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kultur

eher dominant und laut ist, kann dort leise und schüchtern sein und umgekehrt. Man könnte fast sagen, dass man sich so den Psychiater spart, weil man ständig verschiedene psychische Ebenen annimmt und dadurch ausgeglichener durchs Leben geht. top: Bei Hannes und der Bürgermeister gibt es viele Parallelen zu den beiden großen Comedy-Ikonen Stan Laurel und Oliver Hardy. Eine davon: Der „dumme“ Hannes ist eigentlich der Schlauere von beiden. Ist das Zufall oder Absicht? A. Braig: Natürlich ist das gewollt, denn sonst würde das alles nicht funktionieren. Der Hannes repräsentiert ja insgeheim das gemeine Volk, von dem unsere Politiker oft denken, dass es blöd wäre. Dem ist aber mit Nichten so. Im Gegenteil, der Hannes isch hälenga schlau und führt den Bürgermeister zu seinem Wohl. Beide brauchen sich gegenseitig und könnten nicht ohne einander. Sind wir doch mal ehrlich, jeder andere Bürgermeister würde so einen Typen wie den Hannes im hohen Bogen rausschmeißen. Und um genau das zu verhindern, muss der Hannes dafür sorgen, dass „sein“ Bürgermeister noch möglichst lange im Amt bleibt.

Karlheinz Hartmann und Albin Braig mit der Hausband: „Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle“

gesprochen. Wenn man sich aber Ihre Programme anschaut, die eigentlich immer ausverkauft sind, hat man den Eindruck, die Mundart ist beliebter denn je. Wie erklären Sie sich diese Ambivalenz? A. Braig: Das ist in der Tat sehr verblüffend. Denn erstaunlicher Weise ist der Dialekt auch bei den jungen Menschen immer noch sehr beliebt. Wir haben jedes Jahr mehr junge Menschen im Publikum sitzen, denen das gefällt und die das auch verstehen, was da gesprochen wird. Eventuell fühlen sich diese dadurch mehr heimatverbunden … Ich kann es Ihnen aber leider nicht wirklich sagen, woran das liegt. Wenn es um die junge Generation top: Ein Erfolgsrezept der Komede-Scheuer ist die Mund- geht, kann Ihnen mein SohnBastian beart. Leider ist es heutzutage aber so, dass stimmt mehr erzählen … Dialekte nicht mehr den gleichen Stellen- B. Braig: Also, in meinem Bekanntenkreis wert haben, wie früher. In Schulen wird ist es etwas völlig normales, schwäbisch zu zum Beispiel fast nur noch hochdeutsch sprechen. Wir leben in Baden-Württemberg

„Manche Dinge lassen sich im Dialekt einfach besser ausdrücken.“

und hier ist das nun mal so. Ich habe festgestellt, dass sich eher die Menschen seltsam vorkommen, die hier leben und nicht mit Dialekt reden können oder wollen. top: Würden Sie behaupten, dass sich bestimmte Dinge im Dialekt leichter sagen lassen, als auf hochdeutsch? A. Braig: Auf jeden Fall. Vor allem beim Theater ist das so, wenn man präziser sein muss, also wenn die Pointen auf den Punkt genau passen müssen. Der Dialekt bietet entscheidend mehr Facetten an, als die hochdeutsche Sprache. Es gibt auch mehr Begrifflichkeiten, die auf bestimmte Dinge zutreffen. Besonders im schwäbischen gibt es viele Worte, die man sonst gar nicht sagen kann. Dialekte sind auf jeden Fall eine tolle Sache. Hartmann: Wobei man aber anmerken muss, dass wir uns nicht um die schwäbische Dialekterhaltung kümmern, sondern mir schwätzed halt so, wie mir des sonschd au mached. Man muss ja bedenken, dass in

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