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Frühjahr 2016

Schulweg Elternabend Remo Largo Jokertage Neue Freunde Lehrer Schulsport Jesper Juul Pausenplatz Noten Michèle Binswanger Hausaufgaben Znüni Fabian Grolimund Neue Medien Lernen

EXTRA

Schöne Schulzeit!


Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen. (Augustinus Aurelius, 354 – 430, Bischof von Hippo, Philosoph, Kirchenvater und Heiliger)

Gratis-Jahresabonnement zum Übertritt in die Primarschule Wie kann das Nebeneinander von Beruf und Familie gelingen? Wie organisieren wir die Mediennutzung unserer Kinder? Wie gestalten wir das Verhältnis zu ihren Lehrpersonen? Es sind diese und andere grosse Themen, mit denen sich Familien heute beschäftigen. Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi versucht Antworten zu finden. Lässt Eltern, Lehrpersonen und Fachleute zu Wort kommen. Informiert, analysiert, ordnet ein. Zum Übertritt Ihres Kindes in die Primarschule schenken wir Ihnen das vorliegende Sonderheft und ein Jahresabonnement des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi. Wir wünschen Ihnen, liebe Eltern, dass sich Ihr Kind wohl fühlt. Und Ihrem Kind wünschen wir viel Spass und dass es gute Freunde findet. Die Gutscheinkarte für das Jahresabonnement finden Sie auf Seite 19.

Herausgeberin des Schweizer Elternmagazins Fritz+Fränzi


Editorial

Liebe Eltern

Bild: ZVG

Im kommenden Schuljahr wird Ihr Kind vom Kindergarten in die Schule übertreten. Damit beginnt für Ihr Kind die Primarschulzeit. Der erste Schultag ist ein besonderer Tag im Leben aller Erstklässler und ihrer Eltern. In vielen Familien wird das Ereignis fotografisch festgehalten und gefeiert. Das ist schön. Doch manche Eltern sehen diesem Tag auch mit Unsicherheit, ja Sorge entgegen: Wird mein Kind diesen Schritt schaffen?

Ruth Fritschi Präsidentin der LCH Stufenkommmission 4bis8, Kindergärtnerin

Es liegt mir am Herzen, zu betonen, dass – ebenso wie im Kindergarten – auch in der Schule das Kind als ganzheitliche Persönlichkeit im Mittelpunkt steht und als solche begleitet und gefördert wird. Natürlich erscheinen neue Fächer im Stundenplan, doch haben die Institution Schule und der Ihnen bekannte Kindergarten einiges gemeinsam: Beide haben die Aufgabe, die Selbst-, Sozial- und Sachkompetenz Ihres Kindes zu fördern.

Nichts ist wichtiger, als dass ein Kind ein gutes Gefühl von sich selber entwickelt. Freuen Sie sich an den Fähigkeiten Ihres Kindes und zeigen Sie ihm Ihre Freude darüber. Vergleichen Sie Ihr Kind nicht mit anderen – Ihr Kind ist und bleibt einzigartig. Seien Sie geduldig, setzen Sie Ihr Kind nicht unnötig unter «Ernst des Lebens wird die Schule genannt, Druck und haben Sie angepasste Erwartungen. Vertrauen Sie Ihrem Kind und der Lehrperson und doch dabei hat einer total verkannt, suchen Sie das Gespräch, wenn Sie Fragen haben. dass du lernst 1000 tolle Sachen,

hast Freunde und wirst viel lachen.» Sarah Ewald

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi thematisiert diese wichtigen Aspekte in diesem Sonderheft. Ich empfehle Ihnen die Ausgabe als Präsidentin der LCH Stufenkommission 4bis8 und als erfahrene Praktikerin in der Schuleingangsstufe. Ich wünsche Ihnen viel Vertrauen und gute Lektüre!

Liebe Leserin, lieber Leser

Bild: Geri Born

Vor 15 Jahren gründete Dr. Ellen Ringier die Stiftung Elternsein. Ihr Ziel ist es, den Dialog zwischen schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen, Eltern und Lehrern zu fördern und Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken. Zu diesem Zweck hat die Stiftung Elternsein den Ratgeber «Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi» ins Leben gerufen. Das nicht kommerziell ausgerichtete Magazin ist das auflagenstärkste seiner Art und widmet sich 10-mal im Jahr relevanten Erziehungs- und Bildungsthemen. Auf Seite 19 finden Sie einen Gutschein für ein Gratis-Jahresabo!

Nik Niethammer Chefredaktor

Das nun vorliegende Sonderheft zum Übertritt in die Primarschule entstand unter der Leitung meiner Kollegin Evelin Hartmann (zurzeit in Mutterschutz) und in enger Zusammenarbeit mit dem Verband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. Haben Sie viel Spass mit dieser Ausgabe. Ihrem Kind wünsche ich leidenschaftliche Lehrerinnen und Lehrer. Und eine wundervolle Schulzeit. Herzlichst, Ihr Nik Niethammer

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 20163


Inhalt Viele nützliche Informationen finden Sie auch auf fritzundfraenzi.ch und

facebook.com/fritzundfraenzi.

Bild: Stephan Rappo / 13 Photo

Schul-Extra / Frühjahr 2016

Cover Enzo, 6, aus Wabern BE geht gerne zur Schule. «In der ersten Klasse gefällt mir alles, ich finde wirklich nichts blöd.»

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Erziehung & Schule

14 «  Jedes Kind ist anders» Der renommierte Kinderarzt Remo Largo über individuelles Lernen, gute Lehrer und warum viel Üben die Entwicklung eines Kindes nicht beschleunigt. 20 A  benteuer Schule Warum es so wichtig ist, dass Eltern und Lehr­personen ein gutes Team bilden.

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Bilder: Sophie Stieger / 13 Photo , Tanja Dermamels / 13 Photo, Keystone, ZVG

8 D  as fängt ja gut an! Der Psychologe und Lerncoach Fabian Grolimund erklärt, wie Sie Ihr Kind auf den Übertritt in die Primarschule vorbereiten und in ihm die Freude an der Schule entfachen.


14 Herr Largo, wie können Eltern ihrem Kind den Rücken stärken?

36 Warum das freie Spiel auch nach dem ersten Schultag so wichtig ist.

22 Schulweg – Chancen und Risiken Auf dem Schulweg lauern Gefahren. Aber er bietet Kindern auch viele Möglichkeiten, spielerisch zu lernen.

54 Das Strahlen bewahren Der erste Schultag: eine Mutter über grosse Erwartungen, Hausaufgaben und neue Gspänli.

30 «Still sitzen kann ich nicht so gut» Konstantin, Enzo, Roni, Leonie und Alec erzählen von ihrem ersten Schultag. Und wollen gar nicht mehr aufhören, denn sie finden: «Schule ist cool.»

Ernährung & Gesundheit

36 Du darfst spielen! Das freie Spiel bleibt auch nach dem Übertritt in die Primarschule wichtig – zur Erholung und um wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten zu lernen. 38 Kinderfreundschaften Was sollen Eltern tun, wenn sie von den Freunden ihrer Kinder nicht begeistert sind? Gelassen bleiben, raten Fachleute. 46  Und jedem Anfang ... Ursi Steiner erinnert sich an ihren ersten Schultag als Lehrerin. Und verrät ein Geheimnis. 50  Elternabend auf Kinderstühlen Die vierfache Mutter Claudia Landolt über angestrengte Mütter und Väter, Zoff auf dem Pausenplatz und wie man als Eltern die Schule meistert. Eine Polemik.

42 Gut genährt in die Schule Zum Lernen braucht es Energie. Wie ein optimales Znüni aussieht, weiss Ernährungsberaterin Marianne Honegger. 45 Schule und Gesundheit Welcher Schulthek ist der richtige? Braucht mein Kind einen neuen Schreibtisch? Soll ich seinen Biorhythmus umstellen?

42 Wie Eltern kleine Frühstücksmuffel zum Essen motivieren können.

Rubriken 03  Editorial 29  Michèle Binswanger Wie Gemeinschaft ausserhalb der Familie geht, lernen wir unter anderem in der Schule, schreibt Michèle Binswanger in ihrer Kolumne. 40  Jesper Juul Ein siebenjähriger Junge geht nicht gerne zur Schule. Seine besorgte Mutter wendet sich an Jesper Juul. Der dänische Familientherapeut und Buchautor weiss Rat. 58  Abgedruckt «Was hatten wir heute für einen schönen Tag»

Digital & Medial

Service

6  Früher – heute Von der Schiefertafel zum Tablet.

55 7 Fragen und Antworten zum Übertritt in die Primarschule

48 S  chule und neue Medien Was Eltern bei der Medienbildung von der Schule erwarten dürfen – und was nicht.

56 Buchtipps 57 Wussten Sie, dass … 59 Impressum

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Bilder: Keystone, Salvatore Vinci / 13 Photo

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1941 Schrieben Primarschüler vor 70 Jahren noch auf Schiefertafeln, wie im Mühlemattschulhaus in Liestal ...

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Frühjahr 2016  Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra


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2016 ... gehört das Tablet heute zum Alltag der Projektschule des Hofmattschulhauses in Arth SZ, wie bei diesen zwei Schülern einer 5. Klasse.

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Das fängt ja gut an!

Wie Eltern ihren Kindern den Schulstart erleichtern Viele Jungs und Mädchen freuen sich auf den ersten Schultag und kippen dann vor Nervosität fast um. Wie bringen Eltern ihre Kinder gut durch diese aufregenden Tage? Text: Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler Bilder: Roshan Adhihetty / 13 Photo

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rinnern Sie sich noch an Ihren ersten Schultag? Meiner ist mir noch in guter Erinnerung. «Fa­­ bian, zieh dich schon mal an – ich muss noch mit deiner Kindergärtnerin sprechen», sagte meine Mutter mir damals und strich mir übers Haar. Sie wurde zu einem Gespräch in den Kindergarten gebe­ ten. Als die Kindergärtnerin und meine Mutter wieder in den Gang kamen, sass ich in Unterwäsche auf der Bank, sah die beiden gedanken­ verloren an und fragte: «Im Winter, tragen da die Könige die Krone über oder unter der Mütze?» «Sehen Sie, genau so ist er im­­ mer!», rief die Kindergärtnerin, «er ist einfach noch nicht schulreif.» Meine Mutter blieb gelassen und meinte: «Ja, dann geht er noch ein Jahr in den Kindergarten.» So kam für mich, Fabian, der grosse Tag erst ein Jahr später. Der erste Schultag ist für jedes Kind ein grosses Ereignis. Aber nicht nur bei den Kindern löst der Übertritt in die Primarschule einiges aus – auch Ihnen als Eltern werden schon lange vorher viele Gedanken durch den Kopf gehen. Die meisten Eltern schauen dem Übertritt mit gemischten Gefühlen entgegen: Stolz mischt sich mit Wehmut, Hoff­ 8 

nung mit Sorge. Sie können aber einiges tun, damit der erste Schultag so entspannt wie möglich abläuft. Am besten bereiten Sie Ihr Kind und sich selbst gemeinsam auf das Abenteuer Schule vor. Die Kinder­ gärten legen einen sehr guten Grundstein, indem sie den Kindern wichtige Kompetenzen vermitteln und den Schulbeginn thematisieren. Sie als Eltern können die Kindergar­ tenzeit nutzen, um bei Ihrem Kind Neugier und Vorfreude zu wecken: Üben Sie mit Ihrem Kind vorgän­ gig den Schulweg, damit es mög­ lichst von Beginn an alleine zur Schule gehen kann. Gespräche nach der Schule und auf dem Schulweg sind für die Entwicklung von Freundschaften zentral. Besuchen Sie eine Theaterauffüh­ rung, ein Singspiel oder einen anderen öffentlichen Anlass der Schule, damit sich Ihr Kind das Schulhaus anschauen kann. M  achen Sie es neugierig auf die Schule, indem Sie von spannen­ den, witzigen und schönen Erleb­ nissen Ihrer eigenen Schulzeit erzählen. L  assen Sie ab und zu einfliessen, was Ihr Kind in der Schule lernen wird und wie nützlich dies sein wird («Bald kannst du die Ge­­ schichten selbst lesen!»).

L  esen Sie ihm Geschichten vor, die sich in der Schule abspielen oder den Schulanfang thematisieren. Die Vorfreude wächst weiter, wenn Sie mit Ihrem Kind die Schulsachen kaufen. Sie werden von der Schule vorgängig informiert, welches Mate­ rial Ihr Kind benötigt. Nehmen Sie sich einen Tag Zeit und lassen Sie den Einkauf zu etwas Besonderem werden. Die Schule beginnt: So können Sie Ihr Kind beim Lernen begleiten

Die meisten Kinder gehen in der ersten Zeit begeistert in die Schule und interessieren sich für ihre Haus­ aufgaben. Wie lange Kinder dieses Interesse aufrechterhalten können, hängt auch von ihren Eltern ab. Je mehr es Ihnen gelingt, sich auf Ihr Kind einzulassen, Interesse an der Schule zu zeigen und es bei den Hausaufgaben sinnvoll zu unterstüt­ zen, desto eher wird die Schule zu einer schönen Erfahrung für die ganze Familie. Sich auf das eigene Kind einzu­ lassen kann auch bedeuten, gängi­ gen Ratschlägen nicht zu viel Beach­ tung zu schenken. So wird in vielen Ratgebern und Tipplisten für den Schulanfang darauf hingewiesen, dass die Kinder unbedingt einen ruhigen Ort und einen eige­ >>>

Der Besuch des Pausenplatzes kann die Vorfreude auf die Schule steigern.

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Erziehung & Schule

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 20169


>>> nen, ergonomisch sinnvollen Arbeitstisch benötigen, um konzentriert arbeiten zu können. In der Folge wird dem Kind ein Pult ins Zimmer gestellt, wo es fortan in Ruhe arbeiten soll. Nur: Viele Kinder sind in diesem Alter nicht gerne alleine. Abgeschieden und einsam in ihrem Zimmer, fühlen sie sich unwohl und werden zappelig. Die Kinder stehen immer wieder auf und verlassen unter einem Vorwand das Zimmer – beispielsweise um eine Frage zu stellen –, worauf die Eltern ärgerlich werden. Sie können also darauf achten, wo sich Ihr Kind wohlfühlt. Vielleicht will es die Hausaufgaben alleine im Zimmer erledigen. Vielleicht möchte es aber lieber in der Küche oder im Wohnzimmer arbeiten, während Sie Ihre E-Mails beantworten oder die Spülmaschine einräumen. Lassen Sie dies zu. Kinder freuen sich über eine wohlige Atmosphäre beim Lernen. Ein positives Klima entsteht, wenn die Eltern einfach da sind, ohne ständig danebenzusitzen oder ihre Hilfe aufzudrängen. Bringen Sie Ihrem Kind etwas zu knabbern, berühren Sie es beim Vorbeigehen kurz an der Schulter, lächeln Sie es an und stellen Sie ab und zu eine interessierte Frage zum Stoff, während Sie einer eigenen Tätigkeit nachgehen. Die Hausaufgaben werden in der Schule kontrolliert und die Lehrperson benötigt eine Rückmeldung darüber, wie gut das Kind den Stoff verstanden hat. Es ist daher sinnvoll, sich mit Korrekturen zurückzuhalten. Viele Kinder reagieren sehr empfindlich, wenn die Eltern auf Fehlersuche gehen oder mit Erklärungen aufwarten, die sich nicht mit denen der Lehrperson decken. Bald entzünden sich Konflikte, die sich gravierender auswirken als ein paar Fehler, weil sie die Lernmotivation des Kindes zunehmend schädigen. Falls Ihr Kind eine Aufgabe nicht verstanden hat, ist es 10 

daher oft sinnvoller, der Lehrperson eine Notiz im Hausaufgabenheft zu hinterlassen. Es ist wichtig, dass das Kind auch in Sachen Hausaufgaben seine eigenen Erfahrungen macht. Zu guter Letzt ist es hilfreich, wenn Sie Ihrem Kind signalisieren, dass die Hausaufgaben Teil der Erwachsenenwelt sind, und es in dieser schönen Welt willkommen heissen. Vermeiden Sie Aussagen wie: «Das musst du halt einfach machen!» – laden Sie es lieber dazu ein. Vielleicht mit einer Aussage wie: «Hey Grosser, hast du auch noch Arbeit zu erledigen? Ich möchte noch meine Mails machen. Wollen wir gleich loslegen?» Mit einem guten Start ist viel gewonnen. Falls sich im Verlauf der Schulzeit Schwierigkeiten einstellen, ist es wichtig, dass Sie sich Hilfe holen, bevor heftige Konflikte oder immer länger werdende Hausaufgabenmarathons die Beziehung zu Ihrem Kind und dessen Lernmotivation untergraben. Wir haben zu diesem Zweck einen kostenlosen Online-Kurs für Eltern entwickelt und gemeinsam mit dem Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi eine Videoserie erstellt (siehe Box unten). Überprüfen Sie Ihre Einstellung zur Schule

Wenn Kinder in eine neue Situation kommen, suchen sie nach Orientierung. Die Aussagen, die die Eltern über die Schule treffen, beeinflussen die Wahrnehmung und die Erwartungen des Kindes. Vielleicht haben Sie Lust auf ein kleines Experiment: Lesen Sie die folgenden Aussagen durch und hören Sie in sich hinein. Was klingt in Ihnen an, wenn Sie die folgenden Aussagen und Fragen lesen? M  it der Schule beginnt der Ernst des Lebens. I n der Schule dürfen die Kinder heute gar nicht mehr Kind sein. I n der Schule werden Kinder in ein Schema gepresst und verlieren ihre Individualität.

Kann ein Kind in einem System erfolgreich sein, das seine Eltern verachten?

Z  uerst lernen wir sprechen und gehen – dann stillsitzen und den Mund halten. Das ist die traurige Wahrheit. I ch war auch immer schlecht in Mathe/Deutsch. F  indet mein Kind wohl seinen Platz? W  ird die Lehrerin genügend auf mein Kind eingehen? Heute wird von den Medien und populären Experten aus Erziehung und Bildung manchmal ein sehr negatives Schulbild gezeichnet. Dabei geht unter, dass viele Kinder gerne zur Schule gehen und die meisten Lehrpersonen Menschen sind, die in der Lage sind, eine gute Beziehung zu ihren Schülern aufzubauen. Wer nach Fehlern und Unzulänglichkeiten im Bildungssystem und bei der Lehrperson seiner Kinder sucht, wird viele finden. Die Frage ist: Hilft das dem Kind, sich in der Schule wohlzufühlen? Kann ein Kind in einem System erfolg- >>>

«Mit Kindern lernen» Die Hausaufgaben können für Eltern und Kinder zu einem Problem werden. Der kostenlose Online-Kurs «Mit Kindern lernen» gibt Antworten auf die folgenden Fragen: Wie kann ich mein Kind fürs Lernen motivieren? Wie können wir Konflikte reduzieren? Wie kann ich die Selbständigkeit meines Kindes fördern? Welche Lernstrategien sind für Primar­ schulkinder sinnvoll? Der Kurs besteht aus 12 Lektionen und 7 Kurzfilmen. Eltern können sich jederzeit anmelden auf: www.mit-kindern-lernen.ch

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Erziehung & Schule

Amory konnte es kaum erwarten, endlich zur Schule gehen zu dürfen.

Amory Straub, 7, Zürich «Vor Aufregung habe ich meinen Namen vergessen» «Ich habe mich gefreut auf die Schule – riesig sogar, weil ich da neue Freunde finden würde. Im Kindergarten hatte es oft Streit gegeben, vermutlich, weil wir so eine kleine Klasse waren. Bevor die Schule dann endlich losging, war ich sehr aufgeregt. Wie das so ist als Erstklässlerin, das konnte mir keiner sagen. Meine grosse Schwester Valeria ist schon 17 und geht aufs Gymnasium, die weiss das nicht mehr. Vorbereitet habe ich mich eigentlich nicht. Obwohl, doch: Als mich meine Mutter am ersten Tag zum Unterricht begleitete, flüsterte ich ununterbrochen meinen Namen vor mich hin. Ich wollte nämlich vermeiden, dass noch einmal passiert, was damals am ersten Morgen im Kindergarten geschehen war: Da hatte ich vor lauter Aufregung meinen Namen vergessen! Auf dem Weg in die Schule schaue ich manchmal beim Kindergarten vorbei und werfe einen Blick durchs

Fenster. Ich vermisse den Kindergarten schon ein bisschen. Da hatten wir so viel Zeit zum Basteln und Singen, das macht mir mehr Spass als Rechnen und Schreiben. Was mir an der Schule am besten gefällt, sind die anderen Kinder. Und mein eigenes Pult. Ich hatte gar nicht gewusst, dass jedes Kind so eines bekommt. Auch das Schwimmen macht Spass, ich finde es super, dass mein grösstes Hobby jetzt ein Schulfach ist. Dann ist da noch Florence, sie ist eine Fünftklässlerin und wurde mir von der Schule als Gotte zugeteilt. Sie ist super! Als ich Streit mit einem Buben hatte, ist sie mir sofort zu Hilfe gekommen. Kinder, die neu in die Schule kommen, müssen davor keine Angst haben. Sie sollten sich bloss ihren Namen gut merken!»

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in eine Schule kommen, in der ein

angenehmes Klima herrscht,

die Möglichkeit geniessen, jeden

Tag an einen Ort zu kommen, wo es Freundschaften knüpfen und mit anderen Kindern zusammen sein kann, selbst wenn es mitunter zu Konflikten kommen kann. Wir wollen durchaus keine Schönfärberei betreiben, doch uns beeindrucken die vielen engagierten Lehrpersonen, die sich Tag für Tag neu auf die Kinder einlassen und die Kinder auch in schwierigen Phasen gut begleiten. Es ist so vieles möglich, wenn Eltern und Schule kon­ struktiv zusammenarbeiten und ein Team bilden. Wenn Sie davon ausgehen, dass die zukünftige Lehrperson das Beste für Ihr Kind will und Schule ein positiver Ort sein kann, wird die Schulzeit entspannter, schöner, bunter – für Sie, Ihr Kind und die Lehrpersonen. >>>

>>> reich sein, das seine Eltern verachten? Kann sich ein Kind auf eine Lehrperson einlassen, die die Eltern als inkompetent abstempeln? Sie können Ihrem Kind helfen, indem Sie seinen Schul-Rucksack für ein Abenteuer rüsten, anstatt ihn mit Sorgen und Befürchtungen vollzupacken. Denn vielleicht wird Ihr Kind: z u einer wunderbaren Lehrerin kommen, die es sehr gern haben wird und bei Schwierigkeiten ermutigt und stärkt, sich für den Stoff interessieren und gerne lernen, stolz sein auf seine ersten Schritte in der Welt der Grossen, dort seine Stärken haben, wo Sie Ihre Schwächen hatten, mit einer «schwierigen» Lehrperson viel besser zurechtkommen, als Sie sich momentan vorstellen können,

Fabian Grolimund

ist Psychologe und Autor («Mit Kindern lernen») und schreibt regelmässig für Fritz+Fränzi. Er ist Vater zweier Kinder.

Stefanie Rietzler

konnte es kaum erwarten, endlich in die 1. Klasse zu kommen, und beneidete ihren älteren Bruder um seine Hausaufgaben.

Kurzfilme mit Hase, Biber und Co. Möchten Sie gerne wissen, wie Sie Ihr Kind für das Lernen und die Hausaufgaben motivieren können? Oder ist es Ihnen ein Anliegen, das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken? Möchten Sie als Lehrperson wissen, wie Klassen zusammenwachsen können? Zu diesen Lern- und Erziehungsthemen produziert das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi gemeinsam mit dem

Mit Kindern lernen In der Videoserie «Mit Kindern lernen» erfahren Eltern, wie man Kinder bei den Hausaufgaben unterstützt und sie zum Lernen motiviert.

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Team der Akademie für Lerncoaching Kurzfilme. Gemeinsam mit einem kleinen Hasen und einem Biber erläutert das Psychologenteam um Fabian Grolimund, wie Eltern und Lehrpersonen Kinder unterstützen können. Sie finden die bereits veröffentlichten Staffeln auf der Webseite von Fritz+Fränzi unter der Rubrik «Eltern-Info»: www.fritzundfraenzi.ch.

Was Kinder stark macht In der Serie «Was Kinder stark macht» erfahren Eltern und Lehrpersonen, wie sich das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl von Kindern stärken lässt.

Schulfrust? Schullust! In der neuen Serie «Schulfrust? Schullust!» erfahren Lehrer/innen, wie sie mit der Klasse daran arbeiten können, dass alle – Kinder und Lehr­ personen – gerne zur Schule kommen.

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Erziehung & Schule

Karín Straub-Hernández, 36, Lehrerin, Zürich «Wenn Amory Schulaufgaben macht, halte ich mich im Hintergrund» «Amory konnte es kaum erwarten, in die Schule zu gehen. Als der grosse Tag näher rückte, haben wir gemeinsam ihren Schulsack ausgesucht. Aller Vorfreude zum Trotz spürten wir, dass unsere Tochter nervös war. Mein Mann und ich wollten keine zusätzliche Aufregung schüren – und haben deshalb bewusst keine bestimmten Vorbereitungen getroffen. Wir wollten es auf uns zukommen lassen. In den Sommerferien war das Thema Schulbeginn dann dauerpräsent. Wir haben am Familientisch darum hin und wieder das Gesprächsthema gewechselt, damit Amory auf andere Gedanken kommt. In den ersten Schulwochen war unsere Tochter regelrecht euphorisch: Alles war toll. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie auch durchblicken liess, dass es nicht immer nur rundläuft. Ich möchte, dass meine Tochter weiss, dass das ganz normal ist und zum Leben dazugehört. Also haben wir eine Art Ritual eingeführt: Amory berichtet mir jeden Tag, was in der

Schule gut gelaufen ist – dann sprudelt es nur so aus ihr heraus –, sie darf mir aber auch sagen, was ihr nicht so gut gefallen hat. Wenn Amory Schulaufgaben macht, halte ich mich im Hintergrund. Dass ich da bin, scheint mir aber schon nötig zu sein, damit die Sache auch erledigt wird. Morgens begleite ich Amory ein Stück weit zur Schule, nur gerade so weit, bis wir an der grossen Baustelle vorbei sind, die zurzeit im Quartier ist. Ich möchte meine Tochter unterstützen, wo es nötig ist, sie aber auch eigene Erfahrungen machen lassen. Manchmal bedeutet das für die Eltern, sich zurückzunehmen. So mische ich mich nicht ein, wenn es in der Schule Streit gibt. Ich weiss, dass Kinder manchmal ganz schön garstig zueinander sein können, und manchmal kommt dabei auch das eigene unter die Räder. Ich habe dann ein offenes Ohr und spende Trost – und bin gleichzeitig überzeugt davon, dass die Kinder den Rest untereinander ausmachen sollten.»

Lesen kann man überall, weil man es überall tun kann: Karín Straub mit ihrer Erstklässlerin, Tochter Amory.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201613


Interview

Der vielfach preisgekrönte Autor Remo Largo im grossen Interview.

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Erziehung & Schule

«Eltern sollten ihren Kindern immer den Rücken stärken»

Kinder kommen hierzulande mit sechs Jahren in die Primarschule. Auf demselben Entwicklungsstand sind sie deshalb aber nicht, sagt der renommierte Schweizer Kinderarzt und Buchautor Remo Largo. Ein Gespräch über individuelles Lernen, überforderte Kinder und den um sich greifenden Förderwahn. Interview: Evelin Hartmann Bilder: Tanja Demarmels / 13 Photo

Herr Largo, Kinder treten hierzulande in der Regel mit sechs Jahren vom Kindergarten in die Schule ein. Ein Meilenstein für die ganze Familie.

Das erlebe ich genauso. Für Eltern und Kinder fängt mit dem Schulein­ tritt der Ernst des Lebens an. Die Eltern sind gespannt, wie sich ihr Kind in der Schule behaupten wird. Die Kinder freuen sich, endlich in die Schule gehen zu dürfen. Sie wol­ len lesen und rechnen lernen. Sie strahlen die Lehrerin an, obwohl sie diese überhaupt noch nicht kennen. Sie wollen von ihr angenommen und beim Lernen unterstützt werden. In Ihren Büchern betonen Sie immer wieder die extremen Unterschiede in der Entwicklung der Kinder, bereits in den ersten Lebensjahren, aber auch im Schulalter. Sie sprechen dabei von einer interindividuellen Variabilität.

Wenn eine Lehrerin eine erste Pri­ marklasse mit 20 sechsjährigen Kin­ dern vor sich hat, unterscheiden sich die Kinder in ihrem Entwicklungs­ alter um mindestens drei Jahre. So steht beispielsweise ein Bub, nennen wir ihn Marcel, auf dem Entwick­ lungsstand eines Siebeneinhalbjäh­ rigen und kann bereits lesen, wäh­ rend die gleichaltrige Laura mit ihrem Entwicklungsalter von vier­ einhalb Jahren noch weit davon ent­ fernt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Kinder auch in ihrem chronologischen Alter bis zu einem Jahr unterscheiden können.

Das heisst, das älteste Kind der Klasse hat Ende August Geburtstag, also zu Beginn des Schuljahrs, das jüngste im darauffolgenden Juni – am Ende des Schuljahrs. Gleichen sich Marcel und Laura im Laufe der Schulzeit einander nicht an?

Im Gegenteil. Bis zur Oberstufe neh­ men die Unterschiede noch einmal deutlich zu. Mit 13 Jahren variiert das Entwicklungsalter von 10 bis 16 Jahren zwischen den am weitesten

«Jedes Kind und übrigens auch jeder Erwachsene hat sein ihm eigenes Begabungsprofil.»

eigenes Begabungsprofil hat. So kann ein Erstklässler bereits gut lesen, rechnen kann er aber noch kaum. Für die Eltern und vor allem für die Lehrer bedeutet dies, dass sie sich auf jedes Kind je nach Kompetenz und Lernsituation individuell ein­ stellen müssen. Was im Schulgesetz des Kantons Zürich ausdrücklich verlangt wird. Das ist, zusammen mit den zahlreichen Unterschieden zwi­ schen den Kindern, eine grosse päd­ agogische Herausforderung. Wie kann eine Lehrerperson dem gerecht werden?

entwickelten Kindern einer Klasse und jenen, die sich am langsamsten entwickeln.

Nicht indem sie sich am Lehrplan und damit am Durchschnitt einer Klasse orientiert und dabei hofft, dass sie Laura auf das Niveau der Sechsjährigen hieven kann, ohne dabei Marcel zu langweilen – so, wie es leider noch viel zu häufig prakti­ ziert wird. Das kann aus entwick­ lungsbiologischen Gründen nicht funktionieren.

Das rührt von der Vielfalt im Kind selbst her, der sogenannten intra­ individuellen Variabilität. Diese Viel­ falt führt dazu, dass jedes Kind, aber auch jeder Erwachsene sein ihm

Der Durchschnitt, sagen wir etwa zwei Drittel der Schüler, kommt im Unterricht gut mit, ist motiviert, kann die Anforderungen erfüllen und hat Erfolg beim Lernen. Ein Sechstel ist gelangweilt und fühlt sich unterfordert. Vielleicht passen sich diese Kinder an und verhalten sich ruhig, vielleicht sind sie aber auch frustriert und werden verhaltensauf­ fällig. Und dann gibt es noch >>>

Eltern wundern sich auch immer wieder, wie unterschiedlich Begabungen nicht nur unter Geschwistern, sondern selbst bei ein und demselben Kind ausgeprägt sein können. So ist die kleine Anna schon sehr gut im Lesen, aber noch schwach im Rechnen. Wie lässt sich das erklären?

Was sind die Folgen einer solchen «Gleichmacherei»?

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201615


Erziehung & Schule

>>> ein letztes Sechstel, das vom Unterrichtsstoff überfordert wird. Bei ihm bleibt der Lernerfolg aus, was sich negativ auf die Lernmotivation und das Selbstwertgefühl auswirkt. Ob Unter- oder Überforderungen, die Kinder verlieren die Freude an der Schule. Was bis hin zu einer Lernverweigerung führen kann?

Im schlechtesten Fall: ja.

Wie können Lehrerinnen und Lehrer es besser machen?

Indem sie jedem Kind die Aufgaben geben, die es aufgrund seines Entwicklungsstandes auch lösen kann. Grundsätzlich gilt: Jedes Kind will sich entwickeln – und somit lernen. Aber auf seine Weise und in seinem Tempo. Die Lernmotivation bleibt dann erhalten und das Selbstwertgefühl wird gestärkt, wenn schulische Anforderungen und Fähigkeiten des Kindes so weit übereinstimmen, dass das Kind in seinen Lernbemühungen zumeist erfolgreich ist. Die pädagogische Herausforderung für Lehrer besteht darin, jenes Niveau an Anforderungen herauszufinden, auf dem das Kind «anbeisst». Keine leichte Aufgabe bei 20 und mehr Schülern in einer Klasse ...

Finden Sie? Lehrer haben mir immer bestätigt, dass diese Form des individuellen Lernens nicht nur den

«40 Prozent der Fertigkeiten und des Wissens eignen sich Kinder von Mitschülern an.» Kindern, sondern auch ihnen selbst das Leben leichter macht: Die Kinder sind motivierter, aufmerksamer und arbeiten letztendlich besser mit. Ein individualisierter Unterricht gibt dem Lehrer eine Bestätigung, da er das Kind besser erfassen und begleiten kann – eine grosse Befriedigung. 16 

Ich kenne Primarschulen in Deutschland, in denen die Klassenverbände aufgelöst wurden und die Schüler nur noch in Jahrgängen zusammengefasst unterrichtet werden. Jedes Kind arbeitet allein oder zu zweit an seinen Aufgaben. Neue Lerninhalte vermittelt die Lehrerin in Kleingruppen.

Solche Positivbeispiele gibt es auch hier, an privaten wie an öffentlichen Schulen. Es hat sich auch gezeigt, dass etwa 40 Prozent der Fertigkeiten und des Wissens, die sich die Kinder aneignen, nicht von der Lehrerin stammen, sondern von den Mitschülern, meist den älteren, was sich wieder positiv auf die Sozialentwicklung aller Schüler auswirkt. Dabei berichten viele Lehrer, dass es nicht selten die Eltern sind, die ein rasches Vorankommen im Lehrplan fordern.

Leider. Dahinter steckt ein hoher gesellschaftlicher Druck. Die Angst, dass wir möglicherweise den Gipfel des Wohlstands erreicht haben, greift immer mehr um sich. Nachdem es jahrzehntelang wirtschaftlich immer aufwärtsgegangen ist, könnte es nun abwärtsgehen. Die Eltern wollen mit allen Mitteln der Förderung sicherstellen, dass ihren Kindern der sozia­ le Status erhalten bleibt. Diese existenzielle Angst übertragen die Eltern als Druck auf die Kinder: Je erfolgreicher die Schulkarriere ist, desto besser stehen die Chancen für mein Kind. Daher boomen Frühförderkurse für Babys sowie Kleinkinder, aber auch Nachhilfelehrer sind sehr gut im Geschäft.

Was den Kindern überhaupt nichts bringt. Kinder wollen selbstbestimmt Erfahrungen machen, die ihrem Entwicklungsstand entsprechen. Es gibt Eltern, die ihrem zweijährigen Kind jeden Tag Tafeln mit Buchstaben vor das Gesicht halten in der Hoffnung, es würde früher lesen. Dieser Förderwahn hat nichts mit dem Kind und seinem Lernverhalten zu tun. Im Gegenteil, er kann dazu führen, dass beim Kind Lern-

motivation und Selbstwertgefühl abnehmen und damit seine Entwicklung beeinträchtigt wird. Somit bringt es auch nichts, sich vor dem ersten Schultag mit seinem Kind schon mal Buchstaben und Zahlen anzuschauen?

Wenn das Kind spontan noch kein Interesse dafür zeigt, werden die Eltern es nur unnötig verunsichern.

«Vermehrtes Üben beschleunigt die Entwicklung des Kindes kaum.» Mir ist keine Studie bekannt, die überzeugend zeigen würde, dass vermehrtes Üben die Entwicklung eines Kindes beschleunigen kann. Und wenn das Interesse vom Kind ausgeht?

Dann sollen die Eltern das Kind unterstützen. Es gibt drei- bis vierjährige Kinder, die sich das Lesen praktisch selber beibringen. Das Lernbedürfnis eines Kindes abzuwürgen, ist genauso falsch, wie ein schwächeres Kind zu überfordern. Wenn Pushen nichts bringt: Wie können sich Eltern besser verhalten?

Eltern müssen selbst mit ihren Ängsten und Erwartungen umgehen lernen, indem sie diese hinterfragen. Sie dürfen sich auf etwas verlassen: Ihr Kind will sich entwickeln. Ich kenne kein Kind, behinderte Kinder eingeschlossen, das nicht neugierig ist und lernen will. Die Frage an uns ist vielmehr, ob wir als Eltern und Lehrer das Tempo in seiner Entwicklung akzeptieren oder nicht. Eine ganz wichtige Aufgabe der Eltern ist es, ihrem Kind immer den Rücken zu stärken, gerade dann, wenn es in der Schule nicht gut läuft: «Wir sind überzeugt, du kannst lernen, und wir finden, du gibst dir grosse Mühe.» Kritik oder gar Strafen sind Gift für das Kind. Es wird verunsi- >>> Frühjahr 2016  Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra


Interview

Der Kinderarzt Remo Largo hadert mit dem Schweizer Bildungssystem.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201617


Interview

Remo Largo im Gespräch mit Fritz+Fränzi-Redaktorin Evelin Hartmann.

Bild: Nik Niethammer

Und wenn ein Kind in der Schule unterfordert scheint?

Ebenso wie bei einer Überforderung können die Eltern dies in einem Gespräch mit der Lehrerin, dem Lehrer thematisieren. Inwiefern diese oder dieser darauf eingeht, hängt von der Lehrkraft selbst ab. Eltern können aber auch selbst dafür sorgen, dass sich ihr Kind mehr gefordert fühlt. In Bezug aufs Lesen ist das beispielsweise sehr einfach: Man nimmt das Kind in eine Bibliothek mit, schaut gemeinsam das Angebot an und lässt das Kind wählen, welches Buch es nach Hause nehmen möchte. Was ist der wichtigste Beitrag, den Eltern und Lehrer an die Entwicklung eines Kindes leisten können?

Eine gute Beziehung, geprägt durch Kontinuität, Verlässlichkeit und Vertrauen, ist die Grundvoraussetzung 18 

dafür, dass ein Kind überhaupt lernen kann. Und die Gewissheit zu vermitteln: «Wir trauen dir etwas zu, du kannst lernen und du kannst etwas bewirken.» Ein festes Gefühl von Selbstwert und Selbstwirksamkeit entstehen zu lassen, ist genauso wichtig wie das Vermitteln von Fertigkeiten und Wissen. Nur so werden die Kinder zu jungen Erwachsenen, die an sich glauben und überzeugt sind, dass sie in dieser Welt bestehen werden.

Buchtipps Remo H. Largo, Martin Beglinger: Schülerjahre. Wie Kinder besser lernen. Piper Verlag, 2009, 3. Auflage, 336 Seiten, ab Fr. 14.30 Remo H. Largo: Lernen geht anders. Bildung und Erziehung vom Kind her denken. Piper Verlag, 2012, 190 Seiten, ab Fr. 12.90

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>>> chert und fühlt sich alleingelassen, schlimmstenfalls abgelehnt.

Remo H. Largo

Professor, leitete 30 Jahre die Abteilung Wachstum und Entwicklung am Zürcher Kinderspital. Seine Werke wie «Babyjahre», «Kinderjahre» und «Schülerjahre» sind Standardwerke und Longseller. Er lebt in Uetliburg oberhalb von Uznach, hat drei Töchter und vier Enkelkinder.

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Ein wichtiges Team – Eltern und Lehrpersonen Ein regelmässiger Austausch zwischen Eltern, Lehrerinnen und Lehrern schafft Vertrautheit. Warum das so ist und wie dieser gestaltet werden kann, lesen Sie in diesem Auszug aus dem Pro Juventute Elternbrief «Abenteuer Schulanfang».

E

ine vertrauensvolle Zu­­ sammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule ist enorm wichtig. Tatsa­ che ist jedoch, dass Eltern und Lehrperson sich nicht aussuchen können. Daher ist es nicht selbstverständlich, dass man sich auf Anhieb sympathisch ist und die Ansichten des anderen teilt. Wichtig ist, dass Ihr Kind gerne in die Schule geht und eine gute Bezie­ hung zu seinem Lehrer oder seiner Lehrerin aufbauen kann. Gegensei­ tige Toleranz und Akzeptanz ist daher von Bedeutung. Ganz beson­ ders auch dann, wenn der Lehrer oder die Lehrerin zum grossen «Alleswisser» avanciert und nur noch er oder sie recht zu haben scheint! Nehmen Sie das nicht per­ sönlich, Kinder suchen sich neben den Eltern auch andere Erwachsene als Vorbilder. Sollten Sie mit der Lehrperson Ihres Kindes oder gewissen Abläu­ fen in der Schule uneins sein, so machen Sie Ihrem Ärger nicht vor Ihrem Kind Luft. Bringen Sie Ihre Kritik am besten persönlich an. Wenn das nicht hilft, können Sie sich an die Schulleitung, in zweiter Instanz an die Schulpflege oder den örtlichen Elternverein wenden. Von Zeit zu Zeit werden Sie von der Lehrerin, dem Lehrer zu einem Elternabend eingeladen. Dort erfah­ ren Sie mehr über Lehrmethoden, haben Gelegenheit, Fragen zu stel­ 20 

len, Anregungen für den Unterricht zu geben oder auch einmal ein ver­ dientes Lob auszusprechen. Sie ler­ nen auch die Standpunkte anderer Eltern kennen und erhalten Tipps, zum Beispiel wie Sie Ihrem Kind zu Hause bei den Hausaufgaben helfen können. Ebenfalls wichtig sind Einzelge­ spräche, bei denen Sie etwas über die Leistungsfähigkeit und das Ver­ halten Ihres Kindes in der Schule erfahren. Und das nicht nur bei auf­ tretenden Problemen, sondern auch dann, wenn alles rundläuft! Auch ein vom Kind getrennt lebender Elternteil hat Anrecht auf Informa­ tion. Sollte das nicht funktionieren, so besprechen Sie das als Mutter und Vater und informieren Sie die Lehr­ person über Ihr Bedürfnis. Sollte Ihr Kind im Alltag hauptsächlich von Grosseltern oder anderen Bezugs­ personen betreut werden (wie einem Au­-pair), so empfiehlt es sich, diese ebenfalls an einem Einzelgespräch teilnehmen zu lassen. Ein regelmässiger Austausch schafft Vertrautheit und Sicherheit. Wie viele Begegnungen es dafür braucht, müssen Sie sorgfältig abwä­ gen, denn es gilt, auch die eigene neue Welt Ihres Kindes zu respek­ tieren. Elternmitwirkung

Die Schule macht ständig in allen Kantonen einen grossen Wandel

durch. Daher informieren Sie sich am besten vor Ort, wie das Schulsys­ tem und die Möglichkeiten für Elternmitwirkung in Ihrer Gemein­ de aussehen. In verschiedenen Städten und Dörfern gibt es Elternräte, die eng mit der Schuleinheit zusammen­ arbeiten, oder Elternvereine, welche die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern unterstützen und fördern. Existiert bei Ihnen kein sol­ cher Zusammenschluss, so schlies­ sen Sie sich doch mit anderen enga­ gierten Eltern zu einer Elterngruppe zusammen. Konkrete Hilfestellung dafür und allgemeine Informatio­ nen zur Elternmitwirkung und Elternbildung erhalten Sie beim Schweizerischen Bund für Elternbil­ dung (SBE), bei der «Fachstelle Elternmitwirkung» und bei der grössten Elternorganisation «Schule und Elternhaus Schweiz» (S&E).

Lesetipp Pro Juventute Elternbrief «Abenteuer Schulanfang». Elternbrief Nr. 35 aus dem Set «Pro Juventute Elternbriefe 4.–6. Lebensjahr», Fr. 12.–, zu bestellen auf www.projuventute.ch/shop oder unter Tel. 044 256 77 33.

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Erziehung & Schule

Das Warten auf den ersten Schultag fällt Kindern schwer – aber mit einem Strauss aus zehn Luftballonen ist es vielleicht etwas einfacher. Und so gehts: Ballone aufblasen, die Luft wieder herauslassen und in jeden Ballon einen kleinen Gegenstand wie Radiergummi, Haarspange, Süssigkeiten, Glücksbringer usw. geben. Die Ballone wieder aufblasen, zubinden und als Strauss an einem Zweig oder Stab festschnüren, mit einem wasserfesten Stift bemalen oder beschriften. Neun Tage vor Schulbeginn darf das Kind den ersten Ballon platzen lassen, und dann jeden Tag einen. Der Ballon mit der grössten Überraschung ist für den ersten Schultag gedacht.

Illustration: Claudia de Weck

Quelle: Pro Juventute Elternbrief «Abenteuer Schulanfang», siehe Lesetipp auf Seite 20.

Der erste Schultag Der erste Schultag ist ein grosses Ereignis im Leben eines Kindes. Wie können seine Eltern es bei diesem Schritt optimal begleiten? Fünf Praxistipps. Die meisten Kinder stehen am ersten Schultag unter einer inneren Spannung. Die einen sind ganz zappelig vor lauter Freude, die anderen ganz still. Begleiten Sie Ihr Kind am ersten Schultag und zeigen Sie Verständnis für seine Gefühle. Treten Sie den ersten Schultag in aller Ruhe, mit viel Vorfreude und gut vorbereitet an:  ielleicht kochen Sie am Vortag das Lieblingsgericht V Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes? Vor dem Schlafengehen suchen Sie gemeinsam die Kleider für den ersten Schultag aus und stellen den neuen Schulthek bereit. Können Sie sich noch an Ihren Schulbeginn erinnern? Ihr Kind erfährt bestimmt gerne, wie es Ihnen damals erging. Vielleicht besitzen Sie noch ein Foto von sich als Erstklässler?

 ehmen Sie sich am Morgen ausreichend Zeit fürs N Aufstehen, Anziehen und vor allem fürs Frühstücken. Schulkinder brauchen einen energiespendenden und gesunden «Zmorge», um sich in der Schule konzentrieren zu können. Das gilt nicht nur für den ersten Schultag, sondern auch für jeden weiteren. Bringt Ihr Kind morgens wirklich keinen Bissen herunter, so trinkt es vielleicht wenigstens eine Ovomaltine oder ein Glas Milch und nimmt einen grossen Znüni mit in die Schule. Feiern Sie als Familie diesen besonderen Tag Ihres Kindes: Halten Sie den Beginn des neuen Lebensabschnittes in Bildern fest, krönen Sie den ersten Schultag mit einem leckeren Dessert, überraschen Sie Ihr Kind zu Hause mit einer Schultüte …

Quelle: Pro Juventute Elternbrief «Abenteuer Schulanfang», siehe Lesetipp auf Seite 20.

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Schulweg

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Erziehung & Schule

Auf eigenen Füssen Der Schulweg ist seit jeher ein Streitthema zwischen Eltern, Pädagogen und Verkehrsforschern. Denn besonders im Strassenverkehr lauern Gefahren. Kein Wunder, dass viele Eltern ihre Kinder ihn nicht alleine gehen lassen wollen. Dabei bietet er viele Chancen für Kinder, spielerisch zu lernen. Text: Stefan Michel Bilder: Sophie Stieger / 13 Photo Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201623


Erziehung & Schule

Yanniks Schulweg hat so einige Tücken.

Y

annik winkt seiner Mutter noch einmal zu, bevor er die Strasse hinuntergeht, die in den historischen Dorfkern von Wangen bei Brüttisellen ZH führt. Fünf Strassen kreuzen sich hier. Es herrscht reger Verkehr. Wangen ist ein beliebter Schleichweg, um den Stau um das Brüttiseller Kreuz zu umfahren. Der 6-Jährige wartet lange, bis sich eine Lücke auftut und er die Strassenseite wechseln kann. Eigentlich wäre Yanniks Schulweg so, wie man ihn sich wünscht: mitten durchs Dorf, vorbei an Fachwerkhäusern und gepflegten Gärten. Doch der Durchgangsver-

kehr verwandelt den idyllischen Spaziergang in eine tägliche Lektion Verkehrskunde. Trotzdem lässt ihn seine Mutter alleine gehen, obwohl ihr nicht ganz wohl ist dabei. «Yannik ist ein sehr vernünftiges Kind. Seinen kleinen Bruder werde ich wohl länger begleiten müssen», meint sie vorausschauend. Für viele Kinder ist der Schulweg die einzige Möglichkeit, sich ohne Aufsicht zu bewegen, sich mit ihren Kollegen auszutauschen, Freundschaften zu schliessen oder zu streiten. Er bietet aber auch die Möglichkeit, Abstand vom Schultag zu gewinnen und sich auf zu Hause einzustellen. Aber er verlangt gerade jüngeren Kindern einiges ab. Sie müssen den Weg zur Schule selbständig finden, rechtzeitig dort sein und auf sich aufpassen. Der Schulweg ist viel mehr als die Strecke zwischen Wohn- und Schulhaus, er ist ein Ort des Lernens. Das ist die eine Seite. Die andere erschliesst sich einem beim Blick in die Statistik: Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) werden jedes Jahr rund 400 Kinder auf dem Schulweg Opfer eines Verkehrsunfalls. Durchschnittlich zwei Kinder sterben. Das grösste individuelle Risiko tragen die 5-­bis 9­-Jährigen

als Fuss­gänger und die 10- bis 14­Jährigen als Velo­fahrer. So verwundert es nicht, dass sich Eltern in den Monaten vor der Einschulung die Frage stellen: Wie kommt unser Kind sicher in die Schule und wieder nach Hause? Die grösste Sorge gilt dabei dem Strassenverkehr. Sind viel befahrene Strassen zu überqueren? Gibt es unübersichtliche Kreuzungen? Ist unser Kind vernünftig genug, um sich sicher an den Autos vorbeizubewegen? Und wie rücksichtsvoll und aufmerksam sind wohl die Autofahrer? Dabei hält der Verkehrsexperte Pascal Regli fest, dass Deutschschweizer Schulwege im nationalen Vergleich relativ sicher seien. Regli leitet das Projekt «Sichere Schulwege» bei Fussverkehr Schweiz und kennt die elterlichen Sorgen. «Wie gross die Gefahr und die Bedenken der Eltern sind, spiegelt sich direkt in den sogenannten Elterntaxis wider. In der Romandie und im Tessin ist der Anteil der Kinder, die zur Schule gefahren werden, viel höher als in der Deutschschweiz», erklärt er. So sind es in der Deutschschweiz weniger als 10 Prozent der Kinder, die täglich mit dem Auto zur Schule gebracht und wieder abgeholt werden. Doch ihr Anteil steigt. Elterntaxis sind umstritten

Der Schulweg ist viel mehr als nur eine Wegstrecke, er ist ein Ort des Lernens. 24 

Die Elterntaxis sind das am hitzigsten diskutierte Thema im Zusammenhang mit Schulwegen. Offizielle Stellen wie die Kantonspolizei Zürich raten in der Regel ebenso entschieden vom elterlichen Fahrdienst ab wie Verkehrsorganisationen, beispielsweise der TCS. Denn dass die Frühjahr 2016  Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra


Kinder im Auto sicherer unterwegs sind, ist ein Trugschluss. Einerseits zeigen Statistiken, dass Kinder häufiger im Auto Opfer von Verkehrsunfällen werden als zu Fuss. Darüber hinaus gefährden die vor den Schulen kreuz und quer rangierenden Autos die Kinder, die sich dort bewegen. Verschiedene Schulleitungen appellieren daher an die Eltern, die Fahrdienste zu unterlassen. Die Aargauer Gemeinde Muri hat sogar ein Halteverbot um die Schulhäuser herum erlassen. So richten sich einige Aufklärungskampagnen nicht nur an Eltern und Kinder, sondern vor allem an Autofahrer, wie die TCSKampagne «Rad steht, Kind geht». Denn was viele Autofahrer nicht bedenken: Am Fussgängerstreifen stehende Erwachsene erkennen in der Regel, dass ein Auto bremst, dass

die Distanz gross genug ist, um vor dem heranrollenden Fahrzeug die andere Strassenseite zu erreichen – Kindern fehlen das Auge und die Erfahrung dafür. «Wenn die Autofahrer wissen, dass das Kind erst losgeht, wenn das Auto steht, gibt es keine Missverständnisse», betont Helmut Gierer vom TCS. Schulwege sicherer machen

Wer sich jedoch täglich im Strassenverkehr bewegt, weiss, dass diese Botschaft noch nicht bei allen Verkehrsteilnehmern angekommen ist. Was also tun? Die Kinder mit dem eigenen Auto zur Schule zu fahren, ist eine Reaktion auf die Gefahren. Eine andere wäre, etwas zur Entschärfung zu unternehmen – indem Eltern beispielsweise die Gemeindebehörden auffordern, den Schulweg sicherer zu machen. Das kön- >>>

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201625


Schulweg

«Eltern müssen mit ihren Kindern immer wieder üben» Gewisse Situationen im Strassenverkehr können Kinder im frühen Primarschulalter nicht einschätzen, weil ihre Sinne noch nicht weit genug ausgebildet sind. Wie wichtig es daher ist, den Schulweg immer wieder zu üben, erklärt Barbara Schürch von der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu. Interview: Stefan Michel Frau Schürch, was muss ein Kind leisten, wenn es seinen Schulweg alleine geht? Das Kind muss den Weg finden und sich im Stras­senverkehr richtig verhalten. Und es kommen viele Dinge dazu, die es ablenken, wie etwa der Abschied von zu Hause. Vielleicht hat das Kind auch ein bisschen Angst vor der Schule, oder es freut sich ganz besonders darauf. All das macht den Schulweg noch anspruchsvoller, denn das

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Kind muss sich auf sein Verhalten im Verkehr konzentrieren. Die Wahrnehmung eines sechs- oder siebenjährigen Kindes ist noch nicht voll ausgebildet. Was kann es noch nicht? Kinder im frühen Primarschulalter haben aufgrund ihrer Körpergrösse noch keinen so guten Überblick. Wenn sie nach links und rechts schauen, wie sie es gelernt haben, machen sie das manchmal automatisch, statt bewusst wahrzunehmen und die Verkehrsumwelt gezielt nach Gefahren abzusuchen. Abzuschätzen, wie weit ein Auto entfernt ist, fällt ihnen schwer. Die Distanz in einen Bezug zur Geschwindigkeit zu setzen, also vorauszusagen, wie lange es dauert, bis das Auto vor ihnen steht, ist in diesem Alter sehr anspruchsvoll und oft noch nicht möglich. Ab wann haben sie ein sicheres Wahrnehmungsniveau erreicht? Altersangaben sind heikel, weil sich Kinder unterschiedlich entwickeln. Es gilt, das einzelne Kind zu beobachten und so festzustellen, ab wann es sich zuverlässig und sicher verhält im Strassenverkehr.

Lässt sich die Wahrnehmungsfähigkeit eines Kindes fördern? Ja, sie ist trainierbar. Es gibt spieleri­sche Übungen, die Spass machen. Das alt­be­ kannte «Ich sehe was, was du nicht siehst!» ist eine Möglichkeit, oder ein Hör-Memory, welches das Gehör schult. Wir begrüssen es sehr, wenn Eltern mit ihren Kindern solche Übungen machen. Sie sollten aber nicht erwarten, dass sich die Wahrnehmung der Kinder damit auf einen Schlag verbessert. Das geschieht in kleinen Schritten. Strassenübergänge stehen oft im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn es um Schulwegsicherheit geht. Welche weiteren Situationen können gefährlich sein? Besonders zu beachten sind Strassen ohne Trottoir, unübersichtliche Kurven, Hecken, die die Sicht nehmen, und Ausfahrten von einem Vorplatz. Da geht das Kind korrekt auf dem Trottoir, denkt, es sei sicher, und dann kommt plötzlich trotzdem ein Auto gefahren! Viele Kinder meinen ausserdem, wenn sie ein Auto oder einen Lastwagen sehen, dann sehe dessen Lenker auch sie.

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Erziehung & Schule

Studien belegen, dass Kinder am meisten lernen, wenn sie auf sich gestellt sind.

Yannik übt den neuen Schulweg schon jetzt.

>>> nen bauliche Veränderungen sein oder ein Lotsendienst an besonders heiklen Stellen. Wenn Gemeinde- oder Schulbehörden aktiv werden müssen, dauert es länger, dafür dient die Lösung dann auch den kommenden Jahrgängen. Das Pro­ blem vieler Eltern ist aber, dass sie nicht auf eine Lösung warten können. Ihr Kind muss jetzt zur Schule, es muss heute die gefährliche Strasse überqueren. Wer deshalb also nicht warten will, kann sich privat organisieren, beispielsweise mit einem sogenann-

Eine weitere Herausforderung sind E-Bikes und andere Elektrofahrzeuge, die sich praktisch lautlos fortbewegen. Angenommen, das Kind hat den Kindergartenweg problemlos gemeistert. Nun kommt ein neuer Schulweg. Ist es dafür gerüstet, oder beginnt hier der Lernprozess bei null? In diesem Alter sollten die Eltern mit ihrem Kind jede neue Strecke anschauen und üben. Das gilt auch für den Weg in die Musikstunde oder den Sportunterricht. Wir empfehlen, zuerst gemeinsam zu gehen. Später können sich die Eltern aufs Beobachten beschränken, etwa indem sie mit Abstand hinterhergehen, und schliesslich kann das Kind auch den neuen Schulweg alleine gehen. Was können die Eltern in den Monaten vor dem Schulbeginn tun? Üben, üben, üben. Sie sollten den Schulweg immer wieder mit ihrem Kind gehen. Nachdem die schwierigen Stellen geübt wurden, können Eltern das Kind erklären lassen, wie es sich verhalten soll. So erfahren sie, ob es verstanden hat, worauf es achtgeben muss. Die Eltern müssen ihm

ten Pedibus: Jeweils eine Mutter oder ein Vater begleitet die Kinder mehrerer Familien. Der Kinderzug hat feste Abgangszeiten, sodass die Eltern wissen, wann die Tochter oder der Sohn am vereinbarten Ort sein muss, um sich dem Pedibus anzuschliessen. Einen Nachteil aber haben alle Begleitdienste: Die Kinder lernen nicht, den Verkehr selber zu meistern, denn es ist ja die er­­ wachsene Begleitperson, die schaut, dass nichts passiert. Bezeichnend ist die Aussage einer Erstklässlerin aus Adliswil ZH: «Wenn ich allein >>>

ermöglichen, Erfahrungen zu sammeln. Nur so können Kinder lernen, sich im Strassenverkehr sicher zu bewegen. Auf welche Verhaltensweisen sollten Eltern ihr Kind trainieren? Auf einen Nenner gebracht: Achtsamkeit. Das Kind muss sich auf sein Verhalten im Strassenverkehr konzentrieren. Ablenkung ist gefährlich. Auf dem Trottoir sollte es nicht spielen, weder mit dem Ball noch mit dem Trottinett. Strassenverkehr und Trottoir sind keine Spielplätze. Zudem müssen sich die Eltern selber an die Regeln halten. Ihr Vorbild ist entscheidend für das Verhalten ihres Kindes. Was muss ein Kind beherrschen, damit man es guten Gewissens alleine gehen lassen kann? Wir nennen es «stabiles Verkehrsverhalten». Als Mutter oder Vater muss man sich darauf verlassen können, dass sich das Kind in den Situationen, die es antrifft, richtig verhält. Auf bekannten Wegen ist das einfacher als auf neuen. Letztlich hängt es auch vom Vertrauen in das Kind ab. Die einen muten ihm früh (zu) viel zu, andere sind (zu)

beschützend. Einmal zu viel begleiten ist sicher besser als einmal zu wenig. Das Kind will alleine gehen, den Eltern ist nicht wohl dabei. Was raten Sie? Da sollte man ehrlich mit sich selbst sein: Bin ich zu ängstlich oder ist mein Kind wirklich noch nicht so weit? Überschätzt sich das Kind, dann muss es die Begleitung halt über sich ergehen lassen. Aber natürlich kann die Angst grösser sein, als sie begründet ist.

Barbara Schürch

leitet die Abteilung Bildung der bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung. Sie setzt sich unter anderem für einen guten Verkehrsunterricht an Schulen ein.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201627


Schulweg

Alles gut gegangen: Yannik wird freudig zu Hause erwartet.

>>> gehe, dann passe ich auf. Wenn wir im Pedibus gehen, machen wir Quatsch.» Der Schulweg als Chance

Viele Studien sind zum Schluss gekommen, dass Kinder am meisten lernen, wenn sie auf sich gestellt sind, sei es unterwegs in die Schule oder im freien Spiel. «Bei der eigenständigen Erkundung ihres Wohn- und Schulumfeldes werden Kinder selbständig und unabhängig», wie die Erziehungswissenschaftlerin Maria Limbourg schon vor mehr als zehn Jahren schrieb. Der sechsjährige Yannik hat viel gelernt auf seinem knapp 700 Meter langen neuen Schulweg. In einer Selbstverständlichkeit überquert er viel befahrene Strassen, kennt die sicherere Seite einer Strasse ohne Trottoir. Er orientiert sich mühelos in den Quartiersträsschen und weiss, wo er abbiegen muss. Auch wenn sich unterwegs Kameraden dazugesellen, behält er die flott durchs Dorf rollenden Autos im Auge. Auf diesem Weg wirkt Yannik um Jahre älter als beim Herumtollen mit seinem kleinen Bruder. Kinder, die ausschliesslich im Auto gefahren werden oder unter Aufsicht laufen, verpassen das. Ihnen entgehen Erkenntnisse und Erinnerungen, die sie vielleicht ein Leben lang begleiten. Dem gegenüber steht das Sicherheitsempfinden der Eltern. Denn sie tragen die Verantwortung. Die Entscheidung liegt letztlich bei den Müttern und Vätern, wie viel sie ihrem Kind zu­­ trauen – und wann und wo. >>>

Stefan Michel

ist freier Journalist in Zürich. Er lässt seine Tochter, 5, oft selbständig Erfahrung sammeln, auch im Strassenverkehr. In Wangen bei Brüttisellen hätte selbst er Angst um sein Kind.

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Der Schulweg unserer Kinder ist zu gefährlich – was können wir als Eltern tun? Schliessen Sie sich mit anderen Eltern zusammen. Dokumentieren Sie die Gefahr mit Fotos, Videos und Umfragen. Kontaktieren Sie als Erstes die Schulpflege oder die Schulleitung. Gelangen Sie erst an die Gemeindebehörden, wenn Sie nicht mehr weiterkommen. Schlagen Sie den langwierigen Rechtsweg nur ein, wenn alles andere keine Lösung bringt.

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Kolumne

Die grosse Reise

Michèle Binswanger ist Journalistin, Buchautorin und Mutter zweier Kinder und lebt in Basel. Die studierte Philosophin schreibt regelmässig für das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi.

Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren

U

nd dann ist er plötzlich da, der grosse Tag: Der Thek ist gepackt, das Znünibrot gestrichen, das Kind mit einer Extraportion guter Laune und Zuversicht vorbereitet auf diesen grossen Schritt. Auf dem Weg zur Schule habe ich die vielen kleinen Schrittchen der Tochter an der Hand gezählt, denn sie muss ja diesen Weg bald alleine gehen. Um Stück für Stück zu lernen, noch ganz andere Wege alleine zu gehen. Bis sie einmal ganz auf eigenen Beinen wird stehen können. Aber jetzt noch nicht. Ich stehe inmitten der anderen Eltern auf dem Schulplatz, und ich denke: Lag ich nicht eben noch in den Wehen, warf meine Kleine nicht eben noch Randenbrei durch die Küche? Und jetzt ist sie bereits ein Schulkind, und morgen wird sie ausziehen. Gegenüber haben sich die Kleinen bereits um die Klassenlehrerin versammelt, einige kennen sich bereits vom Kindergarten, die meisten aber sind sich noch fremd und harren der Dinge, die da kommen werden. Die älteren Mitschüler, die alten Hasen, singen ein Willkommenslied. Man veranstaltet ein Seilziehen. Alle sind freundlich, fröhlich. Nur die Neuen stehen bei der Lehrerin und werfen ab und an einen Blick zu ihren Müttern und Vätern wie Passagiere an der Reling eines auslaufenden Dampfers. Und wir Eltern stehen am Pier, lächeln, winken und verdrücken vielleicht eine Träne. Die Kleinen wissen es nicht, aber wir schon. Wir schicken sie tatsächlich auf eine Reise weg von uns. Hinein in die Gesellschaft, deren Teil sie irgendwann sein werden. Später erzählte mir die Tochter von diesem ersten Schultag. Von der Aufregung und Neugier und Angst. Und wie alle Schüler in einer Traube ganz dicht an der Lehrerin dranblieben, auch in der Pause, weil sie nicht wussten, dass Pause Freiheit bedeutet. Nur die ganz Mutigen wagten es, sich ein paar Schritte von der Traube zu entfernen. Bis am Schluss nur noch die ganz Ängstlichen bei der Lehrerin standen. Ja, auch Freiheit will gelernt sein, und das ist nicht immer einfach. Kinder sind manchmal brutal, die Gesellschaft folgt ihren eigenen Regeln, und am Schluss muss jeder allein herausfinden, wie sich darin zu behaupten. Alleine seine Erfahrungen machen, alleine lernen, wie Frustration, Ungerechtigkeit, Hackordnungen, Langeweile zu bewältigen sind. Unseren eigenen Weg gehen, herausfinden, wer wir sind und werden wollen, werden können. Aber auch Freunde finden, Interessen, Gemeinsamkeiten. «Wir werden alleine geboren, leben alleine, sterben alleine», schrieb Orson Welles – und wird seither gern zitiert, wenn es um die Conditio humana geht. Aber so etwas kann nur jemand schreiben, der nie ein Kind geboren hat. Natürlich fühlen wir uns manchmal alleine, aber nur Mutterliebe, Zuwendung und Gemeinschaft machen uns zu Menschen. Und wie Gemeinschaft ausserhalb der Familie geht, das lernen wir unter anderem in der Schule. Es ist eine grosse Reise, zu der die Tochter da aufbricht. Aber ich weiss, sie wird es schaffen.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201629


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Erziehung & Schule

Der erste Schultag ist eine aufregende Sache. Konstantin, Enzo, Roni, Leonie und Alec haben das grosse Ereignis schon hinter sich. Und wollen gar nicht mehr aufhören zu erzählen. Aufgezeichnet von: Virginia Nolan Bilder: Stephan Rappo / 13 Photo

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201631


Enzo Mischol, 6, Wabern

BE

«Kurz nach meinem sechsten Geburtstag kam ich in die erste Klasse der Basisstufe. Ich war nur ein Jahr im Kindergarten, weil die Kindergärtnerin gesagt hatte, dass ich schon alles kann. Ich wusste zum Beispiel, was fünf und fünf macht. Auf die Schule freute ich mich; besonders darauf, alle Buchstaben zu lernen. Die Zahlen kannte ich ja bereits. Und meinen Namen konnte ich auch schon schreiben. Aufgeregt war ich

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eigentlich nicht. Von meinem Bruder Moritz, der in die vierte Klasse geht, wusste ich einiges über die Schule. Meinen Schulsack bekam ich von meinem Nonno, der mir sagte, dass er mir nur einen kauft, der ihm selber gefällt. Ich wählte einen schwarz-blauen mit Delfinen aus – zum Glück mochte Nonno den auch. In der ersten Klasse gefällt mir alles, ich finde wirklich nichts daran blöd. Meine Lehrerinnen sind nett

und unterrichten uns abwechselnd. Im Vergleich zum Kindergarten spiele ich jetzt einfach weniger. Wir dürfen in der Basisstufe teilweise wählen, ob wir spielen oder arbeiten möchten. Ich entscheide mich immer öfter fürs Arbeiten.»

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Erziehung & Schule

Roni Kavak, 7, Zürich

«An den ersten Schultag kann ich mich schon fast nicht mehr erinnern, so lange ist das her. Es kommt mir vor, als ginge ich schon ewig in die Schule. Es gefällt mir da auch: Rechnen und Schreiben machen mir mehr Spass als das viele Basteln im Kindergarten. Rechnen ist mein Lieblingsfach, und weil ich die Schulaufgaben da meist ohne Fehler löse, gabs von meiner Lehrerin schon ein paarmal das Herzchen-Abzeichen ins Übungsheft. Ich habe zwei Lehrerinnen, beide sind sehr nett. Was mir an der Schule nicht so gut gefällt? Naja, dass wir so lange still sitzen müssen. Das kann ich manchmal nicht so gut. Darum gehe ich ja auch gerne ins Turnen. Meine Mutter sagt, dass ich zu Beginn der ersten Klasse ständig müde war, weil Lernen so anstrengend ist. Ob das wirklich so war, hab ich inzwischen schon wieder vergessen.»

Konstantin Halter, 7, Jona SG

«Auf die Schule habe ich mich gefreut, ich war eigentlich gar nicht so aufgeregt. Ich habe ja auch einen Bruder, der schon die dritte Klasse besucht. Zum ersten Schultag gabs von Mama und meinen Grosseltern eine Schultüte mit Süssigkeiten drin – eine schöne Überraschung war, dass auch unsere Lehrerin für jedes Kind eine vorbereitet hatte. Sie ist überhaupt sehr nett: Wenn wir eine Woche lang nichts Dummes gemacht haben, gibts drei Stempel, und nach vier Wochen dürfen wir aus der Schatzkiste eine Belohnung aussuchen, zum Beispiel eine Malkreide. Ich durfte

schon zweimal etwas mit nach Hause nehmen. Ich finde die Schule gar nicht so anstrengend, obwohl wir schon fast jeden Tag Hausaufgaben haben. Mir scheint, wir basteln im Unterricht genauso viel wie damals im Kindergarten. Das gefällt mir. Cool finde ich auch, dass wir jetzt Schwimmen als Schulfach haben, im Kindergarten sind wir höchstens ab und zu ins Hallenbad gegangen. Seit ich in der Schule bin, wache ich manchmal schon um fünf Uhr morgens auf – ich will auf keinen Fall zu spät kommen.»

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201633


Leonie Müller, 6, Jona SG

«Als ich erfuhr, welcher Klasse ich zugeteilt wurde, musste ich ein paarmal weinen: Mein bester Freund aus dem Kindergarten kam in ein anderes Schulhaus. Zwar liegt meines viel näher, ich wäre aber viel lieber ins weiter entfernte gegangen. Natürlich auch, weil mein Zwillingsbruder Nico da zur Schule geht. Im Kindergarten waren wir in der gleichen Klasse gewesen, das ist jetzt

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leider nicht mehr so. Damit mein Bruder und ich ein Stück vom Schulweg gemeinsam gehen können, stehe ich etwas früher auf. Wir laufen zusammen los, und weil mein Weg so kurz ist, bin ich dann immer etwas zu früh dran. Mittlerweile bin ich aber ganz glücklich in meiner Schule. Es gibt eigentlich nichts, was ich doof finde. Ab und zu habe ich aufs Turnen keine Lust. Nicht,

weil es mir keinen Spass macht – ich liebe Herumspringen und Rennen, und ich mache beides so oft, dass mir für den Turnunterricht dann fast kein Schnauf mehr bleibt. Das Coolste an der Schule sind die anderen Kinder. Ich habe zwei beste Freundinnen, sie heissen Ayla und Sina.»

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Erziehung & Schule

Alec Pfister, 7, Oberdürn ten ZH

«Weil wir eine kleine Schule sind, gehen bei uns Erst- und Drittklässler in die gleiche Klasse. Das finde ich super, meine Schwester Amelie ist nämlich Drittklässlerin, jetzt sitzen wir im gleichen Schulzimmer. Wenn die Drittklässler Mathe haben, machen wir etwas anderes, Schreibübungen zum Beispiel. Unsere Lehrerin heisst Frau Schmid. Amelie sagt, sie sei die beste Lehrerin der Welt, und ich glaube, sie hat recht. In der Schule gefällt mir eigentlich alles, ruhig zu sitzen und Stillsein finde ich manchmal etwas schwierig. Am meisten gefreut habe ich mich auf die Wüstenspringmäuse, die wir in unserem Klassenzimmer haben dürfen. Ich bin auch froh, dass Amelie bei mir ist; trotzdem laufen wir nur noch selten gemeinsam zur Schule, ich gehe jetzt eher mit meinen Freunden. In unserer Klasse gibt es nur vier Erstklässler, wir kennen uns alle schon seit dem Kindergarten. Ich musste also nicht einmal neue Freunde finden.»

Virginia Nolan

staunte nicht schlecht, wie viel Freude ihre kleinen Gesprächspartner an der Schule haben – und hofft, dass ihnen diese auch erhalten bleibt.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201635


Erziehung & Schule

Du darfst spielen! Mit dem Übertritt in die Primarschule beginnt der «Ernst des Lebens», hiess es früher. Heute betonen Fachleute wie Karolin Weber, wie wichtig das Spielen auch nach dem ersten Schultag ist. Nicht nur zur Erholung, sondern um wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten zu lernen. Interview: Evelin Hartmann

Bei kleinen Kindern ist das Spielen der Königsweg des Lernens. Indem sie im Spiel Dinge entdecken, selbst ausprobieren, Situationen nachspielen, lernen sie quasi ganz nebenbei. Ihre Aktivitäten werden dabei in erster Linie von ihren Interessen und der Motivation geleitet, die eigenen Fähigkeiten zu erproben und zu erweitern. Im Spiel können sich viele Kinder über eine lange Zeitspanne in eine selbst gestellte Aufgabe oder eine Rolle vertiefen, eine hohe Konzentration aufrechterhalten und spezifisches Wissen und Können erwerben. Gilt dies auch noch für Kinder im Primarschulalter?

Das Spiel verändert sich mit der Reifung des Kindes. Es wird zielgerichteter, Regeln werden aufgestellt und beim Spielen eingehalten, das Spiel wird komplexer. Nehmen wir Legosteine als Beispiel: Zu Beginn steckt das Kleinkind die Steine irgendwie und zufällig zusammen. Nach ein bis zwei Jahren baut es Türme, die so gross sind wie es selbst, und irgendwann baut es komplexe Gebilde nach Bauanleitungen. Trotzdem bleibt die

«In den Klassenzimmern von heute liegt mehr Spielmaterial bereit als früher.» 36 

Grundfunktion die gleiche: Wenn es sich um echtes Spielen handelt, geht es nicht ums Lernen, sondern um das Spielen an sich. Das Lernen passiert nebenbei. Welche Eigenschaften werden im Spiel gefördert, speziell bei Kindern im frühen Primarschulalter?

Ende der 90er-Jahre hat es in Deutschland Untersuchungen in ersten Primarschulkassen gegeben. Dabei kam heraus, dass diejenigen Kinder, die während des Unterrichts auch regelmässig frei spielen durften, dass heisst sich aussuchen durften, was beziehungsweise womit sie spielen, stärker in den sogenannten Lernbegleitprozessen wie beispielsweise Durchhaltevermögen, Konzentra­­ tion, Kreativität waren als Kinder der Klassen, die dies nicht durften – ohne Defizite im Fachlichen zu haben. Und diese Kompetenzen sind wichtig für das Lernen?

Fachliches Lernen wäre ohne diese Kompetenzen gar nicht möglich. Nun hat man den Eindruck, dass das freie Spielen mit dem Übertritt in die Primarschule zugunsten des fachlichen Lernens stark in den Hintergrund rückt. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Wenn man sich die Entwicklung der letzten zehn Jahre anschaut, glücklicherweise nicht. In den Klassenzimmern liegt mehr Spielmaterial bereit als früher. Aber es ist schon so: Die Möglichkeiten des Kindes, auch ge­ zielt und bewusst zu lernen, nehmen in diesem Alter zu – und werden im Lernplan berücksichtigt. Das Spiel behält seine Bedeutung, wird aber

mehr und mehr durch zielgerichtetes Lernen ergänzt. Es ist auch für Lehrer aufwendiger, den Unterricht so zu gestalten, dass Kinder sich die Lerninhalte spielerisch aneignen.

Und es ist schwieriger, die Lernschritte und Erfolge zu beobachten. Aber es lohnt sich! Ein sehr abrupter Wechsel vom vorwiegend selbst gewählten Spiel wie im Kindergarten zum zielgerichteten, diktierten Lernen ist eine sehr grosse Umstellung. Die Kinder haben in den ersten Monaten in der Schule ein grösseres Aktivitätsbedürfnis, da sie mehr sitzen, aufmerksamer sein müssen als im Kindergarten. Sie wollen draussen sein, frei spielen. Andererseits ist ein «schulfähiges» Kind in der Regel in der Lage, sich auf die Anforderungen des schulischen Alltags einzulassen. Lernen ist ein Bedürfnis. Je besser die Schule auf die verschiedenen Lernwege und Bedürfnisse der Kinder eingeht, desto leichter fällt den Kindern die Umstellung. Ihre Motivation zu lernen bleibt oder wird sich sogar noch steigern. Wie wichtig ist es, dass auch die Eltern ihre Kinder nachmittags weiterhin frei spielen lassen?

Sehr wichtig. Eltern wie Lehrer müssen das Bewusstsein entwickeln, dass Kinder nicht nichts tun, wenn sie spielen. Spielen ist mehr als nur Ausruhen und braucht Zeit. In dieser Zeit suchen sich Kinder selbstgesteuert und aus eigener Motivation heraus eine für sie sinnvolle Beschäftigung.

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Bild: Keystone

Frau Weber, warum ist Spielen so wichtig in der Entwicklung eines Kindes?


Das ist eine nicht zu unterschätzende Leistung. Welches sind geeignete Spiele für Kinder im frühen Primarschulalter?

Das können ganz unterschiedliche Brettspiele, Rollenspiele und vor allem Bewegungsspiele sein, Ballspielen, Toben, Velofahren, Skateboarden. Wichtig ist, dass Kinder nicht vorgegeben bekommen, was sie spielen, sondern frei wählen können. Was halten Sie von Spielen, die das Lernen fördern sollen, also von so­­ genannten Lernspielen.

Nicht viel. In der Regel geht es nicht mehr um das Spielen an sich, es verkommt zum Mittel zum Zweck. Das wird von Kindern schnell enttarnt. Und was ist mit Computerspielen?

Solche Spiele erfüllen oft genau die Voraussetzungen, um sich über längere Zeit zu vertiefen und zu beschäftigen. Anspannung und Entspannung sind meist in einem optimalen Verhältnis, und das Erfolgserlebnis

erfolgt sehr schnell und in grosser Zahl. Das stimuliert und macht zufrieden. Andererseits macht es aber auch einseitig abhängig. Darum gilt: Computerspiele gehören dazu, aber in einem kleinen und kontrollierten Rahmen.

Das freie Spiel bleibt auch nach dem ersten Schultag für Kinder wichtig.

Inwiefern wird das freie Spiel im Lehr­ plan 21 berücksichtigt?

Für die Vorschulstufe wird im Lehrplan 21 das Spiel als wichtiges Element der Entwicklung und des Lernens explizit in den Vordergrund gestellt. Und in der Primarschule?

Auch auf der Primarstufe ist es nach wie vor möglich, gewisse Inhalte spielerisch zu lernen und zu üben. Viel wichtiger als der Lehrplan sind in dieser Frage das Methodenrepertoire und die Grundeinstellung der Lehrpersonen. Aber es gilt auch hier: Spiel kann nicht verordnet werden, weder von noch für Lehrpersonen.

Karolin Weber

ist Kindergartenlehrperson, Mitglied der Redaktion 4bis8, Fachzeitschrift für Kindergarten und Unterstufe, und Mitautorin des Lehrplans 21.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201637


Erziehung & Schule

Freundschaften lassen sich nicht erzwingen Der Schulbeginn ist ein grosser Schritt, bei dem die ganze Familie mitfiebert. Alle hoffen, dass das Kind leicht lernt und die Freude an der Schule anhält. Wichtig ist aber auch, dass sich Kinder gut in die Klassengemeinschaft einfügen und Freunde finden. Text: Susan Edthofer

«Kinder möchten sich ihre Freunde selber aussuchen und haben dafür eigene Massstäbe. Susan Edthofer ist Redaktorin im Bereich Kommunikation von Pro Juventute.

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ur noch drei Mal schlafen, bis ich zur Schule gehe», erzählt Tim seiner Grossmama voller Stolz. Auch Sophia und Emilie können den Schulbeginn kaum erwarten. Die beiden haben miteinander den Kindergarten besucht und sind Freundinnen. Der sechsjährige David ist hingegen eher schüchtern. Neue Situationen und Veränderungen bereiten ihm Mühe. Obwohl er sich auf die Schule freut und lesen und schrei­ben lernen möchte, hat er Angst. Vor dem Einschlafen spricht er aus, was ihn beschäftigt. «Meinst du, die anderen Kinder sind nett und mögen mich und wollen mit mir spielen?», fragt er seinen Vater besorgt. Anfangs fühlen sich Kinder meist etwas verloren

Als die Lehrerin am ersten Schultag die Schulhaustüre öffnet, um ihre neue Klasse zu empfangen, blickt sie in lauter erwartungsvolle Gesichter. Unterschiedliche Stimmungen, aber auch Unsicherheit spiegeln sich in ihnen. 38 

Unbekümmert plappern die einen Kinder, zappelig hüpfen die anderen herum, still und in sich gekehrt umklammern einige die Hand von Mama oder Papa. Auch den Eltern ist eine gewisse Anspannung anzusehen. Im Schulzimmer sind auf den Pulten bunt bemalte Namensschildchen verteilt, und jedes Kind soll sich seinen Sitzplatz suchen. Für Sophia und Emilie bedeuten die vorgegebenen Plätze eine herbe Enttäuschung, da sie nebeneinandersitzen wollten. Dieses Unbehagen bleibt von der Lehrerin nicht unbemerkt. Sie erklärt den beiden, dass auch andere Kinder die Mädchen kennenlernen möchten. Sogleich erhellen sich die Mienen der Freundinnen. Übungsfeld Pause

Nach dem geschützten Rahmen des Kindergartens fühlen sich die Erstklasskinder im grossen Schulhaus meist noch etwas verloren. Umso besser, wenn sie von den Lehrerinnen und Lehrern behutsam in diese neue Welt eingeführt werden. Doch bis sich der Schulalltag eingependelt und sich ein Gemeinschaftsgefühl gebildet hat, braucht es Zeit, Geduld und Verständnis. Denn erst müssen sich die Kinder an den Tagesablauf gewöhnen, sich in der neu zusammengewürfelten Klasse zurechtfinden und sich auch einen Platz in der Gruppe erobern. Während sie im Kindergarten zuletzt zu den Grossen gehört haben, sind sie jetzt in der Schule in der «Hackordnung» wieder nach unten gerutscht. Auch der Pausenplatz ist Neuland. Schüchtern stehen die Erstklässlerinnen und Erstklässler in der Pause etwas abseits. Um sich an dieses neue Umfeld zu gewöhnen, essen die Kinder ihr Znüni beispielsweise im Schulzimmer. Die Pause ist dem Spielen vorbehalten. Oder sie Frühjahr 2016  Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra


bekommen ältere Schulkinder als Gotte oder Götti an die Seite gestellt. Deren Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass sich die Erstklasskinder in der Pause wohlfühlen und mitspielen dürfen. So kann es vorkommen, dass man in den ersten Wochen ziemlich ungleiche Paare miteinander spielen sieht. Mit Hilfe dieser Freundschaften werden die jüngeren Kinder behutsam in die Pausenplatzkultur eingeführt, während die Grösseren lernen sollen, Verantwortung zu tragen und Rücksicht zu nehmen. Doch auch wenn Lehrpersonen dieses Miteinander begleiten: Konfliktfrei gestaltet sich der Schulalltag kaum. Früher oder später gibt es Momente, die schwierig sind, und jedes Kind wird Enttäuschungen verkraften müssen. Zum Beispiel wenn Thea merkt, dass sie weniger schön schreibt als Anna, oder Lars kein so tolles Pferd zeichnet wie Nora, oder Tim nicht so kräftig ist wie Lukas. Vergleiche mit Freundinnen und Freunden oder Auseinandersetzungen in der Klasse gehören dazu. Nicht nur die Kinder, auch die Kinderfreundschaften verändern sich im Laufe des Aufwachsens. Zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen

Für das Wohlbefinden und den Lernerfolg des einzelnen Kindes spielen das Klassenklima und der Zusammenhalt in der Klasse eine wesentliche Rolle. Freundschaften sind wichtig, doch sie lassen sich nicht erzwingen. Wie bei den Erwachsenen spielen Sympathie und Antipathie mit. In der Schule lernen die Kinder, gewisse Regeln einzuhalten und einander mit Respekt zu begegnen. Schliesslich kann man miteinander auch klarkommen, ohne enger befreundet zu sein. Viele Eltern sind sich zu wenig bewusst, dass Kinderfreundschaften oft unverbindlich und einfach zweckmässig sind: Man wohnt in der Nähe, verfolgt die gleichen Interessen, ergänzt sich gut und profitiert voneinander. Gerade bei jüngeren Kindern sind Freundschaften spontan, kurzfristig und dauern vielleicht bloss eine Spielsequenz: «Ich bin deine Freundin und darum darf ich mitspielen.» Manchmal machen sich Eltern Sorgen, weil sie über die Wahl der Freunde nicht unbedingt glücklich sind. «Warum hat der scheue Benjamin ausgerechnet den Klassenclown zum Freund auserkoren?», fragt sich seine Mutter mit einem Kopfschütteln. Doch Gegensätze ziehen sich an, und so sucht das Kind möglicherweise genau einen Gegenpol zu sich selbst. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb sich Lisa zur grossen Verwunderung ihrer Eltern pausenlos von ihrer Freundin Anna herumkommandieren lässt. Im Umgang mit Freundschaften unter Kindern empfiehlt sich Gelassenheit. Kinder merken, dass Freundschaften sie stärken, und suchen sich Verbündete, mit denen sie spielen, lachen, Unsinn machen und Geheimnisse austauschen können.

Der themenspezifische Elternbrief von Pro Juventute begleitet Eltern und Kinder beim Übergang vom Kindergarten in die Schule.

5 Fakten zum Thema Kinderfreundschaften, die Eltern wissen sollten  ei jungen Kindern sind Freundschaften oft bloss B zweckgebunden und dauern nur kurz. Erst mit dem Älterwerden bildet sich zwischen Freundinnen und Freunden auch eine emotionale Verbundenheit. Eltern sollten sich möglichst wenig in Kinderfreundschaften einmischen, auch wenn beispielsweise die Konstellation des Mädchentrios Konfliktpotenzial birgt. Kinder möchten sich ihre Freunde selber aussuchen und setzen oft andere Massstäbe als ihre Eltern. Entstehen Konflikte, sollten Erwachsene sich zurückhalten und erst einmal beobachten, wie die Kinder mit der Situation umgehen. Kinder sollten Probleme mit Gleichaltrigen selber lösen lernen und Schwierigkeiten mit ihren eigenen Strategien angehen. Es ist nicht förderlich, Kindern eine Handlungsweise auf Erwachsenenebene aufzuerlegen. Indem Eltern die Sorgen und Nöte teilen und gleichzeitig darauf vertrauen, dass das Kind seinen Weg meistert, wird es gestärkt, um sich in einer Gemeinschaft zurechtzufinden.

Pro Juventute Elternberatung und Beratung + Hilfe 147 Bei der Elternberatung von Pro Juventute können Fragen zum Familienalltag, zur Erziehung telefonisch, 058 261 61 61, oder per Mail (www.projuventute-elternberatung.ch) jederzeit gestellt werden. Es fallen nur die normalen Telefongebühren an. Mit allem, was sie bewegt, können sich Kinder und Jugendliche vertraulich, kostenlos und rund um die Uhr an Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 wenden.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201639


Kolumne

Noah fühlt sich in der Schule nicht wohl Der siebenjährige Noah hat eine totale Abneigung gegen die Schule. Jeden Morgen beginnt für ihn ein neuer Kampf, er ist so traurig und verzweifelt, dass er sterben möchte. Noahs besorgte Mutter bittet Jesper Juul um Rat.

Jesper Juul ist Familientherapeut und Autor zahlreicher internationaler Bestseller zum Thema Erziehung und Familien. 1948 in Dänemark geboren, fuhr er nach dem Schulabschluss zur See, war später Betonarbeiter, Tellerwäscher und Barkeeper. Nach der Lehrerausbildung arbeitete er als Heimerzieher und Sozialarbeiter und bildete sich in den Niederlanden und den USA bei Walter Kempler zum Familientherapeuten weiter. Seit 2012 leidet Juul an einer Entzündung der Rückenmarksflüssigkeit und sitzt im Rollstuhl. Jesper Juul hat einen erwachsenen Sohn aus erster Ehe und ist in zweiter Ehe geschieden.

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Es geht nicht um einen Buben, der seine Lehrperson nicht mag, sondern um ein Kind, das mit der Realität der Schule überfordert ist.

empfunden. Die Mutter bittet Jesper Juul um seine Überlegungen. Jesper Juul antwortet

Sie teilen das Schicksal mit vielen Eltern. Denn für Eltern ist der Über­ gang ihrer Kinder in die Schule oft dramatisch, und sie suchen einen konstruktiven Weg, um mit der neuen Situation umzugehen. Ihre Zeilen lassen mich vermuten, dass Sie sich um geliebte Menschen sehr fürsorglich und rücksichtsvoll küm­ mern. (…) Aber nun zu Noah: Er ist ein Bub, der sich wohl etwas langsamer ent­ wickelt als seine Geschwister. Das macht ihn zum Opfer mütterlichen Schutzes und der Rechenschafts­ pflicht. Und jetzt hat er ernsthafte Probleme damit, in die Schule zu gehen. Was ausreicht, um sowohl Vater als auch Mutter um den nächt­ lichen Schlaf zu bringen. Auch wenn es jetzt etwas grau­ sam klingt, sollten Ihnen dennoch Noahs zwei grosse Probleme be­­ wusst sein: Das erste ist, dass er nicht gerne in die Schule geht. Das zweite, dass sein Selbstbild sehr schnell kippen kann, weil er sich ständig mit seinen Geschwistern vergleicht. Darüber hinaus verletzen seine Gefühle jene seiner Mutter, was wohl das Letzte ist, was er will.

Frühjahr 2016  Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra

Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren

E

ine besonders verant­ wortungsvolle Mutter mit drei Kindern, To­­ bias, 10, Ronja, 8, und Noah, 7, schreibt, wie sehr sie die Einschulung ihres Soh­ nes Noah beschäftigt. Ihr Sohn fin­ det es schwierig, in die Schule zu gehen. Jeden Morgen ist es für ihn ein Kampf, sich für die Schule bereit zu machen. Noah ist richtig traurig und verzweifelt, dass er nun nicht mehr so viel Zeit zum Spielen hat. Die Ansprüche der Schule verunsi­ chern ihn stark. Die Mutter fragt sich, was hinter dieser Abneigung gegenüber der Schule steckt, und ist selber verunsichert. Es macht sie traurig, dass es ihrem Sohn so er­­ geht. Noah hat auch schon ausge­ sprochen, dass er sterben möchte. Seine Geschwister haben den Schul­ eintritt jeweils als etwas Positives


Deshalb denkt er, dass das Leben nicht lebenswert ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass er einen Selbstmord plant, sondern nur, dass er sein Leben, so wie es jetzt ist, nicht aushält. Das ist nicht seltsam oder ausser­ gewöhnlich für Kinder. Noah weiss, dass er in die Schule gehen muss. Und es ist für ihn im Moment un­­ vorstellbar, das die nächsten zehn Jahre oder mehr auszuhalten. (…) Der ideale Weg zu einer Lösung mag im derzeitigen Schulsystem völlig unrealistisch erscheinen, ich erwähne ihn aber trotzdem: Spre­ chen Sie mit Noahs Klassenlehrper­ son und bitten Sie sie zu sich nach Hause. Noahs Erfahrungen in der Schule sind so negativ, dass er in der Schule kaum wahrnimmt, was die Lehrperson zu ihm sagt. Ausserdem ist ein Besuch zu Hause im Interesse aller Beteiligten: Wenn Sie die Lehr­ person davon überzeugen können, eine Stunde ihrer Zeit für einen Hausbesuch zu investieren, wird sie sich in den kommenden Jahren vie­ le Stunden an Konflikten, viele Erklärungen und Gespräche erspa­ ren. Hier geht es nicht um einen Buben, der seine Lehrperson nicht mag, sondern um ein Kind, das mit der Realität der Schule an sich über­ fordert ist. Dennoch sind die beiden «Hauptparteien» in diesem Konflikt Noah selbst und die Schule. Die Lehrperson personifiziert für Noah die Schule. Ich würde dem Lehrer oder der Lehrerin daher zu folgendem Ge­­ sprächseinstieg raten: «Noah, deine Mama glaubt, dass es für dich megaschwer ist, in die Schule zu gehen. Das macht uns traurig. Denn wir wünschen uns, dass es den Kin­ dern in der Schule Spass macht und dass sie es dort spannend finden. Aber wie es scheint, ist das bei dir nicht so. Deine Mama hat dir sicher schon gesagt, dass alle Kinder in die Schule gehen müssen, egal ob sie wollen oder nicht. Ich bin heute hier,

Eltern sollten abseits von ihrem Kind stehen und ihm ihre Lebenserfahrung anbieten.

um dir zu zeigen, dass ich alles tun möchte, um euch zu helfen. Viel­ leicht können wir, wenn wir mitein­ ander reden, herausfinden, wie du mir und den anderen Lehrpersonen dabei helfen kannst.» Auf diese Weise kann die Lehr­ person im Auftrag der Schule die Initiative ergreifen, damit Noah geholfen wird. Noah kann so einen Bezug zur Schule herstellen, den er alleine nicht aufbauen kann. Sie als Eltern konnten bisher nur abstrakt mit ihm über die Schule sprechen. Natürlich kann es passie­ ren, dass die Lehrperson diese Vor­ gehensweise als nicht üblich oder schwierig ablehnt. Was schade wäre, weil die Schule damit eine Möglich­ keit im Leben dieser Familie ver­ passt, um zu ihrer weiteren Zukunft konstruktiv beizutragen. Lassen Sie uns optimistisch sein: Stellen wir uns vor, dass Noah Lehr­ personen hat, die pädagogisch den­ ken können und deshalb auch bereit sind, Noah dort zu begegnen, wo er sich gerade befindet. Das be­­deutet nicht, dass sich damit das Problem auflöst. Sie und Ihr Mann haben jetzt die wichtige Aufgabe, die Ba­­ lance zwischen Empathie und Mit­ gefühl und der Realität des Lebens zu finden. Noah braucht Ihr Enga­ gement und Interesse als Rückhalt. Es wird wahrscheinlich mehrere Wochen oder Monate dauern, bis Noah sich artikulieren und darüber sprechen kann, was an der Schule so schwer ist für ihn. Denken Sie daran, dass Ihr Sohn jetzt in der Krise ist und deshalb keinen klaren Blick hat. Er braucht Zeit und viele Pausen abseits der Schule, in denen er nur spielen kann. Es ist wichtig, dass

sowohl Sie als auch Ihr Mann nicht ständig mit einem besorgten Gesicht herumlaufen. Wenn Sie das nämlich tun, nehmen Sie die Szene ein (weil Noah, wie alle Kinder, kooperieren möchte) und lassen ihn alleine zurück mit dem Szenario und dem Ausblick in die Zukunft, dass er sein eigenes Leben in die Hand nehmen muss und für das Wohlbefinden seiner Eltern verant­ wortlich ist. Klingt das schwierig? Ist es auch! Schliesslich möchte ich darauf auf­ merksam machen, dass es während der kommenden Zeit nicht nur darum geht, dass Noah sich in der Schule zurechtfindet, sondern auch darum, wie er seine Lebenskompetenz und sei­ ne individuelle Art, zukünftige Le­­ benskrisen zu bewältigen, aufbaut und entwickelt. Das kann er garantiert nicht in der Schule lernen, sondern nur zu Hause und gemeinsam mit Ihnen. Dazu ist es notwendig, dass Sie sich Ihrer eigenen Rolle bewusst sind: Die sollte sein, abseits zu stehen und ihm Ihre Lebens­ erfahrung anzubieten, ihn zu begleiten. Sie sollten nicht versuchen, seine Kri­ sen zu verhindern. (…)

Jesper Juul schreibt regelmässig für das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi. Seine Kolumnen entstehen in Zusammenarbeit mit

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201641


Bild: ZVG

Das Frühstück –

die Kraftquelle für mein Schulkind

Wer in die Schule geht, braucht Energie. «Die holen sich Primarschüler am besten in Form einer ausgewogenen, vielfältigen Ernährung», sagt Marianne Honegger vom Schulärztlichen Dienst der Stadt Zürich. Die Ernährungsberaterin erklärt, wie ein optimales Znüni aussieht und wie Eltern kleine Frühstücksmuffel zum Essen motivieren. Interview: Evelin Hartmann Bilder: ZVG

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Ernährung & Gesundheit

Frau Honegger, wie sieht eine sinnvolle Ernährung von Schulkindern aus?

Vielseitig, farbenfroh und alle Lebensmittelgruppen berücksichti­ gend. Empfohlen werden beispiels­ weise zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse am Tag. Diese liefern eine Vielzahl an Vitaminen, Mineralstoffen, Nahrungsfasern sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Stärkeprodukte in der Vollkorn­ variante wie Reis, Getreideflocken, Brot oder Kartoffeln liefern Kohlen­ hydrate, Mineralstoffe und Nah­ rungsfasern. Milchprodukte, Hül­ senfrüchte, Fleisch, Fisch und Eier ergänzen die Mahlzeit mit Eiweiss. Fette und Öle liefern essenzielle Fett­ säuren. Aber welche Nährstoffe gelten als besonders wichtig in diesem Alter?

Auch für Kinder gelten die Empfeh­ lungen der Lebensmittelpyramide, wenn die Mengen entsprechend angepasst werden. Besonders wich­ tig im Wachstum ist eine gute Ver­ sorgung mit Kalzium und Vitamin D, denn diese beiden Stoffe unter­ stützen den optimalen Aufbau der Knochen. Die beste Kalziumquelle stellen Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse dar. Über eini­ ge Gemüsearten wie Brokkoli, Grün­ kohl, Fenchel und Lauch kann der Körper ebenfalls gut Kalzium auf­ nehmen. Vitamin D übrigens wird – unter dem Einfluss der Sonne – zu rund 90 Prozent in der Haut gebil­ det. Auch deshalb ist viel Bewegung im Freien für Kinder so wichtig! Was und wie viel sollten Kinder in diesem Alter trinken?

Über den Tag verteilt etwa einen Liter, an besonders aktiven oder heissen Tagen natürlich mehr – vor­ zugsweise Leitungswasser oder ungezuckerten Tee. Sprechen wir über die erste Mahlzeit des Tages. Wie sollte ein optimales Frühstück aussehen?

Frühstück und Znüni sollten Ener­ gie liefern, die bis zum Mittagessen anhält. Mit diesen Lebensmitteln sind alle Nährstoffe abgedeckt:

Getreideprodukte, möglichst Voll­ kornbrot, Ruchbrot oder Haferflo­ cken, Müeslimischungen mit keinem oder möglichst geringem Zucker­ gehalt, ein Glas Milch oder eine Portion Frischkäse, Käse oder Jo­­ ghurt nature. Zusätzlich ein Stück Obst oder ein Deziliter ungezucker­ ten Fruchtsaft. Als Brotaufstrich empfehlen wir etwas Butter oder Margarine, Konfitüre oder Honig. Und gefrühstückt wird in Ruhe gemeinsam am Familientisch.

Gemeinsame Mahlzeiten sind wich­ tig. Sie bieten Kindern die Möglich­ keit, in Ernährungsfragen von ihren Eltern zu lernen. Aber ein ausge­ dehntes Familienfrühstück ist, mit Ausnahme am Wochenende, im Alltag kaum umsetzbar. Wichtig ist also, dass Eltern ihren Kindern ein vollwertiges Frühstück anbieten. Was tun mit Frühstücksmuffeln?

Wenn das Frühstück in der Familie seinen festen Platz hat, gehört es auch für die Kinder zum Alltag. Was wir aber alle kennen: Wenn wir aus­ geschlafen sind und Zeit haben, haben wir mehr Appetit auf ein aus­ gewogenes Frühstück als an einem – vielleicht hektischen – Wochentag, an dem alle früh aus dem Haus müs­ sen. Für Kinder, denen es schwerfällt, am Morgen etwas zu essen, empfeh­ len wir, zumindest etwas zu trinken. Mit einem Glas Milch oder einem ungezuckerten Fruchtsaft werden gleichzeitig auch Energie und Nähr­ stoffe getrunken. Und das Znüni sollte dann etwas reichhaltiger gestaltet werden.

Genau, dann kann der Rest des Früh­ stücks beim Znüni nachgeholt wer­ den. Wenn Eltern jedoch die Mög­ lichkeit haben, schon morgens früh immer wieder verschiedene Früh­ stücksvarianten anzubieten und aus­ zuprobieren, kann sich diese Geduld lohnen. Welche Lebensmittel gehören in eine Znünibox?

Idealerweise gehören zum Znüni ein ungesüsstes Getränk sowie eine Frucht oder ein Gemüse. Bei Früh­

«Wenn das Frühstück in der Familie seinen festen Platz hat, gehört es auch für die Kinder zum Alltag.» stücksmuffeln kann zusätzlich ein Stück Vollkornbrot oder ein kleines Sandwich angeboten werden. Für das Zvieri gilt das Gleiche. Kindern, die diese Zwischenmahlzeiten regel­ mässig stehen lassen, kann man das Obst in mundgerechte Stücke ge­­ schnitten mitgeben oder selbst kre­ ierte «Kinderspiesse» oder «Räuber­ brote» einpacken. Fragen Sie Ihre Kinder, was sie aus der grossen Aus­ wahl von sinnvollen Znünis gerne essen. Können sie mitbestimmen, erhöht sich gerade bei Znünimuffeln die Wahrscheinlichkeit, dass die Zwischenmahlzeit auch gegessen wird. Dass gezuckerter Eistee, Schokoriegel oder Butterkekse fürs Znüni ungeeignet sind, versteht sich von selbst. Aber was können Eltern mitgeben, denen morgens die Zeit fehlt, ein feines Sandwich zu schmieren oder kreative Obst-Gemüse-Spiesse zu gestalten?

Ein Apfel ist schnell gewaschen, ein Rüebli schnell geschält und zusam­ men mit einer Handvoll Nüssen, einigen Vollkorncrackern oder einem Stück Brot in die Znünibox gepackt. Wie steht es um Lifestyle-Produkte wie Smoothies? Sind diese eine schnell griffbereite, gesunde Alternative?

Grundsätzlich gilt: Je unverarbeite­ ter ein Lebensmittel ist, desto emp­ fehlenswerter ist es. Es ist aber nichts dagegen einzuwenden, hin und wie­ der eine Portion Obst durch einen Smoothie zu ersetzen. Allerdings sollte davon nicht mehr als ein Dezi­ liter pro Tag getrunken werden, da sie Fruchtzucker in sehr kompri­ mierter Form enthalten. >>>

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201643


>>> Nun kann ich meinem Kind noch so gesunde Znüni mitgeben, wenn das Gspänli in der Pause die süssen Leckereien auspackt, wird mein Kind unweigerlich nach diesen greifen ... … und den gesunden Apfel wieder mit nach Hause bringen. Das ist so. Und wenn das hin und wieder vorkommt, ist das auch kein Pro­ blem. Zu einer ausgewogenen Ernährung gehören auch Süssig­ keiten – in Massen. Wenn dies allerdings zur Regel wird, würde ich mit meinem Kind besprechen, was es gerne als Zwischenmahlzeit essen würde. Meist können sich Eltern und Kind auf einen

Znüni einigen, der gesund ist und dem Kind schmeckt. Und was können Eltern tun, deren Kinder sich über Jahre hinweg an süsse, fettige Lebensmittel gewöhnt haben und nun kaum noch etwas anderes mögen?

Eine Veränderung der Geschmacks­ vorlieben braucht Zeit und muss langsam angegangen werden. Man kann beispielsweise das süsse Knus­ permüsli mit ungesüssten Getreide­ flocken mischen und das Mischver­ hältnis langsam zugunsten der Getreideflocken verändern. Und bei Obst- und Gemüsemuffeln gilt: Geduld haben und immer wieder anbieten. Zwang bringt nichts, mit gutem Beispiel vorangehen bewirkt viel mehr! >>>

Marianne Honegger

ist bin Ernährungsberaterin FH im Schulärztlichen Dienst der Stadt Zürich.

Bild: ZVG

Dos and Don’ts Ein gesundes Znüni und Zvieri e nthält immer Wasser oder ungesüssten Kräuter- oder Früchtetee b  esteht aus einer Frucht und/oder einem Gemüse, ist bunt zusammengestellt und zuckerfrei k ann je nach körperlicher Anstrengung und Hungergefühl durch ein Getreide- und/oder Milchprodukt sowie mit Nüssen ergänzt werden besteht idealerweise aus Produkten der Saison Das darf manchmal sein E  xotische Früchte wie Mango, Ananas, Papaya, am besten in Bioqualität T  rockenfrüchte F leisch und Fleischprodukte wie Schinken, Trockenfleisch usw., dabei die fettarmen Varianten wählen F ruchtsäfte mit Mineralwasser (im Verhältnis 1:3)

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Nur in Ausnahmefällen Schokoladen-, Kindermilch- und Getreideriegel Gipfeli, Zopf, weisses Toastbrot Gezuckerte Frühstückscerealien Süsses Gebäck (Biskuits, Früchtekuchen usw.) Süssgetränke wie Eistee, Sirup, Cola, Energydrinks, künstlich gesüsste Getränke (Lightprodukte) Gesüsste, aromatische Milchmixgetränke (wie Schokolade) Fette oder stark gesalzene Produkte wie Salzstangen, Chips, gesalzene Nüsse

Quelle: Bundesamt für Gesundheit, Gesundheitsförderung Schweiz

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Ernährung & Gesundheit

Mein gesundes Schulkind Wie bleibt mein Kind in der Schule fit? Wie viel Schlaf braucht es und wie wichtig ist ein rückenschonender Schulthek? 5 Fragen an die Kinderärztin Andrea-Seraina Bauschatz zum Thema Schule und Gesundheit. Interview: Evelin Hartmann Frau Bauschatz, braucht es für den Schulsport spezielle Sportkleidung?

In der Unterstufe ist keine teure Sport- oder Funktionskleidung aus dem Fachhandel notwendig. Wichtig ist aber, dass T-Shirts und Hosen bequem und locker sitzen, damit Ihr Kind möglichst viel Bewegungsfreiheit hat. Die Sport- beziehungsweise Turnschuhe sollen den Fuss gut stützen. Grundsätzlich gilt: Je höher das Gewicht des Kindes, desto wichtiger ist ein qualitativ guter Sportschuh, welcher den Mittelfuss ausreichend stabilisiert und je nach Sportterrain auch die nötige Rutschfestigkeit gewährleistet. Meiner Erfahrung nach ist dies – mit Ausnahme von übergewichtigen Kindern – erst ab der Mittelstufe erforderlich oder dann, wenn die Bewegungen an­­ spruchsvoller werden. Mein Kind wird im Unterricht längere Zeit sitzen müssen. Reicht als Ausgleich der reguläre Schulsport?

Der Schulsport bietet idealerweise eine optimale Mischung aus Elementen, die Kraft, Herz-Kreislauf-System, Ausdauer, Beweglichkeit und Geschicklichkeit fördern. Das ist gut – aber reicht natürlich allein nicht aus. Kinder und Jugendliche im Schulalter sollten sich insgesamt mindestens eine Stunde täglich bewegen, Fussball, Fangis spielen, balancieren, rennen, Velo fahren und damit auch alle ihre Sinne trainieren. Je jünger Kinder sind, desto mehr Bewegung brauchen sie. Dabei sollte bereits bei Kindern schon so viel Bewegung in den Alltag eingebaut werden wie möglich: Treppen

steigen anstatt Lift fahren, den Schulweg zu Fuss oder mit dem Velo statt mit dem Bus zurücklegen. Worauf sollte ich beim Schulthek-Kauf achten, um den Rücken meines Kindes zu schonen?

Ihr Kind sollte beim Thek-Kauf dabei sein, damit dieser anprobiert und geprüft werden kann, ob er für ihr Kind optimal eingestellt werden kann. Es sollte sich gut damit bewegen können! Das Eigengewicht des Theks sollte so leicht wie möglich sein, seine Schultergurte verstellbar, gepolstert und mindestens 4 cm breit. Achten Sie auf ein ergonomisches und anliegendes Rückenpolster. Es kommt aber auch darauf an, wie Ihr Kind den Thek im Schulalltag trägt: über beide Schultern sowie an beiden Schulterblättern anliegend. Ausserdem kommt es auf das richtige Packen an: schwere Bücher nah am Rücken tragen, leichtere Dinge wie ein Mäppli vorne an der Verschlussseite einpacken. Weitere wichtige Infos zum Schulthek-Kauf finden Sie im Infoblatt «Der richtige Schulthek» des Schulärztlichen Dienstes der Stadt Zürich.

einstellt, finden Sie im Infoblatt «Richtig sitzen ist Einstellungssache» des Schulärztlichen Dienstes der Stadt Zürich. Und noch ein Hinweis: Eine gute Körperhaltung entwickelt sich ausschliesslich durch ausreichend Bewegung: Kampfsportarten, Schwimmen, aber auch Klettern, beispielsweise an Spielgeräten für ältere Kinder, fördern die Rumpfstabilität und damit eine gute Körperhaltung. Sollte ich den Biorhythmus meines Kindes umstellen, wenn es in die Schule kommt?

Wichtig ist, den Schlafbedarf seines Kindes zu kennen. Ausgeschlafen ist ein Kind, wenn es nach dem Aufwachen fit und ausgeruht wirkt. Angenommen, dies war bisher um 7 Uhr morgens der Fall, nach dem Schulstart wird der Wecker aber zukünftig um 6.30 Uhr klingeln: Dann empfiehlt es sich, abends diese halbe Stunde früher ins Bett zu gehen – und damit bereits zwei Wochen vor dem ersten Schultag zu beginnen. So lange braucht der Biorhythmus etwa, um sich umzustellen.

Ist es empfehlenswert, einen verstellbaren Kinderschreibtisch und -stuhl zu kaufen?

Ja, die Investition wird sich über die Zeit lohnen! Stuhl-Tisch-Kombinationen, die nicht der Körpergrösse entsprechen, führen zu Fehlhaltungen und damit Rückenbelastungen. Ein verstellbarer Tisch und Stuhl lässt sich auf die Körpergrösse einstellen – und wächst so über mehrere Jahre mit. Wie man beides richtig

Andrea-Seraina Bauschatz Dr. med, ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin sowie Leiterin des Schulärztlichen Dienstes der Stadt Zürich.

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Bild: Herbert Zimmermann / 13 Photo

Erziehung & Schule

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne … Eine Mischung aus Freude und Unsicherheit, Stolz und Selbstzweifeln – und eine üppige Cremeschnitte zur Belohnung: Auch Lehrpersonen haben Respekt vor dem ersten Schultag. Eine erfahrene Pädagogin erinnert sich an ihre erste Klasse. Text: Ursi Steiner 46 

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Schultaschen ausgepackt, Etuis und Farbschachteln wie Trophäen auf Pulten platziert. Summende Emsigkeit, Nervosität und unbändige Energie sind im ganzen Zimmer zu spüren.

«Als Lehrerin musst du vor allem eines: authentisch, also ehrlich sein.»

Eltern auf die Kinderstühle

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wei Stunden vor Schulbeginn stehe ich im Schulzimmer, kontrolliere unwichtige Dinge, rücke penibel platzierte Unterlagen und akkurate Bücherbeigen noch genauer vor mich hin. Ich präge mir zu den Vornamen der erwarteten Kinder die passenden Nachnamen ein, räuspere mich zum zwanzigsten Mal. Dann gestehe ich mir ein: Ich bin nervös, ja sogar supernervös. Dieses Gefühl, eine Mischung aus Freude und Unsicherheit, Stolz und Selbstzweifeln, belastet mich körperlich dermassen, dass ich mir bereits am frühen Morgen mein Mittagessen vorstelle. Mindestens dreigängig soll es sein, mit einer Cremeschnitte zum Dessert, ohne Rücksicht auf die Kalorienzahl. Im Gang lachen und schwatzen andere Lehrpersonen miteinander, erzählen von Ferien, laut, fröhlich. Für mich, die Neue, etwas zu laut und definitiv zu fröhlich. Gespannte Erwartungen

Endlich ist es so weit: Die Kinder kommen. Einige scheu und zögerlich, andere selbstbewusst und neugierig. Eltern stellen sich vor, kommen mit ins Schulzimmer, nehmen einen Augenschein, nicht nur vom Schulzimmer, sondern auch von der Lehrerin. Plätze werden gesucht,

Ich verschaffe mir Gehör, bitte die Kinder nach vorne in den Klassenkreis und biete den Eltern die kindgerechten Schülerstühle als Sitzgelegenheit in der zweiten Reihe an. Da sitzen sie nun, «meine» 22 Erstklässlerinnen und Erstklässler. 22 junge Augenpaare. Erwartungsvoll, neugierig, wach. Und im Stuhlkreis, etwas zurückversetzt, mindestens 22 weitere, ältere Augenpaare, nicht minder erwartungsvoll, neugierig und wach. Ich räuspere mich und stelle meine erste Frage: «Wer von euch hat denn in der letzten Nacht nicht so gut geschlafen?» Einige Finger schnellen hoch, wissendes Schmunzeln in der zweiten Reihe. Der Gedanke, als Lehrerin musst du authentisch, also ehrlich sein, lässt mich langsam auch meine Hand heben. Und plötzlich sind da viele Hände, wohlwollendes Lächeln in der zweiten Reihe, und die Spannung löst sich im spontanen, erlösenden Lachen aller. Es ging uns allen gleich.

Gefühl: wohlige Wärme, Vorfreude, Energie und Stolz. Vielleicht sollte ich heute doch auf die Cremeschnitte verzichten, allein schon wegen der Kalorienzahl. Aller Erfahrung zum Trotz

Heute, 30 Jahre später, kann ich diesen allerersten Tag als Klassenlehrerin noch ganz genau in meinem Gedächtnis abrufen. Ich erinnere mich an die Gesichter und sogar an die meisten Namen meiner damaligen Schülerinnen und Schüler. Doch der unruhige Schlaf in der Nacht vor dem ersten Schultag, der Gefühlswirrwarr und die Nervosität, all das begleitet mich trotz jahrelanger Erfahrung immer wieder. Zuverlässig meldet es sich zurück, wenn ich vor meiner neuen Klasse stehe. Was sich geändert hat? In den letzten dreissig Jahren einzig die Gedanken an die Cremeschnitte als Belohnung. Die verkneife ich mir mittlerweile.

Gemeinsame Ängste

Das war sie, unsere erste Gemeinsamkeit. Und somit war die Verbindung hergestellt, aus der eine Bindung, eine Beziehung wachsen können würde. Die Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten hatte ein Gesicht und einen Namen, oder in meinem Fall viele Gesichter, viele Namen bekommen. Sie verlor schlagartig alle Bedrohlichkeit, als die ausgestandenen Ängste und Gedanken im Kreis erzählt und ausgetauscht wurden. Meine 22 Schülerinnen und Schüler verstanden mich und ich verstand sie. Und plötzlich war da in meinem Bauch ein ganz anderes

Ursi Steiner ist Primarschullehrerin, Kommunikationsexpertin sowie Autorin. Die Mutter zweier erwachsener Kinder lebt in Hünenberg See im Kanton Zug.

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Digital & Medial

«Für die Erziehung sind die Eltern zuständig» Schulstoff wird heute nicht mehr nur aus Büchern und an der Tafel vermittelt – sondern auch am PC und mit dem Smartphone. Was Eltern in Sachen Medienbildung von der Schule erwarten dürfen. Interview: Bianca Fritz

Frau Signer, kommt ein Kind in der Primarschule automatisch mit Computer und Internet in Berührung?

Ja, das ist sehr wahrscheinlich. Zwar ist die Medienbildung in der Primarschule noch nicht obligatorisch, aber seit 1998 empfohlen, und sehr viele Schulen halten sich daran. Im Lehrplan 21, der nach und nach von den Kantonen eingeführt wird, sind Medienbildung und Informatik dann fächerübergreifend verpflichtend. Und wie werden die Kinder in Sachen Medien gebildet?

Die Medien werden einerseits als Hilfsmittel eingesetzt – man schaut zum Beispiel einen Film oder fotografiert und stellt eine Präsentation zu einem bestimmten Thema zusammen. Andererseits wird die Mediennutzung, ihre Chancen und Risiken, auch selbst thematisiert – man spricht zum Beispiel über Werbung und ihre Wirkung. Ausserdem lernen die Schülerinnen und Schüler Grundlagen über die Technik und wie diese funktioniert. Und was, wenn Eltern ihr Kind, wie es manche Medienkritiker empfehlen, bis zum 12. Lebensjahr vom Computer fernhalten wollen?

Im Grunde kann man da recht wenig machen – Medienbildung gehört nun einmal zu den Kompetenzen, 48 

die die Schule vermitteln soll, und das geht nicht ohne Einsatz von Medien. Diese sind normales Unterrichtsmaterial. Kritische Stimmen gibt es natürlich immer. Die gab es auch gegen Bücher, zum Beispiel als sich eine Reihe junger Männer nach der Lektüre von Goethes Werther umgebracht hatte. Aber ich habe noch nie gehört, dass sich Eltern der digitalen Entwicklung komplett verweigert hätten. Inwieweit können Eltern denn von der Schule auch Unterstützung in Sachen Medienerziehung erwarten?

Ich würde sagen: Die Schule ist für die Medienbildung zuständig. Aufgabe der Lehrpersonen ist es, die Medienkompetenz der Kinder zu fördern und ihnen einen kritischen Umgang mit den Medien beizubringen. Medienerziehung ist aber Sache der Eltern – also zum Beispiel die Frage, wie häufig und wann ein Gerät genutzt werden darf. Und dann gibt es natürlich noch Felder, wo Eltern und Lehrpersonen in Dialog treten müssen: Zum Beispiel, wenn das Kind in der Schule müde ist, weil es nachts zu lange am Handy hing. Ab wann braucht das Kind einen eigenen PC für die Hausaufgaben?

Das hängt ein bisschen von der Schule ab – aber in den meisten Familien wird es wohl so sein, dass dieses

Bedürfnis nicht von der Schule ausgeht, sondern dass das Kind sich irgendwann selbst ein eigenes Gerät wünscht. Für die Schule reicht im Normalfall das Familiengerät – und das ist in fast allen Schweizer Haushalten vorhanden. Mit Internetzugang?

Ja. Aber hier gilt natürlich besonders am Anfang: Begleiten Sie Ihr Kind. Geben Sie klar die Regeln vor, was es am PC machen darf, welche Funktionen es nutzen darf und wie lange. Manche Eltern haben damit Mühe, da sie noch keine Vorstellung davon haben, was mit PC, Tablet und Smartphone alles möglich ist. Es braucht aber keine spezielle Fortbildung für Eltern oder Ähnliches – nur ehrliches Interesse an dem, was das Kind macht..

Sara Signer

ist an der Pädagogischen Hochschule Zürich für die Medienbildung angehender Lehrpersonen zuständig. Zudem arbeitet sie in der Kinder- und Jugendmedien­forschung und an der Entwicklung von digitalen Lernsystemen für den Unterricht, www.ifdl.ch. Sie hat eine viereinhalbjährige Tochter.

Frühjahr 2016  Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra


5 Fragen und Antworten zum Mediengebrauch Text: Bianca Fritz

Fünf Leitlinien für die Medienerziehung  prechen Sie mit Ihrem Kind darüber, S was es mit den Medien macht. Zeigen Sie ehrliches Interesse und lernen Sie selbst etwas dabei. Überprüfen Sie Ihre eigene Mediennutzung. Sind Sie ein gutes Vorbild für Ihre Kinder? Bieten Sie Alternativen. Denn warum sollte Ihr Kind nicht am Handy hängen, wenn sonst nichts los ist? Legen Sie gemeinsam mit dem Kind Regeln für die Mediennutzung fest – und beachten Sie dabei auch die Altersfreigaben für Filme, soziale Netzwerke, Apps und Games. Informieren Sie sich über die Risiken und weisen Sie Ihr Kind auf diese hin.

Links www.jugendundmedien.ch Nationales Programm zur Förderung von Medienkompetenz, umfangreiche Datenbank mit Workshops und Beratungsprogrammen. Download von Broschüren und Studienergebnissen www.swisscom.ch/medienstark Medien­nutzung mit Beispielfamilien erklärt www.mediennutzungsvertrag.de Hilfreiches Tool zum Zusammenbasteln von Familienregeln in Sachen Mediennutzung

Ab wann darf mein Kind ein Smartphone haben?

Welchen Sinn haben Internetfilter für den PC oder das Handy?

Die meisten Medienpädagogen raten dazu, dass das eigene Smartphone erst mit dem Übergang von der Pri­ marstufe in die höhere Schule in den Besitz von Kindern gehört. Einfach weil ein Smartphone kein Handy ist, sondern ein Computer mit Internet­ zugang. Und weil sich mit dem Smartphone die Mediennutzung der Kinder der elterlichen Kontrolle ent­ zieht.

Filter können eine wichtige Ergän­ zung sein. Sie verhindern bis zu einem gewissen Grad, dass Ihr Kind versehentlich auf pornografische oder gewaltverherrlichende Inhalte stösst. Filter können nicht verhin­ dern, dass Ihr Kind diese Dinge bewusst sucht und dafür öffentliche WLAN-Verbindungen und andere Geräte nutzt. Ausserdem lassen sich alle Filter auch ausschalten – die Anleitungen dafür finden sich auf Youtube. Daher ersetzen Filter in keiner Weise Gespräche und das Vertrauen zwischen Eltern und Kin­ dern. Sagen Sie Ihrem Kind, warum Sie einen Filter installieren. Und bitten Sie es, zu Ihnen zu kommen, wenn es auf etwas stösst, was ihm seltsam vorkommt.

Wie viel Zeit darf mein Kind vor Bildschirmen verbringen?

Solange Ihr Kind auch noch viel Zeit mit anderen Aktivitäten verbringt, Freunde trifft, Sport treibt und Haus­ aufgaben erledigt, schadet die Com­ puterspielsession am Nachmittag vermutlich nicht. Die Medien­ psychologen der Zürcher Hochschu­ le für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) haben klare Richtwerte entwickelt. Kein Bildschirmkonsum unter 3 Jahren, bis zu 5 Jahren maxi­ mal 30 Minuten pro Tag und mit Erwachsenen, bis 9 Jahre nicht mehr als 5 Stunden in der Woche und für die 10- bis 12-Jährigen maximal 10 Stunden pro Woche. Bedenklich wird der Konsum bei Jugendlichen ab 20 Stunden pro Woche. Ab wann darf mein Kind einen eigenen PC haben?

Das kommt darauf an, was auf dem PC installiert ist. Denn im PC ste­ cken – ähnlich wie im Smartphone – potenziell gleich viele Medien auf einmal. Auch hier hilft eine Faust­ regel der ZHAW und des nationalen Programms «Jugend und Medien»: kein TV unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole unter 6, kein Internet unter 9, keine sozialen Netzwerke und kein unbegleitetes Surfen unter 12 Jahren. Kurz: «3-6-9-12».

Ich möchte mit meinem Kind über Mediennutzung sprechen. Wie führt man so ein Gespräch?

Bringen Sie Ihrem Kind bei, in ent­ spannter Atmosphäre ganz selbst­ verständlich über Mediennutzung zu sprechen – in Form eines echten Dialogs. Erzählen Sie von Ihren eige­ nen Erlebnissen. Vielleicht davon, wie Sie nach einem Gruselfilm nicht mehr schlafen konnten. So lernt Ihr Kind, dass Medienerfahrungen ein Thema sind, das man nicht allein mit sich ausmachen muss. Regeln zur Mediennutzung sollten gemeinsam ausgehandelt werden – und zwar noch bevor ein neues Gerät ins Haus kommt. Ein tolles Tool mit Anregun­ gen für Kinder- und Elternregeln findet man unter www.mediennut­ zungsvertrag.de.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201649


Erziehung & Schule

Wie ich als Mutter lernte, die Schule zu meistern Und plötzlich drängt sich in die Liebesbeziehung zwischen Eltern und Kind ein grosser Rivale: die Schule. Unsere Autorin über Elternabende auf Kinderstühlen, nervöse Mütter und überforderte Väter. Eine Polemik. Text: Claudia Landolt

E

ndlich Freitag. Der letzte Schultag vor den Sportferien. Zu Ende gehen ereignisreiche Monate, prall gefüllt mit schulischen Aktivitäten: Elternabende, Räbeliechtli-Umzug, Lesenacht, Advents-und Singkonzerte sowie Elternsprechstunde, Einschulungs- und Übertritts­ gespräche reihten sich quasi nahtlos aneinander. Man ahnt: Die wahre Herausforderung des Elterndaseins liegt nicht in der Vereinbarkeit von Karriere Schrägstrich Kind, sondern in der Schule. Solange der Steigerungslauf durchs Schulsystem noch nicht begonnen hat, ist das Elternleben vergleichsweise leicht. Es erschöpft sich in nächtlichen Weckrufen, entzückenden Spielzeughalden in der ganzen Wohnung und einer natürlichen Abneigung des Kindes gegen wetteradäquate Kleidung. Kaum stolpert der Nachwuchs aber auf die Schulbühne, geht es los mit den neuen Konfrontationsebenen. Statt des schützenden Nebels einer oder zweier Bezugspersonen gibt es plötzlich Unmengen davon: Lehrer, Assistenzlehrer, Heilpädagogen, Sozialarbeiter und Schulleiter. Universen, von deren Existenz das Kind nicht einmal ahnte. Elternabend auf Kinderstühlchen

Noch umwälzender ist es für die Eltern. Plötzlich drängt sich in die Liebesbeziehung zwischen Eltern und Kind ein grosser Rivale: die Schule. Mein ältester Sohn kam

vor sechs Jahren in die erste Klasse. Der Elternabend war ein grosses Ereignis. Aus purem Enthusiasmus habe ich mich dort zur Elternvertreterin wählen lassen, mit dem üblichen, von Eitelkeit nicht ganz freiem Seufzer: Irgendeine muss es ja machen. Kraft meines Amtes habe ich unzählige Elternabende miterlebt. Einer ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ein Vater beklagte sich sehr: Meinem Kind ist der Schulweg nicht zuzumuten. Die Strasse! Die Lastwagen! Und was, wenn es regnet? Der Gedanke, dass zwölf Minuten unbeaufsichtigter Heimweg für ein Kind auch Freiheit bedeuten kann, war in weiter Ferne. Da, auf den unbequemen Kinderstühlchen, die viel zu langen Beine irgendwo mühsam verstaut, zweifelte ich das erste Mal: Muss es tatsächlich irgendeine machen? Auch der nächste Elternabend, dieses Mal ging es um die Einschulung, entsprach so ganz und gar nicht dem, was wir Mütter und Väter erwarteten und vielleicht von der Krippe oder Kita her kannten. Ohne Umschweife erzählte die Lehrperson in einer Art Tribunalszene, was sie von Disziplin hält (sehr viel), welcher Stoff zu bewältigen sei (Lesen bis Weihnachten dank Peter und Susi), wer die Kinder auch sonst unterrichtet (Heilpädagogin, Werklehrerin, Musiklehrerin, Computerlehrerin) und welche Art von Papieren (unzählige) es in der nächsten Zeit auszufüllen gebe. Noten für eine Papierfigur

Aus purem Enthusiasmus liess ich mich zur Elternvertreterin wählen – eine muss es ja machen.

Spätestens da wurde uns allen klar, wie hoffnungslos passé das Schulmodell unserer Jugend heute ist. Als das Wort Promotionsordnung fiel und uns erklärt wurde, dass auch Vorsingen ebenso wie die Art und Weise, wie der Rand der Papierfigur ausgeschnitten werde, benotet würden, erwog meine Sitznachbarin die Schnapp­ >>>

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Bild: Stephan Rappo / 13 Photo

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201651


Erziehung & Schule

>>> atmung. Ein Vater schrieb bereits das zweite Blatt seines Notizbuchs voll, Schweissperlen auf der Nase. Ich rutschte auf dem Stuhl herum wie eine driftende Kontinentalplatte. Dabei kamen Stundenplan, Ersatzstunden-, Notfallstunden- sowie Nachholstundenplan noch gar nicht zur Sprache. Ganz zu schweigen vom Mithelfen beim Schlittschuhbinden oder der Art und Weise, wie man den Geburtstagskuchen (portioniert, mit Servietten) mitzubringen hätte. Schweigen breitete sich aus. Das erwartete Sperrfeuer der Detailfragen blieb aus. Viel zu perplex waren wir Mamas und Papas, die uns doch in den vergangenen zwei Kindergartenjahren eifrig im Loslassen geübt hatten. Und nun dieser geballte Haufen an Information. Ungepolstert. Was passiert da mit unseren Prinzen und Prinzessinnen? Die Macht zurückerobern

Die kommenden Wochen machten es klar. Denn in der Schule ist jedes Kind, selbst der folgsamste Prinz und die hübscheste Prinzessin, nur eines unter vielen. Gleiche Rechte und gleiche Pflichten gelten hier. Über Nacht werden aus kleinen Wunschkindern kleine Schulbürger. Gut möglich, dass die Lehrerin sogar ein anderes Kind dem meinigen vorzieht, und unweigerlich kommt der Tag, an dem das Kind eine Verbesserung zum zweiten Mal abschreiben oder drei Seiten Rechenaufgaben bewältigen muss, ob es nun darauf Lust hat oder nicht. Mit Sicherheit kommt auch der Moment, wo es wegen einer Dummheit nachsitzen muss oder das Turnzeug vergessen hat und nicht mitturnen darf. Dieser Gedanke ist unangenehm. Manche Eltern schäumen dann vor Empörung und tragen ihren verletzten Stolz in eine E-Mail, ein Gespräch. Noch mehr Nervosität grassiert nur noch in der Mittelstufe, wenn die spielerische Leichtigkeit der Unterstufe abklingt und es darum geht, den Übertritt in die nächstbeste Stufe durchzusetzen. Will man da wirklich dabei sein? Andererseits gibt es da auch die Gruppe der Eltern, die sich sofort mit dem gesamten Lehrkörper solidarisiert. Zu jedem erdenklichen Anlass Selbstgebackenes beisteuern, ein Zusatzheft mit fakultativen Hausaufgaben einfordern oder nach den Schulanlässen noch freiwillig den Boden wischen. Noch ratloser aber stimmt mich auch nach vielen Jahren jene Spezies, die soziales Lernen als Unfug betrachtet und sich täglich alle Missetaten der anderen Kinder berichten lässt. Die Dinge, die meine Früchtchen heimlich taten und tun, gehen mich mit wenigen Ausnahmen nichts an, denn: Hat nicht auch jedes Kind das Recht auf ein bisschen unstrukturiertes Eigenleben und Geheimnisse? Wollen wir wirklich alles wissen, was sie täglich treiben? Sind Kontrolle und allumfassender Schutz wirklich kindgerecht? Die Helikopter-Eltern sagen: Ja. Lautstark 52 

Ich rutsche auf dem Stuhl herum wie eine driftende Kontinentalplatte.

beklagen sie sich am eigens einberufenen SpezialElternabend, bei den Nachbarn und in hartnäckigen Fällen sogar persönlich, dass der Tochter ein, nur ein Handschuh versteckt wurde oder der Sohn auf dem Nachhauseweg mit Kirschsteinen beworfen wurde, sogar zweimal! Schlichten ist nicht nötig

Auch das ist Schule: Zoff auf dem Pausenplatz. Ein Tummelfeld zwischen Adoration und Aggression. Wo man auch als Zehnjähriger noch prima Verstecken spielen kann und die Pausenknacker kollektiv zerbröselt. Ein Ort aber auch, an dem man sich aus niedrigen Beweggründen voll krass konkrete Beschimpfungen an den Hals wünscht, eine Rauferei vom Zaun bricht oder im Fussballspiel einen sauberen Beinsteller riskiert. Empörte und atemlose Gemüter, manchmal auch körperliche Schrammen gilt es dann am Familientisch zu besänftigen und einige Dutzend vermisste Gegenstände neu anzuschaffen. Ja, auch meinem Kind wurde schon die Mütze in den Bach geworfen, eins an den Kopf gehauen und die Brille verbogen. Der Höhepunkt war ein zuoberst auf dem Index stehendes Schimpfwort, das ein eifersüchtiger Klassenkamerad meinem Erstklässler zurief (und das eigentlich mir galt). Dieser war so irritiert darüber, dass er sogar vergass, beim Mittagessen den Brokkoli auf dem Teller zu ignorieren. Unschöne Geduldsproben, gewiss, doch trotzdem bin ich zum Schluss gelangt: Nein, man muss tatsächlich nicht über alles reden. Ein Schulkind zu haben, bedeutet eben nicht, die individuellen erzieherischen Ideale in einer Art Grundsatzdebatte bei jeder Gelegenheit unaufgefordert zu artikulieren. Die Petzerei ihres Kindes zu loben, indem die Eltern ein anderes beschimpfen, obwohl sie nicht einmal dabei waren, dient letztlich nur der Ich-Bezogenheit, nicht aber dem Kind. Gibt es Streit, wird er ausgetragen. Punkt. Ein Kind siegt oder es erlebt eine Niederlage, ohne dass Erwachsene gleich mit Blaulicht und Sirene herbeieilen müssen. Schule ist Bildung, keine Dienstleistung. Das ist zwar den Lehrpersonen klar, aber leider nicht allen Eltern. Nach sicher 20 durchgestandenen, mehrheitlich launigen und friedvollen Elternabenden wuchs in mir die Erkenntnis, dass die Gefühle, die Eltern eines frischgeFrühjahr 2016  Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra


Bild: Keystone

backenen Schulkindes überkommen, auf einem unschö­ nen Sentiment basieren: der Eifersucht. Denn mit dem Schuleintritt ergreift eine neue Kraft Besitz von diesem unserem Kind und wird es prägen. Die Lehrer tun dem Kind Gutes, auch wenn sie es niemals so lieben werden wie die eigenen Eltern und obwohl sie versuchen, alle Kinder der Klasse gleich zu behandeln. Das ist scheinbar leicht zu begreifen, emotional aber bleibt es schwierig. Deshalb werden viele Eltern immer misstrauisch sein. Doch sollte die elterliche Energie nicht lieber der Über­ legung zufallen, wie man sich in der Diskussion um eine verbesserte Qualität bei Bildung und Erziehung einbrin­ gen könnte? Sich aus Kinderstreitigkeiten raushalten: ja! Das bedeutet eben nicht, sich aus der Schule rauszu­ halten. Sondern neugierig zu sein und Anteil zu nehmen an dem, was das Kind ausser Haus erlebt. Denn es ist auch gut, wenn die Schule etwas von den Kindern for­ dert. Und sie ist auch Spass. Museumsbesuche, Realien­ expeditionen, Universitätsausflüge, Wanderungen, Schulfeste mit Geisterbahn: Von all dem konnte ich in meiner Schulzeit nur träumen, und selbst ich tat viele

interessante Dinge. Also sollten Empörungsschreie in Gelassenheit umgelenkt werden oder zumindest jenen unterbehüteten Kindern zugutekommen, die an den Besuchstagen stets unbesucht bleiben. Oder jenem Kind, das immer zu spät und ohne Frühstück zum Unterricht kommt und Ausflüge verpasst, weil es mor­ gens niemand weckt. <<<

Claudia Landolt

ist Mutter von vier Jungs zwischen vier und zwölf Jahren und damit zwingend gelassenheitserprobt. Allerdings wünscht sie sich manchmal eine Sekretärin für die Erledigung des schulischen Papierkrams.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201653


Erziehung & Schule

Das Strahlen bewahren

Wochenlang hat die Tochter unserer Autorin auf diesen Tag hingefiebert. Dann war er da, der erste Schultag – und mit ihm viele neue Gspänli, Aufgaben und grosse Erwartungen. Text: Marianne Rupp

«Schon die Kindergartenzeit war ein Lehrstück. Ich musste lernen loszulassen.» Marianne Rupp ist freie Journalistin. Sie freut sich, ihre Tochter durch das Abenteuer Schule zu begleiten und ist gespannt, was dabei selber auf sie zukommt.

D

a sitzt sie nun in der ersten Reihe. Ihre Augen strahlen vor Stolz. Ich mache noch schnell ein Foto – und strahle nicht minder stolz zurück. Nun ist sie also eine Erstklässlerin, meine Tochter. Seit vielen Wochen hat sie sich auf diesen Tag gefreut: endlich zu den Grossen zu gehören und mit ihrem neuen Thek in die Schule zu gehen. Ihre Erwartungen an das neue Leben sind gross. Angst vor Neuem? Dem grossen Pausenhof, auf dem sich alle Schüler tummeln, im Gegensatz zum Kindergarten, der gerade einmal zwei Gruppen beherbergt? Meine Tochter sieht das positiv: «Mami, dann sehe ich alle meine Freundinnen wieder, die schon vor mir in die Schule gekommen sind.» Wird sie den langen Schulweg allein gehen wollen? Kein Problem, da treffe man doch andere Kinder. Wird sie die Hausaufgaben gerne machen? Auch das keine Frage: Natürlich werde sie die gerne machen. Wozu hätte sie sonst ein neues Pult bekommen – samt pinkfarbenem Stuhl. Egal, welche Fragen ich stelle, meine Tochter freut sich auf die Schule. Ohne Wenn und Aber. Auch ich bin entspannter als noch beim Kindergarteneintritt. Über was habe ich mir damals alles Sorgen gemacht: Wird sie gut mit den anderen Kindern auskommen, Freundinnen finden? Kann sie sich beim Turnen selber an- und ausziehen? Und erst der hohe Kletterturm im Garten. Da könnte sie sich wer weiss was brechen, wenn … Ja, wenn … Beim Schuleintritt weiss ich, meine Tochter hat sich im Kindergarten das nötige Rüstzeug angeeignet. Sie ist selbständiger geworden, passt besser auf sich

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auf und meistert den Schulweg alleine. Auch hat sie gelernt, sich in eine Gruppe einzufügen und wenn es doch einmal Streit gibt, sich wieder zu versöhnen. Und ganz wichtig: Sie ist motiviert für die Schule und neugierig auf das, was sie alles Spannendes lernen wird. Und auch für mich war die Kindergartenzeit ein nötiges Lehrstück. Ich lernte loszulassen, Vertrauen zu haben und die anfangs erdrückende Einsamkeit der Vormittage (unsere Tochter ist ein Einzelkind) als Chance zu begreifen, um wieder zu arbeiten. Sind die beiden Lehrerinnen nett? Finde ich wieder Freundinnen? Diese Fragen beschäftigen meine Tochter am meisten. Die Antwort auf die erste Frage lautet am ersten Schultag klar: ja! Ein paar Tage später hat sie auch ihre drei besten Freundinnen auserkoren – wobei je nach Tagesform ein paar mehr dazukommen können. Aber wie steht es um das Lernen? Nach dem zweiten Schultag erklärt mir meine Tochter: «Ich bin enttäuscht, ich habe mir die Schule anders vorgestellt, das ist ja wie im Kindergarten.» Lesen, rechnen und Neues lernen wolle sie und nicht wieder spielen und malen. Zum Glück bekommen die Schüler bald die neuen Rechen- und Schreibhefte und meine Tochter erledigt zufrieden ihre Hausaufgaben. Dabei fällt mir auf, wie schnell sie immer fertig ist. Bald ist klar: Die Aufgaben sind (noch) keine Herausforderung für sie. Lesen und Rechnen konnte sie schon ganz passabel vor Schuleintritt. Einige Mütter erzählen, dass es ihren Kindern ähnlich geht, andere beklagen sich, wie lange ihre Kinder an den Hausaufgaben sitzen, wie müde sie von der Schule sind. Kinder unterscheiden sich beim Schuleintritt stark in ihrem Wissen, Können und auch in ihren sprachlichen Fähigkeiten. Einige fühlen sich daher überfordert, während andere sich langweilen. Was also tun, um mein Kind zu unterstützen? Sie in ihrer Freizeit mit Hobbys wie Musik- oder Tanz­ unterricht fordern und fördern? Oder einfach abwarten, bis sich die unterschiedlichen Niveaus der Schüler irgendwann angleichen? Den richtigen Weg zu finden, ist schwierig. Aber mein Ziel ist klar: Meiner Tochter helfen, das Strahlen in ihren Augen zu bewahren. Frühjahr 2016  Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra


Service

N E G A 7 FR zum Übertritt in die Primarschule Eltern drängen sich viele Fragen auf. Das sollten Sie wissen!

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Können Eltern mitbestimmen, in welche Klasse ein Kind kommt? Nein. Fast alle Gemeinden haben einen eigenen Verteilschlüssel (Ge­ schlecht, Alter, Wohnort bezie­ hungsweise Schulweg, Nationalität). Interventionsversuche der Eltern kommen bei den Schulleitern nicht gut an. Aber gegen eine höfliche Fra­ ge kann niemand etwas einwenden. Die Begründung sollte man sich allerdings gut überlegen. Ein «wenn unser Kind mit ihrer besten Freun­ din zusammen ist, fällt die Einge­ wöhnung leichter» wird kaum aus­ reichen.

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Wann und wie erhalte ich die Informationen zum Übertritt in die Primarschule? Die Einteilungen kommen per Post, meistens Ende Mai oder Anfang Juni vor Beginn des neuen Schuljahres. In diesem Brief werden auch der offizielle Besuchstag sowie die wei­ teren Veranstaltungen mitgeteilt.

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Kind erhält auch Einladungen zu Schulanlässen und Sportveranstal­ tungen und zahlreiche weitere Infor­ mationsblätter, die ausgefüllt und visiert werden müssen. Zudem gibt es Elternbüchlein, in dem Lehrer wichtige Termine eintragen – und auch kontrollieren, ob das Kind die Post abgegeben hat. Auch alle Tests müssen unterschrieben werden. Des­ halb gilt die Devise: Halten Sie immer einen Kugelschreiber bereit!

Was braucht mein Kind an Erstausstattung? Ein Schulthek mit Schuletui, Finken und ein Turnsäckli. Turnschuhe sind nicht zwingend. Eine Malschürze ist ebenfalls empfehlenswert. Beim Schulthek ist darauf zu achten, dass er zehn Prozent des Körpergewichts nicht überschreitet. Ein guter Thek muss eng am Rücken liegen und die Gurte breit gepolstert sein.

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Wie viel Bürokratie kommt auf uns zu? Nicht wenig. Die ersten Wochen bis zu den Herbstferien sind vollgepackt mit diversen Veranstaltungen, Ein­ ladungen zu Elternabenden und Informationsveranstaltungen. Ihr

Text: Claudia Landolt

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Mein Kind kommt im Sommer in die erste Klasse und hat neu einen Hortplatz. Wie kann ich es darauf vorbereiten? Der Übertritt in die Primarschule ist eine grosse Umstellung für Eltern und Kinder. Um die Kleinen nicht zu überfordern, legt man den Eltern nahe, die nachmittägliche Verweil­ dauer des Kindes im Hort behutsam zu steigern. In den ersten Wochen, so empfehlen Pädagogen, sollten die Kinder wenn möglich bereits am frühen Nachmittag abgeholt werden. Berufstätige Eltern sollten voraus­ schauend planen: Vielleicht kann die Oma, eine Freundin oder die Gotte das Bringen und/oder Abholen über­ nehmen? Plus: Eltern, deren Kinder eine Morgen- oder Nachmittagsbe­ treuung haben, sollten sich erkundi­ gen, ob das Angebot auch wirklich am ersten Schultag beginnt.

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Können sich Eltern über schlechte Noten beschweren? In der ersten Klasse bekommt Ihr Kind das erste Zeugnis. Doch klas­ sische Noten gibt es erst in der zwei­ ten Klasse. Noten werden jedoch nicht mehr mit dem Taschenrechner ermittelt, es handelt sich vielmehr um ein ganzheitliches Expertenur­

teil. Trotzdem bringen Zeugnisnoten immer wieder Eltern gegen die Leh­ rer auf, manche schalten sogar einen Anwalt ein. Beschwerdefähig ist ein Zeugnis zwar, aber dass Rekursen stattgegeben wird, ist sehr selten.

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Was, wenn mir die neue Lehrerin total unsympathisch ist? Der Übertritt in die Primarschule bedeutet für Eltern vor allem eines: in manchen Dingen weniger Einfluss zu haben. Das kann die Kleidung betreffen, die das Kind anziehen möchte, die Auwahl der Spielkame­ raden oder eben auch die Lehrerin. Es mag ja sein, dass diese Ihnen als allzu strenge Gouvernante erscheint, aber das behalten Sie besser für sich. Denn in der Regel lieben Schulan­ fänger ihre Lehrerin. Was sie sagt, wird gemacht, und zwar genau so, wie sie es sagt. Mitreden können Sie trotzdem. Interesse, Anteilnahme und Unterstützung von Eltern sind in der Schule notwendig und erwünscht. Es ist wichtig, dass Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer gut zusammenarbeiten. Zeigen Sie also Interesse daran, was Ihr Kind gerade erlebt und erfahren hat und womit es sich beschäftigt. Und bedenken Sie: Eltern kennen ihr Kind besser als die Lehrer, aber Lehrer verstehen mehr vom Lernen als Eltern.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201655


Buchtipps

Literatur zum Thema Uta Reimann-Höhn: Einmal 1. Klasse, bitte! So gelingt der Übergang vom Kindergarten in die Schule Wie kann ich mein Kind bestmöglich auf die Schule vorbereiten? Wie lässt sich der Übergang vom Kindergarten in die Schule optimal gestalten? Die Diplompädagogin und Lerntherapeutin beantwortet die wichtigsten Fragen zum Schulstart. Dazu: Tests und Checklisten. Herder Verlag, 2011, 64 Seiten, ab Fr. 12.90

Adolf Timm und Klaus Hurrelmann: Stark in die Schule. Was Kinder vor der Einschulung brauchen Hier werden Eltern durch neun Kompetenzen geführt, die ein Kind erwerben sollte, um die Schule erfolgreich und glücklich zu meistern, darunter: Neugier, Selbstwertgefühl, Zielstrebigkeit, Freiheit, Resilienz. Das Autorenduo, zwei deutsche Jugendforscher, zeigt, dass es auf die richtige Balance ankommt, um grösser gewordene Erwartungen in Schule und Gesellschaft zu meistern. Beltz Verlag, 2015, 223 Seiten, ab Fr. 21.30

Doris Rübel: Wieso? Weshalb? Warum? Ich komme in die Schule In diesem Klapp-Bilderbuch entdecken Kinder spielerisch, was es mit der Schule auf sich hat: Vom Aussuchen des Schultheks über den Schulweg bis zum ersten Schultag werden viele Fragen beantwortet, die Schulanfängern unter den Nägeln brennen. Ravensburger, 2015, Ringbuch, 16 Seiten, Fr. 21.90

Irina Korschunow: Für Steffi fängt die Schule an Schultag! Zuerst wird Steffi bei der Klassenzuteilung vergessen, dann ist auch noch der Platz neben ihrer besten Freundin Marei besetzt. Wie die tapfere Steffi den turbulenten Schulbeginn mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Eltern und ihres kleinen Hundes Murkel meistert, zeigt diese schöne Mutmach-Geschichte. Dtv junior Verlag, 2001, 73 Seiten, Fr. 13.50

Sabine Jörg und Antje Drescher: Der Ernst des Lebens «Wenn du in die Schule kommst, beginnt der Ernst des Lebens», sagen alle zu Annette. Doch dann kommt alles anders und Annette beschliesst, sich in Zukunft keine Angst mehr von den Grossen machen zu lassen. Thienemann-Esslinger Verlag, 2015, 32 Seiten, Fr. 17.90

Martin Baltscheit: Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte. Den Löwen stört es nicht, dass er nicht schreiben kann. Schliesslich kann er brüllen und die Zähne zeigen. Das reicht ihm. Erst als er einer lesenden Löwin begegnet und sich in sie verliebt, kommt er ins Grübeln, denn «eine Löwin, die liest, ist eine Dame. Und einer Dame schreibt man Briefe. Bevor man sie küsst.» Beltz Verlag, 2014, 40 Seiten, Fr. 19.90

Broschüren

Links

Infobroschüren mit wich­ tigen Adressen geben die einzelnen Kantone heraus, beispielsweise der Kanton Appenzell Innerrhoden: «Vom Kindergarten in die Primarschule». Informationen für Eltern und Erziehungsberechtigte im Kanton Appenzell Innerrhoden, Herausgeber: Erziehungs­ departement Appenzell Innerrhoden, 2015. Kostenlos herunterzuladen auf: www.ai.ch > Suchbegriff: Einschulung

Viele wichtige Informationen rund um das Thema Gesundheit und Schulstart bieten die Schulärztlichen Dienste der Gemeinden, Städte und Kantone. Der Schulärztliche Dienst der Stadt Zürich zum Beispiel bietet unter anderem folgende Infoblätter: «Informationsblatt für Eltern und Lehrpersonen – Bewegungsempfehlungen für Kinder» «Information für Eltern von Kindern vor dem Eintritt in die 1. Klasse und in der Unter- und Mittelstufe – Der passende Schulthek» «Information für Lehrpersonen und Eltern – Richtig Sitzen ist Einstellungssache!» «Znüni und Zvieri» – Leckere und gesunde Rezepte für die Schule und den Hort Kostenlos zu bestellen bzw. herunterzuladen auf: www.stadt-zuerich.ch, Suchbegriff: Allgemeine Gesundheitstipps Die Schweizerische Vereinigung der Elternorganisationen SVEO bietet ein Merkblatt zum Schulbeginn. Download unter www.sveo.ch > Suchbegriff: Schul­ beginn

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Frühjahr 2016  Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra


Service

Wussten Sie, dass … Text: Claudia Landolt

… Ihr Kind trotz Krankheit Haus­ aufgaben machen muss?

Ist Ihr Kind krank, müssen Sie es bei der Lehrperson abmelden. Es muss die Hausaufgaben (und auch allfällige Tests) dennoch nachholen. In der Regel bringt ein Klassengspänli dem Kind die Hausaufgaben.

Kölner Psychologieprofessor Gerhard Lauth festgestellt, der seit Jahren mit Kindern arbeitet. Das wissen die Schulen und arbeiten deshalb nicht nur mit unterschiedlichen Unterrichtssequenzen, sondern bieten in den Schulzimmern auch Ruhe- und Leseecken an, ein Trampolin und auf den Gängen sogar einen Töggelikasten, an dem die Kinder sich «abreagieren» können.

… Ihr Kind auch in der ersten Klasse … sich in der Schweiz rund ein Fünftel Anrecht auf zwei Jokertage hat? Bei Jokertagen handelt es sich gemäss Paragraf 30 der der Bevölkerung in Ausbildung Volksschulverordnung um ein Ferienguthaben von zwei befindet? Tagen oder Halbtagen, die eine Schülerin oder ein Schüler während eines Schuljahres beanspruchen darf. Diese können auch für Ferienverlängerungen eingesetzt werden. Um einen Jokertag einzuziehen, müssen Eltern kein Gesuch stellen, die Lehrperson aber im Vorfeld informieren.

Gemäss Bundesamt für Statistik befinden sich rund 1,5 Millionen Personen in Ausbildung. Der grösste Teil davon sind Kinder auf der Primarstufe; rund 450 350 waren es laut der letzten Erhebung. Das sind fast doppelt so viele wie auf der Tertiärstufe, also der höheren Berufsbildung an Fachhochschulen und Universitäten.

… es in der Schweiz eine offizielle Schule ohne Aufgaben, Prüfungen und Noten gibt?

… sich die teuerste Schule der Schweiz im Kanton Waadt befindet?

In der staatlich bewilligten Villa Monte im Kanton Schwyz können Kinder lernen, wie und was sie wollen, gestalten ihren Alltag völlig frei. Die Hausregeln sind auf drei Punkte beschränkt: auf den respektvollen Umgang miteinander, das Einhalten von Ordnung und einen nicht zu überschreitenden Aktionsradius um das Haus. Klare Haltung auch von Seiten der Leitung: «Wir vertrauen unseren Kindern», sagt die 62-jährige Gründerin und Leiterin Rosmarie Scheu, «wir glauben, dass alle ihren Weg finden.»

… sich ein fünf- bis siebenjähriges Kind maximal fünfzehn Minuten konzen­ trieren kann?

Höchstens eine Viertelstunde können sich fünf- bis siebenjährige Kinder im Durchschnitt konzentrieren. Bei Zehnjährigen steigt die Aufmerksamkeitsspanne auf etwa 20 Minuten. Das bedeutet: Die meisten Klagen über mangelnde Konzentration erwachsen aus unrealistischen Erwartungen von Erwachsenen. Das hat der

Das Internat Le Rosey in Rolle VD ist exklusiv, sehr exklusiv. Und laut Privatschulführer des Verbandes Schweizerischer Privatschulen auch die teuerste Schule der Schweiz: Für ein Jahr werden inklusive aller Extras rund 140 000 Franken fällig.

… dass Laustanten vor allem nach den Ferien viel zu tun haben?

Läuse sind harmlose, aber lästige Viecher, weil sie nicht nur ganze Klassen, sondern auch ganze Familien befallen und lästigen Juckreiz verursachen können. In Schulen sind sie besonders nach den Ferien häufig anzutreffen, warum, weiss keiner. Läuse krabbeln im direkten Kopfkontakt von einem Haarschopf zum anderen. Das passiert etwa, wenn Kinder die Köpfe zusammenstecken. Um der Plage Herr zu werden, kann die Schulleitung eine Laustante kontaktieren, die in der Schule die Kinder untersucht und die Eltern über die mögliche Behandlung informiert. Sie erklärt auch, warum Läuse kein Zeichen mangelnder Hygiene sind.

Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra  Frühjahr 201657


Abgedruckt

«Was hatten wir heute für einen schönen Tag» Das ist schon ein paar Wochen her, dass Anne in die Schule gekommen ist, aber ich werde den Tag nie vergessen. Sie haben eine wunderschöne Feier gemacht mit Schülern, Lehrern und Eltern als Publikum vor einer Bühne, auf der die Lehrerin stand und die neuen Schüler einzeln mit Namen rief. Jedes Kind musste auf die Bühne kommen, gab der Lehrerin die Hand und bekam eine Sonnenblume, und als alle da waren, erzählte sie ihnen eine Geschichte. Wissen Sie, was Antje und ich gedacht haben, als wir mit Anne im Auditorium sassen und warteten, dass sie aufgerufen wurde? Nie, haben wir gedacht, nie geht Anne allein an den ganzen Leuten vorbei, nie geht sie allein auf die Bühne, und nie gibt sie der Lehrerin allein die Hand. Never! Und was geschah, als die Lehrerin «Anne Hacke» rief? Anne stand auf, ging allein an den ganzen Leuten

vorbei, allein auf die Bühne, und allein gab sie der Lehrerin die Hand. Einmal hat sie sich umgeschaut unterwegs. Und ich sass da, und mir zitterte die Unterlippe, aber geheult habe ich erst nachts, als ich aufwachte und wieder daran denken musste. Steht das Kind auf und geht allein weg von uns, dachte ich – das ist schön und schwer zugleich. Erziehen heisst, dachte ich noch, Kinder in Unabhängigkeit und Selbständigkeit zu führen, und davon haben wir wieder ein Stück geschafft – Antje vor allem natürlich, aber ich auch ein bisschen. Antje hat übrigens gesagt, sie hätte nachmittags im Garten hinter der Hecke Anne und Felix belauscht, ihren Freund und Schulkameraden, und Anne hätte gesagt: «Ach, was hatten wir heute für einen schönen Tag, Felix. Und morgen haben wir wieder so einen schönen.» Und ich auch, Leute. Ich auch!

Aus: «Schöne Tage» von Axel Hacke, mit Bildern von Michael Sowa, Verlag Antje Kunstmann, 2006, München

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Februar 2016  Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi Schul-Extra


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16. Jahrgang. Erscheint 10-mal jährlich Herausgeber Stiftung Elternsein, Seehofstrasse 6, 8008 Zürich www.elternsein.ch Präsidentin des Stiftungsrates: Dr. Ellen Ringier, ellen@ringier.ch, Tel. 044 400 33 11 (Stiftung Elternsein) Geschäftsführer: Thomas Schlickenrieder, ts@fritzundfraenzi.ch, Tel. 044 261 01 01 Verlag Fritz+Fränzi, Dufourstrasse 97, 8008 Zürich, Tel. 044 277 72 62, info@fritzundfraenzi.ch, verlag@fritzundfraenzi.ch, www.fritzundfraenzi.ch Leiter Business Development & Marketing (Stv. Verlagsleitung): Tobias Winterberg, t.winterberg@fritzundfraenzi.ch Verlagsadministration: Dominique Binder, d.binder@fritzundfraenzi.ch, Tel. 044 277 72 62 Verlagsassistentin: Éva Berger, e.berger@fritzundfraenzi.ch, Tel. 044 277 72 67 Redaktion redaktion@fritzundfraenzi.ch Chefredaktor: Nik Niethammer, n.niethammer@fritzundfraenzi.ch Evelin Hartmann (Stv. CR, z. Zt. im Mutterschutz), e.hartmann@fritzundfraenzi.ch Bianca Fritz, b.fritz@fritzundfraenzi.ch Claudia Landolt, c.landolt@fritzundfraenzi.ch Leo Truniger, l.truniger@fritzundfraenzi.ch Onlineredaktion: Irena Ristic, i.ristic@fritzundfraenzi.ch Verantwortlich für diese Extra-Ausgabe Nik Niethammer, Evelin Hartmann Redaktionelle Mitarbeit Michèle Binswanger, Susan Edthofer, Fabian Grolimund, Axel Hacke Jesper Juul, Stefan Michel, Virginia Nolan, Stefanie Rietzler, Marianne Rupp, Ursi Steiner Art Direction/Produktion Partner & Partner, Winterthur, www.partner-partner.ch

Bildredaktion 13 Photo AG, Zürich, www.13photo.ch Korrektorat Brunner AG, Kriens, www.bag.ch Anzeigen Anzeigenverkauf: Brigitte Killias, b.killias@fritzundfraenzi.ch, Tel. 044 277 72 60 (vormittags erreichbar) Jacqueline Zygmont, j.zygmont@fritzundfraenzi.ch, Tel. 044 277 72 65 Bettina Müller, b.mueller@fritzundfraenzi.ch, Tel. 044 577 06 88 Anzeigenadministration: Dominique Binder, d.binder@fritzundfraenzi.ch, Tel. 044 277 72 62 Druck Konradin Heckel, www.konradinheckel.de Auflage der regulären Ausgabe (WEMF/SW-beglaubigt 2015) total verbreitet 103 381 davon verkauft 17 206

Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Freiburg, www.unifr.ch/iff

Schweizerische Vereinigung der Elternorganisationen, www.sveo.ch

Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, www.lch.ch Marie-Meierhofer-Institut für das Kind, www.mmizuerich.ch

Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz, www.vslch.ch

Jacobs Foundation, www.jacobsfoundation.org

Forum Bildung, www.forumbildung.ch

Schule und Elternhaus Schweiz, www.schule-elternhaus.ch

Pädagogische Hochschule Zürich, www.phzh.ch

Auflage dieser Extra-Ausgabe 55 000 Preis Jahresabonnement Fr. 68.– Einzelausgabe Fr. 7.50 iPad pro Ausgabe Fr. 3.– Abo-Service Galledia Verlag AG Berneck Karin Schwarz Tel. 0800 814 813, Fax 058 344 92 54 abo.fritzundfraenzi@galledia.ch

Elternnotruf, www.elternnotruf.ch Schweizerischer Verband alleinerziehender Mütter und Väter SVAMV, www.svamv.ch

Pro Juventute, www.projuventute.ch

Für Spenden Stiftung Elternsein, 8008 Zürich Postkonto 87-447004-3 IBAN: CH40 0900 0000 8744 7004 3

Pro Familia Schweiz, www.profamilia.ch Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich, www.hfh.ch

Schweizerisches Institut für Kinder- und Jugendmedien, www.sikjm.ch

Kinderlobby Schweiz, www.kinderlobby.ch


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