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kultur

Fotos: Braig-Productions

bisch heisst das nix anderes, als sich selber net so ernschd zu nehma.

Karlheinz Hartmann und Albin Braig alias „Hannes und der Bürgermeister“

„Mit unserem Beruf spart man sich den Gang zum

Psychiater“ Seit 32 Jahren stehen Albin Braig und Karlheinz Hartmann gemeinsam auf der Bühne in der Komede-Scheuer der Mäulesmühle. Durch ihre legendären Rollen als Hannes und der Bürgermeister wurden sie zum Spitzenduo der schwäbischen Comedy. top magazin sprach mit Karlheinz Hartmann, Albin Braig und dessen Sohn Bastian über schwäbische Mundart, vertauschte Rollen und die Verleihung des Bundesverdienstordens durch Ministerpräsident Winfried Kretschmann. top: Herr Braig, Herr Hartmann, Sie waren Schulfreunde und gründeten nach Ihren Ausbildungen gemeinsam ein Elektronikunternehmen. Wie kam es dann zu Ihrer aktuellen Tätigkeit als Schauspieler in der Komede-Scheuer?

Karlheinz Hartmann, Albin Braig und Bastian Braig im Gespräch mit top magazin-Redakteur Boris Mönnich (2.v.re) 46

Sommer 2017 · top magazin STUTTGART

A. Braig: Man könnte sagen, dass mein Vater, Otto Braig, daran nicht unwesentlich beteiligt war. Er gründete 1968 die Komede-Scheuer in der Burkhardtsmühle und wir traten dort gemeinsam auf. Ungefähr vier Jahre später holten wir meinen Freund Karlheinz Hartmann als Verstärkung ins Ensemble und seit 1985 spielen wir gemeinsam in der Mäulesmühle. Mein Vater war es übrigens auch, der den ersten Sketch zu Hannes und der Bürgermeister schrieb. top: Kaum vorstellbar, dass sich zwei Menschen so lange kennen und beruflich wie privat immer noch zusammen harmonieren. Verraten Sie uns doch bitte, wie so etwas funktioniert. A. Braig: Ganz einfach: Man muss immer die nötige Distanz untereinander bewahren, aber auch gleichzeitig die Distanz zu sich selbst nie verlieren. Auf gut schwä-

top: Sie haben gerade schon die zwei bekanntesten und beliebtesten Figuren Ihres Ensembles angesprochen, nämlich Hannes und der Bürgermeister. Woher nehmen Sie nach so vielen Jahren immer noch die Inspiration, um neue Sketche und Geschichten mit den beiden zu schreiben? A. Braig: Abgesehen davon, dass ich die nicht alle alleine schreibe, sondern Co-Autoren habe, die mir dabei helfen, kommen die Situationen meistens direkt aus dem echten Leben. Mein Sohn Bastian hatte zum Beispiel schon mehrere tolle Ideen. Man sitzt irgendwo zusammen, ist lustig drauf und dann kommt das einfach. Diese Ideen werden gesammelt und wenn ich mal spielfrei habe, also Urlaub, schreibe ich aus dem gesammelten Material die Sketche. Es gibt aber auch Situationen, die so unmöglich sind, dass gerade daraus etwas lustiges entsteht. Zum Beispiel, wenn mir mein Veschperbrot auf den Boden gefallen ist und gerade als ich es aufheben will, fällt mir ein, dass ich es ja schon vor fünf Minuten gegessen hab … Verstehen Sie, was ich meine? So eine Situation ist eigentlich eine Unmöglichkeit, aber sie zeigt auch gleichzeitig den Prozess des Älterwerdens. Und daraus lässt sich natürlich hervorragend ein lustiger Sketch schreiben. top: Durchaus verständlich, ja. Wie sieht denn ein gemeinsamer Arbeitstag von Ihnen beiden aus? A. Braig: Eigentlich fast immer gleich: Mittags um 15 Uhr treffen wir uns, dann wird geprobt, geprobt und geprobt. Gegen 17 oder 18 Uhr fahren wir dann ins Theater oder zu unseren jeweiligen Gastspielen. top: Mir fällt gerade auf, dass Ihre Rollen hier im Interview irgendwie anders verteilt sind, als auf der Bühne: Dort sind Sie, Herr Hartmann, eigentlich der Aufbrausendere von beiden, haben aber bis jetzt in unserem Gespräch noch gar nichts gesagt. Wieviel von Ihnen beiden steckt denn wirklich in Ihren Bühnencharakteren? Hartmann: Als Bürgermeister muss ich mich ja ständig über den Hannes und andere Dinge aufregen. Und so ist das bei mir auch im echten Leben: Wenn mich etwas aufregt oder beschäftig, dann kann ich durchaus laut werden. A. Braig: Das ist doch gerade das Spannende an unserem Beruf, diese gegenteilige Charakterdarstellung auf der Bühne zu präsentieren. Wer im echten Leben

Top Magazin Stuttgart Sommer 2017  
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