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Am 22. April wird in Jena wieder argumentiert, erörtert und verbal ausgeteilt. In der Friedrich-Schiller-Universität diskutieren Konversationskünstler um den Titel „Mitteldeutscher Debattiermeister“. Jonathan Scholbach, Präsident der Debattiergesellschaft Jena, erklärt den Debattiersport und gibt den OB-Kandidaten letzte Ausdruckstipps. Herr Scholbach, wie funktioniert eigentlich das Debattieren? Scholbach: Zwei Teams aus jeweils drei Debattierern vertreten gegenteilige Meinungen eines Themas. Die Teammitglieder tragen abwechselnd ihre Argumente vor. Dafür hat jeder sieben Minuten Zeit, in der das gegnerische Team aber Fragen stellen kann. Was macht jemanden zum guten Debattierer – Talent oder Training? Scholbach: Es steckt ein riesengroßer Übungsteil dahinter. Debattierer mit

„Authentizität ist wichtig“ Erfahrung sind Allrounder und können jedes Thema diskutieren. Auch ein sehr talentierter Anfänger kann einen weniger talentierten Routinier kaum schlagen. Es heißt oft, dass der, der die besseren Argumente hat, gewinnt. Scholbach: Wenn beide Seiten gute Argumente haben, kommt es darauf an, strategisch geschickter zu sein. Wie muss man sich das vorstellen? Scholbach: Eine Debatte muss man durch die Problemdefinition lenken. In einer Debatte, ob Betteln verboten werden soll, kann man die Bettler als Belästigung definieren. Man kann aber auch den Fokus darauf legen, Bettler durch das Verbot in die Sozialsysteme zu zwingen, um sie der medizinischen Versorgung zuzuführen. Mit der zweiten Definition macht man es dem Gegner schwerer als mit der ersten. Wie viel Taktik ist beim Debattieren nötig? Scholbach: Debattieren ist durchaus ein Strategiespiel. Das erste Argument sollte immer das beste und das letzte das zweitbeste Argument sein. Beide bleiben im

Gedächtnis. Außerdem ist es ratsam, den Gegner mit Rückfragen zu verunsichern. Das verkürzt dessen Redezeit und lenkt ab. Wie laufen die Mitteldeutschen Debattiermeisterschaften ab? Scholbach: Zwanzig Teams haben sich angemeldet. Es wird also vier Vorrunden, zwei Halbfinals und das Finale geben. Letzteres übertragen wir live auf unserer Homepage. Die Halbfinals sind aber oft spannender, weil die Teams noch nicht so aufgeregt sind. Welche Tipps geben Sie den OBKandidaten für ihren Wahlkampf? Scholbach: Das „Geheimrezept“ ist, dass es kein Geheimrezept gibt. Stattdessen: Üben, üben, üben. Denn Authentizität ist wichtig. Man muss in Übungsdebatten erkunden, welcher Stil am besten zur eigenen Persönlichkeit passt. Vielen Dank für das Gespräch. Ina Schwanse So 22.4., 14 Uhr Aula der FSU Jena www.debattiergesellschaft.de www.JenaSaaleland.de

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TiPs 4/12  

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