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zu bewahren und haben die Möglichkeit für Sanierungsarbeiten in Eigenregie Geräte auszuleihen. Die Eigenleistungen sind natürlich immer mit Investitionen verbunden, dafür kann aber auch Vieles nach eigenen Vorstellungen realisiert werden (selten handelt es sich um größere Eingriffe, die über das Ausmalen der Räume, die Verbesserung der Sanitäreinrichtungen und Installationen oder das Schleifen der Böden hinausgehen). Der Eigentümer ist zwar verpflichtet, alle Anschlüsse wiederherzustellen und das Gebäude soweit in Stand zu halten, dass eine Nutzung möglich ist; dafür kann er davon ausgehen, dass das Haus durch die stetige Nutzung vor Vandalismus bewahrt bleibt. Bei einer vorzeitigen Beendigung des Vertrags ist er verpflichtet eine Investitionsentschädigung zu bezahlen. Bei den ersten Wächterhäusern ist der Nutzungsvertrag inzwischen ausgelaufen – wollen die NutzerInnen bleiben, kann entweder die Gestattungsvereinbarung zu denselben Bedingungen auf die Hausgemeinschaft übergehen oder es wird ein neuer Nutzungsvertrag vereinbart bzw. ein normaler Mietvertrag abgeschlossen. Eines der Häuser wurde inzwischen auch von den ehemaligen WächterInnen gekauft. Der Verein HausHalten e.V. besteht momentan aus ca. zwölf aktiven, großteils ehrenamtlich tätigen MitarbeiterInnen. Er betreibt ein eigens saniertes kleines Vereinshaus im Stadtteil Lindenau, in dem u.a. auch der Geräteverleih und eine öffentlich zugängliche Bibliothek zu Stadtentwicklungsthemen untergebracht sind. Mit 17 Wächterhäusern hat sich das Modell als zwar kleiner, aber erfolgreicher Baustein der Leipziger Stadterneuerung und als Pendant zur Hausbesetzung etabliert. Das Modell wurde bereits in mehrere andere Städte exportiert, die ebenfalls vor der Herausforderung des Leerstands stehen, und stößt auch weiterhin vielerorts auf Interesse. Seit Kurzem bietet HausHalten e.V. mit dem Projekt Wächterläden zusätzlich auch Räume für neue Zwischennutzungen in bisher leerstehenden Ladenlokalen an Hauptverkehrsstraßen – diese werden vor allem als Vereins- und Kulturlokale, Ateliers oder andere Arbeits- und Verkaufsräume im Kreativbereich genützt. Erste Ideen gibt es außerdem, das Wächterhausmodell auch im ländlichen Raum anzuwenden, selbst wenn sich die Rahmenbedingungen und Milieus sehr stark vom städtischen Kontext unterscheiden: das erste Landwächterhaus zur Zwischennutzung als Sommerfrischeunterkunft könnte schon bald in Rochlitz eröffnet werden. 1 http://www.sozialestadt.de/veroeffentlichungen/arbeitspapiere/band8/1_tiefensee. phtml

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DOKUMENTATION 2011

Fritjof Mothes geb. 1970 in Dresden, hat an der TU Berlin ein Studium der Stadtund Regionalplanung abgeschlossen und war danach Referent für Verkehrsökologie im Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e. V.. Seit 1997 betreibt er gemeinsam mit Tim Tröger das Planungsbüro StadtLabor. Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins HausHalten, der seit 2004 besteht. Die Arbeit von HausHalten e.V. wurde inzwischen mehrfach mit Preisen in den Bereichen Denkmalpflege und integrierte Stadtentwicklung ausgezeichnet.

Dokumentation der Leerstandskonferenz 2011  

Leerstand ist mehr als das Aussterben der Ortskerne landauf, landab. Von Verfall und Unternutzung betroffen sind ebenso brachliegende Höfe,...

Dokumentation der Leerstandskonferenz 2011  

Leerstand ist mehr als das Aussterben der Ortskerne landauf, landab. Von Verfall und Unternutzung betroffen sind ebenso brachliegende Höfe,...

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