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Besucher in Zahlen 536.561 Übernachtungen 292.121 Gäste 98.312 Übernachtungen ausländischer Gäste 78.833 Übernachtungen von Gästen aus Europa 134,3 % mehr Übernachtungen von Gästen aus Afrika

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an den Führungen teil. „Wenn man bedenkt, dass Bielefeld keine klassische Urlaubsstadt ist, dann ist das eine recht gute Zahl.“ Thematisch unterschiedliche Touren werden von der Bielefeld Marketing angeboten, so z. B. zur jüdischen Geschichte oder zur Frauengeschichte. „Wenn ich selbst Gäste habe, gehe ich mit ihnen in die Ravensberger Spinnerei. Die Situation der Textilarbeiterinnen finde ich besonders spannend“, erzählt die engagierte Stadtführerin. Besonders beliebt sind die „Kulinarischen Spaziergänge“.

Unterwegs mit Missionaren An ihre erste Führung kann sich Gerlinde Salzmann noch gut erinnern. „Das waren Missionare aus Afrika, da musste ich aus dem Stand französisch sprechen. Da war ich ziemlich aufgeregt, aber die Gruppe war so nett und zugewandt, dass das Lampenfieber schnell verflog.“ Durch Zufall war die Sprachwissenschaftlerin auf eine kleine Annonce in der Zeitung gestoßen. „Der Verkehrsverein suchte Stadtführer mit guter Allgemeinbildung. 20 Leute haben sich damals beworben, von denen wurden gerade drei für ihre 25-jährige Tätigkeit geehrt.“ Darunter auch Gerlinde Salzmann, die nach all den Jahren noch immer neugierig auf die Stadt ist. „Besonders gern mache ich Führungen, die über ein Reisebüro gebucht werden. Manchmal wissen die Besucher gar nicht, dass die Fahrt nach Bielefeld geht. Wenn ich aufgeschlossene Gäste habe, die viele Fragen stellen und mich auf etwas aufmerksam machen, dann lerne ich auch noch etwas dazu. Das schärft meinen Blick auf die Stadt.“

Internationales Publikum Häufig buchen Bielefelder Unternehmen für ihre Mitarbeiter oder Geschäftspartner aus aller Welt eine Führung – oder wenn Menschen aus den verschiedenen Partnerstädten zu Gast sind. Sie kommen aus den USA, Spanien, Lateinamerika, Osteuropa oder aus Australien. „Die meisten Amerikaner sind von der Geschichte fasziniert und wie viele alte Gebäude in der Stadt stehen. Auch ein Haus aus dem Jahr 1842 6 | Bielefelder | August 2013

ist für sie schon alt.“ Das erleben und anfassen zu können, ist für die Reisenden aus der „Neuen Welt“ ein besonderes Erlebnis. Insgesamt wird Bielefeld als eine sehr saubere Stadt wahrgenommen. Jeder Stadtführer hat sein eigenes Profil. „Die Eckdaten sind natürlich dieselben“, betont die 52-Jährige, „aber die thematische Ausgestaltung macht jeder anders. Wir haben in Bielefeld nicht das eine Monument, vor dem alle staunend stehen bleiben. Da ist dann schon Hintergrund gefragt.“ Inhalte, die Gerlinde Salzman unterhaltsam, locker und informativ aufbereitet. Schließlich möchte sie die Gäste für Bielefeld begeistern.

3 Frank Heublein Bielefelds Herbergsvater

„Bielefeld ist kompakt. Alles ist zu Fuß erreichbar und man ist sofort im Grünen“, bringt Frank Heublein die besten Seiten der Stadt auf den Punkt. Der Hotelbetriebswirt leitet seit 2008 das Jugendgästehaus auf dem ehemaligen Gelände des Dürkopp-Werks, das zum Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) gehört. Neben seinen vielfältigen Aufgaben, zu denen Personalführung oder Marketing, aber auch die Planung von Veranstaltungen gehören, nimmt er sich immer wieder gerne die Zeit für die Arbeit an der Rezeption, um mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Sie besuchen aus verschiedensten Anlässen die Anlage am Georg-Rothgiesser-Park. „In unseren Seminarräumen im ‚Alten Berliner Bahnhof ‘, dem gelben Gebäude, finden Azubischulungen, Jugendund Erwachsenenweiterbildung statt, beispielsweise von den Stadtwerken oder Eon. Aber auch die Heinrich-Böll-Stiftung führt hier ihre Auswahlgespräche durch“, erzählt er. Ebenso steigen ausländische Gäste der Uni Bielefeld oder des Goethe-Instituts in Bielefelds Herberge Nr. 1 ab.

Bielefelds Herberge Nr. 1 Zur Freizeitgestaltung hat er für jeden den passenden Tipp parat: „Studenten schicken wir zum Party machen an den Boulevard, Paare auf die Terrasse des Bernsteins. Und nicht nur Familien empfehlen wir die Sparrenburg, das Bauernhausmuseum und den Tierpark Olderdissen.“ Der Teutoburger Wald mit dem Hermannsweg lockt vor allem Wanderer an, aber auch Radfahrer erkunden Ostwestfalen und schlagen in Bielefelds „Jugendherberge“ ihr Nachtlager auf. „Auf der Suche nach einem Biergarten schicke ich sie ins Brauhaus Johann-Albrecht. Oder ins Glückundseligkeit; ein Restaurant in einer Kirche ist außergewöhnlich.“ Von altem Jugendherbergsmief ist im modernen Gästehaus nichts zu spüren. Die 58 Zimmer mit insgesamt 160 Betten sind alle mit Badezimmern und 22 ZweiBett-Zimmer sogar mit TV ausgestattet. Die werden auf Wunsch als Einzelzimmer vermietet. Funktionelle Seminarräume, moderne Zimmer, abwechslungsreiche Gerichte und sogar Sauna und Dampfbad bieten mehr Komfort als andere Häuser des DJH.

Kunsthalle & Theater „Es ist etwas hochpreisiger, daher haben wir seltener Schulklassen bei uns“, bemerkt der 38-Jährige. „Falls doch, bieten wir ihnen ab nächstem Jahr zwei erlebnispädagogische Programme: im Hochseilgarten oder die ‚Jagd nach Mister X‘ in der Innenstadt.“ Ebenso als Paket: Kanufahren auf der Werre oder Geo-caching, eine moderne Variante der Schnitzeljagd. Frank Heublein beobachtet, dass Gäste besonders wegen des kulturellen Angebotes in die Teutostadt kommen, etwa wegen der Kunsthalle oder des Theaters. „Da verirren sich auch mal Münsteraner nach Bielefeld“, verrät der gebürtige Düsseldorfer. Damit andere entspannen können, kennen Rezeption, Hausreinigung, Küche und Haustechnik kein Wochenende. Der Erfolg zeigt sich: In den letzten fünf Jahren konnte die Besucherzahl auf 25.000 Gäste pro Jahr gesteigert werden.

Bielefelder August 2013  

Die Illustrierte der Stadt

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