background-Gesänge, die eigentlich den Vortrag nur verwässern oder überzuckern, ohne wirklich Glanzpunkte zu setzen. Auch bei den Streichern hätten die beiden Ur-Quos mitunter etwas mehr Zurückhaltung an den Tag legen können, bei den meisten Songs sind sie aber durchaus gewinnbringend eingesetzt. Gemessen an der Klasse des ganzen Albums sind diese Kritikpunkte jedoch nur Peanuts und nicht wirklich relevant. Alles in Allem ist „Stripped Bare“ ein tolles Werk, das für jede Menge Spass sorgt und dem echten Quo-Fan ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte. Und Musikfans, denen Quo normalerweise zu einseitig erscheinen, sollten hier unbedingt ein Ohr riskieren. Sie werden nicht nur eine völlig neue Seite an dieser Truppe entdecken, sondern bekommen wirklich klasse und mitreissende Songs am Laufmeter.

Caroline/Universal

hh. Ein neues Album vom « Killer » in seinem 80. Lebensjahr. Damit gehört er zu den wenigen Überlebenden der Rock'n'Roll Gründerzeit, die immer noch von sich hören lassen. Wie der Albumtitel bereits klarmacht, geht's hier wieder um den Rock'n'Roll an sich, Lewis langjährige Ausflüge in die Countryszene tauchen hier nur noch am Rande auf, bzw. sind neben Blues und Rock bestens in die 11 Songs integriert. Aber genau daraus besteht ja nun mal der authentische Rock'n'Roll. Jerry Lee, anerkannt der beste und einzigartigste Piano-Berserker des R'n'R, ist auf Anhieb zu erkennen, neben seinem Tastenspiel hat er auch eine äusserst markante Stimme mit maximalem Wiedererkennungswert, die im Laufe der sechzig Schaffensjahre nur wenig von ihrer Kraft verloren hat. Unter den elf enthaltenen Songs gibt es keine Lewis-Kompostionen, der Killer wildert bei u.a. Chuck Berry, Kris Kristofferson, Bob Dylan oder Jimmy Reed. Natürlich sind auch ein paar Klassiker darunter, wie eine entspannte Version von Johnny Cash's „Folsom Prison Blues“, Berry's „Little Queenie“ oder Dave Bartholomew's „Sick

ub. Irgendwie schon eine kleine Sensation: 1968 gegründet, 1971 aufgelöst, 1994 wiedervereinigt und zwanzig Jahre später liegt ein Album mit brandneuen Songs vor. Zu hören ist die gealterte, aber gut gelaunte Ur-Besetzung der britischen Jazzrocker! Allen voran Kult-Drummer Jon Hiseman, Dave Greenslade (Hammond/ Keys), Dave “Clem” Clempson (Gitarre), Mark Clarke (Bass) und Chris Farlowe (Vocals). Auf der letzten Studio-LP „Tomorrow's Blues“ (2003) konnte Dick Heckstall-Smith (Saxofon) noch mittun, nach seinem Tod wurde er durch Hisemans Ehefrau Barbara Thompson ersetzt. Legendär ist Colosseums Werk „Colosseum Live”, aufgenommen in Brighton im März 1971. „Rope Ladder To The Moon“ (ein Jack Bruce-Cover) bildete den Auftakt des Albums, welches den bedeutenden Schlusspunkt der Band markierte. 1975 liess Hiseman Colosseum II auferstehen. Mit Clarke, Gary Moore und Keyboarder Don Airey am Start wurden drei (fast ausschliesslich) instrumentale Alben veröffentlicht. Auf dem aktuellen Band-Foto umarmt Gitarrero Clem (ab 1972 bei Humble Pie) noch immer seine Gibson Les Paul, musikalisch hingegen hat sich bei Colosseum einiges verändert. Im Gegensatz


Mainstream/Indie/Alternative REVIEWS zu den jazzigen Eskapaden von früher, präsentiert die Band 2014 modernen Blues („Blues To Music“, “The Way You Waved Goodbye”) und feinsten Prog-Rock mit einem gemässigten und stimmlich gereiften Farlowe am Mikrofon („Safe As Houses“, “City Of Love”). Die swingende Ballade “Dick's Licks” ist hervorragend gelungen. “Nowhere To Be Found” und “New Day” sind dagegen etwas schwach auf der Brust. “You Just Don't Get It” überzeugt als groovender Funkrocker mit SlideGuitar, das Jack Bruce-Cover “Morning Story” als Live BonusTrack. Hier sind aussergewöhnliche Musiker am Werk. Das Album ist deshalb nicht nur Nostalgikern zu empfehlen.

MANFRED MANN

AC/DC-Drummer Chris Slade die Earth Band gründete, die kommerziellere Musik produzierte und zahlreiche Hits landete (mit "Davy's On The Road Again" oder Springsteens "Blinded By The Light"). Manfred Mann ist ein echter Vollblutmusiker mit gutem Riecher für Trends und einer der erfolgreichsten britischen Musiker überhaupt. Er hat die Fähigkeit, sich mit verschiedensten Strömungen auseinanderzusetzen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bündelt er zu einem eigenständigen Stil. Auf der neuen LP stellt er diese einmalige Gabe erneut eindrucksvoll unter Beweis.

SIMOEON SOUL CHARGER A Trick Of Light Gentle Art Of Music

Lone Arranger Cohesion

ub. Manfred Mann veröffentlicht mit „Lone Arranger“ sein neues SoloAlbum und bietet Adaptionen von The Prodigy, Disco Boys und Kanye West (“One Hand In The Air” als Neufassung von „So Appalled“) sowie eine Serie an interessanten und eigenwilligen Versionen bekannter Songs („All Right Now“, „Light My Fire“ oder "Bang A Gong/Get It On" von T. Rex), die mit machtvollem Drive in neuem Glanz erstrahlen. Aus „I Heard It Through The Grapevine“ wird ein mitreissender Track mit sattem Beat. „Nothing Compares To You“ überzeugt als jazziges Trompeten-Instrumental. „Gerade weil jeder die Stücke inund auswendig kennt, habe ich in meinen Interpretationen die optimale Freiheit“, meint der Keyboarder dazu. Der gebürtige Südafrikaner mit urdeutschem Namen kam 1961 nach London, hatte bereits 1964 einen ersten Welt-Hit ("Do Wah Diddy Diddy") und ist ein musikalisches Phänomen. Ursprünglich Jazz-Musiker, hat sich der stille Mann mit Hut stets weiterentwickelt und immer wieder ganz von vorne begonnen. Die Manfred Mann-Band, zu der auch der kürzlich verstorbene Cream-Bassist Jack Bruce gehörte, hatte eine Vorliebe für Dylan-Kompositionen (1968er-Millionenseller „Mighty Quinn“). Mit Chapter III spielte der Bandleader zwei Jazz-Alben ein, bevor er 1971 mit Mick Rogers (Gitarre, Gesang) und dem späteren

hh. Album Nummer 3 dieses 2008 gegründeten amerikanischen Quartetts, das aus Akron/Ohio, aus welchen Gründen auch immer, im Kollektiv nach Bayern auswanderte. Die Beschaulichkeit des bayrischen Landes macht sich in der Musik bemerkbar. Geboten wird ein überwiegend entspannter Mix aus Folk und Rock, in dem markante Psychedelic- und Prog-Einflüsse zu orten sind, SSC lassen es jedoch immer wieder anständig krachen. Als generelle musikalische Heimat lassen sich die experimentfreudigen späten 60er ausmachen. Mitunter erinnern die Songs von der Struktur her an frühe David Bowie Songs der „Hunky Dory“Zeit. SSC lassen sich jedoch schwer auf einen Nenner fokussieren, denn plötzlich taucht die Peter Green Adaption „Albatross“ im Song „Where Do You Hide“ auf, um gleich darauf in „Worker's Hymn“ Einflüsse aus Nektar's „A Tab In The Ocean“ einzubeziehen. King Crimson's „21st Century Schizoid Man“ scheint in „The Illusionist“ durch und so geht es durch das ganze Album. Sehr viele Reminiszenzen und Zitate aus den 60ern und frühen 70ern werden von SSC zu einem bunten, eigenständigen Mix zusammengerührt, der speziell älteren Musikfans, die noch mit den vorerwähnten Originalen vertraut sind, das eine oder andere Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte. Die Jüngeren, denen die hier aufgezählten Acts nichts sagen, bekommen mit „A Trick Of Light“ ein überaus abwechslungsreiches und eigenständiges Album geboten, das seine Reize erst wirklich nach mehrmaligem Hören offenbart. Kein leichter Stoff, aber sehr empfehlenswert. Hier gibt es eine Menge zu entdecken.

Kolumne Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie von Christian Hug

Wir brauchen klare Filter Überheblich? Nostalgisch? Ja! Aber: Früher waren die Verhältnisse besser. Früher gab es mehr gute Musik. Natürlich war der Anteil schlechter Platten schon vor zwanzig Jahren höher als derjenige der guten. Im Rock- und Metal-Bereich waren vielleicht drei von zehn Alben ganz okay und zwei weitere herausragend. Ungefähr dasselbe galt für Hip-Hopund Elektroscheiben, wobei diese damals noch vom Bonus des relativ Neuen und Frischen profitierten. In der schönen bunten Welt des Pop war vielleicht einer von zehn Songs toll und einer von zwanzig war der Hammer. Der ganze Rest war zwar gut gemeint, aber nutzlos. Schöne Zeiten waren das, vor allem, weil sich Kleinlabels wie Earache, Mokum, !K7, Glitterhouse, SubPop, Hollywood oder Echobeach mit spezialisierten Angeboten zu verlässlichen Qualitätsmarken hocharbeiteten. Das Wühlen durch das Angebot war für den Musikfreund in einem überaus guten Aufwand-Nutzen-Verhältnis. Heute haben wir Internet. Hier kann jeder mitmachen. Ein bisschen Gitarre umschnallen, ein bisschen trällern – fertig. Dank Computerkamera und Youtube muss man seine Songs nicht mal mehr im Studio aufnehmen, obwohl auch das mittlerweile kaum noch was kostet, und die Idee eines vollständigen Albums als Zeitdokument einer Band geht flöten. Das führt zur hinreichend bekannten Folge, dass wir nicht bloss überschwemmt, sondern geradezu sturmgeflutet werden mit Musik. Aber von all diesem Singsang ist der grosse Grossteil schlicht und einfach Mist. Sorry für diesen Ausdruck, aber ich kann das beim besten Willen nicht freundlicher formulieren. Das meiste raubt meine Zeit und beleidigt meine Intelligenz. Wir haben jetzt zwar Zugang zu viel mehr Musik, aber der Anteil der herausragenden Werke ist im Vergleich zu früher drastisch kleiner geworden. Von hundert Popsongs ist vielleicht noch einer wirklich klasse. Wühlen im Angebot ist heute gleichbedeutend mit einem katastrophalen Aufwand-Nutzen-Verhältnis. Das führt seit Jahren zu einem verhängnisvollen Teufelskreis: Weil wir Internet haben, sind die Plattenlabels panisch verzweifelt. Weil die Plattenlabels panisch verzweifelt sind, ist das Publikum heillos verwirrt. Und weil das Publikum heillos verwirrt ist, sucht es Trost im Internet. Worauf der Kreislauf von neuem beginnt. Wir erkennen also: Wir brauchen dringend Filter. Wir brauchen Instanzen, die das Angebot an Musik streamen und checken und die Rosinen herauspicken und uns diese dann aufbereiten und empfehlen mit der verlässlichen Zusage, dass wir auf den ganzen Rest getrost verzichten können. Wir brauchen wieder Labels, die für eine klare Linie stehen. Gerne lasse ich mich auch im Internet beraten. Im Übrigen sind wir zwar voller Mitgefühl für den Herrn mit der Brille, weil er mit dem Velo fürchterlich auf den Latz gefallen ist, wir bleiben aber bei der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte.

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More than one way to skin a cat ip. Die beiden Köpfe hinter Darkhaus, dem neuen Rock'n'Goth-Überflieger, sind Gary Meskil von der Hardcorelegende Pro-Pain und Rupert Keplinger, der unter anderem bei der Neue-Deutsche-Härte-Band Eisbrecher tätig ist und zusätzlich als begehrter Songwriter für unter anderem Laith Al-Deen die Feder schwingt. Das klingt nach einer äusserst abenteuerlichen Zusammensetzung, die durch Kenny Hanlon, den Sänger, noch kurioser wird. Denn Hanlon ist ein in Florida wohnhafter Schotte und kannte sich bisher ziemlich gut damit aus, wie man eine Band NICHT unterhält. Dafür sind seine Kenntnisse über Whisky noch ausbaufähig. Dass er bei Darkhaus in beiden Punkten an die richtige Adresse gelangt ist, zeigt sich in diesem Gespräch, das den gordischen Knoten im roten Faden dieser Band löst. TRACKS traf sich vor ihrem bisher einzigen Schweizer Konzert im Zürcher Komplex 457 mit Gary Meskil und Kenny Hanlon, um den Anfang dieses Fadens zu finden.

Euer Album „My Only Shelter“ ist seit einem Jahr weltweit erhältlich. Inwiefern hat sich das Darkhaus-Leben seit dem Komponieren des ersten Songs verändert? Gary: Es hat sich ziemlich stark verändert! Rupert und ich haben uns mit der Absicht, eine Band zu gründen, zusammengetan und angefangen, Songs zu schreiben. In drei oder vier Sessions haben wir 80 Prozent unseres Debuts „My Only Shelter“ fertiggestellt. Marshall Stephens (guit) und Paul Keller, ein richtig guter Drummer und alter Freund von Rupert, waren die nächsten an Bord. Als wir dann einen Sänger suchten, meinte Rupert scherzhaft, dass wir einen mageren, bleichen Rocker aus England bräuchten (lacht). Kurz darauf fand ich bei der Durchsicht einer Musikerdatenbank den Typen, den Rupert gesucht hatte, und das war Kenny Hanlon. Er stammt aus Schottland, wohnt aber zufällig auch in Florida, wo Marshall und ich zuhause sind. Wir kontaktierten ihn und er zeigte grosses Interesse an unseren Songs. Als er mit seiner Frau ein paar Tage zu mir zu Besuch kam,

stellten wir schnell fest, dass wir uns ausserordentlich gut verstanden. Und jetzt sind wir hier, haben bereits einige Touren gespielt und sind beim Publikum sehr gut angekommen. Das Leben meint es gut mit uns! In eurer Bio stehen als Anhaltspunkte Bands wie Rammstein, Depeche Mode oder HIM. Ich würde aber sagen, dass Darkhaus wesentlich leichter klingen und weniger melancholisch sind, dafür aber geradliniger. Gary: Nun, in einer Bio versucht man, der interessierten Person einen Überblick darüber zu verschaffen, wie man klingt. Dafür holt man einige andere Bands aus dem gleichen Sack, in den man auch die eigene Gruppe stecken würde. Ich bin mit dir einig, dass nicht alle der aufgelisteten Bands grundsätzlich in der gleichen Tüte wie Darkhaus zu finden wären. Aber einige Elemente von uns treffen sich schon mit Rammstein oder HIM auf dem gleichen Nenner. Wir bedienen uns aber auch an Elementen aus anderen Genres, um unseren Stil zu definieren. Ich denke, wir sind dadurch auch recht abwechslungsreich. Wer ist bei euch für das Songwriting verantwortlich? Kenny: Das sind hauptsächlich Rupert und Gary. Das meiste Material war ja schon geschrieben, bevor ich bei Darkhaus einstieg. Ich habe zwei Nummern mitgebracht, die ich vor einer Weile geschrieben hatte und die wir nun verwendet haben. Für das nächste Album arbeiten wir dann gemeinsam an neuen Songs. Gary: Ich würde sagen, dass wir jetzt, nachdem Kenny eingestiegen ist, ein Songwriting-Dreizack sind, der aus Beiträgen von ihm, Rupert und mir besteht. Wir fügen alle unsere persönlichen Gewürze hinzu und respektieren uns gegenseitig als Songwriter mit eigenen Fähigkeiten. Wir geben uns gegenseitig den Raum, um kreativ zu sein und stellen die Band als Ganzes vor irgendwelche persönlichen Vorlieben. Wir tun, was gut für die Band ist. Es gibt bereits drei neue Songs, an denen wir während der Off-Days dieser Tour arbeiten. Wenn alles gut geht, erscheint nächsten April eine EP und wir werden dann einige Headliner-Shows in Europa spielen, um danach noch ein volles Album einzuspielen.


Ihr lebt in drei verschiedenen Ländern und spielt alle in weiteren Bands. Wie organisiert ihr Darkhaus? Kenny: Die Leute denken schnell, dass Gary, Marshall und ich uns oft treffen, weil wir alle in Florida wohnen. Das ist aber leider nicht der Fall, denn zwischen Jacksonville, wo ich lebe, und Garys Wohnort West Palm Beach liegen fast sechs Autostunden und Gary und Marshall wohnen auch noch einmal dreieinhalb Autostunden voneinander entfernt. Deshalb sehen wir uns nicht wirklich oft. Gary: Dahinter steckt eine Menge professioneller Beinarbeit. Wir schicken uns die meisten Sachen über Dropbox zu und üben alleine zuhause. Wenn wir uns dann für drei oder vier Tage treffen, üben wir 15 oder 16 Stunden täglich. Das hat bisher sehr gut geklappt, denn jeder von uns ist sehr verantwortungsbewusst. Das Resultat dieser Arbeit kann man auch ganz gut auf Youtube sehen, denn da gibt es einen Ausschnitt von eurem Auftritt beim diesjährigen M'era Luna Festival zu sehen, bei dem das Publikum ordentlich mitfeiert. Gary: Ja, die Leute haben uns gut aufgenommen! Es handelt sich ja um ein Gothic Festival, bei dem man viele Extreme zu sehen und zu hören bekommt. Wir waren dort, verglichen mit den anderen Bands, doch eher Mainstream und deshalb war ich angenehm überrascht, dass wir so gut angekommen sind. Leider konnten wir uns nicht sehr lange dort aufhalten, denn das M'era Luna ist ein echt tolles Festival. Kenny: Viele Leute kannten uns gar nicht, denn wir sind ja eine ganz neue Band. Als wir unser Set anfingen zu spielen, waren ein paar wenige Fans von uns vor der Bühne. Mit jedem Song wuchs die Zuschaueranzahl jedoch und du konntest sehen, wie sich der Platz füllte. Gary: Wenn wir noch eine Stunde länger gespielt hätten, wären da locker 200'000 Leute zusammengekommen (lacht). Die ganze Arbeit lohnt sich also, die Leute mögen euch. Gary: Ja, auf jeden Fall. Das Publikum war bisher sehr offen und freundlich und hat uns sehr gut aufgenommen. Wir müssen uns auf der Bühne noch beweisen, was bisher allerdings sehr gut funktioniert hat. Ich denke, wir haben auch ein sehr starkes Album im Rücken, das uns dabei hilft. Warum sollte man uns also nicht mögen (lacht)? Kenny: Was für mich stimmt, ist die Tatsache, dass wir nicht für die schnelle Mark zusammengekommen sind, obwohl der

Erfolg im Moment vielleicht das Gegenteil suggeriert. Jeder von uns ist mit Leidenschaft bei der Sache. Wir sind natürlich froh, wenn wir auch was verdienen, aber in erster Linie sind wir alle mit dem Herzen dabei. Wie Gary schon sagte: Wir arbeiten für die Band. Bei drei Songwritern kommt es normalerweise zu Reibereien, weil sich keiner reinreden lässt und jeder noch ein bisschen mehr von sich präsentieren will. Hier ist es anders, wir tauschen unsere Ideen aus und entscheiden dann zusammen, was am besten klingt. Gary: Das stimmt. Unsere Art zu arbeiten ist sehr organisch. Ich tendiere normalerweise beim Schreiben zu einer bestimmten Art Song, die mir sehr liegt. Das gilt auch für Kenny, aber auf einer ganz anderen Ebene. Er konnte einen Song, der bei mir schon wochenlang herumlag und mit dem ich nicht mehr vorwärts kam, durch seinen Input zu einem grossartigen Track umschreiben. There's more than one way to skin a cat (lacht)! Gary, Du hast Rupert während deiner Kollaboration mit Stephan Weidner kennengelernt und ihr scheint sehr gut zusammenzuarbeiten. Wie würdest du eure Chemie beschreiben? Gary: Oh, wir sind ein Liebespaar (lacht)! Wir lernten uns kennen, als Rupert mit Weidner zusammen an dessen Debut „Schneller, Höher, Weidner“ arbeitete. Ich dachte erst, das Rupert einfach als Engineer an der Platte beteiligt war, bis Stephan mir erklärte, dass Rupert ein Bandmitglied und vor allem der Maestro hinter all den Arrangements und einem Teil des Songwritings war. Sein Talent ist bewundernswert! Er hat ein sehr tiefgreifendes Verständnis dafür, wie man einen guten Song schreibt und eine sehr reife Herangehensweise. Er belässt es nicht bei einem Gerüst, sondern fügt diesem direkt mehrere Dimensionen hinzu. Ich komme aus einer Band, bei der diese ganze Geschichte wesentlich primitiver ist. Es war für mich also ziemlich cool, mich auf etwas deutlich Komplexeres einzulassen und mich auch musikalisch von einer ganz anderen Seite zeigen zu können. In einer Tourpause mit Pro-Pain habe ich also Rupert angefragt, ob er nicht Lust darauf hätte, mit mir ein paar Songs zu schreiben. Er war dieser Idee gegenüber sehr aufgeschlossen und wir setzten uns ohne irgendwelche Erwartungen oder Vorstellungen zusammen. Wir haben unseren Ideen den Raum gelassen, Form anzunehmen und das hat wunderbar geklappt. Darkhaus klingt vollkommen anders als Pro-Pain. Ich weiss, dass du auch auf Sachen wie die Eagles stehst, du bist also


nicht auf einen Stil fixiert. Wie ist es für dich, mit Darkhaus jetzt ganz andere Emotionen zu transportieren, als mit deiner Hauptband? Gary: Es ist einfacher für mich, mit Darkhaus jetzt in diese Richtung zu gehen, als es für einige Pro-Pain-Fans ist, so einen Stilbruch gutzuheissen. Die fragen sich, was mit mir los ist (lacht). Bei genauerer Betrachtung bin ich aber ein ziemlich aufgeschlossener Mensch, der nie nur eine bestimmte Art von Musik favorisiert hat. Ich bin dem Publikum bekannt geworden, weil ich eine bestimmte Stilrichtung gespielt habe, nämlich Hardcore. Das ist so passiert, weil ich dachte, dass ich das ganz gut kann und es mir mein Überleben gesichert hat. Das heisst aber nicht, dass man die Türen zu anderen Richtungen schliessen muss, wenn man Lust darauf hat, neues Terrain zu betreten. Ich mag Musik mit extremen Emotionen; einerseits harte, intensive Musik, aber auch solche, die eher traurig und melancholisch ist. Für mich ist Traurigkeit ein stärkeres und kraftvolleres Gefühl als Wut.

«Die anderen Jungs hatten mein Interesse, schon bevor ich überhaupt einen Song gehört hatte» KENNY HANLON Gab es Reaktionen aus deinem gewohnten Hardcore-Umfeld auf deinen Stilwechsel? Gary: Die allermeisten waren respektvoll, was ich toll fand. Die Feedbacks der Pro-Pain-Fans gingen von „Ich finde Darkhaus grossartig“ bis „Ist nicht so mein Ding, aber ich respektiere deine neue Band“. Einige Fans von Pro-Pain kommen auch zu den Konzerten von Darkhaus, das ist cool. Du bist buchstäblich mit Darkhaus noch einmal Vater geworden und fängst von ganz vorne an, eine Band zu etablieren. Woher nimmst du deinen Enthusiasmus? Gary: Aus der Musik. Als Songwriter und Musikfan. Du musst sehr an etwas glauben, wenn du dir die Zeit nehmen willst, etwas vorne anzufangen, es zu füttern und grosszuziehen. Und es dann letztendlich zu etwas zu machen, das möglichst viele Leute geniessen können. Es ist eine Menge Enthusiasmus nötig, um das hinzukriegen und rauszugehen, um den Leuten etwas richtig Gutes zu präsentieren. In erster Linie machst du das für dich selber, wie das die meisten guten Musiker tun, aber dann kommt auch der kommerzielle Aspekt dazu. Und das kann bei Darkhaus ja noch überall hinführen. Meine grösste Freude mit Darkhaus ist es, das finale Produkt zu hören. Wenn du auf Tour bist, ist das nicht immer Honigkuchen, da ist viel Businesskram zu erledigen und eine Menge langweiliges und auch ärgerliches Zeug dabei. Das ist für jede Band gleich. Wenn du aber den Glauben daran hast, was du tust, kannst du nicht verlieren. Das Schlimmste, was passieren kann, ist doch nur, dass es die Leute nicht mögen. Kenny, was hast du vor Darkhaus gemacht? Kenny: Ich habe lange nach einer festen Band gesucht und hatte dafür auch ziemlich klare Vorstellungen. Es hatte sich aber herausgestellt, dass es echt schwierig war, Leute mit derselben Vision zu finden und ich habe oft in Bands gespielt, die in andere Richtungen als ich steuern wollten. Und dann waren auch diejenigen dabei, die Rockstars sein wollten, aber nicht die Energie und den Aufwand betreiben konnten, der dafür notwendig ist. Sie haben nicht realisiert, dass es sich um harte

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Arbeit handelt. Ich habe neben dem Versuch, eine Band zusammenzustellen, noch einige Akustiksachen gespielt und war in der Gegend in und um Los Angeles unterwegs auf Tour. Ich hatte aber einfach kein Glück, denn es hat mich nirgends hingebracht und die Akustiknummer war eigentlich auch nicht das, was mir vorschwebte. Darkhaus ist jetzt der Sprung auf das professionelle Level, auf das ich mich immer begeben wollte. Wie gehst du an das Schreiben der Texte für Darkhaus heran? Kenny: Gary und ich haben eine ähnliche Sichtweise, was das Schreiben von Lyrics angeht. Es soll persönlich sein, aber auch nicht allzu persönlich. In den Texten soll kein Schwachsinn stehen, damit der Song cool klingt, sondern sie sollen der Musik angepasst emotional sein. Für „My Only Shelter“ habe ich zwei Songs geschrieben, „Live Worth Living“ und „Apostle“, bei denen die Musik bereits vorhanden war. Meine Texte haben sehr gut dazu gepasst und das ist vermutlich auch der Grund, warum ich in dieser Band gelandet bin. Wir haben alle eine ähnliche Auffassung von Musik. Die anderen Jungs hatten mein Interesse, schon bevor ich überhaupt einen Song gehört hatte. Aus Garys Emails konnte ich bereits herauslesen, dass diese Jungs das waren, wonach ich gesucht hatte und dass sie wirklich was wollten. Andere Sänger wären vielleicht enttäuscht gewesen, wenn sie nur zwei Songs zu einem Album hätten beisteuern können. Für mich war das Material aber so gut, dass mich das nicht gestört hat und ich einfach ein Teil davon sein wollte. Du bist Schotte. Lass uns ein schönes Klischee aufgreifen: Wusstest du, dass du einen grossen Whisky-Connaisseur in der Band hast? (alle lachen) Kenny: Ja, das wusste ich! Nicht von Anfang an, aber ich finde es toll, dass Gary mich immer mal wieder einem richtig guten Whisky vorstellt (lacht). Als ich bei ihm in der Garage den Gesang für „My Only Shelter“ aufgenommen habe, hat er mir ein Glas Laphroaig vor die Nase gestellt, und der gehört jetzt zu meinen Favoriten. Ich geniesse gerne mal ein Glas Whisky, gehöre aber sicher nicht zu den Kennern. Durch Gary lerne ich jetzt einiges dazu. Ein Amerikaner lehrt einen Schotten das Whiskytrinken (lacht)!

«Wenn du den Glauben daran hast, was du tust, kannst du nicht verlieren» - GARY MESKIL


Melancholische Klangkünstler

Archive waren schon immer ein wenig anders: keine richtige Band, Musik, die in keine Schublade passt, eine französische Fangemeinde und ein profitables Geschäft mit Werbeverträgen. Das neue Album “Restriction“ ist genauso schwer fassbar.

LIVE 9.3.2015 Zürich, X-Tra

kw. Wer versucht die Stimmung und den Klang von “Restriction“ in Worte zu fassen, könnte Schwierigkeiten haben. Der Hörer wird von den vielen Eindrücken, die auf ihn einprasseln regelrecht überflutet. Die Single “Feel It“ hat eine fordernde Kraft und führt den Hörer mit klassischen Garage Rock Elementen. “Kid Corner“ verbildlicht uns die automatisierte, unaufhaltsam funktionierende Welt. Und wer sich ein schauerliches Gute Nacht Lied anhören möchte, ist mit “Third Quarter Storm“ bestens bedient. Fragt man die beiden Gründungsmitglieder nach dem Klang von “Restriction“ würden sie es als spontan, lebendig, charakterstark und als das wahrscheinlich am positivsten gestimmte Album bezeichnen. Positiv im Vergleich zu anderen Alben, wie „Axiom“, das Darius Keeler als klaustrophobisch bezeichnet. Nichtsdestotrotz, Melancholie bleibt ihre Welt, erzählt Darius Keeler: „Fröhliche Sachen zu schreiben ist hart. Ich fühle mich wohl mit der Melancholie. Wir lieben es, wenn der Hörer nachdenklich wird, das ist die richtige Melancholie. Dan Griffiths fügt hinzu: “Wir hören auch selbst gerne solche Musik. Es ist jetzt nicht so, dass wir nie James Brown hören. Wir sind einfach besser in anderen Gefühlslagen.“ Wie die Songs enden ist sehr auffällig in “Restriction“, extrem entschlossen und ein wenig abrupt. Die Intention dahinter erklärt Archive lachend: “Wir fanden einfach kein passendes Ende. Und wir haben auch nie über ein Ende nachgedacht, es gab keine Interludes, wirklich sehr spontan. Wir haben viel Zeit verbracht, die Übergänge zwischen den Songs entsprechend zu gestalten. Beim Produzieren der Songs müssen wir jeweils viel mehr rausnehmen als hinzufügen.“ Seit rund 18 Jahren, beziehungsweise seit der Gründung

1996, gibt es Archive als keine Band im klassischen Sinne. Archive sind ein Kollektiv, wie Darius Keeler es nennen würde. Er erläutert die Vorteile, wie, dass sie weniger Regeln hätten und frei in der Wahl der Musiker seien. Sie haben diese Bandsache zwar kurz probiert, aber es hat nicht funktioniert. Dazu passt eine der unbeliebtesten Fragen, die man Archive stellen kann, wieso sie ihre Sänger ständig wechseln. Dieser Umstand sollte eigentlich nicht verwunderlich sein, denn bei Archive hat man das Gefühl, dass sie personell wie auch musikalisch nicht stehenbleiben wollen. Wer sich einen Moment lang nur den Engländern Darius Keeler und Dan Griffiths widmet, beobachtet zwei nachdenkliche, unaufgeregte Zeitgenossen. Es liegt auf der Hand, dass es bei diesem Werbedeal mit dem Song “You Make Me Feel“ ums nackte Überleben der Musik willen ging. Darius Keeler sagt, er würde sich niemals durch Werbung finanzieren, sonst wäre er Millionär. Alben werden wenig gekauft und Archive sind teurer mit ihren wechselnden Sängern. Es ist nicht so, dass er jetzt Champagner geniesst, sondern es heisst endlich können die Rechnungen bezahlt werden und musikalische Projekte, wie „Axiom“ finanziert werden. Die letzten zwei Jahre wären ohne diesen finanziellen Zufluss extrem schwierig gewesen. Archive hat in verschiedensten fremden Ländern Erfolg, allen voran Frankreich, aber so wirklich erklären kann es Archive selbst nicht. Das Kollektiv ist ein kleines Mysterium. Das neue Album überzeugt, weil es vieles wagt, indem es diverse Stilrichtungen einbezieht. Die englischen Musiker hantieren und experimentieren mit Elektronik, Rock, Trip-Hop und subtilem Gesang. Der Hörer wird in unendliche Weiten geführt in der es nur ihn selbst und Archive gibt.

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REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative NEIL YOUNG

Pally’s kurz und knapp GRAHAM DAY AND THE FOREFATHERS Good Things Graham Day & The Forefathers sind eine Art Garagenrock-Allstarband. Der Sänger und Namensgeber Graham Day und Bassist Allan Crockford waren anfangs der Achtziger Mitglieder der legendären The Prisoners. Schlagzeuger Wolf Howard kennen die beiden aus ihrer Zeit in den Prime Movers. «Good Things» ist der unzweifelhafte Beweis, das Day und seine Kumpanen nichts an Energie verloren haben. Die zwölf knackig rockigen Songs sind zwar nicht neu (u.a aus der Zeit mit den Prisoners und den Prime Movers) aber ein Genuss für Freunde des Genres sind sie auf jeden Fall. ANDY BURROWS - Fall Together Again Andy Burrows war Mitglied der Band Razorlight, spielt seit 2009 bei We Are Scientists und veröffentlichte 2011 mit Tom Smith (Editors) ein alternatives Weihnachtsalbum. Der umtriebige Engländer ist seit 2008 auch solo unterwegs. «Fall Together Again» ist sein zweites Werk. Die elf (Indie)-Pop-Songs gehen gut ins Ohr und atmen immer wieder den Geist der Popwelt der frühen Siebzigerjahre (Elton John, Paul McCartney, Billy Joel, u.a). Ein Album zum Zurücklehnen. THE WELL WISHERS - A Shattering Sky Jeff Shelton, war von 1993 bis 2004 Frontmann der geschätzen Indie- und Power-Pop-Band The Spinning Jennies. Seit deren Ende führt er die Well Wishers an. „A Shattering Sky“ ist bereits ihr achtes Album (inklusive der EP "Dunwoody"). Der Mix aus Power,- Indie und Jangle-Pop klingt einmal mehr frisch, knackig und vor allem eingängig. Dazu passt auch die gelungene Interpretation der wenig bekannten Tom Petty Nummer „When The Times Comes“. MATTHEW RYAN - Boxers «Boxers», das circa fünfzehnte Album des aus Chester, Pennsylvania, stammenden Matthew Ryan, trägt seinen Titel nicht ohne Grund. Die elf Songs, die immer wieder (mit Absicht) eine grosse Nähe zu den späten Replacements offenbaren, sind ein Protest, ein Aufschrei gegen Ungerechtigkeit. Ryan singt von gebrochenen Figuren, gegen den Kapitalismus, über die Abwesenheit von Gott (in Amerika) und dem Wunsch nach Veränderung. Berührender Protest. BAR - Same Bar, in Freiburg beheimatet, hiessen früher Liquid Laughter Lounge Quartet, kurz LLLQ. Bar kann man sich sicher besser merken und ist irgendwie auch passender. Die acht Songs auf ihrem Debüt klingen als wären sie in einer schummrigen Bar zwischen gescheiterten Existenzen und Säufern entstanden. Tom Waits, Nick Cave und 16 Horsepower schauten gerade auf ein Bier vorbei. WENDY McNEILL - One Colour More Wendy McNeill liebt es, interessante und auch skurrile Geschichten von Menschen in Songs zu fassen. Auf dem nunmehr sechsten Album der Kanadierin, die jetzt in Skandinavien lebt, erzählt sie, eingerahmt von nachdenklichem und zuweilen verwunschenem, schrägem Indiefolk und Chanson, eigentümliche Geschichten über einen Waisenjungen und eine Eule, einem Mädchen, das mit Kühen kommuniziert und einer Mutter, deren Sohn sich in einen Wolf verwandelt. Faszinierend.

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Storytone (Deluxe Version) Reprise Records

Tracks gefallen solo mit Piano um einiges besser, dennoch kann man nicht genug kriegen. Die faszinierende Musik des Genies hält einen gefangen wie eh und je. „Like You Used To Do“ ist ein mitreissender Blues mit Harmonica und Bläsersatz. Der Altmeister zeigt alle seine Facetten und gibt sich grösstenteils mild und versöhnlich. Es scheint sich ein Kreis zu schliessen: Alles traf zur rechten Zeit am rechten Ort zusammen und er konnte ein entspanntes, gelöstes Album machen, das offen ist, wie sein Leben heute.

SLIPKNOT .5: The Gray Chapter ub. Der 69-jährige Kanadier und ehemalige Superstar wider Willen nannte seine vierte LP “Harvest” (1972), welche “Heart Of Gold” und “Old Man” enthielt, einst „die schönste Platte, die er je gemacht hatte, mehr aber auch nicht…“ Alles traf zur rechten Zeit am rechten Ort zusammen und er konnte ein entspanntes, gelöstes Album machen, das offen war, wie sein Leben damals. Young war nie darauf aus, irgendwelche Beliebtheitswettbewerbe zu gewinnen. Nach dem gigantischen Verkaufserfolg von “Harvest” wandte er sich ab von den Massen. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität begann Young, ungeschliffene und kompromisslose Platten zu machen, die eine beständige und intensive Suche nach Wahrheiten ausmachten: Die unausgeglichene Live-LP “Times Fade Away“ (1973) oder “Tonight's The Night” (1975), die tragische Geschichten erzählte, waren ein Widerstand gegen sein Image. Zu jener Zeit durchlebte Young persönliche Krisen und wurde ein authentischer Geschichtenerzähler. Über drei Dutzend Alben hat der schweigsame Mann bisher veröffentlicht. „Storytone” ist dabei bereits der zweite Longplayer dieses Jahres (nach der Cover-Platte „A Letter Home“). Die zehn neuen Songs der Deluxe Version wurden jeweils doppelt aufgenommen (einmal solo und einmal mit Orchester). Beim ersten Hören überkommt einen eine sentimentale Nostalgie. „All Those Dreams“ oder „When I Watch You Sleeping“ sind wunderschön und erinnern an vergangene Zeiten. Auch ein kämpferischer Protest-Song im Folkblues-Stil (diesmal gegen den Klimawandel) ist vertreten („Who's Gonna Stand Up?"). Wird das eine Retrospektive? „I Want To Drive My Car“ ist besonders lässig, ob akustisch oder mit Band als fetziger Rock'n'Roller. Melancholisch nachdenklich schrammen „Glimmer“, „Plastic Flowers” oder “Tumbleweed” orchestral knapp am Kitsch vorbei (etwa wie „The Long And Winding Road“ von den Beatles). Diese

Roadrunner Records/Warner Music

mh. Slipknot sind mit einem neuen Nummer 1 Album zurück. Nicht schlecht, mal abgesehen davon, dass eine (oder zwei, drei, zwölf) Handvoll verkaufter CDs diese Tage bereits reichen um die Schweizer AlbumCharts zu knacken. Auch diese Scheiben müssen erst mal über die Theke gehen. Sechs Jahre sind seit dem Vorgänger „All Hope Is Gone“ vergangen. Und während dieser Zeit hat sich einiges getan. Was Slipknot am meisten getroffen hat ist natürlich der tragische Drogentod ihres Bassisten Paul Gray im Mai 2010. Wie die einzelnen Mitglieder der Band über die Jahre hinweg immer wieder in Interviews hervorhoben, war Gray einer der kreativsten und wichtigsten Köpfe wenn es um das Schreiben und Aufzeichnen neuer Musik ging. Ein weiteres bandinternes Erdbeben hat sich um den Jahreswechsel von 2013 auf 2014 ereignet. Gründungsmitglied und Trommelmeister Joey Jordison hat die Band verlassen, bzw. wurde rausgeschmissen. Was denn nun eigentlich wirklich geschah, weiss man bis heute nicht. Hat das alles nun den Sound von Slipknot beeinträchtigt oder verändert? Jein. Textlich wird sicher auch der Tod von Gray verarbeitet, so z.B. im Song „Skeptic“ worin es heisst „He was the best of us, the world will never see another crazy motherfucker like you“. Und ganz abgesehen vom Text ist es auch musikalisch ein verdammt geiler Song. Slipknot pur. Die Band hat diese Fähigkeit unheimliche Songs zu kreieren, die mit einem gestörten, chaotischen und psychogenen Effekt daher kommen. Ob mit „The Negative One“ Jordison gemeint ist, man weiss es nicht. Generell wirkt dieses Album etwas düsterer und böser als der Vorgänger. Musikalisch hat sich also


Mainstream/Indie/Alternative REVIEWS trotz dem Fehlen von Jordison und Gray nicht merklich viel verändert. Eine radiotaugliche Ballade findet sich allerdings diesmal nicht in den Songs (wie auf der letzten Scheibe: „Snuff“ oder „Dead Memories“), und das ist auch gut so, denn zu Slipknot passt das nicht. „If Rain Is What You Want“ ist noch das ruhigste Stück und kommt doch ziemlich kratzig und radiountauglich daher. Zwei Anspieltipps noch zum Schluss: „Custer“ und „Killpop“. Slipknot sind die Headliner am kommenden Greenfield Festival in Interlaken.

THE XCERTS There Is Only You Raygun Records

hh. Das dritte Album der britischen Alternativrocker um Sänger/Gitarrist Murray Macleod zeigt eine weitere Steigerung. Tolle Songs mit zum Teil grossartigen Refrains, sprich Hooklines mit Hymnencharakter. Macleod ist ohnehin ein überdurchschnittlich guter Sänger, der es versteht Gefühl und Härte in die Songs zu packen. Diese Qualitäten werden nur noch durch seine herausragenden Songwriter-Qualitäten überboten. Die Band spielt druckvoll auf den Punkt und weiss sehr genau, was Dynamik ist und bedeutet. „There Is Only You“ ist eine runde, in sich stimmige Platte und präsentiert die Band und ihre tollen Songs in bestem Licht. Gemessen an den ganzen „mehr Schein als Sein“-Britpoppern liegen The Xcerts ganz weit vorn, denn sie haben das, was den meisten ihrer gehypten, aber letztendlich luftleeren Mitbewerbern abgeht: Eigenständigkeit, Talent und vor allem gute Songs – und, hier gibt es die Höchstbewertung, sie verzichten auf diese unerträgliche BeatlesLeichenfledderei, mit der so viele Inselbands über eigene Unzulänglichkeiten hinwegtäuschen und ihre schmalen Songs aufzupeppen versuchen. Bands wie The Xcerts haben das Zeug, Britannien wieder zu altem Glanz und Gloria als wichtigste Popschmiede Europas zu verhelfen.

A Tribute To FRANKIE MILLER hh. Den meisten ist Frankie Miller nur durch seinen Hit „Darlin'“ (1978) bekannt, der jedoch bei den eingefleischten MillerFans eine gehörige Gehörgang-Allergie auslöste und selbst von Frankie Miller ungeliebt war und schon kurz nach Erscheinen aus seinem Live-Repertoire verbannt wurde. Der schottische Songwriter mit der unverkennbaren Raspelstimme war viel mehr dem klassischen britischen Rock'n'Roll Marke Faces, Rod Stewart etc. verbunden und schrieb unzählige Songs, die teilweise von Big Names gecovert wurden. Miller selbst blieb der durchschlagende Erfolg verwehrt, gilt aber bis heute als einer der herausragenden britischen Musiker und Songschreiber und ist schon längst eine Legende. Rod Stewart meinte über Miller: „Er ist der einzige Sänger, vor dem ich Angst habe.“ 1994 erlitt der trinkfreudige Miller eine Gehirnblutung, lag fünf Monate im Koma und ist seitdem nicht mehr fähig als Musiker zu arbeiten. Allerdings gibt es ein riesiges Archiv von unveröffentlichten Miller-Songs, das Quireboys-Sänger Spike, der ein langjähriger Freund der Miller Familie und für den Frankie Miller bis heute das grösstes Vorbild geblieben ist, mit dem Segen von Frankie selbst durchstöberte. Das dauerte Jahre und als erstes Ergebnis wurden jetzt hier zwölf Songs ans Licht gebracht. Spike liess sich bei den Aufnahmen von einer grossen Anzahl Musiker unterstützen, deren Hauptgrund für die Mitarbeit die Ehrerbietung vor Frankie Miller war. Neben drei von Spike's Quireboys-Kollegen sind u.a. Ronnie Wood, Ian Hunter, Bonnie Tyler und Dogs D'Amour Tyla dabei. Für den laid-back groovenden Soundteppich zeichnet die ehemalige Rhythmus-Maschine von Free (Andy Fraser, Simon Kirke) verantwortlich, die allen Titel ihren einzigartigen Groove injiziert und praktisch jeden Song zu einem Free-Song macht. Wer der britischen, legendären BluesrockInstitution nachtrauert und schon jede Free-Veröffentlichung im Regal hat, der sollte hier dringendst zugreifen, es lohnt sich in jeder Hinsicht. Spike ist der perfekte Miller-Protagonist, seine Stimme weist grosse Parallelen zum Original auf und er versteht vor allem die Seele, die diesen Songs innewohnt. Er hat sich den Songs mit Hingabe, Verständnis und grossem Herz gewidmet und lässt die Miller-Kompositionen in dem Licht erstrahlen, das sie verdient haben. Die Titel sind überwiegend im Midtempo- und Balladen Bereich gehalten, es findet sich aber auch der eine oder andere Rocker, allen voran der typische „Intensive Care“. Allen Songs gemein sind die ausgezeichneten Rock-Lyrics, Frankie Miller galt als einer der besten Texter in der britischen Rockszene. „100% Pure Frankie Miller“ ist viel mehr als eine gelungene Erinnerung an den schottischen Musiker – es ist ein Vermächtnis, eine Ehrerbietung und tiefe Verbeugung vor einem der besten und gleichzeitig unterbewertesten Songwriter, den Britannien je hervorgebracht hat. Ein wunderschönes Album, gespickt mit Songs, die unter die Haut gehen und direkt ins Herz treffen. Bleibt auf eine Fortsetzung zu hoffen, unveröffentlichtes Material lagert ja noch zuhauf in Miller's Archiv. Und das muss natürlich wieder vom Quireboys-Frontmann erledigt werden, denn Spike ist eigentlich der Einzige, der das darf!

SPIKE 100% Pure Frankie Miller Cargo

1. The Brooklyn Bridge 2. Cocaine 3. I'm Losing You 4. Intensive Care 5. Fortune 6. Amsterdam Woman 7. Other Side Of Town 8. Cheap Hotel 9. Cold, Cold Nights 10. Did You Ever Wanna Go Home 11. Keepin' It All For You 12. Bottle Of Whisky

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REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative NEIL DIAMOND

Meilenstein der Rockgeschichte

FREE Fire And Water (1970) Island Records970) ub. Frisch, erdig und komplett präsentierten sich Free 1970 auf dem Zenit ihres Schaffens. “Fire And Water” sollte die Band unsterblich machen und in die Riege der grössten BluesrockBands aller Zeiten katapultieren. Meistersänger Paul Rodgers mit gewaltigem Stimmorgan wurde 1968 im Londoner Club The Fickle Pickle vom Gitarristen Paul „Koss“ Kossoff angesprochen. Mit seinem aussergewöhnlichen und überragenden Spiel konnte Koss die Menschen verzaubern. Die beiden Pauls überzeugten daraufhin den Drummer Simon Kirke mitzuspielen. Jungspund Andy Fraser spielte ein Jahr als Bassist in John Mayalls Truppe und suchte eine neue Band. Die britische Legende Alexis Korner fand gefallen an dem neuen Blues-Vierer, verlieh der Gruppe ihren Namen und organisierte Auftrittsmöglichkeiten. Anstatt wie angekündigt mit seiner eigenen Combo, trat Korner in einem Jazz Club in Chester mit Free auf. Nach ein paar Nummern machte sich Korner aus dem Staub und überliess ihnen die Bühne. Bald darauf spielte die Band im Marquee Club. Die erste Hälfte des Jahres 1970 hatten Free im Studio verbracht. Ende August bot sich am Isle Of WightFestival endlich die Gelegenheit, die brandneuen Songs einem Riesenpublikum vorzustellen. Bereits “Free” von 1969 hatte die musikalische Richtung vorgegeben: Bluesbetonter Hardrock mit Seele. Die dritte Perle enthielt nun den ersehnten Hit, der den Briten zum internationalen Durchbruch verhalf. Nach dem Release im Herbst 1970 sprang “Fire And Water” in UK und USA direkt in die Bestseller-Listen. Die sieben Tracks des Albums faszinieren bis heute und überzeugen durch kräftige, minimalistisch coole

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Riffs, hypnotische Grooves (“Fire And Water”, “Oh I Wept”, “Remember”) und emotionsgeladene Balladen (“Heavy Load”, “Don't Say You Love Me”). “Mr. Big” ist kompakt, funky und auf den Punkt gespielt. Das finale "All Right Now" aus der Feder Frasers (Rodgers schrieb den Text dazu) wurde Frees Bravurstück schlechthin. Auf der Erfolgswelle reitend, wurde im September 1970 eiligst ein neues Album eingespielt. “Highway” vermochte jedoch nicht anzuknüpfen. Nach einer aufreibenden Tour, die das 71er „Free Live!“ hergab, brach die Band inmitten gegenseitiger Beschuldigungen im April 1971 auseinander. Die Bandmitglieder gingen eigene Wege, fanden jedoch nochmals zusammen, um 1972 „Free At Last“ sowie den Endpunkt „Heartbreaker“ aufzunehmen. Rodgers, Kirke, Mott The Hoople Gitarrist Mick Ralphs und King Crimson Bassist Boz Burrell gründeten Bad Company und feierten einige Erfolge. Paul Kossoff, musikalisches Vorbild für viele, gründete Back Street Crawler und wurde von Atlantic-Mitbegründer Ahmet Ertegün persönlich unter Vertrag genommen. Leider bekam er seine Drogenprobleme nie in den Griff und verstarb 1976 an Herzversagen auf einem Flug von Los Angeles nach New York.

Melody Road Capitol

rp. Beweisen muss sich der unterdessen 73-jährige Neil Diamond ja nichts mehr. Der New Yorker Singer-Songwriter kann auf grosse Erfolge als Sänger wie auch als Songschreiber für andere zurückblicken. In den Linernotes zu seinem circa fünfundzwanzigsten Studioalbum schreibt Neil Diamond, dass die zwölf Songs auf «Melody Road» eine Heimkunft für ihn bedeuten. Zurück zu seinen Wurzeln, zu einfachen Folksongs im Stile der Weavers (Pete Seeger) oder einem Woody Guthrie. «Melody Road» versprüht Einfachheit, obwohl viele Musiker daran mitgearbeitet haben. Songs wie die Titelnummer, «First Time», «Something Blue», «Sunny Disposition», oder «Marry Me Now» klingen locker, entspannt, ungekünstelt aber zuweilen auch tiefgehend («Nothing But A Heartache»). Dies ganz im Gegensatz zu einigen seiner früheren Alben, die teilweise etwas steril und gekünstelt klingen. «Melody Road» ist ein mehr als nur solides Alterswerk.

FOXYGEN …And Star Power JagJaguwar

rp. Um das US-Duo Foxygen wir momentan viel Wind gemacht. Ausverkaufte Shows, spektakuläre Auftritte, Lobeshymnen in der Presse, u.a..Dabei ist der Sound auf ihrem aktuellen, dritten Werk, der Doppel-CD «…And Star Power» weder neu noch machen sich Foxygen die Mühe, ihre Vorbilder gross zu verstecken. Das Duo um Sänger Sam France (sieht zuweilen aus wie ein junger David Bowie) und Jonathan Rado schafft es aber Einflüsse wie Todd Rundgren, Beatles, Rolling Stones

(deren psychedelische Songs), David Bowie, Fleetwood Mac, Bob Dylan, Kim Fowley, Sparks origi-nell und unberechenbar zu einer organischen Einheit zu verquicken. Der in die Irre führende Auftakt «Star Power Airlines» kracht chaotisch vor sich her, nur um dann Platz zu machen, für eine wunderbare Seventies-Pop-Nummer, auf der vor allem eines steht: Todd Rundgren. Für eine Weile halten sie dies auch durch. Plötzlich aber holen sie Kim Fowley aus dem Sack. Foxygen können auch mal ganz schlampig lo-fi klingen. Ein Überbleibsel ihrer experimentellen Frühphase? Egal. Die Doppel-CD «…And Star Power» schafft es immer wieder einem positiv zu überraschen und macht Laune, viel, sehr viel gute Laune.

MOTHBOXER Sand And The Rain www.mothboxer.com

rp. Dave Ody ist seit 2001 Mitglied der englischen Indieband The Furze (auch als Kid Galahad bekannt), deren Song «Stealin Beats» im Playstation 2 Tanzspiel «Dancing Stage Megamix» zu hören ist. 2007 veröffentlichte er sein erstes und bis jetzt einziges Soloalbum «Geen». 2010 rief Dave Ody das Studioprojekt Mothboxer ins Leben. Einen grossen Unterschied macht diese Namensänderung nicht. Dave Ody ist immer noch verantwortlich für fast alles - Songs schreiben, produzieren und einspielen. Auch «Sand And Rain», das fünfte Album (inklusive zweier Eps) seit 2010 hat er fast im Alleingang eingespielt. Konstant ist auch die hohe Qualität der zehn Songs. Dave Ody hat den Sound von Bands wie die Beatles, die Beach Boys, ELO Squeeze, u.a aufgesaugt und verinnerlicht. Daraus zaubert er einmal mehr wunderbar harmonische Songs. Die neuen Songs klingen aber vergleichsweise weniger rockig (mit der Ausnahme von «Take Me Down») als auch schon. Bereits der Auftakt «One And Only» offenbart die herausragenden Qualitäten Ody's als Songschreiber. Vom rhythmischen Intro weg über den Chorus bis hin zum Schluss ist besagter Nummer ein harmonischer


Mainstream/Indie/Alternative REVIEWS Genuss. Da könnte sich manch vermeintliche «Pop-Band» eine Scheibe abschneiden. Im zweiten Song «Looking Out For Summer» setzen ein Piano und wunderbare Chöre erinnerungswürdige Akzente. Der Einsatz des Queen-Gitarren-Sound ist quasi das Tüpfelchen auf dem i. In diesem Sinne und Geist geht es weiter bis am Schluss, ohne auch nur die geringsten Qualitätseinbussen.

YOU + ME Rose Ave. Sony Music rp. You + Me ist die etwas ungewöhnliche Kollaboration von Alecia Moore (aka Pink) und dem

ehemaligen Hardcoremusiker (Alexisonfire) und jetzigen Folker Dallas Green (City & Colour). Der Kanadier Green, der mit Pink gut befreundet ist, reiste ohne Absichten mit Gitarre und Songideen zu ihr nach Kalifornien. Es funkte schnell und nach nur zwei Wochen hatten sie Material für ein komplettes Album zusammen. Entstanden ist ein spartanisches grösstenteils folkiges Werk mit einer Spur Soul und Country, das sich, erwartungsgemäss, schon auf vorderen Plätzen in den Hitparaden diverser Länden tummelt. Eine Frage stellt sich diesbezüglich aber vordringlich. Würde diesem Album die glei-

che Aufmerksamkeit zu Teil werden, wenn nicht Pink dahinter stecken würde? Diese Frage muss mit einem Jein beantwortet werden. Gelungen ist das Album vor allem dort, wo es den beiden gelingt wirkliche Intimität herzustellen, wie in der Single «You And Me», «Open Door» oder dem Cover der Sade-Nummer «No Ordinary Love». Andere Songs klingen zum Teil etwas zu beliebig.

SUN & THE WOLF Salutations World In Sound hh. Die neuseeländische Truppe, mittlerweile in Berlin beheimatet, legt hier nach ihrer Umbe-

nennung von The Have in Sun & The Wolf ihr Debüt vor. Spielten The Have laut Biografie noch Rock'n'Roll, gibt es jetzt 60er Psychedelic. Offenbar wollen die Jungs noch schnell auf diesen Trendzug aufspringen, für ein Sitzplatz-Ticket reicht es aber nicht. Die wabernden Sounds und Fuzz-Gitarren, sowie der oft an Pink Floyd zu Zeiten von Syd Barrett angelehnte Gesang wirken aufgesetzt und kalkuliert. Selbst zur Blütezeit dieses Sounds vor über 40 Jahren hätten die sonnigen Wölfe keine grossen Stricke zerrissen, dieser Wolf beisst nicht.

BLACKBERRY SMOKE

hh. Gut zwei Jahre nach ihrem grandiosen Earache/Nonstop Werk „The Erscheint am 6. 2. 2015 Whippoorwill“ kommen die AtlantaRocker mit einem neuen Studio-Album um die Ecke. Produziert wurde „Holding All The Roses“ von Brendan O'Brien (u.a. AC/DC, Black Crowes, Soundgarden, Pearl Jam), was dem Album deutlich anzuhören ist. Der typische Country/Southernrock von Gitarrist/Sänger Charlie Starr und seiner Bande hat eine fette Portion Hardrock injiziert bekommen, bestens nachzuhören im Eröffnungssong „Let Me Help You“ mit einem knalligen Malcolm Young „Problem Child“-Gitarrenriff. Auch ist die Produktion des ganzen Albums direkter und kantiger als man es bislang von den Berries gewohnt ist, die ja eher den warmen, dicken typischen Southern-Sound pflegten. Das mag den Fan zuerst irritieren, aber schon beim zweiten Hördurchgang gewinnen die bekannten und so geliebten Blackberry Smoke Ingredienzen Oberwasser. Es ist alles noch da, was diese Truppe ausmacht und für ihren unaufhaltsamen Erfolg sorgt. Und das ist in erster Linie das unglaublich faszinierende Songwriting. Hier ist mal wieder eine geballte Ladung an Hooklines versammelt, für die andere Bands auf die Knie gehen würden. Blackberry Smoke hauen mit einer solchen Leichtigkeit ohne Ende Songjuwelen heraus, das es fast schon erschreckend ist und bei vielen ihrer Mitbewerber einmal mehr die blanke Frustration verursachen wird. Der Titelsong „Holding All The Roses“ ist solch ein Paradebeispiel für das exzellente Songwriting, hier trifft knalliger Vollgasrock auf Countryzutaten wie Fiddle und Akustikgitarren und wird gekrönt durch einen hymnenhaften Refrain. Kaum hat man diesen prachtvollen Song verdaut, kommt mit „Living In The Song“ der nächste Ohrwurm angeschlichen, gefolgt von dem laid-back-RocknRoller „Rock And Roll Again“, der auch ihren „Nachbarn“ Georgia Satellites bestens zu Gesicht gestanden hätte. Überflüssig zu erwähnen, dass auch dieser Track wieder eine Killer-Hookline hat. Mit dem folgenden „Woman In The Moon“ gehts dann zum ersten Mal in ruhigere Gefilde. Die Ballade schwebt zwar mit schönen Akustik-Gitarren auf einem Hammond-Teppich, erhält aber durch dicke Gitarrenriffs und den schleppenden Beat einen dunklen, leicht bedrohlichen Charakter. Beschwingt und easy kommt dann „Too High“ in bestem Countryrock daher, bevor mit „Wish In One Hand“ ein urtypischer Blackberry Smoke Southernrocker mit geilsten Gitarrenriffs und Dual-Lead-Läufen folgt. Den tollen Refrain

Holding All The Roses

zu erwähnen ist wohl überflüssig (siehe oben) – woher Charlie Starr diese inzwischen unzähligen genialen Ideen für derartige Hammerrefrains nimmt, weiss der Geier. Ist aber auch völlig egal, Hauptsache er hat sie und sie bleiben ihm noch lange erhalten! Mit „Randolph County Farewell“ wird ein kurzes akustisches Intrumental eingeschoben, bevor der nächste Track „Payback's A Bitch“ wieder in einen schleppenden Midtempo-Southernrocker mit toller Gitarrenarbeit und fett groovendem Rhythmusteppich führt. „Lay It All On Me“ ist an den 1963-Hit „Walk Right In“ von den Rooftop Singers angelehnt und zeigt mit Pedalsteel und Picking-Gitarre wieder die countryeske Seite der Berries. Hatte ich eigentlich schon diese unglaublichen Killer-Ohrwurm-Refrains erwähnt? „No Way Back To Eden“, eine weitere schöne Ballade, läutet den Schluss ein, der mit „Fire In The Hole“ wieder in soliden, von einer fetten Hammond unterlegten Southernrock mit JamCharakter der Marke Gov't Mule erreicht wird. Unterm Strich bleibt wieder eine grandiose Blackberry Smoke Platte, die durch die Produktion ein leicht anderes Gesicht bekommt, als man das von der Truppe bisher gewohnt war. Auffallend ist die Veränderung speziell auch beim Gesang, der hier ein wenig die Wärme und Intimität der vorherigen Platten vermissen lässt. Aber das ist wirklich nicht mehr als „Meckern“ auf hohem Niveau, denn auch wenn „Holding All The Roses“ nicht ganz die Klasse des Vorgängers „The Whippoorwill“ erreicht, ist das Album ein Paradebeispiel für modernen Southern-Countryrock in höchster Güteklasse mit ausnahmslos Songjuwelen. Blackberry Smoke haben den Southernrock wieder auf die Landkarte geholt, begeistern inzwischen Heerscharen von Fans auch in Europa – und das mit allem Recht der Welt. Sie sollten eigentlich schon jetzt in die Rock'n'Roll Hall Of Fame aufgenommen werden.

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15.3. Zürich, Club Hallenstadion --- 17.3. Sursee, Stadthalle Ian Gillan. Rick Parfitt. Eric Martin. John Wetton. Gianna Nanini. Eigentlich ist hier der Text zu Ende, denn mehr Überzeugung braucht man nicht zu leisten, um das diesjährige Rock Meets Classic anzukündigen. Aber um vielleicht auch noch den letzten Zweiflern den Mund wässrig zu machen, gibt es hier noch ein klitzekleines bisschen mehr an Information. Das Projekt Rock Meets Classic wird wie jedes Jahr von Mat Sinner geplant und durchgeführt. Seine Band, sowie das Prager Bohemian Symphony Orchestra werden die hochkarätigen Gaststars begleiten und wiederum eine unvergleichliche Kompilation aus grossen Hits präsentieren. Die geballte Erfahrung und hochkarätige Belegschaft dieses Events wird es in dieser Form nur auf dieser Tour zu sehen geben. Wer sich bereits in den Jahren davor ein Ticket gesichert hat, wird bestätigen können, dass Rock Meets Classic eine einmalige Gelegenheit ist, die Gaststars auf diese Weise erleben zu können. Wer das bisher nicht geschafft hat und seine Songfavoriten in einem neuen Arrangement sehen möchte, sollte sich also schleunigst auch ein Ticket sichern. Ein ereignisreicher und unvergesslicher Abend ist garantiert!

Als Special Guest und einzige Frau im Line Up ist Gianna Nannini vertreten, eine absolute Ausnahmestimme und einzigartige Musikerin, die es geschafft hat, in italienischer Sprache internationale Hits wie „Bello e impossibile“ oder „I Maschi“ zu landen. Sie ist nicht nur als Rockröhre, sondern auch als Powerfrau bekannt, die sich seit jeher in einer Männerdomäne behaupten konnte und zu Recht dafür respektiert wird. Zusammen mit Sting vertonte sie die Dreigroschenoper, sang 1990 mit Edoardo Bennato den selbstkomponierten Song „Un'estate Italiana“ zur Eröffnung der Fussballweltmeisterschaft in Mailand und schrieb die Musik zur Zeichentrickverfilmung von „Momo“ von Michael Ende. Ihr Album „Pia come la canto io“ ist eine Sammlung von Liedern für eine Pop-Oper und sie tourte dafür mit einer Rockband und einem Orchester durch Europa. Insofern hat sie bereits Erfahrung im gleichen Genre, in dem sich auch Rock Meets Classic bewegt.

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Deep Purple gehören zu den Legenden der Rockmusik. Ian Gillan ist einer der unumstritten besten Rocksänger aller Zeiten und holt mit seiner unvergleichlichen Stimme Klassiker von vor 40 Jahren in die Gegenwart. „Smoke On The Water“ gehört immer noch zu den Songs, die ein Gitarrenschüler als erstes lernt und Granaten wie „Child In Time“, „Hush“ oder „Woman From Tokyo“ bleiben nach wie vor beim ersten Mal im Ohr hängen. Glücklicherweise ist Gillan nach der unrühmlichen Trennung wieder bei Deep Purple eingestiegen und macht seit über 20 Jahren wieder alle Fans der Formation glücklich. Eric Martin kennt man als Sänger von Mr. Big und mit Chartbreakern wie „To Be With You“, „Green-Tinted Sixties Mind“ oder „Wild World“ jedem ein Begriff, der Classic Rock hört. Für Rock Meets Classic hat er eine Pause in seine anderen Projekte eingeschoben, die er unter anderem mit Tobias Sammet (Avantasia) oder Mark Slaughter (Scrap Metal) unterhält. Zuletzt konnte man ihn mit Sammet auf dem Wacken Festival 2014 sehen.

Foto: Ian Keates

„Rockin' All Over The World“ mag vielleicht einer der bekanntesten Songs von Status Quo sein, aber wenn es nach eingefleischten Fans geht, sind da noch ganz andere Perlen in der Geschichte der Engländer. „Down Down“, „Again And Again“ oder „Paper Plane“ sind nur einige der Songs, mit denen sich Status Quo in die Ohren, Herzen und Beine der Fans gerockt haben. Das ist immer noch Boogie Rock vom Feinsten und Gitarrist Rick Parfitt lässt sich auch nach diversen gesundheitlichen Rückschlägen nicht davon abbringen, auf die Bühne zu steigen und dem Publikum zu zeigen, wie man richtigen Rock'n'Roll spielt.

John Wetton ist bekannt als Bassist von Bands wie Uriah Heep, Wishbone Ash, King Crimson oder Roxy Music. Aber in der Hauptsache ist es die StadionrockLegende Asia, der er mit Unterbrüchen angehört hat. Daneben ist der Ausnahmemusiker auch mit Jefferson Airplane, Cher, Roger Chapman oder Agnetha Fältskog tätig gewesen und hat damit sein Soll in der Geschichte der Rockmusik mehr als erfüllt. Trotz einer bewegten Lebensgeschichte ist er immer noch aktiv und mit der Erfahrung, die er im Rucksack hat, einer der besten seines Fachs.


REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative GREENWICH CAVERN Monkeys On Mountain Bad Reputation/Nonstop

FOO FIGHTERS Sonic Highways Sony Music ip. Durch die vorliegende Ausgabe des Tracks scheint sich ein roter Faden namens „Rock'n'Roll“ zu ziehen, der sich um die Herkunft, die Wichtigkeit und die Unsterblichkeit dieses Genres wickelt. Das war in der Planung für die erste Nummer des neuen Jahres nicht unbedingt beabsichtigt, lässt jedoch zwingend folgende Schlüsse zu: 1. Rock'n'Roll ist eine Universalsprache, 2. Rock'n'Roll kann aus diesem Grund niemals sterben, und 3. Keith Richards ist das Synonym für Rock'n'Roll. Den mathematischen Beweis, dass Keith Richards deshalb auch niemals sterben kann, muss man wohl leider biologisch widerlegen. Dafür haben die Foo Fighters aber den Beweis angetreten, dass das Ziel, die amerikanische Rockmusik auf hohem Niveau zu ehren, auf einer direkten Geraden erreicht werden kann. „Sonic Highways“ ist tatsächlich, wie im Untertitel angekündigt, eine Liebeserklärung an die amerikanische Rockmusik. Angefangen bei dem Mammut-Vorhaben, jeden der acht Songs in einer anderen Stadt aufzunehmen, bis zum fertigen Produkt, das optisch zusätzlich für den Sender HBO in acht Teilen gefilmt wurde, ist „Sonic Highways“ ein Abenteuer in die musikalische Welt Amerikas. Auf dem achten Studioalbum der Erfolgstruppe findet sich ein bunter Strauss an Reminiszenzen an bekannte US-Bands und –Musiker. Auf „Something For Nothing“, dem Opener, klingt Tom Petty durch (und übrigens auch Black Sabbath, die untypischerweise nicht aus den USA stammen, aber trotzdem immer gut für ein Zitat sind) und der Song steigert sich in einen wütenden, punkrockigen Bastard, der mit Vollgas endet und den Rick Nielsen von Cheap Trick veredeln durfte. Der Punkrock hinterlässt auch seine Marke im Stop-and-Go-Song „The Feast And The Famine“, einer schnurstracks auf 180 beschleunigten Nummer mit Suchtgefahr. „Congregation“ hingegen ist ein mit Grohl-typischen Breaks durchzogenes Schätzchen, das nach Wind im Haar und langgezogenen Highways

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klingt und mit einem echten Foo FightersRefrain überzeugt. Die Leads von Zac Brown tragen dazu bei, dass in der Mitte des Songs ein Stilwechsel vollzogen wird, der dem Track sehr gut steht. „What Did I Do?/God As My Witness“ ist eines der Highlights und man kann auch hier in der Mitte mit Led Zeppelin eine weitere nicht-amerikanische Anleihe heraushören. Eine sehr durchdachte Komposition, die flockig los swingt, aber ab der zweiten Hälfte episch-sakral wird. Einen Wechsel vollzieht das Album dann mit „Outside“, dessen Grundthema sehr in den Independent der 80er-Jahre hineinreicht. Das fasziniert insofern, als dass Joe Walsh hier als Gast mitspielt, der ansonsten hauptsächlich durch die Eagles bekannt ist und in diesem Sinne völlig artfremd, aber absolut nahtlos mitmusiziert. Überhaupt fügen sich auf „Sonic Highways“ alle Gastmusiker und sämtliche Ehrerbietungen so elegant in das gewohnte Foo FightersSongwriting, dass man den Hut davor ziehen muss. Kein einziger Song klingt gewollt oder geklaut und die kleinen Zitate sind äusserst gekonnt gestreut. „In The Clear“ beginnt wie ein Echo aus der „Siamese Dreams“-Ära von den Smashing Pumpkins, aber genau das gleiche Riff erscheint im Refrain in ganz anderem Licht und pimpt die Midtempo-Rocknummer mit einem leichten Stadionfeeling auf. Mit „Subterranean“ ist ein schicker balladesker Song mit Bob Seger-Flair vorhanden und „I Am A River“ schaukelt den Hörer erst mit warmen Hippieklängen und dem folgenden, unglaublich schönen Arrangement des Los Angeles Youth Orchestras viel zu früh zurück ins heimische Wohnzimmer. Für die orchestralen Parts konnte man Tony Visconti gewinnen, dessen beeindruckende Musikkarriere von David Bowie über Thin Lizzy bis zu Angélique Kidjo reicht, um nur einen Krümel des Kuchens zu nennen. „Sonic Highways“ blüht mit jedem Durchgang mehr auf. Es ist ein Foo FightersAlbum, dessen Bekenntnis zur Rockmusik mit sehr vielen neuen Facetten ausgeschmückt wird. Die Liebe zur heimischen Rockmusik ist in jedem Ton mehr als ersichtlich und man darf der Band Respekt dafür zollen, dass sie dieses Unterfangen mit einer Authentizität gemeistert haben, die an Leichtigkeit kaum zu überbieten ist.

mh. Folgende Situation: Sonntagmorgen, die Wolken lichten sich am Himmel und die ersten Sonnenstrahlen treffen auf den noch nassen Asphalt. Gestern Abend fand das Slash-Konzert statt und jetzt liegen zwei Stunden Autobahnfahrt vor mir. Das Album „Monkeys On Mountain“ von Greenwich Cavern ist mein auserwählter, musikalischer Begleiter auf dieser Strecke. Und was ich da höre passt so perfekt in die Situation, dass ich ohne Probleme bis nach Griechenland hätte durchfahren können. „Devil's Ride“ heisst der erste Song… passt ja schon mal vom Titel her. Aus den Boxen dröhnt ein gemütlicher und ruhiger Blues-Rock-Sound aber trotzdem mit anständigen Ecken und Kanten. Die nächsten drei Songs drehen dann vom Tempo her etwas auf… was passt, denn mittlerweile bin ich auf der Autobahn. Mit „No Reason“ folgt dann die erste Ballade. Bäume, Wälder und Häuser ziehen an mir vorbei und irgendwie scheint die Musik genau für diesen Moment gemacht. Kitschig, ja, aber so hat es sich angefühlt. Und dann diese Gitarren-Arbeit auf dem nächste Song „Nobody Knows“, richtig gut, fast schon slashesk. „See You“ ist dann nochmals eine Ballade die es wirklich verdient angespielt zu werden. Im Jahr 2010 haben sich die zwei Gründungsmitglieder Eric Revel (Gesang und Bass) und Walter Gallay (heute nicht mehr in der Band) per Zufall in New York getroffen, im Stadtteil Greenwich Village und das in einer Bar die The Cavern hiess. Somit wäre dann der Bandname auch erklärt. In wechselnder Besetzung operiert Revel heute mit François Del Frante (Drums) und Olivier Sosin (Gitarre und Gesang) von ihrem Heimatland Frankreich aus.

S's Exploded View Of Love G@#9 rp. Ein aussergewöhnlicher Bandname für eine nicht ganz


Mainstream/Indie/Alternative REVIEWS alltägliche Band. Die in Los Angeles beheimateten S's (wird «esses» ausgesprochen) haben einen eigenwilligen Zugang zur Musik. Das Debüt der One-ManBand um JEF 700S (?) verzichtet auf herkömmliche Songstrukturen. Die einzelnen Tracks klingen zuweilen wie das Aufschreien von Maschinen, schrill und kakophonisch. Das fast zehnminütige «Love Life» mündet in einer Lawine aus Lärm und Feedback, die den Hörer zu überrollen droht. Ist das die Zukunft der Liebe? Liebe und ihre Zukunft sind das Hauptthema von «Exploded View Of Love». JEF 700S sieht diese Zukunft düster. Songs wie «Sex Machines», «Electric Friends» oder «Strange Love» zeichnen ein pessimistisches Bild. Das er dafür den maschi-nellen Sound von Kraftwerk, Throbbing Gristle, Silver Apples, Suicide, The Normal oder Cabaret Voltaire in die Moderne führt, macht nur Sinn. Werden uns einst Maschinen die Liebe abnehmen?

beginnende „Beach Buddy“ oder der Hammersong „Target“ bei dem man richtig was vor den Latz geknallt kriegt. Recherche sei Dank, die Band kommt wirklich aus Texas, Beaumont um genau zu sein. Und „(409)“ ist ihr Debut-Album, gegründet wurde die Band allerdings bereits im 2009. Die Band, das sind Taylor Busby (Gitarre/Gesang), Hanna Brewer (Drums/Gesang) und Joe Cannariato (Bass). Das sieht man auch nicht alle Tage, eine Sängerin die gleichzeitig die Drums bearbeitet und das auch noch richtig gut macht. Und ja, sie ist die stoffsparend bekleidete Frau mit der Axt auf dem Cover. Bier auf und reinhören.

SLEEPWAVE Broken Compass Epitaph/Phonag

poppigere Richtung einschlägt. Als Anspieltipps machen sich „Rock And Roll Is Dead And So Am I“ und vor allem „Repeat Routine“ recht gut. Die Songs im Allgemeinen scheinen oft demselben Aufbauschema zu folgen oder tönen zu sehr nach anderen, bereits etablierten Bands. Auf die Dauer wirkt das etwas langweilig und ideenlos. Der Gesang dürfte gerne auch noch etwas böser und weniger glattpoliert daher kommen. Aber dies ist ja ein Debut, und der Band darf gerne noch etwas Zeit zur Entwicklung ihres eigenen Sounds gewährt werden. Man darf gespannt bleiben, was da noch so auf uns zukommt.

THE DECEMBERISTS What A Terrible Word, What A Beautiful World Rough Trade

PURPLE (409) PIAS/Musikvertrieb

mh. Geiles Album-Cover. Ein zerbeulter Minivan steht im Wald und in Flammen. Auf dem Dach ist eine spärlich bekleidete Blondine dabei das Auto mit einer Axt zu bearbeiten und im Wageninnern sitzen zwei arschcool rausguckende Typen. Ah, und auf dem Minivan steht die Zahl (409). Kein Bandname, kein Titel. Beim Umdrehen wird dann klar, die Band heisst Purple. Wie die Scheibe heisst… immer noch keine Ahnung. Könnte sein, dass die Band aus Texas stammt, da ihre Website dieses Wort beinhaltet. Na gut, also rein in die Anlage. Der Sound kommt sehr rau, dreckig und kantig rüber. Eine sehr geile Frauenstimme bestreitet den Bärenanteil des Gesangs. Sie tönt jung und versaut. Sie kann richtig geil schreien und krächzen. Sie erinnert an Hole, Dead Sara oder die frühere Juliette Lewis. Soundtechnisch kreieren sie punkigen Rock worin man Spuren ihrer Label-Kollegen FIDLAR oder auch von The Distillers findet. Anspieltipps sind das gemächlich

mh. „Broken Compass” markiert das Debut-Album von Sleepwave und das auf eine hoffnungsvolle Art und Weise. Die Band, bestehend aus Spencer Chamberlain (vox, git, keys) und Stephen Bowman (git, bass, keys), dröhnt den weiten Weg von Florida her bis zu uns. Bei Live-Auftritten wird die Band jeweils von abwechselnden Besetzungen vervollständigt. Chamberlain ist jemand, der bereits mit einer anderen Band erste Erfolge feiern und am Ruhm schnuppern konnte. Er war nämlich von 2003 bis zum Bandende 2013 der Sänger von Underoath, wo er sein Stimmorgan singend, schreiend und oft growlend einsetzte. So, jetzt aber zum neuen Silberling. Vom musikalischen her finden wir hier elektronische Einflüsse und Basteleien wie das Nine Inch Nails auch machen. Und hie und da hat man das Gefühl man hört etwas Deftones aus den Songs. Stimmlich bewegen wir uns irgendwo in der Region von Chester Bennington (Linkin Park) allerdings nicht ganz so böse. Im Bezug auf Nine Inch Nails finden wir hier auf jeden Fall eine grössere stimmliche Vielfalt. “Whole Again” ist ein Song, der beginnt als käme er direkt von einem Nine Inch Nails-Album bevor er dann zum Refrain hin einen deutlich

mr. „Nett“ ist nicht immer die kleine Schwester von „scheisse“ – der neue Longplayer der The Decemberists etwa ist nichts völlig neues, bahnbrechendes oder überraschendes, sondern einfach richtig nett im positivsten Sinne. Eine CD ohne Höhen und Tiefen, aber mit einem roten Faden und Songs, die eine Einheit bilden. Die amerikanischen Dezember-Anhänger melden sich nach einer Kreativpause mit einer perfekten Winterplatte zurück. „What A Terrible Word, What A Beautiful World“ ist zwar entgegen dem Bandnamen erst gegen Ende Januar erhältlich – wer sich in den kalten Tagen gerne daheim einschliesst, real oder imaginär das Feuer prasseln und es sich gut gehen lässt, hat mit dem 14-Song-umfassenden Album aber dann den perfekten Soundtrack für Winterabende gefunden. Die Band um Frontmann Colin Meloy zeigt, wie solider, instrumentenstarker Indie-/Folkrock funktioniert. So entspannt, wie die Truppe während ihrer inoffiziellen Bandpause während das

neue Album geschrieben hat, präsentiert sich auch die Grundstimmung der Platte, die eine warme Wohlfühlatmosphäre kreiert, auf die man sich nicht vollkommen fokussieren muss, aber von der man sich gerne umschmeicheln lässt. Highlight des Nachfolgers des 2011er Albums „The King Is Dead“ ist definitiv „The Singer Adresses His Audience“, ein Song der musikalisch und stimmungsmässig nicht weniger schön ist, als seine Nachbarn, aber doch den Hauch mehr Sehnsucht und Emotion vermittelt, der den Zuhörer direkt im Herzen trifft. Während musikalisch zwar eine umfassende Bandbreite an Einflüssen und Inspirationen erkennbar ist, aber weniger die markante Dualität, wie der Titel es erwarten liesse, widmen sich die The Decemberists textlich zahlreichen verschiedenen Themen und holen so fast jeden Zuhörer irgendwo ab. Insgesamt ist die Platte ein Statement dafür, wie schön und atmosphärisch Musik sein kann, die nicht um Aufmerksamkeit buhlt. Fast möchte man sie mit einer Frau vergleichen, die weiss, wer sie ist, mit einer ganz eigenen, unaufdringlichen Schönheit glänzt und sich im Hintergrund hält. Ein Kumpeltyp, der einfach richtig nett ist.

FRAZEY FORD Indian Ocean Nettwerk

ip. „Indian Ocean“ ist Frazey Fords zweites Studioalbum. Die Singer-Songwriterin stammt aus Kanada und komponiert in einer sehr eigenen, bluesorientierten Weise erdige Songs, die durch ihr Vibrato eine ganz spezielle Note bekommen. Ihr Gesang hat aber nicht nur dadurch hohen Wiedererkennungswert, sondern auch durch ihre sehr luftige Art, die Worte auszusprechen. Das könnte man als Nuscheln bezeichnen, sorgt aber

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REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative MELISSA ETHERIDGE This Is M.E. SPV

ip. Melissa Etheridge hat mit Konstanz Platten veröffentlicht, wovon man hier in Europa nicht immer angemessene Notiz genommen hat. Mit „This Is M.E.“ sollte sich das ändern, denn ihr zwölftes Studioalbum hat nicht nur eine ordentliche Portion Rock zu bieten, sondern Ohrwürmer deluxe. Zudem hat Etheridge ihre Songs dieses Mal mit einigen elektronischen Gewürzen aufgepeppt. Das sollte aber niemanden abschrecken, denn diese Spielereien sind sehr sparsam und dosiert eingesetzt, so dass sie die eigentlichen Kompositionen nicht grundsätzlich beeinflussen, sondern eher modern aufpolstern. Ein erstes Highlight nach dem Opener „I Won't Be Alone Tonight“ ist „Take My Number“, eine schwebende, aber doch treibende Rocknummer mit klassischem Refrain. Den neuen, modernen Sound hört man besonders auf „A Little Hard Hearted“, das für Etheridge-Verhältnisse schon fast etwas zu poppig klingt. Der Nachfolger „Do It Again“ hebt dies aber direkt wieder auf, denn hierbei handelt es sich um einen sehr feinen, countryesken Song, auf dem die Sängerin mit ihrer typisch fordernden Stimme glänzt. „Monster“ hat eine leicht orientalisch angehauchte Gitarrenbegleitung und einen sexy Beat, „Ain't That Bad“ ist ein cooler Stampfer und „All The Way Home“ geht ungefähr in die gleiche Richtung, mit Ausnahme einer Verneigung in Richtung Rolling Stones. Zum Schluss kommen mit „A Little Bit Of Me“ und „Who Are You Waiting For“ zwei wunderbare Nummern, die sich von den restlichen, rocklastigen Songs durch ihre Feinheit abheben. „Who Are You Waiting For“, mit dem die Platte aufhört, könnte sogar zu Etheridges besten Songs überhaupt gelten, denn das ist eine der berührendsten Balladen, die man in letzter Zeit von irgendwem gehört hat. Ganz grosser Moment. Melissa Etheridge hat einfach ein Händchen für catchy Melodien und mitreissende Refrains, die man nur ganz schwer wieder aus dem Ohr bekommt. Was sie schon vor über zwanzig Jahren mit „Bring Me Some Water“ und „Like The Way I Do“ begonnen hat, zieht sie auf „This Is M.E.“ weiter. Grossartiges Album mit grossartigen Songs.

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gerade deshalb für ein ganz charakteristisches Flair, das die gemächliche Stimmung der Platte noch unterstreicht. Dass aber auch Soul eine grosse Rolle in ihren Stücken spielt, lässt sich nicht nur dadurch unterstreichen, dass sie beispielsweise Roberta Flack als einen Einfluss nennt. Aufgewachsen in Kommunen und mit freigeistigen Eltern schimmern auch Stilmittel des Folks von beispielsweise Bob Dylan auf „Indian Ocean“ durch. All diese Einflüsse machen dieses Album zu einem weichen, vollmundigen Hörgenuss, der in souligen Momenten wie „Season After Season“ oder Bluesausflügen wie „Weather Pattern“ Höhepunkte findet. „Indian Ocean“ kommt am besten mit einem Glas Rotwein bei Kerzenlicht und einem kuscheligen Abend auf dem Sofa. Sehr schön.

RADIO RIDDLER Purple Reggae Mita Records ip. „Purple Rain“, das Album von Prince schlechthin, wurde 2014 unglaubliche dreissig Jahre alt. Die Fun Loving Criminals konnten Mitte der 90er mit ihrem Debut „Come Find Yourself“ eine Marke setzen, indem sie eine laid-back Version aus Rock, Hip Hop und Blues schufen. Brian Leiser und Frank Benbini, die Köpfe hinter den Fun Loving Criminals, haben mit ihrer Formation Radio Riddler nun eine Reggae-Version von „Purple Rain“ aufgenommen, um diesen Meilenstein der Rockmusik zu ehren. Dafür haben sie sich Gäste wie Sinead O'Connor oder Ali Campbell von UB40 ins Boot geholt, aber auch Bluessängerin Deborah Bonham, Folkrocksänger Citizen Cope und Souldiva Beverley Knight durften mit von der Partie sein. Resultat dieses Tributs ist ein flockigswingendes Album, das die Songperlen von TAFKAP oder Prince oder „Symbol“ in ein neues Licht mit Strandfeeling rücken. Ob es nötig ist, Songs wie „Let's Go Crazy“, „Darling Nikki“ oder „When Doves Cry“ neu einzukleiden, wenn die Originale eigentlich eh unerreicht sind, bleibt Diskussionsgrundlage. Tatsache ist, dass Nummern wie „Take Me With You“ mit einer grossartigen Gesangsleistung von Deborah Bonham oder „Baby I'm A Star“ mit einer wunderbaren Beverley Knight auch im Reggaegewand funktionieren, wenn man sich darauf einlässt. Einige Songs, beispielsweise „The Beautiful Ones“ haben, nach meinem persönlichen Empfinden, nichts im Reggae verloren und somit auch gar nichts mehr mit der ursprünglichen Message zu tun. Dafür ist der Rastastil einfach zu oft, und auch zu Unrecht, ins Lächerliche gezogen worden und geben den Klassikern von damals eine humoristische Note, die in meinen Ohren unpassend ist. Merkwürdigerweise ist Sinead O'Connor eine der

wenigen, die den Geist der ursprünglichen Aufnahmen ins Jetzt hinüberzuretten vermag. Da ich die Fun Loving Criminals sehr mochte und die künstlerische Umsetzung dieses fachlich einwandfrei umgesetzten Werkes respektiere, möchte ich hier dazu animieren, dass man sich als Hörer seine eigene Meinung bilden mag.

NICKELBACK No Fixed Address Universal ip. Entgegen aller Unkerei, die bisweilen in blanken Hass umschlagen konnte, fand ich Nickelback bisher nicht wirklich schlimm. Im Gegenteil, die Kanadier hatten den einen oder anderen Song im Kofferraum, der sogar richtig gut war. „Side Of A Bullet“ beispielsweise oder „Photograph“. Ja, auch den fand ich gut, obwohl der sich für teuer Geld bei „Summer Of 69“ von Bryan Adams eingekauft hatte. Der ist aber auch Kanadier, also blieb das sozusagen in der Familie. Auf „No Fixed Address“ ändert sich das Bild jedoch. Die ersten beiden Songs sind weder „A Million Miles An Hour“, noch on the „Edge Of A Revolution“, sondern schlicht lahm. Eine ganz besondere Scheusslichkeit steckt hinter der Kaugummiballade mit rosa Puffärmeln namens „What Are You Waiting For?“ und man möchte dem ein herzhaftes „Auf das Ende der Platte!“ entgegenschmettern. „She Keeps Me Up“ klingt nach einem schmalbrüstigen Versuch, Captain Sensibles „Wot“ mit irgendetwas Schrecklichem aufzubürsten und „Make Me Believe Again“ würde besser klingen, wenn er bei Sesamstrassen-Oskar in der Mülltonne scheppert. „Satellite“ kann man höchstens als belanglose Schnulze definieren und „Get Em Up“ ist ein im Ansatz ersticker Keimling eines Stadion-Country-Hybriden. Unerträglich wird es dann bei „The Hammer's Coming Down“, der für eine neue Staffel von Xena als Titelsong Verwendung fände. „Miss You“, so vermute ich, gammelte schon einige Zeit in Avril Lavignes Schublade mit der Aufschrift „Ausschuss“ herum, bevor es mit fiesem Glockenspiel und uninspirierten Drumbreaks jetzt als Lückenfüller auf der neuen Platte ihres Ehemannes ein trauriges Dasein fristen muss. Gebete, Kroeger hätte doch lieber Wendy O. Williams oder The Great Kat geheiratet, kommen zu spät. Die eine ist nämlich leider schon lange verschieden und die andere hätte ihn vermutlich bereits aufgegessen. Kurz vor Ende gibt es noch eine Nummer feat. Flo Rida, mit Bläsern und viel lauer Luft. Den letzten Song hätte ich mir fast geschenkt. Aber dann hätte ich mich vermutlich darüber geärgert, dass ich diese im Morbid WalkingTempo verfasste Frechheit mit auf dem


Kamm geblasenen Hintergrund„Uh-Uh“s nicht hätte geniessen dürfen. Ist eine Zusammenfassung nötig? Wirklich? Also gut: „No Fixed Address“ ist Scheisse im Quadrat.

aber den Wert der restlichen Nummern keinesfalls schmälern, denn auf die Zwölf gibt es hier mehr als genug und „Faszination Weltraum“ ist trotzdem ein echt knorke Album!

FARIN URLAUB RACING TEAM

LETZTE INSTANZ

Faszination Weltraum Universal

ip. Wenn die Ärzte im Urlaub sind, gibt es meistens schöne Einzelveröffentlichungen der Protagonisten zu hören, die beim Überbrücken helfen. „Faszination Weltraum“ ist das neue Rezept vom Racing Team, das im Gegensatz zu Bela B.s Countryausflug deutlich mehr nach der Hauptband klingt. Der Opener „Mein Lied“ knüppelt direkt mit Metal und Doublebass den Weg frei und man darf sich hier schon mal vor der musikalischen Leistung des Racing Teams verneigen, das praktisch nur aus Musikerinnen besteht. So hart geht es dann aber nur beim ersten Song zur Sache. „Faszination Weltraum“ versammelt Stile aller Art, wie man sie auch von den Ärzten kennt: Punkrock, gesetzteren Rock, Ska, in „iDisco“ spanische Gitarren, ein bisschen Bossanova in „Find Dich Gut“, eine Ballade im Dreivierteltakt mit „Das Traurigste“ und etwas Alternative im letzten Song „Immer Dabei“. Farin Urlaub weiss, wie man Platten bis zum Schluss abwechslungsreich hält und was die Kompositionen angeht, gibt es auf „Faszination Weltraum“ keinen einzigen Ausfall. Auch textlich kann man nicht von Ausfällen reden. Allerdings fehlt hier doch etwas von dem Wortwitz und der Eloquenz, die bei den Ärzten oft für Lacher sorgen und die eben jene Ironie transportieren, für die man die Band liebt. Thematisch bekommt man bei Urlaubs neuem Album eher den Eindruck, dass er sich dem „Alle und alles ist dröge und öde, aber du kannst dich daraus befreien“Kanon angeschlossen hat und irgendwie klappt es hier auch nicht so ganz mit den ausgeklügelten Reimen und Allegorien, die man sonst von ihm als scharfem Beobachter kennt. Was das angeht, ist die erste Single „Herz? Verloren“ sicher das Highlight des Albums. Das soll

Im Auge des Sturms (Limited Edition) Drakkar/Musikvertrieb em. Die Formation Letzte Instanz kann auf eine jahrelange Karriere zurückblicken, in der viele grossartige Alben veröffentlicht wurden. „Im Auge des Sturms“ ist der nächste logische Schritt der Band um Sänger Holly Loose. Eigentlich erwartet man auch musikalisch unter anderem die typischen Trademarks der Gothic-Rocker. Mit „Im Auge des Sturms“ werden insofern neue Wege beschritten indem alle Instrumente selbst eingespielt wurden. Diese Tatsache verleiht dem Album etwas Warmes und Organisches. Gerade bei den Streichern ist das wunderbar zu hören und wertet diese Veröffentlichung auf. Ansonsten bleibt die Reaktion auf die insgesamt 18 Songs doch eher verhalten. Bereits der Opener „Alles anders“ ist ein Reigen der Alltäglichkeit und auch der folgende Track „Ganz egal“ steht dem Vorangegangenen in Sachen Fadheit leider in Nichts nach. Auch die dritte Nummer „Traum in Traum“ macht dem Namen „Im Auge des Sturms“ keine Ehre – wobei es ja im Auge eines Sturms tatsächlich weitgehend windstill sein soll. Die Belanglosigkeit setzt sich ungehindert fort und sogar die balladesken Klänge der Letzten Instanz verkommen zu Banalitäten, vergleicht man diesen Longplayer mit früheren Werken. Lediglich am Schluss des Stücks „Koma“ findet sich ein wütender und mit Herzblut versehener Teil, den man sich bei mehreren Titeln gewünscht hätte. Hört man sich den elften (!!!) tollen Track „Nein“ an, hofft man, wenn auch spät, auf ein gutes Ende mit den noch verbleibenden sieben Kompositionen. Fehlanzeige. Einzig mit dem instrumentalen „Opus III“ kann Letzte Instanz noch auftrumpfen, denn auch die Texte sämtlicher Lieder sind unglaublich seicht, an der Grenze des Erträglichen und geben somit keine Pluspunkte. Die Schlusslichter bilden die beiden Liveversionen von „Blind“ und „Winterträne“. Aber auch die machen hier nichts mehr wett. Letzte Instanz verkommen mit „Im Auge des Sturms“ leider zu absolutem Mittelmass.


REVIEWS Mainstream/Indie/Alternative UMBRA ET IMAGO Die Unsterblichen Oblivion/Musikvertrieb

em. Fällt der Name Umbra et Imago denkt man seit 1991 zwangsläufig an exzentrische Gestalten, ausgefallene Shows und Sex. Der stilprägende Frontmann Mozart lebt „Gothic“ geradezu. Es ist seine Kultur, seine Lebensphilosophie. Des Weiteren gilt der schillernde Mozart als der ultimative SM-Meister. Er organisiert seit vielen Jahren Fetischpartys, verfasst Bücher zu diesem Thema und seine Hingabe zu dieser ganzen Materie widerspiegelt sich unverkennbar in der Musik von Umbra et Imago. Auch auf dem neuen Album „Die Unsterblichen“ dreht sich vorwiegend alles um Sex, mit allen seinen reichhaltigen Facetten. Der fantastische Opener „Overture“ lebt von einem treibenden Rhythmus, Sprechgesang, Didgeridooklängen und sphärischen Momenten. Bereits hier kommt die Kunst der guten Wortgestaltung hervorragend zur Geltung. Es folgt der Titeltrack „Die Unsterblichen“. Die variable Stimme Mozarts fällt auf. Sie verleiht dem von elek-

trischen Gitarren dominierenden und epischen Song noch mehr Vielfalt. Die dritte und total coole Nummer „Gimme nothing“ kommt recht rockig und wild daher. Der stets unterkühlte Gesang Mozarts verhindert einen zu hohen Spassfaktor, der bei solchen Gothic-Rock-Kompositionen auch gar nicht zu sehr aufflackern darf. „Der Liebe geweiht“ ist nichts anders als eine Ehrerbietung an die Ketzerei gespickt mit BlackMetal-Elementen, wenn man der Resonanz Mozarts lauscht. Sehr abwechslungsreich und spannend. Man könnte auf jeden der 13 Titel im Detail eingehen und sie beschreiben. Einfacher ist es aber zu sagen, dass „Die Unsterblichen“ ein äusserst gelungenes, dunkelschönes Werk ist, welches vor Sexualität, Selbstironie, Humor und Schwermut strotzt. Langsame Kompositionen („Wiegenlied eines Vampirchens“ oder auch das Schlusslicht „Seelen-Maler“) wechseln sich mit Liedern ab, die fast nach klassischem Heavy Metal klingen („Radiosong“). Zwischendurch flacht das Album auch mal ab, was aber neben so vielem coolen Material nicht ins Gewicht fällt, denn grundsätzlich ist „Die Unsterblichen“ sehr kurzweilig, atmosphärisch, breitgefächert und wirklich ziemlich

THE PAUL & JOHN Inner Sunset SodaStar Music rp. The Paul & John sind nicht etwa Paul McCartney und John

TRIGGER HIPPY Trigger Hippy Rounder/Universal

hh. Für das Rounder-Label, das ja von jeher mehr auf akustische Nischenprodukte des amerikanischen Blues-, Roots und Countrysounds spezialisiert ist, ist dieses Quintett

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Gesangsharmonien. Ahh und Ohhs, die einen «inneren Sonnenaufgang» (Inner Sunrise) erzeugen.

RICK HROMADKA Trippin' Dinosaurs SodaStar Music

Lennon, sondern Paul Myers (The Gravelberrys, Autor von Büchern über Todd Rundgren und Long John Baldry) und John Moremen (Orange Peels, The Neighbors, Half Japanese, u.a). Auch musikalisch sind durchaus einige Gemeinsamkeiten vorhanden. Wie Lennon und McCartney verfügen Myers und Moremen über ein gutes Gespür für eingängige Songs, die immer wieder für angenehme Momente in den Gehörgängen sorgen. Sie können aber auch Songs verfassen, die hemmungslos rocken, auch mal cool grooven und, wie beim Auftakt, sanft folk-poppig daher kommen. Der dritte Track «Long Way Back» ist schlicht eine hinreissende und schnittige Power-Pop-Nummer ohne Wenn und Aber. In die gleiche Kerbe hauen «Can't Be Too Careful» oder «When I Lost My Way». Songs wie das bereits erwähnte «Inner Sunset», «How 'Bout That?», «Brickland» oder der Abschluss «Inner Sundown» hingegen zeigen die beiden Herren von der leisen und zuweilen fast sehnsüchtigen Seite. Gemeinsam sind allen zehn Nummern die fein herausgearbeiteten

wahrlich eine „Ausnahme von der Regel“ im Artist Roster. Aber bei diesem Musiker-Aufgebot, US-Medien sprechen sogar von einer Americana-Supergroup, konnten die Rounder-Leute wohl nichts anderes machen als sofort zuzugreifen. Angeführt wird dieser prachtvolle Haufen vom Black Crowes-Drummer Steve Gorman und Sängerin Joan Osborne. Gorman brachte dann noch seinen Crowes-Kumpel Jackie Greene (kbds, gtr)mit und Gitarrist Tom Bukovac, einer der am meisten verpflichteten Session-Gitarristen in der modernen US-Countryszene, sowie Bassist Nick Govrik komplettieren das Line-Up. Geboten wird Southern-Sound in seiner ganzen Vielfalt: Blues, Gospel, Countryund Southernrock in warmem satten Klang, herausragend interpretiert von diesen 1st-Class-Musikern. Erinnerungen an beispielsweise Delanie & Bonnie werden wach, wie überhaupt das ganze Album direkt aus den 70ern ins hier und heute geschossen zu sein scheint. Joan Osborne ist ein absoluter Glücksgriff für

rp. «Trippin' Dinosaurs» ist das erste Soloalbum von Rick Hromadka, der Bands wie Double Naught Spies, Maple Mars oder Ruby Free anführt (e). Die zehn Songs weichen allerdings etwas ab vom ge-wohnten Sound ab, den der in L.A. beheimatete Musiker bis anhin pflegte. Double Naught Spies und Maple Mars sind im melodisch knackigen Power Pop Zuhause, Ruby Free sind, nach eigenem Bekunden, die amerikanischen Antwort auf Linda und Paul McCartney. Rick Hromadka, der hauptberuflich als Sound-Designer und –editor («300», «Watchmen», «The Twilight Saga: New Moon» u.a) arbeitet, nähert sich auf «Trippin' Dinosaurs» der Psychedelik-Ära: Flanger, verfremdete Stimmen, SixtiesOrgel, flirrende Gitarren gepaart mit Experimentierfreude. Mehrere Ansätze dazu gab es schon bei den späten Maple Mars. Auf seinem Solodebüt führt er diese weiter. Anleihen macht er bei den Beatles (zur Psychedelik-Ära), Pink Floyd, The Who oder den Beach Boys (Das Instrumental «Circular Haze» klingt wie selbige auf Acid). Einmal sind gar Bezüge zu den Doors (Orgel in «Face On») zu vernehmen. Und rocken tut Rick in den zehn Songs selbstredend auch. Ein Psychedelik-PopRock-Ohren-chmaus par excellence, der gut in das momentane Psychedelik-Revival passt.

diese Band, sie hat eine umwerfend warme und doch kernige und bestimmende Stimme, erinnert oft an Bonnie Raitt. Und die Harmonie/DuettGesänge mit Keyboarder Jackie Greene sind geradezu göttlich. Die Songs haben gleichermassen Klasse und Rasse, grooven ohne Ende und beweisen ausnahmslos grosse Nachhaltigkeit. Man ist extrem schnell mit dem Trigger Hippy Virus infiziert und es ist sehr schwer, davon wieder loszukommen. Aber das muss ja auch nicht, denn das hier Gebotene sorgt für eine gesunde Form der Abhängigkeit. „Trigger Hippy“ ist ein über alle Massen gelungenes Debüt und wird Fans guter, ehrlicher und handgemachter Musik mit durchgehend schönen Songs weit über die Americana-Grenzen hinaus begeistern. Absolut empfehlenswert und sollte zwingend angetestet werden. Besonders für diejenigen, die die Schweizer Blackberry Brandies mögen, sind Trigger Hippy ein Pflichtkauf!


LIVE

Die schwarze Witwe mit der gespaltenen Persönlichkeit mr. Nach dem grossen Erfolg des Vorgängers "Blood", mit dem In This Moment das Zeitalter bis ins Detail inszenierter, durchchoreografierter Shows einläutete, war die Marschrichtung des neuen Longplayers "Black Widow" nicht ganz unklar. Nach dem Motto "Sex sells" musste es weitergehen, ist die düstere Erotik von Maria Brink doch inzwischen zum Markenzeichen der (eigentlichen) Metal-Combo geworden. Leider ist es nicht nur die Leadsängerin selbst, die unter dem pathetischen Motto "turning weakness into strenght" den Kampf mit den eigenen Emotionen zum Titelthema des Albums macht. Immer wieder erkennt man textlich auf "Black Widow" den Versuch ihrerseits, ein Vorbild für weiblichen Fans zu sein – dummerweise verliert sie sich dann aber meist darin, das "Bloody Creature Poster Girl" für die männlichen Anhänger sein zu müssen. Wenn dann noch sozialkritische Aspekte und etwas zu sehr auf die Tränendrüse drückende Balladen dazu kommen, fragt sich nicht nur ein Hobbypsychologe irgendwann, ob Frau Brink sich nicht in zu vielen Persönlichkeiten verloren hat. Die textlichen Tiefpunkte erreicht das Ende November erschienene Album, wenn die Schwarze Witwe ins Mikrofon haucht "you don't know how hard it is, being a women, how will I ever live up to your expectations of pretty". Zwar sähe sich Maria Brink gerne als Kämpferin für die Frauenwelt, wenn sie solche feministischen Aussagen dann aber ins Mikrofon stöhnt, demaskiert sie sich überdeutlich selbst. Positiv an Balladen wie "Out of Hell" und "The Fighter" ist ganz klar die Gesangsstimme der Frontwoman, die jeder Popdiva die Krone vom Kopf reissen würde. Ihre aussergewöhnliche Range

18. Februar 2015 Solothurn, Kofmehl

von clear Voice zu starken Screams, macht neben einer starken Metalband im Rücken der Sexbombe den Sound von In This Moment aus. Hätte die Schwarze Witwe ihre vier Jungs mal besser öfter von der Leine gelassen. Songs wie das vor dem Release ausgekoppelte "Sick Like Me" oder "Big Bad Wolf" locken Metalfans immer wieder mit knallenden Riffs und eingängigen Melodien, nur um im Refrain dann leider oft von Maria Brink weichgesungen zu werden. Insgesamt ist das Album für Fans, die den Vorgänger "Blood" ohne Abstriche mochten, eine würdige Fortsetzung und so lange man die textlichen Zwiespaltereien und musikalische Tiefpunkte übersieht, ist "Black Widow" durchaus zu empfehlen. Maria Brink sollte sich aber dringend mehr darauf konzentrieren, eine wirkliche Powerwoman zu sein (sexy ist sie mit dem Vorbau auch ohne zusätzliches ins-Mikrofon-gestöhne), anstatt ständig nach Bestätigung zu suchen und zu fragen, "am I beautiful". Dann muss Frau Brink auch nicht mehr mit dem Vorschlaghammer unterstreichen, dass sie anders als die üblichen Barbies ist.

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Ein Hofnarr darf sich alles erlauben, es sind ihm keine Grenzen gesetzt und er kann alles schuldfrei sagen und ansprechen. In etwa so verhält es sich auch bei Tenacious D.

mh. Jack Black und Kyle Gass haben sich quasi die kreative Carte-blanche des Musikbusinesses geschnappt und können machen was sie wollen. Um Erfolg zu haben müssen sie nicht gut aussehen. Sie können Penis-Witze à la Discrétion machen. Sie können im Drogenrausch mit dem Yeti (bzw. Sasquatch) über die Bäume fliegen. Und sie können sich selber ein Tribut auf einen Song singen, den es allenfalls in ihrer Fantasie gab. Tenacious D steht für „Tenacious Defense“ und das wiederum kommt aus dem Basketballsport, und bezeichnet den frühen groben Angriff als Verteidigung. Kennengelernt haben sich Black und Gass im Jahr 1989 in Edinburgh, Schottland. Damals waren beide Mitglieder in der Theatergruppe „The Actor's Gang“, die aus Los Angeles stammt und für Aufritte am Edinburgh Fringe, dem weltweit grössten Kunstfestival, nach Übersee reiste. Anfanges konnten sich die Beiden noch nicht wirklich gut riechen. Gass war etwas eingeschüchtert von Black, da dieser der musikalische Star der Gruppe war. Irgendwann wurden dann aber doch Brücken geschlagen und die beiden fanden zueinander. Gass brachte Black das Gitarrenspielen bei und umgekehrt half Black mit, das schauspielerische Talent von Gass zu formen. Während den ersten Jahren haben die beiden hauptsächlich Songs gecovert, sind in Bars aufgetreten und hatten genau genommen noch nicht mal einen Namen. Eines Tages sass dann David Cross im Publikum, der die Comedy-Show „Mr. Show – with Bob And David“ auf HBO moderierte und kreierte. Kurz darauf hat er dann Jack Black als einen unter vielen Komikern ebenfalls für diese Sendung verpflichtet. Währenddessen haben Gass und Black fleissig weitermusiziert und konnten bereits 5 Songs ihr Eigen nennen, darunter auch der mittlerweile weitläufig bekannte Hit „Tribute“. So haben die Beiden dann ihre Demo-CD mit dem passenden Titel „Tenacious Demo“ an diverse Plattenfirmen gesendet. Dank den Verbindungen von Black zu HBO wollte dann der Fernsehsender unter dem Namen „Tenacious D“ eine eigene

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Serie über die Band produzieren. Allerdings wurde die Idee nach der Ausstrahlung der ersten Folge 1997 bereits wieder begraben. HBO wollte Black und Gass als Personen ersetzen und sie nur noch zum Songschreiben anstellen, das passte den beiden Freigeistern natürlich nicht. So haben sie weiterhin in Bars gespielt, wobei dann in (damals noch) Jonny Depp's legendärem Viper Room kein geringerer als Dave Grohl auf die Band aufmerksam wurde. So kam es dann 1999 auch dazu, dass Gass und Black im Videoclip von „Learn To Fly“ von den Foo Fighters eine kleine Nebenrolle verkörpern konnten. Bald folgten Auftritte als Vorband für Grössen wie Beck, Pearl Jam oder eben natürlich Foo Fighters. Während Jack Black immer wieder für grössere oder kleinere Rollen in Filmen mitspielen konnte, gelang ihm dann als Schauspieler der Durchbruch im Jahr 2000 mit „High Fidelity“ und auch mit der Band schien es rund zu laufen. Über Epic Records erschien das Debut-Album „Tenacious D“, das sich innerhalb der nächsten fünf Jahren zum Platin-Status in den USA gemausert hat. Dies war sicherlich auch begünstig durch die weiterhin steigende Popularität von Jack Black als Schauspieler in Filmen wie „School of Rock“, „Shallow Hal“ oder „King Kong“. Und natürlich auch, weil der Sound von Tenacious D einfach sackstark, frech und kreativ ist. So hat ihnen selbst Ronnie James Dio seinen Respekt gezollt, nachdem er ihren Song „Dio“ gehört hat und das Duo gleich für seinen Clip zum Song „Push“ verpflichtete. Im November 2006 feierte dann der Film „Tenacious D – The Pick Of Destiny“ seine Premiere in Los Angeles. Der grösste Teil des Filmes stammt aus der Feder von Gass und Black und erzählt die fiktive Bandgeschichte von Tenacious D. Der Film floppte damals an den Kinokassen und hinterliess ein ziemliches finanzielles Defizit. Immerhin, der gleichzeitig erschienene Soundtrack und somit das zweite offizielle Album von Tenacious D erreichte die Nummer 8 in den amerikanischen Billboard Charts. Und mittlerweile hat es auch der Film in die schwarzen Zahlen geschafft, denn um den Streifen ist zwischenzeitlich ein richtiger


Kult entstanden. Und wer das gute Stück bis jetzt noch nicht gesehen hat, der sollte das unbedingt nachholen. Es erwartet einen zwar keine tiefgründige Story aber verdammt unterhaltsame und witzige 90 Minuten. „Rize Of The Fenix“ heisst nun das dritte Album von Rage Kage und Hollywood Jack, wie sich die Beiden auch bezeichnen. In Anlehnung auf den Phönix, der sich aus der Asche erhebt, erheben sich hier Tenacious D aus der Asche von ihrem gefloppten Film. Und sie tun das fulminant. Auf dem Cover prangert ein grosser Phönix mit Flammenflügeln, der eigentlich viel mehr einem Penis ähnelt. Darum zensiert mein iTunes vermutlich auch das Bild. Schön, Jables und KG (noch ein Spitzname) sind zurück und eigentlich hätten sie das Album auch gleich „Size Of The Penis“ nennen können, naja. Wie schon bei den anderen beiden Alben betrommelt auch diesmal wieder Dave Grohl die Felle. Neben dem Titelsong sind noch einige andere Stücke sehr empfehlenswert, so z.B. „Deth Starr“ oder „39“. Die Musik von Tenacious D wurde einst als „old school riffology with schoolboy humor“ bezeichnet… grossartig, dass das immer noch so ist! Diese Band einmal live zu sehen dürfte wohl das Ziel von vielen Rock-Fans sein. Und bald haben wir die Chance

dazu… oder auch nicht. Denn das Konzert vom 2. Februar 2015 im Komplex 457 in Zürich war innerhalb von kürzester Zeit restlos ausverkauft. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht der letzte Besuch von Tenacious D auf Schweizer Boden bleibt, denn gemäss einer Fan-Aussage sollen die Konzerte besser sein als im Weltall Bier zu trinken und Pizza zu essen, während man auf einem RegenbogenEinhorn reitet. Aha! Jables und KG hätten das nicht besser formulieren können.


ip. Dave Grohl hat nach dem Ende von Nirvana glücklicherweise nichts anbrennen lassen und mit den Foo Fighters eine der erfolgreichsten Rockbands gegründet, die rund um den Globus gefeiert wird. Seit 1994 krempeln Songs und Alben der Band die Hitparaden um und Nummern wie „Best Of You“, „Learn To Fly“ oder „My Hero“ sind Dauerbrenner in allen Ohren. Das achte Studioalbum „Sonic Highways“ präsentiert das Quintett nun in ein einem zwar gewohnten, aber neu beleuchteten Outfit. Was hinter dem Konzept dieses Werks steckt, konnte Tracks mit Chris Shiflett, dem Leadgitarristen seit 1999, in einem ausführlichen Gespräch unter dem Motto „Wer hat's erfunden?“ aufdecken.

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Hi Chris, wie geht es dir? Wie ist das Wetter bei euch in Was macht, aus deiner Sicht, speziell die amerikanische Kalifornien? Rockmusik zu einem wichtigen Teil der Rockmusik im Mir geht es gut, danke. Wir haben nämlich 27 Grad und Allgemeinen? Sonnenschein! Hmm... Nun... Wir haben die Rockmusik erfunden (lacht)! Das klingt echt gut, bei uns fängt der Winter an und wir Ach ja, stimmt! Die Engländer lassen wir von jetzt an einfach frieren. mal weg (Gelächter). Bei uns ist ja auch Winter. Wir nennen es zumindest so (lacht). Richtig (lacht)! Nein, das ist natürlich nur ein Witz. Für mich Euer neues Album hat den Untertitel „A love letter to the bedeutet Rock'n'Roll, alle möglichen Einflüsse zu verarbeiten, seien das Jazz, Blues, Country oder was es sonst noch gibt. history of American music“. Man kann leichte Anleihen von Diese Stile mixt man zusammen und dann hast du den Bob Seger oder Tom Petty darauf entdecken, aber es gibt originalen Rock'n'Roll. Als das dann nach Europa gelangt ist, auch vereinzelte Indie-Einflüsse der frühen 80er. Euer wurde es zu etwas ganz neuem. Das konnte man dann bei den typische Sound geht dabei aber nie verloren. Welche Rolling Stones, den Beatles oder den Kinks hören. Diese Bands Einflüsse würdest du noch benennen? haben dann wiederum Leute in Amerika beeinflusst und das Wenn es um Einflüsse geht, würden ich und die anderen Jungs ganze hüpfte dann einmal rund um den Erdball. Es ist schwierig in der Band auch all das aufzählen, was du gerade genannt hast. zu sagen, was oder wer jetzt genau wen oder was erfunden hat. Genau benennen kann ich das aber gar nicht, denn wir bringen Ich habe zumindest keine Ahnung (lacht). Es ist halt einfach alle unsere eigenen Sachen mit ein. Wenn du die Musik! Plattensammlungen aller Bandmitglieder anschaust, ist das eine Acht ist eigentlich eine ziemlich kleine Zahl und diese breitgefächerte Angelegenheit, denn wir hören alle ziemlich ganzen Einflüsse und Gäste in nur acht Songs abzuhandeln, unterschiedliche Musik. Hier und da überschneidet es sich zwar, hört sich nach einem aber im Grunde hören wir alle unmöglichen Unterfangen an. ganz verschiedenes Zeug. Hattet ihr zu wenig Material, um Ihr hattet einige Gastmusiker 88 daraus zu machen? auf eurem Album, darunter Nein (lacht), eigentlich hatten wir beispielsweise Rick Nielsen eine ganze Menge Songs von Cheap Trick oder Chris geschrieben. Die Planung hat dann Goss, eine recht kantige nur diese acht zugelassen, aber das Stonerikone. Inwiefern hat dies hat sich auch richtig angefühlt. Wir die Songs beeinflusst? hätten wesentlich mehr Zeit und Das Komponieren selbst hat es Geld benötigt, um einige wenige natürlich nicht beeinflusst, denn Songs mehr auf das Album zu es waren alle Songs bereits nehmen. Alleine die Reisen, ganz geschrieben und aufgenommen, zu schweigen vom Aufenthalt, in bevor die Gastmusiker ihren noch mehr Städte wäre kaum Beitrag geleistet haben. Einige möglich gewesen. Vor den von ihnen haben den einen oder Aufnahmen hatten wir rund 20 anderen Song allerdings schon in Songs zusammen. Budget- und eine andere Richtung gelenkt. Zeiteinschränkungen haben uns Zac Browns Beitrag auf dazu gezwungen, dieses ohnehin „Congregation“ hat zum Beispiel schon grosse Projekt etwas den ganzen Mittelpart verändert. zusammenzukürzen. Auch die Und hätte Joe Walsh keine Filmaufnahmen für die Leadgitarre auf „Outside“ dazugehörige TV-Serie haben sehr gespielt, würde der Song jetzt lange gedauert. Allerdings sind ein ziemlich anders klingen. Jeder paar Songs auf dem Album auch hat so sein Zeichen auf dem sieben oder acht Minuten lang, die Album hinterlassen; manche kann man ja als zwei zählen. Dann mehr, manche etwas weniger. sind wir ungefähr bei elf Nummern Auf deinem Twitteraccount (lacht). konnte man ein Foto von euch Das Album ist sehr und Joe Walsh beim «Die Art und Weise, wie die Rolling Stones als Band zusammen abwechslungsreich geworden Soundcheck sehen. Gemessen arbeiten und Musik machen, ist für mich das Vorbild schlechthin.» und klingt nicht zwingend an dem Grinsen auf euren CHRIS SHIFLETT typisch nach den Foo Fighters. Gesichtern war das ein sehr Als Hörer und Fan erwartet man spezieller Moment. vielleicht etwas anderes. Siehst du das auch so? Ja, das war es tatsächlich, denn Joe Walsh ist einer der besten Es sind viele Dinge darauf zu hören, die anders sind als alles, Rockgitarristen aller Zeiten. Wenn er eine Gitarre in der Hand was wir bisher gemacht haben. Ich finde, das letzte Album hat, dann tut sie einfach genau das, was er will. Es hat uns viel „Wasted Years“ hat „Sonic Highways“ sehr beeinflusst, was den Spass gemacht mit ihm zu spielen, denn er ist ein echt netter Prozess des Schreibens angeht. Für mich sind diese beiden Typ. Wir hatten für ein Konzert zusammen geprobt und das Üben Alben sehr eng miteinander verknüpft. Dieses Mal haben wir hat uns wahrscheinlich noch mehr Spass gemacht, als die Show einige Dinge aber auf die Spitze getrieben. Aber das ist etwas, selber. Wir konnten uns danach noch eine Weile unterhalten und das ich nicht beurteilen kann, denn ich kann die Musik, die ich es ist schon etwas Besonderes, wenn man jemanden wie ihn selbst geschrieben habe, nicht kritisieren. trifft. Ich bin ihm zwar schon früher mal über den Weg gelaufen, Gab es Unterschiede zum Komponieren eines regulären Foo aber es ist etwas ganz anderes, wenn du dann mit ihm arbeitest. Fighters Albums? Es ist immer cool, wenn man jemanden kennenlernt, den man Nicht aus meiner, aber aus Daves Sicht. Das Schreiben der bewundert und der dann auch noch so nett ist. Aber in diesem Texte zu „Sonic Highways“ ist er anders angegangen, als er das Fall war das schon ein ganz besonderer Moment. sonst tut. Was das Komponieren der Musik und die Aufnahmen Wie ist die Idee entstanden, der amerikanischen Rockmusik angeht, war das ziemlich genau so, wie wir das sonst auch Respekt zu zollen? machen: Dave kommt mit einem Riff an, spielt uns das vor und Naja, schlussendlich sind wir auch nur eine amerikanische wir klopfen das dann gemeinsam in eine Form. Die Texte hat er Rockband, da war das relativ naheliegend. Und die Idee, die jedoch mehr an das bestehende Konzept angepasst. Songs dann in verschiedenen Städten aufzunehmen, kam von Butch Vig hat „Sonic Highways“ produziert. Er ist bekannt Dave (Grohl) zu der Zeit, als sein Film „Sound City“ entstand. Ich für seine Arbeit mit vielen Alternativ- und Indiebands und glaube, das Gesamtkonzept von „Sonic Highways“ war nicht von hat auch schon mit Nirvana und euch gearbeitet. Die Anfang an genau so geplant, sondern hat sich über eine Zeit Produktion hört sich sehr transparent an, hat aber trotzdem lang weiterentwickelt. Das Endergebnis dieser Planerei haben eine Menge Druck. Was hat ihn zur Waffe eurer Wahl wir eines Tages einfach umgesetzt. Und zwei Jahre später sitzen gemacht? wir jetzt hier und haben das Ding in den Händen.

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Dave hat natürlich eine lange gemeinsame Geschichte mit ihm. Wir konnten mit ziemlich genau dem gleichen Team arbeiten, mit dem wir schon das letzte Album aufgenommen hatten. Das hat wunderbar funktioniert und deshalb entschieden wir uns, dieses intakte Gefüge nicht aufzubrechen. Es freut uns auch sehr, dass das wieder geklappt hat. Dave scheint ein ziemlicher Workaholic zu sein, wenn man sich seine ganzen Projekte anschaut. Aber auch du spielst noch in anderen Bands und veröffentlichst auch gerade mit Chris Shiflett & The Dead Peasants ein Album. Ausserdem hast du mit Fender an deinem Signatur-Gitarrenmodell gearbeitet. Wie kannst du mit all dem Schritt halten? Platzt dein Terminkalender nicht aus allen Nähten? Wenn wir mit den Foo Fighters arbeiten, dann fokussiere ich mich komplett darauf. Wenn wir nicht als Band unterwegs sind, habe ich Zeit, um mich um meine Dinge zu kümmern, denn Dave ist dann auch mit anderem beschäftigt. Ich spiele in diesen Phasen mit meiner Band, den Dead Peasants, und unterhalte meinen Podcast, „Walking The Floor“, für den ich bekannte Leute aus allen Richtungen interviewe. Das mache ich alles in der Foo Fighters-freien Zeit. Allerdings ändert sich das schon, je älter man wird. Vor allem werden auch meine Kinder älter und es wird schwerer, Zeit für all diese Dinge zu finden. Weißt du, ich bin so oft mit den Foo Fighters unterwegs auf Tour, dass ich dazwischen nicht auch noch weg sein will. Mit den Dead Peasants spielen wir viele Shows im Süden von Kalifornien, wo ich wohne, aber nicht weiter weg. Eigentlich würde ich sehr gerne richtig mit dieser Band touren, aber dafür hat der Tag einfach nicht genug Stunden. Wie alt sind deine Kinder? Mein ältester ist elf und ich habe noch zwei weitere im Alter von acht und sechs. Alles Jungs. Das hält einen auf Trab! Und ich habe schon so viel von ihrem Leben verpasst, dass ich nicht noch mehr davon vermissen möchte. Deine Kinder kennen es allerdings nicht anders und werden sich daran gewöhnt haben, wie und wo du arbeitest. Das stimmt. Ich denke mir im Moment aber einfach, dass ich in vielleicht zwölf Jahren, wenn mein Jüngster im College ist, auf einmal ziemlich viel Zeit dafür habe, um die Welt zu reisen und mich mit meinen Hobbies zu beschäftigen (lacht). Jetzt ist der Zeitpunkt nicht so günstig. Lass uns über die TV-Serie sprechen, die ihr für den HBO Sender aufgenommen habt. Es handelt sich um eine achtteilige Dokumentation, die die Aufnahmen zu „Sonic Highways“ begleitet hat und für die Dave Regie geführt hat. Jeder Song wurde in einer anderen Stadt aufgenommen und es sind eine Menge Stars zu sehen, die entweder auf dem Album mitgewirkt haben, oder für kleine Interviews befragt wurden. Gab es eine Stadt oder eine Begegnung, die dir

besonders in Erinnerung geblieben ist, oder die einen speziellen Stellenwert für dich hat? Es waren eine Menge Eindrücke. Auf jeden Fall gehört Nashville dazu. Ich bin riesiger Countrymusic-Fan und Nashville ist eine unglaublich tolle Musikstadt. Während der Woche, die wir dort verbracht haben, konnte ich Zeit mit so vielen guten Musikern verbringen und eine Menge tolle Konzerte besuchen. Das hat mich sehr beeindruckt. Man bekommt dort einen sehr guten Einblick darüber, was hinter der Fassade des Entertainments passiert und diese Stadt hat eine reichhaltige Musikgeschichte zu bieten, die sich immer noch fortsetzt. Auch Austin war für mich sehr interessant, weil auch da die Musik läuft, die ich mag. Ausserdem habe ich viele Freunde dort und ich durfte einige gute Grillabende mit ihnen verbringen. Und natürlich New Orleans, obwohl ich kein besonders versierter Jazzfan bin und gerade diese Stadt davon eine Menge zu bieten hat. Ich fühle mich dort sehr wohl und konnte auch da mit Freunden richtig gut essen. Dave beschreibt die Foo Fighters als seine Familie. Siehst du das auch so? Wenn ich mir überlege, welch grossen Teil meines Lebens ich bereits mit dieser Band verbringe, ist das schon verrückt und das kommt schon ungefähr dem Leben mit einer Familie gleich. Wir arbeiten wahnsinnig viel und oft zusammen und ich verbringe mit den Jungs eigentlich mehr Zeit, als ich das mit einem Grossteil meiner tatsächlichen Familie tue (lacht). Du erwähnst Keith Richards als einen deiner Favoriten, wenn es ums Gitarrespielen geht. Hast du irgendetwas von seinem Spiel für dein eigenes adaptieren können? Oh, ja! Wahnsinnig viel sogar, denn Richards ist ein gigantischer Einfluss für mich. Aber das gilt auch für Brian Jones oder sogar noch mehr für Mick Taylor. Und auch Ronnie Wood. Die Art und Weise, wie die Rolling Stones als Band zusammen arbeiten und Musik machen, ist für mich das Vorbild schlechthin. Ich war natürlich noch nie im selben Zimmer, wenn sie komponiert haben, aber die Vorstellung, die ich davon habe, ist für mich Perfektion. Was Keith angeht, da gibt es so viel, womit ich mich beschäftigt habe und was mich angetrieben hat. Da gehört die Wahl seiner Gitarren und Amps dazu, seine Art zu spielen und Songs zu schreiben; einfach alles. Er hatte einen grossen Einfluss auf mein eigenes Spiel, was man vielleicht nicht unbedingt heraushört, wenn ich mit den Foo Fighters spiele. Aber wenn ich so für mich herumnudle, dann kommt da schon eine Menge Keith bei raus (lacht). Macht ihr auf der „Sonic Highways“-Tour nächstes Jahr auch Halt in der Schweiz? Ich habe mich noch nicht mit dem neuen Tourplan beschäftigt, aber wir haben schon oft bei euch gespielt und es würde mich wundern, wenn wir das dieses Mal nicht auch tun!

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REVIEWS Hard/Heavy/Metal CRAZY LIXX Crazy Lixx Frontiers Records/MV

mv. Die Schweden-Rocker von Crazy Lixx sind mit ihrem vierten Album zurück und nennen es selbstbewusst einfach „Crazy Lixx“. Die Band ist aber nicht zu Unrecht so überzeugt vom neuen Material. Denn mit ihrer neuen Platte zeigen sich die Jungs aus Malmö von ihrer stärksten Seite und hauen diverse Hard Rock und Sleaze Metal-Hymnen raus, welche locker mit dem Material der aktuellen Szenegrössen Crashdiet, Hardcore Superstar oder H.E.A.T. mithalten können. Enorme Eingängigkeit und treffsichere Melodien verbunden mit viel Spielfreude und Partylaune machen „Crazy Lixx“ zum Pflichtalbum für Fans der genannten Bands, aber auch für alte 80er Jahre Rocker, welche immer noch den Klassikern von Van Halen, Def Leppard, Mötley Crüe oder Ratt nachtrauern. Mit fetzigen Songs wie „Girls Of The 80's“, „All Looks No Hooks“, „Call to Action „ oder „Outlaw“ wird jede Rock'n'Roll Party abgehen und gute Laune ist garantiert. Als kleiner Bonus wurde übrigens noch die Hymne “Heroes Are Forever” vom mittlerweilen vergriffenen Debutalbum neu aufgenommen. „Crazy Lixx“ überzeugt auf der ganzen Linie und ist wie gemacht für die Bühnen dieser Welt. Party on!

Battle“ nur eine Triologie vorgesehen, in der sich die beiden Spitzensänger Russell Allen (Symphony X) und Jorn Lande (exMasterplan, Jorn, Avantasia) jeweils wunderbar ergänzten und Euro Power Metal der Spitzenliga ablieferten. Obwohl die beiden Alben „The Revenge“ und „The Showdown“ nicht mehr an das furiose Debut herankamen, waren sie erfolgreich und gut genug, damit es nun trotz allem weitergeht in dieser Konstellation. Allerdings mit einer grossen Änderung im Hintergrund. War bisher noch Magnus Karlsson für alle Kompositionen verantwortlich, ist nun mit Timo Tolkki ein alter Bekannter an seine Stelle getreten. Der Ex-Stratovarius (jetzt Avalon) Mastermind schrieb alle Songs für „The Great Divide“ und seine Handschrift ist natürlich sofort herauszuhören. Zum guten Glück hat er sich aber auf seine Stärken besonnen und liefert hier Material ab, das die meiste Zeit an die stärksten Stratovarius-Momente erinnert und die beiden Avalon Scheiben locker in den Schatten stellt. Der klassische Tolkki-Stil verbunden mit den beiden fantastischen Sängern ergibt dann auch eine wunderbare Melodic Metal Platte, auf welcher sich eingängige Uptempo-Tracks, balladeske Sachen und melodische keyboardlastige Rocker abwechseln. Anspieltipps sind „Come Dream With Me“, „Lady Of Winter“ und “In The Hands Of Time”. Fans der Protagonisten und deren Bands werden einmal mehr begeistert sein.

VLAD IN TEARS Vlad In Tears Golden Core/ZYX Music

ALLEN/LANDE The Great Divide Frontiers Records/MV

mv. Das Projekt Allen/Lande geht in die vierte Runde, was eigentlich gar nie so geplant gewesen war. Ursprünglich war nach der sehr erfolgreichen Debutveröffentlichung „The

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mh. Mit dem neuen und vierten Album können Vlad In Tears ihre Liebe zu Korn, Marilyn Manson und HIM nicht verleugnen. Vor allem der Einfluss von Korn ist fast allgegenwärtig. „Feed On Me“, „Die Today“ oder „After Life“ hätten gerade so gut aus den Federn von Jonathan Davies und seinen Krawallmachern stammen können. Im Titelsong „Vlad In Tears“ meint man fast Ville Valo von HIM zu hören. In den Strophen vom Song „Burning Bright“ hört man, wie der Sänger Kris Vlad sein Stimmorgan

in bester Marilyn Manson-Manier verbiegt und gebraucht. Wem also bei den genannten Vergleichen bereits die Ohren zucken, der sollte hier zugreifen. Auch wenn hier überall Vergleiche herangezogen wurden, muss doch noch gesagt werden: Vlad In Tears drücken ihrer Musik in bemerkenswerter Weise ihren eigenen Stempel auf. In wechselnder Besetzung besteht die Band bereits seit 10 Jahren. Noch immer mit dabei sind die beiden Brüder Kris Vlad (Gesang) und Dario Vlad (Bass), die damals die Band in Italien gegründet haben. Mit Gregor Firday (Gitarre) aus Australien und Cosmo Cadar (Drums) aus Rumänien ist die Band dann komplett und operiert mittlerweile von Berlin aus. Und um auch noch die letzten Zweifler hervorzulocken: auf dem Album ist ein sensationelles Cover von Frank Sinatra's „My Way“ zu finden.

CROBOT Something Supernatural Nuclear Blast

vereinen. Die Songs sind durchweg Klasse und beinhalten jede Menge Überraschungen auf hohem dynamischen Niveau. Crobot kennen absolut keine Berührungsängste, wildern unbekümmert in vierzig Jahren Hardrock-Historie und bedienen sich bei den Besten der Besten. Die Band spielt homogen und so frisch, als hätten sie diesen Sound erfunden. Was ja auch irgendwie stimmt, denn diesen faszinierenden und direkt in die Blutbahn drückenden Stilmix bringt derzeit keine andere Band dermassen authentisch wie Crobot. Man darf auf künftige Werke der Amis gespannt sein. Wenn sie es schaffen, ihre Spontanität und Unbekümmertheit zu konservieren bzw. weiter auszubauen, steht ihnen eine hell strahlende Zukunft bevor. „Something Supernatural“ gehört definitiv zu den besten Hardrock-Scheiben, die derzeit am Start sind. Fans von Led Zeppelin, Black Sabbath, Grand Funk Railroad bis hin zu Mother Love Bone, Soundgarden oder Audioslave bekommen hier die volle Dröhnung. Meisterlich!

MAGNUM On Christmas Day Steamhammer / SPV hh. Das Ami-Quartett legt nach dem 2012er Debüt einen echten Kracher nach. Obwohl die Truppe um Sänger Brandon Yeagley bis Oberkante Unterlippe im Hard- und Heavyrock der 70er verwurzelt ist, verstehen sie es geschickt auch moderne Einflüsse in ihren Sound zu verweben. Oder besser gesagt, der Baum, der seine Wurzeln in den 70ern vergraben hat, trägt Blätter und Äste, die in den Hardrockdekaden bis heute gewachsen sind. Da kommen Einflüsse aus praktisch allen Stilrichtungen des harten Rocks zur Geltung, Crobot machen ihr ureigenes Ding daraus – und das auf meisterliche, faszinierende Art. Sie schrecken auch vor Blueszutaten nicht zurück, wie die packende Mundharmonika in „The Necromancer“ oder das Gitarrenintro zu „La Mano De Lucifer“. Stimmlich bewegt sich Yeagley zwischen dem jungen Robert Plant und Chris Cornell und er versteht es, Gefühl und Härte perfekt zu

mv. Zur Weihnachtszeit gibt es eine schöne neue EP von England‘s Melodic Hard Rock Veteranen Magnum. Der Titeltrack, der in zwei Versionen (Radio Edit und komplette lange Version) vorhanden ist, stammt im Original vom 1994er Album “Rockart”. Der zweite Track ist “Born To Be King”, den Magnum-Fans bereits vom 1990er Album “Goodnight L.A.” kennen dürften. Immerhin hat man aber die beiden Tracks neu eingespielt und mit einem stimmigen, beeindruckenden Artwork versehen (vom Bassisten Alan Barrow persönlich entworfen).


Hard/Heavy/Metal Beides sind wie von Magnum gewohnt ergreifende Stücke mit grossen aber nicht kitschigen Melodien. Die ganze Veröffentlichung steht im Gedenken an die im ersten Weltkrieg 1914 zu Weihnachten beschlossenen Feuerpausen an der Westfront, wo deutsche und englische Soldaten begannen, weihnachtliche Grüsse und Lieder zwischen ihren Schützengräben auszutauschen. Eine tolle EP für Fans, Vinylsammler und Leute, die auch an Weihnachten lieber rockige Musik als die bekannten alten Weihnachtslieder hören möchten.

Malmsteen seien auch die super Scheiben von Hughes/TurnerProject, Brazen Abbot, Sunstorm und seine Soloalben wärmstens empfohlen), in der Szene nicht mehr Legenden-Status inne hat. Auch mit über 60 Jahren auf dem Buckel singt der gute Joe hier immer noch einfach ausser Konkurrenz. Der bluesige Hard Rock, welcher mit einer guten klassischen Produktion schön Old School gehalten wurde, macht ganz einfach jede Menge Spass und gute Laune und genau das war sicher auch das Ziel dieser Platte.

RATED X Rated X Frontiers Records/MV

Sacred Warpath

mv. Einmal mehr bringen Frontiers Records eine neue Hard Rock Supergroup an den Start. Und die Besetzung von Rated X kann sich wahrlich sehen lassen. Sänger Joe Lynn Turner (Rainbow, Deep Purple, Yngwie Malmsteen) führt die Veteranen-Truppe an, welche mit Tony Franklin am Bass (Blue Murder, Whitesnake), Carmine Appice (Vanilla Fudge, Ozzy Osbourne, Blue Murder) am Schlagzeug und dem Gitarristen Karl Cochran (Thor, Kiss, Ace Frehley) für grosse Erwartungen sorgt. Und das Resultat enttäuscht zum Glück keinesfalls. Klar, mit den ganz grossen Songs von Rainbow, Deep Purple oder Whitesnake kann „Rated X“ nicht mithalten, aber das wäre dann auch etwas zu viel erwartet gewesen. Aber mit Tracks „Maybe Tonight“, „On The Way To Paradise“, “Stranger In Us All“ oder “I Don’t Cry No More” sind Rated X doch einige sehr geile Hits gelungen, welche Fans der erwähnten Bands definitiv super gefallen werden. Zudem prägt der einmal mehr grandiose Gesang von Joe Lynn Turner das Album. Es ist und bleibt ein Rätsel, warum dieser Mann, der seit Ewigkeiten immer höchste Qualität abliefert (abgesehen von seinen Klassikern mit Rainbow, Deep Purple und Yngwie

SODOM SPV/Musikvertrieb

Als Verkürzung der Wartezeit auf das nächste Studioalbum und für die Tour im Dezember 2014 mit Kreator und Arch Enemy werfen Tom Angelripper und sein Kommando eine hübsche EP in die Thrasher-Meute. "Sacred Warpath" ist ein neuer Song, der im Midtempo angesiedelt ist, und auch auf den letzten beiden Sodom-Alben hätte stehen können. Ergänzt wird die EP durch drei live-Tracks, aufgenommen in Jahre 2014: "The Saw Is The Law", "Stigmatized" und "City Of God". Sehr cooles Teil, das mit einem old-schooligen Cover versehen ist. Muss man haben (und zwar als Vinyl 10", limitiert auf 1000 Einheiten).

HÄMATOM X SPV / MV

eigentlich nur über ihre deutschen Texte in die Neue Deutsche Härte einordnen, denn musikalisch befinden sich die Franken eher im Thrash/Heavy Metal. „X“ erscheint einerseits als DoppelCD, sowie als eine auf 1500 Stück limitierte Metallbox mit Fotobuch und DVD. Die erste CD beinhaltet mit dem Opener „Teufelsweib“ eine Eigenkomposition und zehn Coverversionen, die entsprechend ihres Bestehens in den letzten zehn Jahren in den deutschen Hitparaden zu finden waren. Wenn man sich diese CD durchhört, fällt das allerdings gar nicht auf, denn Hämatom haben sich die zehn Fremdlinge so zu eigen gemacht, dass man sie glatt für Songs aus dem bandinternen Repertoire halten könnte. Allen voran sind Nummern wie Sidos „Bilder im Kopf“ oder „Geboren um zu leben“ vom Grafen kaum wiederzuerkennen und klingen auf einmal sogar richtig gut! Aber auch „Schwarz zu blau“ von Peter Fox, der an sich ja über jeden Zweifel erhaben ist, bekommt einen überraschend frischen Anstrich und „Vom selben Stern“, im Original von Ich & Ich, wird auf einmal zur Mitbang-Hymne. Ganz besonders herrlich sind in dieser Kompilation die Nummern „Emanuela“ von Fettes Brot und „Guten Tag“ von Wir Sind Helden, wobei letzterer dermassen flott eingespielt wurde, dass man Sänger Nord ein Sauerstoffzelt reichen möchte. Auf der zweiten CD gibt es dann für Fans eine Best OfZusammenstellung, die die Karriere der Band noch einmal Revue passieren lässt. Alleine die erste CD hat aber einen so grossen Unterhaltungswert, dass man sich „X“ auch dann zu Gemüte führen sollte, wenn man die Band noch gar nicht kennt. Denn hier finden sich einige Juwelen für die nächste Metal-Fete, die für Stimmung sorgen.

NITROGODS

REVIEWS

nennt sich bedi Nitrogods „Demolition Inc.“). Aber hier generell von einer reinen Kopie zu sprechen, tut den Bayern unrecht. Denn spätestens, wenn Gitarrist Henny Wolter, der sich an den LeadVocals mit Oimel ablöst, die Stimmbänder dehnt, ist es vorbei mit dem MotörheadVergleich. Zwar ist auch Wolter offenbar ein grosser Fan von Phil Campbell und Fast Eddy Clarke, er bringt jedoch eine grosse Portion Eigenständigkeit in den Nitrogods-Sound, besonders wenn er slidemässig zur Sache geht. Dann kommen Erinnerungen an Rose Tattoo auf. Also, wie die vorerwähnten Vergleiche zeigen, darf hier nichts musikalisch Neues erwartet werden, aber das haben die Jungs auch wohl nicht vor. Party ist angesagt

und das Trio wird da den perfekten Soundtrack für jede Biker-Fete liefern. Flasch Bier geköpft und ab geht die Luzy. Macht ungeheuer Spass, den die Jungs auch selbst auf der Bühne haben. Nachzuschauen auf der beiliegenden DVD in der Limited Edition-Ausgabe dieses Albums, wo die Jungs in 9 Songs ordentlich die Sau rauslassen. Wer also auf Rock'n'Roll der Marke Motörhead, Rose Tattoo, Ramones etc. steht, der kann hier absolut nichts falsch machen – immer mitten in die Fresse rein!

HYPNOS Same Crusher Records

Rats & Rumours Steamhammer

ip. Zum 10jährigen Bestehen veröffentlichen Hämatom ihr fünftes Studioalbum mit dem Titel „X“. Die Band mit den geografischen Künstlernamen kann man

hh. Wenn man's nicht besser wüsste, würde man auf neue Motörhead-Songs schwören. Jedenfalls solange Bassist Oimel von den bayrischen Heavy-Party-Rock'n'Rollern am Mikro steht. Es ist schon echt verblüffend, wie der bärtige Bassist perfekt den Lemmy bringt. Und weil das so ist, ist der Sound des Trios ebenfalls stark an Lemmys Kapelle angelehnt („Ace Of Spades“ heisst hier „Whiskey Supernova“ und „Overkill“

rp. Die fünfköpfige Combo Hypnos (Griechisch «der Schlaf») sind einmal mehr der Beweis, dass Schweden über ein fast unerschöpfliches (und ebenso kompetentes) Reservoir an

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Das Comeback einer Legende Deutsche Death-Metal Bands konnten während der Blütezeit dieser Stilrichtung Ende der 80er/anfangs der 90er Jahre keine internationalen Duftmarken setzen – mit einer grossen Ausnahme: Morgoth. Die Band aus dem Sauerland gehörte zur Speerspitze und gilt nach dem Comeback wieder als Genregrösse. Gitarrist Sebastian Swart stand TRACKS Rede und Antwort. lg. TRACKS hat Sebastian unmittelbar nach der Rückkehr von der gut zweiwöchigen Europatour zusammen als Special Guest der britischen Death-Metal Urgesteine von Bolt Thrower und nach überstandener Grippe (gehört fast zu einer Tour!) erwischt. “Nach 17 Jahren war das unsere erste Tour. Es lief besser als vorgestellt. Einige Venues waren sogar ausverkauft“ so Sebastian, der im zweiten Leben mit Morgoth – sprich nach der Reunion 2010 – nun die Gitarre und nicht mehr den Bass bedient. Doch wie kam es denn überhaupt zu dieser Wiederbelebung von Morgoth? „2010 wurden wir von diversen Festivals wie das Rock Hard Festival und Wacken angefragt, ob wir für das zwanzigjährige Jubiläum unseres ersten vollen Albums „Cursed“ Shows zocken wollen. Nach kurzer Bedenkzeit haben Marc (Grewe, der Sänger), Harry (Busse, Gitarre) und ich gesagt: Wir machen das.“ Anschliessend folgten besagte Shows, doch „wir wollten das Ganze nicht so straff angehen. Als Maximum setzten wir uns 30 Shows im Jahr, so dass jeder noch Zeit für seinen Job sowie für sich selbst hat“ erklärt Sebastian weiter, der neben der Band im Bereich Marketing für ein finnisches OnlineCasino arbeitet. „2012 war dann für Morgoth recht erfolgreich, 2013 ging es im gleichen Stil weiter, in diesem Jahr nur eben die erste grosse Tour sowie endlich neue Aufnahmen.“ Da stellt sich sofort die Frage nach einem neuen Album. „Ja, wir stecken mittendrin“ erläutert Sebastian. „Auf der „Barge To Hell“ (eine MetalKreuzfahrt) in Miami haben wir entschieden, es mit einem neuen Album zu versuchen. Harry und ich als die beiden Gitarristen sind zu 90% für das Songwriting verantwortlich. Das Internet hilft uns, effizient zu arbeiten und Ideen auszutauschen.“ Das Album wird „Ungod“ heisst – passend zum Titel der Vorabsingle – und voraussichtlich Ende März 2015 über Century Media erscheinen. „Die Songs werden recht rhythmisch sein, in etwa Richtung „Odium“ gehen, und es werden auf dem Album zwei Instrumentals enthalten sein“. Mit Morgoth ist somit definitiv wieder zu rechnen. Interessant ist natürlich bei altgedienten Bands immer ein Blick in die Vergangenheit. „Mit 17 Jahren (1990) bin ich als blutjunger Bassist bei Morgoth eingestiegen. Mark wollte sich ausschliesslich auf den Gesang konzentrieren. Ich war zuvor bei Dark Millennium als Gitarrist aktiv, doch bedeutete dies für mich einen gewaltigen Schritt. Da ich noch schulpflichtig war, musste ich mich über meine Eltern für die erste US Tour mit Biohazard und Kreator von der Schule freistellen lassen. Mein allererster Gig mit Morgoth war in Schweden und zwar mit Candlemass und Atheist, sofern ich mich da noch richtig erinnere“, schwelgt Sebastian in der Vergangenheit. „Weitere Highlights neben der genannten US-Tour waren neben den Aufnahmen zu „Cursed“ die Auftritte 1995 in Wacken, 1991 am Rock Hard Festival und 2011 am Party-San Festival“. Auch wissenswert ist, weshalb es 1998 zur Auflösung der Band kam: „Wir hatten alle immer andere Interessen als nur die Band. Morgoth war nie die allererste Priorität. Ich habe meinerseits nach der Auflösung mein Abitur nachgeholt und anschliessend studiert. Trotz der massiven Weiterentwicklung auf „Feel Sorry For The Fanatic“ (die Band drang da in Industrial-Gefilde vor) war irgendwie die Luft draussen“ kommentiert Sebastian diese Zeit. „Doch jetzt sind wird wieder

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bereit!“ Auch die obligate Frage nach seinen drei Lieblingsplatten beantwortet Sebastian amtlich. „Hell Awaits“ von Slayer, „Master Of Puppets“ von Metallica sowie „Seven Churches“ von Possessed können jedem Leser und jeder Leserin von TRACKS wärmstens ans Herz gelegt werden, denn es handelt sich dabei um metalhistorische Meilensteine!

MORGOTH God Is Evil

neu

e 7“

Century Media/Universal

lg. 18 Jahre nach der letzten Studioaufnahme („Feel Sorry For The Fanatic“) kommen die deutschen Death Metaller mit zwei neuen Songs ums Eck. „God Is Evil“, so der Name dieser 7“ (und digitalen Downloads), macht Spass. Der Titelsong sowie „Die As Deceiver“ könnten auch von „Odium“ (1993) stammen – schnelle Parts wechseln sich mit groovigen Teilen ab. Live haben sich die Songfs ebenfalls perfekt in den Set eingefügt. Abgerundet wird dieses in verschiedenen Vinylfarben erhältliche Teil vom sehr schönen Coverartwork des rumänischen Künstlers Costin Chioreanu. Man darf sich auf das für 2015 geplante Comeback-Album „Ungod“ freuen. Daumen hoch!


Hard/Heavy/Metal

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Kurz vor Redaktionsschluss und nach diesem Interview hat TRACKS erfahren, dass sich die Band von Sänger und Gründungsmitglied Marc Grewe getrennt hat. Eine weitere Zusammenarbeit war offenbar nicht mehr möglich. Morgoth werden das geplante Comeback-Album "Ungod" plangemäss im Frühjahr 2015 veröffentlichten, allerdings mit einem neuen Sänger.

MORGOTH Odium Century Media/Universal

Re-Release lg. Im Zuge der Reunion von Morgoth ist deren zweites fulllength Album, das ursprünglich 1993 erschienene „Odium“, mit 2 Bonus-Live-Tracks neu aufgelegt worden. Das Album bedeute damals in musikalischer Hinsicht einen rechten Schritt vorwärts – sowohl in Sachen Brutalität wie auch Abwechslung – kam die Band vorwärts. Man verabschiedete sich teilweise von den typischen Death-Metal Riffs, was aber ganz und gar nicht auf Kosten der Rohheit ging. Dennoch hatte das Album einen schwierigen Stand – viele alte Fans konnten mit dem Album weniger als mit dem traditionelleren Vorgänger „Cursed“ (1991) sowie der beiden EPs („Resurrection Absurd“, 1989 und „The Eternal Fall“, 1990) anfangen. Auf dieser Neuauflage mit neuem Cover kommt der Sound wesentlich druckvoller daher – insbesondere die Tieftöne hauen nun voll in die Magengegend. Wer dieses Album nicht besitzt, kann bedenkenlos zugreifen. Anspieltipps: die beiden Klassiker „Resistance“ und „Under The Surface“.

interessanten Rockbands verfügt. Zur Erinnerung seien hier Bands wie Backyard Babies, The Hives, The Ark, Enforcer, Graveyard, The Hellacopters, Witchcraft n.a. erwähnt. Hypnos aus dem kleinen Städtchen passen gut in diese lange Liste. Ihr musikalischer Fokus liegt beim Hardrock und Heavy Metal der frühen Siebzigerjahre, der sehr abwechslungsreich daher kommt. Die acht Songs bieten nicht nur stampfenden Boogie-Hardrock sondern, strecken sich zuweilen auch in Richtungen Progressive-Rock oder überraschen mit vertrackten Songstrukturen. Der Auftakt «Hands Of Evil» klingt gegen Schluss durch den Einsatz einer Querflöte sehr progressiv. Song Nummer 2 «Hypnos» erinnert dann an den vielschichtigen Sound von legendären HardrockBands wie Jericho und Dust. Am offensichtlichsten ist in den Songs aber der Einfluss von Bands wie den frühen Judas Priest (gesanglich) und natürlich den unvermeidlichen Black Sabbath zu vernehmen. Hypnos generiert aus diesen Ingredienzien ein mehr als nur wohlschmeckendes Süppchen.

REBELLIOUS SPIRIT Obsession Steamhammer mv. Rebellious Spirit hatten nach dem Release ihres Debüt Albums „Gamble Shot“ den Ruf, die jüngste Rockband Deutschlands zu sein und waren ähnlich wie vorher schon die Kollegen von Kissin' Dynamite entsprechend als neue Teenie-Sensation gepusht worden. Eine Tournee im Vorprogramm von Axel Rudi Pell war die Folge und sicher sehr hilfreich zum Erfahrungen sammeln. Nun ist der Teenager-Bonus weg und die Jungs müssen sich nur noch an der Musik messen lassen. „Obsession“ klingt dann auch tatsächlich schon einiges reifer und abwechslungsreicher als das Debutalbum. Moderner Hardrock, der sich doch etwas von den grossen Idolen Mötley Crüe, Bon Jovi oder Skid Row zu distanzieren versucht. Dies gelingt mal besser und mal schlechter und leider fehlt es einigen Songs noch an wirklich herausragenden Hooks oder Melodien, was bei dieser Art Musik natürlich essentiell ist. Schlecht ist „Obsession“ ganz sicher nicht, denn viele Songs versprühen gute Laune und

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zeigen das Potential der Band für die Zukunft. Als Anspieltipps nenne ich mal den Opener und Titeltrack „Obsession“, „Summer Moved On“ und „Silent Scream“. Ich bin sicher, dass wir von Rebellious Spirit in Zukunft noch einiges hören werden.

SLOMIND Solar Plexus Membran

ip. Wow. Slomind aus Düsseldorf spielen Stonerrock, wie er sein muss. Der Unterschied zu Genrekollegen liegt darin, dass sie einen Tick mehr Metal und damit ungefähr ein Bastard aus Kyuss und Down sind. Vor allem der Gesang erinnert an Phil Anselmo, dies aber absolut eigenständig. Das Tempo auf „Solar Plexus“ ist nicht durchgehend schleppend, sondern wird mit flotteren Songs wie „No Surprise“ aufgelockert, wobei auch der Opener „Scary Operator“ mit abwechslungsreichem Tempo überzeugt. Dieses Album ist dermassen vollgepackt mit richtig fetten Riffs, die so grossen Wiedererkennungswert haben, dass man sich wirklich schwer wundern müsste, wenn Slomind nicht das nächste grosse Ding im Stonermetal-Bereich werden. Es fällt einem auch gar nicht leicht, einen der acht Songs besonders hervorzuheben, denn sie sind einfach alle gut und jeder hat seinen eigenen Schwerpunkt. „The Vision“ besticht durch ein grandioses Riff, „Mentality“ mit durchdachtem Rhythmus perfektem Arrangement, „Through The Eyes Of God“ mit tonnenschwerem Beat und „Perfect High“ klingt wie eine Ode an Monster Magnet und Black Sabbath. „A Twisted Fantasy“ mietet sich bei Kyuss ein und klingt in der Strophe wie einer der guten Songs von Queens Of The Stone Age, wenn man vergessen hat, den Plattenspieler auf 45 zu schalten. Geiles Album, geile Band. Unbedingt supporten, wenn man auf Stonermetal steht!

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FAIR-TRADE MUSIKPORTAL AUS DER SCHWEIZ iGroove, im letzten Jahr als beste Newcomer beim Swiss E-Commerce Award ausgezeichnet, verkauft sich als Schweizer Fair-Trade Musikportal. Die Gründer Moris Marchionna, Dennis Hausammann und Geraldine Allemann wollen mit iGroovenext.com eine Plattform schaffen, die Musiker und Labels bei der täglichen Arbeit unterstützt und neue Einnahmequellen im Markt schafft. Gesetzt werden soll bei iGroove nicht nur auf Fairness, sondern auch auf Innovation. So gibt es etwa Musikdownloads per SMS. Im Gespräch mit TRACKS erklären die iGroove-Gründer ihr Geschäftsmodell. Was ist die Idee von iGroovenext? Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht eine Plattform zu schaffen, welche Musiker bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt. iGrooveNext ist ein digitaler Vertrieb von Musik und entwickelt neue Tools und Werbemöglichkeiten. Musiker und Labels sollten die Möglichkeiten, welche heute technisch verfügbar sind, einfach und effizient nutzen können. Dabei setzen wir auf Innovation, Design und Fairness. Warum habt Ihr dieses Portal gegründet? Wir sind selbst Musiker und waren mit den verfügbaren Möglichkeiten unsere Karriere selbständig voranzutreiben nicht zufrieden. Ebenfalls störte uns der Gedanke, dass wir Geld bezahlen müssen damit andere unsere Musik überhaupt erst kaufen können. Zudem nehmen die Download-Shops und die Vertriebe noch über 50 Prozent der Einnahmen für sich, so dass es bereits schwierig war, die Kosten für die Veröffentlichung mit den Downloads wieder einzuspielen. Darum haben wir uns entschlossen, eine Plattform zu schaffen, wo Musiker ihre Werke kostenlos hochladen und 92 Prozent der Verkaufserlöse erhalten. Die Plattform wurde seit diesem Zeitpunkt um viele weitere Dienstleistungen ergänzt, welche von unseren Nutzern gewünscht wurden. So gibt es heute ebenfalls einen kostenpflichtigen Premium Service, mit dem die Musik auch auf andern Downloadportalen wie iTunes & Co. veröffentlicht werden kann. Neu kommen jetzt noch die Promotion Services dazu, welche ebenfalls zu sehr guten Konditionen hinzu gebucht werden können. Was unterscheidet Euch von anderen Anbietern? Während andere vergleichbare Dienste im Internet nach der Auslieferung der Songs ihre Arbeit als erledigt sehen, geht iGrooveNext einen Schritt weiter. Wir haben neue Tools zur Vermarktung und Verbreitung von Musik entwickelt. Zusätzlich haben wir bemerkt, dass Musiker, nachdem sie die Musik veröffentlicht haben, oft nicht wissen, wo und wie ihre Musik nun vermarktet werden kann. An dieser Stelle haben wir angesetzt und haben sehr Zielgruppen orientierte Promotion-Pakete zusammengestellt. Unter anderem konnten wir mit folgenden Partnern neuartige Werbeplakate kreieren: MTV Schweiz, Spotify, CeDe.ch, ua. Das Ziel ist eine „faire“ Plattform zu sein – was heisst „fair“? Fair heisst, dass wir kein Geld an der Arbeit der Künstler verdienen möchten. Die Einnahmen, die der Künstler durch seine Musik generiert, sollen zu 100 Prozent ihm gehören. Im Gegenzug gibt uns der Künstler einen kleinen Betrag für die Arbeit, welche wir für ihn leisten. Somit werden beide Seiten für Ihre Aufwände

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fair entgeltet. Ab November fügen wir unserem Angebot noch eine Risikogarantie hinzu. Dabei verzichten wir auf die Vorauszahlung der Servicegebühr. Somit möchten wir verhindern, dass Künstler etwas bezahlen müssen, bevor Sie etwas verdienen. Seht ihr überhaupt eine Chance für andere DownloadPlattformen? Da es unser Interesse ist, Musiker bei Ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen, liegt unser Fokus nicht in erster Linie darauf eine weitere Download-Plattform zu sein. Vielmehr geht es uns darum, den Musikschaffenden existierende und neue Plattformen auf eine einfache Weise zugänglich zu machen und einen fairen Deal zu bieten. Unsere eigenen Downloadshops sehen wir als eine schöne Ergänzung zu den vorhandenen Möglichkeiten, welche die grossen Portale wie iTunes und Co. aktuell anbieten. So können wir über unsere eigenen Download-Shops neue Tools wie den SMS-Download kreieren, was ohne eigenen Shop nicht möglich wäre. Zudem haben wir im nächsten Jahr eine App geplant, welche nochmals eine ganz neue Möglichkeit bietet, Geld mit Musik zu verdienen. Dazu werden wir aber im Januar mehr Details veröffentlichen können. Welche Vorteile habe ich als Musiker oder Label? Einmal abgesehen von unseren Fair Trade Konditionen, die den Musikern mehr Einnahmen verschaffen, erhalten die Nutzer eine Plattform, die die Nähe zu seinen Nutzern sucht und diese stets in die Weiterentwicklung mit einbezieht. iGrooveNext bietet ein Zuhause für die Musik der Künstler, wo Sie von überall auf ihre wichtigsten Daten und Werke zugreifen können. Unsere Stärke liegt im Vorsprung durch Innovation, Leidenschaft und eigenen Technologien. Wir möchten ein zuverlässiger und kompetenter Partner für unsere Nutzer sein. Welche Kosten entstehen für den Musiker? Diesbezüglich verfolgen wir ein sehr spezielles Konzept. 100 Prozent deiner Einnahmen zu 0 Prozent Risiko. Wie geht das? Die einmaligen Kosten für das erste Release, welche zwischen 45 und 75 Franken liegen, werden mit den zukünftigen Einnahmen des Release verrechnet. Der Musiker erhält dabei 100 Prozent seiner Einnahmen, abzüglich der oben genannten einmaligen Kosten, zurück. Sollten die Einnahmen die Grundkosten nicht decken können, verzichtet iGroove auf eine Rechnung zur Begleichung der Grundkosten des ersten Release. Für den Künstler also 0 Prozent Risiko. Welche Künstler sind bereits an Bord? Wir haben momentan rund 800 registrierte Musiker und Bands.


Dazu kommen noch diverse kleine und grosse Labels, die ihre Musik bei uns verwalten. Nebst vielen Independent Künstler haben wir beispielsweise von Sony Music 50'000 Alben und Singles für unseren Shop und den SMS Download erhalten. Diverse andere Labels werden in den nächsten Wochen und Monaten folgen, so dass unser Katalog stets weiter wächst. Leider kennen viele Musiker und Bands unser System noch nicht. Daran arbeiten wir nun intensiv. Ihr habt den SMS-Download erwähnt. Wie funktioniert dieser genau? Der SMS Download ist im Grunde eine einfache Art mit seinem Handy Musik zu beziehen und zu bezahlen. Der Betrag wird direkt der Handyrechnung hinzugefügt oder den Pre-Paid Guthaben abgezogen. Damit braucht es keine Kreditkarte oder AccountMoney mehr, um digitale Musik zu kaufen. Ausserdem ist die SMS ein sehr verbreitetes Medium, welches bei vielen Altersgruppen bereits alltäglich geworden ist.

INFLUENCE X Existence Eigenproduktion lg. Die Schweizer Band Influence X legt mit „Existence“ nach einer EP ihr Debutalbum vor. Zwar ist diese Perle des progressiven Metals bereits 2013 erschienen, doch soll sie den TRACKS Lesern nicht vorenthalten werden. Auf den acht Songs wird eine sehr emotionale Reise in die Tiefen des Genres vollzogen – man hört Einflüsse von Grössen wie Dream Theater, Rush und Symphony X, doch hat man zu keiner Zeit das Gefühl, als wirkten die Songs konstruiert oder kopiert. Vielmehr kommen die Songs mit genügend Emotionen daher – der technische Aspekt des Prog-Metals wird gekonnt mit der Wärme des Prog-Rocks aus den 70er Jahren (Genesis) gemischt. Über die sehr gut instrumentierten Songs thront der prägende Gesang von Ramin Danzer, der einen sehr guten Job macht. Für Musikfans mit etwas Geduld präsentierten Influence-X mit „Existence“ ein Kleinod, welches all seine Facetten erst nach ein paar Durchläufen offenbart. Anspieltipps: Der Opener „Determined“, dann kommt man vom Album sowieso nicht mehr los. Grandios ist auch das Instrumental „Pacman“.

CLAW Claw

Fair heisst, dass wir kein Geld an der Arbeit der Künstler verdienen möchten. Die Einnahmen, die der Künstler durch seine Musik generiert, sollen zu 100 Prozent ihm gehören. Warum soll ich bei Euch und nicht auf anderen Plattformen, wie etwas iTunes, einkaufen? Weil die Künstler mit dem Einkauf unterstützt werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Onlineshops beansprucht iGroove.ch lediglich acht Prozent der Nettoeinnahmen für sich, um den Betrieb zu finanzieren. Die restlichen Einnahmen gehen via igroovenext.com direkt an die Künstler. So werden bei einem Singleverkaufspreis von 1.60 Franken via igroove.ch rund 1.20 Franken an den Künstler ausbezahlt, während es via iTunes nur rund 80 Rappen sind. Wer also möchte, dass sein Geld auch bei den Musikern ankommt, sollte via iGroove.ch einkaufen. Der Zugang zum neuen Portal ist unter igroovenext.com (Künstlerportal) und igroove.ch(Shop) zu finden.

Czar Of Bullets/NonStopMusic lg. Claw aus Genf sind tief im eher melodiösen Thrash-Metal von Bands wie Megadeth ("Countdown To Extinction", "Youthanasia"), Metallica ("Black Album") und Testament ("Ritual") zu Ende der 80er und Beginn der 90er Jahre verwur-zelt. Angereichert wird der stellenweise düstere Sound teilweise durch dezente Key-board-Einsätze. Die Songs sind schlüssig, gehen gut ins Ohr, die Instrumentierung ist sehr gut (coole Riffs) und der variab-le Gesang von Niko Prensilevich vermag ebenfalls zu überzeu-gen. Einzig die Ballade "Alone" wäre nicht nötig gewesen. Zudem kann moniert werden, dass etwas mehr Abwechslung in Sachen Tempo auch keine schlechte Idee gewesen wäre. Dennoch ein gutes Album einer interessanten Band, welche sich mit postapokalyp-tischen Themen auseinander-setzt. Anspieltipps: "Out Of The Vault" (da existiert auch ein Video), "Alpha 13" und "Too Late". Empfehlenswert.

BLOODSTAINED GROUND A Poem Of Misery Czar Of Bullets/NonStopMusic lg. Die Band aus der Region Zofingen liefert auf ihrem zweiten full-length Album etwas eingeschwärzten melodischen Death-Metal (At The Gates und Behemoth lassen hier grüssen). Die Songs werden atmosphärisch in Szene gesetzt. Was leider gewaltig nervt und das Album weniger gut aussehen lässt, ist der sehr dominante und künstlich tönende Schlagzeugsound. Leider wird dadurch einiges zerstört. Somit kann für das Album nur eine bedingte Empfehlung ausgesprochen werden (Anspieltipp: das atmosphärische "Apega"). Die Genrekönige in diesem Bereich sind definitiv die bessere Wahl.


Irish Folk Made In Switzerland

PIGEONS ON THE GATE

Achtung Irish-Influenza; vor Nebenwirkungen sei gewarnt: CD-Kauf, durchtanzte Nächte und massiver Guinneskonsum. Irish Folk ist ansteckend; das mussten auch Pigeons On The Gate feststellen, dem Irish Folk verfallen. st. Was 2010 als musikalisches Experiment begann, entwickelte sich zur endlosen Schatzsuche nach dem eigenen Sound im Meer der Irish-Tunes. Angesteckt haben sich Lajescha und Roger auf einer Reise nach Irland 2005: in einem Cottage spielten sie CDs zu passender Stimmung rauf und runter und irgendwann haben sie ihre Instrumente ausgepackt und versucht mitzuspielen. Ein weiterer Influenzaträger war die DVD der Unplugged Tour von The Corrs. Zwar sind ihnen die Corrs zu soft aber die Akustik-Tour beinhaltet ein paar Traditionals mit Whistle, Fiddle und Bodhran, die als Inspiration dienten. „Toss The Feathers“ war das erste Stück, das sie anfangs in Slow Motion eingestellt am Fernseher übten; heute ist es Ihnen zu langsam! Ihr Schicksal in Person des späteren Mentors Christy Barry trafen die Winterthurer in Doolin, einem winzigen Ort an der Westküste mit drei Pubs und nächtlichen Livesessions. 2011 haben sie einen mutigen Schritt gewagt und haben sich vor irisches Publikum begeben. Die Iren leben Musik; sie ist für sie so natürlich wie Essen und Trinken. Zu Hause haben sie ihr eigenes Studio. Dort wird getüftelt. Meist jeder für sich. Dann werden die Ideen zusammengetragen und Köpfe eingeschlagen. So ist auch das neueste Werk der Pigeons „The Shift“ entstanden. Den grössten Teil der CD hat die Band im eigenen Studio aufgenommen und selber produziert. Die Herausforderung dabei war das im Studio wiederzugeben, was zu Hause oder auf der Bühne entwickelt wurde. Der Final Mix von "The Shift" wurde von Dave Snow (Sourmash Studio) gemacht, das Mastering von Dave Collins in L.A. ( u.a. Linkin Park). Dave infizierte sich dabei ebenfalls mit der Irish-Influenza, er war begeistert vom Sound - für die Pigeons DAS ultimative Kompliment. „The Shift“ wird dem Namen Irisch Rock gerecht; die Band versteht es traditionelle Tunes auf erfrischende Art neu zu

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kreieren; sie haben die Mosaiksteine dazu sorgfältig ausgewählt und verarbeiten sie mit Mut zu Pop, Rock und einer Messerspitze Melancholie in einem vielseitigen Werk. Songs, wie „The Bet“ wagen sich auf Gleise à la Flogging Molly; ohne jedoch dabei in den Punk abzudriften und in „Rider In The Storm“ hört man den Einfluss der Grand Lady des Irish Folk, Loreena Mckennitt. Die nächsten Schritte: mit ihrem Sound ein grösseres Publikum erreichen und den Irish Folk für die grossen Festivalbühnen in der Schweiz populär machen. Eine Deutschland-Tour steht ausserdem an und ein Haufen neue Songs. Sláinte!

PIGEONS ON THE GATE The Shift 01:The Doolin Hills 02:Tamlin Reel 03:The Bet I 04:The Bet II 05:High Tides 06:Sheila's Kitchen 07:Bigger Than Us 08:Spanish Point 09:Time And Eternity 10:I'm Okay 11:Molly Malone 12:The Shift 13:Rider In The Storm

LIVE 30.01.2015 31.01.2015 07.03.2015 20.03.2015 21.03.2015 30.05.2015

Basement*Amriswil,TG Z&R Live Music *Echallens, VD Pontem*Herisau,AR PeterPan*Bellinzona,TI Bar Shop*BoccAirolo, TI The Classroom*Wetzikon, ZH


Die Wölfe lassen ihre Masken fallen Obwohl sie sich einst nach dem von ihnen für Instrumenten-Reparaturen verwendeten Tape benannten, ist heute vor allem die Direktheit und Power, mit denen Taped live einschlagen, zerstörerisch. Mit ihrem Debütalbum „Empires“ legen die Liechtensteiner nicht nur ihre Masken ab, sondern zeigen sich gereift und persönlicher denn je. Mit einer einzigartigen Live-Power macht sich das Wolfsrudel nun auf, neue Gebirgshöhen zu erobern.

mg. Wenn die fünf Jungs von Taped im Video zur Single „Turn The Page“ in die Höhe springen, erwartet man, dass die Energie, mit der die Band wieder auf dem Boden landet, den Schnee von den Liechtensteiner-Bergen im Hintergrund fegt. Die Power und der Biss, mit denen das Wolfsrudel sich auf und neben der Bühne nach oben kämpft, sind nicht nur die Essenz des gesamten Bandschaffens, sondern auch der Faktor, der den Zuhörer bereits nach den ersten Sekunden von Songs wie „Wolfpack“ davon überzeugt, dass er gerade etwas Grosses gehört hat. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, dass Taped mit „Wolfpack“ in einem Song verarbeitet haben, gibt ihnen Kraft, erdet sie und hilft den Jungs, die tagtägliche und nächtliche Arbeit zu bewältigen, welche die 2009 offiziell gegründete Band innert kürzester Zeit so erfolgreich gemacht hat. Das Wolfsrudel besteht dabei nicht nur aus den Jugendfreunden Philipp Luder, Finlay Davey, Christian Jäger, Tiago Spagolla und Kevin Negele, sowie ihren Freundinnen und Familien – jeder Fan ist für die Band Teil des Rudels. „Es ist unglaublich, wenn uns zum Beispiel jemand aus Indonesien schreibt, dass er gerade unsere Videos angeschaut hat“, so Tiago Spagolla. Fünf der rund 37000 Einwohnerinnen und Einwohner des Fürstentums Liechtenstein konnten sich in der riesigen Hard- und Metalcore-Szene in wenigen Jahren einen Namen machen. In einem Genre, das von potentiellen Nachwuchsbands aus aller Herren Länder überflutet wird, ergatterten sich Taped einen Plattenvertrag mit dem deutschen Label Redfield Records, das bekannte Bands wie Eskimo Callboy zu seinem Portfolio zählt. Das erste Album von Taped, „Empires“, erscheint am Freitag, dem 13. Februar 2015 - genau drei Monate nach dem Release von „Turn The Page“: „Mein Geburtstag hat den Beginn der Vorbereitungen auf das Album markiert. Am 23. November 2014 haben wir unser neues Video und die zweite Single von „Empires“ präsentiert. Genau drei Monate später, dem Geburtstag von Christian Jäger, erscheint nun das Album“, so Sänger Finlay Davey. Nur Freundinnen und Familie wussten Bescheid, als die Band sich aufmachte, endlich ihr Debüt aufzunehmen. „Viele dachten, es handle sich einfach um einen Bandausflug“, so Finlay Davey. Damals wusste die Band noch nicht, ob ihr Album auf Interesse bei einem Label stossen würde. Erwartungen schüren, ohne, dass eine CD kommt –

das passt nicht zu Taped. Die Jungs versprechen ihrer gewaltigen Fanbase nur das, was sie auch halten können. Das aber jeweils mit Nachdruck. Die professionell inszenierten Musikvideos der Band sind nicht nur visuell überzeugend – die Spannung, mit der etwa „Turn The Page“ angeteasert wurde, zeugt vom Bewusstsein der Band, ihren Fans etwas bieten zu müssen. Dass sie in den Teasern zum Video-Release von „Turn The Page“ ihre Anonymus-Masken, mit denen sie bekannt geworden sind, ablegen, ist, zusammen mit dem Songtitel ein bewusstes Zeichen dafür, dass nun für Taped ein neues Kapitel beginnt. Das Wolfsrudel, dass sich einst nach dem gern für zahlreiche Reparaturen eingesetzte Tape benannte, ist nicht nur optisch gereift: „Empires enthält unsere persönlichsten Songs bisher. Wir zeigen darauf sehr viel von uns“, so Finlay Davey. In jedem einzelnen Facebook-Post von Taped steckt mehr Herzblut, als manche Bands in ihrer ganzen Karriere aufbringen. Tag und Nach arbeiten die Musiker auf ihr Ziel, Live-Shows zu spielen und vielleicht irgendwann von ihrer Musik leben zu können, hin. Support-Slots für Genre-Helden wie The Sorrow, Breakdown of Sanity oder erst vor kurzem für die Amerikaner von Attila beweisen, dass der Effort der Band anerkannt wird. Auf ihre bisherigen Touren sind Taped sehr stolz – ebenso wie auf ihre Heimat. „Ein Meer hätte auf dem Albumcover schön ausgesehen, aber was haben wir mit dem Meer zu tun?“, so die Band. Noch hat das Fürstentum Liechtenstein zwar nicht ganz erkannt, was für ein Juwel es da hervorgebracht hat. Als der Bandraum Ende 2014 unter Wasser stand, war es kaum möglich, einen neuen Ort zum Proben zu finden, was unter anderem auch am Musikstil von Taped und der fehlenden Unterstützung einzelner Gemeinden liegen mochte. Aber auch dieser Rückschlag, dem etwa das Drumset von Tiago Spagolla zum Opfer fiel, hat die Liechtensteiner nicht aufgehalten. Mit ihrer Power, einer überzeugenden Mischung aus melodischen Parts, prägnantem Growling und einer auffällig schönen Clear-Gesangsstimme, wird dieses Wolfsrudel seien Spuren hinterlassen und sich zur Spitze des Erfolgs durchbeissen

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KING PEPE & LE REX 70% Wasser Der Gesunde Menschen Versand

rp. Der Hasser von Katzen und einzige ernsthafte Konkurrenz von Elvis ist zurück: King Pepe. Auf seinem neuen Werk «70 % Wasser» hat er sich aber mit Le Rex (Männer an Blasinstrumenten und anderem) Verstärkung geholt. Schliesslich geht es darum, seinen Königsthron zu verteidigen. Der Berner King Pepe, der eigentlich Simon Hari heisst, zeigt in den fünfzehn Songs der Musikwelt einmal mehr, was eine Harke ist. Im Auftakt schwimmt er als Goldfisch getarnt in einem cool groovenden mit Bläser abgeschmeckten Trübsee. Drei Songs weiter spürt Pepe die Liebe, was sich auch musikalisch niederschlägt. Vom Hoch ins Tief. In «I Chume Nid I Club» geht es Pepe schlecht: Wer zu viel trinkt, muss leiden! Eine Nummer weiter überlegt er sich gar einen Psychiater zu Rate zu ziehen. Ja, der Mann, Pepe, ist müde. Unten angekommen, geht es wieder aufwärts: «Honey, Gib Mer Anke.» (aus «Chönnti Bitte Mitcho, We Du Mi Verlahsch?»). Butter aufs Brot tut wohl oder ist das bloss der letzte Aufschrei vor dem Ende? Das Heil in einer Neuinterpretation der Seligpreisungen zu suchen, hilft auch nichts. Wieder schleppt er sich mit Tom Waits im Schlepptau ins Elend: «Gränn Mer E Fluss». So geht es rauf und dann wieder runter, vielleicht auch mal zur Seite, aber immer bläserig unterhaltsam. Brassrock from Unterwasser.

BALDUIN All In A Dream Sunstone Records rp. Der Schweizer Claudio Gianfreda alias Balduin ist ein Hansdampf in vielen Gassen. Auf Alben wie «Creative Cookery» (2001) oder «Balduin» (2004) frönte er dem Electro, Pop, Ambient oder Easy Listening. Daneben

schrieb er Filmmusik (Bietschhorn mein - am Berg daheim, Electroboy, My Love Soon) oder Musik für Games und Werbejingles. Auf «All In A Dream» offenbart der Multiinstrumentalist einmal mehr seiner Schwäche für Sixties Psychedelik, Barockund Softpop. Dabei macht er Referenzen an Bands und Künstler wie die Beatles (zu Zeiten von «Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band»), die Beach Boys (zu Zeiten von «Pet Sounds»), Syd Barrett (Auf dem Cover hat Balduin sich typähnlich inszeniert), Bee Gees

(Odessa), Zombies oder den Fake-Psychedelikern Dukes of Stratosphear (XTC). Die 16 Songs erwärmen das Herz des Sixties-Liebhabers. Balduin kreiert erfrischend elegante und sonnige Melodien, die nicht nur in der nasskalten Schweiz für musikalische Erwärmung sorgen.

TRANSISTOR GIRL Glorious Lautstark

rp. Die zweite EP «Glorious» des Genfer Indiefolk-Duos Transistor Girl ist fast schon wieder vorbei kaum hat man sie in den Player gelegt. Die vier zerbrechlich intimen Songs huschen an einem vorbei, fast unbemerkt. Dabei will die Genfer Band um Christoph Drew und Christophe Bugnon, dass die Leute genau zuhören. Nach dem zweiten, dritten oder vierten Mal hört man schliesslich Feinheiten heraus, wie das sanfte rhythmische Aufbegehren im Titeltrack oder in «I Give In» oder die Bläser im letzten Track «Black Rose», gespielt von Mauro Maur, der u.a. für Ennio Morricone

arbeitet. Musik für die leisen Momente des Lebens.

REBEL SQUAD All The Blood TBA

rp. Einiges passt beim Berner Vier Rebel Squad nicht so zusammen. Würde eine Rebellen-Truppe Texte wie «And The Devil That Lives In Our Soul, Will Be The One Who Takes Control.» (aus «Sea) oder «Those Days Were Like A Gift, That We Didn't Get To Keep.» (aus «Sex And Death») singen? Rebel Squad, das klingt nach Aufbruch, Erneuerung. Die vier Herren um Sänger Manuel Kellerhans scheinen auf «All The Blood» eher Vergangenheitsbewältigung zu betreiben. Und dann ist da noch der Titel «All The Blood» eher einer Death- oder BlackMetal-Band würdig. Die zehn Songs auf dem Debüt von Rebel Squad sind aber im Bereich von Punk, Rock und etwas Wave angesiedelt. Die Single «Big Blue Eyes» ist gar etwas poppig. Dazu wird immer wieder hymnischer Gesang gereicht. Trotz alle dem verfügt «All The Blood» über einige lichte Momente. Die vier Herren haben immer wieder ein gutes Händchen für abwechslungsreiche Songs, knackige Riffs und manche hymnische Einlage hat angenehme Tiefenwirkung.

DEAD BROTHERS Black Moose Voodoo Rhythm

rp. Die Dead Brothers, die Schweizer Brüder im Geiste von Tom Waits beweisen auf ihrem neuen Album «Black Moose» Sinn für Humor. Die


«benötigte Drehzahl» der CD ist 666 rpm (Umdrehungen per Minute). 666 ist die Zahl des Teufels. «Black Moose», der Titel des Album, ist eine mystische Figur (wahrscheinlich auf dem Mist der Dead Brothers gewachsen), die sich im hintersten und dunkelsten Winkel des menschlichen Bewusstseins aufhält. Er hat Reiche auf- und untergehen gesehen und massgeblich am Niedergang mitgeholfen. Der Black Moose ist nicht der Teufel, vielleicht sein schwarzhumoriger Vetter. Um dem Teufel, Entschuldigung Black Moose zu huldigen, greifen die Mannen um den Ober-Toten Alain Croubalian auf ein breites musikalisches Spektrum aus Country, Walzer, Blues, Punk, Rockabilly bis zu hin Chanson zurück. «Sadness, Sorrow, Misery. I'm The Black Moose.» Teuflisch gut (hähhhhhh).

NORMAN DIE Loud And Naked Lautstark ip. Norman Die kommen aus Luzern und spielen amtlichen Rock, der mit einer gut gemachten Mischung aus

Punkrock und britischem Charme der 70er aufgepeppt wird. Die sieben Songs auf „Loud and Naked“ passen tiptop zu einer Autofahrt mit offenem Verdeck und man hört dem Quartett an, dass es sein songwriterisches Handwerk versteht. Nicht umsonst durften Norman Die 2013 das „Best Talent“ auf SRF3 sein. Schade ist, dass auf dem Album nicht mehr Nummern vertreten sind, denn zwei oder drei Stücke mit etwas höherem Tempo hätten den Luzernern richtig gut gestanden. Dass sie dazu in der Lage wären, ein bisschen mehr aufs Gas zu treten, hört man ihnen an und live ist das mit Sicherheit der Fall. Gutes Rockalbum nach dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“.


PHRASELAND zwischen den Welten

hh. Hinter dem Namen steht der Winterthurer Musiker Björn Schmelter, der im letzten Jahr das zweite Album „A Long Way From Home“ veröffentlicht hat. Daneben arbeitet er seit einem Jahr an einer Rockoper, hat einen Gitarrenladen und auch noch einen regulären Job. TRACKS traf einen Mann, für den Musik die grosse Passion ist und dem es, obwohl er nicht zu den bekanntesten Musikern der Schweiz zählt, gelungen ist, inzwischen von seiner Leidenschaft zu leben.

Seit wann gibt es Phraseland? So wie die Band jetzt besteht, gibt es sie seit 2009. Kann man bei Phraseland überhaupt von einer Band sprechen oder ist das ein Soloprojekt von dir? Ursprünglich war das so gedacht, denn ich habe den Namen Phraseland schon länger als die Band existiert. Ich schreibe und arrangiere ja auch alle Songs. Aber seit 2009 ist das ja nun eine feste Band. Wir haben manchmal bei Gigs auch Gastmusiker, aber der Kern der Band steht fest. In deiner Bio steht, dass du längere Zeit in den USA warst. Ja, ich habe dort über sechs Jahre in Michigan gewohnt, war mit einer Amerikanerin verheiratet. Ich habe dort ein Musikstudium gemacht. Warum bist du nicht dort geblieben und hast Musik gemacht? Als das Studium vorbei war, konnte ich dort noch ein Jahr arbeiten. Ich war zwar mit einer Amerikanerin verheiratet. Aber es ist nicht so, dass du deswegen gleich eine Greencard bekommst. Meine Frau wollte auch mal in die Schweiz und so sind wir dann für ein paar Jahre in meine Heimat gekommen. Mit der Ehe hat es aber nicht geklappt und dann war sowieso nichts mehr mit einer Greencard. Aber ich hatte schon vor, in den USA zu bleiben, wenn ich eine Arbeitserlaubnis bekommen hätte und die Chance, dort beruflich etwas aufzubauen. Aber das ist nicht so einfach. 2008 war ich noch mal für ein paar Monate drüben, aber inzwischen hatte ich mir in der Schweiz auch beruflich schon etwas aufgebaut und da war es mir nicht wert, alles hinzuschmeissen und zu versuchen, in den Staaten Fuss zu fassen. Ich habe hier ein Studio, einen Gitarrenladen und einen guten Job, meine

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Musikerkumpel – irgendwann bist du dann verwurzelt. Auch wenn für die Art Musik, die ich mache, die Schweiz nicht gerade das einfachste Pflaster ist. In den USA wäre es zwar schwieriger, weil die Konkurrenz grösser ist, aber von der Musik her würde es dort besser passen. Wobei die Schweiz für einen professionellen Rockmusiker ja nicht gerade ein gutes Pflaster ist. Ja, das stimmt, einfach ist es nicht. Es gibt ein paar Nischen, die man bearbeiten kann und wo dann auch was läuft, aber generell ist es schwierig. Im letzten Jahr erschien das Album „A Long Way From Home“. War das euer erstes Album? Nein, das zweite. Das Debüt hiess „Playground“ und kam 2011 raus. Der Unterschied zwischen den beiden Platten ist, dass ich die Songs des Debüts alle geschrieben hatte, ins Studio gegangen bin und dort den Musikern vorschrieb, was sie zu spielen hätten. Die Songs des aktuellen Albums hatten wir dagegen schon live gespielt, bevor sie aufgenommen wurden. Ausserdem habe ich mit Philip Harrison (My Name Is George) einen Produzenten hinzugezogen, um jemanden zu haben, der auch etwas Eigendynamik einbringt und mich aus der Reserve lockt. Was ist seit dem Release von „A Long Way From Home“ passiert? Wir haben Konzerte gespielt, und ich habe die üblichen Promosachen erledigt. Jetzt kommt dann der Song „Truth“ als Single raus. Wobei es mit unserem Sound schon schwierig ist, im Radio gespielt zu werden. Die Sender haben halt, wenn es um Singer/Songwriter geht, lieber diese akustischen Sachen mit spärlicher Instrumentierung oder dann das hochglanzpolierte Zeug. Da fallen wir mit unserem an die 70er


Jahre angelehnten Folkrock etwas aus der Spur. Wir haben aber festgestellt, dass speziell etwas ältere Leute, die mit diesem Sound aufgewachsen sind, unsere Musik sehr mögen. Mich hat das etwas überrascht, denn ursprünglich hatte ich gedacht, dass wir eher die Jüngeren ansprechen. Immerhin habe ich es geschafft, die Produktionskosten des Albums wieder hereinzubekommen. Der Phraseland Sound liegt irgendwo zwischen typischem amerikanischen Folkrock, sprich Americana und britischem Poprock, was in dieser Konstellation ja doch etwas ungewöhnlich ist. Ja, das britische kam schon ein bisschen von meinem Produzenten. Ich selbst bin sehr stark geprägt von diesem klassischen Americana-Sound. Aber die Beatles, Pink Floyd und auch Peter Gabriel sind ebenfalls meine grossen Helden. Bei den moderneren Bands richte ich mich eher nach Acts wie beispielsweise Wilco. Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Ist ein neues Album vorgesehen? Ja, dieses Mal werden wir in ein Studio nach Deutschland gehen und die Songs als Band möglichst live einspielen. So wie das früher gemacht wurde, die Band geht ins Studio, spielt die Songs und wenn die gespielt sind, ist auch das Album fertig. Wir werden das voraussichtlich in dem Studio machen, wo auch Henrik Freischlader seine Platten macht. Die machen da einen Supersound und finanziell kann man sich das auch leisten. Dann habe ich noch ein anderes Projekt. Ich arbeite an einer Rockoper, die dann auf einem Doppelalbum herauskommen wird. Das mache ich aber mit einer anderen Band und vom Sound her wird es in etwa wie ein Mix aus Stonerrock und Pink Floyd. Das läuft aber nicht unter Phraseland. Von daher beschränken sich die Phraseland-Aktivitäten jetzt erst mal nur auf LiveAuftritte, weil ich erst die Rockoper fertig machen will. Ich bin schon über ein Jahr an diesem Projekt dran und auch schon ziemlich weit gekommen. Das klingt sehr interessant. Ja, da bin ich auch jetzt schon ziemlich stolz drauf. Ich wollte so etwas schon lange machen. Das wird etwas ganz anderes Phraseland. Hier gibt es keine Singles, hier sind die Songs so sieben bis acht Minuten lang. Ob das dann jemand hören will, weiss ich auch nicht (lacht). Wie weit ist das Projekt schon fortgeschritten? Also Schlagzeug und Bass sind bereits komplett aufgenommen, die Gitarren zu ca. 70%. Ich gebe mir noch ein Jahr Zeit, bis alles fertig ist. Die ersten Songs werden jetzt im Februar fertig sein. Das ganze heisst dann Ruby Marquette, das ist der Typ von dem die ganze Geschichte handelt. Es geht da um Tod und Wiederauferstehung. Mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen. Aber ich will das natürlich dann auch live aufführen. Vielleicht erreiche ich damit mehr Leute als mit Phraseland. Du hast auch noch einen Gitarrenladen? Ja, der heisst Backstage Music und ist in Winterthur an der Neustadtgasse. Den haben mein Partner und ich 2011 eröffnet. Wir teilen uns die Arbeit da auf, er ist so ca. 80% vor Ort und ich ca. 40%, weil ich ja noch einen anderen festen Job habe. Der Laden läuft ganz gut und wächst stetig. Wir achten bei unseren Produkten auch sehr auf Qualität, also Billig-Gitarre für 200 oder 300 Franken wirst du bei uns nicht finden.

01 Unraveling PHRASELAND A Long Way From Home 02 Naked 03 Truth Irascible

04 The Other Way Around 05 Messages 06 Bit By Bit 07 Battleground 08 Broken 09 Swim 10 A Long Way From Home 11 Here 12 Beautiful Halo 13 Under The Sea

JOHNNY FONTANE & THE RIVALS Lemme Tell Ya Wanted Man Recordings hh. Hinter dem Bandnamen versteckt sich die Truppe, die über lange Zeit als Hausband die Blue Monday Nights im Solothurner Kofmehl amtlich unterstützte. Hier wurde in erster Linie der Bluesrock zelebriert, also kein Wunder, dass die Jungs auf ihrem Debüt auch das machen. Darin sind sie sehr gut, grooven amtlich und das lange Zusammenspiel ist der Truppe in jeder Note deutlich anzuhören. Johnny Fontane alias Tom Marcozzi ist der Frontmann der selbsternannten sizilianischen Halbbrüder. Als Sänger stehen seine Fähigkeiten denen als Gitarrist nur unwesentlich nach, er bringt jede Menge Gefühl und Dynamik ein. Ausserdem beweist er ein beachtliches Talent als Songwriter in den hier enthaltenen zwölf Eigenkompositionen. Wobei gesagt werden muss, dass der SouthernrockKracher und Eröffner des Albums „Black Cadillac“ nicht typisch für den Rest des Albums ist, denn der Blues dominiert ansonsten. Irgendwo ist das ein bisschen schade, denn „Black Cadillac“ ist ein Hammer-song. Von diesem fetten Rocker hätte man gern noch den einen oder anderen Nachschlag mehr gehabt. Das heisst aber nicht, dass die anderen Tracks dagegen abfallen. Johnny & seine Rivals bringen ihren Bluesrock auf hoher Qualitätsstufe, stehen ohne Abstriche neben internationalen Grössen dieses musikalischen Stils. Dazu trägt auch die hervorragende Produktion von Tom Marcozzi bei. Warm, transparent und mit Druck kommt der Sound durch die Boxen, ein Verdienst von Grammy Award Gewinner Adam Hawkins (u.a. Keith Urban, Maroon 5, Pink, Gary Clark Jr.), der das ganze Werk in L.A. abmischte. Als Gäste holte sich Marcozzi den ex-Alice Cooper und heutigen UFO-Gitarristen Vinnie Moore, der im Track „Tell me“ ein herausragendes Solo abliefert, sowie den Bluesharpisten Marco Pantherra („Steam Train“) und Justina Lee Brown als Background-Sängerin, die im Song „This Ain't Mississippi“ zudem einen hervorragenden Soloauftritt hinlegt. „Lemme Tell Ya“ ist ein tolles Album mit Rasse und Klasse geworden, sollte von jedem Bluesrock-Liebhaber unbedingt angetestet werden.

THE PEARLBREAKERS For The Time You Live N-Gage / MV rp. Etwas mehr als ein Jahr ist es her, da hat das Ostschweizer Quartett The Pearlbreakers mit «Proof On The Way» der Schweiz ein poppiges Lächeln auf das Gesicht gezaubert. Diese Quali-täten hat sich die Buchser Band um Sänger Alessandro Rosi auch für ihr zweites Album «For The Time You Live» bewahrt. Bloss zeigen sich die Pearlbreakers in den elf Songs offener als zuvor. Im Auftakt, der Single «Sometimes» sorgen Scratches und Bläser (auch in «Love Will Grow Cold» und «We Need To Take The Time» zu hören) für neue Impulse. Im langsameren «I'm Feeling You» kommen Streicher zum Einsatz. Und «I Would Take You With Love» überrascht mit einer Prise Electro und einem dezenten Reggae-Rhythmus (auch in «We Need To Take The Time») . Geblieben ist aber das feine Gespür der Pearlbrea-kers für eingängige Melodien, feinen Harmoniegesang, frische Gitarrenläufe, Abwechslung, frische Produktion und natürlich ihre Liebe für Bands wie die Beatles, Oasis u.a. Kurz: Songs, die gut ins Ohr gehen und Spass machen.

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REVIEWS Blues/Soul/World GARY MOORE Live At Bush Hall 2007 Eagle Records

ub. Der vorliegende Live-Kracher erscheint posthum als künstlerischer Nachlass des nordirischen Gitarristen und Sängers Gary Moore. Nach seinem überraschenden Tod im Februar 2011 ist der Blues-Gitarrist und Sänger beinahe in Vergessenheit geraten. Die Aufzeichnungen fanden in London anlässlich des 2007 erschienenen Albums „Close As You Get“ vor vierhundert Zuschauern statt und klingen pur und ungeschliffen, sodass ein Bootleg-Charakter entsteht. Zeitweise dominiert die dreckige Gitarre mit hammerharten und schnörkellosen Riffs („Walking By Myself“), dass es einem die Schuhe samt Socken auszieht. Der brillante und vielseitige Techniker konnte auch mit Gefühl, liess seine Gitarre betteln und schreien, war ein exzellenter Sänger und stolzer Nordire. In den 70ern Mitglied der Dubliner Band Thin Lizzy um den Bassisten Phil Lynott und zu hören auf der starken LP „Black Rose: A Rock Legend“ (1979). Das Titelstück (ein irisch-gälisches Gedicht) beinhaltet eine Neuvertonung der inoffiziellen Hymne Nordirlands „A Londonderry Air/Danny Boy“ als Gitarren-Solo. Wie Van Morrison in Belfast geboren, ist Moores Solo-Platte „Wild Frontier“ (1987) seiner Heimatstadt und Lynott gewidmet, der im Januar 1986 verstarb. Das Besondere an diesem Gig im Mai 2007 war, dass Gary Moore Tracks spielte, die er selten und danach kaum mehr im Programm hatte. (Mit dabei sein alter LizzyKumpel Brian Downey an den Drums.) Vom damals neuen Album sind einige Stücke vertreten: Der Opener "If The Devil Made Whiskey", Chuck Berrys "Thirty Days", “Hard Times”, Sonny Boy Williamsons "Eyesight To The Blind" und als letzte Zugabe das magische “Sundown” von Son House. Das weltbekannte und leidenschaftliche Titelstück des Albums „Still Got The Blues“ (1990), auf dem sich Moore seiner BluesWurzeln besann, der Thin LizzyKlassiker "Don't Believe A Word“ und "Too Tired" durften jedoch nicht fehlen. Schlussendlich sind die Aufnahmen ein grandioses Zeitdokument, das in jede BluesSammlung gehört!

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VARGAS BLUES BAND From The Dark Cargo Records hh. Fetter Bluesrock aus Spanien mit sattem StratocasterSound zeigt gleich im ersten Song die Richtung an. Volles Programm wird hier gerockt, Gitarrist Javier Vagas ist ein überdurchschnittlich guter Axeman wie auch brillanter Slider, der sich mit Gaz Pearson auch gleich noch die passende, raue Stimme ins Line-Up geholt hat. Pearson singt songdienlich, mit viel Seele und Herzblut – ist generell ein herausragender Vocalist, der den Songs seinen eigenen Stempel aufdrückt. Auch die Rhythmus-Abteilung lässt nichts anbrennen, spielt dicht und groovig - offenbar haben alle Beteiligten tiefe Rockwurzeln. Somit richtet sich „From The Dark“ nicht nur an Bluesfans, sondern dürfte auch Classicrock-Fans nachhaltig beeindrucken. Klar, musikalische Überraschungen gibt es diesem Genre praktisch nicht mehr, das Rad wird auch hier nicht mehr neu erfunden. Muss aber auch nicht, was zählt sind die Songs und die Fähigkeiten der Musiker – und all das ist hier auf hohem Qualitätslevel ohne Einschränkungen vorhanden. Die Vargas Blues Band ist nicht einfach nur eine weitere Bluesrock-Truppe, sondern wartet mit Eigenständigkeit und tollen Songs auf. Rockt fett, macht Spass.

MIKE ZITO AND THE WHEEL Songs From The Road Ruf Records ub. Mike Zito ist ein Musiker (und Produzent), bei dem es sich lohnt, genauer hinzuschauen: Ob als Gast bei Popa Chubby, Gitarrist und Mitgründer der Supergroup Royal Southern Brotherhood oder mit eigener Band: Zito hinterlässt jeweils einen bleibenden Eindruck und beherrscht den Blues- und Southern-Rock sowie das 12-taktige Bluesschema. Sein Spiel ist leidenschaftlich, kraftvoll und variantenreich. Gesanglich hält er problemlos mit John Mellencamp oder Stevie Ray Vaughan mit. 1970 in St. Louis, Missouri geboren und von Walter Trout entdeckt, zog es Zito nach überstandener Drogensucht nach Texas, dabei widmete er sein erdiges und glaubhaftes Ruf Records-Debüt „Gone To Texas“ (2013) dem Bundesstaat, der ihm „das Leben rettete“. Von dieser Scheibe spielt die Band an diesem Abend im Januar 2014 im Dosey Doe in Houston das Titelstück, “Rainbow Bridge“, „Don't Break A Leg“, „Hell On Me“ und „Subtraction Blues“. Weitere Titel aus früheren Jahren sind „Pearl

River“ (Blues Music Award 2010 für den besten Song), „Greyhound“ (Nomination für das beste Blues-Rock-Album 2011) sowie das akustische Prince-Cover „Little Red Corvette“ im Stil von „More Than Words“. Eine Live-Platte bietet die ideale Plattform für Zito, der unentwegt tourt und als wuchtiger Live-Act bekannt ist, erfüllt gleichzeitig die Funktion eines Best-OfAlbums und könnte (verdientermassen) zum kommerziellen Zugpferd werden. (Dies ist bestimmt auch die Absicht des Konzepts von Thomas Ruf.) CD und DVD liefern einen akustischen und visuellen Genuss. Das breitgefächerte und bunte Manifest ist ein Trostpflaster für alle, die Zito & The Wheel im Volkshaus Basel verpasst haben. Neben Zito begeistern Scot Sutherland am Bass, Rob Lee (Drums), Jimmy Carpenter (Sax) und Lewis Stephens (Piano, Orgel). Mit „Songs From The Road“ spielen sich Mike Zito & The Wheel definitiv in die oberste Liga des modernen Blues-Rocks!

HOWLIN' BILL Hungry Blues Boulevard ub. Mit dynamischer Leichtigkeit zünden die vier Belgier ein abwechslungsreiches Feuerwerk über dreizehn schlanke Eigenkompositionen des Frontmanns, Sängers und Harmonika-Spielers Wim De Vos alias Howlin' Bill. Der Auftakt „I'm Hungry“ zeigt sogleich, wo es lang geht. Howlin' Bill ist vielleicht kein begnadeter Sänger, aber ein virtuoser und vielseitiger Blues HarpSpieler. Die exzellente super-tighte Rhythmus-Sektion (Walkin' Winne am Bass und Drummer Daddy T), gepaart mit der unaufgeregten, jedoch sehr präzisen Gitarrenarbeit von Little Jimmy, dazu die satte Produktion von Dirk Lekenne machen ab der ersten Minute Spass. „Drink About It“ fetzt los wie „La Grange“ mit einem selten starken Harmonika-Solo. Dirty Rock'n'Roll wird mit „More Than Fifty Reasons“ geboten. Der Soundtrack für jede Überlandfahrt: „Highway Of Life“. Nach Johnny Cash klingen das nachdenkliche „Perfect Lovers“ und das nicht ganz ernstzunehmende Stück „Rudolph“. „Mustang Sally” scheint durch beim augenzwinkernden (the woman lying next to me is) “Not My Wife”. Als GuteLaune-Aufwach-Song ist “Get Up” anzubieten. Howlin' Bill sind seit 2011 auch ausserhalb der Benelux-Staaten erfolgreich und spielen auf Blues-Festivals in ganz Europa und der Schweiz. Der sehr gut gemachte Mix aus Blues, Rock'n'Roll, Boogie und Rockabilly ohne (künstliche) Schwermut ist ein Lichtblick in der Fülle der Blues-Neuveröffentlichungen, ein echter Seelentröster und daher wärmste Empfehlung für kalte Tage!


DVD/BluRay COLDPLAY JEFF BECK Live In Tokyo Eagle Vision/MV hh. Im letzten Jahr feierte Jeff Beck seinen 70. Geburtstag. Sieht man den Gitarristen in diesem Konzertmitschnitt vom 9. April 2014 aus der japanischen Tokyo Dome City Hall, mag man es kaum glauben. Da ist weder optisch noch musikalisch irgendetwas von „alter Mann mit Gitarre“, im Gegenteil, Beck präsentiert sich agil und wirkt wie ein jung gebliebener Mittfünfziger. Die Japan Konzerte standen am Anfang einer Tour, auf der er seine neue Backing Band vorstellte. Neben Ausnahmebassistin Rhonda Smith (Prince), ein wahrer FunkDerwisch, holte sich Beck den Drummer Jonathan Joseph (Ricky Martin, Joss Stone) und den Schweizer Jazz-Gitarristen Nicolas Meier (ein bekennender Metal-Fan) in die Truppe. Alle Musiker sind sowohl Jazz wie auch Rock erfahren, die perfekte Band also für den Meister. Das ganze Konzert ist instrumental gestaltet, lediglich beim letzten Track „Why Give It Away“ macht Rhonda Smith klar, dass sie auch als Sängerin über herausragende Qualitäten verfügt. Die grosse Bühne ist spartanisch, keinerlei Deko und auch das Licht ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht mehr als zweckdienlich. Hier zählt nur die Musik und natürlich in erster Linie Jeff Beck. Das ganze Spektakel kann man in einem Satz zusammenfassen: Der Chef kommt, der Chef geht – dazwischen liegt über zwei Stunden jazzrockige Gitarrenvirtuosität der Meisterklasse. Beck gibt sich wortkarg, erst nach über einer halben Stunde richtet er ein kurzes „Thank You“ an das ehrfürchtig staunende begeisterte Publikum. In diesen zwei Stunden wird wieder einmal die einsame Klasse des britischen Musikers deutlich und vor allem sein ureigener, kantiger Stil, der ihn zum Superstar unter den Gitarristen machte. Ähnlich wie Landsmann und ehemaliger Mitstreiter bei den Yardbirds Jimmy Page, hat Beck einen Gitarrenstil mit eingebautem Kopierschutz. Zwar sind die beiden Gitarristen in unterschiedlichen Genres unterwegs, aber die Gemeinsamkeiten sind unüberseh-/hörbar: höchste Individualität und unterschwellige Rotzigkeit, maximale Technik, die aber nie auf Kosten des Songs ausgelebt wird. Und beide haben stets diesen gewissen Dreck, das Fish& Chips-Fett aus alten Zeiten bis heute unter den Fingernägeln. Alte britische Schule! Beck ist bis heute der Unangepasste, der Rebell geblieben – selbst in ruhigen Momenten klingt er immer noch gefährlich. Dadurch unterscheidet er sich deutlich von Gitarristen seiner Güteklasse wie beispielsweise Eric Clapton – mit derart poliertem, gefälligem Sound hat Beck nichts zu tun, was er auch optisch klar macht. Neben neuen Songs stehen natürlich Klassiker aus Beck's langer Karriere auf der Set-Liste. Lediglich Songs aus der Jeff Beck Group Zeit (mit Ronnie Wood und Rod Stewart) werden ausgelassen. Schade, denn beispielsweise „Beck's Bolero“ hätte bestens in das Programm gepasst. Dass dieser Livemitschnitt zu den ersten Konzerten seiner neuen Band gehört, ist im ersten Drittel des Abends hier und da zu hören. Da holpert es mitunter noch etwas, die Musiker finden erst im Laufe der Show zu einer groovenden Einheit zusammen, aber ab dann brennt der Baum. „Live In Tokyo“ ist eine herausragende, spannende Darbietung auf höchstem Niveau: direkt, ungeschliffen, eigenwillig und frei von jeglicher Politur. Ein Festessen für alle Gitarrenfreaks – für Beck-Fans sowieso.

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Ghost Stories Live 2014 Parlophone ub. Seit ihrer Gründung scheint sich alles in Gold zu verwandeln, was die vier Briten, die trotz Massenhysterie sympathisch und auf dem Teppich geblieben sind, auch anfassen. Einst von Travis und Jeff Buckley inspiriert, erklommen alle sechs bisherigen Studio-Alben der letzten 14 Jahre die Gipfel der globalen Charts. Dieses Jahr erreichte Coldplays ungebrochene Popularität einen weiteren Höhepunkt: Der weltweit millionenfach verkaufte Blockbuster „Ghost Stories“ vom Mai enthielt die MegaHitsingles „Magic” und den Ohrwurm “A Sky Full Of Stars”. Alle Tracks dieses Albums werden nun in der Reihenfolge der Original-Platte als 40-minütige CD „Ghost Stories Live 2014” veröffentlicht, akustisch aufgezeichnet in den renommiertesten Locations der Welt zwischen April und Mai 2014 während ihrer Tournee von Europa (Köln, Paris, London) über Amerika (New York, Los Angeles) bis Down Under. Zum Paket gehört auch ein neuer Konzertstreifen von Regisseur Paul Dugdale, der den intimen 40-minütigen Auftritt vor handverlesenen Fans im März 2014 in einem eigens konstruierten „Amphitheater“ der Sony Studios in Los Angeles zeigt. Chris Martin kommentiert: „Es war das erste Mal, dass irgendjemand ausserhalb unseres Studios überhaupt die neuen Songs zu hören bekam.“ Der spezielle Gig zeigt die hervorragenden und sensiblen Musiker vor einer 360Grad-Leinwand mit erstaunlichen Unterwasser-Themen (“Another's Arms”). Beeindruckend auch Martins filmisch umgesetzter Sprung ins Wasser nach “Oceans”. Als Habenposten muss die relativ kurze Laufzeit von CD und Film verbucht werden. Ein paar Musikvideos sowie ein stilvolles Booklet mit tollen Fotos der Band gibt es als Extras. Bahnbrechend Neues wird nicht geboten. Der Live-Sound ist so clean, dass man kaum einen Unterschied zu Studio-Aufnahmen hört. Für eingefleischte Coldplay-Fans natürlich dennoch ein Muss.

GUNS N' ROSES Appetite For Democracy Live At The Hard Rock Casino – Las Vegas Universal hh. Am 21. November 2012 gaben sich Axl und seine Mitstreiter die Ehre und besuchten den Ort, an dem sie vor 15 Jahren ihr Comeback feierten. Und geboten wird, was zur Glitzer- und Entertainmentmetropole passt: Bombastischer Hollywood Breitbandrock'n'Roll mit allem Pipapo inkl. an der Stange tanzende Bikini-Models für ein etabliertes Publikum, das am Wochende gern mal den bösen Rocker mimt und die Sau raushängen lässt. Klar, die Show ist zweifellos ihr Eintrittsgeld wert, aber nur unter der Prämisse von grösstmöglicher, oberflächlicher Unterhaltung. Von früherem Rebellentum und dieser speziellen „Wir gegen den Rest der Welt“-Attitüde ist absolut gar nichts mehr auszumachen. Das und der dreckige Charme, den die Originalband auszeichnete und was ein wichtiger Baustein des Erfolgs der LA-Rocker war, ist bei Axl's Truppe schlichtweg nicht vorhanden. Da nutzt es auch nichts, dass sich besonders die drei Gitarristen alle Mühe geben, optisch die „bad boys“ zu mimen – an die Original-Gunners reichen sie in dieser Beziehung nicht heran. Denn die waren authentisch, die aktuelle Besetzung jedoch besteht aus Schauspielern, die ihre Instrumente zwar aufs Feinste beherrschen, aber den Eindruck vermitteln, dass sie jede „Fuck You“-Pose dutzende Male vor dem Spiegel geübt haben. Allen


DVD/BluRay voran Gitarrist DJ Ashba, der stetig auf der Suche nach irgendeiner Kamera zu sein scheint, um seine einstudierten Posen vorzuführen. Seine Versuche, seinen Vorgänger Slash vergessen zu machen, scheitern auf ganzer Linie und offenbaren das Dilemma der heutigen Gunners: Sie sind nicht echt, sondern gerade mal eine Kopie des Originals. Dass DJ Ashba zudem mit Slashangelehnter Kopfbedeckung und typischem Posing des Zylindermanns herumturnt und Richard Fortus frisurund posermässig den Izzy Stradlin durchgibt, unterstreicht das Ganze noch, macht die ganze Chose noch aufgesetzter und unglaubwürdiger. Diese dadurch bedingte Unnahbarkeit und die fehlende Eigenständigkeit der Gitarristen (davon ausgenommen lediglich der etwas farblos wirkende Ron Thal) wirkt arrogant und überheblich, was sich in der Publikumsreaktion bemerkbar macht. Von ausgelassener Stimmung kann lediglich ab und zu bei den alten Gassenhauern der Gunners die Rede sein. Auf der positiven Seite ist zu vermerken, dass die ganze Truppe auf höchstem Qualitätslevel spielt, da gibt es überhaupt nicht zu meckern. Die Jungs haben ihre Instrumente makellos und souverän im Griff, gehören zweifellos zu den Besten der Besten, wie eine gut bezahlte Söldnertruppe, perfekt funktionierend und loyal, solange die Kasse stimmt. Axl selbst versteckt sich unter einem grossen Hut und über den grössten Teil der Show hinter dunkler Brille. Gesanglich hat er sich weiterentwickelt bzw. holt das Beste aus seiner angeschlagenen Stimme heraus. Das allerdings macht er souverän und mit Können, seine oftmals gefühllose Kreischerei früherer Tage ist glücklicherweise passé. Auch körperlich ist der Mann fit, legt einige Kilometer auf der grossen Bühne zurück ohne Einbussen im gesanglichen Vortrag. Allerdings bleibt die Frage offen, wie sehr der Gesang im Studio nachbearbeitet wurde, denn was man hört und was man sieht passt nicht immer zusammen. Wer Spass an derartigen Spektakeln hat, wird hier ohne Zweifel bestens bedient, immerhin gibt es 25 Songs in dieser knapp dreistündigen Show zu sehen und auf zwei beiliegenden Audio-CDs zu hören. Den Fans ehrlicher, mit Hingabe und Herzblut gespielter Rockmusik, mutet das ganze Werk aber an wie ein typische Las Vegas Show: viel oberflächliches Trara und Glitzer ohne Tiefgang – Comic Rock'n'Roll – nicht mehr und nicht weniger! Das, was die Gunners zum Beginn ihrer Karriere und vor den ganzen Streitereien ausmachte und zum Mergaerfolg führte, ist hier jedenfalls nicht mehr vorhanden. Herr Rose sollte sich einen anderen Bandnamen aussuchen, anstatt die Legende „leichenzufleddern“, das hätte Stil und wäre glaubwürdig – aber das würde gleichzeitig ein zu grosses finanzielles Risiko bedeuten. Und Dollars stehen bei ihm offensichtlich über Rock'n'Roll.

THE ROLLING STONES From The Vault Live In 1975 – L.A. Forum Live In 1981 – Hampton Coliseum Eagle Vision

hh. Gleich zwei neue Live-Doks aus den Stones-Archiven, von denen unter dem Titel „From The Vault“ noch mehr folgen sollen. Die Releases kommen relativ schlank daher, soll heissen, BonusMaterial gibt es nicht. Die beiden Konzertmitschnitte erscheinen zum ersten Mal als Bildtonträger, die AudioFiles konnten dagegen schon per Download von der Stones-Website konsumiert werden. Release 1 ist das Konzert vom 12. Juli 1975 aus dem Forum in L.A.. Es war die erste Tour mit Neuankömmling Ronnie Wood und zeigt den 2006 verstorbenen Billy Preston an den Keyboards. Zu diesem Zeitpunkt waren die Stones noch eine dreckige, sleazige (Blues-

)Rockband im wahrsten Sinne des Wortes. Sie spielen locker und sehr spontan, was Mick Jager schon mal aus dem Konzept bringt („Get Off Of My Cloud“). Das hat aber sehr viel Charme, die Stones unpoliert und locker jammend und improvisierend zu erleben - wo immer noch der Geist des ausgestiegenen Mick Taylor über allem schwebt und hörbar seine Spuren hinterlassen hat. Mick Jagger ist zu diesem Zeitpunkt noch der aggressive Rockshouter und mehr in die Band eingebunden als in den späteren Jahren. Ronnie Wood als Frischling hält sich noch sehr zurück und versucht, die Lücke zu schliessen, die Taylor hinterlassen hat. Das gelingt ihm nicht, war aber auch nicht beabsichtigt, denn ansonsten hätten sich die Stones einen Blueser wie beispielsweise George Thorogood geholt, der ja als TaylorNachfolger auch im Rennen war. Wood bringt seine eigene, Keith Richards ähnliche Note ein, die im Laufe der folgenden Jahre den Stones Sound eindrücklich prägen sollte. Die Stones spielen sich durch 24 Songs ihrer Karriere, wobei auffallend ist, dass kein

„Satisfaction“ auf der Set-Liste steht. Billy Preston, zu dem Zeitpunkt selbst in eigener Regie ein Superstar, bekommt einen Soloauftritt mit 2 Songs gewährt. Dabei präsentieren sich Preston und Jaggerals ausgezeichnetes Tanzpaar. Release 2 ist das „Geburtstagskonzert“ von Keith

Richard vom 18. Dezember 1981 in Hampton/Virginia. Der Unterschied zum vorerwähnten Konzert ist krass. Aus einer erdigen Rockband mit viel Platz für Improvisationen wurde in sechs Jahren eine kalte, ultracoole Rockmaschine mit einer straff durchorganisierten, gestylten Show. Das war in erster Linie dem Zeitgeist geschuldet, wie schon allein an den Klamotten der Musiker zu sehen ist, und in zweiter Linie wohl dem zu der Zeit in der US-Szene allgegenwärtig heftigen Gebrauch von kolumbianischem Maschierpulver. Diese Tour supportete das Album „Tattoo You“, das zwar das bis dato bestverkaufteste Stones-Album war, musikalisch aber nicht mehr den bluesigen Tiefgang älterer Veröffentlichungen hatte. Überhaupt gehörten die 80er nicht zu den herausragenden Momenten in der Stones-Karriere. Die Gründe dafür sind hier nachzuschauen, sie spielen nicht schlecht, sind immer noch die Stones – aber sie berühren nicht, es bleibt nichts hängen. Für Stones-Fans macht der Erwerb dieses Live-Dokuments aber auf jeden Fall Sinn, zeigt sie doch eine weitere Station in der wechselvollen musikalischen Karriere der Band. So gesehen darf sie in keiner anständigen Sammlung fehlen. Für nicht so beinharte Fans ist sie allerdings nicht unbedingt nötig, da gibt es wesentlich bessere LiveMitschnitte von Jagger, Richards & Co. Die „From The Vault“-Serie macht aber auf jeden Fall Sinn und sorgt für Freude unter den Fans. Wir dürfen gespannt sein, was da künftig noch so alles aus den offenbar unerschöpflichen Stones-Archiven ausgegraben wird.

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ReReleases, Best Of, Tributes

In Mono – Vinyl Box Set Universal

hh. Nach dem 2012 veröffentlichten Box-Set mit den remasterten Stereo-LPs kommen die Fab Four nun genau so, wie sie klangen, als diese Alben aufgenommen wurden: In Mono! Man mag berechtigt von einem „ausquetschen der Zitrone“ sprechen, denn inzwischen wurde auch das letzte Quentchen Musik, das von den Beatles irgendwann, irgendwo zu hören war und aufgenommen wurde, in irgendeiner Form, möglichst in verschiedenen Formaten , unter die Leute gebracht. Vieles davon macht Sinn, besonders für hard-corde-Fans, einiges aber auch nicht. Zu den sinnvollen Re-Releases gehörte definitiv das erwähnte Box-Sets mit den Stereo-Remastern und zweifellos das nun vorliegende Set mit den Mono-Versionen. Hauptgrund ist erstens, dass die Alben, die seinerzeit in Mono aufgenommen wurden, nun auch in überarbeiteter Form wieder in Mono zugänglich gemacht werden und somit höchst authentisch durch die Boxen sounden, zweitens wurden hier die

Abbey Road’s Studio 2 - die Beatles Werkstatt in den 60ern

Die Fab Four und Mastermind George Martin Songs von den Original-Analog-Bändern bearbeitet, wie sie damals aufgenommen wurden. Alle Re-Release der BeatlesSongs ab den 80ern wurden von Digital-Mastern geschnitten, bei den jetzt vorliegenden Mono-Versionen wurde zum ersten Mal von den Original-Mono-Analog-Bändern ausgegangen. Normalerweise werden Mono-Releases ebenfalls von digitalen Grundlagen gefertigt, es ist schneller, einfacher und auch billiger in der Herstellung. Kommt dazu, dass die meisten Toningenieure heute nicht mehr die Kenntnisse und das Material haben, um analoge Quellen auch analog zu bearbeiten. So wurde das Beatles-Mono-CD-Boxset (2009) ebenfalls von digitalen Quellen produziert. Die Alben des neuen Vinyl-Boxsets wurden am Originalaufnahmeschauplatz, den Abbey Road Studios in London von Sean Magee und Steve Berkowitz von den analogen Quellen auf analogen Bandmaschinen gemastert, als Referenz dienten die Original-LPs und Hinweise und Anlaitungen der damaligen Schneide- und Tontechniker. Diese intensive, komplizierte und langdauernde Arbeit hat sich ausgezahlt, der Sound der Platten ist frei von jeglichen Störgeräuschen, die noch auf den OriginalAlben hier und da hörbar sind. Auch erscheint der „neue“ Sound eine Spur transparenter, was sich besonders in den Gesängen

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bemerkbar macht. Nun werden viele Fans sagen: Was soll ich mit Mono, wenn ich das auch in Stereo haben kann? Die Antwort ist einfach: Diese Aufnahmen wurden von den Fab Four und ihrem Produzenten persönlich überwacht und abgenickt, die digitalen und stereonachbehandelten Platten nicht. Ausserdem ist der MonoSound direkter, kompakter und wärmer, dadurch erhalten einige Songs einen hörbar neuen Glanz und sorgen für ein neues Sounderlebnis. Vorausgesetzt natürlich, der Käufer dieser Platten verfügt über entsprechend gutes Audio-Gerät. Das beiliegende hochwertige Hardcoverbuch bietet viele Informationen über den Mastering-Prozess und zugleich jede Menge Fotos der Beatles, sowie weiteres rares Archivmaterial. Enthalten im Box-Set sind die 180gr-Vinyl-LPs: "Please Please Me" "With The Beatles" "A Hard Day's Night" "Beatles For Sale" "Help!" "Rubber Soul" "Revolver" "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" «Magical Mystery Tour" "The Beatles" (The White Album) (2-LP) "Mono Masters" (3-LP) Die letzten drei Beatles-Platten "Yellow Submarine," "Let It Be" und "Abbey Road"wurden bereits im Original in Stereo aufgenommen, und sind somit nicht in diesem Mono-Box-Set enthalten. Das Box-Set hat zwar einen beachtlichen Preis, gemessen am Klangerlebnis und an dem hohen Aufwand der Herstellung darf aber von “gerechtfertigt” gesprochen werden. Ausserdem wird dieses Paket ohnehin nur Soundpuristen und echte Fans (bei denen die archivierten Original-LPs im Laufe der Dekaden den einen oder anderen Kratzer abbekommen haben) ansprechen, die aber werden beeindruckt und begeistert sein – und bekommen tatsächlich einen reellen Gegenwert für ihre finanzielle Investition. Die hier enthaltenen Alben sind auch einzeln zu erwerben. Bei TRACKS gibt es die 11 LPs umsonst unter dem Stichwort “Beatles Mono”. Bitte angeben, welches Album ihr bevorzugt. Teilnahmebedingungen auf Seite 62.


ReReleases, Best Of, Tributes

The Anthology 1964-1971 5 CDs/1 7"Vinyl-Single Sony hh. Zusammen mit den Beatles, Rolling Stones und The Who waren The Kinks die erfolgreichste und wegweisendste Band der 60er in Britannien und wurden wie The Who der Mod-Bewegung zugeteilt. 1963 gegründet, landete die Truppe um die beiden Brüder Ray und Dave Davies mit „You Really Got Me“ ein Jahr später den ersten Hit, der bis heute zu den erfolgreichsten Songs der Rockgeschichte gehört und unzählige Male gecovert wurde. Speziell Van Halen gründeten ihren Mega-Erfolg auf das Remake des Kinks-Klassikers. Gleichzeitig gilt dieser Track als Blaupause für den späteren Heavy Metal und/oder Punk, was allerdings nur am Rande zutrifft. Vielmehr ist „You Really Got Me“ mit dem prägnanten Gitarrenchord der Vorläufer des riffbetonten Hardrocks. Als der Song 1964 auf den Markt kam, donnerte er auf Platz 1 der britischen Charts, erreichte in den USA Platz 7 und sorgte vor allem bei Kritikern für grosse Verwirrung und Irritation, denn bis dahin gab es noch nie einen Song mit einem derartig harten Gitarrenriff und aggressiven Gesang, gegen den sich die zeitgleichen Veröffentlichungen von beispielsweise den Beatles wie Schlager anhörten. Mit „All Day And All Of The Night“ (Platz 2 der Charts) legte das Quartett im gleichen Jahr ein ähnliches Riffmonster nach, bevor sie mit „Tired Of Waiting For You“ ( Platz 1) bewiesen, dass sie auch etwas ruhigere, aber trotzdem bissige Hits schreiben konnten. Ray Davies als Hauptkomponist galt neben Lennon/McCartney als wichtigster Songschreiber in Britannien. Der Kinks-Chef machte sich zudem je länger je mehr einen Namen als scharfzüngiger, intellektueller Beobachter und Kritiker der englischen Gesellschaft. Den ganz grossen Durchbruch in den USA verpassten die Kinks allerdings, da sie dort auf Grund von Querelen mit der amerikanischen Musikergewerkschaft zwischen 1965 und 1969 mit einem Auftrittsverbot belegt wurden. The Kinks schrieben auch Geschichte mit ihren Konzeptalben („The Village Green Preservation Society“ 1968 und „ Arthur (Or The Decline And Fall Of The British Empire“ 1969), den Vorläufern der sogenannten Rockopern. Allerdings wurde diesen beiden Alben erst im Nachhinein die ihnen zustehende Ehrung zuteil. 1970 kam dann mit „ Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One“ ein weiteres Konzeptalbum heraus, das sich musikalisch deutlich von den vorherigen Veröffentlichungen unterschied und sich mehr am amerikanischen Mainstreamrock orientierte. Mit dem Hit-

Überflieger „Lola“ enthält dieses Album einen der grössten Kinks-Klassiker. In den 70ern wurde es um die Band ruhiger und die grossen Erfolge der Vergangenheit konnten nicht wiederholt werden. Erst Ende der 70er starteten die Kinks wieder durch, in den USA kletterte das Album „Low Budget“, in dem sich Ray Davies wieder an die kraftstrotzenden Songs der KinksAnfangszeiten erinnerte, auf Platz 11 der Charts. 1993 wurde mit „Phobia“ das letzte reguläre Studioalbum veröffentlicht und 1996 folgte der bislang letzte Auftritt unter dem Namen The Kinks. Obwohl eine Auflösung der Band nie offiziell bekannt gegeben wurde, gilt es als unwahrscheinlich, dass die Brüder Davies jemals wieder gemeinsam in Erscheinung treten. Die über die ganze Karriere der Band anhaltenden und mehrheitlich heftigen Streitereien zwischen den schwierigen Charakteren Ray und Dave verunmöglichen das, auch wenn Ray Davies immer wieder ein Comeback in Aussicht stellt. Dave Davies weigert sich jedoch standhaft, zusammen mit seinem Bruder noch einmal ein Tonstudio zu betreten. Das vorliegende Box-Set beinhaltet Klassiker, Raritäten, Interviews, Studioouttakes und unveröffentlichte Songs und Demos zwischen 1964 und 1971. 139(!) Songs auf 5 CDs, von denen die ersten beiden CDs in Mono-Versionen, die restlichen 3 gemischt in Mono- und Stereo remastert sind. Ausserdem liegt eine Vinyl-Single mit Live-Versionen von „You Really Got Me“ (1964) und „Milk Cow Blues“ (1965) bei, sowie ein 42-seitiges Buch mit ausführlichen Liner-Notes und vielen raren Fotos und Memorabilien bei. „Anthology 1964-1971“ ist ein wertvolles und umfangreiches musikalisches Dokument einer der grössten, einflussreichsten britischen Bands, das besonders jedem Musikhistoriker und Fan der „Goldenen Beat Ära“ als Must Have empfohlen wird. Für Kinks-Fans, und davon gibt es auch heute nach wie vor eine ganze Menge, ist das Box Set unverzichtbar.

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ReReleases, Best Of, Tributes

BRYAN ADAMS Reckless 30th Anniversary Super Deluxe Edition Universal

hh. Ein Star war er 1984 schon, aber dieses Album machte aus dem kanadischen Mainstreamrocker einen Superstar. Sechs von den zehn auf dem Originalalbum enthaltenen Songs wurden zu Mega-Hits, als Resultat dürfte wohl jeder Bryan Adams-Fan dieses Album schon im Regal haben. Und nun wird er sich unbedingt diese Wiederveröffentlichung besorgen, denn der Inhalt ist tatsächlich grandios. Schon die aus zwei CDs bestehende „Deluxe“-Variante macht mehr als Sinn, denn es gibt auf dem hervorragend gemasterten Album gleich sieben Bonus-Tracks dazu, die es alle in sich haben. Allen voran der Titel „Reckless“, der es seinerzeit aus terminlichen Gründen nicht mehr auf das Album geschafft hatte. CD 2 ist ein vom spielerischen und soundtechnischen Standpunkt aus gesehen ein Klasse LiveMitschnitt aus dem Londoner Hammersmith Odeon von 1985. Die hier enthaltenen 15 Songs sind wahre Kracher, die Band spielt wie aus einem Guss und mit sichtbar viel Spass. Bryan Adams und seine Mitstreiter auf dem Höhepunkt ihres Schaffens! Zugleich ist dieser Mitschnitt ein Abschied vom rauen RocknRoll, den der Canuck bis dahin auf höchster Qualitätsstufe zelebrierte und der

THE WHO Hits 50 – 2 CD Deluxe Edition Universal

hh. Zum 50. Geburtstag gibt es eine geballte Ladung Who-Hits und gem. Pete Townshend auch „Misses“. Den Sampler gibt es in zwei Ausführungen, als einfache CD mit 21 Songs und als Deluxe-Edition mit zwei CDs und 42 Songs. Als Bonus wurde mit „Be Lucky“ ein brandneuer Song obendrauf gepackt. Alle Songs wurden digital remastert. Zusammen mit den Beatles und Rolling Stones gehören The Who zu den erfolgreichsten britischen 60s Bands und haben ebenso nachhaltig unzählige nachrückende Musiker und Bands geprägt. Bis heute zählt das Quartett auch in den USA zu den auf ewig grössten Bands, ihr

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ihm Superstar-Status einbrachte. Denn danach entdeckte Adams, dass sich mit schmalzigen und schnulzigen Balladen noch mehr Käufer seiner Songs aktivieren lassen und der Energieaufwand dabei nicht mehr so erschöpfend ist. Sein Erfolg hat unter dieser musikalischen Neuausrichtung nicht gelitten, lediglich die Rocker unter seinen Fans vergossen bittere Tränen. Aber für die gibt es ja nun diese Deluxe-Edition, die sie sicher wieder glücklich machen wird. Wer etwas tiefer in die Tasche greifen mag, besorgt sich aber unbedingt die erweiterte Version dieses Klassikers. Denn neben vorerwähnten 2 CDs gibt es zusätzlich die sehr unterhaltsame DVD „Reckless – The Movie“, eine BluRay Audio Version des Albums (die aber nur eingefleischte SoundFetischisten brauchen) und ein schön und sorgfältig aufgemachtes Booklet mit vielen unveröffentlichten Fotos und Line-Notes. Diese Edition ist definitiv einer der besten ReReleases, die sie Rock- und auch Popfans besorgen müssen, egal ob sie das Original-Album schon haben. Denn hier kommt richtig grosse Freude auf.

Live-Mitschnitt „The Who – Live At Leeds“ von 1970 wird bis heute als bestes Rock-Live-Album aller Zeiten bewertet. Zugleich war das Quartett auch eine der skandalträchtigsten und aggressivsten Bands überhaupt, Schlägereien untereinander und das Zerstören von Instrumenten und Anlagen gehörten zum normalen Tagesablauf. Speziell die unglaublichen Eskapaden von Drummer Keith Moon sind legendär und wurden bis heute selbst von den wildesten Rockern nicht überboten; gleiches gilt für sein unorthodoxes Drumming, das von niemandem reproduziert werden kann. Inzwischen weilen Moon und Bassist John Entwistle nicht mehr unter uns, die verbliebenen, in einer Art Hassliebe verbundenen Roger Daltrey und Pete Townshend machen sich musikalisch zwar je länger je rarer, sind aber nach wie vor unter dem Banner The Who aktiv und alle Jubeljahre gibt es sogar etwas Neues zu hören, wie der hier enthaltene Song “Be Lucky“, in dem alte Qualitäten der Band aufblitzen, ohne jedoch die alte Wildheit und Wucht zu erreichen. „Hits 50“ umfasst Songs aus der 50jährigen Karriere. Natürlich sind alle grossen Klassiker von ihrer Mod-Zeit in den 60ern, über die Hardrock-Ära in den 70ern bis zu poppigeren Songs ab den 80ern enthalten. Auch wenn die Songs nach Keith Moon's Tod 1978 nie wieder die unbändige Kraft entwickeln konnten, muss man Townshend stets

hohe Qualitäten im Songwriting bescheinigen. Das digitale Remastering kommt besonders bei späteren Songs positiv zur Wirkung, die alten Kracher hingegen klingen nach wie vor am besten auf Vinyl. Fazit: Wer gerne die grossen Hits dieser einzigartigen Band in kompakter Form haben möchte, ist mit der regulären „Hits 50“-Ausgabe bestens bedient. Diejenigen, die etwas tiefer im WhoFundus schürfen wollen, besorgen sich dagegen die Deluxe Edition. In jedem Fall gibt es jede Menge tolle Songs, die bis heute nichts von ihrer Qualität verloren haben. Und wer sich bislang nicht so recht mit dieser Truppe beschäftigt hat und sie lediglich auf ihr Jahrhundertwerk „Tommy“ reduziert, dem bietet sich hier die Gelegenheit, eine der grössten britischen Bands aller Zeiten etwas näher kennen zu lernen.

PAUL PARRISH The Forest Of My Mind Cherry Red Records rp. Das ist immer so eine Sache mit den Vergleichen. Ende der Sechziger wollte man Paul Parrish als den amerikanischen Donovan vermarkten. Dabei verfügt sein Debüt, das 1968 erschien, über Eigenständigkeit und genügend Potential, um selber zu bestehen. Aber von Anfang an. Der aus Walled Lake, Michigan, stammende Parrish fing erst mit drei Jahren an zu sprechen. Fast zur gleichen Zeit setzte er sich ans Klavier der Eltern und begann zu spielen. Am Anfang


ReReleases, Best Of, Tributes bediente er nur die schwarzen Tasten, weil man so nichts falsch machen konnte. Später kam die Gitarre hinzu. An der Uni in Detroit hing er im dortigen Kaffeehaus The Chess Mate ab, zusammen mit zukünftigen Grössen wie Joni Mitchell, Glenn Frey (Eagles), und Gordon Lightfoot. Dass auch Paul Parrish über Talent verfügt, bemerkte 1967 der farbige Produzent Clay

McMurray. Zusammen mit der Gitarrenlegende Dennis Coffey und Mike Theodore schickten sie sich an, «The Forest Of My Mind» einzuspielen. Parrish hatte abgesehen von zwei Coverversionen («You've To Hide Your Love Away» von den Beatles und «I Can't Help Myself» von Four Tops) alle Songs selber verfasst. Trotz offensichtlicher Qualitäten war «The Forest Of My Mind» das Schicksal vieler Bands beschieden. Keine Promotion seitens der Plattenfirma. Und dann noch der Vergleich mit Donovan….

GROUNDHOGS Thank Christ For The Bomb Parlophon

hh. Mit diesem, ihrem dritten Album, setzte sich das britische Bluesrock-Trio um den Gitarristen Tony McPhee eindrücklich in Szene und kletterte in den Insel-Charts bis auf Platz 9. Zuvor machten sie sich bereits in der einschlägigen Szene einen Namen als Begleitband auf Europatourneen von John Lee Hooker oder Champion Jack Dupree. Im Vergleich zu ihren Mitbewerbern wie Fleetwood Mac, Chicken Shack oder auch John Mayall waren die Groundhogs eine ganze Spur eigenständiger, rockiger und kantiger. McPhee zeigte in seinen Texten zudem grosses politisches Engagement, das besonders in den Songs dieses Albums zum Tragen kommt. Mit dem Nachfolgealbum „Split“ (Platz 5 der Charts) zementierten die Groundhogs ihren Ruf als rockigste Bluesrocktruppe ihrer Zeit. Etwas, das die Rolling Stones so sehr beeindruckte, dass sie das Trio als Support auf ihrer 71er England-Tournee einsetzten. 1976 löste sich die Band auf, Tony McPhee ist jedoch bis heute unter seinem eigenen Namen oder als T.S. McPhee's Groundhogs aktiv und hat im Laufe der

SMASHING PUMPKINS Adore 6 CD/DVD Deluxe Edition Virgin/Universal hh. An diesem 1998 veröffentlichten Album schieden sich die Geister. Während Pumpkin-Fans höchst irritiert damit den Niedergang ihrer geliebten Band betrauerten, fiel das Kritiker-Lob mehrheitlich gut aus. Grund war Billy Corgan's Abkehr vom Punk und Rock beeinflussten Sound der Vorgänger-Alben hin zu Elektronik Spielereien. So wurde im Nachhinhein „Adore“ als Pumpkin's Elektronika-Album bezeichnet. Ein Grund mag sein, dass Corgan kurz vorher seinen Drummer Jimmy Chamberlain feuerte und für die Aufnahmen den Drum-Computer die Arbeit machen liess. Ein weiterer Grund dürfte gewesen sein, dass der Pumpkins-Chef damit seinen damaligen kreativen Stillstand zu übertünchen versuchte. Zudem wurde bezweifelt, ob Gitarrist James Iha und Bassistin Darcy Wretzki an den Aufnahmen beteiligt waren, wirklich hörbar sind sie auf dem Album nicht. Im Grossen und Ganzen war

„Adore“ ein ziemlich unnahbares Werk, das die meisten Fans der Band kalt liess. Die Verkäufe durchbrachen als Folge des grandiosen Vorgängerwerks „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ trotzdem die Millionengrenze, von einem Flop konnte also nicht die Rede sein. Tatsache jedoch bleibt, dass sich mit und nach diesem Album eine bedeutende Anzahl Fans von der Gruppe abwendeten. Umso erstaunlicher, dass gerade dieses Album nun in einer solch umfangreichen Edition wiederveröffentlicht wird.

Jahre eine ganze Reihe Alben veröffentlicht. McPhee ist zudem einer der legendärsten Gitarristen der Insel und kann sich bis heute auf eine eingeschworene Fangemeinde stützen. Auf „Thank Christ…“ befinden sich eine Reihe herausragender Songs, die bis heute nichts von ihrer Kraft und Faszination verloren haben. Nicht umsonst coverten Queens Of The Stone Age den hier enthaltenen Titel „Eccentric Man“. Ausufernde Gitarrensoli mit psychedelischen Einschlägen treffen auf tolle Gesangsmelodien, jeder Track ist eine Klasse für sich, verlangt aber vom Hörer Aufmerksamkeit. Es ist sicher keine Musik zum „nebenbei“ Hören. Soundmässig kommt das Ganze klar, transparent und druckvoll durch die Boxen, das Remastering ist hier perfekt gelungen. Produziert wurde das Werk 1970 von Martin Birch, der sich durch seine herausragenden Arbeiten mit Jeff Beck, Deep Purple und/oder Peter Green's Fleetwoood Mac einen superben Namen erarbeitete. Hoffen wir, dass das Nachfolgealbum „Split“, ein wahres Meisterwerk des psychedelischen 70er Bluesrocks, auch bald als ReRelease herauskommt. Leider ist das Leben bisweilen ungerecht, denn gemessen an der Bedeutung und dem Einfluss der Groundhogs auf und für die britische und auch europäische Bluesrockszene der 70er, der Klasse der Songs und McPhee's Saitenarbeit sollte McPhee eigentlich steinreich sein, was er aber leider nicht ist. Für alle derzeitigen Nachwuchsbands, die auf der Blues Pills Welle schwimmen und auf der Suche nach kreativen Schüben und den Roots für Musik sind, die Groundhogs sind wegweisend und unverzichtbar – das hier ist the real stuff!

Das remasterte Original-Album macht da noch den grössten Sinn, dicht gefolgt von der DVD (Live Konzert 1998 aus Atlanta). Was allerdings das Album nun auch in einer Mono-Version soll, weiss wohl nur Corgan selbst. Das braucht kein Mensch, selbst HardcoreFans nicht! Auch auf die 55 bislang unveröffentlichten Tracks, bestehend aus Demos, alternativen SongVersionen, Remixen und LiveAufnahmen hat die Welt eigentlich nicht gewartet, obwohl hier die eine oder andere Überraschung zu erleben ist. Generell ist „Adore“ kein Meilenstein in der Pumpkin's Historie, zu viel von dem, was die Band davor auszeichnete und zu einer der erfolgreichsten Alternative-Gruppen machte, ging hier verloren. Im Grunde ist „Adore“ ein Billy Corgan Soloalbum. Ob das reicht, um davon eine derart umfangreiche Deluxe-Wiederöffentlichung zu machen, die zudem auch ihren Preis hat, mag jeder für sich entscheiden. Wir bezweifeln das.

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ReReleases, Best Of, Tributes KISS Love Gun –Deluxe Edition Universal

hh. Zum 40-jährigen Bandjubiläum kommt nun das remasterte, mit Platin ausgezeichnete, Album aus dem Jahr 1977 wieder zu Glanz und Ehren. „Love Gun“ war das 6. Album in der KissDiscographie und gleichzeitig auch das letzte des Original-Line-Ups mit Klassikern wie der Titeltrack, sowie „Christine Sixteen“ und „Shock Me“. Die Deluxe-Edition besteht aus 2 CDs. CD1 enthält das Original-Album, dem das Remastering keineswegs geschadet hat – im Gegenteil, der Sound kommt klar und druckvoll und auch die Wärme der Original-Vinyl-Version wird zum grossen Teil erreicht. CD2 enthält bis auf den Song „Reputation“ bislang unveröffentlichte Demos und Live-Mitschnitte aus dem Jahr 1977, sowie ein 7-minütiges Interview mit Gene Simmons. Als Schmankerl gibt es eine Mini-Gitarren-Lektion von Paul Stanley zum „Love Gun“-Hit oben drauf. Die „Love Gun – Deluxe Edition“ reiht sich damit nahtlos in diese durchweg sinnvollen und guten ReReleases, die Universal unter dem Banner „Deluxe Edition“ wieder auf den Markt bringt. Die jeweils zusätzlichen, meist bis dato unveröffentlichten Songs, machen diese Editionen für echte Fans unverzichtbar, wie auch in diesem Fall.

THE DIRECT HITS Here, There Or Anywhere Cherry Red Records

rp Die englische Neo-Mod-Band The Direct Hits (wahrscheinlich Bezug nehmend auf ein Album von The Who von

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1968) existierte von 1982 bis 1986 und veröffentlichte in dieser Zeit zwei Alben (1984 «Blow Up!» und 1986 «House Of Secrets») und mehrere heute rare Singles. Einige auf dem legendären Whaam! Records Label (Television Personalities, The Times). «Here, There Or Anywhere» vereint 23 Songs aus beiden Alben, rare Singles, Demos und Livesongs. Neben anderem die erste Single «Modesty Blaise» (1982), die der gleichnamigen Comic-, Roman- und Filmfigur gewidmet ist, das kontroverse «What Killed Aleister Crowley» (über den Tod des Satanisten Aleister Crowley ) und eine Live-Version des Titelsongs der US-Serie The Munsters («Theme From The Munsters»). Qualitativ kann sich das Trio um Colin Swan und Geno Buckmaster durch aus mit damaligen Bands (Secret Affair, The Merton Parkas, Lambrettas, the Jolt u.a.), man schreibt anfangs der achtziger Jahre, des ersten Mod-Revivals messen. An The Jam aber auch The Squire reichen The Direct Hits aber nicht heran.

gelungen ist und man diese kleine Box gerne im Regal stehen hat, aber die Spannungsmomente werden vermisst und das Besondere fehlt. Über die offizielle Website allerdings, kann der Konsument eine streng limitierte 3-CDFan-Box käuflich erwerben, die nicht im Handel erhältlich ist. Auf dieser ominösen dritten CD (wen wundert's?) ist genau das zu finden, was hier bei der „normalen“ Doppel-CD so schmerzlich vermisst wird. Schade!

RAINBOW The Polydor Years (7LP, 1 DoLP) Universal

ASP Per aspera ad aspera Soul Food/Musikvertrieb

em. Mit dem vorliegenden Werk (2 CDs) „Per aspera ad aspera“ bieten ASP einen eindrucksvollen Querschnitt durch ihr Schaffen. Gegründet wurde die Band 1999. Bekannt wurde sie vor allem durch den Zyklus um den „Schwarzen Schmetterling“, um den sich die ersten fünf Alben drehten. Nicht wenige Outputs später sind ASP nun bei dieser Art BestOf-Veröffentlichung angelangt, die vor allem für neue Anhänger der GothicNovel-Rock-Formation ganz interessant sein dürfte. Eingefleischten ASP-Fans blutet bestimmt das schwarze Herz beim Blick auf die Trackliste. Alles gut und schön, wunderbar gemischt und für jeden etwas dabei. Doch reicht das? Nein, tut es nicht! Natürlich ist das Material solide ausgesucht worden, aber lieblos. Zum Beispiel „Zauberbrüder“ (Albumversion featuring Eric Fish von Subway To Sally), „Stille der Nacht“ (Horror-Vacui-Version), „Die Ballade von der Erweckung“ oder auch „Die Kreatur mit der stählernen Maske“. Es figurieren weder unveröffentlichte Lieder, noch coole Coverversionen oder sonstige „andersartige“ Stücke, die einen Hardcorefan zum Kauf animieren würden. „Per aspera ad aspera“ ist nice to have, weil vor allem die Aufmachung sehr

lg. Nach der Würdigung der SingleReleases von Rainbow mit dem Boxset aus dem 2013 und der früheren Re-releases der wesentlichen Alben der Rocklegende als Deluxe-Editionen mit wertigem Bonusmaterial folgen nun die Alben der Jahre 1975 bis 1983 als stattliche Vinylausführungen (ausnahmslos 180 Gramm Vinyl sowie teilweise Klappcover mit durchgehend sehr guter Druckqualität) . Schon auf dem ersten, selbstbetitelten Album konnte die nach dem Ausstieg von Richie Blackmore bei Deep Purple um ihn formierte Band ihr unglaubliches Talent ein erstes Mal in Szene setzten – auch dank dem grandiosen Sänger Ronnie James Dio. Musikalisch tönte man damals noch eher wie eine Mischung aus der alten Band Dios und der anderen Musikers auf dem Debüt, Elf, und sanfteren Deep-Purple. Doch machte Blackmore nie einen Hehl aus seiner Verehrung von mittelalterlichen Sounds. Der Hit ist hier „Man On The Silver Mountain“. Schon nach dem Erstling drehte sich das Blackmore'sche BesetzungswechselKarussell und Cozy Powell (dr.), Jimmy Bain (bs.) und Tony Carey (keys) stiessen zur Band (dies gilt auch als das klassische Line-Up). „Rising“, der Zweitling, gilt als der absolute Klassiker von Rainbow – die Keyboards waren richtige Synthesizer (und keine Hammond-Orgeln wie die Konkurrenz), die Songstrukturen sehr komplex und spannend (auch aufgrund der orientalischen und mittelalterlichen Einsprengsel) und vor allem die sechs Songs magisch und unsterblich (insbesondere das Epos „Stargazer“). „Rising“ ist eines der allerbesten HardRock Alben aller Zeiten und ist Pflicht. Danach konnten Rainbow nur schwächere Alben machen – dennoch sind die


späteren „Long Live Rock'N'Roll“ (1978, das letzte Album mit Dio und mit den Supersongs „Gates To Babylon“ und „Kill The King“) sowie „Down To Earth“ (1979 mit Graham Bonnett an den Vocals – und den Megahits „Since You Been Gone“ und „All Night Long“) auch als Klassiker

einzustufen. Zwar sind die folgenden Alben aus den 80er Jahren „Difficult To Cure“ (1981), „Straight Between The Eyes“ (1982) und „Bent Out Of Shape“ (1983) mit Joe Lynn Turner an den Vocals keinesfalls viel schlechter, doch sind diese recht kommerziell und lassen die Magie und Mystik der Alben mit Dio aus den 70er

Jahre vermissen. Abgerundet wird dieses schöne Boxset durch die tolle Live DoppelLP „On Stage“, welche ausschliesslich mit Songs aus der Dio-Phase daherkommt und somit essentiell ist. Super, dass auch ein Download-Code für alle Alben dem Boxseit beiliegt – dies sollte nunmehr Standard sein. Sehr empfehlenswertes Teil!

Buch Review Christof Graf

JOE COCKER Die Biografie Mit Gänsehaut durch die Jahrzehnte Hannibal Verlag hh. Im Vergleich zu vielen anderen Superstars der Musikszene, gibt es über den Mann aus Sheffield relativ wenig zu lesen. Geschweige denn, eine ausführliche Biografie. Der Autor Prof. Dr. Christof Graf, offenbar ein bekennender CockerFan, hat hier nun Abhilfe geschaffen und legt uns das Leben des Aufstehmännchens mit der einzigartigen Raspelstimme in Buchform vor. Der Unterhaltungswert hält sich in Grenzen, Graf listet über weite Strecken Ereignisse auf, wie Erscheinungsdaten der Cocker-Discografie, Songund Albentitel etc. – das alles liest sich wie ein WikipediaEintrag mit der einen oder anderen Anekdote. Graf geht dabei ziemlich oberflächlich zu Werke, seine Recherchen lassen Tiefgang und Einfühlungsvermögen und vor allem fundierte Kenntnisse der frühen britischen Bluesrock-Szene vermissen. So wird beispielsweise Cocker's erste Band, The Grease Band, gerade mal mit ein paar Zeilen abgehandelt, dabei gehörten sie den wichtigsten Grundsteinen der Cocker Karriere. Kommt dazu, dass Grease Band Gitarrist Henry McCullough seinerzeit zu den hochrespektierten Musikern Britanniens zählte und dort bis heute einen legendären Ruf besitzt. Da hätte der Leser schon mehr Information erwartet. Und so geht es durch das ganze Buch, Graf bringt eigentlich nichts, was der Cocker-Fan nicht ohnehin schon weiss. Nur ein Beispiel für seine mangelhaften und oberflächlichen Recherchen ist der Kurzbeschrieb von Cocker's Auftritt in der deutschen TVSendung „Ohne Filter“: „Unterstützt wurde der Vokalist von namhaften Instrumentalisten, die alle in anderen Zusammenhängen schon ihre Klasse bewiesen haben“. Ja, mein lieber Prof. Dr. Graf, wer zum Teufel waren denn diese Instrumentalisten? Muss der an Details interessierte Leser nun auch noch rumgoogeln, um solche Infos zu bekommen? Graf beruft sich in seinem Buch permanent auf Artikel und Interviews aus anderen Medien wie Rolling Stone oder MusikExpress, hat aber selbst auch persönlich mit Cocker gesprochen. Im Grossen und Ganzen ist diese Cocker-Bio ein grober Abriss seines Lebens ohne Tiefgang. Der Unterhaltungswert hält sich in sehr überschaubaren Grenzen und der Untertitel „Mit Gänsehaut durch die Jahrzehnte“ ist mehr als irreführend, denn von Gänsehaut oder Spannung ist hier weit und breit nichts zu lesen. Eine derart langjährige Karriere wie die von Joe Cocker, mit all diesen Höhen und Tiefen, hätte wahrlich mehr verdient, als das oberflächliche Geschreibe von Christof Graf.

BRIAN EPSTEIN Die Autobiografie Der fünfte Beatle erzählt Hannibal Verlag hh. Brian Epstein nahm 1961 die da noch relativ unbekannten Beatles unter ManagementVertrag und bereitete den Weg der Fab Four zur erfolgreichsten Popband der Welt. Epstein starb 1967 im Alter von 33 Jahren an einer Überdosis Schlaftabletten. Über Epstein kursierten zum Teil die abenteuerlichsten Gerüchte, beispielsweise, dass er ein Verhältnis mit John Lennon gehabt haben soll. Was da Dichtung und Wahrheit ist, wird wohl immer in der Grauzone bleiben. Bestätigt haben das jedenfalls weder Epstein noch Lennon. Neben den Beatles war Epstein auch als Manager für 60s-Grössen wie Gerry & The Pacemakers, die die Fussball-Hymne „You Never Walk Alone“ verfassten, Billy J. Kramer und Cilla Black tätig. Epstein bewies grösstenteils ein goldenes Händchen bei der Auswahl seiner Schützlinge und machte sie zu den erfolgreichsten Acts nicht nur in Britannien. Erstaunlich ist Epstein's Erfolg, da er zum Zeitpunkt der Untervertragsnahme der Fab Four keinerlei Ahnung vom Business hatte. Er leitete eine Schallplattenabteilung, die im elterlichen Möbelgeschäft in Liverpool eingerichtet war. Allerdings hatte er die Fähigkeit, in unbekannten Songs potentielle Hits zu entdecken und seine Schützlinge geschäftlich hervorragend zu leiten. Das vorliegende Buch wurde 1964 von Epstein in Zusammenarbeit mit seinem Assistenten Derek Taylor selbst verfasst, um seine ersten Jahre und Erfolge im Showbiz zu dokumentieren. Epstein erzählt flüssig, unterhaltsam und spannend und bietet zudem einen sehr interessanten Einblick in die Jahre, als der Beat das Laufen lernte. Echte Neuigkeiten in Bezug auf den Werdegang der Beatles gibt es indes wenig, über die Liverpooler Superstars ist inzwischen alles und noch mehr publiziert worden. Interessant ist aber, diese ganzen Geschichten von einem direkt Beteiligten zu erfahren und das eine oder andere in diesem Buch dürfte im Detail auch Beatles-Fans noch nicht bekannt sein. Die Epstein-Biografie ist nicht nur für Beatles-Fans sehr empfehlenswert, hat einen hohen Unterhaltungswert und katapultiert den Leser direkt in die musikalische Aufbruchstimmung Englands bzw. Liverpools, der Wiege des sogenannten Mersey-Sounds, aus dem dann ein völlig neues musikalisches Zeitalter erwuchs.

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LIVE REVIEWS SLASH featuring MYLES KENNEDY AND THE CONSPIRATORS, MONSTER TRUCK Basel, St. Jakobshalle

15.11.2014

Foto: Roman Thaler

mh. Wie schon vor zwei Jahren, als Slash für Mötley Crüe eröffnete, war auch diesmal der Himmel über Basel wieder wolkenverhangen und der Regen prasselte auf die heranströmenden Menschenmassen nieder. Glücklicherweise hat es diesmal nicht mehr horizontal geregnet und so konnten die T-Shirts dann erst während des Konzerts durchnässt werden und zwar von Schweiss und nicht durch Regen. Auf jeden Fall ist es keine schlechte Option einen verregneten, kalten und nebligen Samstagabend in der St. Jakobshalle zu verbringen, und erst recht nicht, wenn der Mann mit der Krausefrisur mit seinem singenden Alter Bridge-Freund zum Tanz laden. Mit dem neuen Album „World On Fire“ sind Slash und Co. zurzeit auf grosser Welttournee und haben für eine Nacht in Basel Halt gemacht. Den musikalischen Auftakt aber machten die vier Herren von Monster Truck. Musikalisch und optisch würde man die Band irgendwo in den Südstaaten der USA ansiedeln. Daran täte man aber falsch, denn Monster Truck stammen aus Ontario, Kanada. Mit ihrem ehrlichen, dreckigen und handgemachten Südstaaten-Rock konnte die Band auf jeden Fall schon mal einige Ohren für sich gewinnen. Die Halle war zu Beginn ihres Sets auch bereits anständig gefüllt. Karussell-Musik läutete dann pünktlich um 21.00 Uhr den Auftritt des Headliners ein. Unter frenetischem Jubel betraten sie die Bühne und fegten gleich mit dem Song „You're A Lie“ los. Mit „Nightrain“ wurden dann bereits die Guns N' Roses-Fans mit entsprechenden T-Shirts in der ersten Reihe beglückt. Und natürlich auch alle anderen, die noch immer dem Original-Line-Up nachträumen. Über den restlichen Konzertverlauf wurden dann nochmals ganze sechs Guns N' Roses-Songs verteilt. Immer wieder sehr zur Freude des Publikums. Bis auf „Out Ta Get Me“, das vom Bassisten Todd Kerns gesungen wurde, hat jeweils Myles Kennedy den Axl stimmlich ersetzt. Kennedy hatte dafür auch das bessere Talent als Kerns. Einen zweiten Song hat Todd Kerns ebenfalls noch gesungen und zwar „Doctor Alibi“, den Song den Lemmy Kilmister auf dem 2010er Album von Slash eingesungen hat. Und diesmal hat Kerns Stimme perfekt gepasst. Das Schweizer Publikum wurde dann auch noch mit einer Live-Premiere vom Song „Withered Delilah“ beglückt, das vom aktuellen Album stammt. Grundsätzlich darf ja jeder selber darüber entscheiden ob Solis an Konzerten toll sind oder weniger. Und wenn jemand ein Anrecht auf ein ausgedehntes Solo hat, dann wäre das ganz bestimmt Slash, keine Frage. Natürlich hat er diese Gelegenheit auch genutzt und zwar während dem G N'R-Song „Rocket Queen“. Meine Fresse… alle Gitarrophilen werden mich jetzt bestimmt für diese Aussage hassen… aber meiner Meinung nach hätte es ein 2 Minuten-Solo auch getan. Bei einem schätzungsweise 8-10 Minuten langen Gitarrensolo bleibt die konzentrierte Aufmerksamkeit und Wertschätzung irgendwo auf

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der Strecke und irgendwie verpufft die ganze Live-Energie im Raum. Als dann Kennedy wieder aus seiner Gesangspause zurückkehren durfte, kehrte wieder Leben in die Bude. Abgerundet wurde der ganze Abend nach total 20 Songs und zwei Stunden mit „Sweet Child O'Mine“, dem Velvet Revolver Song „Slither“ und selbstverständlich „Paradise City“. So richtig amerikanisch wurden dann während dem letzten Song die Konfetti-Kanonen gezündet und tauchten so, zumindest die vordere Hallenhälfte in ein Meer aus flatternden Fetzen. Ich mag das, und somit ist auch das lange Solo wieder verziehen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Myles Kennedy irgendwann nicht plötzlich zu schade ist, Konzert für Konzert die guten alten Guns N' Roses-Klassiker aufzuwärmen…


LIVE REVIEWS KILL IT KID Zürich, Kinski

26.10. 2014

mg. Auch ein grossartiges, schweisstreibendes Rockkonzert kann sich vor allem dank eines besonders leisen Moments für immer in den Erinnerungen der Besucher manifestieren. Denn es gibt diese magischen Augenblicke, wenn die letzten Klänge eines Liedes bereits Geschichte sind, das Publikum atem- und bewegungslos dasteht und erst einen Moment zu spät ein frenetischer Applaus einsetzt. Einen solchen Augenblick der andächtigen Stille erlebte die britische Band Kill It Kid am Sonntag, 26. Oktober 2014 im Zürcher Kinski. Als Sänger und Gitarrist Chris Turpin und Pianistin und Sängerin Stephanie Ward für die erste Zugabe allein auf die Bühne kamen und zusammen "Law Of Love", das letzte Lied ihres neuesten Albums "You Owe Nothing", anstimmten, passierte auf der Bühne noch viel mehr, als das Entstehen wunderbarer Melodien. Die Band um Ausnahmetalent Chris Turpin - der beim Soundcheck wie ein kleiner, schüchterner Junge wirkt, der dann aber vom ersten Song an mit einer derartig kratzigen, umfassenden Stimm-Range überrascht, dass man sich immer wieder fragt, wo der dürre blonde Junge dieses Volumen hernimmt – gehört zu einer neuen Garde von Bluesrockbands, zu der auch Amerikaner wie die Rival Sons oder die Briten The Temperance Movement gehören und die vor allem in Europa grosse Erfolge feiern. In krisengeschüttelten Zeiten überbordender Digitalisierung scheint "echte" Musik ein starkes Bedürfnis zu sein. Und was Chris Turpin aus seiner Gitarre herausholt, ist mehr als echt. Wenn er irgendwann zu Boden geht und bis zur Erschöpfung auf seiner Klampfe herumschrammelt, kann man sich seiner Energie nicht mehr erwehren. Und so laut er eindringliche, bluesschwangere Songs wie "I'll Be The First" oder "Wild And Wasted Waters" ins Mikrofon singt, so leise bedankt er sich nach jedem Lied bei den Zuschauern für den Applaus. Aber auch Pianistin und Sängerin Stephanie Ward überzeugt vor allem live mit einer markanten Gänsehaut-Stimme, die in perfekter Symbiose mit Chris Turpins Kratzorgan funktioniert.. "Es ist ziemlich aufregend für Stephs Stimme zu schreiben“, so Chris Turpin, "sie ist wie ein Spiegelbild meiner Stimme. Sie ist nicht nett

und nicht süss – sie ist gefährlich.“ Aber nicht nur stimmlich sind die beiden eine perfekte Einheit. Bassist und Drummer der Band werden von der Chemie zwischen Chris und Stephanie immer wieder in den Hintergrund gerückt. Nicht erst bei "Law Of Love" wird klar, dass nicht nur künstlerisches Schaffen beide verbindet. Und so überzeugt nicht nur die schweisstreibende, intensive Darbietung von Songs aller drei Alben der Band restlos – wer die Briten auf CD mochte, wird live noch viel mehr erleben, denn erst auf der Bühne offenbart sich, was sie nebst viel Talent und Leidenschaft einzigartig macht. Chris und Stephanie strahlen eine solche Magie aus, dass das Publikum regelrecht verzaubert wird. Kaum ein Moment vergeht, an dem sie sich nicht berühren, ansehen oder nonverbal kommunizieren und so eine Intimität schaffen, die gerade in kleine Clubs auch den letzten Zuhörer in ihren Bann zieht. "Die oberste Prämisse dieser Band ist es, etwas Einfaches und zugleich Ehrliches zu erschaffen", so Chris Turpin. Eine Ehrlichkeit, die perfekt zu dem passt, nach dem sich die Gesellschaft heute sehnt. Nicht nur sind Kill It Kid nach monatelang währenden Touren, bei denen sie Tag für Tag auftraten, um entdeckt zu werden, eine perfekt eingespielte Liveband - die Entwicklung, die sich beim Hören der Alben nachvollziehen lässt, verspricht eine grosse Zukunft. Mehr Dreck, mehr reissende Riffs und ein Gespür für eindringliche Refrains machen vor allem das aktuelle Album zum Hitgaranten. Nicht zuletzt haben Killt It Kid mit "Caroline" eine starke Single geschrieben, die mit einem Hauch Kitsch und gleichzeitig eindringlichen Giarrenriffs auch das Publikum im gut gefüllten Kinski zum lauten Mitsingen brachte. Einziger Wehrmutstropfen: Mit einer knappen Stunde Spielzeit war der Auftritt von Kill It Kid so schnell vorbei, dass man sich erstaunt die Augen rieb, als die Band von der Bühne verschwand. Gleichzeitig war man aber auch froh, denn nach einer so heissen Show voll unterschiedlichster Emotionen und ungezwungener Leichtfüssigkeit, brauchte man dringend eine Abkühlung.

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LIVE REVIEWS LUCERNE BLUES FESTIVAL BLACKBERRY SMOKE, MASSIVE Zürich, Komplex Club 31.10. 2014 hh. Das ging schon mal gut los an diesem Freitagabend. Vollstau am Autobahnende in Zürich, im Schleichtempo gings vorwärts (immerhin!). Überraschung dann am Komplex, eine lange Schlange von Menschen staute sich vor dem Gebäude und ich dachte mir: die passen nie und nimmer in den Club rein und sehen auch nicht gerade wie Rockfans aus. Auflösung: im Komplex 457 fand zeitgleich ein Hip Hop Konzert statt. Nichtsdestotrotz war auch der kleinere Club ausverkauft, was aber keine Überraschung war, denn die aktuelle Tournee der amerikanischen Southernrocker musste europaweit auf Grund der grossen Ticket-Nachfrage überwiegend in grössere Hallen verlegt werden. In Zürich aber nicht, was dazu führte, dass der Club rammelvoll war. Das freut natürlich den Veranstalter, in diesem Fall die meisten Besucher aber nicht. Hauptgrund zum einen, die Bühne ist sehr niedrig und so hatten kleinere Personen keine Chance, einen Blick auf die Band zu werfen. Ok, das ist in vielen anderen Clubs leider auch so, aber da kommt man wenigstens trotz eingeschränkter Sicht in den Genuss eines guten Sounds bzw. hört überhaupt irgendwas. Und davon konnte hier nur die vordere Hälfte der Fans profitieren, weiter hinten kam gar nichts nichts mehr an. Der Sound war so leise, dass die Gespräche der Besucher lauter als der Sound von der Bühne war. Ein massives Ärgernis, das die grosse Begeisterung der Besucher nach und nach schwinden liess. Spätestens, als Blackberry Smoke gegen Mitte des Konzerts einige ihrer schönen ruhigen Songs spielten, machte sich der Unmut Vieler durch Pfiffe bemerkbar. Von den Songs war schlichtweg nichts mehr zu hören, keine Keyboards und noch nicht mal das Drum kamen in den hinteren Rängen an, den Gesang musste man sich denken, die Gitarren waren nur am Rande auszumachen, lediglich der Bass liess ab und zu mal ein paar Brummtöne hören. Und wir reden hier wohlbemerkt nicht über einen ChansonAbend, sondern über ein Rockkonzert! Absolut frustrierend, vor allem für die vielen Besucher, die oft sehr lange Anfahrtswege in Kauf genommen hatten, um diese Band bei ihrem einzigen Schweizer Konzert zu sehen. Und so lichteten sich die Reihen noch vor Konzertende beträchtlich, denn, auch dieses sei hier einmal bemerkt, an Getränke kamen nur wenige Glückliche heran. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie man in einem ausverkauften Club gerade mal drei Leute hinter die Bar stellt, die den ganzen Ansturm bewerkstelligen sollen. Das schafften sie natürlich nicht und so musste man (mit Glück) schon mal eine halbe Stunde warten, bis man sich ein Bier in den ausgetrockneten Hals schütten konnte, wenn man überhaupt eins bekam. Nicht sehr wenige gingen deshalb in die Imbissbude vis-a-vis und löschten dort den Brand. Fazit: Zu dem Konzert kann ich praktisch nichts sagen, denn ich habe nichts gehört. Ein Besucher, der sehr weit vorn am Bühnenrand stand, sagte mir aber, der Sound dort sei sehr gut gewesen und die Band hätte fantastisch gespielt. Ein schwacher Trost bzw. noch grösserer Frust für mich und über die Hälfte der Fans. Alles in Allem liess die Organisation zu wünschen übrig und es ist dringend angeraten, hier nicht nur soundtechnisch schnellstens die notwendigen Verbesserungen durchzuführen, was ja wohl nicht so schwer sein kann (vielleicht ein paar Boxen im hinteren Teil des Clubs aufhängen bzw. die vorhandenen aktivieren). Immerhin zahlt der Besucher Eintritt und hat somit ein Recht auf ein möglichst ungetrübtes (Hör-)Erlebnis und etwas zu trinken. Der Veranstalter kann sich glücklich schätzen in der friedfertigen Schweiz zu sein. In vielen deutschen, holländischen und vor allem englischen Clubs wäre an diesem Abend der Laden gründlich auseinandergenommen worden.

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Luzern, Grand Casino Fotos: Urs Breig

15.11. 2014

ub. Was für ein Blues-Abend der Meisterklasse! Pünktlich betritt der bestens gelaunte „Heavy Weight Champion of the Blues“ die Bühne des restlos ausverkauften Panoramasaals im Grand Casino Luzern. Sugaray Rayford eröffnet mit seiner neunköpfigen Band inklusive Bläsersatz den zweiten Samstagabend der 20. Austragung

des Festivals. Der Frontmann der Mannish Boys hat sein Solo-Debüt „Dangerous“ und Harpspieler Bob Corritore, der als Clubbesitzer und Produzent hohes Ansehen in der BluesSzene geniesst, mit im Gepäck. Voller Energie und Humor entpuppt sich der texanische Hüne und ehemalige Avocado-Farmer Rayford als echte Rampensau und singt (teils ohne Mikro), dass die Wände wackeln. Dabei gibt er sowohl Klassiker wie „Born Under A Bad Sign“ von Albert King oder “Voodoo Woman”, aus dem ein Funk-Blues wird, als auch eigene Stücke (“Stuck For A Buck”) zum Besten. Der kräftige Mann mit der Zigarre und seine Band sind ein Live-Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Sugaray Rayford ist schlicht eine Offenbarung! Wie schade, dass der Gig nach gut 75 Minuten schon vorbei ist. Während der kurzen Umbaupause warte ich neugierig auf Cyril Neville, den Jüngsten der legendären Neville Brothers aus New Orleans. Wer seichte R&B-Tracks erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt: „Rock'n'Roll is the child of Rhythm & Blues“. Diesem Kind widmet sich die Band, die wesentlich rockiger aufwartet als vermutet, ausgiebig. Die hart arbeitende All-StarCombo um Neville wird durch seine Kumpels der Royal Southern-Bruderschaft, Drummer Yonrico Scott (Derek Trucks Band) und Bassist Charlie Wooton, ergänzt. Neville serviert BluesMeilensteine wie Muddy Waters “Can't Miss What You Never Had” sowie Stücke aus seinem letzten Solo-Album „Magic Honey“. Leider hat er nicht die Bühnenpräsenz eines Sugaray Rayford und versteckt sich auch gerne mal hinter seinen Perkussionsinstrumenten. Dennoch ist der Mann sympathisch und für sein Alter sehr agil. Wootons Ampeg Bass-Amp ist jedoch derart


LIVE REVIEWS

dominant, dass es dann auch in Ordnung geht, das Konzert mit Samba-Rhythmen ausklingen zu lassen. Die ungeduldig erwartete und als Jubiläumsgeschenk angekündigte Ikone Delbert McClinton erscheint mit leichter Verspätung. McClinton, der in seiner über 50-jährigen Karriere den ganz grossen Durchbruch nie schaffte, war schon länger auf der Wunschliste des Lucerne Blues Festivals. Als Bluesund Country-Sänger zählt er zu den Wegbereitern des Americana. Grössere Bekanntheit erlangte er erst in seiner späteren Schaffenszeit mit „Good Man, Good Woman“ (im Duett mit Bonnie Raitt) und dem Titelsong "Weatherman" (1993) aus Bill Murrays Film „Groundhog Day“. Die BackingBand besteht aus langjährigen Begleitern McClintons.

Auffallend ist der coole Gitarrist Bob Britt (Leon Russell, Bob Dylan und John Fogerty) mit abgewetzter Stratocaster sowie Weltklasse-Saxofonistin Dana Robbins, die mit Roger Daltrey, Frank Zappa und Aretha Franklin spielte und kraftvolle Soli raushaut, die Gänsehaut verursachen. Delbert McClinton präsentiert eine erstklassige Blues- und Rock'n'Roll-Show, garniert mit Country („Shotgun Rider“) und Hits, wie der FunkRocker “Standing On Shaky Ground” oder das jazzige “People Just Love to Talk”. Es ist nach Mitternacht, als Buckwheat Zydeco mit seinem Akkordeon den Cajun-Sound der ehemaligen französischen Kolonie Louisiana darbietet. Leider muss ich den letzten Zug erreichen. Zurück bleibt ein eindrucksvolles BluesErlebnis auf allerhöchstem Niveau!


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CANNED HEAT

FOX

MANOWAR

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COLD SPECKS

HERBERT GRÖNEMEYER

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MARLON ROUDETTE

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JEFF BEADLE

OBITUARY

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OF MICE & MEN

DEATH BY CHOCOLATE

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JOOLS HOLLAND

OLLY MURS

DELILAHS

7.3. Zürich, Moods

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KARNIVOOL

PALOMA FAITH

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KATZENJAMMER

PAROV STELAR BAND

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KISS

PAUL SIMON & STING

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27.3. Zürich, Hallenstadion

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KODALINE

PERE UBU

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DIE ANTWOORD

KONSTANTIN WECKER

PHIPU GERBER DÖGZ

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DIE FANTASTISCHEN VIER

KRAFTKLUB

QUEEN & ADAM LAMBERT

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DROPKICK MURPHYS

LAIBACH

REA GARVEY

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präsentiert ROYAL BLOOD

THE ANSWER

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SCOTT BRADLEE

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SIMPLE MINDS

THE BLACK KEYS

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THE DECEMBERISTS

3.4. Luzern, Schüür

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7.3. Winterthur, Salzhaus

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THE SCRIPT

20.3. Fribourg, Fri-Son

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THE TREATMENT

14.4. Bern, Bierhübeli

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TRICKY

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USHER

TENACIOUS D

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VITA BERGEN

BETH HART 21.4. Zürich, Volkshaus

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15.3. Zürich, Hallenstadion

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* mit Kissin' Black

10.01.2015 Gewerbehalle (Unplugged) * Luzern 31.01.2015 Restaurant Schützen * Basel 07.02.2015 Pontem * Herisau 21.02.2015 La Cantina Chez Marco Genf 02.05.2014 Downi * Worblaufen


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THE KOOKS

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«My Only Shelter»

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SONS OF MORPHEUS

PIGEONS ON THE GATE

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Beatrix Schmocker beatrix@tracks-magazin.ch T +41 (0)79 797 35 81

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Tracks 1 15 (Januar/Februar 2015)  

Das grösste Schweizer Gratis-Print-Musikmagazin informiert aktuell über Pop, Rock, Metal, Blues, Country/Americana sowie über die Live-Szene...

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