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ARBEITSKREIS TIERSCHUTZ Mitteilungen des Arbeitskreises humaner Tierschutz e.V.

AK-Aktuell Ausgabe 02/2012

AUFRUFE UND PETITIONEN Zoophilie unter Strafe stellen - Jetzt!

TIERSCHUTZ-HINTERGRÜNDE 10 Jahre Tierschutz - eine traurige Billanz.

REZEPTIDEEN Fleischfrei genießen.

KAMPAGNE: ILLEGALE NERZAFRMEN Nerzfarmer verlieren vor Gericht!

KETTENHUND BULLY

Wir sind da, wenn Tiere uns brauchen!

www.tierschutzbuero.de


Impressum AK-aktuell   Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. c/o Deutsches Tierschutzbüro An Groß Sankt Martin 6 /206 50667 Köln Tel.: 02 21 - 20 46 38 62 Bürozeiten: Mo.-Fr. 08.00 bis 18.00 Uhr arbeitskreis-tierschutz@tierschutzbuero.de www.tierschutzbuero.de   Vorstand: Roman Kriebisch (1. Vorsitzender) Alexandra Löhr Kassenwart: Frank Weber   Beratung: Ulrich Dittmann Roland Dunkel   Redaktion Roman Kriebisch (verantwortlich) Kai Horstmann Stefan Klippstein Jan Peifer Patrick Sabatkiewicz   Bildnachweis: Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. Kai Horstmann www.tierschutzbilder.de/J. Peifer Stefan Klippstein Patrick Sabatkiewicz   Konzeption & Design die creativ company GmbH post@die-creativ-comoany.de Tel.: 0 52 45 - 44 15 41 Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung. Das Journal wurde klimaneutral auf Recycling Papier (ausgezeichnet mit der Euroblume) und mit Farben auf Pflanzenölbasis gedruckt

Werden Sie Mitglied! Werden Sie Mitglied und unterstützen Sie so unsere Arbeit! Als Mitglied erhalten Sie zudem die Mitgliederzeitschrift „AK-Aktuell“ kostenlos per Post nach Hause. Einfach den Mitgliedsantrag ausfüllen, abtrennen und in einem Fensterumschlag an unsere Adresse senden. Vielen Dank für Ihr Vertrauen!

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EDITORIAL

Aktiv im Sinne der Tiere Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitglieder des Arbeitskreises humaner Tierschutz e.V., ich freue mich, Ihnen die zweite Ausgabe unseres Journals in diesem Jahr vorzustellen. Viel hat sich getan, einiges hat sich verändert. Die neue Internetseite unseres Vereins haben Sie vielleicht schon gesehen, ab sofort finden Sie unseren neuen Auftritt unter www.tierschutzbuero.de. Unser Verein bekommt ein neues Gesicht; wir möchten uns in der Tierschutzszene neu etablieren. Zahlreiche Reaktionen auf allen Ebenen zeigen uns, dass wir dabei auf einem guten Weg sind. Wir möchten mit unserer Arbeit ein breites Publikum ansprechen, welches wir unter anderem auch mit Berichten über unsere Kampagnen in Presse und Fernsehen erreichen. Eine kleine Auswahl finden Sie im Pressespiegel in dieser Ausgabe. Unsere Titelgeschichte kommt Ihnen daher vielleicht bekannt vor: viele Medien berichteten über die Befreiung des Mischlingsrüden Bully, der zehn Jahre lang nichts anderes kannte als die Haltung an der Kette auf einem verwahrlosten Hof. Nach Hinweisen von aufmerksamen Anwohnern sind wir eingeschritten und konnten Bully befreien. Bitte beachten Sie auch das der Versandausgabe beigefügte Mailing zu unserer Kettenhund-Kampagne. Herzlichen Dank an alle Unterstützer! Auch möchten wir Sie mit dieser Ausgabe des AK aktuell natürlich über unsere laufenden Kampagnen informieren, so berichten wir über aktuelle Aktionen und laden zum Mitmachen ein. Interessante Hintergrundberichte, etwa zum Thema 10 Jahre Tierschutz im Grundgesetz, haben wir dazu in unserer neuen Rubrik Tierschutz-Hintergründe mit aufgenommen.

GRATIS FÜR SIE IN DIESEM HEFT! Ein Aufkleber unserer Aktion „Werde zum Lebensretter iss kein Kaninchenfleich“ für Sie in diesem Heft!

Sie werden merken: unser Magazin ist deutlich umfangreicher geworden. Wir möchten in Zukunft noch stärker auf unsere eigene Redaktion setzen. Deshalb ist diese Ausgabe von AK aktuell auch die letzte, mit der wir die „Freiheit für Tiere“ verschicken. An dieser Stelle möchten wir uns beim Brennglas-Verlag für die gute, langjährige Zusammenarbeit bedanken! Bedanken möchten wir uns auch bei allen Mitgliedern, die uns durch ihre Rückmeldung in unserer Arbeit unterstützen. Wir freuen uns über Ihre Post, Anregungen und Kritik! Viel Freude beim Lesen der neuen AK aktuell wünscht Ihnen Ihr Roman Kriebisch

Inhalt 03 Dies und Das

Mitglieder aktiv, News und Verlosungen

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Titelstory

Wir sind da, wenn Tiere uns brauchen

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Kampagnen und Aktionen

Osterzeit - Kaninchenzeit? Kampagne „Werde Lebensretter - iss kein Kaninchenfleisch!“

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Tierschutz-Hintergründe

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Pressespiegel

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Kampagne - Illegale Nerzfarmen

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AK deckt auf

10 Jahre Tierschutz im Grundgesetz - eine traurige Billanz Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. in den Printmedien Nerzfarmer verlieren vor Gericht

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Aufrufe und Petitionen

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Tierschutz

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Tierschutz-Hintergründe

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Aktionen

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Menschen

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Rezepte

Aufruf zur Prüfung von Versicherungsverhältnissen Petition: Sodomie/Zoophilie unter Strafe stellen - Jetzt! Mitarbeiter rettet Wildkaninchen - Auffangstationen gefordert Tierversuche - Tierquälerei für Medikamente, Kosmetik & Co. Demo vor größter Moschee in Deutschland Jan Peifer wird mit der „MUT-Medaille“ ausgezeichnet Fleischfrei genießen bedeutet nicht, verzichten zu müssen

Drei weitere illegale Nerzfarmen aufgedeckt 2


DIES UND DAS

Zu gewinnen gibt es die neue CD von Alexander Wolfrum: Der Liedermacher aus Bayreuth stellt mit „Es bleibt dabei“ bereits sein fünftes Album vor. Humorvoll und doch auch ernst erinnert Alexander Wolfrum mit seiner Musik an die wichtigen Dinge im Leben. Mit dem Titel „Ich bin ein Tier“ setzt er sich auch auf dem aktuellen Album mit dem schwierigen Verhältnis von Mensch und Tier auseinander. Der Künstler selbst hat uns die CDs zur Verfügung gestellt, wofür wir uns herzlich bedanken! Erzählen Sie uns etwas von Ihrer Lieblingsmusik, die etwas mit Tierschutz zu tun hat! Unter allen Einsendungen, die uns bis zum 31. August per E-Mail oder Post erreichen, verlosen wir die fünf CDs. Die Gewinnerbeiträge veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe. Viel Glück! Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. • c/o Deutsches Tierschutzbüro An Groß Sankt Martin 6/206 • 50667 Köln E-Mail: arbeitskreis-tierschutz@tierschutzbuero.de

MITMACHEN UND GEWINNEN

Der Rechtswe

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Tierschutz und Tierrechte musikalisch transportiert – Schreiben Sie uns, wer Ihr Lieblingskünstler, welches ihr Lieblingslied ist und warum es so ist.

GEWINNSPIEL AUSGABE 01/2012

IN EIGENER SACHE

Gewinner des Buches „Peace Food“

Neuer Internetauftritt

Wir freuen uns über die große Beteiligung an unserem Gewinnspiel der Ausgabe 01/2012. Viele Leserinnen und Leser haben uns geschrieben, warum Sie vegetarisch oder vegan leben. Hier die Beweggründe unserer 3 Gewinner:

Da der AK, schon länger in das Deutsche Tierschutzbüro eingebunden ist, haben wir uns entschlossen, der Einfachheit und Transparenz halber die Internetauftritte zusammen zu legen. Wundern Sie sich also nicht, dass Sie von der gewohnten Seite www.arbeitskreis-tierschutz.de auf unsere neu gestalteten Seiten umgeleitet werden. Die direkte Adresse der Seite lautet www.tierschutzbuero.de.

Yvonne N., Berlin: Wer den Mut und die Kraft hat, sich die Wahrheit über grauenvolle Massentierhaltung und furchtbare Schlachtungen im Internet anzusehen und ein Herz hat, der will kein Fleisch mehr essen. Man ist so glücklich, wenn man ein leckeres Essen auf dem Tisch hat, das nicht aus Tierleid besteht. Ich würde mich unheimlich über das Buch Peace Food freuen.

Das Deutsche Tierschutzbuero ist eine feste Konstante in der Tierschutzszene und wird in Zukunft unserem Auftritt ein neues Gesicht geben.

Michaela R., Pfullendorf: Ich bin Vegetarier und versuche möglichst auf tierische Produkte zu verzichten, weil: Tiere Schmerz und Leid empfinden können / ich als denkendes Wesen die Pflicht habe, schwächere zu schützen / jedes Lebewesen ein Recht auf Leben hat / es einfach unnötig ist / das Elend und das Leid, das Menschen Tieren zufügen mir das Herz bricht Nils L., Wuppertal: Ich verzichte seit ca. 5 Jahren auf Fleisch weil ich es aus ethischen Gründen nicht mehr vertreten konnte Tiere zu essen. Man kann sich auch ohne Fleisch und Fisch ausgewogen und gesund ernähren. Anfangs hatte ich nur jedesmal das jeweilige Tier vor Augen wenn ich ein Teil von ihm vor mir liegen hatte. Das war schon hart, aber inzwischen ekele ich mich richtiggehend vor Fleisch und Fleischprodukten. Was mich jedesmal erschreckt ist, daß viele Menschen gar nicht mehr wissen woher ihr Fleisch kommt. Die meinen anscheinend es würde abgepackt in einer Plastikschale geboren bevor es in den Supermarkt kommt. Sie sind dann ganz erstaunt, daß ihr Kalbsschnitzel von diesem niedlichen Tier kommt. Ich denke da müsste man einiges an Aufklärung leisten. Milch und Eier esse ich noch. Aber nur aus Biohaltung, denn ich möchte mir sicher sein, daß diese Tiere ein einigermaßen schönes Leben haben.

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Hier ein erster Eindruck unserer neuen Seiten.

Auch auf Facebook sind wir erfolgreich aktiv.


DIES UND DAS

AUS ALLER WELT

Tierschutznews 6,4 Millionen Tonnen Plastikmüll 6.400.000 Tonnen Plastikmüll treiben nach Schätzungen der Vereinten Nationen in den Meeren der Welt. Jedes Jahr sterben etwa 100.000 Meeressäugetiere wie Robben, Wale und Delfine an den Folgen der Verschmutzung, rund 1 Million Seevögel verenden jährlich, weil sie herumtreibenden Plastikmüll für Futter halten: auf jedem Quadratkilometer Wasseroberfläche treiben bis zu 18.000 Plastikteile in unterschiedlicher Größe. Allein die Nordsee wird Jahr für Jahr durch 20.000 Tonnen Kunststoffabfälle belastet. Die Zahlen der an den Folgen der Verschmutzung mit Kunststoffabfall verendeten Tiere sind nach Angaben der Vereinten Nationen offenbar erheblich höher, als bisher angenommen wurde. München: Hund gekocht und verspeist? Die Münchener Polizei geht derzeit einem besonders grausigen Fall nach. Nach einem Anruf aus der Bevölkerung konnten Polizisten die Überreste eines Hundes sicherstellen, der ersten Erkenntnissen nach gehäutet und gekocht worden ist. Das Skelett lege nahe, dass das Fleisch schließlich bis auf die Knochen abgenagt wurde, so ein Sprecher. Offenbar war dem Pinscher zuvor der Schädel eingeschlagen worden. Woher der Hund stammt, blieb vorerst unbekannt, auch weil die Tätowierungen der Ohren teilweise nicht mehr lesbar waren. Die Polizei erhofft sich nun Hinweise aus der Bevölkerung und ermittelt wegen „unrechtmäßigen Verspeisen eines Haustieres.“ Norwegen erlässt Walfangquote auf Vorjahresniveau. Die Osloer Regierung hat für das Jahr 2012 1286 Zwergwale für den Fang freigegeben. Nach Angaben des Fischereiministeriums wurde die Quote aus dem Vorjahr übernommen. Ausgeschöpft wurde die Quote dabei nicht: 533 Zwergwale wurden im vergangenen Jahr durch norwegische Fischer getötet. Obwohl die Internationale Walfangkommission den kommerziellen Walfang bereits 1986 verboten hat, lässt Norwegen die Jagd auf Zwergwale seit 1993 wieder zu. Derzeit gibt es weltweit noch 300.000 bis 500.000 Zwergwale.

Zu unserem derzeitigen Schwerpunktthema Pelztiere erreichte uns ein Gedicht unserer Leserin Hannelu Vahl, das wir Ihnen nicht vorenthalten möchten:

Wa rum trä gst Du Pel z? „Ein e Frau mit Her z träg t kein en Nerz .“ Das sage n wir seit lang er Zeit , denn wir kenn en der Tier e Leid . War um gibt es dann - ich klag e an IMM ER noc h die Pelz tier -“Fa rme n“? IMM ER noc h das Pelz tier -Lei d? Wan n endl ich ist der Men sch bere it, die letz te Quä lans talt zu sch ließ en? ...zu mal wir wis sen: Für des Men sch en Körp erhü lle gibt ’ s sch öns te Sto ffe doc h in Füll e. Gibt ´s Mat eria lien fein ster Art, in Sch nitt und Farb e seh r apar t. Dru m eine Bitt e an die Frau en: HEL FT MIT , DIE „FA RME N“A BZU BAU EN: Stat t Pelz tier -“Fa rme n“ PEL ZTI ER- ERB ARM EN! Laß t liebe n Tier en das kurz e Lebe n. Setz t Eue r Stre ben in Men sch lich keit und seid bere it, UMZ UDE NKE N FÜR ALL E ZEI T.

Han nelu Vah l Journalist trifft keine Schuld am Tod von 1350 Nerzen - Nerzfarmer verliert endgültig vor Gericht Jan Peifer gewinnt endgültig skurriles Verfahren: Ihm wurde vorgeworfen, für den Tod von 1350 Nerzen verantwortlich zu sein, die während einer Recherche verstorben sein sollen. Der Betreiber einer Nerzfarm bei Hörstel (NRW) hatte von dem Journalisten 22.000 EUR Schadenersatz gefordert, den er angeblich erlitten habe.

Jan Peifer ist Mitglied beim Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. und recherchiert für uns derzeit wieder zum Thema Nerzfarm.

Da er dies jedoch nicht nachweisen konnte, wurde seine Klage bereits vor dem Bonner Landgericht abgewiesen. Für den Filmemacher völlig überraschend hatte der Nerzfarmer daraufhin Berufung eingelegt und war vor das Kölner Oberlandesgericht gezogen. Auch dieses urteilte nun wie erwartet gegen den Farmer. „Ich freue mich natürlich über das positive Ergebnis, muss aber gleichzeitig sagen, dass dies ein sehr plumper Versuch war, mich einzuschüchtern“, so Jan Peifer. Auch sein Anwalt hatte kein Verständnis für den Betreiber der Nerzfarm: „Eine derart aussichtslose Klage habe ich lange nicht gelesen. 4


TIERSCHUTZ AKTIV

Kettenhund Bully - Wir sind da, wenn Tiere uns brauchen

Als AK-Mitarbeiter vor einigen Wochen für Recherchearbeiten in Brandenburg unterwegs waren, gingen sie auch dem Hinweis einer aufmerksamen Anwohnerin nach.

zigen Unterschlupf. Nur wenige Meter Auslauf waren durch die schwere Eisenkette möglich - der Besitzer gab zu, dass er den Hund in zehn Jahren kein einziges Mal ausgeführt hatte.

Was sie auf dem beschriebenen Grundstück eines völlig verwahrlosten Bauernhofes im Spreewald vorfanden, konnten unsere Mitarbeiter kaum glauben. An einer kurzen Kette angebunden kauerte der Hund, den die Frau beschrieben hatte. Dem Wetter völlig schutzlos ausgeliefert und in erbärmlichem Zustand.

Die Tierschützer konfrontierten den hartherzigen Halter mit der Tierschutz-Hundeverordnung. Diese schreibt allen Hundehaltern und -züchtern Mindeststandards vor, die unter anderem für die Unterbringung und Versorgung gelten.

Umgehend wandten sich die Tierschützer an den Besitzer, der mit der Haltung des Tieres offensichtlich völlig überfordert war und sich seines tierschutzwidrigen Verhaltens nicht bewusst war: Seit etwa zehn Jahren hatte er den LabradorMischling, den wir später auf den Namen Bully tauften, an der Kette gehalten. Ohne regelmäßigen Zugang zu Nahrung und Wasser, ohne Schutz vor Sonne, Regen, Wind und Kälte hatte der Hund den Großteil seines Lebens in schlimmer Gefangenschaft als Kettenhund auf dem verkommenen Hof verbringen müssen. Als Nahrung gab es für ihn nur Essensreste, die lieblos in seinem Napf landeten; Wasser brachte ihm oft nur der Regen. Einzig eine zugige Holzkiste mit undichtem Dach bot Bully einen win-

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Bullys Halter erfüllte nicht einen Punkt dieser Vorschrift. Er hatte den Hund geschenkt bekommen, ein wirkliches Interesse hatte er jedoch nie an ihm. Da er sich nicht in der Lage sah, für die Einhaltung der Vorschrift zu sorgen und die damit verbundenen Kosten aufzubringen, übergab er den Hund unseren Mitarbeitern. Die tierärztliche Untersuchung zeigte Spuren der quälerischen Haltung: Ungeziefer hatte sich tief in Bullys Fell eingenistet, Flöhe und andere Parasiten piesackten ihn. Durch die jahrelange mangelnde Bewegung war Bully übergewichtig, er war weder geimpft noch gekennzeichnet. Nun wurde er zum ersten Mal gründlich untersucht, entwurmt, geimpft, gechipt und kastriert. Da er sich trotz seiner schlimmen Vergangenheit als sehr aufgeschlossener, neugieriger und verträglicher Hund zeigte, konnte Bully übergangsweise mit anderen Hun-


TIERSCHUTZ AKTIV

den bei einer erfahrenen Hundetrainerin in Berlin untergebracht werden, während die Mitarbeiter des Arbeitskreises nach einem neuen, liebevollen Zuhause für ihn suchten. Auch viele Berliner Zeitungen berichteten über die spektakuläre Rettung. Und ein solcher Bericht sollte Ende April für Bully das große Glück bedeuten. Thomas S., Betreiber einer Landpension in Brandenburg, hatte sich auf einen Aufruf in der Zeitung gemeldet. Er konnte sich vorstellen, Bully ein neues Zuhause zu geben. Ein riesiges Grundstück, viel Natur und andere Tiere, darunter neben Ponys, einem Ziegenbock und Hängebauchschweinen auch ein weiterer Hund als Spielkamerad schienen Stefan Klippstein, dem Sprecher des Arbeitskreises, wie ein Paradies für Bully: „Nach allem, was der Arme in seinem Leben bisher erleiden musste, ist dieser Hof für Bully genau richtig. Viel Platz, Artgenossen und Menschen, die sich um ihn kümmern wollen.“ Thomas S. und Bully verstanden sich bei einem ersten Besuch auf Anhieb, schnell stand fest: Bully bekommt hier ein neues Zuhause. Wenig später berichteten etliche Zeitungen über die glückliche Wendung in Bullys Leben, sogar das Fernsehen zeigte Bully in seinem neuen Heim. Sichtbar glücklich und verspielt war Bully kaum wieder zu erkennen. Dass er nun nach 10 Jahren dort angekommen ist, wo er geliebt wird, verdankt er all denen, die uns mit Spenden unterstützt haben. An dieser Stelle danken wir daher ganz herzlich allen Spenderinnen und Spendern, mit deren Hilfe wir die Kosten für Unterbringung und tierärztliche Versorgung übernehmen konnten. Wir wünschen unserem Bully und „seiner“ neuen Familie alles Gute! Leider ist Bullys Schicksal kein Einzelfall und uns erreichen immer wieder Meldungen von ähnlichen Missständen. Um nachhaltig helfen zu können, sind wir auf Ihre Spenden angewiesen.

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KAMPAGNEN UND AKTIONEN

Osterzeit - Kaninchenzeit?

Vielen Verbrauchern ist nicht bewusst, dass Kaninchenfleisch aus der industriellen Massentierhaltung stammt. Eingezwängt in winzige Gitterkäfige, unfähig zu hoppeln oder sich aufzurichten, fristen Tausende Mastkaninchen in Deutschland ein elendes Dasein.

Mitten auf der Königsallee erregten die Demonstranten das Interesse der Passanten, Ladenbetreiber und Medienvertretern. Mit der außergewöhnlichen Aktion warben die Tierschützer für die Kampagne „Werde zum Lebensretter – iss‘ kein Kaninchenfleisch!“

Verbindliche Haltungsvorgaben, die dies verbieten, gibt es nicht. Die Haltungsbedingungen in deutschen Kaninchenmassentierhaltungen sind so tierquälerisch, dass das Fleisch der Tiere in der Schweiz nur mit dem Warnhinweis „aus in der Schweiz nicht zugelassener Käfighaltung“ verkauft werden darf.

Auch in Bonn wurde direkt vor dem Sitz der zuständigen Ministerin Ilse Aigner demonstriert: Als Ilse Aigner verkleidet kauerte ein Aktivist in einem winzigen Gitterkäfig, während andere Tierschützer Bilder aus deutschen Kaninchenmastställen hochhielten und viele Aufkleber und Flugblätter mit Informationen zur Kaninchenmast verteilten.

Der Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. und das Tierschutzbündnis Kaninchenmast, nein danke haben aus diesem Grund auch dieses Jahr zu Ostern wieder mit zahlreichen Aktionen auf die Missstände in der Kaninchenmast aufmerksam gemacht.

Die Resonanz war durchweg positiv. Vielen Verbrauchern ist noch immer nicht bewusst, wie qualvoll Kaninchen gemästet werden. Viele Passanten waren geschockt und wollen zukünfig auf Kaninchenfleisch verzichten, viele nahmen auch noch Aufkleber mit, um Familie und Freunde zu informieren.

Für einige Wochen hingen in großen deutschen Städten Plakate, mit denen die Tierschützer um Aufmerksamkeit geworben haben; doch auch mit direkten Protestaktionen wandten sie sich an die Bevölkerung: So sorgten als eingesperrte Osterhasen verkleidete Aktivisten des Bündnisses etwa in der Düsseldorfer Innenstadt für Aufsehen, während Flugblätter mit Informationen über die Kaninchenmast verteilt wurden.

Der WDR berichtete in der „Lokalzeit“ über die aktiven Tierschützer. VID EO IN UN SE RE R ME DIATH EK

Werde zum Lebensretter – iss kein Kaninchenfleisch! Mit einer ungewöhnlichen Aufkleber-Kampagne macht das Tierschutzbündnis „Kaninchenmast, nein danke“ seit einigen Wochen auf das Leiden der Mastkaninchen in deutschen Käfigmastbetrieben aufmerksam. Ab sofort können die Aufkleber mit dem Titel „Werde zum Lebensretter – iss kein Kaninchenfleisch!“ kostenlos bezogen werden. Damit Sie eine Vorstellung haben, legen wir dieser Ausgabe schon einen Aufkleber bei. Mit den auffälligen Stickern wollen wir Blicke fangen und auf das Leid der Kaninchen in deutschen Mastanlagen lenken. Bestellen Sie jetzt die kostenlosen Aufkleber und wecken Sie Neugier und Aufmerksamkeit! Ob auf der Stoßstange, dem Fahrrad oder am Arbeitsplatz: Die Kaninchen verdienen unsere Aufmerksamkeit! Die Aufkleber der neuen Kampagne können Sie gegen Erstattung der Portokosten kostenfrei bestellen unter: www.kaninchenmast.info, per email an: arbeitskreis-tierschutz@ tierschutzbuero.de oder per Telefon unter: 0221-20463862 (Mo-Fr von 08:00 bis 18:00 Uhr)

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TIERSCHUTZ HINTERGRÜNDE

2002 - 2012 Zehn Jahre Tierschutz - eine traurige Bilanz Die deutsche Tierschutzgesetzgebung hat glücklicherweise eine lange Geschichte. Schon im 19. Jahrhundert wurde der Tierschutz im damaligen Strafgesetzbuch erwähnt. Große Teile des 1972 verkündeten Tierschutzgesetzes gehen zurück auf Ansätze aus der Zeit des Reichsstrafgesetzbuches. Im Juli 2002 schließlich, vor ziemlich genau zehn Jahren also, wurde der Tierschutz durch den Bundestag als Staatsziel der BRD im Grundgesetz verankert. Doch was hat sich seitdem getan? Mit der Übernahme ins Grundgesetz ging man von der Verurteilung von Tierquälerei über zur aktiven Unterstützung des Tierschutzes, der „auch im Sinne künftiger Generationen“ gesetzmäßig zu betreiben sei. Deutsche Veterinärämter sind seitdem per Gesetz verpflichtet, die Einhaltung der tierschutzrelevanten Vorschriften zu überprüfen.

Die wohl bekanntesten tierschutzrechtlichen Eingriffe der letzten Jahre betreffen die Haltung von Legehennen und die Verbesserung der Situation der Pelztiere in Deutschland: Seit 2010 gibt es die traditionellen Legebatterien nach langem Kampf nicht mehr, auch die nur wenig verbesserte Kleingruppenhaltung von Hühnern, deren Eier immer noch als Käfigeier gestempelt werden müssen, da die Hühner nur geringfügig mehr Platz haben (und eben noch im Käfig leben), werden mittelfristig verschwinden. Durch die 2006 beschlossene Änderung der Tierschutznutztierverordnung, die 2011 nun endlich in Kraft getreten ist, müssen nun auch Nerze in Pelzfarmen deutlich mehr Platz zur Verfügung haben. Doch kein einziger deutscher Farmer hat seinen Betrieb entsprechend umgebaut, einige haben ihre Farmen zum Jahreswechsel geschlossen, andere haben nun

bereits durch Gerichtsanordnung ihre Erlaubnis zum Betrieb von Pelztierzuchten verloren.

ment an einer Infektion, kann er mitunter nicht mehr behandelt werden.

Es ist davon auszugehen, das auch die illegalen Pelzfarmen in absehbarer Zeit aus Deutschland verschwunden sind, da ein Umbau entsprechend der geänderten Verordnung für die Züchter offenbar eine zu große finanzielle Belastung darstellt. Dies sind zwei Beispiele, die gesetzlicher Tierschutz – wenn auch erst nach sehr langer Zeit und Übergangsfristen – erreicht hat. Doch die Zahl der Missstände überwiegt diese bei Weitem. So gibt es noch immer keine verbindliche Haltungsverordnung für Mastkaninchen, die in viel zu kleinen Käfigen aus Drahtgitter gehalten werden. Auch die bestehenden Vorschriften für die Haltung von Puten, Schweinen oder Masthühnern fordern von Tierzüchtern nicht die artgerechte Unterbringung und Versorgung, wie sie der Anspruch des Tierschutzgesetzes eigentlich vorsehen möchte. Ob 20, 30 oder 40 Kilogramm Lebendgewicht (die Besatzdichte von Geflügel wird in kg/m² vorgeschrieben) – artgerecht kann das nicht sein. Nicht umsonst muss einem Huhn in der ökologischen Haltung eine Fläche von zehn Quadratmetern zur Verfügung stehen, in der konventionellen Mast ist es oft ein Mehrfaches des umgekehrten Verhältnisses. Auch der Einsatz von Antibiotika ist nicht nur in der Geflügelmast trotz immer wiederkehrender Skandale noch immer an der Tagesordnung: nach einer kürzlich veröffentlichten Studie des Nordrhein-Westfälischen Umweltministeriums waren über 95% der Fleischproben aus Hähnchenmastbetrieben mit Antibiotika belastet, oft sogar mit verschiedenen Medikamenten. Unter den als Wachstumsbeschleuniger missbrauchten Mitteln leiden jedoch nicht nur die Tiere. Die Beine der Hühner und Puten können das Gewicht der viel zu schnell wachsenden Brustmuskeln oft bald nicht mehr tragen. Die Folge: Die Tiere können nicht mehr aufstehen, sie verdursten schließlich, weil sie den Weg zur Tränke nicht bewältigen können. Das belastete Fleisch hingegen kann beim Verbraucher gefährliche Resistenzen hervorrufen; erkrankt der Konsu-

Todesfälle sind keine Seltenheit mehr – zurückzuführen auch auf die Missstände der Massentierhaltung. Weder mit dem Tierschutzgesetz noch mit dem Verbraucherschutz ist dies zu vereinbaren. Tierund Verbraucherschützer setzen sich daher seit langem neben einem Verbot des unverantwortlichen Umgangs mit Antibiotika für eine Deklarationspflicht auch für Fleisch ein, die es dem Verbraucher ermöglicht, die Herkunft und Haltungsform des Tieres eindeutig zu erkennen – bisher vergeblich. Doch auch in vielen anderen Bereichen klafft eine Lücke zwischen dem hehren Anspruch des Staatszieles Tierschutz und der Realität. Die betäubungslose Kastration von Schweinen ist noch immer ebenso erlaubt wie das Kupieren von Schnäbeln, obwohl beides nach dem Tierschutzgesetz einen Verstoß darstellt: die Amputation ist ein schwerwiegender Eingriff, der zu vermeidbaren und unnötigen Schmerzen führt. Aber nicht nur in der Nutztierhaltung besteht dringender Handlungsbedarf: Seit Jahren fordern Tierschützer ein Verbot von Wildtieren im Zirkus, was bis heute nicht umgesetzt worden ist. Auch der Umgang mit Exoten ist noch immer nicht gesetzlich limitiert. Obwohl die meisten Todesfälle von Schlangen, Echsen & Co. auf mangelndes Fachwissen des Halter zurückzuführen sind, können auf Exotenbörsen fast ohne Kontrolle Tiere in private Haushalte gelangen. Die Liste der Missstände ist lang und lässt sich noch lange fortsetzten. Sie ist ein trauriges Zeichen dafür, dass das Staatsziel Tierschutz in den vergangenen zehn Jahren alles andere als erreicht worden ist. 8


PRESSESPIEGEL

Neue Westf채lische 03/2012 Hellweger Anzeiger 03/2012

Westfalen Blatt 05/2012

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Westfalen Blatt 02/2012


PRESSESPIEGEL

Borkener Zeitung 03/2012

Neue Westf채lische 03/2012

Neue Westf채lische 05/2012

Mindener Tageblatt 04/2012 Borkener Zeitung 03/2012

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PRESSESPIEGEL

Borkener Zeitung 03/2012

Die Glocke 03/2012

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PRESSESPIEGEL

Berliner Kurier 03/2012

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KAMPAGNE - ILLEGALE NERZFARMEN

Gericht: Nerzfarmen in Borken und Hörstel verlieren und müssen schließen

Auf der Nerzfarm in Borken, NRW leiden tausende Nerze – das hat bald eine Ende. Nachdem deutsche Pelzfarmer sich nicht an die aktualisierte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung gehalten und ihre Betriebe dementsprechend umgestaltet haben, ergingen nun die ersten Gerichtsentscheide gegen Farmer in NordrheinWestfalen. Seit Dezember 2011 muss Nerzen auf sogenannten Nerzfarmen deutlich mehr Platz zur Verfügung stehen als bisher – wir berichteten in der vergangenen Ausgabe. Die geänderte Verordnung war bereits 2006 beschlossen worden, nun lief die Übergangsfrist aus. Unter anderem hatten die Betreiber der Anlagen in Borken und Hörstel (NRW) gegen die neue Verordnung geklagt - doch das Verwaltungsgericht Münster wies die Klagen ab, die Farmen müssen geschlossen werden und zudem für die Nichteinhaltung der Verordnung zahlen. Viele Pelzgegner sind dem Aufruf des Arbeitskreises humaner Tierschutz e.V. gefolgt und haben unter dem Motto „Nicht Nerze, sondern Tierquäler gehören hinter Gitter“ am Prozesstag vor dem Verwaltungsgericht in Münster demonstriert. Roman Kriebisch, Vorsitzender des Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V., verfolgte die beiden Gerichtsverhandlungen persönlich. Er begrüßt die Urteile als wegweisend: „Das Gericht hat deutlich gemacht, dass die neuen Tierschutzvor-

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gaben umgesetzt werden müssen, auch wenn damit für den Tierhalter hohe Kosten verbunden sind. Wir gehen davon aus, dass diese Urteile Signalwirkung für die Pelztierfarmen in anderen Bundesländern haben. Viele Pelztierzüchter haben bislang die neuen Vorgaben noch nicht umgesetzt. Jetzt sollte klar sein, dass dies unumgänglich ist, wenn sie ihre Farmen nicht schließen wollen.“ 2006 beschloss der Bundesrat eine Novellierung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung im Bereich der Pelztierhaltung. Demnach muss einem Nerz nun bei einer Mindestkäfiggröße von 3m² jeweils mindestens 1m² Platz zur Verfügung stehen. Für die Umsetzung wurde den Pelztierfarmbetreibern eine Übergangsfrist von 5 Jahren eingeräumt. Diese lief am 11.12.2011 aus. Keine der noch in Deutschland betriebenen Pelztierfarmen ist nach der Verordnung umgebaut worden, alle verstoßen gegen geltendes Recht. Der Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. hat die Verstöße dokumentiert und Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen gestellt.


AK DECKT AUF

Frankenförde, Grabow, Rahden: Drei weitere illegale Nerzfarmen aufgedeckt Im Rahmen unserer bundesweiten Recherche konnten wir weitere Nerzfarmen aufspüren, deren Betreiber sich offensichtlich nicht an die gesetzlichen Vorschriften halten und die Nerze in viel zu kleinen Drahtkäfigen halten. Auch in Rahden (NRW) konnte der Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. dokumentieren, dass die Nerze weiterhin in engen Käfigen leiden – ein klarer Verstoß gegen die Haltungsvorschrift. „Wir haben Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft gestellt und das Videomaterial als Beweis vorgelegt“, unterstreicht der Pressesprecher, Stefan Klippstein.

Ein Nerz versucht verzweifelt aus dem Käfig zu entkommen

Nicht besser waren die Umstände, die wir in Frankenförde (Brandenburg) zu Gesicht bekamen: Auch hier konnte dokumentiert werden, dass die Nerze illegal in engen Käfigen gehalten werden. Zudem fanden die Tierschützer vor der Farm eine ungesicherte Kadavertonne mit toten Nerzen darin vor. Frei zugänglich stellt dies eine Gefahr, insbesondere für Kinder dar: gefährliche Zoonosen können hier leicht übertragen werden. Aus diesem Grund wurde nicht nur die Staatsanwaltschaft, sondern auch das zuständige Veterinäramt in Luckenwalde informiert. „Dies ist keine Lappalie, gefährliche Krankheiten können so ungehindert übertragen werden – eine Gefahr für Mensch und Tier“, erklärt Stefan Klippstein.

Nerzfarm Frankenförde: Ein Blick in die Kadavertonne.

Und auch in Sachsen-Anhalt wird weiter gegen die Haltungsvorschrift verstoßen. In Grabow bei Burg fanden Klippstein und seine Begleiter zunächst eine scheinbar verlassene Farm vor. „In einem Schuppen am Ende des Geländes jedoch haben wir einige Hundert Nerze eingezwängt in engen Käfigen gefunden,“ so Klippstein. Der Betreiber der Farm, umgehend mit dem Vorwurf der Tierschützer konfrontiert, er halte sich nicht an geltendes Recht, reagierte ungehalten und wurde sogar fast handgreiflich. Gegen ihn wurde mittlerweile ebenfalls Strafanzeige gestellt.

VID EO IN UNS ERE R MED IATH EK

Stefan Klippstein deckt auf: Hier werden Nerze illegal gehalten.

Forderung nach Schließung der letzten Nerzfarm Brandenburg Eine Recherche des Arbeitskreises humaner Tierschutz e.V. ergab, dass auf der Nerzfarm in Frankenförde (Brandenburg) noch immer Hunderte Nerze in den alten, kleinen Käfigen gehalten werden. Der Arbeitskreis erstattete daher im März dieses Jahres gegen den Betreiber der Anlage Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Veterinäramt und Staatsanwaltschaft wurde entsprechendes Beweismaterial vorgelegt. Doch bis heute leiden die Nerze weiter unter den tierschutzwidrigen Bedingungen. Der Arbeitskreis demonstriert vor dem Landwirtschaftsministerium in Potsdam

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AUFRUFE UND PETITIONEN

Aufruf zur Prüfung von Versicherungsverhältnissen mit Gothaer

Der Kölner Versicherungskonzern Gothaer hat seine Mitglieder aufgefordert, gegen die Novellierung des Landesjagdgesetzes aktiv zu werden und bittet um Spenden an die Jägerschaft. Damit mischt sich das Unternehmen in den derzeit laufenden Wahlkampf ein und ergreift Partei gegen Landesumweltminister Johannes Remmel. Wie das Umweltministerium mitteilt, warnt das Unternehmen seine Kunden mit teilweise falschen Behauptungen vor einem bevorstehenden Ende der Jagd, deren „einzigartigen Wert und Nutzen“ es zu verteidigen gelte. Zu diesem Zweck kündigte die Gothaer eine „aufmerksamkeitsstarke Informationskampagne“ an, die der Landesjagdverband und die Jägerstiftung natur + mensch durchführen wollen. Mit dem Aufruf, diese Kampagne zu unterstützen, hatte das Unternehmen seine Kunden angeschrieben. Umweltminister Johannes Remmel nannte den Vorgang „bedenklich,“ Tierschützer gehen weit darüber hinaus. Der Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. rät seinen Mitgliedern sowie allen Kunden der Gothaer, bestehende Versicherungspolicen zu überprüfen. Die Gothaer Versicherungen gehören zu den größten deutschen Versicherern und sind nach eigenen Angaben Marktführer in der Jagdhaftpflichtversicherung. Das wirtschaftliche Interesse des Konzerns an einer Fortführung der Jagd in großem Ausmaße erklärt sich so leicht. Verbraucherschützer werfen dem Unternehmen den Missbrauch privater Kundendaten zu wirtschaftlichen Zwecken vor; auch Rücktrittsforderungen an den Vorstandsvorsitzenden Dr. Werner Görg, selbst Jäger, wurden bereits laut. Die angekündigte Novellierung des Jagdgesetzes war von Jagdgegnern und Tierschützern begrüßt worden, wenn sie auch längst nicht alle Forderungen erfüllen konnte. Unter anderem sieht das überarbeitete Gesetz eine Neuregelung der Jagdhundeausbildung vor, welche derzeit teils noch mit lebenden Tieren (z.B. flugunfähig gemachten Vögeln wie etwa Enten) stattfindet. Ein Entwurf oder Eckpunkte für das neue Jagdgesetz lägen aber noch nicht vor, wie das Umweltministerium betonte.

Für ein Verbot des sexuellen Missbrauchs von Tieren - Jetzt! Als Sodomie oder Zoophilie wird der sexuelle Missbrauch von Tieren bezeichnet. Bis in die sechziger Jahre gesetzlich als Unzucht verboten, ist der Missbrauch heute in Deutschland legal. Für viele unvorstellbar, ist der Tierschutz doch bereits seit 10 Jahren als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Besonders zynisch: Die Verbreitung von Bildern und anderen Darstellungen von Zoophilie sind verboten, der sexuelle Missbrauch der Tiere selbst dagegen nicht. Ein Verbot von Zoophilie ist keine unhaltbare Forderung, das zeigen Frankreich, Großbritannien, Belgien und die Schweiz, die hier auch auf Druck von Tierschützern einen Straftatbestand geschaffen haben. Die Niederlande, Schweden und Norwegen werden voraussichtlich in Kürze folgen. Wir fordern die verantwortliche Ministerin auf, das Tierschutzgesetz umgehend zu ändern und den sexuellen Missbrauch von Tieren auch in Deutschland endlich zu einen Straftatbestand zu machen. Beteiligen Sie sich an unserer Kampagne und unterschreiben Sie unsere Petition, wie schon mehr als 5.000 Menschen, auf: www.tierschutzbuero.de.

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TIERSCHUTZ

Mitarbeiter des Arbeitskreises rettet verletztem Wildkaninchen das Leben

Jedes Jahr brauchen Tausende Wildtiere menschliche Hilfe. Spezialisierte und öffentlich finanzierte Auffangstation für solche Tiere gibt es jedoch nur selten. Das verletzte Wildkaninchen “Mäxchen” hatte Glück, es wurde von Stefan Klippstein (Mitarbeiter von Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. & gelernter Tierpfleger) gefunden und kann schon bald wieder in die Freiheit entlassen werden. Das Schicksal des kleinen Wildkaninchens ” Mäxchen” nehmen wir zum Anlass, umgehend vom Senat in Berlin die Einrichtung und Finanzierung einer Wildtierauffangstation zu fordern, aber auch anderer Kommunen fordern wir zum Handeln auf! Hier der Bericht zur Rettung des Wildkaninchens “Mäxchen”: Glück im Unglück hatte am 17.05.2012 ein wenige Wochen altes Wildkaninchen in Berlin. Halbtot kauerte es am Straßenrand und wurde immer wieder von zwei Krähen massiv attackiert. Zum Glück entdeckte es Stefan Klippstein, Pressesprecher des Arbeitskreises humaner Tierschutz e.V., aus einem vorbeifahrenden Taxi heraus. Der gelernte Tierpfleger ließ das Taxi anhalten, hob das verletzte und verzweifelt schreiende Tier auf und fuhr mit ihm zum Tierazt.

Bei einer ersten Untersuchung stellte sich heraus, dass das kleine Kaninchen unterkühlt, ausgehungert und voller Ungeziefer war. Dank der fachkundigen Betreuung durch Stefan Klippstein, hat sich „Mäxchen“, mittlerweile gut erholt und nimmt sogar schon feste Nahrung zu sich. Nach langen Suchen fand der Arbeitskreis eine private Wildtierauffangstation, die bereit war „Mäxchen“ zu betreuen und auf seine Auswilderung für den Spätsommer vorzubereiten. „In Berlin fehlt eine solche Station“, erklärt Klippstein, „und der Senat weigert sich vehement, eine Wildtierstation zu errichten und zu finanzieren, dabei ist eine solche Einrichtung dringend notwendig. Verletzte Säugetiere werden heute von Jägern getötet oder von Tierärzten eingeschläfert, obwohl man sie problemlos aufziehen und auswildern könnte.“ Aus Sicht von Klippstein ist das ein Skandal. „Es sind vornehmlich menschliche Einflüsse, die dazu führen, dass Wildtiere in Not geraten“, so Klippstein, „daher ist es ethisch geboten, diesen Tieren zu helfen. Es kann nicht angehen, dass 10 Jahre nach der Aufnahme des Tierschutzes ins deutsche Grundgesetz Tiere getötet werden, weil an der Errichtung geeigneter Auffangstationen gespart wird!“

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TIERSCHUTZ HINTERGRÜNDE

Tierversuche - Tierquälerei für Medikamente, Kosmetik & Co.

Immer noch fallen in Deutschland pro Jahr mehr als 2 Millionen Tiere tödlichen Versuchen zum Opfer. Weltweit sind es geschätzt ca. 100 Millionen Mäuse, Ratten, Hunde, Katzen, Affen, Meerschweinchen und viele andere Tiere, die ihr Leben für Medizin, Pharmaindustrie und Kosmetik lassen müssen. Begründet werden diese hohen Zahlen mit dem Ausbau von Wissenschaft und Forschung. Dabei stehen Tierversuche, die oft gesetzlich gefordert und staatlich gefördert werden, der Entwicklung alternativer Forschungsmethoden im Weg. Tierversuche sollen ein Sicherheitsgefühl erzeugen. Mit ihnen soll überprüft werden, ob etwa bestimmte Stoffe in Kosmetika, in Medikamenten oder Nahrungsmitteln für den menschlichen Gebrauch geeignet sind. Sie dienen der medizinischen Forschung oder auch nur der Anschaulichkeit, so während der Ausbildung von Biologen oder Ärzten. Selten nur dienen sie als Mittel zum Zweck, zur Erforschung einer Art. Dass aber nahezu alle Bereiche, in denen Tierversuche durchgeführt werden, durch alternative Methoden ersetzt werden können und dass die mit ihrer Hilfe gewonnenen „Erkenntnisse“ viel zu oft sinnlos oder schlichtweg falsch sind, wird der Öffentlichkeit gerne vorenthalten. Oftmals dienen Tierversuche der Risikoabsicherung von Herstellern pharmazeutischer oder kosmetischer Produkte. Denn falls ein Produkt, das an

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Tieren „erfolgreich“, also ohne Nebenwirkungen, getestet wurde, später ungeahnte Folgen auslöst, sind die Hersteller für eventuelle Schädigungen an Menschen nicht haftbar. Ein Hauptkritikpunkt von Tierversuchsgegnern ist die fehlende Übertragbarkeit auf den Menschen. Stoffe, die mitunter für Ratten tödlich sind, müssen nicht zwangsläufig auch bei Kaninchen schwerwiegende Komplikationen hervorrufen. Medikamente, die Mäuse heilen, können bei Meerschweinchen folgenlos sein. Meerschweinchen sterben beispielsweise an dem für uns lebensrettenden Penicillin, Schafe können Unmengen

des Nervengifts Arsen vertilgen. Erst in der klinischen Erprobung, also im Test am Menschen, zeigen sich die Folgen und Auswirkungen eines Medikamentes. Einer der aufsehenerregendsten Fälle findet sich in den sechziger Jahren mit dem Skandal um das Schlafmittel Contergan. Der Wirkstoff war in Tierversuchen ohne Nebenwirkungen getestet worden – die

Einnahme des Medikamentes vor allem durch Schwangere hatte die Geburt tausender behinderter Kinder zur Folge. Zwar gab es einen Prozess gegen den Hersteller, allerdings endete das Verfahren mit einem Vergleich, die Strafverfolgung wurde eingestellt. Bis heute ist der Contergan- Skandal in der Öffentlichkeit das Synonym für Pannen in der medizinischen Forschung. Ähnliche Wirkung hatte das Aufkommen des ebenfalls zuvor an Tieren getesteten Blutfettsenkers Lipobay, der beim Menschen Muskelzerfall und Nierenversagen auslösen konnte und in vielen Fällen zum Tode führte. Doch es gibt auch immer wieder Erfolgsmeldungen nach Tierversuchen; Fernsehen und Presse (zuletzt RTL, Sat 1, Die Welt) berichten regelmäßig über die Realisierung von Träumen der medizinischen Forschung. So wurden Affen von Diabetes geheilt, ein Wirkstoff gegen Arterienverkalkung im Tierversuch entwickelt sowie im Test an Mäusen ein Medikament gegen Übergewicht erforscht. Keine dieser Entwicklungen jedoch ließ sich auf menschliche Behandlungen umsetzen, die Ergebnisse verschwanden wieder in der Versenkung. Es liegt in der Natur der Sache, dass verschiedene Arten wie Mäuse, Kaninchen, Affen oder Menschen eben auch verschieden funktionieren; sinnvoller Versuch vor dem Einsatz eines Medikamentes kann eben nur die Erprobung am Menschen selbst sein. Ein trauriger Aspekt an den erforschten


TIERSCHUTZ HINTERGRÜNDE

Projekten: Übergewicht, Arterienverkalkung oder Typ-2-Diabetes zählen zu den sogenannten Zivilisationskrankheiten, die sich alle nahezu ausschließlich auf unverantwortliches Verhalten zurückführen lassen. Die Hälfte aller Menschen der westlichen Welt stirbt heute an Herz-Kreislauferkrankungen. Durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung und Verzicht auf Suchtmittel ließen sich Risikofaktoren ausschließen die ohnehin sinnlosen Tierversuche nützen hier niemandem.

Auch Tierversuche, die in der medizinischen und biologischen Ausbildung eingesetzt werden, sind nicht mehr zeitgemäß. Sektionen von oft eigens zu diesem Zweck getöteten Tieren etwa, die der Vertiefung theoretischen Lerninhalts dienen sollen, lassen sich mittlerweile durch Computersimulationen einfach ersetzen. Doch dieses Verfahren verbreitet sich nur langsam, sind die Tiere doch oftmals billiger als moderne Computer. An dieser Stelle drängt sich auch die Frage nach einem Recht zur Durchführung von Tierversuchen überhaupt auf. Darf man den Wert eines Lebewesens einem bestimmten Ziel, etwa in der Forschung, unterordnen? Das Leben an sich seines Selbstzweckes berauben? Dies widerspricht sämtlichen klassischen ethischmoralischen Wertesystemen. Aus ethischer Sicht umso grotesker muss die Praxis der Tierversuche anmuten, wenn man bedenkt, dass tierische und menschliche Organismen nicht identisch funktionieren. Oft genug wird in anderen Diskussionen darauf hingewiesen, wie sehr sich der Mensch vom Tier unterscheidet. Dabei belegen immer wieder Todesfälle trotz oder oft gerade erst aufgrund des Einsatzes von im Tierversuch getesteten Substanzen diese Unterschiedlichkeit. Tierversuche können also keine klaren und vor allem sicheren Voraussagen

über die Verträglichkeit eines Produktes für den Menschen treffen und sind somit vollkommen sinnlos, da ihrer Grundlage beraubt. Doch auch im Zusammenhang mit der Medizin direkt öffnet sich ein klaffender Widerspruch: Aufgabe eines jeden Arztes ist der Schutz des Lebens mit allen Mitteln. Nicht von ungefähr gibt es eine rege Diskussion um die Rolle des Arztes im Zusammenhang mit der aktiven Sterbehilfe. Das Problem vieler Ärzte ist hier ihre Doppelfunktion; einerseits sollen sie Leben schützen, andererseits beenden. Warum gibt es diese Diskussion nicht viel stärker auch im Bereich der Problematik der Tierversuche? Kann ein Arzt überhaupt auf diese lebensverachtende Forschung zurückgreifen, möglicherweise sogar selbst betreiben, und gleichzeitig guten Gewissens Leiden von Mitlebewesen, konkret Patienten, mindern? Viele Tierschützer setzen sich ein für ein Umdenken in grundsätzlichen Fragen des modernen gesellschaftlichen Lebens. Im Bereich der wissenschaftlichen Forschung kämpfen sie für eine moderne, fortschrittliche Medizin, bei der die Vorbeugung von (Zivilisations-)Krankheiten im Vordergrund steht. So wäre irgendwann ein Bekämpfen von Symptomen wie etwa Altersdiabetes nicht mehr nötig – und auf viele überflüssige Tierversuche könnte verzichtet werden. Zurzeit jedoch gibt es in Deutschland ca. 20 Gesetze und Verordnungen sowie 20 EU-Richtlinien, die Tierversuche vorschreiben. Durch die hohe Bezuschussung der tierexperimentellen Forschung bleibt leider nur wenig Geld für die Entwicklung von alternativen Methoden. Nichtsdestotrotz gibt es mithilfe der Naturheilkunde die Möglichkeit, Medizin ganz ohne grausame Tierversuche stattfinden zu lassen. Für die Abschaffung solcher Versuche kämpft in der Öffentlichkeit auch die Vereinigung der Ärzte gegen Tierversuche. Jüngst erschien die Videodokumentation Tierversuche. Der falsche Weg, produziert mit dem Deutschen Tierschutzbüro. Und auch auf dem Gebiet der Kosmetikindustrie, einem weiteren Hauptverantwortlichen für Tierversuche, gibt es erste Erfolge. Der BDIH (Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und

Körperpflegemittel) zertifiziert nach der Richtlinie „kontrollierte Natur-Kosmetik“ Hersteller von Kosmetika, die u.a. neben einem Verzicht auf synthetische oder genmanipulierte Bestandteile auch den Einsatz von Tierversuchen sowie die Verarbeitung von Rohstoffen tierischen Ursprungs untersagen. Etwa 100 Hersteller sind bereits zertifiziert. Tierversuche sind grausam, sinnlos und nicht zu rechtfertigen. Es ist nicht nachweisbar, dass medizinische Erfolge von ihnen abhängen, eher das Gegenteil ist der Fall. Und auch die Produktion anderer Substanzen, mit denen der Mensch in Berührung kommt, etwa Kosmetika, sind auf Tierversuche nicht angewiesen – die BDHI-Richtlinie zeigt dies. Die Tiere sind wieder einmal die Opfer von Profitgier und Forschungswahn an der falschen Stelle. Sie sind auf den kritischen Konsumenten angewiesen, mit dessen Hilfe Tierversuche vielleicht einmal endgültig öffentlich geächtet sein können und der Vergangenheit angehören. Bisher kaum gezeigte, verdeckt erstellte und ungeschönte Videoaufnahmen zeigt das Deutsches Tierschutzbüro/ Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche in der Videodokumentation „Tierversuche. Der falsche Weg.“ Experten verdeutlichen die Problematik der Tierversuche aus wissenschaftlicher Sicht, beleuchten kritisch verschiedene Aspekte des Themas und zeigen die Vorteile von alternativen Methoden sowie die Gefahren der tierexperimentellen Forschung auf. Die Dokumentation ist für 7,99 EUR beim Deutschen Tierschutzbüro zu beziehen. Online: www.tierschutz-videos.de oder per Telefon: 0221-20463862.

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AKTIONEN

Demo vor größter Moschee in Deutschland Für Aufsehen sorgte im April eine Aktion vor der Kölner Zentralmoschee, Deutschlands größter Moschee. Symbolisch schächteten unsere Aktivisten ein Rind und vergossen dabei literweise Kunstblut. Mit dieser ebenso spektakulären wie provokanten Aktion machte der Arbeitskreis darauf aufmerksam, dass das betäubungslose Schächten von Tieren in Deutschland immer noch erlaubt ist, obwohl es sich dabei eindeutig um Tierquälerei handelt. Vor der Kölner Zentralmoschee bot sich den Passanten ein ungewöhnliches Bild: Ein Tierschutzaktivist, in der Kleidung eines gläubigen Muslims, schächtete symbolisch ein Rind. Beim betäubungslosen Schächten werden den Tieren bei vollem Bewusstsein Haut, Muskeln, die Halsschlagadern, die Luft- und Speiseröhre mit einem Schnitt durchtrennt. Erstickungsanfälle mit höllischen Schmerzen, Atemnot und panische Angst sind die Folge. Minutenlang ringt das Tier mit dem Tod, versucht immer wieder aufzustehen oder zu fliehen. Eigentlich verbietet das deutsche Tierschutzgesetz das betäubungslose Schlachten von Tieren. Jedoch können Ausnahmegenehmigungen für Angehörige von Religionsgemeinschaften erteilt werden, die Gläubigen das Schächten „zwingend“ vorschreiben. In Deutschland sind es seit Jahren immer wieder Muslime, die dieses Recht für sich beanspruchen und jedes Jahr Hunderte Tiere ohne Betäubung ausbluten lassen. Dabei gibt es zahlreiche islamische Religionsgelehrte, die das betäubungslose Schächten für unnötig halten und sich für eine elektrische Kurzzeitbetäubung aussprechen. Der „Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.“ fordert von der Bundesregierung eine Änderung des Tierschutzgesetzes, damit das grausame Schächten ein Ende hat. In anderen Ländern ist man da bereits weiter. Zum Beispiel haben Schweden, Island und die Niederlande das betäubungslose Schächten bereits ausnahmslos verboten. „Religionsfreiheit ist ein wichtiges Grundrecht, doch auch der Tierschutz ist im Grundgesetz verankert; und in diesem Fall muss eindeutig dem Tierschutz der Vorrang gegeben werden.“ verlangt Stefan Klippstein, Pressesprecher des Arbeitskreises humaner Tierschutz e.V..

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MENSCHEN

Jan Peifer wird mit der „MUT-Medaille“ der Tierschutzpartei ausgezeichnet

Am 23. Juni 2012 hat der Undercover-Journalist Jan Peifer für seine Enthüllungen im Bereich der industriellen Massentierhaltung den Tierschutzpreis der Partei Mensch Umwelt Tierschutz in Frankfurt bekommen.

aber auch, wie es hinter den Kulissen von Zirkusbetrieben und Schlachthäusern aussieht zeigen seine Recherchen. Wir gratulieren Jan ganz herzlich zu dieser Auszeichnung und bedanken uns für seinen Einsatz im Namen der Tiere.

Der Tierfilmer, Mitglied des Arbeitskreises und auch immer wieder für uns aktiv, recherchiert und dokumentiert seit über zehn Jahren Missstände und bringt diese in die Öffentlichkeit. Hauptsächlich finden seine Recherchen in der Nacht statt – im Schutz der Dunkelheit schleicht er sich in Schweinemastbetriebe, Putenzuchtanlagen, um dort die Zustände authentisch zu dokumentieren.

Die Verleihung der „MUT-Medaillen“ fand am im Rahmen des 29. Bundesparteitages in Frankfurt statt. Neben Jan Peifer war auch der Gründer von Sea Shepherd, Captain Paul Watson, anwesend und wurde mit einer Medaille für seinen beispielhaften Einsatz zum Schutz der Weltmeere und ihrer Bewohner geehrt.

So etwas sieht die Agrar-Lobby nicht gerne und überzieht ihn immer wieder mit mit Klagen und Anzeigen. Wie wir schon berichteten, musste sich Jan erst kürzlich vor Gericht verantworten, denn ein Nerzfarmer aus NRW wollte von ihm 22.000,00 EUR „Schadensersatz“.

Weitere Informationen zu Jan Peifer finden Sie auf seiner Internetseite unter: www.nackte-wahrheit.com

Von all dem lässt sich unser aktives Mitglied nicht einschüchtern und recherchiert weiter, deckt weiter auf, was hinter den Werbeversprechen der Fleischindustrie steckt –

Weitere Informationen zur MUT-Medaille finden Sie auf den Internetseiten der Tierschutzpartei unter: www.tierschutzpartei.de/MUTMedaille.htm

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REZEPTE

Asiatische Woknudeln mit Kokosmilch für 4 Personen

An dieser Stelle möchten wir Ihnen, liebe Leser, ausgewählte Rezeptideen für die fleischfreie Küche vorstellen und so ein paar praktische Tipps für den vegetarischen Alltag geben. Die Rezepte wurden vom Vegetarierbund (VEBU), der größten Interessenvertretung vegetarisch lebender Menschen in Deutschland, zur Verfügung gestellt. Mehr Informationen unter www.vebu.de

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Zutaten: • 1 Knoblauchzehe • 20 g frischer Ingwer • 400 g Tofu • 4 EL Sojasauce • 1 ½ TL Currypulver • 1 Aubergine • 1 gelbe Paprikaschote • 1 grüne Paprikaschote Miki Duerinck und Kristin Leybaert • etwas Sonnenblumenöl Donnerstag ist Veggietag. Genuss und • Salz Abwechslung mit vegetarischen Rezepten Südwest Verlag 2011, 177 Seiten, 14,99 EUR • 250 g frischer Spinat 978-3-517-08711-5 • 1 Bund Koriander ISBN • 300 ml Kokosmilch • 250 g Woknudeln Zubereitung: 1. Knoblauch abziehen, Ingwerwurzel schälen und beides fein würfeln. Den Tofu in Würfel von etwa 1 x 1 Zentimeter Größe schneiden. Die Sojasauce darübergießen und Knoblauch, Ingwer und 1⁄2 Teelöffel Currypulver untermischen. Den Tofu 15 Minuten in dieser Marinade ziehen lassen. 2. Inzwischen die Aubergine und die Paprikaschoten waschen, putzen und in Würfel von etwa 1 x 1 Zentimeter Größe schneiden. 3. Das Öl im Wok erhitzen und das Gemüse etwa 5 Minuten darin anbraten. Mit 1 Teelöffel Currypulver und etwas Salz würzen, dann Gemüse garen lassen. 4. In der Zwischenzeit die Tofuwürfel in der Marinade und etwas Öl anbraten. 5. Den Spinat gründlich waschen, trockenschütteln und grob hacken. Den Koriander waschen, trockenschütteln und fein schneiden. 6. Die Kokosmilch zum Gemüse in den Wok geben und kurz aufkochen lassen. Nun die Woknudeln unterrühren und bissfest garen lassen. 7. Kurz vor dem Anrichten den gehackten Spinat hinzufügen und zusammenfallen lassen. Dann den Tofu und den Koriander dazugeben.


Bild: Provamel

REZEPTE

Schnelle Gemüsesuppe

Birnenrisotto

für 4 Personen

für 4 Personen

Zutaten: • 200 g Staudensellerie • 200 g Möhren • 200 g Zuckerschoten • 200 g Spinat • 40 g Ingwer • 1 Bund Koriander • 2 EL Öl • 1l Gemüsebrühe • 200 ml Provamel Bio Soja Cuisine • 2-3 TL rote Currypaste • Salz

Zutaten: • 600 ml Gemüsefond • 2 EL Olivenöl • 1 Schalotte, fein gehackt • 400 g Arborio-Reis • 2 reife Birnen, geschält & fein gewürfelt • 100 ml trockener Weißwein • 400 ml Birnensaft • 1 EL vegane Margarine • schwarzer Pfeffer • Birnenscheiben zum Garnieren

Zubereitung: 1. Gemüse putzen und waschen. Staudensellerie in 1 cm lange Stücke und die Möhren in Scheiben schneiden. Zuckerschoten und Spinat ganz lassen. Ingwer schälen und fein reiben. Koriander waschen, trocken tupfen und fein schneiden. 2. Öl in einem Topf erhitzen. Ingwer andünsten. Gemüse zufügen und kurz mit dünsten. Mit Gemüsebrühe und SojaSahne ablöschen. Currypaste und Salz zufügen. 3. Zugedeckt ca. 8 Minuten dünsten. Koriander zufügen und nochmals abschmecken.

Zubereitung: Gemüsefond aufkochen. Hitze reduzieren und den Fond am Köcheln halten. In einem großen Topf bei mittlerer Hitze das Olivenöl erhitzen. Die Schalotten zugeben und darin 1-2 Minuten goldbraun anschwitzen. Den Reis und die Hälfte der Birnenwürfel einrühren und gründlich mit Öl überziehen. Den Wein angießen und 2–3 Minuten köcheln lassen, bis der Reis die Flüssigkeit aufgenommen hat. Eine Schöpfkelle des heißen Fonds zugeben und unter ständigem Rühren vom Reis absorbieren lassen. Die Hälfte des Birnensafts angießen, ebenfalls unter Rühren absorbieren. Dann eine weitere Schöpfkelle Fond zugeben und unter Rühren aufnehmen lassen. Mit dem Fond so weiter verfahren, bis der Reis schön cremig ist (eventuell wird nicht der ganze Fond benötigt). Insgesamt etwa 15–20 Minuten sacht köcheln lassen. Die übrigen Birnen und den restlichen Birnensaft zugeben. Den Topf vom Herd nehmen und 1 Minute ziehen lassen. Dann die Margarine einrühren und mit Pfeffer würzen. Nach Belieben mit Birnenscheiben garniert servieren. Jean-Christian Jury Vegan für Genießer. Fein und leicht serviert Umschau 2011, 176 Seiten, 19,90 EUR ISBN 978-3-86528-728-1

Orangen-Gitterkuchen Zutaten: Teig: • 200 g Margarine • 200 g (Vollrohr-)Zucker • 1 TL Zimt • 1 unbehandelte Zitrone (Schale) • 250 g Weizen-(Vollkorn-)Mehl • 1 TL Backpulver • 250 g gemahlene Walnüsse • 1 Prise Salz Füllung: • ½ Glas Orangenmarmelade (ca 170 g) Zum Bestäuben: • 1 EL Puderzucker Zubereitung: 1. Margarine mit Zucker und Zimt cremig schlagen. Die Zitrone waschen und die Schale abreiben. Zitronenschale, das gut mit dem Backpulver gemischte Mehl, die gemahlenen Walnüsse und das Salz einrühren. 2. Eine Springform von 28 cm Durchmesser mit zwei Dritteln des Teiges belegen. Orangenmarmelade darauf streichen. 3. Den restlichen Teig ausrollen und in schmale Streifen schneiden. Diese gitterartig über den Kuchen legen. Bei 170 °C etwa 25–30 Minuten backen. 4. Den leicht abgekühlten Kuchen mit Puderzucker bestäuben.

Bettina Goldner - Umweltfreundlich vegetarisch. Genussrezepte mit CO2-Berechnungen Walter Hädecke Verlag, 152 Seiten, 16,90 EUR ISBN 978-3-7750-0561-6

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„Mitglied werben, Buch kassieren!“ Sie sind selbst schon Mitglied in unserem Verein, oder Ihnen gefällt unsere Arbeit? Dann werben Sie jetzt ein neues Mitglied und erhalten so ein Exemplar von Björn Moschinskis Buch „Vegan Kochen“ mit vielen tollen Gerichten von einfach und schnell bis exklusiv und ausgefallen. Ich habe das neue Mitglied geworben:

Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. c/o Deutsches Tierschutzbüro An Groß Sankt Martin 6 /206 50667 Köln

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