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DIE TÜR ZU UNS SELBST

von Prem Rawat All unsere Dramen, all unsere Vorstellungen, alles, was wir mö­gen und nicht mögen, alles, was geschieht und woran wir

es gibt eine frage, die selten gestellt wird

unser Leben messen, ist nur ein Traum. Nichts als ein Traum. Aber inmitten all dieser Träume gibt es eine Wirklichkeit, die so schön, so erstaunlich, so unbeschreiblich ist. Es gibt dort einen Ort, an dem wir wirklich wach sein können. In dieser Wach­heit spielen Gut und Schlecht, Richtig und Falsch keine Rolle. Es zählt nur die wunderbare Tatsache, dass wir leben.


Wer sind Sie? Was sind Sie? Es gibt eine Frage, die selten gestellt wird: Worum geht es überhaupt? Auf dem Weg des Lebens kennen wir die Fragen nicht. Doch wie sollen wir die Antworten finden, wenn wir nicht wissen, wie die Fragen lauten? Ein Anhaltspunkt lässt sich aus der Geschichte ableiten: nämlich diesen Weg mit offe­ nen Augen zu gehen. Wir wissen nicht, wo die Antworten herkommen. Wir wissen nicht, wann sie kommen. Wir wissen nicht, wie sie ausfallen. Wir wissen nicht einmal, ob wir zu der Antwort eine Frage haben. Wer sind Sie? Was sind Sie? Worum geht es im Leben? Eine Frage wird selten gestellt: Worum geht es überhaupt? Nun, Sie sind hier. Herzlichen Glückwunsch. Wunderbar, schön. Dass wir da sind, ist alles andere als selbstverständlich. Denn früher gab es uns nicht. Und eines Tages wird es uns nicht mehr geben. Doch jetzt leben wir. Und all unsere Dramen, unsere Vorstellungen, alles, was wir mögen und nicht mögen, alles, was geschieht und woran wir unser Leben messen, ist nur ein Traum. Nichts als ein Traum.

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Träume können es in sich haben. Sicher sind Sie auch schon einmal mit klopfendem Herzen und ganz verstört aus einem Traum aufgewacht. Und doch sind es nur Träume.

Aber inmitten all dieser Träume gibt es eine Wirklichkeit, die so schön, so erstaunlich, so unbeschreiblich ist. Es gibt dort einen Ort, an dem wir wirklich wach sein können und wo es sehr schön ist. In dieser Wachheit gibt es keine Bewertung. Gut und Schlecht, Richtig und Falsch spielen dort keine Rolle. In dieser Wachheit werden wir nicht beurteilt. Es gibt keinen Maßstab und keinen Wettlauf. Es gibt keine Zielflagge, die uns zu Gewinnern oder Verlierern macht. Nichts dergleichen. Nichts. Es zählt nur die wunderbare Tatsache, dass wir leben. Dass wir in der Lage sind, zu verstehen, zu wissen, Bewunderung zu empfinden. UNSERE EIGENSCHAFTEN Führen Sie sich Ihren Tagesablauf einmal vor Augen. Sie leben in dieser Welt. Welche Ihrer Eigenschaften kommen jeden Tag zum Einsatz? Gehen wir noch einen Schritt zu­ rück: Was sind überhaupt unsere Eigenschaften? Wir sind in der Lage, wütend zu werden, und wir sind in der Lage, ruhig zu bleiben. Wir können aus der Fassung geraten, und wir können Frieden erfahren. All das sind Eigenschaften, die wir haben. Welche setzen wir im Leben am häufigsten ein? Frust? Wut? Enttäuschung? Von diesen Eigenschaften machen wir häufig Gebrauch. Gelegentlich und unter ganz besonderen Umständen kommt es vor, dass wir glücklich sind. Glücklich zu sein ist für uns nichts Alltägliches. Wir reden darüber, wir be­ hal­ten es in Erinnerung, wir denken über Jahre immer wieder daran. Wenn man älter wird, schwindet das Kurz­ zeitgedächtnis, und was am Ende übrig bleibt, sind kleine


Bruch­stücke des Langzeitgedächtnisses. „Ich weiß noch, als ich da und da war. Ach, war das schön!“ Darum geht es doch bei der Digitalfotografie. Winzige Kameras, Handys mit Fotofunktion, um einen schönen Augenblick festhalten und uns immer wieder daran erin­ nern zu können. Denn solche Augenblicke sind dünn gesät. Aber wir haben auch noch andere Eigenschaften. Wir können dieses Leben wertschätzen und wirkliches Glück empfinden. Das Glück der Zeitlosigkeit. Kameras sind überflüssig, besondere Umstände nicht erforderlich. Wir können einfach glücklich sein. Wir können die Freude erleben, die Tag für Tag unserem Herzen entspringt. Wir versuchen zu verstehen, was in unserem Kopf vorgeht. Das versuchen wir schon seit sehr langer Zeit. Aber es gelingt uns nicht, weil uns der Kopf immer einen Schritt voraus ist. Machen wir uns keine Illusionen darüber, wer hier wen an der Leine hat. Der Kopf führt an, wir laufen hinterher. Der Kopf kann uns sogar auffordern, uns mit ihm zu messen – wenn wir uns darauf einlassen, dann sind wir wie ein Hund, der an der Leine zerrt und dennoch sein Herrchen nicht überholen kann. PLASTIKGARTEN Viele schreiben Bücher – sie bemühen sich um Verständnis. Sie schreiben schöne Worte, die aber nirgendwohin führen. Wie ein Garten, der von Weitem prächtig aussieht, dessen Blumen jedoch bei näherem Hinsehen aus Papier und dessen Bäume aus Plastik sind. Ein solcher Garten hat auch seine Vorteile. Man muss ihn nicht gießen, und den Kunstrasen braucht man nicht zu mähen. Er sieht ewig gleich aus.

Und die Nachteile? Die Blumen blü­ hen nicht, niemals zieht der Früh­ling ein. Vögel haben dort nichts verloren. Keine Biene fliegt dort umher. Kein Nektar wird gesammelt. Keine Blume duftet. Kein Baum, der sich im Wind wiegt. Und obwohl es schön aussieht, ist doch alles starr – totenstarr. Deshalb ist es so wichtig, eine lebendige Erfahrung zu machen. Zu leben, zu atmen, zu existieren, zu fühlen, zu denken, zu verstehen, zu wissen. Das ist real.

Es gibt eine weitere Tür – die Tür zu uns selbst. Ich biete meine Hilfe an, diese Tür zu öffnen. Ich nenne es das Wissen, ein ganz praktischer Weg, sich nach innen zu wenden und das Gefühl zu erleben, das dort ist.

Wir gewöhnen uns daran, frustriert zu sein. Wir gewöhnen uns daran, aus der Fassung zu geraten und wütend zu werden. Wir gewöhnen uns an ein Leben in Unwissenheit. 99 Prozent der Menschen finden sich damit ab und tragen selbst noch dazu bei. „Nur keine Sorge, alles in Ordnung.“ Was ist in Ordnung? Ist es in Ordnung, ver­loren zu sein? Ist es in Ordnung, meine eigene Natur zu missachten? Ist es in Ordnung, von mir selbst ge­ trennt zu sein? Ist es in Ordnung, nicht ich selbst zu sein? Und die Reaktion: „So ist das Leben. Es gibt eben gute und schlechte Zeiten. So ist das nun mal.“

Das ist der Grund, warum jeder von uns dringend Klar­­heit braucht. Wir müssen verstehen, dass es keine Halb­­her­zig­

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keiten geben kann – dass man sich an jedem einzelnen Tag um Klarheit, um Verständnis, um Demut bemühen muss. Zu sehen und zu fühlen, was Ihnen, was mir gege­ ben worden ist. Aus ganzem Herzen. Aus unserem tiefsten Wesenskern. HOFFNUNG UND ERINNERUNG Wir haben vieles gelernt. Mit fortschreitendem Alter wird jedoch unwiderruflich eine Zeit kommen, in der alles, was wir wissen, belanglos wird. Sie mögen Ihr Leben lang Pilot gewesen sein, doch eines Tages werden Sie zum Arzt gehen und er wird sagen: „Sie können nicht sehen, Sie können nicht hören – Sie sollten nicht mehr fliegen.“ Sie mögen Ihr Leben lang Künstler gewesen sein. Doch es wird die Zeit kommen, wo Sie den Pinsel in die Hand nehmen und Ihre Hand so sehr zittert, dass Sie nicht mehr malen kön­ nen. Sie mögen Ihr Leben lang Lkw-Fahrer gewesen sein.

Doch es wird die Zeit kommen, wo es Ihnen schwerfällt, auf das Trittbrett zu steigen, auf das Sie früher tausend Mal gesprungen sind, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Seien Sie sich bewusst, dass eine Zeit kommen wird, in der all das allmählich schwindet. Was bleibt, wenn das geschieht? Sie bleiben. Und Sie werden immer noch im­ stande sein zu erfahren. Doch für die Erfahrungen der Ver­gan­genheit haben Sie dann keine Antenne mehr. Die Anschlüsse passen nicht mehr zusammen. Wissen Sie, dass dieser Verfall, wenn man es so nennen will, in jeder Sekunde unseres Lebens fortschreitet? Er vollzieht sich so langsam, dass wir ihn nicht bemerken, aber er nimmt seinen Lauf. Alles drängt weiter. Jeden Tag, jede Sekunde schreitet es fort, unaufhaltsam. Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht? Halt, das ist nicht der Punkt. Alles ist eine gute Nachricht, denn Sie sind am Leben – und es bleibt eine gute Nachricht bis zu dem Tag, an dem Sie nicht mehr leben. Denn Sie können sich nach innen wenden und Freude erfahren. Das macht es zu einer guten Nachricht. EINE WEITERE TÜR Unser Leben lang haben wir zwei Türen gesehen. Die erste ist die, durch die wir am Tag unserer Geburt gekommen sind. Die Tür, durch die wir gehen, wenn wir sterben, ist die zweite. Alles wird an diesen beiden Türen gemessen.

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Doch es gibt noch eine weitere Tür. Und diese Tür führt zu uns selbst. Es hat keinen Sinn, die beiden anderen Türen als


Maßstab zu nehmen, denn darauf haben wir keinen Ein­ fluss. Wir können nichts daran ändern, dass wir geboren wurden. Wir sind geboren worden. Das ist eine Tat­sache. Unser Leben hat begonnen. Und eines Tages werden wir der anderen Tür nah genug kommen, und weg sind wir. Die Tür schwingt auf … Wir brauchen sie nicht aufzu­ stoßen, sie ist automatisch. Sobald wir ankommen – auf mehr oder weniger elegante Weise –, öffnet sie sich. Und jeder fragt sich: „Was ist geschehen?“

Ich sage nicht: „Lassen Sie sich die Techniken zeigen, die ich Ihnen anbiete, ansonsten werden Sie leiden.“ Ich sage: „Wenn Sie wollen, können Sie diese Erfahrung machen.“

Doch es gibt noch eine weitere Tür. Vielleicht merken wir es nicht, aber das Herz nutzt jede Gelegenheit, um an diese Tür zu klopfen. Machen Sie auf. Fühlen Sie, sehen Sie, ver­ stehen Sie, erkennen Sie, seien Sie bewusst. Fühlen Sie die Freude, fühlen Sie sie in jedem Augenblick. Das ist wahre Weisheit, das ist echtes Verständnis.

Das Wissen bewirkt nicht, dass keine Dunkelheit mehr kommen kann. Die Dunkelheit wird kommen. Doch das muss Sie nicht berühren. Das Wissen ist das Knowhow, um diese Freude und diese Klarheit zu erfahren, was immer auch geschieht.

Ich biete meine Hilfe an, die Tür zum eigenen Selbst zu öff­ nen. Ich nenne es das Wissen, einen ganz praktischen Weg, sich nach innen zu wenden und das Gefühl zu erleben, das dort ist. Wer dieses Wissen haben möchte, dem zeige ich vier Techniken. Man durchläuft einen ganz einfachen Vorberei­ tungsprozess, und dann hat man die Möglichkeit, sich nach innen zu wenden und dieses Gefühl zu spüren. Es gibt Menschen im Gefängnis, die das Wissen erhalten haben, und auch bei ihnen entfaltet es seine Wirkung. Es gibt Menschen, die es bekommen haben und in den Krieg ziehen mussten, und mitten im Krieg konnten sie die Freu­ de erfahren, die in ihnen ist. Das, worüber ich spreche, ist in Ihrem Innern. Dort war es immer, dort wird es immer sein.

Das Wissen ist wie eine Lampe. Wenn es dunkel ist, kann man sie zum Leuchten bringen, und die Dunkelheit weicht. Es spielt keine Rolle, wie dunkel es wird. Und kein Sturm kann das Licht auslöschen, wenn man weiß, wie man die Lampe anzündet.

Dies ist ein überarbeiteter Auszug aus einer Vortragsreihe von Prem Rawat, der auch unter dem Titel Maharaji bekannt ist. Prem Rawat hat sein Leben der Aufgabe gewidmet, die einfache und grundlegende Botschaft zu vermitteln, dass Frieden in jedem einzelnen Menschen wohnt.

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Inmitten der Träume

gibt es eine Wirklichkeit: Es gibt dort einen Ort,

an dem wir wirklich wach sein können. In dieser Wachheit spielen Gut und Schlecht, Richtig und Falsch keine Rolle. Dort zählt nur eins:

Wir leben.


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