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Bielefelder Bücherwelten Christina Erbertz

Der Wurm mit der albernen Brille Die Deckenlampe ihrer Tochter sieht aus wie ein schlecht gelaunter Wurm. „Die hat mich auch inspiriert, aber eigentlich kamen die Figuren und die Geschichte wie von selbst“, erzählt Christina Erbertz lachend. „Freddy und der Wurm“, erschienen beim Verlag Beltz & Gelberg, ist das erste Kinderbuch der gebürtigen Bielefelderin. Als Drehbuchautorin hat sie zehn Jahre lang fast ausschließlich Fernsehen für Kinder gemacht. Und so erfolgreiche TV-Serien wie Beutolomäus konzipiert, für Löwenzahn, Sesamstraße und Hexe Lilli geschrieben. „Irgendwann hat mich dann der Wunsch gepackt ein Buch zu schreiben“, sagt Christina Erbertz. Frei von jeglichen Vorgaben. „Morgens, wenn meine Kinder aus dem Haus sind, setze ich mich mit einer Tasse Kaffee an den Schreibtisch und lege gleich los“, sagt die 40-Jährige, die mit Mann und zwei kleinen Töchtern in Berlin lebt, aber regelmäßig ihre Familie in Bielefeld besucht. „Das genieße ich. Das ist meine Welt.“ Eine Welt, in der Freddy zum Leben erwacht ist. Ein lustiger, lebensfroher und frecher Junge, der – ähnlich wie Pipi Langstrumpf – allein auf sich gestellt ist. Seine Mutter setzt nämlich keinen Fuß mehr vor die Wohnungstür. „Mich hat fasziniert, was passieren könnte, wenn ein Kind auf sich gestellt ist“, erklärt die Autorin. Dass ein Junge die Hauptfigur ihres Kinderbuches ist, war für sie mehr „eine intuitive Entscheidung“. „Vielleicht, weil es für einen Jungen noch peinlicher ist, einen imaginären Wurm als ständigen Begleiter zu haben als für ein Mädchen“, so die Bielefelderin, die am Helmholtz-Gymnasium ihr Abi gemacht hat, in Bochum Theater und Filmwissenschaft und später an der Filmakademie Berlin Drehbuch studierte. Ein reiner Jungs-Roman ist das Buch dennoch nicht. Mit der ernsthaften und belesenen Ira an Freddys Seite hat Christina Erbertz ein ungleiches Gespann geschaffen, das samt Wurm zu einem erstklassigen Detektiv-Team avanciert. Und so sprintet Freddy, mit dem Wurm – der blöden Sparbirne – auf der Schulter von der Ölmühlenstraße los, die Prießallee hoch, links in den Rußheider Weg hinein. Straßen, deren Namen Bielefeldern beim Lesen wohlvertraut in den Ohren klingen dürften. Zwei Jahre hat Christina Erbertz – mit Unterbrechungen – an dem Buch geschrieben. „Ich brauche immer Zeit, damit ich über die Figuren nachdenken kann“, sagt sie und bewundert diejenigen, die aus dem Stand spannende Geschichten erzählen können. „Spontan kann ich nur selbst gedachte Lieder singen.“ (C.B.)

Dr. Kirrily de Polnay behandelt den dreijährigen Yaseen im Flüchtlingscamp Jamam, Südsudan. © Robin Meldrum/msf

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August 2013 | Bielefelder | 63

Bielefelder August 2013  

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