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„Wir befinden uns in einem Strukturwandel“ Digitalisierung, Mobilität, Start-ups, Fachkräftemangel und Wohnungsbau: Auf der Agenda von Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut stehen eine ganze Reihe brisanter Themen. Wo die gebürtige Balingerin die größten Herausfoderungen für das Land sieht und wie diese gemeistert werden können, verrät sie im Gespräch mit top magazin.

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igitalisierung, Mobilität, Start-ups, Fachkräftemangel und Wohnungsbau: Auf der Agenda von Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut stehen eine ganze Reihe brisanter Themen. Wo die gebürtige Balingerin die größten Herausforderungen für das Land sieht und wie diese gemeistert werden können, verrät sie im Gespräch mit top magazin. top: Frau Dr. Hoffmeister-Kraut, Sie sind nun etwas mehr als ein Jahr als Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau im Amt. Wie fällt Ihre bisherige Bilanz aus? Hoffmeister-Kraut: Das Amt bereitet mir große Freude, ich habe mit vielen Themen zu tun, die für die Zukunft des Landes von großer Bedeutung sind. Ich nenne hier nur die Stichworte Digitalisierung, Mobilität, Start-ups, Fachkräftemangel und Wohnungsbau. Baden-Württemberg ist ein Wirtschaftsland – und die Wirtschaft braucht eine starke Stimme in der Landesregierung.

Zur Person Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut wurde 1972 in Balingen geboren. Nach dem Abitur am Gymnasium Balingen studierte sie BWL an der Universität Tübingen, schloss als Diplom-Kauffrau ab und promovierte 2001 an der Universität Würzburg. Ihre Zeit in London begann Dr. Hoffmeister-Kraut bei der Investmentbank Morgan Stanley, danach arbeitete sie bis 2005 als Analystin bei Ernst & Young in London und Frankfurt. Sie ist seit 1998 Gesellschafterin der Bizerba SE & Co. KG in Balingen. Dort war sie von 2014 bis zu ihrem Amtsantritt als Ministerin im Mai 2016 Mitglied des Aufsichtsrats. Dr. Hoffmeister-Kraut engagiert sich außerdem in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Balingen, im Förderverein und Elternbeirat verschiedener Balinger Schulen, im Stiftungsrat der Psychiatriestiftung Zollernalb und im Beirat der Balinger Tafel. Seit Mai 2016 ist sie Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg, am 12. Mai 2016 wurde Dr. Hoffmeister-Kraut zur Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg ernannt. Bis Mai 2016 war die verheiratete Mutter dreier Töchter Mitglied des Gemeinderats der Stadt Balingen und Mitglied im Kreistag des Zollernalbkreises.

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Sommer 2017 · top magazin STUTTGART

top: Als Quereinsteigerin kennen Sie die Unternehmensseite persönlich aus Ihren eigenen Erfahrungen bei Morgan & Stanley, Ernst & Young und Bizerba. Geht man da anders an die Politik heran? Hoffmeister-Kraut: Ich denke schon, weil man eben seine ganz eigenen Erfahrungen aus der Wirtschaft miteinbringt. Man kennt die Herausforderungen eines Unternehmens aus der täglichen Praxis und kann so unter Umständen auch neue politische Lösungsansätze finden beziehungsweise entsprechend veränderte Rahmenbedingungen setzen, die bis weit in die Gesellschaft hinein ausstrahlen. top: Haben Sie einen Moment gezögert, das Amt anzunehmen? Hoffmeister-Kraut: Ich habe mir schon Bedenkzeit erbeten und mich mit meiner Familie sowie mit politisch erfahrenen Freunden beraten. Der Entschluss, diese Herausforderung anzunehmen, stand aber dann relativ schnell fest. top: Sie haben Ihre Entscheidung also nicht bereut? Hoffmeister-Kraut: Nein, keinen Moment. Ich betrachte es als große persönliche Chance, die Zukunft unseres Landes aktiv mitzugestalten. Außerdem mag ich es, Verantwortung zu übernehmen – und die ist in meinem Ressort nicht gerade klein. top: Auch die Herausforderungen für das Land sind nicht gerade klein, wenn man nur mal die Abstimmung der Briten für den Brexit und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten nimmt. Wie stark ist durch diese Entwicklung der freie Handel zwischen Deutschland respektive Baden-Württemberg und Großbritannien sowie den USA gefährdet?

Top Magazin Stuttgart Sommer 2017