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Um sowohl Gesamt- als auch Teilleerstände erfassen zu können, ist es sinnvoll mit Methodenkombinationen zu arbeiten (z.B. Meldekarteien kombiniert mit Stromzählererhebungen); Erkenntniswert und Arbeitsumfang müssen dabei sorgfältig abgewogen werden. Statistische Daten alleine reichen nicht aus und es bedarf bei den meisten Erhebungsmethoden einer Gegenprüfung durch die Ortsvorsteherin oder den Ortsvorsteher oder durch andere Personen in der Verwaltung, die mit der Gemeinde gut vertraut sind. Genauso relevant wie tatsächliche Leerstände sind auch Leerstandsvermutungen bzw. die Erfassung von Bauten, die in absehbarer Zukunft (z.B. aufgrund des fortgeschrittenen Alters der BewohnerInnen) für neue NutzerInnen frei werden könnten. Entgegen der landläufigen Vorstellung eines typischen Single-Haushalts liegt nämlich bei der Hälfte der nur von einer Person bewohnten Gebäude in den untersuchten ländlichen Kommunen der Altersdurchschnitt bei über 65 Jahren. Die Überschaubarkeit kleiner, ländlicher Gemeinden, in denen die kommunale Verwaltung einen großen Teil der BürgerInnen persönlich kennt, bietet bei der Leerstandserfassung große Vorteile gegenüber ähnlichen Vorhaben in größeren Städten. Für eine differenzierte Abschätzung der Potenziale des Baubestands ist es wichtig, die städtebaulichen Zusammenhänge zu analysieren und vor allem die Lage und Infrastrukturausstattung zu berücksichtigen. Dazu werden etwa auch Ortsteilprofile erstellt, die die jeweiligen Entwicklungsphasen darstellen und Rückschlüsse auf die bauliche Qualität zulassen (z.B.: historisches Zentrum, Bestände 1900-1950, frühe Wiederaufbauphase der 50er Jahre etc., je nach Baugeschichte der Gemeinde). Sowohl die differenzierte Betrachtung der örtlichen Situation als auch die Kenntnis des regionalen Angebots sind äußerst wichtig. Leerstandserhebungen und Leerstandstrends sollten als wesentlicher Teil des Flächenmanagements einer Gemeinde betrachtet werden und müssten unbedingt auch in die Gesamtstrategie der Flächenund Bestandsentwicklung eingebettet werden. Anstelle einer fortschreitenden überzogenen Neuflächenentwicklung und Baulanderweiterung müsste in eine aktive Bestandsflächenpolitik investiert werden, mit dem Ziel der inneren Verdichtung durch Baulückenmanagement und durch Forcierung von Umbau und Sanierung. In den um die Stadt Marburg gelegenen Dörfern, wurde beispielsweise, nachdem der Verfall historischer Gebäude zugenommen hatte, das Projekt „Innen- vor Außenentwicklung“ gestartet, das ein aktives Gebäudeleerstandsmanagement mit Erhebungs- und Raumvermittlungsprogrammen beinhaltet.

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DOKUMENTATION 2011

Dokumentation der Leerstandskonferenz 2011  

Leerstand ist mehr als das Aussterben der Ortskerne landauf, landab. Von Verfall und Unternutzung betroffen sind ebenso brachliegende Höfe,...

Dokumentation der Leerstandskonferenz 2011  

Leerstand ist mehr als das Aussterben der Ortskerne landauf, landab. Von Verfall und Unternutzung betroffen sind ebenso brachliegende Höfe,...

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