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Leipzig ist eine Stadt, die nach der Wende zwar weit weniger von Abwanderung betroffen war als andere Städte und die mit über einer halben Million Einwohner zu den wichtigsten Zentren Ostdeutschlands gehört, dennoch gibt es auch hier viele leerstehende und von Verfall bedrohte Bauten. Die größten Areale bilden die abgewirtschafteten Industriegebiete, auffallende Leerstände finden sich aber in allen Sektoren des Baubestands. 2002 betrug der offizielle Wohnungsleerstand 60.000 von insgesamt 300.000 Wohnungen; besonders betroffen war und ist der Leipziger Osten, wobei das größte Problem die Plattenbausiedlungen darstellen.1 Hohe Leerstandsraten weisen aber auch einige Stadterweiterungsviertel aus der Gründerzeit auf, etwa der Stadtteil um die Eisenbahnstraße. Der Verein HausHalten, der 2004 gegründet wurde, setzt sich vor allem für die Erhaltung des gründerzeitlichen Baubestands ein. Viele der leerstehenden Gebäude befinden sich in Hauptverkehrsstraßen, oft sind es Eckhäuser und besonders stadtbildprägende Gebäude. Häufig kam es zum Verfall, weil die Besitzverhältnisse nach der Wende unklar waren oder es nach wie vor sind bzw. die BesitzerInnen weit entfernt leben und sich kaum für die Erhaltung ihrer Häuser interessieren. Vor einigen Jahren kam es auch vermehrt zu Vandalismus oder zu Brandlegungen; mittlerweile hat sich die Situation zwar wieder beruhigt, der rapide fortschreitende Verfall vieler der ca. 2.000 unsanierten gründerzeitlichen Gebäude in Leipzig stellt aber nach wie vor ein großes Problem dar. Angesichts der geringen Nachfrage nach Wohnungen oder anderen Räumlichkeiten mit Lagemängeln hielten die InitiatorInnen von HausHalten eine neue Strategie für den Umgang mit ungenutzter Bausubstanz für notwendig, um auch diesen städtebaulich wichtigen Teil des baukulturellen Erbes von Leipzig erhalten zu können. Die Arbeit begann als Experiment: Die Beteiligten machten sich in Eigeninitiative auf die Suche nach Gebäuden, traten mit den EigentümerInnen und der Stadtverwaltung in Kontakt und versuchten ein neues Nutzungsmodell abseits des klassischen Immobilienmarkts zu konzipieren. Daraus entwickelte sich das Konzept der Wächterhäuser, die das wichtigste Instrument von HausHalten e.V. darstellen. Der Verein bietet EigentümerInnen eine intensive Beratung und sucht nach kreativen InteressentInnen für nicht kommerzielle Zwischennutzungen. In den Wächterhäusern übernehmen die NutzerInnen die Position eines Wächters und verhindern damit Vandalismus bzw. tragen gleichzeitig zur Belebung des Viertels bei. Die Kritik damit möglicherweise

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DOKUMENTATION 2011

Dokumentation der Leerstandskonferenz 2011  

Leerstand ist mehr als das Aussterben der Ortskerne landauf, landab. Von Verfall und Unternutzung betroffen sind ebenso brachliegende Höfe,...

Dokumentation der Leerstandskonferenz 2011  

Leerstand ist mehr als das Aussterben der Ortskerne landauf, landab. Von Verfall und Unternutzung betroffen sind ebenso brachliegende Höfe,...

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