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Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass «Amore, Spaghetti E Revoluzione» als Soundtrack geschrieben wurde, der Film dann aber nie gedreht wurde.

GLORIA VOLT Gloria Volt EP Subversive Records

hh. Die Winterthurer Hardrocker geben mit ihrer 5-Track-EP ein gelungenes Debüt. Schweisstreibender Rock im Gefolge von AC/DC oder The Cult zu „Electric“-Zeiten, heisst also rauer Gesang, knochentrockene Gitarrenriffs, pumpender Bass und treibende Drums. Sänger Fredi Volvo präsentiert sich als versierter Rock-Shouter mit einem ausgeprägten Gespür für echte Stadion-Mitgröhl-Refrains. Die Band rockt routiniert (alle Bandmiglieder haben bereits jede Menge Live-Erfahrung mit ihren jeweiligen früheren Truppen gesammelt) im Up-Tempo-Bereich und zeigt jede Menge Spielfreude. Und da spielt es überhaupt keine Rolle, dass der hier verewigte Sound durchweg traditioneller Riff-Rock ist und schon von anderen Strategen 1000x in ähnlicher Form in die Ohren der Rockfans gedrückt wurde. Gloria Volt machen ihren Job hervorragend, sorgen für jede Menge Spass und sind der passende Sound für jede Rockparty.

erhält. Und natürlich auch daran, wie sehr sich jemand mit der jeweiligen Kultur auseinander setzt. In beiderlei Hinsicht kann der Basler Reggae- und Worldmusiker Famara (eigentlich Thomas Nikles) einiges vorweisen. Anlässlich eines erfolgreichen Auftrittes am Festival zur Unabhängigkeit Gambias vor 15000 Zuhörern wurde in einer lokalen Zeitung folgendes geschrieben: «Swiss Reggae Star in Town». Es folgten Touren in Mali und Senegal. Am Anfang seiner musikalischen Karriere besuchte Famara einen Perkussions-Workshop, der ihn das erste Mal in Berührung mit afrikanischen Rhythmen brachte. Weitere Erfahrungen sammelte er in Afro- und Latinbands. Und darüber hinaus hat er bereits die Bühne geteilt mit Seed, Gentlemen, Ziggy Marley, Youssu N'Dour, Alpha Blondy und Tiken Jah Fakoly. Diese Erfahrungen geben seinem neuen, nunmehr siebten Werk (ohne die Zusammenstellung «The Sound Of Famara» von 2010) die nötige Authentizität, man könnte fast sagen, die höheren Weihen. Und natürlich kann Famara Songs schreiben, die das Lebensgefühl dieser Musik wiedergeben. Also Musik, die in Beine geht.

KUMMERBUBEN Weidwund Kubu Records

N-Gage

rp. Die Qualität einer für schweizerische Verhältnisse untypischen Musik kann daran gemessen werden, welche Resonanz der jeweilige Musiker im Heimatland dieser Musik

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Hörvergnügen. In „Pickin And Pluckin“ fühle ich mich in einen alten Club versetzt und höre Luther Perkins an der Gitarre. Ein hervorragend gespielter Song, der toll in die Songwahl passt. Auf „White And Clear“ ist Träumen angesagt. Schöner Gesang und ein toll arrangierter Song, der wieder durch seine Schlichtheit besticht. Bei

„Daydreamin Man“ fehlt mir nun wirklich der Gesang von Johnny Cash. Ein schönes Americana / Folk Album, das für Schweizer Verhältnisse seinesgleichen sucht. Hoffentlich finden Rita Hey ein breites Publikum und können Rita und Tiziano mit Band auch live so überzeugen, wie auf diesem Album.

STILLTONE Daydream Downfall Starwood Records

RITA HEY In The End You Will Find That We Are Right Fontastix

FAMARA The Cosmopolitan

Vordergrund, manchmal bewusst etwas schräg. Und dazu jaulen die Klarinetten und schmettern die Bläser, umschmiegt von elektrischen Gitarrenklängen. Während die ersten Songs noch dazu auffordern, das Tanzbein zu schwingen, werden die Songs zunehmend düsterer. Zu einer Art Militärmarsch-Schlagzeug erzählt der Song Mondfisch von einer alten Sage aus dem Mittelmeerraum, wonach der Mond jeden Morgen ins Meer falle und sich in einen Fisch verwandle. Doch auch wenn die Nachdenklichkeit weicht und die Songs wieder Fahrt aufnehmen wie in „Schwalbe“ oder in „D Hoffnig si di Truurige“, die Sehnsucht oder eine Prise Melancholie ist ein ständiger Begleiter auf diesem Album. Und trotzdem ist es eine äusserst vergnügliche Sache, den Kummerbuben bei ihrer Arbeit zuzuhören. Immer wieder huscht einem ein Lächeln übers Gesicht, zum Beispiel beim Dixieland angehauchten „Chalb“, das so daherkommt, als würde es aus einem uralten Radio oder Plattenspieler erklingen. Den Schlusspunkt setzt „Afrika“, ein von vielen Instrumentalteilen geprägter Song, in dem sich die Zugvögel auf den Weg in den Süden machen, und die Schlepperschiffe in die umgekehrte Richtung von Afrika nach Lampedusa. Eine aktuelle Anspielung auf die Situation vieler Flüchtlinge, die aus Afrika kommen, um in Europa ein besseres Leben zu finden.

pc. Alte Volkslieder, frisch aufgepeppt im rockigen Kleid, mit diesem Rezept sind die Kummerbuben gross pardon bekannt geworden. Dem dritten Album „Weidwund“ haftet zwar noch immer dieses Rumpelartige oder Zigeunerhafte an, doch stammen die Songs nun aus der eigenen Feder. Und die Texte sind obskur, verzerrt und märchenhaft: „Für ne giftgrüene Momänt hani vergässe wäri bi“, singt Frontmann Simon Jäggi im Opener „Absinth“. Und in „Wild im Härz“ bringen die Kummerbuben auf den Punkt, worum es ihnen im Wesentlichen geht: Um Sehnsucht, Liebe und Fernweh. Zwischen den Melodien drängen sich Riffs in den

mey. Das zweite Album des Schweizer Duos „Rita Hey“ lässt sich am ehesten in die Stilrichtung von traditioneller Singer / Songwriter Vorbilder, sowie Einflüssen von Americana und Folk Künstlern einordnen. Rita Peter, Gesang und Gitarre und Tiziano Marinello an den Gitarren sind „Rita Hey“. Melancholische Liebeslieder und bewegte Lebensgeschichten vereinen sich zu einem schlichten Album, das zum Zuhören einlädt. Rita Hey bewegen sich immer zwischen Johnny Cash und Songwritern wie Bob Dylan. Der erste Song auf dem Album „In My Chest“ groovt in Cash-Manier ab. Weiter geht es auf der ruhigeren Spur in „Rest Your Mind“. Die Schlichtheit der einzelnen Songs und die schöne Stimme von Rita Peter machen die Lieder zum

hh. In der Romandie konnte das Quartett mit „When I Look In The Mirror“ und „The Game“ aus dem Debütalbum „13 States Of Mind“ zwei Radiohits landen. Das ist nun bereits vier Jahre her und auf ihrem neuen Longplayer setzt die Gruppe ihren Weg schlüssig fort. Allerdings ist „Daydream Downfall“ bei aller Entspanntheit um einiges rockiger und direkter geraten. Geblieben sind die schönen Popmelodien , die hier und da eine gesunde Portion Pathos aufweisen. Mit Sänger Don Generale, der auch die Keyboards bedient, hat die Band einen charismatischen Vocalisten im Line-Up, der den Songs durch eingängige Melodien Glanz verleiht. Die Stärken der Band liegen eindeutig in zurückhaltenden und unaufdringlichen Liedern,

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TRACKS Magazin 3 12 (Mai/Juni 2012)  

Das grösste Schweizer Gratis-Musik- und Veranstaltungsmagazin

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