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altbau hommage an eine ĂźbergangslĂśsung


Reuererg

68 36

S

20

30

4

eit sechzehn Jahren befindet

Und jetzt? Jetzt ist der neue, mo-

lange gelebt hat, aus den Beteilig-

sich die Fakultät Gestaltung der

derne Neubau fast fertig. Er wird

ten? Inspiriert sie Lehrkräfte und

FH Würzburg im räumlichen Über-

die Fakultät im Winter 2012 wieder

die künftigen Gestalter mehr, als

gang.

Auf sechs verschiedene,

unter einen Hut bringen. Prompt

das sie hindert? Und umgekehrt,

nennen wir es „Unterkünfte“ sind

tut sie sich auf – die Ambivalenz

was wird das neue, funktional aus-

Vortrags- und Unterrichtsräume,

zwischen Abschied und Beginn, zwi-

gerichtete Haus mit uns machen?

Fotostudio und die verschiedenen

schen Erinnerung und Neugier, zwi-

Hat das Sprichwort recht, wenn es

Ateliers verteilt. Quer durch die

schen Vertrautheit und Fremdheit.

behauptet, erst bauen wir die Häu-

Stadt. Man gewöhnt sich an alles,

Und kaum, dass man sich in diesem

ser, dann bauen die Häuser uns?

sagt man in solchen Fällen. Die

Zwiespalt ein bisschen sentimental

heutigen Studierenden haben sich

suhlen kann, kommt eine Dozentin

Also: Zwei spannende Themen

mehr als dran „gewöhnt“. Sie mö-

auf die Idee, aus diesem Dilemma

in zwei Magazinen und unter ei-

gen es. Sie leben das Provisorische,

ein Magazin zu machen. Zuviel ver-

nem Titel: Vom Glück und Leid der

die Atelieratmosphäre, das Famili-

langt? Also gut, dann machen wir

Übergangslösung.

äre. Sie schätzen den Charme der

zwei Magazine. Im ersten richtet

Vernachlässigung, die Spuren der

sich der Blick auf das, was war. Was

Vorgänger.

macht ein Provisorium, das man so


Fünf

gasse 6

Alter Peter

wo

40

wer

was Was ist Kommunikationsdesign

78

Anekdoten

102

Impressum

104

Fotostudio

Fotoparteamarenatelier

6

Interviews:

Ausdruckrisensitzungstressnacht.

16

Uli Braun

Bibliothekensnacktionfilm

28

14

Badergasse22 Herrn Barth Heike Czerner

26

Ortung

40

Ingo Petzke

34

SechsEins

42

André Rösler

38

Stillstand ist Rückschritt

44

Kurzinterview

76

239 Stunden

46

Studentenfutter

48

Horst Jöst

Studentenbude

50

Theodor Huller

92

Tim Bingnet

96

Heiko Lanio

98

Urban Legends

52

Reuerer

54

Korngasse

60

Badergasse

64

Pavillion, Villa

68, 72

Stimmungen, Momente und Orte

8, 18, 24, 30, 36

WiSo

Pavillon

90


Sechs


Sieben

Fotoparteamarenatelier. Badergasse - Alter Peter - Pavillon


Acht


NE U N


Z EHN


ELF


Z w รถ lf


Dreizehn


Vierzehn

Dekan Uli Braun über Vergangenheit und Zukunft des Fachbereichs

«Es hat sich gelohnt»

Uli Braun arbeitet nun schon seit 13 Jahren an der Fakultät Gestaltung und kennt diese wie wohl kein Zweiter. In einem ehrlichen Gespräch erzählt er über alte Streitereien unter Kollegen, eine zerissene Fakultät, aber auch über die schönen Erinnerungen, die er mit den alten Gebäuden in Verbindung bringt. Seit wann sind Sie Dekan und warum wollten Sie nach Würzburg? Dekan bin ich seit dem Wintersemester 2001, wenn ich mich recht erinnere. Nach Würzburg will man eigentlich gar nicht. 1994 hat mich fast gleichzeitig jemand von der Fachhochschule hier und der Fachhochschule Anhalt, also Dessau, angerufen, ob ich mich bewerbe. Die aus Anhalt waren schneller. Im Februar kam die Anfrage und im Oktober war ich schon dort. 1996 gab es die Probevorlesung hier. Ich bin hingefahren, es hat geklappt und dann musste ich mich eben entscheiden. Ich habe mich dann für Würzburg entschieden.

» Der

Und warum? Hier war noch vieles möglich. Der Fachbereich war komplett überaltert. Man wusste, dass ich bei jeder Neuberufung mit dabei bin. Ich hatte also einen relativ Fachbereich war hohen Gestaltungsfreiraum und die komplett überaltert « Aussicht auf einen Neubau. Zugegebenermaßen hat das extrem lang gedauert. 1994 hat man mir erzählt, dass es bald einen geben würde und jetzt ziehen wir 2011 ein. Das war schon eine harte Strecke. Also haben Sie sich auch für Würzburg entschieden, weil Sie sich dachten, dass Sie hier auch einiges verändern können? Ja. In Dessau war es zwar eine schöne Situation, aber man wusste, dass es in nächster Zeit wenig Neuberufungen geben würde. Der Studienstandort Dessau mit dem Bauhaus und der Landschaft drum herum ist zwar ein sehr schöner. Aber die Stadt Dessau ist schon eine harte Plattform.

»Die

Wir haben gehört, dass es vor Ihrer Zeit als Dekan einige Spannungen zwischen anderen Professoren gab. Wie haben Sie das empfunden und wie hat sich das während ihrer Zeit vielleicht auch verändert? Es war extrem polarisierend. Die Fakultät war eigentlich zerrissen in zwei, wenn nicht sogar drei Lager. Ich wurde sofort vereinnahmt und Fakultät war eigentlich zerissen in hab mich dann gerne zwei, wenn nicht sogar drei Lager« vereinnahmen lassen. Das gebe ich auch zu. Es ist schon extrem anstrengend, wenn man gegeneinander arbeiten muss, wenn es schon fast Feindschaften sind. Dieses Negative, was es damals gab, hat sich auf die Studenten übertragen.

Da gab es Fraktionen und Lager und das fand ich eigentlich noch schlimmer. Darunter hat man natürlich gelitten, auch die alten Kollegen. Ich war sicherlich auch nicht immer freundlich und habe dann versucht Dinge durchzusetzen, die für manche unangenehm waren. Wirklich wichtig war für mich, als 2000 der Erich Schöls kam. Der erste neue junge Kollege, der Rest waren ja eher ältere, zerstrittene Kollegen. Von da an sind Dinge entstanden, die eigentlich überall selbstverständlich sind. 2002 war die allererste Semesterausstellung! Nicht weil vorher nur schlechte Arbeiten entstanden wären, sondern nur wegen dem Umgang miteinander. Dass sich das geändert hat ist etwas, was mir sehr wichtig ist. Ich möchte nirgendwo sein, wo man sich gegenseitig nicht respektiert und nicht halbwegs vernünftig miteinander umgeht. Ist die Situation wie Sie jetzt ist so, wie Sie es gerne hätten? Oder haben Sie noch Wünsche? Einen Idealzustand wird man wahrscheinlich nie erreichen. Aber wenn man uns mit vielen anderen Fakultäten vergleicht, hat man es eigentlich schon ganz gut und das wirkt sich letztendlich auch auf die Arbeiten aus. Ich finde man braucht eine gute Atmosphäre. Nicht die sogenannte Streitkultur, die scheinbar zu Hochkreativem führt, sondern dieses Sozialgemenge, was man hier hat. Diese Gemeinschaft. Deshalb schmerzt es ja auch immer wenn die Studenten gehen. Wenn man als Neuanfänger hier ankommt hört man immer die zwei Schlagwörter »familiär« und »konzeptionell«. Empfinden Sie das auch so, dass es hier fast familiär zugeht? Ach, ich denke schon. Man hat keine bestimmten Hierarchien, sondern einen normalen Umgang miteinander. Wir sind ja keine so genannten »Respektpersonen«. Klar, vom Fach her natürlich. Aber nicht weil man jetzt eine Professur hat oder Dekan ist. Gibt es sonst noch Dinge, die sich hier im Laufe der Zeit verändert haben? Durch die ganzen Berufungen verändert sich natürlich immer noch ständig etwas. Ich freue mich auch auf die nächsten Kollegen und Kolleginnen. Man bietet Möglichkeiten und Chancen für alle die dazukommen hier etwas Eigenes beizutragen und Dinge zu verändern und weiterzuentwickeln. Dass man auch mal zugucken und genießen kann wie sich Dinge entwickeln.


F ü n fz e h n

Verändert hat sich natürlich auch etwas im Bezug auf die Hochschule im Ganzen, was den Präsidenten und die Hochschulleitung angeht. Früher war es immer ein gegeneinander, das ist jetzt diametral anders. Man arbeitet miteinander, versteht sich gut und hilft sich. Auch die Finanzsituation ist eine absolut transparente und positive. Welchen Teil des Altbaus haben Sie zuerst gesehen oder betreten und wie war ihr erster Eindruck davon? Der allererste Teil war der Pavillon, aber er sah noch ein bisschen anders aus. Da waren noch das Sekretariat und das Dekanat drin, also keine Vorlesungsräume oder Cafete. Mit dem Rücken zu mir stand Erwin Grießl mit seinen roten Hosenträgern. Ein wirklich netter Kollege, noch ein bisschen kleiner als ich und weniger Haare auf dem Kopf. Das war im Sommer. Mit den Kastanien ist das ja ein ganz netter Platz. War gar nicht so schlimm. Da wusste ich von allem noch nichts (lacht). Was empfanden Sie damals als positiven und was als negativen Aspekt des Altbaus? Wurden Ihre Erwartungen bestätigt? Negativ war für mich am Altbau eigentlich fast alles. Selbst die Situation, die man jetzt hat, war früher nicht da. In der Fotografie eine Cafete und belebte Räume in denen man arbeiten kann. Das hat so ein bisschen Werkstattcharme. Vorher waren es tote Räume. Es gab keine Begegnungsflächen, keine Orte wo man sich irgendwie ausgetauscht hätte. Dieses sich aus dem Weg gehen, weil man sich nicht riechen kann. Aber auch weil die Wege so lang sind. Alles was für mich am Studium wichtig war hat durch diese Bausituation nicht stattfinden können. Ich fand das einfach furchtbar. Also sind Sie damals mit der Hoffnung auf den nahen Neubau reingekommen? Ja. Eines der ersten Projekte war mit den Studenten darauf aufmerksam zu machen, was diese langen Wege bedeuten und was alles auf der Strecke bleibt. Welches ist ihre Lieblingsräumlichkeit und wo können Sie gar nicht sein? Letztendlich kann man doch irgendwie überall. Ganz grausig find ich es im Keller der Villa. Da war ich aber auch nie lange. Den oberen Raum der Badergasse finde ich nicht so prickelnd. Der Pavillon und auch die Reuerergasse haben manchmal was. So einen gewissen Charme. Welches Detail aus den Räumlichkeiten wird Ihnen in Erinnerung bleiben? Der abgeflatterte Lack an der Türe vom Pavillon hat eigentlich eine ganz schöne Struktur. Es gibt vielleicht auch Dinge die haben weniger was, aber die lassen wir hier lieber weg.

Was sind ihre Hoffnungen im Bezug auf den Neubau, was wird sich ändern? Und was wird eventuell auch schlechter? Meine Hoffnung ist natürlich, dass sich dieses Gemeinsame verstärken wird und es Begegnungen gibt. Im besten Sinne ein Ort mit dem man sich in zweierlei Hinsicht identifiziert. Ein Ort an den man hin will und am Ende gerne sagt, »da komme ich her«. Was auch Schwierigkeiten geben kann ist, dass wir alle auf einem Fleck sind. Es wird bestimmt nicht so, dass alles ganz toll ist und wir uns nur noch in den Armen liegen. Was die Räume hier mit sich bringen ist, dass sie desto mehr verwahrlosen je verwahrloster sie sind. Manchmal ist es wirklich nicht schön – von den Toiletten gar nicht zu reden. Wir müssen aber ein bisschen aufpassen, dass es im Neubau nicht steril wird und man Angst hat, den Bau irgendwo zu beschädigen. Alles ist schön und neu und frisch, also bloß nichts anfassen. Es soll ja trotzdem eine Werkstattatmosphäre sein, in der man sich Freiräume schafft. In der sich Studenten auch wirklich selbstbestimmt Räume nehmen und Dinge machen können. Wann ist der genaue Termin für den Einzug in den Neubau? Die Übergabe wird wahrscheinlich im August oder September 2011 sein. Sie sind genau die Generation, die dann beides mitbekommt. Hatten Sie viel Einfluss darauf, wie der Neubau aussehen wird? Ohne größenwahnsinnig zu klingen: Ja! Was nicht unbedingt an mir, sondern eher an den Architekten lag. Das ging bis hin zu den Steckdosen. Wir sind bestimmt sieben oder acht Stunden mit dem Elektroplaner, Herrn Bingnet und Herrn Lanio jede einzelne Steckdose durchgegangen. Vor vier Wochen war ich das erste mal auf der Baustelle direkt im Gebäude. Das ist schon ein eigenartiges Gefühl. Das Gebäude wird nicht einfach hingestellt »Viele haben nicht daran und man zieht halt ein. Man hat drum gekämpft und war dass es noch was wird« bei den Protesten, Podiumsdiskussionen und beim Bürgerentscheid dabei, hat sich auf die Straße gestellt und Flugblätter verteilt. Das ist emotional. Er steht jetzt auch weil Studenten, die Hochschulleitung und wir Druck gemacht haben. Es hat sich gelohnt. Viele haben nicht daran geglaubt, dass es noch was wird. Und Sie kennen ja die wirtschaftliche Situation. Wäre das Ding nur ein viertel Jahr später gekommen wäre das so was von in den Bach gegangen. Wir haben auch extrem Glück gehabt.

Uli Brauns kurze Gedanken oder Stichworte zu den einzelnen Teilen des Altbaus: Alter Peter: Nicolai Saravof, ich rieche ihn noch Badergasse: die Herrentoilette wo drauf steht, nur für Personal Pavillon: die Kastanien davor Reuerergasse: die Veranstaltungen, Dienstagsgespräche, die Probevorlesungen. Jeder muss irgendwie mal durch die Reuerergasse durch. Das ist der Ankunftsbahnhof. Villa: Bignet

geglaubt,


Siebzehn

Ausdruckrisensitzungstressnacht. Die Villa.


Achtzehn


NE U N Z EHN


Z wa n z i g


E i n u n dz w a n z i g


Z w e i u n dz w a n z i g

Christoph Barth über das was war und die Party die kommt

«eine andere Kultur» Er hat die Kisten schon gepackt – doch bevor die Fakultät Gestaltung an den Neubau zieht, hier noch ein kleiner Rückblick von Christoph Barth über den Anfang, die Eindrücke und die Dinge, die man nicht vermisst. Gewürzt mit einem kräftigen Schuss Aufbruchsstimmung. Was war Ihre Intention aus dem Agenturleben an eine Hochschule zu wechseln? Es war nicht geplant und es war auch nicht vorhersehbar. Hätte man mich ein halbes Jahr davor in der Agentur gefragt, wäre die Vorstellung ganz weit weg gewesen. Aber dann kamen zwei Dinge in schneller Folge. Wir hatten in der Agentur ein paar Studenten aus Wiesbaden eingeladen und ein kleines Briefing mit ihnen veranstaltet. Es hat mir großen Spaß gemacht die Studenten und ihre Arbeit zu begleiten. Dann kam als zweite Situation hinzu, dass sich die Agentursituation total verschärft hatte. Es ist schwieriger geworden und ich hab so für mich gemerkt: Ich mache das jetzt schon seit 17 Jahren. Es wäre mal Zeit für eine neue Agentur. Wobei das mir dann wieder viel zu ähnlich war, und da kam dieser Dreh an dem ich mir gedacht habe, jetzt geh ich an die Hochschule. Ich fang da wieder bei Null an. Ist die Professur an der Würzburger Fachhochschule Ihre erste Hochschuleinstellung gewesen? Nein, ich habe schon mit unterschiedlichen Hochschulen zusammengearbeitet, zuerst mit Wiesbaden, dann mit Mainz, danach mit Weimar. Dann kam die Ausschreibung von Würzburg. Ich kannte niemanden und hab mich einfach darauf beworben. Es war gar nicht geplant, völliger Zufall.

»In

Wie war Ihr erster Eindruck der Fakultät Gestaltung? Wenn man, wie ich von einer Großagenwelchem Film bin tur mit fantastischer Ausstattung hier zur Probevorlesung in die Reuerer kommt, da ich denn hier?« war es irritierend wie es da aussah. Der Putz kam von den Wänden, in dem Korridor nach hinten drang mir dieser scharfe Uringeruch in die Nase und ich dachte mir, in welchem Film bin ich denn hier? Da war ich erst einmal verstört, ich hätte nicht damit gerechnet das, dass alles so ugly ist. Gleichzeitig hab ich mich natürlich gefreut weil dieser Raum knall voll mit Studenten war und es herrschte eine gute Stimmung. Es war ein geteilter erster Eindruck. Wie empfanden Sie die Verteilung der Räume in der Stadt? Spontan empfand ich die Verteilung der Gebäude als sehr schwierig, speziell bei Leo Burnett herrscht immer die Philosophie „Alles unter einem Dach“. So hatte ich mich 13 Jahre lang daran gewöhnt immer alle um mich zu haben. Ich mag die Gebäude und ich hab realisiert, das ist so und ich muss damit klar kommen. Aber toll fand ich es nicht, bis heute nicht.

Wie hat sich Ihr Eindruck seither verändert? Ich kannte ein paar Leute, die hier studiert haben. Die habe ich sehr geschätzt und die haben auch sehr positiv von Würzburg gesprochen. Ich wusste schon, dass es eine sehr konzeptionelle Hochschule ist. Ich wäre auch nicht an jede Hochschule gegangen. In Würzburg hatte ich so das Gefühl, es passt zu mir, zu meiner Art zu denken und zu dem wie ich vorher gearbeitet habe. Dann stellte sich heraus, dass es Kollegen gibt, die vorher mit mir an der Hochschule studiert hatten. Das fand ich sehr spannend. Aber sonst hatte ich so eine Haltung, dass ich jetzt der bin, der von außen hier rein kommt und sich jetzt erst einmal alles anguckt, alles wirken lässt und dann guckt wie er damit zurecht kommt. Ich hatte keine Erwartungen oder Vorstellungen, die so ganz fixiert waren. Und jetzt nach vier Jahren muss ich sagen, habe ich für mich jetzt das Gefühl, dass ich hier richtig angekommen bin, in diesem Job. Ich weiß jetzt wie die Studenten sind, ich weiß wie lang ein Semester ist und kann das alles so ein bisschen besser einschätzen. Aber das habe ich auch gebraucht. Welches Gebäude der Fakultät mögen Sie am liebsten? Ich glaube, dass ist der Pavillon. Am liebsten habe ich meinen Pavillonraum, der linke, der vorne, der vermüllte, den liebe ich. Den vom Frech finde ich furchtbar. Der ist mir viel zu klinisch. Da fühlt man sich wie im OP, das mag ich gar nicht, aber er liebt ihn so wie er für ihn da ist. Ich mag es, dass mein Raum mit Büchern voll ist, er ist sehr unterschiedlich; im Sommer kann man draußen sitzen, wobei es mit der Heizung schwierig ist. Im Winter ist es viel zu kalt, will der Pavillon von unten überhaupt keine Isolierung hat. Man friert von unten her zu, wenn man da einen Tag lang sitzt. Im Sommer wird es da drin wahnsinnig heiß. Das ist der Horror, aber » Im Sommer wird ich mag ihn trotzdem als Ort. Er wahnsinnig heiß.« ist mir von den Räumen, die wir haben, der Liebste. Auf was freuen Sie sich im neuen Gebäude? Zuerst einmal, dass wir die alten Räume hinter uns lassen. Darauf freue ich mich. Es wird ein ziemlicher Schnitt und es wird auch eine andere Kultur. Deshalb verstehe ich auch die Nostalgieanwandlungen, die viele jetzt so haben. Das Alte noch einmal zu umarmen und festzuhalten und nicht loslassen zu wollen. Da oben sind wir raus aus allem. Wir gucken auf Würzburg. Ein ganz anderes Geborgenheitsgefühl. Wenn man die Baustelle vom Neubau besucht ist es total still, man stellt sich hoch, macht die Augen zu und hört die Vögel zwitschern, total gute Luft. Ich freue mich darauf, dass wir alle an einem Platz sind. Ich glaube, dass wir dadurch enger zusammen wachsen, auch die Dozenten. Ich würde mir wünschen, dass wir ganz anders lehren, dass alles nicht mehr so getrennt ist.

es darin


D r e i u n dz w a n z i g

»das hat

Was werden Sie vermissen? Die Stadt. Dass man die Stadt hier in den alltäglichen Rhythmus integrieren kann. Vielleicht auch die einzelnen Wege zwischen den Gebäuden. Wenn man abends durch die engen Gassen läuft, das hat auch etwas meditatives. Es kann schon sein, dass ich mich mal daran erinnere und mir denke, dass war schön. auch etwas Aber vermissen – weiß ich nicht, ich finde meditatives« alles was oben ist, ist besser. Was stört Sie an unseren Studienräumen? Es sind Ausstattungsgeschichten. Es sind so viele Kleinigkeiten aber dadurch, dass sie immer wieder passieren sind sie anstrengend. Die Möbel kippeln alle, dann muss man da Papier unterlegen, dann fehlt ein Stecker. Ich glaube einfach, dass so Reibungswiderstände sind, die wir oben nicht mehr haben, weil wir da eine perfekte Erstausstattung haben. Was sind Ihre Emotionen zum Umzug? Da habe ich eine relativ pragmatische Sicht drauf. Ich fange jetzt schon an mich irgendwie zu verschlanken. Bring das alles auf kompaktes Packmaß. Ich glaube, dass wird ziemlich aufregend für uns. Wir gehen mit 300 Leuten da hoch, das ist ein Riesengebäude. Wir sind mit den Informatikern zusammen und müssen daher auch schauen wie wir uns austauschen. Was ich am spannendsten finde, ist was wir dort machen, wenn wir ankommen. Wir müssen das feiern, vielleicht mit einem Feuerwerk oder einer großen Veranstaltung. Jetzt haben wir das Gebäude, nachdem wir so lange darum gekämpft haben. Man muss sich das bewusst machen.

Ein Wort zu jedem Gebäude: Alter Peter: schön Badergasse: Masterraum, mehr ist es für mich nicht. Ich bin da sonst nie. Pavillon: gemütlich Reuerergasse: Schimmel, Urin Korngasse: der beste Raum, toll Was glauben Sie zieht nach uns in die Räume ein? Alter Peter: Gute Räume für Institute Volksschule: Aktzeichnenkurs, Grundkurs A und B, die könnten da rein links A, rechts B Badergasse: Der Herr Petzke möchte ja eventuell in seinen Räumlichkeiten bleiben Pavillon: Da würde ich mich natürlich freuen, wenn sich der Kindergarten erweitern würde Reuerergasse: Die Reuerer wäre eigentlich eine gute Künstlerwerkstatt mit großem Atelier Korngasse: Wie gesagt, ich würde es bevorzugen die Korngasse zu erhalten. Wenn wir die Professur für Raum bekommen, könnte man dort die Installationen aufbauen. Villa: Philosophisches Seminar


V i e r u n dz w a n z i g


F 端 n fu n dz w a n z i g


S e c h su n dz w a n z i g

Heike Czerner über Ihre Erfahrungen als Studentin und Rückkehr als Dozentin

«Wir fühlten uns wie gesichtlose Pendler»

Heike Czerner studierte 1994 − 1999 an der Fakultät Gestaltung und kehrte als Lehrbeauftragte für das Fach Typografie wieder zurück. Beim Umzug vom »Vor-Altbau« in den Altbau sah Sie sich vor der Herausforderung diese vorerst toten Räume zu beleben. Wie Frau Czerner den Wandel der Fakultät Gestaltung erlebt hat und mit welchen Hoffnungen sie dem Neubau entgegenblickt, konnten wir in einem Interview herausfinden. Hat der Altbau oder der »Voraltbau« bei der Entscheidung in Würzburg zu studieren eine Rolle gespielt? Mir hat die inhaltliche Ausrichtung der Schule sehr gut gefallen, daher habe ich mich 1994 in Würzburg am Fachbereich beworben. Dabei haben die Stadt und die Räumlichkeiten erst einmal eine untergeordnete Rolle gespielt. Meine Aufnahmeprüfung hatte ich noch in dem alten Bau in der Hans-Löffler-Straße. Ich fand die Atmosphäre dort sehr beeindruckend, weil man viele Arbeiten, Studenten und Professoren auf einmal gesehen hat. Ich war gespannt und aufgeregt ein Teil des Ganzen zu werden. Auch wenn der Umzug bekannt war: ich fand es sehr schade, dass wir dann zum Semesteranfang unten in der Stadt auf diverse Räume verteilt und oft isoliert waren. Welchen Teil des Altbaus haben Sie zuerst gesehen? Was war Ihr Eindruck davon, was dachten Sie in diesem Moment? Unsere Einführungsveranstaltung (im Oktober 1994) hatte ich in der Reuerergasse, in dem Raum zur Fensterseite. Mir hat er sehr wegen des Lichts gefallen – heute auch noch. Ich würde behaupten, daß ich den Raum etwas »erinnerungsschwanger« abgespeichert habe, weil ich dort meine wichtigsten Stationen erleben durfte: 1994 Studienanfang, 1999 Diplomarbeit und 2004 die erste Vorlesung als Dozent.

»Wir

Was empfanden Sie damals als positiven, was als negativen Aspekt des Altbaus und wurden Ihre positiven bzw. negativen Erwartungen bestätigt oder enttäuscht? Damals wurden wir von den höheren Semestern in die Pflicht genommen, die Räume zu beleben, die Semester zusammen zu halten, die Haltung der waren ambitioniert, aber nach Hans-Löffler-Straße weiterzuführen. Wir waren 2 Semestern auch desillusioniert.« ambitioniert, aber auch nach 2 Semestern desillusioniert. Wir fühlten uns wie gesichtlose Pendler zwischen den Räumen innerhalb der Stadt, kaum möglich an einem Ort zu arbeiten oder diese auch länger hängen zu lassen.

Das Aquarium wurde erst in unserem zweiten Semester mit drei Rechnern eingerichtet, ein Cafe hatten wir nicht möglich machen können. Der Austausch geschah »Die Vorteile der alten zur neuen eher in der Mensa Raumsituation wird man wohl oder privat, später erst im Wechsel erkennen.« vermehrt im Fotostudio. Dieses war letztendlich der Kommunikationsmittelpunkt, an dem man auch höhere Semester sehen und erleben konnte. Heute empfinde ich es immer noch als Nachteil, dass die Räume und Raumwege die Studenten und uns Dozenten eher bestimmen, als dass Sie einfach Räume sind, in denen etwas entsteht. Die Vorteile der alten zur neuen Raumsituation wird man wohl erst im Wechsel erkennen. Haben Sie eine Lieblingsräumlichkeit hier oder gibt es einen Ort am Altbau den Sie nicht mögen? Haben sich diese Präferenzen oder Abneigungen seit Ihrer Studentenzeit hier geändert? Natürlich haben sich meine Lieblingsorte durch die Art der »Nutzung« verändert. Damals als Student war für mich das Fotostudio, die Staatsbank und die Reuerergasse wichtig, dort habe ich am meisten Zeit verbracht, gearbeitet und die besten Feste gefeiert. Heute als Dozent ist für mich der Alte Peter ein schöner, weil konzentrierter Ort.


S i e b e n u n dz w a n z i g

Welches Detail aus den Räumen wird Ihnen nach dem Umzug besonders in Erinnerung bleiben? Kein Detail, sondern eher ein Mensch verbunden mit einem Ort, wird mir besonders in Erinnerung bleiben: Tim Bingnet, im Zentrum der Villa, mit seiner Ruhe und seinem Überblick. Was sind Ihre Hoffnungen in Bezug auf den Neubau? Was wird/sollte sich ändern? Was wird vielleicht schlechter werden? Welche Räume wird es für Typografiekurse geben, was wird sich in diesem Fach besonders ändern? Ich habe die Hoffnung, dass der Neubau uns allen die Kommunikation erleichtert und gleichzeitig erschwert, dass wir uns einig sind und uns streiten, dass Gestaltung einfach passiert, kommentiert und über Kurse hinaus agiert. Ich freue mich auf den ersten »Das Fach Typografie wird Tag im neuen Gebäude, die neuen variantenreicher und greifbarer.« Räume und Arbeitsplätze, die durch die Nutzung bedingte Veränderung Ihrer und unserer Sichtweisen und Arbeitshaltung. Das Fach Typografie wird variantenreicher und greifbarer. Sie haben in unmittelbarer Nähe einen Kopierer, einen Drucker, Werkstätten, Wände, Menschen und Meinungen...

Heike Czerners kurze Gedanken oder Stichworte zu den einzelnen Teilen des Altbaus: Alter Peter: zeichnen, zeichnen, zeichnen, Musik machen, Kalenderfeste Badergasse: Werkstatt, Bleisatz, Holz und Farbe, Schnittplatz, Stromausfall, Wutanfall Pavillon: anmelden, abmelden, Fragen und Antworten, Hinweise und Hilfestellungen Reuerer: gestalten, sehen, hören, diskutieren, fragen, Quark nicht verstehen, Dateien löschen, Toner leer, der Weg zum Kopierladen Fotostudio: S chwarzweißabzüge, Geruch nach Chemikalien, stundenlang im Dunkeln sitzen und die Erleuchtung bekommen, Lochkamera, Tischtennisturniere Villa: von der Panik in die Ruhe, Farbtabellen, Papierstau, Apfeltaschen und eine Menge Kaffee Und ihre Vorstellung davon, was dort einziehen könnte nachdem wir ausgezogen sind: Ehemalige!


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Bibliothekensnacktionfilm. Badergasse - Alter Peter - Pavillon


DreiSSig


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D r e i u n dd r e i S S i g


V i e r u n dd r e i S S i g

Ingo Petzke nähert sich dem wohl verdienten Ruhestand – Zeit für eine kleine Bilanz

Der Umzug allein kann nicht alles verbessern Vor 14 Jahren hat Prof. Dr. Dr. Ingo Petzke einen Text für eine Publikation des Fachbereichs Gestaltung geschrieben. Darin beschreibt er die Gründe für seine Entscheidung, in Würzburg zu lehren, von den Schwierigkeiten damals und seinen Hoffnungen für die Zukunft. Was hat sich seitdem getan? Die kreativ aufgeladene Stimmung im »Voraltbau« nennen Sie als einen Grund, der Sie nach Würzburg geführt hat. Etwas später scheinen Sie diesbezüglich ein wenig resigniert zu haben. Hat sich die Situation Ihrer Ansicht nach inzwischen gebessert oder verschlechtert? Ich würde sagen weder noch. Es hat sich nicht viel geändert. Einfach aufgrund der Tatsache, dass diese kreative Grundstimmung eigentlich sehr stark dadurch entstanden ist, dass so viele unterschiedliche Dinge am gleichen Ort stattgefunden haben. Sie sind also der Ansicht, dass es sich durch diese aufgeteilten Räumlichkeiten des Altbaus nicht wirklich zum zum Besseren gewendet hat? Nein, es ist aber auch nicht schlechter geworden. Zum Beispiel kann ich hier in der Pause um die Ecke gehen und in der Bäckerei mit Leuten aus der Lehrveranstaltung einen »Der Neubau könnte zum Kaffe trinken. Das ist Elfenbeintur m werden « etwas, was wir oben in dem Sinne nicht mehr haben werden. Man fühlt sich mehr in der Stadt und in der städtischen Kultur verankert. Ich habe eine Buchhandlung, Cafés, dieses und jenes eben, was ich da oben nicht habe. Der Neubau könnte zum Elfenbeinturm werden, der immer wieder beschworen wird.

Sie gehen also nicht davon aus, dass es im Neubau unbedingt besser werden wird? Es wird auf eine Weise besser sein, weil wir alle zusammen sind. Auf der anderen Seite werden wir wieder abgeschnitten sein von den ganz normalen städtischen Strukturen, die wir hier unten hatten. Hat sich speziell durch den Umzug von Film/Video in die Badergasse etwas geändert? Nein, das kann ich so nicht sagen. Einfach aus dem Grund, weil Film/Video immer schon eine Sonderrolle inne hatte. Es ist wahnsinnig aufwendig und die Organisationsstrukturen sind eigentlich sehr komplex. Was ich bemerke ist etwas grundsätzliches, das hat aber mit den Räumlichkeiten nichts zu tun. Früher ist es so gewesen, dass alle Geräte und Werkzeuge, die ich im Studium brauchte, eigentlich nur im Fachbereich oder der Fakultät vorhanden waren. Aufgrund der Tatsache, dass heute jeder einen hochgerüsteten Computer zuhause herumstehen hat, kann man sehr »Die technologische Entwicklung viel mehr alleine machen. ist nunmal so gelaufen« Alle Leute, die in meinem Bereich waren, brauchten Schnitträume und ähnliches. Das ist heute nicht mehr der Fall, was zu einer Vereinsamung führt. Ob man das jetzt wieder aufbrechen kann, indem wir alle zusammen sind, weiß ich nicht. Ich habe meine Zweifel daran. Die technologische Entwicklung ist nunmal so gelaufen. Ende der 80er bis in die 90er Jahre scheinen die größten Hindernisse für Ihre Arbeit eine mangelhafte Ausstattung und interne Streitereien gewesen zu sein. Was wäre heute verbesserungsfähig? Wir haben jetzt durch die Studiengebühren die Situation, dass sehr viel mehr Geld in die zentrale Einheit Medien wandert als an die Fakultät Gestaltung. Durch eine günstigere Zusammenarbeit sollte man auf benötigte Ausstattung genauso gut zugreifen können, als gehörte diese der jeweiligen Fakultät. Es ist ja gar nicht einzusehen, warum eine Hochschule bestimmte Dinge zweimal anschaffen soll.


F ü n fu n dd r e i S S i g

Sie haben einige Zeit im Ausland, besonders in Australien verbracht und fühlen sich diesem Land auch sehr verbunden. Haben Sie nie mit dem Gedanken gespielt, Würzburg für immer den Rücken zu kehren? Doch, ja.

Meinen Sie das könnte sich ändern? Naja, spätestens wenn ich in zwei Jahren weggehe hat die Fakultät einen Nachfolger. Sie wird sich dann Gedanken darüber machen müssen, in welche Richtung sie gehen will und entsprechend ausschreiben.

Was hat Sie dann immer wieder zurück nach Würzburg geführt? Persönliche Gründe. Der Hauptgrund waren die Schwiegereltern. Meine Frau ist das einzige Kind und ihre Eltern sind alt und brauchten Hilfe. Australien ist so gesehen am Ende der Welt und man ist meilenweit von allem weg.

Welches Detail in den Räumlichkeiten hier wird Ihnen besonders in Erinnerung bleiben? Das was da oben so rauscht (zeigt an die Decke im Vorlesungsraum der Badergasse). Sinnvoller Weise haben wir hier eine Klimaanlage. Das wird da oben eine Katastrophe. Ich bin überzeugt davon, dass am falschen Ende gespart wird. Wir sind eine Fakultät wo pausenlos Geräte wie Computer und ähnliches laufen. Wenn ich richtig informiert bin ist das abgelehnt, beziehungsweise aus Kostengründen nicht eingebaut worden. Das werde ich wirklich vermissen.*

Wie schätzen Sie den Stellenwert von Film/Video in der heutigen Ausrichtung des Fachbereichs ein? Ich denke er fährt ein bisschen neben dem anderen. Wobei ich persönlich nicht der Meinung bin, dass das sein müsste. Viele sehen nicht wirklich den Zusammenhang, »Viele sehen nicht wirklich der meiner Ansicht den Zusammenhang, der meiner nach schon sehr eng ist. Das liegt natürAnsicht nach schon sehr eng ist « lich daran, dass man, wenn man an Film denkt, in erster Linie den Spielfilm vor Augen hat. Von dem ich überhaupt nicht überzeugt bin, dass man ihn hier lehren kann. Wenn man sich dafür entscheidet sollte man lieber anschließend noch an eine Filmhochschule gehen. Aber es hängt eben auch damit zusammen, ich muss das nochmal betonen, dass es durch die Komplexität und den hohen Organisationsgrad, den man bei Film läuft sehr leicht passiert, dass sich die Leute, die es wirklich machen, nur noch auf Film konzentrieren.

Ingo Petzkes kurze Gedanken oder Stichworte zu den einzelnen Teilen des Altbaus: Alter Peter: Schöner Ausblick von meinem Zimmer auf die Festung. Badergasse: Die Klimaanlage Pavillon: Der hätte schon vor Jahren abgerissen sein sollen. Reuerergasse: Immer was losv Fotostudio: Wunderbarer Kaffee Villa: Der Herr Bingnet Und seine Vorstellung davon was dort einziehen könnte nachdem wir ausgezogen sind: Alter Peter: Ach, da möchte ich bleiben. Badergasse: Was experimentelles Pavillon: Mehr Parkplätze Reuerergasse: Spontan? Da fällt mir nichts ein. Fotostudio: Schade, dass es da den Kaffee dann nicht mehr gibt. Villa: Partyzentrum

Werden Sie denn oben überhaupt noch lehren? Sagen wir mal so: Ich bin nicht unbedingt erbaut darauf, dass ich noch für mein letztes Semester hochgehe.

* Keine schweißtreibenden Sorgen: Nach dem Interview haben wir Her rn Braun diesbezüglich kontaktiert. Seiner Auskunft nach wird der Neubau durch die Lüftungstechnik klimatisiert.


S e c h su n dd r e i S S i g


S i e b e n u n dd r e i S S i g


A c h t u n dd r e i S S i g

Illustrations-Professor André Rösler über den Altbau

«Am Anfang habe ich mich ungefähr 20 mal verlaufen» André Rösler lebt und arbeitet in Karlsruhe. Als Professor für Illustration ist er nun seit dem Sommersemester 2010 am Fachbereich Gestaltung der FH Würzburg tätig. Neben seinen ersten Eindrücken vom neuen Arbeitsplatz interessierte uns auch seine Meinung zu den einzelnen Teilen des Altbaus und was dort einziehen könnte nachdem wir in den Neubau umgezogen sind. Warum haben Sie sich letztendlich für Würzburg enschieden? Hat die Stadt oder die Fachhochschule dabei eine Rolle gespielt? Die Fachhochschule hat sicher eine Rolle gespielt. Auch wichtig ist, dass die Ausrichtung der Fachhochschule stimmt. Meine Nase muss ja hier rein passen und meine Vorstellungen von Gestaltung auch in die Lehre hier. Haben die Räumlichkeiten bei Ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt und die Tatsache, dass es bald einen Neubau geben wird? Ich glaube, dass die Räumlichkeiten direkt keine Rolle gespielt haben. Indirekt spielt das natürlich immer eine Rolle. Man hat so ein Gefühl, das man im Bauch mitnimmt. Da spielen die Räumlichkeiten rein, ob man will oder nicht. Welchen Bereich des Altbaus haben Sie als erstes gesehen und betreten und was war Ihr erster Eindruck in diesem Moment? Zuerst betreten habe ich ganz konkret diesen Raum hier in der Reuerer. Es gab ein Symposium und da war ich eingeladen meine Arbeit vorzustellen. Mein Eindruck, ja gut, alles ist sehr, sehr verrupft. Natürlich sind es auch relativ kleine Räume. Wenn man dann drin ist, sind sie aber eigentlich auch mit einem gewissen Charme verbunden. Haben Sie eine Lieblingsräumlichkeit zum Unter richten oder gibt es Gründe warum Sie irgendwo gar nicht sein möchten? Im Alten Peter mag ich die Räumlichkeiten sehr gerne. Da ist ja auch mein Raum daneben, ich habe natürlich nichts dagegen, wenn die Wege kurz sind. Aber da ist zum Beispiel das Problem, dass es nicht 24 Stunden Zugangsmöglichkeiten gibt. Wenn man ateliermäßig arbeiten will, muss man auch Zugang außerhalb der Unterrichtszeiten haben. Sie unter richten hier jetzt schon fast ein Semester. Können Sie sagen, was die Vorteile mancher Räumlichkeiten sind und was die Nachteile? Ich glaube, dass Vieles, das zwischen den Studenten und zwi schen den Semestern stattfinden könnte, verloren geht. Wenn alle an einem Ort wären, dann würden die Leute, die zum Beispiel Foto Schwerpunkt haben, viel öfter auch die Illu Arbeiten sehen und da auch viel mitnehmen. Das sehe ich als großen Nachteil. Im Moment denke ich, dass das Arbeiten hier vor Ort dadurch, dass die Räume immer mehrfach belegt sind, ein bisschen problematisch ist. Dann immer wieder sein Illuzeug wegräumen und sein Täschchen wieder mit Heim nehmen, oder für zwei Stunden hier auspacken. Ich bevorzuge eher so eine Atelieratmosphäre, wo die Leute auch vor Ort arbeiten.

Reuerer »Factory, Industrie, charmant. Nach uns könnte natürlich eine Schlosserei, Werkstätten etc. reinkommen.«

Fotostudio »Die Cafébar ist natürlich super. Guter Kaffee ist wichtig. Wenn wir in den Neubau gehen kommt eine große coole Illustratoren-WG.«

Von Vorteil ist es natürlich, dass es in der Stadt liegt. Das wird beim Neubau schon ein Unterschied sein, der ist da oben auf dem Berg. Hier in der Stadt ist man gleich ums Eck schnell zuhause, oder man kann sich was zu Essen holen. Gibt es irgendein Detail, das Ihnen besonders in Erinnerung bleiben wird? Ich finde die Räume ja durchaus charmant. Ich habe natürlich auch eine gehörige Portion Angst vor so Neubauräumen, die dann immer dazu tendieren clean zu werden. Und ich bin gerade bei Illustration gerne in so Atelier / Werkstätten – Räumen, die man auch versauen kann. Wo man auch keine Angst hat die zu versauen. Gibt es Anekdoten oder kurze Geschichten, die Sie hier schon erlebt haben? Ich habe mich am Anfang ungefähr 20 mal verlaufen. Zum Schluss: Haben Sie in Bezug auf den Neubau irgendwelche sonstigen Wünsche und Hoffnungen? Ich hoffe es wird gut. Ich hoffe, dass wir da oben eine Atelieratmosphäre hinkriegen.


Alter Peter »Charmanter Gitar renchor an der Volkshochschule, lichte Räume, Eisentor. Wenn wir weg sind wird der dann wahrscheinlich von der Volkshochschule komplett übernommen. Für eine tibetanische Singgruppe, Ausdruckstanz, Gitar renchor oder eine Panflötengruppe.«

Badergasse »Master raum designig, factory, gut«

Pavillon »Ver ratzt, nicht uncharmant, improvisiert«

Villa � »Klein, verschachtelt, niedlich, heimelig, Volkhochschulseminarräume«


Vierzig

 1   Reuerergasse 6|Reurer 2   Korngasse 12|Fotostudio 3   Münzstraße 1| Alter Peter 4   Badergasse 13a| Film u. Masterraum 5   Münzstraße 19|Pavillon 6   Randersackerer Straße 15|Villa 7   Münzstraße 12|WiSo-Gebäude


3 

 1 2 

  4 5  7 

6 


D r e i u n dv i e r z i g

SechsEins Sechs Gebäude – Eine Fakultät

Korngasse 12 Fotostudio

Randersackerer Straße 15 Villa

Münzstraße 19 Pavillon

Münzstraße 1 (1.OG) Alter Peter

Reuerergasse 6 Reurer

Badergasse 13a (1.OG) Film/Masterraum


V i e r u n dv i e r z i g

Stillstand ist Rückschritt Von einem Gebäude zum Anderen: Laufwege und ihre Dauer Korngasse » Villa

1,1 km | 13 min

Korngasse » Badergasse

210 m | 2 min

Villa » Badergasse

1,0 km | 12 min

Pavillon » Badergasse

200 m | 2 min

Villa » Alter Peter

1,0 km | 12 min

Pavillon » Alter Peter

200 m | 2 min 130 m | 1 min

Villa » Wiso-Gebäude

930 m | 11 min

Badergasse » WiSo-Gebäude

Villa » Pavillon

850 m | 10 min

Badergasse » Alter Peter

99 m | 1 min

Korngasse » Pavillon

400 m | 4 min

Pavillon » WiSo-Gebäude

50 m | 1 min

Korngasse » WiSo-Gebäude

300 m | 3 min

Korngasse » Reuerergasse

15 m | 5 s

Korngasse » Alter Peter

260 m | 3 min

Quelle: Google Maps


Reuerergasse 6

68 36

20

30

Alter Peter

40

Villa

Fotostudio Badergasse

Pavillon

WiSo

45


S i e b e n u n dv i e r z i g

239 Stunden Die Nutzung der Gebäude durch Vorlesungen und Seminare Reuerergasse 68 h Villa 45 h Pavillon 40 h Fotostudio 36 h Badergasse 30 h Alter Peter 20 h 1 h ≙ 45 Minuten; Stand SS 2010 Quelle: Kurspläne Intranet


A c h t u n dv i e r z i g

S

Mahlzeit Essen und Trinken in Sanderstraße, Münzstraße und Umgebung  01     Uni 02  03

 18 

Weinstube Sandertorbäck Sanderstraße 18

Bäckerei Rösner Neubaustraße 2

 19

Café Haupeltshofer Tiepolostraße 21

Weinstube Johanniterbäck Sanderstraße 18

20    Sultan

Café Neubaustraße 2

04    Vollwert 05

06    Smart 07    Chair 08   

Shop Sanderstraße 3b Sanderstraße 5

Casa Nuvalani Sanderstraße 6b

09    Escobar 10   

Stube Sanderstraße 2a

Till Eulenspiegel Sanderstraße 3a

Sanderstraße 7a

Loma Sanderstraße 7b

 11     Tscharlie 12    Pizzeria 13        Pascha

Sanderstraße 8

Capri Elefantengasse 1

Döner Sanderstraße 17

14    Reuererbäck

Sanderstraße 21

Döner Sanderstraße 39

 21

Pizzeria Toscana Sanderring 12

22   

Stadtmensa Am Studentenhaus 1

23   

Burse Am Studentenhaus 1

24   

Monika‘s Landlädchen Münzstraße 8

25   

Café Grande Münzstraße 5

26   

Chelsea Münzstraße 3

27     Bäckerei

Gehrold Münzstraße 2

28    Restaurant

Auflauf Peterplatz 5

29       China-Restaurant 30    Cafe

Long Peterstraße 14

Klug Peterstraße 12

31 

Stag Peterstraße 6

15 

Muck Sanderstraße 29

32

Rösner Backstube Obere Johannitergasse 6

16

Kult Landwehrstraße 10

33

Bäckerei Schif fer Neubaustraße 34

17   

Bäckerei Gehrold Sanderstraße 18

34   

Nachtwächter Kor ngasse 16


01

33

02 03 31 32

05 04

06 30 28

07 29 09 08

10 11

12 27

13 14

Münzstraße

26 34

24

25

15

16

17 18 19

St ude nte n bu d e

20

Sanderstraße

21

22 23


Zellerau

Altstadt

Korngasse Reuerergasse


Gromb端hl

Frauenland

Studentenbude Wohnorte der Gestaltungs-Studenten in W端rzburg Altstadt 31% Sanderau 25% Zellerau 17% Frauenland 14% Gromb端hl 13%

Sanderau

Stand SS 2010 Quelle: Intranet, Befragung


Z w e i u n df ü n fz i g

Liebe zum Detail Verortung von mehr oder weniger charmanten Kleinigkeiten

Reuerergasse ⁄ 54 Die Krankenbahre Die Treppe

Korngasse ⁄ 60 Der Kronleuchter

Badergasse ⁄ 64 Die Halle

Pavillon ⁄ 68 Der Rehkopf

Villa ⁄ 72 Der Drucker


D r e i u n df ü n fz i g

Sich dem Thema Altbau zu

Architektur noch die Gebäude

diesem Grund haben wir für

nähern erweist sich als ein

sind, die den Charm des Alt-

euch einige Geschichten und

schwieriges Unterfangen. Je-

baus ausmachen.

Sagen, die sich um diese Klei-

der nimmt ihn unterschiedlich

Vielmehr sind es die Kleinig-

nigkeiten ranken, zusammen-

war. Selbst in der statischen

keiten. Unsere Beschäftigung

gefasst.

Architektur vermögen sich die

mit eben diesen Details hat

Geister der Studenten nicht zu

ergeben, dass es nicht sinn-

einen.

voll ist, sich dem Thema rati-

Wir sind zu dem Schluss ge-

onal zu nähern. Die Emotion

kommen, dass es weder die

ist hier ausschlaggebend. Aus


S e c h su n df 端 n fz i g


S i e b e n u n df ü n fz i g

Gestalter verletzen sich nicht! Kurze Historie der Rettungsmittel in der Fakultät.

Als der Chefarzt der internistischen Station der Würzburger Uniklinik 1976 ein wenig Ordnung in seinen Laden bringen wollte, beschloss er, dass einige medizinische Utensilien - darunter auch drei Liegen zum

interstationären

Pati-

ententransport - die älter als zwanzig Jahre waren, entsorgt werden müssten. Diese Utensilien, die für den allgemeinen Gebrauch

im

Krankenhaus

nicht mehr zu verwenden waren, sollten an die Fakultäten mit den geringsten Unfallzahlen verteilt werden, sodass sie noch einige Jahre in Gebrauch bleiben könnten. In die nähere Auswahl kamen hierbei die Fakultät Jura mit zehn verletzten Studenten im Jahr (größtenteils Platzwunden am Kopf durch Einnicken in der Vorlesung),

die

Mathemati-

ker mit sechs Verletzten pro

Jahr (weitestgehend Verstauchungen und Knochenbrüche durch

Unterernährung

und

Wutanfälle beim Wurzelziehen) und die Studenten der Betriebswirtschaftslehre,

die

einen Verletzten durch die falsche

Handhabung

Bleistiftspitzers

zu

eines melden

hatten. Erst nach eingehender Recherche wurde man auf die Fakultät Gestaltung aufmerksam, die auf diesen Lis-

ten überhaupt nicht vermerkt war. Tatsächlich hatte sich weder in diesem noch in zwei vergangenen Jahren je ein Gestalter verletzt. Seitdem ist die Krankenbahre in Besitz der Kommunikationsdesigner und wurde in den letzten Jahren höchstens als Übernachtungsgelegenheit benutzt.


...so fand ich eine rote Wendeltreppe Von leiser Hand emporgeleitet Droben einen Becher Wein bereitet.

Tut mir auf die schĂśne Pforte fĂźhrt in jenes Haus mich ein ach wie wird an diesem Orte meine Seele frĂśhlich sein


Z w e i u n ds e c h sz i g

«Your majesty...» …über den Würzburger Adel Die Fakultät Gestaltung pfleg-

die Gestalter der Hochschu-

Prestigebauten

te seit jeher beste Beziehungen

le. Aus dieser Zusammenar-

lung der Innenräume einige

zum unterfränkischen Hoch-

beit entstand ein Vertrauens-

Kronleuchter geschenkt. Das

adel. Als im Jahre 1719 der

verhältnis, das sich bis heute

warme Licht und die adelige

Auftrag zur Gestaltung der

hält. So wurden der Fakul-

Atmosphäre sollten das Ar-

Würzburger Residenz an Bal-

tät erst vor einigen Jahren

beitsklima verbessern, was in-

thasar Neumann ging, wandte

von der städtischen Behörde

zwischen von vielen Studenten

dieser sich unverzüglich an

zur

Verede-

bestätigt und geschätzt wird.


S e c h su n ds e c h sz i g

Tatort Une impression courte Pierre

zückte

seinen

Re-

Der

Polizeihauptmann,

der

Nacht

nickte wieder und Pierre be-

volver. Die türkisgrüne Ei-

zwanzig Meter entfernt von

aus!“. Die Stimme, die ge-

trat die große Eingangshal-

sentür im Rücken stellte er

ihm hinter der Tür seines

dämpft durch die Türe drang,

le der Badergasse 13a. Kurz

den Kragen seines Trench-

Autos

klang

war

coats hoch. „Lass den Unfug,

zu.

Jerome!“, rief er und überprüfte

kauerte, Vorsichtig

nickte drückte

ihm er

es

hier

die

nervös.

ganze

„Jerome,

du

ein

klappriges

Fahr-

kennst mich! Ich will nur mit

rad zu sehen, dann schloss

die Klinke der Türe und öff-

dir

sich

der

nete sie einen Spalt breit.

te sich den Schweiß von der

war verschwunden. Der Po-

Trommel. Er schwitzte, ob-

Der erwartete Schuss knall-

Stirn.

lizeihauptmann

wohl die Sonne schon vor

te, die Tür schlug wieder

neutes öffnen der Türe. Kein

Stunden untergegangen war.

zu. „Verschwindet! Ich halte

Schuss. Der Polizeihauptmann

die

Kugeln

in

reden!“. Keine

Pierre

wisch-

Antwort.

Er-

die

Türe

und atmete

Pierre auf.


S i e b e n u n ds e c h sz i g


Siebzig

Weidmanns Heil! Vom Jagdglück und stolzen Studenten Als der erste Dekan der Fa-

ihm ebenbürtig, wenn nicht

ein kleines Reh auf den Schul-

kultät

gewählt

gar überlegen. Zornesrot warf

tern. Die Studenten waren

war, geschah die folgende Ge-

der Dekan sein Weinglas ins

verwundert. Hatte er wirklich

schichte. Herr Friedmann (ich

Kaminfeuer und schlug dem

geglaubt, mit einer derart ma-

nenne ihn Herrn Friedmann,

Studenten eine Wette vor. Bei

geren Beute die Wette gewin-

weil sich die Geschichte vor so

Sonnenaufgang des nächsten

nen zu können?

unfassbar langer Zeit zutrug,

Tages wollten beide aufbre-

Herr Friedmann aber legte

dass niemand mehr seinen

chen. Wer den größeren Bock

seine Beute neben die seines

wirklichen Namen weiß), war

schoss, dem sollte der Andere

Kontrahenten und sprach den

nicht

leidenschaftlicher

demütig seine Unterlegenheit

historischen Satz: „Du bist

Gestalter und Typograf, son-

eingestehen. Der Student wil-

zweiundzwanzig

dern frönte in seiner geringen

ligte ein und glaubte sich ge-

und Student. Ich bin sechs-

Freizeit der Jagd. Gerne lud

gen den durchaus in die Jahre

undsechzig und Dekan. Was

er in Ferien Studenten in sein

gekommenen Dekan im Vor-

glaubst du, wer unsere Wette

Landhaus in der fränkischen

teil.

gewonnen hat?“ und er fügte

Schweiz ein, um dann ausge-

Drei Tage und drei Nächte

noch hinzu: „Und überhaupt:

dehnte Jagdausflüge mit ihnen

blieben die beiden verschwun-

Dein Hirsch ist viel zu groß,

zu unternehmen.

den und die Kommilitonen,

seine Beine sind zu weit aus-

So kam es, dass er eines Win-

die im Landhaus des Dekans

einander gewachsen, sein Ge-

ters mit einigen Studenten am

zurückgeblieben waren, dach-

weih zu symmetrisch und sei-

Kaminfeuer saß, mit einem

ten schon darüber nach, die

ne Fellfarbe zu grau. Du gehst

Glas Rotwein in der Hand und

beiden einfach zurückzulas-

augenblicklich

einer Pfeife in der anderen

sen und heimzukehren, als das

schießt mir ein ästhetisches

und gerade eine seiner Jagdge-

Horn aus der Ferne zu hören

Exemplar.“

schichten zum Besten gab, als

war. Vom Waldesrand her kam

Der Kopf ist bis heute erhal-

ein angetrunkener Student ei-

ein Jäger gelaufen, einen ge-

ten und ein Symbol dafür, dass

nen groben Fehler beging. Er

waltigen Hirsch hinter sich

man nicht unbedingt immer

zweifelte an Herrn Friedmanns

herziehend. Es war der Stu-

den größten Bock schießen

Jagdgeschick und glaubte sich

dent. „Hussa!“ riefen seine

muss, um zu gewinnen.

Gestaltung

nur

Kommilitonen und gratulierten dem Zurückgekehrten zu seinem wohl sicheren Sieg. Doch da erklang aus der Ferne das zweite Horn. Der Dekan kehrte zurück. Auch er hatte Beute gemacht, er trug

Jahre

zurück

jung

und


V i e r u n ds i e b z i g

Exorzismus Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir möchten hier mit einen Antrag auf einen Exorzismus stellen. Das Subjekt ist ein etwa zwei Jahre alter Schwarzweiß-Laserdrucker, der – soviel darf ich nach eingehender Untersuchung ver muten – von höheren Dämonen, wenn nicht gar vom Fürsten höchstselbst besessen ist. Die Niedertracht und Raffinesse, welche das Gerät an den Tag legt, um hilflose zu quälen und zu unterdrücken ist erschreckend und nicht länger duldbar. Unsere bisherigen Versuche, selbst als Medium zu fungieren und die Geister mit Weihwasser, Flüchen und Fußtritten zu ver jagen, scheiterten. Wir wünschen daher eine eingehende Untersuchung der Tatsachen und eine Austreibung seitens eines professionellen Exorzisten, wenn nötig mit Gewalt.

Mit freundlichen Grüßen, Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt


F 端 n fu n ds i e b z i g


Welches Detail der Räumlichkeiten bleibt ihnen besonders in Erinnerung? Der Kopierer und der Innenhof.

Ein kurzer Gedanke oder Stichwort zu den ein zelnen Teilen des Altbaus: Staatsbank / Alter peter: (Staatsbank) saravovs jazzreich Badergasse: Wiesi forever, meine zweite heimat. Pavillon: Asbestverseucht. Reuerer: Gute Präsentationsräume, nur etwas zu hell und heiß. Fotostudio: Besser als das viel zu kleine Studio in der Käsburg, leider blieb der Vollmer nicht da er wohl zu unbequem war. Villa: Das war die Hochburg des Designhochadels, war kennzeichnend für die neue smr superschlau Dessignliga um unseren geliebten Herrn Braun, Frech and Friends und markierte leider den Zerfall des ehemaligen Subkulturfachbereichs.

Welches Gebäude haben Sie als erstes betreten und was war ihr erster Eindruck? Da ich damals Dekan war habe ich alle Räume betreten. Der erste Eindruck war schockierend. Welches Detail der Räumlichkeiten bleibt ihnen besonders in Erinnerung? Viele stinkende Ecken, kalt und dunkel und Wassereimer in der Reuerergasse.

Ein kurzer Gedanke oder Stichwort zu den ein zelnen Teilen des Altbaus: Staatsbank / Alter peter, Badergasse, Pavillon, Reuerer und Fotostudio: Entwürdigend für ein Gestalterstudium, das Gegenteil von Freiheit. Zudem unpraktisch, Vereinsamung des Einzelnen. Villa: Sehr angemessen. In der Villa gab es Kommunika tion und Diskussion.

Welches Detail der Räumlichkeiten bleibt ihnen besonders in Erinnerung? Die Enge im Videoschnittraum. Ich machte ein Projekt mit zwei Studenten, die Deodorant-Verweigerer waren. Kein Spass, das war fast nicht auszuhalten. Ein kurzer Gedanke oder Stichwort zu den ein zelnen Teilen des Altbaus: Staatsbank: okay. Badergasse: Handwerklicher Charme. Pavillon: Baracke. Reuerer: Langweilig. Fotostudio: Unbekannt. Villa: Unpraktisch.

Jochen Tratz

Jochen Kleinheinz

Prof. Frieder Grindler

Oliver Franken Welches Gebäude haben Sie als erstes betreten und was war ihr erster Eindruck? Das war die Hans löfflerstrasse, kultik erfrischend dank Subkultur. Dort war beinahe alles möglich, es wurde improvisiert und es war nicht nur slicke Fassade.

Welches Gebäude haben sie als erstes betreten und was war ihr erster Eindruck? Ich kann mich nicht mehr erinnern, meine aber es könnten die Videoräume in der Badergasse gewesen sein. Ich muss allerdings sagen, dass ich mein Studium 1992 in der Hans-Löffler-Str. begonnen hatte und zum Zeitpunkt des Umzuges 1994 im Ausland war. Da ich bei meiner Rückkehr schon im Haupt- bzw. Projektstudium war, wirkte alles provisorisch, Ich konnte demnach keinen wirklichen Bezug mehr zu den Räumen aufbauen. Mein Eindruck: Keinen Deut besser als vorher, abgesehen von dem Asbest, der in den neuen Räumen nicht mehr vorhanden war.

Welches Gebäude haben Sie als erstes betreten und was war ihr erster Eindruck? Ich habe damals beim Umzug des Fotostudios mitgeholfen. Deshalb habe ich das Fotostudio zu erst gesehen. An sich war das Fotostudio natürlich beeindruckend, schön groß und bot einige Möglichkeiten. Welches Detail der Räumlichkeiten bleibt ihnen besonders in Erinnerung? Die große Papierschneidemaschine in der Reuerergasse.

Ein kurzer Gedanke oder Stichwort zu den ein zelnen Teilen des Altbaus: Staatsbank / Alter peter: (Staatsbank) Super Diplompräsentation von Bolle und Lars. Badergasse: Wiesmüller. Pavillon: Fotoausstellung. Reuerer: Dienstagsgespräch, Diplompräsentation, Alumniparty. Fotostudio: Gute Gespräche und Diskussionen mit Charlie Hornung und Vollmer. Villa: Lottermann, Braun, Grindler.


Gabriele Kunkel Studenten Sehr geehrte Damen und Her ren, wir studieren Kommunikationsdesign im zweiten Semester an der Fachhochschule Würzburg. Hinsichtlich des zweiten Umzuges unserer Fakultät Gestaltung, erstellt der Typografiekurs von Fr. Heike Czerner ein Magazin über unsere jetztigen Studienräme. Es wäre schön,wenn Sie als ehemalige Studenten und Dozenten etwas beisteuern könnten.

mit freundlichen Grüßen Magdalena Wirkert, Florian Fecher, Julia Simon, Maria Krämer

Welches Gebäude haben Sie als erstes betreten und was war ihr erster Eindruck? Das war die Hans-LöfflerStraße, lange bevor die FH in Einzelteile zerfallen ist. (Ein so ideales Studieren, alles an einem Platz, ein Innenhof zum Austauschen und Feiern) Danach wohl den Hinterhof des Pavillons Welches Detail der Räumlichkeiten bleibt ihnen besonders in Erinnerung? Zwischenlösung, sollte es damals auch sein.

Ein kurzer Gedanke oder Stichwort zu den ein zelnen Teilen des Altbaus: Staatsbank: Historisch. Erwin Grießl. Alter Peter: Irgendwie komisch. Badergasse: Zusammen mit der Reurergasse die kreative Zelle. Pavillon: Hinterhofcharme. Reuerer und Fotostudio: Charly Hornung. Villa: Sehr schönes Ambiente. Müsste nur größer sein.


A c h t u n ds i e b z i g


S e c h su n da c h t z i g


N e u n u n da c h t z i g


Horst Jรถst Werkstattmeister Buchbinden Villa


Theodor Huller Labormeister Druck Badergasse


V i e ru n d n e u n z i g


F 端 n fu n d n e u n z i g


Tim Bingnet Labormeister Digitale Medien Villa


Heiko Lanio Werkstattleiter Fotografie Korngasse


E i n h u n d e rt


E i n h u n d e rt u n d e i n s


E i n h u n d e r t u n dz w e i

Anekdoten

Verlassen wir den Altbau, sind es wohl nur noch Erinnerungen, die bleiben. Damit diese beseelten R채ume nicht in Vergessenheit geraten, erz채hlen wir hier ihre Geschichten.


E i n h u n d e r t u n dd r e i

Olga Sudermann: » Bei der Ausstellung der beiden Typo-Kurse (Braun und Czerner, 1. Semester) hatte ich ein Auge auf die Arbeiten unter Professor Braun geworfen. Ich kramte mein Handy heraus, um einzelne Arbeiten abzufotografieren, nichtwissend, dass jemand hinter mir stand. Am Ende des Ganges drehte ich mich um und sah einen breit grinsenden Herrn Braun dastehen. Er sagte: Wir haben Sie enttarnt, ›Copy-cat‹ !«

Heike Czerner: » Unser männliches Aktmodell, ein Student aus dem Medizinbereich, fand die Gestaltungskurse so spannend, dass er sein Studium abbrach und sich bei uns an der Fakultät beworben hatte. In seinem ersten Zeichenkurs wurde er mit den Worten begrüßt: ›Wir kennen Sie ja schon sehr gut, aber wie ist eigentlich ihr Name?‹ «

WISO-Gebäude

Staatsbank

Claudia Wieser: »Beim letzten Ehemaligentreffen haben Herr Braun und Herr Schöls den Abend eröffnet. Damals war noch nicht klar, ob das mit dem Neubau klappt und die Diskussion wurde gerade wieder losgetreten. Die beiden haben davon berichtet, dass der geplante Neubau nun hoffentlich bald kommen wird. Da fängt urplötzlich einer im Raum so total rauspustmässig das Lachen an. Der hat sich gar nicht mehr eingekriegt. Es hat sich dann herausgestellt, dass er vor 20 Jahren Studentensprecher war und schon für genau die gleiche Sache gekämpft hat.«

Badergasse

Claudia Wieser: » Die Bfg, das war ein langer Weg. Erst musste man Ordnung in das Bücherchaos bringen. Was in Erinnerung bleibt sind aber die vielen Aktionen: Bfg-Lesungen, Grillen, Weintrinken, Eier bemalen, Kürbisse, Kekse, usw. Am witzigsten war aber echt unser Weihnachtsfeier-Fotoshoot. Im betrunkenen Zustand Kommilitonen in die Bfg gesteckt und Porno-Book-Bilder gemacht. Anschließend dann daraus einen Kalender gemacht mit Versteckspiel in der Bfg.«

Pavillon

Erich Schöls: »Die Heizung im Pavillon ist ein Wunderwerk und wahrscheinlich wird sie von extraterrestrischen Intelligenzen gesteuert. Sie heizt nicht, oder sie brennt beinahe – es gibt keine Einstellung dazwischen. Sie heizt im Sommer und sie kühlt im Winter. Etliche sogenannte Heizungsmonteure haben sich an diesem Faszinosum versucht und sind doch nie hinter das Geheimnis gekommen.«

Pavillon


Impressum Thomas Lipp Florian Fischer Magdalena Wirkert Meike-Lesley Neumann Daniela Sweeney Sabrina Müller Florian Fecher Julia Simon Maria Krämer Nils Hellgard Philpp Steinmetz Philipp Koch Tom Kirchgäßner Benjamin Asher Maria Krämer Julian Mühltahl

r oK reue

R

Kurs Typografie und Zeichensysteme Heike Czerner 2. Semester | Sommersemester 2010 Fakultät Gestaltung FH Würzburg - Schweinfurt Druck Genheimer Druck GmbH, Lohr am Main FS-Digi-Print GmbH, Würzburg (Cover) Papier Munken Print Cream 18, 115 g/qm Schrift JJ Realis Baskerville Wir grüßen Bob, Mutti (die mich immer unterstützt hat), Franz, Benjamin und alle, die ich jetzt vergessen hab.

© 2010 Alle Rechte vorbehalten.


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ll eZ



Altbaumagazin