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Oktober 2010

Nachfolge

Was es heiĂ&#x;t, Christus zu folgen


inhalt Nachfolge

INHALT

02 04 EDITORIAL

Was Ihr erwarten kรถnnt

Einleitung

06 10

DIE KOSTEN DER NACHFOLGE

AUSWIRKUNGEN DER NACHFOLGE

von Waldemar Dirksen

von Andreas Kuhlamnn

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EIN RADIKALER NACHFOLGER

von Viktor Sudermann


18 RUF IN DIE NACHFOLGE von Peter Voth

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NACHLESEN

Lesenswertes über die Nachfolge

24 WHAT´S NEXT? Was noch kommen soll

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IMPRESSUM Mitarbeiter und Beteiligte


Das schönste Leben auf dieser Erde ist denen vorbehalten, die Jesus Christus bedingungslos nachfolgen. Es ist ein Vorgeschmack auf den Himmel und die einzige Sache, für die sich die größte aller Investitionen lohnt: Mein Leben! Bedauerlicherweise versinkt das heutige Christentum nicht nur in Gleichgültigkeit und Lauheit, sondern lebt hinter einer frommen Fassade weitgehend kompromissbereit mit der gottlosen Welt. Anstatt soviel Kraft und Zeit zu vergeuden, von Gott gegebene Maßstäbe zu verändern, sollte eine Hinwendung zur wahren Motivation der Nachfolge vollzogen werden: Christus! Nachfolge dient in erster Linie nicht zur Befriedigung persönlicher Bedürfnisse, sondern zur Verherrlichung und Anbetung Gottes. Eine oberflächliche Nachfolge wird zum einen von Jesus strikt abgelehnt und zum anderen ist sie für gottferne Menschen wie geschmackloses Salz, das zu nichts mehr nütze ist, als dass es wegschüttet und von den Leuten zertreten wird.

„DAS SCHÖNSTE LEBEN AUF DIESER ERDE IST DENEN VORBEHALTEN, DIE JESUS CHRISTUS BEDINGUNGSLOS NACHFOLGEN“

Ebenso ist eine Nachfolge, die sich nur darauf beschränkt, innerhalb eines moralischen Rahmens zu verharren, von Gott nicht beabsichtigt. Bei Menschen mögen wir mit dieser Lebensweise einen guten Ruf als Christen genießen, doch Christus fordert uns auf, mit brennender Liebe seinen Fußstapfen zu folgen. Christ zu werden, kostet uns nichts, doch Christ zu sein, ist mit Kosten verbunden: Es kostet uns mehr, als nur moralisch tadellos zu leben. Es kostet uns mehr, als nur materiellen Wohlstand aufzugeben. Es kostet uns mehr, als nur auf gesellschaftliche Stellung zu verzichten. Christ zu sein, kostet uns alles. Das Timotheus Magazin möchte mit bibelfundierten Artikeln den Leser zu einem konsequenten Leben in der Nachfolge Jesu herausfordern. Die Autoren dieser Zeitschrift sind junge Männer, die das Wort Gottes gerne studieren und bestrebt sind, ihr persönliches Leben danach auszurichten. Die Redaktion


DIE KOSTEN DER NACHFOLGE Text Waldemar Dirksen Foto Onki Flori

s kommt nicht darauf an, was du über den Bibelvers denkst. Deine Meinung ist letztlich unwichtig. Maßgebend sind Gottes Gedanken und Absichten in Bezug auf den genannten Vers. Dein und mein Ziel soll es daher sein, die rechte geistliche Bedeutung zu erkennen, die Gott in diesen Satz hineingelegt hat. Die Vielfalt an verschiedenen Auslegungen zu einem einzigen Bibeltext ist bestenfalls ein Ausdruck von Gelehrsamkeit, aber niemals das Ergebnis geistlicher Erleuchtung. Der genannte Vers ist Teil einer Rede Jesu vor einer großen Volksmenge. In dieser Rede konfrontiert Jesus die Menge mit den Kosten der Nachfolge. Diese Vorgehensweise zeigt deutlich, dass es ihm in erster Linie nicht um die Masse geht, sondern um die konsequente Nachfolge des Einzelnen. Obwohl er sich an eine große Menge wendet, die mit ihm geht, spricht er von dem Einzelnen: ‚jemand’, ‚jeder unter euch’, ‚der’ und ‚er’. Jeder soll sich hinsichtlich der Kosten wahrer Jüngerschaft bewusst sein und diese überschlagen, bevor er in die Nachfolge Jesu eintritt. Ein leichtfertiger Eintritt in die Nachfolge ist verkehrt. Was sind die Kosten der Nachfolge für einen wahren Jünger Jesu? Ausgehend von dem obigen Bibelvers lautet die Antwort: Alles, was er hat. Das Wort „alles“ umfasst die gesamten Besitztümer in materieller, geistiger und sozialer Hinsicht. Nichts darf außen vor bleiben. Eigene Pläne und Ziele gehören genauso dazu wie finanzielles Vermögen und die eigene berufliche Stellung.

„EIN LEICHTFERTIGER EINTRITT IN DIE NACHFOLGE IST VERKEHRT“

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Was soll nun mit diesen Besitztümern geschehen? Der Jünger hat die Aufgabe, sich von seinen Besitztümern zu entsagen. Offensichtlich geht es hier nicht nur darum, den guten Willen oder die Bereitschaft dazu zu haben – das wäre eindeutig eine Abschwächung der strikten Forderung1. Das Entsagen soll wirklich vollzogen werden. Hier stellt sich allerdings die Frage, in welcher Form soll es geschehen? Soll der Jünger beispielsweise sein ganzes Hab und Gut verkaufen? Dieser Gedanke ist zweifellos radikal. Allein im Lukasevangelium kommt dieser Gedanke an mindestens zwei weiteren Stellen deutlich zum Ausdruck. In Lukas 12,33 sagte Jesus seinen Zuhörern: „Verkauft eure Habe und gebt Almosen!“ und den reichen Jüngling forderte Jesus auf: „Verkaufe alles, was du hast, und verteile es an die Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach!“ (Lukas 18,22). Weiter bezeugt Petrus vor dem Herrn: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt“ (Matthäus 19,27). Von der Urgemeinde heißt es: „sie verkauften die Güter und Besitztümer und verteilten sie unter alle, je nachdem einer bedürftig war“ (Apostelgeschichte 2,45). Auch in den letzten Jahrhunderten haben sich viele Gläubige buchstäblich allem entsagt. Zu ihnen gehört Antony Norris Groves, der im 19. Jahrhundert als Zahnarzt in England ein hohes Einkommen erzielte. Mit seiner Frau kam er zu dem Entschluss, dass sie „aufhören müssten, Schätze auf Erden zu sammeln, und dass sie ihr gesammeltes beträchtliches Einkommen ganz dem Herrn weihen sollten – zu seinem Dienst“ 2. Er hat seinen Beruf aufgegeben und ging anschließend mit seiner Familie als Missionar nach Persien. Dabei vertraute er dem Herrn, dass er für alle seine zeitlichen Bedürfnisse sorgen würde.3

Vom Urtext her betrachtet kann anstelle von ‚entsagen’ auch der Begriff ‚wegstellen’ verwendet werden. Bemerkenswert ist, dass sich der griechische Begriff für ‚entsagen’ zusammensetzt aus zwei Wörtern, von denen das erste Wort mit ‚von’ übersetzt werden kann und das zweite Wort mit ‚geordnet aufstellen’. Demnach hat Lukas 14,33 die Bedeutung, dass der Jünger all seine Besitztümer von sich wegstellt an ihren richtigen Platz. Er darf ihnen nicht erlauben, ihn in der Nachfolge zu behindern.4

„DAS WORT „ALLES“ UMFASST DIE GESAMTEN BESITZTÜMER IN MATERIELLER, GEISTIGER UND SOZIALER HINSICHT. “

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Vieles in dieser vergänglichen Welt kann für dich zum Verhängnis werden und deiner Seele einen ewigen Schaden zufügen. Als der reiche Jüngling die Forderung Jesu „hörte, wurde er ganz traurig, denn er war sehr reich. Als aber Jesus ihn so sah, dass er ganz traurig geworden war, sprach er: Wie schwer werden die Reichen ins Reich Gottes hineinkommen. Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt“ (Lukas 18,23-25). Die Reaktion des jungen Mannes auf die Forderung Jesu offenbart deutlich, dass seine Güter, einen höheren Stellenwert in seinem Leben hatten als der Herr selbst. Er war nicht bereit, die Kosten der Nachfolge zu tragen zumindest in den Evangelien wird nicht davon berichtet, dass er die Forderungen Jesu erfüllt hätte.

Der Herr erhebt den Anspruch, in deinem Leben den ersten Platz einzunehmen. Er will den absoluten Vorrang haben vor allem anderen. Im Klartext heißt es: Deine Pläne und Wünsche sollen seinem Plan für dein Leben untergeordnet sein. Dein ganzes Vermögen soll ihm geweiht sein. Seine Ehre soll dir wichtiger sein als deine eigene Ehre. Wen du diese Bedingung zur Nachfolge nicht erfüllst, dann kannst du schlichtweg nicht sein Jünger sein.


„SEINE WORTE LASSEN KEINEN SPIELRAUM OFFEN FÜR EINE BESCHRÄNKTE NACHFOLGE, DIE VON IHM AKZEPTIERT WIRD. DEUTLICH UNTERSTREICHT ER DAS PRINZIP: GANZ ODER GAR NICHT!“

Diese Konsequenz hat Jesus unmissverständlich betont. Hier gibt es keine Grauzone. Seine Worte lassen keinen Spielraum offen für eine beschränkte Nachfolge, die von ihm akzeptiert wird. Deutlich unterstreicht er das Prinzip: Ganz oder gar nicht! Deine halbherzige Nachfolge ist in deinen Augen möglicherweise kein Grund zur Sorge, aber für den Herrn ist sie nicht annehmbar. John MacArthur bemerkt zu Lukas 14,33 sehr treffend, dass es um viel mehr geht „als nur Verzicht auf materielle Güter, nämlich um bedingungslose Lebensübergabe. Ein Jünger darf keine Sonderrechte beanspruchen und kann keine Bedingungen stellen. Sie dürfen an keiner Lieblingssünde festhalten, keinen irdischen Besitz ansammeln und keinen heimlichen Vorlieben frönen. Sie müssen sich ihm vorbehaltlos ausliefern.“ 5 Lukas 14,33 soll in deinem Leben nicht nur Theorie sein, sondern Wirklichkeit. Ein großes Vorbild für die praktische Umsetzung des Verses ist Jim Elliot. In sein Tagebuch schrieb er: „Vater, laß mich schwach sein, auf daß ich die Kraft verliere zum Umklammern von weltlichen Dingen. Mein Leben, mein Ansehen, mein Besitz – Herr, nimm hinweg von mir die Neigung meiner Hand zum Ergreifen und Festhalten.

Ach, daß doch von mir wiche das Verlangen schon nach dem bloßen Streicheln. Wie oft habe ich den festen Griff gelockert, nur um mir das zu erhalten, was ich in ‚harmlosem’ Verlangen so schätzte – das streichelnde Berühren. Nein, öffne vielmehr meine Hand zum Aufnehmen des Kreuzigungsnagels, Vater, wie die Hand Jesu Christi – auf daß ich, indem ich alles loslasse, selber losgelassen werde, los von allem, was mich jetzt noch bindet. Auch bei ihm (Jesus) war das Sinnen und Trachten auf den Himmel gerichtet, ja, auf die Gleichheit mit Dir, nicht auf Dinge, die man umklammert. So gib denn, Vater, daß ich loslasse.“ 6 Die Kosten der Nachfolge sind hoch, aber es lohnt sich immer, sie zu tragen. 1vgl. William MacDonald, Wahre Jüngerschaft, 2003, CLV, Seite 16. 2vgl. William MacDonald, Wahre Jüngerschaft, 2003, CLV, Seite 17. 3vgl. Harriet Groves, Antony Norris Groves, 2001, Betanien Verlag. 4vgl. Elberfelder Studienbibel, Sprachschlüssel zum NT, Brockhaus Verlag, 2009, NT – Nr. 649. 5John MacArthur Studienbibel, CLV, 2004, Anmerkung zu Lukas 14,33. 6Elisabeth Elliot, Im Schatten des Allmächtigen – Das Tagebuch Jim Elliots, CLV, 2008, Seite 63 f..

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„GIBT ES NUN BEI EUCH ERMAHNUNG IN CHRISTUS, GIBT ES ZUSPRUCH DER LIEBE, GIBT ES GEMEINSCHAFT DES GEISTES, GIBT ES HERZLICHKEIT UND ERBARMEN, SO MACHT MEINE FREUDE VÖLLIG, INDEM IHR EINES SINNES SEID, GLEICHE LIEBE HABT, EINMÜTIG UND AUF DAS EINE BEDACHT SEID. TUT NICHTS AUS SELBSTSUCHT ODER NICHTIGEM EHRGEIZ, SONDERN IN DEMUT ACHTE EINER DEN ANDEREN HÖHER ALS SICH SELBST. JEDER SCHAU NICHT AUF DAS SEINE, SONDERN JEDER AUF DAS DES ANDEREN. DENN IHR SOLLT SO GESINNT SEIN, WIE ES CHRISTUS JESUS AUCH WAR" PHILLIPER 2,1-5


AUSWIRKUNGEN DER NACHFOLGE Text Andreas Kuhlmann Foto Rainer Sturm

ahre Nachfolger Jesu sind anders. Sie sind in der Welt bemerkbar. Der Grund ihrer Andersartigkeit ist ihre Gesinnung, die nicht Ursprung ihrer persönlichen Überlegungen ist, sondern von ihrem Herrn kommt. Dennoch werden die Gläubigen in Philippi von Paulus aufgefordert so gesinnt zu sein, wie es Jesus Christus war. Zuvor erhalten sie von ihm eine praktische Unterweisung wie sie miteinander leben sollen. Im Kern geht es dabei um Auswirkungen einer christusähnlichen Gesinnung, die während unserer Nachfolge reifen soll. PAULUS SPRICHT im ersten Vers von verschiedenen Ausprägungen gemeinschaftlichen Lebens, die es unter uns geben soll. Er schreibt hier von Ermahnung in Christus. Das heißt zurechtweisende Worte; eine Warnung an einen Bruder oder eine Schwester im Herrn, die nicht im Einklang mit biblischen Wahrheiten leben. PAULUS SCHREIBT von Zuspruch der Liebe. Das heißt Trost und Erbauung in einer liebevollen Weise. Der Niedergeschlagenheit entgegeneilen. Dem am Leben verzweifelnden Bruder unter die Arme greifen und Trost geben. PAULUS SCHREIBT von Gemeinschaft des Geistes. Gemeinsam Zeit mit dem Wort Gottes verbringen, die Wahrheit verkündigen, uns gegenseitig vor Fallstricken der Irrlehre bewahren oder gemeinsam im Gebet verharren. Den Geist sprechen lassen und nicht unsere voreingenommene Meinung. Wahre geistliche Gemeinschaft setzt einen Wandel im Licht voraus. PAULUS SCHREIBT hier von Herzlichkeit. Das heißt gegenseitige liebevolle Annahme. Vorurteile beiseite legen und jeden Bruder und jede Schwester als ein auserwähltes Kind Gottes respektieren und mit Wärme begegnen. Keine Abneigung oder üble Gedanken im Herzen gegenüber Geschwister hegen, sondern ihre gottgegebenen Gaben fördern und lieben. Und schließlich schreibt Paulus hier von Erbarmen. Das heißt Anteilnahme am Versagen anderer Geschwister. Wir sollen sie nicht verdammen, sondern uns über sie erbarmen. Niemand von uns wird den Weg zum himmlischen Vaterhaus untadelig gehen. Welche Reaktion erwartest du von anderen bezüglich deines Versagens? 11


„WIR HABEN UNS DURCH DIE GNADE GOTTES FÜR DIE NACHFOLGE ENTSCHIEDEN UND FOLGEN ALLE EINEM HERRN, JESUS CHRISTUS DEM GEKREUZIGTEN.“

PAULUS SCHREIBT dann in Vers 2, dass die Philipper seine bereits vorhandene Freude vollkommen machen sollen, also nach dieser Vollkommenheit streben, indem sie alles, was er zuvor gesagt hat, eines Sinnes tun, in gleicher Liebe, einmütig und auf das Eine bedacht. Im Urtext steht für das Wort einmütig der Begriff "zusammen-geseelt". Dieser Begriff "steht für Menschen die in Harmonie miteinander verbunden sind und dieselben Wünsche, Leidenschaften und Ziele haben."1 Die vollkommene Freude des Paulus bestand also darin, eines Sinnes, in gleicher Liebe, zusammen-geseelt demselben großen Ziel entgegenzugehen. Und wenn es auf diesem Weg Ermahnung in Christus, Zuspruch der Liebe, Gemeinschaft des Geistes, Herzlichkeit oder Erbarmen gibt so sollen wir Sie in dieser Einmütigkeit bewirken, zu unserer völligen Freude. Wir haben uns durch die Gnade Gottes für die Nachfolge entschieden und folgen alle einem Herrn, Jesus Christus dem Gekreuzigten. Wir haben einen wahrhaftigen Glauben durch Gnade, eine Liebe in Christus, ein Ziel in Ewigkeit. Gibt Gott dir nun Ermahnung in Christus, dann wirst du in dieser Einmütigkeit daran denken, dass vor dir ein geliebtes Kind Gottes steht, das du durch deinen Zorn zerstören kannst, oder das durch deinen falschen und feigen Lob scheitern kann. In dieser Einmütigkeit wirst du alles daran setzen, die oftmals schmerzvolle Wahrheit in Liebe weiterzugeben. Das Straucheln deines Bruders, der Ermahnung in Christus braucht, wird dich nicht in Ruhe lassen, bis du weist, dass er wieder einen festen Gang hat. 12

ODER GIBT GOTT DIR Zuspruch der Liebe, dann wirst du in dieser Einmütigkeit daran denken, dass vor dir ein geliebtes Kind Gottes steht, das ohne deinen Trost auf den billigen Trost der Welt eingehen wird. Der Gedanke an diesen Verlust wird dich kränken und bestürzen. Den Einsamen wirst du in seiner Mutlosigkeit und Niedergeschlagenheit beistehen. In dieser Einmütigkeit wirst du alles daran setzen, deinem verzagten Bruder durch die Gnade, Hoffnung und Liebe zu ermutigen. ODER GIBT GOTT DIR die Gemeinschaft des Geistes, dann wirst du in dieser Einmütigkeit daran denken, dass vor dir ein geliebtes Kind Gottes steht, dem du durch deine böse Zunge den Samen der Irrlehre ins Herz setzen kannst. Du wirst dich davor hüten, deine persönlichen Überzeugungen oder Meinungen vor das Wort Gottes zu stellen und darauf bedacht sein, eher zu schweigen als voreingenommen zu reden. In dieser Einmütigkeit wirst du alles daran setzen, das Wort Gottes recht zu verstehen, um in der Gemeinschaft des Geistes die Herzen deiner Geschwister auf Christus zu richten. ODER GIBT GOTT DIR liebevolle Herzlichkeit, dann wirst du in dieser Einmütigkeit daran denken, alle Vorurteile auszuräumen. Du wirst deinem Bruder trotz seiner Fehler und Schwächen in Liebe begegnen und seinen Gaben nicht verachten oder begehren. Du wirst aufhören, auf jeden seiner kleinen Fehltritte zu achten und stattdessen fürbittend für ihn auf die Knie gehen. In dieser Einmütigkeit wirst du alles dran setzen, deinen Geschwistern in Freundlichkeit zu begegnen. ODER GIBT GOTT DIR Erbarmen, dann wirst du in dieser Einmütigkeit daran denken, welches Erbarmen dir jeden Tag widerfährt und wie geduldig der himmlische Vater trotz deiner sündigen Veranlagungen an dir arbeitet. Daher wirst du bestrebt sein, dich über deine Geschwister ebenso zu erbarmen, anstatt sie zu verurteilen. Du wirst erkennen, dass dein Bruder unter der Last der Sünde erdrückt wird und ihm helfen. In dieser Einmütigkeit wirst du alles daran setzen, das Ausmaß der Sünde in das rechte biblische Licht zu rücken, und daraufhin deinem leidenden Bruder in seiner Not beistehen, anstatt unbarmherzig am Recht festzuhalten. Ist unsere Nachfolge also echt, werden wir versuchen eines Sinnes, in gleicher Liebe, einmütig auf das Eine bedacht zu leben. PAULUS SCHREIBT weiter in Vers 3 und 4: "Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schau nicht auf das seine, sondern jeder auf das des anderen." Paulus betont hier, dass wir nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz tun sollen. Offenkundig ist, dass sich Selbstsucht bzw. nichtiger Ehrgeiz und Einmütigkeit im Geist ausschließen. Wir können nicht nach Ruhm streben und Einmütigkeit im Geist haben. Das ist unmöglich. Stattdessen sagt Paulus, dass wir durch Demut, die nicht im Einklang mit Ehrgeiz steht, unsere Einmütigkeit im Geist ausleben sollen.


Die gewaltigsten Nachfolger Christi waren stets die Demütigsten. Paulus bezeichnete sich selbst als den Geringsten unter allen Heiligen. Paulus war nicht beherrscht von nichtigem Ehrgeiz. Wir sollen also nicht versuchen, Ruhm und Einmütigkeit im Geist miteinander zu vereinbaren, sondern in einer von Demut geprägten Nachfolge leben. Doch, wie sieht wahre Demut aus? In Vers 4 steht: "Jeder schau nicht auf das seine, sondern jeder auf das des anderen." Demut legt nicht immer die eigenen Interessen und Wünsche ab, sondern betrachtet sie um des Nächsten willen als nachrangig. Demut ist nicht ein passives Hinnehmen von Umständen, sondern eine willentliche Erduldung von Spott, Hohn und Verleumdung oder Beschmutzung des eigenen Namens für ein höheres Ziel. Sei es nun, um Ungläubige zur Buße zu bewegen oder um Geschwister von der biblischen Wahrheit zu überzeugen. William MacDonald schreibt dazu: "Als Kinder Gottes, die wir versuchen den Weg gottwohlgefällig zu gehen, werden wir mehr Angriffen ausgeliefert sein als gewöhnlich, sogar von eigenen Brüdern und Schwestern. Je mutiger wir die Wahrheit Gottes verkündigen und je sorgfältiger wir sie in die Praxis umsetzen, desto mehr Widerstand werden wir spüren. Dann aber kommt es darauf an, dass wir dem Unrecht nicht versuchen die Stirn zu bieten. Wenn wir verleumdet werden nicht versuchen uns zu rechtfertigen. Wenn wir lächerlich gemacht werden nicht versuchen gerade zu biegen, sondern alles in die Hand dessen legen der gerecht richtet. Wenn du in solchen Situationen versuchst deinen Ruf und Charakter vor anderen Menschen zu erhalten, wirst du sie dadurch nur noch mehr beflecken."2 Ohne Zweifel ist Demut etwas Großes, wofür wir den himmlischen Vater bitten können, aber auch leider das am wenigsten in uns Vorhandene. Ist unsere Nachfolge ernst, wird der Wunsch nach Demut niemals aus unseren Herzen weichen. Je demütiger wir werden, desto klarer werden wir erkennen wie wenig Demut in uns vorhanden ist. Die Tatsache, dass Paulus an dieser Stelle nur Demut erwähnt, bekräftigt ihre zentrale Rolle im einmütigen Leben. Demut macht das Zusammenleben einfach. Sie ist wie Öl im Getriebe, das starke Reibungen verhindert. Nur wenige Verse weiter schreibt Paulus von der demütigen Tat Jesu, als er den Himmel verlassen hat, Mensch wurde und für uns als Verbrecher gerechnet, ans Kreuz ging. Wie jämmerlich erscheinen wir angesichts der Tatsache, dass wir oft nicht schweigen können, wenn wir es sollten. Paulus fordert uns also auf alle Gaben, alle die Gott in uns wirkt eines Sinnes zu tun. In Demut sollen wir Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Erbarmen, Geduld usw. üben.

Philipper in Kapitel 3, 15.16: "So viele nun vollkommen sind, lasst uns so gesinnt sein; und wenn ihr etwas anderes gesinnt seid, so wird euch Gott auch dies offenbaren. Doch wozu wir gelangt sind, lasst und in denselben Fußstapfen wandeln." 1John MacArthur Studienbibel, CLV, 2004 (www.clv.de) 2William MacDonald „Licht für den Weg“ (1. Auflg. 1987; www.clv.de)

„DIE GEWALTIGSTEN NACHFOLGER CHRISTI WAREN STETS DIE DEMÜTIGSTEN. PAULUS BEZEICHNETE SICH SELBST ALS DEN GERINGSTEN UNTER ALLEN HEILIGEN. PAULUS WAR NICHT BEHERRSCHT VON NICHTIGEM EHRGEIZ.“

Es mag sein, dass einige einen anderen Weg zu dem Sinn Christi nehmen als du; es mag auch sein, dass du weiter bist als andere; es kann sein, dass dir eine besondere Gabe der Schriftauslegung gegeben ist und du das Wort besser verstehst als andere. Doch eins darfst du nie vergessen: Die Einmütigkeit im Geist sollst du bewahren und in ihr deine Gaben ausüben. Paulus schreibt an die 13


„ DENN DAZU SEID IHR BERUFEN, WEIL AUCH CHRISTUS FÜR UNS GELITTEN UND UNS EIN VORBILD HINTERLASSEN HAT, DAMIT IHR SEINEN FUSSSTAPFEN NACHFOLGT“ 1.PETRUS 2,21


EIN RADIKALER NACHFOLGER Text Viktor Sudermann Radierung Bernhard Rode

ie NachChristen müssen bereit sein, diese Kosten zu ertragen.folger Christi sind berufen, in den Fußstapfen Jesu zu wandeln. Er hat uns ein Vorbild hinterlassen und wir sind verpflichtet, ihn nachzuahmen. Folgende Frage stellt sich hier: „In wieweit sollten wir in die Fußstapfen Jesu treten bzw. sein Vorbild nachahmen?“ Jesus selbst war dem himmlischen Vater gehorsam bis zum Tode am Kreuz. Sollte unsere Nachfolge und Hingabe an Jesus soweit gehen, dass wir sogar den körperlichen Tod in Kauf nehmen? Ist es nicht zu extrem, derartiges von einem Nachfolger zu verlangen? Sagt nicht Jesus selbst zu seinen Jüngern: „Ich bin gekommen, dass sie Leben haben im Überfluss“ (Joh.10,10). Wie kann Gott so hohe Kosten in der Nachfolge verlangen? Im Kontext des Petrusbriefes ist ersichtlich, dass Kränkungen und Unrecht leiden für Gutes tun gemeint sind. Auf der Arbeit stoßen beispielsweise Ehrlichkeit, Fleiß, Treue und Hilfsbereitschaft nicht unbedingt auf Hochachtung, sondern eher auf Neid, Verachtung und böse Verleumdungen. Christen müssen bereit sein, diese Kosten zu ertragen. Abhängig vom kulturellen oder sozialen Umfeld in dem sich der entschiedene Christ befindet, kann das Leiden weit über das oben gesagte hinausgehen. Das bloße Bekenntnis zu Christus kann in manchen Ländern unweigerlich zum Tod führen. Diese Gefahren und Leiden werden durch Petrus nicht ausgeschlossen. So manch einer musste sehr hohe Kosten bezahlen, weil er Jesus die Treue hielt. Jesus selbst sagt zu seinen Jüngern: „Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert“(Mt.10,38). Menschen der damaligen Zeit hatten genaue Vorstellungen davon, was es heißt das Kreuz auf sich zu nehmen und Jesus nachzufolgen. John MacArthur schreibt dazu folgendes: „Der Perserkönig Darius kreuzigte dreitausend Babylonier. Alexander der Große kreuzigte zweitausend Einwohner der Stadt Tyrus. Alexander Janius kreuzigte achthundert Pharisäer, während vor ihren Augen ihre Frauen und Kinder von Soldaten abgeschlachtet wurden“1 „Als Jesus sagte, dass seine Jünger ihr Kreuz aufnehmen müssen, hatte das für seine Zuhörer nur eine Bedeutung: bereitwillig damit zu rechnen, für ihn sterben zu müssen“2 Nachfolge kann tatsächlich für den einen oder anderen bedeuten, das Leben für Jesus zu geben. Christ zu sein läuft aber nicht zwangsläufig darauf hinaus, ein Martyrium zu erleiden. 16


An dieser Stelle schauen wir uns eine Person aus der Geschichte an, die ihre Nachfolge mit dem Leben bezahlen musste: Jan Hus. Wahrscheinlich ist er um das Jahr 1369 in Böhmen (liegt im Westen der heutigen Tschechischen Republik) geboren. An der Universität in Prag absolvierte Hus ein Studium in Kunst und Theologie. Im Jahre 1400 wurde er Priester in der Prager Bethlehemkirche und predigte dort regelmäßig in tschechischer Sprache, was zur damaligen Zeit sehr ungewöhnlich war, da die meisten Gottesdienste in Latein abgehalten wurden. Aufgrund der Vermählung der Prinzessin Anna mit König Richard II von England bestand eine Brücke zwischen England und Böhmen. Diese Verbindung nutzten böhmische Studenten um in Oxford zu studieren. Dort wurden sie mit den Lehren Wycliffs vertraut und maßgeblich von diesen beeinflusst. In Prag wird auch Hus von diesen Lehren geprägt: „Er wird von ihnen so stark geprägt, dass seine eigenen Schriften fast nur wörtliche Auszüge seines englischen Vorbildes sind“3 Durch diese Theologie aus England entstehen große Spannungen in der Prager Gesellschaft. Viele Menschen vertreten die Lehren von John Wycliff, die den reformatorischen Lehren sehr stark ähneln. Dabei erfährt Hus viel Unterstützung. Andere aber, wie der Erzbischof Sbynko und der Papst Johannes XXIII leisten Widerstand, verbieten Hus die Kanzel und verhängen über ihn sogar die Exkommunikation4. In dieser Zeit wird Sigismund König des deutschen Reiches. Er lädt Jan Hus vor das Konstanzer Konzil5. Auf dem Weg dorthin wird Hus von vielen Deutschen freundlich aufgenommen und beherbergt, obwohl er sich zuvor nicht gerade als Freund der deutschen erwiesen hatte. In der Wohnung in Konstanz empfängt er viele Freunde und Bewunderer. Das ärgert den Papst, so dass dieser ihn durch eine List gefangen nehmen lässt. Da das der Kaiser Sigismund erfährt, empört er sich sehr und fordert eine sofortige Freilassung. Doch Hus wird nicht freigelassen, sondern nach vielen Tagen schrecklicher Haft mit Fesseln, bei schlechter Ernährung und Krankheit vor das Konstanzer Konzil gebracht, um sich verteidigen zu können. Sobald er den Mund zur Verteidigung öffnet, schreien die Menschen so laut, dass man seine Rede nicht verstehen kann. Schweigt er aber, dann wird das als Zeichen des Eingeständnisses gewertet. Es gelingt den Klägern nicht, ihn zum Widerruf seiner Lehren wider den Papst und Kirche zu bewegen. Am 16. Juli verurteilt das Konzil Hus, stößt ihn aus der Kirche und überliefert ihn einem weltlichen Strafgericht. Noch bis zum Schluss erhält er die Gelegenheit, seine Lehren zu widerrufen. Der einfache Widerruf hätte wohl den „Gewinn“ seines Lebens bedeutet. Gut dokumentierte Zeugenberichte erlauben einen Blick in das Innere des bewussten Nachfolgers Hus, der Christus nicht verleugnen konnte und sich voller Freude dem Tod hingab: „Welche Fehler soll ich widerrufen“? fragte Hus, „ich bin mir keiner bewusst. Gott ist mein Zeuge, dass alles was ich

geschrieben und gepredigt habe, war zum Ziel, Seelen von der Sünde und dem Verderben zu retten; und deshalb will ich freudig mit meinem Blut diese Wahrheit bestätigen, die ich schrieb und predigte“6 „Auf dem Richtplatz wird er mit einer Kette an den Pfahl gebunden. Seine Füße stehen auf einem Schemel. Noch einmal betet er:Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, der für uns gelitten hat, erbarme dich meiner. Eine Beichte lehnt er ab. Dann wird Holz und Stroh um ihn geschichtet und der ganze Haufen mit Hilfe von Pech angezündet. Er stirbt mit lauter Stimme singend und das Glaubensbekenntnis betend“7 In der Kirchengeschichte mussten viele Christen ihre Nachfolge mit dem Tode bezahlen, wie Hus. Er ging als Sieger, singend und betend in die Ewigkeit hinüber. Hus kann unzweifelhaft als ein radikaler Nachfolger angesehen werden. Doch wie ist es möglich in einer westlichen Wohlstandsgesellschaft im 21. Jh. radikal für Christus zu leben? Lasst uns in jeder Lebenslage für die Wahrheiten des Evangeliums eintreten, sowie Hus es getan hat. Lasst uns unser Ansehen und unsere Stellung um Christi Willen verlieren, indem wir Christus bezeugen wenn es Ihn zu bezeugen gilt. Lasst uns unsere irdischen Lebenskonzepte die eine radikale Nachfolge beeinträchtigen, über Bord werfen. Lasst uns nicht fragen, wo und wie wir für Christus einstehen können, sondern lasst es uns tun, wenn es darauf ankommt. Hus war ein leuchtendes Beispiel. Ein Zitat aus Sierszyns Kirchengeschichte verdeutlicht Hus Einstellung zum rechten Glauben, den er nicht verleugnen konnte:

„SO MANCH EINER MUSSTE SEHR HOHE KOSTEN BEZAHLEN, WEIL ER JESUS DIE TREUE HIELT.“

„Nicht der Ungehorsam gegenüber Jesus Christus, sondern der Ungehorsam gegenüber Papst und Hierarchie bringt die beiden8 an den Marterpfahl“9 1John MacArthur, Durch die Enge Pforte, Betanien Verlag, S. 34 2John MacArthur, Durch die enge Pforte, Betanien Verlag, S.138 3Sierszyn Armin, 2000 Jahre Kirchengeschichte, Band 2, S.248 4d.h. er ist somit aus allen christlichen Gemeinschaften ausgeschlossen 51414-1418 6http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:maertyrer:maertyr er-zeugnis#jan_hus_-_verbrennung_1415 7Sierszyn Armin, 2000 Jahre Kirchengeschichte, Band 2, S.252-253 8 Jan Hus und Hieronymus von Prag 9 Sierszyn Armin, 2000 Jahre Kirchengeschichte, Band 2, S.253

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„ WER BIN ICH, DASS ICH ZUM PHARAO GEHEN, UND DASS ICH DIE KINDER ISRAELS AUS ÄGYPTEN FÜHREN SOLLTE?“ 2. MOSE 3,11


RUF IN DIE NACHFOLGE Text Peter Voth Foto Christian Kogler

enn wir zum Stichwort „Nachfolger“ biblische Personen nennen müssten, würden wir vielleicht Petrus, Paulus oder Timotheus erwähnen. Die Genannten können mit Sicherheit als wunderbare Illustrationen dienen, was die Nachfolge angeht. Das Adjektiv „treu“ würden wir den Jüngern ohne Zögern verleihen. Doch was ist mit Männern wie Jona, Salomo oder Mose. Bei Mose lief noch lange nicht alles so „glatt“, wie viele meinen. Moses Anfänge im Dienst für den Gott Israels sind einer näheren Betrachtung würdig. Das Beispiel Moses ist mehr als interessant und relevant in Bezug auf die Nachfolge. Ich möchte keine ausführliche Biografie verfassen. Mein Bestreben ist es anhand seines Lebens aufzuzeigen, welche „Art“ Nachfolger er war. In vielerlei Hinsicht ist Mose ein wirklich unpassendes Beispiel für die Nachfolge. Betrachten wir das Leben Moses näher, werden wir vieles entdecken, was uns ihn nicht als treuen Nachfolger erscheinen lässt. Mose lebte 120 Jahre. Eigentlich war er „nur“ ein Drittel seiner Lebens ein „Nachfolger“ Gottes. Gott berief ihn erst im Alter von 80 Jahren in den Dienst. Betrachten wir heute einen gewöhnlichen Achtzigjährigen, so meinen wir oft, er könne bereits mit dem Leben abschließen, nicht wahr? Dazu kommt noch, dass Mose ein Mörder war und vierzig Jahre im Exil lebte. Sind das gute Voraussetzungen für einen Nachfolger Gottes? Bei der Betrachtung seines Lebens muss einem vor allem eins bewusst werden: Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Gott waltet souverän und frei. Alles ist in seiner Hand. Diese Geschichte vermittelt uns vor allem die Souveränität Gottes, die uns von jeder Seite des Buches Exodus entgegenweht. Wenn du meinst, Gott könne dich nicht als Nachfolger gebrauchen oder du seist unfähig zum Dienst, dann ist dieser Artikel für dich geschrieben. 19


Mose wuchs überhaupt nicht wie ein gewöhnlicher Israelit seiner Zeit auf. Während seine Landsleute als Sklaven im ägyptischen Exil leiteten, genoss er das Privileg am königlichen Hof des Pharaos aufzuwachsen. Die ersten vierzig Jahre waren aus menschlicher Sicht seine „glücklichsten“. „Mose wurde in aller Weisheit der Ägypter unterrichtet und war mächtig in Worten und in Werken“ (Apg 7,22). Er genoss alle Privilegien seiner Zeit, war gelehrt, intelligent und begabt. Doch die ganze Sache hatte einen Makel, er war Israelit. Als ein Mann vom hohen Rang Ägyptens sah er natürlich das Leid seiner Landsleute. Einmal beobachtete Mose einen Ägypter, der einen Hebräer erschlug. Kurzerhand tötete Mose den Ägypter (2. Mose 2,12). Als diese Tat bekannt wurde, trachtete der Pharao Mose nach dem Leben. So

Die Eigenschaft der Gottesfurcht ist heute in der Welt verachtet und jemand der sie besitzt, gilt als rückständig, zurückgeblieben oder ungebildet. In diesem Kontext fällt mir 1. Korinther 1, 26-29 ein: „Seht doch eure Berufung an, ihr Brüder!“ Mose wurde von Gott am Dornenbusch berufen „Da sind nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme; sondern das Törichte der Welt hat Gott erwählt“. Erst als Mose die Weisheit der Ägypter (gezwungenerweise) verlassen hatte, nicht mehr vornehm war und keine Macht mehr hatte, berief ihn Gott. Nur als „Toren“ konnte Gott Mose gebrauchen, „um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, und das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich vor ihm kein Fleisch rühme.“ Hier sehen wir ganz genau die Handschrift Gottes. Er hat sich nicht verändert. Genauso wie es an Gott lag, durch den schwachen, achtzigjährigen Hirten Mose das verachtete Sklavenvolk der Hebräer aus der Gefangenschaft der Mächtigen Ägypter zu befreien, so liegt es heute immer noch an Gott, wer in den herrlichen Genuss seiner Kindschaft gelangt. Durch all diese Dinge, klingt diese unmissverständliche Aussage: „damit sich vor ihm kein Fleisch rühme.“ (1. Korinther 1, 29).

„VON ALLEN ABGESCHRIEBEN UND VERACHTET, SCHEINBAR FÜR ALLES WEITERE DISQUALIFIZIERT, SCHREITET GOTT EIN.“

flüchtete Mose nach Midian. Seine gesellschaftliche Stellung, sein Wohlstand, seine Vorrechte und sein Ansehen waren weg. Mit vierzig Jahren musste er von vorne anfangen. Mose wurde ein einfacher Hirte. Ein unglaublicher Abstieg. In so einer Lage, von allen abgeschrieben und verachtet, scheinbar für alles weitere disqualifiziert, schreitet Gott ein. Genau genommen schreitet er erst vierzig Jahre später, wie bereits erwähnt, im Alter von 80 Jahren, ein. Als Mose mal wieder seine Schafe hütete, offenbarte sich Gott Mose wie keinem anderen, davor und danach. Durch einen brennenden Busch, rief Gott zum Hirten: „Mose, Mose!“ (2. Mose 3,4). In diesem Moment berief Gott den fast vergessenen Mose. Das, was Mose antwortete, lässt auf einen entschlossen, zu allem bereiten Diener schließen, der nach 40 Jahren Schafehüten endlich wieder eine neue Herausforderung bekam. Es sollte ganz anders kommen. Mose entgegnete: „Hier bin ich!“ (2. Mose 3,4). Scheinbar ohne zu Zögern und Zweifel, sagt er diese drei Worte, als ob er sich Gott sofort ausliefert und zu allem bereit wäre. Doch wie gesagt, es sollte anders kommen. Als Gott sich als solcher offenbart, verbirgt Mose sein Angesicht voller Gottesfurcht. Dies muss Mose in Anbetracht der folgenden Ereignisse auf jeden Fall zugute gehalten werden. Er war gottesfürchtig (2. Mose 3,6). Es ist jene, heutzutage weit unterschätzte und doch sehr notwendige Eigenschaft, um Gott wohl zugefallen. 20

Doch zurück zu Gottes Ruf in die Nachfolge. Gott präsentierte Mose sofort den Grund für seine Berufung. Und der war nicht weniger als eine der größten Aufgaben der Menschheitsgeschichte. „So geh nun hin! Denn ich will dich zu dem Pharao senden, damit du mein Volk, die Kinder Israels, aus Ägypten führst!“ (2. Mose 3,12). Mose dachte wahrscheinlich genau das, was wir auch denken würden. Gut, wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist. Aber würden wir einem achtzigjährigen Hirten eine Mammutaufgabe aufbürden, die an heutigen Maßstäben gemessen, wahrscheinlich Führungskraft, diplomatisches Geschick und ein unheimliches Organisationstalent benötigen würde? Wie wir eben aus dem 1. Korintherbrief erfahren haben, hat Gott das Schwache erwählt. Genau das hat er bei Mose getan. Ich hätte angesichts dieser großen Aufgabe genauso geantwortet wie Mose, der sagte: „Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und dass ich die Kinder Israels aus Ägypten führen sollte?“ (2. Mose 3,11). Wenn wir schwierigen Herausforderungen und Aufgaben in der Nachfolge gegenüberstehen, wollen wir Gott irgendwie überreden, dass wir ja unfähig und nicht in der Lage sind, Unmögliches zu schaffen. Was bei Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott!


„Ich will mit dir sein“ (2. Mose 3,12) war die Reaktion auf Moses Einwand. Gott versprach Mose seinen Beistand. Haben nicht auch wir Gottes unumstößliche Verheißungen in seinem Wort? Wir müssen uns weder fürchten noch sorgen und doch zweifeln wir. Mehrmals noch versuchte Mose Gott zu überzeugen, dass er nicht der Richtige für die Aufgabe sei. Zuerst befürchtete Mose, dass ihm keiner Glauben schenken würde (2. Mose 4,1), dann verwies er auf seine mangelnde Rednergabe (2. Mose 4,10). Mose wusste, dass Gott alle seine Sorgen und Unfähigkeiten kannte, doch sein Fleisch widerstrebte. Genau wie wir heute wissen, was im Wort Gottes steht, aber oft nicht so wandeln, weil wir uns im Krieg (wie J.C. Ryle es ausdrückt) mit dem Fleisch befinden. Schließlich ging Mose doch und gehorchte. Mose versuchte zwar immer wieder mit Gott zu „verhandeln“, doch Gott machte seinem Diener Mut und verwies darauf, dass er der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der souveräne Herrscher über alle Dinge sei (2. Mose 6). War Mose ein treuer Nachfolger? Ein klares ja. Mose führte das Volk Israel aus Ägypten und 40 Jahre treu durch die Wüste. Er durfte das verheißene Land Kanaan nicht betreten, weil er ungehorsam war, doch er war dem Herrn treu bis zum Schluss. Allerdings wissen wir auch um Moses Anfänge im Dienst mit allen Zweifeln, Nöten und Ängsten. Sein Vertrauen wuchs und wahrscheinlich war er der Mensch, dem sich Gott auf dieser Erde am meisten offenbarte und öffnete. Mose soll uns ein Beispiel und Trost sein. Eine Bestätigung, dass Gott durch das Schwache wirkt. Ein treuer Diener ist kein Superchrist, der jede Herausforderung mit Leichtigkeit und Freude annimmt. Er ist keiner, der ohne Angst, Zweifel und Sorgen in der Nachfolge des Herrn ist. Ganz und gar nicht. Er ist jemand, der trotz allem geht obwohl er sich seiner Makel und Fehler bewusst ist. Er hält sich für unwürdig und unfähig. Er zieht jeden Tag in den Krieg gegen sein Fleisch, die Welt und den Teufel. Er ist einer, der bis ans Ende ausharrt in Christus. Wie Mose.

„ER ZIEHT JEDEN TAG IN DEN KRIEG GEGEN SEIN FLEISCH, DIE WELT UND DEN TEUFEL. ER IST EINER, DER BIS ANS ENDE AUSHARRT IN CHRISTUS.“

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Seiner Spur folgen von William MacDonald

illiam MacDonald, der am 25.12.2007 das Ziel seines Lebens erreichte, hat in über 80 Publikationen vermittelt, was ihm beim Studium des Wortes Gottes wichtig wurde. In seinem lebendigen, aber doch leicht verständlichen Sprach-Stil forderte er unermüdlich dazu auf, mit ganzem Herzen und ganzer Hingabe den Fussspuren dessen zu folgen, der sein Leben für uns gab. In diesem Handbuch, das eine Fülle von hilfreichen Ratschlägen und Anleitungen enthält, werden alle Aspekte der Jüngerschaft und Nachfolge beleuchtet. Es geht um Themen wie: „Die revolutionären Lehren Jesu“, „Nur das Beste für Gott“, „Die Herausforderung persönlicher Evangelisation“, „In Reinheit leben“, „Die tägliche Zeit mit Jesus“. Ein sehr wertvolles, umfassendes Werk sowohl für solche, die Jünger werden wollen, als auch für jene, die andere zur Jüngerschaft anleiten möchten. Biblische Lehre (Der Text ist der Verlagswebseite der Christlichen Literaturverbreitung entnommen) www.clv.de 22

„MIT GANZEM HERZEN UND GANZER HINGABE DEN FUSSSPUREN DESSEN ... FOLGEN, DER SEIN LEBEN FÜR UNS GAB.“


Anthony Norris Groves

von Harriet Groves

nthony Norris Groves (1795-1853) war einer der ersten Männer und Impulsgeber der Brüderbewegung und u.a. Vorbild (und Schwager) von Georg Müller. Der Herr Jesus sagte, dass es für Reiche äußerst schwierig ist, ins Reich Gottes zu kommen. Durch den reichen Zahnarzt Groves zeigte Gott, dass es aber nicht unmöglich ist. Groves und seiner Frau wurde klar, dass sie keine Schätze auf Erden sammeln, sondern auf den Herrn vertrauen und einen Teil ihrer Habe den Armen geben sollten. Zuerst gaben sie ein Zehntel, dann ein Viertel und schliefllich alles für den Herrn weg. Bereits zu Beginn der Brüderbewegung (1829) reisten sie über St. Petersburg und Moskau nach Bagdad, um dort als Missionare zu leben. Bei einer schlimmen Pest, die dort grassierte und die noch durch eine Überschwemmung und einen Bürgerkrieg verschlimmert wurde, führte Gott ihn in die Tiefen seiner Schule und nahm seine geliebte Frau zu sich in die Ewigkeit. Später baute Groves in Indien eine Missionsarbeit nach strikt biblischen Prinzipien auf. Dieses Lebensbild von Groves ist eine Kurzfassung des 650 Seiten umfassenden englischen Originals, das seine zweite Frau und Witwe Harriet aus seinen Memoiren, Tagebüchern und Briefen zusammengestellt hat. Biografie

„GROVES UND SEINER FRAU WURDE KLAR, DASS SIE KEINE SCHÄTZE AUF ERDEN SAMMELN, SONDERN AUF DEN HERRN VERTRAUEN UND EINEN TEIL IHRER HABE DEN ARMEN GEBEN SOLLTEN.“

(Der Text ist der Verlagswebsite von Betanien entnommen) www.betanien.de www.cbuch.de

Jesus nachfolgen,... von C.H. Spurgeon

ür Spurgeon war die klare Verkündigung der Wahrheiten des Evangeliums das Rückgrat der Reformation. "Die Kraft lag nicht im Hammer und in den Nägeln Luthers, sondern in der Wahrheit seiner Thesen, die er vor aller Augen anheftete", schrieb er 1871 und folgerte: "Echte Erweckung fiel immer zusammen mit einer klaren, evangelischen Unterweisung in den Kardinalfragen der Wahrheit." Und über die predigte er und erlebte "echte Erweckung" in seiner Gemeinde. In diesem Band der kleinen "Spurgeon-Bibliothek" wird deutlich, was für Spurgeon die "Kardinalfrage" der Nachfolge ist: Es ist die Frage, die Jesus nach seiner Auferstehung an Petrus stellte: "Liebst du mich?" Predigten (Der Text ist der Verlagswebsite vom 3L Verlag entnommen) www.3lverlag.de

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what´s next? Die nächste Ausgabe behandelt das Thema „Glaube“ und erscheint am 1. Januar 2011


„ES KOSTET UNS MEHR, ALS NUR MATERIELLEN WOHLSTAND AUFZUGEBEN. ES KOSTET UNS MEHR, ALS NUR AUF GESELLSCHAFTLICHE STELLUNG ZU VERZICHTEN. CHRIST ZU SEIN, KOSTET UNS ALLES.“

Nr. 01 // Nachfolge // 01.10.2010 HERAUSGEBER Die Redaktion

REDAKTION Waldemar Dirksen Viktor Sudermann Andreas Kuhlmann Peter Voth LAYOUT

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ERSCHEINUNGSWEISE

Alle drei Monate (01.01; 01.04; 01.07; 01.10) seit dem 01.10.2010 Unentgeltlich als Onlinemagzin (Issuu.com, freier PDF-Download)

WEB www.timotheusmagazin.posterous.com www.issuu.com/timotheusmagazin KONTAKT timotheusmag@yahoo.de BILDNACHWEIS Seite 1: © by Walter Rane (mit freundlicher Genehmigung des Künstlers) Seite 4,5: Rosel Eckstein (pixelio.de); Seite 6: Onki Flori (pixelio.de); Seite 10: Rainer Sturm (pixelio.de); Seite 14,15: Radierung von Bernhard Rode (historisch); Seite 18: Christian Kogler (pixelio.de); Seite 22: © by CLV (www.clv.de); Seite 23 oben: © by Betanien Verlag (www.betanien.de); Seite 23 unten: © by 3L Verlag (www.3lverlag.de); Seite 24: Peter Voth Grafik ALLGEMEINER HINWEIS

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"VIELE MEINEN ANSCHEINEND, ES SEI FÜR EINEN SÜNDER EBENSO LEICHT, SEIN HERZ ZU REINIGEN, WIE SEINE HÄNDE ZU WASCHEN, UND MAN KÖNNTE DAS LICHT DER WAHRHEIT GOTTES, DAS DIE SEELE DURCHLEUCHTET UND DAS FLEISCH VERGEHEN LÄSST, EBENSO LEICHT IN SICH HINEINLASSEN WIE DIE MORGENSONNE INS ZIMMER, INDEM MAN DIE JALOSIEN HOCHZIEHT. SIE MEINEN, ES SEI EBENSO EINFACH, SICH VON DEN GÖTZEN ZU GOTT ZU BEKEHREN, VON DER WELT ZUM HERRN JESUS, VON DER SÜNDE ZUR HEILIGKEIT, WIE MAN EIN AUTO MITHILFE DES LENKRADS HERUMSTEUERT. LASSEN SIE SICH IN DIESER LEBENSWICHTIGEN FRAGE NICHT TÄUSCHEN: CHRIST ZU SEIN, ÜBERSTEIGT BEI WEITEM DIE ARMSELIGEN MÖGLICHKEITEN DER GEFALLENEN MENSCHENNATUR. DAZU GEHÖRT ES, DEN LÜSTEN DES FLEISCHES ABZUSTERBEN, SICH DER WELT ALS GEKREUZIGT ZU ACHTEN, DEM TEUFEL ZU WIDERSTEHEN, TÄGLICH DER SÜNDE GESTORBEN ZU SEIN, DER GERECHTIGKEIT ZU LEBEN, VON HERZEN SANFTMÜTIG UND DEMÜTIG ZU SEIN, VOLLER VERTRAUEN UND GEHORSAM, HINGEGEBEN UND GEDULDIG, TREU UND KOMPROMISSLOS, LIEBEVOLL UND GÜTIG ZU SEIN - ODER KURZ GESAGT: CHRISTUS NACHZUFOLGEN UND NACHZUAHMEN." ARTHUR W. PINK

#1 Nachfolge  

#1 — 01/2010

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