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Heimat∙Kurier

43. JAHRGANG

DAS HISTORISCHE MAGAZIN DES NORDBAYERISCHEN KURIERS

NR. 3/2010

Zar Ferdinand

Zaungäste

Zurückweisung

Zyniker

Er war Wagner verfallen – und den Auerhähnen. Brückenschlag von Bulgarien zum Grünen Hügel.

Seit Generationen stehen sie hinter Gittern Spalier und spenden Beifall – manchmal war’s auch peinlich.

Vaterländische Pflichtverletzung? Warum Theodor Heuss niemals die Festspiele besuchte.

Er spottete über lebende Bierfässer und „diese dumme, kleine Stadt in Nordbayern“: George B. Shaw.


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Liebe Leser, in dieser Ausgabe finden Sie einen bisher unveröffentlichten Brief des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss an den damals vielleicht einflussreichsten Bayreuther Dr. Konrad Pöhner. Geschrieben wurde er am 30. Juli 1959, als Heuss gerade erst Ruheständler geworden war. Befreit von den Zwängen des Amtes machte der vom Volk als „Papa Heuss“ verehrte Intellektuelle seinem Ärger über Bayreuther Vorwürfe kräftig Luft – auf eine so geistvolle wie amüsante Weise, wie es im Politbetrieb Seltenheitswert hat. Trotz der Brieflänge halte ich es für unverzeihlich, den Lesern auch nur eine Zeile vorzuenthalten. Heuss selbst ordnete seinen Brief als „in manchen Stücken gewiss taktlos“ ein. Übrigens erschien bereits ein Jahr nach diesem präsidialen Rechtfertigungsessay tatsäch-

inhalt Schwan, Schwan Seite 3

Theodor Heuss Seite 4/5

George B. Shaw Seite 6

Dirigenten Seite 7

A. Schweitzer Seite 8/9

Anton Bruckner Seite 9

Die „Eule“ Seite 10

1. August 1960: Erster Staatsbesuch nach 1945 mit dem thailändischen Königspaar und dem zweiten Bundespräsidenten Heinrich Lübke mit Frau auf dem Grünen Hügel. Festspiele vor 50 Jahren – am 1. August 1960 – endlich wieder Staatsbesuch erhielten. Neben den braven Lübkes erschien damals ein exotisch anmutendes Königspaar: der jugendliche König Bhumibol von Thailand und seine bezaubernde Königin Sirikit. Beide stehen ein halbes Jahrhundert später noch immer an der Spitze Thailands, doch

Triumphpforte in der Bahnhofstraße zum Bayern-Jubiläum lich ein bundesdeutsches Staatsoberhaupt bei den Festspielen – nur hieß dieses Heinrich Lübke und war intellektuell zwei Etagen tiefer zu Hause. Seitdem hat es jedoch kein Bundespräsident mehr gewagt, den Festspielen die kalte Schulter zu zeigen ... * Lübke hin, Lübke her: Wohlgetan hat es den Bayreuthern auf jeden Fall sehr, als die

mich noch lebhaft an diesen 1. August 1960 erinnern. Es herrschte trostloses Regenwetter, aber Tausende Bayreuther standen wie ich glückselig an der Auffahrt Spalier und sonnten sich im monarchischen Glanz. * Denkt man an die Begeisterung für die Fußball-WM zurück, so war die Anteilnahme am großen Bayern-Jubiläum geradezu mickrig. 200 Jahre sind die Bayreuther nun Bürger des Bayernlandes, und vor 100 Jahren wurde das damalige Jubiläum drei Tage lang geradezu enthusiastisch gefeiert. Heute sieht es so aus, als würden sich die meisten Bürger fast ein wenig genieren, zu Bayern zu gehören. So schön das in jüngster Zeit neu erwachte Franken-Bewusstsein auch ist – die Zugehörigkeit zum weiß1910. blauen Königreich bzw. Freistaat ist den Bayreuthern nicht schlecht bekommen. Wenigstens der Regierungspräsident wusste, was er dem Jubiläum schuldig war, auch wenn kein einziger Vertrauter der Stadtspitze anwesend war.

der schwer kranke Monarch musste zuletzt – trotz höchsten Ansehens beim Volk – fast ohnmächtig zusehen, wie sein Land in revolutionären Wirren versank. Die Tochter des Herrscherpaares kam vor einigen Jahren zu einem sehr diskret gehaltenen Besuch nach Bayreuth, wo sie aufmerksam die Bilder vom elterlichen Festspielaufenthalt studierte. Ich selbst kann Bernd Mayer

Knappertsbusch Seite 11

Hügelzaungäste Seite 12/13

Zar Ferdinand Seite 14/15

Thiergarten Seite 15/16

Wagnerkinder Seite 17

Alte Mühlen Seite 18

Herzogmühle Seite 19

Mohren-Apotheke Seite 20

Heinrich Schütz Seite 21

Einst & jetzt Seite 22

Bayreuth-Quiz Seite 23

Wafners Lexikon Seite 24

Kaul-Hanni 24

Unser Titelbild Diese Ansicht vom Wagnertheater mit zwei Kutschen und Spaziergängern ist als Farblithographie um 1880 bei Schaffstein (Köln) erschienen. Der Künstler wird auf dem Blatt mit L. Kempner angegeben. Auf der Ansicht ist das Königsportal bereits an das Festspielhaus angefügt


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Schwan, Schwan, überall Schwan... Ansichtskartenkitsch als Zubringer zu Wagners Opernwelt

Keine Szene hat das WagnerPublikum so fasziniert wie die Ankunft Lohengrins mit dem Schwan. Marcel Prawy, der verstorbene Wiener Opernkenner, stellte sogar die Behauptung auf, dass die Kitschkartenflut mit dieser Lieblingsszene „der bedeutendste Schritt zur Popularität von Richard Wagner“ gewesen sei.

Ein Regisseur, der sich am Schwan vergreife, vergeude sein Talent, so Prawy. Die hier abgebildeten Karten wurden um 1900 gedruckt. Bayerns Märchenkönig Ludwig II. als Schwanenritter – dieses Motiv verkaufte sich vor 100 Jahren beim Publikum besonders gut. In vielen Variationen zog der schneeweiße Schwan den Nachen mit dem majestätischen Passagier durch die blauen Fluten, und die Kinder der schönen Epoche vor dem Ersten Weltkrieg konnten nicht genug davon kriegen. Das moderne Regietheater hat für solche Romantik wenig Sinn. Immerhin durfte bei Filmemacher Werner Herzog Ende der 80er Jahre der Schwan noch auf einem Laserstrahl im Festspielhaus erscheinen.


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Warum Heuss den Grünen Hügel mied

Der erste Bundespräsident artikulierte erst im Ruhestand seine Abneigung gegen Wagner Von Bernd Mayer Aus Bayreuther Sicht hatte Theodor Heuss, der erste Bundespräsident der jungen Bundesrepublik, nur einen Makel, aber der wog vor allem für Wagnerianer schwer: Der höchste Staatsrepräsentant machte um die Festspiele in seiner zehnjährigen Amtszeit (1949 bis 1959) einen großen Bogen. Zwar hatte er schon in den 20er Jahren und auch in den 40er Jahren der Stadt Kurzbesuche abgestattet, aber niemals zu den Festspielen. Gerade weil „NeuBayreuth“ ab 1951 so sehr bemüht war, die unseligen Schatten der NS-Vergangenheit abzustreifen, schmerzte sie die Ignoranz des hoch angesehenen, klugen und hintergründig-humorvollen „Papas Heuss“, wie er im Volksmund hieß.

cken wir den vollen Wortlaut des Briefes ab. Heuss hat ihn Ende Juli 1959 geschrieben, als er gerade erst Ruheständler geworden war. Sehr geehrter Herr Dr. Pöhner, wie ich in der Zeitung las, haben Sie bei einer Veranstaltung in Bayreuth kritische Klage darüber geführt, dass ich nie zu den WagnerFestspielen komme, und Sie

ob es ein guter Geschmack war, scheint mir die offene Frage. Diese Geschichte mit dem Verhältnis des Heuss zu dem Wagner geht ja nun in zahllosen Briefen und auch gelegentlicher Presse-Polemik durch die zehn Jahre meiner Amtszeit – Dombrowski hat in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sogar einmal einen besonderen, vor-

„Keine vaterländische Pflichtverletzung“

Rechtfertigungsbrief an Dr. Konrad Pöhner Immer wieder ertönte in den 50er Jahren mehr oder weniger laut der Ruf nach bundespräsidialem Glanz am Hügel, und unterschwellig oder auch ganz unverblümt wurde Heuss Vernachlässigung seiner Amtspflicht unterstellt. Dieser Vorwurf traf den ansonsten so souveränen schwäbischen Intellektuellen mehr, als gemeinhin angenommen wurde. Dies geht aus einem Schreiben an Dr. Konrad Pöhner hervor, den späteren Ehrenbürger Bayreuths, der als der „getreue Eckart der Festspiele“ bezeichnet wurde. So geistvoll-trotzig und brillant der Brief auch formuliert ist – letztlich stellt er genau das dar, was der Schreiber nach eigenen Worten unbedingt vermeiden wollte: eine Art Rechtfertigungsschrift.

Hans Walter Wild sah Brüskierung Bayreuths Zum besseren Verständnis ist noch anzumerken, dass wenige Monate zuvor Bayreuths junger und noch wenig feinfühliger Oberbürgermeister Hans Walter Wild den Bundespräsidenten eine „Brüskierung Bayreuths“ vorgeworfen hatte, nur weil dieser den Luisenburg-Festspielen einen offiziellen Besuch abstattete. Nachfolgend dru-

nige meiner engen Freunde blieben ihm, von meiner Skepsis mit ihrem Recht ganz unberührt, bis zu ihrem Ende treu. Ich selber habe es eh je jedem, der es wissen wollte, oder auch dem, der es nicht wissen wollte, mitgeteilt, dass ich mir für die MusikDinge, ob Komposition, ob Qualität der Wiedergabe, eine eigene sichere Zuständigkeit des Urteils gar nicht zuerkenne. Hier handelt es sich um einen ganz offenkundigen Mangel meiner menschlichen Begabung, den ich selber nie geleugnet habe.

Er machte in seinem Brief aus seiner „inneren Ablehnung“ von Wagner kein Hehl: Bundespräsident Theodor Heuss. haben den Zuhörern offenbar damit Freude gemacht, vielleicht auch sich selber. Ich denke nicht daran, mich dagegen öffentlich zu wehren – das würde mir so langweilig wie wichtigtuerisch erscheinen und fast so aussehen, als ob ich das Bedürfnis nach einer „Rechtfertigung“ besässe. Es war ein gutes Recht von Ihnen, mich zu tadeln –

wurfsvollen Aufsatz gestartet. Das rührt mich wenig. Es ist nicht so, dass ich die Werke von Wagner nicht kenne, ich habe wohl die meisten von ihnen gesehen bzw. gehört, aus dem biederen Bildungseifer der Jugend (sogar einmal 1906 die „Meistersinger“ in Paris), in der nahen Verwandtschaft gab es einen wahren Wagnerkult und ei-

Meine innere Ablehnung ruht auch gar nicht darauf, dass Hitler Wahnfried favorisiert hat und sich durch Wahnfried favorisieren ließ. Der Zufall ergab, dass ich in dem Anhang meiner frühen Erinnerungen „Vorspiele des Lebens“ ablehnende Brief-Urteile des siebzehn-, achtzehnjährigen Pennälers abdrucken konnte; es ergibt sich daraus „quellenmässig“, dass diese Haltung keine späte Konstruktion ist. Ich habe deren innere Motive Ihnen nicht zu analysieren. Ich verwahre mich nur gegen den Vorwurf, dass diese meine Haltung so irgend etwas wie vaterländische Pflichtverletzung sei. Dass ich denen gegenüber, die mich nach Bayreuth (das ich übrigens als Stadtgebilde sehr liebe) verlocken wollen, die jokose Antwort gebe, dass in meinem Amtseid das Bekenntnis zu Wagner nicht enthalten sei, dass ich sage, „gewiss ist Wagner in seiner Art ein Genie, nur ist es nicht meine Art“, das Recht zu solchen Bemerkungen – um anderes kann es sich wohl nicht handelt – lasse ich mir von niemandem kürzen.

„Keine Schädigung der Bayreuther Festspiele“ Aus Ihrer Rede kann man entnehmen, dass ich durch Wegbleiben oder durch saloppe Bemerkungen, die von anderen provoziert sind, das Ansehen der Festspiele, und damit wohl Bayreuths selber schädige. Das ist eine falsche (Fortsetzung auf Seite 5)


5 (Fortsetzung von Seite 4) Sicht, die ja durch den Sachbericht über Aufschwung und Wirkung, der in der Presse gegeben wird, sich selber desavouiert. Sie brauchen auch ohne Sorge zu sein, dass die von der hohen Ministerialbürokratie mit arrangierte Gestaltung der öffentlichen Zuschüsse durch meine Skepsis irgendwie beeinflusst worden sei – falls es eine echte Sorge je war, so schafft das Ende meiner Amtszeit gewiss eine Erleichterung.

Kein rotierender Kreisel Ich habe im übrigen nie jemandem, auch von der Regierung, zu- oder abgeredet, zu den Festspielen zu gehen, ich entsinne mich überhaupt nicht eines Gespräches über den „Fall Wagner“, ausser mit dem Bundesminister Dr. Seebohm, der vor Jahren eine nette persönliche Demarche bei mir machte, ich solle doch einmal kommen – ich musste auch ihn enttäuschen.

Altbundespräsidenten als Stammgäste am Grünen Hügel: Von links Walter Scheel, Richard von Weizsäcker und Roman Herzog mit Ehefrauen. Fotos: Günter Saecker

Es war wiederholt, so auch für dieses Frühjahr, ein Besuch von mir in Bayreuth und im Fichtelgebirge in der Vorbereitung – Städte-Einladungen als solche, ohne sonderlichen Anlass habe ich nie angenommen, um nicht zum rotierenden Kreisel zu werden – die Termine wurden dann durch meine Erkrankung verwirrt und sie wieder aufzunehmen, hat der Oberbürgermeister wohl unmöglich gemacht, als er öffentlich meine Fahrt nach Wunsiedel zu dem Raimund-Spiel eine „Brüskierung“ Bayreuths nannte. Zum Schluss dies: Richard Wagner hat keinen Augenblick des ergriffenen Klatschens eines Bundespräsidenten bedurft (so wenig wie der gerühmten Anwesenheit Wilhelms II.), eine Weltfigur Hans Walter Wild: Attacke zu werden und Bayreuth ist, auf den Bundespräsidenten. für Hingerissene und Ergrif-

fene wie für bloss Neugierige und Snobs, Wallfahrtsort geblieben.

Entplüschung Bayreuths

Die Redaktion dankt Eberhard Pöhner, dem Sohn des Bayreuther Ehrenbürgers Dr. Konrad Pöhner, für die Bereitstellung dieses Briefes.

Das, was ich über die Versuche der Wagner-Enkel mir erzählen ließ, Entplüschung des wagnerschen spätromantischen Stiles, hat mir persönlich einiges Vergnügen bereitet. Aber, sehr geehrter Herr Dr. Pöhner, Sie dürfen mir die Nachsicht nicht verweigern und den Versuch verstatten, den knappen Rest meines Lebens ohne die Segnungen Richard Wagners zu vollenden, der ich doch schon als siebzehnjähriger Bub nicht von ihm „erlöst“ werden wollte. Der Brief ist zu lange geworden und in manchen Stücken gewiss taktlos, aber ... Mit freundlichem Gruß Ihr Dr. Konrad Pöhner war der Theodor Heuss Adressat des Heuss-Briefes.

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„Diese dumme kleine Stadt in Nordbayern“ George Bernard Shaw über Bayreuth und seine Festspiele

Zur Bayreuther „Lohengrin“-Premiere 1894 erschien auch der irische Schriftsteller George Bernard Shaw. Das geniale Lästermaul verspottete die Sänger als lebende Bierfässer und nannte Bayreuth eine „dumme kleine Stadt in Nordbayern“. Insgesamt fünfmal kam Shaw zu den Festspielen, außer 1894 noch in den Jahren 1891, 1896, 1898 und letztmals 1908. Als Theater- und Musikkritiker kannte er seinen Wagner und die Wagnerianer. Nachfolgend ein Beitrag von Gerard Bourke (London) in der Übersetzung von Heinz Bode. Die Besprechung der ersten Bayreuther „Lohengrin“Aufführung (1894) war das letzte der glänzenden musikalischen Essays, die der große irische Bühnenschriftsteller und Musikkritiker George Bernard Shaw in der Londoner Zeitschrift The World veröffentlicht hat. Sie bekunden – später unter dem Titel „Musik in London“ zu einem Buch vereinigt – sein großes Verständnis für Wagners

Werk. Es ist bemerkenswert, wie sehr seine vor 60 Jahren gewonnenen Anschauungen uns heute noch zeitgemäß anmuten, wenn auch der Stil seiner Rezensionen nicht weniger bissig erscheint als der seiner Bühnenstücke. Shaw hatte bereits einige der früheren Bayreuther Aufführungen erlebt und kurze Zeit nach Wagners Tod geschrieben: „Dieser Parsifal ist ein wunderbares Erlebnis, daran ist kein Zweifel.“ Doch teilte er nicht die Auffassung, dass das „Bühnen-Weihe-Festspiel“ nur Bayreuth vorbehalten bleiben sollte, wo – wie er meinte – in jenen Tagen „die Umgebung nicht so geheiligt“ sei, wie es dieses erhabenen Werks würdig gewesen wäre. Denn dadurch bliebe das „Parsifal“-Erleb- nis doch nur ein Privileg jener Kreise, denen ihr Reichtum die Reise nach Bayreuth gestatte.

Wagner-Theater an der Londoner Themse

Allen Ernstes schlug er aber die Errichtung eines Wagnertheaters nach Bayreuther Muster in Richmond auf einer Anhöhe über der Themse nahe bei London vor und regte gleichzeitig auch eine Stipendienstiftung an, die – solange dieser Plan nicht zu verwirklichen sei – Unbemittelten die Reise nach Bayreuth ermöglichen sollte. So erfüllt war er von der Bedeutung des Wagner’schen Werks, dass er es jedem Menschen ungehindert zugänglich gemacht wissen wollte. Auf seinen Pilgerfahrten nach Bayreuth verweilte Shaw in Köln, wo er die neuen Zubauten „monströs“ fand, besuchte auch Bamberg, dessen einzigartige architektonische Schönheit er bewunderte. Aber es soll nicht verschwiegen werden, dass er wunShaw bei seinem letzten Festspielbe- derlicherweise such im Jahr 1908. Bayreuth „diese

George Bernard Shaw bei den Festspielen 1896 im Gespräch mit dem „Ring“-Dirigenten Hans Richter. dumme kleine Stadt in Nordbayern“ nennt. Im Festspielhaus aber war der große Spötter jedoch überwältigt von der Vollkommenheit der gebotenen Aufführungen, besonders von der zauberhaften Klangschönheit des verdeckten Orchesters. (Die harten Rohrsitze und das veraltete Bayreuth gefielen ihm weniger.)

Bayreuth als Tempel verstaubter Tradition Bei den kritischen Vergleichen, die Shaw zwischen den Bayreuther Aufführungen und denen in der CoventGarden-Oper anstellte, schnitt das Bayreuther Festspielorchester weniger gut ab. Heute können wir uns freilich eines Lächelns nicht erwehren, wenn er es gleichsam zur Entschuldigung beklagenswert findet, dass die Künstler in Bayreuth billigere Instrumente gebrauchten als die Musiker in London. Doch gab er freimütig den großen Vorteil intensiver Proben in einem Privattheater wie Bayreuth zu und hob die Überlegenheit verschie-

dener Sänger hervor. Dabei meinte er, dass mehr ausländische Künstler berufen werden sollten. Unter der Leitung Cosima Wagners befürchtete er eine Unterdrückung des neuen Lebens durch die Tradition. Gerade heraus: er schrieb, dass Bayreuth in Gefahr sei, „ein Tempel verstaubter Tradition“ zu werden. Dass seine satirische Studie „Der vollkommene Wagnerianer“ sehr ernst genommen würde, hat er wohl selbst nicht erwartet, wie aus gelegentlichen Äußerungen in seinen Briefen hervorgeht. Es scheint, dass er sie aus reiner Freude am intellektuellen Spiel zum eigenen Vergnügen geschrieben hat. Sie setzt eine allegorische Beziehung zwischen dem „Ring des Nibelungen“ und dem Sozialismus, auf den er ein notorisch strenges Auge hatte. Doch wie in vielen seiner Schauspiele entdecken wir ihn dabei, wie er sich auf Kosten seiner Leser amüsiert, und bewundern ebenso die brillanten Pointen seiner Schlussfolgerungen und – natürlich seine glänzende Art zu schreiben.


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Bayreuther Pultgötter im Kleinformat Wie die internationale Post berühmte Dirigenten auf Briefmarken ehrte

Der Bayreuther Briefmarkensammler Max Perner fahndet seit vielen Jahren nach Motiven, die eine Verbindung zu Bayreuth haben. So stieß er auf neun Postwertzeichen mit Festspieldirigenten. Oben der Komponist Richard Strauß (in Bayreuth 1894 und 1933/34), der italienische Maestro Arturo Toscanini (1930/31) und der Komponist Paul Hindemith, der in Bayreuth 1953 Beethovens „Neunte“ dirigierte. In der zweiten Reihe die beiden Österreicher Herbert von Karajan (1951/52) und Karl Böhm (1962–1971). In der dritten Reihe Wilhelm Furtwängler, der als Einziger vor und nach der großen Zäsur von 1945 am Pult im Bayreuther Orchestergraben stand (1931, 1936/37, 1943/44 sowie 1951 und 1954). Hermann Abendroth hatte zusammen mit Furtwängler die musikalische Leitung bei den letzten Kriegsfestspielen 1943/44. Unten links Lorin Maazel, der erstmals 1960 als 30-Jähriger in Bayreuth dirigierte (außerdem 1968/69), rechts Eugen Jochum (1954, 1972/73).

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Albert Schweitzer und Richard Wagner Die Beziehung des berühmten „Urwalddoktors“ zu Bayreuth

Von Einhard Weber Der Autor, der Creußener Arzt Dr. Einhard Weber, ist der Vorsitzende des Deutschen Hilfsvereins für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene. Der Beitrag, den wir leicht gekürzt wiedergeben, wurde 2008 für das Albert-Schweitzer-Jahrbuch verfasst. Es ist nahezu die Regel, dass sowohl Wagner-Kenner als auch viele SchweitzerFreunde von den Beziehungen, die Albert Schweitzer zu dem Werk Wagners und zu dessen Familie hatte, wenig wissen und nicht selten eine solche Verbindung für geradezu unmöglich halten. Bei den erheblichen Unterschieden im Charakter der beiden ist es vielleicht nicht einmal verwunderlich, dass manche eine nähere Beziehung fast entrüstet bestreiten.

Wagner beeinflusste das Leben Albert Schweitzers Und doch sollten SchweitzerFreunde es besser wissen. Zwar findet man in den bisherigen Rundbriefen nur wenige Hinweise darauf. Lediglich Erwin R. Jacobi erzählt, dass bei einem Besuch Ende der Zwanzigerjahre in Königsfeld Schweitzer mehr als eine halbe Stunde über Wagneropern improvisierte. Und im 67. Rundbrief widmete Harald Schützeichel in einem Aufsatz dem Einfluss Richard Wagners auf das Bach-Verständnis Albert Schweitzers immerhin eine ganze Seite. Das ist in mehr als 60 Jahren alles. Aber in seinem viel gelesenen Buch „Aus meinem Leben und Denken“ hat sich Schweitzer mehrfach sehr klar zu Richard Wagner bekannt. Man kann ohne Übertreibung behaupten, dass Schweitzers Leben anders verlaufen wäre, wenn er nicht früh dem Werk Wagners begegnet wäre. Das ist durch einige Zitate aus seiner 1931 erschienenen Selbstbiografie zu belegen: „Mit der Verehrung Bachs ging bei mir die Richard Wagners zusammen. Als ich mit sechzehn Jahren als Gymnasiast zu Mülhausen zum erstenmal ins Theater durfte, war es, um Richard

sie zu Besuch bei dem Kirchenhistoriker Johannes Ficker in Straßburg weilte, auf der schönen Orgel der dortigen Neuen Kirche an einigen seiner Choralvorspiele darlegen. Manches Interessante erzählte sie mir an jenen Tagen aus dem Religionsunterricht, den sie in ihrer Jugend und nachher, als sie sich zum Übertritt zum Protestantismus vorbereitete, genossen hatte. Die Schüchternheit konnte ich aber bei keinem Zusammensein mit dieser durch ihr künstlerisches Können und ihr hoheitsvolles Wesen einzigartigen Frau ganz ablegen. An Siegfried Wagner schätze ich die Einfachheit und die Bescheidenheit, die dieser in so mancher Hinsicht hervorragend tüchtige Mensch an sich hatte. Wer ihm in Bayreuth an der Arbeit sah, konnte ihm Bewunderung für das, was er tat, und für die Art, wie er es tat, nicht versagen. Auch seine Musik enthielt wirklich Bedeutendes und Schönes.“

Enge Bande zu Cosima und Siegfried Wagner

Der Bayreuther Autogrammsammler Bernd Mayer erhielt 1958 aus der Urwaldstadt Lambarene dieses Foto mit der Wie eng die Bande zu Wagners Familie waren, wird aus Unterschrift von Urwalddoktor Albert Schweitzer. folgenden Äußerungen klar: „In der Zeit des WaffenstillWagners Tannhäuser zu hö- gen. Wenn ich heute [1931] standes [nach dem Ersten ren. Diese Musik überwältig- eine Wagneraufführung erle- Weltkrieg] und in den beiden te mich so, dass es Tage dau- be, bei der alle möglichen auf ihn folgenden Jahren war erte, bis ich wieder fähig war, Bühneneffekte sich neben der ich eine den Zollbeamten der dem Unterricht in der Schule Musik geltend machen, als Rheinbrücke wohlbekannte Aufmerksamkeit entgegen- handelte es sich um einen Persönlichkeit, weil ich gar zubringen. Film, muss ich mit Wehmut manchmal mit einem Ruckan die in ihrer Einfachheit so sack voll Lebensmittel nach Denkwürdiges Erlebnis ungeheuer wirkungsvollen Kehl wanderte, um von dort damaligen Bayreuther Insze- aus hungernden Freunden in der „Ring“-Tetralogie nierung der Tetralogie den- Deutschland etwas zukomIn Straßburg, wo die Oper ken. Wie die Ausstattung, so men zu lassen. Insbesondere unter Kapellmeister Otto war auch die Aufführung ließ ich es mir angelegen sein, Lohse hervorragend war, noch ganz im Geiste des ver- Frau Cosima Wagner und den hatte ich dann Gelegenheit, storbenen Meisters.“ greisen Maler Hans Thoma Wagners sämtliche Werke, Und einige Seiten später be- samt seiner Schwester Aganatürlich außer Parsifal, der richtet Albert Schweitzer the zu versorgen.“ damals nur in Bayreuth auf- über seine Beziehung zur Die freundschaftlichen Vergeführt werden durfte, Familie Wagner: „Langten bindungen zu der Familie gründlich kennen zu lernen. meine Ersparnisse, so pilger- hatten ihren tiefen Grund in Ein großes Erlebnis war es te ich nach Bayreuth, wenn dem Einfluss, den Richard für mich, dass ich im Jahre dort in dem betreffenden Wagners Werk auf Schweit1896 in Bayreuth der denk- Jahre gerade gespielt wurde. zers Denken und Fühlen auswürdigen ersten Wiederauf- Einen großen Eindruck übte. Durch sein Werk wurde nahme der Tetralogie nach machte Frau Cosima Wagner ihm klar, welch enge Bezieder Uraufführung von 1876 auf mich, die ich, während hung zwischen Musik, Dichbeiwohnen konnte. Pariser ich an meinem Buch [über tung und bildlicher Vision Freunde hatten mir die Kar- Bach] arbeitete, kennen ge- [Malerei] besteht. Und so ten geschenkt. Um die Kosten lernt hatte. Sie interessierte entdeckte er den Dichter und der Reise bestreiten zu kön- sich über meine Ansicht, dass Maler in Musik, Johann Senen, musste ich mich mit ei- Bachs Musik deskriptiv sei ner Mahlzeit am Tage begnü- und ließ sie sich von mir, als (Fortsetzung auf Seite 9)


9 (Fortsetzung von Seite 8) bastian Bach. Dazu einige Zitate: „Dem Bach der Gralswächter der reinen Musik setze ich in meinem Buche denjenigen entgegen, der Dichter und Maler in Musik ist. Alles, was in den Worten des Textes liegt, das Gefühlsmäßige wie das Bildliche, will er mit größtmöglicher Lebendigkeit und Deutlichkeit in dem Material der Töne wiedergeben.“ „Mit dem Augenblick, wo Wagner sich endgültig durchsetzt, ist auch der wahre Bach freigeworden. Die gekünstelte Theorie der reinen Musik, die gegen Wagner erfunden wurde, ist in sich zusammengebrochen ... Durch Wagner erst sind wir verständnisvoll geworden, für die enge [innige] Verbindung zwischen Ton und Wort, erst zum Verständnis von Bach erzogen.“

Über Wagners Kunst „Mehr noch als durch seine Worte bereitet er [Wagner] Bach den Weg durch seine Werke. Aus ihnen lernte die Welt wieder die tiefe innerliche Beziehung zwischen Wort und Ton in der mit der Dichtung sich verbindenden Musik aufzusuchen. Wagners

Wo wohnte Anton Bruckner in Bayreuth?

Albert Schweitzer: Großer An Siegfried Wagner schätzEindruck von Frau Cosima. te er die Bescheidenheit. Kunst hatte eine Umwälzung des ganzen musikalischen Empfindens zur Folge. Der Hörer wurde anspruchsvoll. Nur das wahrhaft Charakteristische vermochte ihn mehr zu befriedigen, nur die wahre Tondramatik ihn zu bewegen. So versank eine ganze musikalische Literatur langsam im Abgrunde der Vergessenheit, und neben dem Musikdrama des Bayreuther Meisters trat die dramatische religiöse Musik des Leipziger

Kantors ins helle Licht.“ Die Entstehung des deutschen Bach-Buches Schweitzers war auf eine denkwürdige Weise mit Richard Wagner und Bayreuth verbunden. Der Heimatkurier hat darüber bereits in seiner Ausgabe vom Januar 2010 ausführlich berichtet, ebenso über Schweitzers Brief an die Wagnerenkel Wolfgang und Wieland anlässlich der Wiederaufnahme der Festspiele im Jahr 1951.

Dieser Gruß erschien zum 20-Jährigen Jubiläum der Festspiele 1896, bei dem zum zweiten Mal nach 1876 der „Ring“ auf dem Spielplan stand. Unter den Gästen war auch der 21-Jährige Albert Schweitzer, der hinterher von einer „denkwürdigen Wiederaufnahme der Tetralogie“ schrieb. Er hatte sich damals die Reise nach Bayreuth nur unter großen Entbehrungen leisten können. Bilder: Archiv Bernd Mayer

Es ist sozusagen ein Bayreuth-Quiz für Fortgeschrittene: In welcher Straße und in welchem Gasthof wohnte der Komponist Anton Bruckner bei seinem Festspiel-Aufenthalt 1886? Er selbst hat in einem Brief an den „Edelsten meiner Götter“, Dirigent Hermann Levi, die Lage recht genau beschrieben. Allerdings hat sich seitdem viel im Straßenbild verändert. Auch der von Bruckner besuchte Gasthof existiert seit 50 Jahren nicht mehr. Nachstehend ein Auszug aus dem Brief des Komponisten an Levi: „Dürfte ich recht unbescheiden sein mit einer Bitte? Ich werde am 24. Juli Abends in Bayreuth ankommen, u. möchte wieder zu dem Bierbrauer vis a vis vom Rössl, wo stets Künstler wohnen; man kommt auf den Residenzplatz in der gleichen Straße. Den Namen des Brauers weiß ich leider nicht mehr. Man geht von der Taback-Niederlage Schnitzers links in die Straße. Möchten Hochderselbe ... veranlassen, dass mir mein Zimmer wieder reserviert bleiben würde ...“ Auflösung des Rätsels auf Seite 18.

Dieser über 100 Jahre alte Scherenschnitt von Otto Böhler zeigt den österreichischen Komponisten Anton Bruckner mit Richard Wagner in Bayreuth. Wagner bietet Bruckner gerade ein Prise Schnupftabak an.


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Durch Wagners Brille: Dies ist Wagners originale Lesebrille, die er in Wahnfried für seine Lektüre benötigte. Sie wird von der Hans-Knappertsbusch-Gesellschaft als kostbare Reliquie gehütet. Foto: Katrin Braun, München

Erinnerungen an einen unvergesslichen Dirigenten Die Hans-Knappertsbusch-Gesellschaft pflegt liebevoll sein Andenken

Schon seit Lebzeiten war er eine Kultfigur: der Dirigent Hans Knappertsbusch, genannt „der Kna“ – gefürchtet wegen seiner Grobheit und Direktheit, verehrt wegen seiner genialen Dirigate. Als einziger Pultgott der Festspielgeschichte brachte er es zu einer Büste im Festspielhaus, die in den 1990er Jahren entfernt wurde und heute in München steht. 45 Jahre nach seinem Tod im Jahr 1965 huldigt die Hans-Knappertsbusch-Gesellschaft ungebrochen ihrem Idol, allen voran ihr Ehrenvorsitzender Franz Braun, der wiederholt als Autor im Heimatkurier hervorgetreten ist. Aus seiner Feder stammt der folgende Beitrag. Hans Knappertsbusch, der hell leuchtende Stern unter den großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts, hat es verdient, in einer repräsentativen Knappertsbusch-Gesellschaft im Gedächtnis vor allem der Wagner-, Brucknerund Brahms-Verehrer fortzuleben. Zu diesem Zweck wurde 1974 in der Stadt München, deren Ehrenbürger er ebenso war wie in Bayreuth, die HansKnappertsbusch-Gesellschaft gegründet. Sie umfasst seither Mitglieder in fast allen europäischen Ländern, in Nordund Südamerika, in Thailand,

Australien und in einer Vielzahl in Japan. Für die Gesellschaft verfasste ihr Gründer Franz Braun 1988 zum 100. Geburtstag von Knappertsbusch ein Gedenkbuch, das die besondere Art seiner Dirigate in Bayreuth und an anderen Orten, aber auch der großen Symphonien Bruckners, Brahms’ und anderer akribisch beleuchtet. Das Buch hat die Japaner so begeistert, dass es vor etwa zehn Jahren in Tokio auch in japanischer Sprache herauskam: Eine der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft ist es, der dafür prädestinierten Jugend die besondere Bedeutung von Knappertsbusch näherzubringen. Dies geschieht hauptsächlich durch Vorträge und mit Hilfe von CD-Aufnahmen, bei denen in der Einführung auf die detaillierten Besonderheiten hingewiesen wird. Dem interessierten Hörer wird es beim mehrmaligen

Hören so ergehen wie der Amme beim Vernehmen des Geisterboten in Richard Strauss’ „Frau ohne Schatten“ („Daran erkenn’ ich Keikobad“): „Daran erkenn’ ich Knappertsbusch!“ – Das ist nun eine geistige Frage, die jeder nach seinen persönlichen und musikalischen Fähigkeiten selbst erarbeiten kann. Die Gesellschaft verlangt den Mitgliedern grundsätzlich keine laufenden finanziellen Beiträge ab. Sie können jedoch für die idealistische Arbeit spenden und damit einen Beitrag leisten, dass sich die Gesellschaft selbst trägt. Sie hat bedeutende und prominente Mitglieder in ihren Reihen, die sich auch finanziell erheblich engagieren. So hat sich beispielsweise eine Gräfin aus dem Hause Wittelsbach mit jährlichen Zuwendungen sehr nobel gezeigt. Das weltberühmte Orchester der Wiener Philharmoniker, das Knap-

pertsbusch ja oft und gern dirigierte und deren Ehrenmitglied er war, ist kooperativ mit einem hohen vierstelligen Betrag in der Gesellschaft eingestiegen. Die Gesellschaft beteiligt sich aber auch selbst mit zum Teil erheblichen Mitteln an Projekten, die an Knappertsbusch erinnern. So wurde die Renovierung der Bühne des Münchner Prinzregententheaters unter August Everding gefördert sowie die Fertigung und Enthüllung einer großen Gedenktafel am schönen ehemaligen Münchner Wohnhaus des Dirigenten an der Isar. Wer Knappertsbusch jemals in Bayreuth, im Münchner Prinzregententheater oder im Konzertsaal erlebt hat, wird ihn nie vergessen! Das ist auch aus den CD-Aufnahmen, die von der Gesellschaft frühzeitig vor der Versenkung gerettet wurden, für alle Interessenten akustisch zu erleben. So sieht sich die Gesellschaft mannigfachen Aufgaben gegenüber, die das Andenken und die Reputation Knappertsbusch bedingen. Wer die besagten „Kna“Aufnahmen des Bayreuther „Parsifal“ oder des „Ring“Zyklus hört und innerlich nacherlebt, empfindet in diesem unverkennbaren Duktus sofort: „Daran erkenn’ ich Knappertsbusch!“


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„Eule“ als Sanierungsfall Bayreuths berühmteste Kneipe seit 2007 geschlossen Sie war im vergangenen Jahrhundert Bayreuth berühmteste Kneipe: die „Eule“ in der Kirchgasse, die seit nunmehr drei Jahren geschlossen ist. Ihre beste Zeit hatte sie zwischen den Jahren 1908, als das bis dahin führende Festspiellokal Sammet im Alten Schloss geschlossen wurde, und 1966. In diesem Jahr hängte Anny Meyer, die ideale Wirtin für diese Künstlerkneipe, den Kochlöffel für immer an den Nagel. Sie war ein Naturtalent im Umgang mit dem Künstlervolk und verwöhnte die großen Sänger und Dirigenten. Sie fand aber auch bei der Begum Aga Khan und der Politprominenz den richtigen Ton und betrieb auf ihre Weise allabendlich eine

raffinierte Personenregie im Lokal. Da konnte es schon mal passieren, dass politische Todfeinde wie Franz Josef Strauß und der „Spiegel“-Chef Rudolf Augstein an einem Tisch saßen. Inzwischen ist die „Eule“ zum Sanierungsfall geworden. Die städtische GEWOG will das morbide Gebäude vor dem Verfall retten. Unsere Bilder: Die Kirchgasse mit der „Eule“ nach einem Gemälde um 1930. Oben rechts: zwei Fotos aus den frühen 50er Jahren, als „Neu-Bayreuth“ eine Renaissance der Künstlerkneipe herbeiführte. Oben Wolfgang und Ellen Wagner sowie die Sängerin Astrid Varnay (Zweite von links), darunter Winifred Wagner mit Gefolge, links stehend die Wirtin Anny Meyer. Unten rechts: Auch bei den Kriegsfestspielen 1943 war die „Eule“ ein beliebter Treff. Unten links: Eulen-Wirtin Johanna Heise, die Nachfolgerin von Anny Meyer, mit den Darstellerinnen einer Sex-Klamotte der späten 60er Jahre. B. M.


Die Begum Aga Khan war einst Königin der Bayreuther Herzen Von den Zaungästen auf dem Grünen Hügel / Die Schaulust wird seit über 130 Jahren von Generation zu Generation weitervererbt Wagners „Freistaat der Künstler“ am Grünen Hügel übt seit jeher eine immense Anziehungskraft auf die Bayreuther aus. Jeweils am Premierentag geht ein Ruck durch das heimische Volk. Weihnachten und Ostern sind nichts gegen das Premierenfieber. Vor allem bei den ersten Nachkriegsfestspielen strömten die Bayreuther mit Kind und Kegel zur festlichen Auffahrt. Die heimische Schaulust ist vermutlich die harmloseste aller Lüste – frei von Missgunst und Neid. Die Bayreuther seien „Weltmeister im Schauen“, bescheinigte ihnen der frühere Oberbürgermeister Hans Walter Wild. Königin der Bayreuther Herzen war über Jahrzehnte – von 1955 bis 1988 – ein so unverdächtiges Schauobjekt wie die Begum Aga Khan. Aber auch Ehrengäste mit reduzierter Ausstrahlung wie der zweite Bundespräsident Heinrich Lübke wurden mit Sympathiebekundungen verwöhnt.

Seit 134 Jahren stehen sie andächtig Spalier und werden des Schauens nicht müde: Die Bayreuther Zaungäste, die den Kaiser Wilhelm, den König Ludwig II., den Prinzregenten Luitpold und Prinz Charles, die Begum und Gorbatschow bestaunt haben. Zwischendurch wurden auch einige peinliche Showobjekte bejubelt. Unsere Bilder entstanden alle im 20. Jahrhundert. Oben links eine Zeichnung um 1910, als den Autos die Auffahrt noch verwehrt war. Nach dem Ersten Weltkrieg fuhren diese dann gleichberechtigt mit den Kutschen den Hügel empor (Bild darunter). Oben rechts: Unbeschreibliche Ovationen empfingen Hitler im Juli 1940 beim letzten Opernbesuch seines Lebens, bei den sogenannten „Festspielen des Sieges“. Unten links: Baumlange SS-Männer halten die Zuschauer im Zaun, unten rechts jubelnde Egerländer Frauen bei den Festspielen 1938. Kinder wurden mit Vorliebe ganz vorne postiert, in der Hoffnung, dass der ach so kinderliebe „Führer“ sie bemerken würde. Tatsächlich ließ Hitler in Bayreuth wiederholt Kindlein zu sich kommen, um sich buchstäblich von seiner Schokoladenseite zu zeigen. Die Kleinen skandierten das Verslein: „Lieber Führer, sei so nett, zeige dich am Fensterbrett ...“

In den beiden oberen Reihen Fotos aus den ersten Festspieljahren von „Neu-Bayreuth“ (1941 bis 1954). Besonders beliebt war das gemeinsame Lauschen bei Chor- und Orchesterproben im Festspielrestaurant oder im einstigen „Rüdelheim“ auf der Westseite. Autogrammsammler belagerten 1954 das Auto von Stardirigent Wilhelm Furtwängler (zweite Reihe rechts). Dritte Reihe links: Bundespräsident Heinrich Lübke nahm 1960 ein Bad in der Menge. Daneben die Begum Aga Khan, jahrzehntelang das beliebteste Showobjekt, beim Abschreiten der Zaungäste-Front. Die Fotos unten entstanden in den 90er Jahren. Rechts eine politische Demonstration von Rechtsextremisten anlässlich des Gorbatschow-Besuchs 1993.


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Zar Ferdinands große Liebe zu Bayreuth

In Wahnfried ist am 2. August eine bulgarische TV-Biografie zu sehen Von Bernd Mayer Zwei höchst unterschiedliche Leidenschaften konnte Zar Ferdinand von Bulgarien aus dem Hause Sachsen-CoburgGotha bis ins hohe Alter ausleben: die Festspiele und die Auerhahnbalz. Der Bayreuther Ehrenbürger, der am Grünen Hügel schon rein äußerlich eine Sehenswürdigkeit darstellte, starb am 10. September 1948 in Coburg an Altersschwäche. Mit ihm ging eine schillernde Persönlichkeit mit einem aufregenden Leben aus dieser Welt, betrauert auch vom Bayreuther Stadtrat.

Film wurde teilweise in Bayreuth gedreht Am 2. August um 19.30 Uhr haben die Bayreuther Gelegenheit, die Ausnahmeerscheinung unter den Fürsten seiner Epoche näher kennenzulernen. Der Historische Verein für Oberfranken wird an diesem Abend in Wahnfried den bulgarischen TVFilm „Zar Ferdinand im Exil“ zeigen, der zum Teil in Bayreuth gedreht wurde. Zuvor wird der frühere Marburger Universitätsprofessor Dr. Helmut Schaller eine Einführung geben unter dem Titel „Zar Ferdinand von Bulgari-

Mit dem Haus Wahnfried war Zar Ferdinand ein Leben lang verbunden. Auf unserem Bild links Wagnersohn Siegfried mit seiner jungen Frau Winifred und dem ältesten Wagnerenkel Wieland.

en und Richard Wagner“. Der gebürtige Bayreuther ist amtierender Präsident der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen beiden Ländern. „In Bulgarien misst man der Erinnerungskultur eine große Bedeutung bei.“ In Bayreuth finden sich noch manche Spuren des Zaren. Falco Wagner, der Enkel des einstigen Spänflecker Revierförsters Hans Ulmer, präsentierte dem Heimatkurier erst kürzlich als interessante Reliquie ein repräsentatives Foto Ferdinands, auf dem sich dieser für 15 Jahre gemeinsame Auerhahnbalz bedankt. Auf der Bildrückseite vermerkt Ulmer, dass sein hoher Jagdgast insgesamt zwar 98 Auerlegen Der leiderschaftliche Auerhahnjäger erhähne konnte, den letzdankt seinem Spänflecker Förster.

ten im Jahr der Kriegsfestspiele 1944. Der ersehnte Jubiläumshahn blieb ihm jedoch versagt.

Zar Ferdinand hörte die Auerhähne nach ihm rufen Nach Kriegsende irritierte der Ex-Zar – inzwischen 85 Jahre alt und völlig verarmt – in seinem Coburger Exil die US-Militärregierung mit der Bitte um eine Schrotflinte und Patronen. Die Auerhähne hätten nach ihm gerufen, so die wunderliche Begründung des greisen Weidmanns. Die Amis, die in den chaotischen Nachkriegstagen ganz andere Sorgen hatten, dürften den Wunsch kaum erfüllt haben. Ferdinands Jagdleidenschaft stellt freilich nur eine Marginalie in seiner bewegten Biografie dar. Im Jahr 1887, neun Jahre nach Errichtung des Fürstentums Bulgariens, wurde der Wiener Generalssohn Fürst von Bulgarien, das damals noch dem türkischen Sultan tributpflichtig war. 1908 erklärte er die völlige Loslösung von der Türkei und ließ sich zum Zaren krönen. Zehn Jahre später, am 3. Oktober 1918, war sein Re-

giment im Balkanland schon wieder Geschichte, und ein Sonderzug brachte ihn nach seiner Abdankung in sein Coburger Winterpalais. Immerhin gelang es dem gerissenen politischen Schachspieler nach dem Ersten Weltkrieg den bulgarischen Königsthron für seinen Sohn Boris zu retten. Hitler bewunderte den Zaren als einen der klügsten Fürsten seiner Zeit. Der so Verehrte dürfte die Sympathie kaum erwidert haben. Welten trennten den hochgebildeten Ferdinand, der auch als Ornithologe und Schmetterlingsforscher international anerkannt war, von einem brutalen Fanatiker vom Schlage des deutschen Diktators. Einzig die Liebe zu den Festspielen führte die beiden in Bayreuth wiederholt zusammen.

Als 22-jähriger Prinz Ferdinand hat als 22-jähriger Prinz erstmals die Festspiele besucht. Der „Parsifal“ machte ihn zu einem glühenden Wagnerianer, der sich in Bayreuth fortan auch als (Fortsetzung auf Seite 15)


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Wo Gorbatschow fürstlich dinierte

Nach sechs Jahrzehnten exquisiter Gastronomie Traditionsabbruch in Thiergarten Verantwortung für das historische Erbe und rief zu einer „Rettungsaktion“ auf, die schließlich zum Kauf des Schlosses für 1,5 Millionen Mark führte. Spenden in sechsstelliger Höhe hatten der Stadt den finanziellen Kraftakt erleichtert.

Von Bernd Mayer Sechs Jahrzehnte war das Hotel Schloss Thiergarten der gastronomische Glanzpunkt der Festspielstadt. Das markgräfliche Jagdschloss mit seiner bewegten Geschichte liegt nur wenige Meter von der Autobahn entfernt und doch erscheint es wie aus einer anderen Welt. Es war nicht nur Nobelherberge für exquisite Gäste – es war auch ein bevorzugter Ort zum Feiern für die Bayreuther und nicht zuletzt auch für ihren Besitzer, die Stadt Bayreuth. Nun aber ist ein Traditionsabbruch angesagt. Eine Internationale Schule soll künftig die Räume nutzen – da wagte keiner einen öffentliAls Thiergarten noch Familiensitz chen Widerspruch. Thiem mit Gästen um 1900.

Gastronomisches Juwel

Vorbei die Zeiten, als hier Generationen von Pennälern ihre Tanzstunden-Abschlussbälle abhielten, als hier Jahrhundert-Jubiläen gefeiert und illustre Gäste bewirtet wurden. Höhepunkt war vielleicht der festliche Abend mit Michail Gorbatschow und Frau Raissa am Vorabend der Festspielpremiere 1993. Ein(Fortsetzung von Seite 14) Missionar für die Musik des Bayreuther Meisters betätigte. In der Hauptstadt Sofia traten später auch Stars vom Grünen Hügel wie Fritz Vogelstrom, Max Lorenz und Maria Müller auf. Bayreuth war für ihn das Synonym für höchste Kunstpflege. Manchmal ging’s ihm freilich auch nur um Vordergründiges – wenn er etwa mit dem Feldstecher die leicht bekleideten Rheintöchter beobachtete. In Bayreuth war Ferdinand Stammgast und er genoss hier größte Popularität. Der Speisesaal des Grand-Hotels am Bahnhof wurde völlig in die bulgarischen Nationalfarben eingefärbt, es gab hier ein Café Bulgaria, und dem Hotelier Carl Albrecht wurde 1911 der Titel eines königlich-bulgarischen Hoflieferanten verliehen. Auch andere Bayreuther Geschäftsleute durften sich mit diesem Etikett schmücken. Der steinreiche Zar im Exil wurde als Wohltäter der Stadt

Fürstlicher Erbauer

war.

Die

Familie

heimische wie Fremde wussten das gastronomische Juwel gleichermaßen zu schätzen, was seinen jeweiligen Pächtern große Flexibilität abverlangte. Alte Bayreuther erinnern sich noch an den ersten Pächter Willy Kröll (ab 1948), der zugleich das elegante Nachtlokal „Metropol“ im Stadtzentrum betrieb. Auf ihn

folgte – nach einem kurzen Interim – 1957 der liebenswürdige Wilhelm Mohrenberg mit seiner Frau (bis 1973). Nach einem Besitzerwechsel wurde das edle Schlösschen zeitweise Firmensitz eines Bayreuther Baugeschäftes. Im Jahr 1982, als Thiergarten erneut zum Verkauf stand, besann sich die Stadt auf ihre

hoch geschätzt, ein ums andere Mal öffnete er seine Schatulle für einen guten Zweck. So stiftete er 1920 beispielsweise 1000 Mark für den Orgelfonds der Stadtkirchengemeinde. Die dankbaren Stadtväter ernannten ihn

1928 zum Ehrenbürger. Zum Haus Wahnfried unterhielt Ferdinand über ein halbes Jahrhundert engen Kontakt. Zum 91. Geburtstag von Frau Cosima 1928 erschien er als erster Gratulant, und nach dem Tod der Wagnerwitwe

Im Jahr 1983 übernahm dann das Pächterehepaar Kaiser den Hotelbetrieb. Renate Kaiser wird wohl als letzte Chefin in die gastronomische Geschichte des Hauses eingehen. Dr. Klaus Bayerlein, Sohn des früheren Besitzers Dr. Fritz Bayerlein, hat im Dezember 1993 in einem Vortrag vor den Freunden des Stadtmuseums die Geschichte von Schloss Thiergarten nachgezeichnet. Dem fürstlichen Erbauer, Markgraf Georg Wilhelm, dienten die Gärten der Herzöge von Enghien und Flandern als Vorbild für den Neubau. Von Johann David Räntz stammen die Pläne verantwortlich, nach denen der Bau von 1716 bis 1721 errichtet wurde. (Fortsetzung auf Seite 16)

am 1. April 1930 erwies er ihr die letzte Ehre. Der Zweite Weltkrieg endete auch für Zar Ferdinand ganz persönlich mit einem tiefen Sturz. Er, der einst zu den vermögendsten Fürsten Europas gehörte, musste die letzten dreieinhalb Lebensjahre in armseligen Verhältnissen zubringen. Bulgarische Auswanderer bat er sogar um Care-Pakete. Als ihn Journalisten in seinem Coburger Exil aufstöberten, murmelte er nur: „Sie haben nun Herrn Ferdinand gesehen, einen alten Gärtner ...“ Über ein halbes Jahrhundert später, im Festspielsommer 2002, kam Ferdinands Enkel, Ex-König Simeon III., nach Bayreuth. Simeon, der 1943 im zarten Alter von sechs Jahren den Zarenthron erklommen hatte, musste drei Jahre später nach Abschaffung der Monarchie ins spanische Exil flüchten. 2002 schritt er immerhin als bulgarischer Ministerpräsident über den roten Teppich. Das WagnerZar Ferdinand (Mitte) mit Oberbürgermeister Leopold Gen des Großvaters scheint noch zu wirken. Casselmann vor dem Festspielhaus.


16 (Fortsetzung von Seite 15) In der Epoche der Markgräfin Wilhelmine scheint Schloss Thiergarten keine besondere Rolle gespielt zu haben. Nach 1770 wechselte es wiederholt den Eigentümer und wurde später wieder Staatsbesitz, bevor es schließlich am 27. Juni 1842 an den Bayreuther Metzgermeister Christoph Thiem ging. 80 Jahre lang war es dann im Familienbesitz der Thiems, was dem Bauensemble nicht allzu gut bekam. Nur der Denkmalschutz verhinderte nach dem Ersten Weltkrieg den Abbruch des Turms, den Georg Thiem beantragt hatte. Im Jahr 1922 erwarb der Textilfabrikant Adolf Bayerlein das Schloss samt einem benachbarten Bauernhof und sorgte für eine Sanierung des historischen Gebäudes. Der neue Besitzer lud nicht nur renommierte oberfränkische Textilfabrikanten in seine Idylle im Süden der Stadt, sondern auch politische Prominenz wie den ReichswehrChef Generaloberst Hans von Seeckt, der auf die jüdische Festspielsolistin Eva Liebenberg ein Auge geworfen hatte. Aber auch die braune Prominenz wie der Gauleiter und Kultusminister Hans Schemm und der bayerische Ministerpräsident Ludwig Siebert erschienen schon 1933 im Schloss und ließen sich bei einem Empfang der Stadt vom französischen Violinvirtuosen Henri Marteau unterhalten.

Wächters Saufgelage Ab 1936 stand Thiergarten auch Wahnfrieds Gästen zur Verfügung. Am 18. August 1936 besprach Dirigent Wilhelm Furtwängler mit seinem berühmten englischen Kollegen Sir Thomas Beecham den musikalischen Rahmen für die Krönungsfeierlichkeiten von König Edward VIII. von England. Im Zweiten Weltkrieg zählten Reichsminister Albert Speer und der japanische Botschafter Hiroshi Oshima unter den Gästen. Bayreuths Gauleiter Fritz Wächtler nutzte das Schloss zeitweise als eine Art Nebenresidenz und ließ sogar einen Bunker im Umfeld des Brunnens erbauen. Im Juli kam es zu einem hemmungslosen Fress- und Saufgelage Wächtlers mit Reichsorganisationsleiter Robert Ley, der für seinen Führer die letzten Kriegsfestspiele begleitete. Im Frühjahr 1945 ließ sich ein Führungsstab der deutschen Wehrmacht in Thiergarten nieder. Einige Wochen später

wurden sie von den siegreichen US-Militärs als Hausherren abgelöst. Für kurze Zeit diente ihnen das Schloss als BrigadeGefechtsstand, dann wurde es für die Truppenbetreuung genutzt, und ein Puff durfte dabei nicht fehlen. Am 1. Oktober 1948 räumten die US-Besatzer das herrschaftliche Anwesen, und Dr. Fritz Bayerlein konnte von nun an wieder über sein Eigentum nach Belieben verfügen. Der Stern des Schlosshotels Thiergarten funkelte in den folgenden Jahrzehnten besonders hell.

Üppige Tafelfreuden In den ersten Festspieljahren von Neu-Bayreuth ab 1951 war Thiergarten bevorzugter Treff der „Freunde von Bayreuth“, die nach den Vorstellungen im Festspielhaus hier bei üppigen Tafelfreuden das deutsche Wirtschaftswunder vorführten. Bis in die frühen 70er Jahre war das Hotel Bayreuths gastronomisches Glanzlicht, und nach 1982 knüpfte das Ehepaar Kaiser erfolgreich an diese Tradition an, auch wenn die Bewirtschaftung schwierig blieb und wohl auch keine großen Gewinne abwarf. Den vielen Freunden Thiergartens bleiOben: Schloss Thiergarten vor dem Zweiten Weltkrieg. ben jetzt nur noch wenige MoMitte: Bei den ersten Nachkriegsfestspielen 1951/52 war nate, um das einmalige AmThiergartens Kuppelsaal allabendlich nach der Vorstellung biente zu genießen und im gesellschaftlicher Anziehungspunkt. Unten: Festlicher Emp- vielleicht schönsten Kaffeefangsabend für Michail Gorbatschow und Frau Raissa (am garten Frankens über die VerKopfende der Tafel) im Kuppelsaal. Mit am Ehrentisch gänglichkeit der Welt nachzudenken. OB Dr. Dieter Mronz und Wolfgang Wagner mit Frauen.


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Die Wagnerkinder als Lieblingsmotiv

Die vier Wagnerenkel um 1925: (von links) Wolfgang, Ve rena, Wieland und Friedelind. Von ihnen gibt es eine Vielzahl von Ansichtskarten.

Oben: Wagnerurenkelin Eva mit Bruder Gottfried und Mutter Ellen (links) 1953. Mitte: die vier Kinder von Wieland Wagner: (v. l.) Nike, Daphne, Iris und Wolf-Siegfried. Unten: ein Foto mit Seltenheitswert – die Kinder der beiden Wagnerenkel friedlich vereint (1951).

Oben: Wolfgang Wagner mit Tochter Eva und Sohn Gottfried im Jahr 1952. Unten: Wieland Wagners Kinder (von links) Nike, Wolf-Siegfried und Daphne mit Tante Lilo und Mutter Gertrud (im Hintergrund) im Jahr 1952.


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Loh- und Schleifmühle

Historische Bayreuther Mühlen und was aus ihnen wurde Von Helmut Haas In unsere Serie über historische Bayreuther Mühlen wenden wir uns in dieser Ausgabe der Lohmühle sowie der Schleif- und Poliermühle zu. Die Lohmühle wurde bereits 1476 erstmals genannt und war bis zum Jahr 1920 in Betrieb. Heute befindet sich hier das Restaurant und Hotel Lohmühle mit der Adresse Badstraße. Am Restaurantbau ist gegenwärtig noch das alte Wehr erhalten, das durch eine etwa zwei Meter lange, aber massive Mauer in

schen Tuchmachern, Rotlederern und Müllern geht hervor, dass die Lohmühle seitlich an die Schneidmühle angebaut war. Die SchneidMüller beschwerten sich damals, dass die TuchmacherMühle den Wasserdurchfluss beeinträchtige, weshalb dort eine Wasserregulierung eingebaut werden müsste. Die heutigen Gebäude der Lohmühle dürften wenig mit der ursprünglichen Mühle zu tun haben, auch wenn sie etwas „historisierend“ gestaltet wurden. Interessant an der alten

in eine Tobakmühle und dann im 19. Jahrhundert in eine Badeanstalt, die der einstigen Ziegelgasse ihren Namen Badstraße gab. Die Mühle befand sich in der Grünanlage, die heute an den Hohenzollernring grenzt und von einem Rad- und Fußweg vom Sportzentrum in die Stadt durchschnitten wird. Errichtet wurde die Schleifund Poliermühle von dem Hof- oder Regimentspolier Hacker. Sie diente der Zurichtung von Kriegsgerät, Bernd Mayers „Kleine Bayvor allem von Bajonetten. reuther Stadtgeschichte“ ist Damit wurde sie dem Beruf Ende April der Öffentlichkeit vorgestellt worden. In ihr unternimmt der Journalist und Stadtchronist einen pointierten und anekdotenreichen Spaziergang durch die Jahrhunderte. „Bernd Mayer weiß, wie seine Stadt tickt“, schreibt Stefan Fössel vom Fränkischen Tag Bamberg über das 168 Seiten starke Buch, das im Regensburger Pustet-Verlag erschienen ist (Preis 12,80 Euro). Und Christina Knorz kommt im Nordbayerischen Kurier zu dem Resümee: „Dankbar muss man Mayer sein, dass er würdigt, aber nicht huldigt, so groß die Leistungen von Wilhelmine, Wagner und Co für die Stadtgeschichte auch sind.“

Buchvorstellung

Wo wohnte Bruckner

Die Schleif- und Poliermühle wurde im 19. Jahrhundert in eine Badeanstalt umgewidmet, die der einstigen Ziegelgasse den Namen Badstraße gab. Fließrichtung in zwei ungleiche Teile getrennt wird. An der Nordseite des Mäuerchens ist die Führung für die Wehrabsperrung zu sehen. In Richtung Haus hin befand sich früher wohl das Wasserrad, dessen Widerlager in der Mauer eingebaut gewesen sein dürfte. Eigentlich bestand die Lohmühle aus zwei Mühlen, wie im alten Rissebuch der Stadt vermerkt ist. Der Mainkanal war in diesem Bereich am Südufer so gewinkelt, dass eine vordere und hintere Mühle ermöglicht wurde. Aus einem Vertrag von 1590 zwi-

Lohmühle ist ihre unterschiedliche Nutzung im Verlauf der Zeiten. Sie war Schneidmühle für Bretter, lieferte den „Lederern“ gegen Entgelt die aus Baumrinden gemalene Lohe zum Gerben der Tierhäute, bekam im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts einen Mahlgang und wurde 1920 zur Fertigung für feines Backpapier verwendet. Die Schleif- und Poliermühle am gegenüberliegenden Ufer des Kanals hatte als Mühlenbetrieb ein wesentlich kürzeres Leben. Später wurde sie umgewidmet, zunächst

des Betreibers gemäß eingesetzt. Die spätere Badeanstalt mit der Adresse Rosenau 4 ist um 1900 entstanden. Sie war ein flacher Anbau, der das Bild des ursprünglichen Mühlengebäudes natürlich veränderte. Die Schleifmühle stand laut Rissebuch auf einer von Hacker dem Müller Grüner abgekauften Wiese. Grüner hatte dort noch weitere Grundstücke, von denen das Areal der Schleifmühle bis zum Main reichte. Im Jahr 1769 kam die Mühle an Johann Paul Höhn und später an dessen Sohn Peter Höhn.

Zu unserer Frage von Seite 7: Anton Bruckner hat in seinem Brief an den Dirigenten Hermann Levi die Lage des Gasthofs mit einigen Fehlern beschrieben. Mit dem „Rössl“ ist wohl das Hotel „Schwarzes Roß“ gemeint, das sich bis Anfang der 60er Jahre im Haus Ludwigstraße 2 befand. „Vis a vis“ war der Bäcker und Bierbrauer Johann Gurt („wo stets Künstler wohnen“), den alte Bayreuther noch als Gasthof Streil kennen. Mit dem „Residenzplatz“ bezeichnet Bruckner den Platz vor dem Neuen Schloss. Den von ihm erwähnten Tabak-Laden Schnitzers gab es 1886 nicht. Bruckner wird damit vermutlich das Tabakgeschäft von Eduard Stützer, Opernstraße 1, gemeint haben.


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Blick von der Unteren Au auf den noch nicht begradigten Roten Main und die alte Herzogmühle. Auf der Wiese idyllisch-ländliche Szenen. (Ölgemälde im Historischen Museum)

Von der Unteren Aue zur Herzogmühle Ein kleines Ölgemälde zeigt eine Idylle um die Mitte des 19. Jahrhunderts

Von Sylvia Habermann Mit einer Spende des Vereins der Freunde des Historischen Museums konnte das Museum vor wenigen Wochen eine besonders reizvolle BayreuthVedute aus der Zeit um 1845/50 erwerben. Das kleine Ölgemälde zeigt den Blick von der Unteren Au in Richtung Nordwesten, auf den noch nicht begradigten Roten Main und die alte Herzogmühle. Sie liegt am linken Flussufer und besteht aus einem Wohnhaus mit Walmdach, einer hölzernen Scheune und zwei Mühlengebäuden, das eine davon mit dem großen unterschlächtigen Mühlrad an der Außenwand.

Ländliche Idylle am Ufer Auf der Wiese am rechten Mainufer spielen sich idyllisch-ländliche Szenen ab, die in der Realität so wohl kaum vorgekommen sein dürften im Vordergrund zwei braun-

gefleckte Kühe, etwas dahinter drei Bullen, friedlich vereint in der Gesellschaft eines Ziegenbocks, und ganz hinten eine Schafherde. Als menschliche Staffagefiguren treten drei ländlich gekleidete Männer auf, begleitet von einem schwarzen Hund und einem kleinen Mädchen mit einer Angelrute. Ein einsamer Angler sitzt am Fluss, und auf dem schmalen Fußweg links kommt eine Frau herab. Die Herzogmühle, eine Schneid- und Mahlmühle, gehörte, als dieses Bild entstand, dem Müller Johann Friedrich Sebastian Speckner (1817 bis 1864). Er hatte sie 1846 von seiner Mutter übernommen. Die Speckner auf der Herzogmühle entstammten einer verzweigten Müller-Familie, die in Bayreuth seit dem 17. Jahrhundert in verschiedenen historischen Mühlen im Bereich der heutigen Badstraße und Münzgasse nachweisbar sind.

Die eine davon trug sogar den Hausnamen „Fuchsmühle“ oder „Specknermühle“ (Münzgasse 13/15).

1859 abgebrannt Im März 1859 brannte die Herzogmühle aus nie geklärter Ursache ab. Obwohl er eine Feuerversicherung hatte, blieb der Müller Speckner auf 8000 Gulden Vermögensverlust sitzen und konnte das Anwesen nur mit Hilfe von Krediten in veränderter Form wieder aufbauen. Beinahe auf den Tag genau zwei Jahre später wurde seine erst 36 Jahre alte Ehefrau tot im Main gefunden. Sie hatte sich das Leben genommen. Schwer sichtbar und lesbar ist eine winzige Malersignatur in der rechten unteren Ecke des Ölgemäldes: „C. Thiem“. Conrad Thiem (1815 bis 1898) war eigentlich Porträtmaler. Er hatte in München studiert und war 1845 in seine Heimatstadt zu-

rückgekommen. Unter den in Bayreuth ansässigen Künstlern setzte er als Erster das neue Medium der Fotografie, das heißt in seinem Fall der Daguerrotypie, ein. Schon 1846 warb er dafür in der Bayreuther Zeitung, wobei er zusätzlich die Umsetzung der fotografischen Bildnisse in Ölgemälde, Aquarelle oder Miniaturen anbot.

Bisher in Familienbesitz Vielleicht war das Gemälde von der Herzogmühle eine Auftragsarbeit Thiems für Johann Friedrich Sebastian Speckner, denn bis zum Kauf durch das Museum befand es sich ohne Unterbrechung im Besitz der verschiedenen Familien, die auch Eigentümer der Mühle waren. Literatur: Irmgard Dämmrich, Die Bayreuther Wassermühlen. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken, Band 67, 1987 (Seite 7 bis 152).


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„Wer will bauen an die Strasen, ...“ Zum 400-jährigen Jubiläum der Mohren-Apotheke am Marktplatz

wurde dem Stadtapotheker damals zur Pflicht gemacht, für Pestzeiten bestimmte Arzneien vorrätig zu halten.

Von Bernd Mayer Wer könnte es im Stadtzentrum übersehen: das Sandsteingebäude der MohrenApotheke mit dem schönen Renaissance-Erker und dem markanten Giebel in der anheimelnden Dachlandschaft der Marktplatz-Südseite. In diesem Jahr jährt sich seine Entstehung zum 400. Mal: Hofbaumeister Michael Mebart errichtete 1610 das Gebäude für den Neubürger Johann von Gera aus dem thüringischen Apolda. Schon während des Neubaus müssen sich die Bayreuther die Mäuler zerrissen haben. Dies lässt die zeitlose PsalmWeisheit vermuten, die der markgräfliche Baumeister wohl auf Geheiß des Bauherrn in die Fassade aufnahm: „Wer will bauen an die Strasen, muss die Leute reden lassen.“

Drei Generationen Seit 1905 ist die Mohren-Apotheke im Besitz der Familie von Brocke, die sich in drei Generationen um den Erhalt dieses prächtigen Bürgerhauses mit beispielhaftem Bürgersinn gekümmert hat. Die aufwendigste Sanierungsmaßnahme des zurückliegenden Jahrhunderts war 1957 das Hochziehen einer neuen Wand zur Sophienstraße hin. Sie brachte Dr. Friedrich von Brocke, den Vater des heutigen Besitzers, an die Grenze

Privilegierte Apotheke

Dieses um 1870 entstandene Bild ist die vermutlich älteste Fotografie der Mohren-Apotheke. seiner finanziellen Möglichkeiten. Sohn Dr. Wolfgang von Brocke, der die Apotheke in den zurückliegenden Jahrzehnten geführt hat, musste unter anderem für einen neuen Dachstuhl sorgen. Die Erhaltung des Bauwerks stellt für ihn und seine Gattin Ingrid eine Art Lebensaufgabe dar. „Mein ganzes Leben habe ich gebetet, dass manche Risse im Haus nicht größer werden, damit die Aufwändungen nicht ins Unbezahlbare steigen“, so Wolfgang von Brocke. Er hat sich auch eingehend mit der bewegten Geschichte seines Hauses befasst, das elf Jahre nach sei-

ner Erbauung im Jahr 1621 den zweiten großen Stadtbrand überstehen musste. Die älteste Bayreuther Apotheke ist die „Mohren“ sicherlich nicht (die Anfänge des Apothekerwesens reichen hier zurück bis ins 16. Jahrhundert), wohl aber ist sie nach seinen Erkenntnissen die älteste noch bestehende. Aus städtischen Archivalien geht hervor, dass die Apotheke am 10. September 1611, also schon ein Jahr nach der Eröffnung, durch Verordnete des Rates und den Stadtmedicus Baurschmid visitiert wurde. Wie der verdienstvolle Stadthistoriker und Berufskollege Horst Fischer erforscht hat,

Johann von Gera, der Auftraggeber für den Bau dieses „wohl eindrucksvollsten Bürgerhauses am Bayreuther Straßenmarkt“ (so Horst Fischer), starb 1637. Sein Schwiegersohn Leonhard Pfaffreuther bat 1643 den Markgrafen um eine Erneuerung der Privilegien. Er wollte mit seinem Gesuch vor allem die Eröffnung einer zweiten Apotheke verhindern, da die Zeiten schlecht seien und „die Stümper und Vaganten sich täglich häuften“. Dafür versicherte er ausdrücklich, für „hoch und niedrig“ mit seiner Apotheke aufzuwarten. Der Landesherr erfüllte seine Wünsche und bestätigte das Privileg, dass nur ein Apotheker-Corpus in der Stadt existieren solle. Allerdings musste Pfaffreuther wiederholt eine Visitation seiner Apotheke hinnehmen. Blenden wir nochmals zurück in die Entstehungszeit des Gebäudes. Der schon erwähnte Baumeister Michael Mebart, dessen Andenken durch einen Straßennamen bewahrt wird, hat sich große Verdienste um den Wiederaufbau des Alten Schlosses nach dem Stadtbrand von 1605 erworben. Auch am Wiederaufbau der Stadtkirche war er maßgeblich beteiligt, ebenso am Neubau der alten Lateinschule (heute Historisches Museum der Stadt). Der Bayreuther Heimatforscher Karl Sitzmann bescheinigte Mebart eine „etwas schwerfällige Bauweise“, die indes bei der Mohren-Apotheke nicht zu erkennen ist. Über fast zweieinhalb Jahrhunderte war die MohrenApotheke im Besitz von nur zwei Familien. Im ausgehenden 19. Jahrhundert sticht noch ein Apotheker namens Leonhard Schröppel aus Feuchtwangen heraus, der ab 1876 über zwei Jahrzehnte das Geschäft führte. Er soll sich um das Wohl seiner Mitbürger besonders verdient gemacht haben, die ihn wegen seines auffallend rotblonden Vollbartes den Spitznamen „Eichhörnchen“ gaben.


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Wie Heinrich Schütz nach Bayreuth kam Denkwürdiges Treffen anlässlich einer Orgelweihe im Jahr 1619

Von Frank Piontek Im Jahre 1619 fand ein denkwürdiges Treffen in Bayreuth statt, das auch durch das Gedicht eines Zeitgenossen verewigt wurde: „Der Meister hieß mit seinem Namen / Gottfried von Dresden aus Fritzischem Samen. Solches hat man den funfzehnten Augustmond / Herrlich geschlagen vor jedermann, Die Organisten merkt’s ohn Verdruß / waren: Michael Praetorius von Wolffenbüttl, den andern daneben / Thu ich dir auch zu erkennen geben, Heinricus Schütz von Dresden, der Stadt. / Den Samuel Scheidt man verschrieben hat Gleichfalls aus Hall in Sachsen all drey. / Johann Staden von Nürnberg Dabei erwies gar meisterlich / Als vierter beschriebener Organist, Welche dann warn alle vier zugleich / Besser find man nit im römisch Reich.“ Wir verdanken diese Zeilen Elias Unmüssig, der als Notar und Organist in Creußen und Bayreuth bezeugt ist – und vermutlich nur durch das von ihm bedichtete Ereignis einen Hauch von jener Ewigkeit erlangte, den zumal der dritte unter den Genannten sich erwarb: Heinrich Schütz. Ja, Heinrich Schütz, der große Musiker, den man als den bedeutendsten deutschen Komponisten vor Bach zu bezeichnen pflegt, auch Heinrich Schütz war einmal in Bayreuth, um seine Spur in der musikalischen Stadtchronik zu hinterlassen.

Dresdner Hofkapellmeister Heinrich Schütz war damals noch nicht der würdige Graubart, wie er uns in Christoph Spetners berühmtem Porträt entgegentritt. Er war 34 Jahre alt und zwei Jahre zuvor Hofkapellmeister in Dresden geworden, wo er Geistliches, aber auch Weltliches zu liefern hatte. Das Porträt, das der Kupferstecher August John vom 42-Jährigen anfertigte, zeigt einen streng und ernst blickenden, wie Don Quijote elegant gebarteten, vornehm gekleideten Herrn. Acht Jahre nach Bayreuth wird er mit der „Dafne“ die erste (verschollene) deutsche

Oper schreiben, über ein halbes Jahrhundert später zur ewigen Ruhe gebettet werden. Was war geschehen an jenem 15. August 1619? Unmüssig nennt fast alle relevanten Namen, zunächst den des Mannes, der nach dem Stadtbrand von 1605 eine neue Orgel für die Stadtkirche erbaut hatte: Gottfried Fritzsche. Fritzsche hatte sieben Jahre

zeitgenössischen Musik, auch einige politische Fürsten ein. Unter ihnen ragt der aus Gera angereiste Heinrich Posthumus Reuß heraus. Hier lernte der freundliche Herr ihn kennen, den reußischen Untertanen Heinrich Schütz. Schütz hat, 16 Jahre nach dem Bayreuther Besuch, ein Denkmal für ihn errichten lassen, das bis heute vom Ruhm des Fürs-

Heinrich Schütz (1585 bis 1672) war ein bedeutender Vorläufer von Bach und Händel als Komponist von Oratorien und Passionsmusiken. Er schuf jedoch auch die erste Deutsche Oper („Daphne“), die 1627 uraufgeführt wurde.

vor dem Bayreuther Auftrag sein Meisterstück in Dresden abgeliefert: die große Orgel für die kurfürstliche Hofkirche. Dieses Werk sollte mit seinen 34 oder 35 Stimmen das unmittelbare Vorbild auch für die Bayreuther Orgel werden. Die Orgelweihe muss etwas Besonderes gewesen sein: „Das Orgelwerk bildete endlich den beeindruckend monumentalen Abschluss des wiederhergestellten basilikalen Langhauses; das Gehäuse war in dunklen Farben renaissancehaft abgehoben vom goldenen Rankenwerk, von den Säulenkapitälen an den Felderabschlüssen und den mit Goldflammen abgesetzten Zinnpfeifen.“ So lesen wir’s in Martin GregorDellins meisterlicher SchützBiografie. Markgraf Christian erklärte den Tag zu einem Festtag und lud nicht nur die Fürsten der

ten wie des Komponisten zeugt: die Musikalischen Exequien – eine dreiteilige Trauermusik, ein A-cappellaWerk von hohen Graden. Wer sich an den Besuch des guten Fürsten in Bayreuth erinnert, sollte auch die Trauermusik im Ohr haben, obwohl 1619 noch der Wein, nicht die Tränen in Strömen flossen. Nach der Prüfung, dem Vorspiel, der Demonstration der Orgel (und der Künste der versammelten Orgelmeister) beging man ein Fest, das im Alten Schloss stattfand – und hier präsentierten sich die Musiker nun an anderen Instrumenten, und der Fürst als Musiker. Das Ereignis muss zumindest einem der Gäste – dem Herrn Hofkapellmeister Samuel Scheidt, der aus Halle herübergekommen war – so einprägsam gewesen sein, dass er es für würdig befand, es in der Vorrede zu seinen „Concertus sacri“ zu be-

schreiben: „Mein ganzes Leben lang wird es mir unvergeßlich sein: mit welch hohem Vergnügen hast du den seligen Michael Praetorius, Heinrich Schütz und mich im Bayreuther Schloss, in Gesellschaft von Fürsten und Adelsherren, des Allerhöchsten Lob verkünden hören, mit welchem Anteil und einzigartigem Geschick den Chor selbst ehrenvoll unterwiesen, mit welcher Liebenswürdigkeit uns ohne unser Verdienst bedacht: in solchem Maße, dass du deutlich dich nicht nur als Gönner, Patron, ja Mäcen der Musiker bekundetest, sondern ganz unwillkürlich einen Idealdirigenten darstelltest.“

Markgräfliches Fest Wir wissen, genau genommen, nicht allzu viel über das Ereignis. Gregor-Dellin hat den Forschungsstand erfasst, als er die Reise zu beschreiben versuchte: „Wie lange dauerte sie? Drei Tage? Fuhr er allein? Kam er über Weißenfels, da sein Vater ihn höchstwahrscheinlich nach Bayreuth begleitete?“ Was die Orgelprobe selbst betrifft, so ist die genaue Rolle Schützens ebenso wenig bekannt wie die seiner Kollegen, da ein Gutachten auch von ihm nicht überliefert wurde. Man weiß so wenig, aber man weiß doch, dass das Fest nicht von der Kirche, auch nicht von der Stadt, sondern vom Markgrafen ausgerichtet wurde. Nebenbei erfährt man, dass Schütz in Bayreuth auch eine Verwandte zu sitzen hatte: seine Kusine Justina, die mit Bartholomäus Rosinus verheiratet war, seines Zeichens brandenburgischer Küchenmeister, „und das wird wohl auch“, mutmaßt der Biograf nicht zu Unrecht, „der Grund gewesen sein, warum sich ihm auf der Reise der Vater Christoph und möglicherweise noch das eine oder andere Familienmitglied anschlossen.“ Eine echte Schützin in Bayreuth! Das scheint nicht viel, sollte, ja muss aber als Merk-Würdigkeit mit Stolz in der Stadtchronik vermerkt werden – ebenso wie der Besuch des großen Musikers, an den sich, wenn überhaupt, in Bayreuth nur wenige Spezialisten erinnern.


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Einst der Sitz der Stenografen

Die Geschichte des Eckgebäudes Kanalstraße/Luitpoldplatz

Quizgewinner

Fast 1000 Einsendungen konnten wir auf unser letztes Bayreuth-Quiz registrieren. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer hatten die richtigen Antworten gefunden: Bild 1 B (Bahnhofstraße), Bild 2 C (Kulmbacher Straße), Bild 3 A (Erlanger Straße). Die Gewinner: 1. Preis Reinhard Wendel, Waldstraße 4, 95511 Mistelbach, 2. Preis Silvia Schlemmer, Richard-Wagner-Straße 10, 3. Preis Hans Heim, HansSachs-Straße 44 (beide Bayreuth). Kontaktadresse: Kurier-Lokalredaktion, Sekretariat, Telefon 09 21/5 00-1 63. Die Preise wurden gestiftet von

Opernstraße 24-26 95444 Bayreuth Telefon: 09 21/8 71 05 03 Telefax: 09 21/8 71 07 29 E-Mail: info@cafeponte.de Internet: www.cafeponte.de Im Dritten Reich wurde Bayreuth zu einer Hochburg der Stenografen - ein Verdienst von Max Baier („Steno-Baier“) war, der 1937 die Leitung der Deutschen Stenografenschaft übernahm. Im Juni 1936 wurde an der Ecke Kanalstraße/Luitpold-platz das „Haus der Deutschen Kurzschrift“ eingeweiht (Bild oben) und als „Wahrzeichen kraftvoller Einheit“ gefeiert. Später wurde das

„Stenohaus“, so der Name im Volksmund, beträchtlich erweitert, und schließlich kam noch der Anbau der neu gegründeten Landesbildstelle hinzu. Der Gebäudekomplex erfüllte indes zeitweise noch ganz andere Funktionen, so 1938 als provisorisches Hauptquartier des Sudetendeutschen Freikorps oder – nach dem Zweiten Weltkrieg – als Sitz des Polizeiamtes. Anfang der 90er

Jahre wurde das Gebäude dann trotz mancher Proteste abgebrochen, um dem Neubau eines Geschäftshauses durch die E.ON Platz zu machen. Nach der Eröffnung des „Canale grande“ 1997 und der Fertigstellung der Schlossterrassen Ende der 90er Jahre entstand hier ein völlig neues Bild inmitten eines historischen Ambientes, wie unser Foto unten von Rüdiger Kranz zeigt. B. M.

Neu in Bayreuth: das Rittermahl in engin’s Eventlokal „Sieben Raben“ impressum HEIMAT-KURIER Das historische Magazin des Nordbayerischen Kuriers Verantwortlich: Gert-Dieter Meier Redaktion: Bernd Mayer Mitarbeit: Dr. Sylvia Habermann, Helmut Haas, Dr. Frank Piontek, Franz Braun, Dr. Einhard Weber Fotos/Repros: Archiv Bernd Mayer, Dieter Härtl, Fritz Lauterbach, Rüdiger Kranz, Karlheinz Lammel, Historisches Museum der Stadt Bayreuth Historische Karikaturen: Matthias Ose Gesamtanzeigenleitung: Michael Rümmele (verantw.) Anzeigenleitung: Andreas Weiß Nordbayerischer Kurier GmbH & Co. Zeitungsverlag KG Maximilianstraße 58/60 95444 Bayreuth und Theodor-Schmidt-Straße 17 95448 Bayreuth

© 2010 Nordbayerischer Kurier


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Das historische Quiz um Alt-Bayreuth

Unser Gewinnspiel für Stadtkenner und findige Neubürger

Machen Sie mit: Schreiben Sie die richtige Lösung auf eine Postkarte, vergessen Sie nicht Ihren Namen und Anschrift und werfen Sie die Karte in den nächsten Briefkasten oder geben Sie diese in einer der Kurier-Geschäftsstellen ab. Einsendeschluss ist der 14. Oktober 2010. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Bitte adressieren Sie die Postkarte an:

Wie heißt die Straße, die hier rechts abzweigt (Aufnahme um 1895). A) Goethestraße, B) Eduard-Bayerlein-Straße, C) Karl-Marx-Straße

Nordbayerischer Kurier Heimat-Kurier/ Historisches Quiz Maximilianstraße 58/60 95444 Bayreuth

Gewinnen Sie: Die Preise wurden freundlicherweise vom Restaurant Zur Sudpfanne gestiftet: 1. Preis: Überraschungs-Menü inklusive Getränke für zwei Personen 2. Preis: 3-Gang-Menü inklusive Getränke für zwei Personen

Wie heißt diese Straße in der Fortsetzung des Brückenbauwerks, von der heute fast kein Haus mehr steht (Foto um 1900)? A) Bahnhofstraße, B) Bamberger Straße, C) Kulmbacher Straße

Wie heißt dieser Straßenzug (Foto um 1915)? A) Markgrafenallee, B) Bamberger Straße, C) Casselmannstraße

3. Preis Brotzeit inklusive Getränke für zwei Personen

Oberkonnersreuther Str. 6, Bayreuth, Tel. 0921/52883 Besuchen Sie das von Familie Schmitt geführte Restaurant Zur Sudpfanne in Bayreuth Oberkonnersreuth vor den Toren der Wagnerstadt. Neben typischen fränkischen Gerichten servieren wir Ihnen in unserem Restaurant, der Brasserie oder dem König-Ludwig-Saal auch mehrgängige Gourmet-Menüs und erfüllen Ihre ganz individuellen Wünsche bei der Auswahl der Speisen und Getränke.


24 Mit dem Mülleimer auf Du und Du Von WAFNER

Problemmüll Mehrheitlich wird vermutet, es handle sich bei ihm um Materialien aus Kunststoff und Plastik. Andere Müllerzeuger meinen, es betreffe Arzneimittel aus der Hausapotheke, die nicht mehr benötigt werden (ranzig gewordene Hustensäfte, Rizinusöl und Tabletten, die man aus Pietätsgründen noch von längst verstorbenen Groß- und Urgroßeltern aufbewahrt sowie Medikamente wie

Zyankali, Arsenik und Blausäure). Dass auch alte Autobatterien sowie Handgranaten, Brandbomben und Artilleriemunition, die manche Soldaten als Erinnerungsstücke aus dem letzten Weltkrieg mit nach Hause genommen haben, unter den Problemmüll mit eingereiht werden müssen, ist nahezu selbstverständlich. Was man denn dann überhaupt noch in den Mülleimer werfen darf, ist eine Frage, die sich dem

Müllgewissen jedes einzelnen Bürgers stellt. Gewissenlose Optimisten vertreten vor ihrem offenen Mülleimer den Standpunkt: „Frisch hinein ist halb entsorgt.“ Sie vertrauen sowohl auf die Wurstigkeit als auch auf die tatsächlich vorhandene Güte und Menschenfreundlichkeit der Müllfahrer. Der verantwortungsbewusste (mündige) Staatsbürger hingegen dreht jeden Kronenkorken erst fünfmal um, bevor er ihn in den Mülleimer wirft, um ihn dann nach längerem Nachgrübeln doch wieder herauszuholen. Denn als guter Deutscher weiß er: In Eng-

Kaul-Hannis Nachruhm

Vor 100 Jahren starb ein Bayreuther Original Von Bernd Mayer Der Nachruf des Bayreuther Tagblatts am 5. August 1910 begann mit dem seltsamen Lieblingswort des Verblichenen: „Bumm“. Jeder Bewohner des 34 000-EinwohnerStädtchens kannte es und nahm betrübt zur Kenntnis, dass der „Kaul-Hanni“, im Volksmund auch derb „Kaulorsch“ genannt, das Zeitliche gesegnet hatte. Doch nun begann sein unwahrscheinlicher Nachruhm, der 100 Jahre später noch anhält. Kein Stadtrat hat das je geschafft. So mancher uralter Bayreuther konnte dem Verfasser dieses Beitrags noch aus eigenem Erleben Schelmenstückchen vom Kaul-Hanni erzählen. Er war eine Bayreuther Ausgabe des berühmten Hauptmanns von Köpenick – vernarrt in das Militär, den Stolz des Kaiserreichs. Wie der berühmte Schuster Wilhelm Voigt konnte er den Befehlston der Militärs täuschend nacharbeiten. Damit hielt der Bayreuths „Siebener“- Infanteristen ein ums andere Mal zum Narren – immer wieder kam die Marschordnung durch seine imitierten Kommandorufe wie „Stillgestanden“ durcheinander, zum Vergnügen seiner Mitbürger. So volkstümlich war der Kaul-Hanni, dass sogar mehrere Ansichtskarten von ihm herausgebracht wurden, die offenbar reißenden Absatz fanden. Der Schlachthofdirektor Hans Dörnhoeffer lud ihn in seinen Betrieb ein, um ihn hier mit der Schubkarre zu fotografieren. Tatsächlich

land und Frankreich ist alles erlaubt, was nicht verboten ist; in Deutschland ist aber grundsätzlich alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Die letzte Entscheidung kann letztendlich nur der

Müllberater

Ansichtskarte Hanni.

vom

Kaul-

war der Kaul-Hanni mit seiner markanten Charaktervisage ein prächtiges Motiv. Im Faschingszug vom Februar 1910 hatte er als General „Bumm“ seinen letzten großen Auftritt.

Früher Tod mit 40 Jahren

Mit einem Tagdieb darf man den Bayreuther Eulenspiegel keineswegs auf eine Stufe stellen. Im Nachruf des Tagblatts hieß es treffend, der Verstorbene habe „jede, auch die schwerste Arbeit verrichtet“. Es folgt freilich eine kleine Einschränkung: „Wenn er dazu aufgelegt war ...“ Am 3. August dieses Jahres jährt sich der Tod des Johann Kaul zum 100. Mal. Der Sohn der stadtbekannten Sandhändlerin Johanna Kaul wurde nur 40 Jahre alt. Dass so nachhaltig an ihn gedacht wurde, rührt wohl auch von der Legende um sein frühes Ableben her. Stammtischbrüder in der Gaststätte Pütterich (Maxstraße 45) sollen ihn demnach zu einer sauren Lunge eingeladen haben. Stattdessen setzten sie ihm zerschnittene Glacéhandschuhe vor. „Die Soß’ wär gut, aber das Fleisch ist zäh“, soll der Gefoppte schmatzend ausgerufen haben. Dass er tatsächlich daran gestorben ist – dafür gibt es indes keinen seriösen Hinweis. In der Todesanzeige heißt es jedenfalls, dass er „nach langem, schweKaul-Hanni mit Schubkarre ren Leiden in ein besseres Jenseits abberufen“ wurde. am Schlachthof.

treffen. Da er aber jeweils 5000 Personen zu betreuen hat, kann sich die telefonische oder persönliche Kontaktaufnahme mit ihm oft mehrere Wochen hinausziehen. Auch verlangt ihm das in der Bevölkerung von Jahr zu Jahr wachsende Müllbewusstsein Übermenschliches ab. Bekannt wurde ein Notfall, bei dem ein Müllberater – auf die Frage eines Bürgers, ob er die zusammengekehrten Konfetti eines Polterabends nach Farben ordnen oder zusammen mit alten Zeitungen in einen Altpapiercontainer werfen könne – die Nerven verloren hat. Der Frager wurde angebrüllt: „Dun Sa Ihra Scheißkonfeddi in a Guggern, iech nimm sa mit und schmeiß sa underwegs inaran Babierkorb nei!“ – Durch die labilen Nerven der überforderten Müllberater aber wird der private Müllentsorger in seinem Entscheidungszwang wieder auf sich selbst zurückgeworfen. Relativ unproblematisch gestalten sich diese Entscheidungen im Bereich der zahlreichen in Bayreuth aufgestellten

Altglascontainer Denn bereits durch ihren farbigen Anstrich machen sie sichtbar, in welchen braune, grüne oder Weißglasflaschen eingeworfen werden müssen. Farbenblinde sind hier freilich aufgeschmissen, weil es die Stadtverwaltung versäumt hat, für sie einen vierten Glascontainer „nur für Sehbehinderte“ aufzustellen. Aus dem Rathaus verlautet jedoch, dass Farbenblinde ertapptenfalls mit einer milden Bewährungsstrafe, beim Vorlegen eines ärztlichen Attests sogar mit einer Amnestie rechnen können. Problematisch sind die Altglascontainer deswegen, weil sie in weiten Kreisen der Bevölkerung als Säufertreffs gelten.

heimatkurier_3_2010  

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