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Amerikaner mögen Bielefelds historische Häuser, britische Kinder suchen Gespenster auf der Sparrenburg. Vor allem Holländer besuchen gerne die freundliche Stadt am Teutoburger Wald. Rund 300.000 Besucher aus aller Welt zählte die Bielefeld Marketing im vergangenen Jahr. Darunter auch 18 Isländer und 4 Zyprer. Wir haben 3 Bielefelder besucht, die unseren Gästen Bielefelds beste Seiten zeigen.

Top 5 der Übernachtungen 1. Niederlande (19.927) 2. Vereinigtes Königreich (7.853) 3. Russland (7.315) 4. Polen (6.890) 5. USA (4.539) Seltene Gäste: Island (102); Estland (57); Neuseeland & Ozeanien (45); Zypern (8); Malta (0)

1 Ditta Sokolowsky Bielefelds Burgwartin

„Von oben ist der Blick noch schöner.“ Ditta Sokolwsky zögert keine Sekunde bei der Frage, ob es sich lohnt, die 120 Stufen hoch zu steigen, die auf den Turm der Sparrenburg führen. „Man hat einfach einen traumhaften Blick auf Bielefeld“, schwärmt die Bielefelderin. Oben angekommen verlieren sich die Geräusche der Stadt, die Vögel zwitschern und der Blick ins Grün gleitet über die Baumwipfel hinweg. Eine Alternative zu den 120 Stufen gibt es nicht. Und so geht’s auf der Holztreppe, die älter aussieht als sie ist, aufwärts. Vorbei an der Ritterrüstung Otto. „Ich bin schon mal hineingeschlüpft“, verrät die 36-Jährige schmunzelnd. „Und jetzt weiß ich auch, warum Ritter damals Knappen brauchten. Allein eine Ritterrüstung anzulegen, ist nämlich unmöglich.“

Dicke Mauern, dunkle Verliese Die Alltagsgeschichten sind es, die die Besucher interessieren. Und die sind es auch, die Ditta Sokolowsky Spaß machen. Statt Jahreszahlen herunter zu rattern, erzählt die Burgwartin wie und unter welchen Bedingungen die Menschen damals auf der Sparrenburg gelebt haben. Dicke Steinmauern, dunkle Verliese und enge Lichtschächte der mittelalterlichen Festungsanlage liefern dafür eindrucksvolle Beweise. Als Wahrzeichen der Stadt ist die Sparrenburg nicht allein Ausflugsziel für Bielefelder. Internationale Führungen sind für Ditta Sokolowsky Alltag. Amerikaner besuchen die 750 Jahre alte mittelalterliche Festung ebenso wie Taiwanesen. Und sind beeindruckt. Von ihrer Größe und ihrem Alter. „Eine amerikanische Gruppe war ganz geschockt als eine Mauer aus dem Jahr 1805 abgerissen wurde“, erinnert sich die Burgwartin. Sie musste erst erklären, dass darunter noch viel ältere Überreste lagen und zwar die Grundmauern vom Zeughaus aus dem 16. Jahrhundert.

Mitternacht ist Geisterstunde Ganz ohne Jahreszahlen kommt Ditta Sokolowsky dann doch nicht aus. „Wenn ich eine niederländische Gruppe habe, erwähne ich die Belagerung durch Münsteraner Truppen im Jahr 1673“, erklärt Ditta Sokolowsky. „Die Sparrenburg war damals Nebenschauplatz des niederländisch-französischen Krieges und die Spitze gegen Münster freut sie.“ Andere Zielgruppen, andere Fragen und Interessen. Darauf stellt sich die Burgwartin flexibel ein. „Britische Kinder fragen ganz häufig, ob es auf der Burg spukt“, sagt die 36-Jährige. Sie hilft sich, weicht geschickt aus – zugunsten der kindlichen Fantasie: „Mitternacht ist Geisterstunde und so hat es wohl einen Grund, warum unsere Gewölbe ab 24 Uhr nicht mehr betreten werden dürfen.“ Dass eine Lärmschutzverordnung dahinter steckt, verschweigt sie. Und natürlich ranken sich weitere Legenden um die Bielefelder Burg. Ein unterirdischer Gang soll bis zum Alten Markt führen. „Diese Legende ist scheinbar unausrottbar“, stellt die 36-Jährige immer wieder fest. Und so manch einer mutmaßt und zweifelt noch am Ende der Führung, ob die Burgwartin ihr geheimes Wissen einfach nicht preisgibt.

2 Gerlinde Salzmann Bielefelds Stadtführerin

Die Welt kommt nach Bielefeld – und wird von Gerlinde Salzmann in Empfang genommen. Die Sprachwissenschaftlerin ist eine von 12 Stadtführern. „Ich möchte die Menschen positiv enttäuschen“, lacht die 52-Jährige. „Viele kommen am Bahnhof an und haben zunächst keine Erwartungen. Wenn wir uns auf dem Alten Markt treffen, sind die meisten schon sehr begeistert von der Stadt und ihrer Geschichte.“ Rund 11.000 Gäste nahmen im vergangenen Jahr August 2013 | Bielefelder | 5

Bielefelder August 2013  

Die Illustrierte der Stadt