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P.b.b. | VERLAGSORT: 6020 INNSBRUCK | 10Z038387M

TOURISMUSMAGA ZIN | AUSGABE 04/12 | SOMMER/HERBST 2012

GIPFEL TREFFEN theALPS 2012 – am 13. und 14. September


Von Innsbruck hen nach Münc ab € 48,–

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3 StiCHWort saison

„Der Tourismus spielt eine große Rolle in der Erhaltung und Weiterentwicklung unseres sensiblen und wertvollen Lebens- und Erholungsraums Alpen. Dieser Verantwortung müssen sich alle Touristiker im Alpenraum gleichermaßen stellen.“ JOSEF MARGREITER, Geschäftsführer der Tirol Werbung

„Es wird immer so dargestellt, als wäre der Eigenvertrieb zum Nulltarif zu haben. Online-Marketing ist sehr kostenintensiv und aufwändig. Wir nehmen den Hoteliers sehr viel Arbeit ab.“

DIE theALPSREGIONEN

ANJA KLEIN, sprecherin von HRs

• Bayern • Graubünden • Rhône-alpes • salzburger Land • südtirol • Tirol • Trentino • Vorarlberg • Wallis

„Eine Dachmarke braucht ihr eigenes Budget. Ohne das geht es nicht.“

DIE TOP 5 DER INTERNATIONALEN BUCHUNGSPLATTFORMEN • Priceline inc. mit den Plattformen Priceline.com, Booking.com, agoda.com • Expedia mit Expedia.com, Venere.com und Hotels.com • sabre-Group mit Travelocity.com und Lastminute.com • orbitz mit orbitz.com, Ebookers.com, Hotelclub.com, Ratestog.com und asia-Hotels.com • HRs mit Hrs.de, Tiscover.com und Hotel.de

SO WERDEN HOTELS IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM GEBUCHT Telefon E-Mail online-Buchungsportal Formular auf Hotel-Website Walk-ins

24,1 % 19,7 % 18,9 % 8,4 % 5,7 %

Echtzeitbuchungen auf der Hotel-Website

5,5 %

Reiseveranstalter/Reisebüros

4,9 %

Brief/Fax

4,3 %

QUELLE: ÖHV 2012

© sWiTZERLanD ToURisM

MARTIN EBSTER, Geschäftsführer des TVB st. anton am arlberg

URLAUB AM BAUERNHOF Österreichweit gibt es 2.660 landwirtschaftliche Betriebe, die sich unter der Dachmarke Urlaub am Bauernhof (UaB) ein zweites, touristisches standbein aufgebaut haben. Der Verein wurde vor 21 Jahren gegründet und konnte für die Mitgliedsbetriebe schöne Erfolge verbuchen. Die Durchschnittspreise für die Zimmer konnten um über 100 Prozent gesteigert werden, der Umsatz pro Bett erhöhte sich um knapp 150 Prozent. Jeder zweite Gast ist Wiederkehrer. Mit 60 Prozent stammen die meisten Bauernhofurlauber aus Deutschland, 30 Prozent sind Österreicher.

RÜCKBLICK im Jahr 2011 ging der theaLPs award an „rocksresort“ aus Laax im schweizerischen Graubünden: Mit einem für die schweiz neuartigen Verkaufskonzept werden dort „kalte Betten“, also wenig genutzte Zweitwohnsitze, vermieden. Realisiert wurden 160 möblierte Wohnungen aus natürlichen und nachhaltigen Materialien. Das Resort umfasst zudem 75 Hotelzimmer, 14 shops und sechs gastronomische Betriebe. www.rocksresort.com


4 EDiToRiaL

Tirol gewinnt bei Olympia

B

ereits wenige Tage nach dem Ende der olympischen spiele in London dürfen wir aus Tiroler sicht ein positives Fazit ziehen. Denn der auftritt der Regionen innsbruck, Kitzbüheler alpen, ischgl und Zillertal unter dem Dach der Marke Tirol als Partner des Österreichischen olympischen Comité im Rahmen der olympischen sommerspiele von London 2012 war ein voller Erfolg. Bis zu 3.500 zahlende Besucher drängten sich in spitzenzeiten vor dem austria House Tirol im „alpine Garden“ – auch zweistündige Wartezeiten wurden in Kauf genommen. Zudem berichteten Medien und TV-stationen aus aller Welt über den gebündelten standortaufritt Tirols. Und auch die Kontakte, die Tiroler Partner in der britischen Metropole knüpfen und vertiefen konnten, sind enorm viel wert. Denn zu Recht gilt London heute als wichtigster Dreh- und angelpunkt für Reiseveranstalter, um Gäste aus den Überseemärkten nach Europa zu bringen.

Erfolgsformel. nicht alle haben an die Erfolgsformel „sportveranstaltung nr.1 weltweit trifft sportland nr.1 der alpen“ von Beginn an geglaubt. Das positive Resümee der Tirol-Partner im austria House Tirol und das nun plötzlich stark entflammte interesse anderer Bundesländer und Destinationen an einer ähnlichen Partnerschaft rund um die olympischen Winterspiele in sotschi 2014 bestätigen aber den Tiroler Weg. Das austria House Tirol entwickelte sich dank alpiner Gastlichkeit schnell zu einem der beliebtesten nationenhäuser in London. Britische Journalisten wählten das austria House Tirol unter die Top drei der nationenhäuser dieser sommerspiele und eine ganze Reihe internationaler Medienvertreter berichteten regelmäßig über die einzigartige stimmung bei den Tirolern. Zum „Tirol snow Day“ verwandelte sich das austria House Tirol beispielsweise kurzerhand in eine Winterlandschaft. Dicht gedrängt erlebten hunderte Besucher mitten im hochsommerlichen London eine echte Tiroler après-ski-Party. Und wer dabei auf den Geschmack kam, konnte sich im

Foyer direkt bei den einzelnen Destinationen nach den aktuellen Urlaubsangeboten erkundigen. Zudem nutzen auch viele TV-stationen unter anderem aus England, Usa, Frankreich, Russland, australien, Japan und Kanada sowie Wettermoderatoren aus Deutschland und Österreich die Tirol-Events für quotenträchtige Tirol-Berichterstattungen direkt aus dem Herzen Londons. in Kooperation mit der standortagentur Tirol präsentierte sich Tirol auch als innovativer Forschungsplatz. Der Flughafen innsbruck nutzte die Bühne der olympischen sommerspiele wiederum, um sein netzwerk am wichtigsten Europa-Hub zu pflegen, aber auch für Wirtschaftspartner wie Doppelmayr stand der ausbau des internationalen netzwerks im Vordergrund. Einmal mehr zeigte sich in London die internationale Zugkraft der Marke Tirol. in nur wenigen Tagen etablierte sich der „alpine Garden“ vor dem altehrwürdigen Trinity House in absoluter nähe zur Tower Bridge als Toplocation und zu Recht zeigten sich die Besucher von der Tiroler Gastfreundschaft, der perfekten Dienstleistung vor ort und dem alpinen Flair begeistert. Die Emotion der Tiroler Gastgeber kam so in tausendfacher Weise zurück. Und wieder einmal bestätigte sich auch, dass große Veranstaltungen das beste Training für gelungene Kooperationen sind. Perfekt arbeiteten die Partner in London zusammen, die stimmung übertrug sich auf die Besucher und es darf uns gemeinsam freuen, dass das Teamwork am Ende viele Früchte erntete. Es bleibt die Erkenntnis, dass Tirol auch in einem hochkonzentrierten internationalen Wettbewerbsumfeld einen öffentlichkeitswirksamen spitzenplatz belegen kann. Und es liegt auf der Hand, dass wir die große olympische Tradition unseres Landes weiterhin nützen sollten, um bei den kommenden olympischen spielen in sotschi 2014 ganz vorne mit dabei zu sein. Denn ein starker gebündelter standortauftritt Tirols in Kooperation mit starken Regionen und industriepartnern direkt bei den kommenden Winterspielen in Russland ist im wahrsten sinne des Wortes Gold wert. ×

JosEF M aRG REiTER , DiREK ToR TiRoL WERBUnG


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„Das positive Resümee der Tirol-Partner im Austria House Tirol und das nun plötzlich stark entflammte Interesse anderer Bundesländer und Destinationen an einer ähnlichen Partnerschaft rund um die olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 bestätigen den Tiroler Weg.“

„Einmal mehr zeigte sich in London die internationale Zugkraft der Marke Tirol. In nur wenigen Tagen etablierte sich der „Alpine Garden“ vor dem altehrwürdigen Trinity House in absoluter Nähe zur Tower Bridge als Toplocation.“

„Es bleibt die Erkenntnis, dass Tirol auch in einem hochkonzentrierten internationalen Wettbewerbsumfeld einen öffentlichkeitswirksamen Spitzenplatz belegen kann. Und es liegt auf der Hand, dass wir die große olympische Tradition unseres Landes weiterhin nützen sollten.“


7 INHALT SAISON

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14 KOOPERATION IN DEN BERGEN

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„ONLINEMARKETING IST AUFWÄNDIG“

PLATTFORM FÜR DEN ALPENTOURISMUS VOM FREUND ZUM FEIND?

30

LONDON 2012: GOLD FÜR TIROL

40

© XXXX

„TIROL IST FÜR RADFAHRER SEHR SPEZIELL“

KUNST UND DEMOKRATIE

44

THEMA: THE ALPS 8

Plattform für den Alpentourismus Am 13. und 14. September treffen sich Vertreter der Alpenregionen in Innsbruck.

12

Eine Idee überwindet Grenzen 2013 wird die Fachveranstaltung theALPS in Rhône-Alpes stattfinden.

14

Kooperation in den Bergen Vor 40 Jahren wurde die Arge Alp gegründet. Eine europäische Makroregion ist nun der nächste Schritt.

40

„Tirol ist für Radfahrer sehr speziell“ Warum Toursieger Jan Ullrich Trainingslager im Ötztal veranstaltet

42

Wer haftet im Fall des Falles? Single Trails & Funparks als versicherungsrechtliche Herausforderung

30

London 2012: Gold für Tirol Der Auftritt Tirols bei den Olympischen Spielen war ein voller Erfolg.

44

Kunst und Demokratie Neue künstlerische Metamorphosen in den Swarovski Kristallwelten

34

Der Bergwinter bietet mehr Die neue Winterkampagne der Tirol Werbung fasst erstmals alle Urlaubsthemen unter einem Motto zusammen.

46

„Jedes Jahr wie Weihnachten“ Das Haller Literaturfestival Sprachsalz geht heuer in die zehnte Runde.

49

Kommentare

50

Nachgefragt

26

Die ÖHV für die Kleinen Lobbying für die Vermieter hat sich der Verein der Alpinen Gastgeber auf die Fahnen geschrieben.

MAGAZIN

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Berge ohne Grenzen Wo Zusammenarbeit konkreten Nutzen bringt, funktioniert sie schon sehr gut.

20

Vom Freund zum Feind? Die Macht der Buchungsplattformen wird zunehmend mit Sorge betrachtet.

36

Bergbegeistert Reisemarkt Tschechien im Porträt

„Online-Marketing ist aufwändig“ HRS-Sprecherin Anja Klein im Interview

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Urlaub mit Karte Destinationskarten wie die „PillerseeTal Card“ liegen im Trend.

24

IMPRESSUM SAISON – Tourismusmagazin, Nr. 4/2012 (64. Jahrgang)

SAISON-Abohotline: 0512/58 60 20

HERAUSGEBER: Tirol Werbung, Maria-Theresien-Straße 55, 6020 Innsbruck • MEDIENINHABER UND VERLEGER: target group publishing GmbH – Zielgruppen Verlag, Karl-Kapferer-Straße 5, 6020 Innsbruck • CHEFREDAKTEUR: Matthias Krapf • REDAKTION: Mag. Sylvia Ainetter, Steffen Arora, Mag. Sonja Kainz, Rudolf Kanduth, Daniel Naschberger, Esther Pirchner, Ernst Spreng • AUTOREN: Ernst Molden, Alois Schöpf • COVERFOTO: Fotolia • FOTOGRAFEN: Gerhard Berger, Michael Rathmayr • PRODUKTION: NERO WerbeGmbH, www.nerografik.net • LAYOUT: Philipp Frenzel • ANZEIGENVERKAUF: Thomas Pilgram, t.pilgram@zielgruppenverlag.at • ANSCHRIFT VERLAG/PRODUKTION: Karl-Kapferer-Straße 5, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/58 60 20, Fax DW -20, redaktion@zielgruppenverlag.at GESCHÄFTSFÜHRUNG VERLAG: Mag. Andreas Eisendle, Michael Steinlechner • DRUCK: Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten


8 THE ALPS

© THEALPS/BERGER

SAISON

Plattform für den Alpentourismus Am 13. und 14. September treffen sich Vertreter der Alpenregionen in Innsbruck. Die Fachveranstaltung theALPS geht in die zweite Runde. V O N S Y LV I A A I N E T T E R

E

in Handelsraum, ein Symposium und ein Award: Das sind die Zutaten der Fachveranstaltung theALPS, die zum zweiten Mal in Innsbruck stattfindet. Tourismusprofis aus Bayern, Graubünden, Rhône-Alpes, Salzburger Land, Südtirol, Tirol, Trentino, Vorarlberg und Wallis sowie internationale

Vertriebspartner und Medienvertreter treffen sich in der Neuen Messe Innsbruck. Der Zweck: Networking, Weiterbildung, neue Impulse sammeln. Dem etwas holprigen Start vom letzten Jahr folgt nun die optimierte Version. „Wir wurden sowohl von unseren theALPS-Partnern als auch von den teilnehmenden alpinen Touristikern

und internationalen Vertriebspartnern darin bestätigt, den gewählten Weg fortzuschreiben. Aber wir bekamen natürlich auch einige wertvolle Anregungen, die wir in die Planung der zweiten Veranstaltung bereits einfließen lassen konnten“, berichtet Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung.

Gestraff tes Programm.

© TIROL WERBUNG

„Der theALPS Award ist vor allem auch Impulsgeber, er stellt die Speerspitzen unserer alpinen Tourismuswirtschaft ins Rampenlicht.“ JOSEF MARGREITER, GESCHÄFTSFÜHRER DER TIROL WERBUNG

Im vergangenen Jahr dauerte die Veranstaltung noch drei Tage, heuer will man mit zwei auskommen. „Wir haben die Veranstaltung auf vielfachen Wunsch hin zeitlich gestraff t. Wir bieten in diesem Jahr ein kompaktes Eineinhalbtagesprogramm“, erzählt Margreiter. Auch die Teilnahmegebühren wurden moderat gesenkt, Gruppenanmeldungen sind heuer ebenfalls möglich. Alles in allem sei die Veranstaltung mit


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© PRO.MEDIA

Kontaktbörse. Im theALPSHandelsraum treffen alpine Touristiker auf Vertriebspartner aus aller Welt.

PROGRAMM Vertriebspartnern aus mehr als 25 Quellmärkten internationaler geworden. Die Bausteine der Fachveranstaltung bleiben aber die gleichen: Am ersten Tag haben die Teilnehmer im „Handelsraum“ die Möglichkeit, neue Geschäftspartner kennen zu lernen und Geschäfte anzubahnen. An die 100 Vertriebspartner aus aller Welt werden erwartet, darunter auch Spezialveranstalter zu alpinen Themen, die Kontakte zu Touristikern aus den Alpendestinationen knüpfen möchten. Am Abend findet die Verleihung des theALPS Awards statt – er zeichnet herausragende Leistungen im Tourismus aus. Der zweite theALPS-Tag steht dann ganz im Zeichen des fachlichen Austausches von Wirtschaft und Wissenschaft: Vorträge und Podiumsdiskussionen sollen neue Impulse und Anregungen geben.

Nachhaltigkeit im Fokus.

Wie schon im vergangenen Jahr steht auch die diesjährige theALPS-Fachveranstaltung unter einem Themenschwerpunkt: Die Teilnehmer werden sich eingehend mit der „Nachhaltigen Entwicklung im Alpinen Tourismus“ beschäftigen. „Der Tourismus spielt eine große Rolle in der Erhaltung und Weiterentwicklung unseres sensiblen und wertvollen Lebens- und Erholungsraums Alpen. Dieser Verantwortung müssen sich alle Touristiker im Alpenraum gleichermaßen stellen“, erklärt Josef Margreiter die Themenwahl. So wird Trendforscher Peter Wippermann zum Thema „Gesellschaftliche Trends zur Nachhaltigkeit“ referieren, Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach, spricht über „Nachhaltigkeit in globaler Betrachtung des alpinen Rau-

DONNERSTAG, 13. 9. 2012 10.00–18.00 theALPS Handelsraum 19.00–20.00 theALPS Award-Verleihung anschl. kulinarisch-kommunikatives Get-together FREITAG, 14. 9. 2012 09.45–13.00 theALPS Symposium Ort: Neue Messe Innsbruck Weitere Informationen und Anmeldung unter www.the-alps.eu

THEALPS AWARD: DIE TOP 5 1. Explorer Hotels, Bayern 2. Naturhautnah.at, Bregenzerwald 3. Roter Hahn, Dachmarke des Südtiroler Bauernbundes 4. SAMO-Card, Werfenweng/Salzburg 5. Waldklause Naturhotel, Ötztal


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© TRENDBÜRO

DIE VORTRAGENDEN

© PRO.MEDIA

PROF. PETER WIPPERMANN Prof. Peter Wippermann ist Gründer des Trendbüro Beratungsunternehmen für gesellschaftlichen Wandel GmbH, Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste Essen sowie Beiratsmitglied hamburgunddesign, designxport, Nestlé Zukunftsforum sowie Markenartikel Magazin (Markenverband). „Gesellschaftliche Trends zur Nachhaltigkeit“, 14. 9., 10.00 Uhr

„Ich möchte sicherstellen, dass theALPS in regelmäßigen Abständen wieder nach Innsbruck zurückkommt.“ © FRANZ FISCHLER CONSULT

JOSEF MARGREITER, GESCHÄFTSFÜHRER DER TIROL WERBUNG

DR. FRANZ FISCHLER Dr. Franz Fischler war von 1995 bis 2004 Mitglied der Europäischen Kommission und ist seit 2005 Geschäftsführer der Franz Fischler Consult GmbH. „Nachhaltigkeit in globaler Betrachtung des alpinen Raumes“, 14. 9., 10.45 Uhr

DR. ÜMIT CALI Dr. Ümit Cali ist CTO des Beratungsunternehmens KREEN GmbH (Kempinski Renewable Energies). „Nachhaltiges Wirtschaften im internationalen Tourismus“, 14. 9., 11.45 Uhr

PROF. HUBERT SILLER FH-Prof. Mag. Hubert Siller ist Leiter des MCI Tourismus in Innsbruck und Vorsitzender der Expertenjury aus wissenschaftlichen Vertretern und touristischen Fachmedien, die den Preisträger des theALPS Award 2012 ermitteln. „Thesen aus eingereichten Award-Projekten 2012“, 14. 9., 12.30 Uhr

mes“. Dr. Ümit Cali und Prof. Hubert Siller werfen schließlich einen Blick auf die touristische Seite.

Ausgezeichnete Projekte.

Um nachhaltige Konzepte geht es auch beim theALPS Award. Zum Leitthema „Sustainable Development in Alpine Tourism“ gab es 33 Einreichungen aus acht Alpenregionen. „Der theALPS Award ist vor allem auch Impulsgeber, er stellt die Speerspitzen unserer alpinen Tourismuswirtschaft ins Rampenlicht. Er soll natürlich auch eine begehrte Auszeichnung für jene sein, die sich um herausragende Leistungen bemühen“, erklärt Margreiter. Die eingereichten Projekte stammen aus allen Branchen. Hotels, Tourismusverbände, Bergbahnen und andere touristische Einrichtungen haben sich um die Auszeichnung beworben. Eine unabhängige Jury, bestehend aus Wissenschaftlern und touristischen Fach-

leuten, bestimmt den Sieger. Die Top 5 stehen bereits seit Anfang August fest (siehe Kasten), der Sieger wird am 13. September gekürt. Im vergangenen Jahr ging der Award an das rocksresort in Laax (Graubünden).

theALPS geht auf Reisen. theALPS soll die Alpenregionen näher zusammenrücken lassen und die Nutzung von Synergien begünstigen. Um den alpenübergreifenden Charakter zu fördern, wird die Fachveranstaltung „auf Wanderschaft“ gehen. Im kommenden Jahr findet theALPS erstmals nicht in Innsbruck, sondern in der französischen Partnerregion Rhône-Alpes statt (siehe auch Seite 12) . „Das bedeutet einen enormen Innovationsschub. So kann sich die Veranstaltung erfolgreich weiterentwickeln. Ich möchte allerdings sicherstellen, dass theALPS in regelmäßigen Abständen wieder nach Innsbruck zurückkommt“, sagt Margreiter. ×


11 „Das Spezielle ist die Mischung aus Verkaufsplattform und Kongress“

MENÜ FÜR (WISSENS)HUNGRIGE von 17. bis 20. September

theALPS geht in die zweite Runde. Karin Seiler-Lall, Marketingleiterin der Tirol Werbung und Projektleiterin der Fachveranstaltung, im Gespräch.

fafga Tourismuslounge Halle A, Stand 131

S

AISON: Frau Seiler-Lall, welche Idee steckt hinter der Fachveranstaltung theALPS? KARIN SEILERLALL: theALPS ist das Treffen der Touristiker im Alpenraum. Das ganze Angebot der Alpen soll jetzt und auch in Zukunft während diesen Expertentagen konzentriert vorhanden sein. Bei theALPS haben Vertreter aller Alpenregionen die Möglichkeit, Networking zu betreiben und Fachvorträge von namhaften Referenten zu erleben. Gerade im Tourismus ist es essenziell, Geschäftskontakte regelmäßig persönlich zu treffen und zu pflegen.

„Bewertungsplattformen haben wir Angst vor der Meinung uns– erer DI Thomas Thaler, Thale

Gäste?“

r Enterprises Haben wir wirklich Angst vor der Meinu ng unserer Gäste? Tipps und Tricks aus der Praxis für den richtigen Umgang mit Gästen vor, währen d und nach dem Urlaub. Damit sie uns auf Holidaycheck, Tripadvisor und Konsorten nicht verreiß en.

„Regelmäßiges, persönliches Networking im Alpenraum ist essenziell.“

© TIROL WERBUNG

12:00 Uhr

KARIN SEILER-LALL, MARKETINGLEITERIN DER TIROL WERBUNG

Wie war das Feedback nach der ersten theALPS-Fachmesse? Nach der ersten Veranstaltung gab es kritische Stimmen. Wir hatten technische Probleme, die einen reibungslosen Ablauf verhindert haben. Der Großteil der Anbieter kam außerdem aus Tirol. Dieses Jahr ist das anders: Uns war es ein besonderes Anliegen, das Handelsforum als zentrale BusinessPlattform im Alpenraum zu etablieren und sehr gute Reiseveranstalter für die Teilnahme zu gewinnen. Wir setzten uns zum Ziel, vor allem auch Nischenveranstalter dabei zu haben – da dies sehr interessant für die Alpenregionen ist. Rund 100 Reiseveranstalter aus 25 Ländern haben sich bereits angemeldet. Das sind deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Was ist das Herzstück der Veranstaltung – der Handelsraum oder das Symposium? Für eine erfolgreiche Veranstaltung sind alle Bausteine gleich wichtig. Das Spezielle an theALPS ist die Mischung aus Verkaufsplattform und Kongress. Das Konzept ist einzigartig im Alpenraum und wird von den Partner-Regionen gut angenommen. Für manche Regionen sind das Symposium und der Award wichtiger, für andere ist das Handelsforum ein Muss. Wenn man das Konzept in den nächsten Jahren so weiterverfolgt und im Markt etabliert, wird es auch gerade aufgrund dieser Mischung erfolgreich sein. Vielen Dank für das Gespräch.

11:00 Uhr

(Dienstag, Donnerstag)

×

(Montag, Dienstag, Donnerstag)

„Von der Idee zur Innovation“ ein praktischer Wegweiser für touristis che Unternehmen Mag. Robert Ranz i, Standorta

gentur Tirol Ausgehend von aktuellen Entwicklunge n im Tiroler Tourismus werfen wir einen Blick in die Zukunft: demografische, technologisch e und ökologische Entwicklungen stellen uns vor neue Herausforderungen. Der Cluster Wellne ss Tirol, eine Innovationsplattform mit über 100 Betrieben, hat heuer den Wegweiser „Von der Idee zur Innovation“ veröffentlich t, der Ihrem Hotel ein Konzept in die Hand gibt, wie Sie sich zukünftig weiterentwickeln können. Diskutieren Sie mit mir und lassen Sie sich inspirieren!

14:00 Uhr

(Montag, Dienstag, Mittwoch, Donn erstag)

„Mit Strategien gegen den Preiskam pf in Tiroler Gastronomie und Hotellerie“ der Mag. (FH) Helmut List, Kohl & Partner Tourismus

beratung GmbH Der Druck auf den Preis in der Hotel lerie und Gastronomie ist in den letzte n Jahren massiv angestiegen. Einerseits sind unsere Gäste aufgrund von Billigangebo ten immer sensibler und andererseits steigen die Kosten in der Branche überpropor tional . Erfahren Sie mehr die spannenden Ergebnisse der im Auftrag der Tiroler Wirtschaftsk ammer durchgeführten Preisstudien „Hote llerie & Gastronomie“. Außerdem präsen tiert Helmut List zahlreiche konkrete Tipps für mehr Profit in Ihrem Betrieb.

15:00 Uhr

(Montag, Dienstag, Mittwoch, Donn erstag)

„Legionellen – ein gesundheitliches und wirtschaftliches Risiko für jeden Hotelier“ Dipl.-Ing. Christian Fleischer, Wellw

asser GmbH • Kurzinformationen über Legionellen • Aufzeigen der gesundheitlichen, wirtschaftlichen, juristischen und versicherun gstechnischen Risiken im Zusammenh ang mit Legionellen • Lösung aller aufgezählte n Probleme und Risiken durch die Einführung eines einfachen, kostengünstigen Qualit ätssicherungssystems

16:00 Uhr

(Montag, Dienstag, Mittwoch, Donn erstag)

„Energieeffizienz im Tourismus ein entscheidender Wettbewerbsvort– eil“ Mag. Brigi

tte Tassenbacher, Tassenbacher & Hint erseer GmbH DI (FH) Rainer Krißmer, Rainer Krißm er Energy Consultants Verheizen

Sie nicht Ihren Gewinn! Wer energieeffi zient wirtschaftet, spart bares Geld: Energieeffizienz heißt, den gewünschten Nutzen mit möglichst geringem Energ ieeinsatz zu erreichen. Informieren Sie sich über Möglichkeiten im Bereich thermische Sanierung, Energieversorgung, Wärmerückgewinnung und vielem mehr Geld zu sparen! Weiter s erfahr en Sie alles über die attraktiven Fördermögli chkeiten von Bund und Land von Energ ieexperten.


12 THE ALPS SAISON

Die nächtigungsstärkste Tourismusregion der Alpen, RhôneAlpes (im Bild die Hauptstadt Lyon), ergreift die Chance, die in Tirol geborene Fachveranstaltung 2013 als erste theALPS-Partnerregion auszutragen.

Eine Idee überwindet Grenzen Was als zartes Pflänzchen in Tirol begann, erobert den Alpenraum. 2013 wird theALPS erstmals in Frankreich stattfinden. Damit ergreift die nächtigungsstärkste Tourismusregion der Alpen die Chance, die touristische Fachveranstaltung als erste Partnerregion außerhalb Tirols auszutragen. VON RUDOLF K ANDUTH

D

ie Freude stand den Verantwortlichen ins Gesicht geschrieben, als Mitte Juli 2012 in Lyon erstmals das in Tirol geborene theALPS-Konzept vor französischen Medienvertretern präsentiert wurde. Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung und zugleich treibende Kraft hinter der theALPS-Idee, stellte zusammen mit Marc Béchet, dem Direktor der Region Rhône-Alpes, die wichtigsten Grundsätze des Verbunds der alpinen Tourismusregionen und ihres gemeinsamen Engagements zur nachhaltigen Entwicklung und Stärkung des Alpentourismus vor. Die Region Rhône-Alpes wird im kommenden Jahr nämlich erstmals Gastgeber von theALPS sein, das bisher in Innsbruck stattfand. Als

nächtigungsstärkste Region der Alpen bietet sich das ostfranzösische Departement als Gastgeber förmlich an. Es wird eine echte Premiere, denn bislang fand das Messe- und Netzwerkformat theALPS in Innsbruck statt. Am 13. und 14. September stehen in der Neuen Messe Innsbruck ein hochkarätig besetztes Symposium, die Award-Verleihung sowie der Handelsraum am Programm.

Vereinte Kräfte. Mit dem Schritt über die Grenzen Tirols hinaus erklimmt theALPS zugleich die nächste Stufe im Entwicklungsprozess. Der Verbund der alpinen Tourismusregionen wurde als Idee schon vor Jahren in Tirol geboren. Die heimischen Touristiker haben erkannt, dass die

Zukunft des alpinen Tourismus Herausforderungen bereithält, die nur mit vereinten Kräften bewältigt werden können. Die gemeinsame Suche nach Synergien statt Konkurrenzdenken war die Devise. Dieser Umdenkprozess bedurfte allerdings langer Überzeugungsarbeit, bevor im September 2010 der vielbeachtete theALPS-Prolog in Innsbruck über die Bühne ging. Führende Politiker aus dem Alpenraum haben zu diesem Anlass das „Innsbrucker Manifest des Alpenraums zur tourismuspolitischen Zusammenarbeit im Alpentourismus“ unterzeichnet. Dieses Manifest ist zugleich eine Absichtserklärung und ein Bekenntnis zur verstärkten Zusammenarbeit, wie es auch in einer Kernpassage festgehalten ist. Dort heißt es unter anderem: „Wir fertigen dieses Manifest im Bewusstsein unserer gemeinsamen Stärke und im Vertrauen auf eine gelebte Solidarität in Kernfragen, die uns alle berühren und nur gemeinsam erfolgreich beantwortet werden können.“ Mit dem Schritt nach Frankreich wird nun erstmals praktisch umgesetzt, was theoretisch längst beschlossen wurde. „Wir freuen uns sehr, dass RhôneAlpes die Chancen von theALPS erkennt und 2013 die Gastgeberrolle übernehmen wird“, erklärt dazu Josef Margreiter, „für mich beweist das, dass Marc Béchet und


13

und effektiver zu werden.“ Für Zenhäusern ist der alpine Tourismusverbund der einzig richtige Weg für die Zukunft: „Wir wollen und müssen in den Alpen zusammenrücken. Denn unsere maßgebliche Konkurrenz ist nicht in Tirol oder Graubünden, unsere wahre Konkurrenz sind die Stranddestinationen und Fernreiseziele.“ Dass theALPS künftig nicht mehr nur in Tirol auftritt, begrüßt Zenhäusern ebenfalls: „Diese Zirkulation ist für den Event sehr wichtig, damit er nicht mehr nur in Tirol, sondern im gesamten Alpenraum wahrgenommen wird. Wir wünschen uns, auch bald als Gastgeber auftreten zu können.“

theALPSMitinitiator Josef Margreiter mit Marc Béchet, Direktor der Region Rhône-Alpes (r.), die 2013 theALPS als erste Partnerregion austragen wird.

Gründung eines Dachverbandes. Mit der Internationalisierung des alpinen Tourismusverbundes soll auch eine Institutionalisierung der bisher losen Kooperation einhergehen. Die einzelnen theALPS-Partnerregionen Bayern, Graubünden, Rhône-Alpes, Salzburger Land, Südtirol, Tirol, Trentino, Vorarlberg und Wallis wollen ihre Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Verein fortführen, sodass sie auch formal als Einheit auftreten.

AUSZUG AUS DEM theALPS-MANIFEST

„Ich bin überzeugt, dass wir mit vereinten Kräften das touristische Aufkommen im Winter wie im Sommer steigern können.“ MARC BÉCHET, DIREKTOR DER REGION RHÔNE-ALPES

den europäischen Alpenregionen bietet. Ich bin überzeugt, dass wir mit vereinten Kräften das touristische Aufkommen im Winter wie im Sommer steigern können. Diese Partnerschaft verspricht reichen Austausch an Erfahrung, Know-how und Innovation.“

der theALPS-Partner wird künftig nicht nur im Marketing und der gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch in den Bereichen Wissenschaft und Forschung verstärkt. Mittels gemeinsam in Auftrag gegebener Studien wollen die Partner bessere Entscheidungsgrundlagen für die zukünftige Angebotsentwicklung erhalten. Denn ein Thema, das alle Alpenregionen gleichermaßen herausfordern wird, ist etwa der sich abzeichnende Wandel im alpinen Wintertourismus. Aber auch die gemeinsame Positionierung des alpinen Sommerangebots, bei dem die Alpenregionen vor allem mit nicht-alpinen Destinationen in direkter Konkurrenz stehen, bedarf einer akkordierten Herangehensweise, die über den theALPS-Verbund gegeben ist. ×

Daher wird die Gründung des Dachvereins einer der nächsten Schritte innerhalb des Verbundes sein, wie Margreiter erklärt. Den Schritt der Vereinsgründung begrüßt auch Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus: „Diese Institutionalisierung ist wichtig, um professioneller

© TIROL WERBUNG (3)

sein Team sowie alle Tourismusverantwortlichen der Region nicht nur weitsichtig sind, sondern auch über die Grenzen denken und in Innovationen investieren.“ Béchet wiederum verspricht sich mit der Ausrichtung der Fachveranstaltung 2013 einen Innovationsschub für seine Region: „Rhône-Alpes freut sich sehr über die Partnerschaft mit dem theALPS-Netzwerk, da diese eine wertvolle Chance zum Austausch touristischer Erfahrungen mit

Neue Chancen. Die Zusammenarbeit

„Wir fertigen dieses Manifest im Bewusstsein unserer gemeinsamen Stärke und im Vertrauen auf eine gelebte Solidarität in Kernfragen, die uns alle berühren und nur gemeinsam erfolgreich beantwortet werden können. Wir wollen den Alpenraum als wichtigstes Reiseziel Europas erhalten. Ohne unsere jeweiligen Besonderheiten oder den konstruktiven, fairen Wettbewerb untereinander zu relativieren, wollen wir Kooperationen zum gemeinsamen Vorteil pflegen und den Alpenraum als Tourismusdestination insgesamt zukunftsfähig halten. Diese Plattform bietet die Möglichkeit, touristischen Themen, die über regionale bzw. nationale Anliegen hinausgehen, Gewicht und Stimme zu geben, und kann Keimzelle einer zukünftigen Makroregion Alpenraum sein.“


14 THE ALPS SAISON

theALPS bildet die erste touristische Kooperation im Alpenraum. Überregionale Zusammenarbeit an sich ist nichts Neues. Mit der Gründung der Arge Alp vor 40 Jahren wurde die alpine Kooperation auf eine neue Stufe gestellt. Die Initialisierung einer makroregionalen Strategie für die Alpen soll nun den nächsten großen Schritt nach vorne bringen. VON DANIEL NA SCHBERGER

A

ls Günther Platter am 29. Juni 2012 in Bad Ragaz das Wort ergriff, war er hörbar euphorisiert. Das lag einerseits am Inhalt, andererseits aber auch am Grund der Rede, die der Tiroler Landeshauptmann am Ende der Regierungschefkonferenz der Arge Alp in der Schweizer 5.300-Seelen-Gemeinde hielt. An diesem Tag hatte Platter nämlich für Tirol turnusmäßig den Vorsitz in der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer vom Kanton St. Gallen übernommen. Bis Mitte des Jahres 2013 wird man nun diese prominente Position innehaben. Damit schließt sich ein Kreis, denn Tirol führt den Vorsitz nun im 40. Jahr des Bestehens der Arge Alp, die im Oktober 1972 in Mösern aus der Taufe gehoben wurde. Der ehemalige Landeshauptmann Eduard Wallnöfer hatte damals zur Grün-

© NASA/WWW.VISIBLEEARTH.NASA.GOV

Kooperation in den Bergen

dungssitzung dieser zu jener Zeit einzigartigen Institution nach Tirol geladen. Die Arbeitsgemeinschaft war einer der frühen Schritte zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit im Alpenraum und europaweit die erste Form der institutionalisierten, multilateralen und vor allen Dingen regionalen Kooperation. In einer Zeit, als sich die Europäische Gemeinschaft gerade erst zu entfalten begann und Österreich noch über zwei Jahrzehnte von der EU-Mitgliedschaft entfernt war, beschlossen zehn Länder, Provinzen, Regionen und Kantone der Staaten Österreich, Deutschland, Italien und Schweiz, sich dauerhaft mit gemeinsamen Problemen und Anliegen des Alpenraumes – insbesondere auf ökologischem, kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet – zu beschäftigen. Die Arge setzte sich zum Ziel, das gegenseitige Verständnis der Völker im

Alpenraum zu fördern und das Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung für den alpinen Lebensraum zu stärken. „Sowohl unter dem historischen, geografischen, wirtschaftlichen und ökologischen als auch unter dem gesellschaftlichen Gesichtspunkt haben die Wechselbeziehungen zwischen den Alpenländern stets eine wesentliche Rolle gespielt. Die großräumige regionale Zusammenarbeit im Alpenraum hat also eine lange Tradition“, betonte Günther Platter im Zuge seiner Rede in Bad Ragaz und bezeichnete die Gründung der Arge Alp retrospektiv als „Geniestreich“. Immerhin sei diese Initiative von den Außenministern der beteiligten Staaten sehr argwöhnisch verfolgt und beinahe als „Revolution der Provinz“ beurteilt worden. Heute hingegen sei die selbstständige grenzübergreifende Zusammenarbeit der Regionen ohne Einbeziehung der Institu-


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KOOPERATIONEN IM ALPENRAUM: WAS IST WAS? ARGE ALP Die Arbeitsgemeinschaft Alpenländer wurde am 12. Oktober 1972 im kleinen Tiroler Ort Mösern nahe Seefeld ins Leben gerufen. Sie hat sich das Ziel gesetzt, gemeinsame Anliegen und Problemstellungen auf ökologischem, kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet zu behandeln. Das gegenseitige Verständnis der Völker im Alpenraum und das Bewusstsein der kollektiven Verantwortung dem gemeinsamen alpinen Lebensraum gegenüber sollen gestärkt werden. www.argealp.org

CIPRA Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA (Commission Internationale pour la Protection des Alpes) ist eine nichtstaatliche Dachorganisation von über 100 Organisationen aus dem gesamten Alpenraum und wurde bereits 1952 aus der Taufe gehoben. Sie setzt sich seit über einem halben Jahrhundert für eine nachhaltige Entwicklung in den Alpen ein und hat nationale Vertretungen in allen Alpenländern sowie eine regionale Vertretung in Südtirol. www.cipra.org

ALLIANZ IN DEN ALPEN Allianz in den Alpen ist ein 1997 gegründeter Zusammenschluss von Gemeinden und Regionen aus sieben Staaten des Alpenraums. Die Mitglieder haben das Ziel, gemeinsam mit ihren Bürgern den alpinen Lebensraum zukunftsfähig zu entwickeln. Grundlage und Leitfaden für eine nachhaltige Entwicklung ist die Alpenkonvention. www.alpenallianz.org

Neue Strategie im Alpenraum. Das brachte den Tiroler Landeshauptmann auf einen weiteren Punkt und zur Verwendung eines Begriffes, der in der Regionalpolitik der Europäischen Union seit einigen Jahren in aller Munde ist – makroregionale Strategie. Was nach einem weiteren relativ sperrigen Wort aus dem Sprachgebrauch der EU klingen mag, ist im Grunde eine weitere Initiative der Union, die großen, grenzüberschreitenden Gebieten ohne feste politische Grenzen – wie eben den Alpen – bei der Wahrnehmung gemeinsamer Interessen sowie der Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen helfen

„Zentrales Ziel einer europäischen Strategie für den Alpenraum muss es sein, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in dieser prosperierenden Region weiter zu fördern und auszubauen.“ GÜNTHER PLATTER, LANDESHAUPTMANN VON TIROL

soll. Bislang wurden zwei dieser sogenannten Makroregionen definiert: im Jahr 2009 durch die europäische Ostseestrategie und 2010 mit der Strategie der Europäischen Union für die Donauregion. Wenn es nach der Arge Alp geht, soll es eine derartige makroregionale Strategie künftig auch für den Alpenraum geben. „Sie soll die territoriale Zusammenarbeit über das bisherige Maß hinaus stärken

für den Alpenraum muss es sein, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in dieser prosperierenden Region weiter zu fördern und auszubauen.“ Weitere Säulen der Alpenstrategie bilden die Themen Wasser, Energie, Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Klima sowie die Entwicklung von Lösungsansätzen bezüglich der Zunahme des alpenquerenden Verkehrs und der Anbindung der schwer zugänglichen Bergregionen.

© PRO.MEDIA

tionen der Zentralstaaten laut Platter eine Selbstverständlichkeit, die politische und finanzielle Förderung derartiger Maßnahmen durch die EU ein Beleg dafür.

und einen Mehrwert gegenüber einzelnen Maßnahmen der Staaten und Regionen bringen“, so Platter. Schon vor über einem Jahr griffen die Regierungschefs der Arge Alp bei einer Konferenz in Zell am See die aktuelle Entwicklung der Herausbildung von Makroregionen auf und legten den Grundstein für die Schaffung einer makroregionalen Strategie für den Alpenraum. Bei der alpenpolitischen Konferenz, die im November 2011 in Brüssel stattfand, wurde eine Projektgruppe mit der Erarbeitung eines Initiativpapiers beauftragt – ebenjenes Papier wurde schließlich diesen Juni in Bad Ragaz von den Vertretern der ArgeMitglieder unter dem Namen „Die Alpen – Innovation und Wirtschaftskraft in einer intakten Umwelt“ verabschiedet. Mit dem Initiativpapier soll aufgezeigt werden, in welchen Themenfeldern gemeinsame regionale Anstrengungen durch passende Konzepte einen deutlichen Vorteil gegenüber einzelstaatlichen Lösungen bieten könnten. Für Landeshauptmann Platter liegen die Gründe, die für die Schaffung einer alpinen Makroregion sprechen, auf der Hand: „Der Alpenraum mit seinen über 50 Millionen Einwohnern ist ein äußerst wichtiger europäischer Wirtschaftsraum. Zentrales Ziel einer europäischen Strategie


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„Makroregionale Strategie ist nichts Neues“ Vor mehr als 20 Jahren wurde mit der Alpenkonvention ein völkerrechtlicher Vertrag über den umfassenden Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Alpen initiiert, das Ständige Sekretariat befindet sich seitdem in Innsbruck. Im Interview spricht Marco Onida, Generalsekretär der Alpenkonvention, über den Vertrag, nachhaltigen Tourismus und die Makroregion Alpen.

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AISON: Herr Onida, 1991 wurde die Alpenkonvention von acht Alpenstaaten sowie der EU unterzeichnet. Was waren die Beweggründe für die Initialisierung dieses völkerrechtlich bindenden Vertrages? MARCO ONIDA: Die Vertreter der Alpenanrainerstaaten hatten erkannt, dass sie die Probleme der Alpen nicht allein lösen können, sondern nur in Kooperation. Man brauchte einen größeren Rahmen für die Lösung großer Probleme, etwa in den Bereichen Verkehr, Wassermanagement oder auch Tourismus. Die Idee war, verstärkt zusammenzuarbeiten, um die Entwicklungspotenziale der Alpen besser zu nutzen. Das Ziel der Alpenkonvention ist primär, eine Abwanderung der Menschen aus den Alpen zu verhindern. Welche Ziele verfolgt die Alpenkonvention im touristischen Bereich? Ihr Hauptziel ist der Ausgleich zwischen Umweltschutz und wirtschaftlicher Entwicklung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Arbeit der Menschen in den Alpen. Noch vor einhundert Jahren haben sie nur von der Landwirtschaft und vom Bergbau gelebt, heute spielt der Tourismus eine wesentliche Rolle als Erwerbsgrundlage und daher ist nachhaltiger Tourismus ein Ziel der Alpenkonvention. Wie sieht es in puncto nachhaltigem Tourismus in Tirol aus? In Tirol sind unterschiedliche Situationen vorzufinden. Auf der einen Seite gibt es Dörfer und Täler, die schon lange in nachhaltigen Tourismus investieren – nicht nur von einem Umweltstandpunkt aus gesehen, sondern auch weil man dort nicht nur auf Massentourismus setzt. Doch dann gibt es noch die andere Seite: Es ist garantiert nicht nachhaltig, wenn in manchen Orten Menschen aus diversen Ländern nur für einige Wintermonate auf Urlaub oder auch zum Arbeiten kommen und kurze Zeit darauf alle Hotels wieder geschlossen sind. Wir brauchen nachhaltig arbeitende Kommunen, die das ganze Jahr über touristisch etwas bieten können.

Kann man dem Tourismus überhaupt Regeln auferlegen? Ja und nein. Denn Tourismus ist eine wirtschaftliche Aktivität. Im Tourismusprotokoll der Alpenkonvention steht, dass der gesamte Tourismus besser über die Alpen verteilt werden sollte. Es gibt Dörfer, die saisonal aus allen Nähten platzen, in manchen Tälern ist dafür fast nichts los. Aber wie soll man das regeln? Man kann ja keinem Touristen vorschreiben, wohin er im Urlaub zu fahren hat. Man könnte höchstens eine Obergrenze für Hotels und Betten einführen, das wäre gesetzlich möglich. Tourismus ist ein wichtiger Faktor in den Alpen, aber eine politische Kooperation in diesem Bereich zu erreichen, ist mehr als

über genug Energie und verkauft sie sogar. Es ist nicht notwendig, die letzten Wasserressourcen in den Alpen auch noch zu nutzen und neue Kraftwerke zu bauen. Der Verkehr ist eine komplizierte Geschichte: Tirol ist Opfer des Transits, hat sich aber mit seinen Alleingängen nicht sehr gut verkauft. Für das sektorale Fahrverbot wurde Österreich von der EU verurteilt. Tirol hat das durchgezogen, ohne es vorher innerhalb der Alpenkonvention zu diskutieren. Was erwarten Sie sich von einer makroregionalen Strategie für den Alpenraum? Ich muss das Ganze schon hinterfragen, denn so eine Strategie ist nichts Neues – es gibt

„Tourismus ist ein wichtiger Faktor in den Alpen, aber eine Kooperation in diesem Bereich zu erreichen, ist mehr als schwierig.“ MARCO ONIDA, GENERALSEKRETÄR DER ALPENKONVENTION, WWW.ALPCONV.ORG

schwierig. Im gesamten Alpenterritorium herrscht touristischer Konkurrenzkampf, allein jener zwischen Nord- und Südtirol ist unglaublich groß. Das gereicht dem Alpenraum zum Nachteil. Worin sehen Sie bisher – im Bezug auf Tirol – die größten Erfolge der Alpenkonvention, wo besteht noch Aufholbedarf? Ein großer Erfolg sind etwa – nicht nur in Tirol – die Bergsteigerdörfer, eine Vernetzung von Gemeinden, die zusammen ein kulturelles Tourismusangebot und attraktive Erholungsmöglichkeiten anbieten. Aufholbedarf besteht besonders in den Bereichen Verkehr, Energie und Tourismus. Man muss eine Grenze zum Massentourismus setzen, die ständige Erschließung neuer Skigebiete erachte ich als nicht sinnvoll. Tirol verfügt

sie schon seit über 20 Jahren in Form der Alpenkonvention. Der einzige Unterschied ist das Territorium, da sich die Konvention nur auf das Gebirge an sich bezieht, die Makroregion hingegen würde die beteiligten Regionen über ihren Anteil an den Alpen hinaus erfassen. Das ist für mich ein Widerspruch: Mit einer derartigen Strategie will die EU zur Problemlösung in Teilen Europas mit denselben Charakteristika beitragen. Was aber haben Mailand und München, Venedig und Straßburg gemeinsam, außer dass sie große Städte sind? Im direkten Alpenraum sind die Gemeinsamkeiten klarer zu definieren, deshalb ist eine makroregionale Strategie für die Alpen meiner Meinung nach die Alpenkonvention. Vielen Dank für das Gespräch.

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Ein weiterer Meilenstein zur Schaffung einer Makroregion Alpen ist für den 12. Oktober 2012 – also exakt 40 Jahre nach der Gründung der Arge Alp – bei der Konferenz der Alpenstaaten und Alpenregionen in Innsbruck vorgesehen. Dann nämlich soll die politische Initiative der Alpenländer unter der Teilnahme von EURegionalkommissar Johannes Hahn auf die staatliche und die europäische Ebene gehoben werden. Auf Basis des Initiativpapiers sollen die jeweiligen nationalen Regierungen der Arge-Alp-Regionen für das Projekt Makroregion Alpen gewonnen werden, um sich bei den zuständigen EU-Institutionen entsprechend Gehör zu verschaffen.

Tourismus soll profitieren.

Doch nicht nur die Arge Alp allein macht sich für eine Makroregion stark, so setzen etwa auch das Alpenraumprogramm, die französische Region Rhône-Alpes oder die Alpenkonvention Initiativen, um die multilaterale und regionale Zusammenarbeit im Alpenraum weiter voranzutreiben. Für Ulrike Tappeiner vom Institut für Ökologie an der Universität Innsbruck machen diese makroregionalen Vorstöße durchaus Sinn. „In einer globalen Welt ist man darauf angewiesen, über die Landesgrenzen hinaus zu schauen. Eine intensive Kooperation bietet Regionen, die ähnliche Probleme und Chancen aufweisen, mehr Möglichkeiten und sie ist aus ökologischer, wirtschaftlicher und auch aus touristischer Sicht empfehlenswert“, erklärt Tappeiner, die selbst sehr stark in grenzübergreifende, interdisziplinäre Projekte im Alpenraum involviert ist. Als ein Beispiel nennt sie den Klimawandel, der sich im Gebirge stärker als im Flachland niederschlägt. „Um diesem Problem entgegenzusteuern, braucht es eine gemeinsame Strategie. So wie auch bei der Energiepolitik, denn der Alpenraum bietet ideale Möglichkeiten sowohl für die Gewinnung als auch die Speicherung erneuerbarer Energien. Das volle Potenzial kann nur durch überregionale Zusammenarbeit ausgeschöpft werden“, meint Ulrike Tappeiner und bringt außerdem das Thema Tourismus ins Spiel. Eine Tourismusregion Alpen mit gemeinsamer Vermarktungsstrategie der Mitgliedsstaaten erscheint ihr sinnvoll, da dadurch sowohl der touristische Kernmarkt Voralpenraum als auch weiter entfernte Märkte wie etwa der asiatische noch besser angesprochen werden können. „Das kann für Tirol viele positive Effekte nach sich ziehen, besonders im Sommertourismus. Im Zuge einer makroregionalen Strategie könnte es einen Schulterschluss zwischen Berglandwirtschaft und dem Tourismus geben, um die heimischen Kulturlandschaften zu erhalten und touristisch besser zu nutzen“, glaubt Tappeiner. Wie die Regierungschefs der Arge Alp blickt auch sie einem hinsichtlich der neuen strategischen Positionierung des Alpenraums spannenden und vorentscheidenden Herbst entgegen. ×

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2012


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© ZUGSPITZ ARENA

Grenzenlos. Auf der Zugspitze verläuft die Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Drunten im Tal profitieren die Touristiker beider Nationen vom hohen Bekanntheitsgrad des höchsten Berges Deutschlands.

Berge ohne Grenzen Die Alpen sind eine starke europäische Urlaubsmarke. Der Wunsch nach Zusammenarbeit über die Grenzen von Regionen und Ländern hinweg wächst. Wo Zusammenarbeit Nutzen für die einzelne Region bringt, funktioniert der Gedanke „Grenzenlos“ schon sehr gut. VON ERNS T SPRENG

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ass starke eigenständige Marken nicht nur voneinander profitieren können, sondern sich miteinander auf internationalen Märkten erfolgreich präsentieren, beweist seit mehr als 20 Jahren der europäische Zusammenschluss „Best of the alps“. Zwölf der bekanntesten Tourismusregionen aus dem gesamten Alpenraum haben frühzeitig erkannt, dass gerade auf fernen Tourismusmärkten ein gemeinsames Handeln nicht nur sinnvoll ist, sondern jedem Nutzen bringt. Je weiter ein potenzieller Markt von Europa entfernt ist, desto sinnvoller ist es,

Ein Berg, zwei Nationen. Der Wille zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Regionen, Bundesländern und Nationen ist bereits seit vielen Jahren gegeben. Die Alpentouristiker haben erkannt, dass den Gast politische Grenzen nicht interessieren. Geht es dann aber um gemeinsame Budgets – also um das liebe Geld – ist man doch etwas vorsichtiger. Eines der besten Beispiele, dass Berge ohne Grenzen dem Tourismus in zwei Nationen helfen können, ist die Tiroler Zugspitz Arena. Hier profitiert man vom Image des höchsten Berges Deutschlands

„Eine Dachmarke braucht ihr eigenes Budget. Ohne das geht es nicht.“

Ein Berg, zwei Bundesländer. Der

MARTIN EBSTER, GF ST. ANTON AM ARLBERG

dass nicht mit den starken Einzelmarken der Alpen geworben wird, sondern mit der Gesamtheit und Vielfalt des Alpenbogens.

in der internationalen Zusammenarbeit ebenfalls Vorteile sieht. Als besonders erfolgreiches Angebot erweist sich dabei der „Schneeexpress“. Diese grenzüberschreitende Zugverbindung kann der Urlaubsgast auf beiden Seiten der Grenze kostenlos nutzen. Verhandelt und finanziell unterstützt wird das Angebot von den Tourismusregionen gemeinsam. „Seit drei Jahren treten Garmisch-Partenkirchen und die Zugspitz Arena in Form eines Gästemagazins auch gemeinsam gegenüber dem Urlaubsgast auf“, erklärt Katrin Perktold, Geschäftsführerin der Zugspitz Arena. „Der Name des Magazins ‚Grenzenlos‘ ist auch Synonym für das Bestreben, uns über die Grenzen hinweg abzustimmen.“

– der Zugspitze. Und mit dem Tourismusverband Garmisch-Partenkirchen hat das Tiroler Pendant jemanden gefunden, der

Name und die Bekanntheit eines Berges sind es auch, die eine Zusammenarbeit zwischen Vorarlberg und Tirol geprägt haben. Eine gemeinsame „Arlberg-Werbung“ gibt es schon seit langem, heute heißt die Dachorganisation Arlberg Mar-


19 „Profitieren von der Bekanntheit der Zugspitze“ Über die Grenzen hinweg arbeiten GarmischPartenkirchen und die Tiroler Zugspitz Arena eng zusammen. Beide profitieren vom höchsten Berg Deutschlands, so Katrin Perktold, Geschäftsführerin der Zugspitz Arena.

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AISON: Frau Perktold, wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Tourismusregionen über die Landesgrenzen hinweg? KATRIN PERKTOLD: Garmisch-Partenkirchen und die Tiroler Zugspitz Arena sind bereits seit mehreren Jahren miteinander im Gespräch und koordinieren gemeinsam Projekte. Wander- und Bikewege führen grenzüberschreitend in beide Regionen. Die Absprache untereinander ist also keine neue Erfindung. Die Touristiker aus GarmischPartenkirchen und der Tiroler Zugspitz Arena treffen sich regelmäßig, um sich über geplante Projekte auszutauschen. Bei den gemeinsamen Verhandlungen erfährt man auch jeweils einiges über die Vorhaben des anderen – davon profitieren beide Seiten und so ergeben sich auch wieder neue gemeinsame Projekte. Mit dem Magazin „Grenzenlos“ haben wir vor drei Jahren auch einen gemeinsamen Marktauftritt geschaffen. Wie wird die Zusammenarbeit koordiniert? Für die aktuellen Projekte gibt es regelmäßige Verhandlungen und Absprachen. Bei der Top Snow Card koordinieren sich die Liftbetreiber der verschiedenen Skigebiete. Beim Schneeexpress – der kostenlosen Zugverbindung

© SILVY

keting GmbH. 2005 hat man sich hier entschlossen, in die Dachmarke Arlberg zu investieren und eine gemeinsame Corporate Identity zu schaffen. 2007 wurde dann der „Arlberg-Stern“ auf der ITB vorgestellt. Ob Stuben oder Lech auf der Vorarlberger Seite, oder St. Christoph und St. Anton in Tirol – dass all diese Orte am Arlberg beheimatet sind, erkennt man durch Stern und Arlberg-Schriftzug sofort. Dieses System hat sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt und trägt nun Früchte. Vom Image des Arlbergs als Gebiet der Skipioniere und der leidenschaftlichen Wintersportler profitieren heute alle Orte gemeinsam. „Das einheitliche CI hilft uns vor allem dort, wo der Arlberg bekannter ist als die einzelnen Orte“, erklärt Martin Ebster, Geschäftsführer des TVB St. Anton am Arlberg. „Zum Beispiel ist es in den USA wichtig, unter dieser Dachmarke zusammen aufzutreten.“ Die einzelnen Orte sind am Arlberg der Dachmarke untergeordnet, treten in der Bewerbung aber natürlich auch einzeln auf. „Eine Dachmarke braucht ein eigenständiges Budget, ohne das geht es nicht“, meint Ebster. „Dann entscheidet man zusammen, wo es sinnvoll ist, gemeinsam aufzutreten, und wo die Einzelmarken für sich alleine besser aufgestellt sind. Die Mischung führt zum Erfolg.“ So kurios es also klingen mag: Gerade jene Berge, die in vergangenen Zeiten der Grund für manche politische Grenze waren, verbinden im modernen Tourismus ehemalige Konkurrenten und machen sie zu gemeinsamen Strategen für den Urlaub in den Alpen. ×

– sitzen Entscheidungsträger und Touristiker der Regionen und die Deutsche Bahn jährlich zusammen, um das Angebot neu zu verhandeln. Und bei unserem gemeinsamen Magazin triff t man sich regelmäßig zur Redaktionskonferenz und Themenfindung. Welche Vorteile ergeben sich für die österreichische Seite der Zugspitze aus dieser grenzüberschreitenden Zusammenarbeit? Da Garmisch-Partenkirchen einen enormen Bekanntheitsgrad hat und die Zugspitze als höchster Berg Deutschlands in den Köpfen verankert ist, profitieren wir sehr stark von der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Vielen wird erst bewusst, dass die Zugspitze auch von der Tiroler Seite aus ein sehr eindrucksvoller Berg ist und unsere Region sehr viel zu bieten hat. In den letzten Jahren ist vom Image her viel passiert. Die Tiroler Zugspitz Arena konnte sich am Markt als Familien- und Aktivregion etablieren. Da Garmisch-Partenkirchen eine ganz andere Gästestruktur hat und als Kurort und Veranstaltungsregion komplett anders aufgestellt ist, sind wir mehr Partner als Konkurrenten. Vielen Dank für das Gespräch.

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20 THE ALPS SAISON

Vom Freund zum Feind? Das Online-Geschäft ist für die gesamte Urlaubsindustrie zu einem nicht mehr wegzudenkenden Vertriebskanal geworden. Eine Entwicklung, die vor allem die großen Buchungsplattformen selbst freut. Mit ihrer wachsenden Macht am Markt werden auch vermehrt Kritik aus der Branche und der Ruf nach Alternativen laut. VON SONJA K AINZ

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ie Zeiten ändern sich. Das kann manchmal schnell gehen, zuweilen überschlagen sich die Ereignisse allerdings regelrecht. So geschehen bei der Art und Weise, wie Urlaube und Hotels gebucht werden. 2003 hielten sich in der Hotellerie Anfragen per Telefon oder vor Ort und Anfragen per Internet mit 42 Prozent gegenüber 44 Prozent noch knapp die Waage. 2011 sind die Anfragen per Telefon und vor Ort mit 19 Prozent bereits weit abgeschlagen. Das Internet hat mit 77 Prozent alle anderen Kanäle klar hinter sich gelassen. 27 Prozent der Hotelaufenthalte in Österreich, Deutschland und der Schweiz werden laut einer von der

ÖHV in Auftrag gegebenen Befragung mittlerweile online gebucht. „Es hat sich sehr viel getan in den letzten Jahren“, sagt Harald Ultsch, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Tirol. Eine Entwicklung, von der nach Meinung vieler Brancheninsider eine Gruppe besonders profitiert: die großen Buchungsplattformen. „Die Big Player auf dem Online-Reisemarkt diktieren die Konditionen“, moniert etwa Thomas Reisenzahn, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliersvereinigung. Die Großen heißen in Europa vor allem Booking. com und HRS, zu der seit 2009 auch das ehemals mehrheitlich im Eigentum des

Landes Tirol stehende Unternehmen Tiscover gehört. International ist es Expedia. com. Besonders seit Anfang dieses Jahres wächst der Unmut über die Buchungsplattformen. Denn: „Die Kosten steigen, gleichzeitig sinken die Preise“, sagt Ultsch und spricht von einer „fatalen Situation“. Das Thema Preis gewinne gewaltig an Stellenwert, denn niemand will schließlich der Dumme sein.

Ein Idiot, der 169 Euro bezahlt. Ein Werbespot der Reisesuchmaschine Checkfelix.com thematisiert diesen Mentalitätswechsel gekonnt. „Herzlich willkommen an Bord. Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass dieser Mann 39


21 „Nach oben hin gibt es keine Grenze“ Die Kinderhotels Europa haben sich mit ihren 53 Mitgliedsbetrieben geschlossen von allen großen Buchungsplattformen zurückgezogen. Geschäftsführer Gerhard Stroitz erklärt im Interview, warum man dieses Risiko eingegangen ist und warum die Decke bei den Provisionen seiner Meinung nach noch nicht erreicht ist.

© KINDERHOTELS

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„Schon bei unserer Gründung vor 23 Jahren haben wir bewusst gesagt, wir verzichten auf Reiseveranstalter und Reisebüros, sparen uns die Provisionen und investieren lieber in den Aufbau einer begehrten Marke.“

KINDERHOTELS EUROPA Der Kooperationsgruppe der „Kinderhotels“ gehören derzeit 53 Hotelbetriebe in Österreich, Deutschland und Italien an. Die Anfänge der Vermarktungsgruppe liegen in Kärnten. Zur Gruppe zählten zwischenzeitlich knapp 100 Mitgliedsbetriebe, inzwischen ist die Anzahl wieder geschrumpft, da die Qualitätskriterien im Laufe der Zeit immer strenger wurden.

AISON: Herr Stroitz, was war ausschlaggebend für die Entscheidung, den großen Buchungsplattformen den Rücken zu kehren? GERHARD STROITZ: Schon bei unserer Gründung vor 23 Jahren haben wir bewusst gesagt, wir verzichten auf Reiseveranstalter und Reisebüros, sparen uns die Provisionen und investieren lieber in den Aufbau einer begehrten Marke. Die großen Buchungsplattformen versuchen vermehrt auch den einen oder anderen Betrieb aus der Ferienhotellerie dazu zu bekommen, weil es für sie ein lukratives Geschäft ist. Wir haben strikt gesagt, wir wollen das nicht. Nur dann hat man eventuell zu einem späteren Zeitpunkt auch eine Verhandlungsbasis. Was ist das Problem bei den Buchungsplattformen, abgesehen von den steigenden Provisionen? In unserem Geschäft, den Kinderhotels, braucht der Kunde sehr viel Information. Die bekommt er zwar zum Teil auf den Homepages der großen Plattformen, aber einer Mutter, die mit kleinen Kindern oder Babys verreist, genügt das meist nicht. Sie informiert sich genau in den jeweiligen Hotels im Verkauf oder an der Rezeption. Es könnte also passieren, dass wir die Arbeit haben, die Buchung dann aber über Tiscover oder booking.com erfolgt, weil der Gast da noch das eine oder andere Goodie dazu bekommt. Deshalb haben Sie eine eigene Buchungsplattform aufgebaut? Die Kunden können direkt bei uns buchen, wir schließen aber die Regionsplattformen wie beispielsweise Villach–Faaker See oder die jeweiligen Länderplattformen nicht aus. Die Bedingung ist, dass sie entweder kostenfrei sind oder die Kosten vier Prozent nicht übersteigen. Grundsätzlich verweisen wir aber in unserem Marketingkonzept auf unsere Homepage und unser Buchungstool. Wie wichtig waren denn die großen Buchungsplattformen überhaupt für das Gästeaufkommen der Kinderhotels? Gar nicht wichtig. Mehr als 50 Prozent der Kinderhotels haben 365 Tage im Jahr

geöffnet. Natürlich versuchten manche Betriebe in Zeiten schwacher Nachfrage ihre Zimmer auf den Plattformen zu verkaufen. Dort läuft allerdings sehr viel über den Preis, der Preisdruck ist enorm groß, Rabatte von 50 Prozent sind keine Seltenheit. Wir haben dem deshalb einen Riegel vorgeschoben. Was ist die Voraussetzung dafür, dass man es wagen kann, sich von so wichtigen Vertriebskanälen wie den Buchungsplattformen zu verabschieden? Einen vernünftigen Übernachtungspreis, eine gute Auslastung und eine Topvermarktung. Das können sich sicher nicht viele leisten. Es ist weder Tennis in Österreich eine Marke noch Golf. Ohne entsprechendes Budget kann ich keinen Markenaufbau machen und ohne eine Marke kann ich keine ausreichende Belegung erzielen. Wie hoch ist das Marketingbudget der Kinderhotels? Die Mitgliedsbetriebe investieren rund fünf Prozent ihres Nettoumsatzes ins Marketing der Kinderhotels Europa. Das Marketingbudget der Kinderhotels beträgt derzeit rund fünf Millionen Euro und ist damit viel höher als bei vielen anderen Kooperationen. In den letzten 20 Jahren ist viel Veranstalter- und Reisebürogeld bei den Kinderhotels geblieben, um dieses Produkt, was den Familienurlaub betriff t, zu einem der besten in Europa zu machen. Ist die Decke hinsichtlich der Provisionen bei den Buchungsplattformen Ihrer Meinung nach schon erreicht? Ich glaube, es gibt nach oben hin kaum eine Grenze, auch mehr als 30 Prozent sind möglich, wenn die Macht in einer Hand ist. Wenn ich mir anschaue, was manche Plattformen teilweise Kollegen für ein All-inclusiveAngebot pro Tag anbieten – da sprechen wir von 30 Euro. Die Plattformen verfügen natürlich über ein großes Budget, kassieren von den Hoteliers 15 Prozent. Diese finanziellen Mittel nutzen sie dazu, um auf dem Markt noch stärker zu werden, und das machen sie im Moment auch. Vielen Dank für das Gespräch.

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22 „Nur auf einen Partner setzen, ist nicht mehr denkbar“ Urlaub auf dem Bauernhof hat beim Online-Vertrieb lange vor allem auf die Zusammenarbeit mit der Buchungsplattform Tiscover gesetzt. Mittlerweile kann man Urlaub auf dem Bauernhof auch auf der eigenen Plattform buchen. Im Interview erzählt Geschäftsführer Hans Embacher, wie der Aufbau einer eigenen Plattform gelingen kann.

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© URLAUB AM BAUERNHOF

AISON: Herr Embacher, Urlaub am Bauernhof war lange Zeit der größte Anbieter auf der Buchungsplattform Tiscover, seit 2011 gibt es eine eigene Plattform. Warum? HANS EMBACHER: Tiscover ist weiterhin die wichtigste Buchungsplattform für die Mitgliedsbetriebe. Sie ist mittlerweile allerdings eine von vielen Anbietern für Onlinebuchungen auf dem Markt. Wir müssen unseren Betrieben viele verschiedene Kanäle bieten, um ihre Zimmer zu

sagen, nein, ich möchte lieber eine andere oder ich möchte mit gar keiner Plattform zusammenarbeiten. Ich hoffe aber für unsere Mitglieder – und dafür arbeiten wir auch –, dass diese Plattformen nicht existentiell wichtig werden. Die Österreichische Hoteliersvereinigung (ÖHV) bringt als mögliche Alternative gegen die Marktmacht der Plattformen eine nationale Lösung ins Spiel. Was halten Sie vom Aufbau einer eigenen Buchungs-

„Die Herausforderung ist, immer wieder neue Gäste zu erreichen, und ich glaube nicht, dass das generell ohne die großen Plattformen möglich sein wird.“ verkaufen. Es ist heute nicht mehr denkbar, nur auf einen Partner zu setzen. Spielte die Übernahme von Tiscover durch HRS 2009 ebenfalls eine Rolle? Vor der Übernahme von Tiscover durch HRS hatten unsere Mitgliedsbetriebe auch viele Zugriffe, auch wenn sie nicht direkt online buchbar waren. Das ist mit der Übernahme weggefallen. Von unseren 2.660 Mitgliedern sind aber lediglich 500 tatsächlich online buchbar, deshalb waren wir gezwungen, eine eigene Lösung zu finden. Aber es geht in der derzeitigen Marktsituation auch um Unabhängigkeit. Wie sehen Sie die Rolle der Buchungsplattformen in der Urlaubsindustrie? Sie haben ihre Berechtigung. Ich mache mir aber immer ein wenig Sorgen, wenn es monopolistisch wird. Unseren Job bei Urlaub auf dem Bauernhof sehe ich deshalb darin, unseren Betrieben möglichst viele Alternativen offen zu halten. Wenn sich ein Betrieb entscheidet, x Prozent Provision zu zahlen, kann er das tun. Das ist sein gutes Recht. Er kann aber auch

plattform? Nach meiner Einschätzung ist dieser Zug abgefahren. Ich glaube, es hätte eine Möglichkeit gegeben, aber damals hat man das nicht erkannt. Ein großer Teil der Bundesländer war Partner von Tiscover. Dieses Band ist mit der Übernahme durch HRS weggefallen. Grundsätzlich finde ich die Initiative der ÖHV aber gut. Ich halte es auch für ganz wichtig, den Markt offen zu halten. War es ein Fehler, Tiscover zu verkaufen? Ich glaube, es gibt zwei Sichtweisen. Aus Sicht des Landes Tirol war es vermutlich sinnvoll und wirtschaftlich begründet, aus österreichischer Sicht war es sicher Schade, dass Tiscover verkauft wurde.

HRS hat eben kein öffentliches Interesse, sondern ist eine ganz normale Firma, die ihr Geschäft machen will. Was braucht es, damit eine eigene Plattform wie die von Urlaub auf dem Bauernhof überhaupt Sinn macht? Grundsätzlich liegt Urlaub am Bauernhof im Trend, wir haben Rückenwind vom Markt, das hilft uns. Nach innen braucht es ein effektives Channelmanagement. Es braucht also die modernste Technologie im Hintergrund und gleichzeitig die persönliche Betreuung der Vermieterin. Was bedeutet das? Wir bieten den Betrieben ganz unterschiedliche Plattformen an, zwischen denen sie wählen können. Wir arbeiten mit einem Partnerunternehmen zusammen, das die Schnittstelle zu den unterschiedlichen Plattformen bildet. Der Betrieb kann dann selbst entscheiden, wo er dabei sein möchte. Die einzelnen Zimmerangebote müssen nur einmal eingegeben werden. Sobald die Zimmer weg sind, sind sie automatisch auch auf keiner anderen Plattform mehr verfügbar. Doppelbuchungen werden also durch das System vermieden. Wie wichtig sind die großen Plattformen generell für Urlaub am Bauernhof? Unsere Betriebe haben im Schnitt 50 Prozent Stammgäste. Die Herausforderung ist, immer wieder neue Gäste zu erreichen, und ich glaube nicht, dass das generell ohne die großen Plattformen möglich sein wird. Meiner Meinung nach werden sie aber auch in Zukunft nicht Hauptgeschäftsbringer für den Großteil unserer Mitgliedsbetriebe werden. Vielen Dank für das Gespräch.

URLAUB AM BAUERNHOF Österreichweit gibt es 2.660 landwirtschaftliche Betriebe, die sich unter der Dachmarke Urlaub am Bauernhof (UaB) ein zweites, touristisches Standbein aufgebaut haben. Der Verein wurde vor 21 Jahren gegründet und konnte für die Mitgliedsbetriebe schöne Erfolge verbuchen. Die Durchschnittspreise für die Zimmer konnten um über 100 Prozent gesteigert werden, der Umsatz pro Bett erhöhte sich um knapp 150 Prozent. Jeder zweite Gast ist Wiederkehrer. Mit 60 Prozent stammen die meisten Bauernhofurlauber aus Deutschland, 30 Prozent sind Österreicher.

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BUCHUNGSPLATTFORMEN INTERNATIONAL – DIE GROSSEN FÜNF • Priceline Inc. mit den Plattformen Priceline.com, Booking.com, Agoda.com • Expedia mit Expedia.com, Venere.com und Hotels.com • Sabre-Group mit Travelocity.com und Lastminute.com • Orbitz mit Orbitz.com, Ebookers.com, Hotelclub.com, Ratestog.com und Asia-Hotels.com • HRS mit Hrs.de, Tiscover.com und Hotel.de

DIE WICHTIGSTEN VERTRIEBSKANÄLE in Deutschland, Österreich und der Schweiz Telefon E-Mail Online-Buchungsportal Formular auf Hotel-Website Walk-ins

24,1 % 19,7 % 18,9 % 8,4 % 5,7 %

Echtzeitbuchungen auf der Hotel-Website

5,5 %

Reiseveranstalter/Reisebüros

4,9 %

Brief/Fax

4,3 %

QUELLE: ÖHV 2012

„Heute ist es schick, möglichst viel für das Budget zu bekommen, das man zur Verfügung hat, früher war es schick, viel Geld auszugeben.“ HARALD ULTSCH, SPARTENOBMANN TOURISMUS IN DER WK TIROL

Big Playern werden befürchtet und damit einhergehend wiederum steigende Marktmacht.

Große Spannbreite. Die Konditionen der Online-Portale sind sehr unterschiedlich, die Provisionen reichen derzeit von 12 bis 25 Prozent vom Buchungswert. Die Preiserhöhung von HRS, dem Branchenprimus am Deutschen Markt, hat für viele das Fass zum Überlaufen gebracht. Dabei liegen die Kommissionssätze von HRS mit 15 Prozent noch eher am unteren Ende der Skala. „Es ist nicht einsichtig, warum die Preise steigen“, kritisiert auch Ultsch. In der Summe des Mehrverkehrs müssten sie eigentlich sinken, so der Spartenobmann. Das Beratungsunternehmen Toedt, Dr. Sell und Coll errechnete im Auftrag der ÖHV eine Erhöhung der Online-Vertriebskosten der Hoteliers von 2008 bis 2013 um 290 Prozent. Die Marketingausgaben der Hotels seien seit 2000 um 18 Prozent stärker gestiegen als die Inflation. Für Reisenzahn von der ÖHV sind die Kommissionen, die die Buchungsplattformen verlangen, nicht das größte Problem. Es sind vielmehr die zusätzlichen Auflagen, die einzelne Plattformen gegenüber den Mitgliedsbetrieben durchsetzen, was er heftig kritisiert. Dazu zählt die Bestpreisgarantie der Buchungsplattformen (siehe dazu Interview auf Seite 24). Die Hoteliers verpflichten sich, nirgendwo einen günstigeren Preis anzubieten. HRS hat mit 1. März die Allgemeinen Geschäftsbedingungen dahingehend geändert, dass ein Betrieb auf keinem anderen Vertriebskanal dasselbe Zimmer zu einem günstigeren Preis anbieten darf. Damit werde den Betrieben sehr viel Handlungsspielraum bei der Preisgestaltung aus der Hand genommen, meint Reisenzahn. Wenn man diese Bestimmung allerdings umgehe,

© ULTSCH/WK TIROL

Euro bezahlt hat und dieser Mann hier ein Idiot ist, denn er hat 169 Euro für seinen Flug bezahlt“, hört man eine angenehme Frauenstimme aus dem Off sagen, während die adrette Flugbegleiterin im Bild dem Fluggast zur ihrer Linken mit einer unmissverständlichen Geste signalisiert, dass er einen Vogel hat. Die wenig subtile Botschaft: Wer für die gleiche Leistung einen höheren Preis bezahlt, ist selbst Schuld und nicht ausreichend in der Lage, mit den Anforderungen und Möglichkeiten der modernen Welt Schritt zu halten. „Heute ist es schick, möglichst viel für das Budget zu bekommen, das man zur Verfügung hat, früher war es schick, viel Geld auszugeben“, meint Ultsch. Die Buchungsplattformen profitieren von dieser Entwicklung und fahren satte Gewinne ein. Ihre Preispolitik stößt allerdings mittlerweile zunehmend auf Widerstand. Und: Weitere Konzentrationstendenzen bei den

müsse man damit rechnen, dass man bei Suchanfragen schlechter gereiht werde.

Der Ton verschärft sich. Das partnerschaftliche Verhältnis zwischen Hoteliers und Buchungsplattformen, das es noch bis vor ein zwei, drei Jahren gegeben habe, löse sich immer mehr auf. Reisenzahn ortet die Ursache für die schärfere Gangart in der Konkurrenz der Plattformen untereinander. „Der Wettbewerb unter den Plattformen wird auf dem Rücken der Hoteliers ausgetragen.“ Reisenzahn wünscht sich mehr Unabhängigkeit von den großen Onlineportalen und eine nationale Vertriebslösung. Ultsch wiederum sieht vor allem die lokalen Tourismusverbände gefordert. „Da mangelt es sicher noch größtenteils an Verkaufskompetenz“, sagt der Spartenobmann. Es müsse versucht werden, die Reisenden über die Seiten der großen Verbände zu den jeweiligen Betrieben zu bringen. „Der Verband kann dann von mir acht bis zehn Prozent verlangen, das ist überschaubar, und den Betrieben bleibt die Wertschöpfung.“ Dafür müssten allerdings Anreize geschaffen werden, meint Ultsch, wie etwa den besten Preis auf diesen Kanälen anzubieten oder einen Bonus für Direktbucher. Thomas Reisenzahn sieht auch noch Potenzial beim Verkauf über die eigene Website. In der Hotellerie in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt der Anteil der Echtzeitbuchungen auf den eigenen Hotelwebsites derzeit bei etwa 5,5 Prozent und das, obwohl die meisten der größeren Hotels online buchbar sind. Sich verstärkt um alternative Verkaufsstrategien zu bemühen, ohne auf die Zusammenarbeit mit den großen Buchungsplattformen gänzlich zu verzichten, ist, so das Urteil der beiden Touristiker, das Gebot der Stunde. ×


24 the alps saison

„Online-Marketing ist kostenintensiv und aufwändig“  

Hotel-Buchungsplattformen stehen in der Kritik der Hoteliers. Anja Klein, Sprecherin von Hotel ­Reservation Service (HRS), nimmt zu den Vorwürfen Stellung.   D a s I n t e r v i e w f ü h r t e S y lv i a Ai n e t t e r .

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AISON: Frau Klein, die Hoteliers beklagen eklatante Preissteigerungen der Hotelbuchungsplattformen. Wie erklären Sie diese Verteuerung? Anja Klein: Durch die fortschreitende Digitalisierung hat sich der Hotelvertrieb grundlegend gewandelt: Die Vertriebslandschaft wird immer fragmentierter, die Komplexität der OnlineDistribution nimmt stark zu. HRS investiert sehr viel in unterschiedliche Vertriebskanäle, um immer innovative Lösungen für die Hotelpartner anzubieten. Das umfasst beispielsweise auch Suchmaschinenmarketing, mobile Applikationen und SocialMedia-Plattformen. Vor allem im Bereich der mobilen Applikationen sind wir sehr aktiv, denn das ist eine Vertriebsform, die immer wichtiger wird. Außerdem haben wir 6.000 Vertriebspartner wie Reisegesellschaften, Fluglinien etc.   Halten Sie es für fair, die Investitionskosten an die Betriebe weiterzugeben? Wir tragen natürlich auch selbst die Investitionen mit. Aber in erster Linie möchten wir mit unserer Buchungsplattform Geld verdienen. Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir eine Preiserhöhung brauchen, um weiterhin rentabel wirtschaften zu können.   Lohnen sich denn die Kosten für die Hoteliers? Die Nutzung von HRS ist für die Hoteliers kostenlos – sie können dort

ihr Hotel vorstellen, Angebote und Bilder einstellen. Bezahlen müssen sie nur, wenn eine Buchung stattgefunden hat. Immer wieder wird vergessen, dass Buchungsplattformen keine Suchmaschinen sind. Wer nicht auf solch einem Portal vertreten ist, muss stattdessen Anzeigen bei Google schalten. Ein Nebeneffekt bei der Nutzung von Buchungsportalen ist für den Hotelier der Billboard-Effekt. Eine Studie hat gezeigt, dass 75 Prozent der Bucher auf hoteleigenen Webseiten ihre Suche auf einem Portal begonnen haben.   Manche Hoteliers denken daran, den Vertrieb selbst zu übernehmen. Es wird immer so dargestellt, als wäre der Eigenvertrieb zum Nulltarif zu haben. OnlineMarketing ist sehr kostenintensiv und aufwändig. Die Erstellung einer eigenen Webseite ist nicht gratis – auch die Buchungstechnologie, die dahintersteckt, ist teuer. Und was nützt mir die schönste Webseite, wenn mich keiner findet? Wir nehmen den Hoteliers sehr viel Arbeit ab. Letztendlich geht es aber für jeden darum, den richtigen Mix aus Eigen- und Fremdvertrieb zu finden.   Wo stehen Sie derzeit in der Causa Bestpreis-Klausel? Das Verfahren mit dem Bundeskartellamt läuft noch, da gibt es nichts Neues. Generell besagt die Bestpreis-Klausel, dass wir den gleich

günstigen Preis bekommen wie auf der hoteleigenen Homepage. Wir verlangen keinen günstigeren Preis, wie oft fälschlich angenommen wird. Diese Preistransparenz ist durchaus im Sinne des Gastes. Gäbe es auf der Hotel-Homepage billigere Preise als auf den Buchungsportalen, würden Kunden die Plattformen nur als Suchmaschinen benutzen. Das wäre alles andere als fair uns gegenüber. Schließlich übernehmen wir das Marketing und den Vertrieb für das Hotel – und das weltweit. Wir haben ein Callcenter, das 24 Stunden besetzt ist, wir haben eine Internetseite, die regelmäßig gewartet werden muss, und mobile Applikationen. Wir investieren viel in internationales Wachstum, machen weltweit Werbung – für alle Hotels, die mit uns zusammenarbeiten. Das ist sehr aufwändig und kostenintensiv und darf nicht unterschätzt werden.   Es gab im Frühjahr, nach der letzten Preiserhöhung, Boykott-Aufrufe. War das für HRS spürbar? Das war für uns kaum spürbar und wir haben keine Hotels verloren. Das wurde in den Medien sehr aufgebauscht. Natürlich haben wir auch mit einigen Hotels das direkte Gespräch gesucht. Eine große Kündigungswelle konnten wir jedoch nicht beobachten. In der Zeit, in der 20 Hotels gekündigt haben, hatten wir 30 Neuanmeldungen. Insgesamt sehen wir keine großen Abgänge.    Von den Hoteliers kommt weiterhin die Kritik, die Kommunikation mit Ihnen sei sehr schwierig. Inwiefern möchten Sie diese Situation verbessern? Bezüglich der Kommunikation mit den Hotels müssen wir auf jeden Fall noch etwas lernen. Es ist uns offensichtlich nicht gelungen, den Hoteliers zu vermitteln, was wir für sie leisten. Wir nehmen ihnen viel Arbeit ab. Das zu vermitteln, ist eine unserer Aufgaben. Wir sind derzeit auch dabei, unser Team aufzustocken, um zusätzliche Kommunikationsmaßnahmen durchzusetzen.   Vielen Dank für das Gespräch. ×


25 „Auch wir wollen fair behandelt werden“ Auch die Buchungsplattform Expedia wird von vielen heimischen Hoteliers kritisch gesehen. Dort versteht man die Aufregung nicht.

B

ei expedia sind die Preise seit jahren stabil. Für manche Businessmodelle sind unsere Preise sogar gesunken“, erklärt Wolfgang Pagl, Director of Market Management bei expedia inc. angesprochen auf die BestpreisKlausel findet Pagl deutliche Worte: „Fallen lassen werden wir die Klausel nicht, denn auch wir als online-Reisebüro wollen fair behandelt werden. Wir investieren viel in Marketingmaßnahmen, von denen unsere Partnerhotels direkt profitieren, und müssen uns deshalb darauf verlassen können, dass die Hotelpreise für

unsere Kunden wettbewerbsfähig sind.“ Den Vorwurf, unfaire Preispolitik zu betreiben, lässt sich expedia nicht gefallen. „es steht dem Hotelier frei, ob er eine Partnerschaft mit expedia eingehen möchte oder nicht. es gibt verschiedene Businessmodelle. innerhalb eines Modells herrschen für alle Betriebe identische Konditionen.“ Für die Zukunft verspricht Pagl stabile Preise für die Hotelpartner und hohes engagement, um den expediaPartnerhotels zu einer höheren auslastung zu verhelfen. ×

BUCHUNGEN ÜBER ONLINE-PORTALE (bezogen auf ganz Österreich)  

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www.booking.com

57%

2

www.hrs.com

11%

3

www.tiscover.com

5%

4

www.bergfex.at

5%

5

www.expedia.com

4%

6

www.hotel.de

2%

7

www.hotels.com

1%

8

sonstige

15%

 

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26 THE ALPS SAISON

Die ÖHV für die Kleinen Lobbying für die familiär geführten Vermieter hat sich der Verein der Alpinen Gastgeber auf die Fahnen geschrieben. Weil sich auch der Urlauber im Pensionszimmer oder Ferienapartment Professionalität erwartet, wurde vor fünf Jahren die Vermieterakademie gegründet. VON SONJA K AINZ

Gesundes Wachstum. Angefangen hat das Ehepaar Reiter mit sechs Familien, mittlerweile beherbergt die Pension Elisabeth 110 allein im Sommer.

und Marketing. „Unser Ansatz war, dass wir zuerst die Betriebe schulen“, so Hainzer. Eine „Vermieterakademie“ wurde ins Leben gerufen, um zentralen Fragen auf

„Langfristig werden diejenigen Erfolg haben, die das Ganze professionell angehen.“ BRIGITTE HAINZER, GESCHÄFTSSTELLENLEITERIN DER ALPINEN GASTGEBER

den Grund zu gehen, wie: Wie kann ich die Nebensaison beleben, wie kann ich mein eigenes Profil schärfen, wie gehe ich mit der veränderten Marktsituation und neuen Vertriebskanälen wie Onlinebuchungsplattformen um?

Erfolg durch Schulung. Für Werner Reiter waren die ersten Seminare an der Vermieterakademie eine echte Offenbarung. „Bis zu meinem ersten Seminar habe ich gedacht, ich kann telefonieren, dort hab ich gemerkt, dass ich es nicht kann“, schmunzelt der Besitzer der Pension Elisabeth in Fieberbrunn. Er habe sehr viel von den Vortragenden gelernt und traue sich jetzt, dem Gast „vernünftig“ gegen-

© MICHAEL RATHMAYR (4)

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otgesagte leben länger – das gilt wohl auch für die kleinen, familiär geführten Zimmervermieter. „Es ist lange gesagt worden, dieses Segment sei tot“, erzählt Brigitte Hainzer, Geschäftsstellenleiterin der Alpinen Gastgeber. Nun hat sich der Wind gedreht, vor allem Apartments und Ferienwohnungen sind wieder gefragt. Das Angebot der Alpinen Gastgeber profitiert derzeit vom verstärkten Bedürfnis nach Entschleunigung und der Sehnsucht nach dem Einfachen und Authentischen, glaubt die Touristikerin. Der 2006 gegründete Verein hat sich der Lobbyingarbeit für die kleinstrukturierten privaten und gewerblichen Zimmervermieter verschrieben. Eine Art ÖHV für die kleinen Unternehmen wolle man sein, erklärt Hainzer. Dabei ging es, im Gegensatz zu anderen Kooperationen, nicht primär um Verkauf


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überzutreten, auf Augenhöhe, erzählt Reiter, der seit einem Jahr stellvertretender Obmann des Vereins ist. Auch der Umgang mit Anfragen will gelernt sein, meint er. „Wenn eine Anfrage kommt, muss das Angebot sofort kommen, am besten innerhalb der nächsten zwei, drei Stunden.“ Je schneller der Gast eine Antwort erhält, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass er gleich bucht. Reiter hat in den 1990er-Jahren klein angefangen. Sechs Familien kamen in den ersten Jahren, mittlerweile sind es allein im Sommer 110. Reiter ist Gastwirt mit Leib und Seele. Der Computer läuft den ganzen Tag, wenn eine E-Mail rein kommt, wird sie so schnell wie möglich beantwortet. Die eigene Homepage pflegt er liebevoll, dabei ist ihm aber wichtig, nicht zu dick aufzutragen. Bloß kein durchgestylter Internetauftritt mit gephotoshopten Bildern.

Professionalität bringt Erfolg. „Die Fotos auf der Homepage stammen von Gästen oder von meinem Sohn. Man findet nur das, was auch wirklich da ist“, sagt Reiter. Dafür ist dann auch keiner

en wegen Kleinigkeiten sucht man hier vergeblich. Außerdem findet man das Gästehaus Elisabeth auch auf Facebook. Für Reiter ist das schönste Kompliment nicht, wenn ein Gast wieder kommt, sondern dann, wenn er einen Freund zu ihm schickt. „Das bedeutet für mich Erfolg“, sagt der Pensionsbesitzer. „Langfristig werden diejenigen Erfolg haben, die das Ganze professionell angehen“, glaubt Hainzer. Der Gast wolle im Urlaub nicht schlechter leben als zu Hause, die Qualität muss absolut passen.

derbefragung ergab, dass rund 25 Prozent durch Spezialisierung mehrsaisonale Angebote erstellen konnten, sagt Hainzer. Auch was die Auslastung angehe, können die Mitglieder laut einer Befragung profitieren. 44 Prozent der Mitgliedsbetriebe gaben eine Auslastung von 41 und 60 Prozent an, 38 Prozent liegen sogar zwischen 61 und 80 Prozent und somit jeweils um 20 Prozent höher als der Durchschnitt der vergleichbaren Betriebe. ×

Eigenes Profil schärfen. Professionalität wird von einem kleinen Betrieb ebenso erwartet wie von einem großen Hotel. Außerdem sei es wichtig, das eigene Profil zu schärfen. Allein dieser Satz habe anfangs schon bei vielen eine Abwehrhaltung hervorgerufen. Es bedeute aber eigentlich nur, sich mit sich selbst ein wenig auseinanderzusetzen, meint die Geschäftsstellenleiterin des Vereins. Was mache ich gut? Was gefällt mir persönlich? Jemand, der ein erklärter Hundeliebhaber ist, könnte beispielsweise darüber nach-

„Bis zu meinem ersten Seminar habe ich gedacht, ich kann telefonieren, dort hab ich gemerkt, dass ich es nicht kann.“ WERNER REITER, PENSION ELISABETH

DIE ALPINEN GASTGEBER

enttäuscht, wenn er auf Urlaub kommt. Die Bewertungen seines Hauses auf Holidaycheck scheinen dem Fieberbrunner Vermieter jedenfalls Recht zu geben. „Aufgewacht mit Blick auf die Berge und das Skigebiet, die frischen Brötchen hingen schon an der Tür, so begann jeder tolle Tag im Gästehaus Elisabeth. ‚Da Werna‘ sorgt für persönliche Betreuung und lässt es an nichts fehlen, die täglich aushängende Wetter- und Pisteninfo macht schon Vorfreude auf den Tag“, schreibt beispielsweise Stephan aus Deutschland, der mit seiner Familie zu Gast war. Von 26 Bewertungen klingt eine euphorischer als die andere, Nörgelei-

denken, ob er sich speziell für Gäste, die mit Haustieren kommen, einrichtet. Hainzer sieht sich durch die Rückmeldungen der Mitglieder in ihrer Arbeit bestärkt. „Viele sagen: ‚Jetzt macht es mir auch viel mehr Spaß, weil ich jetzt die Gäste habe, die zu mir passen.‘“ Seit der Gründung vor fünf Jahren nahmen über 5.500 Besucher an den Fortbildungen teil. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Ausrichtung auf bestimmte Zielgruppen, die grob mit „Sportler“, „Entdecker“, „Kinder“ und „Gesundheitsurlauber“ umrissen werden. Über die Hälfte der Mitglieder habe bereits einen Schwerpunkt. Eine Mitglie-

Der 2005 ins Leben gerufenen MarketingKooperation gehören derzeit 220 familiär geführte Betriebe wie Gasthöfe, Pensionen, aber auch Privat- und Ferienwohnungsvermieter aus Oberbayern, dem Allgäu, Salzburg und Tirol an. In Tirol zählt der Verein derzeit rund 70 Mitglieder. Ausschlaggebend für die Vereinsgründung waren die massiven Einbußen in diesem Segment, die sich vor allem Ende der 1990er-Jahre bemerkbar machten. Ziel des Vereins ist es, die Mitgliedsbetriebe im Wettbewerb mit den Großen zu stärken, etwa mithilfe der Vermieterakademie. Außerdem präsentieren sich die Betriebe gemeinsam auf www.alpine-gastgeber.com, wo Gäste auch direkt anfragen. Vereinsmitglieder können private und gewerblich geführte Betriebe bis 60 Betten werden. Seit Anfang des Jahres steht die Vermieterakademie auch Nicht-Mitgliedsbetrieben offen.


MAGAZIN

© TIROL WERBUNG

28

100.000 Fans für Tirol

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efällt mir“: Diesen Button haben mittlerweile mehr als 100.000 Menschen auf der Tirol-Facebook-Seite angeklickt. Sie werden nun über die Social-Media-Plattform regelmäßig mit Fotos, Informationen und Insider-Tipps versorgt. Facebook ist auch

für Tirol die ideale Werbeplattform. „Das Ziel der Tirol Werbung ist es, die Bekanntheit und Sympathiewerte der Marke Tirol weiter zu steigern. Mit nunmehr 100.000 Fans ist Tirol im Wettbewerbsvergleich schon sehr gut aufgestellt“, freut sich Josef Margreiter, Geschäftsführer der Ti-

rol Werbung, über den großen virtuellen Freundeskreis. Im Vergleich zu anderen alpinen Urlaubsregionen hält Tirol übrigens den Spitzenplatz auf Facebook: Südtirol kann mit 47.400 Fans aufwarten, Bayern mit 57.600, Graubünden immerhin mit 87.000. ×

© TIROL WERBUNG

Helle Köpfe

LH und Tourismusreferent Günther Platter, mit den Vorsitzenden des Tirol Tourism Boards Serfaus-Fiss-Ladis-Obmann Franz Tschiderer (l.) und WKO-Spartenobmann Harald Ultsch (r.)

E

inrichtung einmal anders: Der Innsbrucker Industriedesigner Eric Gottein entwirft in seiner Designmanufactur Kleinmöbel mit regionalem Bezug. Dabei funktioniert er alltägliche Gegenstände völlig um. Dass sich dazu in Tirol Skistöcke, Mistgabeln oder die „Tirol Mütze“ anbieten, liegt vielleicht nicht für jedermann auf der Hand. Doch genau darin sieht der kreative Querdenker seine Herausforderung. Eines der Glanzstücke: die Lampe „Helle Köpfe“. ×

Tirol Tourism Board gestartet

© GERDA EICHHOLZER

D

ie Kräfte bündeln, Marketingmittel besser abstimmen und Synergien besser nutzen – in die intensive Zusammenarbeit zwischen Tourismusverbänden und der Tirol Werbung werden hohe Erwartungen gesetzt. Zur Unterstützung wurde nun das Tirol Tourism Board (TTB) ins Leben gerufen. Es wird als Lenkungs- und Kontrollgremium mit ausgewählten Experten und Vertrauenspersonen die gemeinsame Marketingarbeit begleiten. „Mit der Einbeziehung der Tourismusverbände ist ein weiterer wichtiger Schritt im Tiroler Tourismus gemacht worden. Nunmehr sind alle wichtigen Partner im Boot. Ziel ist es, Tirol als Tourismusdestination noch weiter zu stärken", fasst LH Platter die Vorteile zusammen. ×


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KULTURTIPPS

Opernnachwuchs am Achensee

Breins Café, die neueste Bandgründung von Georg Breinschmid, ist ein ost-westlicher Spazierganz zwischen Jazz und Gypsymusik. Mit den Brüdern Frantisek und Roman Jánoska erkundet der österreichische Bassist vergnügliche Gefilde. 29. September 2012, Alte Gerberei, St. Johann

U

nter dem Namen „transfer.tirol“ firmiert seit Anfang des Jahres der Zubringerservice von Tirol Werbung und HRR/Four Seasons Travel. Der Transferservice verbindet sämtliche Tiroler Regionen mit den Flughäfen Innsbruck und München. Flugreisende können bis zu 72 Stunden vor Reiseantritt via Internet unter www.transfer.tirol.at das Shuttleservice buchen und werden vom Flughafen direkt vor die Hoteltüre chauffiert. ×

© OLIVER TOPF

international renommierten Vortragenden. Bei fünf Konzertterminen konnten sich Einheimische und Gäste vom Können der Nachwuchssänger überzeugen. Wer weiß, wer von den jungen Opernsängern bald auf den großen Bühnen auftreten wird? ×

Neuer Shuttleservice

www.transfer.tirol.at

IM KAFFEEHAUS

IM WOHNZIMMER Die Klangspuren Schwaz beschließen ihr diesjähriges Programm zu Hause – oder genauer: in vier Wohnzimmern geneigter Zuhörer. Dort konzertiert das Phace Ensemble in Gedenken an den 1998 verstorbenen Komponisten Haimo Wisser. 29. September 2012, vier Wohnzimmer, Schwaz

© HERBERT PIXNER PROJEKT

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esangstraining mit dem Achensee als Kulisse: Zum achten Mal fand das Tiroler Opern Programm (TOP) – eine dreiwöchige Fortbildung für angehende Opernsänger – am Achensee statt. Rund 20 Sänger genossen die Landschaft und profitierten vom Können der

© JULIA WESELY

© TIROLER OPERN PROGRAMM

VON ES THER PIRCHNER

BUCHTIPP

AUF SCHMALEN REIFEN DURCH TIROL Der Tourenführer des Innsbruckers Willi Hofer beschreibt detailliert die schönsten Rennrad-Routen in ganz Tirol.

IM SÄGEWERK

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Der Akkordeonist Herbert Pixner macht – unterstützt von Katrin Aschaber und Werner Oberlercher – alten und neuen Volksmusikklängen ordentlich Dampf: genau das Richtige für die Kulturschiene des Holzverarbeiters Binder. 4. Oktober 2012, FeuerWerk, Fügen

n den letzten Jahren hat das Rennrad in Tirol immer stärker an Beliebtheit gewonnen. Herausforderungen wie gut ausgebaute Bergstraßen, berühmte Alpenpässe und malerische Nebenstraßen reizen Anfänger und Fortgeschrittene. Willi Hofer – seit vielen Jahren selbst passionierter Rennradfahrer – beschreibt in „Das große Rennrad Tourenbuch Tirol“ erstmalig fast lückenlos das heimische Rennrad-Paradies. Über 100 Touren werden ausführlich vorgestellt, von der leichten 30-KilometerRunde für den Feierabend bis zur anspruchsvollen 250-Kilometer-Fahrt. Ein umfassender Serviceteil bietet zudem detaillierte Beschreibungen der 16 wichtigsten Rennradrennen im Einzugsgebiet von Tirol. × Willi Hofer, Das große Rennrad Tourenbuch Tirol. Tyrolia, 24,95 Euro

WEITERE VERANSTALTUNGEN Open Air Newcomer Band Contest 15. 9. 2012, 14–23 h, Parkplatz, Salzlager Hall, kulturlabor.stromboli.at [typo]graphic: Vortrag von Paulus M. Dreibholz 18. 9. 2012, 20 h, aut. architektur und tirol, Innsbruck, www.weissraum.at woasst eh!: bracc! 8 Bratschen und Klavier 29. 9. 2012, 20 h, Innotech Kufstein, www.woassteh.com 1. Tyrolean Independent Film Festival 12.–15. 10. 2012, Metropol Kino, Innsbruck, www.tyrolean-independent-film-festival.com


30 MAGAZIN SAISON

London 2012: Gold für Tirol

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Der Auftritt der Tirol Werbung bei den Olympischen Spielen war ein voller Erfolg. Mit alpiner Gastlichkeit und kreativen Werbeideen punktete die führende Urlaubsdestination bei täglich bis zu 3.500 Besuchern im Austria House Tirol. Im Rahmen hochwertiger B2B-Veranstaltungen konnten zudem wertvolle Geschäftskontakte zu britischen Touristikern gepflegt sowie der Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Tirol beworben werden. VON RUDOLF K ANDUTH

eit 27 Jahren hisst das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) im Rahmen von Olympischen Spielen im Austria House die rot-weiß-rote Flagge. Als Startschuss einer langfristigen Partnerschaft war Tirol 2012 erstmals als starker Partner mit dabei. Die Tirol Werbung hat als „Exklusiver Premium-Partner“ des Austria House Tirol in enger Zusammenarbeit mit dem ÖOC diese hochwertige Kommunikations- und Hospitality-Plattform in Großbritannien organisiert.

Per Fahrrad nach London.

Der Startschuss zum Tiroler Olympiaauftritt erfolgte bereits am 19. Juli, als eine prominente Tiroler Truppe, angeführt von Josef Margreiter, dem Geschäftsführer der Tirol Werbung, den Weg von Innsbruck nach London auf dem Fahrrad antrat. Unter den Teilnehmern dieses außergewöhnlichen Radpelotons befanden sich Tiroler Sportgrößen wie die Olympiasieger Stephan Eberharter, Leonhard Stock und David Kreiner, als politischer Repräsentant radelte LH-Stv. Hannes Gschwentner mit. Zudem unterstützten namhafte Touristiker sowie Manager aus Tirol das Team mit ihrer Teilnahme. Schließlich wurde für den guten Zweck in die Pedale getreten: Die mediale Aufmerksamkeit rund um das Radpeloton wurde genutzt, um insgesamt mehr als 20.000 Euro an Spenden für die britische Wohltätigkeitsorganisation „Disability Snowsport UK“ zu sammeln, die geistig und körperlich behinderten Menschen ermöglicht, Wintersport auszuüben. Pünktlich zur Eröffnung des Aus-

Das Innsbrucker Cateringunternehmen Hafele sorgte während der Olympischen Sommerspiele 2012 in London zusammen mit dem Zillertaler Starkoch Alex Fankhauser (vorne 2. v. r.) und Tiroler Tourismusschülern für das leibliche Wohl der Gäste im Austria House Tirol.

Tiroler Tradition trifft englischen Lifestyle: Die weltbekannte Modedesignerin Vivienne Westwood und ihr Tiroler Ehemann Andreas Kronthaler freuten sich bei der Eröff nung des Austria House Tirol über heimatliche Klänge von der Alpinbanda rund um Paul Heis.


Die spektakuläre Charity-Radtour des TirolCycling-Team verband die große olympische Tradition von Innsbruck und London (v. l.): LH-Stv. Hannes Gschwentner, Heather Mills, Josef Margreiter, die Olympiasieger Leonhard Stock und Stephan Eberharter (unten), Radlegende Wolfgang Steinmayr (oben) sowie der dritte Olympiasieger im Team, David Kreiner.

© TIROL WERBUNG (9)

31

Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2012 kam das Tirol-Cycling-Team überglücklich in London an und wurde neben zahlreichen schaulustigen Briten auch von einer Abordnung der Londoner Beefeaters empfangen (v. l.): Tirols LH-Stv. Hannes Gschwentner, die Olympiasieger David Kreiner und Stephan Eberharter, Radlegende Wolfgang Steinmayr, Tirol Werber Josef Margreiter und der dritte Olympiasieger im Bunde, Leonhard Stock.

Tirol Werber Josef Margreiter freute sich besonders über die Teilnahme der britischen Charity-Lady Heather Mills beim Start des Tirol-CyclingTeam in Richtung London.

Mehr als 1.300 Kilometer und 12.000 Höhenmeter galt es im Rahmen der Charity-Radtour des TirolCycling-Teams von Innsbruck nach London zu bewältigen.

Unterwegs erhielt das Tiroler Charity-Peloton immer wieder prominente Unterstützung. Unvergesslich bleibt das Treffen mit Radlegende Eddy Merckx (l.), hier im Bild mit Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Hannes Gschwentner, in Belgien.

ÖSV-Star Nici Hosp genoss den Schneefall im sommerlichen London beim „Tirol Snow Day“ im Austria House Tirol.

Top-Lage für den Tirol-Auftritt in London: In unmittelbarer Nachbarschaft zum Austria House Tirol liegen der Trinity Square Park sowie der berühmte Tower of London. Im Park machten es sich die englischen Passanten in den unzähligen Tirol-Liegestühlen gemütlich und wurden mit Tiroler Klängen verwöhnt. Der ungewöhnliche Werbeauftritt kam bei den Briten bestens an.


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Da staunten die Briten nicht schlecht: Im Rahmen des „Tirol Snow Day“ wurde „Tirolean Alpine Garden“ im Herzen Londons kurzerhand zum „Winterwonderland“. Kein Wunder, dass der Auftritt des führenden Sport- und Urlaubslandes der Alpen zum Besuchermagnet wurde und neben zahllosen britischen Wintersportfans auch die internationalen Medien anlockte. Im Bild freuen sich Josef Margreiter (l.) und Jens Kreusch vom Deutschen Wetterfernsehen über die weiße Pracht in London.

Luden ihre wichtigsten touristischen Partner aus den Überseemärkten ins Austria House Tirol (v. l.): Fritz Kraft (TVB Innsbruck und seine Feriendörfer), August Penz (Hotelier / TVB Innsbruck), Georg Lamp (Congress & Messe Innsbruck), Thomas Schroll (Innsbrucker Nordkettenbahnen), Christiane Gasser (Swarovski Kristallwelten), Nicholas Boekdrukker (Marketing Fernmärkte beim TVB Innsbruck und seine Feriendörfer) und Patrick Dierich (Flughafen Innsbruck).

Ob zum Lunch für die Banker des nahe gelegenen Business District oder als Party-Location für gepflegtes Après-Ski-Ambiente wie im Rahmen des Ischgl Day: Der „Tirolean Alpine Garden“ vor dem Austria House Tirol war von früh bis spät beliebter Treffpunkt für zahlreiche Besucher und wurde von britischen Journalisten unter die Top drei Nationenhäuser in London gewählt.

Das Tirol-Cycling-Team sammelte auf seinem Weg von Innsbruck nach London stolze 20.088 Euro für die britische Wohltätigkeitsorganisation „Disability Snowsport UK“. Ebenso groß wie der Betrag war die Freude bei der Scheckübergabe am „Tirol – Heart of the Alps“-Galaabend (v. l.): Mark Walker (Moderator), Patricia Meixner (Tirol Werbung), Konrad Bartelski (GoodwillBotschafter von „Disability Snowsports UK“), Fiona Young (Direktorin „Disability Snowsports UK“) und Josef Margreiter (GF Tirol Werbung).

© TIROL WERBUNG (6)

Podiumsgespräch zum Thema Wintersportkompetenz im Rahmen des Tirol-Galaabends in London (v. l.): Josef Margreiter (Tirol Werbung), Peter Bayer (YOG), Karl Stoss (ÖOC), Michael Doppelmayr (Doppelmayr-Seilbahnen) und Dimitri Chernishenko (Sotchi 2014).

Josef Margreiter (Tirol Werbung) und Dimitri Chernishenko (Chef des Organisationskomitees der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014) freuen sich bereits auf ein Wiedersehen in Russland, wo die Tirol Werbung 2014 die Winterspiele als Partner des ÖOC wieder als Werbeplattform nutzen wird.


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tria House Tirol traf das Charity-Radteam in London ein.

Alpine Gastlichkeit. Das Austria House­ Tirol entwickelte sich dank alpiner Gastlichkeit schnell zu einem der beliebtesten Nationenhäuser in London. Täglich bevölkerten Banker und Geschäftsleute aus dem angrenzenden Business District den öffentlichen „Tirolean Alpine Garden“, für Olympiabesucher zählte ein Abstecher zu den Tirolern als stimmungsvolles Highlight. Wartezeiten von bis zu zwei Stunden taten dem Andrang keinen Abbruch. Britische Journalisten wählten das Austria House Tirol sogar unter die Top drei der Nationenhäuser dieser Sommerspiele und eine ganze Reihe internationaler Medien­vertreter – unter anderem aus Deutschland, den USA, Kanada, Russland, Japan, Australien

und Frankreich – berichteten über die einzigartige Stimmung bei den Tirolern. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgten das Team des Innsbrucker Catering-Unternehmens Hafele sowie der Zillertaler Spitzenkoch Alexander Fankhauser. Zudem erhielten Schülerinnen und Schüler der Tiroler Tourismusschulen die Möglichkeit, im Austria House Tirol ihr Sommerpraktikum zu absolvieren.

Britische Geschäftskontakte. Wäh­­ rend sich die tausenden Besucher im Austria House Tirol von den alpinen Gastgeberqualitäten überzeugten, nutzten die Tirol Werbung und ihre Partner – Innsbruck und seine Feriendörfer, die Kitzbüheler Alpen, Ischgl und das Paznauntal, das Zillertal sowie der Flughafen Innsbruck – das LondonGastspiel, um ihre Geschäftskontakte

zu pflegen und zu vertiefen. Im Rahmen hochwertiger B2B-Veranstaltungen wur­­den touristische Partner aus Großbritannien und Übersee im ungezwungenen Ambiente des Austria House Tirols über neue Angebote im „Herz der Alpen“ informiert. In Kooperation mit der Standortagentur Tirol wurde Tirol zudem als zukunftsträchtiger Wirtschafts- und Wis­ senschaftsstandort in Szene gesetzt. Tirols Auftritt bei den Olympischen Sommerspielen war erfolgreich. Während die Medaillen für Österreichs Sportler diesmal Mangelware blieben, überzeugte das führende Urlaubsland der Alpen auf ganzer Linie. Am Ende dreier intensiver Wochen lautete das zufriedene Fazit der Tirol Werbung und ihrer Partner daher: Gold für Tirol bei den Olympischen Sommerspielen 2012. ×

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34 MAGAZIN SAISON

Der Bergwinter bietet mehr Der eine sucht in den Bergen vor allem Erholung vom hektischen Alltag, der andere sehnt sich im Urlaub nach Abwechslung, Spaß und der sportlichen Herausforderung. Die neue Winterkampagne der Tirol Werbung fasst erstmals alle Urlaubsthemen unter einem Motto zusammen – dem Bergwinter. VON SONJA K AINZ

T

irol ist als Winterurlaubsland für zwei sehr unterschiedliche Gästetypen anziehend. Während für den einen sportlicher Ehrgeiz, persönliche Herausforderung und der Wille zur Leistung auch in der Freizeit im Vordergrund stehen, sucht der zweite in erster Linie Entspannung, Erholung, Entschleunigung und intensive Verbundenheit mit der Natur. Die neue Winterkampagne der Tirol Werbung will diese beiden Zielgruppen – den sportlich ambitionierten Modern Performer

Genuss‘ werden also der Winterzauber, Ski-Langlauf und auch die Kulinarik Teil der Kampagne sein“, sagt Margreiter. Um jedem Urlauber seinen ganz persönlichen Wunsch auf Knopfdruck ermöglichen zu können, gebe es diese zwei Säulen mit den passenden „Urlaubsträumen“ als Inhalte. Durch diese Einteilung finde jeder leichter zum bedürfnisgerechten Angebot und die gezielte Vermarktung stelle sicher, dass Kunden auch verstärkt auf die Vielfalt aufmerksam werden, die der Tiroler Winter biete. „Da gibt es mehr

„Erlebnisse abseits der Piste werden für den Wintergast immer wichtiger.“ INGRID SCHNEIDER, PROJEKTLEITERIN BERGWINTER

und den nach Ruhe und Nähe zur Natur suchenden Intellectual – gleichermaßen ansprechen. Die Kampagne fasst dabei erstmals alle Winterurlaubsthemen unter einem Dach zusammen, erklärt Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung. „Zum einen werden die Motive der Zielgruppe in Verbindung mit der Marke Tirol beziehungsweise den Markenwerten berücksichtigt. Andererseits werden die Urlaubsthemen in den BergwinterSäulen gebündelt, beim ‚Bergerlebnis und

als Ski fahren.“ Denn bei allen Unterschieden: Gemeinsam ist beiden Zielgruppen, dass das Erlebnis abseits der Piste immer wichtiger werde, so Projektleiterin Ingrid Schneider. „Den klassischen Skifahrgast, der von morgens bis abends auf der Piste ist, gibt es kaum noch“, meint sie. Schneider sieht deshalb in einer hervorragenden Begleitinfrastruktur den Schlüssel zum Erfolg.

Abenteuer vs. Entschleunigung. Tirol habe in dieser Hinsicht sehr viel zu

bieten. Die Aktivitäten, die die beiden Zielgruppen abgesehen vom Pistenerlebnis suchen, unterscheiden sich wiederum voneinander. „Der Modern Performer sieht sich selbst als neue Elite und ist dynamisch“, führt Schneider aus. Er ist für alles offen, was mit Abenteuer und sportlichem Anspruch verbunden ist, wie beispielsweise Eisklettern oder eine herausfordernde Skitour, die mit einem atemberaubenden Blick über die Gipfel endet. Snowboarden und Freeriden zählen ebenso dazu. Wenn es einmal nicht schweißtreibend sein soll, zieht es ihn unter anderem zur Après-Ski, Partys und anderen Veranstaltungen, wo die Gesellschaft mit anderen und der Spaßfaktor im Vordergrund stehen. Den Intellectual reizen die sanfteren sportlichen Betätigungen wie Langlaufen, Schneeschuhwandern und Genussskifahren oder auch Rodeln. Sportliche Leistung ist ihm weniger wichtig als das Erlebnis, in der Natur zu sein. Nach zwei, drei Stunden auf der Piste entspannt er deshalb eher in der Sonne, wo er neben dem Panoramablick auf die umliegende Bergwelt vielleicht das eine oder andere kulinarische Schmankerl genießt. Ihn interessieren kulturelle Angebote wie etwa die zahlreichen Adventmärkte.

Vielfalt auch abseits der Piste. „Tirol bietet auch abseits von Loipe und Piste eine Vielfalt an Urlaubs- und Freizeitmöglichkeiten, wie hervorragende Gastronomie mit regionaler und internationaler Küche, Brauchtum, Tradition und Wellness. Diese Angebote gilt es gekonnt mit dem klassischen Skifahr-


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und Langlaufangebot zu kombinieren und zu bewerben“, ist Josef Margreiter überzeugt. Dabei setzt die Tirol Werbung weiterhin auf eine möglichst authentische Bildsprache. „In einer Werbe- und Medienwelt, in der die Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit in der Gesellschaft stetig steigt, braucht es glaubwürdige Wege, um die Aufmerksamkeit hoch zu halten. Tirol hat dazu den Weg größtmöglicher Authentizität gewählt, basierend auf einer innovativen, künstlerisch anspruchsvollen Konzeption.“

Keine werblichen Scheinwelten. Der aufgeklärte Internet- und Medienkonsument von heute könne nämlich sehr wohl zwischen Realität und werblichen Scheinwelten unterscheiden. „Letzteren schenkt er immer weniger Aufmerksamkeit“, führt Margreiter aus. Wobei auch bei der Bildsprache auf die unterschiedliche Fokussierung der beiden Zielgruppen eingegangen wird. Die ersten Spuren auf frisch präparierter Piste, Snowboarder beim Sprung in der Halfpipe und Freerider

· www.bergwinter.tirol.at

Tirol / Herz der Alpen

Kampagne. Mit verschiedenen Sujets werden der Modern Performer und der Intellectual angesprochen. Fokus der Bewerbung des Bergwinters wird auf den Märkten Deutschland, Österreich und der Schweiz liegen. In den Niederlanden, Großbritannien, Belgien, Polen, Rumänien, Tschechien und Dänemark wird die Bergwinterkampagne ebenfalls zum Einsatz kommen.

im Gelände sind Bilder, die den Modern Performer anziehen sollen. Sujets, die beispielsweise einen Spaziergang durch

„In einer Werbe- und Medienwelt, in der die Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit in der Gesellschaft stetig steigt, braucht es glaubwürdige Wege, um die Aufmerksamkeit hoch zu halten.“ JOSEF MARGREITER, GESCHÄFTSFÜHRER DER TIROL WERBUNG

einen tief verschneiten Winterwald und Handwerkskunst auf einem der Christkindlmärkte zeigen, sind dafür konzipiert, den Intellectual anzusprechen. Der Fokus der Bewerbung des Bergwinters wird auf den Märkten Deutschland, Österreich und der Schweiz liegen. In den Niederlanden, Großbritannien, Belgien, Polen, Rumänien, Tschechien und Dänemark wird die Bergwinterkampagne ebenfalls zum Einsatz kommen, hier werden einzelne Highlight-Maßnahmen umgesetzt. In Deutschland will man sowohl die Modern Performer als auch die Intellectuals erreichen, während in der Schweiz und Belgien beispielsweise der Fokus eher auf den Intellectuals liegt. ×

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Bergwinter Tirol


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Medientermin. In Prag erfuhren tschechische Reisejournalisten alles zum Thema Tiroler Bergsommer.

Bergbegeistert Die Tschechen sind Aktivurlauber und lieben die Berge. Insbesondere im Sommer hat der tschechische Reisemarkt reichlich Potenzial. Die Tirol Werbung bewirbt deshalb in den nächsten Jahren verstärkt den Tiroler Bergsommer. TSCHECHIEN

TIPPS FÜR DIE MARKTBEARBEITUNG • Es besteht hoher Info-Bedarf aufgrund der geringen Besuchserfahrung. • Die Reisezielentscheidung erfolgt relativ frühzeitig. • Ausflüge sind für tschechische Winter-Urlauber überdurchschnittlich wichtig. • Generell steht das Nachtleben überdurchschnittlich im Fokus, Wellness und Kulinarik werden als etwas weniger wichtig empfunden. • Tschechische Urlauber reagieren empfindlich, wenn sie sich als Gäste zweiter Klasse behandelt fühlen. • Individuelle Empfehlungen für Ausflüge und Aktivitäten werden sehr gerne angenommen.

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KONTAKT Katarzyna Gaczorek Tourismusmarketing Polen und Tschechien katarzyna.gaczorek@tirolwerbung.at Tel.: 0512/5320-648

V O N M AT T H I A S K R A P F

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ie Berge haben es den Tschechen angetan. Rund zwei Millionen von ihnen schnüren regelmäßig die Wanderschuhe und auch das Radfahren wird als Freizeitbeschäftigung geschätzt. Die Freude an der Bewegung in der Natur und die Begeisterung fürs Gebirge leben die Tschechen gerne auch im Sommerurlaub aus – Grund genug für die Tirol Werbung, ihre Aktivitäten in der Bewerbung des Tiroler Bergsommers zu verstärken. Mit 28 Prozent Marktanteil ist Tirol die zweitbeliebteste österreichische Destination tschechischer Urlauber, nur das SalzburgerLand (31 %) wird häufiger besucht. Das war nicht immer so: Tirols Nachbarregion hat den Spitzenplatz erst dank einer konsequenten, in den letzten Jahren vorgenommenen Fokussierung auf die Sommersaison errungen. Und sommerliches Potenzial ist – ungeachtet vom exzellenten Ruf als Wintersportdestination – auch für Tirol reichlich vorhanden: Die Entwicklung der Ankünfte (+ 2,9

% im Sommer 2011) und Übernachtungen (+ 3,0 %) weist bereits jetzt nach oben.

Highlights präsentiert. Den Auftakt zu einer intensiveren Marktbearbeitung hat die Tirol Werbung im heurigen Frühjahr gesetzt. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden ausgewählten tschechischen Reisejournalisten in Prag die Highlights des Tiroler Bergsommers präsentiert, berichtet Katarzyna Gaczorek, in der Tirol Werbung verantwortlich für die Bereiche Marketing & Verkauf in den Märkten Polen und Tschechien. Neben zusätzlichen Pressereisen, die regelmäßig organisiert werden, setzt man in der Marktbearbeitung nun für die nächsten Jahre zudem auf langfristige Kooperationen. „Mit dem Outdoorspezialisten Hudy Sports, der über 36 Geschäftsfilialen in ganz Tschechien verfügt, und dem Tschechischen Alpenverein haben wir Partner gefunden, die perfekt zu Tirol passen“, so Katarzyna Gaczorek. Mittels Präsenz in den Hudy-Sports-Filialen oder beim re-


37 nommierten Alpinismusfestival des Alpenvereins werden die für Tirol interessanten Zielgruppen der Intellectuals und Modern Performer angesprochen. Wandern, Bergsteigen, Radfahren, Familienurlaub, Naturerlebnis sind die Themen, mit denen Tirol bei den aktiven und bergbegeisterten Tschechen punkten soll. Nicht zuletzt kümmert sich die Tirol Werbung auch um eine starke Online-Präsenz. Die Webseite www.tyrolsko.cz und die Facebook-Fanpage „Tyrolsko“ werden in tschechischer Sprache laufend aktualisiert und moderiert.

Buchung im Betrieb.

Zwischen drei und vier Tage urlaubt der tschechische Gast durchschnittlich in Tirol. Er stammt überwiegend aus dem Raum Mähren und Prag und reist in der Regel mit dem eigenen Auto an. Pauschalangeboten stehen tschechische Urlauber häufig etwas skeptisch gegenüber, tendenziell buchen sie lieber Einzelleistungen und direkt im Betrieb. Entsprechend geschätzt werden Informationsmaterial und ein paar nette Worte in tschechischer Sprache. In diesem Sinne: Srdečně vítáme ve Tyrolsku – herzlich willkommen in Tirol! ×

REISEMARKT TSCHECHIEN IN ZAHLEN

Das Magazin für den deutschen Urlaubsgast Beilage der Süddeutschen Zeitung DER TYPISCHE TSCHECHISCHE GAST: ... ist jünger als der Tirol-Schnitt: 38 vs. 43 Jahre.

220.000 Stück Auflage Erscheinung Ende Oktober 2012

AUFENTHALTSDAUER: 4,3 Tage im Winter (Tirol gesamt: 4,9), 3,4 Tage im Sommer (Tirol gesamt: 4,0)

Nützen Sie dieses Premium-Magazin, um den deut-

BEVORZUGTE UNTERKUNFT: Über 40 % nächtigen in Ferienwohnungen,

schen Urlaubsgast über Ihre Angebote zu informieren.

auch 2/1-Stern-Hotels werden überdurchschnittlich gebucht.

Unser Verkaufsleiter Thomas Pilgram berät Sie gerne:

WINTERAKTIVITÄTEN: Drei Viertel der Tirol-Urlauber sind Skifahrer, Snowboarden liegt mit 26 % deutlich über dem Tirol-Schnitt von 18 %. Sehr be-

t.pilgram@zielgruppenverlag.at • 0512 / 58 60 20 10

liebt ist auch Rodeln. Neben sportlicher Aktivität sind Erholung, Ausflüge und Nachtleben wichtig. Kulinarik und Wellness liegen weniger im Fokus. SOMMERAKTIVITÄTEN: Spaziergänge/Wandern bilden die Lieblingsaktivität, es folgen Sehenswürdigkeiten/Ausflüge und das Besichtigen von Naturattraktionen. ANREISE: Hauptsächlich mit dem eigenen Pkw BUCHUNGSGEWOHNHEITEN: 7 von 10 buchen die Unterkunft direkt beim Vermieter. INFORMATIONSQUELLE: Internet (65 %) TAGESAUSGABEN: 124 € (Tirol-Schnitt: 137 €) im Winter MARKTANTEIL: 1,4 % (TJ 2010/11) REISEHÄUFIGKEIT: Die Auslandsreiseintensität der Tschechen liegt bei 57 %, wobei diese am höchsten unter Reisenden aus Prag, Liberec, Mittelböhmen und Olmütz ist. NÄCHTIGUNGSZAHLEN: Winter 2010/11: 443.176 (- 0,5 %), Sommer 2011: 142.531 (+ 3,0 %) REISEVOLUMEN 2010: 5,67 Mio. Urlaubs-Auslandsreisen BIP PRO KOPF: 11.400 € (2010) Target Group Publishing GmbH, Karl-Kapferer-Straße 5, 6020 Innsbruck T 0512 / 58 60 20 10 F 0512 / 58 60 20 20 E t.pilgram@zielgruppenverlag.at I www.zielgruppenverlag.at


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SAISON

Urlaub mit Karte Eintritte zu Freizeitaktivitäten, die Fahrt mit der Bergbahn – das belastet das Urlaubsbudget von Familien. Abhilfe schaffen immer öfter Destinationskarten. VON ERNS T SPRENG

OLIVER SCHWARZ, GF ÖTZTAL TOURISMUS

ISMUS

„Koffer abgeben und ab ins Vergnügen. Das ist das Ziel unserer neuen Umlagekarte.“

cher hat sich eine Wien-Karte gekauft. Auch in Tirol ist nicht jede Region mit ihrer Destinationskarte glücklich, dennoch zeigt sich in den vergangenen Jahren ein eindeutiger Trend: Im alpinen Sommertourismus muss man eine solche Karte anbieten, um mit seinen Mitbewerbern mithalten zu können. Eine der größten Fragen hinter diesen Destinationskarten lautet dabei: Bietet man sie zum Verkauf an oder werden sie von den Vermietern in den Zimmerpreis miteinkalkuliert und dem Urlauber automatisch zur Verfügung gestellt?

© ÖT ZT AL TOUR

E

nde 2011 verkündete Wien Tourismus voller Stolz den Verkauf der 4.000.000sten Wien-Karte. Was auf den ersten Blick nach einem gigantischen Erfolg aussieht, relativiert sich schnell, betrachtet man den zugrunde gelegten Zeitraum. Die Verkaufszahl bezieht sich nämlich auf die Zeit seit Einführung der Karte im Jahre 1995, also auf immerhin 17 Jahre. Im Verhältnis zu den rund 62 Millionen Gästeankünften, die Wien in diesem Zeitraum zu verzeichnen hatte, heißt das: Nur jeder 16. Besu-

Stadt versus Land.

Betrachtet man den urbanen Raum, so dominiert in Europa das Kaufmodell. Der Grund dafür ist, dass sich im städtischen Umfeld der Zugang zu Verkaufsstellen für den Gast einfach und unkompliziert gestaltet. Auch die unterschiedlich lange Verweildauer von Städtetouristen spricht hier für ein Kaufmodell. In Innsbruck hat man die „Innsbruck Card“ von Beginn an als „All-Inklusive-Card“ konzipiert. Wer die Karte kauft, nutzt die Museen der Stadt, die Bergbahnen sowie das Netz der Innsbrucker Verkehrsbetriebe kostenlos. Und es gibt noch Innovatives oben drauf. „Mit unserer Karte hat der Gast auch Zugang zu neueren Features wie das Innsbruck Wireless, den Fotopoints und vieles mehr“, erklärt Fritz Kraft, Geschäftsführer von Innsbruck Tourismus. Rund 40.000 Karten werden in Innsbruck pro Jahr verkauft. Tendenz weiter steigend. In den ländlichen Regionen Tirols geht der Trend hingegen eindeutig zur


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© TVB INNSBRUCK

„Mit der Innsbruck Card haben wir im Vergleich zu anderen europäischen Städten die besten Karten.“

Wunder, hat man diese Karte bereits 1996 eingeführt. Allerdings bieten immer mehr Betriebe die Karte von selbst an, erklärt Mario Horngacher vom TVB PillerseeTal, der das Projekt praktisch seit Beginn an begleitet und in der Destinationskarte im Sommer ein wichtiges Argument für den Gast sieht. „Es hat sich in den vergangenen Jahren praktisch von selbst ergeben, dass jetzt viele Vermieter die Karte bereits in ihre Pauschalen integrieren beziehungsweise selbst als Verkaufsstelle fungieren“, erzählt Horngacher aus der Praxis. Ob Kauf- oder Umlagekarte, Erfolg hat man beim Urlaub mit Karte nur, wenn die Region hinter dem Modell steht und das Leistungsangebot der Karte so attraktiv ist, dass der Gast den Mehrwert erkennt und genießt. Erst dann ist die Destinationskarte ein Argument für den alpinen Sommerurlaub, da die Zusatzkosten für den Gast gut kalkulierbar werden und er unbeschwert aktiv sein kann. ×

FRITZ KRAFT, GESCHÄFTSFÜHRER INNSBRUCK TOURISMUS

umlagefinanzierten Gästekarte. Der Vermieter kalkuliert die Kosten der Karte in den Zimmerpreis ein, abgerechnet wird mit dem jeweiligen Tourismusverband. Die Karte kommt also immer öfter zum Urlauber, was ihm die Kaufentscheidung und die Frage abnimmt, ob sich der Kauf überhaupt bezahlt macht. Das Ötztal setzt heuer erstmals auf die umlagenfinanzierte „Ötztal Premium Card“. Im ersten Jahr sind über 100 Hotels und Vermieter dabei und bieten dieses Service ihren Gästen an. Die „Ötztal Card“ im freien Verkauf bleibt weiterhin bestehen. Dass die „Premium Card“ direkt vom

Vermieter ausgegeben wird und bereits ab einer Übernachtung gilt, soll vor allem den Kurzurlauber ansprechen. „Für diesen ist der Faktor Zeit ein größerer. Er möchte in möglichst kurzer Zeit ein Maximum an Erholung oder Erlebnis“, meint Oliver Schwarz, Geschäftsführer von Ötztal Tourismus.

Gäste-Zufriedenheit. Auch in der Region PillerseeTal im Tiroler Unterland ist man mit der eigenen Gästekarte im Sommer zufrieden. Bei der PillerseeTalCard handelt es sich prinzipiell um eine Kaufkarte – mit einem gut ausgebauten Netz von Verkaufsstellen. Und das ist kein

„Unsere Gäste sind aktiver geworden“ Als erste Region Österreichs führte Schladming-Dachstein eine Umlagekarte ein. Für Hermann Gruber, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Schladming-Dachstein, ist diese Sommercard das wichtigste Argument für neue Gästeschichten im Sommer. AISON: Herr Gruber, Ihre Region hat heuer die Sommercard massiv bundesweit beworben. Warum? HERMANN GRUBER: Die Sommercard ist für uns das wichtigste Argument, neue Gäste im Sommer für uns zu begeistern. Gerade für Familien ist der alpine Sommerurlaub schwer zu kalkulieren. Unsere Sommercard inkludiert über 100 Ereignisse. Das macht den Familienurlaub wieder leistbar. Die Sommercard – ein Erfolgsmodell? Ich lasse die Zahlen sprechen. Im Sommer werden bei uns rund 170.000 Karten ausgegeben. Das entspricht rund 85 Prozent aller Nächtigungen. Die Frequenz in unseren Freizeitaktivitäten ist wesentlich höher als früher. Ein Beispiel: Die Bergbahnen hatten schon im ersten Jahr der Sommercard 180 Prozent mehr Fahrten. Warum hat sich Schladming-Dachstein für eine Umlagekarte entschieden? Wir haben sehr früh von der Kaufkarte zur Umlagekarte gewechselt. Bei der Kauf-

karte rechnet der Gast immer, wie oft er sie nützen muss, damit er einen finanziellen Nutzen hat. Diesen Stress wollten wir nicht mehr. Heute bekommt der Gast die Sommercard von seinem Vermieter schon ab nur einer Übernachtung. Und das funktioniert für alle Beteiligten bestens. Wie schaut das in der Praxis aus? Die Vermieter sind freiwillig dabei. Das ist wichtig. Wir haben nie Druck ausgeübt. Über die Jahre hat der Markt selbst entschieden, dass der Gast die Karte gut annimmt. Die Zahl der teilnehmenden Betriebe ist kontinuierlich gestiegen. Wenn man dabei ist, dann gibt es klare Regeln. Der Vermieter muss jedem Gast eine Sommercard geben, ob der sie nutzt oder nicht. Gekoppelt ist das an das Meldesystem. Und wenn sich ein Vermieter nicht an die Regeln hält, gibt es Pönalstrafen bis zu 1.450 Euro oder es folgt sogar der Rausschmiss aus dem System. Was hat sich mit der Sommercard geändert? Unsere Gäste sind wesentlich aktiver

Hermann Gruber, Geschäftsführer des Tourismusverbandes SchladmingDachstein

© TVB SCHLADMING-DACHSTEIN

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geworden. Die komplette Urlaubseinstellung hat sich verändert. Unter den Gästen gibt es weniger Jammerer – zum Beispiel bei schlechtem Wetter. Denn sie können bei jedem Wetter etwas unternehmen. Unsere Umlagekarte funktioniert, weil sie auf Seiten der Vermieter freiwillig ist und das Angebot für den Gast umfassend und interessant gestaltet ist. Vielen Dank für das Gespräch.

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40 MAGAZIN SAISoN

„Tirol ist für Radfahrer sehr speziell“ Wenn Ex-Radprofi Jan Ullrich zum Trainingslager ins Ötztal ruft, kommen HobbyRennradfahrer aus ganz Europa. Einmal mit ihrem Idol auf den Spuren des Ötztaler Radmarathons – das ist verlockend. VON ERNS T SPRENG

J

an Ullrich ist eine der modernen Radsportikonen. 1997 war er Tour-de-France-Sieger, in den Folgejahren machten ihn seine Duelle mit Lance Armstrong berühmt. Nach Dopingvorwürfen und seinem Ausstieg aus dem Profi-Rennsport wurde es ruhig um den deutschen Star. Als er 2011 beim Ötztaler Radmarathon wieder öffentlich auf das Rennrad stieg, war eines sofort klar: Jan Ullrich ist dank seiner sympathischen Art und dem unkomplizierten Umgang mit Radsportfans nach wie vor ein Idol. Vergangenes Jahr entstand im Ötztal die Idee, ein Trainingslager mit Ullrich anzubieten. Vor wenigen Wochen nahmen nun immerhin zehn Hobbyradler an diesen Radsporttagen teil und kurvten mit Jan Ullrich auf den Spuren des Ötztaler Radmarathons durch die Tiroler Berge. Darunter der 50-jährige Peter aus der Schweiz, der nach dem Höhepunkt der Tour, der gemeinsa-

ne des Radsports als menschen kennenlernen und hatten einfach eine traumhafte Zeit auf dem Rad.“

Radtourismus. Die Radsporttage mit Jan Ullrich sind eines von vielen Angeboten, die Tirol für Rennradfahrer parat hat. Gerade in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Hobby-Radrennen markant gestiegen. Über allen Angeboten thront der Ötztaler Radmarathon. Neue Hobbyrennen wie der Arlberg-Giro locken Rennradfahrer aus dem gesamten europäischen Raum nach Tirol. Aber auch wenn der Radtourismus in Tirol in all seinen Facetten eine wichtige Einnahmequelle im Sommertourismus darstellt, haben sich viele Touristiker doch etwas mehr vom Radboom erwartet. Was sagt dazu Jan Ullrich, der in den vergangenen Jahren gerade im wichtigen markt Deutschland zu einem Botschafter

SAISON: Herr Ullrich, wie sind die ersten Radsporttage mit Ihnen im Ötztal verlaufen? JAN ULLRICH: In Deutschland würden wir sagen: Wir waren eine dufte Truppe. mit zehn Teilnehmern war es sehr angenehm. Die organisation mit Begleitfahrzeugen, die Unterbringung und die Tiroler Kulinarik haben überzeugt. Wir sind jeden Tag mindestens zwischen drei und fünf Stunden auf dem Rad gesessen und haben den Ötztal Radmarathon in Etappen absolviert. Der Spaß stand im Vordergrund, nicht so sehr der Trainingsaspekt. Das war mir wichtig. Diese Radsporttage sollten für die Teilnehmer ein ganzheitliches Erlebnis sein mit der Gastfreundschaft in Tirol, den Bergen, der sportlichen Herausforderung und dem Genießen. Ein touristisches Modell, das wiederholt wird? Definitiv. Wir haben nach dem ersten Erfolg bereits beschlossen, 2013 im Ötztal wieder diese Radsporttage mit mir abzuhalten.

Tirol ist speziell. Kann Tirol ähnlich

„Der Trend zum E-Bike spielt einer Region wie Tirol in die Hände. Das E-Bike nimmt den Bergen den Schrecken.“ JAN ULLRICH, RENNRADLEGENDE

men Fahrt zum Rettenbachgletscher, für ein Foto mit Jan Ullrich stolz im Teamdress der baskischen Euskatel-mannschaft posierte. Für den Schweizer Familienvater ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. „Die vier Tage mit Jan Ullrich waren ein Traum“, meint Peter. „Wir durften diese Iko-

des Radsports geworden ist und nicht mehr für den reinen Hochleistungssport steht, sondern das Radfahren als Spaß und eine angenehme Form, sich fit zu halten, propagiert? Im Interview erklärt der ExProfi möglichkeiten und Potenzial des Tiroler Radtourismus.

populär für Rennradfahrer werden, wie es beispielsweise Mallorca im Frühjahr schon ist, wo jedes Jahr Tausende das erste Trainingslager abhalten? ob jetzt Rennradfahrer oder mountainbiker – Tirol ist mit seinen hohen und anspruchsvollen Bergen schon sehr speziell. Hier benötigt der Radfahrer eine gute Grundkondition, um wirklich Spaß zu haben. mit mallorca kann man Tirol daher sicher nicht vergleichen. Interessant für einen Radfahrer ist Tirol, weil man hier die Verbindung aus Wandern, Erholung und Gastfreundschaft mitgeliefert bekommt. Und man kennt es vom Winterurlaub. In der Kombination von anderen Urlaubsreizen mit den möglichkeiten des Radfahrens liegt eine der Stärken.


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Raderlebnisse. Radsportlegende Jan Ullrich hat im Ötztal zum ersten Mal Radsporttage abgehalten. Solche besonderen Erlebnisse nutzen dem Radtourismus in Tirol.

Ist Tirol in Sachen Radsport gut aufgestellt? Die Infrastruktur hat wirklich internationale Qualität. Das ist keine Frage. Das beginnt bei der Gastfreundschaft und den sehr guten Beherbergungsbetrieben. Als Radfahrer hat man auch das Gefühl, dass die Tiroler selbst oft und gerne aufs Rad steigen und daher die Bedürfnisse des Radurlaubers kennen. Das ist ein großer Vorteil. Es wird wirklich versucht, für den Radfahrer hier alles möglich zu machen. Beeindruckt hat mich auch die Qualität der Sportgeschäfte. Wir hatten gerade gestern in unserer Truppe einen LaufradSchaden. In Tirol kannst du in ein Sportgeschäft gehen und findest sofort einen kompetenten Ansprechpartner, der dir weiterhilft.

© Ötztal Tourismus

Zukunft E-Bike. Sie sprachen davon, dass die hohen Berge in Tirol nur etwas für konditionsstarke Biker seien. Gibt es eine Lösung, Tirol radtouristisch in der Breite zu verankern? Für mich ist der jetzt einsetzende Boom der E-Bikes ein wichtiger Lösungsansatz. Diese Entwicklung spielt einer Region wie Tirol in die Hände. Denn mit diesen Rädern nimmt man dem Einzelnen den Schrecken vor den hohen Bergen. Ich habe das in den vergangenen Tagen selbst erfahren. Wir haben Rennradfahrer gesehen, die engagiert in die Pedale getreten haben. Und neben ihnen sind die Lebenspartnerinnen auf dem EBike gleich schnell gefahren. Das E-Bike verbindet ambitionierte Hobbysportler mit jenen, die es gerne einmal probieren würden. Ich sehe das gerade für den Tourismus in Tirol als Konzept der Zukunft. Vielen Dank für das Gespräch.

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42 MAGAZIN SAISON

Nichts für Amateure. Auch an die Wartung sollten sich bei schwierigen Parcours nur Profis wagen.

Wer haftet im Fall des Falles?

© BERGBAHNEN LANGES

Outdoor-Sport boomt und Tirol punktet gerade bei Aktivtouristen mit seinem vielfältigen Freizeitangebot. Doch Klettersteige, Mountainbike-Trails und Funparks bergen für Unerfahrene jede Menge Gefahren. Daher empfiehlt es sich für touristische Anbieter, vorab die Haftungsfragen zu klären. VON S TEFFEN AROR A

D

ie Tiroler Berge bieten alles, was das Outdoor-Herz begehrt. Egal ob schroffer Fels oder steile Abfahrt, hier kommen Fans des sportlichen Nervenkitzels voll auf ihre Kosten. Die Klettersteige sprießen wie die sprichwörtlichen Schwammerl aus dem Boden und kaum eine Alpenregion kommt heute noch ohne derlei schwindelerregendes Zusatzangebot aus. Was im Sommer spektakuläre Trail-Abfahrten sind, das sind im Winter die unberührten Tiefschneehänge. Doch für die Tourismusbranche ist hier Vorsicht geboten, denn diese Art von Angebot ist auch mit einer ganzen Reihe von Pflichten für den Anbieter verbunden, die bei Missachtung schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen können.

Profis hinzuziehen. Der unaufhaltsame Boom der Outdoor-Sportarten, wie Klettern oder Mountainbiken, wirft nun immer öfter die Frage nach der Haftung bei unweigerlich passierenden Unfällen auf. Michael Fettner, Experte für Haft-

pflichtfragen bei der Tiroler Versicherung, beobachtet diesbezüglich eine merkliche Zunahme: „In letzter Zeit steigt die Zahl der Anfragen. Vor allem Gemeinden und auch immer mehr Tourismusbetriebe, die derlei anbieten wollen, melden sich bei uns.“ Das Gros der Fragen beziehe sich auf sommerliche Angebote wie Klettersteige oder Mountainbike-Trails sowie winterliche Funparks in den Skigebieten. Das oberste Gebot bei der Planung derartiger Anlagen lautet: Profis hinzuziehen. Denn, so Fettner: „Das Wichtigste bei solchen Freizeitanlagen ist die Gewährleistung der Funktionalität.“ Fettner empfiehlt daher, von Beginn an Profis mit der Planung zu beauftragen. In Tirol gibt es bereits Firmen, die sich professionell mit der Planung und dem Bau von Klettersteigen, Trails und Funparks befassen. Doch mit der Errichtung alleine endet die Verantwortung des Halters längst nicht, gibt Fettner zu bedenken. Denn die große Krux bei solch spektakulären Sportanlagen in den Bergen ist die Wartung. Sobald sich nämlich ein Sportler aufgrund eines Mangels oder Gebrechen

an der Anlage verletzt, haftet der Halter der Anlage. Und als Halter gilt juristisch der, der die Kosten für die Errichtung oder Erhaltung einer solchen Anlage trägt.

„Lieber vorher investieren“.

Im Idealfall, so empfiehlt der Versicherungsexperte, wird die mit dem Bau beauftragte Firma auch mit der Wartung der Anlage betraut. Das ist zwar mit Mehrkosten verbunden, aber diese rechnen sich für den Halter auf lange Sicht. Am besten, man kalkuliert diese Wartungskosten bereits vorab mit ein, so Fettner: „Hierbei gilt: Lieber vorher investieren, als nachher jammern.“ Eine diffizile Anlage wie einen Northshorepark, also einen speziellen Hindernisparcours für Downhill-Biker, von den eigenen, billigeren Gemeindearbeitern warten zu lassen, kann die Gemeinde als Halter eines Trails im Unglücksfall teuer zu stehen kommen. Gesetzlich gibt es zwar keine fixen Intervalle, in denen etwa ein Mountainbike-Trail oder Klettersteig gewartet werden muss. Doch Fettner empfiehlt seinen Kunden, mindestens


„In letzter Zeit steigt die Zahl der Anfragen. Vor allem Gemeinden und auch immer mehr Tourismusbetriebe, die derlei anbieten wollen, melden sich bei uns.“ DR. MICHAEL FETTNER, HAFTPFLICHTEXPERTE BEI DER TIROLER VERSICHERUNG

vierteljährlich, am besten aber monatlich protokollierte Kontrollen von Fachleuten durchführen zu lassen, um sich abzusichern. Denn die Benützung eines Trails ist zwar immer mit Eigenverantwortung verbunden – juristisch gesprochen passiert die Ausübung des Sports auf eigene Gefahr. Sprich: Wer bei einer Abfahrt aus Eigenverschulden heraus stürzt und sich verletzt, ist selber schuld. Wenn aber ein mangelhaftes Hindernis, etwa eine morsche Holzkonstruktion den Unfall verursacht, haftet der Halter.

Sonderfall Klettersteig. Im Falle der beliebten Klettersteige und Klettergärten gilt es einige Besonderheiten in Sachen Haftung zu beachten. Derartige Anlagen gelten im Sinne des § 1319 a ABGB nämlich als Wege. Und wer einen solchen Weg errichtet, gilt juristisch als Wegehalter und ist für den Zustand desselben verantwortlich. Versicherungsexperte Fettner rät touristischen Kunden wie Hoteliers grundsätzlich davon ab, Klettersteige oder -gärten zu betreiben: „Da sind wir sehr vorsichtig, denn hier geht es in den hochalpinen Bereich. Dort ist das Risiko höher.“ Grundsätzlich gilt zwar auch hier das Prinzip der Eigenverantwortung und kein Gericht wird voraussetzen, einen Weg im alpinen Bereich immer völlig gefahrlos zu halten. Das heißt, niemand kann den Halter dafür verantwortlich machen, wenn jemand aus Unachtsamkeit oder wegen Erschöpfung einen Fehltritt setzt und abstürzt. Doch sobald die Weganlage gravierend fehlerhaft ist, kann es zu Streitfragen kommen – wobei für Klettersteige gilt, dass der Geschädigte dem Weghalter das Verschulden nachweisen muss. Zudem werden die Verkehrsfrequenz am Weg, das wirtschaftliche Interesse und die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Wegehalters sowie die Zumutbarkeit der Maßnahmen zur Beurteilung der Haftungsfrage herangezogen.

Pro Jahr hat zumindest eine einmalige Begehung und Kontrolle eines solchen Weges stattzufinden. Je nach Frequenz am Klettersteig sind jedoch häufigere Kontrollen zwingend nötig. Zudem muss nach Unwettern, was besonders im heurigen Sommer problematisch ist, unverzüglich gehandelt werden, sollten Teile der Anlage zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen sein. Sollte der Schaden nicht gleich repariert werden können ist es unbedingt nötig, eine sichtbare Sperre der Anlage vorzunehmen – etwa mittels unübersehbarem Zeichen, das über die Sperre Auskunft gibt und darauf hinweist, dass die Begehung auf eigene Gefahr erfolgt. Doch aufgepasst, denn hier gilt: Ist dem Halter die Beseitigung der Gefahr hinsichtlich wirtschaftlicher Mittel zumutbar, ist er auch dazu verpflichtet. Gänzlich anders verhält sich die Haftungsfrage bei Klettergärten, die nur gegen Entgelt benutzt werden dürfen.

Hier gilt die Vertragshaftung, das heißt, der Halter ist nicht nur für grobe Fahrlässigkeit, sondern für jedes Verschulden haftbar. Und anders als bei Klettersteigen muss er im Unglücksfall beweisen, dass ihn an der Nichterfüllung seiner vertraglichen Pflichten kein Verschulden triff t. Er muss sich also „frei beweisen“, wie dazu der Rechtsreferent des Innsbrucker Alpenvereins, Andreas Ermacora, im Fachmagazin „Berg & Steigen“ schreibt.

Vorsicht bei Prospekten. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn etwa Tourismusvereine oder Hotels Anlagen Dritter in ihrem Angebot bewerben. Versicherungsexperte Fettner rät hierbei, die Prospekte der jeweiligen Betreiber zu übernehmen, anstatt deren Angebot in das eigene Prospekt zu übertragen. Denn sobald etwas falsch beworben wird, kann dies Folgen haben. Etwa wenn ein Hotel einen Klettersteig ohne entsprechende Warnungen für seine Gäste anbietet, der eigentlich nur für Profikletterer geeignet ist. Vorsicht ist auch geboten, wenn es sich um Geschäfte auf Provisionsbasis handelt – auch daraus kann im Extremfall dem Hotelier eine Haftung entstehen. Bei allen zu klärenden juristischen Fragen sollte das Freizeitangebot jedoch in erster Linie den Sportlern dienen und dem Tourismus Mehrwert bringen. Wer die genannten Grundsätze beachtet, wird genau das für sich und seine Gäste erreichen. ×

Eigene Bestimmungen. Bei Klettersteigen müssen in Sachen Haftung einige Besonderheiten berücksichtigt werden.

ANSPRECHPARTNER FÜR FRAGEN ZUR HAFTUNG • Dr. Michael Fettner (Tiroler Versicherung) Wilhelm-Greil-Straße 10, 6010 Innsbruck, Tel.: 0512/5313-1420, michael.fettner@tiroler.at • Österreichischer Alpenverein Olympiastraße 37, 6020 Innsbruck, Tel.: 0512/59547, office@alpenverein.at

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44 MAGAZIN SAISON

Kunst und Demokratie Einen „demokratischen Ansatz“ ortet der französisch-israelische Künstler und Designer Arik Levy in den Swarovski Kristallwelten in Wattens – und knüpft mit einem neuen, ab Ende September begehbaren Ausstellungsraum daran an. Levys Engagement ist aber nur eine von mehreren aktuellen künstlerischen Metamorphosen des Riesen. VON ES THER PIRCHNER

Kristalle begreifen. Die Zugänge, die in den Swarovski Kristallwelten selbst geschaffen werden, reichen von märchenhaften Szenarien wie Susanne Schmögners „Kristalltheater“ bis hin zum Klassiker „Kristalldom“, der die Formen exakt geschliffener Edelsteine nach Buckminster Fuller als Erlebniswelt inszeniert. Mit Arik Levy, der in seinen Arbeiten bildende Kunst, Industrieund Lichtdesign, Bühnenbild und Modeent-

© SWAROVSKI KRISTALLWELTEN, HEIDE PRANGE

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elten wird Kunst als für die breite Masse zugänglich empfunden – ein edler Schrein, der sich nur jenen öffnet, die sich eingehend damit beschäftigen und über ein umfassendes Wissen darüber verfügen. In den Swarovski Kristallwelten pflegt man demgegenüber einen möglichst offenen Ansatz, bei dem Kunst das internationale Publikum des Kristallmuseums unmittelbar ansprechen soll und im Wortsinne begreifbar wird. Vor dem Hintergrund, Besucher und Kunden für das Material Kristall zu interessieren und „immaterielle Assoziationen zur Marke Swarovski“ zu wecken, wie Stefan Isser, der Geschäftsführer der Swarovski Kristallwelten sagt, wird hier viel Ungewöhnliches initiiert. Man denke nur an das Kammermusikfestival „Musik im Riesen“ mit seinen kleinen, aber hochkarätigen Konzerten, an frühere Kollaborationen etwa mit dem Architekten David Adjaye und Shekhar Kapur, mit TV Morrinho oder den Blue Noses sowie an die regelmäßig stattfindenden Clubbings mit internationalen DJs. Aktuelle Projekte umfassen die Aufstellung eines Kunstwerks von Georg Herold im Park der Swarovski Kristallwelten, aber auch die Gestaltung der Auslagen im Wiener Swarovski-Store in der Kärntnerstraße durch die Künstlerin Astrid Bechtold oder die Zusammenarbeit mit Arno Ritter, Wolfgang Tschapeller und Rens Veltman beim Österreichpavillon der Architekturbiennale 2012.

Neuzugang im Park des Riesen: „airs and graces“ von Georg Herold

Neues Musikfestival: fmRiese lädt im November u. a. zu einem Konzert von Soap&Skin (with Ensemble).

TRANSPARENTE OPAZITÄT Ausstellungsraum von Arik Levy, ab 27. September 2012 in den Swarovski Kristallwelten

FMRIESE – FORWARD MUSIC FESTIVAL 22. bis 24. November 2012, Swarovski Kristallwelten kristallwelten.swarovski.com

würfe abdeckt, haben die Swarovski Kristallwelten nun einen Künstler nach Wattens eingeladen, dessen Auseinandersetzung mit dem Kristallinen schon einige Jahre zurückreicht: Die Ausstellung „Osmosis“ für das Swarovski-Projekt Crystal Palace gehört ebenso dazu wie die Kreation einer eigenen Schmucklinie für Atelier Swarovski. Die Carte blanche, die er in Bezug auf seine Entwürfe für Wattens bekommen

hat, nutzte er, indem er den Wildwuchs von Kristallen in Beziehung zur Präzision, mit der Kristalle bearbeitet werden, setzte. Das Ergebnis, die Installation „Transparente Opazität“, spielt mit diesen zwei Polen, aber auch mit Materialien, Größenverhältnissen und mit zwei – nur scheinbar – widersprüchlichen Eigenschaften von Kristallen: Durchsichtigkeit und Undurchdringlichkeit.


Zentrales Ausstellungsstück von „Transparente Opazität“: der „RockGrowthCrystal“, der auch in die daneben liegende „Eisgasse“ ausgreifen wird

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Stefan Isser, Geschäftsführer der Swarovski Kristallwelten

© ARIK LEVY, SWAROVSKI WIEN

Verstärkte Interaktion Kunst auf der Kärntnerstraße: Astrid Bechtold gestaltete die Schaufenster von Swarovski Wien neu.

Besucher als Mitwirkende. In dem lichten Raum findet sich denn auch eine große „gewachsene“ Kristallskulptur („RockGrowthCrystal“) neben kleineren, präzise geschliffenen Elementen, 3DPrints, Abbildungen und einer interaktiven Arbeit, die auf Bewegungen und die Anzahl der Besucher vor Ort reagiert. Laut Levy sind (fast) alle diese Objekte und der ganze Raum nicht darauf ausgerichtet, betrachtet, sondern erfahren zu werden. Die Dinge dürfen und sollen angegriffen werden, auch das Klettern auf den größeren Skulpturen ist, sofern es nicht gefährlich ist, erlaubt. Levys Intention, die Besucher damit quasi ins Innere von Kristallen vordringen zu lassen, wird noch vertieft, indem die Objekte über den Ausstellungsraum hinausgreifen: in die daneben liegende „Eisgasse“ und in den Veranstaltungsraum, der im November 2012 ein neues Musikfestival beherbergen wird.

„fmRiese“. Nachdem mit „Musik im Riesen“ ein klassikaffines Publikum angespro-

chen werden konnte und die Clubbings junge Besucherschichten nach Wattens locken, ist „fmRiese – Forward Music Festival“ dem musikalischen Experiment im Grenzbereich verschiedener zeitgenössischer Stile gewidmet: Techno und Minimal Music, elektronische Musik und verfeinertes Songwriting finden hier auf vielen Wegen und in – vom künstlerischen Leiter des Festivals, Christof Dienz, sehr gezielt ausgewählten – Kombinationen zusammen. Internationale Kapazunder wie Howe Gelb, David Moss oder das Brandt Brauer Frick Ensemble begegnen dabei zarten Pflanzen wie dem steirischen Mädchenwunder Soap&Skin (with Ensemble) oder der kühnen Sängerin und Geigerin Carla Kihlstedt. Dass das Wagnis „fmRiese“ ebenso seine Anhänger finden wird wie die anderen musikalischen Aktivitäten der Swarovski Kristallwelten, davon ist Stefan Isser überzeugt, schließlich müsse man immer wieder Neues ausprobieren, um nicht immer am selben Ort stehen zu bleiben. ×

Stefan Isser leitet seit heuer die Swarovski Kristallwelten und führt auch das Konzept der „permanenten Verwandlung“ des Riesen fort – in Zusammenarbeit mit Kulturschaffenden verschiedenster Genres. SAISON: Herr Isser, welche Ziele verfolgen Sie mit der Einbindung von Kunst und Kultur in den Swarovski Kristallwelten? STEFAN ISSER: Die Swarovski Kristallwelten sind in hohem Maße ein Ort der Kunst und Kultur und sie üben auf unsere internationalen Besucher große Faszination aus. Wir versuchen unsere Gäste auf Zeit zu verzaubern, ihnen eine besondere Erinnerung zu schenken. Das führt auch zu mehr Vertrauen bei den Kunden. Geben Sie den Künstlern und Musikern, die mit Ihnen zusammenarbeiten, bestimmte Vorgaben? Nein, wir machen da keine Einschränkungen. Das ist für die Künstler zwar oft schwierig, aber es beflügelt auch die Kreativität enorm und gibt uns neue Impulse. Es entstehen wunderbare Arbeiten dadurch. Wie hat Arik Levy diesen kreativen Freiraum genützt? Viele unserer Wunderkammern sind so gestaltet, dass Kunst erfahrbar ist. Arik Levy weitet diesen Ansatz noch aus und wird die Begehbarkeit und Interaktion durch die Verwendung neuer Technologien noch verstärken. Vielen Dank für das Gespräch.

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46 magazin saison

„Jedes Jahr wie Weihnachten“ Das Literaturfestival Sprachsalz in Hall geht in die zehnte Runde: mit internationalen Autoren, regionalem Publikum und an einem „idealen“ Ort, wie die Veranstalter meinen. Zwei von ihnen, die Autoren Heinz D. Heisl und Magdalena Kauz, erzählen im Gespräch von den Besonderheiten des Festivals.

Ein Team von Autoren (und anderen Literaturliebhabern) rund um Magdalena Kauz und Heinz D. Heisl sorgt seit zehn Jahren dafür, dass internationale Literaten zu Sprachsalz kommen.

Da s Interview führt Es ther Pirchner .

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© michael rathmayr

AISON: Sprachsalz wurde vor zehn Jahren anlässlich der 700-Jahr-Feiern zur Stadterhebung von Hall gegründet. War es damals schon als regelmäßiges Festival geplant? Heinz D. Heisl: Die Idee dazu gab es schon länger und die 700-JahrFeier war der Rahmen, in dem wir uns vorstellen konnten, sie auch umzusetzen. Zuerst wollten wir nur ein Jahr schaffen, … Magdalena Kauz: … aber es war dann sehr schnell klar, dass wir weitermachen. Bei Sprachsalz geht es sehr viel um den Ort. Hall ist ideal, die Haller mögen es. Wir brauchen dafür eine kleine Stadt, es muss alles zu Fuß erreichbar sein. Das Parkhotel ist wunderbar dafür: Die Bar ist das magische Zentrum, die Säle funktionieren perfekt. Auf der Terrasse bei schönem Wetter lesen zu können, ist ein Traum. Dadurch, dass alles an wenigen Orten stattfindet, entsteht eine Art Großfamilieneffekt, es gibt echte Begegnungen. Wir vereinbaren mit den Autoren, dass sie mindestens zwei Tage da bleiben. Und in diesen zwei Tagen bewegen sie sich nicht nur in einem Kreis von Auserwählten, sondern sie sind vor Ort und man kann mit ihnen ins Gespräch kommen. Was hat sich in diesen letzten zehn Jahren verändert, was ist gleich geblieben? Heisl: Aus meiner Sicht haben wir nicht viel verändert, aber wir haben – jeder in seinem Bereich – viel dazugelernt, sind


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professionell geworden. Vor allem haben wir massiv Kontakte geknüpft. Dass wir selbst schriftsteller sind, war uns eine große Hilfe. Die autoren nehmen uns anders wahr und gehen mit uns anders um als mit anderen Veranstaltern. Deswegen kommen zu uns auch die vielen großen alten – die sonst kaum mehr wo lesen. Der amerikanische autor William H. gass, der 87 Jahre alt ist, kommt nur zu dieser einen lesung nach europa. so etwas geht nur über den persönlichen Kontakt. inhaltlich hat sprachsalz eine sehr große Bandbreite: von großen Romanciers bis hin zu Performern. sind außergewöhnliche Präsentationen gegenüber der klassischen lesung in den letzten Jahren mehr in den Vordergrund gerückt? Kauz: Wir haben schon immer autoren eingeladen, die viel Präsenz auf die Bühne bringen, deshalb gibt es auch diese spoken-Word-Tradition bei sprachsalz. Heuer kommt beispielsweise christian uetz, der auswendig rezitiert und eine ganz eigene art hat, seine sachen vorzutragen, oder Jens nielsen, ein junger schweizer. es gibt einige leute, die etwas spezielles mit der sprache machen, sei es als sprachspiel oder in lyrischer Form. es geht einfach um verschiedenste Formen von sprache und literatur, die auf verschiedenste art dargebracht werden. Heisl: ein Beispiel ist der schauspieler Thomas sarbacher, der eine erzählung des autors egon Monk aus den 1960er-Jahren frei rezitiert. Dieser Text ist nicht veröffentlicht und man kann ihn nur auf dem Festival hören. so etwas zu bieten, sehe ich auch als eine unserer aufgaben. Wenn man das sehen, erleben will, dann muss man da sein. Diese einmaligkeit hebt uns auch von anderen Festivals ab. Kauz: Das ist vielleicht schon etwas, was sich in den letzten zehn Jahren verstärkt hat: dass die grenzen zu anderen Kunstsparten noch durchlässiger wurden, die grenzen zwischen bildender Kunst und Text, zwischen Theater und Text, auch zwischen Musik und Text. Das muss nicht sein, aber es darf auch passieren – etwas, was das Buch ein bisschen sprengt, was speziell ist. Ihr Werbe-„Star“, Mops Otto, ist diesmal erstmals mit einem Tablet statt einem Buch auf der Einladung abgebildet. Wie nehmen Sie diese Entwicklung – hin zu elektronischen Medien, E-Books und so weiter – im Literaturbetrieb wahr?

„Bei Sprachsalz geht es sehr viel um den Ort. Hall ist ideal, die Haller mögen es. Wir brauchen dafür eine kleine Stadt, es muss alles zu Fuß erreichbar sein. Das Parkhotel ist wunderbar dafür.“

Heisl: ich merke diesen Wandel insofern massiv, als ich sehr viel in den usa bin, wo diese entwicklungen viel weiter vorangeschritten sind. ich finde das exzellent, weil das cäsarenprinzip der Verleger ausgeschaltet wird und es für viele autoren eine chance ist. ich möchte auch, dass der erste autor, der nur im netz veröffentlicht, bei uns liest. Eine Neuerung des Programms im Jubiläumsjahr betriff t die Workshops, einer für Jugendliche, einer für Erwachsene unter dem Titel „Wie viel Lesen braucht das Schreiben?“ Brauchen Autoren literarische Vorbilder? Heisl: Von einigen großen autoren hört man das: sie haben ihre Favoriten, denen sie nacheifern. aber durch die eigene Persönlichkeit wird etwas neues daraus. im Workshop sage ich den Teilnehmern, sie sollen ihr lieblingsbuch mitbringen, und das funktioniert sehr gut. es geht darum, die Kreativität dessen zu verstehen, der das Buch geschrieben hat, und dies mit der eigenen Kreativität zu mischen. Die leute können sich durch ihr Vorbild hindurchschreiben, um auf der anderen seite als „ich“ herauszukommen. Was ist im Jubiläumsjahr noch zu erwarten? Kauz: zusätzlich zu den autoren im regulären Programm kommen ungefähr noch einmal so viele im Jubiläumsprogramm. normalerweise laden wir autoren nur einmal ein, es gibt höchstens einmal einen Überraschungsgast. Diesmal kommen acht bis zehn autoren, die uns so gut gefallen haben, dass wir sie unbedingt noch einmal hier haben wollten. Bei all den Feierlichkeiten, macht Ihnen nach zehn Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit am Festival die Arbeit noch immer Freude? Heisl: sprachsalz ist immer noch jedes Jahr wie Weihnachten, nur dass wir nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben. inzwischen wissen wir, …

Kauz: … dass man den Baum selber kaufen, aufstellen, rüsten und wieder wegräumen muss. Vielen Dank für das Gespräch.

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SPRACHSALZ 10. INTERNATIONALE TIROLER LITERATURTAGE 14. bis 16. september 2012 Hall in Tirol, Parkhotel, Medienturm ablinger. garber, stadtbibliothek Hall autoren: Martin Walser, William H. gass, elisabeth Reichart, Kei Kimura, gerard Malanga, christian uetz, artur Becker, Robert Bober, Jens nielsen, Paul Renner, sam & ann charters, Walle sayer, agneta Falk, neeli cherkovski, Daniela Dill und rund zehn autoren im Jubiläumsprogramm organisatoren: Valerie Besl, Magdalena Kauz, Max Hafele, Heinz D. Heisl, elias schneitter, urs Heinz aerni www.sprachsalz.com

BUCHTIPPS Wer die autoren des Festivals nicht kennt, kann zumindest noch in den Tagen davor das eine oder andere Buch lesen. empfehlenswert sind: • William H. gass: Der Tunnel • Robert Bober: Wer einmal die augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen • Kei Kimura / Maketa smith-groves: once upon a Time / es war einmal Fukushima • elisabeth Reichart: Die Voest-Kinder • oder wie Magdalena Kauz meint: „eigentlich alle“.


Foto:Wenger

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49 KOMMENTARE SAISON

V O N A LO I S S C H Ö P F

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er seinen Urlaub plant, ist gut beraten, im Internet jene 14-Tage-Vorschau zu studieren, die Auskunft darüber gibt, welches Wetter am Urlaubsort zu erwarten ist. Denn bei aller Liebe zur Oberen Adria: Es gibt nichts Öderes, als in einem Badeort bei Regen in einem winzigen Hotelzimmer festzusitzen. Wer klug und frei genug ist, verschiebt daher den Urlaubsbeginn und wartet auf Tage, die nicht durch graue Wolkensymbole am Bildschirm Unbill versprechen.

zum Beispiel. Entsprechend sind wohl auch die Alpenländer gut beraten, sich gegenüber dem Diktat des garantiert schönen Wetters als dem einzig möglichen Urlaubsglück mit aller Kraft zu emanzipieren. Zumal hinzu kommt: Wetterprognosen haben den für Nachrichtenmedien typischen Hang, alles, was nicht wolkenlosen Himmel verspricht, katastrophisch abzuwerten. Wenn es nach den Voraussagen der diversen InternetWetterfrösche gegangen wäre, hätten etwa die „Wer in Gegenden, in denen sich des Öfteren auch „Innsbrucker Promenadenkonzerte“ im Juli dieses Wolken vor die Sonne schieben, zu sehr mit der Sonne Jahres besser gar nicht stattgefunden. Denn hier wurden Verhältnisse beschrieben, bei denen kein wirbt, sägt touristisch am Ast, auf dem er sitzt.“ vernünftiger Mensch in ein Freiluftkonzert geht. Was aber, wenn die Touristenströme auf der Suche nach Dass das Publikum zuletzt doch kam, hing zum einen damit der perfekten touristischen Ware immer öfter durch solche Prozusammen, dass die seit Wochen über die Alpen dahin fegenden labilen Strömungen ausreichend Platz für Sonnenfenster und gnosen anschwellen oder verebben? Was, wenn sie in Regionen, die von der säkularen Form der Sonnenanbetung leben, zum mehr oder weniger regenfreie Abende ließen, einen Wetterverausschlaggebenden Faktor dafür werden, ob die Zimmer auslauf also, den die Voraussagen nur in einem Drittel der Fälle exakt gebucht sind oder die Angestellten bei voller Bezahlung untätig beschrieben. Im Rest der Fälle lagen sie komplett daneben. Diese herumstehen müssen? Beobachtung, es im Grunde mit Jahrhunderte alter KaffeesudWomit wir, auf die Alpen bezogen, beim ersten Grundleserei im wissenschaftlichen Gewande zu tun zu haben, wurde satz im Umgang mit Wetterprognosen angelangt wären: Wer durch die Weisheit des gelernten Eingeborenen ergänzt, dass in Gegenden, in denen sich des Öfteren auch Wolken vor die derjenige, der in Tirol auf die Sonne wartet, das Leben verpasst. Sonne schieben, zu sehr mit der Sonne wirbt, sägt touristisch Und der Touristiker verpasst das Geschäft. × am Ast, auf dem er sitzt. Zumal es auch Länder gibt, die mitnichAlois Schöpf lebt als Journalist und Schriftsteller in Lans. ten der Sonne bedürfen, um touristisch attraktiv zu sein: Irland

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Minigolf

© BÖHME

Vom Umgang mit Wetterprognosen

VON ERNS T MOLDEN

s gibt das Dorf, wie ich es liebe. Und dann gibt es Gleich in der Nachbarschaft liegt dieser das Nachbardorf. Über dieses Nachbardorf habe ich kleinste Luna-Park der Welt, bestehend aus eigentlich noch nie geschrieben. Dies ist ungerecht, einer Minigolf-Anlage, einem entzückenden weil so oft ich ins Lieblingsdorf gefahren bin, musste Autodrom, einer Handvoll streichelbereiter Tieich mindestens zweimal durchs Nachbardorf, und ohne es wirkre und einem Espresso im Knusperhäuschen. lich zu kennen, habe ich es daher doppelt so oft berührt. Meine Kinder, meine Liebste und ich haben dort Das Nachbardorf liegt weniger weit droben als unser eigeein mehrtägiges Minigolf-Turnier abgehalten, nes. Es hockt auf dieser magisch glitzernden Kante zwischen Berg unterbrochen von einem dieser wüsten Hagelstürme, wie sie der und Tal, die man gern als Mittelgebirgsplateau bezeichnet. Da fällt vorige Sommer zu bieten hatte. Der Papagei, die zahmen Ziegen viel Sonne hin. Da herrscht nicht die Trutzigkeit der schattigen und die betulichen Laufenten flüchteten in ihre Behausungen, wir und / oder ausgesetzten Bergdörfer. Da ist man gelassener unterselbst retteten uns ins Espresso, wo wir dann Seite an Seite mit wegs, und vielleicht die Spur unspektakulärer. Heuer, als meine Lieben und ich im Dorf „Während unser eigenes Dorf im Winter mit Pisten und waren, haben wir gleich mehrfach das NachHütten punkten kann, hat im Sommer das Nachbardorf bardorf besucht. Wir sind nämlich auf folgendes draufgekommen: Während unser eigenes Dorf auf seinem sonnenwarmen Platz einiges zu bieten.“ im Winter mit Pisten und Hütten punkten kann, hat im Sommer das Nachbardorf auf seinem sonnenwarmen Platz einiges zu bieten. Und zwar Sachen, die dem anderen zufriedenen Ferienmenschen ein Eis aßen. Als der Himmel verbreiteten Ereignis-Tourismus der Jetztzeit diametral entgegenwieder glitzerte, kehrte die Luna-Park-Chefin die Hagelschlossen gesetzt sind. Lustbarkeiten, wie sie den 50er Jahren des verganmit einem Riesenmopp aus den Minigolfbahnen heraus, und wir genen Jahrhunderts entsprungen scheinen. Beispielsweise den spielten halt weiter. kleinen, kreisrunden Badesee, von feistem Wald umstanden, mit Abends mit, wie wir hier sagen, gut ausgetobten Kindern vom Wetter ergrauten Pritschen, einem ebensolchen Sonnenfloß fragten wir uns dann, warum uns das kleine, unaufgeregte, beund einem einsamen Sprungbrett. In tiefer Zufriedenheit schoben scheidene Dorf so erfreut hat. Weil wir jetzt älter sind und es auch unsere Kinder im See Baumstämme herum, flüchteten vor den schon billiger geben? Oder weil es einfach total ausreicht? × Bremsen ins tiefgrüne Wasser und vermissten überhaupt gar nix. Ernst Molden lebt als Liedermacher und Schriftsteller in Wien. Für seine Alben und Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet. Eben erschien seine neue Platte A SO A SCHEENA DOG (monkeymusic).


50 NACHGEFRAGT SAISON

15 FR AGEN AN ...

Peter Habeler DREI SCHÖNE ORTE AUF DER WELT (AUSSERHALB TIROLS): Nepal, Argentinien, Karakorum DIE GRÖSSTEN TUGENDEN IM TOURISMUS: Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft DIE GRÖSSTEN SÜNDEN IM TOURISMUS: Überheblichkeit DIE STÄRKEN DES TIROLER TOURISMUS: Siehe Frage 2, die Gastfreundschaft DIE SCHWÄCHEN DES TIROLER TOURISMUS: Arroganz RESPEKT HABE ICH VOR ... ... der Natur und vor sportlichen Höchstleistungen DIE BESTE IDEE DER LETZTEN FÜNF JAHRE: Der zunehmende Trend des Skitourengehens, Klettersteige (aber bitte nicht zu viele!) und das Internet als Informationsquelle rund um die Tourenplanung BERGSTEIGEN BEDEUTET FÜR MICH: Freiheit und Naturgenuss LETZTER URLAUB (WANN UND WO?): Argentinien im Mai 2012, wir waren am heiligsten Berg der Inkas ICH LERNE VON ... ... fast jedem Menschen und von der Natur. Ich beobachte gerne und ziehe daraus meine Schlüsse. MEIN LIEBLINGSBERG IN TIROL: Der Olperer im Zillertal ICH BEWUNDERE (PERSON) ... ... Menschen mit großen körperlichen Behinderungen, die ihr Leben unglaublich tapfer meistern FÜR DIE ZUKUNFT TIROLS WÜNSCHE ICH MIR ... ... Augenmaß in der touristischen Erschließung DIE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG MEINES LEBENS: Besteigung des Mt. Everest GEFÜRCHTET HABE ICH MICH ... ... sehr, sehr oft.

Peter Habeler ist weltbekannter Extrembergsteiger und Alpinist und feierte heuer im Juli seinen 70. Geburtstag.


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Saison 4 2012