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Entdecken Sie stimmungsvolle Orte am toskanischen Abschnitt der Via Francigena



15 Etappen: Ortskerne, Pfarreien, Hügel, Sümpfe und antike Straßen



Höhenprofile, technische und praktische Informationen zur Organisation Ihrer Wanderung

DIE VIA FRANCIGENA IN DER TOSKANA Geschichte, Kunst und Natur: 15 stimmungsvolle Etappen

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Regione Toscana

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WANDERFÜHRER

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DIE VIA FRANCIGENA IN DER TOSKANA Geschichte, Kunst und Natur: 15 stimmungsvolle Etappen

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Touring Club Italiano Präsident: Franco Iseppi Generaldirektor: Fabrizio Galeotti Touring Editore Direktorin für den touristisch-kartographischen Inhalt: Fiorenza Frigoni Verlegerische Verantwortliche: Cristiana Baietta Editor: Deborah Terrin Redaktion: Paola Bressani Redaktion Kartographie: Paola Zetti Kartographische Ausführung: Graffito, Cusano Milanino (MI) Technische Koordination: Francesco Galati Redaktionssekretärin: Laura Guerini Texte und Fotos: Fabrizio Ardito Titelseite: Val d’Orcia, Shaiit/Fotolia Graphisches, redaktionelles Projekt und Seitenlayout: Studio Angelo Ramella, Novara Übersetzung ins Deutsche: Studio Queens srl

Von der Abteilung „Iniziative Speciali“ von Touring Editore unterstützte Ausgabe corso Italia 10, 20122 Milano Tel. 028526509, Fax. 028526969 iniziative.speciali@touringclub.com Direktor: Luciano Mornacchi Verlegerisches Projekt in Zusammenarbeit mit: der Region Toskana – Abteilung „Progetti Speciali Integrati per il Turismo“ (Integrierte Sonderprojekte für den Tourismus) Toscana Promozione Via Vittorio Emanuele II 62/64 50134 Firenze Tel. 0554628052, Fax 0554628048 www.toscanapromozione.it Vordruck: S.E.I.Italia Srl, Rovello Porro (CO) Druck und Einband: Giunti Industrie Grafiche, Iolo (Prato) © 2014 Touring Editore S.r.l. - Milano www.touringclub.com

Code der Sonderausgabe: H1901A Ende der Drucklegung März 2014 Touring Club Italiano ist ein eingetragenes Markenzeichen des Touring Club Italiano (Corso Italia 10, Milano, www.touringclub.it) und wird in Lizenz von Touring Servizi srl an Touring Editore srl vergeben. Kein Teil des vorliegenden Bandes darf ohne vorherige schriftliche Genehmigung der Inhaber der Rechte in irgendeiner Form, mit irgendeinem elektronischen, mechanischen oder sonstigen Mittel reproduziert oder übertragen werden. Um die Zuverlässigkeit und Genauigkeit vorliegenden Führers gewährleisten zu können, sind große Sorgfalt und Aufmerksamkeit verwendet worden. Dennoch können wir keine Verantwortung für die Adressen, Zugangsbedingungen u.a.m. übernehmen, wenn aufgrund der im Führer enthaltenen Informationen Schäden oder Schwierigkeiten entstehen sollten.

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ine Pilgerreise oder Wanderung auf der Via Francigena in der Toskana ist ein einzigartiges Erlebnis, eine Mischung, bei der jeder etwas Besonderes findet, seien die Gründe, aus denen die Reise unternommen wird, auch noch so unterschiedlich. Unzählig sind die historischen und architektonischen Schätze, die landschaftlichen Schönheiten, die religiösen Erfahrungen, mit der konkreten Möglichkeit, diese einzigartige Erfahrung sowohl mit der Bevölkerung als auch mit den anderen Pilgern teilen zu können. Abgesehen von der Vielfalt der Landschaft kann die Entscheidung für den toskanischen Abschnitt der Via Francigena auch durch eine Reihe zusätzlicher Faktoren begünstigt werden, so die gute Beschilderung und Sicherheit. Wie man sich gut vorstellen kann, hat sich bei dieser so antiken Straße Vieles verändert, vor allem, was den Fahrzeugverkehr auf einem Teil der Strecke betrifft. Seit jeher um die Pflege ihrer Landschaft bemüht, hat die Region Toskana im Laufe der Jahre zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um Fuß- und Fahrstraße voneinander zu trennen, sichere Varianten anzubieten bzw. – an den wenigen Stellen, wo das nicht möglich war – um Wanderern und Autofahrern die möglichen Gefahren deutlich anzuzeigen. In Sachen Sicherheit ist auch zu erwähnen, dass der Verlauf der Via Francigena in der Toskana fast überall über ein Wi-Fi- oder ein 3G-Netz verfügt, während Notrufe von überall abgesetzt werden können. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Gastlichkeit: In der Toskana besteht ein ausgedehntes Netz von Beherbergungsbetrieben jeder Art, den verschiedensten Bedürfnissen entsprechend: Im Umkreis von einem Kilometer Entfernung vom Pilgerweg stehen dem Touristen mehr als 1.000 offiziell anerkannte Betriebe zur Verfügung. Dazu kommen weitere, zumeist von der katholischen Kirche eingerichtete Strukturen, wo der Pilger Aufnahme findet. Und für diejenigen, die während ihrer Wanderung besondere Informationen benötigen sollten, stehen in den größeren, an der Strecke liegenden Orten Touristinformations-Stellen bereit. Außerdem sind entlang der Strecke etwa 100 Hinweistafeln aufgestellt, mit den wichtigsten Informationen zum toskanischen Abschnitt wie auch zu den einzelnen Etappen. Alle Tafeln verfügen über einen QR-Code, damit der Wanderer bei Angaben, die sich leicht ändern, Zugriff auf die aktualisierten Informationen hat.

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Region Toskana

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EINFÜHRUNG Geschichte der Via Francigena Wiedergeburt der modernen Francigena Die Via Francigena heute Die richtige Ausrüstung

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DIE EINZELNEN ABSCHNITTE 1 Passo della Cisa – Pontremoli

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Durch Wälder und Felder an den Hängen des Apennin

2 Pontremoli – Aulla

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Ortskerne und antike Pfarrkirchen längs der Magra

3 Aulla – Avenza

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Endlich der Blick aufs Tyrrhenische Meer

4 Avenza – Pietrasanta

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In der Versilia, am Fuße der Marmorberge

5 Pietrasanta – Lucca

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Von den Hügeln bis an die Mauern von Lucca

6 Lucca – Altopascio

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Zum größten Hospiz der Via Francigena

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7 Altopascio – San Miniato

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Am Arno entlang, zwischen Sümpfen und antiken Straßen

8 San Miniato – Gambassi Terme

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Zwischen Hügeln und Pfarrkirchen der Val d’Elsa

9 Gambassi Terme – San Gimignano

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Die Hügel auf und ab, zur Stadt der Türme

10 San Gimignano – Monteriggioni

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In der Val d’Elsa, zwischen Ortskernen und Pfarrkirchen

11 Monteriggioni – Siena

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Auf dem Weg zur Stadt des Palio

12 Siena – Ponte d’Arbia

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Vor den Toren Sienas, die Hügel der Val d’Arbia

13 Ponte d’Arbia – San Quirico d’Orcia

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Auf Nebenstraßen zur Val d‘Orcia

14 San Quirico d’Orcia – Radicofani

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In der Val d’Orcia, zur Festung Ghino di Tacco

15 Radicofani – Acquapendente

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Jenseits der Toskana:Tuffstein und Vulkane

REISEAUFZEICHNUNGEN

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LEGENDE DER PIKTOGRAMME Raststätten Übernachtungsmöglichkeiten Bus Zug

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GESCHICHTE DER VIA FRANCIGENA Die Reisenden der Vergangenheit Selbst wenn es heute, wo vor allem die Geschwindigkeit zählt, seltsam erscheinen mag: Früher reiste man viel, auch über große Entfernungen. Zur Zeit des römischen Reiches war Europa von einem dichten Netz gepflasterter Straßen durchzogen, genutzt von Händlern und Reisenden, Generälen und Heeren, von Wagen und zum Transport von Hausrat, wobei man oft Wochen oder Monate unterwegs war. Auch die Barbareneinfälle setzten dem Reisen kein Ende, und zusätzlich zu den Handelsstraßen entstanden im Mittelalter auch die Wege, die zu den bedeutendsten Stätten des Christentums führten: nach Santiago, Rom und Jerusalem. Die nach Rom führende Via Francigena (Frankenweg) – womit nicht so sehr eine eigentliche Straße gemeint ist, sondern eher eine Richtung, eine Gewohnheit – entstand in eben jenen Jahren. Heute steht dieser Name in enger Verbindung mit der Figur von Bischof Sigerich, der uns seinen Rückweg vom Petrusgrab bis nach Canterbury sehr genau beschrieben hat, Etappe um Etappe. 990 war Sigerich von Canterbury nach Rom aufgebrochen, wo er die Investitur Auf der römischen Via Cassia von Papst Johannes XV. und das Symbol seines Amtes, das Pallium, erhalten sollte. Auf seinem Rückweg durchquerte er Italien von Rom bis zum Großen Sankt Bernhard, dann die heutige Schweiz und Frankreich, bis er seinen Ausgangspunkt erreichte, wobei er alle Etappen seiner Reise genau aufgezeichnet hatte. In dem kostbaren Manuskript, das Teil der Cotton Collection der Londoner British Library ist, werden die 79 Orte aufgeführt, in denen der Prälat und seine Gefolgschaft übernachtet hatten. Dabei entsprechen die meisten Etappen noch heute bestehen-

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Die offene Landschaft, durch die die Francigena heute führt, ist ganz anders als früher

den Ortschaften bzw. Ortsbezeichnungen, welche die Historiker feststellen konnten. Nur zwei oder drei Örtlichkeiten konnten nicht ermittelt werden, weil sich ihr Name im Laufe der Zeit verloren hat oder auch, weil die späteren Rompilger an manchen Stellen vom ursprünglichen Weg abgewichen sind.

Ein Weg oder viele Wege? Es wäre falsch, sich die Via Francigena als eine einzige, genau festgelegte Verbindungsstraße vorzustellen, wie das dagegen der Fall der gut ausgebauten römischen Reichsstraßen war. Sie führten über genau festgelegte Strecken mit entsprechenden Haltepunkten und wurden durch das zuständige Personal in gutem Zustand gehalten. Die Reisenden des Mittelalters – so die Historiker – folgten zwar einer einheitlichen Richtung, doch aufgrund fehlender, genau festgelegter Infrastrukturen (wie gepflasterte Abschnitte oder Steinbrücken) wechselte man problemlos von einer Straße auf ihre Parallelstraße, den Auf- oder Niedergang der Ortschaften an der Strecke bestimmend. Das, was wir uns heute – dank der Aufzeichnungen von Sigerich und dem jüngst angelegten Fußweg – als eine einzige Via Francigena vorstellen, war

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eigentlich ein Bündel von Straßen, die sich im Laufe der Zeit ganz verschieden entwickeln sollten. Die wichtigsten Festpunkte waren – und sollten es bis hinein in unsere Zeit auch bleiben – die großen Kirchen als Ziel von Pilgerreisen und die Pilgerhospize, wo man schlafen, essen und sich auch behandeln lassen konnte, denn das Reisen war damals oft auch mit körperlichen Beschwerden verbunden. Für die Historiker, die die Entwicklung der Via Francigena haben nachverfolgen wollen, waren die Pfarrkirchen, Reliquien und Hospize grundlegend, um den Verlauf des bedeutenden Pilgerweges auf einer modernen Karte festlegen zu können, und zwar zusätzlich zu den Festpunkten in Sigerichs Aufzeichnungen über seine lange Reise von den Kirchen Roms über den Ärmelkanal bis zum fernen Canterbury.

Der Verlauf der Via Francigena Nach dem Alpenübergang am Großen Sankt Bernhard erreichte der Weg das heutige Italien, führte über Aosta durch das Aostatal, zwischen Weingärten, Kirchen und befestigten Häusern. Nach Ivrea gelangte man an den Tessin und nach Pavia, um dann den Po in der Nähe von Piacenza zu überschreiten. Zusammen mit Arno und Serchio und den Pässen des Großen Sankt Bernhards und der Cisa war die Überquerung des Po einer der gefährlichsten Momente der mittelalterlichen Pilgerfahrt. Nach Fidenza ging es steil den Apennin hinauf, dessen Übergang über den Cisa-Pass erfolgte, welcher früher den Namen Monte Bardone trug (von Mons Longobardorum, d.h. Berg an der Grenze des langobardischen Herrschaftsbereichs).

Vom Cisa-Pass nach Rom Die Strecke durch die Toskana, die in diesem Führer mit ihren modernen Etappen beschrieben wird, führte zuerst nach Pontremoli, erreichte dann den Lauf der Magra sowie, nach einem letzten, höher gelegenen Passübergang, das Tyrrhenische Meer. Wie in der Vergangenheit ist man auch heute, nach Wochen Wanderung durch Täler und Ebenen, beim Anblick des Meeres tief beeindruckt. Hier verlief die Francigena am Tyrrhenischen Meer und an der antiken Via Aurelia entlang, berührte Luni (wo sich die Römer mit Marmor versorgten), Massa und Carrara und schließlich Pietrasanta. Nach Durchqueren der Versilia ging es dann wieder landeinwärts nach Lucca, Altopascio und Fucecchio, bis zu den sumpfigen Ufern des Arno, eine für die damaligen Reisenden recht gefährliche Stelle. Nach Überquerung des Flusses auf Booten (es gab keine Brücke) ging es hinauf nach San Miniato und dann weiter in Südrichtung, dem Verlauf der Val d’Elsa von oben her folgend, nach San Gimignano, der reichen, herrlichen Handelsstadt, die im Mittelalter enorm von ihrer Lage an der Via Francigena profitieren konnte.

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An der umkämpften Grenze zwischen den Einflussbereichen von Siena und Florenz lag Monteriggioni, von dessen militärischer Vergangenheit die eindrucksvollen Stadtmauern zeugen, die auch Dante erwähnt. War Siena erreicht (für die Historiker des Mittelalters war diese Stadt eine „Tochter der Pilgerstraße“), folgte die Strecke jetzt vorwiegend dem Verlauf der römischen Via Cassia, führte am Arbia entlang und über Buonconvento, unweit der Abtei Monte Oliveto Maggiore, nach San Quirico d’Orcia, in Sichtweite des Bergkegels des Monta Amiata. Der vulkanische Ursprung dieses Berges wird in Bagno Vignoni deutlich, das schon in der Antike für seine warmen Thermalquellen berühmt war. Und weiter ging es auf einer Strecke durch das Orcia-Tal, von unvergesslicher landschaftlicher Schönheit, bis an den steilen Aufstieg, der an der Festung von Radicofani endet. Latium wurde bei Acquapendente erreicht, dann ging es weiter in Richtung Bolsena und Montefiascone, an den Ufern des Bolsena-Sees entlang, und schließlich nach Viterbo. Die letzten Etappen der Strecke nach Rom führten über Vetralla, Sutri, Campagnano und La Storta, um dann von der Höhe des Monte Mario auf die Ewige Stadt und den Petersdom (die damals ganz anders aussahen) blicken zu können. Durch das Grün der Weingärten wandern

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WIEDERGEBURT DER MODERNEN FRANCIGENA Jahrhunderte lang bereist, von Literaten und Wanderern beschrieben, verschwand die Francigena allmählich von den Karten und wurde durch andere Straßen und Wege ersetzt. Wenig schien von dieser großen Straße der Vergangenheit geblieben, sie wurde durch neue Bauten und Asphalt ersetzt, durch die Straßen Napoleons und Bahnlinien, welche das heutige Reiseland Italien prägen. Doch die spirituelle Bedeutung und der historische Zauber der Via Francigena, mit einer Reihe außerordentlicher Kunststätten, warteten nur darauf, neu entdeckt zu werden. Ende der 1990er Jahre begann man – nicht zuletzt durch die vom Jubiläum ausgehenden Impulse und den großen Erfolg des Jakobsweges in Spanien ermuntert – auch in Italien über die Möglichkeit nachzudenken, den von Sigerich beschriebenen, großen mittelalterlichen Weg zu Fuß zu beschreiten. Schritt für Schritt wurde dann, auch dank der Mitarbeit zahlreicher Freiwilliger, eine mögliche Strecke durch Städte, über Felder und Berge ausgearbeitet. 2001 wurde die Italienische Vereinigung der Gemeinden an der Via Francigena gegründet, die 2006 zur Europäischen Vereinigung VF geworden ist. Zweck dieser Koordinierung ist, die zahlreichen öffentlichen Körperschaften, durch deren Gebiet der Pilgerweg führt, miteinander zu verbinden. Dann ist diese Rolle vermehrt den Regionen zugefallen, die – jede auf ihrem Gebiet – an der Beschilderung, an der Lösung von Problemen gearbeitet und sich für die Förderung des antiken Pilgerwegs eingesetzt haben. So ist der Weg heute eingerichtet: größtenteils ausgeschildert, mit zahlreichen Herbergen und von Ordensbrüdern oder -schwestern geleiteten UnAuf großen Tafeln werden besondere Sehenswürdigkeiten erläutert

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DIE ROUTEN Obwohl in vorliegendem Führer vor allem die Route für Wanderer beschrieben wird, gibt es in der Toskana vier Möglichkeiten, die Via Francigena zurückzulegen: zu Fuß, mit dem Fahrrad, zu Pferde oder mit dem Auto. Die Autostrecke ist als Ergänzung für die Fußgängerroute zu betrachten und ist gemäß der Straßenverkehrsordnung ausgeschildert, wobei auch die jeweiligen Verbindungen zur Fußgängerroute angezeigt werden. Für Informationen zu den Routen besuchen Sie die Webseite: www.turismo.intoscana.it

terkünften, aber vor allem beschrieben, verbessert und Tag für Tag von der Gemeinschaft seiner Wanderer gepflegt. Mit dem Anstieg der Pilgerzahlen ist auch die Bedeutung gewachsen: Probleme werden gelöst, neue Etappen eingerichtet, auch in den Ortschaften, die noch bis vor wenigen Jahren nichts von der Bedeutung der Francigena wussten, wobei der Durchzug dieser seltsamen Spezies von Touristen jetzt seine Spuren hinterlässt. Aber wie ist es um die Francigena heute wirklich bestellt? Die Anzahl derer, die sie zu Fuß begehen, steigt von Jahr zu Jahr, wie auch die Nationalitäten der modernen Pilger, die auf den Spuren Sigerichs wandeln. Dabei hat natürlich jeder besondere Eigenschaften und Bedürfnisse: Man pilgert für ein Wochenende oder einige Tage, eine Woche oder einen ganzen Monat, gerade genug, um die Region Latium vom Aostatal aus zu erreichen. Außerdem wird aus den verschiedensten Gründen gepilgert: des Glaubens oder der Neugier halber, im Zeichen der Spiritualität oder weil man die Bewegung liebt, mit der Möglichkeit, etwas Zeit mit sich selbst zu verbringen. Ohne die soziale Bedeutung einer Fußwanderung zu vergessen, auf der es zu intensiven Begegnungen mit den oft zufälligen Reisegefährten kommt. Wer beschließt, den Weg von den Almwiesen des Großen Sankt Bernhard zu den sieben Kirchen Roms zu gehen, muss einige Eigenschaften besitzen. Erstens muss man ein wenig verrückt sein, wenn man beschließt, das schöne Italien zu Fuß zu bereisen. An zweiter Stelle ist Ausdauer vonnöten, eine der wichtigsten Eigenschaften für Langstreckenwanderer. Und drittens braucht man auch eine gute Portion Liebe, und zwar nicht für eine genau festgelegte Strecke, sondern Zuneigung und Ehrfurcht für eine Richtung, einen Weg, der wie kein anderer in der Welt reich an Geschichte ist. Gefühle, die dabei helfen, auch mit den weniger angenehmen Momenten der Pilgerreise fertig zu werden: ein kalter Regenguss oder sengende Sonne, eine enorme Blase am Fuß oder Schmerzen an Sehnen und Muskeln, die nicht mehr an das Wandern oder an die Härte der Straßen und ihrer Steine gewöhnt sind.

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DIE VIA FRANCIGENA HEUTE Informationen und Karten Die Via Francigena bietet auf ihrem langen, abwechslungsreichen Abschnitt durch die Toskana auch all denen zahlreiche Möglichkeiten, die nur einen Teil des Weges zurücklegen wollen: ein Wochenende oder jeweils eine Etappe, eine ganze Woche oder nur einige Abschnitte, zu den interessantesten Zielen. Die Entscheidung für diesen oder jenen Abschnitt wird durch die Beschreibungen der Etappen und Sehenswürdigkeiten erleichtert, die sich auf den Webseiten der Region (www.turismo.intoscana.it) finden. Sehr nützlich ist auch die Webseite der Europäischen Vereinigung VF (www. francigena.eu). Für jede Region sind hier die verschiedenen Etappen aufgelistet, dazu zwei nützliche Dateien, die auf den Computer geladen werden können. Die erste ist das sogenannte Roadbook, wo die Strecke Meter um Meter beschrieben wird, mit allen Weggabelungen, Brücken, etwaigen Umwegen und schematischen Karten. Die zweite ist die Datei mit den GPSAngaben, also die topographische Strecke, die auf den Navigator geladen werden kann. Mit einem Hinweis: Diese Datei ist für Navigatoren nützlich,

DIE BESCHILDERUNG Mit Ausnahme der Streckenabschnitte auf öffentlichen Straßen, wo die Beschilderung der Straßenverkehrsordnung entsprechen muss, sind die 380 km Wege der toskanischen Via Francigena durch eine weißrote Beschilderung gekennzeichnet, manchmal auch von den Buchstaben VF oder von einer schwarzen Pilgerfigur begleitet. An der gesamten toskanischen Route stehen – außerhalb der Ortschaften und abseits der öffentlichen Straßen – auch einige Meilensteine aus Zement, mit der oben genannten weiß-roten Beschilderung und den Buchstaben VF. Es gibt auch noch Beschilderungen mit anderen Farben und anderer Art. Damit wollen verschiedene Vereinigungen darauf hinweisen, wo ihrer Meinung nach die Via Francigena verläuft. Diese Schilder sind aber nicht offiziell anerkannt, ihr Inhalt ist nicht gesichert und auch die Leistungen, die den Benutzern jener Routen geboten werden, sind geringer.

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die nicht nur Straßen- sondern auch Wanderkarten gespeichert haben.

Unterkunft und Verpflegung Wer den ganzen Tag wandert, braucht wenig: Einmal am Ziel, möchte man zuerst duschen, dann seine wenigen Kleidungsstücke auswaschen. Anschließend wünscht man sich ein gutes und vor allem reichliches Abendessen. Dafür gibt es enorm viele Möglichkeiten: Das Angebot der Toskana Große Aufmerksamkeit ist bei ist absolut umfassend: vom Bed & BreakAsphaltstraßen geboten fast bis zur Herberge, vom Hotel bis zur Pension, bis hin zum Luxus-Resort. Außer diesen ‚normalen‘ Lösungen besteht in unserem Fall auch die Möglichkeit, Aufnahme in einem ‚parallelen‘ Netz zu finden, also in Pfarrhäusern und Herbergen, Gemeinderäumen und Klöstern, die oft sehr einfach sind und damit ganz im Zeichen einer spirituellen Pilgerfahrt. Zudem kann man dort oft auch andere Wanderer treffen, mit denen man Freud und Leid des gerade vergangenen Tages teilen kann. Bei dieser zweiten Lösung sollten Sie eine dünne Matratze, einen leichten Schlafsack und ein Handtuch bei sich haben.

Telefone und Sicherheit Im Falle von Problemen sind die Notrufnummern die üblichen: 118 bei gesundheitlichen Problemen, 800 425 425 (grüne regionale Notrufnummer) oder 115 (Feuerwehr) im Falle eines Brandes; 113 (Öffentliche Sicherheit) oder 112 (Carabinieri). Mobiltelefone haben fast überall Empfang. Was die wenigen kritischen, isolierten Stellen betrifft, laufen die Arbeiten zum Ausbau der Wi-Fi-Telefonnetze.

Umweltbelastung? So wenig wie möglich. Wer gerne zu Fuß geht, weiß das nur zu genau: Man soll so wenige Spuren wie möglich hinterlassen. Dazu braucht man nur alle Abfälle, die im Laufe des Tages entstehen, mitzunehmen: Einwickelpapier und Plastikflaschen, Papiertaschentücher und Zigarettenkippen, um sie am Ende des Tages in die entsprechenden Behälter zu entsorgen. Wenn wir eine volle Flasche im Rucksack mitführen konnten, dann ist es auch kein Problem, die leere Flasche bis zur nächsten Entsorgungsmöglichkeit mitzunehmen. Schließlich muss daran erinnert werden, dass es – vor allem im Sommer – verboten ist, ein Feuer zu machen.

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DIE RICHTIGE AUSRÜSTUNG Wie alle langen, zu Fuß zurückzulegenden Strecken verlangt auch die Francigena eine Grundausrüstung, die bequem und von guter Qualität sein muss. Zuerst die Schuhe. Egal ob hoch geschlossen oder Halbschuhe, das richtet sich nach der Empfindlichkeit der Knöchel – sie müssen wasserundurchlässig sein und eine gute Sohle haben, damit man sich sowohl auf steinigen Pfaden als auch auf asphaltierten Straßen sicher bewegen kann. Die Wanderschuhe müssen außerdem eine grundlegende Anforderung erfüllen: Sie müssen eingelaufen sein. Man sollte also Der Rucksack, ein wertvoller Weggefährte unbedingt Schuhe tragen, die man schon auf vorhergehenden Ausflügen und Wanderungen benutzt hat. Nur so können Blasen und Schmerzen an den Füßen vermieden werden. Ebenfalls sehr wichtig ist der Rucksack. Er muss für Exkursionen bzw. für das Gebirge geeignet sein, mit einem Fassungsvermögen von 45 bis 60 Litern und gepolsterten, verstellbaren Schulterriemen. Der Markt bietet Hunderte von Modellen an, wobei die Preisunterschiede oft sehr beträchtlich sind. Als Kriterien zur Entscheidung sollte Folgendes beachtet werden: die Bequemlichkeit des Rucksackrückens, der unserer Körperform entsprechen sollte (wir sind nicht alle gleich!), der einfache Gebrauch, die Robustheit und ob praktische Taschen und Verschlüsse vorhanden sind. Daher sollte man vor einer Entscheidung in einem gut ausgerüsteten Fachgeschäft verschiedene Rucksäcke ausprobieren. Und will man einerseits nicht zuviel ausgeben und nicht nur die Top-Modelle in Betracht ziehen, so sollte andererseits beim Kauf eines Rucksacks, den man vielleicht sogar einen Monat lang tragen wird, auch nicht an der falschen Stelle gespart werden, das könnte schwerwiegende Folgen haben. Und ist man dann schließlich Besitzer des idealen Rucksacks, sollte man ihn einige Male vor der großen Wanderung ausprobieren, damit sich die Schultern an die Riemen gewöhnen können.

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Regen und Sonne Damit der Rucksack (und damit die Kleidung, der Fotoapparat und die Wanderkarten darin) trocken bleiben, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manche benutzen ein leichtes Regencape, das Körper und Rucksack schützt. Andere halten das – vor allem bei starkem Wind – für unbequem und teilen den Regenschutz in zwei Teile: eine wasserundurchlässige Windjacke (am besten aus Gore-Tex oder anderen atmungsaktiven Geweben, damit man nicht im eigenen Schweiß baden muss) und einen Regenschutz für den Rucksack. Die Sonne kann ein ebenso großes Problem sein, besonders in den Sommermonaten. Zur Grundausstattung müssen daher ein Sonnenhut und eine Sonnencreme gehören sowie ein guter Vorrat an Wasser (nicht weniger als zwei Liter pro Kopf), dem möglichst lösliche Nahrungsergänzungssalze hinzugegeben werden sollten. Ein weiterer Punkt, der in Betracht zu ziehen ist: Die Toskana ist reich an Geschäften aller Art. Daher kann und sollte das Gepäck möglichst leicht gehalten werden, wobei ein fast ideales Gewicht anzustreben ist, d.h. von 10 bis 12 kg Gesamtgewicht. Ein Unterschied von einigen Kilos kann darüber entscheiden, wie groß die Ermüdung für Körper und Sehnen ist. Bei zuviel Gewicht könnte es schwierig werden, das Ziel zu erreichen.

Das Training Die großen Wanderer sind der Meinung, dass es nur ein Training für das Wandern gibt: wandern. Gegenüber der Gewohnheit, mehrere Stunden zu wandern, kann ein Fitness-Center nur wenig ausmachen. Zudem sollte man mit kürzeren, nicht so anstrengenden Etappen beginnen, so dass man seine Form allmählich erreicht. Das bedeutet nicht, dass eine körperliche oder psychologische Müdigkeit nicht einmal eine Unterbrechung verlangen könnten. Eine gute Idee wäre die, einen Tag Pause einzulegen, obwohl es vielleicht besser wäre, eine sehr kurze Etappe zu wählen, um in Bewegung zu bleiben. Unterwegs, der Himmel bezieht sich

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it dieser Etappe ist heute – wie im Mittelalter – ein bedeutender Moment auf dem Weg nach Rom verbunden: die Überwindung des Apenninenkamms und der Abstieg in das Tal der Magra, im nördlichsten Teil der Toskana. Von der Herberge Casa Grossa, in der viele Pilger übernachten, beträgt die Entfernung zum Pass etwa 2 km, wobei dieser erste AbPontremoli, anthropomorphe Stele schnitt entlang der Staatsstraße des Cisa-Passes verläuft. Nach Überwindung des Passes auf 1039 m Höhe führt die Strecke (hier mit der offiziellen Beschilderung, weiß und rot mit der Angabe VF) über verschiedene Wege, mit einigen leichten Furten, an der Staatsstraße entlang zur asphaltierten Straße, die dann zu queren ist, um den Righetto-Pass zu erreichen. Jetzt beginnt ein recht steiler Abstieg über Wege und unbefes-

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tigte Straßen, zunächst in die Nähe der asphaltierten Straße und dann nach Groppoli, wobei auf dem Weg zur Fraktion Previde der Gebirgsbach Civasola zu queren ist. Am Ausgang von Groppodalosio verdient die Brücke (16. Jh.) Erwähnung, die auf etwa fünfzehn Metern Höhe über die Magra geschlagen ist. Danach führt der Weg zuerst in Richtung Casalina und dann nach Toplecca, steigt an und erreicht den Crocetta-Pass. Jetzt geht es wieder abwärts, in Richtung der Fraktion Arzengio, und weiter durch eine Landschaft, in der die Olivenhaine immer häufiger werden, bis man schließlich an die Staatsstraße des Cisa-Passes und eine Brücke über die Magra gelangt. Nach den ersten Häusern und dem Krankenhaus von Pontremoli geht es durch das Stadttor Porta Parma zur zentralen Piazza della Repubblica. Oben auf einem Hügel grüßt die Burg des Piagnaro, in der sich das berühmte Museum mit den Stelestatuen der antiken Lunigiana befindet.

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iese Etappe führt – mit leichtem Auf und Ab – auf halber Höhe am linken Ufer der Magra entlang. Aus der Stadtmitte von Pontremoli hinaus verläuft der Weg hinter der Kirche Ss. Annunziata. Über unbefestigte Straßen und Wege erreicht der Pilger in der Nähe von Filattiera die Pfarrkirche von Sorano, einen Bau aus dem 6. Jh., der in der Romanik dreischiffig wieder aufgebaut wurBegegnungen de. Die engen Gassen des antiken Ortskerns von Filattiera führen zur Pfarrkirche S. Giorgio, mit dem Stein des Leodegar, aus langobardischer Zeit. Von hier aus geht es weiter im Auf und Ab in das Tal des Gebirgsbaches Monia, bis nach Filetto, wo der Palazzo der Markgrafen Aliberti (17. Jh.) steht. Nach weniger als 2 km kommt der Pilger nach Villafranca

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in Lunigiana, wo – am alten Verlauf der Via Francigena – eine Reihe alter Häuser mit zweibogigen Fenstern und Wappenzeichen steht. Ein neuer, etwas ansteigender Streckenabschnitt entfernt sich leicht von der Talsohle und führt – mit einigen bewaldeten Abschnitten – in etwa 6 km nach Fornoli, wonach die Strecke weiter auf Wegen und unbefestigten Straßen verläuft. Bevor der Pilger nach Aulla kommt, gelangt er zum Friedhof Terrarossa, um dann – über eine neue Strecke entlang einer stillgelegten Bahnlinie – einen Abschnitt der Uferpromenade der Magra und die Abtei S. Caprasio in der Stadtmitte von Aulla zu erreichen. Am Zusammenfluss von Magra und Aulella gelegen, war diese Stadt dank ihrer strategischen Lage an den Verbindungsstraßen über den Apennin von großer Bedeutung. Die Abtei S. Caprasio wurde 884 gegründet; ihr heutiges Aussehen erhielt sie ab 1070.

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iese Etappe hat zwei sehr unterschiedliche Abschnitte: Nach Aulla geht es die steilen Hänge der Lunigiana hinauf, bis – ganz unerwartet – der Blick aufs Meer freigegeben wird. Der Abstieg endet in Sarzana, von dort führt der Weg durch die Ebene weiter, zu den archäologischen Fundstätten von Luni, und dann nach Avenza. Von Aulla her verläuft Blick auf Ponzano der Weg aufsteigend, an dem auf einem Hügel gelegenen, befestigten Ortskern von Bibola vorbei nach Vecchietto, wo man die Nebenstraße verlässt und auf steilem Weg weiter aufsteigt, durch Olivenhaine und Weingärten, an deren Stelle allmählich eine dichte Bewaldung tritt. Weitere steile Wege führen zum Ort Quattro Strade (539 m), wo schließlich der Abstieg beginnt, bis – kurz vor dem Ortskern von Ponzano – zum ersten

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Mal der Blick auf das weite Blau des Tyrrhenischen Meeres freigegeben wird. Nach Ponzano gelangt der Pilger in weniger als 2 km zur Burgruine Brina (172 m), die im 11. Jh. zum Schutz des Handelsverkehrs auf der Francigena errichtet wurde. Ein letzter Abstieg, und Sarzana ist erreicht: In der Stadtmitte liegt die große Piazza Matteotti, in kurzer Entfernung die Pfarrkirche S. Andrea Apostolo aus dem 10. Jh. Über einen kurzen Aufstieg geht es zur Festung Sarzanello; ab hier sind es etwa 10 km bis zur archäologischen Fundstätte von Luni: Unter den Römern war diese Stadt ein wichtiger Hafen für den Umschlag des Marmors aus den Apuanischen Alpen; heute ist noch ein imposantes Amphitheater erhalten. Der letzte Abschnitt in der Ebene, mit verschiedenen Weggabelungen und -kreuzungen, führt schließlich an den Turm der im 14. Jh. durch Castruccio Castracani ausgebauten Festung von Avenza, ganz in der Nähe des Zentrums von Carrara.

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uch wenn die westlich gelegene Landschaft die ebene, dicht bevölkerte Versilia ist, so verläuft diese Etappe doch größtenteils auf halber Höhe an den Hängen der Apuanischen Alpen, mit wunderbaren Ausblicken auf das Meer und die Marmorsteinbrüche. Von Avenza führt die Strecke ins Landesinnere und auf einen Hügel (Betrieb Montegreco, 150 m), von Pietrasanta, Glockenturm der Kirche wo ab es wieder bergab geht, in S. Agostino am Domplatz Richtung Massa. In der weiten Landschaft verläuft der Weg oft inmitten von Weingärten, dann ist der Gebirgsbach Frigido („frigido“ bedeutet „kühl“, wegen der niedrigen Wassertemperatur) zu queren, schließlich gelangt man in die Stadt. Das imposanteste Bauwerk von Massa ist der Herzögliche Palast, die ehemalige Residenz der Adelsfamilie Cybo Malaspina,

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welche ihre Grabstätte in der unterirdischen Kapelle der Kathedrale Ss. Pietro e Francesco hat. Aus Massa führt der Weg, leicht ansteigend, jenseits der Piazza Municipio hinaus, um dann – wieder abfallend - für wenig mehr als einen Kilometer der Via Aurelia in Südrichtung zu folgen, bis nach Montignoso. Nach einem erneuten Aufstieg kommt man an die Mauern der Burg Aghinolfi langobardischen Ursprungs, die vor kurzem restauriert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wurde. Ab hier geht es abwärts, mit weitem Ausblick auf die Versilia und, weiter im Norden, in Richtung La Spezia: Nach etwa 4 km auf einer Nebenstraße ist die Ebene erreicht. Nach einer Strecke auf einem grasbewachsenen Damm und erneuter Annäherung an die Via Aurelia kommt man nach Pietrasanta, an das Kriegerstandbild von Fernando Botero, und – nach weiteren, wenigen hundert Metern – auf die Piazza, an der der Dom S. Martino und die säkularisierte Kirche S. Agostino stehen.

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ach Verlassen von Pietrasanta kommt man in etwa zehn Minuten zur Pfarrkirche S. Giovanni e S. Felicita in Valdicastello, die – im 8. Jh. errichtet – wahrscheinlich das älteste Bauwerk der Versilia ist. In leichtem Auf und Ab, mit einigen Abschnitten auf unbefestigten Straßen und kleinen Wegen durch Weiden und Wälder, erreicht man Camaiore, wo ganz in Der Dom von Lucca der Nähe der Altstadt das Benediktinerkloster S. Pietro (8. Jh.) steht, das heute zum Komplex der Abtei von Camaiore gehört. Ab hier beginnt ein erneuter Aufstieg, neben der asphaltierten Straße, deren Spitzkehren man dank verschiedener Abkürzungen vermeiden kann, bis an den Gebirgsübergang Montemagno (213 m). Jetzt verläuft der Weg durch das Tal der Freddana, zum Teil neben, zum Teil auf der Provinzstraße, welche

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den Ortskern Valpromaro berührt. Mit einem leichten Anstieg wird Piazzano mit seiner Pfarrkirche erreicht. Anschließend geht es recht steil in das Tal hinunter, zuerst zur Kirche S. Macario, dann – in Ponte San Pietro – an das rechte Ufer des Serchio. Nach Überqueren der Brücke führt ein Weg auf den Damm hinab, wo man über eine als Radweg angelegte, unbefestigte Straße bis an die Stadtmauern von Lucca gelangt. Der Eingang in die Stadt erfolgt durch die Porta San Donato, dann geht es über den Piazzale Verdi bis an die Kirche S. Michele in Foro, die oberhalb der römischen Stadtmitte stand und deren heutige Struktur auf das Jahr 1070 zurückgeht. Von großem Interesse ist auch ein Besuch des dem Heiligen Martin geweihten Doms: eine grundlegende Etappe für alle Pilger, dank dem Kruzifix des Heiligen Antlitzes. Unter dem Bogengang ist ein Basrelief mit einem Labyrinth und einer Inschrift zu sehen, wo die Verpflichtung der hier im Mittelalter tätigen Geldwechsler zur Ehrlichkeit unterstrichen wird.

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ine kurze Etappe, die – durch ebenes Gebiet – von Lucca in Richtung des Arno führt. Nur wenige Stunden Weg, so lässt sich ein Besuch von Lucca einschieben, bevor man die Mauern der Stadt über das Stadttor Porta S. Gervasio verlässt. Nach 5 km erreicht man Capannori, dessen Pfarrkirche Ss. Quirico e Giuditta noch die Fassade aus dem 13. Jh. besitzt. Vor Porcari führt der Altopascio, Portal S. Jacopo Weg durch ein von der Tätigkeit des Menschen stark gezeichnetes Gebiet, entlang einer Industriezone. Weiter geht es durch offene Felder bis zu den Überresten der Abtei von Pozzeveri, die an den Ufern des jetzt ausgetrockneten BientinaSees stand und ihren Höhepunkt im 13. Jh. hatte, als sie von den Kamaldulensern bewohnt war. Die Landschaft bleibt eben, ohne jede Schwierigkeit. Im Mittelalter dagegen war diese Strecke wegen der Seen und Sümpfe äußerst gefährlich, so dass es zu den Aufgaben

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der Mönche von Altopascio gehörte, den Weg durch Glockenläuten anzuzeigen und ggf. die Wanderer zu suchen, die sich verlaufen hatten. Noch wenige Kilometer auf Nebenstraßen und man kommt nach Altopascio, dessen berühmtes Hospiz von vielen Reisenden erwähnt wurde. In der Altstadt sind die ursprünglichen Strukturen noch gut zu erkennen, wobei die einstigen Höfe jetzt zur Piazza Ricasoli, Piazza Garibaldi und Piazza degli Ospitalieri geworden sind. Im Zentrum des antiken Hospizes stand die Kirche S. Jacopo Maggiore, die 1827 unter Einbeziehung der antiken Struktur als Querschiff wieder aufgebaut worden ist; die Fassade (13. Jh.) der alten Kirche ist mit Biduino zugeschriebenen Skulpturen (etwa aus dem Jahr 1180) geschmückt. Auf einer Seite der Kirche ist oben auf dem Glockenturm (1280) noch die „Verlaufenen-Glocke“ (1327) vorhanden, die so heißt, weil sie abends lange geläutet wurde, um die Pilger heimzurufen, die sich verlaufen hatten.

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ach Verlassen von Altopascio, mit seinen Schutzmauern und Erinnerungen an das einstige große Hospiz an der Via Francigena, gelangt man über eine recht lange, unbefestigte Straße nach Chimenti, dann geht es auf einer wesentlich älteren Straße weiter. Etwa einen Kilometer verläuft der Weg auf einer antiken gepflasterten Straße bis nach Galleno, die wahrscheinlich – so die Historiker Der Dom von San Miniato – ein Abschnitt jener Via Francigena ist, die den Arno mit Altopascio verband. Die Ebene, die sich bis an den Arno erstreckt, wird hier von den Hügeln „delle Cerbaie“ unterbrochen, so dass der Weg bis auf etwa 100 m Höhe ansteigt, bevor er nach Fucecchio hinab führt. Jetzt erreicht man den Ort Ponte a Cappiano, der nach der im 16. Jh. von den Sangallo errichteten und kürzlich restaurierten Brücke über den Usciana benannt ist, wel-

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cher aus dem Feuchtgebiet des Padule di Fucecchio abfließt. Wahrscheinlich handelt es sich um das Gebiet, das Sigerich als Aqua Nigra XXIV und Philipp August als Schwarzen Arno bezeichnet hatte. Jenseits der Brücke geht es etwa 3 km den Damm des Kanals entlang, dann steigt der Weg nach Fucecchio an, mit der Kollegienkirche S. Giovanni Battista, an deren Vorplatz auch die Abtei S. Salvatore steht. Sie wurde um das Jahr tausend gegründet und beherbergt heute Nonnen des Klarissen-Ordens. Nach etwa einem Kilometer erreicht und überquert man den Arno auf einer Straßenbrücke, wobei die Strecke weiter auf dessen Uferdamm bis nach San Miniato Basso verläuft. Eine letzte Anstrengung: Auf leicht ansteigender Strecke und dann auf der Provinzstraße geht es nach San Miniato Alto, zur Kirche S. Francesco und dem gleichnamigen Kloster, in dem die Pilger Aufnahme finden können. Von hier aus sind der Dom und die Festung nur einen kurzen Fußmarsch entfernt.

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n der Piazza del Duomo stehen der Palazzo der Kaiserlichen Vikaren und der Dom, welcher der Heiligen Jungfrau und dem Heiligen Genesius geweiht ist. Besonders schön ist die Besteigung der Torre di Federico (Friedrichsturm), die nach ihrer Zerstörung 1944 wieder aufgebaut wurde. Man hat einen herrlichen Blick auf den Ort und das Auf dem Weg nach Gambassi Terme gesamte Umland, bis zum Arno. Eine erste, gute Stunde führt der Weg eine Asphaltstraße entlang: Nach der Fraktion Calenzano nimmt man die Straße nach Castelfiorentino, bis etwa 5 km vor San Miniato; ab hier geht es auf einer unbefestigten Straße, rechts von der Asphaltstraße weiter. Hier beginnt eine sehr schöne Strecke, den Gebirgskämmen folgend, die zum Teil auf die nahe gelegene Val d’Elsa blicken. Nach etwa zwei Stunden erreicht man die Pfarrkirche von Coiano, die jetzt ei-

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nem Bauernhof einverleibt ist und dem Verfall droht. Weiter verläuft die Via Francigena an Höfen vorbei, immer auf kleinen, unbefestigten Straßen und Wegen. Nur ein kurzer asphaltierter Abschnitt unterbricht diese schöne Strecke, deren einziges Problem darin besteht, dass man sich nirgends mit Essen und vor allem Wasser versorgen kann (wenn man nicht an einem der Höfe darum bitten will, die Wasserflasche auffüllen zu dürfen). Es geht langsam abwärts, bis der Weg etwa 5 km vor dem Ziel erneut anzusteigen beginnt, in Richtung Gambassi Terme. Nach der Erholungsanlage Borgo della Meliana gelangt man zur Provinzstraße, deren ansteigendem Verlauf man bis zur Pfarrkirche S. Maria Assunta in Chianni folgt. In der Kirche (Ende des 11. Jhs) soll demnächst eine Herberge eingerichtet werden. Noch wenige Minuten und Gambassi Terme ist erreicht, mit einer Aussichtsterrasse auf die Hügel, die diesen Ort von San Gimignano trennen.

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on Gambassi Terme aus ist die Etappe nach San Gimignano recht kurz, so dass man einen ganzen Nachmittag in den engen Gassen des Städtchens verbummeln kann. Die Strecke ist einfach und angenehm. Sie führt an Höfen und alten Pfarrkirchen vorbei, an den Bergkämmen der Val d’Elsa entlang. Nur einen Kilometer vom Ausgangspunkt entfernt verlässt man die AsphaltstraIn Richtung San Gimignano ße und geht auf einem Feldweg weiter, vorbei an einer Kapelle zum landwirtschaftlichen Betrieb Luiano. Nach weniger als einer Stunde kommt eine kurze Strecke, die eine gewisse Aufmerksamkeit erfordert: Der Weg führt auf ein Feld, leicht ansteigend an einer Baumreihe entlang, um dann in eine unbefestigte Straße zu münden, der in linker Richtung zu folgen ist. Über Weggabelungen und leichte Anstiege geht es am Grundstück

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der Fattorie San Pietro vorbei zur Provinzstraße, der nach rechts zu folgen ist. Man gelangt so an das 1670 vollendete Heiligtum Pancole, das die Deutschen auf ihrem Rückzug 1944 zum größten Teil zerstörten. Hier kann man die Wasserflaschen auffüllen. Nach Collemuccioli (mit einem kurzen gepflasterten Abschnitt aus dem Mittelalter) kommt man in Cellole an die Pfarrkirche S. Maria Assunta, mit einer Fassade aus dem Jahr 1238. Weiter geht es auf der Asphaltstraße in Richtung San Gimignano, das man – nach einem letzten Anstieg – durch das Stadttor Porta S. Matteo erreicht. Mit seinen Türmen weltweit berühmt, wurde San Gimignano (Sancte Gemine XIX für Sigerich) kurz vor dem Jahr tausend gegründet. Als Markt für das landwirtschaftlich genutzte, dank des Safrans sehr reiche Umland und dann als Station für die Reisenden der Via Francigena wuchs San Gimignano mit der Gründung verschiedener Klöster und Hospize für die Rompilger dann ständig weiter.

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ie imposantesten Bauwerke San Gimignanos stehen an der Piazza Duomo: der Palazzo del Podestà (des Stadtoberhauptes) mit dem RognosaTurm (lohnender Aufstieg), die Kollegienkirche und der Palazzo del Popolo (des Volkes). Man verlässt die Altstadt durch das Stadttor Porta S. Giovanni, dann weiter in Richtung der Fraktion Ankunft in Badia a Coneo Santa Lucia. Jetzt sind eine Furt und einige kleine Bäche zu queren, dann erreicht man den Villa Torraccia di Chiusi. Weiter geht es, an Bagnoli vorbei, über eine kurze Strecke auf einer Pflasterstraße aus dem Mittelalter. Nach Querung einer Asphaltstraße kommt man nach Badia a Coneo. Die Pfarrkirche SS. Ippolito e Cassiano, mit schönem Schmuckwerk, verdient einen Besuch. Nach Quartaia gelangt man in den Ort Gracciano (eventuell Etappe teilen), den man auf einer Asphaltstraße verlässt, um

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bald wieder auf unbefestigten Straßen wandern zu können. Nach Strove, Acquaviva und einer kurzen Strecke durch den Wald führt der Weg nach Abbadia a Isola hinunter: Im Zentrum der Siedlung stand die 1001 gegründete Zisterzienserabtei S. Salvatore, die aufgrund der häufigen Versumpfungen des Umlandes auch „a Isola“ (auf der Insel) genannt wurde. Nach dem Besuch der Kirche geht es nach Monteriggioni weiter, umgeben von den Türmen, die Dante in seiner Hölle erwähnte: „Denn wie an seinem zirkelförm’gen Umfang / Mit Türmen ist gekrönt Montereggione, / Also umtürmen mit dem halben Leibe / Den Rand […] / Die schrecklichen Giganten […]“ Nach einem kurzen Abschnitt auf der Provinzstraße führt eine ansteigende kleine Straße zum Ort, den man durch das Stadttor Porta Fiorentina betritt. Innerhalb des Mauerkreises gibt es nur eine Straßenachse, welche das Stadttor Porta S. Giovanni im Norden mit dem gegenüberliegenden Stadttor verbindet.

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ie nicht sehr lange Etappe verläuft durch das Hügelland um Siena und erreicht schließlich die Stadt, die ihren Wohlstand dem Verkehr längs der Via Francigena verdankt. Nachdem der Pilger Monteriggioni durch das Stadttor Porta Franca verlassen hat, führt der Weg zur Provinzstraße hinab. Nach einer Reihe von Weggabelungen steigt die StreDer Dom von Siena cke schließlich wieder auf einem Karrenweg an, der in der Nähe einer großen Eiche beginnt. Nach etwa 300 m kommt man zu den Überresten des mittelalterlichen Ortes Cerbaie, dann geht es durch einen Wald und schließlich in einen Olivenhain. Die Burg Della Chiocciola ist der nächste beachtenswerte Punkt: Im Mittelalter errichtet, zeichnet sich die Burg durch ihren Turm mit der Wendeltreppe (auf Italienisch „Chiocciola“)

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aus, nach der sie auch benannt wurde. Wenig später gelangt man auf asphaltierter Straße zur Burg von Villa. Nach den Anhöhen des Seneser Hügellandes verläuft die Strecke jetzt in leichtem Auf und Ab in Richtung Schnellstraße (Unterführung). Damit ist die Peripherie von Siena erreicht, und 3 km nach der Unterführung steht man vor dem Stadttor Porta Camollia. Früher führte die Via Francigena durch dieses Tor in die Stadt, um dann durch den Bereich zu verlaufen, wo heute die Basilika S. Domenico steht, bis zum Spital S. Maria della Scala, dem Dom gegenüber. Im 10. Jh. von den Domherren gegründet, um Pilgern und bedürftigen Kranken beizustehen, wurde die Struktur in kurzer Zeit dank zahlreicher Hinterlassenschaften und Schenkungen so reich, dass sie Höfe (die Grance) und Zweigstellen wie die Cuna und Spedaletto einrichten konnte. Heute ist S. Maria della Scala dagegen einer der bedeutendsten Museumspole von Siena.

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iese lange Etappe verläuft längs den Gebirgskämmen auf unbefestigten Straßen, parallel zur Val d’Arbia. Auf der ganzen Strecke gibt es kaum Schattenmöglichkeiten und im Sommer kann es daher sehr warm werden; der interessanteste Haltepunkt ist der antike befestigte Hof „Grancia di Cuna“. Das große Anwesen Cuna Der erste Abschnitt in Siena führt über die Via Banchi di Sotto und Via Roma zum Stadttor Porta Romana hinaus; nach einigen Straßengabelungen verläuft der Weg lange auf der Asphaltstraße „del Linaiolo“. An einem Agrotourismus vorbei, geht es auf der Provinzstraße nach Murlo über den Tressa, bis nach Ponte a Tressa. Von hier ist bald die imposante Struktur des Hofes „Grancia di Cuna“ erreicht, der 1224 in den Besitz des Spitals S. Maria della Scala kam (am Tor sind die Wahrzeichen des Spitals zu erkennen). Hier steht die kleine (fast immer geschlosse-

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ne) Kirche aus dem Jahr 1314, mit Fresken aus dem 14. Jh. Innerhalb der Struktur der Grancia führt ein Innenhof, den man durch einen Bogen betritt, zum eigentlichen Bauernhof, mit einer Reihe von Lagerräumen in den oberen Stockwerken, die einst auch den Lasttieren zugänglich waren. Nach Verlassen des Hofes (Wasserflaschen auffüllen) verläuft eine lange Strecke durch Felder, zuerst nach Greppo und dann nach Quinciano, mit einem großen Bauernhof, der von der Kirche S. Albano, mit achteckigen Formen und Kreuzgewölbe, beherrscht wird. Nach einem langen Abschnitt neben der Bahnlinie Siena-Grosseto geht es auf einer Asphaltstraße über den Arbia und schließlich in den Ort Ponte d’Arbia weiter. Hier befindet sich das Centro Cresti, das Fußwanderer aufnimmt. Ein langer Umweg – von hier oder von Buonconvento aus – führt zum Kloster Monte Oliveto Maggiore (hin und zurück eine Tageswanderung).

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iese sehr interessante Etappe führt tief in die Val d’Orcia, eine der meistgeliebten Landschaften der Welt. Man verlässt Ponte d’Arbia und überquert den Fluss, geht an der Bahnlinie entlang und erreicht die Provinzstraße: Links führt der Weg in Kürze nach Buonconvento, rechts, in Richtung Bibbiano, gelangt man an die Pfarrkirche Santi Innocenti (als S. Innocenza von Piana bekannt), einen Backsteinbau San Quirico d’Orcia, Kollegienkirche aus dem 12. Jh. auf einer kleinen, mit Ss. Quirico e Giuditta Zypressen bestandenen Anhöhe an der Via Francigena. Buonconvento, eingeschlossen in seine Mauern aus der zweiten Hälfte des 14. Jhs, war der Markt für den Handel mit Korn, Tabak und Maulbeeren und verdankt seine Blüte der Via Francigena, wie das monumentale Stadttor Porta Senese bezeugt. Buonconvento (von wo aus sich ein Umweg von einem Tag – Hin- und

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Rückweg – zum Kloster Monte Oliveto Maggiore lohnt) hinter sich lassend, geht es nach einem Auf- und anschließendem Abstieg weitere 1,5 km auf der Provinzstraße nach Montalcino. Vorbei an der Burg Altesi wird die Strecke steiler und führt nach Torrenieri, eine der Etappen Sigerichs, wo sich die Kirche S. Maria Maddalena befindet. Der Aufstieg wird kurz durch eine Flussquerung unterbrochen, dann geht es in Richtung des Ortes San Quirico d’Orcia weiter, den man nach Querung der Via Cassia erreicht. Auch hier legte Sigerich eine Pause ein (XII Sancte Quiric), wobei sich der Ort auf dem Bergrücken befindet, der das Tal des Orcia vom Lauf des Asso trennt. Die Fassade der Kollegienkirche Ss. Quirico e Giuditta ist von einem romanischen Portal (Ende des 11. Jhs) mit Basreliefs geschmückt; auf der Seite der Kirche befindet sich ein zweites Portal aus dem 13. Jh. Der Siedlung gegenüber steht die im 11.-12. Jh. gegründete Kirche S. Maria Assunta im romanischen Stil.

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ine der anstrengendsten Etappen der gesamten Strecke in der Toskana, auch weil sie mit dem langen Aufstieg zur Festung von Radicofani endet. Noch schwieriger ist diese Etappe im Sommer, weil es fast keinen Schatten gibt. Nach San Quirico beginnt der Aufstieg in Richtung Vignoni, wobei sich der Blick immer mehr Becken mit Thermalwasser nach Süden hin weitet und vom in Bagno Vignoni Amiata-Massiv beherrscht wird, mit der Festung von Radicofani am Horizont. Von Vignoni aus geht es etwa zweihundert Meter bergab, bis nach Bagno Vignoni: In der Mitte eines mittelalterlichen Platzes werden in einem großen antiken Becken die Thermalwasser aufgefangen, die schon bei den Römern geschätzt waren. Bagno Vignoni, der Ort, den die Heilige Katharina und Lorenzo der Prächtige aus der Familie de‘ Medici besonders liebten, lädt zu einer Pause ein, bevor der schwierigste und sonnigste Teil

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der Strecke beginnt. Weiterhin bergab geht es sowohl über den Lauf des Orcia als auch über die Via Cassia, dann an der Staatsstraße entlang und schließlich erneut bergauf, in Richtung Castiglione d’Orcia. Die Route führt nicht in den Ort, den man aber über einen Umweg von etwa 4 km (Hin- und Rückweg) erreichen kann. Nach Überwinden des höchsten Punktes verläuft der Weg wieder bergab in Richtung Via Cassia und zu den Ruinen vom Hospiz „delle Briccole“, das im Mittelalter die Reisenden der Via Francigena aufnahm und von dem noch eine kleine, S. Pellegrino geweihte Kirche vorhanden ist. Die Strecke auf der ehemaligen Via Cassia ist ziemlich lang, dann geht es aber wieder bergab in Richtung der modernen Staatsstraße und vorbei am alten Haltepunkt Ricorsi. Von hier sind es noch etwa 5 km, auf denen fast 400 m Höhenunterschied zu überwinden sind, um nach Radicofani und dann – über die Hauptstraße des Ortes – zur Kirche S. Pietro zu gelangen.

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ie letzte Etappe des toskanischen Abschnitts der Via Francigena beginnt mit einer der schönsten Strecken. Von Radicofani aus führt der Weg über die ehemalige, nicht mehr benutzte Via Cassia. Je weiter man zur neuen Via Cassia zwischen Weiden und Feldern hinabsteigt, desto bezaubernder wird der Blick in Richtung Val d’Orcia und Monte Amiata. So geht es etwa 10 km und – nach eiLandschaft längs des Abstiegs nem kurzen Stück entlang oder von Radicofani neben der stark befahrenen Via Cassia – ist die leicht ansteigende Provinzstraße Ponte Siele zu nehmen, in Richtung der Region Latium. Auf einer, auf halber Höhe über dem Tal des Flusses Paglia verlaufenden, unbefestigten Straße erreicht der Pilger das auf einem Bergkamm langgestreckt angelegte Proceno. Auf der Piazza in der Ortsmitte steht der Palazzo

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von Kardinal Guido Ascanio Sforza, und von hier führt die Strecke zur mittelalterlichen Festung. Nach Proceno verläuft die Strecke bergab auf Nebenstraßen weiter, fast bis an die moderne Via Cassia und die gregorianische Brücke, die Ende des 16. Jhs auf Veranlassung Gregors XIII. am Zusammenfluss von Paglia und Tirolle errichtet wurde. Und wieder geht es auf unbefestigten Straßen bergauf, bis nach Acquapendente, das mit seiner Kirche und seinen Reliquien eine grundlegende Etappe für die Reisenden der Vergangenheit war. Man durchquert den gesamten Ort und gelangt zur Basilika Santo Sepolcro. Unter dem Bau befindet sich die Krypta des Heiligen Grabes aus der zweiten Hälfte des 10. Jhs, getragen von 24 Säulen mit von Tierfiguren und Pflanzen geschmückten Kapitellen. In der Mitte befindet sich eine Gedächtniskapelle, in den Formen des Heiligen Grabmales von Jerusalem, so wie dieses zur Zeit des Baus der Krypta ausgesehen hat.

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art. 4.51-14 TUR



Entdecken Sie stimmungsvolle Orte am toskanischen Abschnitt der Via Francigena



15 Etappen: Ortskerne, Pfarreien, Hügel, Sümpfe und antike Straßen



Höhenprofile, technische und praktische Informationen zur Organisation Ihrer Wanderung

DIE VIA FRANCIGENA IN DER TOSKANA Geschichte, Kunst und Natur: 15 stimmungsvolle Etappen

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DIE VIA FRANCIGENA IN DER TOSKANA  

Geschichte, Kunst und Natur: 15 stimmungsvolle Etappen

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