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Foto: PD

33. Schweizer Jugendfilmtage

«And the Panther goes to...» Die 33. Schweizer Jugendfilmtage enden mit einem Besucherrekord. Die fünf Hauptgewinner:

Kategorie E: Second Me / Anna Thommen, Basel Bendix lebt in der virtuellen Welt «Second Life» jenes Leben, das er in der realen Welt nicht führen kann. Anna Thommen blickt mit ihrer Kamera in seine zwei Welten und nähert sich dem Protagonisten feinfühlig an. Sie entlockt ihm Ehrlichkeiten, die schaudern lassen, ohne ihn jemals zu entblössen.

Kategorie D: Noces, la fête du village de courreux / Augustin Rebetez, JU Die dokumentarischen Aufnahmen eines Dorffestes werden durch die Kameraarbeit und die Musik verfremdet und lassen eine stimmungsvolle und poetische Atmosphäre entstehen. Dem Filmemacher gelingt sein Umfeld aus intimer Sicht zu schildern.


Kategorie C: Paradeplatz / Maurizius Staerkle, Zürich Paradeplatz erzählt in dreieinhalb Minuten die Geschichte eines Mannes, der mit seiner Rolle als gesellschaftliche Marionette nicht mehr zurechtkommt. Maurizius Staerkle widersetzt sich mit dieser Guerillaproduktion sämtlichen Konventionen und verwandelt Fahrgäste und Passanten kurzerhand in Statisten.

Kategorie B: Over The Top - Pole / Reto Troxler, Schaffhausen Der Film bringt einen subjektiven und unabhängigen Standpunkt zum Thema Respekt auf professionelle, ästhetische und ambitionierte Art auf die Leinwand. Der Song vermittelt das Gefühl vom Wunsch nach Respekt, ohne den besserwisserischen Zeigefinger zu erheben.

Kategorie A: Top Secret / Sebastian Klinger, St. Gallen Explosionen in einer Chemiefabrik, exzessive Schiessorgien und ein gemeiner Bösewicht: Der Film nähert sich lustvoll dem Genre des Spionagethrillers, setzt dieses spielerisch und präzise um und sprudelt von Einfällen. Das Abweichen von den Konventionen des Genres produziert zahlreiche ironische Momente.

Alle Sieger im Überblick

Kategorie B 1. Rang: Over the Top - Pole 2. Rang: Respekt ist...cool...fair...in! 3. Rang: .Südwärts

Kategorie D 1. Rang: Noces, la fête du village de courreux 2. Rang: Das Besteck und ich 3. Rang: QFTV

Kategorie A 1. Rang: Top Secret - ein neuer Agent 2. Rang: Code Rouge 3. Rang: Mixtape

Kategorie C 1. Rang: Paradeplatz 2. Rang: Une mémoire 3. Rang: Spur Null

Kategorie E: 1. Rang: Second Me 2. Rang: Ich träume nicht auf Deutsch 3. Rang: Signalis

hinterGrund Ein Symposium über die Verbindung von Theater und Film, eine Schweizer Filmpremiere (Megunica) und diverse Workshops im Vorfeld des Festivals – das Schweizer Jugendfilmfestival bot in diesem Jahr ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Tink.ch war mit dabei, als sich Publikum und Regisseure an der «Slam Movie Night» eine Filmschlacht lieferten oder als die Holländerin Anna Spohr ihr interessantes Medienprojekt „AllAboutUs-Filmfactory“ vorstellte.

«Mut zur Intimität» Im Medienprojekt AllAboutUs verwirklichten Jugendliche in den letzten Jahren sehr eindrückliche Dokumentarfilme, die vor allem durch ihre Authentizität und Individualität herausragen. An den Jugendfilmtagen zeigte die Projektleiterin Anna Spohr* einige dieser Werke. Von Lea Zwimpfer Beim ersten grösseren Projekt von AllAboutUs reiste die 43-jährige Filmemacherin zusammen mit ein paar holländischen Jugendlichen in die amerikanische Bronx. Dort entstanden

mehrere Selbstporträts von Jugendlichen, die am Rande der Gesellschaft leben. Ihr Umfeld, ihre Denk- und Lebensweise dokumentierten sie sehr direkt und persönlich. Ein wichtiges

Stilmittel ist dabei, dass sich die Jugendlichen selbst filmen, die Kamera als einen Freund ansehen, dem sie ihre Gedanken und Geschichten erzählen. Anna Spohr sieht sich vor allem als Coach der Jugendlichen, bringt ihnen die Kameraführung und verschiedene filmische Methoden bei, unterstützt und motiviert sie. Den Jugendlichen wird bei ihren Filmen sehr viel Freiheit gelassen, damit sie ihre Realität


schildern können. Zwischendurch geht auch mal etwas schief, wacklige Kameraführung oder rauschender Wind im Mikrophon, trotzdem wirken die Filme qualitativ sehr gut. ������������ «Ungeschliffene Diamanten»��������������������� , wie sie Anna Spohr nennt. Die erzählten Geschichten werden mit passenden Bildern untermalt. Zum Beispiel erzählt Inga über den Drogentod ihrer jüngeren Schwester, während sie wacklig auf Bahnschienen balanciert. Das Projekt sieht sich auch als Kontrapunkt gegenüber der bestehenden Medienkul-

tur, die von Kommerz und Manipulation geprägt ist und Jugendlichen wenig Raum lässt. Die Filme sind für die jungen Bewohner der Ghettos, diesen sozialen Dampfkesseln, ein Sprachrohr. Anna Spohr hätte sich gewünscht, dass an den Jugendfilmtagen mehr Filme von oder über MigrantenInnen vorgekommen wären. << Wer neugierig geworden ist: Auf www.tink.ch kann ab kommendem Dienstag ein Filmausschnitt ansgechaut werden.

* Die Holländerin Anna Spohr ist in Deutschland aufgewachsen. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Dramadozentin. Foto: Lea Zwimpfer

Gnadenlose Filmschlacht Am Donnerstagabend bescherte die «Slam Movie Night» den Jugendfilmtagen viele Besucher und eine gute Stimmung. Als Kontrast überzeugte der Gewinner mit einem ruhigen, fast poetischen Filmbeitrag. Von Martin Sturzenegger dern der Winterthurer John Wilhelm, der für Recht und Ordnung sorgte und es waren auch keine Sportler, die über die Leinwand huschten, sondern Schauspieler.

Mit strenger Gestik: Der Schiri John Wilhelm. Am Donnerstagabend wurde es im Theater der Künste ungewöhnlich laut. Tosender Jubel wechselte sich ab mit Buh-Rufen und schrillen Pfiffen. Die Atmosphäre auf der Tribüne glich derjenigen eines emotionalen Fussballspiels, einfach ein bisschen lustiger. Auf der Bühne stand ein glatzköpfiger Schiedsrichter, der das wilde Szenario mit seiner Trillerpfeife regelmässig unterbrach. Es war aber nicht die Referee-Legende Pierluigi Collina, son-

Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr ging die Slam Movie Night in eine zweite Runde. Über 20 Filme flimmerten über die Leinwand. Einige davon nur wenige Sekunden, weil sie vom Publikum frühzeitig aus dem Rennen gebuht wurden. So funktioniert das schonungslose Konzept des Anlasses. Das Publikum ging mit den Regisseuren meist hart ins Gericht und nur die Schiedsrichter sorgten für das nötige Quäntchen Fairness: «Der war jetzt vielleicht etwas weniger gelungen», sagte Wilhelm einmal beschwichtigend, währenddem das Publikum den «Buh-Pegel» in schmerzhafte Höhen trieb.

ter visualisiert die verträumten Alltagsgedanken des jungen Regisseurs auf beeindruckende Art und die Zuschauer hielten den Atem an – kein einziger «Buh-Ruf» war zu hören. Wirtschaftsstudent Kolbe, als Regisseur ein unbeschriebenes Blatt, zeigte sich sehr überrascht, als er am Schluss den «goldenen Slamy» für den Publikumsliebling in den Händen hielt: „Ja ähm, merci villmal.“ << Der Siegerfilm „Whim“ ab kommendem Dienstag zu sehen auf www. tink.ch. www.slam-movie-night.ch

«Ja ähm, merci villmal» Nur wenige der gezeigten Filme «überlebten» die Vorführung und wurden vollständig gezeigt. Einer davon war der spätere Siegerfilm «Whim» von Mischa Kolbe. Der animierte 3-Minü-

Unverhofft zum Sieg: Mischa Kolbe Fotos: Johannes Dietschi


imPressionen

weiterlesen Noch mehr Artikel und Fotos vom 33. Jugendfilmfestival gibt es gesammelt unter folgendem Link: www.tink.ch

mitmachen Stets mit wachsamen Augen: Jurymitglied Samir.

Beniamin Forti über «Handkerchief»: «Es hat etwas zutiefst Sexuelles.»

Wir sind da, wo Filme entstehen. Und wo bist du? Tink.ch sucht unentdeckte Schreibtalente zwischen 16 und 30 Jahren. Jung, kritisch, frech und schnell? www.tink.ch/mitmachen

impressum Tink.ch Zürich

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Stefanie Pfändler

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Lea Zwimpfer Mario Caviezel

Der Trailer-Guru in «echt»: Stefano Benini.

Freut sich über den Besucherrekord: Festivalleiter Patric Schatzmann.

Fotos

Layout

Johannes Dietschi

Manuela Zeiter

Stefanie Pfändler Lea Zwimpfer Ausgabe

Druck

Nummer 2

okaj zürich

15. März 2009

Langstrasse 14 8004 Zürich

Moderatorin Doro Müggler befragt Jurymitglied Sabina Schneebeli.

Beste Unterhaltung für die Zuschauer an den 33. Schweizer Jugendfilmtagen.

Auflage

Partner

350 Exemplare

okaj zürich Jugendfilmtage Schweiz

nachGefraGt

«We`ll be back!» Die 33. Schweizer Jugendfilmtage waren nicht nur aus der Besucherperspektive ein abwechslungsreiches und spannendes Festival. Patric Schatzmann, Leiter der Schweizer Jugendfilmtage, mit einem kurzen Rück- und Vorausblick. Mit Patric Schatzmann sprach Martin Sturzenegger Patric Schatzmann, wie lautet Ihr persönliches Schlussfazit für die 33. Schweizer Jugendfilmtage? Sehr überraschend und erfreulich. Wir hatten pro Veranstaltung im Schnitt 60-70 Besucher mehr zu verzeichnen. Wir können von einem Besucherrekord sprechen.

Welche Highlights gibt es hervorzuheben? Der Freitagnachmittag war beispielsweise sehr erfreulich, da hatten wir deutlich mehr Leute als Sitzplätze. Es herrschte auch eine andere Stimmung als im Vorjahr – insgesamt sind die Besucher mehr mitgegangen und

sie zeigten während den Filmen mehr Aufmerksamkeit. Die Jugendfilmtage gehen im nächsten Jahr in die 34. Runde. Ein erster Ausblick? Hatten wir in diesem Jahr das Thema Respekt, so heisst es im nächsten Jahr «������������������������������������ What I want, what you want, what we need������������������������������ »����������������������������� . Es geht um nachhaltige Entwicklung und soziale Gerechtigkeit. Unser Ziel ist es eine soziale Filmplattform zu schaffen, die international ausgerichtet ist. We`ll be back in 2010!<<


Tink.ch-Magazin 08: Schweizer Jugendfilmtage Zürich 2009