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Ausgabe 1 · 36. Jahrgang Frühjahr 2021 · 7,00 

TAUNUS · RHEINGAU · WIESBADEN · ASCHAFFENBURG · DARMSTADT

life & style BLUMIGE AUSSICHTEN

Flower Power CHIC ODER CASUAL

Rhein-Main Fashion GLÜCK AUF VIER PFOTEN

Verrückt nach Hund business HOCHSCHULE DER CHANCEN

50 Jahre Frankfurt UAS gourmet DER EDELSTE SCHINKEN DER WELT

Die Welt des Pata Negra FRIEDRICH GROEBES AROMENSINFONIE

Partitur großer Rieslinge 

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people

DIGITALE MODE

The Show Must Go On VIRTUELLE KUNST

Kultur für Zuhause MUTIGE UNTERNEHMER

Neue Wege

Jochen Maas · Dagmar Wöhrl · Klement Tockner


In Frankfurt dreht sich vieles ums Geld. Und bei uns alles um Sie. Hansen & Heinrich. 20 Jahre Partnerschaft in den Bereichen: Vermögensverwaltung | Vermögensgestaltung Immobilienservice | Vorsorgeberatung Stiftungstreuhand | Privatsekretariat Fondsmanagement | Embassy & Consulate

Opernplatz 14 60313 Frankfurt am Main hansen-heinrich.de


editorial Liebe Leserinnen und Leser, können Sie sich noch erinnern, was Sie Anfang letzten Jahres gemacht haben? Wir hatten Pläne für den Frühling geschmiedet, Wochenendtrips und Reisen in ferne Länder geplant. All das mit einer Selbstverständlichkeit, die heute kaum mehr vorstellbar scheint. Denn alles kam anders und wir mussten in den letzten zwölf Monaten auf vieles verzichten. Prof. Dr. Jochen Maas, Geschäftsführer des französischen Pharmakonzerns Sanofi im Industriepark Frankfurt Höchst, blickt optimistisch in die Zukunft. Ein Grund dafür sind die Impfstoffe, die in Rekordzeit entwickelt wurden. Zurzeit arbeitet man dort an einer eigenen Vakzine – die erste Lieferung der Frankfurter Produktionsanlage soll im Herbst erfolgen. Bis dahin stellt man die Produktionsstätten der Mainzer Konkurrenz Biontech-Pfizer zur Verfügung. Peter Lückemeier sprach für Top Magazin mit dem Sanofi-Forschungschef über den neuen mRNA-Impfstoff, darüber, wieso Impfen nicht gefährlicher ist als Autofahren und warum er an einen entspannteren Sommer glaubt. An sommerlichen Frühlingstagen dürfen Blumen natürlich nicht fehlen. Wir haben renommierten Floristen in Frankfurt und der Region über die Schulter geschaut und uns zeigen lassen, was dieses Jahr im Trend liegt. Von wildem Wiesen-Mix bis zu romantischen Rosen-Bouquets – lassen Sie sich von den Blumenwelten verzaubern. Regelrecht verzaubern können auch die Augen eines Hundewelpen. Gerade in den letzten Monaten war die Nachfrage nach den treuen Freunden auf vier Pfoten so groß wie nie. Die Tierheime sind leer, von Welpen keine Spur. Züchter berichten, dass Hundeliebhabern aktuell kein Preis zu hoch ist. Vierbeiner als Gesellschaft in Zeiten des Kontaktverbots? Wir haben uns von TV-Hundeprofi Martin Rütter erklären lassen, was dem Boom zugrunde liegt, und fragen, ob der Hunde-Hype auf Dauer anhalten wird. Was sicher überdauern wird, sind die kreativen Lösungen, die sich Museen und Kultur­ stätten im Lockdown ausgedacht haben. Das Angebot an virtuellen Auftritten und

Online-Ausstellungen, mit denen sie sich und ihre Kunst im Netz präsentieren, wollen die meisten auch nach der Pandemie weiter ausbauen. Wir haben für Sie eine Auswahl an Institutionen zusammengestellt, die das ganze Jahr – live und digital – für Unterhaltung sorgen. Doch nicht nur Kulturstätten präsentieren sich im Netz. Wer sein Leben nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen kann, der postet sich eben in den Sozialen Medien. Natürlich nur von der Schokoladenseite. Es wird getrickst und geschönt. Wir schauen hinter den schönen Schein und sind der Frage nachgegangen, wann wird die digitale Selbstoptimierung eigentlich zum Zwang? Und wie kann man dem entgegensteuern? Auf Instagram vertreten ist auch Rechtsanwältin und Politikerin Dagmar Wöhrl. Von Beschönigungen hält die ehemalige Miss Germany nichts. Was sie ihren Followern dort präsentiere, sei zu 100 Prozent sie selbst. Im Interview erzählt uns der Fernseh-BusinessAngel außerdem, was sie an der „Die Höhle der Löwen“ am meisten fasziniert, welchen Tipp sie jedem Gründer mit auf den Weg gibt und warum von ihr geförderte Start-ups für die Zukunft gut gewappnet sind. Einen Blick in die Zukunft haben auch wir gewagt. Die „Frankfurt Fashion Week“ soll in diesem Sommer erstmals stattfinden. Grund genug, um mit bekannten Designern und Mode-Experten aus Frankfurt und Rhein-Main über die Messe, aktuelle Trends und Neuigkeiten aus der Szene zu sprechen. Ein kleiner Sneak-Peak: Der Frühling ist bunt, pastellig und bequem. Mit vielen positiven Aussichten möchte ich Sie dazu einladen, in die unterschiedlichen Themen unseres Magazins einzutauchen. Viel Vergnügen bei der Lektüre und einen zauberhaften Frühling.

Ihre Eleonore Schmidt

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content

Die schönsten Hunde-Accessoires ab S. 96

Kultur für Zuhause ab S. 116

Selbstoptimierung auf Social Media ab S. 38

Die neue Flower Power ab S. 6

top life & style 6 Hier blüht Ihnen was – Die neue Flower Power 18 The Show Must Go On – Digitale Mode 26 Fashion News 32 Top Men – Catchy Weekend 34 Top Women – Vacation Vibe 36 Lippenstift trotz Maske – So kreativ sind Frankfurts Frauen 96 Accessoires für Hund und Katze

60 Kreativ auf neuen Wegen – Wie Unter- nehmen sich neu erfinden 66 50 Jahre Frankfurt UAS – Präsident Prof. Dr. Frank E. P. Diervernich über Erfolg und Expansion 72 Wirtschaftsclub Rhein-Main 74 Forschung und Hoffnung – Sanofi Chef Prof. Dr. Jochen Maas glaubt an einen unbeschwerten Sommer

top business

38 Mehr Schein als Sein – Selbstoptimie rung auf Socia Media 42  Höhle der Löwe-Investorin Dagmar Wöhrl über erfolgreiche Deals und Filter auf Instagram 48  Business News 56  Marketing Club Frankfurt 58 Do’s and Don’ts – Etikette im Online-Meeting

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top health&beauty 78  Mythos Muskelkater – Der scheinbar schöne Schmerz

top panorama 82 Teppichkunst – Wie Designer Jan Kath den Orient nach Deutschland brachte 88  Verrückt nach Hund – Haustierboom in Corona-Zeiten 116 Art goes Digital – Kultur für Zuhause


Wir erfüllen exklusive Wünsche. Individuelle Einzelanfertigung, Handmade in Germany.

Teppichkunst aus dem Orient ab S. 82

Gespräch mit Prof. Dr. Klement Tockner Digitale Mode ab S. 124

ab S. 18

Triplekorn

120 Online Kultur-Tipps 124 Wechsel an der Spitze – Neuer Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Klement Tockner will Großes wagen

47-fach gebrannt 6 Jahre faßgelagert limited edition / 888 Flaschen

top gourmet 104 D  as Joselito Prinzip – Exklusive Einblicke in die edelste Schinkenmanufaktur der Welt 107 Buon Appetito – Italiens Schinken-Spezialitäten 108  Schöner Schinken schlemmen – Die besten Rezepte 110  Riesling und Musik – Friedrich Groebes große Gewächse 112 Gourmet News

exklusiv erhältlich bei:

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Meisengasse 9 · Frankfurt

top what’s on 127 Top Selection 128 Impressum W W W.TA S T E L U X . D E


Ein wilder Mix aus Gerbera, Nelken, Tulpen, Vanda Orchideen, Mimosen, Lilien, Rosen und Forsythien in der Reichenbach-Vase „KoiKoi“ von Designerin Paola Navone: Blumen-Bleuel im Westend gestaltet ganze Interiors.


life & style

Die neue Flower Power Ob wilder Wiesen-Mix oder romantisches Rosen-Bouquet – Blumen zaubern jedem Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Hatten Sträuße früher meist eine straffe und kompakte Form, sind der Fantasie moderner Floristen keine Grenzen gesetzt. Nicht wenige entwickeln ihre ganz eigenen Blumen-Philosophien. Wir haben Traditionsunternehmen und Newcomern in Frankfurt und der Region über die Schulter geschaut. Staunen Sie über florale Kompositionen, in die es neben Orchideen, Gerbera und Lilien durchaus auch Unkraut, Äste und Kräuterstängel schaffen können. Lassen Sie sich überraschen: Hier blüht Ihnen was!

Text: Kitti Pohl, Fotos: Michael Hohmann

W

o Blumen blühen, lächelt die Welt, heißt es. Ihre Vielfalt, Schönheit und Ästhetik machen glücklich. „Ich male Blumen, damit sie nie sterben müssen“, sagte Künstlerin Frida Kahlo. Und tatsächlich: Bereits Gemälde und Fotos von Blumen sorgen beim Betrachten für zwanzigmal positivere Stimmung. Kein Wunder, dass ein echter, duftender Blumenstrauß regelrechte Glücksschübe auslösen kann. „Es gibt Zeiten, in denen eine Rose wichtiger ist als ein Stück Brot“, wusste bereits der feinfühlige Lyriker Rainer Maria Rilke. Gerade in tristen, schwierigen Zeiten können Blumen wie ein Antidepressivum wirken: Ihr positiver Einfluss auf das menschliche Gehirn ist wissenschaftlich erwiesen. Schon ein einziges Gänseblümchen vermag es, uns aufzumuntern. Blumen beruhigen, in ihrer Nähe fühlen wir uns weni-

ger gestresst. Ihre Sprache ist universell, ihre emotionale Kraft brachte Johann Wolfgang von Goethe in einem wundervollen Satz zum Ausdruck: „Blumen sind die schönsten Worte und Hieroglyphen der Natur, mit denen sie uns andeutet, wie lieb sie uns hat.“ ES GRÜNT SO GRÜN Natürlichkeit und Nachhaltigkeit ist im zeitgemäßen Blumenhandel selbstverständlich. Exoten in ihrer herrlichen Farben- und Formenpracht, die uns früher in den Blumenläden die Augen übergehen ließen, sind nicht mehr die einzigen Objekte der Begierde. Akzente werden auch mit Kräuterstielen, Eukalyptuszweigen, Rosmarinstängeln, natürlich gewachsenen Ästen oder einfachen Gräsern gesetzt. Wie bei Blumen-Ursprung im Oeder Weg: „Es gibt heute viel mehr interessante 

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Jennifer und Christoph Ursprung mit Wiesenstrauß aus Rittersporn, Hortensien, Weidekätzchen, Ginster, Eukalyptus und Scabiosa

„Moderne Sträuße wirken wie frisch von der Wiese gepflückt.“ Christoph Ursprung

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Grünformen als früher. Natürlich gewachsenes Grün bringt Schwung in jeden Blumenstrauß“, sagt Christoph Ursprung, der das 1937 gegründete Unternehmen in dritter Generation führt. „Ein Blumenstrauß soll möglichst natürlich aussehen. Moderne Sträuße wirken wie frisch von der Wiese gepflückt.“ Und es müssen noch nicht mal unbedingt Blumen dabei sein: „Eine Handvoll Stiele Eukalyptus oder Rosmarin in einer Vase sieht wunderschön aus und verbreitet einen tollen Duft. Manche Kunden stellen sie deshalb gerne ins Badezimmer.“ Das Corona-Jahr hat im kinderreichen Nordend übrigens einen neuen, interaktiven BlumenTrend hervorgebracht: „Die Menschen möchten ihre Blumenarrangements immer öfter selbst gestalten. Sie haben mehr Zeit, kommen mit ihren Kindern, wählen gemeinsam die Blumen aus. Zu Hause werden das Gestalten und Dekorieren zum Familien-Event.“ DER MIX MACHT‘S „Früher hat man Themen-Sträuße gebunden. Heute ist man viel freier“, sagt Meisterflorist Heiko Bleuel, der sich mit außergewöhnlichen Arrangements nicht nur im Westend einen Namen gemacht hat: Elegante Ecuador-Rosen mit Margariten und Löwenzahn, fröhliche Wiesenblumen mit edlen Orchideen und Mimo-

Ursprung ist bekannt für beste Rosen, wie dieser prächtige Mix in Creme-Flieder-Rosatönen.


life & style

sen – der besondere Mix ist seine Passion. Ein Laden-Bummel bei Blumen-Bleuel im Grüneburgweg ist ein bisschen wie ein Galeriebesuch: Eine bewusste Auswahl an Blumen, farblich aufeinander abgestimmt und Woche für Woche wechselnd, edle Leuchten und Vasen, hochwertige Duftkerzen, Grußkarten und Objekte sind spannend in Szene gesetzt. „Ein guter Florist kann auch Inneneinrichtung“, sagt Bleuel, der in seinen 35 Berufsjahren an zahlreichen Magazinen, Büchern und Fotostrecken mitgearbeitet hat, sich intensiv mit Kunst und Interior-Design beschäftigt. Als Gestalter mit Schwerpunkt Blumen kennt er nicht nur

Heiko Bleuel in seinem stilvollen Altbauladen

Kranz aus gefärbten Federn von Gänsen, Pfauen und vom roten Fasan

„Ein guter Florist kann auch Inneneinrichtung.“ Heiko Bleuel

Gerbera mal anders, nämlich ausgefranst

seine Kunden, sondern auch ihre Einrichtungen und Vasen, für die er immer neue, spektakuläre Kreationen zaubert. Bleuel liebt es, zu experimentieren: Zum Beispiel mit kolorierten Vogelfedern, die er zu farbenprächtigen Kränzen verarbeitet. HANDWERK UND LEIDENSCHAFT Deckenhohe Pflanzen in mondänen Bodenvasen. Meterlange Paradiesvogelblumen, sogenannte Strelitzien. Ein Grapefruitbaum mit glänzend dunkelgrünen Blättern, der leuchtend gelbe Früchte trägt. Bezaubernde Mohnblumen aus Italien, Rosen aus Kenia und Ecuador. Bei Blütesiegel fühlt man sich ein bisschen wie in einem botanischen Garten. Der Laden in der Mörfelder Landstraße hat sein ganz 

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life & style

„Ein schönes Zuhause ist in schwierigen Zeiten wertvoller denn je.“ Caroline Rankers

Imposante Rosenpracht: Die Königin der Blumen beeindruckt hier mit extrem langen Stielen und prachtvollen Köpfen.

eigenes, elegantes Flair. Die Meisterfloristen Caroline Rankers und Felix Geiling-Rasmus, Gewinner zahlreicher Floristen-Wettbewerbe, legen großen Wert auf Handwerkskunst, sowohl bei den besonderen Gefäßen aus der Manufaktur als auch in der herausragenden Floristik: Die Liebe und Leidenschaft für Pflanzen und Natur ist hier in jedem Winkel spürbar. „Ein schönes Zuhause ist in schwierigen Zeiten wertvoller denn je“, sagt Caroline Rankers: „Wenn man von schönen Blumen umgeben ist, ist man gleich besser drauf.“ Und so tragen zahlreiche Kunden nicht selten ganze blühende Kunstwerke zur Tür hinaus. 

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Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Kunstvolle Arrangements in besonderen Gefäßen sind die extravagante Handschrift von Caroline Rankers und Felix Geiling-Rasmus von Blütesiegel.


Abseits vom Strom. Elektrisiert. Das Porsche eBike Cross. Darf es etwas mehr Power sein? Dann werden Sie das Porsche eBike Cross lieben. Besonders, wenn Sie sich gern im Gelände, abseits der bekannten Pfade bewegen. Tauschen Sie den Takt des Alltags gegen den Ihres Herzschlags. Sportlich-elegantes E-Bike von Porsche in Zusammenarbeit mit ROTWILD. Mit leistungsstarkem SHIMANO Motor und bis zu 25 km/h Pedelec-Unterstützung. Perfekter Begleiter für leichtes Gelände und Offroad-Trips. Auch als Jobrad oder mit Finanzierung möglich. Preis ab EUR 7.990,–. Jetzt bei uns im Porsche Zentrum Aschaffenburg verfügbar. Wir freuen uns auf Sie.

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shops bei Meister besonders beliebt. Meister steht nämlich auch für seltene Weine und Delikatessen.

Floristinnen aus Leidenschaft: Rebecca Tezsay und LadenManagerin Dina Giunta von Blumen-Meister auf der Freßgass’

„Hier kann keiner einfach so vorbeilaufen. Der Stand ist wie eine Bühne.“ Rebecca Tezsay

BLUMEN, WEIN, DELIKATESSEN Eine duftende Blumenoase auf der Freßgass‘ lässt Passanten den Alltag für einen Moment vergessen – egal ob sie geschäftig vorbeieilen oder genussvoll Flanieren. Vor dem Ladengeschäft der Meister Group wirbelt Floristin Rebecca Tezsay zwischen Blumen und Deko-Objekten umher: „Hier kann keiner einfach so vorbeilaufen. Der Stand ist wie eine Bühne“, strahlt sie. Für ganz Eilige gibt es fertig gebundene Sträuße, viele schauen auch gern beim Binden zu. Wer selber kreativ werden will, für den bietet Meister unterschiedlichste Workshops an: Die Teilnehmer gestalten Blumensträuße, Gestecke, Adventskränze, auch Kopfkränze für Junggesellinnen-Abschiede. In Verbindung mit einem exklusiven Wine -Tasting sind die Work-

FARBHARMONIEN UND KONTRASTE „Wenn das Farbbild harmonisch ist, dann ist erstmal unerheblich, aus welchen Blumen es besteht“, sagt Frank Böhning, und seine kunstvollen Blumen-Kreationen erinnern tatsächlich auch schon mal an Gemälde alter holländischer Meister. Der Meisterflorist aus Königstein bezeichnet sich als „absoluten Farbenmensch“, die klassische Farb- und Formenlehre bildet die Basis seiner üppigen Arrangements. Heimische und exotische Blumen sind der Werkstoff, mit dem er sich intensiv auseinandersetzt: „Harmonien und Kontraste sind das A und O. Die Schwierigkeit liegt darin, verschiedene Farben, Formen und Strukturen in Einklang zu bringen, um Spannungen zu erzeugen. Das gelingt nur, wenn man diesen Beruf erlernt hat“, ist Böhning überzeugt – simple Sträuße könne man an jeder Straßenecke kaufen. Bei Blumen-Böhning im Laden hingegen kann man sich an Farbharmonien nicht sattsehen: Pinke Orchideen an orangefarbenen Nelken, zartgelbe Ranunkel in goldfarbenen Väschen – alles ist in Bewegung, fließt zusammen. Mit außergewöhnlichen Vasen und Deko-Elementen als Highlights und beson dere Hingucker.

„Harmonien und Kontraste sind das A und O. Die Schwierigkeit liegt darin, verschiedene Farben, Formen und Strukturen in Einklang zu bringen, um Spannungen zu erzeugen. Das gelingt nur, wenn man diesen Beruf erlernt hat.“ Frank Böhning

Cloni haben fast doppelt so große Blüten wie gewöhnliche Ranunkel.


Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Bei Blumen-Böhning in Königstein dreht sich alles um die Kunst der Farb­ arrangements: Meisterflorist Frank Böhning mit einem Strauß Clematis und Calla, vorne leuchten lila Vanda Orchideen in einer handgefertigten Muschelvase.

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Jung, frisch, fröhlich: Rainbow-Schleierkraut ist der absolute Flower-Trend in der Generation Instagram.

„In Deutschland wachsen Kinder mit dem Lied ‚99 Luftballons‘ auf. In Russland ist es das Lied ‚Eine Million Rosen‘!“ Annabell Lileiko

BOX STATT VASE Duftende Blumenboxen direkt ins Haus: Alyona Eckert und Annabell Lileiko von Femme Florale fertigen in ihrem Atelier in Bad Homburg liebevolle Bouquets in nachhaltigen, schmucken Boxen. Bestellungen werden über Instagram und den Webshop aufgenommen, jedes einzelne blühende Kunstwerk persönlich zum Kunden gebracht. Die Emotionen und das positive Feedback beim Überreichen seien immer wieder ein großartiges Gefühl: „Egal, ob die Empfängerin das Bouquet selbst bestellt hat oder es als Überraschungs- Geschenk erhält: Wir erleben jedes Mal Freude pur!“ Tatsächlich beschenken sich viele Frauen mit den femininen Blumenboxen selbst. Manche im Abonnement, das Woche für Woche eine neue, frische, überraschende Blumenpracht im Haus garantiert. Bella: „Wir lassen uns inspirieren von weltweiten russischsprachigen SocialMedia-Kanälen. In Russland ist es völlig normal, opulente Blumenmeere zu verschenken, dazu

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braucht es keinen besonderen Anlass. Einfach mal so 300 Rosen zum Wochenende sind keine Seltenheit. Für solche XXL-Sträuße gibt’s hier ja noch nicht mal Vasen.“ Wundern tut das die jungen Unternehmerinnen mit russischem Hintergrund allerdings nicht: „In Deutschland wachsen Kinder mit dem Lied ‚99 Luftballons‘ auf. In Russland ist es das Lied ‚Eine Million Rosen‘!“ Dabei müsse es gar nicht immer megapompös sein, auch Unkraut könne man schön zurechtmachen. Derzeit sind Bouquets von Rainbow-Schleierkraut die Objekte der Begierde. In Regenbogenfarben entfaltet Schleierkraut, früher fast ausschließlich schmückendes Beiwerk für Rosensträuße, eine zauberhafte, spielerische Magie. Für diesen Effekt werden die ursprünglich weißen Blumen in farbiges Wasser gestellt, nehmen so die Tinte auf. Sich mit Blumen zu umgeben, so die Freundinnen, sollte kein Luxus sein, den man sich nur zu besonderen Anlässen gönnt. Alyona: „Blumen sind dazu da, uns Tag für Tag n Freude zu bereiten.“

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Bella Lileiko und Alyona Eckert vom Start-up Femme Florale fertigen elegante, bezaubernde Blumen-Bouqets in Boxen.


Natürlich gut schlafen Seit 1986 produzieren wir Polstermöbel im familieneigenen Betrieb. Mit dieser Erfahrung fertigen wir langlebige Boxspringbetten, die sich individuell gestalten lassen. Lernen Sie zum Beispiel das Aurea kennen – den Testsieger der Stiftung Warentest (test 09/2016). Es ist atmungsaktiv und ökologisch nachhaltig aus zertifizierten europäischen Materialien handgefertigt.

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René Meister im beliebten Store auf der Freßgass‘

So luxuriös kann Alltag sein

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lles begann vor mehr als 47 Jahren, als Peter und Edda Meister ihr Laden­g eschäft auf der Freßgass‘ gründeten, mit der Idee, kleine Freuden in jeden Haushalt zu bringen. Heute beschäftigt die Meister Group 40 Mitarbeiter an sieben Standorten und ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Als Peter Meister vor acht Jahren plötzlich verstarb, stand Sohn René vor einer schweren Entscheidung: Er lebte schon Jahre im Ausland, war im Investmentbereich tätig und hatte bis dahin nie daran gedacht, ins elterliche Business einzusteigen: „Uns war klar, dass meine Mutter die Geschäfte alleine nicht weiterführen konnte. Viele Mitarbeiter waren damals bereits 20, 30 Jahre dabei, gehörten quasi zur Familie. Wir brachten es einfach nicht übers Herz, zu schließen“, erinnert sich René Meister. Der Unternehmer stellte sich der Verantwortung, kehrte nach Frankfurt zurück und hat peu à peu das Traditions-Geschäft im Lifestyle- und Luxussegment neu positioniert und alle Standorte erstklassig umgebaut. Meister: „Es geht um Lifestyle, um Innendekoration. Wir wollen Menschen inspirieren, ihr Zuhause zu verschönern und sich den kleinen Luxus im Alltag zu gönnen. Gerade jetzt während der Pandemie, wo mehr Zeit zu Hause verbracht wird.“ 16

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Höchste Blumenqualität aus der ganzen Welt

Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern holt Meister seine Blumen nicht vom Blumengroßmarkt, sondern direkt vom Produzenten. Viele Blumen werden auch eingeflogen: Die blühende Pracht wird quasi vom Rollfeld direkt zu den Filialen wie Kleinmarkthalle und Konstablerwache gebracht: Rosen aus Ecuador und Kenia, Ginster und Ranunkel aus Italien, Tulpen und Wachsblumen aus Holland. Qualität ist für René Meister oberstes Gebot: „Bei Rosen zum Beispiel gibt es riesige Unterschiede. Unsere Blumen sind von hoher Qualität und deshalb auch entsprechend etwas teurer.“ Ein Lieferservice bringt alles, ob im Online-Shop oder im Laden erstanden, auf Wunsch nach Hause. Wie heißt es in der Meister-Firmenbroschüre so schön? „Glück kann man nicht kaufen. Aber Blumen. Und das ist so ziemlich das Gleiche.“

Exklusiv und elegant

Die fantasievollen Sträuße und Gestecke von Meister werden, nachdem sie mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden, in zartes Seidenpapier gehüllt und mit dem exklusiven weiß-goldenen Meister-Siegel versehen. Dina Giunta, Managerin des

Freßgass‘-Stores, liebt es, Kunden auch die ausgefallensten Wünsche zu erfüllen: „Je bunter, umso schöner“, lacht sie, „alles ist erlaubt.“ Sind es auf der Freßgass‘ vor allem Privatkunden, die das Besondere suchen, versorgt die Meister-Filiale „Alice im Blumenland“ auf der Mainzer Landstraße auch Firmen-Kunden wie Luxus-Herbergen, Hotels, Unternehmen und Veranstalter von Events mit außergewöhnlichen Blumenarrangements.

Spitzenweine und Schlemmereien runden das Angebot ab

Der Unternehmenschef der zweiten Generation gibt unumwunden zu: „Ich bin kein gelernter Florist. Dafür verlasse ich mich auf meine Mitarbeiter. Meine Leidenschaft gehört schönen Blumen, seltenen Weinen, gutem Essen und außergewöhnlichen Dekoartikeln, die nicht jeder kennt.“ So entstand die Idee der ansprechenden Geschenkkörbe: Kleine und große Luxusdinge, kunstvoll arrangiert, sind ein beliebtes Präsent. Je nach Gusto und Geldbeutel gibt es zauberhafte Blumenarrangements, Edelchampagner und Spitzenweine wie den kalifornischen Opus One, Kaviar, Gänseleber oder speziell für Meister handgefertigte Pralinen aus der Schokoladen-Manufaktur Marmelina aus Oberursel – der kp n kleine Luxus im Alltag.

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Blumen Meister auf der Freßgass‘

Wer Freude am Besonderen hat, ist bei Blumen Meister im Paradies: Neben einer außergewöhnlichen Auswahl an heimischen und exotischen Blumen offeriert die Meister Group seltene Weine, exquisite Schlemmereien und stilvolle Deko-Elemente. Eine Kombi, die den Blumenladen auf der Freßgass‘ zur Top-Adresse für die anspruchsvolle Klientel aus Frankfurt und Umgebung gemacht hat.


Erlesene Weine und Champagner – passend für jeden Anlass

Das floristische Arrangement besticht durch seine exquisite Blumenauswahl. Perfekt für jede Empfangslobby.

„Es geht um Lifestyle, um Innendekoration. Wir wollen Menschen inspirieren, ihr Zuhause zu verschönern und sich den kleinen Luxus im Alltag zu gönnen.“

Individuelle Beratung für Geschäftskunden bei einem guten Espresso in der Filiale „Alice im Blumenland“ auf der Mainzer Landstraße

René Meister

WWW.MEISTER-GROUP.COM Dieser atemberaubende, herrlich bunte „Meister Strauß“ strahlt faszinierende Gegensätze und berauschende Opulenz aus.

Exklusivität mit Passion – Exquisiter Präsentkorb mit Champagner, Foie gras und Co.

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the show must go on

Die digitale Muse von Ralph & Russo Hauli in der Felsenstadt Petra in Jordanien


life & style

Im Juli soll erstmals die Frankfurt Fashion Week stattfinden – doch Veranstalter und Designer stehen vor großen Herausforderungen: Wie können die neuesten Kollektionen unter Lockdown-Bedingungen und der Einhaltung der AHARegeln präsentiert werden? Chancen bietet die digitale Welt: Avatare statt Models, virtuelle Kleidung statt echter Stoffe. Top Magazin gibt eine Übersicht über Produkte und Prozesse, die sich auch nach Ende der Corona-Pandemie in der Modebranche etablieren könnten. Von Laura Uebel

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Fotos: Ralph & Russo, Freepik

ie ist jung, bildhübsch und ihr Name steht im traditionellen Suaheli für Stärke und Kraft: „Hauli“ modelt erst seit einem Jahr und ist für ihre erste Couture-Show bereits in Länder wie Indien oder Italien gereist, posierte vor der Christusstatue in Rio de Janeiro und ließ sich in eleganter Abendrobe in der jordanischen Felsenstadt Petra fotografieren. Die Newcomerin könnte sich schon bald mit Stars wie Karlie Kloss, Stella Maxwell oder Gisele Bündchen messen – mit einem einzigen Unterschied: Das aufstrebende Supermodel ist nicht echt. Hauli ist ein Avatar, ein virtuelles Mannequin, das aus dem Hause Ralph & Russo stammt und für das britische High-FashionLabel die vergangene Couture-Kollektion Herbst/Winter präsentierte.

ihre Frühjahrs- und Sommerkollektionen 2021 per Video und nahmen die Zuschauer drei Tage lang mit hinter die Kulissen – alles ohne Shows, ohne Laufstege, ohne Live-Publikum. Herausforderungen für die Fashion-Welt Für die Zukunft stellt sich nun die Frage: Wie geht es weiter in der Fashion-Welt? „Alltags­ bestimmte Regeln wie Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht und Abstand halten sind aus aktuellem Anlass bereits dabei, die Szene zu verändern“, sagt Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textile Technologies, Messe Frankfurt. Die Messe Frankfurt veranstaltet unter anderem die nachhaltige Modemesse „Neonyt“. 

Die digitale Fantasie des europäischen Modehauses, die optisch nur schwer von einem echten Menschen zu unterscheiden ist, ist eine Antwort auf die Pandemie. Denn der Lockdown hat auch die Modewelt auf den Kopf gestellt. Fotoshootings und Video-Drehs wurden abgesagt, Models stornierten ihre Flüge, Ateliers und Einzelhandel mussten geschlossen werden. Viele FashionShows wurden komplett gestrichen, einige als Online-Event abgehalten. Die „London Fashion Week“ reagierte auf die vielen Stornierungen und Auftragsausfälle als Erste mit einer volldigitalen Ausgabe: Auf der „London Fashion Week digital“ präsentierten die Designer

Avatar Hauli posierte auch schon vor dem Taj Mahal.

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Neben Europas größten Modemessen „Premium“ und „Seek“ bildet sie das Herzstück der Frankfurt Fashion Week, die im Juli Premiere feiern soll.

„Ein guter Instagram-Account, eine zuverlässige Erreichbarkeit und die Zusammenarbeit mit Influencern schaffen eine starke Community, die entsprechend online einkauft.“ Thimo Schwenzfeier Show Director – Neonyt

Was die Planung betrifft, stehen Veranstalter und Designer allerdings vor großen Herausforderungen. Schmidt: „Die Warenströme und globalen Lieferketten sind extrem ins Stocken geraten und es gab und gibt immer noch große Probleme, die entsprechenden Produktionskapazitäten aufrechtzuerhalten. Zudem kann man aktuell nicht absehen, welche Reiserestriktionen bestehen, wo es den nächsten Lockdown gibt und unter welchen Bedingungen Aussteller, Händler, Besucher und Unternehmen, die an der Messe teilhaben wollen, einreisen können.“ Mode digital denken In der Krise gut aufgestellt sind laut Thimo Schwenzfeier, Show Director der Neonyt, diejenigen Marken, die bereits in den vergangenen Jahren verstärkt auf Online und Social Media gesetzt haben. „Ein guter Instagram-Account, eine zuverlässige Erreichbarkeit und die Zusammenarbeit mit Influencern schaffen eine starke Community, die entsprechend online einkauft.“

Gründer Amber Jae Slooten und Kerry Murphy virtuelle Bekleidung, die am Computer generiert wird und ausschließlich als digitale Datei existiert. Jeden Monat werden neue Stücke aus Kooperationen mit bekannten Marken wie Adidas, Puma oder Napapijri auf der Website veröffentlicht. Nach dem Kauf einer Lizenz wird das erworbene Kleidungstück auf ein hochauflösendes Foto des neuen Besitzers montiert und dem Träger angepasst. Mit den 3D-Programmen können die Designer auch Schnittmuster entwerfen, die in der Realität zum Beispiel aufgrund der Schwerkraft nicht umsetzbar wären. Im Mai 2019 ging das erste digitale The Fabricant Couture-Kleid namens „Iridescence“ über den Online-Tresen. Die einzigartige, fließende, wie aus Seide bestehende Robe mit flüssigen 3D-Effekten im Wert von 9.500 Dollar ersteigerte Richard Ma, Chef einer Blockchain-Sicherheits-

Fotos: Messe Frankfurt. Diigitals, The Fabricant

life & style

Auch andere digitale Konzepte sorgen für Aufbruchstimmung in der Modeindustrie. Gucci ermöglicht seinen Kunden schon seit über einem Jahr die virtuelle Anprobe von Brillen, Sneakers, Lippenstiften oder Hüten. Mithilfe von Augmented Reality kann man in der unternehmenseigenen App das gewünschte Modell anprobieren und im Online-Shop direkt kaufen. Das italienische Outdoorlabel Napapijri ließ sich bereits virtuelle Kataloge programmieren. Tommy Hilfiger positionierte sich schon vor Corona als Vorreiter innovativer Ideen und kündigte 2019 in einer Pressemitteilung an, seine komplette Produktentwicklung digitalisieren zu wollen. Die Frühjahrs-Kollektion 2022 soll ausschließlich mit einer 3D-Design-Technologie entstehen.

Mary Ren in ihrem 9.500 Dollar teuren digitalen Kleid „Iridescence“

Die OTB Group, zu der namhafte Marken wie Diesel, Marni, Amiri und Maison Margiela zählen, geht den nächsten Schritt Richtung digitale Beschleunigung: Für die Präsentation ihrer „ S S ’ 2 1- K a m p a g n e“ f ü h r t d i e G r u p p e i n Zusammen­arbeit mit Accenture, einer der weltweit größten Dienstleister im Bereich der Unternehmens- und Strategieberatung, einen komplett digitalen Showroom ein. Alle Kollektionen werden mit hochwertigen 360°-Bildern, Videos sowie 2D-Nahaufnahmen digitalisiert – Kunden können die virtuellen Räume besuchen und mit den Verkäufern chatten. Erstes rein digitales Modehaus „The Fabricant“ ist das erste rein digitale Modehaus mit Sitz in Amsterdam. Hier kreieren die

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Dass das CGI-Supermodel Shudu Gram nicht real ist, war lange Zeit ein wohlbehütetes Geheimnis ihres Schöpfers Cameron-James Wilson.


firma, für seine Frau Mary Ren. Auch das norwegische Modelabel Carlings stellte vergangenes Jahr eine virtuelle Kollektion vor. Die Preise für die ausgefallenen Designs variierten zwischen 12 und 45 Euro – für ein rein digitales Nutzungsrecht. Virtuelle Models CGI-Models (Computer Generated Imagery) wie „Hauli“ sind eine Seltenheit, aber längst nicht mehr unbekannt in der internationalen Modeszene. Sie zieren Magazincover, laufen digitale Fashion-Shows und präsentieren sich im Netz mit anderen Superstars wie Kim Kardashian. Noonoouri, eine künstliche Kreation des Münchner Grafik-Designers Jörg Zuber, half dem bekannten britischen Hutmacher Stephen Jones im Sommer aus der Krise und präsentierte seine Kollektion. Das Manga-Model mit den großen braunen Augen arbeitete schon für renommierte Marken wie Versace und Balenciaga.

Das CGI-Supermodel Shudu läuft virtuelle Laufstege und arbeitet für luxuriöse Modelabels.

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vatare können auf den biometrischen Daten eines jeden Menschen basieren. Sind die Daten einmal eingescannt, bleibt die Schönheit und Jugend der virtuellen Models für immer erhalten. Mithilfe von Animationen können sich die 3D-Modelle zudem wie reale Menschen bewegen. Burberry-Designer Riccardo Tisci präsentierte im Juli eine Kampagne mit einer Reihe von CGIAvataren, unter anderem ein virtuelles Mannequin von Kendall Jenner. Superstar Lil Miquela Neben ihrer Arbeit als Topmodels sind viele der virtuellen 3D-Geschöpfe auf Social Media als Influencer aktiv. Die Bekannteste unter ihnen mit über 3 Millionen Followern auf Instagram: Miquela Sousa, bekannt als „Lil Miquela“. Das 19-jährige kalifornische Hipster-Girl mit Sommersprossen und Zahnlücke ist eine digital erzeugte Persönlichkeit vom TechnologieStart-up Brud aus Los Angeles. Die Influencerin arbeitete bereits mit bekannten Marken wie Calvin Klein und UGG Boots zusammen. 

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Lil Miquela

„Is Miquela real? As real as Rihanna.“ Brud

eit 2016 postet das virtuelle It-Girl beinahe täglich Fotos und Geschichten aus ihrem Alltag und Liebesleben und äußert sich zu gesellschaftlichen Themen wie Umweltschutz oder Black Lives Matter. Außerdem nimmt sich Lil Miquela viel Zeit für die Kommunikation mit ihrer Community und verteilt fleißig Kommentare und Likes. Praktisch allen Followern dürfte bekannt sein, dass es sich bei ihrer Person nicht um einen echten Menschen handelt – ihre Biografie weist offensichtlich darauf hin. Doch ihre Abonnenten scheint das nicht zu stören. Die künstliche Lil Miquela erntet für ihr Auftreten viel Zuspruch: Komplimente wie „Du bist mein großes Vorbild“, „Ich liebe dich“ und „Du siehst wunderschön aus“ sind zu Hunderten zu finden. 2017 veröffentlichte die junge Halbbrasilianerin ihre erste Single „Not Mine“ und wurde schließlich auch als Sängerin erfolgreich. Auf Spotify gilt sie als verifizierte Künstlerin, die aktuell über 40.000 Follower und über 300.000 monatliche Hörer verzeichnet. Der Supermodel-Schöpfer Der 31-jährige Brite Cameron-James Wilson fotografierte früher echte Stars wie Gigi Hadid, heute ist er als der erfolgreichste Creator virtueller Models bekannt. Sein Aushängeschild: „Shudu Gram“, das weltweit erste CGI-Supermodel. Im April 2017 erschien die mysteriöse Schönheit, die laut ihrer Biografie der „Princess of South Africa“-Barbie nachempfunden ist, das erste Mal auf Instagram und zog binnen kürzester Zeit Tausende Follower auf ihr Profil.

Das It-Girl kooperierte bereits mit Balenciaga.

Dass es sich bei dem attraktiven Model um ein Kunstprojekt des Modefotografen handelt, erfuhren die Fans erst, als ein kalifornisches Independent-Label Shudu für eine MarketingKampagne gewinnen wollte. Kurz darauf enthüllte Wilson das Geheimnis des SocialMedia-Phänomens und gab damit den Startschuss für Shudus Model- und Influencer-Karriere. Das virtuelle It-Girl zählt über 210.000 Insta-Abonnenten, trug bereits Lippenstift der Rihanna-Kosmetiklinie Fenty, erhielt eine Editorial-Strecke in der Vogue Australia und posierte für das Pariser Luxuslabel Balmain. The Diigitals – die Agentur für virtuelle Models Mit Shudu war auch die Idee von „The Diigitals“ geboren – eine Agentur, die ausschließlich digitale Models verbucht. Im März 2018 ging die Website online. Immer wieder werden dort neue 3D-Modelle vorgestellt, wie das Plus-Size-Model „Brenn“, die nordische Schönheit „Dagny“ oder „Koffi“, das erste männliche Model des Künstlers. Auch wenn Wilson auf Natürlichkeit und Unvollkommenheit achtet, erntet der weiße, männliche Modelschöpfer für seine Vorstel-

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Fotos: Lil Miquela / Instagram

Bis ins kleinste Detail: Der Avatar Lil Miquela wirkt nahezu real.


lungen von Schönheitsidealen im Netz immer mal wieder Kritik. Dem Erfolg seiner virtuellen Models tut das bislang aber keinen Abbruch – und es scheint, als ob Corona die digitale Entwicklung schneller vorantreibt. Denn Wilson profitiert in der Pandemie-Zeit mit seiner Agentur davon, dass er nur einen PC und ein 3D-Programm benötigt, um seine jederzeit buchbaren Models in alle möglichen Looks zu kleiden.

Seit 2016 postet das virtuelle It-Girl Lil Miquela beinahe täglich Fotos auf Instagram.

Im Rahmen der „Miami Swim Week“ produzierte The Diigitals einen virtuellen Runway und präsentierte die Bademode von Lavie by Claude Kameni. Es folgten unter anderem Kooperationen mit Samsung, Louboutin, Lexus und Ferragamo. Balmain-Kreativdirektor Olivier Rousteing ließ sich seinen persönlichen Avatar kreieren und trat mit ihm im digitalen Showroom auf. Was es kostet, wenn man ein virtuelles Model bucht, will Wilson nicht preisgeben. In Interviews verrät er aber, dass ein Engagement nicht günstiger sei als das eines echten. Modernes Modebewusstsein Thimo Schwenzfeier ist der Meinung, dass digitale Konzepte in der Fashion-Branche Zukunft haben. „Ich denke, es dauert noch fünf bis zehn Jahre, dann ist es gang und gäbe, dass die AvatarTechnik von einer Generation, die selbstverständlich mit Social Media und Digital Devices aufwächst, auch eingesetzt wird.“ Dass virtuelle Models echte Menschen ersetzen können, hält er zum jetzigen Zeitpunkt aber für unwahrscheinlich: „Die digitale Revolution steckt noch in den Kinderschuhen. Ich kann mir dennoch sehr gut vorstellen, dass durch sie die Art und Weise, wie wir Mode kaufen, ein Stück weit nachhaltig verändert wird. Im Idealfall shoppt man nur noch Bekleidung, die auch wirklich passt und gefällt.“ Virtuelle Klamotten hätten für Influencer gleich mehrere Vorteile: „Für die perfekte Selbstinszenierung sind sie ideal, da sie auf ihren Träger perfekt zugeschnitten werden und meist auch noch einzigartig sind – sowohl in ihrer Machart als auch in ihrer Existenz.“ Dass der Mensch dafür künftig auf physische Bekleidung verzichtet, kann er sich nicht vorstellen. Schwenzfeier: „Am Ende geht es darum, dass wir uns im echten Leben anziehen und schön machen wollen.“

LilLilMiquela Miquelamit mitPabllo PablloVittar Vittar

Bis dato hat sich die virtuelle Mode nur in einer Welt durchsetzen können: in der Gamer-Community. Durch Ingame-Käufe können Zocker sogenannte Skins, also Kleider und Kostüme, für ihren Avatar erwerben. So machte die Firma Epic Games mit Fortnite bereits Umsätze im Millionenbereich. Nike entwarf für das Shooter-Spiel Jordan Sneakers, Moschino für die „Sims“ modische Looks und Accessoires und Louis Vuitton kreierte bereits verschiedene Kollektionen für „League of Legends“ (LOL). 

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Die Macher der Frankfurt Fashion Week: Jörg Arntz, Anita Tillmann und Detlef Braun

„Es geht auch darum, nicht nur das bestehende Modepublikum anzusprechen, sondern die nächste Frankfurt Fashion Week: physisch oder digital? Digitale Konzepte spielen auch auf der Frankfurt Fashion Week eine Rolle und sollen – auch, wenn die Messe physisch stattfinden kann – auf jeden Fall gezeigt und diskutiert werden, verrät Olaf Schmidt. „Falls wir virtuelle Modeschauen planen, dann werden sicherlich auch virtuelle Models mit dabei sein. Das ist von der Konzept­ entwicklung abhängig, die in den kommenden Wochen finalisiert wird – aber die Möglichkeiten gibt es.“

Generation GenZ.“ Anita Tillmann Frankfurt Fashion Week

In einem Exklusiv-Interview mit Top Magazin gaben die Initiatoren der Frankfurt Fashion Week, die Chefs der Premium Exhibitions GmbH Anita Tillmann und Jörg Arntz sowie MesseChef Detlef Braun, einen Ausblick auf den Sommer 2021: Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden die tragenden Säulen des Konzeptes sein. Tillmann: „Es geht auch darum, nicht nur das bestehende Modepublikum anzusprechen, sondern die nächste Generation. Die ‚GenZ‘ ist so informiert, auch die wollen wir mit Events und Contentformaten abholen.“ Arntz: „Wir wollen, was Aussteller und Besucher angeht, die internationalste Fashion Week ausrichten, die es in Deutschland bisher gab.“

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Eine weitere Schöpfung von CameronJames Wilson: Avatar Dagny Fotos: Michael Hohmann, Diigitals

aut Olaf Schmidt und Thimo Schwenzfeier ist man in der Planung kreativ und es wird viel experimentiert, der Fokus der Messen liege aber weiterhin auf dem physischen Austausch. Schmidt: „Wir stellen eine Art von digitaler Müdigkeit fest. Dem Wunsch von Unternehmen, Einkäufern, Influencern und Modeprofis nach einem Restart im Sommer wollen wir, soweit es in unserer Macht liegt, nachkommen. Mode ist ja ein sehr sinnliches, sehr haptisches Business. Wenn ich beispielsweise eine neue Jeans präsentiert bekomme, dann will ich wissen wie die Stoffe wirken, wie sie sich anfühlen. Im digitalen Raum kann man diese textile Erfahrung nur schwer möglich machen.“ Die Neonyt on Air habe gezeigt, dass ein Wille da ist, digital zu kooperieren und Geschäfte zu arrangieren, sagt Schwenzfeier: „Ein virtuelles Event kann richtige Modeschauen mit echten Models und Zuschaun ern aber nicht ersetzen.“


RÜCKGRAT ERKENNT MAN AM HANDGELENK. Die Iron Walker von Wempe ist die Essenz einer zeitlos modernen und zugleich sportlichen Uhr. Reduziert auf das Wesentliche und kompromisslos in der Verarbeitung, wird sie höchsten Ansprüchen gerecht, weil sie an einem Ort gefertigt wurde, der wie kein zweiter in Deutschland für exzellente Uhrmacherkunst steht: Glashütte in Sachsen.

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Top-Labels

im Wohnzimmer

Schmückt seit Jahren die Wiesbadener Innenstadt: der stilvolle Concept Store von Daniel Thiel.

„Mein neues Geschäft ist ein übergroßes Wohnzimmer, in dem sich jeder wohl­ fühlen kann”, erzählt der Wiesbadener Modeexperte Daniel Thiel über seinen zweiten Store Thiel’s by Daniel Thiel in der hessischen Landeshauptstadt. Der Clou: „In dem Concept Store kann man hochwertige Damen- und Herrenmode von sorgfältig ausgewählten Labeln in gemütlicher Atmosphäre selbst erleben – und anschließend shoppen”, verrät der junge

Inhaber. Neben einem erweiterten Sortiment an exklusiven Marken wie Fabiana Filippi und Steffen Schraut plant Thiel die Auswahl an Herrenmode zu verdoppeln. Aufgeregt blickt er dem Sommer und der Frankfurt Fashion Week entgegen: „Ich bin sehr gespannt, inwiefern sich die Krise auf Couture- und Mainstream-Design auswirkt. Wird Casual Chic ein Dauertrend bleiben? Werden sich Labels auch langfristig neu orientieren? Es bleibt spannend.”

Modeexperte Daniel Thiel

fashion news

Die Fashion Week soll erstmals in Frankfurt stattfinden. Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit bekannten Designern und Modeexperten aus

Sportlich ins Büro

Aus der aktuellen Frühjahrs-/SommerKollektion von C.P. Company

Herrenausstatter Andreas Beenen

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„Im Homeoffice wird auf Anzug und Krawatte verzichtet.“, sagt der Frankfur ter Herrenausstatter Andreas Beenen mit Blick auf den Sommer. „Es wird sportlich im Büro." Aber auch nach dem Lockdown wollen viele Menschen bequeme Freizeitkleidung tragen. „Mit einer gepflegten Chino, Hemd und einem schicken Cardigan kreiert man ein lässiges, aber stylisches Outfit.“ Der Designer ist Experte, wenn es um den Casual-Look geht: Sechs Tage die Woche berät und bedient er seine Kunden persönlich in seinem stilvollen Store in der Hochstraße. Mit der exklusiven Auswahl seiner Kollektionen beweist er ein Gespür für aktuelle Trends: „Ganz neu im Store: tolle Badehosen aus Saint Tropez, handgemachte Jeans aus Italien, Business- und Freizeithemden aus Schweden sowie handgefertigte Sneaker in Neonfarben aus Paris.“

Fotos: Andreas Beenen, C.P. Company, Burresi; Daniel Thiel, Moritz Reich, Abaci

Frankfurt und Rhein-Main über aktuelle Trends und Neuigkeiten gesprochen.


life & style

Im strahlenden Glanz: Der BurresiStore in Wiesbaden wurde frisch renoviert und saniert.

Buttermilchgelb 

Die Frankfurter Influencerin (Vogueupmom) Angelika Hane trägt einen Leinenanzug von P.A.R.O.S.H.

QuietschOrange und

Kiwigrün Für das Edel-Modehaus Burresi gab’s im zweiten Lockdown ein kleines Facelift: „Wir haben eine unserer Wiesbadener Filialen renoviert und für unsere Kunden frisch gemacht“, erzählt Store-Manager René Schaller. Mit vier Filialen in der hessischen Landeshauptstadt und zwei in Frankfurt ist Burresi eine Institution und bietet neben italienischen Designerlabels auch eine tolle Auswahl an aktuellen Kollektionen internationaler Top-Marken wie Alexander McQueen, Off-White und P.A.R.O.S.H. Fließende Kleider und Röcke, kombiniert mit kuscheligem Strick oder wärmenden Daunen, sind angesagt. Die beliebtesten Farben: „Quietsch-Orange und Kiwigrün, der absolute Renner.“ Von der Fashion Week in Frankfurt verspricht sich Schaller vor allem neue Impulse für die Rhein-Main-Region. Und: „Die kurzen Wege sind natürlich auch toll für uns.“

oder Himmelblau

Mit neuem Trendkonzept, frischen Farben und elegantem Design präsentiert das Hamburger Modeunternehmen Görtz gleich zwei moderne Stores in der Frankfurter Innenstadt. In der Kaiserstraße und am Roßmarkt können Kunden auf 1.300 und 800 Quadratmetern Premiumlabels bis hin zu angesagten Fashionmarken shoppen. Aktuell angesagt: „Zarte Riemchen-Sandalen, Karree-Formen und Flechtstrukturen“, weiß Flagshipstore-Filialleiter Naim Mulliqi. „Keilsandaletten, Loaferinas – Mix aus Ballerina und Loafer – und Plateau-Sneaker sind besonders gefragt.“ Ganz hoch im Kurs für die warme Saison: „Schuhe in Weißtönen wie Offwhite oder Creme. Aber auch natürliche Pastelltöne wie Buttermilchgelb oder Himmelblau, zartes Grau und Karamellbraun kehren ins Schuhregal ein“, sagt der Experte.

Der neue Görtz-Flagship-Store präsentiert sich in frischem, elegantem Design.

Abaci zurück Zuhause

Herrenmodedesigner Cem Mustafa Abaci

Herrenmodedesigner Cem Mustafa Abaci ist „zurück Zuhause“, wie er sagt: „Fast 13 Jahre habe ich in den ehemaligen Räumen des Kultclubs ‚Omen‘ in der legendären Junghofstraße verbracht. Wegen Umbaus musste ich raus.“ Im Sommer hat er die Fläche von Brioni in der Alten Rothofstraße übernommen, gerade mal eine Ecke weiter. „Ein großartiges Erbe, das wir mit unserer eigenen Handschrift versehen haben. Ein State-of-Art-Laden, der so überall auf der Welt existieren könnte!“

Bereits 20 Jahre ist die Frankfurter Marke Abaci für ihre entspannte Eleganz sowie außergewöhnlichen Stil bekannt. Von ungefütterten Sakkos ohne Schulterwatte, Anzügen mit floralen, Phyton- oder BlockstreifenMustern über hauchdünne Hemden, die man kaum auf der Haut spürt, bis hin zu schlanken, bequemen Pantalaggio – jeder Kunde geht hier gestylt wieder raus. Der Designer freut sich auf den Sommer: „Und auf unsere berühmten Partys, die wir hoffentlich bald wieder feiern dürfen!“

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Die neuen

20er-

Jahre Designerin Lili Maras in ihrem Couturehaus auf der Schweizer Straße

Designerin Lili Maras will Labels aus der Region bekannter machen: „Zur Frankfurt Fashion Week soll eine Plattform entwickelt werden, die auf lokale Modemacher aufmerksam macht. Exklusive Marken gibt’s nicht nur in Paris, die findet man auch bei uns.“ Die Frankfurterin ist für ihre zeitlose, hochwertige Frauenmode im Stil der 20er- bis

60er-Jahre bekannt. Ob Hochzeit oder Business-Meeting – in den großen Altbauräumen ihres Salons auf der Schweizer Straße fertigt sie für ihre Kundinnen maßgeschneiderte Unikate an. Eine Treppe führt nach oben ins Atelier, in der Wohnung darüber lebt sie selbst. „Meine Idee war es, an die Pariser Couturehäuser der 20er-Jahre zu erinnern.“

New Urban Coolness

Die Unisex-Kollektion by Elias Rumelis

Designer Elias Rumelis aus der Rhein-Main-Region präsentierte sich im Januar zum ersten Mal auf der Berlin Fashion Week – in den 15 Stores von Bailly Diehl, der Adresse für individuelle Designerlabels, gehört seine gleichnamige StreetFilialleiterin Monika Pfüller vor dem Bailly wear-Marke im avantgardistischen Diehl Store im Steinweg in Frankfurt Stil schon seit vielen Jahren zum Inventar. „Seine Mode ist alles andere als Mainstream“, sagt Alexandra Bosanac, zuständig für Einkauf und Marketing. „Unisex oversized Hoodies, lässige Denim-Jeans, stilsichere Rollkragenpullover – der urbane Fashion Look ist clean und cool, von entspannt bis elegant.“ Lässig sei dieses Frühjahr angesagt: „Es hat gedauert, bis sich der Trend etabliert hat, aber die Nachfrage nach weiten Hosen ist gestiegen.“ Außerdem in: Kräftige Farben, Batikmuster und Schulterpolster in Blazern, T-Shirts und Sweatshirts.

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Für ihre aktuelle Sommerkollektion hat sie sich von Stil-Ikone Carolyn Bessette-Kennedy, Ehefrau von John F. Kennedy Jr., inspirieren lassen: „Business-, Wickelkleider und Wildlederhosen im Culotte-Stil in dezenten Farbtönen mit pinken Akzenten. Den cleanen Look fand ich als Jugendliche schon cool.“

Der Frankfurter Modedesigner René Storck ist seit Kurzem auf dem Oeder Weg zu finden: „Mit unserem neuen Store konnten wir endlich einen Schwerpunkt auf die Herren-Kollektion setzen“, freut sich Storck. Und das mit großem Erfolg: „Inzwischen ist sie sogar bei den Frauen sehr beliebt.“ Sein Stil: klare Schnitte, entspannt, luxuriös, extravagant und minimalistisch zugleich. „Highlights fürs Frühjahr: superleichte Trenchcoats und Bomberjacken aus wasserdichter Bio-Baumwolle. Die neuen Pullunder aus feinem Cashmere oder Merino-Wolle können Männer m i t e i n e m l ä s s i g e n T- S h i r t Schlichtheit und Funktionalität kombi­n ie­r en, Frauen mit Somsind das Markenzeichen von merkleidern im Hemdenstil.“ René Storck. Erwartungs­voll blickt Storck der Frankfurter Fashion Week entgegen: „Ich freue mich so sehr, unsere Geschäftspar tner und Freunde aus der Branche nun Zuhause begrüßen zu dürfen und sie an meiner Arbeit teilhaben zu lassen, schließlich haben wir hier so viel zu zeigen!“

Luxus entspannt

Modedesigner René Storck


life & style

Be

Modell Elle in Blush Suede

UNIque

Die elegante Frühjahrs-/Sommerkollektion von Elisabetta Franchi

Chic statt

Franceso Demarco auf der Milan Fashion Week

Casual

„Immer sexy, aber ohne zu übertreiben – eben typisch italienisch“, schwärmt Universo Fashion-Inhaber Francesco Demarco von der Mode, die er in seinem neuen Store anbieten möchte. Sein zweiter Laden soll nach dem Lockdown eröffnet werden. Wo, bleibt noch geheim, das Konzept steht aber schon fest: „Eine Damen-Boutique, die auf Abendkleider spezialisiert ist. Chic statt casual.“ Der gebürtige Italiener, der seit vielen Jahren in der Töngesgasse Frank-

Fotos: Dieter Rosen, Elias Rumelis, René Storck, Universo Fashion, Tutto, Maxine Wille

Tutto-Inhaberin Andrea Schütz in ihrer Damenboutique im Westend

Schuhdesignerin Maxine Wille (maxineshoes) erfindet sich neu. Wurden ihre originellen, bunt bedruckten Schuhe seit 2017 regelmäßig in internationalen Modemagazinen gefeiert, launcht die junge Frankfurterin nun eine unifarbene Kollektion, die von Sandalen über Pumps, Stiefeletten und Stiefel für jedes Klima und jede Gelegenheit coole Schuhe bietet: „Da wir weltweit verschicken, gehen wir weg von Saisonware, launchen stattdessen zwei bis drei neue Variationen und Farben im Jahr. Uns geht es um nachhaltige Produktion in hoher Qualität, von der man lange etwas hat, und weg von Trends“, erklärt Maxine. Nach Jahren in London ist sie nun zurück in Frankfurt und gespannt auf die Fashion Week: „Habe derzeit schon etliche Telefontermine und freue mich auf viele superinteressante Events.“

furts Fashion-Gemeinde inspiriert, legt großen Wert auf Individualität: „Ich finde es schrecklich, wenn auf einer Party alle gleich aussehen. Mode braucht Fantasie und frische Ideen.“ Zwischen seinen Kundenterminen ist der ModeExper te auf den Fashion Weeks in Mailand, Paris, New York und London zuhause – immer auf der Suche nach den neuesten Trends und Designer-Newcomern. Sein Tipp für den Frühling: Pastell- und Sommerfarben.

Designerin Maxine Wille in ihrem Studio im Westend

Farbe zeigen

im Westend!

„Wir haben den persönlichen Kalender eingeführt”, erzählt Tutto-Inhaberin Andrea Schütz stolz. Die Damenboutique im Westend bietet seit 1992 die perfekte Casual-Garderobe für Frauen – auch in Pandemiezeiten: „Mit einer entsprechenden Anmeldung können Kundinnen exklusiv eine Stunde lang allein in unserem Store shoppen und sich nach Herzenslust beraten lassen.“ Das Konzept wolle man auch nach der Krise beibehalten – etwa an Montagen, wenn das Geschäft eigentlich geschlossen ist. In diesem Frühling besonders angesagt: „Farbe, Farbe, Farbe! Egal ob grün, blau, pink oder gelb – knallig muss es sein! Außerdem wird alles etwas weiter – Kleider, aber auch Hosen.“ Von der Frankfurter Fashion Week erhofft sich Schütz „ein gutes Signal für die Stadt Frankfurt. Sie wird viele kreative Köpfe anziehen und den Handel definitiv beflügeln!“

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life & style

Pop-up & Personality „Schmuck muss hochwertig sein, ohne dass er ein Vermögen kostet“, ist das Credo von Beatrice von Knebel Doeberitz. Vor 18 Jahren vertrieb die Designerin aus Königstein gerade mal eine Cashmere-Kollektion – heute veranstaltet sie regelmäßig Pop-upExpressiver Schmuck Stores, bietet 3.000 Produkte in ihrem Webshop an. in allen Farben und Formen Ihre Kunden stehen auf den extravaganten Look: „Ich liebe das Besondere, kooperiere nur mit außergewöhnlichen Marken.“ Von diamantenbesetzten Creolen-Steckern aus glanzvollem Silber über liebevoll verarbeitete Taschen aus edlem Rindsleder bis zu aparten Seidenschals mit feinen Mustern: „Für jeden Anlass gibt’s das passende Accessoire. Kaum einer bietet diese vielfältige Variation an Produkten an.“ Was nicht passt, wird passend gemacht: „Einzelne Stücke wie Ringe und Hosen können individuell handgefertigt werden. So bekommt’s die persönliche Note.“ Im Frühjahr feiert sie den Relaunch ihres Online-Stores.

Beatrice von Knebel Doeberitz in ihrem Wohnzimmer in Königstein – sie liebt es, die Kollektionen aus ihrem Webshop, die man in den verschiedensten Farben auswählen kann, selbst zu tragen.

fashion news „Unterwäsche obendrüber tragen ist absolut en vogue“, weiß Stefanie Wenz, Geschäftsführerin des Modehauses Breuninger im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach: „Bauchfreie Tops oder Bralettes in Kombination mit taillenhohen Jeans oder Röcken wirken gleichzeitig aufregend und stilvoll“, sagt die Fashion-Expertin. Für alle, die es lieber lässig und unkompliziert wollen, hat Wenz aber auch einen heißen Trend in petto: „Comfort und Easyness!

Moncler SS21 Oversized Blazer von Closed

Das Arbeiten im Homeoffice beeinflusst die Modewelt. Man trägt Blazer mit lässigem Oversize-Fit und Hoodie. Es gefällt, was bequem zu tragen ist, aber gleichzeitig gut aussieht.“ Das Fashion-Unternehmen Breuninger steht für Luxus und Exklusivität und ist dafür bekannt, auf Trends schnell zu reagieren: „Renner sind aktuell simple Slipper sowie Mini- und SlouchyBags, also weiche Taschen mit leichtem Volumen.” Pantoletten von Bianca Di

Breuninger-Chefin Stefanie Wenz im Main-Taunus-Zentrum

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Monochrome „Die Fashion Week in Frankfurt wird unserer gebeutelten Branche sehr guttun“, sagt Alexandra Brandl, Geschäftsführerin von Otten Moden in Darmstadt. „Ich freue mich auf Inspirationen und das Gefühl von Aufbruchsstimmung, wie es in den Anfängen in Berlin der Fall war.“ Den Store führt sie gemeinsam mit ihrem Mann: „Wir haben in dieser schwierigen Zeit das große Glück, dass wir über viele Jahre eine sehr enge Kundenbindung aufbauen konnten, und können Wünsche oft bis ins Detail erfüllen. Auch in Pandemiezeiten.“ Möglich ist das durch Beratung per Mail, Videocall oder WhatsApp. Der Trend im Frühjahr: „Monochrome Looks in Verbindung mit lässigen Schnitten und Kleider mit floralen Drucken“, weiß Brandl. Gleichzeitig erlebe Leder ein Comeback: „Neu auch als Komplett-Look, beispielsweise eine Lederculotte, kombiniert mit einem Lederhemd – das ist cool und modern!“

Fotos: Michael Hohmann, Stefanie Wenz, Breuninger, Otten Moden

Underwear goes Outerwear


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Eine edle Urban Bag aus Canvas und Vintage-Kalbsleder von Brunello Cucinelli ist die ideale Freizeittasche. Zwei praktische Außentaschen bieten Stauraum für kleinere Gegenstände wie Handy und Geldbeutel. brunellocucinelli.com

Mixed Emotions von Byredo spiegelt die aktuelle, turbulente Zeit wider. Ein neutraler Duft voller Höhen und Tiefen mit den Noten Mate, schwarze Johannisbeere, Ceylon-Tee, Veilchenblätter, Papyrus und Birkenholz. byredo.com

Catchy Weekend

Kombiniert ergeben die beigefarbene AviatorJacke aus Kalbsleder mit aufgesetzten Taschen, Baumwoll-LeinenShorts, Cross-BodyLedertasche und die komfortablen Sneaker von Bally einen lässigen Look.

Schlicht und stilvoll zugleich: Die handgefertigten Golf DerbySchnürschuhe von JM Weston aus weichem, weißem Kalbsleder mit dreifacher Sohle.

bally.com.de

www.jmweston.com

Laut französischem Designer Ora Ïto ist das Angell mit knapp 16 kg das leichteste E-Bike der Welt. Das smarte Pedelec mit intelligentem Cockpit und beeindruckend kleiner Batterie, die bis zu 70 km schafft, lässt sich via Bluetooth mit dem Handy koppeln. Im April wird das urbane Hi-Tech-Bike zusammen mit dem High-EndFahrradverleih Listnride auch in Frankfurt gelauncht.

Fotos: Hersteller

angell.bike

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Der floral-fruchtige Duft Serpent Bohème aus Blütennoten, saftiger Mandarine und schwarzer Johannisbeere ist der legendären BoucheronSchlange gewidmet – ein Symbol für Unendlichkeit und Schutz.

Die weiten Ärmel verleihen dem Cardigan Samia von Iris von Arnim einen entspannten Look. Der Mix aus Seide und Cashmere hält warm, ist weich und bequem – perfekt für frische Frühlingstage. irisvonarnim.com

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Die Mara Schmuckschatulle aus glänzendem Kalbsleder mit Krokodil-Print von Smythson bietet viel Platz. Das herausnehmbare Reisekästchen passt perfekt ins Handgepäck – so sind die Lieblingsschätze auch unterwegs gut verstaut. smythson.com

Diese High-End-Kofferkollektion aus Kalbseder mit geflochtenen Einsätzen von Aviteur hat Patricia Gucci designt. Jedes limitierte Modell wird von Hand genäht und rollt dank seiner „Silent Wheels“ um einiges leiser als herkömmliche Koffer. aviteur.com

Hingucker aus Holzperlen: die handgefertigte Billie Bag in Beige von Rosantica mit herausnehmbarem Stoffbeutel und einem goldenen Rahmen, der als Verschluss dient. rosantica.com

Fotos: Hersteller

Vacation Vibe


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Beauty-Tipp

„Liquid Brow Lift” Ein wacher Blick und eine offene Ausstrahlung rücken gerade in Zeiten von Home Office stärker in den Fokus. Viele stören sich in Videocalls am eigenen Gesicht, das ihnen in der Web-Kamera müde entgegenschaut. Neben Stress, Schlaf­man­ gel oder Augenringen können die Augenbrauen dafür verantwortlich sein. Die Neurochirurgin Dr. Nicole David empfiehlt als Behandlung den „Liquid Brow Lift“ mit Juvéderm®.

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ielen ist es gar nicht bewusst: Die Augenbrauen, leicht geschwungen und im richtigen Winkel, lassen uns frisch und wach aussehen. Menschen, die von Natur aus tiefe oder waagerechte Augenbrauen haben, wirken dagegen oft müde und verschlossen. Auch das Alter kann eine Rolle spielen, da der Verlust an Fettgewebe die Augenbrauen absinken lässt. Die Behandlungsmöglichkeiten waren lange Zeit recht limitiert, zumal viele Menschen keine Operation und tagelange Ausfallzeiten wünschen. Jetzt gibt es eine neue, innovative Methode: das Augenbrauen-Lifting ohne OP, nur minimalinvasiv mit Gesichtsfillern auf Hyaluronsäurebasis. Den gelartigen, also flüssigen Fillern verdankt das Beauty-Treatment auch seinen Namen – der „Liquid Brow Lift“ avanciert gerade zum echten Geheimtipp.

„Wenn ich mich anschaue, möchte ich zufrieden sein und mich stark fühlen. Die Filler von Juvéderm® unterstützen mich dabei.“ injizierte Volumen leicht nach oben gezogen – das Ergebnis sind die mandelförmigen Augen, die so verführerisch wirken.

Die erfolgreiche Moderatorin Sylvie Meis vertraut den Gesichtsfillern von Juvéderm®.

Langanhaltende Ergebnisse Im Juvéderm® Sortiment gibt es Gesichtsfiller, die speziell für die besonderen Bedürfnisse der Augenbrauenpartie konzipiert wurden. Sie verfügen über die nötige Gelhärte, um die Augenbraue anzuheben und ermöglichen, wie alle Filler des Sortiments, ein natürlich wirkendes Ergebnis. Ein Ergebnis, das je nach Filler bis zu 24 Monate anhalten kann. Der nächste n Videocall kann also kommen.

Frisch und verführerisch Dr. Nicole David arbeitet in ihren Praxen in Frankfurt und Fulda mit den hochwertigen Präparaten von Juvéderm®, der Nr. 1 bei Gesichtsfillern auf Basis von Hyaluronsäure*. Die Fachärztin für Neurochirurgie sieht im „Liquid Brow Lift“ eine sichere und effektive Behandlung: „Die Ergebnisse überzeugen mich und meine Kunden.“ Wenn sie die Augenbrauen einer Patientin mit einem Juvéderm® Hyaluronfiller anhebt, geschehen gleich zwei Dinge: Der neue Brauenschwung „öffnet“ die Augen und lässt das Gesicht wieder wacher und frischer erscheinen. Zudem werden die Augenwinkel durch das

Dr. Nicole David Neurochirurgin, Frankfurt

„Nicht operative Beauty-Treatments erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Dabei sind zunehmend die Augen im Fokus, insbesondere die Augenbrauen.“

* Auf Basis von im Jahr 2018 durchgeführten Marktforschungen unter Angehörigen der Heilberufe mit mehr als 1000 Teilnehmern aus den 13 weltweit größten ästhetischen Märkten. Fotos: Juvéderm®, DE-JUV-2150142.

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Es lebe der Lippenstift! 36

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Fotos: lambada/istockphoto, Freepik

Wie Frankfurts Frauen einem globalen Trend trotzen


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Um 49 Prozent ist der Lippenstift-Absatz seit letztem Jahr weltweit eingebrochen. Wozu Lippenstift benutzen, wenn die pinke oder rote Pracht die Maske verschmiert und sie sowieso keiner sieht? Logisch, könnte man meinen. In Frankfurt und Umgebung tickt die weibliche Bevölkerung jedoch offensichtlich anders: Heerscharen von Frauen trotzen hier, im Herzen von Europa, der globalen Lippenstift-Entsagung. Ohne Lippenstift? Wegen Corona? Wir? Niemals! Von Kitti Pohl Frankfurterinnen und ihr Lippenstift – die beiden kann so schnell nichts trennen. Nicht mal eine Pandemie. „Frauen, die jetzt keinen Lippenstift mehr tragen, haben ihn nur für andere getragen“, platzte es vor ein paar Tagen aus einer Freundin heraus. „Ich jedenfalls“, eröffnete sie mir unmissverständlich, „ICH trage meinen Lippenstift nur für mich.“ Dass ich persönlich Lippenstift benutze, um hübscher auszusehen, scheint in ihren Augen ein bodenloser Verrat am weiblichsten aller Schmink-Utensilien.

fürchte ich, dass sie unter ihrer Maske insgeheim über mich lächelten – mit herrlich roten Lippen! Seit der medizinischen Maskenverordnung sind meine Stofflappen, für die ich ohne mit der Wimper zu zucken zwischen sechs und 26 Euro bezahlt habe, klammheimlich in der untersten Schublade verschwunden. Meine liebe Freundin hingegen jubiliert: Die obligatorischen FFP2-Atemschutzmasken seien geradezu ideal, um Lippenstift zu tragen, schwärmt sie. Gerade habe sie sich wieder zwei tolle Lippenstifte im Netz bestellt.

„Der Lippenstift gehört zu mir als Frau“, funkelt sie mich an. „Ich identifiziere mich mit ihm. Der Lippenstift ist der Inbegriff meiner Weiblichkeit. DAS lass ich mir doch durch die Maske nicht nehmen!“ Unhygienisch unterm Stoff? Unsinnig ohne Signalwirkung? Papperlapapp! Es gebe nun mal die Frauen, für die der Lippenstift zur Persönlichkeit gehöre. Und andere, die den Lippenstift nur zur Schau stellten. Punkt. Keine Frage, welche der beiden Lippenstifttypen das echte, das wahre Weib verkörpert.

Kein Einzelfall. „Lippenstift lass ICH mir durch Corona doch nicht verbieten!“, stellte eine junge Kollegin kürzlich klipp und klar. Meine naiven Bedenken, dass eine verschmierte Maske, länger getragen, sich in ein lebendes Biotop vor Mund und Nase verwandeln könnte, wischte sie nonchalant und allwissend beiseite: „Natürlich verwende ich ausschließlich liquid Lipstick! Der trocknet schnell und färbt nicht ab.“ Wieder was gelernt. Im Telefonat mit meiner Kosmetikerin, die ihren Salon in der City hat, erfahre ich von einer Kundin, die ohne ihren leuchtend roten Lippenstift „Mon Rouge“ von Paloma Picasso nicht weiterleben konnte. Als die Produktion der Kult-Farbe vor ein paar Jahren eingestellt wurde, ließ sich diese Dame kurzerhand die Lippen in ebendiesem Knallrot pigmentieren. Seit Corona, so die Kosmetikerin meines Vertrauens, ist die Warteliste für dauerhaftes Lippen-Make-up endlos: „Ist doch ganz logisch: Frauen wollen strahlende und gepflegte Lippen, wenn sie die Maske absetzen.“

„Ich kaufe mir nur Masken, die die Lippen nicht berühren. Da muss man halt lange suchen!“, führte sie mir vor Augen, wie unweiblich ich bis dato die Prioritäten beim Maskenkauf gesetzt hatte: Nicht die Passform, sondern originelle Motive, ob beim Bäcker, im Lottoladen oder den Schaufenstern der Boutiquen, zogen mich magisch an. Sogar vor schlaffen Stoffläppchen mit lustigen Sprüchen, die mich aus einem Bauch­ laden auf der Zeil heraus anlachten, schreckte ich nicht zurück, und ich erstand vier zum Preis von drei. Beim Anprobieren zu Hause wurde mir vor lauter Chemiegestank schlecht. Nicht der einzige Masken-Fehlkauf. Hätte ich doch auf die Passform geachtet! Statt Lippenstift wählte ich Morgen für Morgen vorm Spiegel eine Maske passend zum Outfit aus: knallig oder frech, dezent oder elegant. Mit Sonnenblumen, Spielkarten oder Skyline, Pailletten, Pferden oder Papageien. Wer will ich heute sein, wie fühle ich mich? Die Maske als modisches Statement, wenn ich schon meine Lippen nicht zeigen darf. Für Frauen mit einfallslosen OP-Masken hatte ich nur ein müdes Lächeln übrig. Heute

Im Gegensatz zu herkömmlichen Masken sind FFP2-Masken geradezu ideal, um Lippenstift zu tragen.

Dass die Lippenstift-Leidenschaft in Frankfurt viel stärker ist als das vermeintliche MaskenDiktat, wurde mir endgültig im Gespräch mit einer erfolgreichen Unternehmerin aus dem Westend klar: „Selbstverständlich trage ich Lippenstift, wenn ich vor die Tür gehe“, rief sie im Brustton der Überzeugung aus. „Seit Corona spielt sich das gesellschaftliche Leben draußen ab. Man trifft ja überall Menschen: an den Straßenecken, oder dem mobilen Kaffeestand am Grüneburgpark. Lippenstift ist genauso wichtig wie immer.“ Mit den nötigen zwei Metern Abstand, meinte sie, könne man sich ja auch ohne Maske miteinander unterhalten. Aber um Gottes Willen doch nicht n ohne Lippenstift.

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Wer sich in den sozialen Medien präsentiert, zeigt gerne seine positiven Seiten. Je professioneller der Auftritt, desto mehr wird getrickst und geschönt. Wenn Selbstoptimierung zum Zwang wird, kann das aber gefährlich werden, sagen die Experten und geben Tipps, wie das zu verhindern ist. Von Sabine Börchers

Fotos: Erin Willerton / Instagram, Freepik

Social-Media-Stars zieht es ins Influencerparadies Dubai – wie das britische Model Erin Willerton, jüngere Schwester der ehemaligen Miss Great Britain Amy Willerton. Die Brünette mit über 250.000 Followern auf Instagram setzt sich auf ihren Bildern immer gekonnt in Szene: Hier räkelt sie sich in vorteil­ hafter Pose mit ihrer Dior-Tasche auf einer Liege am Azure Beach und lässt sich ein saftiges Stück Pizza Burrata schmecken. Hot Content, der ihr Tausende Likes beschert!

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as Licht muss perfekt sein, der Hinter­ grund zum Outfit passen und die Freunde müssen fotogen sein. Dann klappt es auch mit Instagram. Kim Kardashian ist das Paradebeispiel dafür. Sie hat zweihundert Millionen Follower. Sie zeigt sich immer perfekt gestylt, ob sie irgendwo posiert, nur am Frühstückstisch sitzt oder ihr Kind auf dem Arm hält. Sie lebt in einer perfekten Welt – dieses Bild schickt sie täglich in zweihundert Millionen andere Haushalte. Nur, ob ihr Leben in der Realität wirklich so aussieht, dürfte zu bezweifeln sein. Wie viel Wahrheit ist auf Insta­gram, Facebook oder in anderen sozialen Medien zu sehen?

Arbeit wie das klassische Model-Shooting. „Man fährt mit verschiedenen Outfits durch die Gegend, meist nimmt man einen befreundeten Profifotografen mit und überlegt sich genau die Location.“ Bei so einer Gelegenheit entstehen meist mehrere unterschiedliche Bilder, die aber alle möglichst spontan und natürlich wirken sollen. Zu den Tipps, die Giulia Cafaro ihren jungen Models gibt, gehört auch, solche Bilder nicht alle auf einmal zu posten, sondern zeitversetzt, um Inhalte für die nächsten Wochen zu haben. „Wer bei den Großen mitspielen will, bei dem gehört Content-Planung dazu“, sagt Giulia Cafaro.

Filter und Apps sorgen schon einmal dafür, dass jeder sich heute schöner machen kann, als er in Wirklichkeit ist. Einmal Snapchat öffnen, das Gesicht in den X-Pro- oder den Juno-Filter tauchen, und schon werden die Augen größer, die Wangenknochen hoch, die Haut wird zarter. Selbst, wer nur ein übliches Smartphone von Samsung besitzt, kann allein mit der integrierten Kamera-App auf dem Selfie das Gesicht verschlanken, die Augen vergrößern und die Haut weichzeichnen. Ein professioneller Grafiker, der die Pickel wegretouchiert, ist längst nicht mehr notwendig. Und das ist lange nicht alles. Professionelle Influencer überlassen bei einem Foto nichts dem Zufall, sieht es auch noch so zufällig aus. Das bestätigt Giulia Cafaro, die bei der Frankfurter Agentur East West Models für das Booking mit dem Schwerpunkt auf sozialen Medien zuständig ist und unter anderem den AgenturInstagram-Account @eastwestmodels betreut. Für Models sei das Posten mittlerweile wie ein Hobby-Marketing-Job neben den eigentlichen Aufträgen. Die Models der Agentur üben ohnehin regelmäßig, wie sie richtig vor der Kamera posieren, wie sie sich in Szene setzen, berichtet Giulia Cafaro. „Je variabler man ist, desto kreativer können auch die Postings im Netz sein. Mit dem Rücken zur Kamera und keck über die Schulter geschaut, schon hat man ein spannendes Foto.“ Was die jungen Models professionell machen, dürften auch bekannte Influencer längst beherzigt haben. Spontan wirken Für Models ist die Präsenz auf Plattformen wie Instagram & Co. heute immens wichtig. „In Paris, Mailand & Co. schauen die Kreativ-Direktoren sich oft erst den Instagram-Account und die Zahl der Follower an, bevor sie das Portfolio betrachten“, stellt sie fest. Bei Influencern, die dank lukrativer Werbeverträge mit ihrem Account Geld verdienen, gilt das ebenso. Entsprechend perfekt soll der Online-Auftritt sein. Und der ist genauso

Die Großen, das sind heute Caro Daur oder Dagmara Nicole Ochmanczyk alias Dagi Bee, die immerhin 6,3 Mio Follower auf Instagram hat und dort für die unterschiedlichsten Unternehmen wirbt. Caro Daur soll mit ihren Postings geschätzt rund eine Million Euro pro Jahr verdienen. Und doch verkörpern beide in ihren Online-Auftritten geschickt das „Mädchen von nebenan“. Sie kommen betont unangestrengt und lässig daher und flüstern ihren Followern zu: Sei du selbst, nur besser! Kein Wunder, dass sich diese davon angesprochen fühlen und sich ebenso präsentieren möchten. Und dabei gerne zu Filtern und Apps greifen, um ihren Idolen noch näher zu kommen. „Sie sind ja oftmals nicht weniger hübsch, sie haben nur andere Proportionen oder sind nicht so groß wie ein Model“, stellt Giulia Cafaro fest. Der Druck, perfekt aussehen und damit sich selbst optimieren zu müssen, ist umso größer, wenn die Messlatte besonders hoch hängt. Wenn etwa potenzielle Vorbilder wie die Modera­torin Sylvie Meis sich selbst bei der Werbung für eine Gesichtsmaske auf Instagram die schwar­z e M as s e ins g e s chminkte G e sicht reib en, um auch dann noch hübsch auszusehen. 

„In Paris, Mailand & Co. schauen die Kreativ-Direktoren sich oft erst den Instagram-Account und die Zahl der Follower an, bevor sie das Portfolio eines Models betrachten.“ Giulia Cafaro East West Models

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Prof. Vera King

„Optimierungsdruck oder damit einhergehende perfektionistische Ambitionen können in verschiedenen Bereichen Über­ forderungen und Konflikte, Widersprüche und Leiden erzeugen.“ Prof. Vera King Institut für Soziologie der Frankfurter Goethe-Universität

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Wenn man als Instagram-Nutzerin oder auch -Nutzer also etwa mit einem professionellen Produkt konkurrieren möchte, das nur suggeriert, es sei amateurhaft, dann wird die Optimierung des eigenen Ichs leicht zum Zwang. Schließlich will jeder möglichst viele Follower und Likes bekommen. Denn genauso wie ein Offline-Lob im wahren Leben, stimulieren diese Reaktionen das Belohnungszentrum im Gehirn, sagen Neurowissenschaftler. Das Problem daran ist, wie im wahren Leben gewöhnt sich das Gehirn an das positive Feedback und braucht immer mehr. „Optimierungsdruck oder damit einhergehende perfektionistische Ambitionen können in verschiedenen Bereichen Überforderungen und Konflikte, Widersprüche und Leiden erzeugen. Vor allem, wenn die eigenen Grenzen auf selbstschädigende Weise überschritten werden, um im Wettbewerb mithalten zu können“, erläutert Vera King. Auch wenn die Beziehungen zu anderen oder auch zu sich selbst, zum eigenen Körper, sehr stark geprägt seien von Effizienzdenken, dann kippe es gleichsam um in eine eher unproduktive oder gar schädliche Form.

Die permanente Beschäftigung mit dem oft als perfekt wahrgenommenen Vorbild könne zu Minderwertigkeitskomplexen, Stimmungsschwankungen und Depressionen führen, sagen Psychologen. Selbstoptimierung kann zwanghaft werden, wenn man nur noch exzessiv Sport treibt, strenge Diät hält und sich stundenlang vom Spiegel schminkt, um immer perfekter auszusehen. Man verliert den Bezug zur Realität. Dass das bei Weitem nicht nur junge Menschen betrifft, zeigt ein Beispiel aus den USA. Dort haben die sozialen Medien bereits die sogenannte „Snapchat-Dysmorphie“ hervorgebracht, eine Wahrnehmungsstörung, die Dermatologen der Boston University of Medicine kürzlich beschrieben haben. Es waren in der Hauptsache Frauen, die unter einer solchen Wahrnehmungsstörung litten. Sie suchten Rat bei plastischen Chirurgen, weil sie so aussehen wollten wie die elektronisch gefilterte Version ihrer selbst. Sie wünschten sich vollere Lippen, eine schmalere Nase, größere Augen. Der Trend sei alarmierend, sagen die Ärzte. Denn das am Computer mit moderner Bildbearbeitung geschaffene Aussehen sei nicht erreichbar. Auch mit chirurgischen Mitteln nicht. Schwäche zeigen „Wenn jemand erwachsen ist, heißt das nicht, dass sein inneres Kind mitgewachsen ist“, erläutert Kelechi Onyele, Business-Coach und Choreograf, der schon für den DFB und für viele andere Unternehmen tätig war, warum auch Erwachsene nicht davor gefeit sind, dem Zwang zur Selbst­ optimierung in den sozialen Medien zu unterliegen. Jemand, der viel Wert darauf lege, von außen beurteilt zu werden, verlange nach Aufmerksamkeit. Kommt die nicht, „werden viele depressiv“, sagt er und spricht dabei aus Erfahrung: „Ich bekomme jede Woche locker zehn Coaching-Anfragen von Leuten, die wegen der sozialen Medien Probleme mit dem Selbstwertgefühlt haben – vom Cybermobbing in der Schule bis zum Unternehmer, dessen Mitarbeiter auf seinem privaten Account gepostet haben“,

Fotos: privat, Freepik

Sich stetig verbessern Sich zu verbessern und verbessern zu wollen, sei ein ganz alltägliches Motiv, das die meisten bejahen und begrüßen, sagt Vera King, Professorin am Institut für Soziologie der Frankfurter Goethe-Universität und geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts. „Problematisch wird es unter verschiedenen Bedingungen: Wenn es um die Vorstellung geht, dass Steigerung und Perfektionierung permanent und grenzenlos möglich sind, wenn sie um jeden Preis realisiert werden sollen – und auch in Bereichen, die dafür nicht geeignet sind.“


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berichtet er. Viele seien sich nicht bewusst darüber, welche Auswirkungen die sozialen Medien auf die Persönlichkeit hätten.

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pätestens, wenn vor lauter Selbstoptimierung der Bezug zur Realität verloren gehe, sei eine Grenze erreicht. „Das ist ein Pakt mit dem Teufel, man wird abhängig davon.“ Deshalb rät er: Wer kein gutes Selbstwertgefühl oder Menschen um sich herum hat, die einen mögen und einem ein ehrliches Feedback geben, sollte die Finger von Instagram & Co. lassen. „Denn das Selbstwertgefühl wird nur so lange gestärkt, solange von den Menschen positive Aufmerksamkeit kommt. Ist diese negativ, können viele damit nicht umgehen. Es müsste dafür ein Schulfach geben.“

Prof. Vera King macht jedenfalls wenig Hoffnung, dass der Druck zur Selbstoptimierung in der Gesellschaft künftig geringer werden könnte. Es bleibt also nur, zu lernen, damit besser umzugehen. Dennoch besteht nicht die große Gefahr einer ständigen Selbstoptimierung, die zugleich eine Anpassung an gängige Schönheits- und andere Ideale mit sich bringt, darin, dass unkonventionelle, unangepasste oder gar unperfekte Menschen bald in der Öffentlichkeit unrelevant werden? „Soziale Medien schaffen auf jeden Fall mehr Gruppen- und Konformitätsdruck.“ Zugleich erzeuge dieser aber auch Gegenbewegungen, stellt die Soziologin fest. „Wobei es wiederum auch einen Gruppendruck geben kann, n sich unkonventionell zu geben.“

Oder einen Coach. Der empfiehlt jedenfalls, sich in den sozialen Medien möglichst authentisch zu präsentieren. „Ich habe auch einen Account auf Instagram. Ich zeige Bilder von mir, die man auf der Straße genauso sehen würde.“ Wer bereits in der Selbstoptimierungs-Falle drin ist, für den hat Kelechi Onyele auch einen Tipp, wie man sein Selbtbewusstsein stärken kann: „Man muss lernen, sich selbst zu reflektieren oder sich Menschen suchen, die einem dabei helfen.“ Man solle sich immer selbst fragen, welche Gründe es haben kann, dass man sich nicht so darstellt, wie man ist. „Niemand ist perfekt. Wenn man genügend Selbstliebe empfindet, kann man sich auch mal ungeschminkt oder seine Schwächen zeigen.“ Wichtig sei es, dass man neben „Social Media“ auch noch „social friends“ habe. „Wenn man ein gesundes Umfeld hat, bekommt man Reflexion oder auch Kritik, die einen schützt.“

„Das Selbstwertgefühl wird nur so lange gestärkt, solange von den Menschen positive Aufmerksamkeit kommt. Ist diese negativ, können viele damit nicht umgehen. Es müsste dafür ein Schulfach geben.“ Kelechi Onyele, Business-Coach und Choreograph

Authentisch scheinen Bevor man sich auf Instagram oder Facebook präsentiert, solle man sich dreifach damit auseinandersetzen, wie man rüberkommen und was man darstellen möchte, empfiehlt Kelechi Onyele weiter. „Wenn ich nur cool wirken möchte, ist das natürlich in Ordnung, dann kann ich damit umgehen.“ Giulia Cafaro ergänzt: Es gebe genügend Instagramer, die bestimmte Filter benutzten, um einen besonderen Stil zu kreieren. Auch für Models sei es wichtig, sich wie eine eigene Marke mit einem persönlichen Stil darzustellen. Wichtig sei es aber, unbedingt authentisch zu bleiben. Die Soziologin sieht dabei allerdings ein weiteres Phänomen, das man beim Verfolgen von Influencern im Kopf haben sollte: „Interessant ist, dass Attraktivität und Schönheit in den sozialen Medien zwar hochbedeutsam sind, zugleich aber auch Authentizität als wichtig erachtet wird, gerade weil viele wissen, wie viel Schein erzeugt wird.“ Es könne daher für manche Influencer auch besonders relevant sein, authentisch vollkommen zu erscheinen.

Kelechi Onyele

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„Was meine Follower auf Instagram zu sehen bekommen, bin zu 100 Prozent ich.“ Ein Interview von Sabine Börchers Selbstbewusst und echt: Unternehmerin Dagmar Wöhrl

Frau Wöhrl, Sie zeichnen gerade wieder neue Folgen der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ (DHDL) auf. Was fasziniert Sie an diesem Format? Wöhrl: Neben innovativen, spannenden Produkten sind es die dahinterstehenden Gründer. In Deutschland wird das Gründertum immer noch sehr stiefmütterlich behandelt, daher begrüße ich jeden, der den Mut hat, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Für mich persönlich ist es die Möglichkeit, Gründern ein starker Partner zu sein, um gemeinsam mit ihnen ein Unternehmen aufzubauen, das auch noch in vielen Jahren erfolgreich am Markt besteht. Es ist wie der Beginn einer aufregenden Reise. Was war bisher Ihr erfolgreichster Deal? Es ist schwer, da nur einen Deal zu nennen. Denn Erfolg lässt sich nicht immer nur von reinen Zahlen ableiten. Nehmen wir zum Beispiel ReMod. Bis heute einer der emotionalsten Pitche überhaupt. Fast jeder Zuschauer kann sich daran erinnern. Umso stolzer bin ich, Teil dieses Unternehmens zu sein, das ein Gerät zur Bewegungshilfe bei halbseitiger Lähmung entwickelt hat. Eine unserer größten Errungenschaften ist

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hier die medizinische Zulassung. Diese zu bekommen, bedeutet, einen langen Weg zu gehen und viele Vorgaben und Prüfungen zu bestehen. Dass nun die ersten Schlaganfall-Patienten mit unserem Gerät wieder ein bisschen mehr Selbstbestimmung und Lebensqualität erlangen, ist unbezahlbar. Rein unternehmerisch betrachtet, gehören Waterdrop, HappyPo oder Morotai zu unseren erfolgreichsten Unternehmen. Alle drei Unternehmen konnten sogar im letzten Jahr enorme Zuwächse verzeichnen und dies trotz der derzeitigen schwierigen Situation. Besonders HappyPo wurde während des Lockdowns nahezu überrannt. All unsere Start-ups sind vor allem online stark aufgestellt, sodass sie weniger von Ladenschließungen betroffen waren. Ich bin wahnsinnig stolz auf all meine Gründer. Was ist für Sie das Wichtigste, was Sie den jungen Unternehmerinnen und Unternehmern mit auf den Weg geben möchten? Erst einmal bewundere ich jeden Gründer, der sich traut, aus seiner Komfortzone auszubrechen und sich selbstständig zu machen. Unternehmer wird man nicht über Nacht. Es braucht einen langen Atem und auch den festen Glauben an sich selbst und seine Idee

Foto: tokography/Tobias Koch

Dagmar Wöhrl ist Rechtsanwältin, Politikerin und Unternehmerin, die als Investorin in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ Gründer unterstützt. Durch ihre Präsenz in den Medien und als ehemalige Miss Germany hat sie Erfahrung mit der Wirkung von Schönheit und Authentizität.


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oder sein Produkt. Man muss sich bewusst sein, dass zu einem erfolgreichen Unternehmensaufbau auch Rückschläge dazu gehören. Es ist wichtig, aus diesen Fehlern zu lernen und sie nicht zu wiederholen. Wir als Familienunternehmen stehen unseren Gründern dafür mit Rat und Tat zur Seite. Sie sind seit Langem für die CSU politisch engagiert, bis 2017 waren Sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag, zuvor ab 2005 vier Jahre lang Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, standen also schon immer in der Öffentlichkeit. Hat die Fernsehpräsenz bei DHDL Ihr Bild in der Öffentlichkeit dennoch verändert? Ich persönlich empfinde, dass ich kein anderer Mensch geworden bin, seit ich nicht mehr aktiv in der Politik bin. Die Menschen, die mich teilweise seit Jahren begleiten und mich auch als Politikerin kennen, bestätigen das zumindest (lacht). Aber ich kann natürlich nicht beurteilen, wie mich die Menschen im Fernsehen wahrnehmen. Die Reaktionen auf den Social-MediaPlattformen sind aber überwiegend positiv, sodass ich zufrieden mit mir sein kann. Inwieweit hat sich dadurch Ihr eigenes Leben verändert? Na ja, als Politikerin war ich es ja gewohnt, dass mich die Menschen aus Bayern und besonders aus meinem Wahlkreis kannten. Seit ich bei „Die Höhle der Löwen“ dabei bin, hat sich mein Bekanntheitsgrad natürlich erweitert. Ich werde öfter angesprochen, vor allem von jüngeren Menschen. Leicht kommt man ins Gespräch und gibt den ein oder anderen Tipp, was bei einer Unternehmensgründung besonders zu beachten ist. Oft werde ich auch um ein gemeinsames Foto gebeten – das war zu Politikzeiten doch eher selten. Eigentlich habe ich mein politisches Mandat niedergelegt, um mich mehr um meine ehrenamtlichen Tätigkeiten zu kümmern. Als dann die Anfrage von Vox kam, hieß es für mich umdisponieren und meine Termine eng planen. Nur so schaffe ich es, auch meine vielen Projekte, vor allem im Ausland, voranzubringen. Noch habe ich zu viel Energie, um mich einfach zur Ruhe zu setzen. Welches Umfeld ist nach Ihrer Erfahrung weniger authentisch, die Medienwelt oder die Politik? In beiden Bereichen kann man nur dauerhaft bestehen, wenn man authentisch ist. Beim Fernsehen geben Quoten Aufschluss darüber, wie gut man die Zuschauer unter-

halten hat, in der Politik gibt es spätestens nach vier Jahren zur Bundestagswahl die Rückmeldung zur politischen Arbeit. Fakes werden überall schnell durchschaut. Sie haben als junge Frau mehrfach an Misswahlen teilgenommen und waren Miss Germany. Warum haben Sie sich entschieden, das zu machen? Als ich 1977 zur Miss Germany gewählt wurde, war das für mich ein großer Erfolg. Neben dem Preisgeld durch die Auszeichnung, womit ich auch einen Teil meines Jura-Studiums finanzieren konnte, habe ich damals mein erstes eigenes Auto gewonnen. Das machte mich unglaublich stolz. Was aber viel wichtiger für mich war, war die Tatsache, dass ich als eher schüchternes Mädchen lernte, über meinen Schatten zu springen und mich zu öffnen. Dies hat mir auch im späteren beruflichen Leben sehr geholfen. Reden vor großem Publikum machte mir zum Beispiel nichts mehr aus. Übrigens habe ich noch heute Kontakte zu ehemaligen Mitstreiterinnen, auch international. Am Ende sind aus Mitstreiterinnen Freundinnen geworden und das ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Wie schwierig war es, in Ihren späteren Berufen als Rechtsanwältin, Unternehmerin und vor allem in der Politik ernst genommen zu werden, wenn die Medien sie damals als „Miss Bundestag“ betitelten? Sie müssen sehen, wann ich in der Bundespolitik angefangen habe: 1994! Damals war noch eine Zeit, in der es deutlich mehr Männer gab, die schönen Frauen nichts zugetraut haben. Die gibt es natürlich heute auch noch, aber ich glaube besonders in den letzten Jahren haben Frauen mehr Anerkennung und Respekt gewonnen in von Männern dominierten Berufen. Dennoch bin ich überzeugt, dass man mit Leistung immer gewinnen kann und daran habe ich mich in meiner beruflichen Laufbahn orientiert. Mein Aussehen stand für mich nie im Vordergrund meiner Karriere, sonst wäre ich beim Modeln geblieben.

„Beim Fernsehen geben Quoten Aufschluss darüber, wie gut man die Zuschauer unterhalten hat, in der Politik gibt es spätestens nach vier Jahren zur Bundestagswahl die Rückmeldung. Fakes werden überall schnell durchschaut.“

Wie sind Sie mit solchen Vorurteilen um­gegangen? Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst gestellt und immer hart gearbeitet. Oftmals mehr als vielleicht hätte sein müssen. Aber ich war schon immer eher eine Perfektionistin. Man entwaffnet Vorurteile am besten, indem man beweist, was man kann. Als ich 1994 in die Bundespolitik einstieg, wurde mir bei der Auswahl meines Wirkungs­ bereiches ein typisch weibliches Resort 

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angeboten. Ich sollte als Frau etwas mit Bildung oder Erziehung machen. Und dies, obwohl ich Rechtsanwältin mit eigener Kanzlei und Unternehmerin war! Es hat mich schon ein wenig Energie gekostet, meinen damaligen Parlamentarischen Geschäftsführer davon zu überzeugen, dass ich im Bereich Wirtschaft wichtige Erfahrungs­werte in die Arbeit einbringen könnte. Am Ende hat es geklappt und ich war eine der ersten CSU-Frauen, die in den Wirtschaftsausschuss nominiert wurden. Später wurde ich sogar Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium. Da hat mich keiner mehr als „Miss Bundestag“ wahrgenommen. Sind Sie in Ihrer Karriere oft über Ihr Aussehen definiert worden? Mein Aussehen war einmal für meinen Erfolg relevant, nämlich bei der Miss Germany Wahl. Danach fokussierte ich mich auf meine berufliche Karriere und wurde von meinem Umfeld besonders in der Politik aufgrund meiner Argumente, Strategien, Lösungen und meiner Leistung definiert. Ich denke nicht, dass man ein politisches Thema besser oder schlechter diskutieren kann, wenn man ein gewisses Aussehen hat. Hier geht es um den inhaltlichen Mehrwert. Ein Glück, denn sonst hätten wir in der deutschen Politik sicher ein Problem. Heute stellen sich besonders junge Menschen auf Instagram & Co. besonders

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Sie zeigen sich auf Ihrem InstagramAccount sehr natürlich, etwa beim Toben mit Hunden oder auf Ihren Reisen für Unicef. Ist Ihnen Authentizität heute wichtiger als das gute Aussehen? Für mich schließt sich beides nicht gegenseitig aus. Mein Aussehen habe ich meinen Eltern zu verdanken und ich bin zufrieden damit. Macht mich mein Aussehen aber weniger authentisch? Das wäre ja nur ein weiteres Vorurteil … Was meine Follower auf Instagram zu sehen bekommen, bin zu 100 Prozent ich – egal ob gestylt für ein Event oder in Jeans und Turnschuhen im Tierheim. Was würden Sie jungen Leuten raten, die sich in den sozialen Medien mithilfe von Filtern und anderen Hilfsmitteln verändern, um dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen? Das wahre Leben findet nicht auf Instagram statt. Dessen sollte man sich immer wieder bewusst sein. Ich persönlich finde es schade, dass oft nur ein geschöntes Bild für zahlreiche Likes sorgt und Inhalte dabei unrelevant werden. Ich empfehle jedem, sich auf seine Stärken zu besinnen und darin richtig gut zu werden. Am Ende des Tages müsst ihr euch eurem wahren „Ich“ im Spiegel stellen und zufrieden mit dem sein, was ihr erreicht habt. Schönheit ist n dabei das vergänglichste Attribut.

Foto: privat

„Ich denke, dass Netzwerken das A und O für eine erfolgreiche Karriere ist. Wir Frauen haben hier eindeutig Nachholbedarf. Es gilt, unsere Stärken zu bündeln, um umso erfolgreicher im Haifischbecken der Gründerszene und Männer-Domänen aufzutreten.“

positiv dar und versuchen, schöner und makelloser zu wirken, als sie es vielleicht sind. Würden Sie sich heute, unter diesen Voraussetzungen, gerne noch mal einer Schönheits-Konkurrenz stellen? In einer Welt voller Filter erfreue ich mich an Echtheit. Ich selber würde heute nicht mehr an einem Schönheits-Wettbewerb teilnehmen. Das überlasse ich den jüngeren Damen. Jedoch denke ich, dass Netzwerken das A und O für eine erfolgreiche Karriere ist. Wir Frauen haben hier eindeutig Nachholbedarf. Es gilt, unsere Stärken zu bündeln, um umso erfolgreicher im Haifischbecken der Gründerszene und Männer-Domänen aufzutreten. Hierbei bin ich gerne unterstützend tätig. Sich als junge Frau Hilfe bei erfahrenen Frauen zu suchen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein smarter Move, um den eigenen Zielen und Träumen näherzukommen. Meine Erkenntnisse, die auch auf eigenen Fehlern beruhen, gebe ich gerne weiter und hoffe so, eine Unterstützung für junge Frauen zu sein, die diese Hürden noch vor sich haben. Daher bin ich auch in diesem Jahr in der Jury der „Miss Germany“-Wahlen und freue mich auf die Kandidatinnen.


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Anlegen im Jahrzehnt des Wandels Als weltweit führender Vermögensverwalter mit Niederlassungen in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Berlin, München und Stuttgart ist es die oberste Priorität der UBS, das Vermögen ihrer Kunden langfristig zu schützen – nicht nur, aber vor allem in herausfordernden Zeiten. Sükriya Aclan, Leiterin der UBS Niederlassung Frankfurt, erklärt, was Anleger in der Welt nach Covid-19 zu erwarten haben und welche Trends die kommenden Jahre prägen könnten. Frau Aclan, was ist Ihre Anlageeinschätzung für die kommenden Monate? Wir bei UBS erwarten, dass die Wirtschaftsleistung und Unternehmensgewinne in fast allen Regionen auf das Niveau vor der Pandemie zurückkehren, wenn auch die Tiefzinsphase weiterhin bestehen bleiben wird. Die Pandemie hat viele Trends beschleunigt, die zu Beginn dieses Jahrzehnts bereits angelaufen waren. Wir werden voraussichtlich in einer Welt leben, die digitaler und nachhaltiger sein wird: Unternehmen, welche beispielsweise die Digitalisierung der Finanzbranche vorantreiben oder vom Ausbau des 5G-Mobilfunkstandards profitieren, könnten Opportunitäten für Anleger schaffen. Warum bieten gerade diese Sektoren potenzielle Chancen? Beim Betrachten der Finanzbranche wird deutlich, wie sehr technologische Innovationen Banken- und Finanzdienstleistungen vorantreiben: Unsere Analysten sehen beispielsweise Spielraum für ein fortgesetztes Wachstum von digitalen Zahlungen, angetrieben von der zunehmenden Nutzung kontaktloser und mobiler Zahlungssysteme. Auch in anderen Bereichen wie Versicherungen, Immobilien, Kreditvergabe oder Investments ist die Finanztechnologie dank Unterstützung von Basistechnologien wie KI auf Expansionskurs. In den nächsten zehn Jahren könnten Fintech-Unternehmen Gewinnwachstumsraten im mittleren bis oberen Zehnerbereich verzeichnen, womit die Branche zu einer der wachstumsstärksten weltweit werden würde.

Welche Opportunitäten eröffnet der Ausbau des 5G-Mobilfunkstandards? Die 5G-Technologie wird zahlreiche innovative Geschäftsmodelle ermöglichen und damit das Wachstum einer neuen Generation von führenden Plattformunternehmen ankurbeln können. Aktuell verbindet man dieses Thema primär mit Smartphone-Produzenten und Netzwerkunternehmen, welche zu den ersten Gewinnern des neuen Standards zählen dürften. Zukünftig gehen wir jedoch auch davon aus, dass 5G große Veränderungen in anderen Bereichen herbeiführen und eine Fülle neuer Anwendungen ermöglichen könnte. Diese Entwicklungen haben wir fest im Blick, nicht umsonst sprechen wir von einem Jahrzehnt des Wandels. Ihr Beraterteam betreut Kunden in ganz Deutschland – und hat dabei immer die Märkte auf der ganzen Welt im Blick. Wie funktioniert das im Alltag? Das Besondere an meinem Team ist, dass wir unsere Kunden zwar regional mit der persönlichen Note einer Privatbank im OpernTurm betreuen, im Hintergrund jedoch auf die globale Expertise von über 69.000 Mitarbeitern und 900 Analysten in 50 Ländern zurückgreifen – so bleibt man stets informiert. Unsere Anlagestrategen beobachten rund um die Uhr die Lage an den Finanzmärkten und analysieren genauso langfristige Investmentthemen. Dadurch können wir unseren Kunden oftmals einen Informationsvorsprung bieten. In vermeintlich unvorhersehbaren Zeiten kann das zum wertvollen Unterschied werden. Frau Aclan, vielen Dank für das Gespräch! Weitere Informationen auf ubs.com/de Sükriya Aclan UBS Europe SE Bockenheimer Landstraße 2–4 60306 Frankfurt am Main E-Mail: sukriya.aclan@ubs.com Tel. 069 / 2179 – 8647

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Top-Unternehmerin produziert Film

business news „Neues Frankfurt“ will

Vidar Startup-Gründer Christoph Behroz und Rouven Kneipp

Sportbekleidung

Unesco-Welterbe werden Die Ernst-May-Siedlung in der Römerstadt gehört vielleicht schon bald zum Unesco-Weltkulturerbe.

aus

Die Ernst-May-Siedlungen, benannt nach dem ehemaligen Frankfurter Stadtbaurat, soll zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt werden – zumindest hofft dies das Land Hessen. Die Siedlungen, auch als „Neues Frankfurt“ bekannt, entstanden zwischen  und  und gelten als eine der wichtigsten Architekturprojekte des . Jahrhunderts. Jedes Bundesland kann zwei Vorschläge für die Aufnahmen in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt abgeben. Die Stadt Frankfurt wird bei ihrer Bewerbung durch das Hessische Wissenschaftsministerium unterstützt. Was der zweite hessische Vorschlag wird, ist bislang noch nicht bekannt.

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Vidar ist in der nordischen Mythologie der Gott des Waldes und ein großer Krieger. Als Wächter der Natur und als Krieger gegen Billigware sehen sich auch die Gründer des Frankfurter SportbekleidungsStar tups Vidar. Rouven Kneipp und Christoph Behroz produzieren Sport-Shirts und -Shorts aus „Tencel“. Ein von der österreichischen Firma Lenzing entwickelter Stoff, der komplett aus Holzfasern besteht. „Extrem leicht, robust und atmungsaktiv“, werben die beiden Gründer für das Material. Und weiter: „ Jeder, der Sportbekleidung aus Plastik noch für zeitgemäß hält, kann bei den etablierten Sportmarken bleiben. Der Rest kommt ab jetzt gerne zu uns“, geben sie sich selbstbewusst.

Nachhaltig und bequem: die Sportswear des Frankfurter Start-ups Vidar

Fotos: Edward Park, Vidar, Stadt Frankfurt/Holger Menzel

Eintracht-Keeper Kevin Trapp und Unternehmerin Martina Peukert beim Dreh im Elements Fitness & Wellness – Corona-konform mit Abstand und Schnelltest

„Der Erfolgscode“ heißt die erste Filmproduktion, die in Frankfurt von der Unternehmerin Martina Peukert produziert wurde. Mit TV-Profi Achim Winter interviewte sie im Elements Fitnessstudio im Henninger Turm mit Blick auf Mainhatten acht Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft und Medizin über ihren Umgang mit Krisen, Glück und Erfolg. Peukert: „Im Fokus steht ihr Lebensweg zum Erfolg.“ Eintracht-Keeper Kevin Trapp etwa erzählt, wie er mit  daheim auszog, um Profifußballer zu werden. Eine Doku in Kinoqualität, die wertvolle Tipps auf dem Weg nach ganz oben gibt. Peukert: „Wichtig sind die Einstellung und der Wille jedes Einzelnen zum Erfolg und das spiegelt der Film sehr authentisch in den unterschiedlichen Aussagen der Protagonisten wider.“ Zu sehen online auf www.erfolgscode.de.


VR-Visionen aus Frankfurt Neue Adresse, neuer Name, neues Konzept – The Vatrix, ehemals VR Loft, ist nun in der lichtdurchfluteten ersten Etage des Palais Thurn und Taxis Ingo Söhngen, CEO The Vatrix zu finden. In dem „Digital Hub“ bietet Geschäftsführer Ingo Söhngen innovative Kommunikationslösungen mittels Virtual Reality (VR) an. „Wir sind außerdem Höhenangst therapiert oder Wohnungen virtuell besichtigt werein Forschungs- und Entwicklungszentrum – das größte dieser Art den. Außerdem: virtuelle Meetings, Messen oder Museen. „Alles ist in Europa“, sagt Ingo Söhngen stolz. Bereits heute wird VR in vielen möglich!“, so Söhngen. „Mit unseren innovativen und maßgeschneiBereichen eingesetzt: So können chirurgische Eingriffe trainiert, derten Digitallösungen können wir jeden Wunsch erfüllen.“

Arbeiten,

Wohnen,

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt), Kolb+Partner, iPartment, Stadt Frankfurt / Salome Roessler

Kunst

Die ipar tment GmbH hat in der Darmstädter Das ipartment in der Darmstädter City Cit y ihr . BusinessApar tmenthaus im deutschsprachigen Raum eröffnet: 8 Serviced Apartments, 8 Quadratmeter Co-Working-Spaces, Dachterrasse. iPartment-Gründer Matthias Rincón: „Die temporär genutzte Wohnung soll sich wie ein zweites Zuhause anzufühlen.“ Der siebengeschossige Neubau bietet Apartments mit hotelähnlichen Services, Leihbikes, Carsharing und E-Roller, buchbar ab einem Tag bis zu sechs Monaten. In Frankfurt gibt es bereits drei ipartment-Wohnobjekte. Das Besondere am Haus in Darmstadt ist die Verbindung von Working, Living, Kunst und Design: Junge Künstler stellen in den Räumlichkeiten und der Grünanlage ihre Werke aus.

Kulturdezernentin Ina Hartwig, MOMEM-Gründer Alex Azary und OB Peter Feldmann bei der ersten Präsentation der Räumlichkeiten

Techno

an der Hauptwache

Das Besondere an den ipartments ist die Verbindung von Working, Living, Kunst und Design.

Fans von Technomusik und Kulturliebhaber haben Grund zur Freude: Auf der B-Ebene der Hauptwache, mitten im Herzen der Stadt, soll nach mehr als fünfjähriger Planung im Herbst endlich das „Museum Of Modern Electronic Music“ eröffnen. Das „MOMEM“ ist das weltweit erste Museum für elektronische Musik und hat seinen Platz nicht zufällig gewählt. Frankfurt gilt als einer der Geburtsorte elektronischer Musik in Deutschland. Clubs wie das Dorian Gray, Omen und U6 erlangten internationale Bekanntheit. Auch die Gründer des Museums sind in der Elektro-Welt keine Unbekannten: Alex Azary und Andreas Tomalla „Talla XLC“ gelten als Elektro-Pioniere.

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So soll das neue Rebstockbad 2025 aussehen.

Phönix aus

business ticker Der Closed-Store in der Börsenstraße vergrößert sich: Eine Hausnummer weiter bezieht das Modelabel den ehemaligen Salon von Haarspezialist Dylus. Der wiederum bleibt der Innenstadt treu und lässt sich in der Neuen Rothofstraße nieder, wo zuvor Herrendesigner Abaci wirkte und werkte. Das Senckenberg Museum hat eine neue Direktorin. Brigitte Franzen übernahm die Leitung des renommierten NaturkundeHauses. Zuvor verantwortete die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin die international tätige „Peter und Irene Ludwig Stiftung“. Hoffnungsschimmer aus dem Frankfurter Jazzkeller: Nachdem der langjährige Inhaber Eugen Hahn im Alter von 78 Jahren verstorben ist, wollen seine Frau Kelly Johnson und sein Sohn Philipp den traditionsreichen Jazzclub in seinem Sinne fortführen. Nach dem Aus für das Kult-Kino auf der Bergerstraße hat Besitzer Harald Metz nun neue Pläne: Aus dem Filmtheater soll ein Kulturzentrum werden. Das neue Programm: von Theater und Kabarett über Filme bis hin zu Livemusik. Fans des Jagdschloss Kranichstein können sich freuen: Es hat einen neuen Pächter. Der frühere Hoteldirektor Stefan Stahl übernimmt das Traditionshotel. Er plant, den Spa- und Wellnessbereich stärker zu fördern. Abschied bei der Eintracht: Nach fünf Jahren als Sportvorstand will Fredi Bobic den Verein im Sommer verlassen – trotz Vertragsende bis 2023. Sein Ziel: Hertha BSC Berlin.

Louise goes Mainhattan Mitten im Lockdown hat das Luxushotel „Louise“ der Münchner Kette „Ruby “ in der Neuen Rothofstraße eröf fnet. B e n a n n t n a c h F r e i f r au Louise von Rothschild (8–8), deren Familie den Aufbau ihres berühmten Finanzimperiums in Fr ank fur t begann. Die Hotelkette mit weiteren Standorten in Düsseldorf, Hamburg, Wien und London ist nicht nur für ihre weiblichen Namenswidmungen, sondern auch für ihr ausgefallenes Design Ein Loft-Room bekannt: Im „Louise“ trefim Ruby Louise fen klare Linien und sanfte Kurven des Biedermeier Designs auf Graffitis und moderne Kunst. Die  Zimmer im eigenen „Lean Luxury Style“ sind mit bequemem Luxusbett und Regendusche ausgestattet. Bei einem Cocktail auf der großen Dachterrasse kann man den Sundowner genießen – auch ohne Gast zu sein. Die Küche bietet geschmackvolle Snacks, inspiriert von der italienischen Küche.

Die Schweizer Straße soll umgebaut werden. Dazu hat die Stadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Im Gespräch: weniger Parkplätze und breitere Geh- und Radwege. Auch eine Fußgängerzone steht im Raum. Die konkrete Planung des Umbaus soll noch in diesem Jahr beginnen.

Good luck,

Nach 1986 könnte bald wieder eine Straßenbahn über die Hauptwache fahren. Zwei Mitglieder des Magistrats prüfen einen entsprechenden Vorschlag, um den Platz zu beleben und die Innenstadt dezentraler zu erschließen.

Susanne Haus ist die erste Frau an der Spitze in der rund -jährigen Geschichte der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Sie löst damit Elektromeister Bernd Ehinger ab. Die gelernte Malermeisterin und Restauratorin führt seit  einen Familienbetrieb mit dem Schwerpunkt Denkmalpflege. In ihrer neuen Rolle als Vertreterin von über . Mitgliedsbetrieben mit mehr als . Arbeitnehmern möchte sie Vorbild für junge Frauen sein und damit mehr Frauen für Handwerks­ berufe begeistern.

Mrs. President!

Frankfurt hat eine eigene Sonderbriefmarke. Auf der Marke mit dem Wert 2,70 Euro ist die U-Bahn-Station Westend zu sehen. Das Bundesministerium für Finanzen gibt jedes Jahr rund 50 Sondermarken heraus, deren Motive die deutsche Geschichte und Kultur widerspiegeln.

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großes Spa, eine Erlebniswelt mit Wellenbad, „Lazy River“ und verschiedene Wärmebecken. Kinder und Junggebliebene können sich zudem auf drei Wasserrutschen freuen. Allerdings gibt es auch einen Wermut stropfen: Die Eröffnung des knapp  Millionen Euro teuren Neubaus ist erst für  geplant.

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Susanne Haus ist Frankfurts erste Handwerkspräsidentin.

Fotos: BBF / Geisnib Boeker, Ruby Hotels / Gregor Hofbauer, Stadt Frankfurt / Hoger Menzel

der Asche

Eine Ikone wird abgelöst: Nach über  Jahren und  Millionen Gästen ist das in die Jahre gekommene Rebstockbad Geschichte. Die Pläne für den Neubau sind jedoch schon fertig und wirken spektakulär: Auf insgesamt 8. Quadratmetern sollen Leistungssportler und Freizeitschwimmer voll auf ihre Kosten kommen: Drei Bade-Bereiche, ein


people. not politics. „In Frankfurt ist die Welt zu Hause“: In der Mainmetropole leben Menschen aus rund 180 Nationen – damit gilt „Mainhattan“ als die internationalste Stadt Deutschlands. Und doch wird dieses Potenzial selten ausgeschöpft. Junge, internationale Expats bleiben häufig unter sich, weil sie sich nicht zugehörig fühlen. Das muss sich ändern, findet der American German Business Club Frankfurt (AGBC). Welche Rolle dabei die Kommunalpolitik spielt, wie man die Unternehmer von morgen formt und wie das auch in Krisenzeiten erfolgreich gelingen kann, erzählt Geschäftsführerin Maja Vuksic. Vor atemberaubender Kulisse treffen wir Vuksic – in der Lounge im 44. Stockwerk des Omniturms liegt einem die Stadt regelrecht zu Füßen. Dabei geht der Blick weit über die Frankfurter Innenstadt hinaus. „Es ist witzig, von hier oben merkt man erst, wie kompakt Frankfurt doch ist“, sagt die sympathische Wahl-Frankfurterin lachend. Seit 2019 bekleidet sie das Amt als Geschäftsführerin des AGBC in Frankfurt. Der Verein wurde im Jahr 1964 in Bonn gegründet und sollte damals eine Brücke zwischen der USA, der Ölindustrie und Deutschland schlagen. Inzwischen zählt die Zweigstelle in Frankfurt – neben München – zu der größten in der Bundesrepublik.

Fotos: AGBC Frankfurt

Maja Vuksic und Armand Zorn (SPD) bei der Aufzeichnung im Omniturm

„Was uns ausmacht: Wir wollen etwas verändern – wir wollen eine Verbindung zu der jungen, beruflich sehr erfolgreichen, internationalen Community aufbauen. Diese Gruppe wird oft – auch in der Kommunalpolitik – außer Acht gelassen, das ist verschenktes Potenzial“, konstatiert Vuksic. Ein Ansatz: In Interviews, die digital abzurufen sind, hat der Verein unlängst drei Lokalpolitiker befragt. Im Fokus: Weniger die parteipolitischen Inhalte, sondern vielmehr der individuelle persönliche Werdegang – die Motivation hinter der Leidenschaft für Politik und der Ehrgeiz, allen Widrigkeiten zu trotzen. „Wir wollten den Menschen kennenlernen und nicht rezitieren, was auf den Wahlplakaten steht. Die Slogans kann ich mir selbst auf dem Weg durch die Stadt durchlesen“, sagt Vuksic forsch. Die Idee verbucht erste Erfolge:

Entstanden sind drei ehrliche, mutige und spannende Interviews. Tina Zapf (die Grüne), Armand Zorn (SPD) und Birgit Weckler (CDU) präsentieren sich persönlich wie nie. Ein weiteres wahres Leuchtturmprojekt des Vereins: Der Schüler-Wettbewerb „Entrepreneurs of Tomorrow“. In Deutschland ist er bisher einzigartig – andere vergleichbare Ausschreibungen richten sich an Studenten. Das Projekt besteht bereits seit 14 Jahren und lebt von dem ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder und Sponsoren. Das Konzept ist ganz einfach: In Teams von bis zu vier Personen können Schüler aus der 9. bis zur 13. Klasse ihre Ideen und Business-Pläne einreichen. Dafür stehen ihnen Mentoren zur Seite. Vuksic: „Ziel ist es, dass die jungen Menschen schon frühzeitig lernen, unternehmerisch zu denken. So was lernt man normalerweise nicht in der Schule.“ Die besten fünf erhalten die Möglichkeit, ähnlich wie bei „Die Höhle der Löwen“, ihre Idee vor einer Experten-Jury zu pitchen. Der Hauptpreis ist mit 1.000 Euro dotiert. 2020 stellte sich der AGBC den neuen Herausforderungen und verlegte den Wettbewerb ins Digitale. Und noch mehr: „Dadurch konnten wir Schulen aus München, Köln und Düsseldorf mit ins Boot holen.“ Zudem konnte man erstmals Mentoren aus New York für das Projekt gewinnen. „Als immer mehr Mentoren aus den USA zugesagt haben, war das schon ein Erfolgserlebnis“, berichtet Vuksic stolz. „Corona hat uns vor große Herausforderungen gestellt, aber am Ende haben wir aus der Situation sogar gewonnen!“ Der Wettbewerb für 2021 ist bereits gestartet. Und wenn man sich die Resultate des letzten Jahres anschaut – eine App, mit der man sein geparktes Auto jederzeit wiederfindet („Spot Rent“) und eine Drohne, die Lieferungen von Restaurants in nur 10 Minuten direkt nach Hause bringt („Aeolos“) – wird klar: Man darf mehr als gespannt sein, was die jungen „Entrepreneurs of Tomorn row“ sich diesmal einfallen lassen.

„Wir wollen etwas verändern – wir wollen eine Verbindung zu der jungen, beruflich sehr erfolgreichen, internationalen Community in Frankfurt aufbauen.“ Maja Vuksic AGBC Frankfurt e.V. Tina Zapf (Die Grünen) mit Maja Vuksic

Birgit Weckler (CDU) im Gespräch mit Maja Vuksic. Alle Interviews „People – Not Politics" stehen online zur Verfügung.

Julia Kleber (KPRN), Maja Vuksic, und Issac Thomas (Green Towers) beim EOT Hybrid Kick-Off im Techquartier

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Ästhetische Funktionalität auf Weltniveau:

Inhaber Lothar Schmidt

60 Jahre Sinn Spezialuhren Sinn Spezialuhren stehen weltweit für funktionsstarke mechanische Zeitmesser. Uhrenliebhaber sowie Piloten, Taucher, Rettungskräfte oder die maritime Einheit der GSG 9, die sich in Extremsituationen auf ihre Uhr verlassen müssen, gehören zum Kundenkreis. Inhaber Lothar Schmidt sprach mit uns über die international begehrten Zeitmesser und erklärte uns, wieso mechanische Modelle auch im digitalen Zeitalter überzeugen.

Vom Ingenieur zum Uhrenliebhaber Schnell merkte Lothar Schmidt, dass er seine Leidenschaft für Maschinenbau auch in der Uhrenindustrie ausleben kann. „Als mir Helmut Sinn, Pilot, Blindfluglehrer und Schöpfer von Sinn Spezialuhren, sein unabhängiges Unternehmen, das für die Herstellung von Navigationsborduhren und Fliegerchronographen bereits bekannt war, zum Kauf anbot, habe ich keine Sekunde gezö-

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gert.“ Am 1. September 1994 übernahm er voller Stolz die 1961 in Frankfurt gegründete Firma. „Ein eindrucksvolles Erbe an einem super Standort. Frankfurt ist wie ein großes Dorf, hat aber alles, was eine Millionenstadt zu bieten hat.“

Funktionalität schafft Emotionen Mit enormer Innovationskraft hat sich die Marke Sinn etabliert. Der internationale Durchbruch gelang 1999 mit der „Frankfurter Finanzplatzuhr 6000“. Schmidt: „Ein Spitzenmodell, das es mittlerweile in sieben Variationen gibt.“ Auf der Basis bewährter Werke entstehen unter der hauseigenen Modifikation „SZ-Uhrwerke“ zertifizierte Kaliber, die sich durch technische Alleinstellungsmerkmale auszeichnen: Einsatzzeitmesser mit Uhrwerk-Alterungsschutz, Modelle, die Temperaturen von -45 und +80 Grad Celsius erlauben oder absolut beschlag- und verspiegelungsfreie Taucheruhren aus U-Boot-Stahl – dank Hydro-Technologie können extreme Meerestiefen erreicht werden. 2014 unternahm Robert Alan Eustace einen Weltrekord-Stratosphärensprung

Fotos: Sinn Spezialuhren

Aus der Unternehmenssammlung: eine historische SINN 103A, einer der ersten Fliegerchronographen von Sinn Spezialuhren

„Hätte man mir als Jugendlicher gesagt, dass ich einmal ein erfolgreiches Uhrenunternehmen führen würde, ich hätte es nicht geglaubt“, lacht Inhaber und Geschäftsführer Lothar Schmidt, der 2021 mit Sinn Spezialuhren in Frankfurt-Sossenheim 60-jähriges Jubiläum feiert. „Ich war von klein auf total technikvernarrt, aber kein Uhrenfreak“, verrät er. Bis 1975. Da half der DiplomIngenieur eine Zeitlang in einer renommierten Gehäusefabrik im französischen La Chaux-deFonds aus – und der Funke sprang sofort über: „Ich lernte nicht nur die Sprache, sondern auch die Eleganz klassischer Zeitmesser lieben.“


rubrik

aus über 41.000 Metern Höhe – mit einer SinnUhr über dem Raumanzug.

Spezialuhren für Jäger mit Mondphase „Bei einer Uhr spielen emotionale Werte eine Rolle. Wir setzen zusätzlich auf Inhalte, die schaffen dann die Emotionen selbst”, erklärt Lothar Schmidt. „Andere designen ein grünes Ziffernblatt mit Geweih und nennen es Jagd-Uhr. Wir integrieren Funktionen, die der Jäger dann auch sinnvoll nutzen kann, wie das Anzeigen der Mondphase.“ Immer wieder werden Lösungen entwickelt, um die zeitlosen Zeitmesser noch robuster und leistungsfähiger zu machen – dafür wurde die Marke Sinn bereits mehrfach mit einem Design Award ausgezeichnet. Die raffinierte Symbiose von Ingenieurskunst, handwerklichem Können und Ästhetik kommt in der Fachwelt und bei Uhrenfans gleichermaßen an: „Viele entscheiden sich im digitalen Zeitalter fürs mechanische Modell“, so Lothar Schmidt. „Wieso auch nicht? Sinn Uhren sind individuell, teilweise limitiert, langlebig und stromunabhängig. Da steckt noch echtes Handwerk drin.“

Hier fing vor 60 Jahren die Erfolgsgeschichte von Sinn an: Bis 1985 befand sich der Firmensitz im Rödelheimer Parkweg.

Im Füldchen residierte das Unternehmen von 1986 bis 2017.

Überraschung Jubiläumsuhr Die Realisierung der Uhrwerke erfolgt ausschließlich im eigenen Haus – vom Entwurf bis zur Konstruktion. Die Produkte werden direkt und über ausgewählte Juweliere vertrieben. Zurzeit sind über 30 Modelle in der Entwicklung. „Es wird eine Jubiläumsuhr geben”, verrät Lothar Schmidt. Wie genau sie aussieht, ist aber noch streng geheim. „So viel kann ich sagen: Es ist die Neuauflage eines Modells von 1974. Natürlich technisch weiterentwickelt und mit einer Sonderfarbe.“ lu n

2017 wurde der eigene Neubau in der Wilhelm-Fay-Straße in Sossenheim eröffnet.

SINN 6012, Die Frankfurter Finanzplatzuhr mit Mondphasenund Vollkalenderanzeige

„Bei einer Uhr spielen emotionale Werte eine Rolle. Wir setzen zusätzlich auf Inhalte, die schaffen dann die Emotionen selbst.” Lothar Schmidt Sinn Spezialuhren

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FIT 4 FUN Premiumreifen bieten zuverlässige Sicherheitsreserven und viel Fahrspaß Die passende Bereifung sorgt für Komfort und sichereres Ankommen – egal ob auf nasser oder trockener Fahrbahn. Ostern ist Reifenwechselzeit! Die Vorfreude, beispielsweise auf einen Kurztrip ins Grüne, ist bekanntlich die schönste Freude – und beginnt bereits bei der Planung. Dabei spielt die passende Bereifung des Autos eine elementare Rolle für Sicherheit, entspanntes Ankommen und natürlich auch Fahrspaß. Doch was unterscheidet Sommer- von Winterreifen und welche Faustformel gilt für die Profiltiefe? Christian Mühlhäuser, Managing Director Bridgestone Central Europe, steuert mit seinem Team vom Standort Bad Homburg aus die Geschicke des Premium-Reifenherstellers in der DACH-Region und Skandinavien. Im Gespräch erläutert er die wichtigsten Punkte für die richtige Reifenwahl. rend Sommerreifen eine härtere Mischung aufweisen, um Hitze und heißem Asphalt standhalten zu können. Die Abstimmung auf die saisonalen Anforderungen ist so bedeutsam, weil Reifen als einziger Kontakt des Fahrzeugs zur Straße das gesamte Fahrverhalten entscheidend beeinflussen.

Herr Mühlhäuser, warum und vor allem wann ist ein Wechsel auf Sommerreifen wichtig? Das ist zuallererst ein Sicherheitsaspekt. Sommer- oder Winterreifen sind Spezialisten, deren Kerneigenschaften auf die besonderen Anforderungen in der jeweiligen Jahreszeit abgestimmt sind. Sie bieten neben kürzeren Bremswegen bessere Performanceeigenschaften, ein Plus an Komfort und eine höhere Kraftstoffeff izienz. Bei Bridge­stone empfehlen wir deshalb die klassische O-bis-O-Faustregel, also Ostern bis Oktober, für den Reifenwechsel. Worin liegen die Unterschiede von Sommer- und Winterreifen? Die Hauptunterschiede liegen in der Gummimischung und im Profil. Winterreifen sind weicher und performen vor allem bei Temperaturen unter 7 Grad Celsius optimal, wäh54

Welche Abstriche mache ich unter Um­ständen bei einem All-SeasonProdukt? Wir bieten mit dem Bridgestone Weather Control A005 Evo einen Ganzjahresreifen mit herausragenden Eigenschaften. Eine Alternative für bestimmte Zielgruppen, die überwiegend in urbanen oder schneearmen Gebieten unterwegs sind. Die passende Reifenwahl hängt immer vom individuellen Fahrverhalten ab, die kompetente Beratung im Fachhandel ist hier hilfreich. Aber obwohl Ganzjahresreifen den saisonalen Reifenwechsel ersparen, rät Bridgestone nach wie vor zum saisonalen Reifenwechsel. Die höhere Sicherheit durch regelmäßige Wartung und bessere Eigenschaften bei unterschiedlichen Wetterbedingungen sind entscheidende Punkte. Und dann, Sie kennen das Problem: Fahrzeug gepackt, gerade auf der Autobahn blinkt der Warnhinweis auf: Plattfuß! Hat Bridgestone hier eine besondere Lösung parat? Um plötzlichen Reifenpannen entgegenzuwirken, haben wir unsere innovative DriveGuard Run Flat-Technologie unter

anderem auch in die Bridgestone Turanza Sommerreifenserie integriert. Damit können wir beim Autofahren im Alltag noch mehr Komfort und Sicherheit bieten. Denn: Die DriveGuard RFT ermöglicht es, trotz Reifenpanne einfach weiterzufahren – bis zu 80 km weit bei bis zu 80 km/h. Das reicht in der Regel für eine sicherere Mobilität bis zur nächsten Werkstatt. Mit dem Winterreifen Blizzak LM005 haben Sie im vergangenen Jahr eine Rekordanzahl an Testsiegen eingefahren. Welche Strategie verfolgen Sie 2021? Die zahlreichen Testsiege unserer neuesten Produkte sind natürlich eine schöne Bestätigung, die uns bei unserem Wandel zu einem führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität und wegweisender Lösungen Rückenwind verleiht. Übrigens ist ganz aktuell unser neuestes Produkt für den Sommer, der leistungsstarke Bridgestone Potenza Sport, von den Profis der Auto Bild sportscars zum Klassenbesten gekürt worden. Wir knüpfen also mit den überragenden Leistungseigenschaften unserer Produkte nahtlos an die Testsiege vom Winter an. Und genau das ist unser Anspruch: Für Bridgestone stehen Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit in allen Bereichen an erster Stelle. Als Innovationsführer arbeiten wir mit modernsten Technologien und engen Partnerschaften mit vielen renommierten Automobilherstellern kontinuierlich an der nachhaltigen Mobilität der Zukunft.


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DAS NEUE BMW 4er CABRIO.

Erleben Sie eine neue Form von Freiheit: Mit seiner eigenständigen, progressiven Ästhetik gleicht das neue BMW 4er Cabrio einer Ausnahmeerscheinung, die jede Grenze überwindet. Von der unverwechselbaren Front über das ästhetische Stoffverdeck bis hin zum markanten Heck strahlt das neue BMW 4er Cabrio einen entfesselten Freiheitsdrang aus. Informieren Sie sich jetzt online.

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THE SHOW MUST GO ON Viele Deutsche fühlten sich in den letzten Wochen wirtschaftlich und psychisch zurecht an ihren Grenzen angekommen. Dennoch: 2021 gibt viele berechtigte Gründe zur Hoffnung. Das Schlimmste dürfte vorbei sein. Nicht nur aus Sicht von Dr. Wolfram Weimer, einem der renommiertesten Medienmacher Deutschlands, dessen eloquente und positive Einschätzung unsere Clubmitglieder im Rahmen des Neujahrsgespräches erfahren konnten.

Claudio Montanini Präsident Marketing Club Frankfurt und Inhaber der Kommunikationsagentur PSM&W

Natürlich muss die Covid-19-Pandemie bis zum Schluss ernst genommen und bekämpft werden. Aber die Nachricht lautet auch: Es gibt ein natürliches Ende von Pandemien. Die Geschichte zeigt dies klar. Es werden aktuell mit Hochdruck Impfstoffe entwickelt, hergestellt (auch in Frankfurt) und verabreicht, die an Virus-Mutationen noch schneller anpassbar sind als bisherige Wirkstoffe. Ein Geniestreich Mainzer Wissenschaftler. Die Tage der Erkältungssaison sind gezählt; die Natur hilft uns wortwörtlich, aufzuatmen und aufzublühen. Und viele Unternehmen haben erstaunlich kreative, kontaktfreie Lösungen für sich selbst und ihre Branche gefunden. Gerade weil viele Täler nun durchschritten sind, könnten Publikumsveranstaltungen wie SportEvents, Messen und Festivals ab Sommer – mit den entsprechenden Hygienekonzepten – in Angriff genommen werden. Allen voran die Fashion Week: 2021 soll sie erstmals in Frank­­furt stattfinden – ein Leuchtturm-Event. Wir fiebern auf tolle Modenschauen mit besonderem Fokus auf Kreativität und Nachhaltigkeit hin. Wir möchten uns der Weltöffentlichkeit als innovative und

NEUSTART MIT VISIONEN

angesagte Metropole präsentieren und beweisen, dass Frankfurt Mode kann. Und dass unsere Messe in der Lage ist, auch in Pandemiezeiten eine sinnvolle, gesunde Mischung aus physischer und digitaler Darbietung anzubieten. Das Schlagwort „Purpose“ – der Sinn und Zweck des eigenen (unternehmerischen) Handelns – ist ohnehin in aller Munde. Wie man diesen Purpose findet, darauf ging Ex-Handelsblatt-Geschäftsführer und Gründer der Agentur „human unlimited“, Frank Dopheide, in seinem faszinierenden Online-Vortrag für MCF-Mitglieder ein. Er ist überzeugt: „Ohne Sinn ist alles zwecklos – Produkte und Dienstleistungen eingeschlossen.“ Eine Aussage, die durch eine Pandemie noch hundertfach verstärkt wirkt. Wer sich aber auf seinen Unternehmenskern besinnt, der kann auf allen Ebenen florieren. Ganz besonders in der Post-Corona-Realität. Spielen Sie mit dem Gedanken, dem MCF beizutreten und Teil unserer Community zu sein? Unser Anteil an digitalen/hybriden Formaten steigt weiter an, neben den bald wieder möglichen Coronakonformen Präsenzveranstaltungen für das persönliche Netzwerken. Weitere Informationen finden Sie auf www.marketingclub-frankfurt.de. Wir freuen uns auf Sie.

Ihr Claudio Montanini

Große Themen erfordern große Denker. Einer davon ist Publizist und Verleger Dr. Wolfram Weimer. Im digitalen Neujahrsgespräch blickte er mit Marketing Club Frankfurt-Präsident Claudio Montanini hinter die Kulisse unseres Zeitgeschehens und fand Antworten auf wichtige aktuelle Fragen: Was folgt auf den Lockdown? Welche Akzente wird der neue US-Präsident Joe Biden setzen? Verändert der Klimawandel unsere Weltordnung? Und was kann man gegen Fake-News unternehmen? Das Ergebnis: ein spannender und mitreißender Abend. Über 80 Zuschauer verfolgten den Talk über das Web. Im LiveChat hagelte es Komplimente. Joachim Donnerstag, Leiter der Marktkommunikation des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger, schwärmte: „Ausgezeichnetes Format, exzellente Umsetzung – alles in allem eine gelungene Veranstaltung!“


FRANK DOPHEIDE: NEUE ERFOLGSKONZEPTE Frank Dopheide

„Zum Jahresauftakt begrüßen wir einen Speaker, der normalerweise jede Bühne rockt!“, empfing MCF-Präsident Claudio Montanini die über 100 digitalen Zuschauer und den Referenten des Abends: Frank Dopheide, ehemaliger Geschäftsführer der Handelsblatt Media Group und Gründer der Purpose Agentur Human Unlimited. Thema des Abends: „Ohne Sinn ist alles zwecklos“. Im Fokus: Untern e h m e n , d i e a u fg r u n d d e s Transformationsdrucks in der Zwickmühle stecken und in der aktuellen Zeit nicht auf alte Erfolgskonzepte zurückgreifen können. An dieser Stelle setzt

Dopheides Agentur an. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, für Menschen und Unternehmen herauszufinden: Wofür sind wir eigentlich hier? Die Firma startete im Februar 2020 und damit zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. „Am Timing müssen wir noch arbeiten“, scherzt der Gründer. Dennoch zählt sie inzwischen eine Reihe namhafter Kunden wie die Deutsche Bank, die Deutsche Telekom, Douglas oder Würth. Nach dem Vortrag wurde der Ansatz von Purpose lebhaft diskutiert. Montanini: „Ich finde Purpose hoch spannend. Das Konzept macht Lust, wieder ans Morgen zu denken.“

Fotos: Marketing Club Frankfurt, MockupWorld

SUNEXPRESS: MIT SOCIAL MEDIA AUF HÖHENFLUG „Kleckern oder Klotzen?“ — unter diesem Motto begrüßte Ute Poprawe, Vorstand der MarketingFrauen des Marketing Clubs Frankfurt, im Zoom-Meeting den Gast des Abends: Kerstin Lomb, Chief Marketing Officer bei SunExpress Airlines, einem Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa und Turkish Airlines. Frage des Abends: Wie sichert man eine Airline-Marke in Pandemiezeiten? Eine Antwort: „Umdenken und agil reagieren. Im ersten Lockdown war direkt unser Krisenmanagement zur Stelle“, lobte Lomb. „Wir haben uns die Fragen gestellt: Wie geht es weiter? Was trauen wir uns zu? Und das als Team.“ Kommuniziert wird nun über neue Wege: Auf Social-MediaKanälen wie Snapchat und TikTok konnte SunExpress inner­ halb kürzester Zeit beeindruckende Klickzahlen verbuchen. Positiver Effekt: „Die Markensympathie ist gestiegen, die Mitglieder des hauseigenen Costumer-Loyalt y-Programms verzeichneten einen Zuwachs von fast 30 Prozent.“ Carola Romanus, Mitglied der MarketingFrauen in Frankfurt, begeistert: „Beeindruckend, wie Frau Lomb in so kurzer Zeit so etwas Großes auf die Beine stellen konnte.“

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Panne im Online-Meeting: Anwalt Rod Ponton tritt als Katze vor US-Gericht.

DO’S AND DON’TS Etikette im Online-Meeting Von Victoria von Ahsen

„I’m not a Cat!“, versichert Rechtanwalt Rod Ponton aufgeregt im Livestream bei einer Zoom-Gerichtsverhandlung im US-Bundesstaat Texas. Der Bildschirm zeigt jedoch etwas anderes: eine Babykatze mit großen, traurigen Augen. Der zuständige Richter, Roy Ferguson, reagiert prompt: „Mr. Ponton, ich glaube, Sie haben einen Filter aktiviert.“ „Ich weiß nicht, wie man den ausstellt“, jammert das Kätzchen mit weiner­licher Stimme zurück. Diese OnlineMeeting-Panne ging um die Welt und erhielt allein auf YouTube über sieben Millionen Klicks.

„Noch nie wurde so viel und so gut geredet wie heute!“ Dr. Stefan Wachtel

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Der Kollege im Wandschrank Online-Meetings gab es auch schon vor Covid-19, kamen jedoch dosierter zum Einsatz. Inzwischen sind sie zur Normalität geworden. Im Zusammenspiel mit dem Dienstort „Homeoffice“ findet eine Verschmelzung von Privat- und Berufsleben statt. Nicht selten mit ungewollt komischen Folgen. Kollegen nehmen Videoanrufe aus dem Badezimmer oder dem Kleiderschrank an, weil sie nur dort ihre Ruhe haben. Andere hingegen lassen gerne mal Kind oder Haustier durch den Bildhintergrund spazieren. Das kann niedlich und herzerwärmend wirken, ein Meeting jedoch auch deutlich in die Länge ziehen oder ganz entgleisen lassen. „Es gilt, die Sensibilität dafür zu schärfen: Was sehen die Leute? Wie werden meine Umgebung

und mein Hintergrund wahrgenommen?“, erklärt Markus Berg, Mitglied des Vorstands der Deutschen-Knigge-Gesellschaft. Ein Blick auf das eigene Schlafzimmer oder die Bierflaschensammlung sollten möglichst vermieden werden. Am besten eigne sich ein „cleaner“ Hintergrund, beispielswiese eine weiße Wand. Ist dies nicht möglich, lässt sich auch auf virtuelle Hintergrundbilder zurückgreifen. „Vor einem Online-Meeting muss ich mir immer überlegen: Wie will ich wirken? Welchen Eindruck will ich erzeugen? Und welche Umgebung brauche ich dafür?“, sagt der Experte. Das betrifft auch die Wahl des Outfits. Von einer Jogginghose im Zoom-Call rät Berg daher vehement ab: „Kleidung ist nicht nur entscheidend für den ersten Eindruck meines Gegenübers, sondern auch dafür, wie man sich selbst fühlt. In einer Jogginghose oder im Pyjama kann man nicht die gleiche Wirkung erreichen, als wenn man normal angezogen ist.“ Kleider machen eben Leute. Das gilt analog wie digital. Die Technik muss stimmen Das professionellste Outfit hilft dagegen wenig, wenn das Bild unscharf, der Ton schlecht oder die Internetverbindung zu langsam ist. „Das A und O vor jedem Call ist, die technischen Voraussetzungen zu überprüfen. Dafür sollte man genügend Zeit einplanen, um auf eventuelle Probleme reagieren zu können“, weiß Berg. Ebenso

Foto: Freepik, Youtube, Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Zoom, Skype oder Teams. Online-Meetings sind seit letztem Jahr nicht mehr Trend, sondern Pflicht. Abstimmungen mit Kollegen, Mitarbeiter­ gespräche oder Besprechungen mit der Bank – inzwischen sind wir gewohnt, remote zu kommunizieren. Dabei gibt es allerdings mehr zu beachten als eine stabile Internetverbindung und gute Webcam. Wir befragten zwei Experten, ob es sich gehört, im Online-Call Jogginghose zu tragen, wie sich Distanz in Online-Meetings überwinden lässt und inwie­ weit sich unsere Kommunikation durch Skype und Co. verändert hat.


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sollte man das jeweilige Programm zumindest in seinen Kernfunktionalitäten beherrschen. Teams, Zoom, Webex, Skype: Sie alle bringen ihre Eigenheiten und gegebenenfalls Herausforderungen mit sich, deren man sich nicht erst im laufenden Meeting annehmen sollte. Ein „Moment, wo startet man hier noch gleich die Kamera?“ wirkt unprofessionell. Der Kaugummi-Effekt Online-Meetings bieten zwar Kontakt zur Außenwelt, verleiten Teilnehmer jedoch oft dazu, sich nebenbei mit anderen Dingen zu beschäftigen. „Man fühlt sich hinter dem Bildschirm weniger beobachtet als im Präsenz-Meeting“, sagt Berg. „Wenn sich die Sitzung mal wieder wie Kaugummi zieht, ist die Ablenkung zum Greifen nah. Da guckt man dann noch schneller auf das Smartphone.“

Foto: Mathias Wald / MyByte Media

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hat herausgefunden, dass die Vielzahl von Videokonferenzen bei Teilnehmern zu einer neuen Art von Müdigkeit und Erschöpfung führt. Dieses Phänomen wird von den Wissenschaftlern als „Zoom-Fatigue“ bezeichnet. Das Problem ist hierbei weniger die Qualität als das schiere Überangebot an Meetings. Sprachwissenschaftler und Autor des Buches „Das ZielsatzPrinzip“ Dr. Stefan Wachtel erzählt uns: „Nach einem Tag voller Online-Calls ertragen Sie am Abend oft keinen weiteren mehr. Nach dem fünften oder sechsten können Sie gar nicht mehr richtig zuhören.“ Langeweile wird nicht mehr geduldet Zuhören sollte man allerdings, wenn Wachtel erklärt, wie sich unsere Kommunikation durch die Remote-Angebote verändert hat. Der Executive-Coach, der auch DAX-Vorstände berät, fasst für uns zusammen: „Der Zuhörer duldet keine Langeweile mehr. Das heißt, die Qualitätsanforderung steigt. Stundenlanges, unstrukturiertes Gelaber wird nicht mehr geduldet – weder beruflich noch privat.“ Unsere Kommunikationsfähigkeiten würden sich bereits seit Jahrzehnten verbessern: „Manager oder Politiker reden besser, klassische ‚Laber-Köppe‘ kommen nicht mehr durch. Die Qualität steigt beständig“, stellt Wachtel fest. „Diese Entwicklung bekommt durch Covid-19 jetzt einen zusätzlichen Schub, weil wir durch die Remote-Kommunikation gezwungen sind, effizienter zu sprechen. Der Fokus liegt auf dem Pointieren. Das bedeutet: Beginnen sollte man mit Abholung, gefolgt von allgemeinen, breiten Aussagen und dann pointieren auf den Punkt. Das ist das Zielsatz-Prinzip.“

Zuhörern herzustellen. „Das Klischee, wir hätten keine Nähe mehr und können deshalb nicht mehr so gut kommunizieren, ist schlichtweg falsch“, sagt er. „Das Gegenteil ist der Fall: Noch nie wurde so viel und so gut geredet wie heute!“ Wo räumliche Nähe und direktes Feedback durch Gestik und Mimik fehlen, bleibt nur die Sprache, um eine Verbindung zu dem Gegenüber aufzubauen. Dafür eignen sich Sätze wie „Sie fragen sich …“, „Sie wollen sicherlich …“. „Solche Sätze schaffen Nähe, wo reale Nähe fehlt.“ Auch den Namen des Gegenübers zu wiederholen, kann dabei helfen, eine Verbindung aufzubauen. Neue, alte Welt Trotz der neuen Umstände, gelten viele Verhaltensregeln aus der Offline-Welt auch in digitaler Umgebung. „Am Ende des Tages unterscheiden sich die alte und die neue Welt – Präsenz-Meetings und Online-Meetings – gar nicht so sehr voneinander“, resümiert Berg. „Regeln wie ‚Ich fange im Meeting nicht an zu essen‘ gelten auch weiterhin.“ Auch wenn die Pandemie überwunden ist, wird uns die neue Art der Kommunikation erhalten bleiben. Wir werden mehr remote und weniger Face-to-Face kommunizieren. „Das kann man bedauern, man muss es aber nicht“, sagt Wachtel. Denn wie Hermann Hesse einmal sagte: n „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

„Vor einem Online-Meeting muss ich mir immer überlegen: Wie will ich wirken?“ Markus Berg

Nähe trotz Distanz Wachtels Ansatz kann Sprechern dabei helfen, während eines Online-Meetings Nähe zu den

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Kreativ auf neuen Wegen

Von Thomas Zorn

„Ich glaube an die Rückkehr von live“, sagt der Mann, der einmal davon träumte, ein Rockstar zu werden. Doch dazu hat es bei Nico Ubenauf nicht ganz gereicht. Seine Cross Over Band „Relaxte Atmosphäre“, die von der Musik der Red Hot Chili Peppers schwer beeindruckt war, verpasste in den frühen Neunzigerjahren den Durchbruch. „Doch geblieben ist ein Faible für die Inszenierung“, erzählt er im Palais Thurn und Taxis. Seit dem 1. Oktober verantwortet seine Firma „satis&fy“ in dem geschichtsträchtigen Bau mitten in der Frankfurter City die Technik und die messebaulichen Aktivitäten. Magische Orte Die ursprünglich ins 18. Jahrhundert zurückgehende Location, in der einst die Herren über

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Europas Postwege residierten, betreibt „spaces“ in Offenbach. Sie ist eine hundertprozentige Tochter von satis&fy. Ubenauf hat unter dem spaces-Label schon ein kleines Reich exquisiter Orte in seine Regie gebracht: das Curio-Haus in Hamburg an der Rothenbaumchaussee, eine frühere Produktionsstätte für Schiffskräne in Düsseldorf direkt am Rhein und die eindrucksvolle und über 100 Jahre alte Industriehalle Fredenhagen in Offenbach. Der zielstrebige Gamechanger möchte noch mehr interessante Gebäude mit seinen Aktivitäten beleben und fasst in Berlin, Leipzig und im Rhein-MainGebiet weitere Objekte ins Auge. Schon 1993, als der gebürtige Heusenstammer „satis&fy“ gründete, hatte er die Vision,

Foto: Johnson Wang / Unsplash

Rien ne va plus. Nichts geht mehr. Das Gefühl hatten zunächst viele mittelständische Firmen im Rhein-Main-Gebiet, als Covid-19 das Leben zum Stillstand brachte. Alle schönen Pläne wurden von jetzt auf gleich über den Haufen geworfen. Die Lockdowns nahmen dem Einzelhandel, der Gastronomie, den Fitnessstudios oder der Veranstaltungsbranche die gewohnten Spielfelder. Doch kreative und mutige Unternehmer nutzten die schwierige Phase, um sich neu aufzustellen und Innovatives zu erproben. Das Top Magazin zeigt, wie Fitnessstudiobetreiber Henrik Gockel und Eventdienstleister Nico Ubenauf der Krise trotzen und nach vorn schauen. Sie stehen für die große Schar von Selbstständigen, die in der Pandemie nie aufgegeben haben.


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Veranstaltungen an magischen Stätten auszu­ richten, „um Inhalt mit Technik zu verbinden“. Zunächst kümmerte man sich nur um die Beleuchtung. Beschallung, Bühnenbau und Videogestaltung kamen rasch hinzu. Inzwischen gehört Ubenaufs Truppe in Europa zu den Marktführern in der Livekommunikation. Am Firmensitz in Karben verfügt man über 30.000 Quadratmeter-Fläche mit einem modernen Bürotrakt, Werkstätten und einer großen Lagerhalle. Alles ist auf Zukunft getrimmt. Auf Zukunft getrimmt Die Rechnung schien lange spielend aufzugehen. Bis Anfang 2020 war Veranstaltungs­ spezialist Ubenauf überall dabei. Der Hesse half bei der Durchführung von Konzern-Hauptversammlungen, Messen und großen Sportereignissen. Mit seiner Mannschaft gestaltete er Opernbälle oder führte neue Luxusmobile ein. Die technischen und konzeptionellen Ideen des Hauses gaben Museumsausstellungen den nötigen Spannungsbogen. Und sie sorgten dafür, dass ein Festival wie Rock am Ring mit Zehntausenden von Zuschauern reibungslos funktionierte und Wumms besaß.

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Dann machte Sars-CoV-2 mit allem erst mal Schluss. „Mit dem Schock klarzukommen und über Lösungen nachzudenken, war der erste Schritt aus dem Tal heraus“, berichtet Ubenauf rückblickend. Die Gruppe um satis&fy stürzte sich auf die digitalen Formate und verlegte Events von den großen Hallen und baute eigene Aufnahme-Studios. In Karben, Werne/ Westfalen, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und Offenbach heißt das aktuelle Motto „Go.Digital“.

Live is Live Parallel demonstrierte er der Branche exemplarisch, wie es auch mit größerem Publikum gehen könnte – mit Distanzgeboten, einem ausgeklügelten Akkreditierungssystem und kontaktfreien Einwegführungen. Für den Juli hatte er dann mit einigen Partnern die Musterveranstaltung „Back To Live II“ geplant. 250 Gäste sollten nach einem nur wenige Stunden zurückliegenden negativen PCR-Test in der Offenbacher Fredenhagen-Halle ohne Mundschutz und Mindestabstand feiern dürfen. Am Ende sagte die Stadt aufgrund der veränderten Verordnungslage doch noch ab.

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ico Ubenauf bleibt jedoch standhaft. Nicht einmal, als im Mai 2020 kriminelle Hacker seine Server leer räumten, verlor er den Mut. Wie er vor den Erpressern nicht einknickte, so beugt er sich auch nicht der Seuche. „Nach einer Übergangszeit wird es erneut abgehen“, prognostiziert er unverdrossen.

„Live wird das neue VIP. Die Sehnsucht nach Begegnungen ist bei all meinen Kunden riesengroß.“ Nico Ubenauf satis&fy

Sehnsucht nach anderen „Die Sehnsucht nach Begegnungen ist bei all meinen Kunden riesengroß.“ Digital werde künftig immer mitgedacht. „Es eignet sich hervorragend für Investoren-Roadshows, CEOTalks, Board-Meetings oder Corporate Broadcasting.“ Aber der direkte Kontakt sei unersetzbar. „Live wird das neue VIP.“ Der Profi, der seit Jahrzehnten die Basis für ein gutes Miteinander in Gesellschaft legt, rechnet mit einer Renaissance des Exklusiven. Im Zweifelsfall werde man sich für das kleinere Programm entscheiden „und nicht für einen Kickoff mit 5000 Außendienstmitarbeitern“. 

Go.Digital Individuell gestaltbare Plattformen für LiveStreamings und Online-Produktionen wurden ausgebaut. Mit der Kamera eingefangene Produktvorstellungen, Konferenzen, Vorträge, interaktive Videopräsentationen und Webinare ersetzten die Shows und Talks vor großem Publikum. „Das wird jetzt unheimlich gut angenommen“, stellt der 52-jährige Unternehmer fest. „Vor der Pandemie hatten wir bei solchen Konzepten meist nur minimale Einwahlzahlen.“ Weil aber Nico Ubenauf weiter fest an „live“ glaubt, entwickelte er nach Ende des ersten Lockdowns im vorigen Frühjahr einen angepassten Rahmen für echte Meetings in der Corona-Zeit. Er realisierte hybride Veranstaltungen mit einem kleinen Kreis von Besuchern. Sie trafen sich unter Beachtung der Hygienebedingungen an geeigneten Orten. Der Rest saß vor dem Bildschirm.

Nico Ubenauf im Palais Frankfurt

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n Oberursel hat sich ein solcher Zusammenschluss treffend „Heimvorteil“ getauft. Die Geschäftsleute erfahren im Netz große Sympathie. Parallel werden eigene OnlineShops aufgebaut. Modeboutiquen in Frankfurt sind besonders rührig. Sie halten den Kunden­ kontakt auch mit Postings, LiveshoppingVideos und Videotelefonie.

„Auf einmal stellen die Kunden fest, dass sie prima von Zuhause mit uns Sport treiben können. Diese Option wird selbstverständlich bleiben.“ Michael Remlinger Prime Time Fitness

Der ehemalige Soziologie- und Politologiestudent wittert Chancen, auch weil mit geschicktem Storytelling neue Märkte erobert werden können. „Unser Wunsch war immer, alles aus einer Hand anzubieten, ob in Deutschland, irgendwo in Europa oder in den USA.“ Sein Team mit 700 Mitarbeitern weltweit – mit Standorten unter anderem in New York, Los Angeles, Wien und Berlin – hat er größtenteils zusammengehalten, auch dank staatlicher Unterstützung. Storytelling Die Branche verändert sich. Die klassische Trennung zwischen Eventmanagern und technischen Dienstleistern scheint überholt. „Die Kunden erwarten klare Regieanweisungen.“ Trendbeobachter Ubenauf stellt schon Teams für die angepeilten Transformationsprozesse zusammen. „Wir werden tolle Angebote machen.“ Der Hobbykoch, der sich vor Corona gern mit seiner Frau zum Kraftauftanken in sein Haus auf Hawaii zurückgezogen hat, will durchstarten. Noch sucht er aber „händeringend nach Leuten, die ein Gespür für gute Geschichten haben“. Mutmacher finden sich im Augenblick an vielen Ecken. Modernisierungsdefizite der Wirtschaft bei der Digitalisierung seien aufgeholt worden, diagnostiziert Reinhard Fröhlich von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. „Bei den Betreibern von Rechenzentren explodieren natürlich die Zahlen.“ Lokale Amazons Sogar Betreiber von alteingesessenen Einzelhandelsgeschäften, die durch die plötzlichen Schließungen in ihrer Existenz akut gefährdet waren, haben auf den Reset-Knopf gedrückt. Diverse regionale Online-Plattformen sind so entstanden, auf denen Verbraucher Produkte von vertrauten Anbietern ordern können. Der IHK-Sprecher nennt sie „unsere lokalen Amazons“.

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Solidarität mit dem Studio Die Zeitenwende setzte am 18. März 2020 ein. An diesem Tag mussten die Fitness-Clubs erstmals schließen. Um zu reagieren und Auswege zu finden, etablierte man gleich zu Anfang eine Serie von täglichen Conference Calls. Finanzierungsfragen wurden geklärt und Aufgaben an die rund 150 Mitarbeiter verteilt. Man schuf digitale Ersatzangebote und tüftelte an Hygienekonzepten für die angestrebte Wiedereröffnung. Die Kunden erhielten Gutscheine als Ausgleich für das eingeschränkte Angebot. Auch nach dem zweiten Lockdown wurde Gockels Klientel nicht fahnenflüchtig. „Vorher hatten wir 18.000 Mitglieder an elf Standorten. Jetzt sind es knapp 2.000 weniger“, zieht der Gründer und Inhaber von Prime Time Fitness Bilanz. Das sei nicht viel und überschreite kaum die normalen Abgänge innerhalb eines Jahres. „Es fehlen derzeit nur die Neueintritte.“ Persönliche Atmosphäre Gockel ist stolz auf die bewiesene Treue. Auf eine persönliche Atmosphäre habe er seit dem Start 2010 starken Wert gelegt. „Unser Pfund sind die top qualifizierten Mitarbeiter. Bei uns ist nichts von der Stange, sondern alles selbst kreiert.“ Dass sich sein Unternehmen als Fitness-Manufaktur und nicht als „Fitnesskette“ verstehe, zahle sich nun aus. „Sogar auf Gutscheine haben viele verzichtet.“ Der gebürtige Mainzer, der aus einer Arztfamilie stammt, nennt diese Spender „Heroes“. Die Mitglieder bekommen auch eine ganze Menge zurück. Ein digitales Workout ist als Einzelstunde mit Coach, aber auch in Gruppen möglich. Bis zu 15 Personen werden dann unter

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Henrik Gockel, HR-Managerin Sina Gehring und Michael Remlinger im neuen TV-Studio von Prime Time Fitness

Selbstoptimierung ist auch für die Kunden von Henrik Gockel ein Thema. Der Gründer und Eigentümer der Kette Prime Time Fitness ist froh, dass die meisten Member seiner Clubs in München, Hamburg und an den sechs Standorten in Frankfurt dabei geblieben sind. „Wir haben alles dafür getan und es hat geklappt.“ Der ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler schwärmt in seiner mit modernstem technischen Equipment ausgestatteten Zentrale im Frankfurter Ostend von der entgegengebrachten Solidarität.


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Im Herzen des Rhein-Main-Gebietes und darüber hinaus!

Anleitung von zwei Trainern auf riesigen Bildschirmen zugeschaltet. Damit haben die Trainer die gleichen Korrekturmöglichkeiten, als wäre man im selben Raum. „Auf einmal stellen die Kunden fest, dass sie prima von Zuhause mit uns Sport treiben können“, meint Michael Remlinger, der Franchise- und Marketingmanager von Prime Time Fitness. Das Trainingsfeeling und das direkte Feedback funktionieren auch Zuhause. „Diese Option wird selbstverständlich bleiben.“ Morgens kurz vom Bett auf die Matte, das sei verlockend. Und auch abends nach dem Büro entfalle dann schon mal der Umweg über das Studio.

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Weg mit der Lethargie Viel werde Zuhause nicht gebraucht, erläutert der studierte Sportökonom Remlinger. „Hanteln, Yogamatte, ein Stuhl oder zwei, drei andere Alltagsgegenstände reichen vollkommen aus.“ Die Gesundheit müsse nicht leiden. „Kein Lockdown für deinen Körper“ lautete das Motto. Dass tut auch der Seele gut. „Sogar persönliches Einzeltraining an der frischen Luft haben wir in Zelten realisiert“, ergänzt Gockel. Die Behörden waren zwar skeptisch, aber die Rechtslage gab es her. Auch wenn die Freude spürbar ist, in den eigenen vier Wänden der Lethargie zu entrinnen, so möchten die Clubmitglieder doch so schnell wie möglich wieder gemeinsam trainieren. „Liebe Primer, danke für Eure Mühe und die Online-Angebote“, schrieb eine Teilnehmerin erleichtert. „Ich bin weiterhin sportlich aktiv. Trotzdem vermisse ich Euch!“

Foto: Giancarlo Corti / Unsplash

Auftrieb und Antrieb Der Bewegungstrieb ist nicht totzukriegen. Henrik Gockel zitiert eine repräsentative Umfrage unter Besuchern von Sportstudios. Sie habe ergeben, dass 80 Prozent „gleich am Ball sein wollen, wenn es wieder in den Clubs los geht“. Er strahlt und verabschiedet sich von Faust zu Faust. „Ich bin und bleibe n optimistisch.“

„Ich bin und bleibe optimistisch.“ Henrik Gockel Prime Time Fitness

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Frank Riemensperger im Campus Kronberg von Accenture

Von Kronberg in die Zukunft Für viele Unternehmen gleicht der Weg in die digitale Zukunft einem kräftezehrenden Marathonlauf. Accenture – eines der weltweit führenden Beratungshäuser – hilft ihnen, neue Energie freizusetzen und schneller ins Ziel zu kommen. Am Campus Kronberg sitzen knapp 3000 Mitarbeiter des Tech- und Beratungsunternehmens. Ihre Aufgabe: den großen Unternehmen der Region und darüber hinaus durch den klugen Einsatz von Technologie zu mehr Wachstum verhelfen. Das Top Magazin sprach im Taunus mit Frank Riemensperger, dem Deutschland-Chef des Konzerns.

„Wir müssen in Europa unsere eigene digitale Infrastruktur aufbauen; das ist die Voraussetzung für selbstbestimmtes Handeln im 21. Jahrhundert.“ Frank Riemensperger Accenture

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Im Augenblick jedoch arbeitet ein großer Teil des Teams nur von zu Hause. Homeoffice ist für Accenture zwar keine Kulturrevolution wie für manch anderes Unternehmen. Doch dass es hier im Moment so menschenleer ist, liegt an Corona. Geht es nach Frank Riemensperger, dann wird in die Büros wieder mehr Leben einziehen, sobald die Pandemie im Griff ist. „Menschen haben das Bedürfnis, sich physisch zu begegnen“, sagt er. „Im Homeoffice bleibt vor allem die Kreativität auf der Strecke, da die gegenseitige Inspiration fehlt.“ Ob nun in Heimarbeit oder am Büroarbeitsplatz; eines steht laut Riemensperger fest: „Wir wachsen als Unternehmen und suchen Verstärkung.“ Allein seit vergangenem Herbst habe man im deutschsprachigen Raum knapp 1000 neue Mitarbeiter eingestellt. Accenture ist aber weiterhin

auf der Suche, verrät der Deutschland-Chef: „Von Cloud-Experten bis hin zu Security-Spezialisten haben wir noch zahlreiche Stellen zu besetzen.“

„Neues wagen“

Das Geschäft bei Accenture entwickelt sich gut – und das liegt vor allem an den neuen Prioritäten der Kunden. „Die Pandemie hat Veränderungen vorangetrieben, die sich nicht mehr zurücknehmen lassen“, stellt der Spitzenmanager fest. Wirtschaft und Gesellschaft müssten den aktuellen Digitalisierungsschub nutzen, um mutiger nach vorne zu schauen. In seinem gerade erst ver­ öffentlichten Buch mit dem Titel „Neues wagen“ beschreibt Riemensperger gemeinsam mit Svenja Falk, Managing Director Accenture Research, warum Deutschland und Europa ohne ein klares Bekenntnis zur Digitalisierung den Anschluss an die USA und China verlieren werden. Das Plädoyer des Buches: Um im Wettbewerb zu bestehen, müsse Europa seinen eigenen Platz zwischen den beiden Supermächten finden und technologisch wieder souveräner werden. „Wir müssen unsere eigene digitale Infrastruktur aufbauen; das ist die Voraussetzung für selbst­ bestimmtes Handeln im 21. Jahrhundert“, kommentiert Riemensperger. Die Ausgangslage der deutschen Wirtschaft, die traditionell von großen Fertigungsunternehmen geprägt ist, schätzt er

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Der Campus Kronberg liegt mitten im Grünen mit Blick auf die Frankfurter Skyline. Der transparente Gebäudekomplex wirkt wie eine Einladung, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Die Arbeitslandschaften von Accenture sind hell und inspirierend mit vielen informellen Meetingpoints. Dort kommen Berater, Entwickler und Kunden zusammen, um Ideen auszutauschen und gemeinsam an kreativen Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu arbeiten.


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optimistisch ein: „Unsere Produkte vom Auto bis zum Industrieroboter sind in aller Welt gefragt; wenn es uns gelingt, diese digital ‚ aufzurüs ten‘ und damit intelligent zu machen, sind wir unschlagbar.“ Dafür brauche es weiterhin neue Geschäfts­ modelle und enge Kooperationen in digitalen Ökosystemen, fügt der Manager hinzu. Das könnten etwa sogenannte Datenplattformen sein, auf denen verschiedene Unternehmen ihre Daten und Algorithmen austauschen, um digitale Anwendungen noch besser zu machen. Der Accenture-Manager nennt ein Beispiel: „Wenn ich vorhersagen will, ob und wann ein Fahrstuhl in meinem Hochhaus stecken bleibt, brauche ich nur genügend Betriebsdaten von anderen Fahrstühlen anzuschauen.“ Dabei gilt: Je mehr Sensoren, desto mehr Daten – umso genauer lässt sich bestimmen, wann ein Bauteil ausgetauscht werden muss, um größeren Schaden zu verhindern. Riemensperger ist sich sicher, dass nicht nur in der Digitalisierung großes Potenzial für die Wirtschaft steckt. „Die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit eröffnet der gut organisierten deutschen Wirtschaft mit ihren hochqualifizierten Arbeitskräften riesige Chancen.“ Um den Klima­wandel zu stoppen, braucht es nämlich eine Vielzahl an technischen Lösungen, die helfen, den CO2-Ausstoß in der Produktion oder in der Logistik – zum Beispiel durch algorithmenge­ steuerte Routenplanung – zu reduzieren. „Und der Energieverbrauch einer ganzen Großstadt ließe sich erheblich senken, wenn wir zum Beispiel sensorgesteuerte Straßenbeleuchtung hätten.“

Vom Programmierer zum Deutschland-Chef

In den 80er-Jahren kam Riemensperger nach dem Informatik-Studium ins Rhein-Main-Gebiet. Er hatte sich beim Vorgängerunternehmen von Accenture auf eine Stellenanzeige in der F.A.Z. beworben. Damals wurden für den Aufbau der Deutschen Terminbörse Programmierer gesucht. Riemensperger heuerte an und ist nun seit 32 Jahren an Bord; seit 2009 als Deutschland-Chef. In den 2000ern führte ihn die Karriere mitsamt seiner Familie in die Nähe von New York. Noch heute setzt er sich für ein enges transatlantisches Verhältnis ein und baut als Vice President der deutsch-amerikanischen Handelskammer AmCham Brücken für die Unternehmen beider Länder. Der Vater von drei Kindern schätzt Frankfurt und Umgebung mit ihren vielfältigen Möglichkeiten – vom regen Kulturleben in der Stadt bis hin zu ruhigen Wanderungen durch den Stadtwald. Der Digitalisierungsfan liebt das Reisen, treibt Sport und gewinnt Einschätzungen gern aus eigener Anschauung – jedenfalls in normalen Zeiten.

„Wer nach Asien kommt und die Situation dort mit Deutschland vergleicht, merkt schnell, woran es uns hier fehlt: Geschwindigkeit.“ Dass nun in der Corona-Krise plötzlich ein ganz anderes Tempo angeschlagen wird, findet Riemensperger erfreulich. „Auf einmal gehen Dinge, die früher undenkbar gewesen wären, wie etwa der digitale Fernunterricht.“ Dass dabei nicht alles reibungslos verlief, sieht der Informatiker gelassen: „Mir ist lieber, wir machen einfach mal was, statt immer nur nach Ausreden zu suchen, warum etwas nicht klappen wird.“ In der Improvisation entstünden nicht selten die innovativsten Lösungen; man dürfe das kreative Talent der Menschen nicht unterschätzen, so der Manager weiter.

Das neue Buch von Frank Riemensperger und Svenja Falk über die digitale Zukunft in Deutschland

Begeisterung für Technologie wecken

Für Riemensperger ist klar, dass die Digitalisierung in den nächsten Jahren jeden Bereich der Wirtschaft von Grund auf verändern wird. Aufgeschlossenheit gegenüber Technologie sei deshalb eine wichtige Voraussetzung, um im Beruf weiterzukommen. Folglich richtet sich das gesellschaftliche Engagement von Accenture in der Rhein-Main-Region darauf, Menschen für die Digitalisierung zu begeistern. Gerade jungen Frauen, so der Manager, wolle man mit Mentoring-Programmen und Aktionstagen wie dem Girls’ Day oder <Girls Digital> Goes School zeigen, dass die IT-Welt längst keine Männerdomäne mehr ist. Bei Accenture gelte das ohnehin nicht mehr, freut sich Riemensperger, denn fast die Hälfte aller Neueinstellungen in der deutsch­ sprachigen Region sind mittlerweile Frauen. Um als Unternehmen für Technologie-Talente attraktiv zu bleiben, genüge es aber nicht, allein mit hohen Löhnen und anspruchsvollen Aufgaben zu locken. „Die ganze Arbeitswelt wie auch die Führungskultur in Unternehmen müssen sich ändern“, so Riemensperger. Wie diese Zukunft aussehen könnte, hat Accenture kürzlich gemeinsam mit mehreren Partnern – unter anderem dem Möbelhersteller Vitra und namhaften Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum – im Rahmen des Projekts „Work.Lead.Space.“ untersucht. Die Ergebnisse: Büros werden als Orte des kreativen Austauschs weiter eine Rolle spielen, man werde sich aber von überall mit anderen in virtuellen Räumen verbinden können. Künstliche Intelligenz gehöre zum Alltag. Alte Hierarchien hätten ausgedient und neue Leader wären gefragt, weniger dominant, dafür einfühlsamer und kreativer.

„Unsere Produkte vom Auto bis zum Industrieroboter sind in aller Welt gefragt; wenn es uns gelingt, diese digital ‚aufzurüsten‘ und damit intelligent zu machen, sind wir un­ schlagbar.“ Frank Riemensperger Accenture Frank Riemensperger im Interview mit Redakteur Thomas Zorn

Ob es so kommt? Das hängt auch von uns und unserem Willen zur Veränderung ab, so Frank Riemensperger. „Nur wer dem Wandel offen gegenübersteht und die Chancen darin sieht, tz n erreicht auch etwas.“

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HOCHSCHULE

Im Herzen von Frankfurt: Der Campus der Frankfurt UAS liegt zentral im schönen Nordend, umgebend von Cafés, Geschäften, Restaurants und Bars.

DER CHANCEN 50 JAHRE FRANKFURT UAS Die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) feiert 2021 ihre 50-jährige Erfolgsgeschichte. Der international renommierte Hoch­ schul­typ findet hierzulande immer noch zu wenig Beachtung, meint Präsident Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich. Im Interview mit Top Magazin erklärt er, wieso er in Dubai eine Dependance eröffnen würde und appelliert an die Stadt Frankfurt, ihr Zukunftspotenzial endlich voll auszuschöpfen. Die Jubiläumsflaggen sind gehisst, der Campus im Nordend leuchtet in der Dämmerung – für jeden sichtbar stolz begeht die Frankfurt UAS ihr 50. Gründungsjahr. Geplant sind Aktionen und Events in der ganzen Stadt. Es gibt auch allen Grund zum Feiern: Mit vier Fachbereichen, 70 vielseitigen Studiengängen und 16.000 Studierenden aus über 100 Nationen ist sie für die unterschiedlichsten Organisationen und

Unternehmen ein wichtiger Entwicklungs- und Forschungspartner, der qualifiziertes Fachpersonal sicherstellt. Aus der Wirtschaft erntet die Institution viel Zuspruch. „Ob Studien zu unserem autonomen Fahrzeug ‚Easy‘ oder die Vision einer Logistik-Straßenbahn – die Frankfurt UAS bereichert den Nahverkehr im ganzen RMV-Gebiet“, lobt etwa RMV-Geschäftsführer und VDV-Vizepräsident Prof. Knut Ringat.

Mit der „Königlichen Baugewerksschule“ am Nibelungenplatz (heute Gebäude 9) wurde die erste Vorgängerinstitution gegründet. Vier Jahre später folgte die „Königliche Maschinenbauschule“.

1906 Das historische Gebäude der früheren „Königlichen Baugewerksschule“ am Nibelungenplatz in den 50er-Jahren


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Ständig steht die familiengerechte Hochschule im engen Austausch mit der Stadt und setzt sich, anders als ihr Name zunächst vermuten lässt, auch für gesellschaftliche Belange fernab von Mobilität, Technik und Logistik ein. Etwa wenn es um das Thema Kinderrechte oder Hebammenknappheit geht – dafür hat sie sich unter anderem mit allen Geburtskliniken der Region vernetzt. Was immer noch zu wenige wissen: Die Frankfurt UAS besitzt den größten Fachbereich für Soziale Arbeit in Deutschland.

Fotos: Natalie Faerber; Archiv Frankfurt UAS; Frankfurt UAS/Kevin Rupp; Frankfurt UAS

Zu dieser thematischen Breite gesellt sich ein weltoffener und internationaler Anspruch, den die Hochschule bereits seit 2014 mit ihrer Umbenennung betont. 2021 pflegt die Frankfurt UAS, die zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) zählt, Kontakte zu 200 Partnerhochschulen im Ausland. Und bleibt dennoch in der Stadt, in der sie viele noch als „FH Frankfurt“ kennen, verwurzelt. Planungsdezernent Mike Josef etwa sagt: „In 50 Jahren ist die Frankfurt UAS zu einer wichtigen Institution geworden. Ich bin seit meinem ersten Tag in Frankfurt mit ihr verbunden.“ Der Stadtrat, dem unter anderem Bauaufsicht und Stadtplanungsamt unterstehen, hat nicht nur selbstverständliche berufliche Überschneidungen mit der Bildungsstätte am Nibelungenplatz. Er selbst studierte hier von 2003 bis 2004 Sozialarbeit. Ebenfalls seit 2014 wird die Hochschule von Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich als Präsident geleitet. 2019 wurde er mit deutlicher Mehrheit in seine zweite Amtszeit gewählt. Er fördert und fordert den intensiven Dialog mit Partnern aus Wissenschaft, Verbänden und Institutionen und stellt sich den Herausforderungen der Gegenwart: So verabschiedete die Frankfurt UAS unter seiner Führung als erste Hochschule in Hessen eine Nachhaltigkeitsstrategie. Bis 2030 soll der gesamte Betrieb CO2-neutral geführt werden. Nur konsequent, dass die Hochschule den ersten Frankfurter Zukunftskongress initiierte und lu n damit ins Jubiläumsjahr startete.

Gründungsjahr der Fachhochschule. 2.548 Studierende starten ins Wintersemester. Die FH hat zunächst 13 Fachbereiche an zwei Standorten: in der Nordweststadt und am Nibelungenplatz.

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„WIR WOLLEN CHANCENUND ENTWICKLUNGSPARTNER FÜR ALLE UNSERE STAKEHOLDER SEIN, DIE HOCHSCHULE DER INTERDISZIPLINARITÄT!“ Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich

Herr Präsident Prof. Dr. Dievernich, welches Ziel streben Sie in Ihrer zweiten Amtszeit an? Die Frankfurt UAS soll die Würdigung erfahren, die sie verdient. Sie wurde finanziell saniert, wird renoviert und ich darf im Rahmen des neuen Hochschulpaktes über 70 neue Professuren schaffen. Wir sind aber mehr als oberflächlicher Hochglanz und Politur – das wollen wir zeigen und unser neues Selbstverständnis als „Hochschule des lebenslangen Lernens“ etablieren. Wir wollen Chancen- und Entwicklungspartner für alle unsere Stakeholder sein, die Hochschule der Interdisziplinarität! Nur aus der Interdisziplinarität heraus können Herausforderungen und Probleme der Zukunft gelöst werden. Klassische Kamin-Karrieren und Einzelfächer-Logiken sind out. Ich wünsche mir, dass die Telefone gar nicht mehr still stehen, weil Unter-

Geodät Prof. Dipl.Ing. Johannes Uthoff wird zum ersten Rektor der Fachhochschule gewählt.

1972

nehmen, vor allem regional und national, mit uns Antworten auf wissenschaftliche Fragen suchen, so wie es in der Schweiz bereits der Fall ist. Welchen Stellenwert hat die Frankfurt UAS? Wir, wie auch andere HAWs, sind Partner des Mittelstandes, aber auch der Big Player dieser Welt und sichern den Unternehmen qualifizierte Fachkräfte. Dennoch bin ich sehr verwundert, dass diese Wertigkeit der HAWs deutschlandweit oftmals nur so beiläufig registriert wird. Ist das im Rest der Welt anders? In Ägypten, Dubai, Mexiko oder Thailand reißt man sich darum, unser Hochschulsystem zu adaptieren. In Dubai sagte mir ein Scheich: „Wir brauchen die Deutschen und diesen Hochschultypen, um die Wirtschaft und 

Ausbau der FH am heutigen Standort. 1993/1994 werden erstmals Pflege-Stu­ dien­gänge angeboten.

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Gratulation vor dem Motiv „Vielfalt stärkt“ auf dem Campus der Frankfurt UAS: Präsident Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich, Urban-Art-Künstler und Lehrbeauftragter der Hochschule Philipp Schäfer, OB Peter Feldmann und AStA-Vorstand Michele Helms-Brooks

unsere Stadt zu gestalten und voranzubringen. Dafür kämpfe ich, seit ich 2014 mein Amt angetreten habe.

„WENN SICH DIE GESELLSCHAFT WEITER INS DIGITALE ZURÜCKZIEHT, GEHT DIE DISKURSFÄHIGKEIT UND DIE FACE-TO-FACE-AUS­­ EINANDER­SETZUNG VERLOREN. ZU DENKEN, WIR KÖNNEN NACH DEM LOCKDOWN ALLES ÜBER ONLINE WEITERFÜHREN, IST EIN TRUGSCHLUSS.“ Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich

Durch den Bologna-Prozess erfolgt die Einführung von vergleichbaren Bachelor- und Master-Studiengängen. Die 13 kleinen Fachbereiche der Hochschule werden zu vier großen zusammengefasst.

2001 – 2004 68

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Gesellschaft weiterzubringen“. Meiner Meinung nach spricht nichts dagegen, als Frankfurt UAS beispielsweise in den Emiraten eine Zweigstelle aufzumachen, um dort unser System zu etablieren. Das birgt ein riesiges unausgeschöpftes Potenzial, aus Frankfurt heraus einen echten Exportschlager zu machen. Zumindest die Nachfrage ist da – aber wir müssen das immer im staatlichen Gefüge aller Hochschulen betrachten. Wieviel Zukunftspotenzial steckt in Frankfurt? Frankfurt ist ein weltweiter Knotenpunkt: Wir haben den Flughafen, den Bahnhof, die Banken, die Messe, den internationalen Internetknotenpunkt, einen gigantischen Wissenschaftsund Kulturapparat und eine engagierte Bürgergesellschaft: Alles, um mindestens on the top in Deutschland zu sein. Aber wir haben ein Problem! Frankfurt macht zu wenig daraus. Mein Appell: Die Stadt sollte die Wissenschaft, die Top-Unternehmen, die Entrepreneurs und Politiker zusammenbringen und einen ernsthaften „Zukunftsrat“ bilden. Es muss ein Bündnis geben, wo wir Politik neu denken, Hochschule politisch denken, um diese Stadt zukunftsfähig und damit krisenfest zu gestalten. Jeder Manager, jede Organisation kann etwas dazu beitragen,

Umbenennung der „Fachhochschule Frankfurt“ zu „Frankfurt University of Applied Sciences“.

2014

Wie feiert die Hochschule das Jubiläumsjahr? Wir wollen in der Stadt noch sichtbarer werden. Dafür gestaltet zum Beispiel der Street-Art-Künstler Philipp Schäfer die zur Nibelungenallee zugewandte Fassade von Gebäude 8, das einst die ehemalige Vorgängerinstitution „Königliche Maschinenbauschule“ beherbergte, völlig neu. Eine tolle Aktion mit zeitgemäßen Motiven, wie eine hell- und eine dunkelhäutige Hand, die gemeinsam ein Herz formen. Wir wollen zeigen, was Frankfurt und die Hochschule ausmacht: „Vielfalt stärkt“. Ein 50 x 20 Meter großes Kunstwerk, welches auch unsere anderen zwei Slogans „Chancen durch Bildung“ und „Wissen durch Praxis“ trägt – auf diese Weise werden die Werte und Inhalte der Hochschule in und für Frankfurt sichtbar. Alle weiteren geplanten Events und Veranstaltungen live, hybrid und digital findet man auf unserer Jubiläums-Homepage. n

Die Frankfurt UAS wird 50 Jahre alt. Mittlerweile studieren rund 16.000 Menschen auf dem Campus am Nibelungenplatz. Aufgrund der Pandemie wird die Lehre größtenteils digitalisiert.

2021

Fotos: Bernd Kammerer / Frankfurt UAS

Der Campus im Nordend leuchtet in der Dunkelheit

Wie geht die Frankfurt UAS mit der Pandemie um? Die Hochschule wäre niemals so schnell digitalisiert worden, wenn es diese Krise nicht gegeben hätte. Aber diese Zeit kostet enorm Kraft und mein Herz blutet, wenn ich die Situation der Studierenden betrachte – denn die sind in erster Linie die Leidtragenden. Die Bildungsstätten sind ja Räume, wo Menschen sich sozialisieren. Wenn sich die Gesellschaft weiter ins Digitale zurückzieht, geht die Diskursfähigkeit und die Face-to-FaceAuseinandersetzung verloren. Zu denken, wir können nach dem Lockdown alles über online weiterführen, ist ein Trugschluss. Wir brauchen Räume der echten Begegnung.


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Transparenz und Vertrauen

„Wir sind in der Region verwurzelt. Das ist ein großer Vorteil. Wir wohnen dort, kennen uns aus und sprechen die Sprache der Leute.“ Ralf Lonthoff IMAXX

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Die Nachfrage nach Immobilien ist weiterhin sehr hoch. Die IMAXX, Gesellschaft für Immobilien-Marketing mbH, eine Tochter von vier großen Volks- und Raiffeisenbanken, ist ein erfahrener und seriöser Partner für alle, die im Großraum Frankfurt bei der Suche nach geeigneten Objekten kompetente Unterstützung brauchen. IMAXX verfügt über ein breites Immobilien-Portfolio, auch dank der engen Kooperation mit einer Vielzahl von Bauträgern. Man bietet einen hochprofessionellen und sehr persönlichen Service rund um die Themen Kaufen, Verkaufen, Mieten und Investieren. Das IMAXX-Team begleitet die Transaktion von der ersten Besichtigung eines Objekts über die Vertragsunterzeichnung bis zur Übergabe und manchmal sogar darüber hinaus. „Das Vertrauen, das wir genießen, ist schon außergewöhnlich hoch“, sagt Ralf Lonthoff. Er ist u. a. verantwortlich für die Niederlassung in Bad Homburg und hat ebenso ein Büro in der 18. Etage des Frankfurter Eurotheums mitten in Mainhattan. Die Finanzmetropole ist in den vergangenen Jahren immer stärker in den Blickpunkt gerückt. Dennoch hat IMAXX die Bodenhaftung nie verloren. 1994 als privates Maklerunternehmen in Gießen gegründet, gehört man seit rund anderthalb Jahrzehnten zum Genossenschaftsverbund. Inzwischen haben sich vier Kerngesellschaften mit Hauptsitz in Gießen (Mittelhessen), Limburg (Rhein-Lahn-Limburg), Bad Homburg (Hochtaunus) und Linsengericht (Main-Kinzig-Büdingen) gebildet. Weitere Dependancen in Marburg, Wetzlar, Weilburg, Diez, Bad Nauheim und Friedberg ermöglichen eine sehr enge Vernetzung mit dem Markt.

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Großes Immobilien-Portfolio 663 Immobilien hat die IMAXX-Gruppe im vorigen Jahr verkauft und 241 vermietet. „Wer sich an uns wendet, dem helfen wir mit größtem Engage­ ment“, hebt Lonthoff hervor. Die Zahlen zeigen nach oben – auch bei den Besichtigungen, den Beratungsterminen und dem immensen E-MailVerkehr im Angebotsversand. 2020 betrug der Umsatz 347 Millionen Euro. Das Finanzierungs­ volumen lag bei knapp 75 Millionen Euro. „Natürlich müssen unsere Kunden, also Käufer, Ver­käufer oder auch Bauträger, kein Konto bei einer Genossenschaftsbank unterhalten“, stellt der agile Manager klar. Als Prokurist der Gesellschaft in Bad Homburg und Ansprechpartner für alle Belange rund um das Bauträgergeschäft hat Lonthoff einen guten Überblick, wie sich die Geschäfte entwickeln. „Wir sind in der Region verwurzelt. Das ist ein großer Vorteil. Wir wohnen dort, kennen uns aus und sprechen die Sprache der Leute“, erklärt er. Dem Fachmann ist wichtig, dass dadurch z. B. bei Bauträger-Projekten nicht an den Wünschen der Menschen vorbeigeplant wird. „Weil

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Nemus Refugium in Niederrad


promotion

wir einen hervorragenden Draht zu unseren Bauträgern haben, können wir mit ihnen die Grundrisse optimieren, Zielgruppen definieren, eine „Story“ entwickeln – passgenau für unsere Käufer.“ Aktuell in der Vermarktung sind z. B. Projekte in Niederrad, Höchst, Wiesbaden, Mühlheim-Lämmerspiel und Kelkheim – und einige Neue sind bereits in der Pipeline ... Das erleichtert auch die Arbeit von Christiane Fehrmann. Sie berät die Interessenten, die eine neue Wohnung oder ein neues Haus kaufen wollen. Bei den Neubau-Projekten existiert erst alles nur als Vorlage in einem Exposé. „Du musst dann in den Gesprächen herausfinden, was zum Kunden passt“, hebt die langjährige Immobilienberaterin hervor. Das erfordert Einfühlungsvermögen und technisches Verständnis. Sie vermittelt den Kunden ein Raumgefühl und geht auf ihre Vorstellungen ein, ob sie nun mehr Platz für eine Essecke benötigen oder Schränke an einer Trockenbauwand aufhängen möchten. Starke Kundenorientierung In der Regel fänden sich gute Lösungen, sagt die Spezialistin, für die Neugierde zum Job gehört. Einige Kunden brauchten eine ganz intensive Begleitung. Das gehöre dazu. „Wir gehen ins Detail, auch beim Kaufvertrag.“ Absatz für Absatz werde erklärt, was manchmal schwer verständlich erscheine. „Mit unserer Transparenz nehmen wir die Angst. Jeder soll die richtige Wahl treffen“, lautet das Credo von Christiane Fehrmann. Zu den Experten auch für Bestandsimmobilien gehört Petra Röll. Sie beobachtet gerade, dass es wieder viele ins Grüne zieht. Das könne eine Immobilie mit Garten in der Stadt sein, aber auch ein Haus mitten in der Natur, wo kleine Kinder behütet aufwachsen. „Der Trend hat sich durch die Pandemie verstärkt.“ Den Traum von einem ruhigeren Leben kann sie gut verstehen. Sie selbst lebt mit ihrer Familie auf dem Land – in Steinau im Main-Kinzig-Kreis. Für den Wert, den IMAXX auf Qualifikation legt, ist Petra Röll ein Paradebeispiel. Sie hat sich auch zur Bewerterin von Immobilienschäden und zu einer Spezialistin für Barrierefreiheit ausbilden lassen. Sogar die junge Generation beschäftigt sich mittlerweile damit, wie ein Haus oder eine Wohnung aussehen muss, die man noch als Senior nutzen kann. „Die Leute gucken früher auf später“, konstatiert sie. Spezialisten für jede Lebenslage Wie ein möglichst unkompliziertes Leben im Alter gelingen könne, fragen sich vor allem diejenigen, bei denen der Ruhestand vor der Tür steht. „Wir kommen immer gern zu den Leuten

„Du musst in den Gesprächen herausfinden, was zum Kunden passt. Das erfordert Einfühlungsvermögen und technisches Verständnis.“ Christiane Fehrmann IMAXX

nach Hause und schauen, ob ein barrierefreier Umbau möglich ist“, erläutert Petra Röll. Wenn nicht, könne IMAXX etwas Neues finden, das genau passe. „Das Unternehmen verfügt dank des großen Netzwerkes über ein umfangreiches Portfolio, das meist noch gar nicht öffentlich annonciert ist“, berichtet Ralf Lonthoff. Im Vormerkservice werden Wünsche der Interessenten aufgenommen, die dann noch vor Marktveröffentlichung der Projekte bzw. Objekte abgeglichen werden. IMAXX könne eine Menge, hebt er hervor. Alle Arten von Wohnimmobilien, Gewerbeimmobilien, Investmentobjekten bis hin zu Mietwohnungen würden vermittelt. Eine 360-Grad-Visualisierung von Objekten gehöre zum Standard. Immobilienerwerb als Kapitalanlage sei ein wichtiges Thema. Investments würden strategisch betrachtet. In Kooperation mit weiteren Gesellschaften des Genossenschaftsverbunds sei praktisch alles rund um die Immobilie darstellbar, von der Hausverwaltung bis zur Baulandentwicklung. „Wir wollen die Kunden mit unseren Leistungen stets zufriedenstellen“, tz n resümiert er.

„Wir kommen immer gern zu den Leuten nach Hause und schauen, ob ein barrierefreier Umbau möglich ist.“ Petra Röll IMAXX

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NEWS

GRUSSWORT DES PRÄSIDENTEN WRM-TV-Produktion im Sofitel: Thomas Kremer im Gespräch mit Aymeric de la Fouchardiere (Bonduelle)

Liebe Mitglieder, Freunde und Unterstützer des Wirtschafts­ clubs, die Pandemie verlangt von uns allen die Anpassung an eine neue Normalität. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die eigene digitale Transformation zu beschleunigen und unser Angebot an Events in den vergangenen Monaten überarbeitet. Umso flexibler konnten wir auf die Lockdown-Verlängerung im Januar reagieren und wagten mit dem Jahreswechsel einen Neuanfang: Künftig wird unser Veranstaltungsportfolio um digitale Formate ergänzt. Mithilfe von Zoom-Meetings garantieren wir, dass unsere Vortragsabende, die der fast ���� Mitglieder starke Club schon seit über einem halben Jahrhundert präsentiert, auch weiterhin für Sie stattfinden. Darüber hinaus freuen wir uns, Ihnen die neue hauseigene TV-Reihe WRM-TV präsentieren zu können. In diesem Format suchen wir das Gespräch mit bekannten Politikern, Unternehmern, Managern und Persön­ lichkeiten aus Kirche, Kunst und Wissenschaft. Die spannenden Interviews und Diskussionen werden den Mitgliedern als Videoclip zum Download zur Verfügung gestellt und können

WRM-TV auf dem eigenen Youtube-Kanal

auch online jederzeit angeschaut werden. Über den QR-Code gelangen sie direkt zu unserem Youtube-Kanal. Wir freuen uns sehr, dass wir bereits hochkarätige Gäste für unsere neuen Formate gewinnen konnten und hoffen darauf, Sie im ab Ende April wieder persönlich bei uns begrüßen zu dürfen. Es grüßt herzlich Ihr Thomas Kremer

EIN JAHRESRÜCKBLICK MIT AUSBLICK Der Lockdown ließ keinen traditionellen Neujahrsempfang zu – auf einen Jahresrück- und ausblick mussten die Mitglieder des Wirtschaftsclubs Rhein-Main (WRM) dennoch nicht verzichten. WRM-Präsident

Thomas Kremer lud zwei bekannte Frankfurter Gesichter zum Einzelinterview: Im Gespräch mit Carsten Knop, Herausgeber der F.A.Z., erinnerte man sich an 2020: an die US-Wahl oder weltweite Black-LivesMatter-Demos. Spitzenthema: Corona. Aus Sicht der Tageszeitung zog Knop eine positive Bilanz: „Nie haben die Leser der Marke F.A.Z. so sehr vertraut wie im vergangenen Jahr. Die Web-Zugriffe sind um ein Drittel gestiegen.“ Weniger optimistisch blickt er auf die Zukunft der Wirtschaft: „Der zweite Lockdown hat etwas Deprimierendes.“

Kapuzinermönch Bruder Paulus Terwitte

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Hoffnungsvolle Wort gab es von Bruder Paulus beim Gespräch im Kapuzinerkeller der Liebfrauenkirche. Die Menschheit erlebe das Virus als Bedrohung, aber die Krise könne auch ein Anstoß sein, das eigene

F.A.Z. Herausgeber Carsten Knop

Leben positiv zu verändern: „Ich wünsche mir, dass wir mehr darüber nachdenken, was wirklich wichtig ist.“ Corona hat auch seinen Arbeitsbereich geschmälert, jedoch nicht seine Wirkungskraft. „Menschen suchen trotz Krise Kontakt. Aufgrund von Beschrän­­ kungen über Instagram, Facebook oder Zoom-Meetings. Ich vermisse dennoch die Treffen mit Freunden und das Leben ohne Maske.“


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CEO-TALK: KRISE MACHT ERFINDERISCH Wie kreativ Firmen in der Krise vorgehen, berichten drei Top-Konzernchefs in der WRM-TV-Reihe CEO-Talk mit Wirtschaftsclub Rhein-Main-Präsident Thomas Kremer. „Wir schreiben eine neue Normalität“, sagt Bonduelle-Chef Aymeric de la Fouchardiere. Der französische Gemüsekonservenund Frischesalate-Hersteller verfolgt ein Ziel: die pestizidfreie Produktion. „Bis 2024 wollen wir BeCorp-zertifiziert sein.“ Die Motivation seines Teams überwältige ihn: „Wir haben den innovativen Salatroboter ‚Cabaletta‘ auf den Markt gebracht. Und durch Gehaltskürzungen und das Spenden von Urlaubstagen werden Kollegen in Kurzarbeit unterstützt.“

Dr. Lutz Bonacker General Manager Europe CSL Behring

Olaf Bongwald CEO Valmet Automotive

Dr. Lutz Bonacker, General Manager Europe der CSL Behring und seine Mitarbeiter wurden vom Ausmaß der Krise überrascht, waren aber vorbereitet: „‚Business-Continue-Pläne‘ gab’s vorher schon. Als Pharma-Unternehmen, das lebenswichtige Medikamente herstellt, liegt unsere Priorität auf der Produktion.“ Gut für die Arbeitsmoral: auch im Homeoffice gibt’s gemeinsame virtuelle Kaffeepausen. Olaf Bongwald, CEO der Valmet Automotive Inc. hat mit seinem Team eine Betriebsvereinbarung zum

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt); WRM, Sanofi-Aventis

„IMPFEN, IMPFEN, IMPFEN!“ Obwohl Veranstaltungen nur digital möglich waren, gelang es WRMPräsident Thomas Kremer gewohnt hochkarätige Speaker zu gewinnen. Einer der ersten hätte zeitgemäßer kaum sein können: Forschungs- und Entwicklungsleiter Prof. Dr. Jochen Maas vom Pharmakonzern SanofiAventis – die deutsche Landesgesell­ schaft unterhält ihren größten Standort in Frankfurt am Main. Im Zoom-Meeting zum Thema „Wo stehen wir aktuell bei Medikamenten und Impfstoffen?“ zog er eine Pandemie-Zwischenbilanz: Prof. Dr. Maas bezeichnete die neuen mRNAImpfstoffe in diesem Zusammenhang als „Revolution“ und verwies auf das große Potenzial. Mittelfristig könnten mRNA-Impfstoffe insbesondere in der Krebsbekämpfung eine wichtige Rolle spielen. Außerdem sprach er sich für eine Stärkung der Antiinfek-

tiva- und Virenforschung aus und erinnerte daran, dass Hygieneregeln nicht nur in Pandemiezeiten eingehalten werden sollten. Sein eindringlicher Schlussappell lautete: „Gegen diese Pandemie hilft nur eines: Impfen, impfen, impfen!“

Thema Homeoffice geschaffen: „Künftig helfen Video-Calls dabei, Business-Meetings ökologischer zu gestalten.“ Zu Hause nutzt der Chef des finnischen Automobilzulieferers die Zeit zum Finnisch lernen – eine der fünf am schwierigsten zu erlernenden Sprachen der Welt. Respekt, vielmehr: Kunnioittaa, Mr Bongwald!

SAVE THE DATE ���� Vorschau auf über �� Veranstaltungen

��.��. Erich Staake, CEO Duisburger Hafen AG – Die neue Seidenstraße

��.��. Bruder Paulus, Kapuziner-Orden – Was bedeutet die Pandemie für Obdachlose?

��. ��. Dr. Marcel Klinge, tourismuspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion – Was passiert mit der deutschen Tourismuswirtschaft?

��. ��. Boris Palmer, OB der Stadt Tübingen, Die Grünen – Die klimaneutrale Stadt

��.��. Werner Hoyer, Präsident der European Investment Bank – Aufgaben der EIB mit Corona

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Dr. Markus Krall, Sprecher der GF Degussa Goldhandel – Wohin steuert Deutschland?

��. ��. Florian Rentsch, Vorsitzender des Verbandes der Sparda-Banken – Tagesakuelles Thema

��. ��. Ellen Harrington, Direktorin Deutsches Filminstitut, Filmmuseum – Eventabend anlässlich der Berlinale

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Prof. Dr. Jochen Maas Geschäftsführer R&D Sanofi-Aventis Deutschland

��. Golfturnier der Deutschen Wirtschaft – Schlosshotel Kronberg

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Viele gute Gründe für

ptimismus

Prof. Dr. Jochen Maas glaubt an Forschung und Fortschritt. Er findet Impfen nicht gefährlicher als Autofahren und glaubt an den Sommer. Im Industriepark Höchst finden der Wissenschaftler und seine Mitstreiter die richtige Campus-Atmosphäre. Von Peter Lückemeier Jochen Maas ist ein Meister der Verständlichkeit. Der Forschungschef von Sanofi Deutschland verfügt außerdem über die Gabe, komplexe Zusammenhänge in aller Kürze auf den Punkt zu bringen. So braucht er für seine aktuelle Botschaft an die Menschheit nur sechs Wörter: „Impfen ist nicht gefährlicher als Autofahren.“ Oder: „Ein mRNA-Impfstoff kann das Erbgut nicht verändern. Das ist einfach eine wissenschaftliche Tatsache.“ Der Bekämpfung der Pandemie blickt Prof. Dr. Jochen Maas voller Hoffnung entgegen. Ein Grund dafür sind die neuen Impfstoffe, die in Rekordzeit entwickelt wurden. Zweifel an diesen Vakzinen lässt Maas nicht gelten. Wem es mit deren Entwicklung zu schnell ging, hält er entgegen: „Sie sind in keiner Weise anders geprüft worden als alle anderen Impfstoffe zuvor, von Diphterie bis Keuchhusten. Nur hat man diesmal alles parallel gemacht, was man bei einer normalen Impfstoffentwicklung nacheinander abwickeln würde.“ Der Biontech-Stoff sei in der Phase III an 43.500 Probanden überprüft worden, inklusive der Risikogruppen der Diabetiker, HerzKreislauf-Erkrankten und der übergewichtigen Menschen, 40 Prozent aller Probanden seien älter als 65 gewesen: „Die Impfstoff-Überprüfung durch die Behörden war absolut akribisch.“

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rund Nummer zwei für seinen Optimismus sind auch – „so trivial es klingen mag“ – Frühling und Sommer. Was mit dem saisonbedingten Verhalten der Menschen zu tun hat: Sie halten sich seltener in geschlossenen Räumen auf, haben im Freien mehr Bewegung, die Schleimhäute sind nicht so trocken. Positiv stimmt den Wissenschaftler auch, dass die bisher verfügbaren Impfstoffe gegen alle bisher bekannten Mutationen ankommen. „Und selbst wenn irgendwann Mutationen auftreten, gegen die ein Impfstoff machtlos wäre, bietet die neue Technologie die Möglich-

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keit, innerhalb von sechs bis acht Wochen einen neuen Wirkstoff zu entwickeln. Dabei ist die Mutationshäufigkeit von Grippeviren sieben bis zehn Mal größer als die von Corona.“ Jochen Maas ist Biologe, Tiermediziner, Facharzt für Radiologie und leitet nicht nur den deutschen Standort der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Sanofi schon seit 2010, sondern fungiert auch als Mitglied des globalen Lenkungsausschusses des Pharmariesen mit seinen weltweit 100.000 Mitarbeitern. Maas begann seine Laufbahn bei der Hoechst AG, also einem Unternehmen, das für seine streng hierarchischen Strukturen bekannt war. Er selber ist sozusagen das verkörperte Gegenteil einer von oben nach unten gerichteten Befehlskette. Schon in der Kleidung kehrt der Chef von knapp 1.500 hochqualifizierten Forscherinnen und Forschern nicht den Topmanager heraus. Wenn die gesellschaftliche Etikette nicht zwingend Anzug und Krawatte erfordert, tritt der schlanke 2,04-MeterMann locker gekleidet auf, gern im Pullover. Die fast ans Alemannische erinnernde Tonmelodie gibt seiner schwäbischen Mundart etwas Freundliches und Unaufgeregtes. Statt „ist“ sagt er „isch“, „Begeisterung“ wird zur „Begeischterung“. Diesen Begriff verwendet er oft, denn er geht jeden Tag gern in sein Büro im achten Stock des Gebäudes H 831 im Industriepark. Die Firma Sanofi hat sich hier zu einer Art Campus zusammengefunden. Anders als an den anderen Forschungszentren von Sanofi in Paris und in Cambridge/Massachusetts wird hier in Höchst die gesamte Pharma-Wertschöpfungskette abgedeckt. Das heißt: Forschung, Entwicklung, Produktion, Marketing und die sogenannten Applikatoren befinden sich in unmittelbarer Nähe. Dieses rasche räumliche Zueinanderfinden ist auch in den Tagen digitaler Kommunikation enorm wichtig. Maas sagt, beim gemeinsamen Mittagessen oder bei einem Espresso im Café

„Impfen ist nicht gefährlicher als Autofahren. Die Nebenwirkungen treten 80 Mal geringer auf als tödliche Verkehrsunfälle.“ Prof. Dr. Jochen Maas Sanofi


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seien schon mehr Probleme gelöst worden als in vielen offiziellen Meetings. Der informelle Austausch hilft auch im Zusammenspiel von Forschern, Produktionsmitarbeitern und den Entwicklern der Applikatoren oder „Devices“, den Hilfsmitteln zur Anwendung von Arzneien: Ist ein Wirkstoff vielleicht zu dickflüssig für eine Spritze?

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Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

enn ein Pharmahersteller wie Sanofi betreibt keine Forschung um der reinen Erkenntnis Willen. Alles ist immer anwendungsbezogen und wirklichkeitsnah. Das heißt: Es muss den Menschen helfen und es muss Gewinn bringen. Prof. Maas steht zu beiden Zielen. Der Wille, Krankheiten zu lindern oder zu heilen, sei tatsächlich der Hauptantrieb seiner Forscherinnen und Forscher. Aber das Unternehmen darf die Profitabilität nicht aus dem Auge verlieren. Und für den Nutzen des Zwangs zum Geldverdienen hat Maas auch ein gutes Argument: In den Jahren des Eisernen Vorhangs habe es auch im Ostblock, etwa in der UdSSR, hervorragende Forscher gegeben. Doch sie hätten keine wirksamen Medikamente hervorgebracht, während im gewinnorientierten Westen im selben Zeitabschnitt rund 2.000 auf den Markt kamen. Deshalb spielen bei Sanofi wirtschaftliche Überlegungen auch in der Frage eine Rolle, welchen Gebieten sich die Forschung zuwenden soll. An Impfstoffen geforscht wird im Industriepark nicht. Hier wird aber – voraussichtlich ab Juli – der Impfstoff von Biontech abgefüllt und auch der eigene, wenn er von anderen Einheiten des Unternehmens in Frankreich und den Vereinigten Staaten entwickelt wurde. Im konkreten Fall sind das vor allem drei große Handlungsfelder: Immunologie, Onkologie und seltene Erkrankungen.

Ganz entspannt und zukunftsfroh: Jochen Maas in seinem Büro im Industriepark Höchst

Jede Krankheit hat schließlich medizinische, aber auch ökonomische Bedingtheiten. In der sehr weit fortgeschrittenen Behandlung von Diabetes beispielsweise wäre nur noch ein einziger Durchbruch zu erzielen, nämlich die komplette Heilung. In der Krebsbekämpfung dagegen sind noch enorme Fortschritte zu erzielen. 

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Sanofi im Industriepark Höchst

Die Kosten spielen eine wichtige Rolle. Bei Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind oft Studien mit 10.000 bis 20.000 Patienten nötig. Das ist teuer. In der Onkologie können Substanzen mit sehr viel weniger Testpersonen zur Zulassung kommen, weil der Nachweis der Wirksamkeit leichter fällt. Die Erstattungen der Krankenkassen fallen natürlich auch ins Kalkül. Schon relativ überschaubare Kosten in der Diabetesbehandlung führen manchmal zu Diskussionen, während in der Krebstherapie auch hohe Summen akzeptiert werden.

Natürlich hat Jochen Maas kürzlich am Fernseher die Handball-WM in Ägypten verfolgt, war enttäuscht, dass die Leistung der deutschen Mannschaft zur besten Sendezeit nicht als Werbung für seine einstige Leidenschaft taugte. Aber Maas ist nicht auf Sport fixiert. Er liest viel und gern, meist mehrere Bücher gleichzeitig – gute Krimis oder amerikanische Belletristik von Wally Lamb bis John Irving. Viel Spaß macht dem Forschungsmanager auch die Mitarbeit im Kuratorium des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt. Ihn interessieren die Interdependenzen von Wissenschaft und fiktionalem Film – von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ bis zu Fassbinders „Welt am Draht“.

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eltene Erkrankungen – es gibt rund 8000 – vereinen gleichfalls wieder zwei wichtige Eigenschaften, nämlich die medizinische Notwendigkeit ihrer Bekämpfung und die „Erstattungsfähigkeit“. Für die Forscher sind die raren Krankheiten nicht nur herausfordernd. Hier sind auch großartige Erfolge der Linderung oder gar Heilung möglich. Manchmal kommt es auf diesem Feld sogar zu persönlichen Begegnungen mit Patienten.

Prof. Dr. Jochen Maas Sanofi

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Solche Gemeinschaftsfähigkeit hat Jochen Maas früh eingeübt – als Handballer, der es zu den Zeiten des Bundestrainers Vlado Stenzel in den Siebzigerjahren bis in die Nationalmannschaft brachte. In einem Einzelsport wie Golf oder Geräteturnen wäre Maas nicht glücklich geworden. Er brauchte schon als Heranwachsender den Teamgeist „und auch das Erlebnis, dass die Mannschaft etwas erreicht, obwohl man selber nicht so gut drauf ist“. Außerdem schätzte er Handball als eine bodenständige, ehrliche Sportart. „Dass jemand wie beim Fußball den Verletzten mimt oder eine Schwalbe macht, das wird es beim Handball nicht geben. Die Spieler akzeptieren auch die Schiedsrichterentscheidungen ohne großes Theater.“

Prof. Dr. Jochen Maas im Gespräch mit Peter Lückemeier

Das passt zu jemandem, der es für dringend geboten hält, Wissenschaft für jedermann verständlich zu machen, ohne Fachchinesisch, „raus aus dem Elfenbeinturm“. Maas glaubt, dass die Menschen vor allem das ablehnen, was sie nicht verstehen, weshalb er schon etliche Vorträge gehalten hat, um einer Impfmüdigkeit vorzubeugen. Der Vizepräsident des House of Pharma & Healthcare könnte aber auch mühelos über die Bedeutung des erweiterten Rhein-Main-Gebiets inklusive Mainz, Gießen und Marburg sprechen, die er in Deutschland für einmalig hält: „Auf kleinstem Raum haben wir alle Stakeholder beieinander, die Unis, die Start-ups, Big Pharma mit Merck, Boehringer Ingelheim und Sanofi, das House of Pharma und die Initiative Gesundheitsindustrie. Wir müssten nur noch besser werden in der Digitalisierung.“ Ausdruck solcher Nähe und Verbundenheit ist auch, dass Jochen Maas von Zeit zu Zeit mit Uğur Şahin telefoniert, dem Vorstandsvorsitzenden von Biontech, über den er sagt: „Das ist einer der nettesten und unprätentiösesten Menschen, die ich kenne.“ Was sich aber auch über Jochen Maas sagen ließe. Nett sowieso. Unprätentiös erst recht. Und ein Meister der Verständlichkeit. n

Fotos: C. Stoll (Sanofi), Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

„Im erweiterten Rhein-Main-Gebiet haben wir auf kleinstem Raum alle Stakeholder beieinander, die Unis, die Start-ups, Big Pharma mit Merck, Boehringer Ingelheim und Sanofi, das House of Pharma und die Initiative Gesundheitsindustrie.“

All das, die medizinischen, menschlichen und ökonomischen Faktoren, muss ein verantwortlich handelndes, aber auch der Wirtschaftlichkeit verpflichtetes Unternehmen berücksichtigen. Zumal der Weg zur Zulassung eines Medikaments im Regelfall sehr lange dauert. Erst kommt die Forschung, dann folgen die ersten Wirkungstests im Reagenzglas und vielleicht im Tierversuch, sodann die Klinische Phase I mit der Verträglichkeitsprüfung bei Gesunden. In Phase II wird die Substanz an wenigen Patienten erprobt, in Phase III an vielen von ihnen. Erst danach kommen die offizielle Überprüfung und schließlich die Zulassung. Bis dahin sind im Durchschnitt vierzehn Jahre vergangen.


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Mythos

Muskelkater Der scheinbar schöne Schmerz


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Er schleicht sich langsam an, breitet sich aus und führt manchmal zu starken Schmerzen. Doch so lästig er auch sein mag, fühlt sich ein Muskelkater – zumindest in moderater Form – auch wie ein Stück Belohnung an. Ein Schmerz, auf den wir stolz sind, weil er uns scheinbar beweist, dass wir uns richtig angestrengt haben. Doch ist ein Training wirklich nur dann effektiv, wenn man danach einen Muskelkater bekommt? Kann man einem Muskelkater mit Dehnübungen vorbeugen? Und welche Rolle spielt die Ernährung? Wir sind dem Phänomen Muskelkater auf den Grund gegangen und haben mit Experten über alte Mythen und neue Erkenntnisse gesprochen. Von Victoria von Ahsen

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ach einem langen Wandertag, der ersten Runde Squash seit Ewigkeiten oder nach einem Home-Workout liegt man abends im Bett und merkt bereits die schweren Beine. Am nächsten Morgen ist der Muskelkater da. Früher gingen Experten davon aus, dass Muskelkater durch Milchsäure entsteht. Denn bei übermäßiger Beanspruchung oder bei neuen Bewegungen wird im Muskel verstärkt Milchsäure, auch Laktat genannt, ausgeschüttet. Dadurch übersäuert der Muskel, was zu Schmerzen führt. Diese Hypothese wurde inzwischen aber widerlegt: Muskelkater hat nach aktuellem Forschungsstand mit Milchsäure rein gar nichts zu tun.

Fotos: Freepik, Sebastian Bahr

KLEINE FASERRISSE „Belasten wir einen Muskel beziehungsweise eine Muskelgruppe mehr als gewöhnlich, führt das zu einer mechanischen Überreizung. Dadurch entstehen kleine Risse im Muskel“, erklärt Björn Reindl, Physiotherapeut und Inhaber des interdisziplinären Gesundheitszentrums R2comsport in Neu-Isenburg. Durch diese kleinen Faserrisse dringt Wasser in den Muskel. Dies führt zu Wassereinlagerungen und lässt den Muskel anschwellen. Das, was wir als Muskelkater bezeichnen, ist also eigentlich ein Dehnungsschmerz. In der Regel treten die Schmerzen aber erst am nächsten Tag auf. Fachmann Reindl weiß warum: „Die Entzündungsreaktionen, die durch den Trainingsreiz im Gewebe entstehen, treten erst verzögert auf. Bis der ‚Schaden‘ im Gehirn gemeldet wird, vergeht daher etwas Zeit.“ Dieser Prozess braucht zwischen zwölf und 72 Stunden. Ist der Muskelkater einmal da, kann er bis zu einer Woche andauern. DER SUPERGAU Muskelkater wird oft als Zeichen eines effektiven Trainings betrachtet. Doch ist sportliche Anstrengung ohne Schmerzen am darauffolgenden Tag weniger wirkungsvoll? „Überhaupt nicht“, meint Prof. Dr. Ingo Froböse, Universitätsprofessor an der renommierten Sporthochschule Köln, „auch intensive Belastungen, die keinen Muskelkater verursachen, können einen ausreichenden Reiz für Muskelwachstum darstellen.“ Sehr starker

Muskelkater kann sogar ein Zeichen für eine Überbelastung sein. Und: „Eine Überforderung ist genauso gefährlich wie nichts zu tun.“ In seiner Praxis sehe er gerade in den letzten Jahren einen Trend zur Überlastung. Dabei werden bestimmte Muskelgruppen so stark trainiert, dass es am Ende zu einer Art „Supergau“ kommt: Verletzungen, Zerrungen und teilweise irreparable Schäden sind die Folge. Denn „nicht viel hilft viel, sondern zielgerichtet hilft viel“, sagt Froböse, „der Erfolg ergibt sich durch die Pausen.“ AUCH PROFISPORTLER BEKOMMEN MUSKELKATER Auch gut trainierte Sportler leiden unter Muskelkater. Und zwar immer dann, wenn sie ungewohnte Bewegungsabläufe trainieren. Allerdings mit einem Unterschied: „Sportler erleben eher punktuelle Schmerzen, das heißt, nur an der Stelle, die neu belastet wurde. 

„Eine Überforderung ist genauso gefährlich wie nichts zu tun.“ Prof. Dr. Ingo Froböse

Prof. Dr. Ingo Froböse gilt als Deutschlands bekanntester Sportwissenschaftler. Er ist Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln und leitet dort das Zentrum für Gesundheit durch Sport und Bewegung sowie das Institut für Bewegungstherapie und bewegungs­­orientierte Prävention. Außerdem hat er zahlreiche Bücher rund um die Themen Gesundheit, Ernährung und Sport geschrieben.

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„Belasten wir einen Muskel beziehungsweise eine Muskelgruppe mehr als gewöhnlich, führt das zu einer mechanischen Überreizung. Dadurch entstehen kleine Risse im Muskel.“ Björn Reindl / R2comSport

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nfänger und Laien hingegen sind meist von einem flächendeckenden Muskelkater geplagt“, erklärt Froböse, der selbst mehrmals deutscher Vizemeister im Sprint war. Ein Gutes jedoch gibt es auch für alle Sport-Anfänger: Hat man den Muskelkater einmal überstanden, bildet sich dort in den kommenden Tagen kein neuer. Der Körper stellt sich nach der ersten „Schädigung“ auf die Beanspruchung ein und ist daher für neue Reize besser gerüstet.

DER MYTHOS VOM STRETCHING Die Annahme, dass ausgiebige Dehnübungen vor dem Training einen Muskelkater verhindern oder zumindest lindern können, ist weit verbreitet, stimmt aber nicht. Reindl klärt auf: „Dehnen wird bei Muskelkater überschätzt beziehungsweise falsch eingesetzt. Muskelkater resultiert aus einer Entzündungsreaktion des Muskels. Die lässt sich durch Dehnen nicht verhindern.“ Im Gegenteil, ein intensives Stretching kann sogar negative Folgen haben. Nämlich dann, wenn man die Bewegungen beim Dehnen zu schnell beziehungsweise zu dynamisch ausführt. „Intensives Dehnen kann sogar kontraproduktiv sein“, sagt Sport-Experte Reindl. Denn gerade bei ruckartig ausgeführten Dehnübungen steige die Gefahr, dass – nach dem Training noch intakte – Fasern zu stark gedehnt werden und somit reißen. WÄRME & KÄLTE HILFT Gegen Muskelkater gibt es viele Hausmittel, Fitness-Experte Reindl verrät, was am besten hilft: „Ein kraftreduziertes Training in Kombination mit einer Wärmebehandlung scheint die Beschwerden lindern zu können.“ Ein warmes Bad oder ein Saunabesuch können demzufolge zu einer schnelleren Genesung führen. Aber auch ein Bad im kalten Wasser kann die Regeneration der Muskeln beschleunigen. „Dadurch kühlt sich der erhitze Körper schneller ab, die Durchblutung wird gesteigert und die Muskulatur kann sich schneller erholen“, sagt Reindl. Außerdem wichtig sind ausreichend Flüssigkeit und ein erholsamer Schlaf. Froböse erklärt: „Schlaf ist deshalb von großer Bedeutung, da hier der Körper zur Baustelle wird. Während wir

MUSKELKATER VERHEILT VON ALLEIN Wenn man diese Tipps beherzigt, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Ein normaler Muskelkater ist nichts Schlimmes, sondern ein Zeichen dafür, dass sich unsere Muskelzellen regenerieren, und er verschwindet auch wieder von allein. Wärme, ausreichend Schlaf und ausgewogene Ernährung können sich jedoch positiv auf die Regeneration auswirken. Das Ziel eines Trainings sollte dabei nie der Muskelkater sein, denn dadurch kann es schnell zu Überbelastungen kommen. Um sich langfristig fit zu halten, ist es wichtig, die richtige Balance zwischen Anstrengung und Pausen zu finden. Hierbei kann einem beispielsweise ein Personal Trainer durch das Erstellen eines persönlichen Trainingsplans n unterstützen.

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt), Freepik

Björn Reindl ist Inhaber sowie Geschäftsführer des Gesundheitsund Therapiezentrums R2comSport in Neu-Isenburg. Dort bietet er interdisziplinäre, ganzheitliche und individuelle Therapie- und Trainingskonzepte im Bereich Physio­ therapie, Osteopathie, Chiropraktik, Rehabilitation und Prävention an. Der erfahrene Physiotherapeut (bac.nl.), Osteopath, Chiro- und Heilpraktiker spielt in der Meisterklasse seines Metiers. Zu seinen Patienten zählen zahlreiche Profi­ sportler wie Vizeweltmeisterin Jackie Groenen vom ehem. 1. FFC Frankfurt, Fußballgott Alex Meier oder Fußballer Arturo Vidal, der aktuell beim italienischen Spitzenklub Inter Mailand unter Vertrag steht.

schlafen, wird der Muskelkater repariert.“ Auch eine ausgewogene Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Dabei muss man allerdings nichts zwangsläufig auf Nahrungsergänzungsmittel oder Protein-Shakes zurückgreifen. Für einen Hobby­ sportler ist es vollkommen ausreichend, auf eine abwechslungsreiche Ernährung zu achten: Viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte. Vegetariern und Veganern rät Froböse außerdem möglichst viel auf Soja- und Tofu-Produkte zurückzugreifen. Hausmittel wie Magnesium, Ingwer oder Kirschsaft schaden zwar nicht, haben jedoch auch keinen nachweislich positiven Effekt, da sind sich die Experten einig.


panorama

„Ich bin nur auf dem Weg“

Jan Kath wundert sich manchmal über sich selbst. „Wenn ich und zwei oder drei andere nicht gewesen wären, gäbe es das Geschäft mit Orient-Teppichen in dieser Form wohl nicht mehr“, sagt er gegenüber dem Top Magazin. Tatsächlich ist es vor allem dem gebürtigen Bochumer zu verdanken, dass heute Lifestyle-Gazetten cool inszenierte Innenräume mit hand­ geknüpften Teppichen aufwerten. „Anfang der 90er-Jahre war das alles noch völlig anders“, erläutert der Star der Szene, der ein Kumpel aus dem Pott geblieben ist. Kaths Teppiche sind weltweit begehrt und werden – auch in Frankfurt – von sorg­ fältig ausgewählten Händlern vertrieben. Von Thomas Zorn


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ie Ideenschmiede des mittelständischen Unternehmens – mit eigenen Showrooms in Berlin, New York, Köln, Vancouver, Hamburg, Monaco und Stuttgart – liegt nach wie vor in Kaths Heimatstadt Bochum. Zwar lebt der Chef inzwischen die meiste Zeit mit seiner zweiten Frau im thailändischen Chiang Mai, doch er pendelt in normalen Zeiten zwischen beiden Orten. In Bochum hat er gerade eine neue Wohnung ganz in der Nähe des Deutschen Bergbaumuseums bezogen, in einem schönes Altbau-Viertel mit Blick auf den Förderturm.

Maschinenhalle im Pott

Fotos: Jan Kath

Die Firma ist ein paar Kilometer entfernt. Jan Kath hat eine ehemalige Maschinenfabrik für seine Zwecke umbauen lassen. Die Mauern verströmen den archaischen Charme einer vergangenen Epoche. Die Teppiche kommen in der lichtdurchfluteten großen Halle prächtig zur Geltung. Kaths Schöpfungen scheinen mit der Umgebung Zwiesprache zu halten. Sie tragen Gebrauchsspuren und präsentieren Brüche. Das Spiel mit Überlieferung und Zersetzung ist Teil seines Werks. Die Faszination von uralter Knüpfkunst ist gleichzeitig auf jedem Quadratzentimeter zu spüren. „Ich bin kein Traditions­ zerstörer“, betont er. „Ich erweitere nur die Bilder um eine zweite und dritte Ebene.“ Die intensive Farbigkeit und die Etablierung neuer Inhalte machen die Teppiche gleichwohl zu einem ganz und gar zeitgemäßen Vergnügen. Dass er heute ein zwölf Quadratmeter großes Exemplar für bis zu 50.000 Euro verkaufen kann, empfindet er als „Ritterschlag“. Ein antikes Einzelstück von außergewöhnlicher Qualität würde etwa genauso viel kosten. Über den

wirtschaftlichen Erfolg freut er sich, auch wenn ihm Geld nicht besonders wichtig ist. Der kreative Durchstarter, der die Branche revolutioniert hat, ist ein Familienmensch. Die beiden Söhne studieren Design beziehungsweise Internationales Management. „Keine schlechten Voraussetzungen, um später einzusteigen“, stellt Jan Kath fest. Bruder David arbeitet an seiner Seite und achtet auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebs. „Er ist der Zahlenmensch in unserem kleinen Universum.“

Inspirierende Vergänglichkeit

Senja-Polonaise-Redbridge (250cm x 300cm)

Die Teppiche haben es längst in die Häuser der internationalen Prominenz gebracht. „Da bin ich aber zur Verschwiegenheit verpflichtet“, wehrt Kath Nachfragen nach Zelebritäten ab. Dass Ex-US-Präsident Bill Clinton, der Sänger Anthony Kiedis von der Funk-Rock-Band Red Hot Chili Peppers oder die Hollywood-Legende Bruce Willis zu seinen Kunden gehören, ist allerdings kein Geheimnis. Besonders stolz ist er darauf nicht. Sein Angebot ist nicht durchgehend exklusiv. Mit der Serie „Spectrum Basic“ hat der Kaufmann und Künstler auch ein Einsteigerprogramm – mit Preisen unter 1000 Euro für den Quadratmeter – aufgelegt. Er will auf dem Teppich bleiben. Die Popularität hat für ihn auch ihre Schattenseiten. „Meine Arbeiten werden extrem kopiert. Es fühlt sich doof an, beklaut zu werden“, bekennt der 48-jährige Westfale. Inzwischen ärgere er sich nicht mehr so darüber. „Ich überlasse es den Anwälten, die Prozesse zu führen.“

Retter des Orient-Teppichs

Vor dreißig Jahren galten Teppiche noch als „mega-out“. Angestaubte Symbole einer untergehenden Zeit. Der Perser auf dem Wohnzimmerboden bildete mit der Schrankwand darüber und dem Benz in der Garage einen Dreiklang der Gutbürgerlichkeit. Die Jüngeren wollten mit diesen Wirtschaftswunderattributen nichts mehr zu tun haben. Das wurde für Jan Kaths Eltern zum Problem. Sie besaßen in Bochum das erste Teppichhaus des Ruhrgebiets. „Es war klar, dass das nicht mehr lange funktionieren konnte“, meint er rückblickend. Der Junge, auch durch seine Waldorfschule geprägt, nahm früh Reißaus. Mit seiner Jugendfreundin reiste der 18-Jährige nach Asien, um Abstand zu gewinnen und die Welt zu entdecken. Elektronische Tanzmusik 

„Ich bin kein Traditionszerstörer. Ich erweitere nur die Bilder um eine zweite und dritte Ebene.“ Jan Kath

Marie Antoinette-Frame (250cm x 300cm) Frühjahr 2021 ·

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Fotos: Jan Kath

Jardin-de-Paris-Sky (170cm x 240cm)

war damals Jan Kaths Ding. Aber auch moderne Kunst und fremde Kulturen. In Indien organisierte er Techno-Events. Noch heute gehört der Frankfurter DJ Sven Väth zu seinen besten Freunden. Dann trieb es den Bochumer weiter und höher hinaus, in den Himalaya nach Nepal. Schon als Kind hatte er seinen Vater auf kurze Geschäftsreisen in den Orient begleitet. Jetzt konnte er tiefer eintauchen auf den Spuren der Hippies, die ein Vierteljahrhundert vor ihm zur Selbstfindung aufgebrochen waren.

Auf den Spuren der Hippies

Nach eineinhalb Jahren auf Tour wurde er dann in Kathmandu von der Familiengeschichte eingeholt. In einem Café der Altstadt traf er zufällig einen deutschen Geschäftspartner des Vaters. Der Mann brauchte jemanden, der seine Firma für Tibetteppiche nach vorn bringen konnte. Und machte schließlich Jan Kath ein Angebot. Der 20-Jährige, begeistert von der Aussicht, in der nepalesischen Hauptstadt arbeiten zu können, sagte nach einigen Wochen Bedenkzeit zu. Auf der Suche nach neuen Produktionsstätten lernt er seine erste Frau in der Mongolei kennen, die Mutter seiner Söhne. Jan Kath kehrte mit seiner Jungen Familie nach einer Weile nach Kathmandu zurück und konnte schließlich die Teppichmanufaktur mit Unterstützung seines Vaters – „mein größter Förderer“ – übernehmen.

„Als ich merkte, dass die Luft dünner wurde, fasste ich den Mut, nur noch das zu machen, was mir gefällt.“ Jan Kath

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„Gut, dass ich damals noch nicht wusste, was auf mich zukommt“, meint er rückblickend. Aber der Grundstein für „Jan Kath Design“ war gelegt. Der Abenteurer wurde „ins kalte Wasser geschubst“ und lernte schnell das Schwimmen. Weil er kein Geld hatte, Entwürfe einzukaufen, übernahm der Autodidakt nun auch das Design. Die ersten Jahre bewegte er sich noch im Mainstream. Als er merkte, dass die Luft dünner wurde, fasst er den Mut, „nur noch das zu machen, was mir gefällt“. Er begann mit seiner Konzept-Kollektion und „kratzte die letzten Kröten zusammen“ für eine Foto-Session in der Essener Zeche Zollverein. „Die war vor 20 Jahren noch eine Ruine und noch kein zertifiziertes Weltkulturerbe“, grinst er.

Shooting in der Zeche Zollverein

Kohle trifft Edelteppiche: Das Shooting an diesem historischen Ort des Bergbaus schlug wie eine Bombe ein. Die Karriere von Jan Kath zeigte plötzlich steil nach oben. Bald ließ er neben Nepal auch in Indien, Marokko und in 


„Das Perfekte und Glatte langweilt das Auge.“  Jan Kath

Aus der “Heiter bis Wolkig”-Kollektion


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Verfremdungseffekte gehören dazu. „Das Perfekte und Glatte langweilt das Auge“, stellt Kath fest. Dass er immer wieder auf Irritationen setzt, sieht man seinen Kollektionen an. Kräftige Töne, bizarre Muster und wabernde Pixelschleier erreichen eine eigentümliche Balance, auch dank der uralten Knüpf-Technik und dem wiederholten Rückgriff auf überlieferte Motive.

Heiter bis Wolkig

Die Kollektion „Erased Heritage“ ist eine Hommage an den klassischen Orientteppich. Jan Kath lässt sich hier ausdrücklich von der Tradition inspirieren. Allerdings wirken die ägyptischen Mamluks, iranischen Bidjars oder türkischen Konyas, als ob sie schon ewig im Salon eines Herrenhauses gelegen hätten. Bei „Artwork“ sind satte Farbpigmente Schicht für Schicht übereinandergelegt wie auf einer Leinwand. Hier wird aber nicht mit dem Pinsel aufgetragen, sondern selbstverständlich geknüpft mit Wolle, Seide und Brennesselfaser. Manches scheint verblasst, anderes tritt hervor. Der eigentliche Schöpfer scheint die Zeit zu sein. „Heiter bis wolkig“ erzählt eine Geschichte von Himmelsformationen, die eine Verheißung sein können. „Spacecrafted“ entführt in unendliche Weiten und ferne Galaxien. Bei „Ballpoint Art“ hat eine kleine Kugel Tintenpaste auf die Blaupause übertragen. Die geschwungenen Linien verdichten sich im fertigen Produkt zu einer monochromen weichen Fläche, die mit sich selbst verschmilzt. der Türkei produzieren. In Thailand fertigt er außerdem Ware in Tuft-Qualität an. Mit dieser Methode können Teppiche wesentlich schneller als mit der Hand – aber ähnlich in der Wirkung – hergestellt werden. Der 103 Meter lange rote Läufer, auf dem Fürst Albert II. von Monaco im Sommer 2011 zum Altar mit der ehemaligen südafrikanischen Leistungsschwimmerin Charlene Wittstock schritt, war aus Kaths Produktion. Auch große Luxushotels und berühmte Modefirmen lassen sich von ihm beliefern. „Wir haben das Ver­ fahren so verfeinert, dass wir fast alle meine Entwürfe auf die großen Formate umsetzen können“, berichtet er.

„Was ich mache, ist noch keine Erleuchtung. Ich bin nur auf dem Weg.“ Jan Kath

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Aushängeschild bleibt aber das Handgeknüpfte. Zwischen 100 und 450 Knoten kommen auf den Quadratinch, das sind 6,45 Quadratzentimeter. An einem 250 mal 300 Z entimeter großen Stück arbeiten mehrere Knüpfer schon mal bis zu vier Monate. Größe, Farben und Materialien können variiert werden.

Immer neue Einfälle entwickelt das Designer-Team unter Jan Kaths Federführung. Das meiste besitzt etwas luftig Spirituelles, das über den Alltag hinausweist. „Was ich mache, ist noch keine Erleuchtung“, beurteilt sich der nach wie vor jugendlich wirkende Meister n streng. „Ich bin nur auf dem Weg.“

Versailles (250cm x 300cm)

Fotos: Jan Kath

Tentation-Dance-Sky (250cm x 300cm)


Kraftstoffverbrauch Volvo V60 R-Design B3 Geartronic, 120 kW (163 PS), Hubraum 1.969 cm3, in 1/100 km: innerorts 8,2, außerorts 4,9, kombiniert 6,1, CO 2-Emissionen kombiniert 139 g/km. (gern. vorgeschriebenem Messverfahren), CO 2-Effizienzklasse: A. 1 Schwedenleasing ist ein Full Service-Leasing-Produkt der Volvo Car Financial Services, ein Service der Santander Consumer Leasing GmbH (Leasinggeber), Santander-Platz 1, 41061 Mönchengladbach. Ein Full-Service-Leasing-Gewerbekunden-Angebot für einen Volvo V60 R-Design B3 Geartronic, 8-Gang Automatik-Getriebe, Benzin, Hubraum 1.969 cm3, 120 kW (163 PS). Monatliche Leasingrate 294,87 Euro, bei einer Laufzeit von 30 Monaten, 15.000 km Laufleistung pro Jahr, einer Leasing-Sonderzahlung von 0,00 Euro, inklusive monatlicher Servicerate für „Wartung und Verschleiß“. Angebot zzgl. Überführungskosten i. H. v. 923,53 Euro, zzgl. Zulassungskosten und zzgl. gesetzlicher Umsatzsteuer. Bonität vorausgesetzt. Gültig Ende Mai für das Modelljahr 21 solange der Vorrat reicht. Umfang des Service „Wartung und Verschleiß“ gemäß den Regelungen zu Leistungen im Rahmen des Full-Service-Leasings. Beispielfoto eines Fahrzeugs der Baureihe, die Ausstattungsmerkmale des abgebildeten Fahrzeugs sind nicht Bestandteil des Angebots.

Volvo Centrum Frankfurt

Autohaus Hessengarage GmbH - VC Automobile 65934 Frankfurt-Nied, Nieder Kirchweg 121, Tel.: 069/390005201 60314 Frankfurt-Ost, Hanauer Landstr. 119a, Tel.: 069/390005300 www.volvofrankfurt.de Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe


Groomer Francisco Ferreira Vasconcellos in seinem Hundesalon Bornheim mit seinen beiden Pudeln Valentino (8 Jahre) und Olivia (6 Monate)

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Tierheime leer, Welpen aus – plötzlich will jeder einen Hund zum Spielen, Spazieren und Liebhaben. Wir haben mit Martin Rütter über das Geheimnis der emotionalen Bindung zwischen Vierbeiner und Mensch gesprochen: Wenn es um den Liebling auf vier Beinen geht, ist kein Preis zu hoch. Da darf auch ein Besuch bei TV-Sternchen Francesco Ferreira Vasconcellos im Hundesalon Bornheim nicht fehlen. In Krisenzeiten ist der treue Freund der perfekte Seelentröster, doch Tierschützer zweifeln, dass der HundeHype auch nach dem Lockdown anhält. Von Laura Uebel

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

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ls die dreifache Hundemama Katinka Spiegler im Oktober den Nachwuchs ihrer GoldendoodleHündin Ida bekannt gab, ahnte sie nicht, was auf sie zukommt. Die Züchterin aus Bad Vilbel erlebte einen regelrechten Run auf die noch nicht einmal geborenen Welp en. Das Po stfach quoll üb er, das Handy klingelte Sturm. „Das war irre. Schon nach einer Woche konnte ich keine Anfragen mehr annehmen. Und trotzdem rufen mich bis heute jede Woche mindestens sieben Leute an, die unbedingt einen Hund wollen.“ 2.500 Euro nimmt Katinka Spiegler für ihre Welpen. „Die Preise haben sich wegen Corona verdoppelt. Ich kenne Züchter, die bis zu 4.500 Euro verlangen.“ 

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allen Tieren passt der Hund am besten zum Menschen“, erklärt uns Martin Rütter. „Denn Gefühle beim Hund sind messbar. Hunde, die ihren Halter wiedersehen, empfinden Glück und so etwas wie Liebe, weil entsprechende Hormone ausgeschüttet werden. Außerdem hat der Hund eine Eigenschaft, die sonst kein Tier hat: Der Hund ist in der Lage, einen Artfremden als gleichwertigen Sozialpartner zu sehen. Der Hund weiß, dass wir kein Hund sind. Aber wir können für den Hund so wichtig werden wie ein anderer Hund. So etwas kann keine Katze, kein Pferd und kein Wellensittich. Selbst ein Affe kann das nicht.“

„Als Familienhund kann er Kinder in emotionaler, sozialer und geistiger Hinsicht fördern, bei vielen Singles fungiert er als Partnerersatz und bei Paaren als Kinderersatz.“ Martin Rütter Hundeprofi

V

ierbeiner sind seit Pandemiebe ginn begehrter denn je. Züchter und Tierheime werden mit Anfragen bombardiert, der Zoofachhandel ist ausverkauft. Laut Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) wurden im vergangenen Jahr 25 Prozent mehr Hunde gekauft als in 2019. Auch in Frankfurt sind mehr pelzige Vierbeiner unterwegs: Nach Angaben der Stadtkämmerei lag die Zahl der angemeldeten Hunde zum Jahresende bei 19.400, 2019 waren es nur 18.383. Mischlinge, Labrador Retriever, Deutsche Schäferhunde, Französische Bulldoggen und Australian Shepards sind laut Tierschutzorganisation Tasso e.V. bei den Hessen besonders beliebt.

Dann kam Covid-19. „Im ersten Lockdown waren wir unglaublich viel joggen, Rad fahren und wandern. Diese Zeit hat den Wunsch nach einem Hund definitiv verstärkt.“ Bereits im März 2020 macht sich das Paar auf die Suche nach einem Züchter und findet sein Glück in der Nähe vom unterfränkischen Miltenberg. Aus 50 Anfragen für acht Welpen werden sie als künftige Besitzer „auserwählt“. 

„Dem Hund ist in den letzten Jahren – und aktuell noch einmal mehr – eine ganz neue gesellschaftliche Rolle zugekommen“, sagt Hundeprofi Martin Rütter im Top MagazinInterview. „Er ist heutzutage nicht mehr nur der Helfer bei der Arbeit, zum Beispiel der Hütehund der Schäfer. Als Familienhund kann er Kinder in emotionaler, sozialer und geistiger Hinsicht fördern, bei vielen Singles fungiert er als Partnerersatz und bei Paaren als Kinderersatz.“ Hunde empfinden Liebe Auch andere Haustiere bereiten Freude, reduzie­ren Stress und helfen gegen die Einsamkeit – die Katze ist weiterhin das traditionelle Lieblingstier der Deutschen. Aber: „Von

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Goldendoodle Ida Rose (2 Jahre) und Havaneser-Hündin Prinzessin Mali (4 Jahre) lieben Ausflüge in den Wald.

Fotos: Alex Stiebritz, Katinka Spiegler

Dreamteam: Martin Rütter und seine Australian Shepherd-Mix-Hündin Emma. In seiner Hundeschule Martin Rütter Dogs können sich Frauchen und Herrchen wertvolle Tipps vom Hundeprofi holen.

Auf den Hund gekommen Das Leben mit einem Hund an seiner Seite war schon vor Pandemiezeiten der größte Traum von Torsten Thum. Der Chef vom Porsche Zentrum Aschaffenburg ist mit den Vierbeinern aufgewachsen. Seine Frau Sabrina war von der Vorstellung nicht zu hundert Prozent überzeugt: „Wir haben beide über 40 Stunden die Woche gearbeitet, hatten wenig Zeit für Hobbys und waren selten zu Hause. Unter diesen Umständen hätten wir einem Tier nicht die Aufmerksamkeit schenken können, die es verdient.“


WIR HABEN GEÖFFNET!

Unter Einhaltung aller Hygienevorschriften sind wir zu den gewohnten Öffnungszeiten da. Wir freuen uns auf euren Besuch! Centaurus-Inhaber Felix Lüdtke und Svenja Hies mit Monty und Milo

Reitsport Röderweg 5 · 65232 Taunusstein-Bleidenstadt · Tel.: 06128 - 937 692 · info@centaurus-reitsport.de WWW.CENTAURUS-REITSPORT.DE


„Beim Spaziergang mit Shiva lernen wir gerade unsere Nachbarschaft ganz neu kennen.“ Sabrina und Torsten Thum

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Foto: Patrick Liste

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„Wir können es immer noch nicht fassen. Seit dem 2. Oktober gehört die süße Shiva zu unserer kleinen Familie“, sagt die glückliche Hundemama, die ihre Arbeitsstunden jetzt ein wenig runtergeschraubt hat. „Shiva ist eine semmelgelbe Magyar-Vizslas-Hündin, ein kurzhaariger ungarischer Vorstehhund. Sie ist sensibel, intelligent und kinderlieb. Aber sie ist auch temperamentvoll und ein bisschen verrückt.“

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hiva hat den Alltag der Thums auf den Kopf gestellt. „In den ersten Wochen mussten wir mit ihr vier-, fünfmal nachts raus“, sagt Sabrina Thum und seufzt: „Und ihr Hundekissen hat sie schon zweimal zerbissen, so lange bis die Schaumstoffflocken wie Konfetti in der Wohnung rumflogen.“ Nach sechs Monaten sind die drei nun ein eingespieltes Team. „Wir besuchen die Hundeschule und trainieren fleißig. Morgens, mittags, abends gibt’s draußen eine große Runde zum Auspowern.“ Dabei haben die Hundeeltern voller Erstaunen festgestellt: „Beim Spaziergang mit Shiva lernen wir gerade unsere Nachbarschaft ganz neu kennen. Wir sind wirklich baff, wie viele einen Hund besitzen.“ Abends auf der Couch wird gekuschelt. „Das lieben wir alle drei so sehr.“ Eins steht für die Thums fest: „Ein Leben ohne Shiva können wir uns einfach nicht mehr vorstellen.“

„Ein Leben ohne meinen Cockerpoo Leo ist für mich undenkbar! Er ist schlau, goldig, unkompliziert.“ Christine Kobberger

Der Cloud Nine FleeceOnesie von Little Beast

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Hund

Fotos: Mandy Johnson, Hannah Lim / Unsplash

Der Cotton Candy FleeceOnesie von Little Beast

Nur das Beste für den Liebling So geht’s auch Christine Kobberger, die im über 100-jährigen Frankfurter Familienunternehmen „Parfümerie Kobberger“ am Thurnund-Taxis-Platz arbeitet: „Ein Leben ohne meinen Cockerpoo Leo ist für mich undenkbar!“ Der sechsjährige Mix aus Cockerspaniel und Pudel im Teddybären-Look ist ihr ganzer Stolz: „Er ist schlau, goldig, unkompliziert. Wir machen ausgiebige Spaziergänge, schauen fern, nachts teilen mein Mann und ich mit ihm unser Bett. Leo ist mein Schatz, mein Freund – er hat nur das Beste verdient!“ Ihre Liebe zu Leo lässt sie sich regelmäßig etwas kosten. Dazu gehört auch der Gang zum Groomer, also ein Friseur für Hunde. Alle sechs Wochen gibt’s für ihren Vierbeiner das volle Beautyprogramm im „Hundesalon Bornheim“. Das macht für Christine Kobberger circa 600 Euro im Jahr – nur für Leos Fellpflege. Sie nickt: „Die Kosten nehme ich gerne in Kauf !“ 

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Zwei Stunden dauert die Beautybehandlung von Prinzessin Mali. Die Havaneser-Hündin wird von Groomer Francisco Ferreira Vasconcellos gewaschen, geschnitten, bekommt die Krallen gekürzt und die Ohren geputzt.

Der Mann für alle Felle Haustiernarren kennen den Frankfurter Francisco Ferreira Vasconcellos aus der TV-Sendung „HundKatzeMaus“. Dort stylt er seit 2015 Tierheimhunde, damit diese einfacher vermittelt werden können. „Man adoptiert einen Hund in erster Linie wegen seines Charakters. Aber es ist doch so: Der erste Eindruck zählt, und dass das Tier goldig und gepflegt aussieht, spielt eine wichtige Rolle.” Der Brasilianer aus Sao Paulo ist seit 22 Jahren Hunde-Coiffeur und Besitzer des renommierten „Hundesalon Bornheim“, der vor drei Jahren von Bornheim nach Eckenheim umgezogen ist. „Ich habe viel Erfahrung in der Königsdisziplin des SchneiDie Pudel Olivia und Valentino haben den Hundesalon ihres Herrchens im Blick, während Stammkunde Cockapoo Leo sich ganz cool einen Kurzhaarschnitt verpassen lässt.

„Man adoptiert einen Hund in erster Linie wegen seines Charakters. Aber es ist doch so: Der erste Eindruck zählt.“ Francisco Ferreira Vasconcellos Hundesalon Bornheim

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dens und bin besonders auf Pudel spezialisiert. Eine der Hunderassen, die am schwierigsten zu behandeln ist.” Regelmäßig nimmt er an nationalen und internationalen Meisterschaften teil. „2017 wurde ich in der Schweiz als ‚Best Talent‘ ausgezeichnet, 2018 zum ‚Best Allrounder Groomer‘ gekürt. Und 2019 habe ich in Deutschland in der Kategorie ‚Bester German Groomer Schneiderasse‘ gewonnen“, sagt er voller Stolz. Er ist der Mann, dem Hund und Herrchen vertrauen. „Einer meiner Kunden kam mit seinen sechs Hunden extra aus München angefahren.“ Alleine die Behandlung bei Francisco kostete 500 Euro an diesem tierischen Tagesausflug.

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt), Anke Wünschmann

Haute Couture für Hunde Was sich Frauchen und Herrchen gönnen, ist längst zum Standard für ihre Vierbeiner geworden. Nicht nur Hollywood-Größen wie Paris Hilton, Reese Witherspoon oder David Hasselhoff verwöhnen ihre Hunde mit kostspieligen Luxusartikeln. Nach Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) gaben die Deutschen in 2019 5,2 Milliarden Euro für ihre Haustiere aus. Wachstums-Gewinner: das Hundezubehör mit einer Steigerung von 6,4 Prozent auf 215 Millionen Euro. Von Fressnäpfen in Marmoroptik und Kaltschaummatten gegen Hüftprobleme über Samt-Thron-Bettchen, Hundeparfüm bis hin zum Haute Couture Minirock mit Perlen aus Mailand – es gibt nichts, was es nicht gibt für den It-Wau-Wau. „Wenn man seinen Hund mal vermenschlicht, geht ja nicht direkt die Welt unter”, findet Hundetrainer Martin Rütter. „Es darf nur nicht eskalieren, dass ich permanent meine Wünsche auf den Hund projiziere. Das schürt Erwartungen, die der Hund niemals erfüllen kann.“ Seine Meinung: „Solange der Hund in seiner geistigen und körperlichen Freiheit nicht eingeschränkt wird und nach seinen natürlichen Bedürfnissen entspannt leben kann, ist alles okay. So ist beispielsweise gegen ein mit Diamanten besetztes Halsband nichts zu sagen, denn es beeinträchtigt den Hund nicht. Gefährlich wird’s aber, wenn der Hund zum Oktoberfest ins Dirndl gezwängt wird. Da hört der Spaß auf, das ist Tierquälerei!“ Massagen und Schlemmerteller „Meine Hunde dürfen nicht ins Bett oder auf die Couch. Trotzdem verwöhne ich sie, wo ich nur kann“, erzählt Züchterin Katinka Spiegler. „Sie tragen Designerhalsbänder und ich habe für sie Kurse in Reiki und Tellington-Touch besucht. Massagemethoden, bei denen ich durch hebende, kreisende und streichende Bewegungen die Körperhaltung und das Körpergefühl meiner Hunde energetisch und

positiv beeinflussen kann.“ Eine hochwertige Ernährung liegt ihr besonders am Herzen: „Sie bekommen nur rohes, natürliches Futter. Also frisches oder tiefgekühltes Fleisch, Innereien, Knochen und Fisch. Kein Trockenfutter. Und ihre Schlemmerteller garniere ich zusätzlich mit Nudeln, Obst, Gemüse, Kräutern und Kokosnussöl.“

Anke Wünschmann mit ihrem süditalienischen Zwergpinscher-Mix Otto

„Ich befürchte, dass viele Vierbeiner wieder abgegeben werden, wenn Reise- und Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden.“ Anke Wünschmann Leben für Streuner e. V.

Tierschützer sind besorgt Der Hund ist dem Menschen viel wert: Für viele gilt er als vollwertiges Familienmitglied. In der Krise ist er nicht nur Sportsfreund und Spielkamerad, er ist auch Seelentröster. Tierschützer haben jedoch Zweifel, dass der HundeHype auf Dauer anhält. „Ich befürchte, dass viele Vierbeiner wieder abgegeben werden, wenn Reise- und Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden“, sagt die Frankfurterin Architektin und Hochschul-Dozentin Anke Wünschmann. Sie ist nebenberuflich Tierpsychologin, Hundetrainerin und in der Tierschutzorganisation „Leben für Streuner e. V.“ tätigt. Bei jeder Anfrage muss sie entscheiden: „Ist da echtes Interesse, das ganze Leben mit einem Hund zu teilen, oder wurde die Entscheidung Corona-bedingt gefällt?“ An das Bewusstsein der Interessenten appelliert sie: „Wer sich einen Vierbeiner anschaffen will, dem muss klar sein, welche Pflichten das mit sich bringt. Ein Hund ist kein Spielzeug, das ich bei Bedarf rauskrame und dann wieder wegpacke, wenn ich keine Lust mehr darauf habe. Es bedeutet, dass ich mein eigenes Leben auch nach den Bedürfnissen des Hundes ausrichte und Verantwortung übernehme.“ Ein Freund fürs Leben Wer eine Fellnase aufnehmen will, sollte Folgendes hinterfragen: Möchte ich mich die nächsten 15 oder mehr Jahre an einen Hund binden? Erlaubt es mein Job, einen Hund angemessen zu versorgen? Wer diese Fragen mit „Ja“ beantworten kann, kann sich auf die Suche n nach seinem Freund fürs Leben machen.

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life & style

Pagerie ist die neue In-Marke aus L.A.: Schmuckdesigner wie Stella Simona kooperieren mit dem luxuriösen Mode­ haus für Haustiere, das ausschließlich hochwertiges französisches Leder für seine Produkte verwendet. Die Sahara-Kollektion, inklusive Leine, Halsband und Geschirr, erinnert an das Design von Hermès – stylisch und elegant! pagerie.com

Das britische Label Lish verbindet ausgefallene Tier-Accessoires mit hochwertigen Stoffen. Die Bardsey Kollektion besteht aus handgewebtem, echtem HarrisTweed, kuscheligem Lammfell und italienischem Leder. lishlondon.com

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WOW!


rubrik

Der Hund ist der beste Freund des Menschen: Loyal und treu steht er uns immer zur Seite. Höchste Zeit, unseren Lieblingen etwas zurückzugeben. Wir haben für Sie unsere Highlights zusammengestellt!

Das Tiershampoo Animal der Hautpflegemarke Aesop aus Melbourne sorgt mit natürlichen Inhaltsstoffen für eine schonende und dennoch gründliche Reinigung. Auch für empfindliche Tierhaut geeignet.

Fotos: Hersteller

aesop.com

Der Hundebademantel von Lill’s aus weichem Frottee fühlt sich nicht nur kuschelig an, sondern saugt auch Feuchtigkeit und Dreck schnell auf. Damit wird nasses Fell im Nu wieder trocken. www.lills.store

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Wasserfeste Wollwesten und gemütliche Trenchcoats – mit den stylischen Outfits von The Barkers werden die pelzigen Freunde zu echten Fashion-Models. Hingucker: die schicken Details aus Hornknöpfen und Lederschnallen. thebarkers.shop

Die niedlichen, aber robusten Tierfiguren von LABONI werden mit viel Liebe zum Detail in Handarbeit gefertigt. Die Greta Giraffe besteht aus reiner Baumwolle und reinigt die Zähne auf spielerische Weise. Für Quietsch und Quatsch. laboni.design

WAU

WOW! Einzigartig! Das beschreibt die Luxuskollektion Between Two Naps vom New Yorker Designer Rajeev Basu. Jeder der Helme ist weich und hält warm, so ist der Hund immer für ein Nickerchen bereit. Besonders witzig: der Helm mit den gefälschten Markennamen, die auf das Schlafen anspielen. betweentwonaps.com

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Mit dem Tractive GPS Tracker weiß man immer, wo sich der eigene Vierbeiner befindet. Schlicht und einfach am Halsband angebracht, übermittelt er in Echtzeit den exakten Aufenthaltsort an die dazugehörige, kostenlose App. tractive.com

Das Babboe Go Mountain mit kleiner Sitzbank eignet sich perfekt für den Transport. Kinder und Hund finden hier gemeinsam Platz. Das neueste Modell integriert eine Tür an der Vorderseite als praktische Einstiegshilfe.

Prunkvolle Porträts Der niederländische Art Director und Produzent Tein Lucasson porträtiert Vierbeiner im Stil der Alten Meister. Das Ergebnis ist beeindruckend. Ein perfektes Geschenk für alle Hundeliebhaber! buecher-teneues.de

lastenradzentrum.de

Kreative Kunst

Lecker und gesund: Die Goodies von Lila Loves It mit hohem Entenfleischanteil, Kokosflocken, LeinmehlReisflocken, Kürbis und Apfelrohfaser sind die perfekte Belohnung im Training und für zwischendurch.

Schriftsteller Tom Wainwright verbindet zwei Leidenschaften: Architektur und Tiere aller Art. Eine unterhaltsame und inspirierende Sammlung der besten zeitgenössischen Designs für Haustiere. phaidon.com

lila-loves-it.com

Fotos: Hersteller

Dynamisches Duo Passend zu seinen berühmten Boxspringbetten gibt’s vom dänischen Luxuslabel Fennobed das Matri Dogbed. Durch die Umrandung und den weichen Liegekern wird das Bett zum geschützten Nest. fennobed.de

Die Fotografen Kelly Pratt und Ian Kreidich präsentieren ein außergewöhnliches Duo: Profitänzer von weltbekannten Ensembles posieren neben quirligen Vierbeinern. Jeder erzählt seine eigene Geschichte. kellyprattphoto.com


life & style

Für die coolen Katzen: Der Cat Scratcher der Marke Suck Uk ist ein Kratzbaum im SkateboardDesign. Hergestellt aus recyceltem Material und mit vielen verspielten Details versehen, ist es die ideale Geschenkidee. suck.uk.com

Catitude

Katzen spielen mit allem, was sich bewegt. Das Topo-Spielzeug mit weichem Schaffell-Puschel und einem Lederschwanz von MiaCara lädt zu wilden Verfolgungsjagden ein. Garantiert dauerhaften Spielspaß. miacara.com

Jede Samtpfote ist einzigartig. Und einzigartig sollte auch das KatzenZuhause sein: Wir zeigen Ihnen, mit welchen Accessoires Sie Ihren Liebling so richtig verwöhnen können.

Für Katzen, die hoch hinaufwollen: Die Kletterwand Alto von MiaCara kombiniert die Funktionen eines Kratzbaums mit dem modernen Look eines Wandregals. Stylisch, innovativ und platzsparend! miacara.com

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Mit seinem Liebling im Partnerlook – das Halsband Garavani Rockstud Pet von Valentino macht es möglich. Damit wird jede Samtpfote zur Stil-Ikone. valentino.com

Die LucyBalu x Choupette Swing ist eine limitierte Hängematte-Edition aus weichem Wollfilz – Katzenmodel Choupette hat sie natürlich selbst Probe gelegen. lucybalu.com

Choupette by Karl Lagerfeld zeigt das luxuriöse Leben der weltberühmten Birma-Katze mit den saphirblauen Augen. Der Bildband enthält bislang unveröffentlichte Fotos, die Karl Lagerfeld mit seinem iPhone geschossen hat.

Fotos: Hersteller

steidl.de

Kunstwerk meets Kratzbaum. Der langlebige Copycat Art Scratcher von Lord Lou sieht nicht nur dekorativ aus, sondern stellt gleichzeitig auch die wildeste Katze vor spannende Herausforderungen. www.lordlou.com

Durch das besondere Flechtgewebe bietet das preisgekrönte Katzenbett Riva von Laboni jedem Vierbeiner ein kokonartiges Gefühl der Geborgenheit. Ein idealer Rückzugsort! laboni.design

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gourmet

Die Fassade des Hansa Hotels strahlt in neuem Glanz

Hollywood in Wiesbaden OSCARREIFE FÜRS HANSA HOTEL Wenn Michael Schramm etwas hasst, dann Beliebigkeit. Das stellt der Investor mit dem Hansa Hotel in Wiesbaden eindrucksvoll unter Beweis: Das Art-Déco-Haus glänzt im Stil der großen Hollywood-Ära und schenkt uns ein Gourmet-Restaurant mit echtem Kreuzfahrt-Feeling. In nur acht Monaten Bauzeit präsentiert sich das Kulturdenkmal von 1865 in der Bahnhofstraße als neues Hotel-Juwel der Landeshauptstadt. Der Hausherr persönlich hat Top Magazin exklusive Einblicke gegeben. Investor Michael Schramm mit Oscar in der Lobby

Sitzecke und Pantry-Küche in der Große-Gatsby-Suite

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Michael Schramm Rosenblätter auf dem Bett: Übernachten mit Wohlfühlgarantie

PERSONALITY FIRST „Je mehr Liebe in einem Objekt steckt, je mehr Dinge die Leute entdecken und in die Hand nehmen können, desto zufriedener sind sie“, weiß Michael Schramm von zahlreichen positiven Bewertungen seiner Apartmentresidenzen: „Ich möchte, dass die Gäste sich bewusst für uns entscheiden. Für mich gibt es nichts Schlimmeres, als in einem beliebigen Hotel aufzuwachen.“ Mit seiner Passion für Personality hat der ExChef der Privatbank Hauck & Aufhäuser die Serviced-Apartment-Branche in Deutschland neu aufgerollt: Seine Themenwelten müssen nicht jedem gefallen, aber einmalig sein. Eine Vision, die sich schnell als Marktlücke erwies, als der studierte Betriebswirt vor fünf Jahren von der Banken- in die Immobilienbranche wechselte. Etliche stilvolle Boardinghäuser und GarniHotels betreibt seine Renditus GmbH heute in Hamburg, München und Frankfurt.

„Wir haben in den letzten Jahren viel gelernt und sind jetzt an einem Punkt, wo es ruhig mal eine Nummer größer sei kann“, freut sich der umtriebige Visionär, zu dessen Star Apart Gruppe fünf Boutique-Hotels im Hollywood-Stil gehören. Als ihm das altehrwürdige, bröckelnde Hansa Hotel angeboten wurde, zögerte er keine Sekunde: „Ein repräsentativeres Flaggschiff für Star Apart kann ich mir nicht wünschen.“ Eigentümer Karlheinz Küter war begeistert von Schramms Ideen. Er wollte das Haus nicht einfach an eine Hotelkette geben und war selbst bereit, viel Geld zu investieren.

EIN OSCAR AUF DEM NACHTTISCH 73 Zimmer auf technischem Topniveau gibt es auf vier Stockwerken, manche mit säulenbewehrten Balkonen, die an den Klassiker „Vom Winde verweht“ erinnern. Eine Pantry-Küche und die Siegermatratze von Stiftung Warentest gehören

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

„Ich bin gerne guter Gastgeber. Wenn ich auf Geschäftsreise bin, dann möchte ich so wohnen wie in diesem Hotel.“

anz großes Kino schon am Eingang: Flankiert von zwei Oscar-Statuen betreten wir die Lobby. Grace Kelly, Liz Taylor, Marilyn Monroe und Audrey Hepburn lächeln uns an, Frank Sinatra strahlt bis hinter seine Ohren. Sehr cool, dass die Fotobände, Biografien und Autogrammkarten nicht nur zum Staunen und Gucken, sondern zum Anfassen und Durchblättern da sind.


Sitzecke in der Große-Gatsby-Suite

zur Grundausstattung, ob Einzelzimmer oder „Große-Gatsby-Suite“. Für spontanes Lächeln sorgen der Mini-Oscar mit Gravur „Famous Guest“ oder das marmorne Badewannen-Tablett, auf dem verschiedene Bade-Essenzen zum entspannten Planschen einladen. Die Minibar ist inklusive. „Ich bin gerne guter Gastgeber“, lächelt Schramm. „Wenn ich auf Geschäftsreise bin, dann möchte ich so wohnen wie in diesem Hotel.“ Einmal pro Woche will der Hausherr hier selbst übernachten, um nahe am Gast zu sein. Und weil er sich im Haus pudelwohl fühlt. Drehbarer Fernseher, um von Tisch oder Bett zu schauen

STARS, STARS, STARS Plakate und Filmszenen aus 100 Jahren Kinogeschichte wecken in den Fluren und Treppenhäusern Erinnerungen und Emotionen. „Sie werden kein Motiv zweimal finden“, schmunzelt Michael Schramm. Echte Celebrities dürften ebenfalls bald im Vier-Sterne-Haus einchecken. Zum Ball des Sports etwa, zu dem Jahr für Jahr Politiker, Showstars und Sportlegenden nach Wiesbaden pilgern. Mit seinem Partner Hasan Salihamidžić, dem Sportvorstand von Bayern München, plant Schramm rund ums gesellschaftliche Großereignis Aktionen wie Aperitif oder Frühschoppen im Hansa Hotel. Eine klare Ansage an die etablierten Luxusherbergen, mit klarem Standortvorteil: RheinMain Congress Hallen und Hauptbahnhof sind nur einen Steinwurf entfernt. Frühstücksraum mit Star-Appeal

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m ansprechenden Frühstücksraum zieren Hunderte Starporträts in Schwarz-Weiß, manche handsigniert, eine ganze Wand. Derlei Schätze ersteigert Schramm nachts gerne auf US-Seiten von eBay. Wie die Oscar-Statuen, Relikte einer echten Hollywood-Party. Wer weiß, ob Brad Pitt, Leo DiCaprio, Jennifer Lawrence oder Julia Roberts nicht schon im Blitzlichtgewitter mit ihnen posierten? Hollywood-Glamour jedenfalls verströmt das Star Apart Hansa an jeder Ecke.

„Wir wollen mit der Pescaletta das beste Fischrestaurant der Region werden.“ Michael Schramm Kapitän an Deck in der Pescaletta

KREUZFAHRT-FLAIR FÜR GENIESSER

Ein Oscar begrüßt die Frühstücksgäste am Büffet.

Das familiäre Herz des Prachtbaus schlägt in der „Pescaletta“. Ein charmantes Fisch-Restaurant mit Pasta-Karte, großer Außenterrasse und anmutigem Kreuzfahrt-Touch. Mit Salvatore Cavallo wirbelt hier einer der besten Fischköche weit und breit. Es gehört zu Schramms neuer Isoletta-Gruppe und könnte schon bald Gourmets aus nah und fern nach Wiesbaden locken: „Wir wollen das beste Fischrestaurant der Region werden“, so der Unternehmer, der nicht nur die Stühle im Nautik-Look selbst entworfen, sondern auch die dekorativen Muscheln im Bar- und Bistrobereich persönlich am KaribikStrand gesammelt hat. Der Gastgeber aus Leidenschaft kann es kaum erwarten, kleinere Gruppen zu exklusiven Pre-Menu-Tastings in kp n seine „Pescaletta“ einzuladen.

Pescaletta: Fisch-Restaurant mit maritimem Flair


Schinken? Gibt’s doch im Supermarkt an der Aufschnitttheke! So sehen das viele. Alle anderen auf der Suche nach dem ultimativen Schinkengenuss nimmt das Top Magazin jetzt mit auf eine aufregende Reise.

José Gómez – Junior Chef von Joselito


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Die ganze Welt des Iberico

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Foto: Christof Herdt, Joselito, Freepik

as Paradies des Schinkens liegt in Spanien. Sein Epizentrum befindet sich nicht weit von Salamanca entfernt, etwa 250 km westlich von Madrid. Im Städtchen Guijuelo ist es in einem von außen unscheinbaren Gebäudekomplex beheimatet. Ein überirdisch mundwässernder Duft entströmt den Lüftungsschlitzen an der Eingangstür, man könnte es übersehen, aber nicht überriechen: „Joselito“, die edelste Schinkenmanufaktur der Welt! Dort empfängt uns José Gómez, der Junior-Boss von Joselito, um für uns sonst streng verschlossene Pforten zu öffnen und uns einen Einblick in das Geheimnis des berühmtesten Pata-Negra-Schinkens der Erde zu gewähren. „Um zu verstehen, was es mit unserem Pata Negra auf sich hat, muss man zunächst wissen, wo die Keulen überhaupt herkommen“, beginnt der „Herr der Schinken“ seine Führung.

„Wir sind Farmer und Schinkenpro­ duzenten. Auf un­ seren Fincas ste­ hen pro Schwein mindestens drei Hektar Land zur Verfügung.“ José Gómez Joselito

Im Herzen der Regionen Estremadura und dem angrenzenden Westen Andalusiens dehnen sich seit Jahrhunderten die „Dehesas“ aus, savannenartige Stein- und Korkeichenwälder mit ihrer typischen losen Bewaldung. Pro Jahr lässt Joselito 80.000 bis 100.000 Bäume nachpflanzen, um das einzigartige Ökosystem auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Im Schatten der bis zu zweihundert Jahre alten Bäume hat eine einzigartige Weideform überlebt, die der halbwilden Schweinerasse „Cerdo Ibérico“ mit ihrem steingrauen Borstenkleid Heimat bietet. Wegen ihrer charakteristischen schwarzen Hufe werden die Schweine auch „Pata Negra“ genannt und ihr Leben ist die Erfüllung aller Schweine-Träume: draußen umherstreunen, endlosen Auslauf genießen und im Winter Eichelmast bis zum Umfallen! Auf die nahrhaften und süßen Eicheln, die von November bis Februar in Massen von den Bäumen fallen, sind die Borstenviecher

Text Fabian Lange Fotos Christof Herdt

besonders scharf. Pro Tag stopfen sie rund zehn Kilo davon in sich hinein und laufen dafür bis zu zwölf Kilometer. So legen sie sich in einer Saison einen Speckmantel von bis zu hundert Kilo an. Sie dürfen suhlen, in Horden umherstreifen und im Schatten der Bäume ruhen. „Wir sind Farmer und Schinkenproduzenten. Auf unseren Fincas stehen pro Schwein mindestens drei Hektar Land zur Verfügung“, berichtet José Gómez. Zwei Jahre lang dürfen es sich die Säue gut gehen lassen, dann ist die Zeit gekommen, um das edle, von feinsten Fettadern durchzogene Fleisch zu einem Joselito-Schinken zu veredeln. Jedes Schwein hat dafür einen Chip, mit dem die Qualität lückenlos zurückverfolgbar ist. Zur Schlachtung werden die Schweine nur in den Monaten Januar bis März stressfrei nach Guijuelo transportiert, wo ihnen vorher noch ausreichend Ruhezeit gegönnt wird. „Die rohen Schinken werden dann ebenfalls mit individuellen RFID-Chips versehen, die alle wichtigen Daten der Tiere enthalten. Anschließend werden sie in der Salzkammer rund zwei Wochen lang in Meersalz eingelagert“, erläutert José Gómez das Prozedere. 

Cerdo Ibérico, die Pata-Negra-Schweine, in den Eichenhainen (Dehesas)

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Das Allerheiligste – die Reifekammern von Joselito

„Dem Fleisch wird durch das Salz viel Wasser entzogen und die Oberfläche von einem feinen, hochedlen Pilz­ rasen besiedelt.“ José Gómez Joselito

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Guijuelo liegt auf über tausend Meter Höhe, die Luft ist trocken und nachts wunderbar kühl. Bei derart perfektem Klima braucht es keine Aircondition oder künstliche Ventilation. Der risikoreiche Prozess wird durch die enorme Erfahrung des eingespielten Mitarbeiterteams gesteuert.

José Gómez gewährt uns einen seltenen Blick ins Allerheiligste, die Reifekammern. Hinter einem riesigen Tor bietet sich ein herrlicher Anblick. Kunstvoll hängen die Schinken in Zehnerreihen übereinander wie eine zeitgenössische Kunstinstallation. In den zwischen 10 bis 16 Grad kühlen Kammern reifen sie viele Wochen, Monate und Jahre bis zu ihrer Vollendung. „Dem Fleisch wird durch das Salz viel Wasser entzogen und die Oberfläche von einem feinen, hochedlen Pilzrasen besiedelt“, schwärmt José Gómez und streichelt fast zärtlich über den prallen, fein duftenden Schinken. Jeder Keller hat seine eigene Mikrobiologie, die weiße Schicht überzieht die Keulen nur äußerlich und sorgt so für den charakteristischen Aromentransfer. José Gómez zeigt auf die lange Reihe mit Rollos verschlossener Fenster: „Unsere Reifekammern werden ausschließlich durch Lüften gekühlt. Unser Komplex hat über 1.100 Fenster. Nachts werden sie individuell angesteuert, um für Durchzug zu sorgen“, beschreibt der Schinkenboss das Prinzip.

Jamon Gran Reserva von Joselito

Fotos: Christof Herdt, Joselito, Freepik, Gord Webster/Wikipedia, Südtiroler Speck Konsortium, Sandra Dobroschke/Rovagnati

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in riesiger Haufen Meersalz, der immer wieder zum Pökeln verwendet wird, umhüllt die unzähligen Fleischkeulen – und das ist auch schon die einzige Zutat, die einem JoselitoSchinken zuteilwird: keine Gewürze, keine Konservierungs- oder Hilfs- oder Reifestoffe. Ehrensache!


Frühestens nach drei Jahren kommen die fertigen Produkte auf den Markt. Doch das allein macht Joselito noch nicht zum Primus inter Pares. Das Besondere ist die Deklaration ihrer Premiumschinken als Jahrgangsschinken! „Als wir 2008 damit anfingen, haben uns die anderen Produzenten für verrückt gehalten“, erzählt José Gómez mit breitem Grinsen. Das Joselito-Prinzip hat einen guten Grund: Jedes Jahr ist die Charakteristik der Schinken durch die unterschiedliche Eichelmast gekennzeichnet und sorgt für unverwechselbare geschmackliche Individualität – quasi wie beim Wein. Aktuell sind die Jahrgänge 2010, 2011 und 2012 auf dem Markt, in der Schatzkammer reifen aber auch Schinken des Jahrgangs 2007. Unser Gang durch die weiten Hallen endet vor einem abgeriegelten Raum: „Keine Fotos, bitte!“, verlangt José Gómez. Uns erwartet die eigens für Joselito entwickelte Aufschnittund Verpackungslinie, bei der die hauchdünn geschnittenen Schinken in geschmacksneutraler Vakuumfolie keimfrei eingeschweißt werden und so sechs Monate lang ohne Qualitätsverlust haltbar sind. „Wir haben jahrelang getüftelt, und sind endlich am Ziel, um die perfekte Verpackung für den perfekten Schinken zu bieten“, schwärmt er.

Ein Klassiker: Chapata con tomate y jamón Joselito

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m Joselito-Flagshipstore in Madrid erwartet uns am nächsten Tag die ganze Welt des Iberico. Wir probieren drei Jahrgänge von Schinken und die Wurstwaren. Joselito widmet auch den großen Klassikern wie Lomo, Chorizo und Salchichon größte Aufmerksamkeit. Es ist zwei Uhr und mittlerweile strömen die Madrilenen herein, um das Edelste des Iberico zu genießen. Mit einem Glas ultratrockenem Fino, Champagner oder Rotwein. Hauptsache, es ist ein richtig guter Iberico. Oder der Allerbeste wie der n von Joselito.

Italiens

Schinken-Spezialitäten Nicht nur die Spanier wissen, guten Jamón herzustellen. Auch in Italien gibt es viele köstliche Schinken-Spezialitäten. Als der edelste Schinken Ita­ liens gilt der Culatello aus Zibello in der Nähe der Stadt Parma: Handgefertigt aus dem Fleisch kleinwüchsiger Schweinerassen, die in frei­ er Natur gehalten werden, reift der Schinken 14 Monate lang in einer durchlöcherten Schweineblase. Er wird bei offenem Fenster geCULATELLO di Zibello lagert und zu Beginn der Aufbewahrung mit Knoblauch und Rotwein eingerieben. Der Südtiroler Speck ist nicht mit dem im deutschen Sprachgebrauch üblichen Begriff „Speck“ zu verwech­ seln. Speck wurde von den Südtiroler Bauern hergestellt, um das Fleisch haltbar zu machen – der Schin­ ken war für den Haus­ gebrauch bestimmt. Das Besondere daran ist, dass er nach dem klassischen Einsalzen noch geräuchert und anschließend erst luftgetrocknet wird. Ein streng ge­ hütetes Ge­ SPECK Alto Adige heimnis: die genaue Gewürzab­ stimmung. Enthalten

sind auf jeden Fall Rosmarin, Lorbeer, Wacholder, Salz und Pfeffer. Je dünner der Schinken aufgeschnitten wird, de­ sto schneller entfaltet er sein Aroma.

Der Gran Biscotto – der große Keks – ist der beliebteste Kochschinken Italiens. Im Gegensatz zu herkömm­ lichen Schinkensorten besticht die Spezialität des Familienunterneh­ mens Rovagnati durch seinen unver­

wechselbaren Geschmack und seine zarte Konsistenz. Nach der Entbei­ nung wird die Keule in einem bis zu 72 Stunden langen Massierverfahren mit Gewürzaromen verfeinert und 12 Stunden dampfgegart.

GRAN BISCOTTO

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Saltimbocca ZUTATEN – für 4 Personen 4 Kalbsschnitzel von der Oberschale Salz, Pfeffer 16 mittelgroße Salbeiblätter 8 Scheiben Parmaschinken Rapsöl zum Braten

ZUBEREITUNG Die Kalbsschnitzel waschen, trocken tupfen und plattieren. Dann halbieren und mit Salz sowie Pfeffer würzen. Die Salbeiblätter waschen und ebenfalls trocken tupfen. Jedes Schnitzel mit 2 Salbeiblättern belegen, zusammenklappen und in eine Scheibe Parma­ schinken einwickeln. In einer Pfanne in ausreichend Öl auf beiden Seiten bei mittlerer Temperatur knusprig anbraten. Aus der Pfanne nehmen, auf einem Blech im vorgeheizten Backofen bei 130 °C Oberund Unterhitze ca. 15 Minuten fertig braten.

Grüner Spargel mit Parmaschinken ZUTATEN – für 2 Personen 200 g neue Kartoffeln Salz 500 g grüner Spargel 50 g Butter, nach Belieben 100 g Parmaschinken

ZUBEREITUNG Die Kartoffeln waschen und ungeschält in ausreichend Salz­ wasser garen. Dann abschütten, pellen und warm stellen. Den Spargel gegebenenfalls im unteren Drittel schälen und das untere Ende abschneiden. In einem Topf reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Den Spargel zugeben und darin je nach Dicke der Stangen ca. 10 Minuten bissfest kochen. Herausnehmen, in Eis­ wasser abschrecken und abtropfen lassen. Die abgetropften Spargelstangen in zerlassener aufge­ schäumter Butter schwenken. Den Spargel zusammen mit dem Parmaschinken und den Kartoffeln dekorativ anrichten.

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Pizza Parma ZUTATEN – für 2 Pizzen (Ø 32 cm) Pizzateig 400 g Weizenmehl (Type 550) 1 Päckchen Trockenhefe 1 Prise Zucker ca. 250 ml lauwarmes Wasser 3 EL Olivenöl ½ TL Salz

Belag 200 g passierte Tomaten 2 gehäufte TL Pizzagewürz Salz, Pfeffer 2 Prisen Zucker 200 g geriebener Mozzarella 80 g Parmaschinken 40 g Rucola 60 g frisch geriebener Parmesan

ZUBEREITUNG

Fotos: Tretorri

Für den Pizzateig das Mehl in eine Schüssel geben und mit Hefe sowie Zucker vermischen. Wasser, Olivenöl und Salz zufügen und mit den Knethaken eines Hand­ rührgeräts mindestens 5 Minuten kneten. Aus der Masse 2 Teigbal­ len formen, mit einem Küchen­ handtuch abdecken und an einem warmen Ort ca. 30–45 Minuten gehen lassen, bis sich das Teigvo­ lumen deutlich vergrößert hat. Den Backofen auf 200 °C Oberund Unterhitze vorheizen. Den

Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche rund, passend für das Pizzablech, ausrollen und auf das Blech legen. Die passierten Tomaten mit dem Pizzagewürz, Salz, Pfeffer und Zucker kräftig würzen. Die Tomatensauce gleich­ mäßig auf der Pizza verteilen und mit dem Mozzarella be­streuen. Im Backofen ca. 12–15 Minuten knusprig backen. Mit Parmaschinken, gewaschenem Rucola und Parmesan bestreut servieren.

Alle Rezepte aus Kochen für ein Jahr Jeden Tag eine neue Idee

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Winzer Friedrich Groebe

EINE PARTITUR GROSSER RIESLINGE Von REINHART S. LANG Fotos ALEX HABERMEHL

W E I N U N D MU SI K – DA S GI NG SC HON I M M E R GU T Z U S A M M E N . D E R W I N Z E R F R I E D R I C H G RO E B E N I M M T U N S M I T AU F E I N E R E I S E D U RC H D I E A RO M E N S I N F O N I E S E I N E R G RO S S E N G E WÄC H S E .

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anchmal kann ein wenig Schumann helfen. Zumindest, wenn man einen Flügel hat und darauf so gut zu spielen weiß wie Friedrich Groebe. In sich ruhend, feinsinnig, nie überzogen – so wie er dem Instrument Töne entlockt, so tritt er auch Besuchern gegenüber: Friedrich Groebe ist ein geerdeter und liebenswert-musischer Mensch und ein Winzer mit klarer Haltung. „Wein ist Teil unserer Kultur“, sagt er. „Es bedarf einer Philosophie und handwerklicher Kunst, um einen guten Wein zu machen, nicht Technologie.“

Das VDP-Weingut K.F. Groebe in Westhofen

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So gern man Friedrich Groebe beim Klavierspielen lauscht – noch schöner ist es, ihn über seine Weine sprechen zu hören. Charmant und leidenschaftlich entwirft er ein Charakterbild seiner Werke, beginnend bei einem 2019 Riesling trocken. Bereits der Duft des jungen Rieslings ist unvergleichlich. Die Nase betört mit gelber, exotischer Frucht von Papaya und Maracuja. Der Gaumen wird von einer fruchtigen Stoffigkeit umschmeichelt. Definitiv: ein feinziselierter, mineralischer Riesling mit tollem Potenzial. Mit diesem Wein aus den Lagen Kirchspiel und Aulerde beginnt eine faszinierende, spannende und auch tiefsinnige Führung durch die Sinfonie der Aromen, die dieser besondere Ort hervorbringt. Von seiner Terrasse aus lässt Friedrich Groebe gern den Blick über seine Weinberge schwei­fen – einige befinden sich schon seit 250 Jahren im Familienbesitz. Solche Weinberge, eingebunden in ein sehr gesundes Ökosystem, zu kultivieren und das Beste aus dem herauszuholen, was das Terroir und das hervorragende Rebmaterial ihm bietet, macht ihn dankbar und zufrieden. Letztlich ist es jedoch auch der achtsame und handwerklich versierte Umgang, der einen guten Wein entstehen lässt – und da überlässt Friedrich Groebe nichts dem Zufall.

„Es bedarf einer Philosophie und handwerklicher Kunst, um einen guten Wein zu machen.“ FRIEDRICH GROEBE


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Ob bei der Arbeit im Weinberg oder im Keller – überall legt er persönlich Hand an, ohne Scheu, sich die Finger schmutzig zu machen. Auf seinem Traktor sitzt er mindestens so gern wie an seinem Flügel. Die jahrelange Erfahrung hat Friedrich Groebe gelassen und standfest gemacht, weder das immer unberechenbarer werdende Klima noch die aktuelle Pandemie scheinen ihn aus der Ruhe zu bringen. Eine Eigenschaft, die auch seinen Weinen zugutekommt: Er gönnt ihnen altes Holzfass, viel Geduld und Ruhe und krönt ihren großen Auftritt mit bestem Naturkork. Für ihn keine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern der Ästhetik und der Wertschätzung.

Die Weinberge in den besten Westhofener Kernlagen sind nur mit traditionellen Rebsorten bestockt. Einige davon sind seit dem Gründungsjahr 1763 im Familienbesitz

„Manchmal ist es auch nur ein sehr kontrolliertes Nichtstun, das zum gewünschten Ziel führt.“ Friedrich Groebe an seinem Flügel

Fotos: Alex Habermehl / Tretorri

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ein Sinn für Tradition und ein gelassenes Ignorieren von Trends und Modeerscheinungen sind Teil seines Stils. Diese Seelenruhe strahlt ab auf die großen Rieslinge, die im fünfhundert Jahre alten Weinkeller in der Kellergasse ruhen. Hier, innerhalb der südlichen Stützmauer des mit prächtigen Linden gesäumten Marktplatzes von Westhofen, schmiegen sich über vierzig Weinfässer aneinander. Alte, schwere Eichenfässer auf weingetränkten Pflasterböden erzählen spannende Geschichten der letzten Jahrhunderte: Von 1890 stammt das älteste Fass, das jüngste von 1967. Mit Fingerspitzengefühl und viel Augenmerk lässt Friedrich Groebe den Wein recht lange auf seiner natürlichen Hefe. Für ihn ist jede Flasche Wein konservierte Zeit, die nach Jahren der Reife wieder lebendig wird und die Sinne wundervoll beflügelt. „Manchmal ist es auch nur ein sehr kontrolliertes Nichtstun, das zum gewünschten Ziel führt“, sagt er. Raus aus dem Keller und nach oben ins Kirchspiel, im Norden von Westhofen. Ein majestä-

FRIEDRICH GROEBE

tischer Ort – das finden auch die Bussarde, die hier am „Spionskopf “ kreisen und nach Beute Ausschau halten. Die Reben von Friedrich Groebe sind teils wurzelecht, authentisch, unveredelt und auch manchmal stur. Im Frühjahr zwingt er sie durch kräftigen Rückschnitt, den Verzicht auf mineralische Düngung und natürliche Begrünung zur Nahrungssuche in die tieferen Schichten des Erdreichs. Die leicht erwärmbaren, gut durchlüfteten und steinigen Böden bieten beste Voraussetzungen für sehr kraftvolle und mineralische Rieslinge. Das stetige Wechselspiel des Mikroklimas in dieser Naturlandschaft erfordert jedoch auch ein sensibles handwerkliches Können und ein über Generationen gewachsenes Wissen des Winzers, um charakterstarke, einzigartige Weine entstehen zu lassen. „Wir sind nun mal ein Handwerksbetrieb und keine Großkellerei“, sagt Friedrich Groebe zum Abschied. Und beweist einmal mehr, dass die leisen Töne oft n die schönste Musik erzeugen.

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Sushiholic

Die flambierte Lachs-Avocado-Bowl

Küchenchef Kenny Doung und Geschäftsführer Le Minh Nguyen

Das beliebte Sushi-Restaurant Kaoru am Osthafenplatz im Ostend eröffnet eine zweite Filiale in Frankfurt. Ab dem 1. Mai ist das Lokal auch in Bockenheim zu finden. Damit schreibt Geschäftsführer Le Minh Nguyen seine Erfolgsgeschichte weiter: Erst im vergangenen Jahr eröffnete er – nach Stores in Mannheim, Ludwigshafen

gourmet news „Le Bistro 66“

und Heidelberg – die erste Filiale in Frankfurt. „Die Nachfrage war direkt riesig“, so Le Minh Nguyen, „schnell habe ich festgestellt, dass ein Standort nicht ausreicht.“ Neben klassischen Sushi-Köstlichkeiten wie Maki, Nigiri, Gunkan und diversen Rolls gibt’s im Kaoru auch frische Bowls sowie warme Hauptgerichte.

Die beiden Inhaber Ruairi O’Hehir und John Ervin in ihrer Baile Bar

im Westend

Les Deux Messieurs auf der Bockenheimer Landstraße heißt jetzt „Le Bistro 66“. Neu ist zwar der Name, das Konzept des charmanten Mix aus Boulangerie, Café und Bistro ist aber lediglich erweitert worden. „Neben unseren beliebten Klassikern wie frischen Croissants, Quiche Lorraine oder kleinen Sahne-Törtchen mit Beeren bieten wir nun neue exquisite Speisen an, auch to-go: frische Salate, TrüffelPasta, hausgemachte Suppen und Flammkuchen“, sagt Inhaber Philip Ricken, der sich von seinem alten Geschäftspartner getrennt hat. Nun stärkt ihm Compagnon Donald Casi den Rücken. Zusammen haben sie den Laden aufgepeppt: Neue Tische, bequeme Stühle und angenehmes Licht laden zum Verweilen ein!

Das Beste aus

Irland

Geschäftspartner Donald Cani und Philip Ricken mit seiner Tochter Donela

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„Baile bedeutet auf Irisch ‚Heimat‘ und wir möchten in unserer Bar eine heimelige und einladende Atmosphäre schaffen“, erklären die Inhaber der Baile Bar John Ervin und Ruairi O’Hehir. Auf der Darmstädter Landstraße, mitten im Herzen Sachsenhausens, bieten die beiden neben irischem Whiskey und Cocktails eine große Auswahl an verschiedenen Biersorten an. Und: „Nicht zu vergessen, unseren frisch gemahlenen Kaffee“, ergänzen sie. Außerdem im Angebot: Kleine Snacks wie Irish Scones, täglich wechselnde Muffin-Variationen und traditionelle irische Weizenbrötchen aus Vollkornmehl und Buttermilch. Alles typisch irisch eben.


Fresh at Home Eine Pandemie macht er finde risch. Gutes Beispiel dafür ist das familien­geführte Restaurant Goc Pho in der Frankfurter Innenstadt. „Plötzlich waren wir gezwungen, uns zu überlegen, wie wir unseren Gästen weiterhin eine Freude bereiten können“, erzählt Dennis Godhardt, der das vietnamesische Restaurant zusammen mit seiner Frau Kim Giang Ta führt. „Die Ursprungsidee war, dass unsere Gäste unser Essen frisch zu Hause nachkochen können. Danach haben wir uns gefragt:

Warum verkaufen wir nicht auch unsere hausgemachten Soßen to-go?“ Das kam so gut an, dass die Familie PhamGodehardt einen eigenen Online-Shop eröffnete. „Probiert und verliebt – so ein Feedback hören wir oft und das macht uns natürlich stolz“, sagt Godhardt.

Fotos: Andy Ruiz, Privat, Florian Schönwald

Healthy makes Heppy „Choose kindness“ leuchtet in pinken NeonBuchstaben über dem Eingang des neuen Lokals Heppy Green auf der Stiftstraße. Der Name ist Programm: An der Decke und den Wänden ranken sich zahlreiche Zimmerpflanzen. „Wir sind eine grüne Oase, in der man dem stressigen Arbeitsalltag für einen Moment entfliehen kann“, beschreibt Erol Altunel, einer der drei Inhaber, das Konzept. Doch nicht nur die Deko ist grün: Neben saftigen Burgern und knusprigen Süßkartoffelund Trüffel-Pommes, findet man auf der Speisekarte auch eine große Auswahl an bunten Salaten, farbenfrohen Bowls und veganen Sandwiches. „Unser Credo: Eat fresh. Wir produzieren daher alle Produkte selbst und in Eigenregie“, so Altunel.

Erfreuliches aus der Region: Fünf Restaurants aus dem Taunus wurden mit dem „Hessen á la carte“-Zertifikat prämiert. Die Auszeichnung würdigt hervorragende regionale Küche und hohe Qualität. James Ardinast ist der Kopf des Jahres 2020. Der Frankfurter Gastronom setzte sich im Online-Voting der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung (AHGZ) gegen fünf andere Kandidaten durch. Der Berliner Rapper und „4-Blocks“Schauspieler Massiv plant in Frankfurt einen Döner-Imbiss zu eröffnen. Im „Habibo Döner“ möchte er eine besondere Variante des türkischen Gerichts anbieten. Welche das ist und wo der Laden entstehen soll, ist noch geheim.

Die drei Inhaber Yesef Tecle, Erol Altunel und Pete Radoslaw Szymik

Cheers, Bud Spencer! Da sich der italienische Schauspieler Bud Spencer in seinen Filmen gerne mal einen guten Whisky genehmigte, brachte Andreas Thümmler, Gründer von Deutschlands größter, preisgekrönter Whiskydestillerie St. Kilian in Rüdenau, den „Bud Spencer Single Malt“ auf den Markt. Der Whisky aus 100 Prozent reinem Gerstenmalz ist über drei Jahre in amerikanischen Bourbon- und italienischen Amarone-Fässern gereift. Thümmler: „Alle kennen und lieben Bud Spencer, der rund um die Welt furchtlos und unkonventionell für Recht und Gerechtigkeit kämpft. Wie ein guter Whisky hält er sich ewig und ist quasi unsterblich.“ Das Etikett ziert Bud Spencer samt seiner legendären Faust. Für noch härtere Jungs und Mädels gibt es den Bud Spencer Whisky ab sofort auch in rauchig, verkündet St. Kilians. Da schlagen viele Fans rund um den Globus sicher freudig zu. Banker und Whiskyproduzent Andreas Thümmler mit dem Single Malt „The Legend“ in seiner Destillerie St. Kilian

Dennis Godehardt mit Ehefrau Frau Kim Giang Ta

Endlich Klarheit: Markus Schmid tritt in die Fußstapfen seiner Eltern und übernimmt den „Nachtwächter“. Das Traditionslokal in Obertshausen, Kreis Offenbach war seit Anfang des Jahres geschlossen. Nach einigen Umbauarbeiten möchte der neue Pächter Anfang Mai wiedereröffnen. Wein trinken für den guten Zweck: Den Hauswein des Gibson kann man ab sofort direkt beim Weingut Tesch bequem zu sich nach Hause bestellen. Pro geliefertem Paket von sechs Flaschen gehen zehn Euro an den durch die Pandemie finanziell angeschlagenen Club. #tannibleibt – um die Kultkneipe „Zum Tannenbaum“ in Bockenheim zu retten, haben Stammgäste eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Spenden kann man über eine Website, außerdem gibt es für die Aktion einen eigenen Instagram-Kanal und den zugehörigen Hashtag. Auf der Martin-May-Straße in Sachsenhausen gibt es nun Hausmacherwurst im Hofverkauf. Dahinter steckt das Team die „Worscht Designer“. Die Wurst, die nach altbewährter Tradition hergestellt wird, kann zudem auch online erworben werden. Traurige Neuigkeiten aus Langen: Das französische Restaurant „Mosbach“ schließt nach 40 Jahren. Mit den Worten „Merci et à bientôt“ verabschiedet sich Familie Mosbach auf der Website von ihren Gästen. Hoffnungsschimmer: Über Zukunftspläne wolle man zeitnah informieren.

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Gourmet für

Nachtschwärmer Die Geschäftspartner Alberto Soldan und Franco Grande (3. v. l.) mit den Managing Directors der Flemings Hotels Rob Hornman und Razvan Ilyes

Eine Grande-Spezialität: Pizza Gourmet

Vom Opernplatz direkt in die City: Im Sommer verwöhnten Vini da Sabatini-Chef Franco Grande und Geschäftspartner Alberto Soldan aus dem Eissalon Cor tina 2.0 die Frankfurter mit ihrem Pop-up-Store „ A l l ’ O p e ra“ – j e t z t h a t da s Duo das Ristorante „Grande“

im schicken Erdgeschoss des Fleming‘s Hotel am Eschenheimer Tor eröffnet. Grande: „Bis 2 Uhr nachts haben wir warme Küche. Unsere ‚Grilleria‘ bietet diverse Fleisch- und Fischgerichte.“ Auch auf der Speisekarte: Gourmet Pizza mit Avocado, Lachs und Kaviar,

Gnocchi al Pesto Rosa oder hausgemachtes Gelato. Zu den norditalienischen Genüssen gibt’s donnerstags bis samstags DJ-Musik. Im Sommer soll die große Außenterrasse bespielt werden: „Von Business Meetings, Taufen oder Hochzeiten – bei uns ist alles möglich!“

gourmet news Gesundes Fast Food

To Go

„In Frankfurt ist es schwierig, ein schnelles, g e s u n de s M i t t a g e s s e n z u k r i e g e n , da s schmeckt“, sagt Andrea Wellhausen. Deshalb eröffnete die Top-Werberin nach dem erfolgreichen Probelauf ihres Pop-up-Stores im Oeder Weg jetzt ihr eigenes Restaurant Vegins am Dornbusch. Unterm Motto „Taste can change everything“ gibt es interDie Seafood-Bowl mit Nori-Tofu, Seespargel und Sesamgurke nationale Gerichte, die man so nicht unbedingt auf einer veganen Speisekarte erwartet. Traditionelle arabische, griechische, italienische, deutsche und spanische Speisen und mediterrane Fusions-Küche, alles auf pflanzlicher Basis: Hummus, serviert mit würzigem Vegins Mix-Hack zum Beispiel, SojaHackbällchen mit veganem Käse, knusprige Pommes mit Mayo. Die Veganerin ist überzeugt: „Viele Menschen wissen gar nicht, wie gesund und lecker Fast Food sein kann. Das Ziel von Vegins ist es, gesundes und schmackhaftes To-go-Essen zu etablieren.“ Andrea Wellhausen in ihrem veganem Restaurant Vegins am Dornbusch

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Eintracht-

Star

macht

Hafermilch Kevin Trapp präsentiert seine neue Hafermilch auf Instagram.

Eintracht-Keeper Kevin Trapp macht jetzt Hafermilch – und die kommt auch noch aus der Rhein-Main-Metropole! Das Fr ank fur ter Unter nehmen „ M o e l k C o m p a n y “ ko n n t e sich unter der Leitung von Geschäftsführer Alexander Schiffl den Promi als Cofounder ins Boot holen. Bereit s mehrmals präsentier te der Keeper auf seinem Instagram-

Kanal die stylische fliederfarbene Milchpackung. Seit Februar findet man den veganen Ersatz im Supermarktregal, der laut Trapp „total en vogue“ ist. Schiffl: „ Aus handfestem französischem Hafer, keine Nüsse, kein Soja, kein Gluten – zero bullshit. Fürs Müsli, als Basic im Latte Macchiato oder für 100 Prozent cloudy Schaum auf dem Cappuccino.“


gourmet

Authentische

18.000 Euro erzielte die 12-Liter-Flasche von „Monte Vacano“ vom Weingut Robert Weil. Das zauberte Winzer Wilhelm Weil, der den Wein vorstellte, für den ganzen Abend ein strahlendes Lächeln ins Gesicht .

Ramen-Suppen Kein Aprilscherz – am 1. April eröffnete auf der Moselstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel das japanische Restaurant Sorihashiya. Das Konzept ist herrlich einfach: „Bei uns gibt e s a u s s c h l i e ß l i c h R a m e n “, sagt Geschäftsführer Takay­ uki Tamura. Die japanische Nudelsuppe liegt aktuell voll im Trend. Im Sorihashiya setzt man dabei auf höchste Qualität: „Wir stellen täglich nur eine begrenzte Menge her und schließen unser Restaurant, sobald diese ausgeschöpft ist.“ Schnell sein lohnt sich also. Weiterer Vorsatz des Inhabers:

„Wenn ich mit der Qualität der Suppe nicht zufrieden bin, werde ich das Restaurant an diesem Tag nicht öffnen.“ Klingt ungewöhnlich, Tamura ist aber sicher: „Das zahlt sich aus. Nur Perfektion macht die Menschen glücklich!“

18.000 Euro 

Küchenchef Atsuki Sorihashi

Fotos: Michael Hohmann, Grande, Wizo / Nicole Trost, Kevin Trapp / Instagram, Andrea Wellhausen, Matthias Brückne, Sorihashiya

Die beliebte Ramensuppe im Sorihashiya

Riesling

Die alljährliche Weinversteigerung des Weinguts Kloster Eberbach mit dem VDP Rheingau feiert auch in Pandemiezeiten Erfolg: 4.181 Tropfen kamen unter den Hammer, 255.000 Euro wurden erzielt. Die Traditionsveranstaltung, bei der normalerweise jeder ausgerufene Wein – mit Ausnahme der Raritäten – den Gästen auch eingeschenkt wird, fand zum ersten Mal digital statt. Das hat die Teilnehmer offensichtlich nicht davon abgehalten, fleißig zu bieten. Mit stolzen 18.000 Euro war die 12-Liter-Flasche von „Monte Vacano“ vom Weingut Robert Weil Abräumer des Abends. Ein trockener Riesling (Jg. 2018), der vergangenes Jahr erstmals vorgestellt wurde. Dirk Würtz vom VDP-Weingut St. Antony begeistert: „Was für eine Wertschätzung, nicht nur für Robert Weil, sondern für den großen deutschen Riesling an sich. Großartig!“

Shakshuka à la Molcho Jung-Gastronomin Nicole „Kiki“ Trost vom Frankfurter Food-Startup Trinitii interviewte Haya Molcho, Gründerin der israelischen Restaurantkette Neni, beim Shak­ shuka-Kochen. Zum Zoom-Cooking für den guten Zweck hatten die Wizo-Vereine Frankfurt und Köln eingeladen. Dutzende Frauen verfolgten, wie das israelische Nationalgericht mit Tomaten und Eiern perfekt gelingt – und dass man sogar bunte Tomaten verwenden darf. Powerfrau Molcho – Chefin von zwölf Szene-Restaurants von Wien bis Tel Aviv, eröffnet demnächst das erste israelische Res­ taurant überhaupt in Dubai im 25hours Hotel – machte Mut: „Denkt nicht darüber nach, dass ihr etwas nicht schaffen könnt! Bleibt authentisch und offen für die ganze Welt.“ 5.350 Euro für Jugendliche aus sozial schwachen Familien kamen zusammen.

Während Kiki Trost sie interviewt, bereitet Powerfrau Haya Molcho Shakshuka in ihrer Küche zu.

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Kultur für Zuhause

Seit gut einem Jahr ist die Kultur in unserem Land so gut wie lahmgelegt. Statt Livekonzerten und Museumsbesuchen sind nur noch virtuelle Auftritte und Online-Ausstellungen möglich. Viele Institutionen haben sich umgestellt und präsentieren sich im Netz. Mal ist es für sie nur Ersatz, mal aber auch eine willkommene Chance. Wir sprachen mit den Machern der Frankfurter Kulturszene und stellen die interessantesten digitalen Angebote der Institutionen in unseren Online-Kultur-Tipps vor.

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ebastian Weigles Lebensumstände sind auf den Kopf gestellt. „Ich empfinde es als Katastrophe, nicht auftreten zu können, unsere Kunst nicht dem Publikum live zu präsentieren, das ist ein grauenvolles Gefühl, fast nicht gebraucht zu werden“, schreibt uns der Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt aus Tokio. Regine Schmitt, Geigerin des von ihm geleiteten Opern- und Museumsorchesters, kann da nur zustimmen. Bis auf die leichte Lockerung im vergangenen Sommer ist sie, wie ihre 114 Kollegen, seit einem Jahr Zuhause und ohne jegliche Auftrittsmöglichkeit. „Das gab es noch nie. Seit ich fünf Jahre alt bin, ist die Musik der

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rote Faden in meinem Leben. Nicht öffentlich spielen zu können, ist eine Entbehrung“, sagt sie, die zugleich Mitglied des Orchestervorstands ist. Zu ihrem Glück sind die Musiker des Orchesters fest angestellt, derzeit in Kurzarbeit, und müssen nicht um ihr Auskommen bangen, wie so viele ihrer freiberuflichen Kollegen. Gerade durfte Regine Schmitt das erste Mal seit Beginn des Lockdowns im vergangenen Winter sogar wieder mit einer Kollegin und zwei Kollegen zusammen spielen, ein Klavierquartett von Johannes Brahms – allerdings nur für ein virtuelles Publikum. Seit einigen

Fotos: Oper Frankfurt/ Monika Rittershaus, Roland Horn

Von Sabine Börchers


Unter dem Titel „Oper Frankfurt Zuhause“ bietet die Oper Frankfurt freitagabends kostenlose Livestreams an. Hier zu sehen: „Nur wer die Sehnsucht kennt“ – Tschaikowski-Lieder inszeniert von Christof Loy.

Monaten bietet die Oper Frankfurt unter dem Titel „Oper Frankfurt Zuhause“ freitagsabends kostenlose Livestreams an. Gerade stand zum ersten Mal ein Kammerkonzert mit Mitgliedern des Orchesters auf dem OnlineProgramm. „Das war schon aufregend, wenn man live spielt und die ganze Welt kann einem zusehen, aber man selbst sieht nur die Kameraleute“, erzählt Regine Schmitt. Die Oper betreibe für das virtuelle Angebot einen enormen Aufwand. Streams mit dem Orchester seien ebenfalls geplant. Wie diese aussehen, in welcher Besetzung sie überhaupt möglich sind, das könne aber nur kurzfristig  festgelegt werden.

„Livestream: Bühne frei!“: Das Frankfurter Opern- und Museumsorchesters präsentiert sich online. Neben Violinistin und Vorstandmitglied Regine Schmitt (3. v.l.) wirken unter anderem Elisabeth Friedrichs, Florian Fischer und Takeshi Moriuchi mit.


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Sebastian Weigle Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt und Chefdirigent des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra / Tokyo

Über Grenzen hinweg Sebastian Weigle ist dann auch wieder zurück in Frankfurt. Seit Dezember verbrachte er drei Monate in Japan, wo er mit dem Yomiuri Nippon Symphony Orchestra arbeitete, dessen Chefdirigent er seit 2019 ebenfalls ist. Das Land gehe etwas anders und mutiger mit der Pandemie um. „Es wird hier als lebensrelevant eingeschätzt, Kultur zu erleben.“ So konnte Weigle einige Konzerte dirigieren, Tschaikowski, Bruckner und die Neunte Sinfonie von Beethoven sogar mit Chor. „Allesamt riesengroß, und das Publikum sitzt mit Maske und applaudiert kräftigst, aber ohne dieses starke Ausrufen von Beifallskundgebungen. Sie heben stattdessen Transparente, auf die sie ihre Gefühle draufgeschrieben haben und klatschen entsprechend länger“, berichtet der Dirigent. Danach werde der Saal langsam Reihe für Reihe geleert, „beispielhaft, grandios, in einer Ruhe und Gelassenheit.“ Yomiuri Nippon Symphony Orchestra meets Frankfurter Opern- und Museumsorchester. 107 Musiker*innen trafen sich im Sommer im digitalen Raum und spielten gemeinsam das Vorspiel von Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“.

Das Ergebnis ist auf YouTube unter dem Stichwort „Frankfurter Opern- und Museums­ orchester“ ebenso zu finden, wie ein weiteres Projekt, das gemeinsam mit Eintracht Frankfurt entstand. Dafür spielten die Musiker wieder einzeln Zuhause die „Eintracht am Main-Hymne“ ein und betätigten sich dabei sogar noch in unterschiedlichen Sportarten. Mehrere zehntausend Aufrufe habe das Video bereits. Es brachte nicht nur das Orchester in die Köpfe der Frankfurter zurück: „Wir wurden auch dazu gezwungen, uns in dieser Zeit technisch weiterzuentwickeln“, stellt Regine Schmitt fest. Das habe für die Zukunft positive Aspekte. Vorreiterrolle in der Kultur Die Corona-Krise hat der Digitalisierung in der Kulturbranche insgesamt einen Schub gegeben – es gibt immer mehr virtuelle Angebote, nicht nur in der Musik. „Digitale Formate können vielen Menschen gerade jetzt in der Pandemie den Zugang zu Kulturgütern erleichtern oder neu eröffnen, weil sie unabhängig von Zeit und Raum zugänglich sind“, stellte die hessische Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn kürzlich fest. Während musikalische Institutionen während der Corona-Krise kurzfristig Möglichkeiten für Livestreams entwickeln mussten, beschäftigen sich die Frankfurter Museen schon seit Längerem mit diesem Thema, wie die Digitalstrategien beweisen, die das Historische Museum und das Jüdische Museum bereits vor deren Wiedereröffnung in 2017 bzw. 2020 erarbeitet hatten. „Das Thema war uns schon lange bewusst. Jetzt haben wir eine Vorreiterrolle unter den Kultureinrichtungen“, stellt die

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Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt), Anthony Boyd Graphics, Oper Frankfurt/Youtube

„Es wird hier in Japan als lebensrelevant eingeschätzt, Kultur zu erleben.“

Dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester bleibt bisher nur das virtuelle Konzert. Das allerdings hat den Vorteil, dass es über alle Grenzen hinweg möglich ist. So haben die Musiker im Sommer gemeinsam mit den Kollegen des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra aus Tokio das Vorspiel zu Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ gespielt. Jeder Musiker hat dafür aus seinen eigenen vier Wänden ein Video aufgenommen. Die Einzelaufnahmen wurden im Studio zusammengefügt. „Damit man Hunderte Aufnahmen zu einem Stück zusammenschneiden kann, müssen alle Musiker exakt auf der gleichen Tonhöhe sein, dasselbe Tempo und dieselbe musikalische Interpretation spielen. Dass am Schluss ein Stück mit allen Stimmen, die in der Partitur stehen, rauskommt, ist ein technisch wirklich enorm hoher Aufwand, der sehr viel Geschick erfordert“, erläutert Regine Schmitt.


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Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig fest, die es sich zum Ziel gesetzt hat, dass alle städtischen Sammlungsbestände möglichst bald digital zugänglich gemacht werden sollen. Dafür will sie sich für eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Museen einsetzen. Virtueller Stadtführer „Wie die Museen sich aufstellen, entscheidet derzeit über ihre Relevanz“, betont Miriam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums, das sich heute schon als „postdigitales“ Haus versteht, in dem digitale Nutzungen integrierter Bestandteil des Museums sind. Das gilt nicht nur für die Besucher vor Ort. Auch die Angebote, die Inhalte vom heimischen Sofa aus kennenzulernen, sind groß. „Wir bieten wöchentlich derzeit zwei bis drei digitale Veranstaltungen an und kommunizieren mit rund 30.000 Menschen“, erläutert Wenzel. Das sei das Zehnfache der Besucherzahlen, mit denen sie physisch rechne.

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Fotos: Jüdisches Museum Frankfurt

eben den Veranstaltungen, bei denen im Dezember beispielsweise der Pianist Igor Levit und der Publizist Michel Friedman zu Gast waren, gibt es auf der Internetseite des Museums umfangreiche Online-Ausstellungen wie jene zur Familiengeschichte von Anne Frank mit vielen privaten Fotografien, eine, die in das Museum Judengasse führt und viele dortige Ausstellungsstücke präsentiert sowie eine weitere zum Künstler Ludwig Meidner. Um ihn und sein Werk kennenzulernen, kann man sich nach einer Einführung zu unterschiedlichen Stichpunkten jeweils durch eine kleine

Regelmäßig veranstaltet das Jüdisches Museum Live-Talks.

Bilderausstellung klicken, sie sich groß anzeigen lassen und immer wieder Informationen dazu erhalten. Auf diese Weise begleitet man Meidner von seinem Frühwerk bis in die Nachkriegszeit, sieht Briefe und Zeichnungen, in denen er sein Exil und die Gräuel des Holocaust verarbeitet. Die App „Unsichtbare Orte“, ein virtueller Stadtführer des Jüdischen Museums und des Historischen Museums, führt ihre Nutzer auf Spurensuche durch Frankfurt.

Wer sich lieber vom Sofa wegbewegen möchte, kann die Online-Angebote sogar bei einem Spaziergang durch die Stadt nutzen. So hat das Museum in Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt eine App unter dem Titel „Unsichtbare Orte“ entwickelt, die den Nutzer wie ein virtueller Stadtführer an die Orte führt, die an die Geschichte Frankfurts nach 1945 erinnern und die Vielfalt der Stadt zeigen. Im Mittelpunkt stehen Erzählungen von Migrantinnen und Migranten in Frankfurt. Man entdeckt dabei etwa in Zeilsheim die Geschichte von jüdschen Fußball-Clubs, griechische Pelzhändler im Bahnhofsviertel oder türkische Restaurants im Ostend. Die App ist kostenlos auf der Internetseite des Museums herunterzuladen. Über Instagram lassen sich an Ort und Stelle zudem eigene Fotos und Stories in die App laden und mit anderen Nutzern teilen.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, alles, was man digital gesehen hat, weckt die Neugierde auf das Original.“ Miriam Wenzel Direktorin Jüdisches Museum

Neugierde wecken Eine stärkere Interaktion mit Nutzern verspricht sich auch das Historische Museum von seinen neuen Angeboten. „Wir wollen damit die Vielstimmigkeit in unserer Arbeit erhöhen“, stellt sein Direktor Jan Gerchow fest. Neben Online-Führungen und -Veranstaltungen, der Datenbank der Sammlung sowie digitalen Ausstellungen, wie etwa der zu 100 Jahren Frauenwahlrecht, bietet das Museum daher unter anderem im digitalen Stadtlabor die Möglichkeit, sich mit eigenen hochgeladenen Beiträgen zu beteiligen. Damit entstehe eine subjektive Sammlung digitaler Objekte, betont Gerchow und gibt noch einen Ausblick: „Wir entwickeln außerdem gerade Online-Besuche und -Führungen in 3D. Eine Lehre aus der 

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Regine Schmitt Geigerin und Orchestervorstand des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters

Oper Frankfurt im Corona-Modus: Der Herrenchor tritt jetzt mit Maske auf.

Corona-Pandemie ist, dass digitale Vermittlungsangebote immer wichtiger werden.“ Dass die Museumsbesucher künftig die Angebote nur noch vom Sofa aus nutzen und den Museen fernbleiben, befürchtet seine Kollegin Miriam Wenzel nicht. „Wir haben die Erfahrung gemacht, alles, was man digital gesehen hat, weckt die Neugierde auf das Original.“ Darauf hoffen auch andere Institutionen, die den Kulturgenuss derzeit digital in heimische Wohnzimmer bringen. Das Ensemble Modern etwa bietet seine Happy-New-Ears-Konzerte im

Online Kultur Tipps

Das Online-Angebot des Jüdischen Museums ist so umfangreich wie kein anderes einer solchen Institution in der Stadt. Neben sehr informativen Online-Ausstellungen, der App „Unsichtbare Orte“ gibt es auch einige frei zugängliche Inhalte aus dem Projekt „Museum To Go“, für das man eigentlich ein Museumsticket braucht. Hier findet sich etwa das Apfelkuchenrezept von Leni Frank, der Tante Anne Franks. Dass man digital in der Sammlung stöbern kann, dass es digitale Mittagsgespräche, Informationen auf den Social-Media-Kanälen und einen Blog mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte und Kultur gibt, versteht sich fast von selbst. Die Kunsthalle Schirn in Frankfurt hat bereits weit vor der Corona-Pandemie ein umfangreiches Online-Programm zu ihren Ausstellungen angeboten. Auch aktuell kann man dort im

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Streaming sei kein Ersatz für das Live-Erlebnis, betont auch Generalmusikdirektor Sebastian Weigle. „Wir vermissen unser Publikum schrecklich und ich denke, das geht dem Publikum nicht anders. Wir sind bereit, wir wollen!!!“, schreibt er weiter. Regine Schmitt räumt ein, dass, je länger der Lockdown dauere, bei den Musikern die Befürchtungen wachsen: „Gewöhnen wir gerade der Gesellschaft die Kultur ab? Digitale Medien helfen, aber ich glaube, der Mensch braucht, um gesund zu bleiben, Musik und Kultur als Ventil“, sagt die Geigerin. Im Moment traue sich aber niemand, irgendeine Veranstaltung zu planen, nicht einmal für das kommende Jahr. Die Musiker des Orchesters haben dagegen bereits seit Dezember ein Konzept in der Schublade und warten nur darauf, wieder live spielen zu dürfen. Unter dem Motto „Mahnwache. Musikkultur live“ wollen sie jeden Dienstag, mittags von 13.15 bis 14 Uhr, in der Katharinenkirche in kleinen Ensembles auftreten. Andere Orchester in Hessen, etwa in Kassel oder Gießen, wollen das Konzept übernehmen und es genauso machen. Jeder soll dort – unter entsprechenden Hygieneregeln – kostenlos Musik erleben können. „Wir wollen zeigen, dass Musik auch weiterhin mitten im Leben ihren Platz hat“, sagt Regine Schmitt. n

vielfältigen multimedialen „Digitorial“ anhand von Texten, Bildern und Musik die jeweilig ausgestellte Kunst entdecken, sich in extra zu buchenden Webinaren weitreichender mit den Themen beschäftigen und sogar online mit den Kuratorinnen der Ausstellung chatten.  Auch eine Podcastreihe ist geplant. Kunst entdecken mit dem multimedialen „Digitorial“ der Kunsthalle Schirn.

Fotos: Oper Frankfurt/ Barbara Aumüller, Schirn Kunsthalle Frankfurt 2021/Norbert Miguletz

„Gewöhnen wir gerade der Gesellschaft die Kultur ab? Digitale Medien helfen, aber ich glaube, der Mensch braucht, um gesund zu bleiben, Musik und Kultur als Ventil.“

Livestream an. Der Jazzkeller streamt regelmäßig Konzerte, das Schauspiel Frankfurt bietet Kurzfilme, Probenmitschnitte und Live-Übertragungen und die vor der Pandemie gerade erst eröffnete Volksbühne im Großen Hirschgraben hat passenderweise eine Online-Trilogie auf YouTube gestellt, unter dem Titel „Sinnlose Gespräche in einem nutzlosen Theater“.


WIR FÜR FRANKFURT. frankfurt-business.net

#wifoezeigtgesicht


Das „Music Discovery Project“ des hr-Sinfonieorchesters hat Tradition – statt des Auftritts in der ausverkauften Jahrhunderthalle gab’s diesmal unter dem Titel „Schwerelos“ einen Online-Stream aus dem hr-Sendesaal. Special Guest: Singer und Songwriter Pohlmann.

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Max Beckmanns „Selbstbildnis mit Sektglas” (1919) war bereits Thema im neuen Podcast „Städel Mixtape” des Städel Museums.

Das hr-Sinfonieorchester und die hr-Bigband streamen bereits seit November alle geplanten Konzerte live aus dem hr-Sendesaal. Dabei denken die Musiker, denen es wichtig ist, dass in dieser schwierigen Zeit „ihre Stimmen nicht verstummen“ auch an freischaffende Kollegen. So lädt die Bigband immer wieder Gastsolisten aus der hessischen Jazzszene dazu und beide Orchester rufen zu Spenden an den Nothilfe-

fonds der Deutschen Orchesterstiftung auf. Unter dem Motto „Konzerte ohne Publikum“ sind viele der Livestreams auf der Website www.hr-sinfonieorchester.de auch anschließend noch zu finden. Das Literaturhaus Frankfurt streamt regelmäßig Lesungen und Literaturgespräche. So präsentiert etwa der dänische Autor Jonas Eika am 29. März sein Buch „Nach der Sonne“, zuvor, am 25., spricht Marlene Streeruwitz über ihren Roman „Flammenwand“ und über Menschenrechte in der Literatur. Die Tickets dazu kosten jeweils fünf Euro. Die Romanfabrik sendet regelmäßig live auf ihrem „Corona-Kanal“ ein sehr abwechslungsreiches Kulturprogramm und bittet dabei um Spenden. Die Videos von Ensemblemitgliedern der Jungen Deutschen Philharmonie, die gemeinsam mit Wolfram Koch Kompositionen und Texte aus Lateinamerika präsentieren, über „Hölderlin in Frankfurt“ bis hin zur Hesselbach-Lesung von Jo van Nelsen, sind live und auch anschließend auf YouTube zu sehen. Vorträge und Debatten zur Identität Europas gibt es dort in der Reihe „Café Europa“. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt, gerade 200 Jahre alt geworden, zeigt in einer Videoserie „Museum A bis Z“ kurze Clips zu den Buchstaben des Alphabets mit Fakten von A , wie Architektur, bis L , wie Landschaft. Alle zwei Monate lädt das Museum auf www.hlmd.de/vermittlung in einem Podcast mit Museumsdirektor Dr. Martin Faass zum Plausch auf dem Grünen Sofa mit Künstlern und Experten ein, etwa mit der Stylistin Julia von Boehm zur Peter-Lindbergh-Ausstellung.

Fotos: hr/Ben Knabe, Städel Museum

Das Städelmuseum und auch das Liebieghaus Skulpturensammlung bieten ebenfalls unter dem Titel „Museum für zu Hause“ fast täglich umfangreiche Online-Formate an. Dazu zählen Online-Touren, in denen Kunstvermittler in die Ausstellungen einführen. Online-Sessions bieten interaktiv und multimedial Hintergrundinformationen zu einzelnen Themen und im Online-Dialog diskutieren zwei Kunstexperten miteinander, beantworten aber auch Fragen der Zuschauer. Eine einstündige Veranstaltung kostet fünf Euro pro Teilnehmer.


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Zur aktuellen Ausstellung gibt es ebenfalls per Video ein Gespräch zwischen dem Künstler Tomás Saraceno, der Rektorin der Städelschule, Yasmil Raymond, und dem Spinnenforscher Peter Jäger.

#UnitedWeStream meldet sich mit Musikübertragungen aus den Corona-bedingt geschlossenen Clubs des Landes zurück. Auch die Clubs aus dem Rhein-Main-Gebiet haben sich im vergangenen Jahr der Initiative angeschlossen. Unter https://frm.unitedwestream.org/ wird an den Wochenenden live aus dem Tanzhaus West oder anderen Clubs gestreamt.

Fotos: HLMD, Keltenwelt am Glauberg

Zweimal im Monat lädt der Pianist Kirill Gerstein mit der Kronberg Academy zur Diskussionsrunde ein. Unter dem Titel „Kirill Gerstein invites …“ spricht der Pianist, der an der Kronberg Academy unterrichtet, mit Persönlichkeiten aus Klassik, Jazz, Philosophie oder Musikwissenschaft. Die Diskussionen in englischer Sprache können im Livestream verfolgt oder bei YouTube später angeschaut werden. Live laden sie zur Interaktion ein. Studierende und Gäste können sich über Chat, Audio oder Video aktiv beteiligen und Fragen stellen. Die Studierenden der Academy stellen sich auf der Internetseite zudem in kleinen „Glimpse-Videos“ vor. Die Keltenwelt am Glauberg liegt etwas abgelegen. Den langen Anfahrtsweg kann man sich derzeit sparen und stattdessen per Video den Fundort des Keltenfürsten und das Museum anschauen. Unter „Keltenwelt digital“ sind Ausstellungsstücke wie der goldene Fingerring oder die Statue des Keltenfürsten interaktiv in 3D-Modellen von allen Seiten zu sehen. Kurze Filme erklären, wer die Kelten waren und wie etwa der Körperpanzer des Keltenfürsten aussah. Wer deutschlandweit die Museumslandschaft besser kennenlernen möchte, kann das auf

#closedbutopen tun. Dort stellen sich die unterschiedlichsten Einrichtungen, vom Ozeaneum in Stralsund über das Schloss Charlottenburg bis zum Bayerischen Nationalmuseum, auch mit ihrem jeweiligen Online-Programm vor. Und warum nicht virtuell über die Grenzen gehen und statt des Städels einfach mal den Louvre besuchen. Laut Statistiken des berühmten Pariser Museums hat ein Besucher normalerweise durchschnittlich 30 Sekunden Zeit, sich Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ anzuschauen – dann drängeln ihn die anderen Menschen auch schon weg. Virtuell sieht das ganz anders aus. Eine neue App macht das eigene Smartphone zur VR-Brille: Damit kommt man dem Gemälde näher als dies selbst im leeren Louvre jemals möglich wäre und bekommt dazu noch den neuesten Stand der Forschung zum berühmtesten Bild der Welt geboten. Auch das Globe Theatre in London ist digital geöffnet. Auf www.shakespearesglobe.com kann man derzeit kostenlos Produktionen wie Romeo und Julia von 2019 sehen. Und wer über das Rhein-Main- Gebiet hinaus Musik genießen möchte: Igor Levit hat seine Hauskonzerte wieder aufgenommen. Jeden Abend spielt der Pianist ein kleines Konzert von zu Hause aus, wie er es auch schon im Frühjahr getan hat. Levit schrieb am Wochenende auf Twitter, wo er die Konzerte auf https://twitter.com/igorpianist streamt: „Momente, so kurz sie auch sein mögen, die einfach Schönes geben, sind wichtig.“ Über www.arte.tv/de/arte-concert kann man sich zudem Stars wie Daniel Hope, der über Hope@Home Konzerte in seinem Berliner Wohnzimmer live streamt, oder Julia Fischer, Opern und Popkonzerte nach Hause holen. n

„Momente, so kurz sie auch sein mögen, die einfach Schönes geben, sind wichtig.“ Igor Levit Pianist

Das Museum Keltenwelt am Glauberg in Glauburg setzt auf 3D-Scanning und bietet digitale Einblicke in seine Sonderausstellungen. Hier zu sehen: Die „Fürstenfiguren“

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Wissenschaftler mit Entdecker-Gen Seit dem 1. Januar 2021 ist Prof. Dr. Klement Tockner neuer Direktor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Der gebürtige Österreicher will mit den deutschlandweit zu Senckenberg zählenden drei Museen und sieben Forschungsinstituten „Großes wagen“. Von Sabine Börchers

Pünklich zum 200. Geburtstag wird das Senckenberg Museum erweitert, die Ausstellungsfläche von 6.000 auf circa 10.000 m² fast verdoppelt. Wir fotografierten Klement Tockner im neuen Themenraum Tiefsee


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er Berliner Bär ist noch nicht mit umgezogen. Er steht normalerweise auf dem Schreibtisch von Klement Tockner. Da der neue Direktor der Sencken­ berg Gesellschaft für Naturforschung sein Büro im erst vor zwei Jahren umgebauten ehemaligen Hauptgebäude der Goethe-Universität in Bockenheim gerade bezogen hat, kommt der Bär nach. Eine Schneekugel mit dem Wiener Stephansdom wird sich dazugesellen, erzählt er. Damit hat er künftig zwei seiner „Heimaten“ stets im Blick. In der Steiermark geboren, war der 58-Jährige in den vergangenen fünf Jahren als Präsident des österreichischen Wissenschaftsfonds FWF in Wien tätig. Zuvor leitete er neun Jahre lang das Leibnitz-Institut für Gewässer­ ökologie und Binnenfischerei in Berlin.

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt), Wikipedia

„Jetzt wird Frankfurt meine Heimat“, stellt er lächelnd fest. Heimat, das ist für ihn nicht nur die Steiermark. Der Begriff symbolisiert für Tockner vielmehr die Verbundenheit mit besonderen Orten seines Lebens. „Sie hängt natürlich von den Menschen ab und davon, dass man sich auf die jeweilige Stadt einlässt.“ Deshalb stand für ihn auch fest, dass er sich mit seiner Frau eine Wohnung mitten in Frankfurt suchen will. Das urbane Flair gefällt ihm. Ebenso wie der Kontrast zwischen der Skyline, die ihn an US-amerikanische Städte wie Pittsburgh erinnert, und der Tradition, die die Stadt ausmache. „Frankfurt ist eine Weltstadt, wahrscheinlich mehr als Berlin.“ Zu besagter Tradition zählt für ihn nicht nur die Paulskirche als Symbol der Demokratie, sondern natürlich auch die Senckenberg Gesellschaft, die in diesem Jahr 203 Jahre alt wird, und mit ihr das gleichnamige Naturmuseum, das seinen 200. Geburtstag feiert. Mit beiden hat er große Pläne. Nachdem das Forschungsinstitut durch Umbauten seine Fläche erheblich vergrößern und modernisieren konnte, gehe es nun darum, das Museum gemeinsam mit der neuen Leiterin Dr. Brigitte Franzen weiterzuentwickeln und auf fast die doppelte Ausstellungsfläche auszubauen. Ein „Familienmuseum von Weltformat“ stellt er sich vor. „Nichts Elitäres, die Leute aus der Region sollen kommen, aber auch darüber hinaus.“ Das Ziel sei, dass Frankfurt-Besucher künftig einen Tag dranhängen, um das Senckenberg Naturmuseum nicht zu verpassen.

kann zugleich Wissenschaftliches verständlich nahegebracht werden. Dass die Wissenschaft in unserer Gesellschaft von immer größerer Bedeutung ist, wird spätestens seit der Diskussion um den Klimawandel, den Verlust der Artenvielfalt und die CoronaPandemie immer deutlicher. Die Senckenberg Gesellschaft erarbeite seit mehr als 200 Jahren dieses Wissen und stelle es allen zu Verfügung. Insofern sei es ein Zukunftsinstitut, findet Tockner und hebt bei diesen Themen gleich zu Grundsätzlichem an: Das Corona-Virus zeige drastisch, wie sehr die Gesundheit der Menschen von einer intakten Natur abhänge und wie dramatisch die Erosion der Natur voranschreite. So würden wir etwa mit den fossilen Energieträgern jedes Jahr 500.000 Jahre Erdgeschichte verbrennen. „Wissenschaft ist Vorsorge. Und die ist besser und kostengünstiger als eine Heilung“, betont er und warnt, dass wir derzeit einen Kampf gegen unsere Zukunft führen. Habe die Natur einmal verloren, sei dies zumeist unumkehrbar. „Wir stehen dabei erst am Beginn dieser großen Beschleunigung und wissen nicht, wie tiefgreifend und unkontrolliert die Veränderungen sein werden, die auf uns zukommen.“ Wichtig dabei sei, dass die Wissenschaft sich das Vertrauen der Bevölkerung erarbeite – auch ohne jedes kleine wissenschaftliche Detail zu vermitteln. Archiv der Natur Sieben Forschungsinstitute und drei Museen in insgesamt sieben Bundesländern zählen zur Gesellschaft für Naturforschung. Darunter Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven und das Deutsche Entomologische Institut in Münche­b erg bei Berlin, das ausschließlich Insekten erforscht. Hinzu kommt so etwas wie ein Archiv der Natur: Die zoologischen, botanischen und geologischen Sammlungen des Hauses umfassen mehr als 40 Millionen Objekte. 

„Zweckfreie Grund­ lagenforschung ist aus­ schlaggebend. So ent­ stehen Innovationen. Der schnellen Entwick­ lung des Impfstoffs gegen das Corona-Virus lagen 20 bis 30 Jahre solcher Forschung zu­ grunde.“ Klement Tockner Senckenberg Gesellschaft

Die Forscher der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung arbeiten auf allen Erdteilen. Jedes Jahr unternehmen sie rund 100 Expeditionen, per Schiff oder an Land, mal nach Spitzbergen, mal nach Ostafrika. Hier besuchen zwei Forscher einen Wildtiermarkt in Myanmar. Durch die große Nähe von Tieren und Menschen sowie mangelnde Hygiene bergen diese Märkte ein Risiko für die Übertragung von Krankheitserregern und deren weltweite Ausbreitung.

Zukunftsinstitut Und zwar nicht nur, um sich von den Dinosauriern oder dem Riesenkalmar im neuen Tiefsee-Themenraum beeindrucken zu lassen. Für Klement Tockner haben Museen eine weitreichendere Bedeutung. Es seien Orte, an denen das Gezeigte ein hohes Vertrauen genießt. Entsprechend können Interessierte sich im Senckenberg Naturmuseum objektiv informieren und ihnen

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Im Hintergrund: Der Riesenkalmar, einer der sagenumwobensten Tiefsee-Bewohner. Erst 1854 lieferte der Fund eines Riesenkalmar-Schnabels den Beweis seiner Existenz. In der Ausstellung ist ein Modell im Maßstab 1:1 zu bestaunen.

„Die Gesellschaft steht heute dank meines Vorgängers, Volker Mosbrugger, an der Weltspitze der Forschung. Sie hat eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Die Herausforderung ist nun, diese Stellung zu halten“, umreißt Tockner seine künftige Aufgabe. Dafür will er Synergien schaffen innerhalb der Gesellschaft und mit Partnern weltweit. Ihm geht es darum, die rund 800 Mitarbeiter mitzunehmen und die mehr als 300 Wissenschaftler unter ihnen zusätzlich anzuspornen: „Lasst uns einfach Großes wagen. Jeder, der etwas erreichen will, wird unterstützt.“ Wissenschaft sei nun einmal keine kleinliche Buchhalterei, bei der jedes Jahr das Ergebnis ermittelt würde, sondern muss groß denken können und auch einmal scheitern dürfen.

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ockner selbst ist Zoologe und Botaniker. Der Österreicher wuchs als siebtes von neun Kindern auf einem Bauernhof in einer entlegenen Gegend in der Steiermark auf. „Wir hatten keinen Fernseher, kein Auto, im Winter bin ich mit dem Schlitten in die Schule gefahren.“ Bis heute gibt es den Hof mit Ziegen, den mittlerweile sein Neffe betreibt. Um sein Abitur zu machen, ging Klement Tockner früh auf ein Internat in der Landes­ hauptstadt Graz und verbrachte nur noch die Ferien Zuhause. Vielleicht sei der Wunsch rauszukommen, wenn man aus so einem kleinen Ort kommt, besonders groß, überlegt er.

„Lasst uns einfach Großes wagen. Jeder, der etwas erreichen will, wird unterstützt.“ Klement Tockner Senckenberg Gesellschaft

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Neues entdecken, das hat ihn nach dem Abitur in jedem Fall angetrieben. Die Vorlesungsverzeichnisse versprachen Exkursionen nach Süd­ amerika, das reizte ihn genauso wie das Studienfach selbst. „Ich wäre auch als Astronom, Geograf oder Historiker glücklich geworden. Aber wenn man sich entscheidet, muss man das, was man machen will, auch mit voller Energie machen.“ Er spezialisierte sich auf Gewässerökologie und verfasste 2009 ein Standardwerk zu den Flüssen Europas. Dass das Senckenberg Museum am 18. Juni eine Ausstellung zum Thema „Flüsse“ eröffnet, passt perfekt. Nach Studium und Promotion in Wien ging Klement Tockner zunächst als Berater für Gewässer­

Neugierde wecken Seine Anstrengung gilt nun neben der Senckenberg Gesellschaft auch den Studierenden des Fachbereichs Biowissenschaften der GoetheUniversität, an der er zugleich eine Professur für Ökosystemwissenschaften übernimmt. Auch Forschungsprojekte bei Senckenberg begleitet er nach wie vor. „Ich gehe nicht mehr ins Feld, ich beschäftige mich stärker mit der konzeptionellen Entwicklung“, sagt er, erzählt aber zugleich begeistert von einem kleinen Projekt zur kulturellen und biologischen Vielfalt, für das etwa die Entwicklungen in Oasen in der Wüste erforscht werden, und einem anderen Vorhaben, das die Bedeutung der Ästhetik der Natur für das Wohlbefinden der Menschen untersucht. „Wir sehen gerade in der Pandemie, dass das eng miteinander verbunden ist.“ Seine Aufgabe sieht Klement Tockner auch darin, Schnittstelle zwischen den wissenschaftlichen Instituten, den Museen und den Menschen zu sein. „Es gibt nur wenige Städte, die über eine so stark engagierte Bürgergesellschaft verfügen“, stellt er fest und freut sich darauf, sie und noch viele Frankfurterinnen und Frankfurter in den nächsten Monaten kennenzulernen. Dabei ist es ihm wichtig, Engagierte wie Museumsbesucher in die wissenschaftlichen Diskussionen und in die Forschung der Senckenberg Gesellschaft noch stärker einzubinden. „Wir wollen mit bürgerbeteiligten Projekten arbeiten, bei denen die Menschen beispielsweise Daten liefern, sie aber auch schon an der Entwicklung von Frage­stellungen beteiligen.“ Ihre Neugierde soll geweckt werden, indem sie beispielsweise die rund 100 Expeditionen mitverfolgen können, die Sencken­berg jedes Jahr unternimmt. Wenn Klement Tockner erzählt, merkt man ihm an, dass er sich die eigene Lust am Entdecken bis heute bewahrt hat. Sie wird ihm sicher dabei helfen, in Frankfurt schnell heimisch werden. n

Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Die Langnasenchimäre mit der namensgebenden langen Nase, in der sich Sensoren zur Wahrnehmung von im Sand versteckter Beute mittels Elektrorezeption befinden.

management nach Ruanda und Uganda. Zwei Wochen vor Ausbruch des Völkermordes in Ruanda, bei dem zwei seiner Mitarbeiter vor Ort ermordet wurden, flog er zurück nach Europa. Dass er anschließend wieder in die Wissenschaft gehen würde, lag nicht unbedingt auf der Hand. Als er an der Technischen Hochschule, der ETH Zürich, eine Möglichkeit dazu sah, bewarb er sich einfach. Heute weiß er, dass der Professor, der ihn einstellte, dies nicht tat, weil Tockner wissen­schaftlich bereits viel vorzuweisen gehabt hätte, sondern aufgrund seiner Begeisterung und seiner Ideen. „Es gibt keinen linearen Karriereweg, es gibt Kreuzungen, an denen man sich entscheiden muss“, sagt er. Dass es reines Glück sei, wohin der Weg einen führt, daran glaubt Tockner nicht. „Man muss dem Glück entgegengehen. Es ersetzt nicht die Anstrengung.“


Plötzlich

Vollzeit-Mama

Die Frankfurter Autorin Susanne Fröhlich mel­ det sich mit ihrem elften Roman zu Wort und bringt Kult-Heldin Andrea Schnidt zurück. In „Abgetaucht“ wird die Hauptfigur, die eigent­ lich nur Übergangsweise ihre Enkelin babysitten wollte, plötzlich wieder Vollzeit-Mama – denn Tochter Claudia sitzt wegen Corona auf Bali fest.

Oma Andrea erlebt den Eltern-Wahnsinn noch einmal von vorne. Zwischen Frühchinesisch, veganem Babybrei und der Tragetuch-Mafia wird sie mit ganz neuen Fragen konfrontiert. Und dann zieht auch noch die Ex von ihrem Freund Paul in die Nachbarschaft. Das Chaos ist komplett!

top selection Von Liebschaften und sprechenden Affen Zärtlich, anrührend, melancholisch – im neuen Buch „Erste Person Singular“ des japanischen Weltbestsellerautors setzen sich die IchErzähler in acht Geschichten mit den Fragen „Wer bin ich, wer war ich und wer werde ich sein?“ auseinander. Dabei entführt Haruki Murakami seine Leser in eine Welt zwischen Fiktion und Realität und weiß immer zu überraschen: Unter anderem geht es um gescheiterte Bezie­ hungen, die Beatles, Schumann oder einen sprechenden Affen.

Stoff für

Jimi-Fans

Von ihm können die Menschen nicht genug bekommen: Jimi Hendrix gilt als einer der bedeutendsten Gitarristen weltweit, seine Arbeit wirkt sich bis heute auf die Entwicklung der Rockmusik aus. 50 Jahre nach seinem Tod gedenkt ihm der Musik-Journalist Philip Norman, der unter anderem für die Sunday Times tätig war, mit einer neuen Biografie: „Jimi“ ist eine Hommage an den Künstler. Dafür hat der Brite umfangreich recherchiert, unzählige unver­ öffentlichte Dokumente gesichtet und Interviews mit Hendrix alten Weg­gefährten geführt.

Fotos: Hersteller

Skandinavien schmeckt! Der Sommer naht und die Vorfreude auf Urlaub steigt. Skandi­ navien-Fans bekommen von den Küchen-Coaches Sarah Schocke und Alexander Dölle schon mal einen kleinen Appetizer ser­ viert: Ihr neues Kochbuch „Der Geschmack von Kopenhagen“ vereint Urlaubsklassiker der dänischen Küche – wie Nordischer

Abenteuer

Europa

Wenn man die bunten Häuser­ fassaden in Breslau sieht, die f e i n e n Sandsträn­d e m i t türkisblauem Meer auf der griechischen Insel Chios, die saftig-grünen Berggipfel auf dem Cadair Idris in Wales – dann bekommt man direkt Lust, den nächsten Urlaub zu planen. Der Bildband „Secret Places Europa“ stellt 70 unbe­ kannte Traumreiseziele abseits des touristischen Trubels vor. Echte Insidertipps, die zu wunder­ schönen Landschaften und einzigartigen Städten führen.

Hotdog, Zimtschnecken, Smör­ rebröd und dänische Plunder. Und vieles mehr. Lecker und ganz einfach zuzubereiten. So holt man sich Hygge ins eigene Zuhause. Zu den Anleitungen und Tipps gibt’s außerdem fantastische Fotogra­ fien aus der lieblichen Landes­ hauptstadt.

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IMPRESSUM Top Magazin Frankfurt Rhein-Main

Redaktion: Victoria von Ahsen (va), Sabine Börchers (bo), Sarah Bodrozic (sb), Ludwig Fienhold (lf), Petra Greilach (pg), Michael Hohmann (mh), Peter Lückemeier (pl), Kitti Pohl (kp), Eleonore Schmidt (es), Laura Uebel (lu), Thomas Zorn (tz) Verlagsrepräsentanz: Petra Greilach, Eleonore Schmidt Fotos: Peter Hartenfelser, Michael Hohmann, Bernd Kammerer, Edward Park, Holger Peters, Tre Torri, Inserenten & Hersteller Grafik & Produktion: Sarah Bodrozic, Michael Hohmann (Top Magazin) Anna Kuznyetsova, Moritz Uebele (Mai Communications) Hanauer Landstraße 86 · 6034 Frankfurt am Main Telefon 069 - 430 52 885 · Fax 069 - 430 52 888 Geschäftsführender Gesellschafter: Michael Ruiss (V.i.S.d.P.) Druck: Druckhaus Becker GmbH Telefon 0654 - 63 59 0 · www.druckhaus-becker.com IVW-geprüfte Druckauflage Frankfurt Rhein-Main: Quartal /2020 (Winter 2020/21), 25.000 Exemplare Aktuelle Druckauflage Frankfurt Rhein-Main: Frühjahr 2021, 25.000 Exemplare. Top Magazin Frankfurt Rhein-Main erscheint viermal jährlich. Nächste Ausgabe im Juni 2021. Namentlich gekennzeichnete Berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Der Nachdruck von Berichten und Fotos, auch auszugsweise, ist verboten.

Familienwahnsinn Im englischen Roman „This has been absolutely lovely“ träumt Hauptfigur Annie schon ihr ganzes Leben davon, Musikstar zu werden. Doch immer kommt etwas dazwischen: Sie wird Mutter, muss Geld verdienen, sich um ihr Enkelkind und ihre kranken Eltern kümmern. Dann kommt die Familie für einen Sommer lang zusammen. Auf engstem Raum lebend, müssen sich alle mit der entscheidenden Frage konfrontieren: Was bedeutet es, eine Familie zu sein? Autorin Jessica Dettmann schreibt charmant und witzig über das Erwachsen­ werden, über Hoffnung, Scheitern und zweite Chancen.

Tatort Frankfurt Jedes Jahr lockt der Ironman-Triathlon Tau­ sende Sportbegeisterte nach Frankfurt. Auch die Freunde Harald Falkenberg und Jan Hohmeister, die Protragonisten in „Eisernes Verderben“. Als sie sich nach einem Streit wieder versöhnen, beschließen sie, gemeinsam für den Wettkampf zu trainie­ ren. Doch dann: Falkenberg erhält eine geheimnisvolle Drohung per E-Mail. Wird der Streit etwa aufs Neue entfacht? Schrift­ stellerin Franziska Franz lebt zurzeit selbst in Frankfurt am Main – und ihre Krimis sind einfach spannend schön.

Top Magazin ist ein eingetragenes Warenzeichen und erscheint in Lizenz der/verantwortlich für den Titel: TOP OF THE TOPS & TOP MAGAZIN International GmbH & Co. Verlags und Lizenz KG Wenzelgasse 28, 53 Bonn Telefon 02 28 - 96 96 230 · Fax 02 28 - 96 96 242 E-Mail info@top-magazin.de www.top-magazin.de USt-IdNr.: DE 8  866

Aus Laib und Herz

Geschäftsführung: Ralf Kern Assistenz der GF: Anna Jansen · a.jansen@top-magazin.de Projektleitung: Andrea Volksheimer · a.volksheimer@top-magazin.de Projektleitung Social Media: Pegah Jahanmiri · p.jahanmiri@top-magazin.de Social Media Assistenz: Marie Kern · m.kern@top-magazin.de Titel/Grafik: Stephan Förster · s.foerster@top-magazin.de Titelbildfoto �-����: www.istockphoto.com, Bild-Nr.: 8 Seitenbetreiber www.top-magazin.de: Top of the Tops & Top Magazin International GmbH & Co. Verlags und Lizenz KG

Top Magazin ist bereits seit über  Jahren erfolgreich auf dem Markt! In Lizenz erscheint Top Magazin mit der Frühjahrsausgabe - in 33 Städten/Regionen mit einer Gesamtauflage von rund 400.000 Exemplaren. Aachen · Augsburg · Berlin · Bielefeld · Bodensee · Bonn · Brandenburg/Potsdam · Dortmund · Dresden · Düsseldorf · Frankfurt · Halle (Saale) · Hamburg · Karlsruhe/Baden-Baden · Koblenz · Köln · Leipzig · München · Münster · Rhein-Kreis Neuss · Niederrhein ·Reutlingen/Tübingen · Ruhr (Essen) · Saarland · Sauerland ·Siegen/Wittgenstein · Stuttgart · Südwestsachsen · Thüringen · Trier · Ulm/Neu-Ulm · Würzburg · Wuppertal Es gilt die Anzeigenpreisliste vom .. – Stand /

Altes Brot wegwerfen? Muss nicht sein! Das Kochbuch „Unser vortägliches Brot“ zeigt, wie man Res­ te ganz einfach und schnell wei­ terverarbeiten kann: nämlich zu

leckeren Schicht-Torten, fleisch­ loser Bolognese oder Butterstreu­ sel. Die kreativen Rezepte stammen von der Frankfurter Bäckermeiste­ rin Tanja Huck – zusammen mit ih­ rem Mann Alexander führt sie die Bäckerei und Konditorei Huck in dritter Generation. Soziales Enga­ gement ist für das Traditionsunter­ nehmen seit Jahren Herzenssache. Als Neuautorin will sie mit ihren Tipps und Tricks nun auch ein Be­ wusstsein für Ressourcen­schonung schaffen. Ein Buch voller Liebe und Leidenschaft.

Fotos: Hersteller, Merrick Morton/HBO

erscheint im Verlag: FourReasons Media oHG Meisengasse 28 · 6033 Frankfurt am Main Telefon 069 - 97 67 882 · Fax 069 - 97 67 883 E-Mail info@top-frankfurt.de www.top-frankfurt.de www.facebook.com/topmagazin www.twitter.com/topmagazin www.instagram.com/topmagazin


Live mit

Promis plaudern

Die neue Audio-only-App Clubhouse, bei der man Livegespräche im Podcast-Stil führen kann, ist der neue Social-Media-Hype. In kürzester Zeit hat sich die Platt­ form mit Millionen Mitgliedern zu einem elitären Trend im Netz ent­ wickelt: Wer mitmachen will, benötigt eine Einladung und iOS. Hat man beides, kann man in sogenannten „Räumen“ Gesprächen lauschen oder mitdis­ kutieren.Auch Pro­ mis wie TalkshowQueen Oprah Winfrey, Radio- und TV-Legende Thomas Gottschalk, Singer-Songwriter Olli Schulz gehören zum Club. Aufregend: Per Knopfdruck kann man sich virtuell melden und mit den Idolen plaudern!

Perry Mason

feiert Comeback

Er ist wieder da: Der legendäre Streifverteidiger Perry Mason kämpft in der gleichnami­ gen Miniserie von HBO erneut gegen das Verbrechen. Sky zeigt das Remake des TV-Klas­ sikers aus den 50er-Jahren: Als Privatdetektiv versucht er einer rätselhaften Entfüh­ rung im Los Angeles der 30erJahre nachzugehen – doch

seine zerrüttete Ehe und psy­ chische Folgen des Krieges, unter denen er leidet, machen ihm das Leben schwer. Mit aller Kraft macht er sich dran, den Fall zu lösen. Die moderne Neuauflage basiert wie zahl­ reiche andere „Perry Mason“Filme auf den Romanvorlagen des Krimi-Autors Erle Stanley Gardner.

p dcasts PRINZ HARRY X HERZOGIN MEGHAN Archewell audio Überraschung für Royal-Fans: Noch mehr über und von den königlichen Aussteigern gibt es jetzt in ihrem eigenen Podcast. In der ersten Folge lassen sie nicht nur das Jahr 2020 Revue passie­ ren, es sind auch zahlreiche Stars zu Gast wie Sir Elton John und Moderator James Corden. Auch Söhnchen Archie darf mal ans Mikro.

ENISSA AMANI Statements aus Seide Wöchentlich gibt’s eine neue Folge von der Komikerin und Influencerin, die in ihrem Podcast authentisch und ehrlich über alle möglichen Themen wie Spiritualität, Ängste, Sehnsüch­ te, soziale Ungleichheit oder Rassismus redet. Begleitet von ganz persönlichen Stories über sie und ihrer Familiengeschichte.

BARACK OBAMA X BRUCE SPRINGSTEEN Renegades: Born in the USA Ex-Präsident trifft Rocklegende: Obama und Springsteen kennen sich seit der Präsident­ schaftswahl in 2008. Jetzt haben die langjäh­ rigen Freunde einen gemeinsamen Podcast gestartet. In acht Folgen plaudern sie unter anderem über Vaterschaft, Ehe, diskutieren über ihre Heimatstädte, Vorbilder und die Zukunft Amerikas.

TIM MÄLZER X SEBASTIAN MERGET Fiete Gastro Regelmäßig verabredet sich der Starkoch mit sei­ nem Kumpel zu einem kleinen Podcast-Plausch. Nachdem traditionell „Wer bin ich“ gespielt wurde, schaltet sich ein Gast dazu – manchmal kennt Tim Mälzer ihn, manchmal auch nicht. In jedem Fall gibt es gute Gespräche und immer ein besonderes Geschenk für den Entertainer.

FRANK JOUNG Halbe Katoffl Integration, Identität, Stereotypisierungen – Wörter, die manch einem ein Gähnen entlocken. Dass man aber auch lustig, unterhaltsam und kurzweilig mit seinen Gästen über eben solche Themen sprechen kann, beweist der Berliner Journalist Frank Joung, dessen Eltern aus Korea kommen. Immer wieder gespickt mit Anekdoten aus seinem Leben.

DANIEL TOBIAS ETZEL MIT CHRISTIAN BAU Inspired by*

Matthew Rhys spielt den neuen Perry Mason.

Im neuen Podcast der Frankfurter Kommuni­ kationsagentur Waoh trifft Moderator und Ge­ schäftsführer Daniel Tobias Etzel inspirierende Menschen zum intensiven Gespräch. Wöchent­ lich gibt’s eine neue Folge auf die Ohren. Der ers­ te Gast: Sternekoch Christian Bau. Zusammen blicken sie auf Erfolge und Niederlagen zurück.

Frühjahr 2021 ·

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FRANKFURT

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heavy r tation GABRIEL GARZÓN-MONTANO Agüita Der 31-jährige New Yorker bietet einen vielseitigen Mix aus Elektro-Pop und R’n’B, über Latin-Trap und Hip Hop bis hin zu Blues und Chanson. Lässig switcht er zwischen Rap und Gesang.

FELIX KLIESER Beyond words Wieder beweist der deutsche Hornist, dass es keiner Worte bedarf, um emotionale Musik zu schaffen. Sein neues Album vereint barocke Arien und Choräle von Bach, Vivaldi, Händel und Gluck.

DANA MARIA Desert Diamond Die junge Sängerin und Gitar­ ristin lebt zwar in Frankfurt, hat ihre musikalischen Wur­ zeln aber in Texas – das hört man! Ein vielfältiges CountryAlbum mit Einflüssen von Popmusik.

BARRY GIBB & FRIENDS Greenfields Mit Künstlern wie Dolly Parton und Keith Urban hat sich der Bee Gees-Superstar einen Wunsch erfüllt und ein Duettalbum veröffentlicht. Und landete damit direkt in den Top 5 der Deutschen Charts.

AARON FRAZER Introducing … Das Debütalbum des Sängers gleicht einer Reise in die 70erJahre, mit viel Soul, Disco, Gospel und Doo-Wop. Die 12 Songs hat er mit Black Keys Gitarrist Dan Auerbach in nur einer Woche produziert.

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FRANKFURT

Hessen auf der Berlinale Gleich drei HessenFilm-geförderte Dokumentarfilme feiern auf der 71. Berlinale Weltpremiere. Aliaksei Paluyans Abschlussfilm „Courage“ der Kunsthochschule Kassel sowie Marc Bauders „Wer wir waren“ laufen in der Sektion „Berlinale Special“. Maria Speths Dokumentarfilm „Herr Bachmann und seine Klasse“ geht als einer von insgesamt vier deutschen Filmen in das Rennen um den Golde­ nen und die Silbernen Bären. Für den Streifen begleitete die Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin den Lehrer und seine 6. Klasse an der Georg-Büchner-Schule im nordhessi­ schen Stadtallendorf – eine Stadt mit langer Historie, wenn es um Ausgren­ zung und Integration geht. Das Ergeb­ nis: Ein spannendes Porträt eines un­ konventionell geltenden Lehrers und seinen aus zwölf Nationen stammen­ den Schülern.

Zurück auf dem

Ku’damm

Familie Schöllack ist zurück! Das ZDF zeigt endlich die heißersehnte dritte Staffel „Ku’damm 63“. Die drei Schwestern Monika (Sonja Gerhardt), Helga (Maria Ehrich) und Eva (Emilia Schüle) kämpften bereits in den ersten beiden Staf­ feln, die in den 1950ern spielen, für Emanzipation – und auch in den 60ern stehen sie für die Verwirk­

lichung ihrer Träume ein. Inzwi­ schen sind alle drei Töchter von der strengen Mutter Caterina (Clau­ dia Michelsen) verheiratet, doch die Ehen laufen nicht nach Plan. Und die Ereignisse überschlagen sich: Im Zentrum stehen die Berli­ ner Mauer, Kennedys Besuch und der Grand Prix d ’ Eurovision de la Chanson.


Die gehobene Alternative.....

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Sonnenhof Gruppe Senioren- und Pflegeheime Hettenleidelheim – Frankfurt

Telefon 069 - 15 20 30

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„Wir wollen unsere Kunden nicht nur zufrieden stellen, sondern sie begeistern. Vor dem Kauf und auch danach.” Sabine und Gerhard Grohs

KÜCHEN ATELIER GROHS Katharina-Paulus-Straße 2 · 65760 Eschborn 06196 - 779 400 · info@kuechenatelier-grohs.de www.kuechenatelier-grohs.de

außergewöhnlich persönlich

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Blumige Aussichten – Die neue Flower Power | 50 Jahre Frankfurt UAS – Hochschulpräsident Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich über Erfolg und Ex...

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Blumige Aussichten – Die neue Flower Power | 50 Jahre Frankfurt UAS – Hochschulpräsident Prof. Dr. Frank E. P. Dievernich über Erfolg und Ex...

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