Issuu on Google+

TIERREPORT CHF 5.– / EURO 4.–

O F F I Z I E L L E S

O R G A N

D E S

S C H W E I Z E R

T I E R S C H U T Z

Viele Tiere sind wahre Überlebenskünstler

4/2011

S T S

us en a en eim t ch ierh i ch n T s Ge ere s un


Editorial

TIERREPORT 4/2011 4 Festessen?

Am Fest der Liebe und dem Weihnachtsessen auch an unsere Nutztiere denken.

6 Langes Leiden

Hummer gilt als Delikatesse. Er leidet lange für einen kurzen Genuss.

7 Happy End

Der STS ermöglichte die Umsiedlung von Waschbären in ein artgerechtes Gehege.

8 Tiere in Not

Tierheime mit alten und schwer vermittelbaren Tieren brauchen Ihre Unterstützung.

10 Aktuelles Schweiz

Kurzmeldungen zu Tierschutzthemen aus der Schweiz.

Lupa – Gedanken am Jahresende

12 Fische in der Wüste Mitten im Death Valley in der Wüste von Nevada leben tatsächlich Fische. 14 Überwintern

Viele Störche verbringen den Winter trotz Kälte in der Schweiz.

TITELFOTO: Nature picture library

16–19 Überlebenskünstler Kamele sind ausdauernd und widerstehen auch extremen Wüstenbedingungen. 20 Exoten zu Hause

Wildtiere gehören einfach nicht ins Wohnzimmer.

22 Kranke Freiberger

Ein Gendefekt tötet Freiberger-Fohlen.

24 Krax feiert!

Krax, die Fachstelle Kinder- und Jugendtierschutz des STS, wird 10 Jahre alt.

26 Aktuelles Welt

Kurzmeldungen zu Tierschutzthemen aus alles Welt.

28 Wasserbüffel

Die Wasserbüffel in der Schweiz haben es gut – in Italien weniger.

30 Berner Jungbären

Ursina und Berna bleiben nun im Berner Bärenpark.

32 Tiere suchen …

Ausgesetzte, verlassene Tiere suchen ein neues, richtiges Zuhause.

TIERREPORT (ehemals «Du+die Natur») Offizielles Organ des Schweizer Tierschutz STS 138. Jahrgang, Nr. 4, Dezember 2011, erscheint viermal jährlich Herausgeber: Schweizer Tierschutz STS Dornacherstrasse 101, 4008 Basel Telefon 061 365 99 99, Fax 061 365 99 90, sts@tierschutz.com

Abonnementspreise: Jahresabonnement (4 Ausgaben) CHF 12.80 inkl. MWSt Einzelnummer CHF 5.–

Redaktor: Mark Rissi

Abdruck nach Genehmigung durch die Redaktion mit Quellenangabe gestattet.

Mitarbeiter dieser Nummer: Matthias Brunner, Catherine Reber, Stefan Tschopp, Eva Waiblinger, Sara Wehrli, Esther Wullschleger

Tierreport-Abonnentendienst: General-Wille-Strasse 144, 8706 Meilen Telefon 044 925 38 20, Fax 044 925 36 96, sts@rbc.ch

Liebe Leserin, lieber Leser Lupa, mein 10-jähriger Husky-Mischling, war nie ein einfacher

Wenn ich jetzt auf das vergangene Jahr zurückblicke, dann

Hund. Sie hat alle möglichen Unarten, wie Huskys eben sind. So

taucht aber bei weitem nicht nur Negatives auf, sondern auch

liebt sie es zum Beispiel, allem hinterherzurennen, auch Trak-

viel Positives. Natürlich haben wir vieles nicht oder noch nicht

toren und dem Güterzug. Sie gehorcht nicht immer aufs Wort,

erreicht für die Tiere. Aber es sind immer wieder Erfolge da, auf

gräbt Löcher wo sie nicht sollte und jagt Katzen, denen sie aber

die wir stolz sein dürfen und über die Sie der TIERREPORT auf

kein Haar krümmen würde. Sie war auch nie ein Wachhund und

dem Laufenden hält. Und es sind diese Erfolge, die uns moti-

würde einem Einbrecher wohl als erstes ein Spielzeug bringen.

vieren, den eingeschlagenen Weg unbeirrt weiterzugehen – den

Mit anderen Worten, sie ist nur älter, aber nicht viel weiser ge-

Weg eines glaubwürdigen, leistungsfähigen Tierschutzes, der

worden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das auch bei mir

diesen Namen verdient. Ich danke Ihnen, dass Sie dem STS bei

der Fall ist.

seiner nicht immer einfachen Arbeit die Stange halten.

Aber Lupa hat auch andere Seiten. Ich staune immer wieder, wie

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser,

schlitzohrig sie in ihrer eigenen Welt zurechtkommt und wie es

wunderschöne Festtage und ein glückliches 2012. Möge es ein

ihr gelingt, nicht nur mich um den Finger zu wickeln. Ohne sie

gutes Jahr werden, für uns alle und für unsere Mitgeschöpfe,

wären meine Märsche am Vormittag und am Abend langweilig.

die Tiere.

In der Natur zeigt sie mir unendlich viel, was ich selber nicht sehen würde. Unterwegs mit ihr kann ich abschalten und un-

Herzlich, Ihr

schöne Bilder verdrängen, denen man nicht ausweichen kann, wenn man sich tagtäglich im Tierschutz engagiert. So gibt sie mir die Gewissheit, dass es sich lohnt weiterzumachen, die Flinte nicht ins Korn zu werfen, auch wenn man immer wieder mit

ISSN 1424-9537, Papier 100% Recycling

Rückschlägen und Frust konfrontiert wird.

Gestaltung, Produktion: die zwei, Basel

Besuchen Sie uns im Internet:

Druck: Birkhäuser+GBC, Reinach

www.tierschutz.com oder www.tierreport.ch

Heinz Lienhard, Präsident Schweizer Tierschutz STS

Die Sektionen des Schweizer Tierschutz STS: Aargau · Appenzell · Appenzeller-Vorderland · Bas-Valais · Basel-Stadt· Basel-Land · Bern Kanton · Bern Stadt · Biasca · Biel-Seeland · Ceresio/Mendrisiotto · Emmental · Frauenfeld · Fribourg · Frutigen · Glarus · Graubünden · Grenchen · Haut-Léman · Horgen · Interlaken-Oberhasli · Jura/ AJPA, · Jura/Soubey · Kreuzlingen · La Chaux-de-Fonds · Le Locle · Liechtenstein · Linth · Locarno · Lugano · Luzern · Neuchâtel · Nidwalden · Niedersimmental · Nyon · Oberaargau · Obersimmental · Oberwallis · Obwalden · Olten · Rheintal · Romanshorn · Rorschach · St. Gallen Stadt · Saanenland · Sargans-Werdenberg · Schaffhausen · Schwyz · Sirnach · Solothurn/Wasseramt · Steckborn · Thun · Toggenburg · Uri · Uster · Valais · Vaud · Winterthur · Zug · Fondation Neuchâteloise d’Accueil pour Animaux · Gerenau-Stiftung für Tierschutz, Wädenswil · Stiftung Mensch+Tier, Basel-Stadt · AKUT Aktion Kirche und Tier · APS Auffangstation für Sittiche und Papageien · Club der Rattenfreunde · Le Refuge de Darwyn · Stiftung Wildstation Landshut · PRT Protection et Récupération des Tortues · SOS Chats/Genève · VAZ Verein Aquarium Zürich

2

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

3


Editorial

TIERREPORT 4/2011 4 Festessen?

Am Fest der Liebe und dem Weihnachtsessen auch an unsere Nutztiere denken.

6 Langes Leiden

Hummer gilt als Delikatesse. Er leidet lange für einen kurzen Genuss.

7 Happy End

Der STS ermöglichte die Umsiedlung von Waschbären in ein artgerechtes Gehege.

8 Tiere in Not

Tierheime mit alten und schwer vermittelbaren Tieren brauchen Ihre Unterstützung.

10 Aktuelles Schweiz

Kurzmeldungen zu Tierschutzthemen aus der Schweiz.

Lupa – Gedanken am Jahresende

12 Fische in der Wüste Mitten im Death Valley in der Wüste von Nevada leben tatsächlich Fische. 14 Überwintern

Viele Störche verbringen den Winter trotz Kälte in der Schweiz.

TITELFOTO: Nature picture library

16–19 Überlebenskünstler Kamele sind ausdauernd und widerstehen auch extremen Wüstenbedingungen. 20 Exoten zu Hause

Wildtiere gehören einfach nicht ins Wohnzimmer.

22 Kranke Freiberger

Ein Gendefekt tötet Freiberger-Fohlen.

24 Krax feiert!

Krax, die Fachstelle Kinder- und Jugendtierschutz des STS, wird 10 Jahre alt.

26 Aktuelles Welt

Kurzmeldungen zu Tierschutzthemen aus alles Welt.

28 Wasserbüffel

Die Wasserbüffel in der Schweiz haben es gut – in Italien weniger.

30 Berner Jungbären

Ursina und Berna bleiben nun im Berner Bärenpark.

32 Tiere suchen …

Ausgesetzte, verlassene Tiere suchen ein neues, richtiges Zuhause.

TIERREPORT (ehemals «Du+die Natur») Offizielles Organ des Schweizer Tierschutz STS 138. Jahrgang, Nr. 4, Dezember 2011, erscheint viermal jährlich Herausgeber: Schweizer Tierschutz STS Dornacherstrasse 101, 4008 Basel Telefon 061 365 99 99, Fax 061 365 99 90, sts@tierschutz.com

Abonnementspreise: Jahresabonnement (4 Ausgaben) CHF 12.80 inkl. MWSt Einzelnummer CHF 5.–

Redaktor: Mark Rissi

Abdruck nach Genehmigung durch die Redaktion mit Quellenangabe gestattet.

Mitarbeiter dieser Nummer: Matthias Brunner, Catherine Reber, Stefan Tschopp, Eva Waiblinger, Sara Wehrli, Esther Wullschleger

Tierreport-Abonnentendienst: General-Wille-Strasse 144, 8706 Meilen Telefon 044 925 38 20, Fax 044 925 36 96, sts@rbc.ch

Liebe Leserin, lieber Leser Lupa, mein 10-jähriger Husky-Mischling, war nie ein einfacher

Wenn ich jetzt auf das vergangene Jahr zurückblicke, dann

Hund. Sie hat alle möglichen Unarten, wie Huskys eben sind. So

taucht aber bei weitem nicht nur Negatives auf, sondern auch

liebt sie es zum Beispiel, allem hinterherzurennen, auch Trak-

viel Positives. Natürlich haben wir vieles nicht oder noch nicht

toren und dem Güterzug. Sie gehorcht nicht immer aufs Wort,

erreicht für die Tiere. Aber es sind immer wieder Erfolge da, auf

gräbt Löcher wo sie nicht sollte und jagt Katzen, denen sie aber

die wir stolz sein dürfen und über die Sie der TIERREPORT auf

kein Haar krümmen würde. Sie war auch nie ein Wachhund und

dem Laufenden hält. Und es sind diese Erfolge, die uns moti-

würde einem Einbrecher wohl als erstes ein Spielzeug bringen.

vieren, den eingeschlagenen Weg unbeirrt weiterzugehen – den

Mit anderen Worten, sie ist nur älter, aber nicht viel weiser ge-

Weg eines glaubwürdigen, leistungsfähigen Tierschutzes, der

worden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das auch bei mir

diesen Namen verdient. Ich danke Ihnen, dass Sie dem STS bei

der Fall ist.

seiner nicht immer einfachen Arbeit die Stange halten.

Aber Lupa hat auch andere Seiten. Ich staune immer wieder, wie

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser,

schlitzohrig sie in ihrer eigenen Welt zurechtkommt und wie es

wunderschöne Festtage und ein glückliches 2012. Möge es ein

ihr gelingt, nicht nur mich um den Finger zu wickeln. Ohne sie

gutes Jahr werden, für uns alle und für unsere Mitgeschöpfe,

wären meine Märsche am Vormittag und am Abend langweilig.

die Tiere.

In der Natur zeigt sie mir unendlich viel, was ich selber nicht sehen würde. Unterwegs mit ihr kann ich abschalten und un-

Herzlich, Ihr

schöne Bilder verdrängen, denen man nicht ausweichen kann, wenn man sich tagtäglich im Tierschutz engagiert. So gibt sie mir die Gewissheit, dass es sich lohnt weiterzumachen, die Flinte nicht ins Korn zu werfen, auch wenn man immer wieder mit

ISSN 1424-9537, Papier 100% Recycling

Rückschlägen und Frust konfrontiert wird.

Gestaltung, Produktion: die zwei, Basel

Besuchen Sie uns im Internet:

Druck: Birkhäuser+GBC, Reinach

www.tierschutz.com oder www.tierreport.ch

Heinz Lienhard, Präsident Schweizer Tierschutz STS

Die Sektionen des Schweizer Tierschutz STS: Aargau · Appenzell · Appenzeller-Vorderland · Bas-Valais · Basel-Stadt· Basel-Land · Bern Kanton · Bern Stadt · Biasca · Biel-Seeland · Ceresio/Mendrisiotto · Emmental · Frauenfeld · Fribourg · Frutigen · Glarus · Graubünden · Grenchen · Haut-Léman · Horgen · Interlaken-Oberhasli · Jura/ AJPA, · Jura/Soubey · Kreuzlingen · La Chaux-de-Fonds · Le Locle · Liechtenstein · Linth · Locarno · Lugano · Luzern · Neuchâtel · Nidwalden · Niedersimmental · Nyon · Oberaargau · Obersimmental · Oberwallis · Obwalden · Olten · Rheintal · Romanshorn · Rorschach · St. Gallen Stadt · Saanenland · Sargans-Werdenberg · Schaffhausen · Schwyz · Sirnach · Solothurn/Wasseramt · Steckborn · Thun · Toggenburg · Uri · Uster · Valais · Vaud · Winterthur · Zug · Fondation Neuchâteloise d’Accueil pour Animaux · Gerenau-Stiftung für Tierschutz, Wädenswil · Stiftung Mensch+Tier, Basel-Stadt · AKUT Aktion Kirche und Tier · APS Auffangstation für Sittiche und Papageien · Club der Rattenfreunde · Le Refuge de Darwyn · Stiftung Wildstation Landshut · PRT Protection et Récupération des Tortues · SOS Chats/Genève · VAZ Verein Aquarium Zürich

2

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

3


Nachdenkliches zum  Weihnachtsessen

und weltweit vertreibt. Dabei sehen diese

tibiotika eingesetzt wurden – bedeutend

Hühner in ihrem kurzen Leben nicht ein-

mehr als in der Humanmedizin.

mal aus der Ferne je eine Wiese. Bis zu

Fleisch aus dem Ausland ist zwar billig – doch den Preis dafür zahlen die Nutztiere, die ihr kurzes Leben häufig in industriellen Mastbetrieben unter nicht tiergerechten Bedingungen fristen. Der STS rät darum: wenn schon Fleisch für das Festtagsmenu, dann solches aus einheimischer Labelproduktion zu bevorzugen.

100 000 Tiere sind in einer Masthalle dicht

Schlampige Kontrollen

zusammengedrängt.

Wieso sind derartige Missbräuche über-

Die Reportage «Das System Wiesen-

haupt möglich? Die Agrarindustrie stützt

hof» des deutschen Fernsehsenders ARD,

sich dabei offenbar auf die Komplizen-

die Ende August ausgestrahlt wurde,

schaft von Veterinären, die dabei viel

deckte die brutalen Machenschaften des

Geld verdienen. Hinzu kommen die un-

Konzerns auf: Die versteckt gedrehten

regelmässigen und nur oberflächlich

Filmaufnahmen zeigen, wie Mitarbeitende

durchgeführten Kontrollen der zuständi-

des Unternehmens Hühner mit Fusstritten

gen Behörden.

Kochen mit gutem Gewissen

Das Kochbuch mit tierfreundlichen Rezepten

SCHWEIZER TIERSCH

1

UTZ STS

Kochen mit gutem Gewissen

traktieren und kranken Tieren einfach das

Zwar existieren auch in der Europä-

Genick brechen. Für den Abtransport zum

ischen Union (EU) verbindliche Richtli-

Schlachthof werden die Hühner wie eine

nien für die Nutztierhaltung – bloss wer-

Ware achtlos in Kisten geschmissen. Bloss

den diese kaum eingehalten. So stellte

Ende Jahr erscheint das STS-Koch-

ein Einzelfall?

selbst die EU-Kommission im Jahre 2007

buch mit tierfreundlichen Rezepten.

in einem Bericht fest, dass beispielsweise

Das Buch enthält kreative und viel-

Fleischfabriken statt Bauernbetriebe

bei den in Dänemark kontrollierten Be-

fältige, aber dennoch einfach umzu-

trieben sämtliche Schweine coupierte

setzende Rezeptideen von Kochlehr-

Selbst wenn es sich hier um ein besonders

Schwänze und abgeklemmte Zähne auf-

nenden, Profis und Prominenten.

krasses Beispiel handeln mag, so ergeht es

wiesen und 67 Prozent von ihnen keiner-

Ebenfalls enthält es viele Informa-

anderen Nutztieren nicht viel besser. Ge-

lei Beschäftigungsmöglichkeiten zur Ver-

tionen über gesunde Ernährung,

mäss einem Bericht des renommierten Blat-

fügung hatten.

richtiges Einkaufen und empfeh-

tes «Süddeutsche Zeitung» vom 10. Sep-

STS-Geschäftsführer Hansuli Huber

lenswerte Labelprogramme. Tier-

tember 2011 plant ein holländischer Ag-

verglich in einem Referat die Situation in

schutz und Genuss müssen kein

rarinvestor, Deutschlands grösste Fleisch-

der EU mit jener, wie sie vor etwa 20 Jah-

Widerspruch sein. Weitere Infos:

fabrik mit einer jährlichen Kapazität von

ren auf die Schweiz zutraf.

www.essenmitherz.ch

170 000 Mastschweinen und 150 000 Fer-

Besser Labelfleisch aus dem Inland

Tierwohl einen höheren Stellenwert ein-

chen Dimensionen das Tierwohl über-

Zwar ist die Schweiz bei weitem keine Insel

räumen, als die Mindestanforderungen des

haupt noch eine Rolle spielt. Was zählt,

der Glückseligkeit für Nutztiere. Trotzdem

Tierschutzgesetzes vorschreiben.

ist einzig der Profit. Im selben Bericht der

bestehen immerhin strengere gesetzliche

Süddeutschen Zeitung ist nachzulesen,

Auflagen und Kontrollen als in den meis-

dass in Deutschland allein in Jahre 2005

ten anderen Ländern. Ausserdem existie-

Weniger Fleischkonsum hilft der Umwelt

in der Nutztierhaltung 800 Tonnen An-

ren zahlreiche Label-Programme, die dem

Viele Wohlstandskrankheiten stehen auch

keln in Brandenburg zu realisieren.

istockphoto

Es ist kaum vorstellbar, dass bei sol-

lich im benachbarten Ausland Fleisch so

das von Tieren stammt, die in Rekordzeit

tagen in zahlreichen Schweizer Haushal-

viel billiger erhältlich ist. Aber auch hier-

zur Schlachtreife gebracht und dafür mit

in einem Zusammenhang mit einem über-

ten dasselbe Ritual ab: Die ganze Fami-

zulande greifen viele Konsumenten beim

Antibiotika vollgestopft wurden, eng zu-

triebenen Fleischkonsum. Doch nicht nur

lie versammelt sich um das Rechaud, um

Einkauf im Grossverteiler zu billigem Im-

sammengepfercht in ihrem eigenen Kot

aus gesundheitlichen Gründen ist es rat-

fein geschnittene Fleischstücke von un-

portfleisch.

peta

Alljährlich spielt sich an den Weihnachts-

vegetierten, sich nie auf einer Weide frei

sam, weniger Fleisch zu verzehren: Denn

terschiedlichen Tierarten auf die Gabel

Was viele entweder nicht wissen,

bewegen konnten, unter schummrigem

neben den Tieren leidet auch die Umwelt

zu spiessen und in die heisse Bouillon-

verdrängen oder auch gar nicht wissen

Kunstlicht aufwuchsen, widernatürliches

unter der masslosen Gier nach immer

brühe zu tauchen, bis sie gar sind. Das

wollen: Den Preis dafür bezahlen die

Futter erhielten und bis zum bitteren

mehr Fleisch.

längst zur Tradition gewordene Mahl

Schweine, Rinder, Hühner, Truten und

Ende nur Stress erleiden mussten?

nennt sich dann «Fondue chinoise».

andere Nutztiere aus der industriellen Massentierhaltung.

In unserer abendländisch geprägten Gesellschaft gilt Weihnachten allgemein

Grausames System «Wiesenhof»

als eine Zeit der Besinnlichkeit. Wäre es

Billigfleisch aus dem Ausland

Was auf der fertig angerichteten

Bereits viele Tage zuvor strömen in froher

Platte im ersten Moment noch optisch ap-

Hinter der idyllisch klingenden Bezeich-

bracht, sich Gedanken um die Tiere zu

Erwartung des bevorstehenden kulinari-

petitlich aussehen mag, entpuppt sich bei

nung «Wiesenhof» steht ein deutsches Un-

machen, welche ebenfalls fühlende Lebe-

schen Genusses Schweizer Familien in

genauerem Hinsehen als schwer verdau-

ternehmen, das Pouletfleisch in giganti-

Scharen über die Grenze, da ja bekannt-

lich: Wie gesund kann schon Fleisch sein,

schem Ausmass industriell produziert

4

TIERREPORT 4/2011

bei dieser Gelegenheit nicht auch ange-

wesen dieser Welt sind? -

Masthalle von «Wiesenhof»: Bis zu 100 000 Tiere drängen sich auf engstem Raum.

TIERREPORT 4/2011



Matthias Brunner

5


Nachdenkliches zum  Weihnachtsessen

und weltweit vertreibt. Dabei sehen diese

tibiotika eingesetzt wurden – bedeutend

Hühner in ihrem kurzen Leben nicht ein-

mehr als in der Humanmedizin.

mal aus der Ferne je eine Wiese. Bis zu

Fleisch aus dem Ausland ist zwar billig – doch den Preis dafür zahlen die Nutztiere, die ihr kurzes Leben häufig in industriellen Mastbetrieben unter nicht tiergerechten Bedingungen fristen. Der STS rät darum: wenn schon Fleisch für das Festtagsmenu, dann solches aus einheimischer Labelproduktion zu bevorzugen.

100 000 Tiere sind in einer Masthalle dicht

Schlampige Kontrollen

zusammengedrängt.

Wieso sind derartige Missbräuche über-

Die Reportage «Das System Wiesen-

haupt möglich? Die Agrarindustrie stützt

hof» des deutschen Fernsehsenders ARD,

sich dabei offenbar auf die Komplizen-

die Ende August ausgestrahlt wurde,

schaft von Veterinären, die dabei viel

deckte die brutalen Machenschaften des

Geld verdienen. Hinzu kommen die un-

Konzerns auf: Die versteckt gedrehten

regelmässigen und nur oberflächlich

Filmaufnahmen zeigen, wie Mitarbeitende

durchgeführten Kontrollen der zuständi-

des Unternehmens Hühner mit Fusstritten

gen Behörden.

Kochen mit gutem Gewissen

Das Kochbuch mit tierfreundlichen Rezepten

SCHWEIZER TIERSCH

1

UTZ STS

Kochen mit gutem Gewissen

traktieren und kranken Tieren einfach das

Zwar existieren auch in der Europä-

Genick brechen. Für den Abtransport zum

ischen Union (EU) verbindliche Richtli-

Schlachthof werden die Hühner wie eine

nien für die Nutztierhaltung – bloss wer-

Ware achtlos in Kisten geschmissen. Bloss

den diese kaum eingehalten. So stellte

Ende Jahr erscheint das STS-Koch-

ein Einzelfall?

selbst die EU-Kommission im Jahre 2007

buch mit tierfreundlichen Rezepten.

in einem Bericht fest, dass beispielsweise

Das Buch enthält kreative und viel-

Fleischfabriken statt Bauernbetriebe

bei den in Dänemark kontrollierten Be-

fältige, aber dennoch einfach umzu-

trieben sämtliche Schweine coupierte

setzende Rezeptideen von Kochlehr-

Selbst wenn es sich hier um ein besonders

Schwänze und abgeklemmte Zähne auf-

nenden, Profis und Prominenten.

krasses Beispiel handeln mag, so ergeht es

wiesen und 67 Prozent von ihnen keiner-

Ebenfalls enthält es viele Informa-

anderen Nutztieren nicht viel besser. Ge-

lei Beschäftigungsmöglichkeiten zur Ver-

tionen über gesunde Ernährung,

mäss einem Bericht des renommierten Blat-

fügung hatten.

richtiges Einkaufen und empfeh-

tes «Süddeutsche Zeitung» vom 10. Sep-

STS-Geschäftsführer Hansuli Huber

lenswerte Labelprogramme. Tier-

tember 2011 plant ein holländischer Ag-

verglich in einem Referat die Situation in

schutz und Genuss müssen kein

rarinvestor, Deutschlands grösste Fleisch-

der EU mit jener, wie sie vor etwa 20 Jah-

Widerspruch sein. Weitere Infos:

fabrik mit einer jährlichen Kapazität von

ren auf die Schweiz zutraf.

www.essenmitherz.ch

170 000 Mastschweinen und 150 000 Fer-

Besser Labelfleisch aus dem Inland

Tierwohl einen höheren Stellenwert ein-

chen Dimensionen das Tierwohl über-

Zwar ist die Schweiz bei weitem keine Insel

räumen, als die Mindestanforderungen des

haupt noch eine Rolle spielt. Was zählt,

der Glückseligkeit für Nutztiere. Trotzdem

Tierschutzgesetzes vorschreiben.

ist einzig der Profit. Im selben Bericht der

bestehen immerhin strengere gesetzliche

Süddeutschen Zeitung ist nachzulesen,

Auflagen und Kontrollen als in den meis-

dass in Deutschland allein in Jahre 2005

ten anderen Ländern. Ausserdem existie-

Weniger Fleischkonsum hilft der Umwelt

in der Nutztierhaltung 800 Tonnen An-

ren zahlreiche Label-Programme, die dem

Viele Wohlstandskrankheiten stehen auch

keln in Brandenburg zu realisieren.

istockphoto

Es ist kaum vorstellbar, dass bei sol-

lich im benachbarten Ausland Fleisch so

das von Tieren stammt, die in Rekordzeit

tagen in zahlreichen Schweizer Haushal-

viel billiger erhältlich ist. Aber auch hier-

zur Schlachtreife gebracht und dafür mit

in einem Zusammenhang mit einem über-

ten dasselbe Ritual ab: Die ganze Fami-

zulande greifen viele Konsumenten beim

Antibiotika vollgestopft wurden, eng zu-

triebenen Fleischkonsum. Doch nicht nur

lie versammelt sich um das Rechaud, um

Einkauf im Grossverteiler zu billigem Im-

sammengepfercht in ihrem eigenen Kot

aus gesundheitlichen Gründen ist es rat-

fein geschnittene Fleischstücke von un-

portfleisch.

peta

Alljährlich spielt sich an den Weihnachts-

vegetierten, sich nie auf einer Weide frei

sam, weniger Fleisch zu verzehren: Denn

terschiedlichen Tierarten auf die Gabel

Was viele entweder nicht wissen,

bewegen konnten, unter schummrigem

neben den Tieren leidet auch die Umwelt

zu spiessen und in die heisse Bouillon-

verdrängen oder auch gar nicht wissen

Kunstlicht aufwuchsen, widernatürliches

unter der masslosen Gier nach immer

brühe zu tauchen, bis sie gar sind. Das

wollen: Den Preis dafür bezahlen die

Futter erhielten und bis zum bitteren

mehr Fleisch.

längst zur Tradition gewordene Mahl

Schweine, Rinder, Hühner, Truten und

Ende nur Stress erleiden mussten?

nennt sich dann «Fondue chinoise».

andere Nutztiere aus der industriellen Massentierhaltung.

In unserer abendländisch geprägten Gesellschaft gilt Weihnachten allgemein

Grausames System «Wiesenhof»

als eine Zeit der Besinnlichkeit. Wäre es

Billigfleisch aus dem Ausland

Was auf der fertig angerichteten

Bereits viele Tage zuvor strömen in froher

Platte im ersten Moment noch optisch ap-

Hinter der idyllisch klingenden Bezeich-

bracht, sich Gedanken um die Tiere zu

Erwartung des bevorstehenden kulinari-

petitlich aussehen mag, entpuppt sich bei

nung «Wiesenhof» steht ein deutsches Un-

machen, welche ebenfalls fühlende Lebe-

schen Genusses Schweizer Familien in

genauerem Hinsehen als schwer verdau-

ternehmen, das Pouletfleisch in giganti-

Scharen über die Grenze, da ja bekannt-

lich: Wie gesund kann schon Fleisch sein,

schem Ausmass industriell produziert

4

TIERREPORT 4/2011

bei dieser Gelegenheit nicht auch ange-

wesen dieser Welt sind? -

Masthalle von «Wiesenhof»: Bis zu 100 000 Tiere drängen sich auf engstem Raum.

TIERREPORT 4/2011



Matthias Brunner

5


Neues Leben für bedrängte Waschbären

Wegen seines zarten, aromatischen Fleisches und seines ungewöhnlichen Äusseren gilt der Hummer in der Gastronomie als «König der Meeresfrüchte». Hummergerichte sind Teil der Speisekarten von Gourmet-Restaurants und gehören für Spitzenköche zum Standardprogramm. Die Tatsache, dass mit der Zubereitung dieser Delikatesse grosses Tierleid einhergeht, wird von den gut zahlenden Kunden ignoriert.

Mark rissi

Der STS ermöglichte den Transfer von drei Waschbären aus tierschutzwidriger Haltung in die grosszügige Anlage des Zoos Hasel in Remigen.

Mark rissi

Langes Leiden für kurzen Genuss

Ab auf die Bäume: Im Kleinzoo Hasel nehmen die Waschbären das neue Heim in Besitz.

Verängstigt: Die Waschbären im alten Gehege des Tessiner Kleinzoos.

mals wird argumentiert, dass «primitive»

Kaum öffnete Tierpfleger Su-

Tiere wie Hummer über kein Schmerz-

Kaum näherte sich Tierpfleger

ter die Transportkisten, flitzen

empfinden verfügten und dass es da-

Peter Suter mit den Transport-

die Tiere raus und machten sich

her unproblematisch sei, sie auf diese

kisten dem alten, provisorischen

Weise zu töten. Diese Annahme ist al-

Gehege der Waschbären im Tes-

lerdings nicht wissenschaftlich fundiert,

siner Kleinzoo «Al Maglio», als

sondern eine reine Vermutung aufgrund

sich zwei der Waschbären auf

der «Andersartigkeit» wirbelloser Tiere.

der Flucht unter dem Dach auf

vorbeikamen. Dann wurden aus den

drei Neuen den zwei bereits ansässigen

Wahrscheinlicher ist jedoch das Gegen-

der knappen Liegefläche den Platz strei-

Waschbären kurzfristig putzige Bettelbä-

Artgenossen den Platz streitig machen?

teil: Das Nervensystem der Hummer ist

tig machten, während sich der dritte hoch

ren, die ihre Vorderbeine durch den Ma-

Wird es Rangkämpfe geben?

demjenigen «höherer» Tierarten durchaus

oben an der senkrechten Steinmauer ver-

schenzaun streckten und eifrig Popcorn

vergleichbar; sie sind beschränkt lernfä-

krallte. Offenbar spürten die Tiere bereits,

und anderes Ungeeignetes von den Men-

Rasche Integration

hig und können sich an Orte und andere

dass demnächst etwas geschehen würde.

schen entgegennahmen. Kurzum: Es war

Die Sorge war umsonst. Die drei Neulinge

voller Neugier daran, das ganze

Auf Erkundungstour: Auch Waschbären brauchen genügend Platz, damit sie nicht zu stereotypem Verhalten neigen.

Gelände zu erkunden. Die Spannung und Nervosität von Cornelia da Silva wuchs. Werden die

keine Anlage, bei der die Zoobesucher

wurden zwar von den bisherigen Bewoh-

Keine artgemässe Haltung

Einblick in das artspezifische Verhalten

nern der Anlage zuerst misstrauisch be-

Also auf Hummer verzichten?

Auch der Zooleitung war seit längerem

der Waschbären erhalten konnten.

äugt und beobachtet, doch bald legte sich

(meist per Flugzeug) auf Eis gelagert. Ein

In Grossbritannien findet schon seit Län-

bewusst, dass die Anlage keineswegs art-

Transport im Wasserbecken ist aus Kos-

gerem ein eigens für Hummer entwickel-

gerecht war. Doch sie schreckten davor

Asyl in modernem Gehege

der Tierpfleger aus dem Tessin: «Diese Fel-

tengründen unrealistisch.

tes elektrisches Betäubungsgerät, der

zurück, die gesunden, aber überzähligen

Im Kleinzoo Hasel im aargauischen Remi-

senlandschaft, das beeindruckt mich. Und

CrustaStunner, Verwendung. Das Gerät

Tiere einzuschläfern.

gen hatten STS-Mitarbeiter in Zusammen-

die Bäume – da werden sie sicher rauf-

Da sich im Körper toter Hummer schnell

ihnen die Scheren gefesselt. Um sie mög-

Giftstoffe bilden, die zu Lebensmittel-

lichst ruhig und frisch zu halten, werden

vergiftungen führen können, werden die

sie während des tagelangen Transports

Tiere erst kurz vor der Zubereitung getötet. Meist haben sie dann bereits einen langen Leidensweg hinter sich: Gefangen wird der Homarus americanus in

Tiere erinnern.

ihre Unruhe. Begeistert zeigte sich auch

sei aber in der Schweiz noch wenig ver-

Beim Besuch der STS-Wildtierexper-

arbeit mit der Betriebsleiterin Cornelia da

klettern.» – «Ach ja?», meinte da Silva er-

lantiks in Korbfallen am Meeresgrund.

Hummer spüren keinen Schmerz – oder doch?!

breitet, so das BVET … Solange Hummer

tin Sara Wehrli zeigten die Bärchen in der

Silva im letzten Jahr eine grosszügige An-

staunt. «Meine waren noch nie da oben.»

Anschliessend werden die lebenden Tiere

Die Standardmethode zur Tötung von

gequält werden, nur um die verwöhnten

knapp bemessenen Anlage starke Verhal-

lage für Waschbären konzipiert. Zwei die-

Kaum war’s gesagt, stiegen die drei Wasch-

aufeinandergestapelt in spezielle Hälte-

Hummern ist immer noch, sie in kochen-

Gaumen einer betuchten Klientel zu er-

tensstörungen. Stereotyp gingen sie stun-

ser kleinen Raubtiere aus einem Tierschutz-

bären bereits hoch und entschwanden in

rungsanlagen gepackt, in denen sie dau-

des Wasser zu werfen. Dabei werden die

freuen, ist daher vom Konsum dieser «De-

denlang auf und ab – immer knapp ent-

fall konnten bereits aufgenommen werden.

den Baumwipfeln. Damit es keinen weite-

ernd mit Wasser berieselt werden. Damit

Tiere kopfvoran in brühendes Wasser ge-

likatesse» und vom Besuch entsprechen-

lang der Gehegegrenze. Diesen monoto-

Nun erklärte sich da Silva bereit, auch die

ren unerwünschten Nachwuchs gibt, wur-

sich die einzelgängerischen, aggressiven

halten. Das Blut fliesst in den Kopf, was

der Restaurants aus ethischen Gründen

nen Bewegungsablauf unterbrachen sie

drei «Tessiner» Waschbären aufzunehmen.

den die männlichen Tiere kastriert. -

Tiere nicht gegenseitig verletzen, werden

angeblich die Tötung beschleunigt. Oft-

abzuraten. -

nur, wenn Zoobesucher mit Leckereien

An einem Novembertag war es soweit:

den kalten Gewässern des Nordwest-At-

6

Sara Wehrli

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011



Mark Rissi

7


Neues Leben für bedrängte Waschbären

Wegen seines zarten, aromatischen Fleisches und seines ungewöhnlichen Äusseren gilt der Hummer in der Gastronomie als «König der Meeresfrüchte». Hummergerichte sind Teil der Speisekarten von Gourmet-Restaurants und gehören für Spitzenköche zum Standardprogramm. Die Tatsache, dass mit der Zubereitung dieser Delikatesse grosses Tierleid einhergeht, wird von den gut zahlenden Kunden ignoriert.

Mark rissi

Der STS ermöglichte den Transfer von drei Waschbären aus tierschutzwidriger Haltung in die grosszügige Anlage des Zoos Hasel in Remigen.

Mark rissi

Langes Leiden für kurzen Genuss

Ab auf die Bäume: Im Kleinzoo Hasel nehmen die Waschbären das neue Heim in Besitz.

Verängstigt: Die Waschbären im alten Gehege des Tessiner Kleinzoos.

mals wird argumentiert, dass «primitive»

Kaum öffnete Tierpfleger Su-

Tiere wie Hummer über kein Schmerz-

Kaum näherte sich Tierpfleger

ter die Transportkisten, flitzen

empfinden verfügten und dass es da-

Peter Suter mit den Transport-

die Tiere raus und machten sich

her unproblematisch sei, sie auf diese

kisten dem alten, provisorischen

Weise zu töten. Diese Annahme ist al-

Gehege der Waschbären im Tes-

lerdings nicht wissenschaftlich fundiert,

siner Kleinzoo «Al Maglio», als

sondern eine reine Vermutung aufgrund

sich zwei der Waschbären auf

der «Andersartigkeit» wirbelloser Tiere.

der Flucht unter dem Dach auf

vorbeikamen. Dann wurden aus den

drei Neuen den zwei bereits ansässigen

Wahrscheinlicher ist jedoch das Gegen-

der knappen Liegefläche den Platz strei-

Waschbären kurzfristig putzige Bettelbä-

Artgenossen den Platz streitig machen?

teil: Das Nervensystem der Hummer ist

tig machten, während sich der dritte hoch

ren, die ihre Vorderbeine durch den Ma-

Wird es Rangkämpfe geben?

demjenigen «höherer» Tierarten durchaus

oben an der senkrechten Steinmauer ver-

schenzaun streckten und eifrig Popcorn

vergleichbar; sie sind beschränkt lernfä-

krallte. Offenbar spürten die Tiere bereits,

und anderes Ungeeignetes von den Men-

Rasche Integration

hig und können sich an Orte und andere

dass demnächst etwas geschehen würde.

schen entgegennahmen. Kurzum: Es war

Die Sorge war umsonst. Die drei Neulinge

voller Neugier daran, das ganze

Auf Erkundungstour: Auch Waschbären brauchen genügend Platz, damit sie nicht zu stereotypem Verhalten neigen.

Gelände zu erkunden. Die Spannung und Nervosität von Cornelia da Silva wuchs. Werden die

keine Anlage, bei der die Zoobesucher

wurden zwar von den bisherigen Bewoh-

Keine artgemässe Haltung

Einblick in das artspezifische Verhalten

nern der Anlage zuerst misstrauisch be-

Also auf Hummer verzichten?

Auch der Zooleitung war seit längerem

der Waschbären erhalten konnten.

äugt und beobachtet, doch bald legte sich

(meist per Flugzeug) auf Eis gelagert. Ein

In Grossbritannien findet schon seit Län-

bewusst, dass die Anlage keineswegs art-

Transport im Wasserbecken ist aus Kos-

gerem ein eigens für Hummer entwickel-

gerecht war. Doch sie schreckten davor

Asyl in modernem Gehege

der Tierpfleger aus dem Tessin: «Diese Fel-

tengründen unrealistisch.

tes elektrisches Betäubungsgerät, der

zurück, die gesunden, aber überzähligen

Im Kleinzoo Hasel im aargauischen Remi-

senlandschaft, das beeindruckt mich. Und

CrustaStunner, Verwendung. Das Gerät

Tiere einzuschläfern.

gen hatten STS-Mitarbeiter in Zusammen-

die Bäume – da werden sie sicher rauf-

Da sich im Körper toter Hummer schnell

ihnen die Scheren gefesselt. Um sie mög-

Giftstoffe bilden, die zu Lebensmittel-

lichst ruhig und frisch zu halten, werden

vergiftungen führen können, werden die

sie während des tagelangen Transports

Tiere erst kurz vor der Zubereitung getötet. Meist haben sie dann bereits einen langen Leidensweg hinter sich: Gefangen wird der Homarus americanus in

Tiere erinnern.

ihre Unruhe. Begeistert zeigte sich auch

sei aber in der Schweiz noch wenig ver-

Beim Besuch der STS-Wildtierexper-

arbeit mit der Betriebsleiterin Cornelia da

klettern.» – «Ach ja?», meinte da Silva er-

lantiks in Korbfallen am Meeresgrund.

Hummer spüren keinen Schmerz – oder doch?!

breitet, so das BVET … Solange Hummer

tin Sara Wehrli zeigten die Bärchen in der

Silva im letzten Jahr eine grosszügige An-

staunt. «Meine waren noch nie da oben.»

Anschliessend werden die lebenden Tiere

Die Standardmethode zur Tötung von

gequält werden, nur um die verwöhnten

knapp bemessenen Anlage starke Verhal-

lage für Waschbären konzipiert. Zwei die-

Kaum war’s gesagt, stiegen die drei Wasch-

aufeinandergestapelt in spezielle Hälte-

Hummern ist immer noch, sie in kochen-

Gaumen einer betuchten Klientel zu er-

tensstörungen. Stereotyp gingen sie stun-

ser kleinen Raubtiere aus einem Tierschutz-

bären bereits hoch und entschwanden in

rungsanlagen gepackt, in denen sie dau-

des Wasser zu werfen. Dabei werden die

freuen, ist daher vom Konsum dieser «De-

denlang auf und ab – immer knapp ent-

fall konnten bereits aufgenommen werden.

den Baumwipfeln. Damit es keinen weite-

ernd mit Wasser berieselt werden. Damit

Tiere kopfvoran in brühendes Wasser ge-

likatesse» und vom Besuch entsprechen-

lang der Gehegegrenze. Diesen monoto-

Nun erklärte sich da Silva bereit, auch die

ren unerwünschten Nachwuchs gibt, wur-

sich die einzelgängerischen, aggressiven

halten. Das Blut fliesst in den Kopf, was

der Restaurants aus ethischen Gründen

nen Bewegungsablauf unterbrachen sie

drei «Tessiner» Waschbären aufzunehmen.

den die männlichen Tiere kastriert. -

Tiere nicht gegenseitig verletzen, werden

angeblich die Tötung beschleunigt. Oft-

abzuraten. -

nur, wenn Zoobesucher mit Leckereien

An einem Novembertag war es soweit:

den kalten Gewässern des Nordwest-At-

6

Sara Wehrli

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011



Mark Rissi

7


Von Katzenjammer und Hundeelend Immer mehr Katzen und Hunde werden von ihren ehemaligen Besitzern in Tierheime abgeschoben. Sie gelten als sogenannte «Verzichtstiere». Gründe dafür: Die Tiere passen plötzlich nicht mehr ins eigene Lebenskonzept, sind vielleicht schon alt oder krank und werden nur noch als mühsame Belastung wahrgenommen.

Sind es bei Engy Kummerfalten?

deshalb täglich ihr lebenswichtiges Me-

schon ein Jahr im Tierheim, als ein Wink

Beginn noch etwas scheu und ängstlich.

dikament verabreicht bekommen. Die ge-

des Schicksals kam: Ein Ehepaar mit ei-

Doch mittlerweile lässt auch er sich strei-

sundheitlichen Probleme, das hohe Alter

nem Einfamilienhaus zeigte sich bereit,

cheln. So dürfen Tomy und Gizma ihren

und die Tatsache, dass es die zwei Katzen

dem ungewöhnlichen Paar bei sich ein

Lebensabend gemeinsam geniessen, wie

nur im «Doppelpack» gibt, liessen kaum

neues Zuhause zu bieten. Da können die

sie es schon immer gewohnt waren.

Hoffnung zu, dass sie je noch weiterver-

Katzen-Senioren sogar ins Freie, was sie

Tierschutzverein Winterthur und

mittelt werden könnten. Sie verbrachten

allerdings nur selten nützen. Tomy war zu

Umgebung -

Die Patchwork-Familie Dies könnte schon fast so etwas wie ein Weihnachtsmärchen sein: Nach einer langen Odyssee über Spanien

Engy ist ein mittlerweile achtjähriger chi-

und Frankreich gelangte die

anderes Zimmer gesperrt.

nesischer Shar Pei-Rüde. Typisch für diese

Als die Familie von einem

hochträchtige Katzenmutter

Rasse sind die ausgeprägten Falten, be-

Einfamilienhaus in eine Miet-

Blacky schliesslich ins Basler

sonders am Kopf, aber auch am übrigen

wohnung umzog, schoben ihn

Katzenheim an der Schiller-

Körper. Doch bei diesem Hund könnten es

seine Besitzer vor drei Jahren

strasse. Nur zwei Tage spä-

lich, als sei er ihr eigenes Junges. Den

durchaus auch Sorgenfalten sein…

einfach ins Tierheim ab. Zu

ter gebar die dreijährige Kat-

drei Katzenmädchen Wendy, Fleure und Tinkerbelle sowie dem Katzenbu-

Engy war erst sechs Wochen alt, als

Beginn reagierte Engy extrem scheu und

bezugsperson endlich anfassen und er be-

er von einem Züchter aus Tschechien zu

ängstlich. Vor fremden Menschen fürch-

gann sich allmählich etwas zu entspan-

einer Familie in der Schweiz kam. Offen-

tete er sich sehr, und selbst vor anderen

nen. Mittlerweile geniesst Engy sichtlich

fang an als sehr fürsorgliche Mutter und

schien mit ihrem Nachwuchs überfordert

len, nun noch einen grossen Bruder dazu-

bar durfte er dort keine schöne Junghun-

Hunden zeigte er sofort panische Angst.

die sanften Streicheleinheiten und fühlt

kümmerte sich mit grosser Hingabe um

zu sein. Da begann sich Blacky von sich

bekommen zu haben.

zendame vier Katzenbabys.

ben Zac scheint es ganz gut zu gefal-

Sie bewies sich von An-

Momentan leben die beiden Katzen-

dezeit erleben; seine neuen Besitzer küm-

Es brauchte viel Geduld und Zunei-

sich inzwischen wohl im Tierheim. Nun

ihren Nachwuchs. Selbst als die Kleinen

aus um die quirligen Babys zu kümmern

merten sich kaum richtig um ihn: Statt re-

gung vom Betreuungspersonal, bis Engy

kann er auch zeigen, was er möchte. Aller-

bereits Zähnchen hatten, liess sie die Jun-

und liess sie sogar bei sich säugen.

gelmässig mit ihm Spaziergänge zu un-

langsam aufzutauen begann. Stundenlang

dings ist er bei neuen, unbekannten Situa-

gen noch säugen. Doch nun war es wirk-

Damit noch nicht genug: Nachdem die

Jungtieren in einer Art Patchwork-Fami-

ternehmen, wurde er oft nur kurz vor die

sassen die Tierpflegerinnen bei ihm und

Feuerwehr unter einem Auto ein verlasse-

lie, als sei dies das Normalste der Welt. Lea

versuchten, ihn mit der Hand zu füttern.

und von ihrer Mutter zu trennen. Aber

nes, erst acht Wochen altes Kätzchen ein-

reagiert überhaupt nicht eifersüchtig und

jemand zu Besuch, wurde er einfach in ein

Erst nach Wochen durfte ihn seine Haupt-

tionen immer noch rasch verunsichert.Tierschutzverein Kreuzlingen und Umgebung, Tierheim Altnau

lich an der Zeit, die Kleinen zu entwöhnen

Türe gesetzt, um sich zu versäubern. Kam

Blacky vermisste ihre Kinder sehr.

fing und über die Polizei dem Katzenheim

macht eher einen entlasteten Eindruck,

Ein aussergewöhnliches Rentnerpaar

8

Weil ihre Besitzerin ins Ausland

nander verbunden und liegen sogar zum

ging und ihre beiden alten Kat-

Schlafen eng aneinandergekuschelt am

zen nicht mitnehmen konnte,

selben Platz.

landeten die 15-jährige Gizma

Doch heute ist es Tomy, der seine Mut-

und ihr 14 Jahre alter Sohn

ter beschützt, falls ihr eine fremde Katze

Tomy in der Auffangstation

zu nahe kommt oder ihm sonst eine Si-

des Tierschutzvereins Winter-

tuation bedrohlich erscheint. Die beiden

thur. Es ist eine ungewöhnli-

putzen sich auch innig gegenseitig. Gizma

che Beziehung: Von Beginn an

leidet aufgrund ihres hohen Alters an ei-

sind die beiden sehr eng mitei-

ner Schilddrüsenüberfunktion und muss

TIERREPORT 4/2011

mütter harmonisch zusammen mit den

Der Zufall wollte es, dass in diesem

übergab, akzeptierte Blacky problemlos

wenn sich gerade Blacky um die herum-

Moment die gleichaltrige Kätzin Lea mit

auch diesen Winzling und kümmert sich

wuselnde Rasselbande kümmert.-

vier Jungen ins Katzenheim kam. Lea

seither um Zansibar wie selbstverständ-

Tierschutzbund Basel, Katzenheim

Haben Sie Mitleid mit versehrten und alten Heimtieren! Viele Hunde und Katzen stehen auf der Schattenseite des Lebens. Weil sie entweder alt, krank, behindert sind oder aufgrund ihrer Lebensgeschichte einen schwierigen Charakter haben, wollen sie die Besitzer einfach loswerden. Doch auch diese Tiere haben ein Lebensrecht. In den STS-Sektionen geben sich die

TIERREPORT 4/2011

Mitarbeitenden der Tierheime alle Mühe, selbst noch so hoffnungslose Fälle zu vermitteln. Doch manchmal bleibt das Tierheim die letzte Station für solche Tiere. Bitte helfen Sie mit Ihrem Beitrag mit, dass auch solche Tiere weiterleben dürfen und wenigstens im Tierheim ihren Platz behalten!

9


Von Katzenjammer und Hundeelend Immer mehr Katzen und Hunde werden von ihren ehemaligen Besitzern in Tierheime abgeschoben. Sie gelten als sogenannte «Verzichtstiere». Gründe dafür: Die Tiere passen plötzlich nicht mehr ins eigene Lebenskonzept, sind vielleicht schon alt oder krank und werden nur noch als mühsame Belastung wahrgenommen.

Sind es bei Engy Kummerfalten?

deshalb täglich ihr lebenswichtiges Me-

schon ein Jahr im Tierheim, als ein Wink

Beginn noch etwas scheu und ängstlich.

dikament verabreicht bekommen. Die ge-

des Schicksals kam: Ein Ehepaar mit ei-

Doch mittlerweile lässt auch er sich strei-

sundheitlichen Probleme, das hohe Alter

nem Einfamilienhaus zeigte sich bereit,

cheln. So dürfen Tomy und Gizma ihren

und die Tatsache, dass es die zwei Katzen

dem ungewöhnlichen Paar bei sich ein

Lebensabend gemeinsam geniessen, wie

nur im «Doppelpack» gibt, liessen kaum

neues Zuhause zu bieten. Da können die

sie es schon immer gewohnt waren.

Hoffnung zu, dass sie je noch weiterver-

Katzen-Senioren sogar ins Freie, was sie

Tierschutzverein Winterthur und

mittelt werden könnten. Sie verbrachten

allerdings nur selten nützen. Tomy war zu

Umgebung -

Die Patchwork-Familie Dies könnte schon fast so etwas wie ein Weihnachtsmärchen sein: Nach einer langen Odyssee über Spanien

Engy ist ein mittlerweile achtjähriger chi-

und Frankreich gelangte die

anderes Zimmer gesperrt.

nesischer Shar Pei-Rüde. Typisch für diese

Als die Familie von einem

hochträchtige Katzenmutter

Rasse sind die ausgeprägten Falten, be-

Einfamilienhaus in eine Miet-

Blacky schliesslich ins Basler

sonders am Kopf, aber auch am übrigen

wohnung umzog, schoben ihn

Katzenheim an der Schiller-

Körper. Doch bei diesem Hund könnten es

seine Besitzer vor drei Jahren

strasse. Nur zwei Tage spä-

lich, als sei er ihr eigenes Junges. Den

durchaus auch Sorgenfalten sein…

einfach ins Tierheim ab. Zu

ter gebar die dreijährige Kat-

drei Katzenmädchen Wendy, Fleure und Tinkerbelle sowie dem Katzenbu-

Engy war erst sechs Wochen alt, als

Beginn reagierte Engy extrem scheu und

bezugsperson endlich anfassen und er be-

er von einem Züchter aus Tschechien zu

ängstlich. Vor fremden Menschen fürch-

gann sich allmählich etwas zu entspan-

einer Familie in der Schweiz kam. Offen-

tete er sich sehr, und selbst vor anderen

nen. Mittlerweile geniesst Engy sichtlich

fang an als sehr fürsorgliche Mutter und

schien mit ihrem Nachwuchs überfordert

len, nun noch einen grossen Bruder dazu-

bar durfte er dort keine schöne Junghun-

Hunden zeigte er sofort panische Angst.

die sanften Streicheleinheiten und fühlt

kümmerte sich mit grosser Hingabe um

zu sein. Da begann sich Blacky von sich

bekommen zu haben.

zendame vier Katzenbabys.

ben Zac scheint es ganz gut zu gefal-

Sie bewies sich von An-

Momentan leben die beiden Katzen-

dezeit erleben; seine neuen Besitzer küm-

Es brauchte viel Geduld und Zunei-

sich inzwischen wohl im Tierheim. Nun

ihren Nachwuchs. Selbst als die Kleinen

aus um die quirligen Babys zu kümmern

merten sich kaum richtig um ihn: Statt re-

gung vom Betreuungspersonal, bis Engy

kann er auch zeigen, was er möchte. Aller-

bereits Zähnchen hatten, liess sie die Jun-

und liess sie sogar bei sich säugen.

gelmässig mit ihm Spaziergänge zu un-

langsam aufzutauen begann. Stundenlang

dings ist er bei neuen, unbekannten Situa-

gen noch säugen. Doch nun war es wirk-

Damit noch nicht genug: Nachdem die

Jungtieren in einer Art Patchwork-Fami-

ternehmen, wurde er oft nur kurz vor die

sassen die Tierpflegerinnen bei ihm und

Feuerwehr unter einem Auto ein verlasse-

lie, als sei dies das Normalste der Welt. Lea

versuchten, ihn mit der Hand zu füttern.

und von ihrer Mutter zu trennen. Aber

nes, erst acht Wochen altes Kätzchen ein-

reagiert überhaupt nicht eifersüchtig und

jemand zu Besuch, wurde er einfach in ein

Erst nach Wochen durfte ihn seine Haupt-

tionen immer noch rasch verunsichert.Tierschutzverein Kreuzlingen und Umgebung, Tierheim Altnau

lich an der Zeit, die Kleinen zu entwöhnen

Türe gesetzt, um sich zu versäubern. Kam

Blacky vermisste ihre Kinder sehr.

fing und über die Polizei dem Katzenheim

macht eher einen entlasteten Eindruck,

Ein aussergewöhnliches Rentnerpaar

8

Weil ihre Besitzerin ins Ausland

nander verbunden und liegen sogar zum

ging und ihre beiden alten Kat-

Schlafen eng aneinandergekuschelt am

zen nicht mitnehmen konnte,

selben Platz.

landeten die 15-jährige Gizma

Doch heute ist es Tomy, der seine Mut-

und ihr 14 Jahre alter Sohn

ter beschützt, falls ihr eine fremde Katze

Tomy in der Auffangstation

zu nahe kommt oder ihm sonst eine Si-

des Tierschutzvereins Winter-

tuation bedrohlich erscheint. Die beiden

thur. Es ist eine ungewöhnli-

putzen sich auch innig gegenseitig. Gizma

che Beziehung: Von Beginn an

leidet aufgrund ihres hohen Alters an ei-

sind die beiden sehr eng mitei-

ner Schilddrüsenüberfunktion und muss

TIERREPORT 4/2011

mütter harmonisch zusammen mit den

Der Zufall wollte es, dass in diesem

übergab, akzeptierte Blacky problemlos

wenn sich gerade Blacky um die herum-

Moment die gleichaltrige Kätzin Lea mit

auch diesen Winzling und kümmert sich

wuselnde Rasselbande kümmert.-

vier Jungen ins Katzenheim kam. Lea

seither um Zansibar wie selbstverständ-

Tierschutzbund Basel, Katzenheim

Haben Sie Mitleid mit versehrten und alten Heimtieren! Viele Hunde und Katzen stehen auf der Schattenseite des Lebens. Weil sie entweder alt, krank, behindert sind oder aufgrund ihrer Lebensgeschichte einen schwierigen Charakter haben, wollen sie die Besitzer einfach loswerden. Doch auch diese Tiere haben ein Lebensrecht. In den STS-Sektionen geben sich die

TIERREPORT 4/2011

Mitarbeitenden der Tierheime alle Mühe, selbst noch so hoffnungslose Fälle zu vermitteln. Doch manchmal bleibt das Tierheim die letzte Station für solche Tiere. Bitte helfen Sie mit Ihrem Beitrag mit, dass auch solche Tiere weiterleben dürfen und wenigstens im Tierheim ihren Platz behalten!

9


istockphoto

+++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news

Jugendgewalt

Wir gratulie ren!

Tierquälerei und Gewaltdelikte Jugendliche, die schon einmal Tiere ge-

Schweizer Daten einer internationalen De-

Schnecken. Jugendliche, die bereits ein Tier

quält haben, begehen dreimal häufiger ge-

linquenz-Studie aus. 17% der Knaben und

gequält haben, gaben auch dreimal häu-

walttätige Delikte als tierliebende Knaben

8% der Mädchen gaben an, schon einmal

figer an, schon einmal Vandalismus oder

und Mädchen. Zu diesem Schluss kommt

vorsätzlich ein Tier gequält zu haben. In

eine Gewalttat verübt zu haben. Etwas we-

eine Befragung von über 3600 Schülerin-

29% der Fälle waren die traktierten Kre-

niger stark ausgeprägt (1,5- bis 2-fach er-

nen und Schülern aus zwanzig Schweizer

aturen Katzen, Hunde oder andere Haus-

höhtes Risiko) war die Korrelation für we-

Kantonen. Die Kriminologen Martin Killias

tiere. 18% betrafen Fische, Frösche oder Ei-

niger gravierende Straftaten wie Laden-

von der Universität Zürich und Sonia Lu-

dechsen, 11% Vögel und der Rest Insekten

diebstahl, Vermögensdelikte, Betrug oder

cia von der Universität Genf werteten die

und Wirbellose wie Ameisen, Fliegen oder

Erpressung.

Or n i t h o l o g i e

istockphoto

Hanno Würbel zum TierschutzProfessor gewählt

Robbenjagd

Vogel-Füttern verlängert Schlaf

Erneuter Vorstoss im Parlament

Gefütterte Kohlmeisenmännchen fangen

her so zusammengefasst: «Wer Vögel füt-

Mit einer Motion wird der Bundesrat be-

wie vor äusserst grausam. Noch immer

Für die neu geschaffene ausseror-

durchschnittlich zwanzig Minuten später

tert, kann morgens länger schlafen.» Die

auftragt, im Einklang zur europäischen

werden die Tiere oft lebend an einem Ha-

dentliche Professur für Tierschutz

an zu singen als Artgenossen, die sich ihr

ersten Kohlmeisen beginnen schon kurz

Gesetzgebung (Verordnung des Europäi-

ken zu den Fangschiffen geschleppt und

an der Vetsuisse-Fakultät der Uni-

Futter selbst suchen müssen. Das belegt

nach Weihnachten, wenn die Tage wieder

schen Parlamentes und des Rates über den

anschliessend bei lebendigem Leib gehäu-

versität Bern hat die Universitäts-

eine neue Studie, die Zoologen der Uni-

länger werden, ihren Gesang zu üben. Im

Handel mit Robbenerzeugnissen vom 17.

tet.

leitung Hanno Würbel gewählt. Er

versität Basel kürzlich im Fachblatt «Ani-

Frühjahr zwitschern die Männchen dann,

Juli 2009) die rechtlichen Grundlagen so

Das Importverbot der EU hat bereits

hat zudem die Leitung der Abtei-

mal Behaviour» veröffentlicht haben. Die

um ihr Revier zu verteidigen und Weib-

zu ändern, dass die Ein- und Ausfuhr

einen deutlichen Rückgang der erlegten

lung für Tierschutz am Veteri-

Wissenschafter haben ihre Ergebnisse da-

chen anzulocken.

sämtlicher Robbenprodukte sowie deren

Tiere bewirkt: Wurden dereinst noch bis

nary Public Health-Institut über-

Handel in der Schweiz so schnell wie

zu 366 000 Robben pro Jagdsaison erlegt,

nommen.

möglich verboten werden.

betrug die Zahl im Jahre 2009 noch

Hanno Würbel hatte an der

Bereits heute kennt die Schweiz ein

72 400 und sank dann weiter, über 67 000

Universität Bern Biologie mit

Bundesrat

Gegendarstellung

Importverbot aus tierschützerischen Grün-

im Jahr 2010 auf 38 000 im Frühjahr 2011.

Schwerpunkt Zoologie studiert.

Gegen ein Enthornungsverbot

Artikel «Hummer lebendig gekocht» im Tierreport 3/2011

Damit ist die Wirksamkeit des Importver-

2002 berief ihn die Justus-Liebig

bots der EU belegt. Gleichzeitig wächst je-

Universität Giessen (D) als Profes-

befürwortet ein Importverbot mit klarer

doch die Gefahr, dass sich der Handel nun

sor für Tierschutz und Ethologie.

Der Bundesrat erachtet das Enthornen

mit Mehrkosten verbunden. Auch müsste

Mehrheit, denn die Robbenjagd ist nach

teilweise in die Schweiz verlagern könnte.

Dort war er unter anderem auch

von Kälbern und ausgewachsenen Rin-

für eine Haltung von behornten Rin-

Zentraler Tierschutzbeauftragter

dern als mit dem Tierschutzgesetz verein-

dern ausreichend Zeit in die Beziehung

und Direktor des Zentralen Tier-

bar. Auf eine von Nationalrat Daniel Jo-

Mensch-Tier investiert werden.

labors der Universität sowie Mit-

sitsch (SP/ZH) eingereichte Interpellation

Glarus

glied der Tierschutzkommission

zum Thema Enthornung von Rindern äus-

Landrat lehnt Stacheldrahtverbot ab

des Bundesministeriums für Ver-

serte sich der Bundesrat ablehnend zu ei-

braucherschutz.

nem allfälligen Verbot des Enthornens.

Seine Forschungen zur Ver-

Sofern gewisse Bedingungen wie ein

«Die Behauptung, dass gemäss

Ein Stacheldrahtverbot brauche es nicht,

sunden Menschenverstand» setzen, vom

besserung der Haltungsbedin-

anerkannter Sachkundeausweis und ein

Tierschutzgesetz Hummer vor der

findet der Glarner Landrat. Vor einem

Kanton aus soll es ein Merkblatt geben.

gungen für Versuchstiere und der

schmerzfreier Eingriff erfüllt würden, sei

Tötung betäubt werden müssen,

kag freiland

den: So ist die Einfuhr von Hunden- und Katzenfellen untersagt. Die Bevölkerung

Jahr wogte die Diskussion im Landrat

Die Glarner Jäger setzten schon

Aussagekraft von Tierversuchen

das Enthornen zulässig und keine Miss-

ist falsch. Ebenfalls falsch ist, dass

und in den Leserbriefspalten hoch. Die

mehrfach ihren Hegearbeitstag für das

wurden 2005 mit dem Hessischen

achtung der Tierwürde. Bei der Interes-

gegen das Hotel Eden Roc in As-

Frage war: Sollte ein Stacheldrahtverbot

Einsammeln von Restbeständen rosti-

Tierschutz-Forschungspreis und

sensabwägung sei zudem die Verletzungs-

cona ein Strafverfahren eingelei-

ausgesprochen werden, wie es die CVP-

ger Zäune ein. Trotzdem gebe es immer

2009 mit dem Felix-Wankel-

gefahr von Mensch und Tier nach wie vor

tet wurde.»

Motion forderte, oder nicht? Die Mehr-

noch Stacheldraht, der sogar über Wege

Tierschutz-Forschungspreis aus-

von Bedeutung.

Daniel Schälli,

heit entschied sich dagegen. Die drei Ge-

gespannt sei – so schrieb die «Südost-

gezeichnet.

meinden wollen angeblich auf den «ge-

schweiz».

10

Bauliche Massnahmen könnten zwar

Direktor Hotel Eden Roc

die Gefahr reduzieren, doch seien diese

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

11


istockphoto

+++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news

Jugendgewalt

Wir gratulie ren!

Tierquälerei und Gewaltdelikte Jugendliche, die schon einmal Tiere ge-

Schweizer Daten einer internationalen De-

Schnecken. Jugendliche, die bereits ein Tier

quält haben, begehen dreimal häufiger ge-

linquenz-Studie aus. 17% der Knaben und

gequält haben, gaben auch dreimal häu-

walttätige Delikte als tierliebende Knaben

8% der Mädchen gaben an, schon einmal

figer an, schon einmal Vandalismus oder

und Mädchen. Zu diesem Schluss kommt

vorsätzlich ein Tier gequält zu haben. In

eine Gewalttat verübt zu haben. Etwas we-

eine Befragung von über 3600 Schülerin-

29% der Fälle waren die traktierten Kre-

niger stark ausgeprägt (1,5- bis 2-fach er-

nen und Schülern aus zwanzig Schweizer

aturen Katzen, Hunde oder andere Haus-

höhtes Risiko) war die Korrelation für we-

Kantonen. Die Kriminologen Martin Killias

tiere. 18% betrafen Fische, Frösche oder Ei-

niger gravierende Straftaten wie Laden-

von der Universität Zürich und Sonia Lu-

dechsen, 11% Vögel und der Rest Insekten

diebstahl, Vermögensdelikte, Betrug oder

cia von der Universität Genf werteten die

und Wirbellose wie Ameisen, Fliegen oder

Erpressung.

Or n i t h o l o g i e

istockphoto

Hanno Würbel zum TierschutzProfessor gewählt

Robbenjagd

Vogel-Füttern verlängert Schlaf

Erneuter Vorstoss im Parlament

Gefütterte Kohlmeisenmännchen fangen

her so zusammengefasst: «Wer Vögel füt-

Mit einer Motion wird der Bundesrat be-

wie vor äusserst grausam. Noch immer

Für die neu geschaffene ausseror-

durchschnittlich zwanzig Minuten später

tert, kann morgens länger schlafen.» Die

auftragt, im Einklang zur europäischen

werden die Tiere oft lebend an einem Ha-

dentliche Professur für Tierschutz

an zu singen als Artgenossen, die sich ihr

ersten Kohlmeisen beginnen schon kurz

Gesetzgebung (Verordnung des Europäi-

ken zu den Fangschiffen geschleppt und

an der Vetsuisse-Fakultät der Uni-

Futter selbst suchen müssen. Das belegt

nach Weihnachten, wenn die Tage wieder

schen Parlamentes und des Rates über den

anschliessend bei lebendigem Leib gehäu-

versität Bern hat die Universitäts-

eine neue Studie, die Zoologen der Uni-

länger werden, ihren Gesang zu üben. Im

Handel mit Robbenerzeugnissen vom 17.

tet.

leitung Hanno Würbel gewählt. Er

versität Basel kürzlich im Fachblatt «Ani-

Frühjahr zwitschern die Männchen dann,

Juli 2009) die rechtlichen Grundlagen so

Das Importverbot der EU hat bereits

hat zudem die Leitung der Abtei-

mal Behaviour» veröffentlicht haben. Die

um ihr Revier zu verteidigen und Weib-

zu ändern, dass die Ein- und Ausfuhr

einen deutlichen Rückgang der erlegten

lung für Tierschutz am Veteri-

Wissenschafter haben ihre Ergebnisse da-

chen anzulocken.

sämtlicher Robbenprodukte sowie deren

Tiere bewirkt: Wurden dereinst noch bis

nary Public Health-Institut über-

Handel in der Schweiz so schnell wie

zu 366 000 Robben pro Jagdsaison erlegt,

nommen.

möglich verboten werden.

betrug die Zahl im Jahre 2009 noch

Hanno Würbel hatte an der

Bereits heute kennt die Schweiz ein

72 400 und sank dann weiter, über 67 000

Universität Bern Biologie mit

Bundesrat

Gegendarstellung

Importverbot aus tierschützerischen Grün-

im Jahr 2010 auf 38 000 im Frühjahr 2011.

Schwerpunkt Zoologie studiert.

Gegen ein Enthornungsverbot

Artikel «Hummer lebendig gekocht» im Tierreport 3/2011

Damit ist die Wirksamkeit des Importver-

2002 berief ihn die Justus-Liebig

bots der EU belegt. Gleichzeitig wächst je-

Universität Giessen (D) als Profes-

befürwortet ein Importverbot mit klarer

doch die Gefahr, dass sich der Handel nun

sor für Tierschutz und Ethologie.

Der Bundesrat erachtet das Enthornen

mit Mehrkosten verbunden. Auch müsste

Mehrheit, denn die Robbenjagd ist nach

teilweise in die Schweiz verlagern könnte.

Dort war er unter anderem auch

von Kälbern und ausgewachsenen Rin-

für eine Haltung von behornten Rin-

Zentraler Tierschutzbeauftragter

dern als mit dem Tierschutzgesetz verein-

dern ausreichend Zeit in die Beziehung

und Direktor des Zentralen Tier-

bar. Auf eine von Nationalrat Daniel Jo-

Mensch-Tier investiert werden.

labors der Universität sowie Mit-

sitsch (SP/ZH) eingereichte Interpellation

Glarus

glied der Tierschutzkommission

zum Thema Enthornung von Rindern äus-

Landrat lehnt Stacheldrahtverbot ab

des Bundesministeriums für Ver-

serte sich der Bundesrat ablehnend zu ei-

braucherschutz.

nem allfälligen Verbot des Enthornens.

Seine Forschungen zur Ver-

Sofern gewisse Bedingungen wie ein

«Die Behauptung, dass gemäss

Ein Stacheldrahtverbot brauche es nicht,

sunden Menschenverstand» setzen, vom

besserung der Haltungsbedin-

anerkannter Sachkundeausweis und ein

Tierschutzgesetz Hummer vor der

findet der Glarner Landrat. Vor einem

Kanton aus soll es ein Merkblatt geben.

gungen für Versuchstiere und der

schmerzfreier Eingriff erfüllt würden, sei

Tötung betäubt werden müssen,

kag freiland

den: So ist die Einfuhr von Hunden- und Katzenfellen untersagt. Die Bevölkerung

Jahr wogte die Diskussion im Landrat

Die Glarner Jäger setzten schon

Aussagekraft von Tierversuchen

das Enthornen zulässig und keine Miss-

ist falsch. Ebenfalls falsch ist, dass

und in den Leserbriefspalten hoch. Die

mehrfach ihren Hegearbeitstag für das

wurden 2005 mit dem Hessischen

achtung der Tierwürde. Bei der Interes-

gegen das Hotel Eden Roc in As-

Frage war: Sollte ein Stacheldrahtverbot

Einsammeln von Restbeständen rosti-

Tierschutz-Forschungspreis und

sensabwägung sei zudem die Verletzungs-

cona ein Strafverfahren eingelei-

ausgesprochen werden, wie es die CVP-

ger Zäune ein. Trotzdem gebe es immer

2009 mit dem Felix-Wankel-

gefahr von Mensch und Tier nach wie vor

tet wurde.»

Motion forderte, oder nicht? Die Mehr-

noch Stacheldraht, der sogar über Wege

Tierschutz-Forschungspreis aus-

von Bedeutung.

Daniel Schälli,

heit entschied sich dagegen. Die drei Ge-

gespannt sei – so schrieb die «Südost-

gezeichnet.

meinden wollen angeblich auf den «ge-

schweiz».

10

Bauliche Massnahmen könnten zwar

Direktor Hotel Eden Roc

die Gefahr reduzieren, doch seien diese

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

11


istockphoto

fws

gewöhnlichen Tiere an drei Stellen beob-

Farmer. Auch heute noch pilgern Rechts-

achten: Am Salt Creek, im Devils Hole (nur

studenten zum Devils Hole, um den Fisch

von weitem, da zum Schutz der Fische ab-

zu besichtigen, der einst das höchste Ge-

gesperrt) und im unwirklich blau-grünen

richt beschäftigt hatte.

King’s Pool des Ash Meadow-Naturschutzgebietes, gleich neben dem Death Valley

Labile Situation

Nationalpark.

Trotz dieses Urteils bleibt die Frage, ob der Fisch noch gerettet werden kann: 2006

«Pupfish», also Welpenfisch. So benannt,

zählten die Wissenschafter nur noch 38 Ex-

waiblinger

Auf Englisch heissen die Wüstenfische weil die Männchen in ihrem Werbetanz

emplare, 2008 wieder 127 und 2011 immer-

um die Weibchen ein bisschen wie Wel-

hin 104 Stück. Die Populationen schwan-

pen wedeln. Auf Deutsch nennt man sie

ken mit den Jahreszeiten. In zwei Refugien

Kärpflinge.

ausserhalb des Devils Hole werden die Fische nachgezüchtet, und im Devils Hole

Von der Entwicklung abgeschnitten

selbst hat sich das Zufüttern der Teufelskärpflinge mit speziellem Futter bewährt.

Vor 3,5 Millionen Jahren war das Death

Allerdings kann das kleinste Unglück

Valley durch einen riesigen Süsswassersee

im Teufelsloch das Ende der Fische besie-

geflutet, den Lake Manly. Doch im späten

geln. 2004 starben 80 Fische durch eine

Pleistozän (gegen Ende der letzten Eiszeit)

Fehlfunktion der installierten Überwa-

trocknete die Gegend zunehmend aus.

chungstechnik. Bei einer so winzigen Po-

Manche Fische verpassten dabei den Anschluss an den Rückzug aus der Wüste. Zurück blieben in den immer kleiner

Devils Hole: In einem unscheinbaren Loch mitten in der Wüste versteckt sich die 500 m tiefe Welt der Welpenfische.

Mitten im Death Valley in der Wüste von Nevada leben kleine blaue Fische. Wie gelangten die Wassertiere überhaupt in die Wüste, und wie überleben sie in dieser unwirtlichen Gegend?

12

olin Feuerbacher

desstoss bedeuten. Deshalb ist der Zugang zum Devils Hole für die Öffentlichkeit verschlossen. Nur von weitem kann man die

werdenden Gewässern isolierte Gruppen

In der Todeswüste schwimmen Fische

pulation kann so ein Zwischenfall den To-

von Kärpflingen, die sich an die verän-

zu bewässern. Ausserdem saugten grosse

Fische durch ein Gitter mit dem Feldstecher

dernden Umweltbedingungen anpassten:

Städte wie Las Vegas immer mehr an den

beobachten.

diejenigen im Salt Creek an immer salzi-

raren Grundwasserreserven.

geres Wasser und die im Devils Hole an

Die winzigen Gewässer, in denen die

Süsswasser mit hohen Temperaturen zwi-

Wüstenfische leben, werden von Quellen

Pupfish als Beispiel für die Evolution

schen 32 und 34 °C.

versorgt, die durch den Wasserverbrauch

Mancher mag sich fragen, ob sich der

Der stark bedrohte Devils Hole Pup-

langsam, aber sicher versiegten. Der Was-

Aufwand zum Schutz von so wenigen Fi-

fish lebt in einer wassergefüllten Fels-

serspiegel sank, die Fischpopulation brach

schen lohnt, die sowieso immer am Rande

höhle, die an der Oberfläche nur gerade

entsprechend ein.

des Aussterbens balancieren. Braucht die

zwei mal acht Meter umfasst. Das Höh-

Welt den Devils Hole Pupfish?

mindestens 500 Meter. Zwei Taucher, die

Historischer Sieg für den Naturschutz

uns eine lange Geschichte zu erzählen

Das Death Valley trägt seinen Namen nicht

das Ausmass der Höhle erforschen woll-

Naturschützer und Landbesitzer kämpf-

von dem See, der war, bevor alles zur

umsonst: Im Sommer verwandelt sich das

ten, tauchten nie mehr auf …

ten mit harten Bandagen. Kleber auf Au-

Wüste wurde. Zweitens lässt er uns die

tos zeigten, wer welcher Seite angehörte:

Zusammenhänge verstehen, wie Tierarten

lensystem darunter ist aber sehr, sehr tief:

Tal, eine Landsenke inmitten der Wüste von

Wir meinen: ja, denn erstens hat er

Nevada im Westen der USA, in einen Glut-

Am Rande des Aussterbens

«Save the Pupfish» gegen «Kill the Pup-

entstehen und wie Tiere überleben und ist

ofen. Dabei sind 46 °C normal, die Maxi-

Es lebten nie sehr viele Fische im Devils

fish». So wurde der Devils Hole Pupfish

damit ein lebendiges Beispiel dafür, wie

maltemperatur liegt bei 57 °C. Im Winter

Hole, vielleicht maximal 500 Exemplare.

1967 zum Gegenstand eines heftigen

die Evolution funktioniert.

sind die Temperaturen annehmbar: tags-

Diese Fischart existiert nur genau dort, im

Streites vor dem amerikanischen Supreme

Und drittens: Wenn nicht beim Devils

über 15 bis 18 °C, nachts knapp über dem

Devils Hole, nirgends sonst auf der gan-

Court und gleichzeitig zum Symbol der

Hole Pupfish anfangen, bedrohte Tiere

Gefrierpunkt.

zen Welt. Die Kiementräger ernähren sich

Umweltbewegung.

und ihren Lebensraum zu schützen, wo

von Algen und winzigen Krebschen.

Einzigartige Wüstenfische

Das Urteil fiel zugunsten des Pup-

dann? Es ist ein Wunder, dass diese Fische

In den 60er Jahren schlugen Umwelt-

fish aus, die Farmer verloren den Prozess.

in der Wüste überleben konnten. Über die-

In dieser lebensfeindlichen Umgebung er-

schützer erstmals Alarm. Die Anzahl der

Denn das höchste Gericht der USA stellte

ses Wunder sollten auch dereinst unsere

wartet man nur wenige Tiere anzutreffen,

Fische nahm dramatisch ab. Die Ursa-

den Fisch unter Schutz und reduzierte das

Nachkommen noch staunen dürfen. -

Fische am allerwenigsten. Dennoch kann

che dafür: Landbesitzer in der Umgebung

Abpumpen von Grundwasser in der Um-

Eva Waiblinger

ein naturinteressierter Tourist diese ausser-

pumpten Grundwasser ab, um ihre Felder

gebung, zum Leidwesen der ansässigen

STS-Fachstelle Heimtiere

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

13


istockphoto

fws

gewöhnlichen Tiere an drei Stellen beob-

Farmer. Auch heute noch pilgern Rechts-

achten: Am Salt Creek, im Devils Hole (nur

studenten zum Devils Hole, um den Fisch

von weitem, da zum Schutz der Fische ab-

zu besichtigen, der einst das höchste Ge-

gesperrt) und im unwirklich blau-grünen

richt beschäftigt hatte.

King’s Pool des Ash Meadow-Naturschutzgebietes, gleich neben dem Death Valley

Labile Situation

Nationalpark.

Trotz dieses Urteils bleibt die Frage, ob der Fisch noch gerettet werden kann: 2006

«Pupfish», also Welpenfisch. So benannt,

zählten die Wissenschafter nur noch 38 Ex-

waiblinger

Auf Englisch heissen die Wüstenfische weil die Männchen in ihrem Werbetanz

emplare, 2008 wieder 127 und 2011 immer-

um die Weibchen ein bisschen wie Wel-

hin 104 Stück. Die Populationen schwan-

pen wedeln. Auf Deutsch nennt man sie

ken mit den Jahreszeiten. In zwei Refugien

Kärpflinge.

ausserhalb des Devils Hole werden die Fische nachgezüchtet, und im Devils Hole

Von der Entwicklung abgeschnitten

selbst hat sich das Zufüttern der Teufelskärpflinge mit speziellem Futter bewährt.

Vor 3,5 Millionen Jahren war das Death

Allerdings kann das kleinste Unglück

Valley durch einen riesigen Süsswassersee

im Teufelsloch das Ende der Fische besie-

geflutet, den Lake Manly. Doch im späten

geln. 2004 starben 80 Fische durch eine

Pleistozän (gegen Ende der letzten Eiszeit)

Fehlfunktion der installierten Überwa-

trocknete die Gegend zunehmend aus.

chungstechnik. Bei einer so winzigen Po-

Manche Fische verpassten dabei den Anschluss an den Rückzug aus der Wüste. Zurück blieben in den immer kleiner

Devils Hole: In einem unscheinbaren Loch mitten in der Wüste versteckt sich die 500 m tiefe Welt der Welpenfische.

Mitten im Death Valley in der Wüste von Nevada leben kleine blaue Fische. Wie gelangten die Wassertiere überhaupt in die Wüste, und wie überleben sie in dieser unwirtlichen Gegend?

12

olin Feuerbacher

desstoss bedeuten. Deshalb ist der Zugang zum Devils Hole für die Öffentlichkeit verschlossen. Nur von weitem kann man die

werdenden Gewässern isolierte Gruppen

In der Todeswüste schwimmen Fische

pulation kann so ein Zwischenfall den To-

von Kärpflingen, die sich an die verän-

zu bewässern. Ausserdem saugten grosse

Fische durch ein Gitter mit dem Feldstecher

dernden Umweltbedingungen anpassten:

Städte wie Las Vegas immer mehr an den

beobachten.

diejenigen im Salt Creek an immer salzi-

raren Grundwasserreserven.

geres Wasser und die im Devils Hole an

Die winzigen Gewässer, in denen die

Süsswasser mit hohen Temperaturen zwi-

Wüstenfische leben, werden von Quellen

Pupfish als Beispiel für die Evolution

schen 32 und 34 °C.

versorgt, die durch den Wasserverbrauch

Mancher mag sich fragen, ob sich der

Der stark bedrohte Devils Hole Pup-

langsam, aber sicher versiegten. Der Was-

Aufwand zum Schutz von so wenigen Fi-

fish lebt in einer wassergefüllten Fels-

serspiegel sank, die Fischpopulation brach

schen lohnt, die sowieso immer am Rande

höhle, die an der Oberfläche nur gerade

entsprechend ein.

des Aussterbens balancieren. Braucht die

zwei mal acht Meter umfasst. Das Höh-

Welt den Devils Hole Pupfish?

mindestens 500 Meter. Zwei Taucher, die

Historischer Sieg für den Naturschutz

uns eine lange Geschichte zu erzählen

Das Death Valley trägt seinen Namen nicht

das Ausmass der Höhle erforschen woll-

Naturschützer und Landbesitzer kämpf-

von dem See, der war, bevor alles zur

umsonst: Im Sommer verwandelt sich das

ten, tauchten nie mehr auf …

ten mit harten Bandagen. Kleber auf Au-

Wüste wurde. Zweitens lässt er uns die

tos zeigten, wer welcher Seite angehörte:

Zusammenhänge verstehen, wie Tierarten

lensystem darunter ist aber sehr, sehr tief:

Tal, eine Landsenke inmitten der Wüste von

Wir meinen: ja, denn erstens hat er

Nevada im Westen der USA, in einen Glut-

Am Rande des Aussterbens

«Save the Pupfish» gegen «Kill the Pup-

entstehen und wie Tiere überleben und ist

ofen. Dabei sind 46 °C normal, die Maxi-

Es lebten nie sehr viele Fische im Devils

fish». So wurde der Devils Hole Pupfish

damit ein lebendiges Beispiel dafür, wie

maltemperatur liegt bei 57 °C. Im Winter

Hole, vielleicht maximal 500 Exemplare.

1967 zum Gegenstand eines heftigen

die Evolution funktioniert.

sind die Temperaturen annehmbar: tags-

Diese Fischart existiert nur genau dort, im

Streites vor dem amerikanischen Supreme

Und drittens: Wenn nicht beim Devils

über 15 bis 18 °C, nachts knapp über dem

Devils Hole, nirgends sonst auf der gan-

Court und gleichzeitig zum Symbol der

Hole Pupfish anfangen, bedrohte Tiere

Gefrierpunkt.

zen Welt. Die Kiementräger ernähren sich

Umweltbewegung.

und ihren Lebensraum zu schützen, wo

von Algen und winzigen Krebschen.

Einzigartige Wüstenfische

Das Urteil fiel zugunsten des Pup-

dann? Es ist ein Wunder, dass diese Fische

In den 60er Jahren schlugen Umwelt-

fish aus, die Farmer verloren den Prozess.

in der Wüste überleben konnten. Über die-

In dieser lebensfeindlichen Umgebung er-

schützer erstmals Alarm. Die Anzahl der

Denn das höchste Gericht der USA stellte

ses Wunder sollten auch dereinst unsere

wartet man nur wenige Tiere anzutreffen,

Fische nahm dramatisch ab. Die Ursa-

den Fisch unter Schutz und reduzierte das

Nachkommen noch staunen dürfen. -

Fische am allerwenigsten. Dennoch kann

che dafür: Landbesitzer in der Umgebung

Abpumpen von Grundwasser in der Um-

Eva Waiblinger

ein naturinteressierter Tourist diese ausser-

pumpten Grundwasser ab, um ihre Felder

gebung, zum Leidwesen der ansässigen

STS-Fachstelle Heimtiere

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

13


storch schweiz

keystone

freund Max Bloesch in Altreu mit einem Wiederansiedlungsprogramm. Er brachte junge Störche aus verschiedenen europä­ ischen Ländern und Nordafrika in seine Storchenstation und zog sie auf. Da die ersten freigelassenen Störche nicht mehr zur Station zurückkehrten, behielt der

Harte Winterzeit für Störche

«Storchenvater» die meisten Störche bis

Als Zugvögel verbringen Weissstörche den Winter normalerweise in Afrika. Manche bleiben aber selbst bei Schnee und Eis in Mitteleuropa und verlassen sich stellenweise auf Futterhilfen. Andere stranden auf spanischen Mülldeponien, wo sie von organischen Abfällen leben.

zur Brutreife im Gehege. Die Tiere verlo­ ren ihre Scheu vor dem Menschen ebenso wie ihren Zugtrieb und siedelten sich nach ihrer Freilassung in der Nähe der

Der Storch als Pauschaltourist: Überwintern «all inclusive» auf Mülldeponien in Spanien.

Aufzuchtstation an. Weitere Storchensta­ tionen wurden unter anderem in Uznach, Möhlin und Kleindietwil gegründet. Das Ansiedlungsprojekt verlief er­

terwegs oder in ihrem Winterquartier abge­

auf Mülldeponien fordert, dem zweifelhaf­

folgreich, sodass 1995 nach gründlicher

schossen, andere verunfallen durch Strom­

ten Schmaus der Störche in Spanien suk­

Analyse der Situation beschlossen wurde,

schläge an schlecht gesicherten Hochspan­

zessive ein Ende bereiten.

keine weiteren Störche mehr auszuwil­

nungsleitungen. In den letzten Jahren

Holger Schulz verfolgt den Wandel

dern und die früher übliche Zufütterung

zeigte sich auch, dass zahlreiche Störche

des Zugverhaltens und die Situation der

kontinuierlich abzubauen. So zogen die

über den Winter in Spanien bleiben, wo sie

Störche in Spanien im Rahmen des Pro­

Jungstörche zumindest teilweise im Au­

auf Reisfeldern und Müllkippen nach Nah­

jekts Storchenzug der Gesellschaft «Storch

gust in den Süden, und es kam zu spon­

rung suchen. Offenbar profitierten sie von

Schweiz». Er vermutet, dass die meisten der

tanen Ansiedlungen ausserhalb der Stor­

der Entstehung grosser Mülldeponien, die

spanischen Deponien in den nächsten Jah­

chenstationen. Seitdem konzentrieren

ihnen reichlich neue Nahrung bescherten.

ren «umgebaut» und den Störchen in Zu­

sich die Bemühungen der Storchenschüt­

Zu Tausenden hat der Storchenexperte

kunft deshalb keine oder nur noch sehr we­

zer darauf, die natürlichen Lebensräume

Dr. Holger Schulz schon Weissstörche auf

nig Nahrung bieten werden. Das hat zwei­

der Weissstörche zu fördern, sodass diese

einer einzelnen Mülldeponie in Spanien

fellos Auswirkungen auf den spanischen

wieder eigenständig in der Schweiz leben

gezählt, wo sie unter chaotischen Verhält­

Brutbestand, der wegen der Deponien stark

können.

nissen um Fressbares kämpften. Solange

angewachsen war. Und die hängengeblie­

Im Januar 2011 sorgten die Störche von

Wie Untersuchungen gezeigt haben, blei­

kalte Jahreszeit in Mitteleuropa verbrin­

dieses konzentrierte, aber wenig gesunde

benen schweizerischen Störche werden

Oetwil und Hombrechtikon für einiges

ben die überwinternden Störche vita­

gen. In Norddeutschland bleiben überwin­

Gefährliches Storchenleben

Nahrungsangebot besteht, scheinen sie es

voraussichtlich wieder zu ihrem normalen

mediales Aufsehen: Wenn Schnee liegt

ler und haben im kommenden Jahr mehr

ternde Störche offenbar die Ausnahme.

Wie alle Zugvögel absolvieren die Weiss­

dem beschwerlichen Umherstreifen vorzu­

Zugverhalten zurückkehren. Die Situation

und der Boden gefroren ist, sagte damals

Nachwuchs, wenn sie keine Futterhilfen

Ist dies eine Folge des Klimawandels,

störche eine gefährliche Reise, wenn sie in

ziehen. Nun soll eine EU-Verordnung, wel­

in Spanien bereitet den Storchenschützern

Heidi Katzbach, Präsidentin des Oetwiler

erhalten. Die Vögel können längere Hun­

und kommen die Vögel im mitteleuro­

ihr Winterquartier nach Afrika südlich der

che aus Klimaschutzgründen eine drasti­

grosse Sorgen und wird deshalb genau un­

Storchenvereins, müsse sie die Schreit­

gerperioden, denen sie in der Natur wäh­

päischen Winter weitgehend selber zu­

Sahara ziehen. Manche Vögel werden un­

sche Reduktion des organischen Materials

tersucht. -Esther Wullschleger Schättin

vögel jeden Tag füttern. Zum Fütterter­

rend ihres anstrengenden Zuges ebenfalls

recht? Bewegen ehemalige Zuchtstörche

min in Oetwil erschienen jedoch jeweils

ausgesetzt sind, gut überstehen.

aus Storchenstationen, die sich auf Fut­

auch einige Störche aus Hombrechtikon

terstellen verlassen, ihre Artgenossen zum

oder Mönchaltorf, wo kein entsprechen­

Warum ziehen sie nicht weg?

Verbleiben? Oder beruht das veränderte

des Angebot verfügbar war.

Von Natur aus würde der Weissstorch im

Zugverhalten, zumindest in der Schweiz,

Der Hombrechtiker «Storchenvater»

August in den Süden ziehen. Mit der Win­

auf der besonderen Herkunft dieser Tiere?

Max Zumbühl erklärte, er wolle die Wild­

terkälte käme er zwar gut zurecht, doch

Schliesslich geht die heutige Schweizer

vögel nicht verwöhnen, damit sie nicht

findet der grosse Schreitvogel bei ge­

Storchenpopulation fast ausschliesslich

gänzlich vom Menschen abhängig wür­

schlossener Schneedecke und strengem,

auf Individuen zurück, welche einst aus

den und irgendwann nicht mehr gen Sü­

anhaltendem Frost zu kaum Nahrung wie

dem Ausland geholt und vorübergehend

den zögen.

Mäuse, Regenwürmer, Schnecken oder an­

in Gehegen gezüchtet wurden.

Wissenschaftler der Vogelwarte, des

dere Kleintiere. Nun wird aus Süddeutsch­

Um 1950 war der Weissstorch in der

BAFU und Peter Enggist von Storch

land und der Schweiz immer wieder von

Schweiz ausgestorben. Daraufhin begann

Schweiz lehnen Fütterungen strikt ab.

«Winterstörchen» berichtet, welche die

der Lehrer und passionierte Storchen­

14

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

15


storch schweiz

keystone

freund Max Bloesch in Altreu mit einem Wiederansiedlungsprogramm. Er brachte junge Störche aus verschiedenen europä­ ischen Ländern und Nordafrika in seine Storchenstation und zog sie auf. Da die ersten freigelassenen Störche nicht mehr zur Station zurückkehrten, behielt der

Harte Winterzeit für Störche

«Storchenvater» die meisten Störche bis

Als Zugvögel verbringen Weissstörche den Winter normalerweise in Afrika. Manche bleiben aber selbst bei Schnee und Eis in Mitteleuropa und verlassen sich stellenweise auf Futterhilfen. Andere stranden auf spanischen Mülldeponien, wo sie von organischen Abfällen leben.

zur Brutreife im Gehege. Die Tiere verlo­ ren ihre Scheu vor dem Menschen ebenso wie ihren Zugtrieb und siedelten sich nach ihrer Freilassung in der Nähe der

Der Storch als Pauschaltourist: Überwintern «all inclusive» auf Mülldeponien in Spanien.

Aufzuchtstation an. Weitere Storchensta­ tionen wurden unter anderem in Uznach, Möhlin und Kleindietwil gegründet. Das Ansiedlungsprojekt verlief er­

terwegs oder in ihrem Winterquartier abge­

auf Mülldeponien fordert, dem zweifelhaf­

folgreich, sodass 1995 nach gründlicher

schossen, andere verunfallen durch Strom­

ten Schmaus der Störche in Spanien suk­

Analyse der Situation beschlossen wurde,

schläge an schlecht gesicherten Hochspan­

zessive ein Ende bereiten.

keine weiteren Störche mehr auszuwil­

nungsleitungen. In den letzten Jahren

Holger Schulz verfolgt den Wandel

dern und die früher übliche Zufütterung

zeigte sich auch, dass zahlreiche Störche

des Zugverhaltens und die Situation der

kontinuierlich abzubauen. So zogen die

über den Winter in Spanien bleiben, wo sie

Störche in Spanien im Rahmen des Pro­

Jungstörche zumindest teilweise im Au­

auf Reisfeldern und Müllkippen nach Nah­

jekts Storchenzug der Gesellschaft «Storch

gust in den Süden, und es kam zu spon­

rung suchen. Offenbar profitierten sie von

Schweiz». Er vermutet, dass die meisten der

tanen Ansiedlungen ausserhalb der Stor­

der Entstehung grosser Mülldeponien, die

spanischen Deponien in den nächsten Jah­

chenstationen. Seitdem konzentrieren

ihnen reichlich neue Nahrung bescherten.

ren «umgebaut» und den Störchen in Zu­

sich die Bemühungen der Storchenschüt­

Zu Tausenden hat der Storchenexperte

kunft deshalb keine oder nur noch sehr we­

zer darauf, die natürlichen Lebensräume

Dr. Holger Schulz schon Weissstörche auf

nig Nahrung bieten werden. Das hat zwei­

der Weissstörche zu fördern, sodass diese

einer einzelnen Mülldeponie in Spanien

fellos Auswirkungen auf den spanischen

wieder eigenständig in der Schweiz leben

gezählt, wo sie unter chaotischen Verhält­

Brutbestand, der wegen der Deponien stark

können.

nissen um Fressbares kämpften. Solange

angewachsen war. Und die hängengeblie­

Im Januar 2011 sorgten die Störche von

Wie Untersuchungen gezeigt haben, blei­

kalte Jahreszeit in Mitteleuropa verbrin­

dieses konzentrierte, aber wenig gesunde

benen schweizerischen Störche werden

Oetwil und Hombrechtikon für einiges

ben die überwinternden Störche vita­

gen. In Norddeutschland bleiben überwin­

Gefährliches Storchenleben

Nahrungsangebot besteht, scheinen sie es

voraussichtlich wieder zu ihrem normalen

mediales Aufsehen: Wenn Schnee liegt

ler und haben im kommenden Jahr mehr

ternde Störche offenbar die Ausnahme.

Wie alle Zugvögel absolvieren die Weiss­

dem beschwerlichen Umherstreifen vorzu­

Zugverhalten zurückkehren. Die Situation

und der Boden gefroren ist, sagte damals

Nachwuchs, wenn sie keine Futterhilfen

Ist dies eine Folge des Klimawandels,

störche eine gefährliche Reise, wenn sie in

ziehen. Nun soll eine EU-Verordnung, wel­

in Spanien bereitet den Storchenschützern

Heidi Katzbach, Präsidentin des Oetwiler

erhalten. Die Vögel können längere Hun­

und kommen die Vögel im mitteleuro­

ihr Winterquartier nach Afrika südlich der

che aus Klimaschutzgründen eine drasti­

grosse Sorgen und wird deshalb genau un­

Storchenvereins, müsse sie die Schreit­

gerperioden, denen sie in der Natur wäh­

päischen Winter weitgehend selber zu­

Sahara ziehen. Manche Vögel werden un­

sche Reduktion des organischen Materials

tersucht. -Esther Wullschleger Schättin

vögel jeden Tag füttern. Zum Fütterter­

rend ihres anstrengenden Zuges ebenfalls

recht? Bewegen ehemalige Zuchtstörche

min in Oetwil erschienen jedoch jeweils

ausgesetzt sind, gut überstehen.

aus Storchenstationen, die sich auf Fut­

auch einige Störche aus Hombrechtikon

terstellen verlassen, ihre Artgenossen zum

oder Mönchaltorf, wo kein entsprechen­

Warum ziehen sie nicht weg?

Verbleiben? Oder beruht das veränderte

des Angebot verfügbar war.

Von Natur aus würde der Weissstorch im

Zugverhalten, zumindest in der Schweiz,

Der Hombrechtiker «Storchenvater»

August in den Süden ziehen. Mit der Win­

auf der besonderen Herkunft dieser Tiere?

Max Zumbühl erklärte, er wolle die Wild­

terkälte käme er zwar gut zurecht, doch

Schliesslich geht die heutige Schweizer

vögel nicht verwöhnen, damit sie nicht

findet der grosse Schreitvogel bei ge­

Storchenpopulation fast ausschliesslich

gänzlich vom Menschen abhängig wür­

schlossener Schneedecke und strengem,

auf Individuen zurück, welche einst aus

den und irgendwann nicht mehr gen Sü­

anhaltendem Frost zu kaum Nahrung wie

dem Ausland geholt und vorübergehend

den zögen.

Mäuse, Regenwürmer, Schnecken oder an­

in Gehegen gezüchtet wurden.

Wissenschaftler der Vogelwarte, des

dere Kleintiere. Nun wird aus Süddeutsch­

Um 1950 war der Weissstorch in der

BAFU und Peter Enggist von Storch

land und der Schweiz immer wieder von

Schweiz ausgestorben. Daraufhin begann

Schweiz lehnen Fütterungen strikt ab.

«Winterstörchen» berichtet, welche die

der Lehrer und passionierte Storchen­

14

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

15


herrscht, kann die Temperatur in eisigen

sophisch vor sich hinseufzen und fra-

Winternächten auf 40 °C unter Null fal-

gen: Woher kommt diese scheinbar sto-

len.

ische Gelassenheit? Insbesondere Frauen

Um hier gleich mit einem alten, aber

können schon einmal neidisch reagieren:

immer noch weit verbreiteten Ammen-

Solch lange, wunderschöne Wimpern, und

märchen aufzuräumen: Kamele können

das ohne künstliche Hilfsmittel …

in ihren markanten Höckern kein Wasser

Aus menschlicher Optik strahlen Ka-

speichern, sondern sie bilden darin Fett-

mele mit ihrem Blick aus einer Mischung

reserven. Tatsächlich können die genüg-

von Gleichmut und Überheblichkeit etwas

samen Tiere aber tagelang ohne Wasser

Würdevolles, Überlegenes aus. Zumindest

auskommen, da sie einen Flüssigkeitsver-

gelassen müssen die Trampeltiere auch

lust von fast bis zur Hälfte ihres Körper-

sein, sonst könnten sie nicht selbst unter

gewichts überleben. Auch bei der Nah-

extremsten Bedingungen überleben.

rung zeigen sich die grossgewachsenen Pflanzenfresser äusserst bescheiden: Sie

Überlegene «Wüstenschiffe»

verdauen sogar extrem salzhaltige Pflan-

Nicht umsonst werden sie auch «Wüsten-

zen, welche für andere Tiere absolut un-

schiffe» genannt. Denn die Wüste gilt all-

geniessbar wären.

gemein als unwirtliches Gebiet, in dem

Treue Diener: Seit 5000 Jahren sind Kamele und Mensch ein Team. rika wurden Kamele als begehrte Reit- und Lasttiere domestiziert. Hauskamelen ist es

nur wenige Tiere und Pflanzen überleben

Frühe Domestikation

zu verdanken, dass selbst bis dahin kaum

können. Sand- und Schneestürme toben

Vermutlich schon vor über 5000 Jahren

überwindbare Hindernisse wie die Sahara-

manchmal tagelang. Während beispiels-

erkannten die Menschen die besonderen

Wüste bewältigt werden konnten und so

weise in der zentralasiatischen Wüste

Eigenschaften der Kamele und wussten

ein Warenaustausch zwischen Schwarzaf-

Gobi, der Heimat des wildlebenden Zwei-

diese für sich zu nutzen. Von Zentralasien

rika und dem Maghreb möglich wurde.

höckrigen Kamels, im Sommer eine Glut-

über die Arabische Halbinsel bis Nordaf-

Allerdings ist der Passgang der Paar-

istockphoto

Nicht ohne Grund sind Hauskamele weit verbreitet und dienen noch heute als Transporttiere: Sie sind genügsam, ausdauernd und widerstehen selbst den extremsten Bedingungen, wie sie in der Wüste herrschen. Doch als Wildform sind die Trampeltiere von den Menschen fast ausgerottet worden.

hitze mit bis über 40 °C (im Schatten!)

Augen geschaut hat, kann leicht philo-

istockphoto

nature picture library

Überlebenskünstler der Wüste

Wer schon einmal einem Kamel in die

Karawane: Der Warenaustausch zwischen Schwarzafrika und dem Maghreb wurde nur dank der Kamele und Dromedare möglich.

16

TIERREPORT 4/20011

TIERREPORT 4/2011

17


herrscht, kann die Temperatur in eisigen

sophisch vor sich hinseufzen und fra-

Winternächten auf 40 °C unter Null fal-

gen: Woher kommt diese scheinbar sto-

len.

ische Gelassenheit? Insbesondere Frauen

Um hier gleich mit einem alten, aber

können schon einmal neidisch reagieren:

immer noch weit verbreiteten Ammen-

Solch lange, wunderschöne Wimpern, und

märchen aufzuräumen: Kamele können

das ohne künstliche Hilfsmittel …

in ihren markanten Höckern kein Wasser

Aus menschlicher Optik strahlen Ka-

speichern, sondern sie bilden darin Fett-

mele mit ihrem Blick aus einer Mischung

reserven. Tatsächlich können die genüg-

von Gleichmut und Überheblichkeit etwas

samen Tiere aber tagelang ohne Wasser

Würdevolles, Überlegenes aus. Zumindest

auskommen, da sie einen Flüssigkeitsver-

gelassen müssen die Trampeltiere auch

lust von fast bis zur Hälfte ihres Körper-

sein, sonst könnten sie nicht selbst unter

gewichts überleben. Auch bei der Nah-

extremsten Bedingungen überleben.

rung zeigen sich die grossgewachsenen Pflanzenfresser äusserst bescheiden: Sie

Überlegene «Wüstenschiffe»

verdauen sogar extrem salzhaltige Pflan-

Nicht umsonst werden sie auch «Wüsten-

zen, welche für andere Tiere absolut un-

schiffe» genannt. Denn die Wüste gilt all-

geniessbar wären.

gemein als unwirtliches Gebiet, in dem

Treue Diener: Seit 5000 Jahren sind Kamele und Mensch ein Team. rika wurden Kamele als begehrte Reit- und Lasttiere domestiziert. Hauskamelen ist es

nur wenige Tiere und Pflanzen überleben

Frühe Domestikation

zu verdanken, dass selbst bis dahin kaum

können. Sand- und Schneestürme toben

Vermutlich schon vor über 5000 Jahren

überwindbare Hindernisse wie die Sahara-

manchmal tagelang. Während beispiels-

erkannten die Menschen die besonderen

Wüste bewältigt werden konnten und so

weise in der zentralasiatischen Wüste

Eigenschaften der Kamele und wussten

ein Warenaustausch zwischen Schwarzaf-

Gobi, der Heimat des wildlebenden Zwei-

diese für sich zu nutzen. Von Zentralasien

rika und dem Maghreb möglich wurde.

höckrigen Kamels, im Sommer eine Glut-

über die Arabische Halbinsel bis Nordaf-

Allerdings ist der Passgang der Paar-

istockphoto

Nicht ohne Grund sind Hauskamele weit verbreitet und dienen noch heute als Transporttiere: Sie sind genügsam, ausdauernd und widerstehen selbst den extremsten Bedingungen, wie sie in der Wüste herrschen. Doch als Wildform sind die Trampeltiere von den Menschen fast ausgerottet worden.

hitze mit bis über 40 °C (im Schatten!)

Augen geschaut hat, kann leicht philo-

istockphoto

nature picture library

Überlebenskünstler der Wüste

Wer schon einmal einem Kamel in die

Karawane: Der Warenaustausch zwischen Schwarzafrika und dem Maghreb wurde nur dank der Kamele und Dromedare möglich.

16

TIERREPORT 4/20011

TIERREPORT 4/2011

17


Nature picture library

Nature picture library

Wilde Kamele: In der Mongolei und in angrenzenden Wüstenregionen Chinas leben noch einige hundert Exemplare. einer kurzen Strecke bis zu 60 Stunden-

hufer gewöhnungsbedürftig: So sollen

in die entlegene Sträflingskolonie Aust-

nen: Mit jedem Rülpser, den eines der

Reitanfänger schon einmal seekrank wer-

ralien. Heute wünschten sich jedoch viele

Tiere macht, entweicht Methan, das noch

Im Unterschied zum Hauskamel hat

kilometer erreichen. Meistens leben sie

den wegen des Schaukelns der Kamele,

Bewohner von «Down Under», dies wäre

wesentlich klimaschädlicher als CO2 ist.

das Wildkamel längere Beine und ist

in kleinen Gruppen von je einem Kamel-

welche die Beinpaare einer Seite jeweils

nie geschehen.

Sämtliche Kamele sollen angeblich jähr-

schlanker. Seine Höcker kippen niemals

hengst und dessen Harem. Eine Kamel-

Sie sind heute streng geschützt.

gleichzeitig vorwärts bewegen. Wohl auch

Denn seit die Hauskamele nicht mehr

lich etwa soviel Treibhausgase ausstossen

zur Seite, wie das bei den domestizierten

stute bringt nach einer langen Tragzeit

deswegen werden sie häufig als «Wüsten-

gebraucht und sich selbst überlassen wer-

wie 300  000 Autos. Nun wollen die Be-

Tieren oft zu beobachten ist. Vom Wesen

von 13 Monaten jeweils ein einziges Foh-

schiffe» bezeichnet.

den, sind sie zunehmend verwildert und

hörden für jedes getötete Dromedar ein

her sind sie viel scheuer als Hauskamele.

len zur Welt. -

Bei Gefahr rennen sie weg, wobei sie auf

haben sich zahlreich vermehrt. Laut di-

Kopfgeld von umgerechnet rund 60 Fran-

Australiens Kamele: zum Abschuss freigegeben?

versen Medienberichten plant nun die

ken aussetzen und dafür ein CO2-Zerti-

australische Regierung, die geschätzten

fikat ausstellen. Solche Verschmutzungs-

Auch die Engländer wussten Dromedare

1,2 Millionen freilebenden Dromedare ab-

zertifikate werden international gehan-

als Transportmittel zu schätzen und ver-

schlachten zu lassen.

delt und sind heiss begehrt. Dreck wird so

schifften im 19. Jahrhundert etliche Tiere

Die Begründung für dieses Ansin-



Matthias Brunner istockphoto

istockphoto

Ruhende Trampeltiere: Kamele können in ihren markanten Höckern kein Wasser speichern, sondern sie bilden darin Fettreserven.

quasi zu Geld gemacht. istockphoto

Die Trampeltiere müssen nun zwar als Sündenböcke für die katastrophale Luftverschmutzung Australiens herhalten. Doch verantwortlich für den gewaltigen Schadstoffausstoss sind wohl eher die Kohlekraftwerke und der gigantische Bergbau des Landes.

Nur noch wenige Wildkamele Echte Wildkamele gibt es kaum noch. Das Dromedar, das auch als Arabisches Kamel bezeichnet wird, ist schon lange ausgestorben. Nur noch wenige hundert Exemplare des Zweihöckrigen Trampeltiers werden in der Mongolei und den angren-

Touristenattraktion: Junges Kamel.

18

Vom Abschuss bedroht: Verwilderte Dromedare im australischen Outback.

TIERREPORT 4/2011

Zoologischer Steckbrief Die Gattung der Altweltkamele umfasst zwei Arten: Das Baktrische Kamel (Camelus bactrianus) oder Zweihöckrige Kamel sowie das Dromedar (Camelus dromedarius), das nur einen Höcker hat. Beide Arten gehören zur Unterordnung der Schwielensohler. Beim Gehen berühren nur das vorletzte und letzte Glied der Zehen den Boden. Die Schwielen verhindern, dass die Kamele zu tief in den Wüstensand einsinken und schützen sie vor Hitze und Kälte.

zenden Wüstenregionen Chinas vermutet.

TIERREPORT 4/2011

19


Nature picture library

Nature picture library

Wilde Kamele: In der Mongolei und in angrenzenden Wüstenregionen Chinas leben noch einige hundert Exemplare. einer kurzen Strecke bis zu 60 Stunden-

hufer gewöhnungsbedürftig: So sollen

in die entlegene Sträflingskolonie Aust-

nen: Mit jedem Rülpser, den eines der

Reitanfänger schon einmal seekrank wer-

ralien. Heute wünschten sich jedoch viele

Tiere macht, entweicht Methan, das noch

Im Unterschied zum Hauskamel hat

kilometer erreichen. Meistens leben sie

den wegen des Schaukelns der Kamele,

Bewohner von «Down Under», dies wäre

wesentlich klimaschädlicher als CO2 ist.

das Wildkamel längere Beine und ist

in kleinen Gruppen von je einem Kamel-

welche die Beinpaare einer Seite jeweils

nie geschehen.

Sämtliche Kamele sollen angeblich jähr-

schlanker. Seine Höcker kippen niemals

hengst und dessen Harem. Eine Kamel-

Sie sind heute streng geschützt.

gleichzeitig vorwärts bewegen. Wohl auch

Denn seit die Hauskamele nicht mehr

lich etwa soviel Treibhausgase ausstossen

zur Seite, wie das bei den domestizierten

stute bringt nach einer langen Tragzeit

deswegen werden sie häufig als «Wüsten-

gebraucht und sich selbst überlassen wer-

wie 300  000 Autos. Nun wollen die Be-

Tieren oft zu beobachten ist. Vom Wesen

von 13 Monaten jeweils ein einziges Foh-

schiffe» bezeichnet.

den, sind sie zunehmend verwildert und

hörden für jedes getötete Dromedar ein

her sind sie viel scheuer als Hauskamele.

len zur Welt. -

Bei Gefahr rennen sie weg, wobei sie auf

haben sich zahlreich vermehrt. Laut di-

Kopfgeld von umgerechnet rund 60 Fran-

Australiens Kamele: zum Abschuss freigegeben?

versen Medienberichten plant nun die

ken aussetzen und dafür ein CO2-Zerti-

australische Regierung, die geschätzten

fikat ausstellen. Solche Verschmutzungs-

Auch die Engländer wussten Dromedare

1,2 Millionen freilebenden Dromedare ab-

zertifikate werden international gehan-

als Transportmittel zu schätzen und ver-

schlachten zu lassen.

delt und sind heiss begehrt. Dreck wird so

schifften im 19. Jahrhundert etliche Tiere

Die Begründung für dieses Ansin-



Matthias Brunner istockphoto

istockphoto

Ruhende Trampeltiere: Kamele können in ihren markanten Höckern kein Wasser speichern, sondern sie bilden darin Fettreserven.

quasi zu Geld gemacht. istockphoto

Die Trampeltiere müssen nun zwar als Sündenböcke für die katastrophale Luftverschmutzung Australiens herhalten. Doch verantwortlich für den gewaltigen Schadstoffausstoss sind wohl eher die Kohlekraftwerke und der gigantische Bergbau des Landes.

Nur noch wenige Wildkamele Echte Wildkamele gibt es kaum noch. Das Dromedar, das auch als Arabisches Kamel bezeichnet wird, ist schon lange ausgestorben. Nur noch wenige hundert Exemplare des Zweihöckrigen Trampeltiers werden in der Mongolei und den angren-

Touristenattraktion: Junges Kamel.

18

Vom Abschuss bedroht: Verwilderte Dromedare im australischen Outback.

TIERREPORT 4/2011

Zoologischer Steckbrief Die Gattung der Altweltkamele umfasst zwei Arten: Das Baktrische Kamel (Camelus bactrianus) oder Zweihöckrige Kamel sowie das Dromedar (Camelus dromedarius), das nur einen Höcker hat. Beide Arten gehören zur Unterordnung der Schwielensohler. Beim Gehen berühren nur das vorletzte und letzte Glied der Zehen den Boden. Die Schwielen verhindern, dass die Kamele zu tief in den Wüstensand einsinken und schützen sie vor Hitze und Kälte.

zenden Wüstenregionen Chinas vermutet.

TIERREPORT 4/2011

19


ZVG und Istockphoto

weit erforderlich … das Halten von Tieren

kommens (CITES) fallen. Doch

wildlebender Arten … zu verbieten, be-

Grenzkontrollen sind selten,

schränken oder von einer Genehmigung

und wie die Problematik der

abhängig zu machen), sieht die Schwei-

osteuropäischen «Hundema-

zer Tierschutzverordnung für die Haltung

fia» nur allzu deutlich zeigt,

praktisch sämtlicher Wildtiere (mit Aus-

ist der Import lebender Tiere

nahme der meisten Reptilien, der Fische,

in die Schweiz ein Leichtes

Kleinpapageien und Kleinnager) eine Be-

… Oder aber man adoptiert

willigungspflicht vor. Dies gilt im Übrigen

ein verwaistes oder verletz-

auch für Hybriden, also für Tiere, die aus

tes Jungtier einer einheimi-

der Verpaarung wilder Tiere mit ihren do-

schen Art (Fuchs, Reh, Igel)

mestizierten Verwandten hervorgegangen

und vertraut darauf, nicht

sind (bspw. Wolfs- und Wildkatzenhyb-

kontrolliert zu werden –

riden über mehrere Generationen), sowie

oder entscheidet sich für ei-

für einheimische Wildtiere, die dem Jagd-

nen Hund mit «Wolfsblut»,

recht unterstehen.

den man durch osteuropä-

Für die Haltung einiger Arten genügt ein Sachkundenachweis, etwa für Frett-

Wildtiere gehören nicht ins Wohnzimmer Geparden, Stachelschweine, Waschbären, Alligatoren und Netzpythons tummeln sich längst nicht mehr nur in Zoos oder der freien Natur, sondern immer häufiger auch in Wohnzimmern. Was in den USA bereits ein weitverbreitetes Phänomen ist – dort leben allein zwischen 5000 und 10 000 Tiger (!) in privater Haltung – droht auch auf Europa überzugreifen.

ische Händler relativ leicht erstehen kann …

chen, Waschbären oder die meisten exo-

Die Fachstelle Wild-

tischen Reptilien. Die Verordnung macht

tiere des Schweizer Tier-

zudem klare Aussagen zur Mindestgrösse

schutz STS wird regelmäs-

und -einrichtung von Tiergehegen. Im

sig mit Anfragen von pri-

deutschen Gesetz fehlt ein entsprechender

vater Seite zur Haltung

Anhang, es gibt lediglich die «Empfehlun-

von Wildtieren kontaktiert: Ob man in

gen über die Mindes­ta­ nforderungen an

der Schweiz ein Löwenbaby zu Hause

schen. All diese Anpassungen ermögli-

die Haltung» der verschiedenen Tiergrup-

aufziehen dürfe, ob Stinktiere als Haus-

chen einem Haustier wie dem Hund, dem

pen, welche als Beurteilungshilfe, nicht

tiere erlaubt seien, oder wie man sich ei-

Schwein, dem Pferd oder der Katze auf

aber als Vorschrift dienen.

nen Kapuzineraffen als Heimtier besor-

angeborene Weise ein ziemlich problem-

gen könne, sind nur einige Beispiele sol-

freies Zusammenleben mit Menschen in

Nachfrage nach exotischen Haustieren ist vorhanden

cher «haarsträubender» Anfragen, die

einer von Menschen geprägten Umwelt.

aufzeigen, welch aussergewöhnliche Vor-

Nur weil sich ein Wolfswelpe, Äffchen

Die Haltung wilder und exotischer Tiere

stellungen auch in der Schweizer Bevöl-

oder eine Wildkatze durch Fütterung und

ist in der Schweiz also klar geregelt. Zu-

kerung in Sachen «wildes Wohnzimmer»

Zuneigung «zähmen» lässt, ist dies noch

stände, wie man sie bereits in Deutsch-

vorhanden sind.

lange kein Haustier! So wird ein ausgewachsener Wolf etwa über einen unbän-

Haltung gefährlich werden, nein, sie

land antrifft, dürften hier eine Selten-

schadet in erster Linie dem Tier, für des-

heit bleiben: Der Traum vom Geparden in der Hotel-Lobby, dem Blaufuchs auf

Nicht für dieses Leben gemacht

digen Jagd- und Rudeltrieb verfügen und

sen Wohlergehen wir Menschen zuständig sind! Die in «Wildes Wohnzimmer»

dem Sofa oder der Zebraherde im Gar-

Haustiere sind durch den meist Jahr-

fort in Sicherheit bringt; er wird schreck-

porträtierten Tierhalter sind zumeist Tier-

ten ist angesichts der Bewil­ligungspflicht

tausende dauernden, quasi-natürlichen

haft, misstrauisch, vielleicht aggressiv

trainer, langjährige Experten oder Tier-

und der strikten Haltungsanforderungen

Prozess der Domestikation aus wild le-

sein, wird die Vorrangstellung des Men-

pflegerinnen eines Zoos und verfügen

schwer zu realisieren. Doch dürfte es auch

benden Vorfahren entstanden. Sie ha-

schen in Frage stellen und durch seinen

über die notwendige Infrastruktur und

in der Schweiz eine Dunkelziffer illega-

ben sich genetisch und somit auch kör-

enormen Bewegungsdrang Wohnung und

jedem Tier nachstellen, das sich nicht so-

die entsprechende Ausbildung, um Wild-

ler Wildtierhaltungen geben, gibt es doch

perlich und verhaltensbiologisch an ein

Garten verwüsten. Gassigehen und Hun-

Beliebte Fernsehserien wie «Wildes Wohn-

ckelt, oder der Alligator im Terrarium.

tiere artgerecht zu halten. Als «Vorbild»

einige (meist illegale) Wege, an ein wil-

Leben in menschlicher Obhut angepasst.

desport sind ein Ding der Unmöglichkeit!

zimmer» auf dem deutschen Privatsender

Wer es bescheidener mag, sich aber den-

für jedermann dienen diese Beispiele je-

des «Haustier» zu kommen: z.B. Tausch-

Typische, für das Zusammenleben mit

Doch meist ist der Haupt-Leidtragende

VOX vermitteln den Eindruck, die Hal-

noch «ein bisschen Wildnis» in die Stube

doch keineswegs!

börsen im Internet, über welche Reptilien,

dem Menschen entscheidende Domesti-

solch unglücklicher «Zähmungsversuche»

tung von Wildtieren in den eigenen vier

holen will, der hält einen Wolfshybriden

Vögel, Gliedertiere, aber manchmal auch

kationserscheinungen sind u.a.: reduzier-

das Wildtier selbst, nicht der enttäuschte

Wänden sei bloss eine etwas exotischere

oder eine Savannah-Katze anstelle eines

Was sagt das Gesetz?

Äffchen und andere exotische Säugetiere

ter Fluchttrieb, reduzierte Aggressivität,

Mensch: Es entwickelt stereotype Verhal-

Form der Haustierhaltung. Und sie ma-

«normalen» Hundes oder Stubentigers …

Während sich das deutsche Tierschutz-

als Haustiere gehandelt werden. Zwar

Ausbildung von spezialisierten Rassen,

tensstörungen, wird unsauber, lärmt oder

chen sich ja auch gut am Bildschirm, die

Vergessen geht beim Anblick der wilden

gesetz zur privaten Haltung von Wildtie-

ist die Einfuhr etlicher Arten strikt gere-

gesteigerte Fortpflanzungsrate, vermin-

entwickelt Aggressionen und muss letzt-

schnurrenden Geparden auf der Couch,

Schönheiten: Wildtiere sind keine Strei-

ren eher vage ausdrückt (§13, Abs. 3: Das

gelt, wenn diese unter die Bestimmungen

dertes Brutpflegeverhalten, frühere Reife

endlich – meistens viel zu jung – einge-

das Tigerbaby, das am Fläschchen nu-

cheltiere! Nicht nur kann unsachgemässe

Bundesministerium wird ermächtigt … so-

des Washingtoner Artenschutzüberein-

und leichtere Prägung auf den Men-

schläfert werden. - 

20

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

Sara Wehrli

21


ZVG und Istockphoto

weit erforderlich … das Halten von Tieren

kommens (CITES) fallen. Doch

wildlebender Arten … zu verbieten, be-

Grenzkontrollen sind selten,

schränken oder von einer Genehmigung

und wie die Problematik der

abhängig zu machen), sieht die Schwei-

osteuropäischen «Hundema-

zer Tierschutzverordnung für die Haltung

fia» nur allzu deutlich zeigt,

praktisch sämtlicher Wildtiere (mit Aus-

ist der Import lebender Tiere

nahme der meisten Reptilien, der Fische,

in die Schweiz ein Leichtes

Kleinpapageien und Kleinnager) eine Be-

… Oder aber man adoptiert

willigungspflicht vor. Dies gilt im Übrigen

ein verwaistes oder verletz-

auch für Hybriden, also für Tiere, die aus

tes Jungtier einer einheimi-

der Verpaarung wilder Tiere mit ihren do-

schen Art (Fuchs, Reh, Igel)

mestizierten Verwandten hervorgegangen

und vertraut darauf, nicht

sind (bspw. Wolfs- und Wildkatzenhyb-

kontrolliert zu werden –

riden über mehrere Generationen), sowie

oder entscheidet sich für ei-

für einheimische Wildtiere, die dem Jagd-

nen Hund mit «Wolfsblut»,

recht unterstehen.

den man durch osteuropä-

Für die Haltung einiger Arten genügt ein Sachkundenachweis, etwa für Frett-

Wildtiere gehören nicht ins Wohnzimmer Geparden, Stachelschweine, Waschbären, Alligatoren und Netzpythons tummeln sich längst nicht mehr nur in Zoos oder der freien Natur, sondern immer häufiger auch in Wohnzimmern. Was in den USA bereits ein weitverbreitetes Phänomen ist – dort leben allein zwischen 5000 und 10 000 Tiger (!) in privater Haltung – droht auch auf Europa überzugreifen.

ische Händler relativ leicht erstehen kann …

chen, Waschbären oder die meisten exo-

Die Fachstelle Wild-

tischen Reptilien. Die Verordnung macht

tiere des Schweizer Tier-

zudem klare Aussagen zur Mindestgrösse

schutz STS wird regelmäs-

und -einrichtung von Tiergehegen. Im

sig mit Anfragen von pri-

deutschen Gesetz fehlt ein entsprechender

vater Seite zur Haltung

Anhang, es gibt lediglich die «Empfehlun-

von Wildtieren kontaktiert: Ob man in

gen über die Mindes­ta­ nforderungen an

der Schweiz ein Löwenbaby zu Hause

schen. All diese Anpassungen ermögli-

die Haltung» der verschiedenen Tiergrup-

aufziehen dürfe, ob Stinktiere als Haus-

chen einem Haustier wie dem Hund, dem

pen, welche als Beurteilungshilfe, nicht

tiere erlaubt seien, oder wie man sich ei-

Schwein, dem Pferd oder der Katze auf

aber als Vorschrift dienen.

nen Kapuzineraffen als Heimtier besor-

angeborene Weise ein ziemlich problem-

gen könne, sind nur einige Beispiele sol-

freies Zusammenleben mit Menschen in

Nachfrage nach exotischen Haustieren ist vorhanden

cher «haarsträubender» Anfragen, die

einer von Menschen geprägten Umwelt.

aufzeigen, welch aussergewöhnliche Vor-

Nur weil sich ein Wolfswelpe, Äffchen

Die Haltung wilder und exotischer Tiere

stellungen auch in der Schweizer Bevöl-

oder eine Wildkatze durch Fütterung und

ist in der Schweiz also klar geregelt. Zu-

kerung in Sachen «wildes Wohnzimmer»

Zuneigung «zähmen» lässt, ist dies noch

stände, wie man sie bereits in Deutsch-

vorhanden sind.

lange kein Haustier! So wird ein ausgewachsener Wolf etwa über einen unbän-

Haltung gefährlich werden, nein, sie

land antrifft, dürften hier eine Selten-

schadet in erster Linie dem Tier, für des-

heit bleiben: Der Traum vom Geparden in der Hotel-Lobby, dem Blaufuchs auf

Nicht für dieses Leben gemacht

digen Jagd- und Rudeltrieb verfügen und

sen Wohlergehen wir Menschen zuständig sind! Die in «Wildes Wohnzimmer»

dem Sofa oder der Zebraherde im Gar-

Haustiere sind durch den meist Jahr-

fort in Sicherheit bringt; er wird schreck-

porträtierten Tierhalter sind zumeist Tier-

ten ist angesichts der Bewil­ligungspflicht

tausende dauernden, quasi-natürlichen

haft, misstrauisch, vielleicht aggressiv

trainer, langjährige Experten oder Tier-

und der strikten Haltungsanforderungen

Prozess der Domestikation aus wild le-

sein, wird die Vorrangstellung des Men-

pflegerinnen eines Zoos und verfügen

schwer zu realisieren. Doch dürfte es auch

benden Vorfahren entstanden. Sie ha-

schen in Frage stellen und durch seinen

über die notwendige Infrastruktur und

in der Schweiz eine Dunkelziffer illega-

ben sich genetisch und somit auch kör-

enormen Bewegungsdrang Wohnung und

jedem Tier nachstellen, das sich nicht so-

die entsprechende Ausbildung, um Wild-

ler Wildtierhaltungen geben, gibt es doch

perlich und verhaltensbiologisch an ein

Garten verwüsten. Gassigehen und Hun-

Beliebte Fernsehserien wie «Wildes Wohn-

ckelt, oder der Alligator im Terrarium.

tiere artgerecht zu halten. Als «Vorbild»

einige (meist illegale) Wege, an ein wil-

Leben in menschlicher Obhut angepasst.

desport sind ein Ding der Unmöglichkeit!

zimmer» auf dem deutschen Privatsender

Wer es bescheidener mag, sich aber den-

für jedermann dienen diese Beispiele je-

des «Haustier» zu kommen: z.B. Tausch-

Typische, für das Zusammenleben mit

Doch meist ist der Haupt-Leidtragende

VOX vermitteln den Eindruck, die Hal-

noch «ein bisschen Wildnis» in die Stube

doch keineswegs!

börsen im Internet, über welche Reptilien,

dem Menschen entscheidende Domesti-

solch unglücklicher «Zähmungsversuche»

tung von Wildtieren in den eigenen vier

holen will, der hält einen Wolfshybriden

Vögel, Gliedertiere, aber manchmal auch

kationserscheinungen sind u.a.: reduzier-

das Wildtier selbst, nicht der enttäuschte

Wänden sei bloss eine etwas exotischere

oder eine Savannah-Katze anstelle eines

Was sagt das Gesetz?

Äffchen und andere exotische Säugetiere

ter Fluchttrieb, reduzierte Aggressivität,

Mensch: Es entwickelt stereotype Verhal-

Form der Haustierhaltung. Und sie ma-

«normalen» Hundes oder Stubentigers …

Während sich das deutsche Tierschutz-

als Haustiere gehandelt werden. Zwar

Ausbildung von spezialisierten Rassen,

tensstörungen, wird unsauber, lärmt oder

chen sich ja auch gut am Bildschirm, die

Vergessen geht beim Anblick der wilden

gesetz zur privaten Haltung von Wildtie-

ist die Einfuhr etlicher Arten strikt gere-

gesteigerte Fortpflanzungsrate, vermin-

entwickelt Aggressionen und muss letzt-

schnurrenden Geparden auf der Couch,

Schönheiten: Wildtiere sind keine Strei-

ren eher vage ausdrückt (§13, Abs. 3: Das

gelt, wenn diese unter die Bestimmungen

dertes Brutpflegeverhalten, frühere Reife

endlich – meistens viel zu jung – einge-

das Tigerbaby, das am Fläschchen nu-

cheltiere! Nicht nur kann unsachgemässe

Bundesministerium wird ermächtigt … so-

des Washingtoner Artenschutzüberein-

und leichtere Prägung auf den Men-

schläfert werden. - 

20

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

Sara Wehrli

21


Stéphane Klop-

Fohlen betroffen, deren beide Elterntiere

fenstein, Geschäfts-

Anlageträger von CLF sind.

führer des SFZV, zö-

Als Hauptverantwortlicher für die ge-

gert etwas vor ei-

fährliche Erbkrankheit konnte der Hengst

ner klaren Stellung-

Elu ermittelt werden. Seinem Namen

nahme und meint

kommt rückblickend eine schicksalhafte

gegenüber

Bedeutung zu: Aus dem Französischen

REPORT:

übersetzt heisst «Elu» nämlich soviel wie

mit CLF-positiv ge-

«der Auserwählte» …

testeten

Der potente Hengst wurde 1964 gebo-

Junge Freiberger-Fohlen sterben plötzlich an Leberversagen. Grund dafür ist ein Gendefekt, die Caroli-Leberfibrose, welche seit neuestem mit einem einfachen Markertest nachgewiesen werden kann. Doch Hauptursache für die Erbkrankheit ist die übersteigerte Inzucht bei der einzigen Schweizer Pferderasse.

TIER«Züchter Hengsten

werden kaum mehr

ren und zeugte etwa 500 Nachkommen,

Deckanfragen

von denen wiederum an die 200 für die

halten und daraus

Zucht eingesetzt wurden. Somit konnte

ihre Konsequenzen

sich CLF bis heute ungehindert weiter-

ziehen.»

verbreiten. Allerdings gilt Elu nicht als

matthias brunner

fotolia

liegt bei 25 Prozent.» Ausserdem seien nur

er-

Wenig Freiheit: Die Haltungsbedingungen der Freiberger ist viel zu oft mangelhaft.

Optimistisch zu

Auslöser der Krankheit: «Wir gehen da-

den angekündigten Massnahmen äussert

vorgebracht, die zu chronischen Krank-

von aus, dass höchstwahrscheinlich der

sich Ruedi von Niederhäusern vom Na-

heiten wie Sommerexzem und Hufrol-

1929 geborene Hengst Wigar das Grün-

tionalgestüt: «In einem Jahr werden wir

lenentzündung neigen oder schwierig

dertier war», äussert sich Tosso Leeb vor-

keine an CLF erkrankte Fohlen mehr ha-

im Umgang sind. Heute setzen die meis-

sichtig.

ben.» Professor Leeb geht etwas vorsichti-

ten Züchter auf ein unkompliziertes Frei-

ger von «drei bis vier Jahren» aus, bis die

zeitpferd, das sich sowohl zum Reiten als

Erbkrankheit völlig ausgemerzt sei.

auch zum Fahren eignet.

verband (SFZV) reagiert: Die Namen der

Inzucht bleibt latente Gefahr

13 gekörten Hengste, die Nachkommen

Also alles in Butter? Nicht ganz – denn

Fragwürdige Subventionierung

der sogenannten E-Linie von Elu und Trä-

das Hauptproblem für solche Erbkrank-

Allerdings ist die Konkurrenz in diesem

ger des CLF-Allels sind, werden zwar be-

heiten ist der hohe Inzuchtgrad bei den

Sektor international betrachtet gross. Die

kannt gegeben – doch nicht sofort von

Freibergern, wie der SFZV selber in ei-

Schweiz ist kein traditionelles Land für

der Zucht ausgeschlossen, wie dies das

ner Pressemitteilung vom 7. November

die Pferdezucht. Erst 1902 wurde das Frei-

Nationalgestüt in Avenches mit seinen

schreibt.

berger Pferd überhaupt als eigenständige

Zögerlicher Verband Etwas halbherzig hat der Freibergerzucht-

Gendefekt tötet Freiberger-Fohlen

sechs betroffenen Pferden umgehend ge-

Im Jahre 1997 hatte der Verband das

Rasse definiert. Ursprungsgemäss werden

tan hat. Erst an der kommenden nationa-

Zuchtbuch geschlossen, und seitdem darf

noch heute die meisten Freiberger in den

len Hengstselektion anfangs Januar 2012

der Rasse kein Fremdblut mehr zugeführt

Jurahöhen gehalten.

in Glovelier sollen nur noch CLF-negativ

werden. In den vergangenen 40 Jahren

Die Züchter verfügen in der Regel

getestete Tiere zugelassen werden.

zuvor herrschte in der Freibergerzucht ein

über einen staatlich anerkannten Land-

Erstmals wissenschaftlich beschrie-

Drögemüller ist es mit seinem Team ge-

defohlen ist meistens bei allen Beteiligten

ben wurde dieses Phänomen im Jahre

lungen, das mutierte Gen aus den rund

regelrechter

Wild-

wirtschaftsbetrieb. Das kann sich durch-

riesig. Doch es kommt vor, dass ein Jung-

2000. Damals haben die Forscher festge-

20 000 Genen des Pferdes zu identifi-

wuchs: Es wurde

aus lohnen: Zu den Direktzahlungen für

tier schon bald kränklich wirkt, abmagert

stellt, dass CLF angeboren ist und zu ei-

zieren, das als Auslöser für CLF verant-

wahllos eingezüch-

die Pferde, die als Raufutterverwerter gel-

und damit zusehends schwächer wird –

ner Degeneration der Lebergefässe führt.

wortlich ist. Nun steht ein Markertest zur

tet mit Warmblut-

ten, gesellen sich Aufzuchtprämien für

ohne dass der Züchter dafür eine plausi-

Leider lässt sich diese Krankheit bisher

Verfügung, der den Gendefekt bei einem

pferden aus allen

die Fohlen sowie Beiträge für die Zucht-

ble Erklärung hat.

nicht behandeln und endet unweigerlich

Freiberger Pferd mit hoher Wahrschein-

Ländern und sogar

stuten.

tödlich durch akutes Leberversagen, so-

lichkeit nachweisen kann.

Genetisch bedingte Krankheit

fern das erkrankte Fohlen nicht bereits

Etwa zehn Freiberger-Fohlen erkranken

vorher euthanasiert werden muss.

Schweizerisches Nationalgestüt SNG

Die Freude über ein frisch geborenes Pfer-

Vollblutarabern

Der Auserwählte

Der geleistete Gegenwert ist oft mager:

mit entsprechenden

Sind es doch vor allem die Pferdezüch-

Folgen.

ter im Jura, die sich gegen jede Verbesse-

jährlich im Alter von zwei bis sechs Mo-

Was also tun? In einem gemeinsa-

Etwa sechs Prozent der gesamten Freiber-

Gewisse Exzesse

rung der Pferdehaltung sperren – sei es das

naten an Ceroli-Leberfibrose (CLF). Ange-

men Forschungsprojekt der Vetsuisse-

ger-Population sind Träger dieses CLF-

in der Zucht haben

Verbot für die ständige Anbindehaltung in

sichts von momentan etwa 2650 Geburten

Fakultät der Universität Bern, dem Na-

Allels. Allerdings relativiert Tosso Leeb,

mitunter aus dem

Ständen oder die Abschaffung der Weide-

pro Jahr tönt diese Zahl betroffener Tiere

tionalgestüt in Avenches, der SHL Zolli-

Leiter des Instituts für Genetik der Vet-

einst leichten Kalt-

umzäunung mit Stacheldraht. Ob dafür die

zunächst nicht dramatisch. Was aber sind

kofen und dem Schweizerischen Freiber-

suisse-Fakultät, die Gefahr dieser Abnor-

blutpferd mit gut-

hochsubventionierte Pferdehaltung in der

die Ursachen für diese Krankheit, die so

gerzuchtverband (SFZV) konnte das CLF-

malität: «Die Wahrscheinlichkeit einer Er-

mütigem Charakter

Schweiz gerechtfertigt ist …? -

plötzlich zum Tod führt?

Allel identifiziert werden. Professor Cord

krankung eines positiv getesten Fohlens

22

TIERREPORT 4/2011

Zuchthengst: Der stolze Elu verbreitete die Krankheit stark.

TIERREPORT 4/2011

Problempferde her-



Matthias Brunner

23


Stéphane Klop-

Fohlen betroffen, deren beide Elterntiere

fenstein, Geschäfts-

Anlageträger von CLF sind.

führer des SFZV, zö-

Als Hauptverantwortlicher für die ge-

gert etwas vor ei-

fährliche Erbkrankheit konnte der Hengst

ner klaren Stellung-

Elu ermittelt werden. Seinem Namen

nahme und meint

kommt rückblickend eine schicksalhafte

gegenüber

Bedeutung zu: Aus dem Französischen

REPORT:

übersetzt heisst «Elu» nämlich soviel wie

mit CLF-positiv ge-

«der Auserwählte» …

testeten

Der potente Hengst wurde 1964 gebo-

Junge Freiberger-Fohlen sterben plötzlich an Leberversagen. Grund dafür ist ein Gendefekt, die Caroli-Leberfibrose, welche seit neuestem mit einem einfachen Markertest nachgewiesen werden kann. Doch Hauptursache für die Erbkrankheit ist die übersteigerte Inzucht bei der einzigen Schweizer Pferderasse.

TIER«Züchter Hengsten

werden kaum mehr

ren und zeugte etwa 500 Nachkommen,

Deckanfragen

von denen wiederum an die 200 für die

halten und daraus

Zucht eingesetzt wurden. Somit konnte

ihre Konsequenzen

sich CLF bis heute ungehindert weiter-

ziehen.»

verbreiten. Allerdings gilt Elu nicht als

matthias brunner

fotolia

liegt bei 25 Prozent.» Ausserdem seien nur

er-

Wenig Freiheit: Die Haltungsbedingungen der Freiberger ist viel zu oft mangelhaft.

Optimistisch zu

Auslöser der Krankheit: «Wir gehen da-

den angekündigten Massnahmen äussert

vorgebracht, die zu chronischen Krank-

von aus, dass höchstwahrscheinlich der

sich Ruedi von Niederhäusern vom Na-

heiten wie Sommerexzem und Hufrol-

1929 geborene Hengst Wigar das Grün-

tionalgestüt: «In einem Jahr werden wir

lenentzündung neigen oder schwierig

dertier war», äussert sich Tosso Leeb vor-

keine an CLF erkrankte Fohlen mehr ha-

im Umgang sind. Heute setzen die meis-

sichtig.

ben.» Professor Leeb geht etwas vorsichti-

ten Züchter auf ein unkompliziertes Frei-

ger von «drei bis vier Jahren» aus, bis die

zeitpferd, das sich sowohl zum Reiten als

Erbkrankheit völlig ausgemerzt sei.

auch zum Fahren eignet.

verband (SFZV) reagiert: Die Namen der

Inzucht bleibt latente Gefahr

13 gekörten Hengste, die Nachkommen

Also alles in Butter? Nicht ganz – denn

Fragwürdige Subventionierung

der sogenannten E-Linie von Elu und Trä-

das Hauptproblem für solche Erbkrank-

Allerdings ist die Konkurrenz in diesem

ger des CLF-Allels sind, werden zwar be-

heiten ist der hohe Inzuchtgrad bei den

Sektor international betrachtet gross. Die

kannt gegeben – doch nicht sofort von

Freibergern, wie der SFZV selber in ei-

Schweiz ist kein traditionelles Land für

der Zucht ausgeschlossen, wie dies das

ner Pressemitteilung vom 7. November

die Pferdezucht. Erst 1902 wurde das Frei-

Nationalgestüt in Avenches mit seinen

schreibt.

berger Pferd überhaupt als eigenständige

Zögerlicher Verband Etwas halbherzig hat der Freibergerzucht-

Gendefekt tötet Freiberger-Fohlen

sechs betroffenen Pferden umgehend ge-

Im Jahre 1997 hatte der Verband das

Rasse definiert. Ursprungsgemäss werden

tan hat. Erst an der kommenden nationa-

Zuchtbuch geschlossen, und seitdem darf

noch heute die meisten Freiberger in den

len Hengstselektion anfangs Januar 2012

der Rasse kein Fremdblut mehr zugeführt

Jurahöhen gehalten.

in Glovelier sollen nur noch CLF-negativ

werden. In den vergangenen 40 Jahren

Die Züchter verfügen in der Regel

getestete Tiere zugelassen werden.

zuvor herrschte in der Freibergerzucht ein

über einen staatlich anerkannten Land-

Erstmals wissenschaftlich beschrie-

Drögemüller ist es mit seinem Team ge-

defohlen ist meistens bei allen Beteiligten

ben wurde dieses Phänomen im Jahre

lungen, das mutierte Gen aus den rund

regelrechter

Wild-

wirtschaftsbetrieb. Das kann sich durch-

riesig. Doch es kommt vor, dass ein Jung-

2000. Damals haben die Forscher festge-

20 000 Genen des Pferdes zu identifi-

wuchs: Es wurde

aus lohnen: Zu den Direktzahlungen für

tier schon bald kränklich wirkt, abmagert

stellt, dass CLF angeboren ist und zu ei-

zieren, das als Auslöser für CLF verant-

wahllos eingezüch-

die Pferde, die als Raufutterverwerter gel-

und damit zusehends schwächer wird –

ner Degeneration der Lebergefässe führt.

wortlich ist. Nun steht ein Markertest zur

tet mit Warmblut-

ten, gesellen sich Aufzuchtprämien für

ohne dass der Züchter dafür eine plausi-

Leider lässt sich diese Krankheit bisher

Verfügung, der den Gendefekt bei einem

pferden aus allen

die Fohlen sowie Beiträge für die Zucht-

ble Erklärung hat.

nicht behandeln und endet unweigerlich

Freiberger Pferd mit hoher Wahrschein-

Ländern und sogar

stuten.

tödlich durch akutes Leberversagen, so-

lichkeit nachweisen kann.

Genetisch bedingte Krankheit

fern das erkrankte Fohlen nicht bereits

Etwa zehn Freiberger-Fohlen erkranken

vorher euthanasiert werden muss.

Schweizerisches Nationalgestüt SNG

Die Freude über ein frisch geborenes Pfer-

Vollblutarabern

Der Auserwählte

Der geleistete Gegenwert ist oft mager:

mit entsprechenden

Sind es doch vor allem die Pferdezüch-

Folgen.

ter im Jura, die sich gegen jede Verbesse-

jährlich im Alter von zwei bis sechs Mo-

Was also tun? In einem gemeinsa-

Etwa sechs Prozent der gesamten Freiber-

Gewisse Exzesse

rung der Pferdehaltung sperren – sei es das

naten an Ceroli-Leberfibrose (CLF). Ange-

men Forschungsprojekt der Vetsuisse-

ger-Population sind Träger dieses CLF-

in der Zucht haben

Verbot für die ständige Anbindehaltung in

sichts von momentan etwa 2650 Geburten

Fakultät der Universität Bern, dem Na-

Allels. Allerdings relativiert Tosso Leeb,

mitunter aus dem

Ständen oder die Abschaffung der Weide-

pro Jahr tönt diese Zahl betroffener Tiere

tionalgestüt in Avenches, der SHL Zolli-

Leiter des Instituts für Genetik der Vet-

einst leichten Kalt-

umzäunung mit Stacheldraht. Ob dafür die

zunächst nicht dramatisch. Was aber sind

kofen und dem Schweizerischen Freiber-

suisse-Fakultät, die Gefahr dieser Abnor-

blutpferd mit gut-

hochsubventionierte Pferdehaltung in der

die Ursachen für diese Krankheit, die so

gerzuchtverband (SFZV) konnte das CLF-

malität: «Die Wahrscheinlichkeit einer Er-

mütigem Charakter

Schweiz gerechtfertigt ist …? -

plötzlich zum Tod führt?

Allel identifiziert werden. Professor Cord

krankung eines positiv getesten Fohlens

22

TIERREPORT 4/2011

Zuchthengst: Der stolze Elu verbreitete die Krankheit stark.

TIERREPORT 4/2011

Problempferde her-



Matthias Brunner

23


Tierschutz macht Schule: Über 350 Schulbesuche machte das Krax-Team in diesem Jahr in der ganzen Schweiz.

10 Jahre Krax Krax feiert 2012 sein zehnjähriges Bestehen. Das Krax-Team hat in dieser Zeit fast 1000 Schulen besucht und weit über 100 000 Krax-Hefte an Standaktionen und Anlässen verteilt.

Aufmerksame Kids: Im direkten Kontakt mit Tieren wird aus Theorie schliesslich gelebter Tierschutz.

Das aktuelle Interview

Krax ist ein frecher, neugieriger und mutiger Kolkrabe, welcher den Schnabel aufreisst, wenn es Tieren nicht gut geht. Er ist

Krax: Seit eini-

einander und wie sie mit den Tieren um-

ein Vorbild und ein Vermittler zwischen

gen Jahren zieht ihr

gehen, ob sie bereit sind, Menschen und

Tier und Mensch. Kinder und Jugendliche

zwei nun schon mit

Tiere, unsere Mitgeschöpfe, vor Grau-

schreiben ihm, wenn sie eine Frage zu Tie-

mir durch die Schweiz

samkeiten und Leiden zu bewahren, das

ren haben oder wenn ein Tier in Not ist.

und sensibilisiert die Kinder

ist Ausdruck der Humanität und der Kul-

für Tierschutzfragen. Was ist

turstufe eines Volkes.» Diese Aussage hat

Krax erhält aber auch viele Zeichnungen und Geschichten – erfundene wie selbst

mich beeindruckt. Ich denke, dass nur,

euer Antrieb?

erlebte. Er hört den Kindern zu und bie-

Erlebnis: Auch im Alltag der Kids spielt Tierschutz eine wichtige Rolle.

wer eine moralische Verantwortung ge-

tet ihnen eine Plattform; im Krax-Heft er-

Doris: Krrraaaaxxxxx! All die Geschichten

genüber Tieren wahrnehmen kann, auch

scheinen regelmässig Beiträge von «Kra-

und Zeichnungen, welche mir die Kinder

eine aufrichtige Ethik unter den Men-

xies». Fast täglich besucht das Krax-Team

erzählen oder schicken über ihre Meer-

schen lebt. Mit anderen Worten: Solange

irgendwo in der Schweiz eine Schule und

schweinchen, Katzen oder Kaninchen –

den Tieren Leid und Schmerz zugefügt

begeistert die Kinder mit spannendem

die traurigen und die lustigen – sind im-

wird und werden darf, werden wir dies

Kinder lernen auf spielerische Art, zum

Anschauungsmaterial wie Fellen, Tritt-

mer wieder ein grosser Ansporn.

auch gegenüber anderen Menschen nicht

Beispiel bei einem Bewegungs- oder ei-

unterbinden können. Aus diesem Grund

nem Rollenspiel, Verantwortung gegen-

David: Dazu zitiere ich gerne Fritz Erler:

liegt mir die Sensibilisierung der Kinder

über Tieren wahrzunehmen. Dies hat so-

«Wie in einem Volke die Menschen mit-

natürlich sehr am Herzen.

wohl einen sinnlichen wie auch einen in-

siegeln oder dem Krax-Spiel.

Doris Hermann: Sie leitet das Projekt «Krax» und ist der kreative Kopf hinter vielen Aktionen.

tellektuellen Aspekt.

Krax: Was macht ihr im Unterricht mit Krax: Ihr macht auch viele Ausflüge. Wo

den Kindern?

geht ihr bei den Krax-Anlässen hin?

David: Die Lehrperson wählt das The-

Begreifen: Im beliebten Krax-Lager in den Alpen gibts für die Kids haut­ nahen Kontakt zu Tier und Natur.

TIERREPORT 4/2011

Doris: Je nach Jahresthema besuchen wir

Schulbesuche zu den Themen Heim-

Bauernhöfe oder Wildstationen oder bas-

tiere, Nutztiere und Wildtiere. Grund-

teln Spielzeuge für Heimtiere. Wichtig ist

sätzlich vermitteln wir nur positive Bot-

dabei immer, dass die Kinder einen un-

schaften, wir zeigen also keine grausa-

mittelbaren Kontakt zu den Tieren erfah-

David Naef: Der Leiter «Schulprojekt» ist mit Engagement und einer gesunden Portion Humor dabei.

Lernen: Spielerisch lernen die Kids mehr über die heimische Tierwelt. 24

mengebiet selber aus. Wir machen

TIERREPORT 4/2011

men Bilder. Das Tier und

ren und dass sie Freude an der

seine Bedürfnisse sollen

Begegnung haben. -

im Zentrum stehen. Die

25


Tierschutz macht Schule: Über 350 Schulbesuche machte das Krax-Team in diesem Jahr in der ganzen Schweiz.

10 Jahre Krax Krax feiert 2012 sein zehnjähriges Bestehen. Das Krax-Team hat in dieser Zeit fast 1000 Schulen besucht und weit über 100 000 Krax-Hefte an Standaktionen und Anlässen verteilt.

Aufmerksame Kids: Im direkten Kontakt mit Tieren wird aus Theorie schliesslich gelebter Tierschutz.

Das aktuelle Interview

Krax ist ein frecher, neugieriger und mutiger Kolkrabe, welcher den Schnabel aufreisst, wenn es Tieren nicht gut geht. Er ist

Krax: Seit eini-

einander und wie sie mit den Tieren um-

ein Vorbild und ein Vermittler zwischen

gen Jahren zieht ihr

gehen, ob sie bereit sind, Menschen und

Tier und Mensch. Kinder und Jugendliche

zwei nun schon mit

Tiere, unsere Mitgeschöpfe, vor Grau-

schreiben ihm, wenn sie eine Frage zu Tie-

mir durch die Schweiz

samkeiten und Leiden zu bewahren, das

ren haben oder wenn ein Tier in Not ist.

und sensibilisiert die Kinder

ist Ausdruck der Humanität und der Kul-

für Tierschutzfragen. Was ist

turstufe eines Volkes.» Diese Aussage hat

Krax erhält aber auch viele Zeichnungen und Geschichten – erfundene wie selbst

mich beeindruckt. Ich denke, dass nur,

euer Antrieb?

erlebte. Er hört den Kindern zu und bie-

Erlebnis: Auch im Alltag der Kids spielt Tierschutz eine wichtige Rolle.

wer eine moralische Verantwortung ge-

tet ihnen eine Plattform; im Krax-Heft er-

Doris: Krrraaaaxxxxx! All die Geschichten

genüber Tieren wahrnehmen kann, auch

scheinen regelmässig Beiträge von «Kra-

und Zeichnungen, welche mir die Kinder

eine aufrichtige Ethik unter den Men-

xies». Fast täglich besucht das Krax-Team

erzählen oder schicken über ihre Meer-

schen lebt. Mit anderen Worten: Solange

irgendwo in der Schweiz eine Schule und

schweinchen, Katzen oder Kaninchen –

den Tieren Leid und Schmerz zugefügt

begeistert die Kinder mit spannendem

die traurigen und die lustigen – sind im-

wird und werden darf, werden wir dies

Kinder lernen auf spielerische Art, zum

Anschauungsmaterial wie Fellen, Tritt-

mer wieder ein grosser Ansporn.

auch gegenüber anderen Menschen nicht

Beispiel bei einem Bewegungs- oder ei-

unterbinden können. Aus diesem Grund

nem Rollenspiel, Verantwortung gegen-

David: Dazu zitiere ich gerne Fritz Erler:

liegt mir die Sensibilisierung der Kinder

über Tieren wahrzunehmen. Dies hat so-

«Wie in einem Volke die Menschen mit-

natürlich sehr am Herzen.

wohl einen sinnlichen wie auch einen in-

siegeln oder dem Krax-Spiel.

Doris Hermann: Sie leitet das Projekt «Krax» und ist der kreative Kopf hinter vielen Aktionen.

tellektuellen Aspekt.

Krax: Was macht ihr im Unterricht mit Krax: Ihr macht auch viele Ausflüge. Wo

den Kindern?

geht ihr bei den Krax-Anlässen hin?

David: Die Lehrperson wählt das The-

Begreifen: Im beliebten Krax-Lager in den Alpen gibts für die Kids haut­ nahen Kontakt zu Tier und Natur.

TIERREPORT 4/2011

Doris: Je nach Jahresthema besuchen wir

Schulbesuche zu den Themen Heim-

Bauernhöfe oder Wildstationen oder bas-

tiere, Nutztiere und Wildtiere. Grund-

teln Spielzeuge für Heimtiere. Wichtig ist

sätzlich vermitteln wir nur positive Bot-

dabei immer, dass die Kinder einen un-

schaften, wir zeigen also keine grausa-

mittelbaren Kontakt zu den Tieren erfah-

David Naef: Der Leiter «Schulprojekt» ist mit Engagement und einer gesunden Portion Humor dabei.

Lernen: Spielerisch lernen die Kids mehr über die heimische Tierwelt. 24

mengebiet selber aus. Wir machen

TIERREPORT 4/2011

men Bilder. Das Tier und

ren und dass sie Freude an der

seine Bedürfnisse sollen

Begegnung haben. -

im Zentrum stehen. Die

25


Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt

West Hollywood beschliesst Verkaufsverbot für Pelz

USA

laga

Spanien

USA

EU rüffelt spanische Zoos

Grausame Delikatesse verboten Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown

Der Stadtrat von West Hollywood bei

Angeles und Beverly Hills. Gerade des-

Die EU-Kommission ermahnte Spanien

hat eine Gesetzesvorlage unterzeichnet, die

Los Angeles hat ein Verbot für den Ver-

halb ist das Verbot ein Meilenstein bei

erneut, die Richtlinien zur Haltung von

den Verkauf, Handel und Besitz von Hai-

kauf jeglicher Pelzprodukte beschlossen.

der Brandmarkung von Pelz als Tierqual-

Zootieren einzuhalten. Der europäische

fischflossen verbietet. Kalifornien schliesst

Amerikanische Tierschutzorganisatio-

produkt.

Gerichtshof hatte das Mitgliedsland be-

sich damit dem Verbot Hawaiis, Oregons,

reits im Dezember 2010 wegen der Verlet-

Torontos und Guams an.

nen hatten eine intensive Kampagne für

Für Pelz werden Tiere in unerträglich enge Käfige gesperrt, durch Stromschläge

dieses Verkaufsverbot geführt. Viele Prominente und Reiche wohnen in der kleinen Stadt zwischen Los

getötet, lebendig gehäutet, ertränkt und mit Knüppeln niedergeschlagen.

Die Praxis, den Haien bei lebendigem

zung der Richtlinie verurteilt. Fast ein Jahr später ist Spanien dieser

Leib die Flossen abzuschneiden und die ver-

Forderung immer noch nicht nachgekom-

stümmelten Tiere wieder ins Meer zu wer-

men, tierschutzwidrige Zoos zu schliessen

fen, sei nicht nur grausam, sondern schade

und eine strenge Bewilligungspraxis ein-

ebenso der Gesundheit der Ozeane, schreibt

Spanien

zurichten. Falls Spanien nicht angemes-

Brown in einem Statement.

Aus für Stierkämpfe in Katalonien

sen auf die Mahnung reagiert, riskiert das

ben, stimmten gegen den Stierkampf.

im sogenannten «Hai-Finnen» eine Bedro-

Kamerun istockphoto

Am 25. September 2011 um 18 Uhr hat

Die Weltnaturschutzunion IUCN sieht

Land finanzielle Sanktionen.

hung für viele Haiarten. Jährlich gelangen

Undercover-Team überführt Affenschmuggler

bis zu 73 Millionen Haiflossen auf den

Barcelona Geschichte geschrieben: Zum

Vom Stierkampf-Verbot in Katalonien

letzten Mal betraten an diesem Sonntag

geht ein Signal aus, das den Gegnern die-

Stiere und Toreros die Arena «La Monu-

ser Tradition im ganzen Land Aufwind

mental». Vor einem Jahr hatte das ka-

verleiht: Die Zahl der Anhänger der Cor-

Den verdeckten Ermittlern der Wildtier-

nun operiert werden. Sie ist noch immer

talanische Regionalparlament das Ende

rida geht in ganz Spanien zurück. Rund

Schutzorganisation LAGA ist in Kamerun

in schlechter Verfassung.

des Stierkampfes in der Region beschlos-

zwei Drittel der 46 Millionen Spanier in-

ein Affenschmuggler ins Netz gegangen:

LAGA kämpft gegen die Wilderei in

Haifischflossen auf Schiffen verboten, doch

sen. Anfang 2012 tritt das Verbot nun in

teressieren sich laut Umfragen nicht mehr

Ein nur wenige Monate altes Gorillamäd-

Kamerun, Gabun, der Republik Kongo

die Vorschrift erwies sich als löchrig. Tier-

Kraft.

für Toreros und ihre Kämpfe.

chen konnte befreit und der Dealer ver-

und der Zentralafrikanischen Republik

schützer fordern nun, dass die EU nur noch

Markt. Weil der Marktwert von Haifleisch gering ist, werden die Tiere vorrangig wegen ihrer Flossen getötet. Europäische Flotten sind mit am stärksten am Haifang beteiligt. Die EU hatte 2003 das Abtrennen von

Bürgerinitiative

Vor allem die junge Generation wen-

haftet werden. Die Kleine hat eine tiefe

und konnte schon viele Dutzend illegale

das Anladen ganzer Haie mit Flossen zu-

«Prou» (zu Deutsch: es reicht!) hatten das

det sich ab. Spaniens öffentliches Fernse-

Schnittverletzung an der Hand und muss

Tierhändler dingfest machen.

lässt.

Thema mit einem Volksbegehren ins Par-

hen TVE sendet nicht mehr live aus den

lament gebracht. Vor allem die katala-

grossen Arenen. In Madrid und anderen

nischen Regionalparteien, die für einen

Regionen denken Ewiggestrige nun dar-

schrittweisen Abschied von Spanien ein-

über nach, den Stierkampf als Kulturgut

treten und im Landesteil die Mehrheit ha-

zu schützen.

istockphoto

Tierschützer

26

der

Holland

Japan

Kenia

Chicorée wirkt gegen Ebergeruch

Delfinjagd eröffnet

Tiere vom Hungertod bedroht Unsere Dachorganisation, die Welt-

koordinierte und effiziente Hilfe ge-

In Japan sterben jährlich bis zu 15 000

tierschutz-Gesellschaft WSPA, hat ei-

währleistet werden. Die Teams beste-

Delfine einen grausigen Tod bis zu 2000

nen Katastrophenhilfseinsatz im keni-

hen grösstenteils aus Kenianern. Viele

Wissenschaftler der Universität Aarhus

von ihnen allein im Fischerdorf Taiji.

anischen Mwingi-Distrikt veranlasst.

von ihnen sind Veterinärstudenten der

haben entdeckt, dass die Beigabe von

Durch den Oscar-prämierten Film «Die

Etwa 20 000 Nutztieren muss wegen

Universität von Nairobi.

Chicorée im Schweinefutter in den letz-

Bucht» geriet das bisher unbekannte Ört-

der Dürre dringend geholfen werden.

Regierungsbeamte, Tierärzte und

ten zwei Wochen vor der Schlachtung

chen 2009 weltweit in die Kritik.

Damit sichert die WSPA auch den Le-

Mitarbeiter vom «Donkey Sanctuary»

bensunterhalt der örtlichen Bevölke-

und dem «Africa Network for Animal

rung.

Welfare» bilden ebenfalls Teams. Sie

den Ebergeruch im Fleisch nahezu neut-

Vieles hat sich seither getan, doch

ralisiert. Diese Entdeckung kann auf lange

auch in dieser Saison muss täglich um

Sicht die Türe für eine gezielte und effizi-

Delfinleben gezittert werden. Unwetter

Fünf Teams konzentrieren sich auf

versorgen Tausende Esel, Ziegen, Ka-

ente Vermeidung des Ebergeruchs durch

und erfolglose Treibjagden liessen die

die wenigen vorhandenen Wasserstel-

mele, Rinder und Schafe. Vor Redak-

das Futter öffnen. Dies würde bedeuten,

ersten sechs Wochen in Taiji mit «nur» 40

len. Denn dort versammeln sich die

tionsschluss hat es im Mwingi-Distrikt

dass endlich die Kastration männlicher

toten Delfinen glimpflich verlaufen, doch

Tiere und ihre Besitzer. Nur so kann

endlich zu regnen angefangen.

Ferkel hinfällig würde.

die Saison dauert noch fünf Monate

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

27


Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt

West Hollywood beschliesst Verkaufsverbot für Pelz

USA

laga

Spanien

USA

EU rüffelt spanische Zoos

Grausame Delikatesse verboten Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown

Der Stadtrat von West Hollywood bei

Angeles und Beverly Hills. Gerade des-

Die EU-Kommission ermahnte Spanien

hat eine Gesetzesvorlage unterzeichnet, die

Los Angeles hat ein Verbot für den Ver-

halb ist das Verbot ein Meilenstein bei

erneut, die Richtlinien zur Haltung von

den Verkauf, Handel und Besitz von Hai-

kauf jeglicher Pelzprodukte beschlossen.

der Brandmarkung von Pelz als Tierqual-

Zootieren einzuhalten. Der europäische

fischflossen verbietet. Kalifornien schliesst

Amerikanische Tierschutzorganisatio-

produkt.

Gerichtshof hatte das Mitgliedsland be-

sich damit dem Verbot Hawaiis, Oregons,

reits im Dezember 2010 wegen der Verlet-

Torontos und Guams an.

nen hatten eine intensive Kampagne für

Für Pelz werden Tiere in unerträglich enge Käfige gesperrt, durch Stromschläge

dieses Verkaufsverbot geführt. Viele Prominente und Reiche wohnen in der kleinen Stadt zwischen Los

getötet, lebendig gehäutet, ertränkt und mit Knüppeln niedergeschlagen.

Die Praxis, den Haien bei lebendigem

zung der Richtlinie verurteilt. Fast ein Jahr später ist Spanien dieser

Leib die Flossen abzuschneiden und die ver-

Forderung immer noch nicht nachgekom-

stümmelten Tiere wieder ins Meer zu wer-

men, tierschutzwidrige Zoos zu schliessen

fen, sei nicht nur grausam, sondern schade

und eine strenge Bewilligungspraxis ein-

ebenso der Gesundheit der Ozeane, schreibt

Spanien

zurichten. Falls Spanien nicht angemes-

Brown in einem Statement.

Aus für Stierkämpfe in Katalonien

sen auf die Mahnung reagiert, riskiert das

ben, stimmten gegen den Stierkampf.

im sogenannten «Hai-Finnen» eine Bedro-

Kamerun istockphoto

Am 25. September 2011 um 18 Uhr hat

Die Weltnaturschutzunion IUCN sieht

Land finanzielle Sanktionen.

hung für viele Haiarten. Jährlich gelangen

Undercover-Team überführt Affenschmuggler

bis zu 73 Millionen Haiflossen auf den

Barcelona Geschichte geschrieben: Zum

Vom Stierkampf-Verbot in Katalonien

letzten Mal betraten an diesem Sonntag

geht ein Signal aus, das den Gegnern die-

Stiere und Toreros die Arena «La Monu-

ser Tradition im ganzen Land Aufwind

mental». Vor einem Jahr hatte das ka-

verleiht: Die Zahl der Anhänger der Cor-

Den verdeckten Ermittlern der Wildtier-

nun operiert werden. Sie ist noch immer

talanische Regionalparlament das Ende

rida geht in ganz Spanien zurück. Rund

Schutzorganisation LAGA ist in Kamerun

in schlechter Verfassung.

des Stierkampfes in der Region beschlos-

zwei Drittel der 46 Millionen Spanier in-

ein Affenschmuggler ins Netz gegangen:

LAGA kämpft gegen die Wilderei in

Haifischflossen auf Schiffen verboten, doch

sen. Anfang 2012 tritt das Verbot nun in

teressieren sich laut Umfragen nicht mehr

Ein nur wenige Monate altes Gorillamäd-

Kamerun, Gabun, der Republik Kongo

die Vorschrift erwies sich als löchrig. Tier-

Kraft.

für Toreros und ihre Kämpfe.

chen konnte befreit und der Dealer ver-

und der Zentralafrikanischen Republik

schützer fordern nun, dass die EU nur noch

Markt. Weil der Marktwert von Haifleisch gering ist, werden die Tiere vorrangig wegen ihrer Flossen getötet. Europäische Flotten sind mit am stärksten am Haifang beteiligt. Die EU hatte 2003 das Abtrennen von

Bürgerinitiative

Vor allem die junge Generation wen-

haftet werden. Die Kleine hat eine tiefe

und konnte schon viele Dutzend illegale

das Anladen ganzer Haie mit Flossen zu-

«Prou» (zu Deutsch: es reicht!) hatten das

det sich ab. Spaniens öffentliches Fernse-

Schnittverletzung an der Hand und muss

Tierhändler dingfest machen.

lässt.

Thema mit einem Volksbegehren ins Par-

hen TVE sendet nicht mehr live aus den

lament gebracht. Vor allem die katala-

grossen Arenen. In Madrid und anderen

nischen Regionalparteien, die für einen

Regionen denken Ewiggestrige nun dar-

schrittweisen Abschied von Spanien ein-

über nach, den Stierkampf als Kulturgut

treten und im Landesteil die Mehrheit ha-

zu schützen.

istockphoto

Tierschützer

26

der

Holland

Japan

Kenia

Chicorée wirkt gegen Ebergeruch

Delfinjagd eröffnet

Tiere vom Hungertod bedroht Unsere Dachorganisation, die Welt-

koordinierte und effiziente Hilfe ge-

In Japan sterben jährlich bis zu 15 000

tierschutz-Gesellschaft WSPA, hat ei-

währleistet werden. Die Teams beste-

Delfine einen grausigen Tod bis zu 2000

nen Katastrophenhilfseinsatz im keni-

hen grösstenteils aus Kenianern. Viele

Wissenschaftler der Universität Aarhus

von ihnen allein im Fischerdorf Taiji.

anischen Mwingi-Distrikt veranlasst.

von ihnen sind Veterinärstudenten der

haben entdeckt, dass die Beigabe von

Durch den Oscar-prämierten Film «Die

Etwa 20 000 Nutztieren muss wegen

Universität von Nairobi.

Chicorée im Schweinefutter in den letz-

Bucht» geriet das bisher unbekannte Ört-

der Dürre dringend geholfen werden.

Regierungsbeamte, Tierärzte und

ten zwei Wochen vor der Schlachtung

chen 2009 weltweit in die Kritik.

Damit sichert die WSPA auch den Le-

Mitarbeiter vom «Donkey Sanctuary»

bensunterhalt der örtlichen Bevölke-

und dem «Africa Network for Animal

rung.

Welfare» bilden ebenfalls Teams. Sie

den Ebergeruch im Fleisch nahezu neut-

Vieles hat sich seither getan, doch

ralisiert. Diese Entdeckung kann auf lange

auch in dieser Saison muss täglich um

Sicht die Türe für eine gezielte und effizi-

Delfinleben gezittert werden. Unwetter

Fünf Teams konzentrieren sich auf

versorgen Tausende Esel, Ziegen, Ka-

ente Vermeidung des Ebergeruchs durch

und erfolglose Treibjagden liessen die

die wenigen vorhandenen Wasserstel-

mele, Rinder und Schafe. Vor Redak-

das Futter öffnen. Dies würde bedeuten,

ersten sechs Wochen in Taiji mit «nur» 40

len. Denn dort versammeln sich die

tionsschluss hat es im Mwingi-Distrikt

dass endlich die Kastration männlicher

toten Delfinen glimpflich verlaufen, doch

Tiere und ihre Besitzer. Nur so kann

endlich zu regnen angefangen.

Ferkel hinfällig würde.

die Saison dauert noch fünf Monate

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

27


Fotos: Mark Rissi und Arco

Wasserbüffel knuddeln gerne Die ersten Wasserbüffel wurden 1996 von Schangnauer Bauern aus Siebenbürgen in die Schweiz importiert. Nach fünftägiger Eisenbahnfahrt erreichten damals 15 Wasserbüffel das Emmental. Heute mampfen bereits 342 Wasserbüffelkühe auf den Wiesen und in Ställen von etwa zwei Dutzend Schweizer Betrieben.

Verschmust: Wasserbüffel geniessen es, am Hals gekrault zu werden.

hoch, was die niedrigere Milchleistung

zubauen dauert mehrere Jahre. Erst im

teilweise kompensiert. Wasserbüffel gel-

Alter von drei bis vier Jahren gibt eine

ten als ausgesprochen gutmütig. Sie sind

Büffelkuh erstmals Milch, die mit bis zu

Gewohnheitstiere, haben eine ausgeprägte

neun Prozent besonders fetthaltig ist. Bis

Rangordnung und sind sehr bewegungs-

es das Tier auf eine tägliche Leistung von

freudig.

sieben bis acht Liter bringt, dauert es eine weitere Weile.

Ansteckende Tierseuche Hauptproduktionsland des Mozzarella di

Wertlose Stierkälber

Bufala in Europa ist Italien. Nachdem

Damit Büffelkühe möglichst viel Milch ge-

2007 die Behörden die Kontrollen der

ben, müssen sie gedeckt werden, ihre Käl-

Zuchtbetriebe verschärft hatten, wurden

ber austragen und zur Welt bringen. Weib-

vor allem in der Provinz Caserta mehrere

liche Kälber als zukünftige Milchlieferan-

zehntausend Büffel entdeckt, die mit Bru-

ten werden geschätzt. Stierkälbchen sind

nerationen an die menschliche Nähe. Die

cellose-Bakterien infiziert waren. Die von

dagegen nichts wert. Das Gesetz schreibt

zahmen Tiere werden in unterschiedli-

der ansteckenden Krankheit betroffenen

vor, dass sie auf den Schlachthof gebracht,

chen Züchtungen als Milch-, Arbeits-

Büffel sollten nun notgeschlachtet wer-

betäubt und geschlachtet werden.

oder Sumpfbüffel eingesetzt. Die grossen,

den. Um den Widerstand der Züchter zu

Das Fleisch, das niemand essen will,

weit spreizbaren Hufe sind auf nassen

brechen, stellte die Regierung 66 Millio-

müsste als Sondermüll entsorgt werden.

Reisfeldern besonders vorteilhaft. Die

nen Euro als Entschädigung bereit.

Und das kostet Gebühren – ziemlich hohe

Vorliebe für lange Aufenthalte im Wasser

sogar. Weshalb in Italien gemäss Aussa-

oder Schlamm haben die Haustiere von

Mafia steckt hinter der Misere

gen der Tierärztin Dorothea Fitz nicht we-

ihren wilden Vorfahren beibehalten.

nige Büffelbauern das Gesetz umgehen:

Die wilden Büffel sind allerdings mit

Für das Ausmass der Seuche macht die

Büffelkälber werden ausgesetzt, erstickt,

einem Gewicht von bis zu 1200 Kilo-

Turiner Tageszeitung «La Stampa» die

in die Jauchegrube geworfen oder auf an-

gramm und einer Schulterhöhe von knapp

Herrschaft der Mafia-Organisation Ca-

dere brutale Art getötet.

zwei Metern wesentlich grösser und schwerer als ihre zu Haustieren geworde-

morra verantwortlich: «Ein grosser Teil oder indirekt von der Camorra kontrol-

Nur noch wenige wilde Wasserbüffel

nen Nachfahren. Und sie haben wesent-

Sanft und neugierig Es seien empfindsame, sanfte und neugie-

liert, was bisher die Ausrottung des Übels

Da haben die Stierkälber in ihrer ur-

ner, die bei alten Bullen zwei Meter mes-

rige Tiere, die aktiv den Bezug zu ihm su-

verhindert hat.»

der Zuchtbetriebe von Caserta wird direkt

Urtümlich und robust: Auch im rauheren und sehr unterschiedlichen Schweizer Klima fühlen sich Wasserbüffel sehr wohl.

Stark gefährdet: Die Anzahl wildlebender Wasserbüffel wird auf unter 4000 geschätzt.

lich längere und weiter ausladende Hör-

sprünglichen Heimat vermutlich etwas

sen können. Der gewaltige Kopfschmuck

chen. Und wie zur Demonstration lässt

So bedrohte die Camorra etwa Tier-

grössere Überlebenschancen: Schon vor

und die grosse Menge Fleisch hat man-

sich der mächtige und zutrauliche Stier

ärzte, verfälschte Testergebnisse und ver-

mehr als 3000 Jahren fingen Bauern

chen wilden Wasserbüffel in der Vergan-

namens Colonel vom Betriebsleiter mit

steckte kranke Büffel. Denn einen gesun-

Jungtiere des Vorderindien-Wasserbüffels

genheit vorzeitig das Leben gekostet.

sichtlichem Wohlbehagen am Hals krau-

den Bestand von Hausbüffeln wiederauf-

oder Arni ein und gewöhnten sie über Ge-

Doch nicht nur die direkte Verfolgung

len. «Er hätte es gerne, man würde ihn den

hat dazu geführt, dass heute der Arni zu

ganzen Tag knuddeln», schmunzelt Eisen-

den am stärksten gefährdeten Wildrinder-

egger. Wasserbüffel sind sehr anspruchs-

arten auf der Erde gehört. Ohne einige

los und kommen, trotz ihrer ursprüngli-

Rückzugsgebiete in wenigen asiatischen

chen Herkunft aus warmen asiatischen

Nationalparks wären die einst über ganz

Ländern, gut mit dem rauhen und sehr un-

Asien, Vorderasien und auch im Nordos-

terschiedlichen hiesigen Klima zurecht.

ten Afrikas in mehreren Unterarten ver-

«Das sind wilde Biester, von denen kaufe

«Inzwischen haben sie sich an den An-

Die Haut des Wasserbüffels weist weniger

breiteten Wild-Wasserbüffel heute nicht

ich nichts», protestierte ein altes Bäuerlein

blick der massigen, schwarzen Tiere ge-

Schweissdrüsen auf als die der einheimi-

mehr vorhanden.

auf dem Wochenmarkt in St. Gallen, als

wöhnt», lacht Celine Eisenegger. Sie und

schen Rinder; bei grosser Hitze sind sie

Während der Bestand der Hausbüffel

ihm eine Verkäuferin Büffel-Mozzarella

ihr Mann stellten ihren Hof von der Milch-

deshalb auf Kühlung durch Duschen, Was-

auf der ganzen Welt mit 150 Millionen

anbot. Er begnügte sich mit Herkömmli-

kuh- auf die Wasserbüffelhaltung um

ser- oder Schlammbäder angewiesen.

Tieren angegeben wird, gibt es nach An-

cherem, mit Mozzarella aus Kuhmilch. So

und haben es offensichtlich nicht bereut:

ging es noch vielen Berufskollegen, die

«Wenn man Freude hat an den Tieren, geht

Hochwertige Milch

Union IUCN heute weltweit weniger als

anfangs skeptisch die Wasserbüffelherde

alles viel einfacher», meint Philip Eisen-

Ihre Milch ist wesentlich fett- und eiweiss­

4000 echte wilde Wasserbüffel.- 

der Familie Eisenegger im St. Gallischen

egger. Er zeigt sich begeistert von der Ro-

haltiger als herkömmliche Kuhmilch. Die

Gossau beäugten.

bustheit und Urtümlichkeit der Tiere.

Ausbeute beim Käsen ist entsprechend

28

gaben der Internationalen Naturschutz-

TIERREPORT 4/2011

Nichts von «dolce vita»: Kalb in einer kargen Metalbox eines italienischen Zuchtbetriebs.

TIERREPORT 4/2011



Mark Rissi

29


Fotos: Mark Rissi und Arco

Wasserbüffel knuddeln gerne Die ersten Wasserbüffel wurden 1996 von Schangnauer Bauern aus Siebenbürgen in die Schweiz importiert. Nach fünftägiger Eisenbahnfahrt erreichten damals 15 Wasserbüffel das Emmental. Heute mampfen bereits 342 Wasserbüffelkühe auf den Wiesen und in Ställen von etwa zwei Dutzend Schweizer Betrieben.

Verschmust: Wasserbüffel geniessen es, am Hals gekrault zu werden.

hoch, was die niedrigere Milchleistung

zubauen dauert mehrere Jahre. Erst im

teilweise kompensiert. Wasserbüffel gel-

Alter von drei bis vier Jahren gibt eine

ten als ausgesprochen gutmütig. Sie sind

Büffelkuh erstmals Milch, die mit bis zu

Gewohnheitstiere, haben eine ausgeprägte

neun Prozent besonders fetthaltig ist. Bis

Rangordnung und sind sehr bewegungs-

es das Tier auf eine tägliche Leistung von

freudig.

sieben bis acht Liter bringt, dauert es eine weitere Weile.

Ansteckende Tierseuche Hauptproduktionsland des Mozzarella di

Wertlose Stierkälber

Bufala in Europa ist Italien. Nachdem

Damit Büffelkühe möglichst viel Milch ge-

2007 die Behörden die Kontrollen der

ben, müssen sie gedeckt werden, ihre Käl-

Zuchtbetriebe verschärft hatten, wurden

ber austragen und zur Welt bringen. Weib-

vor allem in der Provinz Caserta mehrere

liche Kälber als zukünftige Milchlieferan-

zehntausend Büffel entdeckt, die mit Bru-

ten werden geschätzt. Stierkälbchen sind

nerationen an die menschliche Nähe. Die

cellose-Bakterien infiziert waren. Die von

dagegen nichts wert. Das Gesetz schreibt

zahmen Tiere werden in unterschiedli-

der ansteckenden Krankheit betroffenen

vor, dass sie auf den Schlachthof gebracht,

chen Züchtungen als Milch-, Arbeits-

Büffel sollten nun notgeschlachtet wer-

betäubt und geschlachtet werden.

oder Sumpfbüffel eingesetzt. Die grossen,

den. Um den Widerstand der Züchter zu

Das Fleisch, das niemand essen will,

weit spreizbaren Hufe sind auf nassen

brechen, stellte die Regierung 66 Millio-

müsste als Sondermüll entsorgt werden.

Reisfeldern besonders vorteilhaft. Die

nen Euro als Entschädigung bereit.

Und das kostet Gebühren – ziemlich hohe

Vorliebe für lange Aufenthalte im Wasser

sogar. Weshalb in Italien gemäss Aussa-

oder Schlamm haben die Haustiere von

Mafia steckt hinter der Misere

gen der Tierärztin Dorothea Fitz nicht we-

ihren wilden Vorfahren beibehalten.

nige Büffelbauern das Gesetz umgehen:

Die wilden Büffel sind allerdings mit

Für das Ausmass der Seuche macht die

Büffelkälber werden ausgesetzt, erstickt,

einem Gewicht von bis zu 1200 Kilo-

Turiner Tageszeitung «La Stampa» die

in die Jauchegrube geworfen oder auf an-

gramm und einer Schulterhöhe von knapp

Herrschaft der Mafia-Organisation Ca-

dere brutale Art getötet.

zwei Metern wesentlich grösser und schwerer als ihre zu Haustieren geworde-

morra verantwortlich: «Ein grosser Teil oder indirekt von der Camorra kontrol-

Nur noch wenige wilde Wasserbüffel

nen Nachfahren. Und sie haben wesent-

Sanft und neugierig Es seien empfindsame, sanfte und neugie-

liert, was bisher die Ausrottung des Übels

Da haben die Stierkälber in ihrer ur-

ner, die bei alten Bullen zwei Meter mes-

rige Tiere, die aktiv den Bezug zu ihm su-

verhindert hat.»

der Zuchtbetriebe von Caserta wird direkt

Urtümlich und robust: Auch im rauheren und sehr unterschiedlichen Schweizer Klima fühlen sich Wasserbüffel sehr wohl.

Stark gefährdet: Die Anzahl wildlebender Wasserbüffel wird auf unter 4000 geschätzt.

lich längere und weiter ausladende Hör-

sprünglichen Heimat vermutlich etwas

sen können. Der gewaltige Kopfschmuck

chen. Und wie zur Demonstration lässt

So bedrohte die Camorra etwa Tier-

grössere Überlebenschancen: Schon vor

und die grosse Menge Fleisch hat man-

sich der mächtige und zutrauliche Stier

ärzte, verfälschte Testergebnisse und ver-

mehr als 3000 Jahren fingen Bauern

chen wilden Wasserbüffel in der Vergan-

namens Colonel vom Betriebsleiter mit

steckte kranke Büffel. Denn einen gesun-

Jungtiere des Vorderindien-Wasserbüffels

genheit vorzeitig das Leben gekostet.

sichtlichem Wohlbehagen am Hals krau-

den Bestand von Hausbüffeln wiederauf-

oder Arni ein und gewöhnten sie über Ge-

Doch nicht nur die direkte Verfolgung

len. «Er hätte es gerne, man würde ihn den

hat dazu geführt, dass heute der Arni zu

ganzen Tag knuddeln», schmunzelt Eisen-

den am stärksten gefährdeten Wildrinder-

egger. Wasserbüffel sind sehr anspruchs-

arten auf der Erde gehört. Ohne einige

los und kommen, trotz ihrer ursprüngli-

Rückzugsgebiete in wenigen asiatischen

chen Herkunft aus warmen asiatischen

Nationalparks wären die einst über ganz

Ländern, gut mit dem rauhen und sehr un-

Asien, Vorderasien und auch im Nordos-

terschiedlichen hiesigen Klima zurecht.

ten Afrikas in mehreren Unterarten ver-

«Das sind wilde Biester, von denen kaufe

«Inzwischen haben sie sich an den An-

Die Haut des Wasserbüffels weist weniger

breiteten Wild-Wasserbüffel heute nicht

ich nichts», protestierte ein altes Bäuerlein

blick der massigen, schwarzen Tiere ge-

Schweissdrüsen auf als die der einheimi-

mehr vorhanden.

auf dem Wochenmarkt in St. Gallen, als

wöhnt», lacht Celine Eisenegger. Sie und

schen Rinder; bei grosser Hitze sind sie

Während der Bestand der Hausbüffel

ihm eine Verkäuferin Büffel-Mozzarella

ihr Mann stellten ihren Hof von der Milch-

deshalb auf Kühlung durch Duschen, Was-

auf der ganzen Welt mit 150 Millionen

anbot. Er begnügte sich mit Herkömmli-

kuh- auf die Wasserbüffelhaltung um

ser- oder Schlammbäder angewiesen.

Tieren angegeben wird, gibt es nach An-

cherem, mit Mozzarella aus Kuhmilch. So

und haben es offensichtlich nicht bereut:

ging es noch vielen Berufskollegen, die

«Wenn man Freude hat an den Tieren, geht

Hochwertige Milch

Union IUCN heute weltweit weniger als

anfangs skeptisch die Wasserbüffelherde

alles viel einfacher», meint Philip Eisen-

Ihre Milch ist wesentlich fett- und eiweiss­

4000 echte wilde Wasserbüffel.- 

der Familie Eisenegger im St. Gallischen

egger. Er zeigt sich begeistert von der Ro-

haltiger als herkömmliche Kuhmilch. Die

Gossau beäugten.

bustheit und Urtümlichkeit der Tiere.

Ausbeute beim Käsen ist entsprechend

28

gaben der Internationalen Naturschutz-

TIERREPORT 4/2011

Nichts von «dolce vita»: Kalb in einer kargen Metalbox eines italienischen Zuchtbetriebs.

TIERREPORT 4/2011



Mark Rissi

29


Fotos: sara wehrli

Unerwartetes Angebot aus Rumänien

Nach langem Hin und Her steht es nun endlich fest: Die beiden Bärenmädchen Ursina und Berna können zusammen mit ihren Eltern im Berner Bärenpark bleiben. Die Parkleitung hat ihre Meinung geändert: Sie verzichtet auf weiteren Nachwuchs und lässt dafür das Bärenmännchen Finn sterilisieren.

Dann aber gab der Bärenpark bekannt, man stehe im Gespräch mit der Cristina Lapis Foundation und der Welttierschutzorganisation WSPA, die in Zarnesti im rumänischen Siebenbürgen eine der grössten Bären-Auffangstationen Europas betreiben. In einem hügeligen, von Teichen durchsetzten Wald fernab der Zivilisation werden dort rund 60 Bären in insgesamt acht Gehegen von eins bis sieben Hektaren Grösse gehalten. Da viele Tiere im gleichen Territorium gemeinsam gehalten werden müssen, werden die Tiere sterilisiert oder hor-

Familienoberhaupt: Bärenpapa Finn wird mit seinen «Teenagern» auskommen müssen.

monell unfruchtbar gemacht. Die Station

Berner Jungbären dürfen an der Aare bleiben

dient als Asyl für rumänische Bären, die

schundenen Bären Rumäniens den Platz

Dies führte schliesslich zu einem Um-

aus Zirkussen oder privaten Haltungen

in einem Asyl streitig machen würden.

denken der Parkleitung. Nun sollen Ur-

gerettet wurden.

Zudem war der Umstand widersprüchlich,

sina und Berna in Bern bleiben und ab

Doch wollte die Stiftung für Ursina

dass der Bärenpark Bern stets die Wich-

Frühsommer 2012 mit ihren Eltern zusam-

und Berna eine Ausnahme machen, zu-

tigkeit der Fortpflanzung für eine artge-

men als Familie leben. Die Zusammenfüh-

mal der Bärenpark Bern im Gegenzug be-

rechte Haltung betonte und nicht daran

rung mit Vater Finn wird fachlich begleitet

reit war, die Station langfristig mit 20  000

denken wollte, Finn zu sterilisieren, wäh-

von der erfahrenen kanadischen Bärenfor-

Franken jährlich zu unterstützen. Damit

rend bei Ursina und Berna in Zarnesti

scherin Else Poulsen.

sicherte er sich mit Zarnesti eine Abneh-

ganz selbstverständlich Empfängnisver-

merin sämtlicher weiterer, in Bern gebo-

hütung vorgenommen worden wäre.

rener Jungbären …

Gemäss Poulsen ist ein soziales Zusammenleben miteinander verwandter Bären unter gewissen Umständen mög-

Überraschende Kehrtwende

lich. Dazu gehören ein reichliches Futter-

Der Braunbär zählt zu den beliebtesten

fangenschaft (zu) gut, so dass es schnell

parks stand dagegen fest, dass die Eutha-

Fragwürdiger Deal

Doch so weit sollte es nicht kommen: Der

angebot, genügend Rückzugsmöglichkei-

Tierarten in Zoos. Dies gilt ganz beson-

zu Platzproblemen kommt. Bären sind

nasie einer schlechten Haltung vorzuzie-

Der STS kritisierte diesen faulen Kom-

Deal mit Rumänien platzte. Plötzlich ver-

ten sowie immer wieder variierende Be-

ders für Bern, ist doch Meister Petz, der

grundsätzlich Einzelgänger: Die Mutter

hen sei. Euthanasie, so die Zooleitung,

promiss mit Zarnesti scharf. Es war nicht

langte Zarnesti vom Berner Bärenpark

schäftigung durch Futterautomaten oder

ursprünglich zur einheimischen Fauna

vertreibt ihren Nachwuchs, wenn dieser

sei eine «humane» Methode, dem Leben

akzeptabel, dass in einem Schweizer Zoo

Zuchtverzicht als Bedingung für die Auf-

«Spielzeuge». Dazu zählt auch, dass der

gehörte, das Wappentier des Kantons

ein Alter von rund zwei Jahren erreicht

der beiden Bärinnen ein Ende zu setzen.

bewusst vermehrte Tiere künftig den ge-

nahme von Ursina und Berna.

Bärenpark, der sich momentan noch etwas

und ein hervorragender Botschafter für

hat. Erwachsene Braunbären gehen sich

Schliesslich sei das Sterberisiko auch in

karg bewachsen präsentiert, mit der Zeit

die Umweltbildung.

aus dem Weg und teilen sich dasselbe Ge-

der freien Natur beim Verlassen der Mut-

hoffentlich über genügend Gebüsch und

biet nur, wenn ein Nahrungsüberschuss

ter hoch.

Bäume verfügt.

Die Mutzen sind die Lieblinge der Bundesstadt, insbesondere als 2009 die

besteht.

Schwierige Platzsuche

Sterilisation statt Kastration

brachte. Die ausgelassenen Spiele der

Wohin mit Ursina und Berna?

Die Auswahl möglicher Abnehmer für die

Damit Finn sich weiterhin naturgemäss mit

kleinen Bärinnen Ursina und Berna zo-

Bald begannen sich deshalb Zooverant-

Bärchen war allerdings sehr begrenzt: Un-

Björk paaren kann, ohne dass unerwünsch-

gen Touristenströme an und verschafften

wortliche, Medien und Tierschützer die

ter den wenigen Interessenten waren nur

ter Nachwuchs entsteht, soll er sterilisiert

dem neu erstellten Berner Bärenpark me-

Frage zu stellen, was mit den Jungtieren

Zoos aus dem Ausland – sogar aus den für

werden. Eigentlich die ideale Lösung zur

diale Beachtung über die Landesgrenzen

nach ihrer Entwöhnung geschehen sollte.

Braunbären denkbar ungeeigneten Tro-

Populationskontrolle in Zoos: Das Männ-

hinaus.

Vorwürfe an den Berner Bärenpark wur-

pen – sowie die Bündner Gemeinde Arosa,

chen wird dabei weder in seinem natür-

Bärin Björk zwei Bärenbabys zur Welt

den laut, dass die Jungbären bloss als Be-

welche in einem Seitental einen Bären-

lichen Verhalten eingeschränkt, noch sind

Zu viele Braunbären in den Zoos

suchermagneten gedient hätten. Auch der

park plant. Leider konnte auch das verlo-

negative körperliche Auswirkungen wie

STS machte sich in einem Brief an die Park-

ckende Angebot aus den Bündner Bergen

Fettleibigkeit zu befürchten, wie sie als Fol-

In die Freude über die gelungene Nach-

verwaltung für Ursina und Berna stark und

nicht weiter verfolgt werden, da in Arosa

gen der Kastration auftreten können. Bleibt

zucht mischte sich aber auch bald Sorge

erinnerte an die Verantwortung der Park-

die Dauer des Bewilligungsverfahrens der

zu hoffen, dass dieses Experiment mit der

um die Zukunft von Ursina und Berna.

leitung für das Wohlergehen der Tiere.

baldigen Übernahme der beiden Bärinnen

Denn Braunbären vermehren sich in Ge-

30

Für die Betreiber des Berner Bären-

Bärenfamilie gelingt. -

Familienidylle: Bärenmutter Björk (vorne) mit den zweijährigen Jungen Ursina und Berna.

im Weg stand.

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

Sara Wehrli

STS-Fachstelle Wildtiere

31


Fotos: sara wehrli

Unerwartetes Angebot aus Rumänien

Nach langem Hin und Her steht es nun endlich fest: Die beiden Bärenmädchen Ursina und Berna können zusammen mit ihren Eltern im Berner Bärenpark bleiben. Die Parkleitung hat ihre Meinung geändert: Sie verzichtet auf weiteren Nachwuchs und lässt dafür das Bärenmännchen Finn sterilisieren.

Dann aber gab der Bärenpark bekannt, man stehe im Gespräch mit der Cristina Lapis Foundation und der Welttierschutzorganisation WSPA, die in Zarnesti im rumänischen Siebenbürgen eine der grössten Bären-Auffangstationen Europas betreiben. In einem hügeligen, von Teichen durchsetzten Wald fernab der Zivilisation werden dort rund 60 Bären in insgesamt acht Gehegen von eins bis sieben Hektaren Grösse gehalten. Da viele Tiere im gleichen Territorium gemeinsam gehalten werden müssen, werden die Tiere sterilisiert oder hor-

Familienoberhaupt: Bärenpapa Finn wird mit seinen «Teenagern» auskommen müssen.

monell unfruchtbar gemacht. Die Station

Berner Jungbären dürfen an der Aare bleiben

dient als Asyl für rumänische Bären, die

schundenen Bären Rumäniens den Platz

Dies führte schliesslich zu einem Um-

aus Zirkussen oder privaten Haltungen

in einem Asyl streitig machen würden.

denken der Parkleitung. Nun sollen Ur-

gerettet wurden.

Zudem war der Umstand widersprüchlich,

sina und Berna in Bern bleiben und ab

Doch wollte die Stiftung für Ursina

dass der Bärenpark Bern stets die Wich-

Frühsommer 2012 mit ihren Eltern zusam-

und Berna eine Ausnahme machen, zu-

tigkeit der Fortpflanzung für eine artge-

men als Familie leben. Die Zusammenfüh-

mal der Bärenpark Bern im Gegenzug be-

rechte Haltung betonte und nicht daran

rung mit Vater Finn wird fachlich begleitet

reit war, die Station langfristig mit 20  000

denken wollte, Finn zu sterilisieren, wäh-

von der erfahrenen kanadischen Bärenfor-

Franken jährlich zu unterstützen. Damit

rend bei Ursina und Berna in Zarnesti

scherin Else Poulsen.

sicherte er sich mit Zarnesti eine Abneh-

ganz selbstverständlich Empfängnisver-

merin sämtlicher weiterer, in Bern gebo-

hütung vorgenommen worden wäre.

rener Jungbären …

Gemäss Poulsen ist ein soziales Zusammenleben miteinander verwandter Bären unter gewissen Umständen mög-

Überraschende Kehrtwende

lich. Dazu gehören ein reichliches Futter-

Der Braunbär zählt zu den beliebtesten

fangenschaft (zu) gut, so dass es schnell

parks stand dagegen fest, dass die Eutha-

Fragwürdiger Deal

Doch so weit sollte es nicht kommen: Der

angebot, genügend Rückzugsmöglichkei-

Tierarten in Zoos. Dies gilt ganz beson-

zu Platzproblemen kommt. Bären sind

nasie einer schlechten Haltung vorzuzie-

Der STS kritisierte diesen faulen Kom-

Deal mit Rumänien platzte. Plötzlich ver-

ten sowie immer wieder variierende Be-

ders für Bern, ist doch Meister Petz, der

grundsätzlich Einzelgänger: Die Mutter

hen sei. Euthanasie, so die Zooleitung,

promiss mit Zarnesti scharf. Es war nicht

langte Zarnesti vom Berner Bärenpark

schäftigung durch Futterautomaten oder

ursprünglich zur einheimischen Fauna

vertreibt ihren Nachwuchs, wenn dieser

sei eine «humane» Methode, dem Leben

akzeptabel, dass in einem Schweizer Zoo

Zuchtverzicht als Bedingung für die Auf-

«Spielzeuge». Dazu zählt auch, dass der

gehörte, das Wappentier des Kantons

ein Alter von rund zwei Jahren erreicht

der beiden Bärinnen ein Ende zu setzen.

bewusst vermehrte Tiere künftig den ge-

nahme von Ursina und Berna.

Bärenpark, der sich momentan noch etwas

und ein hervorragender Botschafter für

hat. Erwachsene Braunbären gehen sich

Schliesslich sei das Sterberisiko auch in

karg bewachsen präsentiert, mit der Zeit

die Umweltbildung.

aus dem Weg und teilen sich dasselbe Ge-

der freien Natur beim Verlassen der Mut-

hoffentlich über genügend Gebüsch und

biet nur, wenn ein Nahrungsüberschuss

ter hoch.

Bäume verfügt.

Die Mutzen sind die Lieblinge der Bundesstadt, insbesondere als 2009 die

besteht.

Schwierige Platzsuche

Sterilisation statt Kastration

brachte. Die ausgelassenen Spiele der

Wohin mit Ursina und Berna?

Die Auswahl möglicher Abnehmer für die

Damit Finn sich weiterhin naturgemäss mit

kleinen Bärinnen Ursina und Berna zo-

Bald begannen sich deshalb Zooverant-

Bärchen war allerdings sehr begrenzt: Un-

Björk paaren kann, ohne dass unerwünsch-

gen Touristenströme an und verschafften

wortliche, Medien und Tierschützer die

ter den wenigen Interessenten waren nur

ter Nachwuchs entsteht, soll er sterilisiert

dem neu erstellten Berner Bärenpark me-

Frage zu stellen, was mit den Jungtieren

Zoos aus dem Ausland – sogar aus den für

werden. Eigentlich die ideale Lösung zur

diale Beachtung über die Landesgrenzen

nach ihrer Entwöhnung geschehen sollte.

Braunbären denkbar ungeeigneten Tro-

Populationskontrolle in Zoos: Das Männ-

hinaus.

Vorwürfe an den Berner Bärenpark wur-

pen – sowie die Bündner Gemeinde Arosa,

chen wird dabei weder in seinem natür-

Bärin Björk zwei Bärenbabys zur Welt

den laut, dass die Jungbären bloss als Be-

welche in einem Seitental einen Bären-

lichen Verhalten eingeschränkt, noch sind

Zu viele Braunbären in den Zoos

suchermagneten gedient hätten. Auch der

park plant. Leider konnte auch das verlo-

negative körperliche Auswirkungen wie

STS machte sich in einem Brief an die Park-

ckende Angebot aus den Bündner Bergen

Fettleibigkeit zu befürchten, wie sie als Fol-

In die Freude über die gelungene Nach-

verwaltung für Ursina und Berna stark und

nicht weiter verfolgt werden, da in Arosa

gen der Kastration auftreten können. Bleibt

zucht mischte sich aber auch bald Sorge

erinnerte an die Verantwortung der Park-

die Dauer des Bewilligungsverfahrens der

zu hoffen, dass dieses Experiment mit der

um die Zukunft von Ursina und Berna.

leitung für das Wohlergehen der Tiere.

baldigen Übernahme der beiden Bärinnen

Denn Braunbären vermehren sich in Ge-

30

Für die Betreiber des Berner Bären-

Bärenfamilie gelingt. -

Familienidylle: Bärenmutter Björk (vorne) mit den zweijährigen Jungen Ursina und Berna.

im Weg stand.

TIERREPORT 4/2011

TIERREPORT 4/2011

Sara Wehrli

STS-Fachstelle Wildtiere

31


Tierreport 4/2011