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35. Schweizer Jugendfilmtage


trickfilm

Ein altbekannter Jungfilmer Schon als Urs Brenner, Trickfilmer aus Muttenz, noch jung war und seine ersten Filme realisierte, nahm er an den Schweizer Jugendfilmtagen teil. Heute, ist er mit bald 50 Jahren immer noch mit dabei, allerdings nicht mehr alleine. Tobias Söldi «Früher zeigte ich hier meine eigenen Werke, heute bin ich bei Filmen fürs Jugendfilmfestival eher im Hintergrund tätig», erklärt Brenner. An den diesjährigen Jugendfilmtagen beispielsweise präsentiert er den «Strassentrickfilm». Während einer Projektwoche zum Thema Kunst realisierte der ausgebildete Primarlehrer zusammen mit 16 Schulkindern einen etwa vierminütigen, mehr assoziativen denn erzählerischen Kurzfilm, bei dem sich alles um Strassen und Street Art dreht. Die Kinder malten, sprayten und klebten auf Strassen, Mauern und überall, wo es sonst noch Platz hatte. Die meisten der Ideen stammen von den Kindern: So wurden zum Beispiel die Menschen auf der Fussgängertafel zum Leben erweckt, ein Verbotsschild erhält Augen und Zunge, oder an eine Betonwand gezeichnete Menschen spielen sich gegenseitig einen Fussball zu. Die einen Einfälle der Kinder sind überraschend und witzig, andere stimmen nachdenklich.

teratur, sie verfassen ja auch Texte. Warum soll man also nicht auch Filme drehen?» Einen weiteren Grund sieht Brenner darin, dass Kinder Dinge im Medium Film verarbeiten können. Dazu zählen auch Gewalt und Aggressionen: «Kinder bauen Aggressionen ab, indem sie grässliche und garstige Geschichten erfinden.» Brenner agiert mehrheitlich im Hintergrund, liefert das technische Know-how und sorgt dafür, dass die Kinder etwas Solides auf die Beine stellen können.

im Gymnasium, da entstand sein erster Trickfilm. Damals gab es aber noch keine Filmschulen in der Schweiz, deshalb eignete sich Brenner sein Wissen autodidaktisch an, besuchte Kurse und las Bücher zum Thema. Den Trickfilmen ist er über die Jahre treu geblieben. Zwar hat er auch einige Spielfilme mit Kindern gedreht, doch der grösste Teil seiner Filme sind Trickfilme. «Hier kann ich gänzlich neue Welten erschaffen und meine Phantasie ausleben», sagt er.

Talente entdecken Und vielleicht kommen bei einem derartigen Projekt auch Nachwuchstalente zum Vorschein. «Es gibt immer ein paar Kinder, die Talent haben», meint Brenner, «und möglicherweise zeigt jemand in zehn Jahren einen eigenen Beitrag an einem Jugendfilmfestival.» Er denkt wohl auch daran, wie er als Jugendlicher selbst begonnen hatte, Trickfilme zu zeichnen und an Festivals zu zeigen. Angefangen hat es bei ihm

Ein bisschen angefressen Aber Brenner benutzt Filme nicht nur als pädagogisches Mittel. Er produziert auch Erwachsenenfilme, Kurzfilme bis fünf Minuten. Er bezeichnet sie als «Mischung zwischen Trickfilm und bildender Kunst.» Seine Werke bewegen sich eher im experimentellen Bereich, weshalb die Filme vor allem an Filmwettbewerben, Kunstausstellungen oder allenfalls im Spätprogramm des Fernsehens gezeigt werden. Der

Kreativ sein! Brenner versucht so, jungen Schülern das Medium Film näher zu bringen, und zwar nicht durch passiven Fernsehkonsum, sondern durch aktives Filmen. Seine Botschaft lautet: «Habt Ideen und seid kreativ! Macht eure Sachen selbst! Werdet aktiv!». Die Projekte sollen Kindern helfen, Filme mit anderen Augen zu sehen als zuvor. «Man lernt die Tricks kennen, die hinter einem Film stecken. Dadurch wird man natürlich weniger leicht manipulierbar, ist den Bildern weniger ausgeliefert.» Dass man in der Schule auch Filme machen – und nicht nur konsumieren – soll, ist für Brenner eine klare Sache: «Die Schüler lesen nicht nur Li-

Mit 48 Jahren ist Urs Brenner der Älteste der Jungen. Bild: Katharina Good


Film «Kreuchen und Fleuchen» beispielsweise besteht aus sich stetig verändernden, schwarzen Formen vor weissem Hintergrund und umgekehrt, dazu gesellen sich rasch auftauchende, schnell wieder verschwindende Farbflecken. Solche abstrakten Filme lösen natür-

lich nicht nur Begeisterung aus: «Unter einigen Besuchern an Festivals hat der Film auch für Kopfschütteln gesorgt.» Dennoch wurde «Kreuchen und Fleuchen» ziemlich erfolgreich an internationalen und nationalen Filmfestivals gezeigt. Seinen Lebensunterhalt kann sich Brenner als Filmemacher allerdings nicht verdienen, hauptberuf-

lich arbeitet er daher als Primarlehrer. Dennoch stellt er etwa alle drei Jahre ein neues Werk fertig. Einen Film zu machen ist eben ein sehr zeitintensives und aufwändiges Unterfangen. «Ja, man muss schon ein bisschen angefressen sein», meint Brenner zum Schluss grinsend.

interview

Es gibt Platz zum Träumen Jan Mettlers sechsminütige Diplomarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Der Film «Ronaldo» erzählt die Geschichte eines jungen Fussballers und seines ungewöhnlichen Gegners, einer Schaukel, die sich in ihrer eigenen Arena in einem Duell gegenüberstehen. Die Geschichte wird gekonnt in einer detaillierten Bildsprache und mit raffinierten Perspektivenwechsel umgesetzt. Jan Mettler verzichtet auf den Dialog und lässt die Bilder für sich selbst sprechen. Tink.ch sprach mit Jan-Eric Mack, dem Co-Regisseur. Miriam Hetzel Der Kurzfilm «Ronaldo» wurde mehrfach ausgezeichnet. Wie fühlt es sich an, eine so positive Bestätigung für sein Schaffen zu bekommen? Wir freuen uns natürlich sehr über die positive Rückmeldung! Festivals sind besonders bei Kurzfilmen eine notwendige Plattform und die Besucher eine wichtige Referenz. Daneben haben wir nun etwas finanzielle Mittel, um im Sommer ein neues Projekt realisieren zu können. Das Privileg, einen neuen Film zu machen, freut uns besonders. War «Ronaldo» Ihre erste grössere Regiearbeit? Kaum hatte ich mit dem Studium begonnen, wurde ich von Jan Mettler für sein Abschlussprojektes als Co-Regie angefragt. Wir teilten uns die Arbeit am Set. Er leitete den Dreh und das Kamera-Departement, ich arbeitete mit dem jungen Hauptdarsteller: Eine grosse Verantwortung, zeitgleich auch eine Riesenchance. Für sein Vertrauen bin ich ihm sehr dankbar. Wie lange hat es gedauert, bis aus der Idee ein fertiger Kurzfilm wurde? Wie lange die Schaukel schon in Jans Kopf rumgeistert, kann ich nicht sagen. Von unserem ersten Gespräch

bis zum fertigen Film hat es ein halbes Jahr gedauert. Für eine kurze Drehzeit von nur vier Tagen mussten wir gut vorbereitet sein. Neben der Auflösung hat dann vor allem die Postproduktion viel Zeit in Anspruch genommen.

jede einzelne Regung im Gesicht. Ich hatte die Aufgabe diese Geschichte ohne Worte und nur über feinste Emotionen zu erzählen. Den Rest musste Jan Mettler in der gleichen Qualität mit der Kamera ergänzen.

Wo sehen Sie die Stärken des Films? Die liegen ganz klar in der präzisen Bildsprache des Films. Die daraus resultierende Stimmung bleibt zurück, wenn die Figur das gleissende Licht als kleiner Junge verlässt. Dabei hilft das Spiel, die Location, aber auch Musikund Sounddesign.

Der Blick durch die Kamera ermöglicht eine andere Sicht auf den Film. Ist es schwierig, sich in die Perspektive der Zuschauer einzufühlen? Bei den eigenen Filmen schon. Oft braucht es eine gewisse Distanz, nachdem man sich über lange Zeit mit einer Materie auseinander gesetzt hat. Den gänzlich unbefangenen Blick des Zuschauers werden wir leider nie erlangen können.

Was war bei diesem Kurzfilm die grösste Herausforderung für euch? Die Arbeit mit einem Kind funktioniert anders als mit erwachsenen Schauspielern. Wir haben viel Wert auf das Casting gelegt und dann mit Patrick Pereira da Costa den richtigen Darsteller gefunden. Die Kamera sieht

Welchen Eindruck wollen Sie bei den Zuschauern hinterlassen? Es gibt Platz zum Träumen. Auf und neben der Leinwand.

Jan-Eric Mack ist 27 Jahre alt und lebt in Winterthur. Nach einer Lehre als Grafiker und fünf Jahren auf diesem Beruf begann er 2009 sein Studium an der Zürcher Hochschule der Künste, um sich ganz seiner Leidenschaft Film zu widmen. Seine und Jan Mettlers Wege kreuzten sich schon seit längerer Zeit, sowohl privat als auch beruflich, so kam es auch, dass jener ihn als Co-Regisseur für seine Diplomarbeit anfragte.


feature

Lernen durch die Kamera Die Menschen kommunizieren nicht nur über Sprache und Schrift, sondern vermehrt auch über Filme. Nur müssen sie erst lernen, mit solchen bewegten Bildern umzugehen, in Theorie und Praxis. An den Jugendfilmtagen wird nun angedacht, wie mehr Jugendliche von einer praktischen Filmbildung profitieren können. André Müller Smartphone drin. Viele Mobiltelefone und Laptops haben Programme installiert, mit denen sich Filme leicht zuschneiden lassen. Darum drehen heute immer mehr Menschen, vor allem Jugendliche, ihre eigenen Filme. Mit dem Material allein ist es aber noch nicht getan. Man muss lernen, wie man damit umgehen kann, so Schatzmann: «Die Mittel zum Filmen sind da, die Fertigkeit noch nicht.» Insbesondere den Jugendlichen müsste also beigebracht werden, wie sie diese Möglichkeiten kreativ nutzen können.

«Hollywood in de Klas» macht niederländische Schulklassen zu Filmteams. Bild: Suzanne Heikoop. Jeder mag Filme. Nicht jeder mag dieselben. Jim Jarmusch, James Bond, Casablanca: Die Vielfalt ist enorm. Trotzdem finden die meisten einen Film zunächst nur gut oder schlecht. Warum, können sie selten sagen: «Der Film ist halt einfach langweilig!» Wer einen Film so grundlos ablehnt, hat ihn oft nicht verstanden. Wie ein Buch benutzt ein Film Codes, Metaphern und Zeichen, die der Leser erkennen und entziffern muss, um den Sinn zu verstehen. Die Filmbildung hilft dabei, die bewegten Bilder in Aussagen zu übersetzen und mit einer eigenen Meinung darauf antworten zu können. Zuhören, verstehen, antworten: Ohne diese Fähigkeiten kommt kein Gespräch und letztlich auch keine Gesellschaft aus. Film it yourself Es gibt zwei Wege, um dieses Fähigkeiten zu fördern: Entweder schaut man sich Filme an und spricht darüber - oder man filmt selbst und lernt

beim Ausprobieren. Die beiden Zugänge bedingen einander gegenseitig. Ohne Theorie keine Praxis, ohne Praxis aber auch keine Theorie: Wer nie selbst gefilmt hat, wird das Medium nie ganz verstehen. Patric Schatzmann, während drei Jahren Leiter der Jugendfilmtage und Experte für Filmbildung, vergleicht das mit dem Werkunterricht: «Dort redet man auch nicht bloss zwei Stunden über Holz und sieht sich an, wie ein Tisch gemacht ist. Es ist selbstverständlich, dass du das Holzstück schleifen musst, um zu erkennen, was Holz überhaupt ist.» Wer lernen will, wie man schleift, braucht Holz und Schleifpapier - ohne Material geht es nicht. Dem Film kommt zugute, dass sein Ausgangsmaterial, die Kamera, in den letzten Jahren eine technische Revolution durchmachte. Kostete eine gute Hobbykamera vor dreissig Jahren ein Vermögen, steckt sie heute in jedem

Jenseits des Lehrplans In der Schule kommen Filme heute aber allgemein nur am Rande vor. Man lehrt Musik und Deutsch, doch ein Schulfach «Film» fehlt. Das hat viele Gründe: Zum einen liegt es daran, dass der Film lange Zeit als minderwertige Unterhaltung, jedoch nicht als kulturelle Leistung in der Öffentlichkeit angesehen wurde. Das schlug sich im Lehrplan und in der Lehrerausbildung nieder. Ein werdender Deutschlehrer liest Theaterstücke, aber keine Drehbücher. Und obwohl sich in den 90erJahren die Medienpädagogik zu etablieren begann, hat man sich darauf konzentriert, den Kindern und Jugendlichen den Umgang mit Computer und Internet beizubringen und übersprang die Filmbildung. Der Film ist darüber hinaus schwierig zu vermitteln, weil er sich an der Schnittstelle zwischen den etablierten Schulfächern Deutsch, Zeichnen, Musik und Informatik befindet. Um an der Schule ein Filmprojekt zu realisieren, müssen sich die Fachlehrer gut koordinieren. Diese Zusammenarbeit über die Fächergrenzen hinweg ist nicht einfach und steckt noch in den Kinder-


schuhen. Auch im ausserschulischen Bereich ist die Praxis im Hintertreffen: Das Bundesamt für Kultur unterstützt die Filmbildung in der Schweiz mit etwas mehr als 400‘000 Franken pro Jahr. Davon geht ein Grossteil an die «Zauberlaterne». Dieses Projekt erreicht zwar sehr viele Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, beschränkt sich aber auf einen analytischen Zugang zum Film. Von den insgesamt sechs staatlich unterstützten Projekten ist nur eines in der praktischen Filmbildung tätig - das sind die Schweizer Jugendfilmtage. Eine Vision für die Praxis Es bilden sich zwar mehr und mehr Vereine und Privatinitiativen, die mit Jugendlichen zusammen Filmprojekte organisieren. Bislang beschäftig-

ten sich diese Initiativen allerdings in erster Linie mit sich selbst, ohne zu wissen, welche anderen Projekte es bereits gibt. Mit der Tagung «kamera. ton. bildung» soll an den Jugendfilmtagen nun eine Plattform ins Leben gerufen werden, auf der sich die Akteure der praktischen Filmbildung kennen lernen und vernetzen können. In einer Plakatausstellung an der Gessnerallee stellen sich die einzelnen Projekte während des Festivals vor. Am 12. März präsentieren sich zudem drei Initiativen aus dem Ausland, welche den Schweizern neue Ideen vermitteln können: «Hollywood in de Klas» aus den Niederlanden erstellen in wenigen Stunden mit einer Schulklasse einen kompletten Kurzfilm. «Orson The Kid» ist eine Filmschule in

Madrid, die Kindern und Jugendlichen beibringt, wie man Filme dreht. Einen anderen Ansatz verfolgt «In eigener Regie» aus Bayern. Sie setzen auf die Eigeninitiative der Kinder und Jugendlichen: Bestehende Filmgruppen werden möglichst unkompliziert bei ihren Projekten beraten und unterstützt, damit sie diese erfolgreich abschliessen können. Der Anlass versteht sich als Startschuss für eine längere Entwicklung. Am 4. April sollen an einer Fachtagung mit Vertretern aus dem BAK und den Pädagogischen Hochschulen Zukunftsvision für die praktische Filmbildung in der Schweiz erarbeitet werden. Die aktive Filmarbeit soll besser verankert werden, damit mehr als eine Handvoll Jugendliche davon profitieren kann.

feature

Ein Film für ein Drittel des Budgets Schon vor drei Jahren hat Johannes Hartmann mit der Arbeit an seinem ersten Kurzspielfilm «Halbschlaf» begonnen. Obwohl das Team mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen hatte, ist er sehr zufrieden mit dem Endprodukt. Tobias Häberli Wie bist du auf die Idee für den Film «Halbschlaf» gekommen? Ich kann nicht viel über den Inhalt sagen, ohne die Pointe des Films zu verraten. Zur Geschichte inspiriert wurde ich durch Zeitungsberichte. Wie verlief der Weg von der Idee bis zum fertigen Kurzfilm? Das Drehbuch habe ich bereits 2008 geschrieben, jedoch hatten wir dann Schwierigkeiten, den Film zu finanzieren. Dies führte zu Verzögerungen, so dass wir den Film schlussendlich erst im Herbst 2010 drehen konnten. Wie hat sich das auf die Produktion ausgewirkt? Wir mussten den Film selber durch Sponsoren und privaten Gönnern finanzieren. Über das Internet haben wir einen Spendenaufruf gestartet. Man konnte einen Betrag ab 25 Fran-

ken spenden und wurde dafür dankend im Abspann erwähnt. Wir haben aber nur ein Drittel des ursprünglichen Budgets zusammenbekommen. Gibt es Wege, um die Produktionskosten wieder einzuspielen? Bei langen Spielfilmen kann man auf Kinoeintritte hoffen, doch bei Kurzfilmen ist die einzige Möglichkeit, Preise an Festivals zu gewinnen. Wo hat der Dreh für den Film stattgefunden? Wir hatten das Glück, dass uns die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern zwei leerstehende Wohnungen in einem Haus zur Verfügung stellte. So konnten wir eine Wohnung für den Dreh und eine für den Backstagebereich nutzen. Die Wohnung haben wir für den Dreh komplett gestrichen und eingerichtet.

Welche Aufgaben hast du bei diesem Film übernommen? Ich hab das Drehbuch geschrieben, Regie geführt, die gesamte Produktionsarbeit gemacht und einen Grossteil der Postproduktion übernommen. Die Regieführung kam allerdings etwas zu kurz. Weil ich die Wochen vor dem Dreh dauernd mit der Produktionsleitung beschäftigt war, konnte ich mich erst einige Tage vor den Dreharbeiten mit der eigentlichen Regiearbeit und der Schauspielführung beschäftigen. Wenn du dir jetzt den Film anschaust, gibt es Dinge, die du am liebsten nochmals überarbeiten würdest? Ich habe gemerkt, dass die Geschichte im Film nicht mehr so gut funktioniert, wie sie dies im Drehbuch noch tat. Einige Leute können dem Film nicht ganz

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folgen, weil der Film zu viel offen lässt. Im Grossen und Ganzen bin ich aber sehr zufrieden. Wie geht es mit «Halbschlaf» weiter? Ich reiche den Film weltweit an Filmfestivals ein und hoffe, dass so möglichst viele Leute den Film zu sehen bekommen. Später gibt es vielleicht die Möglichkeit, den Film an das Schwei-

zer Fernsehen oder andere Sender zu verkaufen. Wie geht es der Filmszene in Bern? Sie ist eher klein verglichen mit der von Zürich und doch gibt es relativ viele Filmschaffende, häufig mit einem Schwerpunkt auf Dokumentarfilmen. Vor zwei Jahren haben wir den Verein «Bern für den Film» gegründet. Wir

wollen den Filmplatz Bern stärken und eventuell auch ein Filmhaus errichten, in dem viele Filmschaffende besser vernetzt zusammenarbeiten können. Planst du schon weitere Projekte? Für einen externen Regisseur arbeiteich als Produzent an einem neuen Projekt. Wenn es gut läuft, werden wir nächsten Sommer drehen.

interview

Filme machen Schule einmal umgekehrt Die Kategorie B der Jugendfilmtage steht unter dem Motto «freiwillig» und damit ganz im Zeichen des Jahres 2011, dem Jahr der Freiwilligenarbeit. Die Jugendlichen drehten ihre Filme entweder selbständig in Gruppen- oder Einzelarbeiten oder im Rahmen eines Filmworkshops. Unter den Jungfilmerinnen und Filmern sind auch Jugendliche der Oberstufe der Gemeinde Sins (Aargau). Unterstützt wurden sie von dem Sekundarlehrer Stefan Diethelm, der schon seit über dreissig Jahren in Sins unter anderem Deutsch, Sport, Französisch und Mathematik unterrichtet. Er spricht im Interview über seine Schüler, seine Beziehung zum Filmgeschäft und den Film «Gang doch», der von ihm und seinen Schülern bei den diesjährigen Jugendfilmtagen eingereicht wurde. Carola Hug Stefan Diethelm, was bringt einen Sekundarlehrer dazu im Rahmen einer Projektwoche mit seinen Schülern einen Film zu drehen? Ich habe mich schon vorher (kann man sich damit auch passiv beschäftigen?) mit Filmen und dem Filmemachen beschäftigt. Ich habe zum Beispiel schon an einem Seminar mit Stefan Gubser und Andrea Zogg in der evangelischen Mittelschule in Schiers teilgenommen. Danach habe ich mich im Filmteam Pfaffhausen engagiert, dort habe ich vor allem Drehbücher geschrieben. Ausserdem war ich bis vor einem Jahr Mitglied des Filmclubs in Muri. Gibt es die Möglichkeit, dass man den Film ihrer Schülerinnen und Schüler vor der Premiere zu sehen? Nein leider nicht, wir haben die strikte Anweisung, den Film nicht vor dem Wettbewerb am Mittwoch, 9. März, zu zeigen. Die Jugendlichen haben ihn zwar bekommen, aber wissen, dass sie ihn nicht ins Netzt stellen dürfen. Was ist das besondere bei dem Kurzfilm «Gang doch»?

Der Film versucht die Freiwilligenarbeit anhand typischer Situationen im Leben eines Jugendlichen möglichst realistisch zu thematisieren. Erik, ein Oberstufenschüler, weiss nicht recht, was er mit sich anfangen soll. Er hängt rum und langweilt sich, bis er von einer Schulsozialarbeiterin auf die Freiwilligenarbeit aufmerksam gemacht wird. Erik bekommt von der ihr einen Zettel mit näheren Informationen, denen er, zu Hause angekommen, unauffällig im Papierkorb verschwinden zu lassen versucht. Doch seine Mutter bemerkt dies und überredet ihn in einem Alterswohnheim auszuhelfen, da sie als Mutter ja auch immer Freiwilligenarbeit leiste. Widerwillig gibt Erik nach, geht aber bald schon viel enthusiastischer hin, weil er sich in ein Mädchen verliebt hat, das im Alterswohnheim arbeitet.

Schüler muss einmal im Jahr an so einer Woche teilnehmen. Allerdings war mein Kurs bei allen teilnehmenden Schülern auch ihre erste Wahl.

War die Teilnahme der Schüler an den Dreharbeiten «freiwillig»? Wie bereits angetönt, war die Teilnahme nur begrenzt freiwillig. Der Film entstand im Rahmen einer Projektwoche an der Oberstufe in Sins. Jeder

Hat Sie jemand oder etwas in Bezug auf das Projekt besonders überrascht? Mich hat die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit des Alterswohnheims in Sins (Zentrum Aettenbühl) positiv über-

Wie haben Sie mitgearbeitet? Meine Arbeit war eher organisatorischer Art. Ich unterstützte die Jugendlichen währen der Zeit und war zugleich für das Bereitstellen des Materials verantwortlich, für die Verbindung zu den Schweizerischen Jugendfilmtagen und für den Stundenplan. Wie haben Sie die Schüler während den Dreharbeiten erlebt? Die Beteiligung war sehr unterschiedlich. Wer geschauspielert hat oder sich eine sonstige Aufgabe ausgesucht hat, war sehr motiviert. Andere waren eher ein wenig verloren und haben sich nicht selber eingebracht.


rascht. Dies ging übrigens auch den Jugendlichen so. Die Leitung und die Bewohner des Alterswohnheims zeigten sich uns gegenüber sehr offen. Würden Sie nächstes Jahr wieder teilnehmen? Falls solche Projektwochen von der Schule wieder angeboten werden, wür-

de ich sehr gerne wieder mitmachen. Die Dreharbeiten machten Spass. Warum sollten Ihrer Meinung nach immer neue Lehrer und Jugendarbeiter zusammen mit den Jugendlichen bei solchen Projekten mitmachen? In der heutigen Zeit ist der Film ein absolut allgegenwärtiges Medium.

Aufgrund eines reichhaltigen Kino- und Fernsehprogramms und Internetplattformen wie Youtube, kommen die Jugendlichen ständig mit dieser Art der visuellen Darstellung in Kontakt. Darum ist es unerlässlich, dass sie, eben mit Hilfe solcher Projekte, einen sensiblen und verantwortungsbewussten Umgang mit diesem Medium erlernen.

feature

The rising sun Acht Freunde, die ihre Leidenschaft zum Breakdance verbindet, geben ihr bisheriges Leben auf, um gemeinsam in den Süden zu fahren, in Richtung Sonne und Freiheit. Louisa Nelle Der Film «The rising sun» begleitet die Tanzgruppe «The rock kidz crew» auf ihrer Reise. Während über achtzehn Monaten haben sie mit ihren Shows auf den Strassen europäischer Städte ihr Publikum begeistert. Hinter der Kamera stand Fabian Kimoto, er ist Teil der Gruppe. In wunderschönen, ästhetischen Bildern hat er die Lebensfreude und Energie, die er und seine Freunde ausstrahlen, eingefangen. Damit begeistert die Gruppe «the rock kidz crew» nicht nur auf der Strasse sondern auch im Kinosaal. Fabian Kimoto hat Japanische und Schweizer Wurzeln, er ist Halbjapaner und Schweizer. Der 28-jährige ist im ostschweizerischen Romanshorn aufgewachsen und hat als Jugendlicher zusammen mit seinem Bruder und seiner Schwester, die ebenfalls zur Gruppe gehören, mit dem Tanzen begonnen. Seine Motivation für die Reise war es «das Leben im Moment zu leben». Jeden Tag zu nutzen, ohne das Morgen planen zu müssen. Wenn wir unseren Einkauft von morgen planen, gehen die Tänzer einfach auf die Strasse und tanzen, wenn der Kühlschrank einmal nicht mehr voll ist. Fabian Kimoto ist gelernter Colorist. Er bearbeitet auch die Farbkomposition von Filmen nach. Das Umgehen mit der Kamera hat er sich hingegen selbst beigebracht. Oft sind die Aufnahmen

mitten im Geschehen, die Zuschauer werden so regelrecht angesteckt von der guten Stimmung, die unter den Freunden herrscht. Nach der Reise, hat Fabian Kimoto den Film ohne grosse finanzielle Mittel bei sich in Berlin geschnitten. Ganze neun Monate hat er gebraucht, bis der Film fertig war. Die Mühe scheint sich gelohnt zu ha-

ben. Am letztjährigen Zürich Filmfestival wurde «The rising sun» an seiner Premiere als einziger Schweizer Film für den Dokumentarfilmwettbewerb nominiert. In diesem Jahr gewann der Film am Los Angeles Cinema Festival of Hollywood den Award of Merit. Alles was man aus Liebe macht hat eine Zukunft. Dies beweisen die acht Freunde aus Japan, der Türkei, Deutschland, der Schweiz und dem Iran. Auf der Strasse oder im Kino machen sie Mut den eigenen Traum im Hier und Jetzt zu leben. «The rising sun» feiert seine Premiere am 13. Mai im Kino Modern in Romanshorn.


interview

Die Jüngsten der Jungen Zu den Jüngsten der Jugendfilmtage gehört der 15-jährige Yann. Gemeinsam mit seinem 11-jährigen Bruder Eric hat er den Film «Er kommt» produziert. «Er kommt» entführt den Zuschauer in eine fremde, geheimnisvolle Welt. Ein Raumschiff stürzt auf einem unbekannten Planeten ab, es kommt zur Schlacht zwischen Gut und Böse. Doch dann, urplötzlich, die unerwartete Wendung: Ein Helikopter landet und verkündet: «Er kommt» Sonja Nodup Yann, du bist noch ziemlich jung, hast aber schon mehrere Jahre Erfahrung mit dem Filmemachen. Welcher war dein erster Film? Yann: Den allerallerersten Film habe ich in der 3. Klasse gemacht. Das war lustigerweise, wie «Er kommt», auch ein Lego-Animationsfilm, aber er war ganz kurz, nur drei Minuten und noch nicht so professionell, aber sehr lustig. Heute hast du bereits deine eigene Firma, «Bolliger Studios». Wie kam es zur Gründung? Yann: Den Namen «Bolliger Studios» habe ich erfunden, als ich vor drei Jahren einen längeren Film, einen James Bond, gedreht habe. Damals war das mehr als Witz gemeint, der Name kam im Vorspann vor. Von da an habe ich alles Geld, was ich mit Filmen eingenommen habe, in eine Filmkasse getan und finanziere damit die nächsten Filme. Das ist Bolliger Studios.

ohne Sprache auskommen. Das finde ich etwas Schönes, wenn eine Geschichte erzählt werden kann, ohne, dass etwas gesagt werden muss. Solche Filme bewundere ich. Du hast dich mit dem Legofilm «Er kommt» bei den Jugendfilmtagen angemeldet. Gleicht der Film deinem ersten Legofilm, den du vor über fünf Jahren gedreht hast? Yann: Die Story ist ganz neu, die Technik ist dieselbe: Stop-Motion. Es ist aber der erste Stop-Motion Film, den ich möglichst professionell mit ansehnlicher Auflösung und vielen Effekten aufgenommen habe. Die Idee, also die Story, kommt von meinem Bruder Eric, und der Film entstand dann in Teamarbeit. Er hatte die Idee, ich habe die Animationen gemacht, die Musik hat wieder mehr er gemacht. Wie bist du auf die Idee zu dieser Story gekommen, Eric?

Eric: Ich bin ein grosser Star Wars Fan, das muss ich schon sagen. Und ich weiss eigentlich gar nicht mehr, wie das kam, die Idee ist mir plötzlich zugeflogen. Zuerst wollte ich den Film selber drehen, einfach so für mich, aber dann kam’s nicht so gut und wir haben es zu zweit professionell gemacht. Macht ihr öfter zusammen Filme? Eric: Ja, die Musik machen wir meistens zusammen und bei diesem Film kam auch die Idee von mir. Meistens bin ich auch noch Schauspieler, wie auch in «Er kommt» ganz am Schluss. Aber die Hauptarbeit macht dann doch Yann, Kamera, Bearbeitung, Schnitt und solche Sachen. Was war am schwierigsten bei der Produktion des Filmes? Yann: Die ganzen Animationen, die Retuscheanimationen. Jedes Mal, wenn so ein Töggeli aufspringt, heisst das

Machst du auch Auftragsfilme? Yann: Ab und zu ja, an Schultheatern und anderen kleineren Anlässen. Wie zeitintensiv ist das Filmemachen, ist es für dich nur ein Hobby oder mehr als das? Yann: Es ist sicher das Hobby Nummer Eins, es ist mir sehr wichtig, aber ich bin halt doch noch an der Schule, und dann muss das Filmen manchmal auch warten, das ist dann oft ein bisschen fies. Aber ich würde Vieles aufgeben fürs Filmen. Hast du Vorbilder? Yann: Steven Spielberg ist sehr ein cooler Regisseur, er ist sehr vielfältig. Und sonst mag ich eben vor allem experimentelle Sachen, die möglichst

Ein eingespieltes Team: Yann, 15 und sein Bruder Eric, 11


für mich, dass ich in einer Sekunde Film, also in 25 Bildern, die Träger die es für die Aufnahme brauchte, rausretuschieren muss. Das gibt bei einem siebenminütigen Film natürlich sehr viel Arbeit und war deshalb schon das Aufwändigste. Habt ihr den Film schon vor einem grösseren Publikum gezeigt oder ist das diese Woche das erste Mal?

Eric: Das ist das erste Mal mit diesem Film, aber wir haben andere Filme schon vor grösserem Publikum gezeigt, dann haben wir einfach einen Raum in der Schule gemietet und ein paar Plakate aufgehängt. Was erhoffst du dir von der Teilnahme am Festival, wie schätzt du deine Chancen ein? Yann: Letztes Jahr habe ich die Filme

aus meiner Kategorie gesehen und wenn die Filme vom letzten Mal meine Konkurrenz wären, dann hätte ich, glaube ich, nicht schlechte Chancen. Dieses Jahr habe ich aber keine Ahnung, ich habe auch noch nicht so viel geschaut, ob ich etwas über die anderen Filme herausfinde. Ich freue mich einfach, den Film mal auf einer supergrossen Leinwand zu sehen, und vor einem grossen Publikum zu zeigen.

interview

Entscheidende Entscheidung Die Vorjury besteht aus dem Organisationskommitte der Jugendfilmtage, verschiedensten Leuten, die etwas mit Film oder Jugend zu tun haben. John Canciani kommt aus der Programmation, er arbeitet auch bei den Kurzfilmtagen Winterthur und bei Kurz und Knapp. Sonja Nodup Sie sind Mitglied der Vorjury, die entscheidet, welche Filmbeiträge überhaupt für den Wettbewerb nominiert werden. Wie viele Filme haben Sie in den letzten Monaten gesichtet? Wir haben uns in zwei Gruppen aufgeteilt und die uns zugeteilten Filme an zwei Wochenenden geschaut. Ich habe also während vier Tagen Filme aus drei Kategorien geschaut. Das waren wohl rund 100 Stück. Haben da subtilere Filme überhaupt eine Chance, oder gehört es zu den Anforderungen an einen Kurzfilm, das Publikum auf Anhieb überzeugen zu können? Wenn die Message des Filmes erst beim mehrmaligen Schauen verständlich wird, wird’s schwierig, denn unser Publikum sieht die Filme ja nur einmal. Das ist allgemein ein Problem bei Einminütern, die sind so superschnell, dass wir oft die ganze Pointe verpassen. Aber trotzdem müssen nicht die schnellsten Filme die besten sein. Es ist manchmal ein bisschen wie bei der Musik, oft hört man Lieder, die man am Anfang super findet, nachher nicht unbedingt am liebsten. Wir versuchen alle Arten von Filmen ins Programm zu bringen, ein Teil der Filme soll natürlich sehr publikumsnah sein, Action,

Komödie, aber es ist nicht das Ziel, ausschliesslich solche Filme zu zeigen. Nach welchen Kriterien haben Sie die nominierten Beiträge ausgewählt? Es gibt keinen gemeinsamen Kriterienkatalog, aber wir haben ein Punktesystem, anhand dessen wir Punkte verteilen und eine Rangliste machen, die jedoch nicht immer fix ist. Nur weil die meisten einen bestimmten Film auf den ersten Blick am besten finden, muss der nicht automatisch der beste sein. Gerade bei den Jugendfilmtagen ist es wichtig, dass möglichst verschiedene Filme gezeigt werden, wir wollen wie eine Werkschau funktionieren. Wir achten auf die Technik, wie wurde ein Film gefilmt, wie der Ton aufgenommen, wurde Wert auf die Nachbearbeitung, also die Postproduktion, gelegt, wie kreativ war jemand auch technisch gesehen. Dann ist es wichtig, dass eine Geschichte funktioniert, die Zuschauer anspricht. Es kommt aber auch vor, dass wir sagen, das ist jetzt ein Film, der ist technisch so stark, dass wir ihn einfach ins Programm aufnehmen müssen, auch wenn vielleicht andere Filme von der Story her besser funktionieren. Gehen Sie auch auf Talentsuche?

Es gibt Leute von uns, die mal an Vorführungen gehen, aber wir sagen den Filmemachern immer, ihr müsst eure Filme selber einreichen. Wir machen keine Einladungen, diese Hürde muss selber genommen werden. Wir machen viel Werbung, sprechen Leute an, aber sie müssen sich selber anmelden, auch die Studenten sollen sich diese Arbeit nicht von ihrem Sekretariat abnehmen lassen! Worin unterscheidet sich Ihre Arbeit von der der Preis-Jury, die schlussendlich die Gewinner auswählt? Wir schauen vor allem, dass wir auch ein diversifiziertes Programm haben. Wir versuchen, die ganze Bandbreite abzudecken und der Jury das zu präsentieren, was Jugendliche letztes Jahr an Filmen in der Schweiz gemacht haben. Die Jury entscheidet dann, welche dieser Arbeiten sie prämieren will. Da kommt es sehr auf die Jurymitglieder an, woher kommen sie, sind es Schauspieler, Produzenten oder Festivalleute, die haben alle ihre eigenen Erfahrungen und eine eigene Sicht. Wir servieren ihnen eine Auswahl auf dem Silbertablett, sie müssen dann nicht mehr so viel beachten wie wir.

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Kommt es vor, dass Sie mit Entscheidungen der Preis-Jury gar nicht einverstanden sind? Bei 70% der Filme ist man sich meistens ziemlich einig, die grossen Diskussionen drehen sich dann um die restlichen 30%. Klar kommt es vor, dass ein Film gewinnt, der nicht mein Lieblingsfilm war, doch eigentlich muss ich ja bei jedem Film, den ich ins Programm aufnehme, damit rechnen, dass er gewinnt. Am Ende der Programmation sieht man sich jeweils

das Programm an und ich bin immer überrascht, wie zufrieden man damit ist. Jemand, der im Wettbewerb landet, hat’s auch verdient, einen Preis zu gewinnen. Wie sind Ihre Einschätzungen bezüglich der nominierten Beiträge? Die Kategorie D mit den 20 bis 25-Jährigen bietet das Programm, das mich am meisten überrascht hat. Hier sind auch einige Entdeckungen drunter, zwei tolle Animationsfilme, bei den

Spielfilmen hingegen habe ich schon stärkere Jahre erlebt. Es kommt auch oft drauf an, was in den Filmschulen gerade gemacht wird. Ebenso beim thematischen Wettbewerb, da hängt natürlich immer viel vom Thema ab, dieses Jahr hatten wir mit «Freiwilligenarbeit» ein relativ einfaches Thema, letztes Jahr ging’s um «Wasser», da haben sich vor Allem die Jüngeren etwas schwer getan. Dieses Jahr sind die Beiträge in dieser Kategorie hingegen sehr abwechslungsreich.

interview

Das Minenfeld nach dem Krieg Tink.ch sprach mit der Jungfilmerin Ivana Lalovic per Skype über ihren neusten Kurzfilm «Little Fighters», Heimat und grössenwahnsinnige Ziele. Sarah Lisa Schäubli

Mit «Little Fighters» richtet Ivana Lalovic den Blick auf die Probleme Bosniens 15 Jahre nach dem Krieg.

Momentan weilst du in Schweden. Treibt dich der Film dorthin? Genau, ich mache bis Ende Juni ein Praktikum als Assistentin vom schwedischen Regisseur Roy Andersson. Ich komme nur für die Preisverleihung vom Schweizer Filmpreis Quartz und die Jugendfilmtage nach Zürich. Mein Kurzfilm «Little Fighters» ist für den besten Kurzfilm nominiert.

Welche Geschichte erzählt denn dein eingereichter Film «Little Fighters»? Es ist die Geschichte einer Familie, die mit der harten Realität nicht klar kommt und sich darum in eine Fantasiewelt flüchtet. Mein Ziel war es, dass auch der Zuschauer während des Schauens allmählich Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden kann. Der Film soll den Zuschauer

am Ende nachdenklich zurücklassen. Selbst wenn der Krieg zu Ende ist, sind die Probleme noch nicht gelöst. Nach dem Krieg sitzt man immer noch auf einem Minenfeld. Wie hast du denn garantiert, dass der Film authentisch wird? Ich habe das Drehbuch meiner Tante, die den ganzen Krieg in Sarajevo mit-


erlebt hat, zum Lesen und Überprüfen gegeben. Im Drehbuch ist ein Minenfeld mit weissen Tüchern abgegrenzt und an dieser Stelle sagte meine Tante: «Oh, ich hatte das völlig vergessen, dass man mit weissen Tüchern die Minenfelder markiert hatte!» Und ich musste lächeln, weil das mit den weissen Tüchern von mir völlig erfunden war. Aber das garantierte mir, dass die Geschichte echt rüberkommt. Was bedeutet Heimat für dich? Heimat ist für mich ein Ort, wo man sich wohl fühlt. Wo man die Sprache spricht und sich nicht fremd fühlt. Und wo man auch Familie und Freunde hat. Wo ist denn deine Heimat? Je länger, je mehr in der Schweiz. Ich finde jedoch, dass der Begriff Heimat sich durch die Globalisierung allmählich immer mehr verflüchtigt. Und wo war deine Heimat vorher? In Sarajevo. Aber nun bin ich mehr als doppelt so lange in der Schweiz. Also irgendwie sind beide Länder Heimat für mich geworden.

Du gehörst ja schon sozusagen zu den alten Hasen bei den Jugendfilmtagen. Was rätst du den jüngeren Filmern? Schaut so viele Filme, wie nur möglich! Und versucht die Dinge, die ihr seht nicht eins zu eins zu kopieren sondern macht etwas Neues daraus. Lasst euch inspirieren, seid fleissig, bleibt dran und habt ein Ziel, welches sich am Ende nicht unbedingt erfüllen muss. Was sind denn deine Ziele für die Zukunft? Ich möchte nächstes Jahr meinen ersten Langspielfilm drehen. Wir arbeiten jetzt an der zweiten Drehbuchfassung und es ist eine grosse Herausforderung, dass das Drehbuch witzig und originell wird. Erfolg wäre gut, aber wichtig ist mir vor allem, dass ich am Schluss 100-prozentig hinter dem Film stehen kann. Aber natürlich wäre es auch toll, wenn dann die ganze Schweizer Bevölkerung meinen neuen Film im Kino schauen geht! (lacht herzhaft)

editorial

2. Was ist deine erste Tat am Morgen? Wenn ich einen Termin habe duschen; wenn ich frei habe den Computer anstellen. 3. Mit welcher Kamera filmst du? Mit der Canon 5D. 4. Welches ist deine Lieblingsstadt? New York, weil es dort alles gibt, was man sich vorstellen kann und alles, was man sich nicht vorstellen kann auch. 5. Wenn du dich in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das? Spontan, ehrgeizig und fantasievoll.

imPressum

Liebe Leserinnen und Leser Auf den Seiten dieses Vorschaumagazins auf die Jugendfilmtage dreht sich alles um Filme. Hinter den Texten stehen junge Journalistinnen und Journalisten. Wie jedes Jahr starten die Jugendfilmtage früh im Jahr mit dem Nachwuchs der Schweizer Filmszene. Auch wenn wir erst März haben, können einige von ihnen das Wort «freiwillig» vielleicht schon nicht mehr hören. Im Jahr der Freiwilligkeit wird an allen Ecken darauf aufmerksam gemacht, dass irgendwo ein freiwilliges Engagement erfolgt. Dies zeigt uns doch, dass wir heute grundsätzlich davon ausgehen, dass wir für unsere Arbeit bezahlt werden möchten. Die Uhr zeigt auf meinem Computer bereits nach ein Uhr morgens und noch immer sitze ich und tippe. Für den Sportler

1. Welchen Film kannst du fünf Mal hintereinander anschauen und er ist immer noch gut? Soll ich jetzt etwas Lustiges sagen? Dirty Dancing!

den Marathon, den Journalisten das Eventmagazin und die Jungfilmer den ersten Film an den Jugendfilmtagen. Es braucht vieles aus freien Stücken, bis man soweit ist. Deswegen steht an dieser Stelle doch wieder dieses Wort des Jahres: Freiwillig. Tink.ch wünscht Ihnen gute junge Unterhaltung bei ihrem freiwilligen Besuch an den 35. Jugendfilmtagen Luzia Tschirky

Herausgeber Tink.ch, Sandstrasse 5, CH-3302 Moosseedorf Tel +41 31 850 10 91 info@tink.ch, www.tink.ch Redaktion André Müller Sara Lisa Schäubli Louisa Nella Tobias Häberli Miriam Hetzel Tobias Söldi Carola Hug Sonja Nodup Luzia Tschirky (Koordination) Layout Sandra Biberstein Ausgabe Nr. 23, 8. März 2011 Auflage 600 Exemplare


Tink.ch-Magazin 24: Schweizer Jugendfilmtage 2011  

Ein Vorschau-Magazin zu den Schweizer Jugendfilmtagen 2011.

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