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Wandbilder in der Kunsthalle

Temporäre Kunst Diese Ausstellung fällt aus dem Rahmen. Schon in der Vorbereitungsphase, wenn statt sorgsam verpackter Kunstwerke aus aller Welt die Künstler selbst anreisen. Und inhaltlich, wenn die Künstler die klassischen Bildgrenzen überschreiten und die Wände der Ausstellungshalle in ein Kunstwerk verwandeln. Unter dem Titel „Auf Zeit. Wandbilder – Bildwände“ widmet sich die Kunsthalle ab dem 4.8. der Wandmalerei seit den 1960er Jahren.

Genau für diesen „Ausstieg aus dem Bild“, wie ihn Laszlo Glozer beschrieb, ist der Johnson-Bau wie geschaffen, denn freistehende Wände prägen seine Architektur. Begeistert von dem „großartigen Gebäude“ ist auch Ham Darroch, der gemeinsam mit Sofia Jonsson und Maria Timper aus England angereist ist. Die drei Sofia Jonsson und Ham Darroch beim „Probenlauf“ für das Wandbild von Bridget Riley jungen Künstler arbeiten im Team für Bridget Riley. Die bekannte – und betagte – englische Künstlerin führt ihre Wandbilder nicht selbst aus, sondern überträgt diesen Schritt ihren Assistenten. „Ihre Arbeit wird hier phantastisch aussehen“, schwärmt das Team, das von Paris bis London für die Künstlerin unterwegs ist. Etwa eine Woche brauchen die Assistenten, um Rileys Entwurf für das Wandbild „Rajasthan“ umzusetzen. Um das rhythmisch komplexe Werk zu schaffen, das mit seinen aufstrebenden Diagonalen und schwingenden Kurven, seinen Farben und Formen vor dem Auge des Betrachters einen Tiefenraum entstehen lässt. Zum „Sehen“ verführen will. Die drei Engländer sind nicht die einzigen, die wenige Wochen vor der Ausstellungseröffnung zu der ganz besonderen Atmosphäre in der Kunsthalle beitragen. Allerorten Leitern und Baugerüste, konzentrierte Aufbruchsstimmung und natürlich Künstler, die verschiedenste Formen der Wandmalerei umsetzen. Ob abstrakt, figurativ, ornamental, geometrisch oder als Text-Arbeit und mit politischer Aussage. Neben zeitgenössischen Werken unter anderem von Richard Wright, Rinus Van de Velde, Arturo Herrera oder Lawrence Weiner, die die Künstler bzw. deren Assistenten unmittelbar auf den Wänden realisieren, rekonstruiert die Ausstellung aber auch herausragende Arbeiten von Sol LeWitt, Richard Tuttle und Blinky Palermo. Waren deren Werke in den 60er und 70er Jahren noch als rebellische Geste gegenüber dem Kunstmarkt zu verstehen, sind Wandarbeiten und -installationen heute fester Bestandteil der Kunstproduktion. Aber Werke auf Zeit sind sie geblieben. Mit dem Ende der Ausstellung verschwindet auch die Kunst von den Wänden. Ham Darroch hat damit kein Problem. „Darin liegt gerade der besondere Reiz dieser Arbeiten“, betont der Künstler und fügt lachend hinzu: „Aber natürlich machen wir auch Fotos von dem Wandbild.“ (S.G.) 4.8.-20.10., Kunsthalle Bielefeld www.kunsthalle-bielefeld.de

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August 2013 | Bielefelder | 13

Bielefelder August 2013  

Die Illustrierte der Stadt

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