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Generationenbeziehungen Impulsworkshop im Zentrum Klus

Raus aus dem eigenen Gärtli Am Impulsworkshop kamen Generationen ins Gespräch, diskutierten verschiedene Themen und versuchten Probleme zu lösen. Luzia Tschirky Generationenbeziehungen; ein Wort, welches sich nicht von selbst versteht. Das konnte man auch am Impulsworkshop im Zentrum Klus hören. Auf den nächsten vier Seiten klärt sich die Wortbedeutung aber ganz von selbst. Die Generationen kamen miteinander ins Gespräch und bleiben es hoffentlich auch in Zukunft. In vier unterschiedlichen Gruppen konnten Probleme besprochen und Lösungen gefunden werden. «In unserer Gruppe fanden wir nur für ein Problem keine Lösung», berichtete die Moderatorin der Gruppe Kultur Christine Hotz. «Meiner Meinung nach ist das ein ganz respektables Ergebnis.» Auch

in den anderen Gruppen schien man mit den Diskussionen vorangekommen zu sein. Probleme haben alle Freiwilligenorganisationen, unabhängig vom Alter. Es fehlt an Verbindlichkeiten, Verständnis und finanziellen Mitteln. Aber es fehlte am Workshop nicht an Lösungen. In der Gruppe «Bildung und Integration» entstand die Idee eines Botschafters, welcher auf andere Organisationen zugehen könnte und näher bei den Leuten wäre. So möchte man nützliche Netzwerke bilden. «Man muss das alte Gärtlidenken überwinden», schliesst sich auch Moderatorin Gabi Hangartner der Gruppe Umwelt an. Naturschützerinnen und -schützer

scheinen generationenübergreifend ähnliche Probleme zu haben. Trotz dem Interesse am Erhalt unserer vielfältigen Erde, ist langfristiges Engagement nicht leicht zu generieren. Kleine Erfolgserlebnisse zu schaffen, könne an dieser Stelle nützlich sein, meint die Workshopleiterin Gabi Hangartner weiter. Konkrete Töne konnte man aus der Gruppe «Politik und Gesellschaft» vernehmen. «Wir Älteren wollen gemeinsam mit den Jungen das Wahlverhalten der Bevölkerung beeinflussen», meint Altnationalrätin Rosemarie Zapfl. Man(n) und Frau, alt und jung, dürfen gespannt sein.


interview

Verantwortung wahrnehmen Nicola Jorio ist Präsident der schweizerischen Jugendparlamente. Er nahm auch am Generationenworkshop teil. In der Schweiz gibt es über 30 Jugendparlamente, in welchen Jugendliche mit und ohne Parteizugehörigkeit diskutieren können. Matthias Strasser Fühlst du dich als Präsident der schweizerischen Jugendparlamente von älteren Generationen nicht verstanden? Nein, eigentlich nicht. Die Institution «Dachverband schweizerischer Jugendparlamente» klingt relativ seriös. Deshalb werden wir stark beachtet, auch von älteren Generationen. Die älteren Leute haben häufig Verständnis für unsere Anliegen. Sie mögen es, mit aktiven Jugendlichen zu diskutieren. Wie können Jugendparlamente etwas bewirken? Der Einfluss ist unterschiedlich, weil jedes Jugendparlament anders ist. Es gibt Jugendparlamente, die öffentlich-rechtlich organisiert sind und im Gemeindeparlament Motionen und Vorstösse einreichen und bei Diskussionen im Parlament mitreden können. Und sie haben somit Vertreter im Parlament, die dieselben Rechte wie die Parlamentarier haben, ausser, dass sie nicht abstimmen können. Du hast gesagt, dass Durchschnittsalter an diesem Anlass liege bei 69 Jahren. Was schliesst du daraus? Dass der Generationenaustausch eher von den älteren Generationen gesucht

wird und den Jugendlichen eher gleichgültig ist. Ist das ein Fehler? Das ist sicher ein Fehler und man sollte den Generationenaustausch von jugendlicher Seite nach wie vor fördern.

Heisst das, uns geht es zu gut? (lacht): Eine sehr provokative Frage. Es ist ja schön, dass es uns gut geht. Man sollte jedoch alles daran setzen, dass die Jugend die gesellschaftliche Verantwortung wieder eher so wahrnimmt wie früher.

Weshalb sprechen wir überhaupt von einem Generationenkonflikt? Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Generationen funktioniert nicht immer so, wie sie sollte. Die Technologie, das Verhalten der Gesellschaft und deren Normen ändern sich. Deshalb gibt es einen Unterschied zwischen dem Verständnis. Deshalb versteht man sich nicht richtig. In deiner Rede hast du gesagt, es gehen relativ wenige Jugendliche in die Politik. Weshalb ist das so? Ein Grund ist sicherlich, dass sich die Jugendlichen zurzeit sehr glücklich fühlen. Sie finden, sie hätten sowieso keinen Einfluss auf die Politik, was sollten sie denn da noch mitreden. Sie verstehen nicht, weshalb sie dafür Zeit aufwenden sollten. Ein weiterer Grund ist, dass sich die Gesellschaft gewandelt hat, es wird mehr konsumiert und weniger aktiv mitbestimmt und gestaltet.

Nicola Jorio vertrat das Jugendparlament an dem Generationenworkshop.

feature

Facebook für 50 Plus Die Senioren haben längst mit der neusten Technik aufgeholt. Dies zeigt die Internetplattform Seniorweb. Eine Art von Facebook für die Generation 50 Plus. Sara Lisa Schäubli Ursprünglich stammt die Idee aus Holland und ist dort mit knapp einer Million Mitgliedern sehr erfolgreich. Doch auch in der Schweiz funktioniert das Modell. Seniorweb, die Internetplattform für die Generation 50 Plus, ist schweizweit in drei Sprachen verfügbar. Wobei Deutsch den gröss-

ten Teil einnimmt. Gegründet wurde sie vor über zehn Jahren und in der ersten Phase von Migros Kulturprozent und Pro Senectute finanziert. Nun umfasst Seniorweb schon ganze 8000 Mitglieder. Dazu kommen 800 Premium Mitglieder und knapp 100 freiwillige Mitarbeiter. Die Premium

Mitglieder bezahlen einen Beitrag von 50 Franken im Jahr, unterstützen somit Seniorweb und profitieren von verschiedenen Vorteilen wie zum Beispiel Spezialangeboten. Seniorweb ist aufgeteilt in die zwei Bereiche Magazin und Community. Im Magazin werden laufend die aktuel-


len Artikel aufgeschaltet. Da kommen vor allem ehemalige Journalisten zum Zuge, welche die Artikel redigieren. In der Community existiert eine Fülle von Möglichkeiten. Von Foren und Veranstaltungskalendern über Blogs, Chats und Gruppen bis hin zum Beratungsdienst ist alles vorhanden. Hier knüpfen die Senioren Kontakte und helfen sich gegenseitig aus. Die Gruppen sind besonders wichtig um

die Brücke vom Virtuellen zum Persönlichen zu schlagen. Auf Seniorweb finden sich zum Beispiel passionierte Wanderer, welche in der Gruppe den nächsten Ausflug planen um diesen danach gemeinsam durchzuführen. Wachstum fordert Christian Urech, 55 meint: «Kurz gesagt ist Seniorweb Facebook für über 50 Jährige, oder eher über 60 Jähri-

ge», und lacht dabei. Er ist seit knapp einem Jahr in der Marketingabteilung. Laut Urech ist die aktuelle Herausforderung vor allem der grosse Zuwachs an Mitgliedern. Daraus entsteht das Bedürfnis nach professioneller Betreuung der Plattform. Die ehrenamtliche Arbeit stosst an ihre Grenzen und es fehlt an Grundstruktur sowie Angestellten Seniorweb nimmt Geld ein durch die Premium Mitgliedschaften und Werbeflächen. Ein grosser Teil des Geldes wird für das Webdesign ausgegeben. Eine zukünftige Möglichkeit wäre es das Wissen von Informatiklernenden dafür zu verwenden. Nicht nur die zukünftige Mitarbeit von Lernenden hält Seniorweb jung. Die ältere Generation steht den jüngeren nicht nach.

/interview

Kein Tropfen auf den heissen Stein Andreas Raymann ist sechzig Jahre alt und organisierte den Generationenworkshop. Diana Berdnik Wie ist der Workshop entstanden? Wir haben zuerst innerhalb der Arbeitsgruppe nach Themen gesucht und uns überlegt, welche Gruppierungen verschiedener Generationen Interesse hätten, hier mitzumachen. Diese haben wir dann angeschrieben. Ist es Ihnen gelungen, die Leute zur Teilnahme zu motivieren? Das Interesse hielt sich in Grenzen, vor allem bei der älteren Generation. Obwohl das Interesse am Generationendialog bei den Älteren grundsätzlich grösser ist. Sie unternehmen aber lieber etwas für sich. Jetzt hat es doch einige Personen der älteren Generation hier, sie nehmen aber als Einzelpersonen teil und nicht mit der Idee, ihr Projekt vorzustellen. Welches Ziel haben Sie für heute? Die vertretenen Gruppen, die ihre Projekte und Probleme heute präsentie-

ren, sollen Inputs erhalten und mit Lösungsvorschlägen nach Hause gehen. Generationendialog wird heute real erlebt. Junge und ältere Menschen sollen gemeinsam ein Thema bearbeiten und Lösungen suchen. Ist dieser Anlass nicht nur einen Tropfen auf dem heissen Stein? Diese Aussage ist bestimmt berechtig, wenn man sieht, wie schwierig es war, das Ganze auf die Beine zu stellen. Es ist ein Anfang und ein Versuch. Ich bin gespannt, was heute passiert. Wenn die Leute positive Erfahrungen mit nach Hause nehmen können, wird die Wirkung dementsprechend sein.

Workshop-Organisator Andreas Raymann will den Dialog zwischen den Generationen fördern.

Welche Erfahrungen haben Sie mit anderen Generationen gemacht? Es gibt viele Jugendliche, die sich für eine Sache engagieren. Meistens sind es andere Dinge, als jene, die uns früher beschäftigt haben. Dann gibt es

aber auch solche, die nicht engagiert sind und manchmal auch delinquent werden. Es sind aber wenige Jugendliche und meistens ist nicht die Generation der Grund für die Probleme, sondern die soziale Schicht.


Umfrage

«Generationendialog heisst für mich, ...» von Diana Berdnik

Marianne 67 Jahre: «..., dass man mit den verschiedenen Generationen spricht und gemeinsam Probleme aufdeckt.»

Daniel, 26 Jahre: «...in einem Wort zusammegefasst: Vielfalt.»

Rolf: «..., von den Erfahrungen älterer und jüngeren Menschen gemeinsam zu profitieren.»

Gianni 34 Jahre, «..., Projekte auf die Beine zu stellen, bei denen ältere und jüngere Menschen auf gleicher Ebene zusammenarbeiten.»

Die Ergebnisse

Nur wenige Stunden haben ausgereicht, um die Generationen näher zu bringen. Am Samstagnachmittag haben Seniorweb und Tink.ch eine Zusammenarbeit in der Zukunft beschlossen. Dasselbe gilt auch für das Projekt foraus und den Seniorinnenrat des Kantons Zürich. In Zusammenarbeit mit dem Seniorinnenrat wird die Pestalozzi Bibliothek ein Leseprojekt für Generationen lancieren. Gemeinsam einstehen für «generationenfreundliche» Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahlen 2011 wollen die schweizerischen Jugendparlamente und der Bund der Schweizerischen Frauenorganisationen. Der Dialog zwischen den Generationen geht weiter.

mitmachen

imPressum Herausgeber Tink.ch Sandstrasse 5 CH-3302 Moosseedorf Tel +41 31 850 10 91 Fax +41 31 850 10 21 info@tink.ch www.tink.ch Redaktion Sara Lisa Schäubli Diana Berdnik Robin Wild Matthias Strasser Luzia Tschirky

nach jungen Schreibtalenten zwischen 16 und 30 Jahren. www.tink.ch

Fotos Pascal Gähler Robin Wild Matthias Strasser

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Layout Sandra Biberstein

Wir sind da, wo Generationendialog entsteht. Wenn du mitschreiben möchtest am Generationendialog von heute, dann bist du bei uns richtig. Wir sind auf der Suche

Das hier ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Auf www.tink.ch gibt es jeden Dienstag neues über Menschen aller Generationen. Insbesondere junge Menschen bekommen bei uns eine Stimme für ihre Sicht auf die Welt.

Datum Oktober 2010

tink.ch_magazin_18_generationenbeziehungen_zh_2010  

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