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1 | 2013 4,10 €

Kreuzfahrt im Eis Erdöl: Wirtschaftschance für M-V Energiewende in der Sackgasse? Ein Strandkorb in Dubai


Piraten Partei Sonstige Die Linken Nichtwähler

Die Grünen FDP

Niedersachsen Wahl 2013 SPD

CDU

VORWEG Liebe Leserinnen und Leser, alle kennen wir die Grafi ken, mit denen wir nach Wahlen über Erfolg und Misserfolg der Parteien informiert werden. Leider wird in diesen Darstellungen immer eine Gruppe schamhaft ignoriert. Nämlich die der Nichtwähler. Bei der letzten Landtagswahl in Niedersachsen waren dies immerhin 40,6 Prozent aller Wähler, mithin die größte Gruppe. Gerne verschweigt Politik, dass auch der Akt des Nichtwählens durchaus ein politisches Statement des Wahlbürgers ist. Bezogen auf die Ergebnisse der Wahl in Niedersachsen bedeutet dies, dass 78,6 % der Wähler der CDU ihre Stimmer verweigerten, 80,6 % der SPD keine Stimme geben mochten, 91,9 % der Wähler nichts mit Grün anfangen konnten und 94,1 % ein Kreuz bei der FDP für überflüssig hielten. So gelesen relativiert sich das politische Mandat deutlich. Immerhin ist uns nach der letzten Wahl das Geschwätz vom klaren Wählerauftrag erspart geblieben. Wer tiefer in seriöse Wahlanalysen einsteigt erkennt die Ursache. Zu wenig unterscheiden sich die politischen Gruppierungen aus Sicht der Bürger. Allenthalben wird die Melodie von der Nachhaltigkeit und ökologisch korrekten Themen gesummt, während das

Profi l dabei auf der Strecke bleibt. Und so bleibt der Stammwähler eben zuhause. Dabei gäbe es Themen genug. Wo ist die Politik, die Brüssel endlich vom Ruch des Parkplatzes für abgehalfterte Nationalpolitiker befreit? Vom Ruch des von Lobbyisten getriebenen Selbstbedienungsladens? Hierzulande die mutige Neuordnung des in seinen Folgen außer Rand und Band geratenen EEGs? Der Neuordnung der bürokratischen Finanzkraken GEZ und GEMA? Der Überprüfung des Verbandsklagerechts? Eine Politik, die endlich wieder für soziale Marktwirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung eintritt? Die Liste lässt sich fortsetzen. Die Politstrategen in den ehemals großen Volksparteien seien an ein Wort des Geheimrates Johann Wolfgang von Goethe erinnert. Der formulierte einmal wie folgt: Wer sich grün macht, den fressen am Ende die Ziegen! Daran sollte man sich auch in Mecklenburg-Vorpommern erinnern. Ihnen wünschen wir einen guten Start in einen hoffentlich angenehmen Frühling! Ihr Team von VISIO / Wirtschaftsspiegel MV


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Inhalt Vorweg

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Forschungszentrum Ostoja

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Streifl ichter

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Effi zienz als Kostenfaktor

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Wirtschaftliche Auswirkungen einer Ölfeldentwicklung für das Land

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Energieverbräuche überwachen Energiekosten senken

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Hermes Logistik in Jarmen

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Energiewende in der Sackgasse?

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Baustart für biosanica

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Energie für den Landkreis

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Kompetenz • Zuverlässigkeit • Sicherheit

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Bauwirtschaft in MV ist Partner der Energiewende

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6. Branchentag Automotive Mecklenburg-Vorpommern 2013

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mes - die Spezialisten

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Universitätsmedizin auf Erfolgskurs

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Prolupin - Eiweiss als Erfolgsstory

18 Überzeugung gegen Bares

45

Plasma im Fokus

19 Jahresempfang

46

Interview mit Thomas Besse

20 Kreuzfahrt im Eis

48

Aus Überzeugung engagiert

22 aliis inserviendo consumor

50

50 Jahre für Wirtschaftsrat Deutschland

22 Genossenschaften weltweit

52

Leben und Arbeiten in Mecklenburg-Vorpommern

23 Joachim Kümmritz im Interview

53

Neue Infrastruktur für Greifswald

24 Verrückte Mädchen und böse Wölfe

54

Interview mit Stralsunds Oberbürgermeister Dr. -Ing. Alexander Badrow

25

Designschule Schwerin startet 2013

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Wirtschaftsförderung Stralsund

26

Saisonstart für die Indoor-Golfpiraten

57

Mittelstandsfi nanzierung im Umbruch

28

10 Jahre Kunstverein Schwerin

58

Regionale Wirtschaft auch 2012 auf gutem Kurs

30

Dörthe Walther-Stradun

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Mittelstand fi ndet jetzt noch effektiviere Unterstützung

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Verdammt wir freuen uns!

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Trilobiten und Herzschrittmacher

61

Fischer auf die Rote Liste?

31 Ein Strandkorb in Dubai

62

Energiewende

32 Kulturevents rund um die Ostsee

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Unternehmenserweiterung und Nuklearrückbau!

33 Post aus Berlin / Impressum

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Einspeisetarife statt Quoten

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Jubiläumsfahrt

Plädoyer für Technik Assistenzsysteme

80 Jahre und kein bisschen leise: ein besonderes Jahr liegt vor der STETTIN. Der letzte seetüchtige und mit Kohlen befeuerte Dampf-Eisbrecher der Welt begeht seinen 80. Geburtstag und will diesen laut und deutlich feiern. Höhepunkt ist eine Überfahrt Anfang August nach Szczecin, wo das Schiff am 7. September 1933 vom Stapel gelaufen ist. Für die dritte Reise zum polnischen „Geburtsort“ nach dem 2. Weltkrieg - auf der Brücke steht dieselbe Crew wie 2006 - sind noch freie Plätze buchbar. 

Deutschlands Industrie schlägt Alarm. Der Branche geht der Nachwuchs aus. Die Initiative Tag der Technik geht deshalb seit fast zehn Jahren aktiv gegen den Fachkräftemangel vor. Ihr Ziel ist es, Jugendliche für Ingenieurberufe und technische Berufe zu interessieren. Der zehnte Tag der Technik in M-V fi ndet in diesem Jahr im Technologiezentrum in Greifswald statt.

Verständlicherweise ist der Wunsch der Szczeciner groß, ihren Eisbrecher im Jubiläumsjahr in der polnischen Hafenstadt begrüßen zu dürfen. Die STETTIN wird am Finale der Tall Ships Races in Rostocks Partnerstadt Szczecin teilnehmen. Die Etappen führen am 1. August von Rostock nach Sassnitz; am 2. August weiter nach Swinoujscie und nach Szczecin. Am 4. August geht es in zwei Tagestörns über Sassnitz zurück nach Rostock zur 23. Hanse Sail. Für den Ausflug in die ursprüngliche Heimat der STETTIN haben sich auch schon Schweizer Eidgenossen und weitere Dampffreunde angemeldet. Interessenten können Tickets über die Anbieter wie die STETTIN-Geschäftsstelle (040-56 19 49 50), dem Hanse Sail Verein Rostock (038120 85 226) und Globetrotter (04108-430 330) erwerben. Übernachtungen und Bustransfers sind im Reisepreis enthalten (s. http://hansesail.com/JubilaeumsreiseSTETTIN-2013.675.0.html)

Das Motto ist Technik zum Anfassen. Abseits des Klassenzimmers entdecken Kinder und Jugendliche Technik aus einem neuen Blickwinkel. Sie entdecken wie abwechslungsreich und spannend Technik sein kann. Events an bis zu 70 verschiedenen Standorten laden zum Mitmachen und Erleben ein. So wird Technik greifbar weil begreifbar. Kurzum: Wir beweisen, dass Technik Spaß macht. Nutzen Sie die Chance und stellen Ihr Unternehmen vor! Als Partner des Tags der Technik übernehmen Sie Verantwortung für die Gesellschaft und nicht zuletzt für Ihr eigenes Unternehmen. Sie haben freie Hand, wie Sie Ihr Programm gestalten. Natürlich stehen wir Ihnen dabei gerne mit Rat und Tat zur Seite. Weitere Informationen fi nden Sie auf der Website www.tag-der-technik.de oder wenden Sie sich direkt an das Technologiezentrum Greifswald, Tel. 03834 550-0

Sie sind den Meisten von uns als kleine Helferlein aus dem Automobil bekannt – die Einparkhilfe gehört zum Beispiel dazu. Elektronische Helfer haben aber auch in viele andere Bereiche unseres Lebens Einzug gehalten, wie ab Dienstag, 26. März im Technologiezentrum Greifswald zu sehen ist. Dann öffnet das Kompetenzzentrum für alltagsunterstützende Assistenzlösungen seine Pforten. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich neben einer Dauerausstellung ein Beratungszentrum, in dem sich Firmen wie etwa Pflegedienste, aber auch interessierte Privatpersonen über neue Technologien und Geräte informieren können, die ältere Menschen das tägliche Leben erleichtern. Das Spektrum reicht vom Teppich, der beim Betreten das Licht angehen lässt über einen elektronischen Mahner, der an die rechtzeitige Einnahme von Medikamenten erinnert bis hin zu komplexeren Systemen wie etwa mobilen Notrufsystemen oder leicht bedienbaren Geräten die Gesundheitsparameter erfassen und zur Auswertung durch den Arzt bereit stellen. Das „AALICC“ soll auch ein Zentrum zur Entwicklung neuer Techniken in diesem Bereich sein und nicht zuletzt werden auch Schulungen für Anwender angeboten. Eröffnet wird das Informations- und Kompetenzzentrum im TZV in der Brandteichstrasse 20 in Greifswald am 26. März um 10 Uhr.


Jahr der Romantik

Richtfest

Auszeichnung

Mecklenburg – Vorpommern ist eines der bedeutendsten Zentren der Romantik in Deutschland. Vor allem im Bereich der bildenden Kunst fi ndet das Thema Interesse und das nicht nur in Deutschland. Mit der Initiative „Natürlich romantisch“ widmet sich nun erstmals ein landesweites Projekt diesem Potenzial um Gäste aus Nah und Fern in die Region zu locken.

Bereits im Januar konnten Nordmetall und die Vereinigung der Unternehmerverbände für Mecklenburg-Vorpommern Richtfest für ihr erweitertes Domizil in Schwerin feiern. Das im Jahr 1910 entstandene und als „Alte Villa“ bekannte Haus wurde seit 1951 als Bankverwaltung und Bürohaus genutzt. Im September 2010 wurde es durch Nordmetall, Verband der Metall- und Elektroindustrie übernommen.

Die wissenschaftliche Direktorin des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs, Frau Professorin Dr. Bärbel Friedrich wurde am 7. März 2013 im Berliner Schloss Bellevue vom Bundespräsidenten mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Joachim Gauck hob in seiner Rede das außergewöhnliche Engagement der Professorin für Mikrobiologie hervor: „Parallel zu ihrer erfolgreichen Forschung hat Professorin Bärbel Friedrich nachhaltig bei der Organisation und Strukturierung der Wissenschaften gewirkt, z.B. als Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und in der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages ‚Ethik und Recht der modernen Medizin’. Insbesondere hat sie sich für die Profilierung der Wissenschaften in den neuen Bundesländern eingesetzt.“

Unter Federführung des pommerschen Landesmuseums haben sich zahlreiche Akteure in dieser Initiative zusammen gefunden, darunter das Landesmarketing, der Landestourismusverband und zahlreiche Museen. Ebenso beteiligen sich das Fotofestival „Horizonte“ in Zingst, die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und andere. Medial begleitet wird das Projekt durch den NDR. Sie alle wollen zu einem abwechslungsreichen Programm im „Jahr der Romantik“ beitragen, das im Herbst 2013 beginnt und mit dem 240. Geburtstag Caspar David Friedrichs im Jahr 2014 endet. Wer eigene Ideen für das Projekt einbringen möchte kann sich mit Frau Dr. Birte Frenssen vom Pommerschen Landesmuseum in Verbindung setzen. Spätestens ab August 2013 soll dann eine Website online sein ( www.natuerlich-romantisch.de ) auf der sich alle Informationen und Termine fi nden lassen sollen. Start für das Jahr der Romantik ist der 5. September 2013, der 239. Geburtstag Caspar David Friedrichs.

Zur Sanierung gehört der Einbau eines Aufzuges sowie die Erneuerung der Treppenhäuser. Ebenso wurde modernste Heiztechnik eingebaut, die Büros erhielten klimafreundlichen Lehmputz. Das gesamte Haus wurde entkernt und umgestaltet, um es für seine neue Funktion optimal zu organisieren. Neben zahlreichen Büroräumen, die den Mitarbeitern Arbeitsplätze nach modernsten Standards bieten werden. Entsteht im Erdgeschoss ein Konferenzraum, der 100 Personen Platz bietet. Die Bauherren verweisen darauf, dass die Mehrzahl der Arbeiten aus den 22 unterschiedlichen Gewerken an in der Region ansässige Unternehmen vergeben wurden. Um auch während der Wintermonate keine Zeit zu verlieren wurde die Baustelle komplett eingehaust. Bereits im April soll der zweite Bauabschnitt, der auch den kompletten Innenausbau umfasst, abgeschlossen sein. Ab Mai 2013 startet dann der Bezug der neuen Räume. Text/Foto: ces

Professorin Dr. Bärbel Friedrich ist ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Vizepräsidentin der Deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. In über 200 Originalarbeiten sind ihre wegweisenden Forschungsergebnisse veröffentlicht worden. 2008 übernahm Prof. Dr. Bärbel Friedrich die wissenschaftliche Direktion des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs Greifswald und verantwortet seitdem das wissenschaftliche Programm des Kollegs. Dieses verfolgt das Ziel, die Wissenschaft und Forschung der Universität Greifswald zu stärken, dem Wissenschaftsstandort Greifswald Profi l und Attraktivität zu verleihen und der Region Vorpommern den Aufbau wissensbasierter Zukunftspotentiale zu ermöglichen.


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Wirtschaftliche Auswirkungen einer Ölfeldentwicklung für das Land Kann MV es sich leisten mal wieder ein wirtschaftliches Potential zu ignorieren? Ausschließliche Fragestellungen wie ‚Industrie oder Tourismus?‘ beherrschen oft die öffentliche Debatte über die Optionen und Chancen des Industrieerhalts oder der neuen Industrieansiedlung in Mecklenburg-Vorpommern. Die nicht erfolgreichen Beispiele, Industrie im Land zu entwickeln, haben Namen wie „Werftensterben“ oder „Kraftwerk Lubmin“. Die Hoffnung, einen wirtschaftlichen Aufschwung allein aus der touristischen Entwicklung zu speisen, dürfte vor dem Hintergrund der offensichtlichen Wachstumsgrenzen in Kernzonen wie Rügen und Usedom, der stagnierenden Besucherzahlen und der wachsenden Konkurrenz in diesem Markt unrealistisch sein. Hohes Wertschöpfungspotential auf kleinstem Raum bietet nur die industrielle Entwicklung mit ihren vielfältigen wirtschaftlichen Stimulierungseffekten (Investitionen, Beschäftigung, Auftragsvergabe an die lokale Wirtschaft, Steuern für Land und Gemeinden) und lässt gleichzeitig große Gebiete frei für weitere touristische Entwicklung, falls diese noch möglich ist. Eine gute Nachricht ist auch, dass der Tourismus/Industrie-Gegensatz nur herbeigeredet ist. Mecklenburg hatte beides: Führender Werften- und Kraftwerksstandort und führendes Tourismusland und kann beides weiterhin haben, wenn industrielle Entwicklung als Chance verstanden und bewusst wahrgenommen wird und nicht zur Bedrohung stilisiert wird. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die massive Landschaftsveränderung durch die Hinwendung zu erneuerbaren Energien, egal ob auf Wind-, Solar- oder

Biomassebasis, bisher nur als unterschwelliges Unwohlsein verspürt, aber noch nicht artikuliert wird, obwohl sich hier eine flächige Beeinträchtigung der touristischen Attraktivität vollzieht, die punktuell begrenzte Industrieanlagen und ihre Landschaftsveränderung übertrifft. Die einhergehenden, zunehmend sehr deutlich gefühlten Preisauswirkungen durch das Erneuerbare Energien-Gesetz wird diesen Teil der Debatte sicherlich weiter treiben. Eines der weitgehenden unbekannten, aber möglicherweise großen wirtschaftlichen Potentiale Vorpommerns ist die Ölindustrie. Die allerwenigsten Touristen, aber auch durchaus nicht alle Einheimische wissen, dass in Vorpommern seit 50 Jahren ununterbrochen Öl gefördert wird -gegenwärtig noch in Mesekenhagen und in Lütow/ Neuendorf auf dem Gnitz auf Usedom. Dies belegt, dass diese industrielle Tätigkeit die touristische Entwicklung in keiner Weise beeinträchtigt hat.

In Vorpommern ist durchaus nicht alles Öl und Gas gefunden worden (siehe Visio, 6/2012). Konnte auch gar nicht mit der verfügbaren Technik und den Aufsuchungskonzepten, mit denen der Staatserdölkonzern der DDR, Erdöl-Erdgas Gommern (EEG), in der Region so überaus erfolgreich war. Central European Petroleum (CEP), die in Vorpommern in großen Gebieten Aufsuchungsarbeiten durchführt, wertet gegenwärtig die Ölfunde ihrer ersten drei Aufsuchungsbohrungen der Jahre 2011 und 2012 aus. In Verbindung mit der fl ächigen geologischen/geophysikalischen Neubewertung der Region sieht CEP hier ein Potential, das bei Bestätigung und Entwicklung der ganzen Region einen enormen wirtschaftlichen Wachstumsimpuls für Jahrzehnte geben könnte. Dr. Thomas Schröter, Mitglied der Geschäftsführung und Deutschland-Chef von CEP, fasst Ergebnisse, Hoffnungen


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und Bedeutung des sich abzeichnenden Potentials so zusammen: „Die vorläufigen Ergebnisse und ihre Auswertungen deuten an, dass in Vorpommern ein konventionelles Ölpotential von bedeutenden Ausmaßen, vermutlich sogar europäischer Bedeutung, liegt, das ein Vielfaches der bisherigen historischen Gesamtförderung der letzten 50 Jahre aus dieser Region überschreiten könnte. Wir planen durch Förderteste und weitere geologisch/ geophysikalischen Arbeiten die bisherigen Funde weiter zu testen und ggf. ab 2014 durch Bewertungsbohrungen die vermuteten sehr großen konventionellen Ressourcenvolumen und ihre Wirtschaftlichkeit zu belegen.“ Die Erdölaufsuchung der DDR ging in den 80iger Jahre stark zurück, so dass die zwischenzeitliche Technologie- und Konzeptentwicklung der letzten beinahe 30 Jahre auf die etablierten Ölregionen Vorpommern und Niederlausitz vor CEPs Arbeiten nicht angewandt wurden. Neben den vielversprechenden ersten Ergebnissen geben CEPs Tätigkeiten diesen strukturschwachen Regionen schon jetzt einen sehr deutlichen wirtschaftlichen Impuls, ohne dass es die touristische Attraktivität verringert hätte. Eher im Gegenteil: die Bohrungen von CEP sind ein Besuchermagnet mit bisher über 3000 Besuchern. Und die Firma erteilt für ihre Arbeiten nicht nur Aufträge an Spezialfi rmen, sondern auch an bisher mehr als 300 lokale Zulieferer und Dienstleister in MV und BB. Seit 2007 hat CEP ca. 80 Millionen Euro in Aufsuchungsarbeiten investiert, davon 45 Millionen in Vorpommern. Bisher gingen allein während der letzten Bohrkampagne in den Jahren 2011 und 2012 Aufträge im Wert von 5 Millionen Euro an bisher 235 lokale Firmen! So konnte der Hafen Wolgast z.B. sein durch sinkende Getreideausfuhren zurückgehendes Jahresergebnis 2011 durch die Bohrplatzbaumaßnahmen der CEP bei Neuendorf/Usedom überkompensieren, da CEP über 1500 LKW von der Straße auf das Wasser verlegte und Material im Fährbetrieb von Wolgast zum Bohrplatz brachte. Der Hafen wurde auch 2012 genutzt, um Bohrgerät und Material über das Wasser zu transportieren. Die Mannschaften von CEP und deren Dienstleistern wohnen nicht auf der Bohrstelle, sondern in Unterkünften in der Umgebung und tragen so zur wirtschaftlichen Belebung auch außerhalb der Touristensaison bei.

Auf öffentlichen Vorträgen stellt CEP dieses Potential, die weiteren Pläne und die enormen wirtschaftlichen Impulse für Vorpommern dar. Es geht demnach ausdrücklich nicht vorrangig um verschiedene kleinere Strukturen vom Typ der bekannten Ölfelder der Region, wie z.B. Reinkenhagen, Lütow, Richtenberg usw., deren Reserven im Bereich einiger Millionen Barrel Öl lagen, obwohl auch solche Strukturen wirtschaftlich hoch attraktiv sein können. CEP sieht in der Umgebung des Ölfundes der Barth-11 Bohrung (bei der Ortschaft Saal) aus dem Jahr 2011 ein geologisches Ressourcenpotential von 250 Millionen Barrel (zur Umrechnung in Tonnen überschlägig durch 8 teilen). Hier muss unbedingt auf die wichtigen Unterschiede in den Begriffl ichkeiten hingewiesen werden: Geologen bezeichnen mit geologischen Ressourcen das Ölvolumen im Gestein (OIP = oil in place). Weltweit können aus konventionellen Öllagerstätten nur zwischen 10 – 40% der vorhandenen Ressourcen im Gestein gefördert werden, die große Masse des Öls bleibt im Gestein, weltweit. Nur das Ölvolumen, das zu gegebener Zeit mit vorhandener Technik und wirtschaftlich unter dem vorherrschenden Ölpreisniveau gefördert werden kann, wird als Reserven bezeichnet. Vorbehaltlich weiterer Tests geht CEP ggw. davon aus, dass 15% dieser 250 Millionen Barrel Ressourcen über 25 Jahre gefördert werden könnten, WWwas einem Reservenpotential von etwa 40 Millionen Barrel entspräche. Geologische und geophysikalische Daten deuten an,

dass diese 250 Millionen Barrel nur ein Teil einer noch viel größeren Lagerstätte von vielleicht sogar mehr als 1400 Millionen Barrel geologischer Ressourcen sein könnte. Da Investoren im Milliarden Euro-Bereich doch sehr rar sind in der Industrielandschaft Mecklenburg-Vorpommerns, lohnt sich ein Blick auf die möglichen wirtschaftlichen Impulse, die aus einer Ölfeldentwicklung erwachsen könnten. Da Papier bekanntlich geduldig ist, beschränkt sich Schröter gegenwärtig auf die Darstellung einer konventionellen Feldesentwicklung einer Ölstruktur mit 250 Millionen Barrel geologischer Ressourcen im Gestein, von denen angenommen wird, dass 15% förderbar sind, was Ölreserven von ca. 40 Millionen Barrel entspräche. Für die Speichergesteinseigenschaften wurden die gemessenen Werte des Ölfundes Barth 11 angesetzt, welcher voraussichtlich im Herbst getestet werden soll. Entsprechend den Annahmen von CEP hätte eine solche Feldesentwicklung allein über den wirtschaftlichen Betrachtungszeitraum von 25 Jahren (das Feld wird viel länger fördern, siehe das Beispiel des Lütow Feldes auf Usedom, welches seit 47 Jahren ununterbrochen fördert) einen unmittelbaren und mittelbaren wirtschaftlichen Effekt auf die gesamte Region, die lokalen Firmen, den Landeshaushalt und den Gemeindehaushalt am Förderstandort von insgesamt 2,25 Milliarden Euro.


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Eine astronomische Summe für Mecklenburger Verhältnisse! Die Graphik zeigt die Anlageninvestitionen und Betriebskosten über den Betrachtungszeitraum und die voraussichtlichen Steuerabgaben eines solchen Projektes. Die 770 Millionen Euro Anlageninvestitionen beinhalten als wesentliche Einzelposten die Förderbohrungen, die Ölund Gasaufbereitungsanlagen und die Pipeline-Anbindungen (gedückert zur weitgehenden Vermeidung von Oberflächenstörungen) zur Bahnverladung und Gasabnahme, sowie alle umfangreichen Planungsleistungen. Zunächst erscheint die Planungszahl von 28 Feldesbohrungen erschreckend, jedoch werden Felder nicht mehr wie das Lütow Feld in den 60iger Jahren entwickelt, wo der Gnitz auf Usedom von 50 vertikalen Bohrungen abgebohrt wurde - alle paar Hundert Meter eine; was man übrigens dem touristisch sehr beliebten Gebiet nicht ansieht. Eine moderne Feldesentwicklung mit 28 Bohrungen würde heute von 3-4 Oberflächenlokationen (jede mit etwa Fußballplatzgröße) mit jeweils 7-10 abgelenkten Bohrungen erschlossen, die in der Tiefe in verschiedene Lagerstättenteile geführt werden. Der Oberflächenverbrauch wird durch moderne Technik auf einen Bruchteil reduziert. Mecklenburg hat zwar keine spezialisierten Tiefbohrfirmen mehr, trotzdem gingen bereits bei den bisherigen Explorationsbohrungen ca. 12,5% des Vergabevolumens an lokale Zulieferer und Dienstleister. Übrigens, nicht nur das Öl ist ein Produkt aus der Region. Das Knowhow ist sehr wohl auch aus der Region! Etwa 30% der Mitarbeiter der deutschen Bohrfirma KCA Deutag, die die bisherigen Suchbohrungen für

CEP gebohrt hat, haben ihr Handwerk bei EEG gelernt und wohnen zum Teil immer noch in MV! Neben den Betriebskosten und Anlageninvestitionen fl ießen im Betrachtungszeitraum etwa 800 Millionen Euro als Steuerabgaben an den Fiskus. Eine Größenordnung die zweifellos auch in Schwerin wahrgenommen werden sollte! In der Ölindustrie ist es üblich, Förderfi rmen am Förderort zu gründen, damit die betreffenden Gemeinden neben Arbeitsplätzen und Auftragsvergaben an die lokalen Firmen auch ganz handfest über die Gewerbesteuer am wirtschaftlichen Aufschwung partizipieren - in jedem Fall das sinnvollere Verfahren als die Gewerbesteuer an einem entfernten Firmensitz zu zahlen, wo das Geld in ein schwarzes Großstadtloch fällt und niemand was davon hat und „Danke“ sagt... . Auf den zahlreichen Informationsveranstaltungen, die CEP durchführt, wird regelmäßig die Frage nach der Begleitgasverwendung gestellt. Bei jeder Ölproduktion fällt durch die Druckentlastung des Öls bei der Förderung Entlösungsgas an. Während dieser wertvolle Energieträger früher sinnlos abgefackelt wurde, ist dieses Verfahren bei neuen Feldesentwicklungen natürlich nicht mehr genehmigungsfähig und Stand der Umwelttechnik. Die Graphik zeigt die enormen Begleitgasmengen, die über die Förderdauer mitgefördert werden und oft im Laufe des Feldeslebens durch die Druckentlastung in der Lagerstätte weiter ansteigen. Dies könnte ein wesentlicher Baustein für das Energiekonzept Mecklenburg-Vorpommerns werden, da lokal gefördertes Gas die Grundlage der angestrebten Wertschöpfung im Land bei gleichzeitiger Netz-

stabilisierung und geringem CO2-Ausstoss sein könnte. Auch die Ölförderung steht nicht im Gegensatz zu den proklamierten erneuerbaren Energiezielen, da Öl in Deutschland - einem der großen Ölverbraucher der Welt - kein Energieträger zur Stromerzeugung ist. Mehr als die Hälfte des Öls, das Deutschland braucht und aus umwelttechnisch z.T. fragwürdiger Förderung hinter der Horizontkrümmung bezieht, wird nicht verbrannt, sondern zu Tausenden von Gegenständen des täglichen Bedarfs verarbeitet, darunter z. B. auch den Verbundwerkstoffen, aus denen die Rotoren der Windräder sind. Mecklenburg-Vorpommern hat durch die großen europäischen Gaspipelinequerungen eine hervorragende Infrastruktur, um das nicht im Lande für Verstromungs/KWKProzesse verwandte Gas in den großen europäischen Gaspool einzuspeisen. All dies sind Prozesse mit hoher Wertschöpfung in der Region! CEP plant, dieses sich abzeichnende konventionelle Ölpotential in der nächsten Zeit zu testen und wirtschaftliche Förderbarkeit nachzuweisen. Schröter endet seine Vorträge gerne mit dem Hinweis, dass vor dem Hintergrund des Beklagens der regionalen Strukturschwäche „die hier vorläufig skizzierten 2,25 Milliarden Euro wirtschaftlichen Effektes für MV im Falle der nachgewiesenen Wirtschaftlichkeit eines 40 Millionen Barrel Feldes sicher zu den gegenwärtig größten Industrie- und Wertschöpfungshoffnungen Mecklenburg-Vorpommerns zählt. Die wirklich gute Nachricht jedoch ist, dass dieser wirtschaftliche Impuls sich auf der Basis der geologischen Andeutungen eines noch viel größeren Ölpotentials vielleicht versechsfachen ließe!“ Text: ces | Grafik: CEP


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Hermes Logistik in Jarmen

Ihren neu gebaute Niederlassung in Jarmen, die seit Herbst 2012 in Betrieb ist, hat die Hermes Gruppe nun auch offiziell eingeweiht. Der 4,8 Millionen Euro teure Neubau dient als Zentrum für die Bedienung eines knapp 10.000 km2 großen Zustellgebietes. Versorgt werden darüber hinaus rund 210 Paketshops, die in der Region zwischen der Ostsee im Norden und der Uckermark als südlicher Grenze zu fi nden sind. Bis zu 13.000 Sendung täg-

lich können in der Niederlassung bearbeitet werden, was sich zu rund 3,5 Millionen Sendungen pro Jahr addiert. Gleichzeitig bietet das neue Betriebsgelände Raum für spätere Erweiterungen. Dirk Rahn, COO der Hermes Logistik Gruppe, merkte an, dass das neue Zentrum zu einem der modernsten der Gruppe gehöre. Insgesamt werde Hermes bundesweit 120 Millionen Euro in den Bau von 18 neuen Niederlassungen investieren. Am alten

Standort in Kletzin habe man keine Erweiterungsmöglichkeiten gesehen. Alle 44 Mitarbeiter des alten Standortes sind nach Kletzin gewechselt, zusätzliche Arbeitsplätze können jedoch künftig entstehen, wenn sich der Standort weiter entwickelt. Rahn lobte in diesem Zusammenhang die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern. Text/Fotos: ces ANZEIGE

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Baustart für biosanica Lange lag das Gewerbegebiet am Pommerndreieck in Süderholz brach. Mit dem ersten Spatenstich und dem Baubeginn für die biosanica Manufaktur kehrt nun Leben ein. „Diese Neuansiedlung zeigt, dass Mecklenburg-Vorpommern ein guter Standort für Investitionen und attraktiv für Unternehmen ist! “ so Wirtschaftsminister Harry Glawe. Die im August 2010 gegründete biosanica GmbH hatte bislang ihren Sitz in Himmelstadt in Bayern. Am alten Standort waren die Produktionskapazitäten ausgeschöpft, Perspektiven für eine bauliche Erweiterung nicht vorhanden. Die positive Geschäftsentwicklung erforderte eine Neuausrichtung, zumal die Produktpalette, die sich bis dato auf Apfeltrockenprodukte beschränkte, deutlich um weitere Bioprodukte wie etwa getrocknete Beeren und Birnen erweitert werden soll. Im Jahr 2012 wurden in Bayern rund 1.400 Tonnen Bioäpfel zu 180 Tonnen Apfeltrockenprodukten veredelt. Abnehmer sind namhafte Hersteller von Biomüslis in Deutschland, aber z.B. auch in Frankreich, Österreich und Dänemark. Das neueste Produkt, BioApfelmehl, wird etwa in Bio-Teemischungen oder Bio-Backwaren eingesetzt.

Qualität „Made in Germany“ ist aus Sicht der biosanica der treibende Faktor für die positive Geschäftsentwicklung. Nicht nur bestehende Kunden sondern auch zahlreiche neue Interessenten aus Europa fragen vermehrt die Produkte des Unternehmens nach. Der Trend zur Bevorzugung von regionaler produzierter Ware verstärkt sich beim Verbraucher zunehmend. Betriebswirtschaftliche Faktoren wie etwa Währungsunsicherheiten oder Qualitätsprobleme, wie sie beim asiatischer Ware immer wieder auftreten sorgen für weiteren Nachfrageschub. Mit der neuen Produktionsstätte, die auf dem 22.000 qm großen Grundstück errichtet wird, soll der Grundstein für das künftige Wachstum des Unternehmens gelegt werden. Mit dem Greifswalder Investor Norbert Braun und der in Passau ansässigen mymuesli GmbH haben sich zwei weitere starke Partner als Gesellschafter in der biosanica GmbH engagiert. Am Pommerndreieck in Süderholz entsteht nun die modernste Trocknungsanlage in Europa. Von den 2000 Quadratmetern des Neubaus entfällt rund die Hälfte auf Produktionsflächen. Dazu entstehen Sozialräume, Verwaltung, Lager, Kühl-

häuser und nicht zuletzt ein Lagerverkauf. Die Fertigstellung des Komplexes ist für den Spätsommer 2013 geplant. Gleichzeitig bietet der Standort Pommerndreieck ausreichend Potenzial für künftige Betriebserweiterungen. Zum Start des Produktionsbeginns fi nden 15 Mitarbeiter einen Arbeitsplatz. Das Gesamtinvestitionsvolumen für den neuen Standort beläuft sich auf cirka 3,6 Millionen Euro. Der Zuschuss des Wirtschaftsministeriums für die Errichtung der Betriebsstätte beträgt im Rahmen der Ge-


meinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GWR) in Verbindung mit Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bei Erfüllung der notwendigen Voraussetzungen rund 1,6 Millionen Euro. „Die Schaffung von Arbeitsplätzen, von gut bezahlten und von der Saison unabhängigen Arbeitsplätzen ist für die Region und das Land von besonderer Bedeutung. Wir brauchen noch mehr qualifizierte Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt! Hier werden wir auch weiterhin unterstützen und Ansiedlungen begleiten.“ so Minister Glawe in seinem Statement. Die Gesellschafter wiesen darauf hin, dass die Entscheidung für den Standort Pommerndreieck vor allen Dingen aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen getroffen worden sei. Kurze Wege zur Rohstoffversorgung (Bio-Äpfel aus Mecklenburg-Vorpommern, Rügen und dem alten Land bei Hamburg) und die geplante Ausweitung der Vertriebswege in die skandinavischen Ländern seien entscheidend gewesen. Nicht zuletzt aber habe die aktive und konstruktive Unterstützung durch das

Land, die regionale Politik und vor allem durch die Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern zur Entscheidung für den neuen Standort beigetragen. Damit seien beste Voraussetzungen geschaffen worden, das Wachstum des Unternehmens weiter auszubauen und die angestrebte Marktführerschaft in Europa zu erreichen. Text: ces Fotos: ces, biosanica, clearlens-images / pixelio.de ANZEIGE

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Kompetenz Zuverlässigkeit Sicherheit Automatisierte Serienfertigung von Airbag-Gasgeneratoren bei der TRW Airbag Systems GmbH

Die Partnerschaft der Automobilzulieferer in Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern hat sich als kleine – aber feine ��� Automotive-Region innerhalb des „Auto-Superstandortes“ Deutschland einen Namen gemacht. Etwas abseits der großen deutschen OEMs hat sich unser Bundesland zu einer dynamischen und erfolgreichen Automobilzulieferregion entwickelt. Dieser Erfolg ist in erster Linie einer Reihe von Systemproduzenten und Zulieferern zu verdanken, die sich als zuverlässige Partner der Automobilwirtschaft etabliert haben und sich heute erfolgreich im globalen Wettbewerb behaupten. Mecklenburg-Vorpommern steht für moderne Fahrzeugklimatisierung und –heizung, für zuverlässigen Insassenschutz, für die Fertigung hydraulischer Präzisionskomponenten und moderner Fahrzeuginformationssysteme, für innovative Leichtmetallumformung – und seit kurzem auch für die Montage von robusten allradgetriebenen Nutzfahrzeugen. Seit dem Jahr 2006 sind die Zulieferer im Nordosten in einem eigenen Branchennetzwerk organisiert, deren Basis der Verein automotive-mv e. V. ist. Heute zählen Verein und Netzwerk 20 Mitglieder. Unsere Netzwerkpartner beschäftigen 3500 Mitar-

beiter. Zu ihnen gehören große und bekannte Systemlieferanten wie Webasto Neubrandenburg, TRW Airbag Systems Laage, ml&s Greifswald, Lear Corp. Wismar, Spheros Europa Neubrandenburg, Hydraulik Nord Fluidtechnik Parchim, Flamm Precomp Laage und Oberaigner Automotive Laage. Das Bild der Zulieferindustrie im Lande wird aber auch maßgeblich durch spezialisierte Mittelständler geprägt - wie z. B. Lang Metallwarenproduktion Woldegk, Gummifabrik Lubeca Upahl, SD Klaus Hirsch Neubrandenburg, Teterower Kunststoffe, Bremi Fahrzeugelektrik Dömitz, EcoNautic Dargun, Mues Neubrandenburg oder DBW Metallverarbeitung Ueckermünde. Sie verarbeiten Stahl, Leichtmetall, Gummi oder Kunststoff, montieren automotive Komponenten oder sind im Werkzeugbau tätig. Das Netzwerk hat einiges vorzuweisen: die Mitglieder des automotive-mv realisieren in mehrfacher Hinsicht Spitzenleistungen, zwei Beispiele seien stellvertretend aufgeführt: Die Webasto Neubrandenburg GmbH ist der Hauptunternehmensstandort für die Produktion von Fahrzeugheizungssystemen. Das Unternehmen hat mehrfach in Folge den Titel „Best Brand“ der Fachzeitschrift „auto motor und sport“ errungen und wurde wiederholt als einer der „Top 50 Besten Arbeitgeber Deutschlands“ ausgezeichnet. Die TRW Airbag Systems GmbH in Laage erhielt schon mehrere Auszeichnungen, mit denen ihr leistungsfähiges integriertes Managementsystem sowie die hervorragende

Marktposition im internationalen Wettbewerb honoriert wurde – unter anderem den „Ludwig-Erhard-Preis für Spitzenleistung und Wettbewerbsfähigkeit“. Beide Unternehmen sind Best Practice Partner im Netzwerk – der Erfahrungsaustausch mit ihnen ist bei anderen Partnern sehr gefragt. Das zentrale Anliegen des automotiveNetzwerkes ist es, die Zulieferbetriebe unseres Landes zusammenzubringen und Ihnen eine Kommunikationsplattform zu bieten. Aber nicht nur das. Das Netzwerk unterstützt ganz konkret durch systematischen Erfahrungsaustausch und Best-PracticeTransfer durch Weiterbildungs- und Trainingsmaßnahmen durch regelmäßige Unternehmensbesuche und Fachworkshops durch Öffentlichkeitsarbeit, Messeteilnahmen, Veranstaltung von Fachtagungen durch die organisatorische Hilfe bei F&EProjekten und durch vieles andere mehr. Das Netzwerkmanagement unter der Leitung von Dr. Andreas Vietinghoff organisiert diese Aktivitäten. Die hohe Qualität und die einzigartige Praxisnähe der Netzwerkaktivtäten wären aber ohne das aktive Engagement vieler Fach- und Führungskräfte aus den Partnerbetrieben nicht möglich. Hier stehen insbesondere aufgrund ihrer Kompetenz und Branchenerfahrung die Mitglieder des Vorstandes des automotive-mv e. V. in der ersten Reihe: Dr. Andreas Dikow (Webasto Neubrandenburg, Vorsitzender des Vorstandes), Ralf Duwe


(SD GmbH Klaus Hirsch Neubrandenburg), Dieter Schmid (Flamm Precomp Laage) und Detlef Riedel (ml&s Greifswald). Sie sind für das Netzwerkmanagement, aber auch für die Netzwerkpartner eine wichtige Beratungsinstanz. Wie die globale Automotive-Branche stehen auch die Zulieferer in Mecklenburg-Vorpommern vor großen Zukunftsherausforderungen. Viele der Betriebe sind hierfür schon heute gut gerüstet: Der automotive-mv e. V. wird gemeinsam mit seinen Mitgliedern diese Herausforderungen aktiv angehen. Dazu wird der fachspezifische Erfahrungsaustausch in den für die Unternehmen lebenswichtigen Bereichen zielgerichtet ausgebaut und an die wachsenden Branchenanforderungen angepasst. Der Netzwerkmanager Dr. Andreas Vietinghoff steht allen Interessenten mit Informationen rund um das Netzwerk automotive-mv zur Verfügung. Kontakt a.vietinghoff@refa-mv.de www.automotive-mv.de Tel.: (0381) 45 52 23

Visio/WS: Was zeichnet die Zulieferer in Mecklenburg-Vorpommern in besonderer Weise aus? Dr. Andreas Vietinghoff: Unsere Betriebe verfügen vor allem über die Kompetenzen, die für effi ziente Prozesse in Fertigung, Montage und Logistik entscheidend sind. Dazu gehört auch eine hohe Flexibilität bezüglich Auftragsgrößen, Variantenvielfalt und Fertigungstiefe – Trümpfe, welche die Zulieferer im Nordosten auch während schwieriger Krisensituationen, wie z.B. in den Jahren 2009/2010, vor größeren Problemen bewahrt haben. Nicht zuletzt sprechen die sehr gut qualifi zierten und motivierten Arbeitskräfte für den Standort Mecklenburg-Vorpommern. Ein konkretes Beispiel zeigt, dass Mecklenburg-Vorpommern durchaus eine attraktive Automotive-Region ist: Die Oberaigner Automotive GmbH, ein Spezialfahrzeugproduzent aus Österreich, baut derzeit in Laage bei Rostock ihren Produktions- und Entwicklungsstandort für die Entwick-

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lung, Montage und Auslieferung von modernen allradgetriebenen Nutzfahrzeugen auf der Basis des Mercedes-Benz Sprinter und weiterer etablierter Transporter aus. Visio/WS: Wie unterstütz das Netzwerk die Partnerbetriebe konkret im Tagesgeschäft? Dr. Andreas Vietinghoff: Ganz wichtig sind die fachliche Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch. Besonderer Fokus liegt dabei auf dem Qualitätsmanagement, der nachhaltigen Organisation von Logistik- und Produktionsprozessen, der Umsetzung moderner Personalführungskonzepte und anderen betrieblichen Prozessen. Um wirklich den Nerv der Unternehmen zu treffen, haben wir mehrere Facharbeitskreise gebildet, in denen Fachverantwortliche und Spezialisten aus den Netzwerkbetrieben aktiv sind. Diese organisieren eng am Bedarf der Betriebe und den Branchenbesonderheiten orientierte Workshops, Trainings

Interview mit dem Netzwerkmanager Dr. Andreas Vietinghoff Visio/WS: Die Branche ist in Mecklenburg-Vorpommern weniger bekannt als der Schiffbau oder die Nahrungsmittelindustrie. Wie kann man die Zulieferindustrie in Mecklenburg-Vorpommern ganz kurz charakterisieren? Blick auf die Oberaigner Automotiv GmbH in Laage

Dr. Andreas Vietinghoff: Neben sieben größeren international agierenden Unternehmen - Webasto, Spheros, TRW, Lear, Hydraulik Nord, ml&s und Flamm Precomp - ist die Branche in Mecklenburg-Vorpommern überwiegend mittelständisch geprägt. Insgesamt zählen wir zum Automotive-Bereich etwa 100 Betriebe, die in verschiedenen Bereichen des verarbeitenden Gewerbes angesiedelt sind. Sie beschäftigen ca. 5000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Automotive-Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr. Die Branche bietet hochwertige Arbeitsplätze und entwickelt sich im Vergleich zu anderen Industriezweigen im Land sehr dynamisch – weiteres Wachstum bei Umsatz und Beschäftigung ist in diesem und dem folgenden Jahr fest eingeplant.

6. automotive-Branchentag Mecklenburg-Vorpommern „Prozesse und Ressourcen – Herausforderungen für die Automotive-Industrie in Mecklenburg-Vorpommern“ Wo:

Oberaigner Automotive GmbH Roman-Oberaigner-Allee 1 18299 Laage

Wann: 11. April 2013; ab 12:30 Uhr (Beginn 13:00 Uhr) Weitere Informationen zum Ablauf des Tages sowie den Einladungsflyer fi nden Sie unter: www.automotive-mv.de


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und Projekte. Durch die Einbindung in den Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) bekommen wir dafür auch wertvollen Input von den Partnern aus den anderen neuen Bundesländern. Der Best-Practice-Transfer steht auch in diesem Jahr wieder weit oben auf der Netzwerkagenda. Wir werden wieder eine Workshopreihe organisieren, die unter dem Leitsatz „Von den Besten lernen“ steht. Wichtige Schwerpunkte sind u. a. Automotive Lean Production Systeme, Supply Chain Management, Rüstzeitoptimierung, Arbeitsplatzorganisation, Instandhaltungsmanagement, automotive Kennzahlensysteme, aber auch „weiche Themen“ wie Führungskräfteentwicklung und persönliches Zeitmanagement. Visio/WS: Wie können sich interessierte Unternehmen einen Überblick über die Aktivitäten des Netzwerkes verschaffen? Dr. Andreas Vietinghoff: Selbstverständlich stehe ich jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung, um unser Netzwerk, seine Aktivitäten und den konkreten Nutzen einer Mitgliedschaft vorzustellen.

Qualitätskontrolle bei der Flamm Precomp GmbH & Co. KG

In Kürze bietet sich darüber hinaus eine sehr gute Möglichkeit, die Automobilzulieferindustrie unseres Landes, die Zusammenarbeit im Netzwerk und aktuelle Themen aus erster Hand kennenzulernen: Am 11.April veranstalten wir unseren alljährlichen Höhepunkt, den automotiveBranchentag bei unserem Vereinsmit-

glied, der Oberaigner Automotive GmbH in Laage. Dort bietet sich für Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung die Gelegenheit, hochinteressante Fachvorträge zu verfolgen, den Gastgeberbetrieb und das Netzwerk kennenzulernen sowie sich an anregenden Diskussionen und Gesprächen zu beteiligen. ANZEIGE

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6. Branchentag Automotive MecklenburgVorpommern 2013 Das Leitthema des diesjährigen Branchentages lautet: „Prozesse und Ressourcen - Herausforderungen für die Automotive-Industrie in Mecklenburg-Vorpommern“. Gemeinsam mit den Automobilzulieferunternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern werden  Chancen und Ergebnisse der Zusammenarbeit im Branchennetzwerk aufzeigt. Seit 2006 sind die Automobilzulieferer im Nordosten im automotive-mv e. V. organisiert und schauen mittlerweile auf sieben erfolgreiche gemeinsame Jahre zurück. Mecklenburg-Vorpommern hat sich als wichtige Automotive-Region innerhalb des „Auto-Superstandortes“ Deutschland einen Namen gemacht. Heute steht die Branche auch in Mecklenburg-Vorpommern vor großen Herausforderungen: Zum einen verschärft sich der globale Wettbewerb. Zum anderen erwartet die Gesellschaft nachhaltige Mobilitätskon-

zepte. Dies betrifft nicht nur klimaschonende Antriebe, sondern auch ressourcen- und kosteneffiziente Technologien in allen Prozessen entlang der automobilen Wertschöpfungskette. Die Zulieferer in Mecklenburg-Vorpommern profitieren von den gemeinsamen Aktivitäten im Netzwerk in besonderer Weise. Auch zukünftig werden dabei organisierter BestPractice-Transfer und die Unterstützung von Innovationen im Mittelpunkt stehen – gerade auch auf dem Gebiet der Prozesse und Ressourcen. Was dies konkret heißt, wird u.a. auf dem Branchentag am 11. April  2013 in Laage  vorgestellt. Fachbeiträge von Branchenexperten aus M-V und national werden dazu neueste Entwicklungen in den Unternehmen sowie innovative Projekte vorstellen und damit Anregungen für den nachfolgenden Erfahrungsaustausch liefern.

Das „Rahmenprogramm“ des Branchentages sieht neben einem Werksrundgang beim automotive-mv Vereinsmitglied Oberaigner Automotive GmbH und einem gemeinsamen Imbiss auch wieder eine Leistungsschau der Automobilzulieferer aus Mecklenburg-Vorpommern vor, in der eine Auswahl innovativer Produkte unserer Netzwerkpartner vorgestellt werden. Ablauf/ Inhalte/ Anmeldungen zum Branchentag 2013 bitte unter: info@refa-mv.de Tel. 0381-455223 / Fax: 0381-455224   Wann: 11. April  2013 Ort: Oberaigner Automotive GmbH in Laage Beginn: 13.00 Uhr  


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Prolupin Eiweiss als Erfolgsstory Was genau kann man sich darunter vorstellen? In welchem Bereich arbeitet Ihr Unternehmen? Die Gründung der Prolupin erfolgte im Rahmen des BMBF Forschungsprojektes „PlantsProFood“. Es ging dabei um den Nachweis, dass aus der Blauen Süßlupine Lebensmittelzutaten gewonnen werden können, die den Verzicht tierischer und anderer pflanzlicher Eiweiße in der Lebensmittelherstellung erlauben. Pflanzenbasierte Lebensmittel sind besonders für Zielkunden geeignet, die unter Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien leiden. Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens PlantsProFood und die erfolgreiche Vermarktung unseres rein pflanzlichen Lupinesse-Speiseeises haben uns und unsere Partner darin bestärkt, die Prolupin-Technologie weiter auszubauen. Die Lebensmittelindustrie fragt gezielt nach einheimischen und hochwertigen Lebensmittelzutaten nach. Hier können wir mit der eiweißreichen Blauen Lupine einen wichtigen Beitrag leisten. Auf der Suche nach einem neuen Standort haben Sie sich nun für Grimmen entschieden. Was hat da den Ausschlag gegeben?

Aktuell sind wir Mieter im Zentrum für Lebensmitteltechnologie in Neubrandenburg. Dort konnten wir für die Realisierung unseres Forschungsvorhabens auf eine hervorragende Infrastruktur im Technikumsmaßstab und auf ein kompetentes Partnernetzwerk zurückgreifen. Um die zukünftige Industrieproduktion sicherzustellen, haben wir frühzeitig mit der Suche nach einem geeigneten Standort begonnen. Dabei wurden wir professionell von der Invest in MV und der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern unterstützt. Grimmen hat sich letztlich unter vielen Standorten durchgesetzt. Das Engagement der Stadt Grimmen, unseres zukünftigen Vermieters und das Zusammenspiel mit den dortigen Behörden hat uns überzeugt, am Standort Grimmen zu investieren. Grimmen bietet zudem reichlich Potential für betriebliche Erweiterungen. Gerade ist die Internationale Grüne Woche in Berlin zuende gegangen und Sie haben dort Ihre Lupinenprodukte vorgestellt. Wie war die Resonanz? Nach einer intensiven Phase der Produktentwicklung haben wir auf der Grünen Woche unsere Produkte einer bereiten Kundschaft präsentiert. Besonders die fettreduzierte Wurstwaren standen neben dem rein

pflanzlichen Lupinesse-Eis hoch im Kurs. Die IGW hat gezeigt, dass unser lupinenbasierten Wurst,- Back- Teigwaren sowie Feinkostprodukte kein Nischenprodukt für Vegetarier, Veganer und Lebensmittelallergiker sind, sondern gute Chancen für eine breite Marktakzeptanz haben Von Vorpommern in die Welt – wie sieht die nähere Zukunft für Prolupin aus? Wir vermarkten unsere Lebensmittelzutaten international, sind aber weiterhin fest mit der Region verankert. Prolupin steuert die gesamte Verarbeitungskette zur Herstellung von Lebensmittelzutaten aus Lupinen mit Partnern aus MV: das beginnt beim Lupinenanbau über die Bereiche Verfahrenstechnik, Analytik und Sondermaschinenbau bis zur Anwendung der Lebensmittelzutaten bei Produzenten wie Greifen-Fleisch, Möwe Teigwaren oder auch der Stadtbäckerei Junge. Unsere Geschäftsidee ist gut in MV, einem klassischen Agrarland mit einer leistungsstarken Ernährungsindustrie, aufgehoben. Der Aufbau der neuen Lupinenverarbeitung erfolgt mit Unterstützung der Landesregierung MV. Wir sind zuversichtlich, dass wir uns im Verbund als Hersteller von Lebensmittelzutaten am internationalen Markt behaupten werden.


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Plasma im Fokus Über Anwendungsmöglichkeiten der Niedertemperatur - Plasmatechnik im industriellen und medizinischen Bereich diskutierten Experten aus Forschung, Entwicklung und Industrie in Greifswald. Schon heute ist die Plasmatechnologie aus dem täglichen Leben nicht mehr weg zu denken. So werden Folien für Plastiktüten mit Plasma bedruckbar gemacht und auch die Herstellung hoch integrierter Schaltungen wie wir sie als Chip im Computer kennen ist nur mit dieser Technik möglich. Weitere Einsatzbereichen fi nden sich etwa in der Medizin. Hier kann Plasma zur Förderung von Wundheilung und zur Desinfektion eingesetzt werden. Prof. Weltmann, Chef des Greifswalder Leibnitz - Instituts für Plasmaphysik und Technologie (INP) betonte gemeinsam mit Prof. Hannelore Weber, Rektorin der Ernst-Moritz-Arndt-Universität und Prof. Holger Kersten vom Institut für angewandte Plasmaphyhsik Kiel die Bedeutung des seit dem Start im Jahr 1992 in Greifswald entstandenen Forschungsclusters für die internationale Plasmaforschung. Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass die Möglichkeiten der Anwendung kalter Plasmen noch lange nicht ausgeschöpft sind und künftig einen

noch wichtigeren Faktor als bislang in vielen Bereichen der Wirtschaft spielen werden. Die zeigt sich nicht zuletzt in der Zusammensetzung der Konferenzteilnehmer. Mehr als 140 Studierende, dazu Vertreter namhafter internationaler Unternehmen und Forscher aus dem In- und Ausland waren in Greifswald zu Gast. Diskutiert wurden Entwicklungen in der Medizin ebenso wie im Umweltbereich. Spannendes Thema hier ist die Behandlung der Abgase von Schiffsdieselmotoren mit Plasma zur Verringerung des Eintrags von umweltschädlichen Stoffen. Zuversichtlich ist Prof. Weltmann was die weitere Entwicklung der For sc hu ngsei nrichtung betrifft. Seit Gründung der Einrichtung im Jahr 1992 hat sich die Zahl der Mitarbeiter von 55 auf cirka 180 erhöht. Auch die Einwer-

bung von Drittmitteln der Industrie für Forschungsvorhaben hat sich positiv von 2 Millionen Euro auf über 7 Millionen Euro entwickelt. Als Ergebnis der intensiven Forschungsarbeit meldet das INP pro Jahr zwischen zwei und vier Patenten an. Gleichzeitig werden Strategien verfolgt, um die Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte umzusetzen. Auch hier ist den enge Schulterschluss zwischen Forschung, Lehre und Wirtschaft Garant für künftige Erfolge. Text/Fotos: ces


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Im Interview mit Thomas Besse Als neuer operativer Geschäftsführer

seiner Zeit als Geschäftsstellenleiter in

der Greifswalder Arbeitsagentur ist

Greifswald leitete er in den letzten

Thomas Besse zukünftig verantwortlich beiden Jahren Jobcenter im Bereich der für das Vermittlungs- und Beratungsge-

Agentur für Arbeit Neubrandenburg.

schäft im Landkreis Vorpommern-

Jetzt ist er nach Greifswald zurückge-

Greifswald.

kehrt – an seine alte Wirkungsstätte

Der 44-jährige Diplom-Verwaltungs-

Thomas Besse ist verheiratet, hat zwei

wirt (FH) arbeitet bereits seit 1991 bei

Kinder und lebt mit seiner Familie auf

der Bundesagentur für Arbeit. Nach

dem Lande in der Nähe von Greifswald.


Herr Besse, Sie sind der operative Geschäftsführer der neu gegründeten Agentur für Arbeit Greifswald. Für welchen Bereich sind Sie verantwortlich? Ich kümmere mich um die Steuerung und Strategien des Beratungs- und Vermittlungsgeschäftes im gesamten Agenturbezirk. Dazu gehören zum Beispiel die Planung unserer Weiterbildungen, die Organisation der Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern und die Ausrichtung unserer Förderprogramme. Wie viele Geschäftsstellen gibt es in Ihrem Bezirk? Die neue Agentur Greifswald finden Sie an allen bisherigen Standorten der Agenturen Neubrandenburg und Stralsund. Wir sind in Greifswald, Wolgast, Anklam, Ueckermünde und Pasewalk zu erreichen. Noch mehr Standorte hat der Arbeitgeberservice. Hier sind wir gemeinsam mit dem Jobcenter auch noch in Koserow und Torgelow präsent. Wie beurteilen Sie die Gesamtsituation des Arbeitsmarktes in Ihrem Wirkungskreis? In den letzten Jahren hat sich die Arbeitsmarktlage deutlich gebessert. Trotzdem ist es noch nicht gelungen, allen Menschen eine neue Perspektive zu eröffnen. Inzwischen haben wir natürlich auch schon strukturelle Probleme. Fast 40 Prozent der Jobsuchenden sind älter als 50 Jahre, viele Menschen sind langzeitarbeitslos, und die Schwierigkeiten der ländlichen Regionen sind ungleich größer als die auf Usedom oder in Greifswald. Wir können deshalb auch nicht mit dem einen Rezept erfolgreich sein, sondern brauchen sehr individuelle Antworten. Viele Menschen benötigen unsere Unterstützung nicht nur bei der Auffrischung ihrer fachlichen Kenntnisse, sondern ebenso im sozialen Bereich und bei der Gesundheitsförderung. Ein großer Vorteil für die Firmen und die Betroffenen ist es deshalb, dass wir die Antworten auf diese komplexen Themen seit Jahresbeginn gemeinsam mit dem Landkreis suchen und finden, zum Beispiel, indem wir in einem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur und der Jobcenter auf Stellensuche gehen und Einstellungsförderung betreiben.

Stellen Sie Auswirkungen des Fachkräftemangels in Ihrem Bezirk fest und - wenn ja - in welchen Branchen? Besonders viele Fachkräfte benötigen die sogenannten „weißen Berufe“, das sind hauptsächlich Tätigkeiten in Pflege und Erziehung. Aber natürlich sucht auch regelmäßig zur Saison die gesamte Tourismuswirtschaft, und dort wird es immer schwieriger, geeignetes Personal zu fi nden. Der gesamte Dienstleistungsbereich hat Bedarf, während wir uns in der gewerblichen Wirtschaft noch mehr Beschäftigungsmöglichkeiten wünschen. Allerdings gibt es auch dort, zum Beispiel in hochqualifi zierten Metallberufen oder in einzelnen Bereichen des Handwerks, zuweilen schon Engpässe. Bundeskanzlerin Merkel hat anlässlich einer vor wenigen Tagen in Greifswald gehaltenen Rede gefordert, dass mehr getan werden müsse, um junge Fachkräfte aus europäischen Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit wie etwa Spanien, Italien und Portugal nach Deutschland zu holen. Ist das aus Ihrer Sicht ein Lösungsansatz und - wenn ja - welche Wege gehen Sie hier? Das kann durchaus eine Lösung sein. Letztlich ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit ja eines der Kernelemente der europäischen Idee und ein europäisches Grundrecht. Eine Förderung der Mobilität in diesem Bereich kann durchaus zum gegenseitigen Vorteil der Partnerländer werden. Die Agenturen für Arbeit sind im internationalen Bereich mit dem EURES-Netzwerk und der Zentralen Auslandsvermittlung tätig. Wir sind hier vor Ort natürlich stark in Richtung Osten orientiert und geben zum Beispiel ganz aktiv jungen Menschen aus Polen die Chance, eine duale Berufsausbildung in Vorpommern zu beginnen. Unser Projekt „Cleveres Köpfchen“ geht nunmehr ins dritte Jahr und bereitet polnische Schüler auf genau diesen Schritt vor. Vor wenigen Tagen hat sich Ihre Agentur an einer Jobmesse in Swinemünde/Polen beteiligt, um dort für Arbeit in Deutschland zu werben. Welche Erfahrungen machen Sie dabei? Die Veranstaltung, von der Sie sprechen, ist Bestandteil einer ganzen Reihe von

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Aktivitäten im grenznahen Raum. Wer dort war, konnte sich ein eindrucksvolles Bild davon machen, wie groß der Bedarf an Beratung und Vermittlung im Grenzbereich ist. Fast 40 Unternehmen und Institutionen präsentierten ihre Jobund Ausbildungsangebote und mehr als tausend Bewerber haben die Stände frequentiert. Messen dieser Art führen wir regelmäßig in Stettin, Swinemünde, Police und anderen Städten in unserer Nachbarregion durch. Doch darin erschöpft sich die Zusammenarbeit mit unseren polnischen Kollegen längst nicht. So betreiben wir seit Mai 2011 ein Beratungsbüro im Wojewodschaftsarbeitsamt in Stettin und sind mit verschiedenen grenzüberschreitenden Projekten aktiv. Der Chef Ihrer Agentur, Heiko Miraß, hat kürzlich darauf hingewiesen, dass es im Landkreis noch fast 1.600 arbeitslose junge Menschen zwischen 25 und 35 Jahren gäbe, die noch keinen Berufsabschluss haben. Schlummert hier noch Potential? Zunächst geht es uns natürlich um die Betroffenen selbst. Die Arbeitslosenquote bei Menschen ohne qualifi zierten Berufsabschluss ist dreimal so hoch wie die derjenigen mit Facharbeiterbrief und fast zehnmal höher als die der Akademiker. Wir wollen ihnen deshalb eine zweite Chance geben, den Abschluss doch noch nachzuholen. Dreißig bis vierzig Jahre des Berufslebens liegen noch vor diesen jungen Menschen. Auch für die Gesellschaft ist eine Investition an dieser Stelle lohnend. Einer unserer Schwerpunkte in der Arbeitsmarktpolitik wird in den nächsten Jahren deshalb genau hier liegen. Wenn Sie drei Wünsche frei hätten. Welche wären das? Natürlich steht, wie sicher bei fast allen Menschen, Gesundheit und Glück für meine Familie und mich ganz oben. Wenn es dann um meine Arbeitsaufgabe geht, reichen die zwei verbleibenden Wünsche nur sehr knapp aus. Deshalb bleibe ich hier lieber allgemein. Ich wünsche den Unternehmen der Region stabile Geschäfte und auf dieser Grundlage dann besonders den älteren Arbeitsuchenden neue Einstiegschancen, denn hier hat Vorpommern noch Nachholbedarf.


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Aus Überzeugung engagiert zum 70. Geburtstag von Hans Thon Der gebürtige Niedersachse sammelte nach seiner Ausbildung zunächst berufl iche Erfahrungen in der chemischen Industrie. Anschließend war er zwanzig Jahre lang Geschäftsführer der „Lüneburger Lebenshilfe“. Seit mehr als 20 Jahren ist Hans Thon nun selbstständiger Unternehmer in Parchim und Schwerin. Dass die Starken

auch für die Schwächeren in der Gesellschaft eintreten müssen, davon ist Hans Thon überzeugt. Zu seinem persönlichen Engagement zählt zum Beispiel seine langjährige Tätigkeit als Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Klosters Dobbertin. Seit Dezember 2008 ist Hans Thon Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin. Am 20. Februar 2013 feiert Hans Thon seinen 70. Geburtstag.

Herzlichen Glückwunsch!

50 Jahre für Wirtschaftsrat Deutschland Der Wirtschaftsrat Deutschland darf dieses Jahr ein Goldenes Jubiläum begehen: Wir werden 50 Jahre alt und dies ist gleichermaßen ein Grund zur Freude, aber auch Verpfl ichtung, den Gedanken an die Soziale Marktwirtschaft als Grundpfeiler unseres erfolgreichen Staatswesens in der Politik präsent zu halten. Seit nunmehr 50 Jahren begleiten wir kritisch und konstruktiv die Politik der verschiedenen Bundesregierungen und achten stets darauf, dass Wohlstand nur dort entstehen kann, wo auch die Menschen in Deutschland bereit sind, Leistungen für erfolgreiches Wirtschaften zu erbringen und dadurch auch einen Beitrag zum Allgemeinwohl leisten. Die Politik hat dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen, darf aber nicht als dirigistischer Übervater in alle Lebensbereiche der Menschen in unserem Lande hineinregieren. Der CDU-Wirtschaftsrat hat sich in den letzten 50 Jahren stets auch als mahnende Institution verstanden, die als „Frühwarnsignal“ die Interessen der Wirtschaft, die die Basis der Stärke Deutschlands in guten wie in schlechten Zeiten darstellt, insgesamt vertrat. Wir fühlen uns dem verpfl ichtet, was schon die Gründungsväter des Wirtschaftsrates 1963 als ihren Auftrag formulierten. Wir

wollen gegenüber der Politik „die wirtschaftlichen Realitäten verständlich machen und auch den Standpunkt der Unternehmer stärker zur Geltung bringen, nicht als reine Vertreter von Interessen, sondern als unerlässlichen Beitrag für richtige Entscheidungen." Im Laufe der vielen Jahre hat sich der Wirtschaftsrat aber auch zu einer Stimme entwickelt, die international, insbesondere in Brüssel gehört wird. Viele Freunde in Europa beneiden uns mittlerweile darum, dass wir mit dem Wirtschaftsrat ein Instrument haben, das den deutschen Exportschlager Soziale Marktwirtschaft so eindrucksvoll in alle Welt trägt. Die zahlreichen ausländischen Träger der Verdienstmedaille Gedenkmünze „Ludwig Erhard“ in Gold, Regierungschefs und Präsidenten der Weltbank und der Europäischen Zentralbank, beweisen, dass der Wirtschaftsrat auch im Ausland als eine tragende Säule der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland angesehen wird. Seit 50 Jahren stellen sich Unternehmer über ihre eigenen unternehmerischen Aufgaben hinaus für eine Zusammenarbeit im politischen Bereich zur Verfügung. Dieses Engagement ist wichtig für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Ohne das aktive

Mittun vieler Menschen in Deutschland würde unser Land heute nicht so erfolgreich dastehen. Aber es gilt, auch in Zukunft Deutschland weiterhin erfolgreich zu gestalten und die zahlreichen Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen. Deutschland braucht auch in Zukunft einen starken und einflussreichen Wirtschaftsrat. Denn, so formulierte es der damalige Bundeskanzler Ludwig Erhard, „die Politik kann das wohlabgewogene Urteil der wirtschaftlich Erfahrenen nicht entbehren“. In diesem Sinne wünsche ich uns allen gemeinsam ein erfolgreiches Jubiläumsjahr.


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Jahrzehntelang galt der Nordosten Deutschlands als Region, die man besser verließ, wenn man einen guten Job suchte. Inzwischen setzt ein Umdenken ein. So manch Abgewanderter kehrt zurück und Andere entdecken eine spannende Region zum Arbeiten und Leben. In einer Reihe von Porträts spüren wir der Motivation nach, die in die Region lockt.

Leben und Arbeiten in Mecklenburg-Vorpommern Christian Gugemoos – Pommersche Wurst- und Fleischwaren Vor ein paar Monaten stand das Schicksal des Betriebes auf Messers Schneide. Inzwischen ist die Pommersche Wurstund Fleischwaren auf dem besten Weg eine echte vorpommersche Erfolgsstory zu werden. Einer der Väter des Erfolges ist Christian Gugemoos, der die Geschicke des Unternehmens maßgeblich bestimmt. Was aber hat den gebürtigen Oberpfälzer nach Vorpommern gebracht? Für Gugemoos gibt es zwischen der Region, aus der er stammt und seiner neuen Heimat, abgesehen von landschaftlichen Unterschieden, eher Ähnlichkeiten. „Wo ich herkomme ist es ähnlich – wir leben und arbeiten im Prinzip in einer Grenzregion, die von Durchgang geprägt ist. So wie die Leute hier auf dem Weg nach Polen vorbei fahren war es da unten auch, dort fährt man halt nach Tschechien zum Einkaufen!“ Gugemoos ist inzwischen überzeugter Vorpommer. Er schätzt den Menschenschlag, mag die Bodenständigkeit.

Noch wichtiger aber ist für ihn, der in vierter Generation in seiner Familie das Fleischerhandwerk aufrecht erhält, die Qualität seiner Produkte. Für ihn quasi eine Frage der Ehre. Denn nur mit Produkten in Top-Qualität lässt sich gegen den allgegenwärtigen Preiskampf bestehen. „Es beginnt schon bei den Ausgangsprodukten. Wir sind hier nicht von Ware aus Massenprodukten abhängig. Ich kenne die Bauern, von denen das Vieh stammt, weiß also, woher das Fleisch kommt das wir verarbeiten. Und das Prinzip Qualität zieht sich vom Anfang bis zum Ende der Wertschöpfungskette durch.“ Gugemoos weiß nur zu gut wovon er spricht, schließlich hat er im Laufe der Jahre auch so manchen Betrieb von innen gesehen, der eher an eine Fabrik denn an einen Handwerksbetrieb erinnerte. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten ist das Team der Pasewalker immerhin schon wieder auf rund 40 Köpfe angewachsen. Auch hier ist Gugemoos begeistert. „Man muss den Menschen etwas zutrauen, sie einfach auch mal machen lassen. Meine Mitarbeiter ziehen mit, ich kann mich absolut auf sie verlassen!“ Gugemoos schätzt es, dass er weitreichende Handlungsfreiheit hat, gestalten kann. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe neuer Ideen mit denen die Produktpalette erweitert werden soll. Auch

hier setzt er auf Vorschläge und Erfahrung seiner Leute. Ähnlich wie er sind viele von Ihnen schon seit Jahrzehnten in der Branche tätig. Andererseits hat er auch manches erst erfahren und lernen müssen. Für ihn war es ungewohnt, dass die so genannte Glas- und Dosenware so starken Zuspruch bei der Kundschaft fi ndet. Möglicherweise, so schätzt er ein, ist das ein Verhalten das durch knappe Zeiten geprägt wurde, in denen das Anlegen von Vorräten wichtig war. Für Gugemoos ist nur eins wichtig: die Qualität seiner Ware muss einfach stimmen. Dem Oberpfälzer gefällt es hier, eine Rückkehr hat er inzwischen so gut wie abgehakt. Er schätzt die Weite der Landschaft und die Nähe der Ostsee. In der seltenen Freizeit erkundet er die Region und macht sich mit seiner neuen Heimat vertrauter. „Ich habe das am Anfang wirklich nicht geglaubt. Aber inzwischen bin ich hier zu Hause, ich fühle mich wohl und bereue nicht, dass ich den Schritt gewagt habe, einen Neustart im Nordosten gewagt zu haben.“ Der beste Beweis also, dass hier in der Region eine Menge Chancen zu fi nden sind, auf die man sich einfach nur mal einlassen sollte. Text/Fotos: ces

www.feines-aus-pommern.de


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Neue Infrastruktur für Greifswald und Informationsgebäude finden die Reisenden die Auskunft, den Fahrkartenverkauf und einen Warteraum.

Mit der Inbetriebnahme des zentralen Omnibusbahnhofs ist ein weiteres Stück der Greifswald Infrastruktur modernisiert worden. Nach dem Bau der Bahnparallele und der Sanierung des Bahnhofsgebäudes war der Neubau ein weiterer Schritt, um einen attraktiven Stadteingang für die Greifswalder und ihre Gäste zu schaffen. „Mit dem Neubau wurde das Areal wesentlich attraktiver und die Verkehrssituation verbessert“, sagte Oberbürgermeister Dr. Arthur König bei der Eröffnung. Der neue Omnibusbahnhof befindet sich direkt neben dem Hauptbahnhof parallel zur Bahnlinie Stralsund-Berlin. Er hat drei Haltestellen für den Stadtbusverkehr und fünf für den Regionalverkehr, die mit digitalen Fahrgastinformationsanlagen ausgestattet sind. Die Mobilitätszentrale ist das Herzstück des neuen ZOB. In dem modernen Sozial-

Die Gesamtkosten für das Bauprojekt belaufen sich inklusive des Eigenanteils der Stadt von rund 820.000 Euro auf 2,662 Millionen Euro. Das sind 263.000 Euro mehr als ursprünglich beantragt. Das Land förderte das Vorhaben mit 1,843 Millionen Euro. Erste Planungen für den neuen Omnibusbahnhof reichen bereits bis ins Jahr 1996 zurück. Im April 2010 stimmte das Land einer Förderung zu. Kurz danach, im Juli 2010, erfolgte schließlich der 1. Spatenstich. Noch in diesem Jahr soll der alte ZOB zurückgebaut und das Areal begrünt werden. Später soll die Fläche am Wallgrund als Zugang zur Innenstadt entsprechend der historischen städtebaulichen Gestaltung wieder hergestellt werden. Zu den nächsten größeren Projekten gehört zudem die Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes. Dort sollen dann auch 100 Metallbügel für 200 Fahrradstellplätze integriert werden. Ebenso wie der ZOB wird dieser behindertengerecht gestaltet und an das Blindenleitsystem des Bahnhofs angeschlossen. Begonnen haben inzwischen auch die Bauarbeiten zur Reaktivierung der Bahnstrecke vom Greifswalder Bahnhof zum Hafen La-

debow. Damit erfüllt die Stadt eine Forderung der Bundesnetzagentur in Bonn, welche die Stadt aufforderte, ein betriebsbereites Gleis zur Verfügung zu stellen. Die Alternative wäre ein Rückbau gewesen. Der allerdings hätte eine deutliche Verschlechterung möglicher Nutzungskonzepte für den Hafen bedeutet. Neben der Erneuerung des Unterbaus für die Gleise und dem Einbau neuer Bahnschwellen muss auch die alte Betonbrücke über den Ryck durch einen Neubau ersetzt werden. Hier ist eine moderne Stahlträgerkonstruktion vorgesehen. Insgesamt betragen die Baukosten 752.000 Euro, von denen das Land 607.500 Euro trägt. Da sich bislang kein Betreiber für die Strecke gefunden hat, wird die Stadt Greifswald den sanierten Anschluss wohl in Eigenregie betreiben, wenn eine weitere geplante Ausschreibung nicht zum gewünschten Erfolg führt. Nach zehn Jahren können dann wieder Züge auf der gut 5 Kilometer langen Strecke verkehren. Neben der gewerblichen Nutzung der Strecke gibt es auch Überlegungen, hier eine Art kleiner Museumsbahn entstehen zu lassen. Denkbar wäre zum Beispiel der Einsatz eines historischen Triebwagens, der die Stadt mit der Mündung des Ryck im Pendelverkehr bedienen könnte. Text/Fotos: ces


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Interview mit Stralsunds Oberbürgermeister Dr.-Ing. Alexander Badrow Die Fachhochschule mit den vorhandenen Verbindungen in die Wirtschaft, speziell in die IT-Branche, ist ein entscheidender Motor für die wirtschaftliche Entwicklung. Als gutes Beispiel sei hier die adesso AG genannt.

Oberbürgermeister Dr.-Ing. Alexander Badrow

VISIO/WS: Herr Dr. Badrow, im Bereich der Wirtschaft bewegt sich in Stralsund derzeit einiges. Abgesehen vom „Dauerbrenner“ Werften – wie beurteilen Sie die perspektivische Entwicklung insgesamt? Wir hatten im letzten Jahr in wirtschaftlicher Hinsicht mit schwerer See zu kämpfen. Zu nennen sind hier die Volkswerft, aber auch Telegate, die Möbelwerke, Strelaback. Jedoch haben wir jetzt durchaus gute Tendenzen zu verzeichnen. Bereits positive Entwicklungen können wir bei der Führung aus der Insolvenz feststellen - so bei den Möbelwerken, dem Haus der Wirtschaft und Strelaback. Mein größter Wunsch ist es, die Werft wieder in ein ruhiges Fahrwasser zu bringen.

VISIO/WS: Gibt es Branchen, die in Stralsund aus Ihrer Sicht ein besonderes Zukunftspotential haben? Welche Wachstumsbereiche sehen Sie generell? Zukunftspotential sehe ich im Dienstleistungssektor, in der Gesundheitswirtschaft, in der IT-Branche, in der maritimen Industrie und bei den erneuerbare Energien. Und für Wachstum wollen wir noch einiges im Tourismus tun. Hier sehe ich den Ausbau als Konferenzstandort ganz vorne. VISIO/WS: Gibt es eine Konstellation, von der die von Ihnen gerade genannten Branchen profitieren?

VISIO/WS: Aus der Sicht des Stadtoberhaupts: welche Standortvorteile bietet Stralsund? Funktionierende Netzwerke zur Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung führen zu Firmenansiedlungen und Erweiterungen in der Hansestadt Stralsund, dem wirtschaftlichen Zentrum in Vorpommern. Zu nennen ist unbedingt die Lebensqualität, die Stralsund vorweisen kann. Neben der Arbeit darf die Erholung nicht zu kurz kommen. Dafür bieten Stralsund und unsere Region ja wirklich eine ganze Menge. VISIO/WS: Wie sieht es mit der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und Gewerberaum aus? Noch ist die Situation gut, jedoch zeichnet sich ab, dass die vorhandenen Flächen knapp werden. VISIO/WS: Bei Unternehmensansiedlungen und Investition taucht häufig auch die Frage nach Fördermöglichkeiten auf. Gibt es aus Ihrer Sicht angesichts der fi nanziellen Nöte der Kommunen überhaupt noch Handlungsspielräume? Die Konditionen zur Förderung von Unternehmen sind in Mecklenburg-Vorpommern überall gleich, so dass da kein Spielraum besteht. Punkten können wir in Stralsund aber besonders mit unseren Mitarbeitern der Wirtschaftsförderung, die schnell, unkompliziert und flexibel mit den bei Unternehmen anstehenden Veränderungen umgehend und aktiv helfen, Probleme zu lösen. VISIO/WS: Auch Stralsund bleibt vom demografischen Wandel nicht verschont. Welchen Einfluss wird er aus Ihrer Sicht auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt haben? Welche Instrumente hat die Stadt, um der Entwicklung gegenzusteuern?

In der Hansestadt Stralsund können wir das zweite Jahr in Folge eine Zunahme der Einwohnerzahl feststellen - entgegen dem vorhergesagten Trend. Die Statistik belegt, dass dieser Zuwachs für alle Altersgruppen gilt. Das heißt, wir sind als Stadt, als Arbeitsund Lebensmittelpunkt für mehr Menschen als bisher interessant. Darauf ruhen wir uns aber nicht aus. Vielmehr nehmen wir das zum Anlass, die sogenannten harten und weichen Standortfaktoren in Stralsund weiter zu verbessern, um so noch attraktiver zu werden. VISIO/WS: Welche Rolle wird aus Ihrer Sicht der Stralsunder Hafen für die künftige Entwicklung spielen? Der Hafen der Hansestadt Stralsund ist traditionell untrennbarer Bestandteil der städtischen, aber auch der regionalen Wirtschaft. Nachfragen von interessierten Unternehmen, die hier oder in der Region tätig sind oder tätig werden wollen, beziehen sich in den meisten Fällen auf die Verfügbarkeit der Hafeninfrastruktur. Die aktuellen Zahlen belegen das deutlich: 1,9 Mio. Tonnen Jahresumschlag im letzten Jahr 2012 ist ein noch nie erreichtes Rekordergebnis des Stralsunder Hafens. VISIO/WS: Derzeit sind zwei visionäre Projekte für Stralsund in der Diskussion. Zum einen die Idee einer Erweiterung des Ozeaneums, deren Realisierung in greifbare Nähe gerückt zu sein scheint, zum anderen das Projekt eines Tunnels zwischen Skandinavien und Mecklenburg-Vorpommern. Welchen Einfluss werden solche Projekte aus Ihrer Sicht auf die künftige Entwicklung der Stadt haben? Wir werden strategisch von einer Randlage im Nordosten Deutschlands in eine zentrale Lage in Nordeuropa rücken. VISIO/WS: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die kommenden fünf Jahre? Der Erhalt Stralsunds als Werftstandort, die Realisierung der Energiewende mit Synergien für die Stadt und die Region sowie die Steigerung der Qualität in tourismusorientierten Dienstleistungsbereichen.


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Erfolgreich gestartet ...


adesso in Stralsund Vor mehr als einem Jahr eröffnete der ITDienstleister adesso AG seine Geschäftsstelle in der Hansestadt Stralsund. Das Unternehmen hat sich im Zuge seiner Expansion damit bewusst nicht auf die bekannten Metropolen ausgerichtet. Stralsund war bisher zwar kein bekannter IT-Standort, aber die Notwendigkeit, motivierten und qualifizierten Nachwuchs an das Unternehmen heranzuführen, erfordert auch kreative Lösungen. Im Fokus der Suche standen daher insbesondere Orte mit Hochschulen, wobei Standorte in verschiedenen Regionen Deutschlands in Betracht gezogen wurden. “Im Auswahlverfahren haben sich sowohl die Stadt Stralsund als auch die Fachhochschule sehr überzeugend präsentiert”, erklärt Jan Ulrich, Geschäftsstellenleiter bei adesso in Stralsund. “Den Ausschlag gab letztendlich, dass wir hier für unsere Ansiedlung einen kompetenten Service aus einer Hand erhielten und von den zuständigen Stellen sehr gut unterstützt wurden.” Inzwischen hat adesso in der Hansestadt ein

Entwicklungszentrum aufgebaut, in dem an verschiedenen IT-Projekten unter anderem in den Branchen Banken und Versicherungen sowie Lotterien gearbeitet wird. “Wir beschränken uns nicht auf Aufträge aus der Region Stralsund, sondern übernehmen hier auch Projekte aus der gesamten adesso-Unternehmensgruppe für Kunden aus anderen Teilen Deutschlands”, erläutert Ulrich. Das adesso-Team vor Ort umfasst heute fünfzehn Mitarbeiter, darunter SoftwareEntwickler, -Architekten und Projektleiter, die überwiegend aus der Region kommen und alle über einen Hochschulabschluss verfügen. Die Erwartung, qualifizierte Nachwuchskräfte ans Unternehmen binden zu können, hat sich für adesso demnach in vollem Umfang erfüllt. Mittelfristig erwartet Ulrich, dass in Stralsund 30 bis 40 Entwickler für adesso arbeiten werden. “Eine überaus positive Perspektive, nicht nur für das Unternehmen, sondern für die gesamte Region.”, freut sich Dr. Alexander Badrow, Oberbürgermeister der Hansestadt Stralsund. “Die Entscheidung der adesso AG, einen neuen Standort in der Hansestadt Stralsund zu eröffnen, zeigt unsere guten

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Entwicklungspotenziale im IT-Bereich”, betont Badrow weiter. „Wir sind froh, dass mit der adesso AG ein leistungsfähiges und innovatives Unternehmen angesiedelt werden konnte. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen allen Partnern, wie der städtischen Wirtschaftsförderung, der Fachhochschule Stralsund – insbesondere Prof. Dr. Michael Klotz - sowie weiteren regionalen Partnern, ist hier eine positive Entwicklung zu verzeichnen.“ Weitere namhafte Unternehmen dieser Branche haben sich hier auf Grund der vorhandenen Standortvorteile ebenfalls etabliert. Bei der Ansiedlungsentscheidung spielen die top ausgebildeten Fachkräfte, die gute Infrastruktur und der beliebte Wohnort mit einer ausgezeichneten Lebensqualität eine wichtige Rolle. Hier fi nden Unternehmen sehr gute Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Entwicklung. Auch für Arbeitssuchende bzw. Arbeitnehmer aus diesem Bereich gibt es in Stralsund gute Chancen für eine berufl iche Karriere. Mittelfristig sollen in der Region ca. 1.000 neue Jobs entstehen. Text/Fotos: ces ANZEIGE

Hansestadt Stralsund

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Mittelstandsfinanzierung im Umbruch Angesichts der globalen Finanzmarktkrise 2008/2009 lautete die Schlussfolgerung der Politik: Die Finanzmärkte und deren Akteure müssen stärker reguliert und überwacht werden.Deshalb werden derzeit im Bankaufsichtsrecht international quantitative und qualitative Veränderungen der Regeln zum mindestens notwendigen Eigenkapital von Banken eingeführt. Hinzu kommen neue Regeln zur betragsmäßigen Begrenzung des Geschäftsvolumens einer Bank, zu deren Liquidität und zu vielen anderen Details. Zeitgleich wird sich die staatliche Mittelstandsförderung in Ostdeutschland ändern ( Stichworte: Reduzierung der europäischen Strukturfondsförderung, Festlegung neuer Regularien für die Bürgschaftsbanken, etc.). Neue Regularien - Was ändert sich durch Basel III und in der Förderpolitik? Eine zentrale Erkenntnis aus der Finanzmarktkrise war: Das Bankensystem hatte zu wenig Eigenkapital vorgehalten. An diesem Punkt setzt Basel III an, indem neue Mindestkapitalanforderungen festgelegt werden. Schon 1988 waren mit „Basel I“ internationale Regeln eingeführt worden, wonach

z. B. Kredite an Unternehmen seitens der Banken mit 8% Eigenkapital zu unterlegen waren. Mit „Basel II“ wurde dieses sehr pauschale System der Eigenkapitalunterlegung mit dem Ziel überarbeitet, das individuelle Kreditnehmerrisiko stärker zu berücksichtigen. Kredite an Unternehmen mit schlechter Bonität werden seither mit mehr, Kredite an Unternehmern mit besserer Bonität mit weniger Eigenkapital unterlegt. Dies ermöglicht, auch die Kreditkonditionen dem Einzelfall besser anzupassen. Mit „Basel III“ werden ab 2013 schrittweise erhebliche Verschärfungen der Eigenkapitalregeln eingeführt: Das harte Kernkapital der Banken muss bis 2019 mindestens 7% ( bisher 2% ) der risikogewichteten Aktiva betragen. Hinzu kommt ein sog. Kapitalpuffer, den die nationale Bankenaufsicht in einer Schwankungsbreite von 0 bis 2,5% festlegt. Damit kann die Quote des harten Kernkapitals bis zu 9,5% erreichen. Außerdem sollen die Geschäftsvolumina von Banken auf ein bestimmtes Vielfaches ihres Kernkapitals begrenzt und erstmals international verbindliche Liquiditätsvorschriften eingeführt werden. Zugleich wird sich die staatliche Mittelstandsförderung in Ostdeutschland verändern. So zeichnet sich im Hinblick auf die nächste Förderperiode für die EU-Strukturfonds ab, dass auf Ostdeutschland nur noch wesentlich geringere Mittel entfallen werden.

Diese Neuerungen werden zwangsläufig die Kreditentscheidungen von Banken verändern, aber wie? Kreditentscheidungen - Welche Faktoren werden neu gewichtet? Bei der Kreditvergabe muss eine Bank stets das Risiko berücksichtigen, dass ein Kreditnehmer das geliehene Geld später - aus welchen Gründen auch immer - nicht zurückzahlen kann. Dieses Kreditausfallrisiko muss bei der Zinskalkulation angemessen berücksichtigt werden. So bestimmt die individuelle Bonität des Kreditnehmers auch die Kosten des Kredits. Die für die Kalkulation erforderliche genaue Bewertung des Ausfallrisiko von Kreditnehmern erfolgt in der Regel im Wege des bankinternen Ratingprozesses. Ziel dieses Ratings ist es, für jeden Kreditnehmer eine Bonitätsnote zu ermitteln. Dabei fließen quantitative Daten aus Jahresabschlüssen und Planungsunterlagen, ergänzende Angaben zur Bilanzpolitik, eine Bewertung der Liquiditätssituation sowie qualitative Informationen zur Unternehmensführung, zur Qualifikation des Personals, zur Marktposition usw. ein. Auch die Gesamtsituation der Branche wird mit berücksichtigt. Die Banken - wie alle Unternehmen versuchen, jeden Euro Eigenkapital optimal zu investieren, besteht ein intensi-


ver Wettbewerb im Markt um die jeweils besseren Bonitäten. Im Bereich des quantitativen Ratings ist insoweit das Eigenkapital des Kreditnehmers eine Schlüsselgröße. Angesicht der bevorstehenden Umbrüche ist absehbar, dass im Rahmen der Kreditentscheidungen die Höhe der Eigenmittel des Kreditnehmers sowie die Nutzung eigenkapitalersetzender Finanzierungsinstrumente bzw. von Förderinstrumenten ( z.B. Bürgschaften von Bürgschaftsbanken als Sicherheitenersatz ) einen noch höheren Stellenwert einnehmen werden. hierauf gilt es, sich vorzubereiten.

Für mittelständige Unternehmen steht allerdings das Angebot der in den Bundesländern bestehenden Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften zur Verfügung. Diese übernehmen stille Beteiligungen, erwerben also keine unternehmerischen Mitspracherechte oder werden „Mitunternehmer“, während die von ihnen vergebenen Beteiligungen dennoch in voller Höhe als Eigenkapital angerechnet werden. Mit der Hereinnahme einer stillen Beteiligung einer Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft vergrößern sich also die Möglichkeiten eines Unternehmens zur Aufnahme weiteren Fremdkapitals.

Eigenkapital - Wie wichtig werden die Eigenmittel?

Gesamtfinanzierung - Welche Bausteine stehen zur Verfügung?

Eine solide Eigenkapitalbasis des kreditnehmenden Unternehmens war auch bisher schon ein wesentlicher Faktor für den Zugang zu externen Finanzierungsmitteln. Im Rahmen von Basel III wird die Relevanz der betrieblichen Eigenmittelausstattung weiter wachsen. In diesem Zusammenhang ist es erfreulich, das der Anteil der Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von über 30% im deutschen Mittelstand in den letzten 10 Jahren deutlich gestiegen ist, während derjenige der Unternehmen mit Eigenkapitalquoten von 10% oder weniger abgenommen hat.

Basel III wird grundsätzlich nichts daran ändern, dass Bankkredite für den ostdeutschen Mittelstand die wichtigste Finanzierungsform bleiben. Allerdings wird unter den Bedingungen von Basel III die Nutzung ergänzender Finanzierungsformen wichtiger als bisher. Die Unternehmen sollten daher mit Blick auf ihren konkreten Finanzierungsbedarf genau prüfen, welche weiteren Instrumente in die Gesamtfinanzierung eingebunden werden können. für mittelständische Unternehmen kommen vor allem Leasing, Factoring, eigenkapitalersetzende Finanzierungsformen sowie mittelstandsorientierte Beteiligungsinstrumente in Frage. Diese Instrumente bieten Möglichkeiten zur Verbesserung der Kapitalstruktur der Unternehmen und können so auch deren Spielraum zur Kreditaufnahme erweitern. Allerdings stellen sie keine Universallösungen für jedes Finanzierungsproblem dar, sondern eignen sich jeweils für bestimmte Finanzierungserfordernisse, weshalb ihre Einsatzmöglichkeiten individuell zu prüfen sind.

Allerdings handelt es sich bei diesen Werten um branchenübergreifende Durchschnittszahlen. Es gibt auch weiterhin viele Unternehmen, die mehr Eigenkapital benötigen. Hier erweist es sich als Problem, dass in Deutschland die Möglichkeiten zur Stärkung der Finanzierungsbasis durch externes Eigenkapital ( also Wagniskapital für frühe und Private Equity für spätere Entwicklungsphasen ) im internationalen Vergleich unterentwickelt sind. Deutschland ist als Standort für Eigenkapitalfonds nach wie vor wenig attraktiv und liegt beim Anteil der PrivateEquity-Investitionen am BIP deutlich hinter anderen europäischen Ländern. Hauptursachen hierfür sind ein fehlender Rechtsrahmen sowie sehr restriktive Regelungen im Steuerrecht. Eine Modifikation dieser und weiterer Rahmenbedingungen in diesem wichtigen Finanzierungssegment ist von erheblicher Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland und muss daher politisch endlich konsequent umgesetzt werden.

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Auch staatliche Fördermittel können weiter ein Baustein zur Optimierung der Finanzierungsstruktur sein. So dürften die bei Basel III vorgesehenen Liquiditätsregeln für Banken dazu führen, dass die in Deutschland traditionell wichtige Langfristfi nanzierung von Investitionen schwieriger wird. Daher können z.B. längerfristig angelegte Förderprogramme eine sinnvolle Ergänzung zur Vervollständigung einer Gesamtfi nanzierung sein. Für mittelständige Unternehmen kommen insgesamt die Instrument der KfW, der Förderbanken der Bundesländer sowie der Bürgschaftsbanken und Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften in Betracht. Hierbei ist es wesentlich, frühzeitig mit seiner Hausbank strategisch eine Optimierung der Gesamtfi nanzierung zu klären. Fazit Basel III und die bevorstehenden Veränderungen in der Förderpolitik werden das Finanzierungsumfeld für den ostdeutschen Mittelstand spürbar verändern. Basel III wird zu einem verstärkten Wettbewerb der Banken um bonitätsmäßig gute Kunden und zu einer nochmals steigenden Bedeutung der Eigenmittel der Kreditnehmer und von Sicherheiten führen. Deshalb: Nicht abwarten, sondern durch rechtzeitige Vorbereitungen die Finanzierungsbasis von morgen sichern. Fotos:© apops - Fotolia.com/ Joujou | pixelio.de


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Regionale Wirtschaft auch 2012 auf gutem Kurs Finanzierungshilfen weiterhin gefragt Trotz leichter Eintrübung in der Nachfrage nach Kreditsicherheiten verzeichnete die Bürgschaftsbank M-V auch für 2012 eine Fortsetzung des wirtschaftlichen Aufwärtstrends. Der Umfang an Finanzierungshilfen der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft M-V stieg um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Die 2012 in den regionalen Konjunkturumfragen der Kammern festgestellte Zurückhaltung der Unternehmen bei der Umsetzung von Investitionsvorhaben registrierte auch die Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern (BMV). Trotz eines Rückgangs um rund 6,6 Prozent zum Vorjahr übernahm der Wirtschaftsförderer im vergangenen Jahr Ausfallbürgschaften für Finanzierungsmittel von knapp 45,8 Millionen Euro und erreichte damit das zweitbeste Ergebnis seit 2001. Das Hauptaugenmerk des Mittelstandes lag 2012 nach Einschätzung der BMV auf Konsolidierung statt Expansion. Trotzdem stieg die Zahl der gesicherten und neu geschaffenen Arbeitsplätze um rund 11 Prozent auf gut 4.100 an.

Am stärksten nutzte der Handel die Kreditabsicherung mittels Bürgschaft. Allein hier verbürgte die BMV rund 11,4 Millionen Euro an Finanzierungsmitteln, gut ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Die Nachfrage nach Bürgschaften stieg auch im Bereich der Hotels und Gaststätten deutlich an und lag etwa auf dem Niveau von 2010. Der Anteil an Finanzierungshilfen für die Freien Berufe, den Dienstleistungssektor und das Handwerk ging dagegen zurück. Eine positive Entwicklung verzeichnete die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (MBMV), die 2012 rund 50 Prozent mehr Kapital zur Vorhabensfi nanzierung aus-

reichte als im Vorjahr. „In der Entwicklung unserer Fördertätigkeit der vergangenen fünf Jahre erkennen wir einerseits die mit der Bewältigung der Bankenkrise einhergehende Veränderung im Zugang zu Unternehmenskrediten. Andererseits sehen wir, dass unser Leistungsvermögen zur Stärkung des Mittelstandes auch aus Unternehmerperspektive eine immer größere Rolle spielt", sagt Steffen Hartung, Geschäftsführer der BMV und MBMV. Für 2013 erwarten Bürgschaftsbank und Mittelständische Beteiligungsgesellschaft grundsätzlich eine Fortsetzung des konjunkturellen Aufwärtstrends, wenn auch in abgeschwächter Form.

Der Handel zählte 2012 zu den Wirtschaftszweigen, die am umfangreichsten auf die Finanzierungshilfen der BMV und MBMV zurückgriffen.

Noch effektivere Unterstützung für Mittelstand Verbesserte Bedingungen für Vorhabensfinanzierung Seit dem 1. Januar haben sich die Förderbedingungen bei der Finanzierung für kleine und mittlere Unternehmen verbessert. Entsprechend dem Beschluss vom Bund und Land kann die Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern (BMV) nun eine viertel Million Euro mehr an Kreditvolumen verbürgen. Damit hat der Mittelstand die Möglichkeit, Finanzierungsvolumina von insgesamt 1,563 Millionen

Euro mithilfe einer 80-prozentigen Kreditbürgschaft abzusichern. „Die Entwicklung der vergangenen Jahre hatte einen steigenden Bedarf an höheren Kreditvolumina zur Vorhabensfi nanzierung gezeigt, dem damit Rechnung getragen wurde“, sagt Dr. Thomas Drews, Geschäftsführer der BMV und MBMV. Die Absicherung von

Teilfi nanzierungen für Neuvorhaben ist weiterhin ab 25 Tausend Euro möglich. Auch Kapital der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (MBMV) kann bei der Vorhabensfi nanzierung nützlich sein und eine gute Alternative bieten.

MBMV

Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern

BMV

Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern


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Fischer auf die Rote Liste? „Fisch auf jeden Tisch“  forderte einst Fischkoch Kroboth aus dem Rostocker Fernsehstudio und warb mit dem Slogan: „Jede Woche zweimal Fisch hält gesund, macht schlank und frisch“. Stimmt. Das ist einige Jahrzehnte her, aber ich erinnere mich gut: Damals arbeiteten noch 16.000 Menschen in der ostdeutschen Hochseefischerei und ungefähr  5000 Kutterfischer landeten jeden Morgen ihren Fang an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns an. Nur 250 Küstenfischer gibt es heute in MV und in fünf Jahren werden es noch 50 sein, prognostizierte kürzlich Elvira Rothe vom Landesverband der Kutter- und Küstenfischer M-V bei einem so genannten Dialog der Deutschen Umwelthilfe e.V. in Stralsund, in dem es um Perspektiven einer nachhaltigen Fangpraxis gehen sollte. „250 Stellnetzfischer müssen auch auf die rote Liste der aussterbenden Arten“ hatten die Fischer auf ihr Transparent geschrieben.  Grund: Kaum andere Berufsstände werden öffentlich so massiv  angefeindet wie die der Fischer oder Bauern. In meinen Augen ist das skandalös. Es sind die ältesten Berufe der Menschheit und hier wird immer noch körperlich hart gearbeitet. Bis zu 19.000 Seevögel sollen je Wintersaison in den Stellnetzen der Fischer in MV gefangen worden sein, listeten die Umweltaktivisten in Stralsund auf. Und über 60 Schweinswale. Zudem: Die Ostsee sei in einem schlechten Gesamtzustand und die Fischerei stellt die Hauptbelastung der Meeresfauna dar. Mit dieser Aussage berief

sich Nina Wolff, Projektleiterin Meeresnaturschutz des Berliner Büros der spendenfinanzierten Deutschen Umwelthilfe e.V.,  auf die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL). Interessant allerdings, dass man diese Beurteilung in offiziellen Dokumenten nirgendwo findet, auch nicht  in der Anfangsbewertung zur Umsetzung der Meeresstrategie-Richtlinie in der deutschen Ostsee.  Denn darin ist sowohl von Belastungen der Fischfauna als auch von erkennbaren Verbesserungen der Bestände die Rede. Weiter heißt es in dem wissenschaftlichen Bericht, herausgegeben vom Bundesumweltministerium : „Für die Entwicklung der Fischbestände sowie der Artverbreitung und Zusammensetzung stellen die Auswirkungen der Fischerei und der Klimaänderungen sowie die Anreicherungen von Nährstoffen die Hauptbelastungen dar.“ „Wir sind verraten und verkauft“,  sagte einer der über 30 Fischer, die sich in Stralsund dem Dialog gestellt hatten. „Seit 1982 bin ich Fischer, aber einen Schweinswal hab ich nie gesehen und Enten sind auch nicht in meinen Netzen.“ Denn zum einen haben die Fischer eine Quote und zum zweiten dürfen sie diese auch nur an 160 Tagen im Jahr abfischen - selten in der Wintersaison, in der sie angeblich 19.000 Wasservögel in ihren Netzen haben sollen. Auf dem Wasser werden sie minutiös überwacht, sie müssen sich ab- und anmelden und werden über GPS verfolgt. Alles mögliche war die Veranstaltung in Stralsund – nur kein Dialog. Die Fischerei

stirbt aus, sagte Fischer Bernd Schütze aus Stahlbrode bitter zu den Umweltvertretern, „dann haben sie keine Schuldigen mehr“. Ich wünsche mir einen sachlichen, ergebnisorientierten Stil im Prozess der Reform der gemeinsamen Fischereipolitik. Bei unseren Entscheidungen in Brüssel und Straßburg geht es um vieles: Um die dauerhafte Bestandssicherung von Fisch und Fischern. Und um die gesunde Ernährung der Menschen. Ich bin froh, dass das Rückwurfverbot von Fisch Konsens ist. Und auch, dass der Zeitplan dafür so gewählt wird, dass die Fischer die Möglichkeit haben, selektives Fanggerät anzuschaffen und erproben zu können. Und das wir uns für eine wirksame Förderung einsetzen können. Außerdem sollten die Managementpläne der verschiedenen Fischarten die Grundlage für einen entsprechenden Zeitplan bilden. Die EU-Fischereiminister haben sich auf einen schrittweisen Zeitplan für das Verbot des Rückwurfs von Beifang zwischen 2014 und 2019 geeinigt. Schließlich muss auch noch ein Weg gefunden werden, damit diese Eiweißressourcen erfasst und verarbeitet werden.   Ich will alles dafür tun, um die kleine Kutter- und Küstenfischerei in M-V zu erhalten. Schließlich soll  der Fisch auf unserem Teller mehr Kilometer im Wasser schwimmend als im Flugzeug fliegend zurückgelegt haben.   Ihr Werner Kuhn


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Energiewende Eine Chance für Mecklenburg-Vorpommern Die englische Sprache kennt ein neues Lehnwort: Energiewende, am besten gesprochen mit dem typischen amerikanischen „Dubya“. Was im Ausland Interesse weckt, wurde im Inland zuletzt heftig kritisiert. Und es stimmt: im bisherigen Trott wird die Energiewende nicht gelingen. Doch die Energiewende bietet nach wie vor eine große Chance – auch und insbesondere für ein bislang industriearmes Bundesland wie Mecklenburg-Vorpommern. Studien zeigen, dass im Bereich der Erneuerbaren Energien bis 2020 rund 30.000 neue Arbeitsplätze im Land geschaffen werden können.

Beim deutsch-französischen Gipfel aus Anlass des 50. Jahrestages des Élysée-Vertrages haben Präsident Hollande und Kanzlerin Merkel beide für eine bessere europäische Zusammenarbeit in der Energiepolitik geworben. In der Tat: die deutsche Energiewende muss europäisch eingebunden werden. Das sollte man aber nicht als Ausrede nutzen, um durch die europäische Hintertür den erfolgreichen Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland in Frage zu stellen, wie man das manchmal von EUEnergiekommissar Oettinger hören kann. Europäische Energiepolitik muss die Situation aller Akteure ernst nehmen; das gilt für die Lage der baltischen Länder als Energieinseln wie für die hohe Abhängigkeit Polens von Kohle.

Manche tun so, als würde Europa besser fahren, wenn es nicht so sehr auf die deutsche Energiewende achtete als die aus den USA. Dort fördert man massiv den Abbau von unkonventionellem Gas. Ich glaube nicht, dass wir uns auf diese Alternative einlassen sollten. Vielleicht ist Schiefergas umweltfreundlicher als Kohle, aber wer darauf setzt, bleibt in der Welt der fossilen Energien gefangen. Europa kann das besser. Übrigens: wer vor Kurzem noch meinte, der deutsche Atomausstieg bliebe ein Sonderweg, hat sich getäuscht. Zuletzt haben die Litauer sich ebenfalls für diese Perspektive entschieden und, wenn dieser Text publiziert wird, wahrscheinlich auch die Bulgaren. Reinhard Bütikofer, Mitglied des Europäischen Parlaments ANZEIGE


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Unternehmenserweiterung und Nuklearrückbau! Im Rahmen der weiteren erfolgreichen Entwicklung wurde das Firmen- und Vertriebsnetzwerk der AKB Unternehmensgruppe zum Jahresbeginn 2013 weiter ausgebaut. Seit Anfang Januar gehört das Unternehmen GRUBO aus Wittstock zu 100% zur AKB Holding, die damit ihr Portfolio um den Bereich Zerspanungstechnik erweitert. Weiterhin wurde im Februar eine langfristige Partnerschaft im Bereich der innovativen Metallbearbeitung mit dem Unternehmen MANord aus Sanitz vereinbart. Eine erste Präsentation der erweiterten AKB Unternehmensgruppe erfolgt am

KONTEC 2013 11. Internationales Symposium „Konditionierung radioaktiver Betriebs- u. Stilllegungsabfälle“ Datum:1 3.03.-15.03.2013 Ort: Hotel-u. Congress Center MARITIM Dresden Stand: F4 Homepage: www.kontec2013.de

Rückbau-Symposium 2013

20.03.2013 im Rahmen des 12. BME Lieferantentages in der Stadthalle Rostock. Im Rahmen dieser positiven Entwicklung sucht die AKB Unternehmensgruppe verstärkt nach neuen Mitarbeitern folgender Berufsgruppen: • • •

kerntechnischen Anlagen erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten strategisch und verstärkt überregional vermarkten. Hierzu wird die AKB Greifswald GmbH unter anderem auf folgenden internationalen Fachveranstaltungen mit einem eigenen Messestand vertreten sein:

Ingenieure (Planung, Konstruktion, Projektabwicklung) Schweißer (sämtliche Werkstoffgruppen) Dreher und Fräser

Darüber hinaus wird die AKB Unternehmensgruppe im neuen Geschäftsjahr ihre über viele Jahre im Bereich Rückbau von

“2nd International Conference on Nuclear Decommissioning” Datum: 12.11.-14.11.2013 Ort: Eurogress Aachen Stand: k.A. Homepage: www.nuclear-trainig.de

Kontakt: Anlagen- und Kraftwerksrohrleitungsbau Greifswald GmbH Eckhardsberg 5 · 17489 Greifswald · GERMANY Tel.: +49-(0)-3834-80252-0 info@akb-mv.de www.akb-mv.de


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Einspeisetarife statt Quoten Polen krempelt die Förderung erneuerbarer Energien bis 2014 gründlich um Berlin/Warschau. Die geplante Neuordnung der Förderung erneuerbarer Energien ist zurzeit eines der am heißesten diskutierten Themen unter Unternehmern in Polen. Eine Fachtagung jagt die nächste. Investoren aus Deutschland erhoffen sich von einem Gesetz über erneuerbare Energien (EEG) vor allem deutlich bessere Vergütungen für Solarstrom. Die inländischen Energieversorger hingegen rechnen mit erhöhten Förderungen für die Mitverfeuerung von fester Biomasse. Voraussichtlich Ende März verabschiedet die polnische Regierung endlich den Entwurf eines Gesetzes über erneuerbare Energien, den sie ursprünglich schon zu Jahresbeginn ins Parlament einbringen wollte. Eine frühere Beschlussfassung scheiterte nach offizieller Darstellung am Streit über die Förderung von Großanlagen. Insofern die Abgeordneten grünes Licht für das EEG geben, soll die Europäische Kommission die Vorschriften noch auf ihre Vereinbarkeit mit Beihilfevorschriften hin überprüfen. Aller Voraussicht nach tritt das EEG also erst Anfang bis Mitte 2014 in Kraft. Einigen Investoren ist das zu spät. Unternehmen wie Iberdrola und Dong Energy wollen sich vollständig aus Polen zurückziehen. Ende Juli 2012 hatte Mieczysław Kasprzak, Staatssekretär im polnischen Wirtschaftsministerium, erstmals durchgreifende Ände-

rungen bei der Förderung erneuerbarer Energien in Aussicht gestellt. Die bedeutsamste Neuerung: Die 2005 eingeführte Vergütung nach Quoten soll durch ein System von Einspeisetarifen ersetzt werden. Bisher müssen Energieunternehmen, Erzeuger und Netzbetreiber einen gesetzlich festgelegten Anteil an Strom aus erneuerbaren Energiequellen an die Endabnehmer verkaufen. Im Jahre 2011 waren das 10,4 Prozent, dieser Anteil sollte an sich bis 2017 auf 12,9 Prozent steigen. Von der Neuordnung profitieren Betreiber von Anlagen, in denen Windenergie, Photovoltaik, Geothermie, Wasserkraft, Biogas, Biomasse sowie Wellen- und Gezeitenkraft genutzt werden. Der Anteil der Regenerativen am Energieendverbrauch soll infolge der Gesetzesnovelle von 15 Prozent auf 15,5 Prozent anziehen. Soweit bisher bekannt ist, werden auf Grundlage des EEG nur kleine Anlagen gefördert, beispielsweise Solarinstallationen mit einer Nennleistung von weniger als 10.000 kW. Derzeit wird noch darum gerungen, ob die Betreiber einen Teil des von ihnen erzeugten Stroms selbst verbrauchen müssen und ob sich die Einspeisetarife nicht nur jährlich vermindern, sondern auch von bestimmten Zubauten abhängen. So gibt es Pläne, dass die Einspeisetarife bei einem Zubau von 500 MW auf 90 Prozent und bei einem von 600 MW auf 50 Prozent sinken. Ein weiterer Streitpunkt ist die Förderhöhe bei der Mitverfeuerung von fester Biomasse in Kohlekesseln. Diese macht in Polen knapp die Hälfte der Nutzung erneuerbarer Energien aus. Jährlich werden etwa drei Millionen Tonnen Biomasse eingeführt; die Importeure müssen künftig ein Zertfikat vorweisen.

Wegen der Verzögerungen bei den Beratungen über das EEG verstärkt sich bei Beobachtern der Eindruck, dass ein politischer Wille zur Förderung erneuerbarer Energien in Polen nur sehr bedingt vorhanden ist. Erst beim Energieministerrat im Juni war eine eine von der Europäischen Kommission vorgeschlagene „Energy Roadmap 2050“ allein am Widerstand Warschaus gescheitert. Mit dieser „Roadmap“ will die Europäische Union ihr Ziel erreichen, den Energiebedarf bis 2050 nahezu ohne den Ausstoß klimaschädlicher Kohlendioxidemissionen zu decken. Polen erzeugt gegenwärtig noch mehr als 90 Prozent seines Stroms aus Kohle und will sich diese Option auch für die Zukunft offenhalten. Deshalb lehnte die Regierung in Warschau jede Festlegung auf eine Senkung der Kohlendioxid-Emissionen nach 2020 ab. Trotzdem will sie die Abhängigkeit Polens von der Versorgung mit Kohle deutlich reduzieren. So werden polnische Investoren bis 2018 Gaskraftwerke mit einer installierten Gesamtleistung von 4.500 MW errichten. Die Windkraft verzeichnete 20 12 ein Rekordjahr mit 800 MW installierter Kapazität. Prognosen zufolge steigt die installierte Leistung auf insgesamt 1.200 MW. Erhöhte Förderungen auf Grundlage eines EEG könnten dieses Wachstum noch beschleunigen. Die Solarbranche geht zurzeit von einem Zuwachs von jährlich 50.000 Anlagen aus. Großzügige Zuschläge für Solarenergiehersteller könnten einen regelrechten Boom für Mikrosolarinstallationen ausltösen. Polnische Unternehmen bereiten sich schon jetzt darauf vor, indem sie Kooperationsverträge mit Herstellern von Photovoltaikmodulen schließen. Karin Rogalska, Wirtschaftspublizistin, Stralsund/Bratislava Foto: H. D. Volz / pixelio.de


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Forschungszentrum Ostoja Parallel zu den Diskussionen um ein polnisches EEG - Gesetz wächst auch bei Wissenschaft und Wirtschaft das Interesse am Thema. Als Konsequenz hat die Westpommersche Technische Universität Stettin ein eigenes Forschungs- und Bildungszentrum in Ostoja bei Stettin eröffnet. . Die Bildungsund Forschungseinrichtung, gelegen im romantischen, restaurierten Gutshaus mit Parkanlage,wurde mit moderner Technik für Energiegewinnung und Energieverwendung ausgestattet. Seit der Umrüstung wird sie komplett mit erneuerbaren Energien betrieben. Dafür sorgen Fotovoltaik" und Solaranlagen sowie Wärmepumpen und eine Windkraftanlage. Auch die Wasserver- und Entsorgung erfolgt autonom. Alle Werte werden mit Computertechnik aufgezeichnet und für Forschung und Bildungszwecke verwendet. Vernetzt ist das Institut bereits mit einer Vielzahl von Partnern in Deutschland, ein reger Erfahrungsaustausch wird gepflegt. In Mecklenburg-Vorpommern zählt unter anderem das BiG Greifswald zu den Kooperationspartnern. BiG Geschäftsführerin Dr. Antje Mayfarth sieht zahlreiche Synergien, ist doch das BiG auch Träger der Deutschen Energieakademie. So wird derzeit geprüft, wie etwa Zertifizierungen bzw. die Schulung zum Energiemanager portiert werden können. Erst kürzlich war eine hochrangige Delegation aus Stettin zu Gast in Greifswald, wo unter anderem auch das Fusionsexperiment Wendelstein

7-X am Max Planck Institut besichtigt wurde. Patricia Rogalska, Direktorin des Schulungszentrums Ostoja, wie auf die vielfältigen Aktivitäten der Einrichtung hin. Der Ausbau der erneuerbaren Energien sei in Polen gleichermaßen wie in Deutschland eine Herausforderung für die Energiewirtschaft und die Gesellschaft. Auch die polnischen Zielsetzungen sind anspruchsvoll – der Anteil am Bruttoenergieverbrauch soll bis zum Jahr 2020 auf immerhin 15 % steigen. Aber nicht nur Forschern und Studenten steht die Einrichtung offen. Sie dient auch als Ein-

richtung für Umweltbildung und realisiert zum Beispiel Projekttage für Schulklassen sowie Kurse zur Fortbildung für Lehrer, ein Angebot, das auf großes Interesse stößt. Zahlreiche weitere Veranstaltungen richten sich an Unternehmer, die sich über technische und wirtschaftliche Aspekte aus dem Bereich der erneuerbaren Energien informieren möchten. Die Bildungs- und Forschungseinrichtung Ostoja ist Mitglied im Umweltbildungsnetzwerk der Wojewodschaft Westpommern. Text: ces / Fotos: Ostoja / ces


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Effizienz als Kostenfaktor Seit Jahren steigen die Energiepreise; allein im Jahr 2013 voraussichtlich um bis zu 14 %. Die betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten, Kosten zu senken, sind über kurz oder lang erschöpft. Viele klein- und mittelständische Unternehmen können jedoch über technische und organisatorische Veränderungen teils erhebliche Einsparungen erzielen. Das Stichwort lautet: Energieeffizienz. Warum Energie verbrauchen, wenn sie gar nicht benötigt wird, zum Beispiel in der Nacht? Das geht weit über das bloße Lichtausschalten hinaus. Stattdessen regelt ein Energiemanagementsystem je nach unternehmerischem Bedarf, wie Strom, Wärme, Druckluft oder andere Energieträger sinnvoll eingesetzt werden können. Wie solch ein System aufgebaut werden kann und welche zusätzlichen Qualifikationen für Mitarbeiter möglich oder nötig sind, zeigte am 27.02. die Fachtagung „tri

Energy“ im BiG - Bildungszentrum in Greifswald. Mitorganisiert wurde die Tagung von der im BiG ansässigen Deutschen Energieakademie (DEA). Diese kooperiert seit Dezember 2012 mit dem Landeszentrum für erneuerbare Energien Neustrelitz (Leea GmbH) und behandelt regelmäßig Energiethemen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Passend dazu startet im Frühjahr im BiG der zweite Lehrgang zum/zur Europäischen EnergieManager/-in (IHK). In Zusammenarbeit mit der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern werden durch diese Weiterbildung Fachleute für die transparente Darstellung und Bewertung des Energieverbrauchs in Unternehmen ausgebildet. Ein identischer Lehrgang wird ab 06.09.2013 auch an der Leea-Akademie in Neustrelitz angeboten.

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Energieverbräuche überwachen - Energiekosten senken! Das Thema Energiesparen ist in aller Munde. Steigende Energiepreise, sinkende Energieressourcen und der Klimawandel lassen uns keine andere Wahl: Wir müssen sorgsamer mit Energie umgehen. Aller Anfang ist schwer. Ein erster und einfacher Schritt besteht in der Überwachung der Energieverbräuche. Im Mittelpunkt steht dabei zunächst die Beantwortung der Frage, wo und wann wie viel Energie verbraucht wird. Nur so lässt sich ableiten, welche Einsparpotenziale vorhanden sind und auch erschlossen werden können. Für Betriebe, die über eine Leistungsmessung für Strom oder Gas verfügen, ist nicht nur der jeweilige Hauptlastgang von Bedeutung. Mindestens ebenso aufschlussreich sind die Unterlastgänge von wesentlichen Einzelverbrauchern, wie z.B. Pumpen oder Produktionsmaschinen. Wer diese überwacht, erhält einen sehr guten Einblick, welche Prozesse den Energieverbrauch beeinflussen. Die gewünschten Energiedaten können zunächst für einen zeitlich befristeten, repräsentativen Zeitraum ermittelt werden. Die Ingenieure von enviaM nutzen hierfür hochwertige Messgeräte, welche die Verbräuche kontinuierlich aufnehmen und speichern. Nach der Auswertung der Daten lassen sich häufig schon erste Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten ableiten. Wem die zeitlich befristete Überwachung der Energieverbräuche nicht ausreicht, sollte sich für ein permanentes

Energie-Controlling entscheiden. Das EnergieControlling zur Erfassung und Auswertung des Hauptlastganges wird als Tages- oder Monatsbericht angeboten. Die Berichte werden per Mail als PDF-Datei oder im enviaM-Extranet für Geschäftskunden zur Verfügung gestellt. Das Extranet ist eine geschützte Online-Plattform mit individueller Anmeldung. Neben dem Energie-Controlling kann über das Extranet auch die Stromrechnung in elektronischer Form zur Verfügung gestellt werden. Die ständige Überwachung auch der Unterlastgänge ist mit einem sog. Betriebsdatenerfassungssystem in Echtzeit möglich. Dieses aus Hard- und Softwarekomponenten bestehende System ist besonders für Unternehmen mit einem sehr hohen Informationsbedarf hinsichtlich der Energieverbrauchsdaten geeignet. Für Büro und Verwaltung, aber auch im Privathaushalt können ebenfalls Energieverbrauchsmessgeräte eingesetzt werden. Mit diesen Geräten lässt sich der Energieverbrauch aller Elektrogeräte messen, die über einen Stecker an das Stromnetz angeschlossen sind. Der Energieverbrauch sollte auch hier über einen repräsentativen Zeitraum, z.B. 24 h, erfasst werden. Umweltbewusst und effizient handeln! Die wertvollste Kilowattstunde ist die, die nicht verbraucht wird. Oft sind es einfache Dinge, durch die die Betriebe Energie sparen und da-

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Energiewende in der Sackgasse?

Bundesumweltminister Altmaier zu Gast in Schwerin Der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal war sichtbares Zeichen für das große Interesse, das Landespolitik, vertreten durch Ministerpräsident Sellering und Wirtschaft dem Gast und seiner Botschaft entgegen brachten. Auf Einladung der Industrie- und Handelskammer traf Altmaier in Schwerin auf rund 300 interessierte Gäste. Gleich zu Beginn seines Referates stellte der Bundesminister klar, dass Mecklenburg-Vorpommern aus seiner Sicht die Rolle eines Vorreiters bei der Erzeugung erneuerbaren Energien spiele. Wichtig sei jedoch, das Projekt optimal zu steuern und in der Vergangenheit gemachte Fehler zu korrigieren. Aus Sicht Altmaiers besteht die Gefahr, dass bei weiter steigenden Strompreise die Akzeptanz der Bürger nachlasse. Es sei fatal, dass es offensichtlich nicht möglich sei, dieses wichtige Thema aus dem Wahlkampf heraus zu halten. Gleichzeitig warnte Altmaier vor einem weiteren Anstieg der Strompreise, denn die Ökostro-

mumlage könne von derzeit 5,28 Cent/ kwh auf 7,0 Cent kwh steigen. Zusätzlich gibt es aus seiner Sicht eine Reihe weiterer Risiken, deren Auswirkungen auf den Strompreis derzeit nicht absehbar seien. Nicht ohne Sorge betrachte er die immer stärker werdenden Bestrebungen vor allem großer Unternehmen, sich eigene Energieversorgungen zu schaffen um damit der Ökostromumlage auszuweichen. Schlussendlich führe dies dazu, dass die Umlage auf immer weniger Schultern verteilt werde. Es sei deswegen von großer Wichtigkeit, die gesteckten energiepolitischen Ziele weiter zu verfolgen aber einem weiteren Anstieg der Strompreise energisch gegen zu halten. Die Feststellung von Ministerpräsident Sellering, dass der Netzausbau zwischen den Jahren 2000 und 2005 verschleppt worden sei, sei im Prinzip richtig, allerdings dürfe man dies nicht einem Umweltminister anlasten, der erst seit einem Jahr im Amt sei. Auf M-V bezogen ergänzte Altmaier, dass die Stromtrasse von Güstrow aus Richtung Süden wieder in den Netzbedarfsplan aufgenommen werde. Gleichzeitig verteidigte er seine Pläne für die „Strompreis-Bremse“. Um den weiteren Anstieg des Strompreises zu verhindern müssten aus Sicht seines Hauses ca.

1,8 Milliarden Euro eingespart werden. Zwar erhalte er oft Forderungen, welche Konzepte nicht umgesetzt werden dürften, etwa den Vorschlag, die Förderung neuer Windparks zu kürzen und zeitlich zu strecken oder einen Bestandseingriff zu wagen um die Förderung bei Altanlagen zu senken. Vorschläge zur Senkung der Stromsteuer würden durch den Finanzminister blockiert. Letzten Endes habe jede der möglichen Maßnahmen ihren Preis. Zu prüfen haben man, wie man den Kreis der von EEG - Umlage befreiten Unternehmen weiter eingrenzen könne. Aber auch hier sei Augenmaß gefragt um die im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen nicht zu benachteiligen. Schon jetzt würden in Deutschland mit die höchsten Strompreise Europas gezahlt. Abschließend war Altmaier dafür, das so wichtige Thema Energiewende nicht der parteipolitischen Auseinandersetzung zu überlassen sondern um einen Konsens zu ringen. Zu Beginn der anschließenden Diskussion wies WEMAG-Vorstand Caspar Baumgart darauf hin, dass mit jedem in der Region neu aufgestellten und angeschlossenen die Netzkosten und damit auch die Belastung der Bürger steige. Es sei unabdingbar, diese


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Kosten in Form einer bundeseinheitlichen Umlage zu gestalten. Auch sei es aus Sicht der WEMAG zwingend erforderlich, die Erforschung von Speichertechnologien zu fördern und hierfür auch Anreize zu bieten. Ministerpräsident Sellering warf Altmaier vor, mit den geplanten Modellen die Umsetzung der Energiewende zu gefährden. Die Diskussion um Kürzungen und Eingriffe in Altregelungen trügen zur Verunsicherung potentieller Investoren bei. Aus Sicht Altmaiers ist dagegen die Tatsache, wenig akzeptabel dass aufgrund der derzeitigen Situation moderne, effi ziente und klimaschonende Gaskraftwerke abgeschaltet oder gar still gelegt werden müssen während parallel dazu alte Kohlekraftwerke verstärkt in Anspruch genommen werden müssen um die Netzstabilität zu gewährleisten. Altmaier gestand ein, dass seine Vorschläge durchaus unbequem seien aber letzten Ende sei eine faire Verteilung der Lasten für den Erfolg der Energiewende zwingend. Text/Fotos: ces

Kreisverkehr oder Sackgasse? Ein Kommentar von Claus Schwarz Die zur Energiewende geführten Diskussionen wie jene in Schwerin zeigen das Dilemma: es gibt keinen Konsens außer dem, das eine Entschärfung der Wendefolgen keinen Konsens findet. Zu sehr verfolgen die unterschiedlichen Parteien, sei es in Politik oder Wirtschaft, ihre eigenen Interessen. Jetzt, vor den anstehenden Wahlen, steckt die Politik fest. Vom „nationalen Gemeinschaftswerk“, von dem einmal die Rede war, ist wahrlich nichts mehr zu spüren. Gleichzeitig streiten in der Wirtschaft Profiteure und jene, die weitere Belastungen fürchten. Lothar Wilken, seines Zeichens Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Unternehmerverbände M-V, konstatiert nüchtern dass es nahezu unmöglich sei, alle Interessen unter ein Dach zu bringen. Informative Links:

Währenddessen stöhnt die Wirtschaft unter den steigenden Strompreisen. Keine Frage – der Standort Deutschland gerät zunehmend in Gefahr. So sind zahlreiche Investitionsvorhaben der chemischen Industrie Europas in die USA abgewandert. Ebenso sieht die Automobilindustrie ihre Standorte in Deutschland gefährdet, denn steigende Energiekosten belasten in Zeiten schwachen Absatzes zusätzlich. Immer wieder taucht bei der Diskussion die Geschichte von den von der Energieumlage befreiten Golfplätzen auf. Wer immer dies vorträgt hat entweder keine Ahnung, oder noch schlimmer, er lügt bewusst. Jeder kann im Internet nachlesen, welche Unternehmen von der Umlagebefreiung profitieren – in M-V sind es nicht einmal 20 Firmen. Eben so gibt das Internet sogar stundengenau Auskunft, zu welcher Zeit wie viel Strom mit welcher Technologie produziert wird. Die Schlüsse beim Betrachten der Statistik mag jeder selbst

ziehen. Parallel dazu wächst der Widerstand in der Bevölkerung gegen ausufernde Windradkraftwerke, gegen Biogasfabriken und Landschaftsvermaisung sowie gegen neue Stromtrassen. Masterplan Energiewende? Fehlanzeige. Abhilfe könnte eine mutige Veränderung des EEG Gesetzes bringen, das in seinen Folgen außer Rand und Band geraten ist. So müsste die Förderkulisse z.B. zu Gunsten der Erforschung dringend notwendiger Speichertechnologien verschoben werden. Das wird aber kaum möglich sein, wenn in jedem Bundesland starrköpfig weiter die Strategie verfolgt wird, zum Exporteur von Strom zu werden. Womöglich bleibt zum Schluss das Ganze auf der Strecke. Dann nämlich, wenn die Bürger die Nase voll bzw. die Geldbörse leer haben. Auch wenn die Voraussetzung deutlichst andere sind: gerade ist eine europäische Regierung vom Zorn ihrer Bürger über unbezahlbare Strompreise hinweg gefegt worden.

Die Namen der von der EEG-Umlage befreiten Unternehmen fi nden sich hier: www.bafa.de/bafa/de/energie/besondere_ausgleichsregelung_eeg/publikationen/index.html Stundengenaue Daten zur Stromerzeugung sind hier abzulesen: www.transparency.eex.com/de/


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Energie für den Landkreis In Vorpommern-Greifswald bieten die Stadtwerke Greifswald eine fl ächendeckende Strom- und Gasversorgung. Der kommunal geführte Energieversorger mit regionalem Blick verspricht Bürgern und Unternehmen im Landkreis nachhaltige Leistungen und persönlichen Service vor Ort. Seriös und regional Als kommunaler Betrieb der Universitätsund Hansestadt Greifswald sorgen die Stadtwerke Greifswald für die Infrastruktur von Versorgungs- und anderen Dienstleistungen. Sie engagieren sich in der Region und sind ein verlässlicher Partner für Vereine und regionale Projekte. Ein von der Greifswalder Bürgerschaft berufener Aufsichtsrat wacht über die Entwicklung. Die erwirtschafteten Ge-

winne fl ießen direkt in den städtischen Haushalt und kommen der Stadt und dem Landkreis zu Gute. Aufträge für Investitionen und Instandhaltung bleiben größtenteils in der Region. Die 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Energieunternehmens haben ihren Lebensmittelpunkt in Vorpommern-Greifswald. So wird die Wirtschaftskraft vor Ort gebunden und Arbeitsplätze bei der heimischen Wirtschaft gesichert.

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Bauwirtschaft in MV ist Partner der Energiewende Für Jörg Schnell, Hauptgeschäftsführer des Bauverbandes Mecklenburg-Voprommern, gibt es da keinen Zweifel: die Bauwirtschaft ist ein wichtiger Partner bei der Erreichung der mit der Energiewende gesetzten Ziele. Vordergründig gilt dies zunächst für die vielen Baugewerke, die etwa bei der Errichtung von Onshore-Windparks oder Solar- und Biogasanlagen gefragt sind. Noch nicht ausreichend berücksichtigt werden aus seiner Sicht jedoch die Potenziale, die sich beim Thema der energetischen Sanierung heben lassen. Aus der Sicht Schnells muss das Thema dabei umfassend betrachtet werden. Zwar ließen sich mit dem Austausch von Fenstern und Türen schon Erfolge erzielen. Die größeren Potentiale jedoch böten jedoch thermische Gebäudesanierung, kritische Bewertung von Heizanlagen und Überlegungen zum Einsatz moderner Technologien wie etwa der Geothermie.Alleine für den Bereich des öffentlichen Wohnungsbaus in Schwerin hat der Bauverband Sanierungsbedarf in Höhe von rund 50 Millionen Euro ermittelt. Noch nicht erfasst sind dabei Sanierungspotentiale im Bereich des privaten Wohnungsbestandes in Mecklenburg-Vorpommern, für die keine generellen Aussagen getroffen werden können. Damit aber nicht genug. Auch

für den Gebäudebestand der öffentlichen Hand besteht erheblicher Nachholbedarf. „Wir brauchen hier von Seiten der Politik ein deutlich stärkeres Signal!“ konstatiert Schnell. Aus seiner Sicht muss die öffentliche Hand mit gutem Beispiel voran gehen und Projekte zur Sanierung öffentlicher Gebäude schneller zu starten. Darüber hinaus gelte es, Genehmigungsprozesse deutlich zu vereinfachen. Auch die Förderkulisse müsse so gestaltet werden, dass sie möglichst unbürokratisch in Anspruch genommen werden könne. Positiv ist aus Sicht des Hauptgeschäftsführers, dass es zahlreiche Förderungen für umweltfreundliches Bauen und für energetische Sanierung gebe. So unterstütze das Land energieeffizientes Bauen als Querschnittsziel innerhalb der Städtebauförderung. Mit seiner Forderung befindet sich Schnell in guter Gesellschaft. Auch die dena, die Deutsche Energieagentur, sieht das größte Potential zur Energieeinsparung im Bereich des Gebäudebestandes. Ihre Recherchen zeigen, dass im unsanierten Bestand zur Beheizung etwa dreimal so viel Energie benötigt wird wie bei Neubauten. Ohnehin werden in privaten Haushalten rund 85 Prozent des gesamten Energiebedarfs für Raumerwärmung und Warmwasser ein-

gesetzt. Durch fachgerechtes Modernisieren und den Einsatz moderner Gebäudetechnik kann der Energiebedarf auf bis zu 20 Prozent gesenkt werden. Tatsache ist jedoch: Von den energetischen Einsparpotenzialen wird bei Sanierungen durchschnittlich nur rund ein Drittel ausgeschöpft. Dabei profitieren alle Beteiligten vom energieeffizienten Bauen und Modernisieren: Mieter und Vermieter, Handwerk und Industrie, Umwelt und Volkswirtschaft. „Wir von der Bauindustrie sind gut gerüstet für das Projekt Energiewende“ stellt Jörg Schnell abschließend fest. Vielfach haben wir bewiesen, dass wir über technische Leistungs- und Innovationskraft verfügen. Ob bei der Errichtung klimaneutraler Wohn- und Gewerbegebäude, ob bei der Gründung von On- und Offshore Windanlagen, ob bei der Verbesserung der Energiebilanz von Industrieanlagen, immer wenn es um Fortschritte bei der Energiewende geht sind auch bauliche Lösungen sowie die von uns gewährleistete hohe handwerkliche Qualität gefragt. Bauund Baustoffindustrie sind deswegen natürliche Partner in Sachen Energiewende. Text: ces


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MES – Die Spezialisten für Photovoltaik Das Interview mit den Dipl.- Ingenieuren und Gutachtern für Photovoltaikanlagen Christian und Karl-Heinz Garbe von MES führte

Betriebsführung. Wir verstehen darunter die kontinuierliche Überwachung einer Photovoltaikanlage durch ein Fernüberwachungssystem inklusive eines Soll/Ist – Vergleichs der Ertragsdaten sowie einer Analyse eventueller Fehlermeldungen. Ferner kann der Betreiber einer Anlage entscheiden, ob er eine zusätzliche Inspektion seines Systems durchführen lassen möchte.

Visio/WS: Ihr Unternehmen, die Firma MES, bietet unter anderem Dienstleistungen rund um das Thema Photovoltaik an. Können Sie das bitte etwas präzisieren? MES: Bei uns gibt es das komplette Photovoltaikprogramm aus einer Hand. Wir sind als Generalunternehmer für die Errichtung schlüsselfertiger Solaranlagen tätig. Unser Leistungsspektrum erstreckt sich von der umfassenden Beratung über die Planung, Betriebsführung, Wartung und Instandsetzung kompletter Anlagen. Zusätzlich werden von uns Gutachten erstellt.

Visio/WS: Man spricht davon, dass Solaranlagen wartungsfrei wären? MES: PV-Anlagen sind in der Regel wartungsarm aber keinesfalls wartungsfrei. Insbesondere haftet der Anlagenbetreiber für die korrekte Funktion seines Strom erzeugenden Systems. Im Schadensfall, z.B. bei Brand oder gar Personenschäden, wird durch die Versicherungen bei Schadensregulierungen und bei Haftungsfragen durch die Berufsgenossenschaften und staatlichen Organe geprüft, ob die Wartungen entsprechend der geltenden DIN Vorschriften durchgeführt wurden. In diesem Zusammenhang möchten wir nochmals auf die speziellen Festlegungen für landwirtschaftliche Betriebsstätten nach DIN 0105 und 115 zum „Betrieb elektrischer Anlagen“ hinweisen.

Visio/WS: Was heißt Betriebsführung? MES: Wir bezeichnen unter anderem die Wartung als einen Teil der technischen

Visio/WS: Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg einer PV-Anlage sind deren präzise Planung und Aus-

C. Schwarz.

führung. Welche Fehler werden Ihrer Meinung nach oft gemacht und auf was sollte ein Kunde aus Ihrer Sicht unbedingt achten? MES: An allererster Stelle geht es darum, die optimale Position für eine PV – Anlage in ihrem künftigen Umfeld zu ermitteln und vor allem eine mögliche Verschattungssituation zu beachten. Bei der Inbetriebnahme und einer vorhergehenden Abnahme sind wichtige Prüfungen nach den gültigen Normen für die AC – Seite sowie der DC – Seite nach DIN EN 62446 zwingend durchzuführen. Ohne eine sorgfältige und vollständige Anlagendokumentation sollte keine PV – Anlage vom Betreiber abgenommen werden. Mit Hilfe der Anlagendokumentation, wozu auch die Messung des Erdungswiderstandes der Erdungsanlage ebenso wie des Isolationswiderstandes, des Kurzschlussstroms und der Leerlaufspannung gehören, wird die Beachtung der DIN Vorschriften und die Errichtung der Anlage nach anerkannten Regeln der Technik vom Anlagenbauer bzw. dem Installateur nachgewiesen. Visio/WS: Ihr Unternehmen ist als Systemlieferant an vielen Projekten beteiligt und hat Anlagen der unterschiedlichsten Größenordnungen realisiert. Können Sie uns einige typische Projekte nennen?


MES: Wir haben zum Beispiel in Kröpelin auf dem Dach einer Lagerhalle eines Anbaubetriebes für Kartoffeln eine 961 KWp Anlage gebaut. Ein weiteres Großprojekt mit 992 KWp haben wir in Wittenburg auf dem Dach einer Legehennenanlage installiert. Übrigens: bei dieser Gelegenheit haben wir auch gleichzeitig alte Wellasbestdächer entsorgt und Dachflächen saniert. Damit leisten wir nebenbei einen zusätzlichen Beitrag zum Umweltschutz. Als Beispiel für kleinere Anlagen mögen eine Privatanlage in Karstädt mit 30 KWp oder eine in Parchim auf dem Dach eines Transportunternehmens installierte Anlage mit 42 KWp gelten. Visio/WS: Mehr und mehr rückt auch das Thema der Eigennutzung der erzeugten Energie in den Fokus. Wie funktioniert das, welche Vorteile habe ich als Anlagenbesitzer davon? MES: Dieses Thema ist zur Zeit bei der Errichtung neuer PV - Anlagen von großer Bedeutung. Zunächst muss man einen Vergleich der Strompreise durchführen. Die Einspeisevergütung sinkt ständig, zur Zeit liegt sie zwischen 11 und 15 Cent pro Kilowattstunde. Dagegen ist der Strompreis zu betrachten, der derzeit ca. 25 Cent / KWh beträgt. Weiter ist zu bedenken, dass der Strompreis in den nächsten 20 Jahren weiter steigen wird. Ebenso sollte man eine Inflationsrate von ca. 2 % in seiner Rechnung berücksichtigen. Dieser Rechnung zur Folge würde der Strompreis im Jahr 2032 bei etwa 36 Cent/KWh liegen. Legt man der künftigen Strompreisentwicklung gar die Steigerungsrate der vergangenen zehn Jahre von ca. 5 % p.a. zu Grunde würde der Strompreis im Jahr 2030 sogar bei etwa 63 Cent/KWh zu vermuten sein.

Zu den technischen Voraussetzungen kann man keine pauschale Aussage machen. Dazu muss man sich zunächst das Lastprofi l des zukünftigen Anlagenbetreibers anschauen. Weiter müssen die örtlichen Gegebenheiten geprüft und eine sinnvolle Zusammenstellung der Systemkomponenten erstellt werden. Auch etwaige Speichermedien sind bei einer Berechnung der Wirtschaftlichkeit zu berücksichtigen. Werden alle Anforderungen gewissenhaft untersucht werden Sie sehen, dass sich eine Eigenverbrauchslösung förmlich anbietet. Visio/WS: Sie sprachen von Speichermedien. Inzwischen gibt es zahlreiche Batteriespeicher auf dem Markt. Wie entscheide ich mich für den Richtigen und wie ist es um die Lebensdauer bestellt? MES: Zunächst ist davon auszugehen dass die Lebensdauer einer PV – Anlage etwa 20-30 Jahre beträgt. Wie lange ein Batteriespeicher in einer Bestimmten PV – Anlage durchhält hängt von vielen Faktoren ab. Hersteller machen Angaben zur Lebensdauer unter Annahme der optimalen Laborbedingungen. Unter realen Einsatzbedingungen sieht das anders aus. Zur Speicherung erneuerbarer Energien brauchen Sie bestimmte Zellcharakteristiken hinsichtlich C-Rate, Kapazität, Zyklenzahl, Entladetiefe und Temperaturbereich. Alle Faktoren haben Einfluss auf die Lebensdauer. Diese Faktoren muss man kennen um unterschiedliche System zu vergleichen um sich dann für das Richtige entscheiden zu können. Zusätzlich unterscheidet man dann auch noch zwischen ein- und dreiphasigen Systemen. Das bedeutet, dass auch die Haushaltsgeräte, die über einen Speicher versorgt werden sollen, auf der richtigen Phase liegen müssen. In jedem Fall aber empfiehlt es sich, ein Lastmanagement zu betreiben.

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Visio/WS: In der Fachzeitschrift „Photon“, Ausgabe 1/2013, wird behauptet, dass über 70 Prozent aller in Deutschland errichteten Photovoltaiksysteme mängelbehaftet seien. Können Sie dies aus Ihrer Praxis als Gutachter bestätigen? MES: Leider haben auch wir den Eindruck gewonnen, dass die Mehrzahl der Anlagen nicht sach- und fachgerecht installiert wurden und werden. Aus den unterschiedlichsten Gründen: Falsch verlegte Leitungen, Nichtbeachtung der Montageanleitungen der Hersteller, fehlerhafte Schraub- oder Steckverbindungen, eine unzureichende Dokumentation und vieles mehr. Ursache ist oft eine fehlende Fachkenntnis der Monteure, da sich gerade in unserer Branche viele Quereinsteiger tummeln. Die Folge ist meist ein verminderter Stromertrag. Visio/WS: Welchen Rat können Sie als Sachverständige Anlagenbetreibern und zukünftigen Investoren geben, um ein „böses Erwachen“ zu verhindern? MES: Wir würden jedem Betreiber raten, regelmäßig Wartungen durch dafür qualifizierte Fachkräfte vor zu nehmen. Außerdem sollten die Erträge durch geeignete Überwachungssysteme ständig unter Kontrolle sein. Nur so können Mängel frühzeitig erkannt und behoben werden. Im Zweifel sollte schon während der Bauphase oder spätestens nach der Inbetriebnahme ein Gutachter hinzu gezogen werden.

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Universitätsmedizin auf Erfolgskurs Gleichzeitig wächst das Interesse der Studierenden. Während sich im Jahr 2001 nur 174 Bewerber für ein Studium der Humanmedizin in Greifswald interessierten waren es seit 2007 jeweils zwischen 2.700 und 3.000 Frauen und Männer, die sich für einen der insgesamt 124 Studienplätze in Greifswald bewarben. Es werde jedoch zunehmend schwieriger, Nachwuchs auszubilden und Spitzenmedi-

Mit einer schwarzen Null schließt die Universitätsmedizin Greifswald die Bilanz für das Jahr 2012 ab. Mehr als 166.000 Patienten vertrauten der medizinischen Kompetenz der 21 Kliniken und 19 Instituten. Prof. Andreas Greinacher, ärztlicher Vorstand, erwartet mit der Inbetriebnahme des Diagnostikzentrums eine weitere Verbesserung für die Patienten. Nach 20 Jahren Planungs- und Bauzeit stünde der einzige Neubau eines kompakten Klinikzentrums in Deutschland vor dem erfolgreichen Abschluss.

zin anzubieten. Seit Jahren befände sich die Universitätsmedizin Deutschlands in einer permanenten Defizitsituation, die durch geltende Vergütungsregelung verursacht würde. Während Spezialkliniken sich auf lukrative Vergütungsfälle ausrichten könnten, müssten Universitätsklinika das gesamte Leistungsspektrum von der Notaufnahme bis zur Versorgung seltenster Krankheitsbilder abdecken. Auch international genießt die Greifswalder Universitätsmedizin eine hohe Reputation. So

reisten Patienten unter anderem aus der Schweiz, aus Polen, Israel, Argentinien und Russland zur Behandlung nach Greifswald. Auch die Institute der Universitätsmedizin genießen internationalen Ruf. Unter anderem war ihre Expertise für Patienten in Kanada, in der Schweiz und Schweden gefragt. Gunter Gotal, kaufmännischer Vorstand, zeigte sich erfreut darüber, dass im Jahr 2012 dank des enormen Einsatzes aller Mitarbeiter ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden konnte. Und dies trotz schwieriger Rahmenbedingungen wie etwa durch Umzüge in den Neubau. Insgesamt belief sich er Umsatz des Uniklinikums mit dem Kreiskrankenhaus Wolgast und den Verbundunternehmen auf ca. 211 Millionen Euro. Mit vereinten Kräften wird nun an der Zukunft gearbeitet. Ein von den Mitarbeitern im Jahr 2009 erarbeitetes Konzept mit dem Titel Strategie 2009 wird nun mit einer ambitionierten Strategiediskussion 2020 fortgesetzt. Auch künftig gelte es, die gesetzten Ziele zu erreichen, wobei die Einbindung aller Mitarbeiter ein wichtiger Baustein für den zukünftigen Erfolg sei. Text/Fotos: ces


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Überzeugung gegen Bares Wieder einmal hat ein Landesverband des Ökokonzerns NABU Überzeugung gegen Bargeld eingetauscht. Ein Vorfall, den vor allem die Betreiber und Planer von Windkraftwerken im Auge haben sollten. Schauplatz des Geschehens war im jüngsten Fall ein eher kleines, in der nordhessischen Provinz gelegenes Windkraftwerk. Rund 30 km abseits von Gießen drehten sich dort sieben Windmühlen. Plötzlich jedoch sah sich die Betreiberfirma, das Unternehmen HessenEnergie und ein Bürgerwindpark mit einer Klage des Nabu, Landesverband Hessen, konfrontiert. Auf Beschluss des Verwaltungsgerichtshofes wurden fünf der sieben Windrädern nach nur wenigen Monaten Betriebszeit wieder stillgelegt. Begründet wurde die Klage durch den Nabu damit, dass die Windkraftwerke in einem Korridor für Zugvögel stünden. Tatsächlich besitzen Umweltverbände in Deutschland ein besonderes Klagerecht. Normaler Weise können nur Geschädigte Klage erheben, auch dann, wenn es um Belange der Umwelt geht. Beim Naturschutz allerdings dürfen rund 50 Verbände das so genannte Verbandsklagerecht bemühen. Bundesweit geregelt ist dieses spezielle Recht seit 2002, kürzlich wurde es durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes noch ausgeweitet. Für die Betroffenen in Nordhessen war das Urteil ein Schock. Es zeichnete sich ab dass die Anlagen womöglich auf Jahre hinaus nicht in Betrieb genommen werden könnten. Besonders hart traf es die Anleger und Investoren des Bürgerwindparks, von denen einigen sogar die Privatinsolvenz drohte. Zusätzlich stand ein jahrelanger Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang bevor. Letzten Endes folgte das bekannte Prozedere. Horst Meixner, Geschäftsführer von HessenEnergie dazu: „Wir konnten es uns nicht leisten, dem Vorschlag des Nabu nicht zu entsprechen. Bereits

der wenige Monate andauernde Stillstand hat Verluste von rund einer Million Euro verursacht. Zähneknirschend haben wir das kleinere Übel gewählt!“ HessenEnergie und der Bürgerwindpark zahlten 500.000 Euro in einen vom Nabu zu verwaltenden Naturschutzfonds ein, mit dem nun LebensraumOptimierung für den Rotmilan betrieben werden soll. Untersuchungsgegenstand sei die Frage, ob Kleinsäuger am Fuße der Windräder die Vögel anlockten und in Gefahr brächten. Dem Vernehmen nach trägt das Projekt den Namen „Mäuse für den Milan“. Welche Bedeutung aber hat dieser Vorfall womöglich für M-V? Offensichtlich hat die erfolgreich kassierte Ablasszahlung weitere Begehrlichkeiten geweckt. So möchte der Chef des Nabu Kreisverbandes Werra-Meißner im Norden Hessens die Methode „Zustimmung zu Windkraftanlagen gegen Geld“ scheinbar zu einem Dauermodell machen. Die Berliner Zeitung zitiert ihn mit den Worten „Wir wollen erreichen, dass etwa eine halbe Million Euro pro kleinem Windpark in eine Umweltstiftung fließen. Dafür würden wir dann auf Klagen verzichten!“ Nicht nur in der Windkraftbranche stehen alle Zeichen auf Alarm. Johannes Lackmann, ehemaliger Chef des Bundesverbandes Neuer Energien und Geschäftsführer von WestfalenWind spricht von Einstieg des Nabu in die Schutzgeldbranche. „Setzt sich dieses Modell durch ist das wie ein Sonderabgabe auf die Energiewende und wird den Ausbau der Windkraft stark behindern!“ so Lackmann weiter. Mit seinen Begehrlichkeiten steht der Nabu allerdings nicht alleine da. So nutzt auch der BUND die Möglichkeiten des Verbandsklagerechtes auf diese Weise. Unter anderem das führte dazu, dass der BUND – Mitbegründer Enoch zu Guttenberg in einem im Mai 2012

veröffentlichten Brief nach 37 Jahren seinen Austritt erklärte. Dort heißt es unter anderem: „Vor 37 Jahren habe ich den BUND mitbegründet. Für eine schönere, gesunde Welt. Das Ziel wurde verfehlt, es geht nicht mehr um die Natur und ihren Schutz […] Es ging um Geld, als der BUND im Jahr 2003 vor Gericht zog, um gegen den geplanten Windpark in Nordergründe am Wattemeer zu klagen. Eine der wichtigsten europäischen Vogelrouten war höchst gefährdet. Aber weil es eben um Geld ging, um sehr viel Geld, zog der Bund gegen eine Zahlung des Betreibers seine Klage zurück […] Das gleiche Muster, nur mit noch abenteuerlicheren Beträgen gegen die Emsvertiefung […] Dies jedoch, diesen Verdacht der Käuflichkeit, vermag ich nicht länger mitzutragen!“ Die Historie zeigt, dass das Klagemodell inzwischen viele Male erfolgreich angewandt wurde. In machen Fällen scheint heute schon die Androhung einer Klage zum Erfolg zu führen. Vielfach allerdings fühlen sich die Mitglieder der Naturschutzverbände und die, die an die gute Sache glauben, verschaukelt. Reinhold Leinweber von der BI Holzhausen, die sich gegen ein Windradprojekt bei Bad Endbach wehrte, übt harsche Kritik am Nabu, der dort seinen Widerstand gegen das Projekt gegen Erfüllung von diversen Bedingungen aufgab. „Wir fühlen uns verraten!“ sagt er. „Der Nabu hat sich seine Zustimmung einfach abkaufen lassen.“ Bleibt abzuwarten, wie die Verbände künftig mit ihrem Privileg umgehen. Mit ihren Klagen können sie den Ausbau von Ökokraftwerken und Stromtrassen oft für Jahre blockieren. Auch dies wird ganz sicher eine interessante Frage wenn es um den Fortgang der Energiewende geht. Text: ces


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Die ersten Monate des Jahres sind die Zeit der Neujahrsempfänge. Zum diesjährigen Empfang für die Vertreter der diplomatischen und konsularischen Korps und die Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik lud Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering in diesem Jahr nach Greifswald ein. Etwa 500 Gäste folgten der Einladung in das Greifswalder Theater. Als wichtigstes Ziel seiner weiteren Regierungsarbeit defi nierte er die Schaffung weiterer auskömmlich bezahlten Arbeitsplätze. Trotz der Werftenkrise sei 2012 ein gutes Jahr für Vorpommern gewesen. Gute Chancen für Wirtschaftswachstum sehe er vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien und hier vor allem in der Windkraft. Der eingeschlagene Weg müsse weiter verfolgt und jeder Bürger mitgenommen werden. Wichtig sei aus Sicht der Landesregierung die Einführung eines Mindestlohns. Arbeitnehmer müssten von der positiven Entwicklung der Wirtschaft profitieren. Hier sei die Landesregierung mit der Änderung des Vergabegesetzes beispielhaft.

Neujahrsempfang 2013

Zu Tradition der Neujahrsempfänge des Ministerpräsidenten gehört auch die Verleihung des Verdienstordens des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr die Vorsitzende der Multiple Sklerose Gesellschaft, Gudrun Schoefer und Wolfgang Remer als Präsident des Landessportbundes für ihr außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement. Text/Fotos: ces


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Kreuzfahrt im Eis


Auf einem Eisbrecher unterwegs Kreuzfahrten per Schiff erfreuen sich immer größere Beliebtheit. Meist will der gemeine Kreuzfahrer oder die Kreuzfahrerin in warme Gefi lde und sucht bei Unterhaltung und Fitness an Bord Erholung und ein wenig Landeskunde bei Landgängen. Hatten Sie schon? Ist Ihnen zu langweilig? Sie mögen eher das Außergewöhnliche? Wie wäre es mit einer Fahrt auf einem Eisbrecher durch arktisches Gebiet? Möglichkeiten hierzu bietet die Sampo, welche von Kemi/Finnland aus Touristen ins Eismeer bringt und dort mit einem außergewöhnlichen Unterhaltungsprogramm für unvergessliche Erinnerungen sorgt. Ursprünglich als Eisbrecher konzipiert, war das Schiff 25 Jahre unter fi nnischer Flagge auf der Ostsee unterwegs, bevor es ausgemustert und in den Hafen der Stadt Kemi geschleppt wurde, um dort für seine neue Bestimmung umgebaut zu werden. 1960 auf der Wärtsilä-Werft in Helsinki gebaut, trat es 1961 die Nachfolge des zuvor mehr als 50 Jahre als Eisbrecher genutzten gleichnamigen Schiffes an und ermöglichte mit seiner Arbeit eine ungehinderte Fahrt in den Fahrrinnen und damit den Handel in Finnlands Häfen während des Winterhalbjahres. Doch bereits Ende der 1970er Jahre zeigte sich, dass die neue Generation der Frachtschiffe größere Fahrrinnen benötigte, als sie die Schiffe der Karhu-Klasse, zu wel-

cher die Sampo gehört, erzeugen konnten. Dennoch blieb das Schiff noch weitere 10 Jahre im Einsatz, bevor es im Oktober 1987 ausgemustert und für eine Million Finnische Mark von der Stadt Kemi gekauft wurde. Der damalige Stadtpräsident Kemis, Juhani Leino hatte die Idee einer touristischen Nutzung des Schiffes und so fand die Sampo in Ajos einen neuen Heimathafen. Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen, die aus einem robusten und zweckdienlichen Gebrauchsschiff ein bequemes Kreuzfahrtschiff machten, begann bereits 1988 das zweite Leben der Sampo als Touristenattraktion. Heute werden mit der Sampo von Mitte Dezember bis Ende April zwei- bis sechsstündige Fahrten und Ganztagesfahrten auf dem vereisten nördlichen Bottnischen Meerbusen angeboten. Hierfür bietet die Sampo Platz für bis zu 150 Passagiere. Das Eis im Bottnischen Meerbusen kann dabei bis zu einem Meter dick sein, wobei das dickste Eis normalerweise im Februar und März vorkommt. Während der Kreuzfahrt haben die Gäste Gelegenheit, bei einem geführten Rundgang von der Kommandobrücke bis hinab in den Maschinenraum das Schiff zu besichtigen, bevor es zu einem kräftigenden Lunch mit Suppe und Brot in das Restaurant geht. Verwöhnte Gaumen und Vegetarier kommen bei entsprechender Voranmeldung jedoch auch auf ihre Kosten. Im Anschluss daran besteht die Möglichkeit, in einem speziell für arktische Verhältnisse konzipierten Überlebensanzug ein Bad im eisigen Wasser der Ostsee zu nehmen. Tatsächlich sind laut Veranstalter hierfür keine Schwimmkenntnisse erforderlich, da die Spezialan-

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züge den Träger durch Luftkammern an der Wasseroberfläche halten. Sicherlich ein unvergessliches Erlebnis! Wem das noch nicht genug ist, dem bieten sich zusätzlich noch Ski- und Motorschlittenoder Hunde- und Rentiersafaris an. Nach der Rückkehr in den Hafen überreicht der Kapitän beim Aussteigen jedem Gast eine Urkunde zur Erinnerung an diese Eisbrecher-Kreuzfahrt. Obwohl offi ziell nicht mehr zu der fi nnischen Eisbrecherflotte gehörig, wird die Sampo im Winter zu Hilfsdiensten eingesetzt, um eine Fahrrinne für Frachtschiffe im nördlichsten Teil des Bottnischen Meerbusen frei zu brechen. Ebenso dient das Schiff immer wieder Polarforschern und Ozeanographen, die auf der Sampo Daten sammeln und Forschung betreiben. Im Sommer liegt die Sampo vertäut in ihrem Heimathafen Ajos und steht dort für Besichtigungen und Sondercharter zur Verfügung. Da die Resonanz für dieses Abenteuer sehr groß ist und gemäß Veranstalter bis zu 12000 Gäste pro Wintersaison eine Fahrt auf der Sampo buchen, ist das Vergnügen nur im Voraus buchbar. Der Grundpreis für eine vierstündige Kreuzfahrt liegt bei 260 Euro pro Person. Sollten Sie nun neugierig geworden sein, so fi nden Sie Informationen und reichlich Bildmaterial- auch in deutscher Sprachesowie Buchungsoptionen in englischer Sprache auf www.sampotours.com. Viel Vergnügen! Text/Fotos: hr/ www.sampotours.com/wikipedia


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aliis inserviendo consumor Stralsunder Ehrenbürgerschaft für Hermann-Hinrich Reemtsma „Im Dienst an anderen verzehre ich mich – aliis inserviendo consumor“, unter dieses Motto stelle Pfarrer Christoph Lehnert aus Stralsund seine Laudatio für HermannHinrich Reemtsma, der auf den mit großer Mehrheit der Hansestadt Stralsund gefassten Beschluss hin mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt ausgezeichnet wurde. Mit der Verleihung der höchsten Auszeichnung, die die Stadt Stralsund zu vergeben hat, wurde das Engagement Reemtsmas und der von ihm gegründeten Stiftung um die Restauration der weltberühmten Stellwagen-Orgel in St. Marien zu Stralsund und den Erhalt anderer kulturhistorischer Schätze gewürdigt. Das Orgelprojekt, so Lehnert weiter, sei mit einem Beitrag von 2,3 Millionen Euro das umfangreichste Projekt, das je durch die Reemtsma Stiftung gefördert wurde. Ebenso sei es in der Denkmalpflege Europas bis zum heutigen Tage einzigartig, dass ein einziger Förderer ein derartiges Projekt ohne jegliche Kofinanzierung begleitet habe. Aber Reemtsma und seine Stiftung engagierten sich in Stralsund darüber hinaus auch mit Blick auf die Zukunft. So könnten dank großzügiger Förderung der Stiftung in die-

sem Jahr endlich die Restaurierungsarbeiten am den mit mehr als 120 qm großen Querhausfenstern in St. Marien, den vermutlich größten bleiverglasten Fenstern Europas, beginnen. Lehnert wies aber auch an viele andere Förderprojekte der Reemtsma Stiftung hin. Zu nennen sei hier nicht nur die Restaurierung der größten Barockorgel des ehemaligen Ostpreußens in Paslek/Polen, sondern auch viele soziale Projekte wie etwa die Unterstützung von Hospizen, einem altersgerechten Pflegehotel, Förderprogramme zur frühkindlichen Entwicklung und viele andere Vorhaben ebenso wie etwa die Komplettsanierung der Talmud Tora Schule und der Synagoge in Hamburg. Der Präsident der Stralsunder Bürgerschaft, Rolf-Peter Zimmer wies ebenso wie Stralsunds Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow auf die Tatsache hin, dass schon heute die restaurierte Stellwagen-Orgel einen herausragenden Platz in der Musikwelt Europas gefunden habe und damit so etwas wie ein musikalischer Botschafter der Stadt geworden sei. Badrow erinnerte an die Vision Prof. Gottfried Kiesows von einem Orgelzentrum im südlichen Ostseeraum. Mit der Restaurierung der Orgel in St. Marien habe es eine Initialzündung gegeben das Projekt Orgelzentrum mit nicht nachlassender Energie zu verfolgen und auch weitere Instrumente zu restaurieren. Der Name Reemtsma sei von nun an eng mit der Stellwagen-Orgel

und St. Marien verbunden. Beispielhaft für die internationale Bedeutung sei der Orgelzyklus der vergangenen Jahres, in dessen Konzerten Musiker aus Utrecht, Havanna und Lissabon und vielen anderen Städten an der Stellwagen-Orgel gespielt hatten. „Ehre wem Ehre gebührt!“ fasste Bürgerschaftspräsident Zimmer zusammen. Die Auszeichnung als Ehrenbürger – übrigens die Erste für Hermann-Heinrich Reemtsma – sein ein Symbol der Anerkennung, des Dankes und des Respekts. HermannHinrich Reemtsma sei ein Beispiel dafür, dass es immer auch darum gehe, neben der Gestaltung des eigenen Lebensweges auch das Allgemeinwohl zu fördern und wo möglich Unterstützung zu leisten. In seiner Dankesadresse erklärte HermannHinrich Reemtsma, dass er die Ehrung vor allem als Anerkennung für die Stiftung und ihre Mitarbeiter empfinde. Es sei ihm eine besondere Freude gewesen, als Stifter dieses einzigartige Orgelprojekt von Anbeginn nach Kräften zu unterstützen. Mit vereinten Kräften sei es gelungen, ein Instrument von europäischem Rang zu retten, das hoffentlich noch durch weitere Jahrhunderte erhalten bleiben und seine Zuhörer erfreuen möge. Sein Dank gelte auch den beteiligten Firmen und all denen, die sich für die Instandsetzung der Stellwagen-Orgel unermüdlich engagiert hätten. Text/Fotos: ces


Die Hermann Reemtsma Stiftung wurde im Jahr 1988 gegründet und untersteht als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts der Stiftungsaufsicht der Freien und Hansestadt Hamburg. Jährlich unterstützt sie zwischen 50 und 60 Projekte und gemeinnützige Vorhaben in Nord- und Ostdeutschland. Schwerpunkte des Engagements sind der Erhalt von Kulturgütern und die Baudenkmalpflege, im sozialen Bereich die Förderung von Kindern, Hospizarbeit sowie Hilfen für psychisch Kranke. Bislang wurden durch die Stiftung z.B. folgende Projekte in Stralsund und Vorpommern gefördert: • •

Restaurierung der Stellwagen-Orgel Stralsund (20022008) Restaurierung der Querhausfenster / Vierung St. Marien Stralsund (ab 2013)

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Restaurierung der Greiffenheimschen Kapelle, St. Nicolai, Stralsund (2006) Restaurierung des Altars, der Kanzel und der Nordloge der Dorfkirche Tribohm (2006-2007) Gewölbe- und Turmsanierung der St. Margaretenkirche Patzig, Rügen (2008 – 2009) Notsicherung des Gewölbes und Bauforschung in St. Marien, Greifswald (2008-2009) Erwerb des Gemäldes „Ruine Eldena bei Greifswald“ von Carl Gustav Carus für das Pommersche Landesmuseum in Greifswald (2011) „Altwerden auf dem Lande“ Sanierung und Umbau der Dorfschule Gramzow zu einem altersgerechten Pflegehotel (2008-2010) und viele weitere.

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Genossenschaften weltweit Erkundungen im

Zum Beispiel Kenia … In Kenia ist jeder fünfte Einwohner (5,9 Millionen Menschen) Mitglied einer GeGenossenschaftsjahr. nossenschaft, 250.000 Menschen sind bei Genossenschaften beschäftigt.  Die Teil II. Lebensgrundlage von 20 Millionen Kenianern hängt direkt oder indirekt von GeIn Greifswald taten sich im Jahre 2012 nossenschaften ab. Kenianische Genossenzwei große Genossenschaften, die Woh- schaften sind verantwortlich für 45 % des nungsbau-Genossenschaft Greifswald eG BIP und 31 % der nationalen Ersparnisse (WGG) und die Volksbank Raiffeisenbank und Einlagen. Sie halten 70 % des Kaffee-, eG zusammen, um 76 % des Getreide-, durch gemeinsame 90 % des MargeritenZitiert: Dass die 7500 Genossenschaften und 95 % des BaumVera n st a lt u ngen und Pressekam- mit ihren 21 Millionen Mitgliedern in der wollmarktes.  pagnen auf sich Bundesrepublik eine Art Boom erleben, und das genossen- ist der maroden Lage des Wirtschaftssys- Zum Beispiel Kolumbien… schaftliche Wirttems geschuldet. Das ungehemmte schaftsmodell und In Kolumbien sind seine Wirksamkeit Streben nach Rendite ruinierte Banken über 8 Prozent der im Territorium Einwohner (3,3 Milund ganze Volkswirtschaften und ist aufmerksam zu lionen Menschen) durch und durch diskreditiert, so Gerald machen. Der AnG enossen sc ha f t sThalheim, Vorstandssprecher des mitglied. Im Jahr lass dafür war das Mitteldeutschen GenossenschaftsverInternationale Jahr 2005 erwirtschafteder Genossenschafbands (MGV). Eckhard Ott, Vorstands- ten 6.462 Genossenschaften 5,25 % des ten, welches die chef des Deutschen Genossenschafts- und Vereinten Nationen BruttoinlandsproRaiffeisenverbands (DGRV), stellt fest, dukts. Saludcoop, ausgerufen hatten, dass sich »große Teile der Bevölkerung um auf die welteine Genossenschaft weite Bedeutung fragen, ob Renditemaximierung noch als im Gesundheitsbevon Genossenreich bietet medizioberstes aller Prinzipien taugt«. nische Versorgung schaften aufmerkfür 15,5 % der Besam zu machen und ihre Rolle für die wirtschaftliche völkerung. Kaffeegenossenschaften verund soziale Entwicklung vieler Länder markten 33,78 % des kolumbianischen zu betonen. »Genossenschaften zeigen Kaffees. Genossenschaftsbanken bedienen der internationalen Gemeinschaft, dass 5,8 % der Finanzdienstleistungen. Kolumbeides möglich ist: Wirtschaftlichkeit bianische Genossenschaften beschäftigen und soziale Verantwortung«, begründe- 109.000 Menschen und zusätzlich 379.000 te UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die sogenannte „owner-workers“.  Sie stellen Entscheidung. 23 % der Arbeitsplätze im Gesundheitssektor, 18 % im Transportsektor, 13 % im Genossenschaften auf der ganzen Welt industriellen Sektor, 11 % im Finanzsektor haben im UN-Jahr die genossenschaft- und 9 % im landwirtschaftlichen Sektor liche Idee in den Mittelpunkt der Auf- zur Verfügung.  merksamkeit gerückt. Es gibt 800 Millionen Genossenschaftsmitglieder in über Zum Beispiel Skandinavien … 100 Ländern. Mehr als 100 Millionen Ar- In Norwegen sind die landwirtschaftlichen beitsplätze werden von Genossenschaf- Genossenschaften verantwortlich für 99 ten bereitgestellt, das sind 20 % mehr als % der Milchproduktion. Konsumgenosvon multinationalen Großunternehmen. senschaften haben einen Marktanteil von Kreditgenossenschaften, ländliche und 25 %, Fischereigenossenschaften verzeichgewerbliche Genossenschaften fördern nen 8,7 % der gesamten norwegischen in allen Regionen der Welt die gemeinsa- Exporte, Forstgenossenschaften verantmen Interessen ihrer Mitglieder. Sie un- worten 76 % der Holzproduktion und jeterstützen die Wirtschaftskreisläufe vor der dritte der 4,5 Millionen Einwohner Ort und sorgen für lokale Beschäftigung. ist Genossenschaftsmitglied. In Schweden

hatten die Konsumgenossenschaften im Jahr 2004 einen Marktanteil von 17,5 %.  In Dänemark hielten Konsumgenossenschaften 37 % des Marktes im Jahr 2004. In Finnland sind fast 1,5 Millionen Menschen Genossenschaftsmitglied. Das entspricht 62 % aller fi nnischen Haushalte. Die fi nnischen Genossenschaften des Pellervo Verbands verantworten 74 % der Fleischprodukte, 96 % der Getreideprodukte, 50 % der Eierproduktion, 34 % der forstwirtschaftlichen Produkte und 34,2 % der Einlagen fi nnischer Banken.  Die positive Aufmerksamkeit durch das Internationale Jahr soll auch über das Jahr 2012 hinaus erhalten werden. Der weltweite genossenschaftliche Dachverband ICA (International Cooperative Alliance) hat dementsprechend auf der Abschlussveranstaltung zum Internationalen Jahr bei den Vereinten Nationen in New York eine „Dekade der Genossenschaften“ ausgerufen. Die deutschen Genossenschaftsverbände haben in diesem Zusammenhang entschieden, die erfolgreiche „Ein Gewinn für alle“ - Kampagne auch über das Jahr 2012 hinaus weiterzuführen. Text: Dipl.-Ing. Uwe Durak Quelle: www.genossenschaften.de

Logo des Internationalen Genossenschaftsjahres

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Logo der International Co-operative Alliance(ICS)

Die deutschen genossenschaftlichen Verbände Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV), Bundesverband deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Deutscher Raiffeisenverband (DRV), Bundesverband deutscher Wohnungsund Immobilienunternehmen (GdW), Mittelstandsverbund (ZGV), Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften (ZdK)


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Joachim Kümmritz im Interview Intendant und Geschäftsführer des Staatstheaters Schwerin

VISIO/WS: Wie beurteilen Sie die Auseinandersetzung mit dem für Sie zuständigen Kultusministerium? Gesprächsbereitschaft war durchaus vorhanden. Jetzt geht es um Entscheidungen. Man muss aber objektiv sagen, dass es sich um einen sehr schwierigen Prozess handelt. Schließlich müssen Landesinteressen und kommunale Interessen zu einem Ergebnis zusammengeführt werden. VISIO/WS: Ihr Kollege Wolfgang Bordel beklagt mangelnde Gesprächsbereitschaft von Seiten des Kultusministers. Wie beurteilen Sie das, welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Siehe oben.

VISIO/WS: Die Diskussionen um die Theaterlandschaft Mecklenburg Vorpommerns dauert nun schon eine geraume Zeit an. Oder ist sie womöglich nicht einmal richtig in Gang gekommen? Was ist Ihr Fazit aus der bisherigen Auseinandersetzung? Bedauerlich ist, dass bis heute keine klare Entscheidung getroffen wurde. Diese sehr langwierigen Prozesse sind künstlerisch zermürbend und machen es unmöglich wirtschaftlich und künstlerisch langfristig zu planen. Die Debatte zieht sich übrigens bereits länger als 20 Jahre hin. VISIO/WS: Was ist für Sie die wichtigste Aufgabe des Theaters? Theater für das Publikum zu spielen! Den Zuschauern den Mehrwert Theater im Sinne von Bildung - insbesondere ästhetischer Bildung - zu vermitteln und die Kunstform Theater weiterhin zu pflegen. VISIO/WS: Welches Feedback bekommen Sie aus Ihrem Publikum zu der Diskussion? Das Publikum in Schwerin liebt das Theater. Das merkt man an den Reaktionen, wenn es um drohende Einsparungen geht. Gerade im vergangenen Jahr wurde dies bei der Aktion Kulturschutz mehr als deutlich.

VISIO/WS: Ist die Theaterfi nanzierung hierzulande eigentlich noch zeitgemäß? Gibt es in Europa Modelle, die Sie für sinnvoller halten? (Italien / Finnland) Deutschland besitzt aufgrund seiner vielfältigen Theaterlandschaft ein Alleinstellungsmerkmal in der ganzen Welt. Es wäre bedauerlich, dieses aufzugeben. Bestrebungen diese Theaterlandschaft zum Weltkulturerbe zu machen, unterstütze ich. Es ist falsch, alles in Europa zu nivellieren. Die einzelnen Staaten haben unterschiedliche Entwicklungen durchgemacht und besitzen verschiedene Traditionen, die für die Identität ihrer Bürger wichtig sind - zu Hause in Deutschland und in Europa. VISIO/WS: Das Kultusministerium hat eine Reihe von Vorschlägen zur zukünftigen Gestaltung der Theaterlandschaft gemacht, die auf der Analyse einer Unternehmensberatung basieren. Gibt es darunter einen, der Ihre Zustimmung fi ndet? Die Modelle beinhalten durchschnittlich Kündigungen von ca. 300 Mitarbeitern in MV. Dies ist menschlich eine Katastrophe und durch die fälligen Abfi ndungen eine enorme fi nanzielle Belastung. Allein aus diesen Gründen kann man keins der Modelle ernsthaft als gut oder sinnvoll umsetzbar bezeichnen. Dem gegenüber stehen sinkende Bevölkerungszahlen und unterschiedliche Wahrnehmung der Theater an den einzelnen Standorten. Die Haltung der Stadt Schwerin, der Stadtvertreter, des Betriebsrates und des Aufsichtsrats des Mecklenburgischen Staatstheaters

ihr Theater als Leuchtturm zu betrachten, aber dabei gesprächsbereit zu bleiben, ist nachvollziehbar. VISIO/WS: Welches Modell würden Sie persönlich für sinnvoll halten? Die vernünftigste Lösung scheint mir, dem Namen und der überregional akzeptierten Rolle des Mecklenburgischen Staatstheaters endlich gerecht zu werden und es in Landesträgerschaft zu übernehmen. VISIO/WS: Theater sind auch ein Wirtschaftsfaktor für die Region. Früher gab es die berühmte Sommerpause, heute fi nden sich gerade in dieser Zeit vielfältige Angebote, die von Gästen der Region in Anspruch genommen werden. Wie beurteilen Sie die Funktion des Theaters als „wirtschaftsförderndes Element“? Es ist seit langem bekannt, dass kulturelle Angebote eine hohe, nachweisbare Umwegrentabilität besitzen. Schwerin lebt auch von seinem Theaterangebot und im Sommer von den Schlossfestspielen. Aber Theater sind keine Wirtschaftsbetriebe, wichtig sind die sich ergebenen Nebeneffekte. Die rein wirtschaftliche Betrachtung von Theatern ist falsch. VISIO/WS: Die Angebote des Theaters stehen – vor allem in der Hauptsaison – im Wettbewerb mit zahlreichen anderen hochkarätigen Angeboten, man denke nur an die Festspiele MV. Wie wirkt sich das auf Ihr Haus aus? Dieser Wettbewerb besteht bereits seit vielen Jahren. Wir haben relativ konstante Besucherzahlen mit knapp 200.000 in einer Spielzeit. Das ist für die kleinste, wenn auch schönste, Landeshauptstadt ein sensationelles Ergebnis. VISIO/WS: Welche Perspektiven sehen sie für die Theaterlandschaft der kommenden Jahre? Wenn es bei einer Festschreibung der Mittel bleibt, wird es tiefe Einschnitte in der Theaterlandschaft geben, in qualitativer wie quantitativer Hinsicht. VISIO/WS: Und als letzte Frage: welche Botschaft haben Sie an Politik und Publikum? Theater rechnet sich nicht, aber es zahlt sich aus. Interview: ces / Fotos: Staatstheater Schwerin


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Verrückte Mädchen und böse Wölfe Der 22. Nordische Klang präsentiert exklusive Kulturangebote aus Nordeuropa.

Bereits zum 22. Mal wird Greifswald zum Dreh- und Angelpunkt der nordeuropäischen Kulturszenen. Ob aufsteigende Geheimtipps oder etablierte Künstler, der Nordische Klang vereint in der Zeit vom 2. bis zum 13. Mai Musik, Bühnenkunst, Fotografie, Filme, aber auch Vorträge und Lesungen zu einem einzigartigen Erlebnis. Das meiste sind Direktimporte aus dem Norden!

Wer sich nicht bis zum offi ziellen Startschuss am 3. Mai gedulden kann, sollte sich bereits am 2. Mai das Vocal-Jazz-Trio um Indra Rios Moore im St. Spiritus nicht entgehen lassen. Sanfte Bass- und Saxophonklänge umspielen die warme Stimme der aus New York stammenden und jetzt in Dänemark lebenden Sängerin Indra. Nach dieser Einstimmung fi ndet am folgenden Abend die große Eröffnung statt.

Ein extra für dieses Festival produziertes Musikvideo feiert an diesem Abend seine Premiere. Unter der Regie der britischisländischen Künstlerin Kitty Von-Sometime werden 14 „verrückte Mädchen“ aus der Hansestadt in schrillen Kostümen zu elektrolastigen Beats in einer Greifswalder Location zu sehen sein. Popkultur und Konzeptkunst treffen in diesem sogenannten Weird Girls Project aufeinander.


Nach diesem bunten Spektakel begeistert die isländische Sängerin Anna María Björnsdóttir das Publikum mit ihrer einzigartigen Mischung aus Nordic Folk, Pop und Jazz. Die faszinierende Künstlerin wird ihre Songs zum ersten Mal außerhalb ihres Heimatlandes präsentieren. In ihren Liedern singt Anna María, wie der Albumtitel “Saknað fornaldar” verlautbart, von der Sehnsucht nach früheren Zeiten. Die Zuschauer können sich auf eine poetische Reise freuen, in der sich expressive und intime Songs abwechseln. Indie- und Popmusikfreunde sollten sich den 4. Mai frei halten. An diesem Samstag sind gleich zwei junge Bands zu Gast im St. Spiritus. Die norwegische Band Møll eröffnet mit ihrem energiegeladenen Sound, treibenden Drums und Tubaklängen den Abend. Die packende und raue Stimme der Sängern Emilie wurde schon oft mit der von Lykke Li, Kate Bush oder Björk verglichen. Anschließend haben die isländischen Jungs von Tilbury ihren großen Auftritt. Die Tilbury-Musik ist dramatisch, dynamisch und bittersüß. Die fesselnden Gitarrenklänge und die sanfte Stimme des Sängers laden zum Mittanzen ein. Was passiert, wenn ein Barock-Ensemble auf eine Improjazz-Band trifft? Und wie sieht es aus, wenn diese 14 Musiker, die sich gemeinsam das Kitchen Baroque Orchester nennen, auf einer Bühne diese Herausforderung zusammen umsetzen? Herausfi nden kann man das am 5. Mai im Theater. So ein Zusammentreffen gab es bei uns noch nie zu hören! Der nächste Tag steht ganz im Zeichen traditionell fi nnischer Melodien, die sich mit Folklore-, Indie- und Jazzelementen vereinen. Mit stimmungsvollen Liedern, gespielt auf dem Zupfi nstrument Kantele, wird das Vilma Timonen Quartet sein Publikum verzaubern. Nicht umsonst haben die vier Musiker im Jahre 2009 für ihr Album „Forward“ die Auszeichnung für das beste fi nnische Folklore-Album des Jahres, den Ethno-Emma-Preis, bekommen. Der witzige italo-dänische Comedian Paolo Nani wird am 7. Mai dem Publikum Tränen in die Augen treiben. Lachtränen! Die durchgeknallte Show „Der Brief“ gilt schon seit 20 Jahren als ein Meisterstück des Welthumors. Einen weiteren Teil dieser Lachnacht bildet die verrückte Stummfi lmkomödie „Das Eskimobaby“ mit der dänischen Diva und Schauspielerin Asta Nielsen. Den Streifen begleitet das Greifswalder Universi-

tätssinfonieorchester mit der Deutschlandpremiere von neuer Filmmusik des polnischen Komponisten Rafał Rozmus. Am 8. Mai lädt Andrea Hesse zu einer Reise auf die Färöer ein. In einem Bildervortrag stellt die Greifswalder Skandinavistin die Inselgruppe im Nordatlantik vor. Am Abend kommen Mariska & Pahat Sudet, auf Deutsch: Mariska und die bösen Wölfe. Sie sind eine der angesagtesten Popbands aus Finnland. Mariska startete ihre Karriere als Rapperin, aber hat jetzt zum poetischen und zupackenden Song umgeschwenkt. Eine Stimme, die berührt! Die Amerciana-Band White River Junction spielt am 10. Mai in der Hansestadt. Die Musiker vergleichen ihre Country-, Folk- und Bluessongs mit einer Zugreise durch Amerika, die das Publikum an die unterschiedlichsten Orte und Stationen führt. Die Fahrkarte für diesen Trip kann um 20 Uhr im St. Spiritus gelöst werden. Das bunten Abschlussfest am 11. Mai lädt zum Tanzen und Grooven ein. Die brasilianische Sängerin Simone Moreno lässt an diesem Abend Samba, Afropop, Reggae, Soul und nordische Klänge miteinander verschmelzen. Die charismatische Künstlerin interagiert mit ihrem Publikum und garantiert eine Stimmung, bei der man einfach mittanzen und -feiern muss! Wem dies noch nicht genug ist, der kann sich auf einen Filmstar der dänischen Olsenbande freuen. Bereits letztes Jahr begeisterte Morten Gunwald, alias Benny, Greifswald.

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In diesem Jahr holt der Nordische Klang Jes Holtsø, den original Darsteller des Börge, in die Stadt. Aus dem kleinen Börge Jensen ist mittlerweile ein großer BluesRocker geworden! Nach fast 10 jährigem Drogen- und Alkoholmissbrauch gelang Jes der Ausstieg. Seitdem ist er erfolgreicher denn je. Im Jahre 2009 feierte er sein Comeback in der Castingshow „Talent“ des dänischen Fernsehens, in der er sich als Bluessänger vorstellte. Dabei lernte Holtsø auch seinen Musikpartner Morten Wittrock kennen. Zusammen schafften sie es bis ins Finale. Im letzten Herbst wurde Jes Holtsø auf dem Copenhagen Blues Festival zum „Dänischen BluesNamen des Jahres 2012“ gekürt. Wer traurig ist, dass nach diesem grandiosen Abschluss schon alles vorbei ist, dem sei der Nachklang am 13. Mai ans Herz gelegt. Der aus Chile stammende Norweger Pedro Carmona-Alvarez liest aus seinem Buch „Das Wetter änderte sich, es wurde Sommer und so weiter“. Der Autor begeistert nicht bloß mit seinem mitreißenden und poetischen Schreibstil, sondern auch mit seinem Gitarrenspiel. Doch dies ist nur ein kleiner Auszug aus einem groß(artig)en Programm. Viele weitere musikalische und literarische Veranstaltungen, Ausstellungen und Vorträge warten auf Ihren Besuch. Vorbeischauen lohnt sich jeden Tag! Vivien Janner und Svea Niesner


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Designhochschule Schwerin startet 2013 v.l.n.r. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, Geschäftsführer Designhochschule Schwerin i.G. Christian Hajdas und stellvertretender Geschäftsführer Designhochschule Schwerin i.G. Stephan Haring während der Pressekonferenz.

Drei Kreativ-Studiengänge an Deutschlands jüngster Hochschule geplant  Jetzt ist es offiziell: Die deutsche Hochschullandschaft wird um ein neues Angebot reicher. Mit Beginn des Studienjahres 2013/14 nimmt die privat geführte Designhochschule Schwerin in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns ihren Betrieb auf. Sie ergänzt damit das bestehende Angebot der Designschule, die auch weiterhin als deutschlandweit bekannte Höhere Berufsfachschule moderne Designausbildungen anbietet. Die zukünftigen Studierenden, die zwischen den drei kreativen Studiengängen Gamedesign, Modedesign und Kommunikationsdesign wählen können, erwartet eine kleine, inhaltlich und strukturell modern aufgestellte Hochschule, an der ihr erfolgreiches Studium im Mittelpunkt der Arbeit stehen wird. Das wissenschaftlich fundierte Arbeiten sowie eine stetige Verknüpfung von Theorie und Praxis eröffnen den späteren Absolventinnen und Absolventen, die ihr Studium nach einer Regelstudienzeit von 6 Semestern mit einem Bachelor of Arts abschließen, somit beste Startbedingungen innerhalb der Kreativbranche aber auch für eine akademische Laufbahn in Wissenschaft und Forschung.

Neugründung stärkt Hochschul-Standort  Angelika Gramkow, Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt, sieht in der Neugründung ein wichtiges Signal für den Hochschulstandort Schwerin: „Schwerin ist die einzige Landeshauptstadt in der Bundesrepublik, die keine staatliche Universität oder Hochschule hat. Deshalb haben wir sehr großes Interesse daran, dass private Hochschuleinrichtungen ihre Aktivitäten in unserer Stadt entfalten. Ich freue mich, dass bei dieser jüngsten Hochschul-Neugründung die  Wahl auf unsere Stadt gefallen ist. Das wird Schwerins Entwicklung als zwar kleinen aber dennoch interessanten Standort für private Hochschulen neuen Schwung verleihen.“ Angesprochen auf die Erfolgsaussichten der Designhochschule zeigt sie sich ebenfalls  optimistisch: „Die Trägerin betreibt bereits seit über zehn Jahren  hier in Schwerin und seit kurzem auch in Leipzig erfolgreich zwei Designschulen. Diese Erfahrungen sind in meinen Augen beste Voraussetzungen für den Erfolg der drei Hochschul-Studiengänge.“  Studienabschluss ohne Ortswechsel möglich  Auch Christian Hajdas, Geschäftsführer der Trägergesellschaft und somit Initiator der Hochschulgründung, blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir haben schon sehr gute Erfahrungen mit Schwerin als Standort für die kreativen Angebote unserer Designschule gemacht. Das um die Studiengänge erweiterte Angebot wird zukünftig bestimmt noch mehr designinteressierte Jugendliche nach Schwerin locken, als es uns bisher schon ge-

lungen ist.“ So seien auch kreative Abiturienten zunehmend explizit an akademischen Abschlüssen interessiert. Da an der Designschule zeitgleich mit der Ausbildung auch die Fachhochschulreife erworben werden könne, biete die nun entstehende Kombination den zukünftigen Absolventinnen und Absolventen der Berufsfachschule die Möglichkeit eines unmittelbar anschließenden Studiums, ohne den Ort wechseln zu müssen. Bei allem Optimismus heißt es nun aber für die Verantwortlichen erst einmal den Start weiter intensiv vorzubereiten. „Nun beginnt die heiße Phase. Mit den aktuell vorliegenden, positiven Voten von Akkreditierungsagentur (ZEvA) und Wissenschaftsrat sind zwei ganz entscheidende Hürden genommen. Nun hoffen wir auf eine baldige staatliche Anerkennung durch das zuständige Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern. Parallel werden wir natürlich bei allen sich bietenden Gelegenheiten um Studierende werben. Und es gilt, die benötigten 13 Professuren personell zu besetzen. Die entsprechenden Ausschreibungen erfolgen jetzt zeitnah“, so Hajdas. Dies sei nur ein kleiner Ausschnitt aus einer langen Liste. Aber nach der langen Phase der Ideenfindung, Vorbereitung und Planung nun in die realistische Startphase überzugehen, gebe ihm und seinem Team neuen Schwung.   Foto: hjs


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Saisonstart für die Indoor-Golfpiraten Gerne bezeichnen sich die Greifswalder Indoor-Golfpiraten als den „etwas anderen Golfclub“ in Mecklenburg-Vorpommern. Kein Wunder, schließlich wird hier der einzige Indoor-Golfsimulator in ganz Mecklenburg-Vorpommern betrieben. Angestachelt von einer erfolgreichen Saison 2012 starten die mehr als 30 Mitglieder des Clubs in die Saison. Nach einem erfolgreichen Wintertraining in der Indoor Golfarena Greifswald gilt es nun neue Herausforderungen zu meistern. Auch über die Landesgrenzen hinweg suchen die Indoor Golfpiraten Kontakte. So konnte das Acamed Golfresort Neugattersleben in Sachsen-Anhalt als Koope-

rationspartner gewonnen werden. Damit bieten die Golfpiraten ihren Spielern mit nun 6 weiteren Golfclubs optimales Golfen auf unterschiedlichen Plätzen. Für das Jahr 2013 haben sich die umtriebigen Mitglieder der Golfpiraten einiges vorgenommen. Nach der Saisoneröffnung im April folgt bereits am 15. Juni der traditionelle Charity Golfcup, zu dem erneut viele Spieler aus allen Teilen der Bundesrepublik anreisen werden Traditionell geht der Erlös des Turniers an eine gemeinnützige Organisation. In diesem Jahr kann sich das Orchester Widerhall aus Pasewalk auf Unterstützung freuen, dessen Ensemblemitglieder aus der Gemeinnützigen Wohn- und Werkstätten

GmbH in Pasewalk stammen. Am 10 August geht dann zum zweiten Mal die Krugsdorfer Landpartie an den Start. Alle Turniere fi nden im Schlosshotel und Golfressort Krugsdorf bei Pasewalk statt. Wie immer sind Gäste herzlich willkommen. Gleichzeitig ist es den Golfpiraten ein ganz besonderes Anliegen, sich bei den vielen Sponsoren zu bedanken die immer bereit stehen, wenn es gilt, eine gute Sache zu unterstützen. Wer an einem der Turniere teilnehmen möchte oder Interesse an einer Mitgliedschaft bei den Greifswalder Golfpiraten hat wendet sich an Wolf Kohn, der unter der Rufnummer 0163 4891058 zu erreichen ist. Text/Fotos: ces


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10 Jahre Kunstverein Schwerin

Jubiläumsausstellung Jahresgaben- und Mitgliederausstellung

Der Kunstverein kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Vor 10 Jahren gründete sich der Verein und fand nach einigen Jahren an verschiedenen Orten, wie z.B. einem leer stehenden Kaufhaus oder temporär genutzten Ladenlokalen in der Friedrichstraße erst 2007 einen festen

Ort in dem ehemaligen E-Werk am Pfaffenteich. Über die Jahre wurde ein abwechslungsreiches Ausstellungs- und Rahmenprogramm mit ersten Einzelausstellungen aufstrebender Künstler sowie thematischen Ausstellungen, z.B. zum Ready-made oder zur Pubertät, gezeigt.


Mit dieser Ausstellung gilt es das Engagement gebührend zu feiern, die sich speziell an die Mitglieder des Kunstvereins richtet. Zum einen treffen in einer Art Wiedersehens-Schau Kunstwerke von Künstlerinnen und Künstlern der letzten 10 Jahre aufeinander. Es handelt sich um so genannte Jahresgaben, die ein Dankeschön der Künstler an den Kunstverein sind. (Bei Verkauf werden die Künstler selbstverständlich beteiligt.) Diese Kunstwerke sind für die Mitglieder und weitere Interessierte zu einem Vorzugspreis zu erwerben. Zum anderen haben die Mitglieder, die selbst künstlerisch aktiv sind, Gelegenheit in den Räumen des Kunstvereins eigene Werke zu präsentieren.

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Aufgrund des hohen Zuspruchs und Interesses wird die Ausstellung bis zum 10.02.2013 verlängert. Jahresgaben Heike Kati Barath/Joachim Weischer • Sven Braun • Kristina Bræin • Thorsten Brinkmann • Marieke van Diemen • Sabine Fassl • Bernhard Garbert • Torsten Haake-Brandt • Christian Hellmich/Georg Parthen • Alain Jenzer • Kirsten Johannsen • Anne Lass • Joep van Liefland • Silvia Lorenz • Stefanie Mayer • Christoph Rodde, Mike Strauch, Andreas Sachsenmaier • Maciej Sarna • Kai Schiemenz • André Tempel • Christina Thomas • Remigijus Treigys • Klaus Walter • Tilman Wendland • Simone Zaugg • Martin Zellerhoff

Werke von Mitgliedern Anne-Katrin Altwein • Caroline von Bodecker • Kerstin Borchardt • Annegret Goebeler • Ute Laux • Susanne Pfeiffer • Andreas Rossmann • Holger Stark • EvaMaria Tempelhahn • Marianne Wöhrle Jeden Mittwoch fi ndet um 17 Uhr eine öffentliche Führung statt.

Mit freundlicher Unterstützung vom Land Mecklenburg-Vorpommern, der Stadt Schwerin, den Stadtwerken, Jazz meets Business in Benefit und Regionalpaket. Anzeige

Dörthe WaltherStradun Vernissage im NDR Studio Vorpommern Seit ihrem 12. Lebensjahr hat sie selten jemand ohne Kamera gesehen. Dörthe Walther beobachtet gern und ständig. Und ist damit nicht immer bequem für die Welt um sie herum. Sie will festhalten: das Leben, weil es so endlich ist, sagt sie. Augenblicke einfangen, ein paar Sekunden zu Gast im Leben fremder Menschen sein – möglichst

unsichtbar – die Amateurfotografi n macht mit ihren Bildern eine Grenzwanderung zwischen Dokumentation und Voyeurismus. Zehntausende Fotos fi nden sich in ihrem Archiv. Viele davon sind vielschichtige Studien von Menschen und Situationen, denen Menschen ausgesetzt sind. In dreißig Jahren hat sie mit ihrer Kamera Veränderungen sichtbar machen wollen und ist überzeugt: nichts kommt wirklich wieder. Kein Moment gleicht dem anderen. Obwohl das wehmütig macht, ist genau das ihr Antrieb. Oft wurde Dörthe Walther ermuntert, ihre Bilder auszustellen. Doch normalerweise ist sie nie abschließend zufrieden. Der letzte Zweifel bleibt nun auch in diesen Bildern ihrer ersten Ausstellung – in der Unschärfe. Die Fotos sind in Dubrovnik entstanden und nicht nachbearbeitet. Dr. Dörthe Walther ist in Güstrow geboren, in Greifswald aufgewachsen und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern

in Frätow am Greifswalder Bodden. Sie ist Pneumologin im Herzzentrum Karlsburg.


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Verdammt – wir freu`n uns! Stolz und Enthusiasmus waren den drei Herren anzumerken. Sichtlich begeistert zeigten sich Uwe Seinwill, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Vorpommern, Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler und Guntram Steinke von AEN Greifswald darüber, dass es gelungen war, mit dem S��nger Matthias Rheim einen großen deutschen Show-Act für ein Open Air Konzert auf der Wolgaster Schlossinsel zu gewinnen. „Rheim gehört ganz sicher zu den erfolgreichsten deutschen Sängern!“ so Guntram Steinke. „Auch seine gerade erschienene CD „Unendlich“ hat das Zeug, ein echter Mega-Hit zu werden.“ Uwe Seinwill von der Sparkasse Vorpommern sieht in dem Engagement seines Instituts einen weiteren Beitrag zur Förderung von kulturellen und musikalischen Angeboten. Bürgermeister Weigler sieht das Open Air Konzert, das am 1. Juni 2013 um 20 Uhr in Wolgast beginnt, eine Auftaktveranstaltung für weitere Veranstaltungen in den kommenden Jahren. „Einmal im Jahr möchten wir einen ganz besonderen Event in die Stadt holen. Ganz bewusst haben wir den Termin auf den Saisonstart gelegt, damit auch möglichst viele Bürger aus Wolgast und Umgebung zum Konzert kommen können!“

Weigler hofft darauf, an diesem Tag ganz besonders viele Gäste in Wolgast zu sehen. Da am gleichen Datum auch der „Internationale Kindertag“ ist, gibt es schon vom Morgen an eine ganze Zahl von familienfreundlichen Veranstaltungen, unter anderem im Wolgaster Zoo. Am Abend wird es dann auf der Schlossinsel ein musikalisches Vorprogramm geben, bevor dann das eigentliche Konzert beginnt. Den Abschluss des Konzerts bildet dann ein Höhenfeuerwerk über dem Peenestrom. Schon jetzt haben die Veranstalter eine ganze Reihe von logistischen Herausforderungen gelöst. So werden in direkter Nähe zum Veranstaltungsort rund 1000 kostenlose Parkplätze bereit gestellt. Ebenso wenig werden die Gäste über Hunger und Durst zu klagen haben. Alles in allem wird der Abend ein tolles Angebot für Musikfans von 6 bis 86 Jahren sein findet Guntram Steinke. Und alle Drei sind felsenfest davon

überzeugt, dass auch das Wetter perfekt für ein OpenAir sein wird. Seit dem 1. März können Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen, aber auch über die Onlinepräsenz der Sparkasse Vorpommern und in deren Filialen in der Region Karten erworben werden. Guntram Steinke vom Veranstalter AEN weiß zu berichten, dass schon knapp dreihundert Karten verkauft wurden. Auch wenn auf der Wolgaster Schlossinsel ganz sicher Platz genug für alle Fans ist – wer sicher gehen möchte sollte sich schon jetzt Karten für das einzige OpenAir Konzert mit Matthias Rheim in Norddeutschland besorgen! Auf geht´s! Text: ces / Fotos: ces,


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Trilobiten und Herzschrittmacher Seit dem 26. Februar ermöglicht die Universität Greifswald interessierten Besuchern erneut einen Einblick in die umfangreichen Bestände ihrer insgesamt siebzehn wissenschaftlichen Sammlungen, die 5,74 Millionen Exponate umfassen.. Ausgestellt werden Objekte aus der geologischen sowie der medizingeschichtlichen Sammlung, welche die jüngste der Greifswalder Universität ist. Seit drei Jahren wird die systematische digitale Erfassung von Objekten durch die Kustodie der Universität koordiniert und voran getrieben. Der Bestand der Sammlungen bildet ein einzigartiges kulturelles Erbe, liegt doch der Beginn der ersten Sammlungen schon hunderte von Jahren zurück.

Seit 2010 läuft an der Universität ein Projekt zur Digitalisierung der Bestände, die einen Beitrag zur Entwicklung der universitären Sammlung hin zu allgemein zugänglicher Forschungsinfrastruktur ermöglichen soll. Nicole Eichler und Eveline Rast, Praktikantinnen der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HWT) Berlin sowie der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg habe in Zusammenarbeit mit den Leitern der Sammlungen hunderte Objekte der Paläontologie, Geologie und Mineralogie ebenso wie Exponate zur Geschichte des neuzeitlichen medizinischen Alltags erfasst. Auf diese Weise führt die Ausstellung das älteste sowie das jüngste Objekt der Greifswald Sammlungen zusammen. Zur Ausstel-

lung gibt es einen Katalog, der zahlreiche Informationen zu den Exponaten bereit hält und der für 5 Euro zu erwerben ist. Die Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 24 Uhr kann die Ausstellung in der Universitätsbibliothek zu Greifswald, Felix-Hausdorff-Straße 10, besucht werden, der Eintritt ist kostenlos. Umfangreichere Einblicke in die Greifswalder Sammlungen sind dank Internet möglich. Das Portal, das unter der Internetadresse www.wissenschafltichesammlungen.uni-greifsald.de ermöglicht es, alle bisher digital erfassten Gegenstände in Ruhe am Bildschirm zu betrachten. Die Ausstellung in der Greifswalder Universitätsbibliothek läuft noch bis zum 26. Mai. Text/Fotos: ces ANZEIGE


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Ein Strandkorb in Dubai Bereits im Januar fand in Dubai die diesjährige Messe Arab Health statt. Mit cirka 3.500 Ausstellern, erwarteten 83.000 Besuchern und einer Ausstellungsfläche von knapp 50.000 Quadratmetern ist sie nach der Medica, Düsseldorf, die zweitgrößte internationale Messe für Gesundheits- und Medizintechnik. Unter den 250 deutschen Ausstellern befanden sich auch 12 Firmen und Institutionen aus Mecklenburg-Vorpommern. Rund zwei Monate nach Messeschluss zeigen sich nun erste konkrete Ergebnisse. „Die Geschäftsanbahnung und -entwicklung folgt in den arabischen Ländern völlig anderen Regeln, als wir sie in Europa kennen!“ weiß Dr. Heinrich Cuypers von BioCon Valley. „Es ist vor allem Kontinuität wichtig – mit einem einmaligen Gespräch erreichen sie praktisch nichts. Auch der Aufbau einer persönlichen Beziehung zwischen den Geschäftspartnern wird erwartet.“ Ein Grund dafür, dass Mecklenburg-Vorpommern sich in diesem Jahr dazu entschied, sich künftig am Servicezentrum Gesundheitswirtschaft in Dubai zu beteiligen. Seit Beginn des Jahres 2012 wurde das Zentrum durch Hamburg und Schleswig-Holstein betrieben. Als Repräsentanz Norddeutschlands verfolgt es das Ziel, vor allem kleineren und mittelständischen Unternehmen den Markteintritt

in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu erleichtern. Das Wirtschaftsministerium M-V fördert das Zentrum mit 30.000 Euro jährlich. Aus Sicht des Wirtschaftsministers gut investiertes Geld. „Es zeigt sich,“ so Wirtschaftsminister Glawe, „dass Produkte der Gesundheitswirtschaft aus Mecklenburg-Vorpommern gefragt sind. Am Bekanntheitsgrad mangelt es jedoch, hier muss etwas getan werden. Immerhin gehören die Vereinigten Arabischen

Emirate zu den wichtigsten Abnehmern deutscher Erzeugnisse im medizintechnischen Bereich. Das bietet auch für unsere Unternehmen interessante Exportchancen. Branchenexperten gehen davon aus, dass der Gesundheitsmarkt in den VAE bis 2015 auf fast zwölf Milliarden US-Dollar anwächst.“ Besonders großes Interesse zeigen die arabischen Partner am Thema Diabetes. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation


(WHO) hat sich die Diabeteserkrankung zu einem gesundheitspolitischen Problem ersten Ranges für die Länder des Nahenund Mittleren Ostens ausgewachsen. Vor allem aber stellt die Krankheit eine sozioökonomische Kraftanstrengung dar. Denn: Eines der größten Probleme im arabischen Raum ist das Übergewicht aufgrund ungesunder Ernährungsgewohnheiten und als Folge der mangelnden körperlichen Bewegung. Der daraus resultierende Zuwachs an Diabetikern verschlingt seit Jahren einen Großteil des nationalen Gesundheitsbudgets. Momentan leiden gut 3,5 Millionen Araber unter Diabetes mellitus und dessen Folgeerkrankungen. Experten gehen allerdings von einer weit höheren Dunkelziffer aus, einheimische Spezialisten sprechen von bis zu 50 Prozent der Bevölkerung. In den VAE machen Herzkrankheiten, die auf Diabetes zurückzuführen sind, insgesamt 31% aller Todesfälle aus und sind damit Todesursache Nummer eins. Gemessen am jetzigen Entwicklungsstand ist die GolfRegion für einen weiteren Anstieg der Erkrankten besonders prädestiniert. Mecklenburg-Vorpommern hat sich zu einer der ersten Partnerregionen entwickelt, wenn es um Fragen des Diabetes-Managements geht. Gefragt sind neben den wichtigen Programmen zur Prävention auch Forschungsergebnisse und neue Therapie-

ansätze. Schon im vergangenen Jahr weilte eine arabische Delegation anlässlich eines Diabetes-Symposiums in Warnemünde, das parallel zur Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft veranstaltet wurde. Inzwischen gelang es, eine telemedizinische Online-Schaltung zwischen Dubai und dem Institut für Diabetes in Karlsburg einzurichten. Mit dem in Karlsburg entwickelten Diabetes-Management-System KADIS kann der zu erwartende Blutzuckerverlauf eines Patienten ermittelt werden. Aus diesen Daten lassen sich dann in-

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dividuelle Therapieempfehlungen ableiten. Enge Kontakte bestehen inzwischen auch zum Herzzentrum in Karlsburg, da Diabetes und Herzerkrankungen oft in engem Zusammenhang zu sehen sind. So verwundert es denn auch nicht, dass die Expertise der beiden Zentren in den VAE stark nachgefragt ist. Ärzte und medizinische Fachkräfte können sich in diesem Sommer in Mecklenburg-Vorpommern fortbilden. Im Rahmen einer Diabetes Summer School sind neben Vorlesungen auch praktische Trainingseinheiten vorgesehen. Text: ces


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Kulturevents rund um die Ostsee

Laura Parfitt als Marilyn Monroe - Olaf Lemme als Mario Foto: Dirit Gätjen

Foto: Geert Macijewski

02. - 07.04.2013

27.02.2013 und 22.03.2013

15. - 24.03. 2013

Rossiniwoche an der Ostsee

"Happy Birthday, Mister President"

2. Festspielfrühling Rügen

Unter dem Motto "Musikalisch, kulinarisch, litera-

Am 27. Januar diesen Jahres fand die Welt-Urauf-

Nach dem großen Erfolg der Premiere in diesem

risch, Amuorös" bietet sich Freunden der Kammer-

führung der Oper "Happy Birthday, Mister Presi-

Jahr veranstalten die Festspiele Mecklenburg-Vor-

musik ein Klassikgenuss der besonderen Art: in den

dent" von Krišs Russman im Großen Haus in Rostock

pommern vom 15. bis 24. März 2013 den zweiten

Ostseebädern Kühlungsborn, Heiligendamm, im his-

statt. Als am 29. Mai 1962 im Madison Square Gar-

„Festspielfrühling Rügen“ auf Deutschlands größ-

torischen Bad Doberan und in der Hansestadt Rostock

den in New York der 45. Geburtstag des Präsidenten,

ter Insel. Die Künstlerische Leitung liegt erneut

kann Rossinis in Deutschland noch weitestgehend un-

John F. Kennedy, gefeiert wurde, ließ sich seine Gat-

beim Fauré Quartett, das sich u. a. den Pianisten

bekanntes Klavierwerk entdeckt werden.

tin, First Lady Jackie, nicht blicken. Dagegen betrat

Lars Vogt, den Klarinettisten David Orlowsky, die

Nach dem Start der Rossiniwoche im Jahr 2012,be-

Marilyn Monroe die Bühne und machte mit "Happy

King’s Singers, die Festspielpreisträger Christoph

gleitet der italienische Pianist Alessandro Marango-

Birthday, Mr. President" nicht nur den Adressaten

Eß (Horn) und Alondra de la Parra (Dirigentin),

ni erneut das Kultur-Event. Der junge Pianist hat als

ihres Ständchens schwach. "Happy Birthday, Mister

den Schauspieler Burghart Klaußner sowie das

erster und einziger Rossinis Pianogesamtwerk, dessen

President" ist eine Oper über eine der schillerndsten

MDR Sinfonieorchester nach Rügen eingeladen

gewitzte, spielerische und romantische Kompositionen

Frauen des 20. Jahrhunderts. Der Komponist Krišs

haben. Thematischer Schwerpunkt des „Festspiel-

teilweise seiner Zeit weit voraus scheinen, auf CD ein-

Russman und die Fernsehautorin Sallyann Kleibel

frühling Rügen“ 2013 ist das Schaffen des Kompo-

gespielt. Rossini, begeisterte das Publikum als einer

schufen ein musikdramatisches Porträt einer Frau,

nisten Johannes Brahms, der auf der Insel nach

der bedeutendsten Opernkomponisten des Belcanto.

welche hinter ihrer schillernden Fassade mit Ver-

10-jähriger Arbeit seine 1. Sinfonie vollendet hat.

Verdi, Stendhal und der Adel Europas umjubelten

zweiflung, Depression und Einsamkeit zu kämpfen

Zahlreiche Konzerte und ein abwechslungsrei-

den Künstler - die Frauen lagen ihm zu Füßen. Mit

hatte und am Ende einer lebenslangen Jagd nach

ches Begleitprogramm verlocken dazu, Brahms'

noch nicht 40 Jahren zog er sich als Opernkomponist

Liebe und Geborgenheit einen frühen Tod fand. Die

vielfältiges Werk kennenzulernen und in seine

zurück. Der leidenschaftliche Koch widmete sich der

Partitur vereint rhythmische Attacken und berüh-

musikalische Welt einzutauchen.

Kunst der guten Küche, dem gesellschaftlichen Leben

rende Melodien in der Tradition berühmter Film-

www.festspiele-mv.de

und komponierte von nun an, was ihm Spaß machte.

musiken Hollywoods und opulenter amerikanischer

Die Konzerte werden teilweise begleitet von kulinari-

Musicals. Krišs Russman kreierte einen Bilderbogen

schen Köstlichkeiten des Sternekochs Tillmann Hahn

über private Momente hinter der großen Politik im

und durch Vorträge verschiedener Rossini-Experten.

Kalten Krieg, Glamour und ein Opfer des "ameri-

www.kreativsaison.de/de/kreativsaison-

kanischen Traums".

aktuell/43-rossiniwoche

www.volkstheater-rostock.de


Foto: www.ostseebad-wustrow.de

30.03.2013 | ab 13 Uhr

noch bis zum 07.04.2013 | täglich außer montags von 10 - 18 Uhr

12. Fischländer Strandgalopprennen

Sonderausstellung "WirtschaftsWunderWagen" im Automuseum Prototyp in Hamburg

Pünktlich zu Ostern sind am Strand von Wustrow

Mit der Sonderausstellung „WirtschaftsWunder-

wieder die Pferde los!

Wagen“ lässt das Automuseum Prototyp (Shang-

Am Ostersamstag messen Pferd und Reiter beim

haiallee 7, 20457 Hamburg) mit Fahrzeugen und

inzwischen längst zur Tradition gewordenen

anderen Ausstellungsstücken aus den langen

"Fischländer Strandgalopprennen" in drei Kate-

1950er Jahren die Zeit des Wirtschaftswunders

gorien ihre Kräfte.

wieder aufleben. Noch bis zum 7. April 2013 ent-

Bei der zurückzulegenden Strecke werden aber

führen Sie die Exponate in eine rasante Zeit voller

keine Unterschiede gemacht: Alle Reiter müssen

wirtschaftlicher, politischer und soziokultureller

eine Distanz von etwa 2 x 600 Metern zurücklegen

Veränderungen, in der das Auto zum Symbol des

und dabei die verborgenen Tücken des Ostsee-

Aufschwungs wurde. „Wir sind wieder wer!“ Vol-

strands bezwingen. Nachdem alle Renndurch-

ler Stolz verkündete der damalige Wirtschaftsmi-

läufe beendet sind, begeistert die "Spaßwette" als

nister Ludwig Erhard 1949 diese Parole, die wie

traditionelles Veranstaltungshighlight die Gäste:

keine andere für die Zeit des Wirtschaftswunders

Pferdestärken treten gegen technische Mobile

stehen sollte.

oder andere "Spezies" an. Nach dem Wettkampf

Von diesem Einstieg in die automobile Welt erzählt

verwandelt sich der Strand bei Live-Musik und

die Ausstellung „WirtschaftsWunderWagen“: Von

einem prasselnden Feuer für Jung und Alt in eine

den stockenden Anfängen in den ersten Nach-

unterhaltsame Partymeile. Für Essen und Geträn-

kriegsjahren über die Roller und Rollermobile

ke ist gesorgt.

bis hin zu den Traumwagen der 1950er Jahre. In

www.ostseebad-wustrow.de/feste-feiern/

kaum einem anderen Jahrzehnt hatte das Auto

strandgalopp

einen so hohen Stellenwert wie in der Zeit des Wirtschaftswunders. www.prototyp-hamburg.de

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Foto: Prototyp GmbH

Foto: Prototyp GmbH


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Post aus Berlin

Es ist zum Muhen. Oder Wiehern. Als Männer noch Jäger waren und Frauen Sammler, da wussten wir noch, was in unserem Magen landet. Und heute? Wo Rindfleisch drauf steht, ist Pferd drin, wo Eier als „Bio“ gekennzeichnet sind, fristen Hennen in engen Ställen ein biologisch ziemlich unglückliches Hühner-

nicht selbstverständlich. Aus welchem Sondermüll Tiefkühlpizza besteht, sollte aber vielleicht lieber geheim bleiben. Im Vergleich zu anderen Ländern ist das ohnehin gar nichts: In Großbritannien werden Esel zu Hackfleisch verarbeitet und in Südafrika wird Büffelfleisch als Rindfleisch ausgegeben. Dabei könnte

Essen ist pferdig ... leben und wo Rinder mit Mais gefüttert werden, enthält der wahlweise krebserregenden Schimmelpilz oder Dioxin. Doch viel schockierender als diese Nachrichten ist eine ganz andere Tatsache: dass in der Billiglasagne für nicht mal zwei Euro überhaupt Fleisch drin ist. Das ist bei dieser undefi nierbaren Pampe

Deutschland noch eins drauf setzen. Die Tierheime sind doch sowieso überfüllt. Und wer hätte schon was gegen Katzen-Koteletts, Hunde-Steaks oder Meerschweinchen-Spieße einzuwenden? Für Bedürftige reicht das doch allemal. Würden einige Politiker dann garantiert sagen.

Da hilft nur wohl noch eins: Zurück zur Selbstversorgung. Statt Geranien und Stiefmütterchen auf dem Balkon Salat und Gurken anbauen (garantiert Ehecfrei), statt eines Vogelhäuschen lieber einen kleinen Stall für ein oder zwei Hennen aufstellen (garantiert „Bio“), im Aquarium statt Zierfische Forellen schwimmen lassen (garantiert kein industrieller Zuchtfisch) und in der Garage statt des Autos lieber eine Kuh parken (gibt garantiert dioxinfreie Milch). Und unsere Kartoffeln bauen wir gemeinsam im Rahmen eines Subbotnik im Stadtpark an. Vielleicht geht es aber auch anders: vor dem Einkaufen das Gehirn einschalten und einfach mal nachdenken, was wirklich gebraucht wird. Text: mo

IMPRESSUM VISIO – Wirtschaftsspiegel MV Das Magazin des Nordens erscheint im TOM – Verlag Geschäftsführer: Hans-Joachim Scheffler Johannesstrasse 27 19 053 Schwerin Tel:++49-(0) 385-77 33 91 96 Fax: ++49-(0)385-77 33 91 98 verlag@tom-verlag.eu GESAMT-REDAKTIONSLEITUNG UND V.I.S.D.P Claus Schwarz VISIO – Wirtschaftsspiegel MV Brandteichstrasse 20 17489 Greifswald Tel.: 03834 – 550 610 Fax.: 03834 – 550 403 redaktion-hgw@tom-verlag.eu

MITARBEITER DIESER AUSGABE Karin Rogalska Manuel Opitz (mo) Evelyn Koepke Dipl.-Ing. Uwe Durak Freie Mitarbeiter

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AUSGABE 01/2013


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01.06. Wolgast Schlossinsel 20 Uhr

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