Page 48

kultur

top: Seit einigen Jahren eifern Sie als Sohn ihrem Vater und Großvater nach, Herr Braig, und stehen mit auf der Bühne der Komede-Scheuer. War das für Sie schon immer klar, das Sie das mal machen wollen? B. Braig: Ich bin da ja schon als Kind hineingewachsen und mein Opa und mein Vater waren für mich in gewisser Weise schon immer Vorbilder. Schon als kleiner Bub war ich vom Theater fasziniert und irgendwann habe ich dann meinen Vater gefragt, ob er mal einen passenden Sketch schreiben und ich mitspielen könnte. Der hieß dann „Computerviren“ und zeigte so eine typische Situation mit dem Vater am Computer, der das alles nicht versteht und der Sohn erklärt ihm das. Ja, und so hat sich das dann über die Jahre weiterentwickelt. Mittlerweile produziere ich ja auch mit meiner Filmproduktionsfi rma die Auftritte für den SWR. top: Herr Braig, Herr Hartmann, seit Jahren lachen tausende von Menschen über Sie. Worüber können Sie sich amüsieren? A. Braig: Also, solche Dinge wie Schadenfreude sind mir persönlich fremd. Kurt Felix wollte mich früher immer als festen Lockvogel für „Verstehen Sie Spaß“ haben. Einige Sachen habe ich auch für ihn gedreht, dann aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Sehr lustig finde ich dagegen immer amüsante, intelligente Situationen mit Tiefgang. Hartmann: Wir beide mögen Charlie Chaplin sehr gerne und am meisten seine bekannten Filme wie „Der große Diktator“, „Ein König in New York“ oder „Rampenlicht“. Da steckt Herz und Hirn drin, was uns beide sehr berührt.

Foto: Komede-Scheuer, Mäulesmühle

top: Bleibt Ihnen eigentlich überhaupt noch Zeit für private Dinge bei so einem

Die Komede-Scheuer

48

Foto:Staatsministerium BW

fast jeder Region von Baden-Württemberg ein anderer Dialekt gesprochen wird. Da würd oinen ja koin Mensch mehr verstande.

Albin Braig (li.) und Karlheinz Hartmann bekamen jüngst den „Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg“ von Ministerpräsident Winfried Kretschmann verliehen

vollen Terminkalender? B. Braig: Bei meinem Vater und Karlheinz bleibt da eher wenig Zeit über, bei mir ist das noch nicht ganz so extrem. Für Urlaub haben wir aber Gott sei dank alle noch Zeit. A. Braig: Wobei man sagen muss, dass wir ja auch im Urlaub arbeiten … Also, ich zumindest, wenn ich Sketche schreibe und solche Dinge. Was aber auch nicht schlimm ist, da ich im Urlaub meist kreativer bin, als am Schreibtisch. top: Anfang Mai wurde Ihnen Herr Hartmann und Herr Braig von Ministerpräsident Winfried Kretschmann der Ve r d ie n s t o r d e n des Landes Baden-Württemberg überreicht. Wofür gab es denn diese höchste Auszeichnung genau? A. Braig: Es ist üblich, dass das Land diesen Preis an Kulturschaffende vergibt - bei uns war das offensichtlich die besondere Leistung um den Erhalt der Mundart. Der Herr Ministerpräsident hat auch erwähnt, dass der Preis an das gesamte Ensemble der Komede-Scheuer geht. Und der Karle (Karlheinz Hartmann, Anm. d. R.) und ich haben ihn sozusagen stellvertretend entgegengenommen.

Hannes ja auch erwähnt, dass er diesen Anzug, den er da getragen hat, im Second-Hand-Laden gekauft hat. top: Kommen wir nun von Ihrer aktuellen Auszeichnung zum aktuellen Programm in der Komede-Scheuer, das den Namen „Bergkristall“ trägt. Erzählen Sie uns bitte etwas darüber. A. Braig: Nun, am Anfang haben wir selber gar nicht gewusst, was wir da eigentlich spielen. Das hat sich erst mit der Zeit ergeben (lacht). Es geht darum, dass ein Psychiater ein Sanatorium in den Bergen an der Grenze zur Schweiz betreibt. Und dieser Psychiater glaubt, dass die Pat ienten z u m ihm kommen, weil er die Fähigkeit besitzt, Menschen durch Hypnose in ihre Kindheit zurückzuführen. Dem ist aber nicht so, was einige lustige und urkomische Verwicklungen mit sich bringt. Ich möchte hier auch nicht zu viel verraten, aber am Ende klärt sich das Chaos natürlich auf, wie es sich für ein Lustspiel der Marke Komede-Scheuer gehört! Hartmann: Wirklich? Also, ich habe bis heute noch nicht begriffen, worum es in dem Stück genau geht (lacht).

„Wir wollen auch noch mit 90 auf der Bühne stehen.“

top: Sie haben auf Wunsch des Ministerpräsidenten bei der Verleihung als Hannes auch die Dankesrede für alle 22 Ausgezeichneten gehalten. Den Hannes dabei im Anzug zu sehen, war bestimmt eine einmalige Sache, oder? A. Braig: Oh ja. Es war aber für die Anwesenden nicht ganz leicht zu erkennen, dass da eigentlich nach der Verleihung der Hannes mit dem Bürgermeister auf der Bühne stand und nicht die Herren Hartmann und Braig, die den Preis bekommen haben. Da r um hat der

top: Wie lange möchten Sie denn noch so kreativ bleiben wie bisher? Oder anders gefragt: Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wann Sie aufhören möchten? A. Braig: Mein Vater ist 84 Jahre alt geworden und stand in dem Alter immer noch auf der Bühne. Und da die Menschen heutzutage ja immer älter werden, habe ich mir vorgenommen, auch noch mit 90 Jahren auf der Bühne zu stehen. Bastian ist dann auch schon in Rente, dass passt. Hartmann: Und wenn wir 90 sind, fahren wir zusammen in den Urlaub und lassen es so richtig krachen. 90 Jahre geht auf jeden Fall, denn Volksschauspieler werden ja bekanntlich immer besser, je älter sie ■ werden.

Sommer 2017 · top magazin STUTTGART

RZ_SH

Top Magazin Stuttgart Sommer 2017  
Top Magazin Stuttgart Sommer 2017