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P.b.b. | Verlagsort: 6020 Innsbruck | 10Z038387M

Tourismusmaga zin | Ausgabe 01/13 | Winter/Fr端hling 2013

E-Tourismus Wo liegen heute die Chancen und Herausforderungen? Und welche warten in der Zukunft?


JĂźrgen Vogel

Berliner Halunke, Schauspieler & Musiker

G6 black gradient â‚Ź 139,-


3 Stichwort saison

E-tourismus Erweiterte Realität

Zahlen bitte

(Augmented Reality)

ENTER, die: Konferenz über E-Tourismus. Vertreter von Tourismus, Industrie und Wissenschaft tauschen sich über die neuesten Erkenntnisse im Online-Tourismusmarketing aus. Die erste ENTER fand 1994 in Innsbruck statt, die 20. (und noch einige weitere) ebenfalls.

Das Google Project Glass ist ein Forschungsprojekt von Google. In das Sichtfeld einer Brille werden Informationen aus dem Internet eingeblendet. Die Brille soll noch vor 2014 auf den Markt kommen.

Von TIS zu TISCOVER Aus dem Netzwerk TIS (Tirol Informations System), gegründet 1991, wurde 1995 TIS@ Web – eine der ersten Reiseseiten weltweit. Im Jahr 2000 bekam TIS den neuen Namen Tiscover, 2005 erhielt die Webseite den Multimedia-Staatspreis Österreich in der Kategorie „Tourismus und Gesundheit“. Im Jahr 2008 wurde TISCOVER an die Buchungsplattform HRS verkauft.

© Antonio Zugaldia

2010 wurden in Europa online rund 71,6 Milliarden Euro im Tourismusbereich (inkl. Flüge) gen umgesetzt, elektronische Buchun its bere te heu hen mac 50 Prozent der Umsätze aus.

Zitiert „ENTER war der einzige Ausdruck aus der Computerwelt, der mir geläufig war. Deshalb heißt die Konferenz jetzt auch so: ENTER.“ Andreas Braun, ehemaliger Direktor der Tirol Werbung

„Wenn ich heute einem Touristiker einen Rat für die Zukunft geben müsste, dann wäre dieser: Setzt auf alles, was die mobile Nutzung des Internets unterstützt.“ James van Thiel, Google Tourism

• 30 Prozent der Reisenden vertrauten im vergangenen Jahr bei der Wahl ihrer Unterkunft auf soziale Netzwerke wie TripAdvisor und Facebook. • Das Hotelbewertungsportal TripAdvisor zählt 60 Millionen Besucher im Monat und über 75 Millionen Erfahrungsberichte. • Zum besten Hotel der Welt kürten die Nutzer von TripAdvisor im Jahr 2012 übrigens das Four Seasons Resort Hualalai at Historic Ka‘upulehu auf Hawaii.

„Der Konsument von heute mischt sich ein. Somit ist Webmarketing keine IT-Frage, sondern eine strategische Frage. Und die betrifft das Management und kann nicht an eine externe Agentur ausgelagert werden.“ Hannes Werthner, Mitbegründer der ENTER


4 editorial saison

Die permanente Mobilität provoziert immer kurzfristigere und noch spontanere Entscheidungen – auch was Reisen angeht. Die digitale Offensive erhöht Schnelligkeit und Komplexität gleichermaßen.

Der digitalen Welt nicht nur kompetent, sondern mit innovativem Spür- und Geschäftsinn begegnen zu können, wird immer mehr zum Gradmesser des touristischen Erfolgs.

Die „Digital Natives“ müssen auf dem Fundament der rentablen Betriebswirtschaft sowohl den virtuellen Marktplatz erfolgreich managen, als auch die erhöhte Sehnsucht nach menschlichen Begegnungen des Herzens in den realen (Urlaubs-)welten stillen.


5 Editorial

„Digital Natives“ an die Macht

D

ie digitalen Technologien wie Computer, Internet und Smartphones haben nicht nur die Welt verändert. Sie haben die Welt in zwei Lager gespalten. Alle jene, die sich erst im Laufe ihres Lebens mit den digitalen Technologien vertraut machen konnten, bleiben für den Rest ihres Lebens sogenannte digitale Einwanderer – „Digital Immigrants“. Unter „Digital Natives“ wiederum verstehen wir heute jene – mittlerweile erwachsene – Generation, welche von klein auf mit den neuen Technologien des digitalen Zeitalters aufgewachsen ist. Computerspiele, E-Mails, Internet, Mobiltelefone und Instant Messaging sind integrale Bestandteile ihres Lebens, sie wurden schon früh damit sozialisiert. Studien belegen, dass diese allgegenwärtige Ausstattung und die massive Interaktion auf Basis neuester Kommunikationstechnologien andere Denkmuster forciert und in Summe zu einem fundamentalen Unterschied führt, wie Informationen verarbeitet werden. Die heutige „Always on“-Generation, die ins digitale Umfeld quasi natürlich hineingeboren wurde, ist es gewohnt, Informationen sehr schnell zu empfangen und weiterzugeben. Sie liebt es, parallel in Multitasking zu arbeiten und funktioniert am besten, wenn sie vernetzt ist. Technologische Neuerungen werden in Windeseile absorbiert und als natürliche Erweiterung des individuellen Aktionsspielraums sofort integriert. Die mobile Nutzung des Internets wird dabei das Tempo weiter verschärfen. Bereits heute werden 16 Prozent aller online gebuchten Reisen über Smartphones getätigt, im kommenden Jahr soll dieser Anteil weiter auf rund 23 Prozent anwachsen. Diese permanente Mobilität provoziert immer kurzfristigere und noch spontanere Entscheidungen – auch was Reisen angeht. Die digitale Offensive erhöht Schnelligkeit und Komplexität gleichermaßen.

Rasante Veränderungen.

Kunden- und Geschäftsmodelle haben sich auch im Tourismus längst nachhaltig verändert und rasante Veränderungen im E-Tourismus stehen fast schon an der Tagesordnung. Diese Revolution fordert die Jungen und fördert auch eine neue Generation von Touristikern. „Kinder an die

Macht“ – dieser Musiktitel von Herbert Grönemeyer mag die Bedeutung unterstreichen, dass „Digital Natives“ gerade auch im Tourismus die Weichenstellungen für die Zukunft mitgestalten müssen. Darin inbegriffen ist eine enorme Chance für eine „Next Generation“ von heimischen Touristikern, die mit Kooperationsstrategien in einer komplexen Netzwerkstruktur von Partnern, Mitbewerbern und Kunden punkten. Unumgänglich ist dazu ein landesweiter Investitions- und Innovationsschub, um österreichische Tourismuskompetenz und Wissen rund um bevorstehende Technologieoffensiven im Sinne des Wettbewerbsvorsprungs zu verbinden. Schon einmal hatte man in den 1990er Jahren rund um die Entwicklungen des Tirol Informations System TIS und der Fachkonferenz ENTER Wissensvorsprünge aufgebaut. Es ist daher ernst zu nehmen, wenn Univ.-Prof. Hannes Werthner, ein Mitbegründer von TIS und ENTER, in einer aktuellen Petition an die Regierung neue Forschungsimpulse und Kompetenzaufbau anmahnt. Eine digitale Bildungsoffensive ist für den „Tourismusweltmeister“ Österreich tatsächlich wichtig. Bei der Ausformung dieser fachspezifischen Kompetenzen müssen unsere Tourismusschulen und internationalen Ausbildungsstätten eine Vorreiterrolle einnehmen. Der digitalen Welt nicht nur kompetent, sondern mit innovativem Spür- und Geschäftsinn begegnen zu können, wird immer mehr zum Gradmesser des touristischen Erfolgs. Das entsprechende Know-how rechtzeitig auszuformen und Entwicklungsschübe zu antizipieren wird zum Knackpunkt. Denn das Web hat sich als zentraler Kommunikations-, Vertriebs-, Transaktions- und Darstellungsmotor manifestiert. Das Anforderungsprofil wird analog dazu immer umfassender. Für unsere erfolgreichen älteren Touristiker waren die echten Begegnungen mit menschlichen Qualitäten als herzliche Gastgeber das Maß aller Dinge. Die „Digital Natives“ – die neue Generation im Tourismus – müssen also auf dem Fundament der rentablen Betriebswirtschaft sowohl den virtuellen Marktplatz erfolgreich managen, als auch die erhöhte Sehnsucht nach menschlichen Begegnungen des Herzens in den realen (Urlaubs-)welten stillen. ×

j o s ef m a rgre i ter , d i rekt o r T i r o l W erbu n g


Foto: Wenger

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7 inhalt saison

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Digitales Reisegeflüster Ruhepol mit Weitblick

© Tirol Werbung, Messe Berlin, AchenseeTourismus, Gerhard Berger, Emanuel Kaser

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Schaufenster des Welttourismus

Der Platz für Weltmeister

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Gemeinsam sanft

28 Gedankenspielplatz

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44 Thema: E-tourismus 8

Der Wandel geht weiter Über Chancen und Herausforderungen des E-Tourismus

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Aus analog wird digital Eine kleine Zeitreise anlässlich der 20. ENTER-Konferenz

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„Es wird komplizierter und einfacher“ Der ENTER-Mitbegründer und E-Tourismus-Experte Hannes Werthner im Interview

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Digitales Reisegeflüster Social Media: Gerade für den Tourismus spielt Mundpropaganda im Web 2.0 eine bedeutende Rolle.

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Neue Machtverhältnisse Booking.com und Co.: Wie mit den Bewertungsplattformen umgehen?

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What‘s next? Die Trends im E-Tourismus

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Information statt Daten Was steckt hinter dem Relaunch von www.tirol.at?

MAGAZIN 28

Der Platz für Weltmeister Zu Besuch im TirolBerg in Schladming. Ein Rückblick

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Schaufenster des Welttourismus ITB Berlin: Interview mit Messe-Direktor Martin Buck

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Treue Reiseweltmeister Reisemarkt Deutschland im Porträt

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„Es braucht einen Gastgeber“ Georg Lamp, langjähriger Direktor des Congress Innsbruck, im Interview

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Gemeinsam sanft Wie Tirols 13 Langlaufspezialisten zusammenarbeiten

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Ruhepol mit Weitblick In memoriam Reinhold Stecher

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Gedankenspielplatz Was im Zwischenbereich von Design und Kunst möglich ist, zeigt der Schauraum designart in Innsbruck.

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Ein Vierteljahrhundert weltumspannend Das Osterfestival Tirol ist seit 25 Jahren fester Bestandteil des Tiroler Kulturkalenders.

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Kommentare

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Nachgefragt

Impressum SAISON – Tourismusmagazin, Nr. 1/2013 (65. Jahrgang)SAISON-Abohotline: 0512/58 60 20 Herausgeber: Tirol Werbung, Maria-Theresien-Straße 55, 6020 Innsbruck • Medieninhaber und Verleger: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck • Chefredakteur: Matthias Krapf • Redaktion: Mag. Sylvia Ainetter, Steffen Arora, Mag. Sonja Kainz, Mag. Jane Kathrein, Esther Pirchner, Ernst Spreng • Autoren: Ernst Molden, Alois Schöpf • Fotografen: Gerhard Berger, Emanuel Kaser, Franz Oss • Layout: Marco Lösch, Tanja Mintscheff • Anzeigenverkauf: Thomas Pilgram, t.pilgram@target-group.at • Anschrift Verlag: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/58 6020, Fax DW -2820, redaktion@target-group.at • Geschäftsführung Verlag: Mag. Andreas Eisendle, Michael Steinlechner • Druck: Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten. Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter der URL www.zielgruppenverlag.at/Impressum abgerufen werden.


8 E-tourismus saison

Der Wandel geht weiter Das Internet hat den Tourismus grundlegend verändert. Der Umbruch ist allerdings noch lange nicht abgeschlossen. Über Chancen und Herausforderungen des E-Tourismus Von Sonja K ainz

A

ls die ENTER 1994 erstmals über die Bühne ging, war die Skepsis der Branche gegenüber den prognostizierten Entwicklungen groß. „Was redet ihr denn für einen Blödsinn“ und „Das braucht doch keiner“ waren die gängigsten Reaktionen, erzählt Hannes Werthner, Universitätsprofessor für Informatik an der Technischen Universität Wien, Experte für E-Tourismus und Mitbegründer der ENTER (siehe Interview Seite 14). Was dann kam, hat die Tourismusbranche, wie viele andere Wirtschaftszweige, geradezu überrollt. Die Veränderungen waren radikal. „Wir haben uns von einem geschlossenen System, in dem es bestimmte Anbieter mit einem spezifischen Angebot

gibt, zu einer offenen Netzwerk-Gesellschaft bewegt, in der jeder mit jedem verbunden ist, miteinander kommuniziert und Informationen bereitstellt und sie austauscht“, beschreibt Dimitrios Buhalis, Vorsitzender der IFITT (International Federation for Information Technologies in Travel and Tourism) und Professor an der Bournemouth Universität in Großbritannien, die derzeitige Situation. Für Buhalis gestaltete sich der Wandel im ETourismus in den vergangenen 20 Jahren geradezu „dramatisch“. Das Geschäft ist einerseits unglaublich schnell geworden und damit weniger planbar. Der Konsument hat unter anderem durch den unkomplizierten Zugang zu Informationen an Stärke gegenüber den touristischen Anbietern gewonnen. Werth-

ner bezeichnet die derzeitige Struktur als zweiseitigen Markt (double sided market). Einander gegenüber stehen zwei Teilnehmer und zwischen ihnen gibt es einen oder mehrere Vermittler. „In einem double sided market gibt es immer einen, der im Vorteil ist. In diesem Fall ist es der Konsument“, sagt Werthner. Ein Aspekt dieser neuen Stärke des Konsumenten ist die elektronische Mundpropaganda – „E-Word-of-Mouth“. Gäste tauschen sich über unterschiedliche Kanäle über das tatsächlich vorhandene touristische Angebot aus und bewerten es. Steht, was der Anbieter über das Angebot sagt, in krassem Widerspruch zu den Kundenbewertungen, entsteht daraus schnell ein Problem.


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„Viele Betriebe haben die Entwicklung hin zu auf der Website buchbaren Angeboten verschlafen. Deshalb sind hier andere Anbieter eingesprungen.“

© emanuel kaser (2)

Jubiläumskonferenz. Zum zwanzigsten Mal diskutierten Wissenschaftler und Praktiker die Entwicklung im E-Tourismus.

„Mehr als 50 Prozent der Urlauber informieren sich auf einer Bewertungsplattform, bevor sie den Betrieb buchen“, sagt Christian Maurer, Professor für Tourismusmanagement und Freizeitwirtschaft an der Fachhochschule Krems. Wird ein Hotel schlecht bewertet, muss es deshalb mit unmittelbaren Umsatzeinbußen rechnen. Auch die Vertriebskanäle haben sich grundlegend geändert. Mehr als 40 Prozent der Buchungen erfolgen bereits online, Tendenz steigend. War das Heft früher in der Hand einer größeren Anzahl von Reiseveranstaltern, sind es mittlerweile einige wenige Big Player wie Booking.com oder Expedia, die den virtuellen Strom der Reisenden zu den touristischen Akteuren schleusen. Diese Plattformen agieren weltweit und sind aufgrund ihres Einflusses am Markt nicht nur in der Lage, der Tourismusindustrie Zugeständnisse abzuverlangen, sie machen Preise auch mit einem Klick leicht vergleichbar. Die vielfach beklagte Übermacht dieser Plattformen ist nach Einschätzung von Branchenkennern zum Teil freilich

© maurer

Christian Maurer, Professor für Tourismusmanagement und Freizeitwirtschaft an der FH Krems

auch hausgemacht. „Viele Betriebe haben die Entwicklung hin zu auf der Website buchbaren Angeboten verschlafen. Deshalb sind hier andere Anbieter eingesprungen“, erklärt Maurer. Schätzungen zufolge fließen aus Österreich jährlich rund 37 Millionen Euro in Form von Provisionen an Reiseplattformen ins Ausland. Und weitere Umbrüche stehen bevor, da sind sich die Experten einig.

Aktiv kommunizieren. „Innovation wird zumindest in der gleichen Geschwindigkeit stattfinden wie bisher“, glaubt Hannes Werthner. Für diejenigen, die sich dessen bewusst sind, hält die Geschwindigkeit der technologischen Neuerungen allerdings auch große Chancen bereit. Davon ist auch IFITTPräsident Buhalis überzeugt. „Wichtig ist, zu verstehen, wohin sich die Technologie bewegt und darauf basierend neue Lösungen zu kreieren“, sagt der Forscher. Es werde in Zukunft vor allem darum gehen, sich mit den Konsumenten über soziale Netzwerke zu verbinden und mit ihnen aktiv zu kommunizieren.

Markenentwicklung und -führung dominiert seit 1984 das Kerngeschäft der Tiroler Leadingagentur. Über die Jahre erweiterte das Team um Philipp und Hannes Handle die Dienstleistungskompetenz um die Bereiche Pre-Print für Image- und Angebotsmagazine sowie Gästezeitungen. Seit März 2012 firmiert Handle Creativ als Tirols erste zertifizierte Social Marketing-Agentur und betreut neben Internetauftritt mit optimiertem Suchmaschinenmarketing die gesamte Social MarketingKommunikation inkl. Dialog und Redaktion zu Gästen, Hotelbewertungsplattformen oder Neigungsgruppen.

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Vorne mit dabei.

Die Schnelligkeit, mit der sich die Technologie entwickelt, beinhaltet auch immer wieder die Chance, beim nächsten großen Sprung vorne mit dabei zu sein. Werthner prognostiziert unter anderem, dass sich die Art, wie wir im Netz nach Informationen suchen, deutlich verändern wird. Derzeit gebe es 50 Milliarden Websites. Damit wir finden, was wir suchen, müssen wir noch zumindest Schlüsselworte kennen oder wir hangeln uns von Link zu Link. Werthner glaubt, dass man in Zukunft vermehrt nach Bildern suchen wird, die einem bestimmten Bedürfnis entsprechen: „Sie wissen, Sie wollen auf Urlaub fahren, aber noch nicht genau, wohin. Es gibt aber einzelne Reise­ faktoren, die dem System bekannt sind. Basierend auf diesen Faktoren zeigen wir dem Kunden Bilder. Sie sind für ihn Vorschläge und Inspiration“, beschreibt der Universitätsprofessor ein Projekt, an dem er gerade arbeitet. Das Problem sei, dass Investoren fragen, wie viel Umsatz und wie viel Buchungen das bringe. Das lasse sich allerdings in einer so frühen Phase der Buchungsentscheidung oft nicht sagen. Werthner plädiert dafür, bei Investitionen in zukünftige Technologien auch einmal etwas zu riskieren. Auch wenn das manch-

mal bedeutet, dass man Geld in einen Fehlschlag stecken muss. „Solche Innovationsprojekte sind immer riskant. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie scheitern, ist größer als dass sie erfolgreich sind.“ Aber nur von diesen radikalen Ideen, gehe die tatsächliche Innovationskraft aus. Genau in solchen Projekten sieht Werthner deshalb auch die beste Gelegenheit, um beim nächsten Entwicklungssprung federführend zu sein.

man im Rahmen von Lehrveranstaltungen gemeinsam mit Studenten bearbeiten könnte. Das würde die Tourismusunternehmen nichts kosten. „Ich wundere mich, dass die Betriebe bei den Fachhochschulen nicht Schlange stehen“, meint Christian Maurer. Es wäre an der Zeit, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und an einer gemeinsamen E-TourismusStrategie arbeiten, so der Wissenschafter. Stattdessen sehe es derzeit so aus, dass man aus Angst, dass die Konkurrenz es besser machen könnte, lieber weiter sein eigenes Süppchen kocht. Eine Ansicht, die Buhalis zumindest auf Tirol bezogen teilt: „Die Tiroler Tourismusindustrie ist sehr hoch entwickelt. Sie besteht aus vielen kleinen Unternehmern, die ihre Sache fantastisch machen. Allerdings glaube ich, dass sie, wenn sie von den künftigen Entwicklungen profitieren wollen, als Region enger zusammenarbeiten müssen und sich weniger gegenseitig bekriegen.“ Der Markt sei hart umkämpft. „Man muss rennen, wenn man mithalten will.“

„Ja, Buchungsplattformen sind sehr mächtig geworden, und ja, sie werden höhere Provisionen verlangen. Aber niemand zwingt die Anbieter, mit den Plattformen zu kooperieren, stattdessen sollte man sich darum bemühen, eigene Wege zu finden, mit seinen Gästen zu kommunizieren.“

Das Internet ist überall. Den jüngs-

Dimitrios Buhalis, Vorsitzender der IFITT

© buhalis

Buhalis rät, dabei authentisch zu bleiben: „Es ist nicht authentisch, wenn man eine PR-Firma damit beauftragt.“ Im Mittelpunkt sollten echte Menschen stehen. „Wenn ich ein Foto von meinem Koch poste, unter dem vielleicht steht: Das ist mein Koch Michael. Er hat heute Schweinebraten zubereitet. So hat er das gemacht. Das ist authentisch“, gibt Buhalis ein Beispiel. Es kann sowohl die Glaubwürdigkeit eines Betriebes, aber auch einer Destination stärken, wenn sie sich dem Dialog mit den Kunden über verschiedene Social-Media-Kanäle öffnet, findet auch Maurer. Kommentare und Bilder von Menschen, die tatsächlich vor Ort waren, können gemeinsam mit den klassischen Werbeaufnahmen einen einander verstärkenden Effekt haben. Voraussetzung: Sie widersprechen sich nicht gegenseitig. Eine weitere Chance, die sich durch die Kommunikation mit dem Konsumenten ergibt, ist die Möglichkeit, im Gegenzug mehr über ihn herauszufinden. „Das Web mit seinen Daten und Abläufen wird zu einem Spiegel der Realität. Wenn es mir also gelingt zu analysieren, was im Netz passiert, kann ich aus diesen Daten Wissen herausziehen“, erklärt Hannes Werthner.

Gemeinsam statt einsam.

Eine weitere mögliche Chance bietet sich aus Sicht Maurers in der stärkeren Vernetzung von Wissenschaft und Tourismuswirtschaft. Es gebe eine Menge Bereiche, die

ten großen Umbruch der Branche haben die rasant steigenden Benutzerzahlen bei Smartphones und Tablets ausgelöst. Das Web hat damit PC und Laptop verlassen und begleitet den Menschen täglich auf Schritt und Tritt. Das wird auch den Reisemarkt verändern. Derzeit werden 16 Prozent aller online gebuchten Reisen übers Smartphone getätigt, sieben Prozent des gesamten Reisevolumens, führt Aoife Desmond, Leiterin der Abteilung Global Marketing Solutions für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz bei Facebook, aus. 2014 wird dieser Anteil auf 23 Prozent anwachsen. Im Schnitt hat ein durchschnittlicher User zehn Apps auf seinem Smartphone installiert. „Das ist es, wo Sie sein sollten“, rät die Social-MediaExpertin deshalb. 962 Millionen Mal wurden laut einer Online-Studie von ZDF und ARD allein in Deutschland im letzten Jahr Apps heruntergeladen, eine Steigerung um 249 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Professor Maurer warnt in diesem Zusammenhang vor dem Trugschluss, dass mobile Geräte nur von der jüngeren Zielgruppe genutzt werden. Das sei ein Irrglaube, die meisten Tablet-Nutzer seien über 40-Jährige.

Die Macht der Plattformen.

Bei allen Möglichkeiten, die sich bieten, stellten die Neuerungen im E-Tourismus die Touristiker auch vor Herausforderungen.


Überall online. Immer häufiger wird unterwegs nicht nur gesurft. Der Anteil von am Smartphone oder Tablet getätigten Online-Reisebuchungen soll bis 2014 auf 23 Prozent steigen.

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Chancen Vorsprung durch Innovation und Nutzen der neuen Technologien. Die Innovationskraft und der Mut zu neuen Ideen wird immer entscheidender beim Wettrennen um den Konsumenten. Direkte Kommunikation mit dem Gast. Plattformen wie Facebook und Twitter bieten die Chance, in Echtzeit mit dem Gast zu kommunizieren und so auch viel über seine Wünsche und Bedürfnisse herauszufinden.

Eine der größten ist der Vertrieb. OnlineBuchungsplattformen verrechnen derzeit im Schnitt zwischen 15 und 20 Prozent Provisionen für ihre Leistungen. Dass die Gebühren weiter steigen, gilt als sehr wahrscheinlich. „Ja, Buchungsplattformen sind sehr mächtig geworden, und ja, sie werden höhere Provisionen verlangen. Aber niemand zwingt die Anbieter, mit den Plattformen zu kooperieren, stattdessen sollte man sich darum bemühen, eigene Wege zu finden, mit seinen Gästen zu kommunizieren“, findet Buhalis. In diesem Zusammenhang wird vor allem auf Initiative der Österreichischen Hoteliersvereinigung (ÖHV) immer wieder über eine eigene nationale Buchungsplattform diskutiert. Josef Margreiter, Chef der Tirol Werbung, steht diesen Überlegungen eher skeptisch gegenüber. Eine eigene Plattform gab es mit Tiscover nämlich bereits. „Vielen wird jetzt erst bewusst, dass wir mit Tiscover weltweit führend waren. Das wurde damals nicht so geschätzt“, sagt Margreiter. Die Betriebe hätten Tiscover damals den Rücken gekehrt, weil sie sich von der Zusammenarbeit mit anderen Marktanbietern mehr versprachen. Für eine österreichische Plattform sei ein langer Atem notwendig und viel Kapital. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Vermieter, auch wenn es eine technisch perfekt funktionierende nationale Plattform geben würde, sofort von ihren derzeitigen Lieferanten Abstand

nehmen und ihr buchbares Angebot nur noch auf dieser Plattform einstellen“, begründet Margreiter seine Bedenken. Man würde weiterhin in Konkurrenz mit den derzeitigen Plattformen stehen – ein Duell, das man, allein was die finanziellen Mittel angehe, nicht gewinnen könne. Ein gangbarer Weg wäre für ihn eher, Verkaufsgemeinschaften zu bilden, um den Buchungsplattformen wieder auf Augenhöhe begegnen zu können.

Es wird komplexer. Nicht zuletzt ist die gestiegene Komplexität eine der großen Herausforderungen – und zwar für alle Beteiligten. Als Unternehmer müsse man sich heute überlegen, welche Social-Media-Kanäle man bespielt, auf welchen Buchungsplattformen man vertreten ist und mit welchem Preis, auf welche Technologie man aufspringt, wie man erfolgreich Kundensegmentierung betreiben kann, schildert Werthner die Problematik. Wichtig sei, strategische Unternehmensentscheidungen trotzdem nicht auszulagern. „Ich muss nicht alles wissen, aber ich muss wissen, wen ich fragen kann.“ Auch Josef Margreiter sieht Nachholbedarf bei Know-how und Kompetenz­ entwicklung. Aus seiner Sicht braucht es deshalb eine Bildungsoffensive. Als positives Beispiel, das als Vorbild dienen könnte, nennt er die Vermieterakademie, die sich unter anderem der Verkaufsschulung der Kleinvermieter verschrieben hat. ×

Neue Möglichkeiten der Kundensegmentierung. Die Menge an Daten und Informationen, die die User im Netz freiwillig zur Verfügung stellen, kann dazu genutzt werden, den künftigen Gast besser kennen zu lernen und ihn gezielter anzusprechen. Zusammenarbeit von Wissenschaft und Tourismusindustrie. Wer Knowhow und Kompetenzentwicklung stärkt, kann sich von der Konkurrenz abheben.

Herausforderungen Auf die Buchungsplattformen reagieren. Es sind Formen der direkten Vermarktung zu forcieren, um der zunehmenden Marktmacht der Buchungsplattformen auf Augenhöhe begegnen zu können. Komplexität beherrschen. Der Unternehmer muss heutzutage eine Vielzahl von strategischen Entscheidungen treffen. Den Überblick über alle Entwicklungen zu behalten, wird zunehmend schwierig. Mit dem hohen Tempo Schritt halten. Die Dichte an Innovationen wird auch in Zukunft zumindest im selben Tempo weitergehen. Wer nicht auf dem neuesten Stand der Technik ist, läuft Gefahr unter die Räder zu kommen.


12 E-Tourismus saison

Aus analog wird digital Noch bevor das Internet einen fixen Platz in der Welt eroberte, hatte Tirol schon eine Konferenz für E-Tourismus – die ENTER. V o n S y lv i a A i n e t t e r

W

ir schreiben das Jahr 1994. Die ersten Handys sind gerade auf den Markt gekommen, sehen allerdings noch aus wie Funkgeräte. Musik hört man von Kassette oder CD, Filme schaut man mithilfe seines VHS-Videorekorders. Auf der Cebit wird das „Short Message Service“ (SMS) vorgestellt. Ganz neu auf dem Markt ist der PentiumProzessor von Intel, bis zur Markteinführung des iMacs dauert es noch vier Jahre. Computer sind keine Massenware, das Internet in der heutigen Form ist noch Zukunftsmusik. Was in den kommenden 20 Jahren alles passieren wird, welche technologischen Entwicklungen die Welt, die Gesellschaft und die Wirtschaft verändern werden, kann sich noch niemand so recht vorstellen. In dieser analogen Welt findet die erste ENTER-Konferenz in Innsbruck statt. Eine Konferenz für E-Tourismus. „Die Tirol Werbung hat bereits Ende der 80er-Jahre das Tirol Informations System (TIS) entwickelt. Dabei handelte es sich um ein touristisches Informationsnetzwerk, das alle Tiroler Tourismus-Leistungsträger verbinden sollte“, erinnert sich Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung, „die ENTER-Konferenz diente dazu, Knowhow zu vermitteln und das Tourismusmarketing zu professionalisieren.“

Die TVBs und die Tirol Werbung sind zum damaligen Zeitpunkt mit simplen Telefonleitungen der Post miteinander verbunden, doch die Verantwortlichen in der Tirol Werbung ahnen schon, dass alles schnell gehen könnte. Helene Forcher leitet damals die Abteilung Kommunikation und Kreativplanung in der Tirol Werbung und ist dann auch für die Pressearbeit der aus dem TIS hervorgegangenen TISCOVER zuständig. „Man hat damals erkannt, dass sich in der Technologie viel ändern wird und dass diejenigen, die über die Inhalte verfügen, also die Tourismusverbände, eine wichtige Rolle spielen werden“, erzählt Forcher. Das Medium war damals das Kabelfernsehen – und über dieses Kabelnetz empfangen bereits 1994 mehr als 50.000 Haushalte Informationen von TIS wie etwa Wetterberichte, Schneelage und Verkehrsmeldungen.

Rasante Entwicklungen.

Die erste ENTER-Konferenz findet im Jänner 1994 im Congress Innsbruck statt. Informatiker, Touristiker und Wirtschaftswissenschaftler sprechen über virtuelle Realität, elektronisches Einkaufen und neue Werbemöglichkeiten für den Tourismus. „Internet war natürlich ein Thema, aber keineswegs das einzige. Das Internet ist ja nur das Medium! Es ging immer darum, dass und wie sich die Datenübertragung ändern wird“, sagt Margreiter.

© Forcher

„Man hat damals erkannt, dass sich in der Technologie viel ändern wird und dass diejenigen, die über die Inhalte verfügen, also die Tourismusverbände, eine wichtige Rolle spielen werden.“ helene forcher

Von Anfang an deckt die ENTER-Konferenz drei Bereiche ab: Wissenschaft, Industrie und die Touristik. Auf der ENTER wird Pionierarbeit geleistet, denn für viele Touristiker scheint die Idee von Online-Buchungen und digitaler Kommunikation absurd. Dennoch: Das TIS ist Realität und leistet wesentliche Vorarbeit. „Im Tiroler Tourismus war das Bewusstsein bereits vorhanden. Aber natürlich gab es auch Skeptiker, die dem Online-Markt keine zwei Überlebensjahre beschieden“, erzählt Josef Margreiter. Im Laufe der darauffolgenden Jahre erlebt nicht nur das Web einen Höhenflug, auch die ENTER-Konferenz gewinnt immer mehr an Ansehen. Die Themen sind immer am Puls der Zeit: So geht es etwa bereits 2003 um Virtual Communities – Facebook wird im Jahr darauf online gehen. „Bei den ENTER-Konferenzen hat man schon recht früh erkannt, dass durch das Internet die Kommunikation mit dem Konsumenten zu einer Zwei-Wege-Kommunikation wird und die Konsumenten mitreden werden“, sagt Helene Forcher. Doch nicht jede auf der ENTER als


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Von Tis zu tiscover Aus dem Informationsnetzwerk TIS, gegründet 1991, wird 1995 TIS@ Web – eine der ersten Reiseseiten weltweit. Im Jahr 2000 wird aus TIS TISCOVER, 2005 erhält die Webseite den Multimedia-Staatspreis Österreich in der Kategorie „Tourismus und Gesundheit“. Im Jahr 2008 wird TISCOVER an die Buchungsplattform HRS verkauft.

Die Austragungsorte der ENTER

Rückschau. In 20 Jahren war die ENTER-Konferenz stets einen Schritt voraus.

1994 Innsbruck, 1995 Innsbruck, 1996 Innsbruck, 1997 Edinburgh, 1998 Istanbul, 1999 Innsbruck, 2000 Barcelona, 2001 Montreal, 2002 Innsbruck, 2003 Helsinki, 2004 Kairo, 2005 Innsbruck, 2006 Lausanne, 2007 Laibach, 2008 Innsbruck, 2009 Amsterdam, 2010 Lugano, 2011 Innsbruck, 2012 Helsingborg, 2013 Innsbruck

„Das Einzigartige an der ENTER ist, dass sie sich nie zur reinen IT- oder Computer-Konferenz entwickelte, sondern immer die beiden Pole Wissenschaft und Praxis aufs Interessanteste vereinte.“ Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung

Trend ausgerufene Entwicklung kann sich halten. Im Jahr 1994 gestalten Veltman/ Veltman im Auftrag von Tirol Werbung und TIS eine CD-i, eine interaktive CD (Kostenpunkt: 498 Schilling). Im Bewusstsein der Konsumenten kommt dieses Medium jedoch nie an. Genauso wenig wie Minitel, ein in Frankreich gebräuchlicher Onlinedienst. „Auch das WAP-Handy war letztlich nur eine Zwischenlösung in dieser dynamischen Technologie-Entwicklung“, so Margreiter.

ENTER geht in die Welt. An prominenten Unterstützern mangelt es der ENTER nicht: Der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky ist zu Gast bei der ersten ENTER 1994 und hält 1995 die

Eröffnungsrede, Staatssekretär Martin Bartenstein und Landeshauptmann Wendelin Weingartner nehmen ebenfalls teil. Im Jahr 1997 wird die ENTER von den Organisatoren in die weite Welt hinausgelassen. „Wir erkannten, dass eine internationale Konferenz auch wandern muss, um die Community zu vergrößern und zu wachsen“, erinnert sich Josef Margreiter. Eine wesentliche Rolle spielt auch der Organisationsaufwand für die Tirol Werbung. 1997 wird IFITT (International Federation for Information Technologies in Travel and Tourism) gegründet, um die Organisation der ENTER zu übernehmen. Innsbruck wird als Standort für jedes dritte Jahr verankert. Die Zutaten bleiben aber weiterhin

die gleichen: ein wissenschaftlicher Teil mit PhD-Workshop, der Industry Track und ein Teil für die Vertreter der Destinationen. Nur eine Anpassung gibt es: Ein National Day wird eingeführt, einige Vorträge des Kongresses werden in der jeweiligen Landessprache abgehalten und beschäftigen sich mit landesspezifischen Themen. Und wie ist die ENTER heute zu beurteilen? „Die ENTER ist durch ihre zweipolige Ausrichtung eine einzigartige Konferenz. Und sie ist auch eine der ältesten Konferenzen zu diesem Thema. In dieser schnelllebigen Zeit ist es offensichtlich gelungen, mit immer wieder neuen Themen und interessanten Referenten aktuell zu bleiben“, so Helene Forcher. Das soll künftig auch so bleiben.×


14 E-Tourismus saison

„Es wird komplizierter und einfacher“ Univ.-Prof. Hannes Werthner ist Mitbegründer der ENTER. Im Gespräch erinnert er sich an die Anfänge des IT-Kongresses zurück und wirft einen Blick in die Zukunft.

© Emanuel kaser (2)

D a s I n t e r v i e w f ü h r t e S y lv i a Ai n e t t e r .


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S

AISON: Herr Professor Werthner, welche Rolle spielt das Web heute im Tourismus? Hannes Werthner: Eine ganz wesentliche. So ist zum Beispiel Tourismusmarketing ohne Webmarketing gar nicht mehr möglich. Das Web ist ein zentraler Kommunikations-, Vertriebs-, Transaktions-, Darstellungsmotor. Das hat viel mit der Entwicklung des Computers zu tun: Er ist nicht mehr nur Rechner, sondern eine Multimediamaschine. Für ein Tourismus-Unternehmen ist das Internet daher zentrales Mittel zur Präsentation, für Marketing, für den Vertrieb, also auch für Buchungen. Was ist mit Social Media? Social Media dürfen natürlich nicht vernachlässigt werden. Das Internet hat unterschiedliche Dimensionen, auch für die Kundeninte­ gration, die etwa in Form von TripAdvisorBewertungen und Facebook-Kommentaren stattfindet. Der Konsument von heute mischt sich ein. Somit ist Webmarketing keine IT-Frage, sondern eine strategische Frage. Und die betrifft das Management und kann nicht an eine externe Agentur ausgelagert werden. Darum müssen sich die Touristiker schon selbst kümmern. Wir hatten bereits 1999 auf der ENTER das Thema „Communities“. Facebook kam dann 2005. Ist das, was im Web passiert, für den Unternehmer noch steuerbar? Bis zu einem gewissen Grad nicht mehr. Aber Unternehmen können ja immer noch frei entscheiden, wie sie sich im Web bewegen, wie sie sich darstellen, reagieren, wie sie ihre Preise und Produkte gestalten und mit welchen Partnern sie kooperieren. Sie können sogar lokal eine KooperationsInternetplattform erstellen. Aber um das alles richtig zu machen, braucht man Know-how. Das ist meist der Knackpunkt. Welchen Umgang mit Buchungsplattformen empfehlen Sie den Unternehmen? Die Bewertungsplattformen sollten Hote-

liers auf jeden Fall ernst nehmen und sich darüber den Kopf zerbrechen! Negative Bewertungen haben ganz unmittelbar Auswirkungen auf den Umsatz. Ausweichen kann man den Ratings ohnehin nicht. Als Tiscover noch der Tirol Werbung gehörte und solche Bewertungen einführte, gab es einen Aufschrei von Seiten der Hotellerie. Daraufhin wurden diese Bewertungen wieder herausgenommen. Doch kurz darauf kamen TripAdvisor und Co. Natürlich kann man feststellen, dass einige dieser Buchungsplattformen dominieren, das sind vornehmlich internationale Firmen. Hier geht es darum, eigene Strategien zu entwickeln, nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Destination – zum Beispiel Österreich. Und dabei kommt der öffentlichen Hand eine Rolle zu. Inwiefern hat das Web das Konsumverhalten verändert? Bei solchen Entwicklungen handelt es sich meist um

Ein Beispiel: Jemand geht in die Konditorei Sacher und bestellt ein Stück Kuchen. Noch bevor er gekostet hat, postet er ein Bild auf Facebook. Erinnern Sie sich 20 Jahre zurück: Wie waren die Anfänge der ENTER? Angefangen hat alles bereits Ende der Achtzigerjahre. 1992/93 tauchte in Zusammenhang mit TIS, dem Tirol Informations System, der Gedanke auf, dass das System alleine nicht genügt, sondern wir auch Know-how aufbauen müssen. So beschlossen wir, eine Konferenz zu machen. Das Konzept stützt sich auch heute noch auf drei Bereiche: Wissenschaft, Industrie und Destinationen. Welche Themen haben Sie damals besprochen? Wir sprachen 1994 bei der ersten Konferenz über elektronische Märkte, virtuelle Welten, Virtual Reality und Auktionen im elektronischen Markt. Dabei

„Der Konsument von heute mischt sich ein. Somit ist Webmarketing keine IT-Frage, sondern eine strategische Frage. Und die betrifft das Management und kann nicht an eine externe Agentur ausgelagert werden.“ Univ.-Prof. hannes werthner

Wechselwirkungen: Das Konsumverhalten der Menschen hat diese Technologien „mitentwickelt“, sie sind sozusagen ihr Spiegel. Sonst wäre ein solcher Erfolg nicht machbar. Aber natürlich hat das Web auch Einfluss auf das Verhalten der Konsumenten. Es ist zu beobachten, dass sich Menschen mehr beschweren und alles sofort teilen. Für eine bestimmte Gruppe von Internetnutzern gilt „sharing before consuming“.

gab es damals noch gar kein Internet. Das kam erst zwei Jahre später. So waren die Themen noch sehr abstrakt. Damals hatte auch nicht jeder einen PC zuhause. Um das TIS aufzubauen, wurden die TVBs und die Tirol Werbung mit eigenen Leitungen von der Post verbunden. Ohne die finanzielle Unterstützung von Tirol Werbung und Messe Innsbruck wäre das nie möglich gewesen. Aber so haben wir eine intellektuelle Kapazität aufbauen können.


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Welche Erwartungen steckten hinter der Konferenz? Wir hatten das Gefühl, dass es zwischen Informationstechnologie und Tourismus eine Verbindung gibt und gemeinsame Entwicklung stattfinden wird. Wir glaubten immer daran, dass das zusammenwachsen wird. 1996, als das Internet kam, trat das auch ein. Wir hatten das Internet als Erste und wir waren auch die Ersten, die das Internet zum Thema einer internationalen Konferenz gemacht haben. 1994 aber, bei der ersten Konferenz, sind einige Touristiker aufgestanden und gegangen. Sie hielten das alles für Blödsinn und glaubten nicht, dass das Internet sich durchsetzen würde. Im Laufe der Jahre haben Sie zahlreiche Themen auf der ENTER besprochen. Welche der Vorhersagen, die Sie getroffen haben, traten tatsächlich ein? Wir haben prophezeit, dass der Markt wesentlich effizienter werden würde. Und das ist auch eingetreten. Dadurch, dass alle im Internet sind, geht alles viel schneller. Außerdem sind die Produkte vergleichbarer und somit billiger. Von Anfang an wussten wir auch eines ganz genau: Wir waren immer überzeugt davon, dass das eigene Knowhow wesentlich ist. Das Web und seine Nutzung ist eine strategische Aufgabe. Es gibt zahlreiche Beispiele von Firmen, die verschwunden sind, weil sie das nicht beherzigt haben. Ein nicht-touristisches Beispiel: Schauen Sie auf die Encyclopaedia Britannica – jetzt haben wir Wikipedia, und das umsonst. Das Internet transformiert Industrien und den Tourismus hat es auch transformiert. Das haben wir vorausgesagt. Haben die Touristiker etwas versäumt? Ja, auf jeden Fall. Sie hätten sich ernsthafter mit dem Thema auseinandersetzen

müssen. Wobei, einige haben dies durchaus getan. Die Innovationen kamen aber im Wesentlichen von außen. Welche Prophezeiungen der ENTER sind nicht eingetreten? Leider nicht eingetreten ist, zumindest nicht in dem Umfang wie erhofft, dass der Hotelier direkt mit dem Endverbraucher verlinkt wird. In den Neunzigern waren Reiseveranstalter noch sehr mächtig. Die Veranstalter gibt’s noch, auch wenn sie viel von ihrer Macht verloren haben. Wir dachten auch, dass alles viel einfacher werden würde. Jetzt müssen wir aber sehen, dass wahrscheinlich sogar alles komplizierter geworden ist. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu verbinden, sich zu präsentieren. Die Plattformen sind schwer zu überblicken und auch Communities müssen gemanagt werden. Das ist wesentlich komplexer, als wir gedacht haben. Welche Entwicklungen sehen Sie für die Zukunft? Die Zukunft zeichnet sich jetzt schon ab: Die mobile Kommunikation wird noch wichtiger werden, alle Informationen landen am Smartphone oder Tablet, der PC wird rückläufig sein. Durch diese ständige Mobilität werden Entscheidungen, auch was Reisen und Destinationen angeht, spontaner und kurzfristiger werden. Die Konsumenten beziehungsweise die Geräte der Konsumenten kommunizieren auch ständig mit anderen Geräten. Ich habe das bereits jetzt in meinem Auto: Wenn ich an einer Sehenswürdigkeit vorbeifahre, erzählt mir mein Auto alles Wissenswerte dazu. Die nächsten technologischen Wellen werden in immer kürzeren Abständen kommen und in erster Linie den Service

„Die mobile Kommunikation wird noch wichtiger werden, alle Informationen landen am Smartphone oder Tablet, der PC wird rückläufig sein. Durch diese ständige Mobilität werden Entscheidungen, auch was Reisen und Destinationen angeht, spontaner und kurzfristiger werden.“ Univ.-Prof. hannes werthner

Zur Person Dr. Hannes Werthner ist Professor für Wirtschaftsinformatik, Mitbegründer der ENTER, war von 1997 bis 2000 Präsident der IFITT (International Federation for Information Technologies in Travel and Tourism) und leitet derzeit als Direktor die Vienna PhD School of Informatics an der TU Wien.

betreffen: neue Dienste, neue Webseiten, neuer Content. Wichtig ist, angesichts dieser Vielzahl von technologischen Möglichkeiten und Services den Überblick zu behalten. Dazu braucht es Know-how, sonst kann man mit dieser Komplexität nicht umgehen. Es wird also alles noch komplexer? Es wird schneller werden. Dadurch entstehen mehr Möglichkeiten und somit wird es auch komplizierter werden. Und gleichzeitig aber auch einfacher. Wie gesagt: Wesentlich ist das Know-how. Bedeutet das, dass Touristiker nun auch zu IT-Fachleuten werden müssen? Nein, das geht nicht. Die Aufgabe des Unternehmers ist zu wissen, warum was wie verwendet werden könnte. Er sollte zum Beispiel wissen, was Affiliate Marketing ist und dass es so etwas wie die Optimierung einer Webseite gibt. Alle diese Unternehmen im Tourismus agieren in einer komplexen Netzwerkstruktur mit Partnern, Mitbewerbern und Kunden. Sie müssen definieren, wo ihr Platz in diesem Netzwerk ist. Vielen Dank für das Gespräch.

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© Emanuel kaser

saison

Affiliate Marketing

Suchmaschinenoptimierung

Affiliate-Systeme sind internetbasierte Vertriebslösungen. Beim Affiliate Marketing fungieren Partner („Affiliates“) als Mittler, indem sie Werbe-Links in ihre Homepages, Websites, Blogs, E-Mails, Newsletter, Suchmaschinen, Videos, Feeds und sonstige Online-Inhalte einbauen. Als Bezahlung erhalten sie eine Vermittlungsprovision, die dann – je nach Vereinbarung – pro Klick, pro Kontaktanfrage an das Unternehmen oder pro Kauf fällig wird.

Unter „Suchmaschinenoptimierung“ versteht man Maßnahmen für ein verbessertes Ranking in Suchmaschinen. Die erste Maßnahme ist, dass die Webseite dem derzeit gültigen HTML-Standard folgt, eine weitere wäre etwa die Auswahl der geeigneten Suchbegriffe. Die Suchmaschinenoptimierung kann sowohl an der zu optimierenden Seite selbst erfolgen als auch außerhalb – ein gutes Listing ist auch stark abhängig von den eingehenden Links der Webseite.


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ie neuen Technologien haben die Entscheidungsfindung bei der Reiseplanung aufgebrochen“, konstatierte Aoife Desmond von Facebooks Global Marketing Team im Rahmen der ENTER 2013. Alternative Reiseführer wie Lonely Planet wecken zwar noch immer Sehnsüchte, für die Reiseplanung wechseln viele Fernsüchtige dann aber die Quelle und vertrauen zum Beispiel auf Facebook oder die Bewertungsplattform TripAdvisor, die mit Posts und Fotos wiedergibt, was sich im Moment vor Ort abspielt. Reiseberichterstattung in Echtzeit – geschrieben von denen, die es selber erleben und mit anderen teilen.

Digitales Reisegeflüster Gerade für den Tourismus spielt Mundpropaganda im Web 2.0 eine bedeutende Rolle. Die meisten Reiseentscheidungen werden nämlich noch immer danach getroffen, ob Freunde und Bekannte von positiven Erfahrungen berichten. V o n J a n e K at h r e i n

Vertrauen. Eine Umfrage in deutschen Reisebüros, durchgeführt vom Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Trendscope, zeigt: Die Kunden vertrauen in ihren Reiseentscheidungen eher den Empfehlungen von Freunden und Bekannten als dem anonymen Reisebüroangestellten. Immer mehr Kunden würden bei der Entscheidungsfindung auch auf aktuelle Berichte in Bewertungsportalen zurückgreifen. Die Online-Medien haben den klassischen Informationsquellen Zeitung, Fernsehen und Reiseführer längst den Rang abgelaufen. Ein Trend, den auch die Wissenschaftlerin Rosanna Leung im Rahmen der Enter 2013 bestätigte: So vertrauten 30 Prozent der Reisenden im vergangenen Jahr bei der Wahl ihrer Unterkunft auf soziale Netzwerke wie TripAdvisor und Facebook.

Mundpropaganda. Was macht soziale Netzwerke so vertrauenswürdig, wo mittlerweile auch dem Durchschnittsuser dämmert, dass man sich auch auf Facebook inzwischen „Likes“ erkaufen kann? Facebook baut neben dem Teilen von Erlebnissen vor allem auf Identitäten auf und vermittelt ein Gefühl von Zugehörigkeit. Menschen mit ähnlichen Interessen verbinden sich. „Wem es gelingt, sich mit den richtigen Fans zu verbinden, ist auf

„Du wirst nie genau wissen, was alles da draußen passiert. Jede Minute finden neue Entwicklungen statt. Also teile deine Erfahrungen mit anderen, diskutiere darüber und lerne davon.“ William Bakker, Think! Social Media

dem richtigen Weg“, ist Aoife Desmond überzeugt. Und da Facebook-Nutzer gut untereinander vernetzt sind, bewerbe sich ein interessantes Produkt quasi von selbst. Mundpropaganda mittels Online-Kanälen – nichts anderes ist Social Media. Destinationen rät Aoife Desmond, in einem ersten Schritt nicht neue Zielgruppen zu definieren, sondern an bereits bestehende anzudocken, und diese zu motivieren, weitere Freunde zu begeistern. Die Zielgruppe zu kennen, das bleibt den Anbietern aber auch im Social-Media-Zeitalter nicht erspart und wird vielleicht gera-

de in dieser virtuellen Welt, die zahlreiche Informationen bereithält, umso wichtiger.

Geschichten erzählen. Social Media als Informations-Kanal funktioniert aber nur, wenn es etwas Interessantes zu erzählen gibt. Justin Reid von BetaPond, einem auf Facebook-Marketing spezialisierten Unternehmen, appelliert an die Kreativität jedes Einzelnen: „Wenn du keine interessanten Geschichten aus deiner Region erzählen kannst, dann geh und suche dir einen anderen Job.“ Die interessanten Geschichten verbreiten


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„Wem es gelingt, sich mit den richtigen Fans zu verbinden, ist auf dem richtigen Weg.“ Aoife Desmond, Facebook

sich von selbst. Facebook und Co. bieten neue Möglichkeiten, neben Text und Bild die Informationen nach außen zu tragen. Multimediales Arbeiten ist also gefragt. Wie das funktioniert? „Lernen durch Tun“, diesen Rat gibt William Bakker von Think! Social Media, einer Firma, die Social-Media-Lösungen für den Tourismus entwickelt. „Du wirst nie genau wissen, was alles da draußen passiert. Jede Minute finden neue Entwicklungen statt. Also teile deine Erfahrungen mit anderen, diskutiere darüber und lerne davon.“

Blogger-Zeitalter. Seit acht Monaten berichtet eine Food-Bloggerin über die besonderen kulinarischen Ecken im kanadischen Richmond. Die Idee dazu hatte William Bakker. Er setzt auf Blogger. Menschen, die sich in einem Fachbereich besonders auskennen und regelmäßig in ihrem Forum darüber schreiben. So komme man als Destination ins Gerede. Der Essensblog erregte viel Aufsehen, auch in den traditionellen Medien. Inzwischen

werden die Rezepte der Bloggerin auf Face­book diskutiert. Und Richmond hat sich als kulinarisches Zentrum bei Reisenden eingeprägt. „Wenn ich ein Konzert in Oregon besuche, blogge ich das für eine Freundin, die sich mit Musik auskennt“, erklärt William Bakker die Funktion des Blogs als Informationsquelle. Blogger sind die Reisereporter der neuen Zeit. Sie wissen, was interessant ist, schreiben darüber und teilen das mit ihren Freunden. Im Idealfall tun sie das ohne Sponsor im Hintergrund, ein Grund, warum Web-Nutzer dem Blogger mehr vertrauen als dem Angestellten eines Reisebüros, der in erster Linie ein Produkt verkaufen will. Blogger als Botschafter – eine Idee, die auch in Flandern für großes Aufsehen sorgte. Die Touristiker luden zum Musikfestival und hundert Blogger aus dreizehn Ländern kamen, sahen, berichteten davon. „Wir trafen uns mit den Bloggern und tauschten uns aus. Jetzt sind sie Botschafter Flanderns“, so Tomas Vanderplaetse von Tourisme Vlaanderen.

Ein kluger Mix. Welche Ideen funktionieren? Welche Geschichten sind interessant? Und was können Destinationen konkret tun, um die neuen Technologien besser zu nutzen? Es gebe kein Patentrezept, darin waren sich die Fachleute auf der Enter 2013 einig. „Ausprobieren, was funktioniert“, sagt William Bakker, „und sich nicht auf Bestehendes reduzieren. Die eigenen Besonderheiten herausstreichen und diese Zielgruppen orientiert aufbereiten, das funktioniert.“ Bei all den Überlegungen zum optimalen Einsatz der Online-Kanäle sollte man sich dennoch nicht in Mikrobetrachtungen verlieren, so der Tenor. Wer sich nur darauf fixiert, welcher Werbekanal wie viele Buchungen bringt, verliert nur allzu leicht den Blick auf das Ganze, denn Buchungen geht immer ein mehrstufiger Wahl- und Entscheidungsprozess voraus. Jeder Kanal hat seine Aufgabe und Wirkung. Ein kluger Mix der Kanäle, das sei es, was erfolgreiches Social-MediaMarketing ausmacht. ×


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Neue Machtverhältnisse Hotel-Bewertungsportale im Netz haben Kundenzufriedenheit und positives Feedback zur harten Währung im Online-Geschäft werden lassen. Experten erklären, wie man von den Plattformen profitiert und warum auch negative Kritik neue Gäste bringen kann. Von Sonja Kainz

A

lles fing mit einem abge­ laufenen Keks zum Früh­ stückskaffee an. Kann ja mal passieren, dachte sich Konrad da noch. Kein Grund zur Aufre­ gung. Er weist den Kellner freundlich da­ rauf hin. „Passt’s da a bissl auf“, meint er nur jovial. Als er am nächsten Tag wieder ein Kleingebäck, das seine besten Zeiten schon länger hinter sich hat, neben sei­ nem lauwarmen Verlängerten vorfindet, wächst bei Konrad allerdings der Unmut. So geht man also mit seiner berechtigten Beschwerde um? Als er den jungen Mann erneut darauf anspricht, ist sein Ton deshalb leicht gereizt. Der Hotelkellner reagiert ebenfalls etwas patzig und schon ist es passiert. Nach seiner Abreise ver­ fasst Konrad eine geharnischte Kritik auf HolidayCheck. Seine Worte sind drastisch, vielleicht sogar ein bisschen dick aufgetra­ gen, aber das Verhalten dieses Burschen war auch wirklich eine Frechheit. Gästebeschwerden hat es schon immer gegeben, auch dass sich ihr Furor mitunter an Kleinigkeiten entzündet, ist

nicht neu. Ein relativ junges Phänomen ist allerdings, dass diese Kritik über Hotelbe­ wertungsplattformen im Internet ein un­ gleich größeres Publikum findet. Auf rund 16,5 Millionen Seitenbesucher kommt bei­ spielsweise der Branchenprimus auf dem deutschen Markt, HolidayCheck, in einem Monat. Im vergangenen Jahr wurden al­ lein auf dieser Bewertungsplattform eine Million Hotelbewertungen abgegeben. Die aktuellen Bewertungen werden Tausende Male angeklickt, negative noch öfter. „Negative Bewertungen sind be­ sonders aufmerksamkeitsstark. Sie wer­ den bis zu zehnmal häufiger gelesen als andere“, sagt Georg Ziegler, Leiter des Bereichs Business to Business bei Holi­ dayCheck. Für Ziegler ist eine schlechte Bewertung allerdings noch lange kein Beinbruch, sondern vielmehr eine Chan­ ce, sich durch eine kompetente und sach­ liche Replik positiv darzustellen. Ein Haus könne so zeigen, dass es mit Kritik gut umgehen könne und die Beschwerden seiner Gäste ernst nehme. Er kenne einige Hoteliers, die auch aus einer schlechten

Bewertung Nutzen gezogen hätten. Man­ che Gäste gewinnt man gerade wegen einer empathischen und fairen Reaktion des Hotels.

Schlechte Kritiken entschärfen. Eine Erfahrung, die auch Philipp Patzel, Ge­ schäftsführer des Hotels Hollman Beletage in Wien, kennt. „Es gab schon oft Gäste, die auch nach einer schlechten Kritik wieder gebucht haben“, sagt Patzel. TripAdvisor listet das Hollman Beletage, ein kleines Boutiquehotel mit 25 Zimmern, derzeit auf Platz zwei von 358 Wiener Hotels. Bis vor Kurzem war es noch auf Platz eins. Eine schlechte Bewertung später war es mit der Bestplatzierung allerdings wieder vorbei. Der Hotelier kennt deshalb auch den Är­ ger, den ein schlechtes Feedback auslösen kann. „Wenn man sich nicht ärgern würde, wäre man fehl am Platz“, meint Patzel. Sub­ jektiv habe nun einmal jeder Gast Recht. Wichtig sei, darauf angemessen zu reagie­ ren. Je früher, desto besser. „Das Internet kennt kein Wochen­ ende und keinen Feierabend“, so Patzel.


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Manch­ mal schadet es aber auch nicht, noch eine Nacht darüber zu schlafen. In eine unmittelbare Reaktion könne schnell un­an­gebrachte Emotion einfließen. Das sei in jedem Fall kontraproduktiv, sagt Georg Ziegler. Kritik nicht persönlich nehmen ist ein weiteres wichtiges Prinzip. Patzel ver­ sucht sich bei seinen Antworten auf Be­schwer­den an die Grundsätze des Be­ schwerdemanagements zu halten. Aus der Kritik lernen, Verständnis äußern, sich ent­ schuldigen und einen Lösungsvorschlag anbieten. Beschwerden sollten außerdem absolute Chefsache sein, empfiehlt Ziegler.

vertreten sein, die beiden Brachengrößen HolidayCheck und TripAdvisor seien aller­ dings unumgänglich, sagt Wolf. Während HolidayCheck vor allem für Gäste aus dem deutschsprachigen Raum wichtig ist, sind auf TripAdvisor viele internationale Reisende aktiv. Je nachdem, wie promi­ nent man also auf den unterschiedlichen Plattformen vertreten ist, kann sich auch die Gästestruktur ändern. Eine Tatsache, die auch Patzel registriert hat. „Seit wir auf TripAdvisor weit vorne gelistet sind, haben wir viel mehr internationale Gäste als früher.“

„Schonungslos offen“. Bewertungs­

Neue Machtverhältnisse. Bei allen

plattformen sind vor allem ein Marketing­ instrument und eine Chance, das Service im eigenen Haus zu verbessern, findet Oliver Wolf, Marketing- und Produkt­ manager und bei der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) zuständig für das Thema Bewertungsplattformen. Der Großteil der Bewertungen auf den Platt­ formen sei nicht negativ, sondern positiv. Bei HolidayCheck seien die Bewertungen beispielsweise zu 87 Prozent wohlwol­ lend, gibt Ziegler an. „Ein Lob geht leichter über die Lippen.“ Eine der wichtigsten Regeln für den Umgang mit Bewertungsplattformen ist für Wolf, sich nicht besser darzustellen, als man ist. „In dieser Hinsicht ist das Netz schonungslos offen.“ Alle Gäste zufrie­ denzustellen, ist für ihn quasi unmöglich. Die Gästebewertungen können aber dabei

positiven Seiten, die Gästebewertungen im Netz haben können, haben sie auch zu einem grundlegend anderen Verhältnis zwischen Gast und Hotelier geführt. „Der Gast ist selbstbewusster geworden“, sagt Patzel. Von einzelnen schwarzen Schafen wird das auch ausgenützt. Es gibt Fälle, in denen potenzielle Gäste versuchen, Rabatte herauszuschlagen, indem sie mit schlechten Bewertungen drohen. „Bei uns ist so etwas dezidiert einmal vorge­ kommen. Ich weiß aber von Kollegen, wo das zum Teil täglich vorkommt“, erzählt der Hotelgeschäftsführer. Ein Problem, das man auch bei der ÖHV kennt. Die Betriebe müssen sich den Portalen aber nicht ausgeliefert fühlen. Der Umgang sei mittlerweile sehr fair und partnerschaft­ lich, sagt Wolf. Sollte es zu so einem Er­ pressungsversuch kommen, sollte man

© holidaycheck

„Negative Bewertungen sind besonders aufmerksamkeitsstark. Sie werden bis zu zehnmal häufiger gelesen als andere“. Georg Ziegler, Leiter des Bereichs Business to Business bei HolidayCheck

helfen, die Gäste ins Hotel zu bekommen, die zum Haus passen, meint Wolf. Um den Überblick über die verschiedenen Bewer­ tungsplattformen zu behalten, kann man sich als Hotelier auf den Plattformen regis­ trieren. Wenn eine Bewertung abgegeben wird, wird man sofort per Mail benachrich­ tigt. Man müsse nicht auf allen Plattformen

den Vorfall melden. „Bei HolidayCheck reicht ein Mail, in dem man von der An­ gelegenheit berichtet und dann werden negative Bewertungen im betreffenden Zeitraum nicht online gestellt“, erklärt der ÖHV-Experte. Schwieriger wird es mit ungerechtfertigter Kritik. Es bleibt meist nicht viel mehr als zu reagieren. ×

Die Top fünf der wichtigsten Hotelbewertungs­ portale • w ww.tripadvisor.com 60 Millionen Besucher im Monat und insgesamt über 75 Millionen Erfahrungsberichte, vor allem für internationale Gäste eine wichtige Informationsquelle • w ww.holidaycheck.de 16 Millionen Besucher pro Monat, eine Million Bewertungen im Jahr 2012, Marktführer in Deutschland • w ww.zoover.de Vor allem in den Benelux-Ländern gerne genutzte Hotel- und Reisebe­ wertungsplattform, 3,5 Millionen Besucher pro Monat • w ww.votello.de • w ww.hotelkritiken.de Außerdem werden Hotelbewertungen auch auf den großen Buchungsportalen wie booking.com, expedia.com und hrs.de abgegeben.

Tipps für den richtigen Umgang mit OnlineBewertungen 1. Kritik ernst nehmen. 2. Reagieren. Entweder direkt über das Bewertungsportal oder über die eigene Website: den eigenen Standpunkt klar machen, weiter­ führende Informationen bereitstel­ len und die ergriffenen Maßnahmen kommunizieren. 3. Zufriedene Gäste bei der Abreise um einen Eintrag auf Hotelbewer­ tungsportalen oder um einen Eintrag im Gästebuch auf der Website oder dem eigenen Blog bitten. 4. Negative Bewertungen mit einer Vielzahl positiver Kommentare neu­ tralisieren. Die positiven Berichte sollten natürlich authentisch sein.


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S

elbst Top-Referenten der weltgrößten E-Tourismus-Plattform, der ENTER, müssen eines zugeben: „Wenn ich heute ein Referat über neue Trends im E-Tourismus vorbereite, muss ich in drei Monaten diesen Vortrag komplett überarbeiten – so schnell ist die Entwicklung“, erklärt Rudolf Tucek, einer der Pioniere der Branche in Österreich. Tucek, heute Chef der CUBE-Hotels, hat sich bereits 1985 mit den digitalen Möglichkeiten im Tourismus beschäftigt – und blickt nüchtern zurück: „Die ursprüngliche Hoffnung der Leistungsanbieter im Tourismus auf massenhaften Direktvertrieb hat sich nicht erfüllt.“

Bilder auf Augenhöhe. Ist die Daten-Brille das nächste große Ding? Die Google Glasses sollen jedenfalls schon bald auf den Markt kommen.

Von Erns t Spreng

Schöne digitale Welt. Bleibt die Frage,

© Google (2)

Die digitale Entwicklung des Tourismus ist rasant. So rasant, dass zwischen neuen Buchungsplattformen, Social-MediaKanälen und virtuellen Angeboten die Frage bleibt: Was bitte kommt noch?

Komplex wie noch nie. Die unzähligen Buchungsplattformen, technischen Möglichkeiten und Social-Media-Kanäle stellen jeden Touristiker heute vor die Aufgabe, sich nicht in der Vielfalt der Angebote zu verlieren. „Selbst große Hotelketten schaffen es nicht mehr, den Vertrieb allein zu managen“, fasst es Tucek zusammen und gibt einen Ausblick auf die Zukunft: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Anbieter digitaler touristischer Lösungen nichts mehr mit dem Tourismus zu tun haben. Das sind Menschen aus der technischen Industrie.“ Vor allem der erhöhte Preiskampf durch Metasuchmaschinen bereitet Touristikern weltweit Kopfzerbrechen. Noch nie zuvor waren Preise und Angebote so vergleichbar wie heute. Tuceks Wunsch für die nahe Zukunft ist, dass es unter all diesen Buchungsplattformen auch eine österreichische Lösung gibt. Er wünscht sich „ein Geschäftsmodell für den öster­ reichischen Tourismus, das der Markt akzeptiert und das uns direkt Gäste bringt“. Denn ein Grundsatz wird bleiben, egal, was die Zukunft an technischen Lösungen bringt: „Content ist gut, aber schlussendlich zählt im Internet nur die Buchbarkeit. Denn Buchbarkeit ist Kaufbarkeit. Und Schluss“, fasst es Tucek zusammen.

What’s next?

worauf sich der Tourismus in Zukunft einstellen muss? Einen spannenden Ausblick, was die Zukunft bringen wird, bietet der


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und nutzt für den eigentlichen Kauf noch stationäre Computer. „In wenigen Jahren wird es aber keinen Unterschied mehr geben, dann ist es selbstverständlich, den Urlaub übers Handy zu buchen“, ist James van Thiel überzeugt.

„Wenn ich heute einem Touristiker einen Rat für die Zukunft geben müsste, dann wäre es dieser: Setzt auf alles, was die mobile Nutzung des Internets unterstützt.“ James van Thiel, Google Tourism

Daten regieren die Welt. Ganz gleich, welche konkreten Produkte der digitale Markt in den kommenden Jahren auf den Markt bringt, neben dem Trend zur digitalen Mobilität hat van Thiel noch einen Tipp, der im E-Tourismus zum Erfolg führt. „Eines kann man heute schon über die Zukunft sagen: Es gewinnt, wer auf den größten Stock an Daten über seine Kunden zugreifen kann. Also: Sammeln Sie Daten, Daten, Daten!“, ist die eindringliche Aufforderung des E-Tourismus-Profis. 2010 wurden in Europa online rund 71,6 Milliarden Euro im Tourismusbereich umgesetzt. Die Zahlen steigen rapide. Die elektronischen Buchungen machen heute bereits in vielen touristischen Bereichen über 50 Prozent der

„Content ist gut, aber schlussendlich zählt im Internet nur die Buchbarkeit. Denn Buchbarkeit ist Kaufbarkeit. Und Schluss.“ © Christian Mikes

Umsätze aus. Tendenz: stark steigend. Um darauf als Hotelier und Touristiker vorbereitet zu sein, pocht Rudolf Tucek für die heimische Hotellerie auf eine klare Hinwendung zum Ganzjahrestourismus. „Wir brauchen Mitarbeiter, die neue Tech-

© Google

Niederländer James van Thiel, europaweit zuständig für die touristischen Angebote von Google. „Ich war vor Kurzem im Headquarter von Google. Dort laufen immer mehr Mitarbeiter mit den Google Glasses herum“, erzählt von Thiel. Google Glasses ist ein Projekt, bei dem virtuelle Inhalte des Internets als Information in eine spezielle Brille projiziert werden. Ein Beispiel: Im Schaufenster des Reisebüros sieht man ein Angebot einer Weitwanderung in Tirol. In seine Google-Brille bekommt man buchbare Angebote aus dem Internet projiziert. Noch vor dem Schaufenster kann man eines dieser Angebote buchen. „Wir rechnen damit, schon 2014 Google Glasses in seiner ersten Version auf den Markt zu bringen“, erklärt James van Thiel. So nahe ist die scheinbare Utopie. Augmented Reality, Social Media und Buchungsplattformen in einer Brille vereint und jederzeit online – darauf muss sich der Tourismus der Zukunft einstellen. Und das alles in höchster Mobilität, denn der digitale Konsument von heute ist längst nicht mehr an einen stationären Computer gebunden. Google hat analysiert, dass während des Tages die Nutzung am stationären Computer noch vorherrscht, aber in der Zeit von 18 bis 22 Uhr am Abend hat die mobile Nutzung des Internets den klassischen Computer bereits überholt. „Wenn ich heute einem Touristiker einen Rat für die Zukunft geben müsste, dann wäre es dieser: Setzt auf alles, was die mobile Nutzung des Internets unterstützt“, bringt es der Google-Tourismusprofi auf den Punkt. Denn der Konsument von heute sucht noch statio­när und mobil nach Angeboten

Rudolf Tucek, Geschäftsführer CUBE-Hotels

nologien verstehen und damit umgehen können. Diese gut ausgebildeten technischen Mitarbeiter wird ein Hotelbetrieb nur halten können, wenn er langfristige Anstellungen garantiert. Auch deshalb ist für mich ein Ganzjahrestourismus so wichtig.“

Keine Textsuche mehr. Wie emotional die digitale Suche nach dem perfekten Urlaub in Zukunft sein könnte, zeigt das Wiener Start-up „pixmeaway“. Die Reiseplattform verzichtet auf die Textsuche. Urlaub wird gesucht, indem man auf Fotos klickt, die einen ansprechen, statt mit der Eingabe von Suchbegriffen. Der unschlüssige Urlaubsreife wählt aus 63 vordefinierten Motiven jene aus, die ihn emotional besonders ansprechen. Aufgrund dieser Bilderauswahl erfolgt die Zuordnung in sieben wissenschaftlich fundierte Reiseund Persönlichkeitstypen. Im zweiten Schritt kann der User die typgerechten Reisetipps – darunter Aktivitäten, Lokale oder Sehenswürdigkeiten – unter anderem nach Region und Reisebudget eingrenzen. „Die Urlaubsplanung auf Basis von Fotos führt auch im klassischen Reisebüro zu treffsicheren Ergebnissen“, meint Dr. Rainer Schuster, der Gründer von Pixmeaway.com. ×


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© Tirol Werbung (2)

saison

Alt und neu. Die neue Startseite (Bild rechts) empfängt den User mit einem interaktiven Video.

Information statt Daten Die Tirol Werbung hat www.tirol.at einem grundlegenden Relaunch unterzogen. Den User erwarten nun mehr Emotion, die Informationen, die er sich wünscht, und eine wohltuend aufgeräumte Optik. V o n M at t h i a s K r a p f

Während der eine sich vielleicht nur ganz grundsätzlich über Tirol oder das Urlaub­ sangebot informieren möchte, hat der andere bereits konkrete Vorstellungen – potenzielle Gäste in jeder möglichen Phase der Reiseplanung abzuholen, ist klares Ziel der neuen www.tirol.at. Doch die reine Informationsvermitt­ lung wäre für ein touristisches Portal im Jahr 2013 zu wenig. Zugleich ist auch die emotionale Ansprache von größter Wich­

tigkeit. Erfolgreiche Tourismusseiten geben Information, vermitteln Emotion und lösen Aktionen der User aus – im Optimalfall die Buchung eines Urlaubs. Diese drei Grund­ funktionen sind auch die Key Features, die www.tirol.at erfüllen soll.

Reihe von Neuerungen.

„Urlaub in Tirol soll als digitales Erlebnis vor und nach der Buchung sowie während und nach dem Urlaub spürbar sein“, erläutert

„Urlaub in Tirol soll als digitales Erlebnis vor und nach der Buchung sowie während und nach dem Urlaub spürbar sein.“ Eckard Speckbacher, Leiter Digitale Medien der Tirol Werbung

© Tirol Werbung

Ü

ber ein Jahr wurde an der neu­ en Version von www.tirol.at gearbeitet. Entsprechend ambitioniert gestalten sich die Ziele, welche die Tirol Werbung für ihr Portal, das im März in Betrieb genommen wird, ausgegeben hat. „Wir wollen der beste digitale Reiseführer Europas werden“, er­ klärt Eckard Speckbacher, Leiter Digitale Medien bei der Tirol Werbung. Wie es sich für einen Reiseführer gehört, werden die Inhalte auf der neuen www.tirol.at redak­ tionell aufbereitet, das heißt gewichtet, zugespitzt und verknüpft anstatt bloß gesammelt. Relevante Information statt bloße Datenflut, so lautet die Devise. Der User soll nicht ein schwer überschaubares Angebot vor die Nase gesetzt bekommen, sondern an der Hand genommen werden. Die Herausforderung ist dabei, die heute gerne bemühte Customer Journey auch tatsächlich in ihrer Gesamtheit abzude­ cken. Denn der Urlaubssuchende steigt zu ganz unterschiedlichen Phasen ein.


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Projektleiter Eckard Speckbacher. Um die­ sem Anspruch gerecht zu werden, wurden im Zuge des Relaunchs eine Reihe von Neuerungen umgesetzt.

Neue Optik.

Eine der wesentlichen Veränderungen betrifft nicht zuletzt die Optik. Look and Feel der www.tirol.at wur­ de gemäß den neuen Corporate-DesignVorgaben der Tirol Werbung überarbeitet. Und das bedeutet vor allem: Weniger ist mehr. „Es gibt keine vergleichbare Seite aus dem touristischen Bereich, die sich eine solche Reduziertheit bisher umzusetzen getraut hat“, so Eckard Speckbacher. Der Frage, wie der größte Relaunch in der www.tirol.at-Geschichte beim Be­ nutzer ankommt, wird sich die Tirol Wer­ bung in den nächsten Monaten ausgiebig widmen. Es geht darum, weitere Erfah­ rungen mit der Usability zu sammeln und

zu analysieren. Zurücklehnen nach einem intensiven Jahr der Entwicklung spielt es also nicht. „Jetzt geht es um die Weiter­ entwicklung. Und die ist ein fortlaufender Prozess“, sagt Eckard Speckbacher. „Die Seite wird bestimmt nie stillstehen.“ ×

„Es gibt keine vergleichbare Seite aus dem touristischen Bereich, die sich eine solche Reduziertheit bisher umzusetzen getraut hat.“ Eckard Speckbacher

HANDLE-CREATIV.AT

Die wichtigsten lauten: •  Emotionaler Einstieg: Auf der Startseite erwartet den User ein interaktiver Video­ reiseführer. • Responsive Design: Die Seite passt sich automatisch dem jeweiligen Endgerät – vom PC bis zum Mobiltelefon – an. • Neues inhaltliches Konzept: Der Inhalt wurde komplett überarbeitet, um die Anforderungen von webgerechtem Schreiben und Suchmaschinenoptimie­ rung zu erfüllen. Das inhaltliche Konzept folgt einer klar festgelegten Redaktions­ strategie. •  Umfassende neue Ortsdarstellungen: Die Tiroler Orte und Regionen nehmen auf der Seite eine zentrale Position ein und werden viel informativer als bisher dargestellt. •  Einzigartige Timeline: Das SocialMedia-Geschehen zu jedem Ort kann

ganz einfach gebündelt im Zeitverlauf auf einer Ereignisleiste verfolgt werden. • Neue Suchfunktion: Die neu gestaltete Suche ermöglicht neben der Menüund Kartennavigation ein rasches Be­ wegen auf dem Portal. • Neue Maßgeschneiderte Metasuche: Interessierte können Unterkünfte auf www.tirol.at direkt online buchen.

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Magazin

Alles neu im Aqua Dome

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© VANEK, ZEYTINOGLU

er Aqua Dome – Tirol Therme Längenfeld hat eine Runderneuerung bekommen: 60 zusätzliche 4-Sterne-Superior-Zimmer, ein innovativer Premium-SpaBereich exklusiv für Hotelgäste, eine um rund 500 Quadratmeter erweiterte Seminarfläche und ein umfassendes Facelift für das bestehende Haus. 20 Millionen Euro hat das Investorenkonsortium rund um Raiffeisen, die Bergbahnen Sölden, die VAMED und die Firma Ortner in die Hand genommen. In nur 15 Monaten Bauzeit wurden die Maßnahmen umgesetzt.  ×

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lorian Singer, Geschäftsführer des Singer Sporthotel & SPA in Berwang, ist der neue Vizepräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) für Tirol und Vorarlberg. Die ÖHV-Vizepräsidenten sollen dann zur Stelle sein, wenn es gilt, sich regional und in den Orten mit touristischen

Strukturen oder mit Begehrlichkeiten der Politik auseinanderzusetzen. Seit rund 60 Jahren tritt die ÖHV als freiwillige und parteiunabhängige Interessenvertretung der führenden Hotellerie auf. Mehr als 1.200 Mitgliedsbetriebe nutzen operative Dienstleistungen in Marketing und Weiterbildung. ×

© ÖHV

Neuer ÖHV-Vizepräsident für die Region West


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kulturtipps

© MUKU, Digital Primitives

© AUDIOVERSUM

von es ther pirchner

Ohren auf! Wie funktioniert das Gehör? Wie sieht das Ohr von innen aus? Wie fühlt es sich an, hörbehindert zu sein? Diese und noch viele weitere Fragen werden im eben erst eröffneten Audioversum in der WilhelmGreil-Straße in Innsbruck erklärt. Auch Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer war die Begeisterung bei der Eröffnung anzusehen. „Das Audioversum wird in kürzester Zeit nicht mehr aus unserer Stadt wegzudenken sein!“, prophezeite das Stadtoberhaupt. × www.audioversum.at

Senioren an der Macht

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Füchslein im Wald

Seniorenangebote, sondern altersunabhängiges Design. Auch unterschätzten die meisten Touristiker, dass auch Menschen über 50 das Internet nutzen. Hier empfehlen die Experten ebenfalls ein Umdenken. Für die Untersuchung führte con.os 130 telefonische Interviews mit Hotels und Tourismusorganisationen in allen österreichischen Bundesländern. ×

„Das schlaue Füchslein“, eine der beliebtesten Opern des tschechischen Komponisten Leoš Janáček, erzählt die Lebensgeschichte der Füchsin Schlaukopf. Die Titelpartie übernimmt Christine Buffle (Bild) bzw. Susanne Langbein. ab 23. März 2013, Tiroler Landestheater, Innsbruck

www.conos.co.at © Manu Delago

ass die Zielgruppe der Über-50-Jährigen immer wichtiger wird, ist kein Geheimnis mehr. Der Tourismusconsulter con.os untersuchte nun, ob die Tourismusunternehmen mit dieser Zielgruppe richtig umgehen. Das Ergebnis der Umfrage: Österreichs Touristiker erkennen zwar das große Potenzial der Zielgruppe 50 plus, schätzen jedoch Bedürfnisse, Freizeitverhalten und Angebote falsch ein. So wünschen sich etwa Menschen über 50 keine

Musik, die dem Experiment und der kreativen Freiheit verpflichtet ist, zeichnet das Festival artacts der Musik Kultur St. Johann aus. Neben anderen (Free) Jazzern, Avantgardisten und Querdenkern kommt auch das Trio Digital Primitives (Bild). 8. bis 10. März, Alte Gerberei, St. Johann in Tirol

© Christine Buffle

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as interaktive Wissenschaftsmuseum vermittelt alles rund um das „Abenteuer Hören“ – mitmachen ist dabei absolut erwünscht! Erstellt und betrieben wird das Museum von MED-EL, dem führenden Anbieter von Hörimplantatsystemen, in Zusammenarbeit mit der Ars Electronica.

Querdenker am Werk

Klingender Wok

Buchtipp

Auch wenn das Hang aussieht wie zwei über­ein­ an­dergestülpte Woks, wenn einer es zu spielen weiß wie Manu Delago, gibt es vielfältige Klänge preis – zu hören bei einem der selteneren „Heimspiele“ des international erfolgreichen Musikers. 28. März 2013, 20:30 h, Altes Kino, Landeck © tyrolia verlag

Berg 2013 – das Alpenvereinsjahrbuch …

… gehört mittlerweile schon zur Pflichtlektüre eines jeden Bergsport-Liebhabers. Auch diesmal arbeiteten wieder namhafte Autoren und Fotografen mit und geben einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Themen und Trends. Der große Gebietsschwerpunkt liegt dieses Mal auf dem Tennengebirge im Salzburger Land, das Fokusthema „Schöne neue BergWelten“ ist dem Wechselspiel von alpiner und urbaner Kultur auf der Spur. BERG 2013 – Alpenvereinsjahrbuch, herausgegeben von Deutscher Alpenverein e.V. / Österreichischer Alpenverein e.V / Alpenverein Südtirol e.V., Tyrolia Verlag

weitere Veranstaltungen Katharina Jakob: Bella Donna, Komödie 7.3.2013, Stadtsaal, Lienz, www.stadtkultur.at C. Invernizzi, R. Wach: Bild und Lyrik im Dialog 4.4. bis 5.5.2013, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, www.landesmuseen.at Markus Flaig (Bassbariton), Peter Waldner (Orgel): Die Götter Griechenlands 18.4.2013, 20 h, Collegium Canisianum, Innsbruck, www.lebensmusik.at Claudia Hirtl: Malerei und Film bis 20.4.2013, Do u. Fr, 17–19 h, Sa, 10–15 h, Galerie am Polylog, Wörgl, www.am-polylog.at


Feierte ihre WM-Medaillen im „Platz für Weltmeister“: Die Tiroler Gold- und Bronze­ medaillengewinnerin Nicole Hosp mit Tirol Werbung-Geschäftsführer Josef Margreiter.


29 Magazin saison

© Tirol Werbung (4)

Der TirolBerg als Treffpunkt der Prominenz im Rahmen der Ski-WM: Der Paznauner Spitzenkoch Martin Sieberer (l.) kochte ein achtgängiges Gala-Menü im Rahmen der Ischgl-Night für die Gäste des TirolBergs, unter ihnen der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann.

Starke Leistung: Das TirolBergTeam blickt auf zwei erfolgreiche Wochen in Schladming zurück.

Landeshauptmann Günther Platter (l.) mit dem steirischen Landeshauptmann-Stellvertreter und Tourismusreferenten Hermann Schützenhöfer beim Eröffnungsabend im TirolBerg in Schladming.

TirolBerg in Schladming: Der Platz für Weltmeister Von 4. bis 17. Februar 2013 war Schladming als Austragungsort der FIS Alpinen Ski-WM der Nabel der Wintersportwelt. Wie seit mittlerweile mehr als zehn Jahren durfte auch das führende Wintersportland der Alpen mit seiner Imageplattform TirolBerg bei diesem Großereignis nicht fehlen. Von Steffen Arora

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ie Kommunikations- und Netz­werkplattform TirolBerg, die 2001 anlässlich der SkiWM in St. Anton ins Leben gerufen wurde, diente auch bei der Ski-WM 2013 in Schladming wieder als beliebter Treffpunkt für Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft, Medien, Kultur und Politik. Zusammen mit seinen langjährigen Tourismuspartnern St. Anton, Kitzbühel und Ischgl nutzte Tirol

diese Bühne, um sich dem internationalen Publikum als Wintersportland Nummer 1 der Alpen vorzustellen. Tirol präsentierte sich in all seinen Facetten – als lohnendes Reiseziel ebenso wie als innovativer und zukunftsträchtiger Partner für Wirtschaft und Forschung. Erstmals war in diesem Jahr auch Seilbahnhersteller Doppelmayr als Premium-Partner im TirolBerg vertreten. Insgesamt nützten mehr als

80 Unternehmen – wie die Top-Partner Standortagentur Tirol, Milka, Vail/Beaver Creek sowie Prodinger | GFB Tourismusberatung – die Plattform, um sich öffentlichkeitsund publikumswirksam zu präsentieren. Die Bilder aus dem TirolBerg wurden von Medien wie BBC, ARD, ZDF, Eurosport oder ORF in die wichtigen Märkte transportiert und stärkten damit das Image der führenden Wintersportdestination der Alpen. ×


30 Magazin saison

Die Wahl-Kitzbühelerin Maria Höfl-Riesch (l.) ließ es sich nicht nehmen, ihre Medaillen im Rahmen der Kitzbühel Night im TirolBerg zu feiern. Signe Reisch (Obfrau Kitzbühel Tourismus) stellte sich als eine der ersten Gratulantinnen ein.

Tirol Werbung-Geschäftsführer Josef Margreiter (l.) begrüßte den tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus und ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner (r.) in der TirolBerg-Lounge in Schladming.

Feierliche Eröffnung des TirolBerges (v. l.): Franz Klammer, Manfred Furtner (TirolBerg-Wirt), Georg Bliem (GF Steiermark Tourismus), Leonhard Stock, LH Günther Platter, Harti Weirather, Stephan Eberharter und Josef Margreiter

Die Tirol Werbung und ihre Partner unterstützten im Rahmen der Ski-WM Wings for Life, die Stiftung für Rückenmarksforschung von Motocross-Weltmeister Heinz Kinigadner (links im Bild bei der Scheckübergabe im TirolBerg mit Thomas Geierspichler und Luc Alphand, r.), mit 55.000 Euro.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle kam zum Abend der Standortagentur Tirol, um über den Forschungsstandort Tirol zu sprechen.


Der Tiroler Bronzemedaillengewinner Romed Baumann kam überglücklich ins TV-Studio im TirolBerg, das zahlreiche TVStationen für aktuelle Berichte nützten.

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Die Arlberger Skilegenden Karl Schranz (l.) und Egon Zimmermann genossen die St. Anton Night mit Tirol Werberin Anja Falch.

© Tirol Werbung (8)

Ted Ligety, dreifacher Weltmeister von Schladming, traf im TirolBerg nicht nur auf überwältigendes Medieninteresse und herzliche Gastgeber, sondern auch auf zahlreiche Landsleute aus Vail/Beaver Creek. Dort findet 2015 die nächste Ski-WM statt.

International Van of The Year 2013

Die Erfolgsgeschichte Transit geht weiter. Und mit dabei sind wieder eine Menge erstklassiger Ford Technologien. Wie die SYNC-Sprachsteuerung, der integrierte und einklappbare Dachträger für noch mehr Stauraum und verbesserte Aerodynamik oder die Durchladeluke, die Gegenstände von bis zu 3 Metern komfortabel verstauen lässt. Und nicht zu vergessen: Er ist das erste Nutzfahrzeug im Segment mit 5 Euro NCAP-Sternen. Die Ford Transit Modelle haben alles was Sie brauchen, um Ihr Unternehmen weiter zu bringen. Kraftstoffverbr. ges. 4,1 – 8,9 l / 100 km, CO2-Emission 109 – 234 g / km. Symbolfoto.

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Schaufenster des Welttourismus Die ITB Berlin steht vor der Tür. Die weltgrößte Tourismusmesse ist Trendbarometer und Ausblick auf die kommenden Jahre. Ein Interview mit Martin Buck, Direktor KompetenzCenter Travel & Logistics, Messe Berlin. Da s Interview führte Erns t Spreng .

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AISON: Herr Buck, welche Fragen beschäftigen die internationale Tourismusbranche derzeit? Martin Buck: Die aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrisen rund um den Globus beschäftigen die internationale Reise­ industrie weiterhin. Sie können den Menschen die Lust am Reisen aber ganz offensichtlich nicht verleiden. Die Zahl der internationalen Ankünfte von Reisenden im kommenden Jahr wird 2013 in einer Größenordnung von zwei bis vier Prozent zunehmen. Zudem verfügen die Menschen über so viel Geld wie noch nie. Die anhaltend positive Entwicklung in der weltweiten Reiseindustrie ist vor allem auf den wirtschaftlichen Boom in den BRICStaaten Brasilien, Russland, Indien und China und in weiteren Entwicklungsländern zurückzuführen. Dennoch gibt es für die Branche einige Herausforderungen

wie die drastisch steigenden Energiekosten und die teilweise dramatisch erhöhten Kosten für Lebensmittel, die sich verstärkt auch in der Reiseindustrie bemerkbar machen. Viele Themen, die der Reiseindustrie unter den Nägeln brennen, werden im ITB Berlin Kongress diskutiert.

„Echte Produktinnovationen sind in der Reiseindustrie zunehmend schwerer zu finden.“

Welche Trends beobachten Sie in der internationalen Tourismusbranche? Der technologische Fortschritt hat die Reiseindustrie in den letzten Jahren entscheidend verändert. Nicht nur sind Reisebuchungen für den Kunden viel komfortabler geworden, auch die Preise und Leistungen der Anbieter sind heute dank des Internets transparent. Nicht zuletzt hat sich das Marketing durch Social Media grundlegend geändert. Kunden verlassen sich auf Weiterempfehlungen durch Freunde auf Facebook oder Informationen von Reisebloggern. Echte Produktinnovatio-

Martin Buck, ITB Berlin

nen sind in der Reiseindustrie zunehmend schwerer zu finden. Dagegen werden Technologie- und Prozessinnovationen immer wichtiger. Das Thema Technologie wird aus unserer Sicht Wachstumstreiber in der Reiseindustrie bleiben. Gibt es Reisetrends, die alle Destinationen weltweit aufgreifen beziehungsweise heuer auf der ITB vorstellen? Wir sehen im Produktmarketing eine Entwick-


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„Österreich hat sich erfolgreich als Ganzjahresziel etabliert. Dadurch ist auch Tirol gut aufgestellt.“

© Messe Berlin (3)

Martin Buck, ITB Berlin

Tourismus-Hotspot. Von 6. bis 10. März zeigt die ITB Berlin die weltweiten Tourismustrends.

lung hin zur Erlebnisorientierung. Früher hieß die wichtigste Frage bei der Buchung und damit auch in der Vermarktung: Wo wollen Sie hinreisen? Heute steht das individuelle Erlebnis im Vordergrund. Daher steht in der Vermarktung der Veranstalter und Destinationen heute das Reisemotiv im Vordergrund. Der Fokus liegt auf der Frage: Was wollen Sie im Urlaub erleben? Besichtigungen sind im Urlaub natürlich noch immer wichtig, aber zunehmend werden Programmbausteine mit Begegnungen der Menschen vor Ort nachgefragt. Hier spielt auch das Bedürfnis nach Authentizität des Urlaubserlebnisses bei Reisenden mit hinein. Sie legen zunehmend Wert darauf, möglichst nah an die Alltagswelt des Gastlandes heranzukommen. Dafür spricht beispielsweise der Erfolg von Social-travelling-Angeboten wie Couchsurfing, 9Flats, Wimdu und vielen anderen Anbietern.

Das Segment Abenteuerurlaub und nachhaltiges Reisen feiert heuer 10-jähriges Jubiläum auf der ITB. Wie hat sich dieses Segment verändert? Abenteuer- und Erlebnisreisen sind ein rasch wachsendes Segment, das immer mehr Menschen anzieht, ganz unabhängig von Alter, Geschlecht und Status. Auch Sportreisen finden hier ihren Platz. So ist auch der Erfolg des Segments auf der ITB Berlin zu erklären. Das Segment heißt heute Adventure & Responsible Tourism. Bereits der Name zeigt die Richtung an, in die sich dieser Ausstellungsbereich entwickelt hat. Nachhaltigkeit war von Beginn an ein wichtiges Thema, ist aber in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Kann der alpine Tourismus im Segment Abenteuerurlaub und Nachhaltigkeit international punkten? Der alpine Tourismus in Österreich ist aus unserer Sicht auf jeden Fall international gut aufgestellt. Ein Beispiel ist die Beteiligung am größten Netzwerk für nachhaltigen Tourismus in Europa, den „Alpine Pearls“. Dieses Projekt beobachten wir mit großem Interesse und haben es im letzten Jahr auf dem ITB Berlin Kongress vorgestellt. Wie beurteilen Sie allgemein die Tourismusbranche in den Alpen? In Bezug auf Österreich sehr gut, da sich die Alpen sowohl für den Sommer- als auch Wintertourismus großer Beliebtheit erfreuen. Und der Stellenwert Österreichs beziehungsweise Tirols im europäischen Tourismus? Österreich hat sich erfolgreich als Ganzjahresziel etabliert. Dadurch ist auch Tirol gut aufgestellt. Das Urlaubsland Österreich punktet durch ein vielfältiges Tourismusangebot und eine tolle Landschaft. Als Wintersportland steht Österreich ganz vorn in der Gunst der Urlauber. Alpine und

nordische Weltmeisterschaften halten die Destination im Gespräch und sorgen für ein attraktives Image. Wohin wird sich die internationale Tourismusbranche in den kommenden Jahren bewegen? Die zunehmende digitale Sichtbarkeit führt dazu, dass Angebote und Informationen genauer auf die Bedürfnisse der User zugeschnitten werden können. Die Informationen aus sozialen Netzwerken und Communities dienen vielen Unternehmen heute schon dazu, die Kundenbindung noch individueller zu gestalten und so dem Kunden speziell auf ihn zugeschnittene Angebote zukommen zu lassen. Durch die wachsende Bedeutung von Social Media wird sich auch die weltweite Reiseindustrie nachhaltig ändern. Empfehlungen des eigenen Netzwerkes spielen bei der Reiseplanung eine immer wichtigere Rolle. Auch der direkte Kontakt zu Unternehmen über soziale Netzwerke wird das Customer Relations Management der Reiseindustrie weiter verändern. Vielen Dank für das Gespräch.

ITB Berlin Kongress: Der ITB Kongress beschäftigt sich mit brennenden Fragen des Welttourismus und bringt 2013 weltweit renommierte Referenten zur ITB. Das gesamte Programm findet man unter www.itb-kongress.de/programm

Adventure & Responsible Tourism: Das Programm der Adventure & Responsible Tourism (Halle 4.1) ist in der Eventdatenbank der ITB Berlin zu finden: http://www.itb-berlin.de/Events

Tirol auf der ITB: Halle 17, Stand 104

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34 Magazin saison

Deutschand

Treue Reiseweltmeister Deutschland ist und bleibt der wichtigste Markt für den Tiroler Tourismus. Große Chancen liegen im Onlinevertrieb – und im Sommer. V o n M at t h i a s K r a p f

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nfang März blickt die Tourismuswelt nach Berlin zur ITB. Auch heuer ist die Tirol Werbung dort am Österreich-Stand mit einem Großaufgebot vertreten (Halle 17, Stand 104). Kein Wunder: „Die ITB ist eine der wichtigsten Plattformen des Jahres für uns, um Tirol als innovatives Tourismusland zu präsentieren“, erklärt Stephan Glätzle, Marketingleiter für Deutschland, Österreich und die Schweiz in der Tirol Werbung. Der Fokus wird dieses Jahr im Rahmen des Messegeschehens von 6. bis 10. März sowie einer großen Pressekonferenz auf den Tiroler Bergwinter und seine zwei auf die Sinus-Milieus Intellectuals und Modern Performers zugeschnittenen Angebotssäulen gerichtet.

aus Deutschland, womit 46 Prozent aller Übernachtungen in Österreich auf Tirol entfielen. Salzburg rangiert mit Respektabstand auf Platz zwei (20 %). Zu den nächtigungsstärksten Tiroler Regionen zählen im Winter Ötztal Tourismus (9,7 %), PaznaunIschgl (9,0 %) und die Erste Ferienregion im Zillertal (5,8 %). Im Sommer haben Wilder Kaiser (6,0 %), Achensee (5,9 %) und Ötztal Tourismus (5,2 %) die Nase in der Gunst der Urlauber aus dem Nachbarland vorn.

Größte Urlaubernation.

Strategiewechsel.

Mit einem Marktanteil von rund 50 Prozent bilden die Deutschen im Tiroler Tourismus die mit Abstand größte Urlaubernation. Im Tourismusjahr 2010/11 verzeichneten die heimischen Betriebe über 21,7 Millionen Nächtigungen

„Es ist zweifellos so, dass die Wertschöpfung derzeit vor allem im Winter passiert. Sehr große Chancen liegen allerdings im Sommer.“ Stephan Glätzle, Marketingleiter Deutschland, Österreich, Schweiz

Deutschland ist mit seinen über 80 Millionen Einwohnern nicht nur ein riesiger Markt. Die Deutschen gelten dank ihrer hohen Reisebereitschaft zu Recht auch als „Reiseweltmeister“ und verfügen über hohe Kaufkraft. Pro Kopf

steht dem Deutschen um 50 Prozent mehr für den Konsum zur Verfügung als dem europäischen Durchschnitt. Deutschland ist Leitmarkt. Entsprechend intensiv wird der deutsche Markt von Tourismusverbänden und Tirol Werbung bearbeitet. Letztere hat in den letzten Jahren dabei einen Strategiewechsel vollzogen: Wurde in der Vergangenheit viel für Imageaufbau und -pflege getan, so zielen die Maßnahmen heute neben Imagekampagnen vor allem im Winter auf den Vertrieb ab. Und dieser spielt sich zunehmend online ab. Im Rahmen von Performance Marketing setzt die Tirol Werbung deshalb auf integrierte Kampagnen, die von Imagekampagnen über Themenkampagnen bis hin zu Online-Vertriebskampagnen


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Sölden bei Nacht. Im Winter entfallen die meisten Nächtigungen deutscher Gäste auf Ötztal Tourismus (9,7 %).

Reisemarkt deutschland in Zahlen:

© Ötztal Tourismus/Isidor Nösig

Der typische deutsche Gast ist im Winter etwas jünger als im Sommer: 42 vs. 48 Jahre. Aufenthaltsdauer: 4,9 Tage im Winter (Tirol gesamt: 4,9), 4,5 Tage im Sommer (Tirol gesamt: 4,0) Bevorzugte Unterkunft: leicht überdurchschnittlicher Anteil an Ferienwohnungen und Privatunterkünften Winteraktivitäten: Acht von zehn deutschen Tirol-Urlaubern sind Skifahrer, Snowboarden und Winterwandern sind ebenfalls sehr beliebt. Sommeraktivitäten: Wandern ist die absolute Lieblingsaktivität, eine wichtige Rolle spielt die Wasserkomponente.

reichen. Der Trend zur Online-Buchung ist am deutschen Markt sehr stark spürbar, so Glätzle. Aufgrund der gemeinsamen Sprache recherchiert der an einem TirolUrlaub interessierte Deutsche sehr genau im Internet, vergleicht und hat mittlerweile Gefallen daran gefunden, auch einmal online zu buchen. Gerade bei Kurzurlauben, die – auch das ist ein allgemeiner Trend, der bei deutschen Gästen besonders stark ausgeprägt ist – immer öfter der klassischen Urlaubswoche vorgezogen werden, wird sehr kurzfristig entschieden.

© Tirol Werbung

Chancen im Sommer. Potenziale ortet die Tirol Werbung am deutschen

Markt vor allem im Sommer. „Es ist zweifellos so, dass die Wertschöpfung derzeit vor allem im Winter passiert. Sehr große Chancen liegen allerdings im Sommer“, erklärt Stephan Glätzle. Punkten könne Tirol hier zum einen mit dem Sportangebot (Modern Performers), andererseits mit insbesondere für die Generation 50 plus wichtigen Themen wie Gesundheit und Entspannung (Intellectuals). Sollte sich der deutsche Gast stärker dem Tiroler Bergsommer hinwenden, so wäre das freilich keine wirklich neue Entwicklung. Noch im Jahr 1991 wurden mehr deutsche Nächtigungen im Sommer als im Winter generiert. ×

Anreise: hauptsächlich mit dem eigenen Pkw Buchungsgewohnheiten: Im Winter buchen 60 % der Gäste direkt beim Vermieter, im Sommer gut die Hälfte. Informationsquelle: Das Internet ist die mit Abstand wichtigste Informationsquelle, Bekannte und Prospekte folgen dahinter. Tagesausgaben (inkl. Anreise): € 117 (Tirol-Schnitt: € 123) im Winter, € 90 im Sommer (Tirol-Schnitt: € 97) Marktanteil: 50,9 % (TJ 2011/12) Reisehäufigkeit: Die Urlaubsreiseintensität der Deutschen liegt bei 76,2 Prozent – ein Spitzenwert. Nächtigungszahlen: Winter 2011/12: 12,8 Mio. (+ 4,0 %), Sommer 2012: 9,6 Mio. (+ 2,1 %)

Kontakt

Reisevolumen 2011: 48 Mio. Urlaubs-Auslandsreisen (ab 5 Tagen, 69 % aller Reisen)

Mag. Stephan Glätzle Marketingleiter Deutschland, Österreich, Schweiz Tel.: +43 (0)512/53 20-650

BIP pro Kopf: € 29.000 (2010)

stephan.glaetzle@tirolwerbung.at

Quellen: Landesstatistik Tirol, T-Mona Gästebefragung 2011/12, Deutsche Reiseanalyse 2012


36 ErfolgsmodelL saison

Tirol

„Wenn ein großer Kongress stattfindet, dann ist sozusagen in der ganzen Stadt Kongress. Man sieht die vielen Leute mit ihren Badges herumspazieren. Das ist schon etwas anderes als die Anonymität einer Großstadt.“

© gerhard berger

georg lamp


37 Magazin saison

„Es braucht einen Gastgeber“ Fast 30 Jahre lang zeichnete Georg Lamp für die Geschicke des Congress Innsbruck verantwortlich. Unter seiner Ägide stieg die Tiroler Landeshauptstadt in die internationale Topliga der Kongressstandorte auf. Nun ist der „Congress-Wirt“ in Pension gegangen. Da s Interview führte S teffen Aror a .

S

AISON: Herr Lamp, wenn Sie auf Ihren Start im Congress Innsbruck 1984 zurückblicken. Was haben Sie damals vorgefunden? Georg Lamp: Ein leeres Büro, eine etwas eingeschüchterte Mannschaft und ein Haus, das gerade dabei war, international zu werden, das aber noch lange keine gute Auslastung hatte. Hatten Sie selbst zu diesem Zeitpunkt bereits Erfahrung im Kongresswesen? Nein, ich kam eigentlich nicht aus dieser Branche, sondern aus dem Tourismus. Ich wurde in diese Position hineingeboxt. Das ging nicht auf eine Bewerbung meinerseits zurück, sondern das war eine Lösung, die sich der damalige Innsbrucker Bürgermeister Alois Lugger so gewünscht hatte. Ich war zu dieser Zeit Geschäftsführer des Innsbrucker Tourismusverbandes und so habe ich dann sechs Jahre lang beides gemacht – den Congress und den TVB Innsbruck.

Unter Ihrer Ägide wurde die Infrastruktur des Congress Innsbruck maßgeblich verändert. War dies der Grundstein für den heutigen Erfolg? Ja, die Infrastruktur ist wesentlich, weil hier der Wettbewerb besonders stark ist. Das beginnt bei

der Zufahrts- beziehungsweise Zuflugsmöglichkeit, geht über die Unterkunft bis hin zu den Gegebenheiten „in house“ – also dass genügend Räumlichkeiten sowie perfekte Technik vorhanden sind. Das alles war 1984 noch keineswegs so gegeben wie heute. Wie haben Sie Ihre Rolle als CongressChef interpretiert? Ich hatte das Glück, dass man mir viel Handlungsspielraum und Freiheiten für eigene Entscheidungen ließ. Ich habe dieses Haus immer so geführt, als wäre es mein eigenes. Denn ich bin der Meinung, dass ein Etablissement wie der Congress Innsbruck, übertragen auf die Gastronomie, einen Wirt, einen Gastgeber braucht und so habe ich mich immer als „CongressWirt“ gefühlt.

Welche Parameter abseits der bereits genannten machen Innsbruck zur erfolgreichen Kongressstadt? Der Bekanntheitsgrad ist entscheidend. Eine No-name-Destination ist schwierig zu verkaufen. Die touristische Infrastruktur spielt dabei kaum eine Rolle. Denn in den vergangenen Jahren hat sich hier mit dem Aufkommen verschiedener Codices viel verändert. Etwa in der Pharmaindustrie, wo es nun heißt, dass touristische Destinationen eher dazu verleiten, nicht am Kongress teilzunehmen, sondern nur das Angebot zu nutzen. Da muss man sehr vorsichtig sein. Womit punktet Innsbruck also hinsichtlich des Destinationsmanagements als Kongressstadt? Nun, Innsbruck hat mehr zu bieten als nur die Nordkette und den

„Ständig fiel das Wort Umwegrentabilität, das ich schließlich zum Unwort erklärt habe. Denn ich vertrete den Standpunkt, dass man den Congress wie einen kaufmännischen Betrieb führen muss.“ Georg lamp


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Alpenzoo. Wir haben tolle Universitäten, die einen wissenschaftlichen Background auf internationalem Niveau bieten. Zudem gibt es im Umkreis weltweit renommierte Industrie – etwa Swarovski. Gab es in Ihrer Zeit als Congress-Direktor Persönlichkeiten oder Institutionen, die Sie in Ihrer Arbeit ganz besonders unterstützt haben? Ich hatte das Glück, mit dem damaligen Bürgermeister und jetzigen Landtagspräsidenten Herwig van Staa einen Politiker an der Seite zu haben, der es verstanden hat, die Kongressdestination Innsbruck in seiner Profession bestens zu vertreten und vor allem auch die Türen nach Brüssel zu öffnen. Und er hat mich sehr beim Ausbau des Congress Innsbruck unterstützt, als wir das Haus 1994/95 um das Doppelte vergrößert haben. Natürlich war auch die enge Zusammenarbeit mit dem Netzwerkpartner Universität Innsbruck enorm wichtig für uns. Da be­ stehen bis heute sehr gute Verbindungen. Und wo war im Gegensatz dazu die meiste Überzeugungsarbeit zu leisten? In erster Linie bei meinen Gesellschaftern, um ihnen zu verdeutlichen, dass ein Etablissement wie der Congress Innsbruck auch wirtschaftlich zu führen ist und kein Zuschussbetrieb sein muss. Im Zuge dessen fiel ständig das Wort Umwegrentabilität, das ich schließlich zum Unwort erklärt habe. Denn ich vertrete den Standpunkt, dass man den Congress wie einen kaufmännischen Betrieb führen muss. Und es ist mir innerhalb weniger Jah-

re gelungen, operativ schwarze Zahlen zu schreiben. Damit sicherte ich mir letztlich auch das Vertrauen der Gesellschafter. Wie konnte die vergleichsweise kleine Stadt Innsbruck international zur TopKongressdestination aufsteigen? Unser Service und unser Mitarbeiterstand können international mithalten, Innsbruck liegt relativ zentral und ist gut erreichbar und zudem erspart der Kleinstadtcharakter lange Transferwege zu den Hotels. Ich kann in fünf Minuten zu Fuß zum Hotel spazieren. Kongresse haben hier noch einen persönlichen Charakter. Wenn ein großer Kongress stattfindet, dann ist sozusagen in der ganzen Stadt Kongress. Man sieht die vielen Leute mit ihren Badges herumspazieren und jeder in Innsbruck weiß, dass wieder ein Kongress in der Stadt ist. Das ist schon etwas anderes als die Anonymität einer Großstadt. Wird die wirtschaftliche Bedeutung des Kongresstourismus in Innsbruck als solche wahrgenommen? Absolut, ja. Die Kongresshochsaisonen sind Frühjahr und Herbst, also Zeiten, in denen der normale Tourismus schwächelt. Zudem gibt der Kongresstourist mit rund 300 Euro täglich deutlich mehr Geld aus als der herkömmliche Feriengast, der im Winter rund 120 Euro, im Sommer rund 100 Euro pro Tag ausgibt. Zudem bleiben Kongresstouristen im Schnitt länger. Das weiß und schätzt man in Innsbruck.

Ist der Kongressstandort Innsbruck für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet? Nun, der Konkurrenzdruck wächst. Allein in China werden aktuell mehr als 100 neue Kongresshäuser gebaut. Und es gibt dort schon einige hundert. Es gibt auch noch genügend andere Destinationen, die Geld zuschießen, um große Kongresse zu bekommen. Doch zum Glück brauchen wir das alles nicht mehr. Wir feiern heuer 40 Jahre Kongresshaus Innsbruck und haben mittlerweile ein internationales Standing, das sehr, sehr gut ist. Darauf können wir stolz sein. Vielen Dank für das Gespräch.

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Zur Person Georg Lamp übernahm am 1. März 1984 die Leitung des Congress Innsbruck. Unter seiner Ägide stieg Tirols Landeshauptstadt zur weltweit anerkannten Kongressdestination auf. 2001 wurde der Congress Innsbruck zum „World‘s Best Congress Centre“ gewählt und mit dem AIPC Apex-Award ausgezeichnet. Im Jahr 2000 landete Innsbruck bei dieser Wahl auf Platz drei, im Jahr 2005 auf Platz zwei. Lamp hat in seiner Zeit als Congress-Direktor rund 11.500 Veranstaltungen durchgeführt und dabei mehr als 10 Millionen Besucher – darunter Kanzler, Präsidenten und sogar den UNO-Generalsekretär – begrüßt. Mit 1. Jänner 2013 verabschiedete sich Lamp in den wohlverdienten Ruhestand, er ist aber weiterhin als gefragter Experte und Berater im Einsatz.

Zum Touristiker geboren? Kompetente Beratung rund um Aus- und Weiterbildung im Tourismus – einfach – schnell – kostenlos: Telefon: 05 90 90 5 - 1215 E-Mail: thomas.geiger@wktirol.at Internet: WKO.at/tirol/tourismus


39 Magazin saison

Gemeinsam sanft Insgesamt 181 qualitätsgeprüfte Betriebe quer durch alle Kategorien und 13 zertifizierte Regionen arbeiten in der Kategorie Langlauf mit der Tirol Werbung zusammen. Und das sehr erfolgreich. V o n N i n a Wa lc h - H e i z e r

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© AchenseeTourismus (2)

Langlaufen am Achensee. Immer mehr Familien entdecken das Langlaufen als naturnahe Alternative zum Skifahren, die durchaus auch Kindern Spaß macht.

er Mann für draußen ist Georg Pawlata. Der Tourismusberater und ausgebildete Geologe „kennt sich im Außendienst gut aus“, sagt er. Zwei Jahre hat er den Adlerweg betreut, seit sechs Jahren testet er landauf, landab für die Tirol Werbung Hotels und Regionen und gibt Zertifizierungen ab. Ob für Biker, Kletterer oder Langläufer oder das gesamte Gebiet – Pawlata zieht los und überprüft, ob alles übereinstimmt, ob es Verbesserungsmöglichkeiten im Internet­auftritt gibt oder ob Kriterien nicht den Standards der Werber im Tirol Haus entsprechen. Er verfasst einen Testbericht, in dem er nach Schulnotensystem beurteilt. Nach drei Jahren wird stichprobenartig und kostenfrei nachgeprüft. „Im vergangenen Jahr sind bei den Langlauf-Hotels, welche rausgefallen“, sagt Pawlata, „doch die meisten, die sich zur Prüfung anmelden, haben sich auch einiges überlegt und schneiden dann mit Gut oder Sehr gut ab.“ Wichtig sei, dass die Informationen nett und übersichtlich gestaltet sind, meint der Profitester. „Dadurch heben sich diese Betriebe von anderen ab, die den Loipenplan zwar auch haben, aber nicht sichtbar auflegen. Der Langlaufgast muss merken, dass er willkommen ist und umworben wird.“ Der Besucher muss sich wohl fühlen und das gesamte Servicepaket auf einen Blick vor sich haben. In der Hälfte der Häuser seien die Besitzer selber Langläufer und wo das so sei, brauche er meist gar nicht weiter zu kontrollieren. „Die erkennen auf den ersten Blick, welche Loipe ich wem empfehlen kann. Ob ein Anfänger vor ihnen steht oder ein Profi, der die 25 Kilometer locker packt.“

Besitzerin in Langlauf-Montur. Loipenpläne, Kooperationen mit Langlaufschulen und Möglichkeiten zum Wachseln haben alle. Die richtigen Top-


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© Hotel Kraftquelle Schlossblick

Ideale Sportart. Langlauf ist eine der gesündesten Sportarten. „Um in der kalten Jahreszeit gesund zu bleiben, bietet sich Langlaufen als ideale Sportart an“, sagt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schobers-

„Der Besucher hat für seinen Urlaub immer das gleiche Budget. Der Alpingast muss davon noch sein Liftticket bezahlen. Der Langlauf-Gast gibt das Geld vielleicht im Hotel aus.“ Georg Pawlata, Prüfer der Langlaufspezialisten

berger, Direktor des Instituts für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus in Innsbruck. Er empfiehlt Langlaufen als winterliche Alternative zum Radfahren oder Joggen: „Der Vorteil des Langlaufens gegenüber anderen Sportarten ist, dass hier die Muskel-Gelenksbelastungen, vor allem im Beinbereich, geringer sind.“ Das Langlaufen sei deshalb eine optimale Sportart – auch für Übergewichtige. Außerdem tue die Bewegung in der Kälte, in der Natur und der Winterlandschaft der Psyche sehr gut. „Es werden, im Gegensatz zum Laufen, viel mehr Muskelgruppen

„Wir sind froh, dass wir die Qualitätskriterien für die Gruppe der Tiroler Langlaufspezialisten erreicht haben und nun dazugehören. Das hilft uns bei unserer Arbeit sehr.“ Katrin Mattke, Junior-Chefin Hotel Kraftquelle Schlossblick, Mariastein/Angerberg

aktiviert, vor allem der Schultergürtel, die Rückenmuskulatur, Nackenmuskulatur, Beckenmuskulatur und selbstverständlich die Beine. Und natürlich ist es gut für das Herz-Kreislauf-System.“

Vogelgesang statt Après-Ski. Immer mehr Einheimische und Besucher finden Gefallen am Langlaufen. Im Dorf des Hotels Kraftquelle Schlossblick gibt es zum Beispiel einen sehr aktiven Langlauf-Verein, in dem schon Fünfjährige Mitglieder sind. Generell steigt die Nachfrage nach dem ruhigen Sport abseits von Après-Ski und 4er-Sessellift. Das Hotel bekommt immer mehr Anfragen von Schulen. Auch große Unternehmen organisieren ihre Incentives in Sanfter-Winter-Manier und schicken ihre Mitarbeiter auf den dünnen Brettern durch die verschneiten Wälder, sagt Junior-Chefin Mattke. Das Langlaufen wird ihrer Erfahrung nach immer mehr zur Alternative für diejenigen, die Ruhe suchen und Sport abseits der Skipiste betreiben wollen. „Bei uns können Gäste von der Haustüre weg eine 17 Kilometer lange Anfänger-Route durchs Tal laufen.

© privat

betriebe grenzen sich zusätzlich durch aufliegende Langlauf-Magazine ab. Sportler blättern gern in den Magazinen nach Routen, neuen Technik und Touren. „Die über die Kriterien hinausgehenden Sachen machen den Unterschied“, sagt Pawlata. Darin sind besonders die kleinen Betriebe und Ferienwohnungen-Besitzer sehr gut. Dort wo die Besitzer noch mit den Gästen reden, ist das Angebot besser. Zudem will der Gast Tipps aus erster Hand. Die bekommt er zum Beispiel bei Familie Flatscher in Waidring. Als Pawlata vergangenes Jahr zu deren Ferienwohnungen kam, öffnete ihm die Besitzerin in der Langlauf-Montur, sie hatte gerade einen Kurs gegeben. „Das war natürlich eine absolute Expertin, da war alles perfekt. Wenn ich dort als Langlauf-Gast hinkomme, bin ich in besten Händen.“ Ein weiterer Vorzeigebetrieb ist das Hotel Kraftquelle Schlossblick in Mariastein/Angerberg. Das Hotel gehört seit drei Jahren den Tiroler Langlaufspezialisten an. Die Besitzer haben sich schon vor Jahren mit einem Langlaufski-Verleih im Dorf als Spezialisten einen Namen gemacht. Die Prüfung durch Georg Pawlata haben sie locker bestanden. JuniorChefin Katrin Mattke betont allerdings, wie wichtig es sei, die Kriterien nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Man muss schon auf den Langlauf ausgerichtet sein, das darf man nicht unterschätzen. Wir haben einen Mitarbeiter, der täglich unser Equipment durchschaut, es pflegt und auf den neuesten Stand bringt. Es bringt nichts, wenn man drei Ski in den Keller stellt und sich dann Langlauf-Hotel schimpft“, meint Mattke.


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Ruhige Gäste mit mehr Budget. Viele Tiroler Hoteliers würden einem Denkfehler unterliegen: „Der Besucher hat für seinen Urlaub immer das gleiche Budget. Der Alpingast muss davon noch sein Liftticket bezahlen. Der LanglaufGast spart sich diese Ausgabe schon mal und gibt das Geld vielleicht im Hotel für eine Extra-Massage oder eine gute Flasche Wein aus“, argumentiert der Tester. Daher ist der Langläufer auch gern im Hotel gesehen, zumal er es allgemein gerne ruhiger hat. Der Anteil der Langläufer, die mit ihren Familien den Urlaub in Tirol verbringen, ist von zwei Prozent in der Wintersaison 2006/07 auf 26 Prozent in der vergangenen Saison gestiegen. Ähnlich bei den Langläufern über 70 Jahren. 2008/09 war es ein Prozent, 2011/12 schon acht. Insgesamt gehen acht Prozent der Tiroler Gäste während ihres Urlaubs langlaufen, fünf Prozent mehrmals. Für elf Prozent der alpenurlaubsaffinen Deutschen ist Langlaufen sehr wichtig, für 17 Prozent wichtig. Und immerhin fast ein Viertel aller deutschen Winterurlauber haben vor, im Urlaub in den Alpen langlaufen zu gehen. Ähnlich verhält es sich bei den Schweizer Gästen. Bei allen steht das Naturerlebnis im Vordergrund. Sie wollen durch entspannte Bewegung in schöner Landschaft fit bleiben und sanften Winteraktivitäten nachgehen. Dabei suchen sie ökologische, ressourcenschonende und umweltfreundliche Angebote und schätzen Wellness als Erholungskomponente. Die Tirol Werbung will zukünftig vermehrt

„Um in der kalten Jahreszeit gesund zu bleiben, bietet sich Langlaufen als ideale Sportart an.“ Dr. Wolfgang Schobersberger, Direktor des Instituts für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus in Innsbruck

© Schobersberger

Da gibt es Tage, an denen trifft man keinen Menschen. Man hört nur die Natur, die Vögel, den Bach und sonst nichts.“ Die Sportart boomt besonders bei jungen Leuten, beobachtet auch Prüfer Pawlata. In seinem Freundeskreis haben viele in den vergangenen fünf Jahren mit dem Langlaufen begonnen. Ähnlich wie das Wandern hat der Langlauf sein Großvater-Image abgelegt. Dank der schnittigen Funktionskleidung werde es auch modisch interessant. „Wer es einmal probiert hat, merkt, wie gut man sich danach fühlt“, sagt Pawlata. Seiner Meinung nach wird das Thema nach wie vor grob unterschätzt in Tirol. „Wir haben sicher sehr schöne Gebiete, sehr gute, gepflegte Loipen und trotzdem setzen noch alle auf das alpine Skifahren.“

auf die Zielgruppen 50 plus sowie Familien mit Kindern eingehen und betont die positive Auswirkung des Langlaufs auf die Gesundheit. „Tirol konnte sich aufgrund der Entwicklung innovativer Angebote und der Umsetzung qualitätssichernder Maßnahmen als Top-Langlaufdestination etablieren. Damit trägt das Thema Langlauf entscheidend zur Stärkung der Bergwintersäule ‚Genießen‘ bei“, erklärt Ingrid Schneider, Leitung Themenmanagement der Tirol Werbung.

Gemeinsam spezialisiert. Aus dieser neuen Form der Zusammenarbeit mit den Spezialistengruppen ergeben sich viele Vorteile, sagt Schneider. Die Betriebe und Regionen entwickeln sich gemeinsam durch die Stärkung der Themen weiter. Die regionsübergreifenden Angebote kennen keine Tourismusverbands-Grenzen. Die Qualität steht im Vordergrund und ergibt eine höhere Wertschöpfung. Produkt, Qualität und Vermarktung ergeben gemeinsam ein stimmiges Konzept und das Angebot wird als „Best of Tirol“ kommuniziert. Durch die Kooperation mit der Tirol Werbung können Ressourcen zusammengeschlossen werden, meint auch JuniorChefin Mattke. „Man muss immer mehr im Team arbeiten, dann erreicht man die Leute. Regionen und Betriebe müssen zusammenhelfen. Als Einzelkämpfer kommt man nicht mehr weit.“ Die Region und der Tourismus profitieren davon, da der Bekanntheitsgrad wächst. „Wir sind abseits der großen Skigebiete und Pisten, da muss man als Region was haben, womit man punkten kann. Den Kunden erreicht man immer mehr über Spezialisierungen. Wir sind froh, dass wir die Qualitätskriterien für die Gruppe der Tiroler Langlaufspezialisten erreicht haben und nun dazugehören. Das hilft uns bei unserer Arbeit sehr.“ ×

© AchenseeTourismus

© AchenseeTourismus

saison

Die Langlaufspezialisten Tirol vermarktet mit seinen momentan 13 Tiroler Langlaufspezialisten „perfekte Langlaufbedingungen“. Dafür bürgt das Tiroler Loipengütesiegel, mit dem die 13 Spezialisten ausgezeichnet sind, sowie ein jährlicher Qualitätscheck der Serviceleistungen. Auf dem Service-Portal www.tirol.at/langlaufen informieren die Langlaufspezialisten über die Möglichkeiten auf über 2.450 Loipenkilometern. Die Langlaufregionen schaffen ein abgestimmtes Angebot mit gutem Service und hoher Qualität. Zu den Standards gehören beispielsweise ein Gesamtloipennetz von mindestens 50 Kilometern mit serviceorientierter Infrastruktur beim Einstieg in die Hauptloipe sowie Langlaufkurse für Anfänger, Fortgeschrittene und sportlich ambitionierte Läufer. Zu den Langlaufspezialisten zählen die Regionen Tannheimer Tal, Kitzbüheler Alpen – Hohe Salve, Naturparkregion LechtalReutte, Kaiserwinkl, Kitzbüheler Alpen – St. Johann, Olympiaregion Seefeld, Ötztal, Tiroler Oberland, Achensee, Osttirol, Pitztal, Paznaun-Ischgl und das Pillerseetal.


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Ruhepol mit Weitblick © Gerhard Berger (2)

Reinhold Stecher flogen die Herzen zu, obwohl oder vielleicht gerade weil er sich kein Blatt vor den Mund nahm. Immer wieder setzte er sich auch kritisch mit dem Tiroler Tourismus auseinander. Von Jane Kathrein

I

hr Tiroler seid schon Brüder. Habt da eine so herrliche Natur und kassiert einfach ab ...”, soll ein Urlauber einmal zu Reinhold Stecher gesagt haben, während die beiden auf der Seegrube saßen und ins Tal hinunterschauten. Stecher antwortete darauf: Das Abkassieren sei nicht so einfach und oft mit viel mehr Hektik und Mühe verbunden als andere Formen des Geldverdienens. Der Mensch und das Menschliche lagen dem Altbischof am Herzen. Seine Gedanken dazu teilte er mit den Menschen des Landes in zahlreichen Reden und Büchern. Mitunter fand er darin auch harte Worte. Worte, für die er dann auch kritisiert wurde – dennoch nahm er sich

nie ein Blatt vor den Mund. Stecher war ein Querdenker, der den Blick auf das Ganze nie verlor. In den Slums dieser Welt sah der gebürtige Innsbrucker unendliche Armut, die ihn demütig machte und zugleich dankbar, in einem so reichen Land wie Österreich leben zu dürfen. Dass es aber auch hierzulande viele Menschen in Not gibt, sah er sehr wohl. Stecher machte sich ein Bild und ging in die Schulen, in die Großbetriebe, in die Altersheime und in die Krankenstuben und hörte die Geschichten der Menschen, die dort leben und arbeiten. Egal ob Bettler oder Manager – der Status seines Gegenübers spielte keine Rolle. Reinhold Stechers größte Qualität war wohl das Hineindenken-Können und

das Verstehen. Dabei erhob er niemals den Anspruch, allwissend zu sein. „Wenn sich unser Altbischof zu politischen Themen, vor allem zu sozialen Fragen geäußert hat, war dies immer von echter Sorge um die Menschen getragen. Wenn er sich zu Wort gemeldet hat, dann hatte das Gesagte immer Gewicht, immer Bedeutung“, so Landeshauptmann Günther Platter. „Von ihm war nie Populistisches zu hören, er hat nie einfache Lösungen für schwierige Probleme gefordert. Die komplexen Zusammenhänge, in denen sich unser Leben abspielt, waren ihm immer bewusst.“

Kraftort Natur. „Ich bin bestimmt kein Fremdenverkehrsfachmann, aber meine


43 Bücher haben es mit sich gebracht, dass ich zu Tausenden von Menschen, die Tirol lieben, im Ausland sprechen musste und Tausende von Briefen solcher Tirol-Fans erhalten und beantwortet habe. Ein wenig habe ich erlebt, was die zeitlose Faszination unserer Heimat ausmacht“, meinte Reinhold Stecher einmal. Die Natur, die der begeisterte Bergsteiger als Ruhepol und Kraftort erlebte, faszinierte Stecher zeitlebens. „Die wahre Erholung des überzivilisierten Menschen wird immer wieder an die Begegnungen mit der Natur gebunden sein, an das Eintauchen in die primäre, ursprüngliche Welt, mit Landschaft und Himmel, Wasser und Sonne, Fels und Wald, Bach und Blume.“ Und das Heimatgefühl, das vielen Gästen in den kleinen Betrieben dank der familiären Strukturen vermittelt wird, erschien ihm als etwas Besonderes. „Unser Altbischof Reinhold Stecher hat uns nicht nur die Botschaft der Berge in unvergleichlicher Weise nähergebracht, sondern er hat uns auch gelehrt, dass die Herzlichkeit eines der wertvollsten und wichtigsten Güter in einer gelebten Gastfreundschaft ist“, sagt Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung. „Darüber hinaus hat er uns mit auf den Weg gegeben, in der touristischen Entwicklung auf das richtige Maßhalten zu achten.”

Fluch und Segen. Reinhold Stecher blickte hinter die romantischen TirolBilder und fand Menschen, die schwere Arbeit leisteten. „Die Berufsarbeit im Tourismus ist menschlich belastend“, sagte er immer wieder bei seinen Auftritten. Die vielfach fluktuierenden Arbeitskräfte seien nicht selten mehr fremder als die Fremden, die sie bedienten. In den kleinen Betrieben rolle die Gästelawine bis in Küche und Kühlschrank, sodass kein Platz mehr für familiäre Privatsphäre sei. Die aber sei notwendig für echte Gastfreundlichkeit. Kellner, Köche, Stubenmädchen und Portiere, Skilehrer, Bergführer, Hüttenwirte und Hoteliers erzählten dem Geistlichen vom Stress, unter dem sie stünden. „Ich glaube, dass in einem menschenorientier-

ten Unternehmen wie dem Tourismus das gute Klima besonders wichtig ist“, sagte Reinhold Stecher. Dieses Klima werde mit vielen kleinen Aufmerksamkeiten und einem bemühten Hineindenken und Verstehen geschaffen.

Kritischer Geist.

Den bloßen Spaßund Spektakel-Tourismus, dem Soziologen und Psychologen schon längst vorausgesagt haben, er werde sich totlaufen, kritisierte er häufig. „Man entwickelt da geniale Kombinationen von Pulverschnee, Gipfelwind, Sauforgie und Tabledance und wittert mit diesem Programm die großen Geldströme für morgen“, sagte Reinhold Stecher beim Tag der Tiroler Tourismuswirtschaft 2001 und war sich zugleich bewusst, dass manche Vertreter solcher Unternehmensphilosophien am moralischen Urteil eines Altbischofs nicht interessiert sind. Im Hunger nach dem Mega-Abenteuer sah er die Armut an echten Erlebnissen in einer Gesellschaft, die Erlebnisse nur noch auf Knopfdruck aus zweiter Hand bezieht. Reinhold Stecher war ein Mann, dem es gelang, mit Farben und Worten Bilder zu malen. „Diese Sprache verband auch Witz mit Nachdenklichkeit. Nicht die schnelle Pointe, sondern das Hintergründige, das Leise war ihm wichtig. So formulieren zu können, war nicht nur ein Talent. Es war auch das Ergebnis großer Anstrengung, großen Fleißes. Aber es ließ ihm die Herzen der Menschen zufliegen“, würdigte Landeshauptmann Günther Platter den großen Tiroler. Bemerkenswert, wie es Reinhold Stecher immer wieder gelang, trotz harter Worte die Menschen im Raum mit einem guten Gefühl zu entlassen. Vielleicht glückte ihm dies, weil er bei allen kritischen Reflexionen auch Hoffnung sah: „Es gibt ein Erwachen für Urlaub mit Tiefen­dimension, und auch das könnte ein Wegzeichen in eine humanere Welt sein.“ Wurde es Reinhold Stecher in dieser Welt der Dörfer und Täler zu laut, zog er sich zurück in seine Berge und fand dort Stille. Und neue Kraft. ×

Reinhold Stecher, 1921–2013 Prof. Dr. Reinhold Stecher starb Ende Jänner 91-jährig in Innsbruck. Der gebürtige Innsbrucker war bis zuletzt als Seelsorger, Exerzitienleiter, Vortragender, Autor und Maler aktiv. Erst vor Kurzem erschien sein Buch „Spätlese“. Der begeisterte Bergsteiger war bekannt für seine Formulierungslust und -gabe. Auch für den Tourismus fand er immer wieder kritische Worte.

„Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an sich selbst Schaden leidet?“ „Wir haben ein wunder­ bares Land, in dem man die Gier der Totalver­ marktung abwehren muss, aber das bereits ein hohes Umweltbewusst­ sein hat.“ „Hinter dem Relax des Sich-Erholenden steht nun einmal der Stress des anderen, hinter der Kulisse der Speisekarten, der sauberen Zimmer, der überquellenden Ange­ bote, des blitzenden Ge­ schirrs und des Blumen­ schmucks.“ „Vermutlich zählt die Diözese Innsbruck zu den fremdenverkehrs­ intensivsten Bistümern der Erde.“ „Ich möchte versuchen, die uralte Botschaft der Berge in die Sprache und Situation unserer Zeit zu übersetzen.“ „Der Berg legt sich sozu­ sagen quer gegen unsere schaumgummigepolster­ te Wohlstandszivilisation. Wer wirklich das Rendez­ vous mit dem Berg sucht, kann sich nicht mit Auf­ stiegshilfe und Panorama Café überlisten.“ Reinhold Stecher


44 Magazin saison

© Emanuel Kaser (3)

Designobjekte aller Art warten im Schauraum auf Betrachter und Käufer.

Gedankenspielplatz Ende Jänner 2013 wurden Fassade und Innenraum des designart-Schauraums von Perser-Spinnen beklettert, Ende März sollen sich leuchtende Abflussrohre ihren Weg durch den Ausstellungsraum und ins Freie bahnen: Was im Zwischenbereich von Design und Kunst möglich ist, zeigt der Schauraum designart in der Innsbrucker Mentlgasse. Von Esther Pirchner

E

inen Arbeits-, Ausstellungsund Schauraum bespielt der Innsbrucker Charly Walter seit einigen Monaten im Innsbrucker Stadtteil Wilten. Das multifunktionale Stöckl, das unter dem Namen designart firmiert, entspricht ganz den vielfältigen Tätigkeitsbereichen des selbstständigen Designers, Planers und Organisators von Festivals, Ausstellungen, Interieurs und Präsentationen und ist darüber hinaus noch für Kunst und Design anderer Kreativer nutzbar. Die Halle mit 17 Metern Länge und 9 Metern Breite unterteilte Walter in mehrere Räume und rüstete sie technisch auf. Zudem versah er das Gebäude auf der einen Seite mit raumhohen Fenstern, die den Blick auf einen kleinen Garten öffnen und viel Licht hereinlassen, auf der anderen mit einer relativ geschlossenen Fassade mit schlichter, aber wirkungsvoller Querlattung.

Nun ist für jeden Zweck von designart genügend Platz: Der Schauraum dient der Präsentation und dem Verkauf von Designerstücken aus Österreich und anderen Ländern, die in kleinen Auflagen produziert werden. Hier finden sich beispielsweise Keramikarbeiten von Thomas Bohle, Lampen von Charly Walter, Möbel von Gerhard Höckner, Stadtmobiliar von Gilbert Bretterbauer und Stofftiere von Emiko Fujinaga. Aber auch Fotokunst und Wandgestaltungen, Standboxen und Pinnwände, Handtaschen aus Fahrradschläuchen und Vintagemöbel werden auf den zwei Ebenen gezeigt.

Allerlei Getier.

Der vordere Raum dient Charly Walter die meiste Zeit über als Werkstatt, alle zwei Monate lädt er aber für zehn Tage einen Designer oder eine Designergruppe ein, den Raum künstlerisch zu gestalten beziehungsweise besondere

Stücke auszustellen. Nach der Eröffnung im November 2012 mit der Ausstellung „art & function“, die ursprünglich für die „Art & Antique“ in der Wiener Hofburg entwickelt worden war und nach Innsbruck übernommen wurde, galt die erste selbst konzipierte Ausstellung dem Wiener Künstlerpaar Kiss the Reichl, die mit gebrauchten Perserteppichen arbeiten: Den Mustern der Teppiche folgend, übermalen sie diese so, dass sich neue Formen wie Insekten oder Krebstiere herausschälen, oder schneiden Silhouetten von Spinnen, Salamandern und anderen Tieren heraus, die dann an Boden und Wänden entlangkrabbeln – sehr ästhetisch und selbst für Arachnophobiker mit einem nur äußerst geringen Ekelfaktor.

Apropos Ekel.

Fäkalien zu Gold zu machen, würde zwar auch dem bildenden Künstler und Designer Christopher Rhom-


45

Verschmitzte Lampen

Alle zwei Monate wird die Werkstatt von Charly Walter für zehn Tage zum Ausstellungsraum.

Der Künstler und Designer Christopher Rhomberg greift in seinen Arbeiten gerne auf billige Materialien zurück, so auch bei den Objekten, die in Innsbruck zu sehen sein werden.

S

AISON: Herr Rhomberg, Teile Ihrer Kunstwerke und Designstücke stammen aus dem Baumarkt. Wie kam es dazu? Christopher Rhomberg: Wenn man kleine Serien macht, ist das normalerweise sehr teuer. Deshalb verwende ich billige Baustoffe wie Abflussrohre, Baunägel oder Armierungsstahl. Baunägel sind sehr schwer, aber ich verschweiße sie zu einem Gespinst. Armierungsstahl hat eine ausgezeichnete Qualität und eine rohe, ursprüngliche Ästhetik.

Mit dem designart-Schauraum hat Charly Walter in der Mentlgasse einen Ort an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design geschaffen.

Anregende Widersprüche. Damit erzielt Rhomberg in mehrfacher Hinsicht widersprüchliche Effekte, die ein wichtiges Spannungsmoment seiner Arbeiten sind: Durch Rohre, in denen normalerweise Abwässer abgeführt werden, fließt hier ein – symbolisch mit Reinheit verknüpfter – „Stoff“, das Licht. Gleichzeitig spielt er mit der Sicht- und Lesbarkeit von Informationen: Während die meisten sehenden Menschen seine Installationen zwar betrachten, aber die ausgestanzten Schriften nicht entziffern können, halten die beschrifteten Rohre für Blinde abtastbare Informationen

zu Stärke, Temperatur, Geschwindigkeit und anderen physikalischen Eigenschaften des Lichts bereit. Rund drei Tage lang wird Rhomberg Ende März im designart-Schauraum sein Modulsystem aufbauen, danach ist es zehn Tage dort sichtbar: Je nach Gegebenheiten werden sich die leuchtenden Abflussrohre dann über die Wände, die Decke und/oder den Boden hinziehen und – wie auch die übermalten Perserteppiche von Kiss the Reichl zuvor – bis zur Fassade gelangen. Darüber hinaus werden in Innsbruck auch andere Designobjekte Rhombergs zu sehen sein, etwa ein Sessel, der aus langen Baunägeln zusammengeschweißt und trotzdem ein bequemer Ruheplatz ist, oder die bunten Lampen aus der Serie „kleine hausfreunde/friends with benefits“, die im Schauraum von design.art schon seit einer Weile ihren Platz gefunden haben. Zwischen all den anderen schönen, eleganten, witzigen und funktionellen Dingen, mit denen sie im Regal stehen, fühlen sie sich dort sichtlich wohl. ×

… und Abflussrohre bringen Sie zum Strahlen. Ja, ich verwende sie für das System „RS1“ und für die Lampenserie „kleine hausfreunde/friends with benefits“. Dafür werden sie sehr hochwertig verarbeitet. Letztere scheinen sehr variabel einsetzbar zu sein. Sie sind sehr funktionell, was bei Designobjekten nicht immer der Fall ist. Und sie haben einen personalisierten Charakter, man kann sie drehen und wenden, sodass sie glücklich, heiter oder vielleicht auch ein bisschen verschmitzt dreinschauen. Vielen Dank für das Gespräch.

×

www.christopher-rhomberg.com

designart Mentlgasse 12b 6020 Innsbruck www.styleconception.com Die Ausstellung mit Objekten von Christoph Rhomberg findet von 10. bis 19. April 2013 statt.

© Emanuel Kaser

berg (siehe Interview) nicht gelingen, zur Lichtinstallation, die er von 10. bis 19. April in den Ausstellungsraum von designart baut, wurde er aber von durchaus profanen Verrichtungen inspiriert. Ein Abflussrohr, das ein kurzes Stück weit durch ein von ihm genutztes Büro führte und mitunter geräuschvoll die Arbeitsabläufe störte, konterkarierte er mit dem modularen System „RS1“ aus Abflussrohren, das ihm zur Konstruktion von wand- oder gar raumfüllenden Installationen dient. Wie bei vielen anderen Entwürfen und Projekten, die Christopher Rhomberg verwirklicht, ist auch hier das Ausgangsmaterial ein billiger Baustoff, der durch künstlerische Idee und Verarbeitung aufgewertet wird: Die Rohre werden mit einer Lochung in Brailleschrift und Lichtquellen versehen, sodass sie von innen heraus leuchten.

„kleine freunde/friends with benefits“ von Christopher Rhomberg


I

m Jahr 1989, so erzählt Maria Crepaz, die als eine der Gründer das Osterfestival Tirol von Anfang an begleitet, sei zunehmend zu beobachten gewesen, wie die „Fundamentalismen in allen Religionen“ überhandgenommen hätten. Damals war die von ihr und ihrem Mann Gerhard Crepaz geleitete Galerie St. Barbara bereits seit rund zwanzig Jahren vor allem im Haller Kulturleben aktiv und in Tirol ein Vorreiter für künstlerisches Wagnis und die Ausrichtung auf aktuelle zeitgenössische Musik ebenso wie auf außereuropäische Kulturen. Gerade diese Hinwendung zu unbekannten künstlerischen Ausdrucksformen schärfte den Blick der Veranstalter dafür, wie viel Gemeinsames zwischen verschiedenen Kulturen – und den mit ihnen oft untrennbar verwobenen Religionen – zu finden ist. Davon ausgehend entstand zunächst der Schwerpunkt „Musik der Religionen“, der im Juni stattfand und unter anderem asiatischen und afrikanischen Kunstformen gewidmet war. Aus Juni wurde mit den Jahren Ostern, aus der Konzentration auf Hall eine teilweise Verlagerung nach Innsbruck und eine enge Kooperation mit zwei Patres der Innsbrucker Jesuiten, die die Jesuitenkirche für Aufführungen öffneten, danach die vermehrte Veranstaltung in weltlichen Räumen. Inzwischen bespielt das Osterfestival Tirol die Dogana und den Saal Tirol im Congress Innsbruck, das Salzlager Hall, öffentliche Plätze in Innsbruck, Hall und Umgebung sowie 2013 erstmals auch die Marienkirche in Wattens.

Veränderungen. Auch organisatorisch und inhaltlich hat sich manches verändert: Der Familienbetrieb Galerie St. Barbara wird seit fünf Jahren von der nächsten Generation geleitet: von Hannah Crepaz, die die künstlerische, und Christoph Crepaz, der die kaufmännische Leitung übernommen hat – nicht ohne tätige Mithilfe von Maria Crepaz in allen Bereichen und Gerhard Crepaz mit diskursiven Veranstaltungen zu den künstlerischen und philosophischen Hintergründen. Finanziell gab es in den vergangenen zwei Jahren mehr Zuwendungen als bisher, das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur ist als Subventionsgeber dazugekommen, das Land Tirol hat die Subventionen aufgestockt, damit eine Vollzeitkraft angestellt werden kann. Der ursprüngliche Schwerpunkt „Musik der Religionen“ ist aus dem Titel verschwunden, die früheren Länder-

Ein Vierteljahrhundert weltumspannend

Autograph von „Stille Nacht“ von Franz Xaver Gruber.

Seit 25 Jahren ist das Osterfestival Tirol, das 2013 von 15. bis 31. März stattfindet, fester Bestandteil des Tiroler Kulturkalenders. Basierend auf der Idee, dass das Gemeinsame mehr wiegt als das Trennende, bietet es ein breit gefächertes Programm aus Musik, Tanz, Film und Figurentheater. Von Esther Pirchner

„Irgendwo“ ist ein expressives, experimentelles Tanzstück der Compagnie Renegade unter der Regie von Malou Airaudo.

schwerpunkte sind jeweils übergeordneten Themen gewichen, die bestimmte Aspekte des gesellschaftlichen und sozialen Lebens aufgreifen.

Individuum und Masse.

„massiv. ich“ lautet dieses Thema im Jahr 2013, und man ist versucht zu glauben, dass nach 45 Jahren Kulturarbeit und 25 Jahren Osterfestival Tirol nun ein egoistischerer Kurs eingeschlagen werden soll. „Die Provokation im Titel haben wir bewusst gewählt“, sagt Hannah Crepaz dazu, „um genau das Gegenteil aufzuzeigen.“ Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, verweist „massiv.ich“ „auf den immer unfruchtbarer werdenden Egoismus des Einzelnen“, aber auch darauf, wie das Individuum in der Masse aufgeht. Künstlerisch soll dem Positives entgegengesetzt werden, etwa die Gleichzeitigkeit von solistischer Interpretation und dem Zusammenspiel mit anderen Musikern. Ein Beispiel dafür ist im Programm des Osterfestivals Tirol 2013 der Auftritt des indischen Flötisten Hariprasad Chaurasi, der schon vor vielen Jahren Gast der

Galerie St. Barbara war und am 22. März mit seiner Gruppe im Haller Salzlager traditionelle indische Musik spielt. Ein anderes ist die Aufführung von Cornelius Cardews „The Great Learning“: Teile aus diesem offenen, spartenübergreifenden Projekt wurden schon in früheren Jahren beim Osterfestival Tirol mit Schülern erarbeitet, am 17. März soll der gesamte Zyklus live beziehungsweise als Videoprojektion umgesetzt werden.

Kontinuitäten. Wie diese beiden Programmpunkte knüpfen auch einige andere an frühere Aufführungen beim Osterfestival an, denn es gibt mehrere Gründe dafür, warum die Veranstalter immer wieder gerne dieselben Künstler einladen: Zum einen ergibt sich daraus eine gewisse Kontinuität, zum anderen soll der künstlerische Werdegang langjähriger Wegbegleiter nachvollziehbar sein. Frans Brüggen, das Orchester des 18. Jahrhunderts und die Cappella Amsterdam (30. März) zählen ebenso dazu wie Frieder Bernius, der dem Kammerchor und Barockorchester Stuttgart vorsteht


Nach dem Ende des Regimes der Roten Khmer in Kambodscha 1978 hatten nur drei Tänzer des Königlichen Balletts überlebt. Der Wiederaufbau dauerte mehr als zehn Jahre.

47 Magazin saiso n

© Cie Renegade, Königliches Ballett Kambodscha, Gerhard Berger

25 Jahre Osterfestival Tirol – massiv.ich

Vor fünf Jahren hat Hannah Crepaz die künstlerische Leitung des Osterfestivals übernommen und vermehrt zeitgenössischen Tanz im Programm positioniert.

(15. März). In gewisser Weise kann man sogar Johann Sebastian Bachs Musik, die von den beiden Ensembles interpretiert wird, als solchen „Wegbegleiter“ bezeichnen, ist sie doch mit dem Osterfestival Tirol und seiner sakralen Seite untrennbar verbunden. In diesem Zusammenhang ist auf eine Veranstaltung des heurigen Jahres besonders hinzuweisen, die Aufführung der rekonstruierten Fassung von Bachs nicht erhaltener Markuspassion durch Il Concerto Viennese und das Ensemble

Origen unter der Leitung von Thomas Platzgummer und Rudolf Leopold. Rekonstruktionen wie diese werden anhand musikalischer Parodien (die Verwendung von Teilen eines Musikstückes in anderen, die erhalten geblieben sind), von Texten und anderen schriftlichen Belegen erstellt und sind spannende Auseinandersetzungen mit der Musik früherer Epochen.

Aus der Moderne. Ebenso kontinuierlich wie um die Barockmusik hat man sich in der Galerie St. Barbara seit jeher um

„Es war uns immer wichtig, dass das Programm mit unserer Kultur zu tun hat, aber mit Blick auf andere Kulturen. Das war für uns immer ein spannendes Feld.“ Maria Crepaz, Mitbegründerin des Osterfestivals

15. bis 31. März 2013 Innsbruck, Hall in Tirol, Wattens www.osterfestival.at

die klassische Musik aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gekümmert und 2013 wieder Werke von Morton Feldman, György Ligeti, Galina Ustvolskaya und Dmitri Schostakowitsch aufs Programm gesetzt. Die Kunstformen Tanz und Figurentheater haben hingegen, obwohl immer wieder eine Auseinandersetzung damit stattfand, eine differenziertere Geschichte. Traditionelle Formen waren immer Teil der Beschäftigung mit außereuropäischen Kulturen, etwa wenn das japanische Bunraku-Theater, Tänzer aus Nordafrika oder Tänzerinnen aus Indonesien zu Gast waren. In diesem Kontext erfüllen Tanz und Puppentheater stets auch den Zweck der Informationsvermittlung oder der Weitergabe von mythologischen Inhalten, wie dies 2013 beim Auftritt des Königlichen Balletts Kambodscha der Fall sein wird (23. März). Zum anderen ist seit vergangenem Jahr wieder Puppentheater für Erwachsene als politische, gesellschaftskritische Kunstform im Programm des Osterfestivals verankert. Den zeitgenössischen Tanz hat Hannah Crepaz als Form des ganz unmittelbaren Ausdrucks von sozialpolitischen Themen ins Programm aufgenommen. Mit „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“, das auf der Lebensgeschichte des Spiegelgrund-Überlebenden Friedrich Zawrel basiert, und mit Tanzstücken von Lisbeth Gruwez, Lutz Förster und Malou Airaudo sind hier einige Projekte dieser Art vertreten. Beide Formen – Tradition und Moderne – verbindet schließlich das Stück „Ghost Track“, in dem klassischer Tanz aus Indonesien und Gamelan-Musik auf zeitgenössischen Tanz aus den Niederlanden treffen. Ergänzt wird das Bühnenprogramm durch Filmvorführungen, Interventionen im öffentlichen Raum an „21 Orten“ und die diskursive Reihe „.daneben“, die Gerhard Crepaz leitet – auch das ein Markenzeichen des Osterfestivals, das nicht nur den Austausch in der Kunst sucht, sondern auch das Gespräch und das Nachdenken über zentrale Themen des heutigen Lebens fördern will. ×


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er Mediengipfel Ende November in Lech begann exakt an dem Wochenende, an dem der Spätherbst in den Winter überging, wodurch der Wechsel der Jahreszeiten durch die Fahrt von Innsbruck auf den Arlberg binnen einer Stunde erfolgte. Die Gäste, die noch im letzten melancholischen Herbstlicht den Flughafen verlassen und das Transfertaxi bestiegen hatten, kamen in einem Wintersportort an, über dessen Straßen Räumfahrzeuge rollten und an dessen hoch aufschießenden Hängen Dutzende von Schneekanonen weißen Wasserstaub ausstießen, wodurch, ergänzt durch die abstrakten Linien des Lawinenverbaus, der ganze Ort an eine interstellare Raumstation erinnerte.

lichsten Zeit des Jahres erträglich zu gestalten, ohne in die Südsee flüchten zu müssen. Was dabei herauskam, kann heute in Vollendung in Lech bestaunt werden: Mitten in der unwirtlichsten alpinen Einöde entstand eine Riesenfabrik zur Produktion glücklicher Gäste, die Tausenden Menschen Arbeitsplätze und einer ganzen Region Wohlstand gebracht hat. Und das, wohlgemerkt, nur aufgrund einer unnötigen Idee! Woraus sich die interessante Frage ergibt: Wie ist mit solch unnötigen Ideen, die an Orten, die nie etwas eingebracht haben, plötzlich unendlich viel einbringen, zu verfahren, auf dass niemand dahinterkommt, wie unnötig sie sind? Denn so viel ist klar: Es wäre schlicht eine Katastrophe, „Es wäre schlicht eine Katastrophe, wenn der Zeitgeist wenn der Zeitgeist plötzlich am Skifahren vorbeiplötzlich am Skifahren vorbeirauschen würde und es rauschen würde und es als zu teuer, zu gefährlich, als zu teuer, zu gefährlich, zu landschaftszerstörerisch zu landschaftszerstörerisch und diejenigen, die abqualifizieren würde.“ davon leben, als zu geldgierig und korrupt abqualifizieren würde. Ich weiß nicht, ob diejenigen, die heute routinemäßig von Lift Nun wird wohl jeder kritische Zeitgenosse der Beobachtung zustimmen, dass das Skifahren zwar eine tolle Freizeitbeschäftigung kaisern sprechen, als seien das irgendwie Unterweltbosse, und die den ist, dass man sie zum guten Leben aber nicht braucht. Dennoch Tourismus insgesamt für eine Art der gehobene Zuhälterei halten, sich kamen dereinst ein paar findige Herren auf die Idee, wie wunderbar der Verantwortung bewusst sind, wenn sie bei jeder neuen Liftstütze es sein kann, auf zwei Bretteln einen Hang hinunterzurutschen, sie den Untergang des Alpenlandes beschwören. Der Wintersport ist eine begründeten eine Skischule, ehemalige Wirte und Bauern invesfragile Konstruktion. Auch er kann untergehen! Und dann? × tierten in Hotels, Filme wurden gedreht und der Wintersport ward Alois Schöpf lebt als Journalist und Schriftsteller in Lans. erfunden, eine neuartige Methode, die Erdentage in der unfreund-

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Die Lehre von Lilienfeld

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Skifahren ist eine unnötige Idee!

von erns t molden

ilienfeld liegt in einer romantischen Ecke Nieder Da schlief er nun, der nette alte Sessellift, österreichs, an der Straße von Sankt Pölten nach in seiner engen Schneise zwischen riesigen LärSüden, die auf den Ötscher und Mariazell zuführt. chen und Fichten. Aber wir waren jetzt schon Die Bezirksstadt ist berühmt für ihr 800 Jahre altes einmal da und beschlossen, den quengelnd Zisterzienserkloster und noch für etwas anderes: „Wiege des alprotestierenden Kindern zum Trotz zu Fuß pinen Skilaufs“ verkündet ein etwas rissiges Transparent an der den Anstieg zu wagen. Durch den dämmrigen Hauptstraße. Fallgraben stapften wir langsam die Talabfahrt Letzteres kommt daher, dass der aus Böhmen stammende Lehrer, hinauf, die nicht viel mehr war als ein Hohlweg durch den Wald. Maler und Sportpionier Mathias Zdarsky (1856–1940) hier weite Irgendwann hörten die Kinder zu quengeln auf, erstens, weil sie Strecken seines Lebens verbrachte und große Teile seiner Ideen sonst keine Luft bekommen hätten, und zweitens, weil der Wald hier hatte. Der auf einem Auge erblindete Zdarsky „Niemand schimpfte, keiner fror. Ich begriff die Lehre hatte die norwegische Skitechnik des Grönlandvon Lilienfeld, schloss die Augen und schläferte andere Durchquerers Fridtjof Nansen studiert, für die steilen Hänge des Alpenraums aber für ungeeignet österreichische Skilifte in Gedanken ebenfalls ein.“ befunden. Er entwickelte daher seine patentierte „Lilienfelder Stahlsohlenbindung“, die zusammen mit der daso schön war. Gefrorene Wasserfälle, schwarzer Nadelwald, der zugehörigen Einstocktechnik als Geburtshilfe für das „downhill plötzlich wieder Platz machte für helle Bergahornhaine. Und skiing“ der Moderne gilt. noch etwas bemerkten wir. Es gab Skifahrer, viele sogar, und Meine Familie und ein paar gute Freunde sind unlängst mit höchst fröhliche. Keuchende Aufwärtswanderer, die unsere selteinem großen Haufen Kinder nach Lilienfeld gefahren. Wir wusssame, von Vätern statt von Huskies gezogene Schlittenkarawane ten, dass der romantische Lilienfelder Einzelsessellift auch Rodler überholten, und überglückliche Abwärtsflitzer, die wie Blitze mitnimmt, und dieses ganz banale Rodeln war unser Wunsch, neben uns waren und dann schon wieder fort. Alle strahlten. Zdarskys Geist möge uns verzeihen. Allerdings war es dann so, Niemand schimpfte, keiner fror. Ich begriff die Lehre von Liliendass der Lift, gute zwei Wochen nach Weihnachten, einfach zufeld, schloss die Augen und schläferte andere österreichische gesperrt hatte. Wie lange, fragten wir. – Für länger, wenn nicht Skilifte in Gedanken ebenfalls ein. × für immer, beschied man uns. Die Halterungen des Stahlseils Ernst Molden lebt als Dichter und Songwriter in Wien. Für seine Alben und müssten renoviert werden, und dafür habe die Gemeinde bei Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erschien seine neue Platte der bescheidenen Auslastung des Liftes grad kein Geld. A SO A SCHEENA DOG (monkeymusic).


50 Nachgefragt saison

1 0 F r a ge n a n . . .

Thomas Reisenzahn Drei schöne Orte auf der Welt (auSSerhalb Tirols): die Seiser Alm, Südfrankreich, Carmel und Pebble Beach an der US-Westküste Die gröSSten Tugenden im Tourismus: Offenheit; nach dem Motto zu agieren „Lebe in der Gegenwart, plane möglichst genau die Zukunft“ Die gröSSten Sünden im Tourismus: Engstirnigkeit Die Stärken des Tiroler Tourismus: gewachsene, verkehrspolitische Strukturen; Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln Welche Bedürfnisse haben Familien im Urlaub? Jede(r) für sich und alle gemeinsam viel erleben! Die Schwächen des Tiroler Tourismus: Überhang an Betten; Betriebe, die keine Ausstiegsoption haben; zu wenig Positionierung und Differenzierung auf allen Ebenen Die beste Idee der letzten fünf Jahre: Die „Lech Lodge“ von Johanna und Klaus Moosbrugger-Lettner oder das Null-Energie-Stadthotel „Boutique-Hotel Stadthalle“ von ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer – wir können mit Stolz sagen, dass die innovativsten Ideen in unseren „Denkwerkstätten“ wie ÖHV-Unternehmer-Akademie oder ÖHV-Hotelierkongress entstehen. Letzter Urlaub (wann und wo): Portugal (Algarve); Sommer 2012 Ich lerne von: anderen Menschen – man darf sich niemandem verschließen

Der schönste Ort in Tirol: meine Heimatstadt Kitzbühel Die Hotellerie braucht künftig: neue Wege, um Kapital zu sichern; Spezialisierung; mehr direkten Vertrieb In einem Hotel ist für mich besonders wichtig: „Simplicity”, d. h. ein einfaches Service- und Angebotsdesign Tirol ohne Berge wäre: wie der Himmel ohne Sterne Mein liebster Sport in den Bergen ist: Radfahren und Langlaufen

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Was erwartet den Tiroler Tourismus in der Zukunft: Nach der geglückten Fusionierung der neuen Destinationen müssen Positionierung und föderale Grenzen sowie die Strukturen der vorgelagerten Marketingorganisationen überdacht werden, Letztere insbesondere dahingehend, im Online-Vertrieb ohne Mittler zu agieren.

Der gebürtige Kitzbüheler Thomas Reisenzahn ist Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung.


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