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CHF 5.– / EURO 4.–

4/2009

TIERREPORT O F F I Z I E L L E S

O R G A N

D E S

S C H W E I Z E R

Tierschutz mit Herz und Verstand

T I E R S C H U T Z

S T S

en f au ls k n e Ei Lab im He z b en C t hu es t c s eb r e T i Di

:


TIERREPORT 4/2009 4 Gans und Ente

Als Weihnachtsbraten beliebt, aber oft unter erbärmlichen Umständen gemästet.

6 Gesundheit

Eine ausgewogene Lebensweise kann Tierversuche vermeiden.

8 Aktuelles Schweiz

Kurzmeldungen aus der Schweiz.

10 Reitsport

Ein immer beliebteres Hobby – mit unangenehmen Folgen für die Pferde.

12 CH-Labels

Worauf man beim tierfreundlichen Einkaufen achten sollte.

14 Alte Dame

27-jährige Kuh gebärt gesundes Kälbchen.

15 Fledermäuse

Der STS unterstützt ein Förderprojekt im Kanton Obwalden.

TITELFOTO: TOBY TAL T BOT/KEYSTONE

16-19 Lama & Co.

Auf den Spuren der kleinen Wildkamele aus Südamerika.

20 Pelz I

Dank der Wirtschaftskrise sinkt die Nachfrage nach Pelz.

22 Pelz II

Weshalb der STS bereits zum dritten Mal in China einen Plakatwettbewerb lanciert.

24 SOS-Kiew

Unterstützen auch Sie die gezielte Auslandshilfe des STS – danke.

26 Aktuelles Welt

Kurzmeldungen aus aller Welt.

28 Tiersitter

Zur Ferienplanung gehört auch die Betreuung der daheimbleibenden Tiere.

29 Klein, aber oho!

Kleinhunde wie der Chihuahua sind keine Accessoires, die man herumschleppt.

30 An Heiligabend …

Eine wahre Weihnachtsgeschichte über ein Katzenpärchen.

32 Tiere suchen ...

Ausgesetzte, verlassene Tiere suchen ein neues, richtiges Zuhause.

TIERREPORT (ehemals «Du+die Natur») Offizielles Organ des Schweizer Tierschutz STS 136. Jahrgang, Nr. 4, Dezember 2009, erscheint viermal jährlich Herausgeber: Schweizer Tierschutz STS Dornacherstrasse 101, 4008 Basel TTelefon 061 365 99 99, Fax 061 365 99 90, sts@tierschutz.com Redaktor: Mark Rissi Mitarbeiter dieser Nummer: Fabio Bontadina, Matthias Brunner, Yvonne Keiser, Heinz Lienhard, Catherine Reber, Stefan TTschopp, Eva Waiblinger, Esther Wullschleger Schättin

Abonnementspreise: Jahresabonnement (4 Ausgaben) CHF 12.80 inkl. MWSt Einzelnummer CHF 5.– Tierreport-Abonnentendienst: General-Wille-Strasse 144, 8706 Meilen TTelefon 044 925 38 20, Fax 044 925 36 96, sts@rbc-gruppe.ch Abdruck nach Genehmigung durch die Redaktion mit Quellenangabe gestattet. ISSN 1424-9537, Papier 100% Recycling

Gestaltung, Produktion: die zwei, Basel

Besuchen Sie uns im Internet:

Druck: Birkhäuser+GBC, Reinach

www.tierschutz.com oder www.tierreport.ch

Die Sektionen des Schweizer Tierschutz STS: Aargau · Appenzell · Basel-Stadt· Basel-Land · Bern Kanton · Bern Stadt · Biasca · Biel-Seeland · Ceresio/Mendrisiotto · Emmental · Frauenfeld · Fribourg · Frutigen · Glarus · Graubünden · Grenchen · Haut-Léman · Heiden · Horgen · Interlaken-Oberhasli · Jura/AJPA P , · Jura/Soubey · Kreuzlingen · La Chaux-de-Fonds · Liechtenstein · Linth · Locarno · Lugano · Luzern · Monthey · Neuchâtel · Nidwalden · Niedersimmental · Nyon · Oberaargau · Obersimmental · Oberwallis · Obwalden · Olten · Rheintal · Romanshorn · Rorschach · St. Gallen Kanton · St. Gallen Stadt · Saanenland · Sargans-Werdenberg · Schaffhausen · Schwyz · Sirnach · Solothurn/Wasseramt · Steckborn · Thun · TToggenburg · Uri · Uster · Valais · Vaud · Winterthur · Zug · Fondation Neuchâteloise d’Accueil pour Animaux · GerenauStiftung für Tierschutz, Wädenswil · Stiftung Mensch+Tier, Basel-Stadt · AKUT Aktion Kirche und Tier · APS Auffangstation für Sittiche und Papageien · Club der Rattenfreunde · Le Refuge de Darwyn · Schweizer Jugendtierschutz · Schweizer Wildstation Landshut · PRT Protection et Récupération des TTortues · VAZ Verein Aquarium Zürich

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TIERREPORT 4/2009


EDITORIAL

Gedanken Liebe Leserin, lieber Leser Über 500 000 Hunde, etwa 1,3 Millionen Katzen und unzählige

haben Anrecht auf Schutz. Ein Tierschutz, der diesen Namen

andere Heimtiere leben in unserem Land. Sie sind Farbtupfer

verdient, muss sich deshalb mit vollen Kräften auch für die Na-

in einer Welt, die trotz allen technologischen Fortschritten im

menlosen engagieren, auch wenn es bedeutet, nur in kleinen

Grunde genommen öde geworden ist. Wir sollten unseren Tieren

Schritten vorwärts zu kommen. Diese Schritte wollen wir wei-

dankbar sein, dass sie unser Leben teilen, und dass sie, jedes auf

tergehen, Jahr für Jahr, denn das sind wir den Nutztieren und

seine Art, ein wenig Freude in unseren Alltag bringen.

auch uns selbst schuldig.

Wir vergessen aber gerne, dass in unserem Land auch noch

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber

Millionen andere, weniger privilegierte Tiere leben. Es sind Tiere

Leser, recht frohe Festtage und ein glückliches, erfolgreiches

ohne Namen, die nur geboren wurden, um uns Menschen zu

neues Jahr.

«nützen». Die meisten von ihnen sieht man nie, denn die wenigsten haben das Glück, ein Leben zu führen, das ihrer Art entspricht.

Herzlich, Ihr

Wenn man es sich genau überlegt, so sind wir diesem Heer von namenlosen Tieren, die für unseren «Nutzen» leben und sterben, genauso oder sogar noch mehr verpflichtet als denjenigen, die das Leben mit unseren Familien teilen. Wir tragen eine grosse Verantwortung für unsere Nutztiere, denn auch sie

TIERREPORT 4/2009

Heinz Lienhard, Präsident Schweizer Tierschutz STS

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FOTOS: DEUTSCHES TIERSCHUTZBÜRO

Kein Fest der Liebe Gänse, Enten und Truten haben um Weihnachten wenig Grund zur Freude. Da sie als Weihnachtsbraten beliebt sind, werden Abertausende von ihnen unter erbärmlichen Zuständen in Intensivmästereien für die festliche Tafel herangezogen.

Weihnachten, das Fest der Liebe, ist immer

die Nachfrage nach dem exklusiven Weih-

sind. Es handelt sich um prachtvolle Hüh-

auch Anlass zum gemeinsamen Festmahl

nachtsbraten, dem anscheinend besonders

nervögel mit metallisch glänzendem Gefie-

mit der Familie. Da muss etwas Spezielles

gesunden Trutenfleisch, nach exquisiter

der, welche die spanischen Eroberer mit ih-

auf den Tisch kommen. Nicht wenige ent-

Gänsestopfleber oder der Martinsgans In-

rem etwas seltsamen Erscheinungsbild si-

scheiden sich für eine Weihnachtsgans, ei-

tensivmästereien entstehen lassen, in wel-

cher überrascht hatten. In der Natur strei-

nen Entenbraten oder gar eine ganze Trute

chen diese Vögel ein erbärmliches, kurzes

fen sie in Gruppen umher, fliegen aber auch

aus dem Ofen, mit viel Hingabe für die fest-

Leben unter unvorstellbaren Bedingungen

gut und suchen zum Übernachten hohe

liche Tafel zubereitet. Woher aber stammen

führen müssen. Im europäischen Ausland

Bäume auf. Freilebende Truthennen wer-

diese Tiere, die für das Festmahl geopfert

existieren Intensivmastbetriebe für Gänse,

den um vier Kilogramm schwer, während

und offenbar so liebevoll angerichtet wer-

Enten und Truten mit Bestandeszahlen, die

die Hähne etwa sieben Kilogramm auf die

den? Diese Frage sollte doch gerade am be-

in der Schweiz nicht mehr erlaubt wären.

Waage bringen.

Elendes, kurzes Trutenleben

Vergleich zu den Extremzuchten der heuti-

Trute oder Gans im Ofen haben, die mit

Truten stammen aus den USA und Me-

gen Masthybriden, die bis zu 35 Kilogramm

viel Auslauf auf der Wiese in artgerech-

xiko, wo sie bereits ungefähr 500 Jahre

an Gewicht erreichen! Dabei macht die für

ter Haltung gross geworden ist. Längst hat

vor Christi Geburt domestiziert worden

die Verwertung geschätzte Brustmuskula-

Das sind geradezu Leichtgewichte im

sinnlichen Abend nicht egal sein! Leider werden nur wenige eine Ente,

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TIERREPORT 2/2008


tur bis zu 40% des Körpergewichts dieser Hochleistungstiere aus. Es ist klar, dass ein solcher Körperbau mit erheblichen Gesundheitsproblemen und Schmerzen verbunden ist. Sehnen-, Gelenk- und Knochenschäden sowie Gleichgewichtsstörungen sind häufige Folgen dieser ins Extrem getriebenen Zucht. Jeder Schritt schmerzt die überzüchteten Tiere, sodass sie den grössten Teil ihres Lebens liegend auf dem feuchten, verkoteten Stallboden verbringen, was ihr Gefieder ruiniert und die Haut entzündet. Dabei ginge es auch anders: Schweizerische Trutenmäster erzielen ein Schlachtgewicht von zwölf Kilogramm für Truthähne und acht Kilogramm für -hennen.

Tierverachtend: Zwecks erhöhtem Fettansatz wird diese Ente unbeweglich gehalten.

Artgerecht gehaltene Truten erhalten mehr Platz und Bewegungsfreiheit sowie

Nach Schwimmgelegenheiten suchen sie

den statt auf weichem Stroh liegen, und

täglichen Auslauf ins Freie. Die Mast dau-

in der Mästerei jedoch vergeblich, denn

man enthält ihnen das Eisen im Kraftfut-

ert länger, da leichtere Zuchtlinien ver-

diese werden den Tieren aus Kostengrün-

termix, damit das Fleisch weiss wird, was

wendet werden und die Tiere mehr Bewe-

den verwehrt. Die Möglichkeit zu fliegen

klar auf kranke, anämische Tiere hindeu-

gung haben. Dafür sind sie weniger krank-

wird Mastenten in intensiver Stallhaltung

tet. Die Masthühner werden unter Dauer-

heitsanfällig. Solange Billigimporte aus

ebenfalls genommen. Meist wird ihnen

licht gehalten, damit sie mehr fressen, und

ausländischen Mästereien erfolgen, lohnt

kurz nach dem Schlupf ein Flügel gestutzt.

teilen sich oft mit 50 000 bis 60 000 an-

sich eine schonendere Produktion für den

Das Kupieren des empfindlichen Ober-

deren Tieren einen Stall. In den selbstver-

Massenmarkt aber offenbar doch wenig. So

schnabels soll zudem verhindern, dass

ständlichen Genuss von Sonne, frischer

stellten Migros und Bell/Coop ihre Truten-

sich die Tiere aus Langeweile gegensei-

Luft und Auslauf ins Freie kommen sie

produktion schon vor Jahren ein, und bie-

tig die Federn ausreissen. Die Amputation

aus Kostengründen nie.

ten seither primär Trutenfleisch aus aus-

dieser Körperteile ist nicht nur schmerz-

ländischen Massentierhaltungen an. Tru-

haft, sondern lässt die Tiere ihr Leben lang

Glückliche Tiere

ten werden deshalb zu 90% in die Schweiz

an Phantomschmerzen leiden.

Wer auf den traditionellen Festtagsbraten

importiert.

Das Stopfen von Gänsen oder Enten

nicht verzichten möchte, hat heute aber

zur Herstellung von Foie gras, einer weite-

längst die Wahl. Ob Bio- oder Dorfladen,

Gänse- und Entenmast

ren beliebten Delikatesse zur Weihnachts-

Migros oder Coop, viele Detaillisten bieten

Während Truten mehr oder weniger ganz-

zeit, erfolgt mit besonders grausamen Me-

mittlerweile Label- oder Biofleisch an, das

jährig gefragt sind, hat die Nachfrage nach

thoden. Diese Praxis ist heute in den meis-

von Tieren stammt, die einen geräumigen

Mastgänsen und -enten zur Weihnachtszeit

ten EU-Ländern verboten, doch wurde

Stall und regelmässigen Auslauf ins Freie

Hochkonjunktur. Diese stammen nur sel-

beispielsweise für Frankreich mit Bezug

haben. Wer direkt einen tierfreundlichen

ten aus artgemässer Weidewirtschaft. Um

auf das kulturelle Erbe eine Ausnahme-

Bauern unterstützen will, soll in der Region

den Bedarf zu decken, müssen Gänse, ins-

genehmigung erwirkt. Äusserst tierver-

einen Hof mit Selbstvermarktung berück-

besondere aber Enten zunehmend in eu-

achtend sind auch Methoden, Mast- und

sichtigen. Entsprechende Produzentenlis-

ropäischen Intensivmästereien dahinve-

Stopfgänse zwecks Fettansatz unbeweg-

ten gibt es z. B. bei IP-Suisse, Bio Suisse,

getieren. Wie die Truten und Masthüh-

lich zu halten.

KAGfreiland oder Mutterkuh Schweiz. Achten Sie beim Einkaufen im Laden

ner werden Gänse, Pekingmastenten und Moschusenten in riesigen Masthallen auf

Mastkälber und Masthühner

auf vertrauenswürdige Label, (vgl. dazu die

engstem Raum, in staubig-stickiger Luft

Zur Weihnachtszeit werden auch vermehrt

Seiten 12 und 13). Meiden Sie auf jeden

und unter künstlichen Lichtquellen her-

Kalbfleisch und Poulets aus dem Ausland

Fall importiertes Fleisch, aber auch Ange-

angezogen, bis sie ihr Schlachtgewicht er-

angeboten. Die dortigen Haltungsbedin-

bote, die mit «Suisse Garantie» oder «QM-

reicht haben.

gungen entsprechen nicht einmal den

Schweizer Fleisch» deklariert sind. Denn

Vor allem die Pekingenten wären von

Mindestvorschriften der Schweizer Tier-

diese gewährleisten weder tierfreundliche

Natur aus gute Flieger und halten sich als

schutzgesetzgebung. Die jungen Kälbchen

Ställe noch regelmässigen Auslauf für die

Schwimmvögel gerne auf dem Wasser auf.

müssen auf dem nackten, harten Betonbo-

Tiere. ]]Esther Wullschleger Schättin

TIERREPORT 4/2009

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ISTOCKPHOTO

Tierfreunde bleiben im Gleichgewicht 6

TIERREPORT 4/2009


Die wahre Pandemie ist längst über die Welt hereingeschwappt und fordert mehr Menschenleben als die saisonale Grippe und die Schweinegrippe zusammen. Die Rede ist von der Übergewichtsepidemie, welche die westlichen Länder fest im Griff hat. Rasend schnell und unaufhaltsam breitet sie sich aus – und verursacht indirekt mehr Tierversuche.

Erfolgreicher Selbstversuch Das folgende Beispiel – mein eigenes – soll Mut machen und zeigen, dass es wirklich geht. Ende Januar 2009, USA: Eigentlich war es nicht die Amtseinsetzung von Präsident Barack Obama, die mich zu einem grundlegenden «Change» angeregt hat, sondern die

Wissenschaftliche Untersuchungen zei-

Der berufsbedingte Bewegungsmangel

erschreckend vielen übergewichtigen Men-

gen deutlich, dass Übergewicht und Be-

kann durch Bewegung in der Freizeit selten

schen in den USA, die zum Teil so umfang-

wegungsmangel zwei der Hauptrisikofak-

wirklich kompensiert werden, und so be-

reich sind, dass man auf dem Trottoir nicht

toren für eine ganze Reihe von so genann-

wegt sich stattdessen vor allem der Zeiger

mehr an ihnen vorbeikommt und auf die

ten Zivilisationskrankheiten sind: Herz-

der Waage – nach oben.

Strasse ausweichen muss. Oder vielleicht war es die beunruhi-

Kreislauf-Probleme, Arterienverkalkung,

Schwerwiegende gesundheitliche Folgen

gende Tatsache, dass mein bald 70-jähriger

sene Person übergewichtig und jedes

Irgendwann kommen zu den überflüs-

parks weitaus schneller und weniger heftig

fünfte Schulkind. Eine Studie des Bundes-

sigen Kilos, der Kleidergrösse XXL, den

atmend Steigungen bewältigte als ich. Auf

amts für Gesundheit BAG aus dem Jahr

drohenden Treppenstufen und der Atem-

jeden Fall beschloss ich, in Anlehnung an

2004 kommt zum Schluss, dass sich die

not nach deren Bewältigung auch noch

das andere Wahlkampfmotto von Obama:

Kosten von überhöhtem Körpergewicht

unangenehmere Folgen: erhöhte Choles-

«Yes, I can», und besuchte zwei Tage nach

und dessen Folgeerkrankungen in der

terinwerte, erhöhter Blutzucker, Medika-

meiner Rückkehr aus den USA das erste

Schweiz auf 2,7 Milliarden Franken be-

mente, Insulinspritzen, Diabetesdiät und

Weight-Watchers-Treffen.

laufen. Zum Beispiel hat eine Viertelmil-

Spätfolgen wie Taubheitsgefühle, Durch-

Jetzt, acht Monate später, schleppe ich

lion Menschen Diabetes Typ 2, pro Jahr

blutungsstörungen bis hin zu Amputati-

25 Kilo weniger mit mir herum und sehe

werden es zehn Prozent mehr. Herz-Kreis-

onen von Gliedern, Veränderungen der

Treppen und steile Wanderwege nicht mehr

lauf-Erkrankungen sind die Todesursache

Netzhaut, die zu Erblindung führen kön-

als Strafe, sondern als Geschenk und Her-

bei rund einem Drittel der über 65-Jäh-

nen, Nierenversagen, Schlaganfall, Herz-

ausforderung, um mich fit zu halten. Zu-

rigen.

infarkt, wogegen die Pharmaindustrie

gegeben, es ist nicht immer einfach, sich

Diabetes Typ 2 (Altersdiabetes). In der Schweiz ist jede dritte erwach-

Vater auf Wanderungen in US-National-

wiederum Medikamente entwickelt – mit-

wirklich bewusst zu ernähren, sein Sätti-

Tierversuche für Zivilisationskrankheiten

tels Tierversuchen.

gungsgefühl wieder zu entdecken, Versu-

Entsprechend intensiv forschen Phar-

Abnehmen hilft Tierversuche zu vermeiden

ab und zu bewusst eine Kaloriensünde zu

mafirmen an Medikamenten gegen diese Krankheiten und setzen dafür auch viele

Sie sind Tierfreund und möchten Tierver-

und gleich die ganze Tafel «Schoggi» zu

Tierversuche ein. Rund 30 000 Tiere sind

suche vermeiden, die zur Bekämpfung die-

verschlingen.

das bei Herz-Kreislauf-Krankheiten. Die

ser Zivilisationskrankheiten durchgeführt

genaue Zahl der Tierversuche, die in der

werden? Und dabei erst noch etwas für Ihre

Schweiz z. B. im Bereich Diabetes einge-

Gesundheit tun? Nichts einfacher als das:

Unterstützung durch die Gruppe

setzt werden, ist nicht detailliert bekannt.

Fassen Sie heute noch den Entschluss, Ihre

Begleitete Ernährungsprogramme helfen

Was ist die Ursache für die Über-

überschüssigen Kilos an Fett abzunehmen.

aber, selbst schwierige Zeiten zu überste-

gewichtsepidemie? Sehr viele Berufe

Am besten tun Sie dies in einem begleite-

hen und bei Gleichgesinnten, die mit den-

werden heute sitzend ausgeführt. Dies

ten Ernährungsprogramm wie Weight Wat-

selben Problemen und Versuchungen zu

verringert die körperliche Aktivität. Trotz-

chers, das eine langfristige Ernährungsum-

kämpfen haben, Motivation und Unter-

dem werden oft energie- und vor allem

stellung auf eine gesunde, ausgewogene

stützung zu finden. Belohnt wird man mit

fettreiche Nahrungsmittel konsumiert,

Nahrungszusammensetzung und Spass

körperlichem Wohlbefinden und der Ge-

insbesondere wieder über die kommen-

an mehr Bewegung zum Ziel hat. Und das

wissheit, nicht nur sich selber etwas Gutes

den Festtage. Den Überschuss an Ener-

schöne Plus dabei: Wer so etwas für seine

getan zu haben, sondern auch vielen Ver-

gie lagert der Körper in Form von Fett als

eigene Gesundheit tut, kann gleichzeitig

suchstieren ihr Schicksal erspart zu haben.

Reserven ein – für «schlechte Zeiten», die

dazu beitragen, dass weniger Tierversu-

Als Tierfreund mit Weight Watchers Tier-

aber in unserer Gesellschaft selten bis nie

che gemacht werden, also eine Win-win-

versuche vermeiden? «Yes, we can!»

auftreten.

Situation!

Eva Waiblinger, STS-Fachstelle Heimtiere

TIERREPORT 4/2009

chungen zu widerstehen. Oder zumindest geniessen, ohne die Kontrolle zu verlieren

7


+++ CH NEWS +++ CH NEWS +++ CH NEWS +++ CH NEWS +++ CH TIERSCHUTZANWALT

STS-WETTBEWERB

Abstimmung findet am 7. März 2010 statt

Kochen – mit Herz für Tiere

Der Bundesrat hat die Volksinitiative «Ge-

tiative wurde am 26. Juli 2007 mit 144 000

Kochen auf höchstem Niveau ist eine

gen Tierquälerei und für einen besseren

Unterschriften vom STS eingereicht. Ziel

wahre Kunst. Damit ein Gericht gut ge-

Rechtsschutz der Tiere» auf die eidgenös-

ist es, misshandelten Tieren in Strafver-

lingt, sind qualitativ hochwertige Aus-

sische Volksabstimmung vom 7. März

fahren zu einer günstigeren Position zu

gangsprodukte eine wichtige Voraus-

2010 angesetzt.

verhelfen. Der Kanton Zürich kennt diese

setzung. Das wird jeder Spitzenkoch be-

Die vom STS eingereichte Volksinitia-

Institution bereits seit 1991. Der nächste

stätigen. Doch was macht die Qualität

tive verlangt, dass die Kantone die Stelle

TIERREPORT wird sich ausführlich der In-

aus? Gerade bei tierischen Produkten wie

eines Tierschutzanwalts schaffen. Die lni-

itiative widmen.

Fleisch und Eiern, scheint sich bisher in der Gastronomie kaum jemand richtig diese Frage zu stellen. Den ahnungslosen Gästen werden nicht selten – sogar in Nobelrestaurants – billig produziertes Fleisch aus ausländischen Mastfabriken und Käfigbatterieeier zu hohen Preisen serviert. Dahinter

!

verbirgt sich millionenfaches Tierleid von

!

Nutztieren, welche unter quälerischen Be-

!

dingungen gehalten und quer durch Europa gekarrt werden, bevor sie geschlachtet werden. Solche Zustände will der STS bekämpfen und die Gastrobranche wachrütteln. Mit zwei Wettbewerben richtet sich der

www.tierschutzanwalt.ch

SCHWEIZER TIERSCHUTZ STS

STS gezielt an die angehenden Jungköchinnen und -köche der Schweiz. Die Auszubildenden sollen dadurch auf das

TIERVERSUCHE

Wegweisender Entscheid des Bundesgerichts

Thema Tierwohl sensibilisiert werden. Beim ersten Wettbewerb gilt es, fünfzehn Fragen zu Haltung, Transport und Umgang mit Nutztieren zu beantworten. Der zweite Wettbewerb ist dann praxisorientiert: Die Lernenden sollen zwei

Zwei Versuche mit Rhesusaffen am Zür-

versuchskommission. In der Begründung

dreigängige Menüvorschläge zum Motto

cher Institut für Neuroinformatik dürfen

halten die Lausanner Richter jedoch fest:

«Essen mit Herz» kreieren, eine vegetari-

definitiv nicht durchgeführt werden. Das

Das Verbot für die Versuche in den beiden

sche Variante sowie eine mit Fisch oder

hat das Bundesgericht in Lausanne ent-

konkreten Fällen statuiere kein absolutes

Fleisch. Die fünf von der Jury prämier-

schieden. Damit hat das oberste Gericht

Verbot für Versuche mit nichtmenschli-

ten Wettbewerbsteilnehmenden werden

Beschwerden der Universität und der ETH

chen Primaten beim Schweregrad zwei

im Mai 2010 in Basel zu einem Showko-

Zürich gegen den Vorentscheid der Zür-

oder drei, mit dem das Leiden der Tiere ge-

chen eingeladen.

cher Instanzen abgewiesen.

messen wird. Massgebend für die Zuläs-

Ausserdem plant der STS zwanzig

2006 hatte die kantonale Tierver-

sigkeit von Tierversuchen seien vielmehr

weitere herausragende Rezeptvorschläge

suchskommission eine vom Zürcher Ve-

die Gewichtung der einzelnen Interessen

der angehenden Köche in einem Tier-

terinäramt erteilte Bewilligung juristisch

und die Interessenabwägung. Trotzdem

schutz-Kochbuch herauszugeben. Ein-

angefochten. Nach der Zürcher Gesund-

ist dieses Urteil wegweisend. Denn zum

sendeschluss für beide Wettbewerbe ist

heitsdirektion und dem Verwaltungs-

ersten Mal wurde dabei der Verfassungs-

der 15. Januar 2010. Die detaillierten

gericht stützen jetzt auch die Lausan-

grundsatz der Würde der Kreatur gericht-

Wettbewerbsbedingungen sind im Inter-

ner Richter die Einschätzung der Tier-

lich interpretiert.

net unter www.essenmitherz.ch abrufbar.

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TIERREPORT 4/2009


H NEWS +++ CH NEWS +++ CH NEWS +++ CH NEWS +++ CH NEWS FILMEMPFEHLUNG

Die Bucht (The Cove) «Flipper, Flipper, gleich wird er kommen …» So locker und fröhlich wie der Titelsong zur Serie aus den Sechzigerjahren daherkommt, ist die Lage der Delfine leider nicht. Im neuen Dokumentarfilm «The Cove» (Die Bucht) begleitet ein Kamerateam den ExFlipper-Trainer Richard O’Barry auf seiner geheimen Mission nach Japan, wo er in einer streng abgeriegelten Bucht die Treibjagd auf Delfine filmen will. Der 70-jährige O’Barry engagiert sich seit 1970 unermüdlich für die Tiere – damals starb sein Lieblingsdelfin, und aus dem Trainer wurde ein Tieraktivist. «Die Bucht» zeigt, was ein Dokumentarfilm alles kann: Er bewegt, weckt Emotionen und klärt auf. Regisseur Psihoyos hat eine Art «Spi-

Welpen von Waldshut gerettet Nachdem der STS mithilfe der deutschen Polizei zwei Mitglieder der international vernetzten Hundehändlermafia in Waldshut gestellt hatte, befanden sich die völlig erschöpften Welpen in Sicherheit. Jetzt sind alle an seriöse Plätze vermittelt worden.

onagethriller» gedreht. Er begleitet Ric O’Barry nach Taiji in Japan. Dort versuchte der Tierschutzaktivist schon seit Jahren, das blutige Treiben in der von der Regierung abgesperrten Bucht zu dokumentieren. Er scheiterte jedoch am Widerstand der japanischen Behörden und der betroffenen Fischer. Erst mithilfe einer verschworenen Gruppe (Taucher, Marine-

Der Coup sorgte schweizweit für Schlagzeilen: Zwei Dealer einer international tätigen Hundemafia, die über das Internet Welpen zum Kauf angeboten hatten, flogen bei einer Polizeikontrolle Ende August in Waldshut auf, nachdem ihnen der STS eine Falle gestellt hatte (TIERREPORT 3/09 berichtete).

techniker und Filmrequisiteure) konnten mehrere Kameras platziert werden.

In sichere Obhut gebracht Die aus Ungarn stammenden Hundehändler wurden angezeigt, und die fünf Welpen, die sich in einem jämmerlichen Zustand befanden, von den Behörden konfisziert. Einer der kleinen Hunde konnte schon kurz darauf platziert werden. Die verbliebenen Tiere konnten vom STS bei den Veterinärbehörden ausgelöst werden. STS-Hundebeauftragte, Tierärztin Julika Fitzi und Nadia Wüthrich vom Tierschutzbund Basel, holten sie am 15. Oktober in Waldshut ab und brachten die Hunde vorübergehend in das Tierheim A3-Tierferienplatz Scherer im aargauischen Mülligen. Dort erholten sich die zwei kleinen Havaneser und zwei Beagle dank der liebevollen, kompetenten Betreuung durch das Ehepaar Scherer rasch von ihren Strapazen und befanden sich bald in einem gesundheitlich guten Zustand. Alle Welpen wurden natürlich auch entwurmt, geimpft und gechipt.

TIERREPORT 4/2009

Riesiges Echo Nach einem Medienaufruf des STS und einem Beitrag im Lokalfernsehen M1 erfolgte ein regelrechter Ansturm von Anfragen interessierter Leute. «Viele wollten vor allem eines der beiden Beagle-Mädchen», berichtet Christa Surer, Geschäftsleiterin vom Tierschutzbund Basel. Gemäss Bernadette Scherer wären einige Leute bereit gewesen, sogar bis zu 1000 Franken für einen Hund zu bezahlen.

Sorgfältige Platzauswahl Doch das Kriterium war natürlich nicht, wer am meisten bietet, sondern welches seriöse Plätze für die Hunde sind, wo ihnen ideale Bedingungen geboten werden. Paare, die beide voll berufstätig sind, erhielten gleich eine Absage. Schliesslich fanden die beiden Beagle je einen Platz bei einem Arzt. Beagle-Dame Lili wird nun sogar eine Ausbildung zum Therapiehund erhalten. Die Havaneserwelpen Pedro und Lola bekamen je ein schönes neues Zuhause bei einer Familie. Mitarbeitende des Tierschutzbunds Basel werden aber jeden neuen Platz noch mindestens zwei Mal nachkontrollieren, um sicher zu sein, dass es den ehemaligen Schützlingen auch wirklich gut geht. ]mb

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Eingerollt: Mit tierschutzrelevanten Methoden wird das Pferd in eine widernatürliche Position gezwungen.

SVEN KRAMER

Mehr Fairness im Sattel bitte Reiten ist heute als Hobby und Sport äussert beliebt. Doch gleichzeitig ist ein verheerender Verlust des Wissens über Pferde und der einst hoch stehenden Reitkultur in Europa zu beklagen – mit drastischen Folgen für die Pferde. Praktisch jedes Wochenende lassen sich

Schafft es das Pferd nicht über das Hin-

Auf diese Art wird mit übertriebe-

an regionalen Reitsportanlässen irgendwo

dernis, knallt es mit seinen schlanken Bei-

nem Ehrgeiz versucht, fehlendes reiterli-

in der Schweiz gleichen Trauerspiele be-

nen ungebremst gegen die harten Stan-

ches Vermögen wettzumachen. Leider hat

obachten: Pferde, die wie Geschenkpa-

gen.

kaum je ein Turnierrichter den Mut, derart tierschutzrelevantes Tun zu sanktio-

kete mit allerlei Lederzeug zusammengeschnürt sind. So ausgestattet, wird dieser

Schläge statt Belohnung

ursprüngliche Steppenbewohner über die

Trotz schickem Frack und Zylinder geht

Hindernisse gejagt. Mag das Pferd einmal

es auch im Dressurviereck alles andere als

Ruhm und Geld gehen vor

nicht auf Kommando springen, knallt zur

nobel zu und her. Da wird mit eiserner

Profireiter müssten von ihrer Ausbildung

Strafe schon die Peitsche auf den Hin-

Hand über die Zügel am empfindlichen

her eigentlich wissen, wie mit Pferden

tern.

Pferdemaul gezerrt, damit das Pferd ja die

korrekt umgegangen werden soll. Trotz-

nieren.

Dabei war wahrscheinlich für dieses

Nase unten behält, während sich von der

dem geben oft gerade sie ein jämmerliches

Tier die Hürde schlicht zu hoch – oder der

Seite her die Sporen im Takt in die Flan-

Beispiel ab. Da wird dann beim Training

Reiter hat den Anlauf falsch eingeschätzt.

ken bohren.

schon mal mit Stangen gegen die emp-

10

TIERREPORT 4/2009


ISTOCKPHOTO

findlichen Pferdebeine geschlagen, damit die einstigen Steppentiere aus lauter Angst vor weiteren Schmerzufügungen über bis zu 160 Zentimeter hohe Hürden hechten. Oder dem bedauernswerten Pferd wird in der Dressurprüfung der Kopf bis auf die Brust heruntergezwungen, nur um die angestrebte Position zu erreichen. Spätestens seit der letzten Olympiade in Hongkong wissen alle, dass auch im Pferdesport gedopt und gespritzt wird, was das Zeug hält. Selbst Olympiasieger Ludger Beerbaum gab unumwunden zu: «In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird.»

Vom Arbeitsross zum Hochleistungssportler

Harmonie: Wenn Pferd und Reiter ein Paar sind.

Vor allem im internationalen Reitsport ist viel Geld im Spiel. «Die Pferde sind so-

jetzt in den meisten Pensionsställen lei-

lichen Untersuchungen erreichen Pferde

zusagen meine Geschäftspartner», meinte

der noch der Fall ist.

heute im Durchschnitt nur noch ein Alter

der berühmte Schweizer Springreiter Mar-

von 8 Jahren – dies bei einer möglichen Le-

kus Fuchs in einem Interview gegenüber

Verschüttetes Wissen

der Pferdefachjournalistin Ruth Müller la-

Doch über den Umgang mit den Pferden

Die körperlich falsche Belastung wirkt

pidar. Sein Verhältnis zu den Pferden sei

und über ihre Ausbildung steht in den Pa-

sich jedoch auch negativ auf die Psyche

eben eher rational als emotional.

ragrafen kaum Konkretes. Grund genug

eines Pferdes aus, wie die Tierärztin und

Noch bis Ende des Zweiten Weltkriegs

für den STS, letzten Frühling in Olten eine

Sportpsychologin Ulrike Thiel warnte. Die

spielten Pferde auch in der Schweiz eine

Fachtagung durchzuführen. 200 Pferde-

Folgen sind Verhaltensstörungen und psy-

wichtige Rolle. Einerseits waren sie in der

närrinnen, Verbandsvertreter, Reitlehrer,

chosomatische Erkrankungen.

Landwirtschaft unerlässlich, andererseits

Behördenmitglieder,

Tierschützerinnen

Pferde leiden meistens still vor sich hin,

als Zug- und Reittiere sowie in der Ar-

und Privatpersonen folgten der Einla-

da sie Schmerzen nicht über Lautäusserun-

mee, bevor sie allmählich vom Auto ab-

dung unter dem Titel «Pferdesport – Fair-

gen ausdrücken können.

gelöst wurden.

ness im Sattel».

benserwartung von bis zu 30 Jahren.

Erst Mitte des letzten Jahrhunderts

Anhand der Biomechanik erklärte der be-

bahnte sich durch die rasche technische

kannte deutsche Tierarzt und Ausbilder

Zurück zur klassischen Reitkunst

Entwicklung (Traktoren) eine komplette

Gerd Heuschmann, dass von Pferden oft

Die Experten waren sich am Podium der

Änderung an, und die Pferde werden seit-

Körperhaltungen verlangt werden, die ihre

STS-Tagung in einem Punkt einig: Die

her hauptsächlich im Reitsport und für die

natürlichen anatomischen Voraussetzun-

klassische Reitweise schont den Rücken der

Freizeit genutzt.

gen überfordern. «Ich kämpfe dafür, dass

Pferde am besten und bringt ausserdem ihre

wir endlich wieder fein gerittene Pferde

erhabene Haltung erst richtig zur Geltung.

Bessere Haltungsbedingungen

sehen!», plädierte Heuschmann, der seit

Grundvoraussetzung dafür ist ein perfekt

Jahren in ganz Europa Vorträge hält. An-

ausbalancierter Sitz des Reiters, sodass er

Doch der Umgang mit und die Ausbildung

hand von Bildern aus seinem Buch «Fin-

die Hilfengebungen (Befehle) mittels Hand-

von Pferden konnten hierzulande mit die-

ger in der Wunde»* und Filmsequenzen

einwirkung und Schenkel mit der Zeit lau-

ser relativ rasanten Entwicklung in keiner

seiner DVD «Stimmen der Pferde»** zeigte

fend minimieren kann, bis diese von aussen

Weise Schritt halten. Erst seit letztem Jahr

er drastische Beispiele von tierschutzrele-

beinahe unsichtbar werden. Erst dann kann

sind Pferde überhaupt als Tierart im Tier-

vantem Reiten.

der Zauber des Einklangs von Mensch und Tier wahr werden.

schutzgesetz erstmals speziell erwähnt. gungsfreudigen Vierbeiner beispielsweise

Zu körperlichen und seelischen Krüppeln geritten

nicht mehr die ganze Zeit über allein in

Die falsche Belastung von Pferden hat

Boxen eingesperrt bleiben, wie dies bis

drastische Folgen: Gemäss wissenschaft-

So dürfen die sanftmütigen, aber bewe-

TIERREPORT 4/2009

Matthias Brunner

* Heuschmann Gerd: Finger in der Wunde. Was Reiter wissen müssen, damit ihr Pferd gesund bleibt. Wu Wei Verlag, Schondorf 2008 ** Ergänzend zum Buch die DVD «Stimmen der Pferde», ebenfalls im Wu Wei Verlag erschienen.

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Tierschutz gehört auf jeden Einkaufszettel sind Labelprodukte deshalb längst dem Nischendasein entwachsen und mittlerweile zum Teil fast zum Standard geworden. So zahlt sich nach vielen Jahren die unermüdliche öffentliche Informationsarbeit der Tierschutzorganisationen aus. Mitgeholfen bei dieser erfreulichen Entwicklung hat auch eine Mitte der 1990er-Jahre erfolgte Anpassung des Landwirtschaftsgesetzes. Seither fördert der Bund nämlich besonders tierfreund-

ADRIAN ASSALVE/ISTOCKPHOTO

liche Haltungsformen mittels Direktzah-

Rund 25 Millionen Nutztiere werden jedes Jahr in der Schweiz geschlachtet, nachdem sie ein Leben lang Milch gegeben oder Eier gelegt haben, oder weil sie zur Fleischerzeugung gemästet wurden. Wie diese Nutztiere leben dürfen, darauf haben die Konsumenten letztlich einen entscheidenden Einfluss. Das weiss auch die Industrie, deshalb wird zuweilen auf eine Deklaration tierquälerisch hergestellter Produkte gerne verzichtet.

lungen. Zwei Tierhaltungsprogramme, BTS (Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) und RAUS (Regelmässiger Auslauf), werden Landwirten honoriert, welche die entsprechenden Bestimmungen einhalten. Diese Fördermassnahmen wurden seinerzeit vom Schweizer Tierschutz STS aufs Tapet gebracht und im politischen Kampf durchgesetzt. Bei Masthühnern ist das BTS-Programm in

Seit Mitte der 1980er-Jahre ist der Fleisch-

schen aufgezogen werden, haben die Kon-

der Schweiz praktisch zum Standard ge-

konsum pro Kopf der Bevölkerung in der

sumentinnen und Konsumenten mit ihren

worden: 88 % aller inländischen Mast-

Schweiz um etwa einen Viertel gesunken.

Kaufentscheidungen durchaus einen ent-

hühner können ihr kurzes Leben gemäss

Auch der Milch- und Eierverbrauch ist et-

scheidenden Einfluss; zumindest was die

BTS-Kriterien in einem Bodenhaltungs-

was weniger geworden. Trotzdem werden

Tierhaltung in der Schweiz betrifft.

stall mit überdachtem Aussenklimabereich führen. Dadurch erhalten sie mehr

hierzulande noch immer jährlich rund 25 Millionen Tiere, davon 20 Millionen Mast-

BTS und RAUS?

Platz und Bewegungsfreiheit, frische Luft,

hühner und 2,5 Millionen Schweine, ge-

Landwirtschaftsfunktionäre behaupteten

natürliche Klimabedingungen und direk-

schlachtet. Mindestens noch mals so viele

jahrzehntelang, dass der Tierschutz der

tes Sonnenlicht. Hingegen haben erst sie-

Tiere werden indessen für uns im Ausland

Konsumenten beim Portemonnaie auff

ben % der schweizerischen Masthühner

geschlachtet, denn die Schweiz importiert

höre. Das mag auch heute noch bei einem

gemäss RAUS-Programm täglichen Wei-

beispielsweise die Hälfte der Eier und des

Teil der Verbraucher sowie im Bereich der

degang. Nebst der regelmässigen Kon-

Pouletfleischs sowie je 85 % des Kanin-

Gastronomie, wo in der Regel das Tier-

sumenteninformation setzt sich der STS

chen- und Pferdefleischs. Auch 80 % des

wohl nicht interessiert und nur der Preis

deshalb auf der politischen Bühne für eine

Wilds und gar 98 % der Fische stammen

zählt, zutreffen. Sehr viele Konsumen-

stärkere Förderung auch der Freilandhal-

aus dem Ausland.

ten sind aber heute durchaus bereit, für

tung ein.

Es ist erschreckend, wie viele Millio-

Produkte von tierfreundlichen Schweizer

nen Tiere alljährlich für die Ernährung des

Bauern etwas tiefer in die Tasche zu grei-

Deklaration ist wichtig

Menschen sterben müssen. Doch darauf,

fen. So ist die Nachfrage nach Freiland-

Für die tierliebenden Konsumenten gilt

wie diese Tiere gelebt haben, und wie viele

und Bioeiern sowie nach Labelfleisch stark

es, wachsam zu sein. Dies gerade bei Im-

von ihnen bloss zum Nutzen des Men-

gestiegen. Bei den beiden Grossverteilern

portprodukten. Erst letzten Sommer hat

12

TIERREPORT 4/2009


ZVG

Vorsicht: Nicht alle Bezeichnungen sind auch Garantie für tiergerechte Haltung. Hier Mastrinderhaltung in einer engen Betonbucht – schlicht tierschutzwidrig. der Ständerat einer Deklarationspflicht

zer Fleisch», «Suisse Garantie» oder «QM-

für Käfig-Kaninchenfleisch zugestimmt,

Schweizer Fleisch» mahnen zur Vorsicht.

das zuvor massenweise aus übelsten Tier-

Dahinter verstecken sich Herkünfte, wel-

haltungen in die Schweiz gelangte. Auch

che nur gerade die Minimalvorschriff

die billigen Käfig-, aber auch Bodenhal-

ten der Tierschutzgesetzgebung einhal-

tungseier, die nicht dem Schweizer Stan-

ten. Das bedeutet dann, dass z. B. Mast-

dard entsprechen, aus Ländern ohne Kä-

schweine oder -rinder weder Stroh zum

fighaltungsverbot, würden hierzulande

Liegen noch Auslauf ins Freie haben, son-

wohl kaum mehr gekauft, wären sie nicht

dern in engen, kahlen Buchten gemästet

in Fertigprodukten «versteckt», die nicht

werden. Deshalb sollten tierfreundliche

entsprechend gekennzeichnet werden

Konsumenten stets nur Schweizer Frei-

müssen.

landeier und Labelfleisch kaufen.

Immer wieder versuchen Lebensmit-

Bestimmte «Delikatessen» sollten ge-

telhersteller ihre Kundschaft hinters Licht

nerell boykottiert werden, da sie nicht

zu führen, um trotz des allgemeinen Kun-

auf tierschonende Weise produziert oder

denwunschs nach mehr Tierschutz Geld

zubereitet werden. Hummer, Gänse- oder

zu sparen. Also gilt es für die Käufer, bei

Entenstopfleber sowie Froschschenkel ge-

Mayonnaise, Eiernudeln, Backmischun-

hören gar nie auf den Tisch. Durch das

gen und Blätterteig stets genau hinzu-

Meiden von Pelz, billigem Leder und Pro-

schauen, ob eine unbedenkliche Her-

dukten mit Daunen von lebend gerupften

kunft der Eier angegeben ist, und ent-

Gänsen versagt man weiteren, teils äus-

sprechende Produkte zu wählen. Billigste

serst brutalen Tiernutzungsmethoden die

tierische Bestandteile verstecken sich off

Unterstützung. Beim Kauf von Fisch ist

fenbar immer häufiger in den Zutaten-

zu bedenken, dass die Intensivhaltung in

listen von Fertigprodukten, und wo An-

engen, stark besetzten Wasserbecken we-

gaben zu den Produktionsbedingungen

gen der grossen Nachfrage ebenfalls deut-

fehlen, greifen Konsumenten gerne zum

lich zunimmt. Etliche Arten von Meeres-

günstigsten Produkt. Deklarierte Käfigeier

fischen sind zudem dramatisch überfischt

machten 2006 in Deutschland noch 47 %

und in ihrem Überleben gefährdet. Was

des Angebots aus, beim Flüssigei zur in-

der Mensch im Übermass aus dem Meer

dustriellen Weiterverarbeitung wurden

zieht, fehlt Delfinen und anderen Tieren

dagegen über 95 % Käfigeier verwendet!

wiederum als Nahrung. Das MSC-Label

Auch die Gastronomie drückt sich weitge-

(Marine Stewardship Council) steht für

hend um eine klare Deklaration der ange-

eine schonende, bestandeserhaltende Fi-

botenen tierischen Produkte.

scherei.

Auch Bezeichnungen wie «Schwei-

TIERREPORT 4/2009

Esther Wullschleger Schättin

Empfehlenswerte Schweizer Labels KAGfreiland: setzt Bio, RAUS und BTS voraus, zusätzlich strengere Tierhaltungsrichtlinien, kein Gentechfutter, Kontrolle durch unabhängige BioKontrolldienste. Bio Suisse: BTS oder RAUS als Grundlage, Auslaufregelung gemäss RAUS, gesamte Bewirtschaftung biologisch (keine Kunstdünger, Pestizide etc., kein Gentechfutter, Kontrolle durch unabhängige Bio-Kontrolldienste, aber nur z. T. unangemeldete Kontrollen). Coop Naturafarm: Tierhaltungsprogramm mit Kombination von BTS und RAUS und z. T. strengeren Vorschriften, kein Gentechfutter, Kontrolle durch STS-Kontrolldienst, stets unangemeldet. Migros TerraSuisse: Tierhaltungsrichtlinien mit Kombination BTS und RAUS, gesamte Bewirtschaftung gemäss IP-Suisse-Vorschriften, kein Gentechfutter, Kontrolle durch unabhängige IPKontrolldienste. Natura-Beef: Tierhaltungsprogramm von Mutterkuh Schweiz, Kombination von BTS und RAUS, Kälber bleiben bei ihren Müttern, kein Gentechfutter, Kontrolle durch unabhängigen Kontrolldienst. Swiss Premium Rindfleisch: Kleines Tierhaltungslabel mit Kombination von BTS und RAUS sowie strengeren Vorschriften, häufig mit Mutterkuhhaltung kombiniert, kein Gentechfutter, Kontrolle durch STS-Kontrolldienst, stets unangemeldet. Weiter Infos auf der STS-Spezialwebsite: www.essenmitherz.ch

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27-jährige Kuh gebärt gesundes Kälbchen REGULA ASCHWANDEN

Aschwanden, welche Mutterkuhhaltung betreiben. Ihr Hof liegt auf 900 Meter ü. M., hoch oben über dem Lauerzersee in der Zentralschweiz. Es ist ein Plätzchen mit traumhafter Aussicht auf den Zugerund den Lauerzersee, und reicht bis zur Gebirgskette der Mythen. Das Kälbchen liegt bei unserem Besuch schön versteckt im Gras, im Schatten eines Kirschbaums. Wenn nicht Fütterungszeit ist, bleiben Jungtiere instinktiv irgendwo versteckt. Aber sobald Rebecca das Muhen ihrer Mutter vernimmt, springt das muntere Kalbmädchen herbei. Doch sie wagt sich nicht ganz in unsere Nähe. Ausser Paul und Regula Aschwanden verirren sich nur selten Menschen auf die stotzige, abgelegene Weide. Aus gebührender Distanz, in der sicheren Nähe der Mutter, beäugt das Jungtier neugierig und gleichzeitig scheu die Fremdlinge.

Kühe haben normalerweise eine natürliche Lebenserwartung von etwa 20 Jahren. Um so erstaunlicher ist die Geschichte der Kuh Renate: Im biblischen Alter von 27 Jahren hat sie noch ein gesundes, munteres Kälbchen zur Welt gebracht.

Gesunde Tierhaltung Wieviel Milch die «alte Dame» noch gibt, wissen Aschwandens nicht so genau, denn Renate produziert genauso viel von

Bauer Aschwanden und seine Frau blick-

Ein guter Grund, mit einem Gläschen

dem Lebenssaft, wie ihr Nachwuchs be-

ten dieser besonderen Geburt mit eini-

Rotwein anzustossen, über das Gesche-

nötigt. Es dürften wohl kaum zehn Liter

gem Bangen entgegen. In ihrem langen

hene zu reden und auch nachzudenken.

pro Tag sein. Am 16. März 1982 wurde

Leben hatte Renate schon etwa zwan-

Aschwandens sind überzeugt, dass es

Renate geboren. Im Sommer war sie bis

zig Mal gekalbt. Das biblische Alter der

nicht allein an ihnen liegt, dass ihre Kuh

anhin immer auf der Alp Bergenboden

Kuh hatte den mächtigen siebenjähri-

Renate so alt geworden ist. Es brauche

im Pragelsgebiet. Die viele Bewegung, die

gen Schnösel Ericson im letzten Spät-

von der Schöpfung, von der Natur her,

frische Luft und gesunde Kräuter haben

herbst offenbar überhaupt nicht beein-

schon auch noch ein Zeichen, dass dies

sicher mitgeholfen, dass Renate noch im-

druckt. Trotz seines enormen Gewichts

alles so gut funktioniere, sinniert Paul

mer einen fitten Eindruck macht.

von 950 Kilo hatte es der eingekreuzte

Aschwanden.

«Ich denke, dass sie das letzte Mal geboren hat», schätzt Aschwanden die

Stier geschafft, die betagte Dame zu de-

Chancen realistisch ein. Doch die Bau-

verlief, zeigten sich Aschwandens er-

Verwunschenes Fleckchen Erde

leichtert und voller Freude. Das Kälb-

Milchkühe werden in der Schweiz bereits

Renate auch noch den 30. Geburtstag er-

chen, getauft auf den Namen Rebecca,

im Alter von sechs bis sieben Jahren ge-

leben dürfte. ]

ist gesund und munter.

schlachtet. Nicht so bei Paul und Regula

cken. Als die Geburt dann problemlos

14

ernfamilie würde sich nun freuen, wenn

]

Mark Rissi

TIERREPORT 4/2009


FABIO BONTADINA

WWW.FLEDERMAUSSCHUTZ.CH

Eine Chance für seltene Fledermäuse Fledermäuse sind durch Umweltgifte bedroht und brauchen spezielle Bedingungen zum Überleben. Deshalb sind viele Arten selten geworden. Der STS hat ein Förderungsprojekt für die «Kleine Hufeisennase»-Fledermaus im Kanton Obwalden finanziell unterstützt. Im alten Turm der Kirche des obwaldri-

rufen, um sich via Echo ein Bild vom über-

wurde gesichert, Zugluft unterbunden und

schen St. Niklausen ist es düster und stau-

raschenden Besuch machen zu können.

an einer Stelle ein warmes Mikroklima für die Jungenaufzucht geschaffen.

big. Ein kalter Wind pfeift durch die zer-

Umweltgifte, die in der Landschaft

sprungenen Fenster. Die Personen, die mit

sind und von Holzschutzmitteln freige-

Dazu wurde eine Mauernische so ein-

Stirnlampen die steilen Treppen hoch-

setzt wurden, hatten diese Fledermäuse

gerichtet, dass sich dort die Abwärme ei-

steigen, sind auf der Suche nach einem

an den Rand des Aussterbens gebracht. In

ner kleinen Heizung sammelt. Kann mit

Schatz: der Kleinen Hufeisennase-Fleder-

diesem Fall hatte zudem eine unachtsame

diesen gezielten Massnahmen diese Kolo-

maus.

Renovation des Kirchendachs das Ende

nie vor dem Aussterben gerettet werden?

Das ist eine der kleinsten Vertreterin-

des bisher warmen Klimas verursacht, das

nen von den 30 in der Schweiz vorkom-

eine Voraussetzung für die Jungenauf-

Fledermäuse kehren zurück

menden Fledermausarten. Sie ist nur fünf

zucht der Fledermäuse ist.

Mit Spannung haben die Fledermausfor-

Gramm leicht und gerade daumengross.

scher in diesem Spätsommer die Kolonie im Turm erneut besucht. Sind die Fle-

häufig beobachtet werden. Heute gehört

Bessere Bedingungen mithilfe des STS

sie jedoch zu den am stärksten vom Aus-

Heute, wo die Giftbelastung reduziert ist,

Mauernische gefunden? Ein Raunen geht

sterben bedrohten Fledermausarten der

haben im Kanton Obwalden noch rund

durch die Runde: Neun Fledermäuse sind

Schweiz.

1000 dieser Fledermäuse überlebt – mehr

da, alle hängen in der Nische, vier da-

als in den meisten anderen Gegenden der

von umklammern je ein Junges vor ih-

Fledermaussprache übersetzt

Schweiz. Nun sollen Massnahmen reali-

rem Bauch.

Die Forscher werden bei ihrer Begehung

siert werden, damit es wieder aufwärts

im Jahr 2006 tatsächlich fündig. Zwei der

geht mit dieser Art.

Früher konnte sie in der ganzen Schweiz

dermäuse noch da? Haben sie die warme

Das zeigt, dass die Fledermäuse aus der Umgebung nun wieder an diesem Ort

raren Fledermäuse hängen kopfüber an

Dank der Unterstützung durch den

zur Jungenaufzucht zusammenkommen.

einem Balken und drehen sich um ihre

STS konnten im Turm von St. Niklausen

Wenn die Forschergruppe weiterhin er-

Achse. Ein Ultraschalldetektor übersetzt

im Frühling 2008 die Bedingungen für

folgreich ist, dann ist das der Start einer

die für uns Menschen unhörbaren Laute

die Wochenstubenkolonie verbessert wer-

neuen Kolonie dieser seltenen Art! ]

und zeigt, dass die Fledermäuse aufgeregt

den: Die einzige Ein- und Ausflugöffnung

TIERREPORT 4/2009

Fabio Bontadina, SWILD

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16

TIERREPORT 4/2009

FRANÇOIS GOHIER/SUTTER

ISTOCKPHOTO


Die Flauschigen aus den Anden ISTOCKPHOTO

Obwohl im Erscheinungsbild recht zierlich, sind die kleinen Wildkamele aus Südamerika äusserst robust. Bei uns werden die Haustierarten Lama und Alpaka immer beliebter. Ein Grund dafür ist ihre feine Unterwolle.

Das Original: Domiestizierte Lamas und Alpakas stammen wahrscheinlich von den Vikunjas aus dem Hochgebirge der Anden ab.

Zwischen Nebelschwaden in fast 4000

Nebst ihren langen Hälsen fallen zu-

sich die Tiere meistens auf einem schma-

Metern Höhe, auf der Hochebene der

nächst ihre grossen ausdrucksvollen Augen

len Hügelrücken auf, von wo aus der Leit-

Anden im peruanischen Pampa-Galeras-

auf, die mit langen Wimpern versehen sind,

hengst eine gute Rundumsicht hat, um al-

Reservat, tauchen plötzlich merkwürdige

auf die manche Frau glatt neidisch werden

lenfalls einen sich anschleichenden Puma

Gestalten mit langen Hälsen auf. Erst bei

könnte. Doch das sanftmütige Aussehen

rechtzeitig zu entdecken und seine Herde

näherem Betrachten wird klar: Es ist eine

soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass

warnen zu können.

kleine Herde Vikunjas. Die Gruppe wird

diese kleinen Wildkamele hart im Nehmen

von einem Hengst angeführt, dem drei

sind. Dank ihres dichten, wärmedämmen-

Spucken zur Abschreckung

Weibchen und zwei Jungtiere hinterher-

den Felles sind sie gegen das raue Berg-

Fremde Tiere, die ins Revier eindringen,

folgen.

klima gut geschützt. Selbst Schneestürme

werden durch Ausschlagen, Beissen und

und Temperaturen bis minus 30 Grad kön-

Tritte mit den kräftigen Nägeln an den

nen ihnen nichts anhaben.

Zehen unerbittlich verjagt. Die ansons-

Von Weitem sind sie kaum zu hören, da sie buchstäblich auf leisen Sohlen gehen. Sie gehören wie ihre Verwandten in

Genügsam zeigen sich die Vikunjas

ten friedfertigen Tiere setzen bei internen

der Ferne, die Kamele und Dromedare,

auch, was das Futter betrifft. Sie ernähren

Rangkämpfen zielgenau das berüchtigte

zur Unterordnung der Schwielensohler.

sich ausschliesslich von Gras und Kräu-

Spucken ein. Dabei handelt es sich nicht

Gleich ist auch ihr hin- und herwippen-

tern. Deshalb sind sie auf ein grosses Ter-

in erster Linie um Speichelflüssigkeit,

der Gang, wie er für Paarhufer typisch

ritorium angewiesen, das für eine Herde

sondern um unverdaute Nahrung aus dem

ist.

rund 18 Hektaren umfasst. Nachts halten

Magen, die entsprechend übel riecht.

TIERREPORT 4/2009

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KLAUS-PETER WOLF/SUTTER

ISTOCKPHOTO

Anpassungsfähig: Die Guanakos sind vegetarische Allesfresser, weshalb ihr Lebensraum nicht auf das Hochgebirge beschränkt ist.

Lama: Trittsicherer «Lastesel» der Indios.

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Guanakos sind anpassungsfähiger

Frühe Domestizierung

Weitaus häufiger als die Vikunjas kom-

früh den Nutzen beider Kamelarten, und

men jedoch ihre nächsten Verwandten

begannen sie vermutlich schon vor etwa

vor, die Guanakos. Sie sind um einiges

5000 Jahren zu domestizieren. So ent-

grösser und schwerer als die zierlichen

standen im Laufe der Zeit die Zuchtfor-

Vikunjas, und ihr Lebensraum ist nicht

men Lama und Alpaka. Die Lamas sind

bloss auf das Hochgebirge beschränkt. Sie

die grössere der beiden Haustierarten. Seit

sind so anpassungsfähig, dass sie sowohl

jeher werden Lamas wegen ihres Fleischs

im Küstenland als auch in Grasländern,

gehalten und als Lasttiere eingesetzt.

Halbwüsten, Buschsteppen und Waldge-

Ein ausgewachsenes Lama erreicht eine

bieten leben können.

Schulterhöhe von bis zu 120 Zentimetern,

Die indigenen Stämme erkannten schon

Grund dafür ist unter anderem, dass

ist selbst auf schmalsten Pfaden äusserst

Guanakos weniger spezialisiert sind bei

trittsicher und kann dabei ein Gewicht

der Nahrung als ihre kleineren Verwand-

von bis zu 40 Kilogramm tragen.

ten. So fressen sie auch Blätter und Knos-

Die Alpakas werden vorwiegend we-

pen von Sträuchern und Bäumen sowie

gen ihrer besonders weichen, dichten Un-

Flechten und sogar Pilze. Entsprechend

terwolle gezüchtet und einmal jährlich

reicht ihr Verbreitungsgebiet von Bolivien

geschoren. Diese qualitativ hochwertige

über Peru, Ecuador, Chile und Argentinien

Wolle ist inzwischen weltweit begehrt

bis nach Paraguay.

für die Herstellung von Pullovern, Müt-

TIERREPORT 4/2009


ISTOCKPHOTO

Hochwertige Wolle: Die Unterwolle der Alpakas ist weltweit wegen ihrer Weichheit begehrt.

zen und Schals. Denn im Gegensatz zu

gramme der peruanischen und argentini-

Schafwolle kratzt sie nicht auf der Haut

schen Regierung konnte sich die Popula-

und fühlt sich angenehm sanft an.

tion der Vikunjas so weit erholen, dass diese heute nicht mehr auf der roten Liste

Fast ausgerottet durch die Europäer

der gefährdeten Arten stehen. Weitaus

Die Inkas haben es immer verstanden, die

benden Guanakos.

grösser ist jedoch der Bestand der wildle-

Vikunjas nachhaltig zu nutzen, sodass der Bestand nie gefährdet war. Dies änderte

Vielseitig einsetzbar

sich schlagartig mit dem Einfall der spa-

Inzwischen werden Lamas und Alpakas

nischen Eroberer in Südamerika im 16.

auch hierzulande immer beliebter. Nach

Jahrhundert und der Unterwerfung der

Angaben des Vereins Lama- und Alpaka-

einheimischen Bevölkerung. Die Euro-

halter Schweiz (VLAS) sind bereits rund

päer knallten die Wildkamele mit ihren

3000 Tiere im Zuchtregister eingetragen.

Gewehren rücksichtslos ab, bis deren Be-

Lamas werden nicht nur für Trekkings ein-

stand kurz vor der Ausrottung stand. Zu-

gesetzt, sondern wegen ihres gutmütigen

sätzlich wurden sie aus ihren Weidege-

Wesens vermehrt auch in der tiergestütz-

bieten durch die eingeführten Rinder und

ten Therapie. Alpakas und Lamas sind zwar

Schafe weitgehend verdrängt.

äusserst robust und genügsam, benötigen

Erst durch nach der Mitte des vergangenen Jahrhunderts lancierte Schutzpro-

TIERREPORT 4/2009

allerdings viel Platz, um sie artgerecht halten zu können. ]

Umstrittene Abstammung Alle vier Neukameliden-Arten, also Vikunja, Guanako, Lama und Alpaka, zählen zur Familie der Kamele (Camelidae). Deren Ursprung liegt eigentlich in Nordamerika, wo diese Tierarten längst ausgestorben sind. Von da aus wanderten die ersten Vorfahren der heutigen Kamele über die damalige Landbrücke nach Asien aus, eine Million Jahre später machte sich eine weitere Gruppe Richtung Südamerika auf. Bis heute streiten sich die Zoologen über die genaue Abstammung der domestizierten NeukamelidenArten Lama und Alpaka. Bisher wurde davon ausgegangen, dass beide Haustierarten auf das Guanako zurückgehen. Doch neuere DNA-Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Alpaka vom Vikunja abstammen könnte. Allerdings ist der Nachweis schwierig, da sich sämtliche vier Arten untereinander verpaaren können.

Matthias Brunner

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Wirtschaftskrise rettet 10 Millionen Pelztieren das Leben WWW.FORBYPELS.NO

Nach Jahren ungestümen Wachstums der Pelzindustrie ist der Markt wegen der aktuellen Wirtschaftskrise empfindlich eingebrochen. Zum Vorteil der pelztragenden Tiere. Mindestens 10 Millionen Tiere entgehen in diesem Jahr einem qualvollen Tod für die Pelzmode.

diesem Jahr vergast, zu Tode geknüppelt,

300 Pelzfarmen weniger in Finnland

Drastischer Einbruch in China

durch Stromschlag, mittels Giftspritze

Überall spüren für einmal nicht nur die

Besonders dramatisch ist der Rückgang

oder Genickbruch getötet. Diese bemer-

den eisigen Winden ausgesetzten Käfig-

der chinesischen Produktion. Laut des

kenswert hohe Zahl basiert auf dem ge-

tiere, sondern auch die Pelztierzüchter das

Branchenberichts Sandy Parker Report

meldeten Rückgang von 13 % des welt-

raue Klima. Gemäss Tomas Widblom von

vom 20. Juli 2009 reduzieren die chine-

weiten Umsatzes der Pelzindustrie. Ge-

Finnish Fur Sales wird vermutlich jede

sischen Nerzzüchter im zweiten Jahr in

mäss der International Fur Trade Fede-

vierte Pelzfarm in Finnland noch in die-

Folge ihren Jahresausstoss. Eine grosse

10 Millionen Tiere weniger werden in

ration IFTF brach der Umsatz von 15,02

sem Winter geschlossen. Das wären 300

Zahl von Farmen wurde bereits geschlos-

Milliarden US-Dollar auf 13,03 Milliar-

Pelztierzüchter, die ihr blutiges Handwerk

sen. Die Prognosen für dieses Jahr belau-

den US-Dollar ein. Da im Rekordjahr 2007

aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben

fen sich auf zwischen 7,5 und 8 Millio-

75 Millionen Pelztiere für die Mode getö-

müssen. Etwa die Hälfte der insgesamt

nen Nerzfelle gegenüber 14 Millionen im

tet wurden, reduziert sich die Zahl in die-

1200 Farmer befinden sich in der schwe-

Vorjahr und 20 Millionen im Rekordjahr

sem Jahr auf 65 Millionen Tiere.

dischsprachigen Provinz Oesterbotten.

2007.

20

TIERREPORT 4/2009


Man erwartet mit 44,7 Millionen

siver Tierschutzprobleme sind. Holland

möglicherweise anfechtbar, weil es mit

Nerzfellen weltweit einen Rückgang

hat die Käfighaltung von Füchsen und

den Verpflichtungen der Schweiz im Rah-

um 14 %. Die Handelspreise sanken um

Chinchillas bereits in den 90er-Jahren

men der WTO-Abkommen schwer zu ver-

durchschnittlich 25 %. An der Kopenha-

verboten.

einbaren sei. Eine Deklarationspflicht er-

gen Pelz Auktion – einer der weltweit

achtet die WBK des Ständerats hingegen

gar um 30 % geringere Preise als im Vor-

Konsequenzen werden gezogen

parenz für Konsumentinnen und Konsu-

jahr. Das griechische Pelzverarbeitungs-

Die norwegische Tierärztevereinigung

menten und gleichzeitig bessere Rahmen-

zentrum Kastoria meldet einen Rückgang

DNV hat im September in einer Resolu-

bedingungen für jene Verbände des Pelz-

von 15 %. Auch die Finnen bejammern

tion festgehalten, dass Füchse und Nerze

gewerbes in der Schweiz, die sich bereits

das schlechte Abschneiden an der Auk-

in den Käfigbatterien nicht artgemäss ge-

seit längerem aktiv für eine Zertifizierung

tion in Helsinki. Sie blieben auf 40 % ihrer

halten werden können. Die DNV fordert

und klare Standards im Bereich des Tier-

Marderhundfelle sitzen.

deshalb einen generellen Verzicht auf die

schutzes einsetzten.

grössten Pelzbörsen – erzielten die Felle

Farmhaltung von Wildtieren für die Pelz-

als sinnvoll, schaffe sie doch mehr Trans-

Diese Begründung zeigt, dass sich

Restriktivere Gesetze in Aussicht

gewinnung. Die neu gewählte Koalition in Irland

miert haben. Die erwähnte Zertifizierung

Auf Gesetzesebene gibt es Lichtblicke:

sieht mit einer Übergangsfrist von drei

der Verbände «Origin Assured» (AO), die

Am 2. Mai 2009 verabschiedete das däni-

Jahren ebenfalls ein Verbot der Pelztier-

eine artgerechte Haltung auszeichnen

sche Parlament im dritten Anlauf nach di-

farmen vor.

soll, wurde durch die letzthin im däni-

die Ständeräte nur ungenügend infor-

schen und norwegischen Fernsehen ge-

versen Verzögerungsmanövern der Pelz-

zeigten Missstände in den skandinavi-

farmen nach einer Übergangsfrist von 15

Deklarationspflicht für die Schweiz?

bung entlarvt.

branche eine Gesetzesvorlage, die FuchsJahren verbietet. Voraussetzung für die

Die parlamentarische Initiative von Na-

lange Frist ist, dass die Züchter mehr als

tionalrätin Pascale Bruderer (SP, AG),

schen Pelzfarmen als irreführende WerDie Kommission stimmte der Motion

50 % ihrer Einkünfte aus der Fuchszucht

«lmportverbot für tierquälerisch herge-

von Nationalrätin Tiana Moser (GLP, ZH),

erzielen. Dies ist nur bei zwei Züchtern der

stellte Pelzprodukte», will den Import von

die eine Verankerung der Deklarations-

Fall. Für die restlichen Farmen gilt eine

Pelzprodukten aus tierquälerischer Hal-

pflicht für Pelze und deren Produkte in

Übergangsfrist von acht Jahren, also bis

tung, Jagd oder Tötung verbieten. Entge-

den Rechtsgrundlagen fordert, einstim-

zum Jahre 2017. Das Verbot basiert auf

gen dem Entscheid der nationalrätlichen

mig zu. Es ist zu hoffen, dass diese Dekla-

der Feststellung, dass den artspezifischen

Kommission für Wissenschaft, Bildung

ration analog der Käfigeier-Definition wie

Bedürfnissen der Füchse in einer Farm-

und Kultur (WBK), beschloss die Schwes-

folgt lauten wird: «Dieses Produkt wurde

haltung nicht entsprochen werden kann.

terkommission des Ständerats mit 7 zu 4

unter Bedingungen hergestellt, die ge-

Am 30. Juni 2009 verabschiedete das

Stimmen, dieser Initiative keine Folge zu

mäss Schweizer Tierschutzgesetz verbo-

leisten.

ten sind.»

holländische

Repräsentantenhaus

ein

Verbot r der kommerziellen Nerzzucht mit

Ein lmportverbot für Pelzprodukte sei

Mark Rissi WWW.FORBYPELS.NO

einer Übergangsfrist bis 2018. Die Vorlage geht nun noch an den Senat. Die Pelzlobby hofft, dass das Oberhaus die Vorlage doch noch zu Fall bringen wird. Holland ist nach Dänemark und China das drittgrösste Erzeugerland von Nerzpelzen. 2018 sollen nun alle 170 Nerzfarmen geschlossen werden. In Holland werden jährlich bis zu 5 Millionen Nerze durch Gas getötet. Nerzkäfige sind international standardisiert und haben eine Grösse von lediglich 30 x 85 x 45 Zentimeter. Ein Wasserbassin oder Naturboden sind nicht vorhanden. Die bewegungsaktiven Nerztiere zeigen durch diese Haltung Apathie und Stereotypien, was deutliche Zeichen mas-

TIERREPORT 4/2009

Warten auf den Tod: Eines von 65 Millionen Pelztieren, die für die Mode sterben.

21


26

TIERREPORT 4/2009


Was hat der Schweizer Tierschutz STS in China verloren? Es gibt in unserem Land noch einen sehr grossen Handlungsbedarf, was den Tierschutz anbetrifft. Deshalb muss der STS, als Dachverband der Schweizer Tierschutzvereine, beinahe alle Ressourcen, die ihm zur Verfügung stehen, bei uns in der Schweiz einsetzen. Das bedeutet, dass wir nur ein paar wenige ausgewählte internationale Tierschutzprojekte unterstützen und begleiten können. Weshalb also lanciert der STS jetzt schon zum dritten Mal den Wettbewerb «Design Against Fur» ausgerechnet in China? Gegen die Massentierquälerei an Millio-

Geschäft mit den immer gleichen Argu-

Erfolg hat uns überwältigt: Dieses Jahr

nen von Tieren, die in der ganzen Welt

menten, den immer gleichen Slogans auf

wurden 9477 Plakatentwürfe und 180

mit der Pelzmode zusammenhängt, kann

Plakaten und in Inseraten, den immer

Videospots aus 407 Universitäten in 31

nur auf internationaler Ebene vorgegan-

gleichen Protestaktionen nichts mehr

Provinzen Chinas eingereicht! Alles in

gen werden. Bei dieser Vernetzung darf

ausrichten. Deshalb muss man neue

allem haben also bei den 3 Wettbewer-

insbesondere die Schweiz nicht fehlen.

Wege beschreiten. Einer davon ist «De-

ben rund 20 000 Studentinnen und Stu-

Wir wären sonst ein schwaches Glied in

sign Against Fur».

denten teilgenommen. Das heisst, 20 000

Dieser ganz besondere Wettbewerb

junge Chinesinnen und Chinesen, die

Seit der Zuchtpelz als billige Massen-

wird von der Fur Free Alliance jedes

Designer von morgen, haben sich zu

ware aus dem Fernen Osten den Welt-

Jahr in der EU, den USA und in Russ-

der grauenhaften Massentierquälerei an

markt überschwemmt, kämpfen zwar

land ausgeschrieben. Da der STS dank

Millionen von Pelztieren in ihrem Land

unzählige Tierschutzorganisationen ge-

der Recherchen unseres Dokumentarfil-

Gedanken gemacht. Das sind Multipli-

gen eine Modetorheit, die mit unsäg-

mers Mark Rissi die notwendigen Kon-

katoren, die vielleicht den Beginn eines

lichem Leid der betroffenen Tiere ver-

takte besitzt, haben wir vor drei Jahren

Umdenkens einleiten können.

bunden ist. Doch nüchtern betrachtet,

das Abenteuer gewagt, «Design Against

kann man gegen dieses grosse blutige

Fur» auch in China auszuschreiben. Der

einer Kette, die immer stärker wird.

Heinz Lienhard, Präsident STS

Die Gewinner: 1. Platz für Guo Wei, Beihang University (linke Seite), 2. Platz für die Teamarbeit von Wu Cuicui, Wu Cui und Wang Danyi, Keyi College of Zhejiang Sci-Tech University (oben links), und 3. Platz für Zhang Hua und Shen Huajie, Central South University of Forestry and Technology (oben rechts).

TIERREPORT 4/2009

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FOTOS: ZVG

Afra in letzter Minute gerettet Der STS unterstützt das Tierheim SOS-Kiew in der Ukraine. Ein Bericht vor Ort zeigt, wie wichtig die Weiterführung dieser Unterstützung ist.

schaffen. Tamara bot ein herzzerreissen-

Am 12. Oktober verhaftete die ukraini-

lizei, die sich jedoch weigerte, die ver-

hatte sie an einem zwei Meter langen Seil

sche Polizei den als brutalen Schläger be-

schlossene Tür für einen Hund aufzubre-

an der Zentralheizung angebunden.

kannten Drogenhändler Boris D. in Kiew.

chen.

des Bild: Eine Mischlingshündin lag völlig abgemagert und dem Verdursten nahe in ihrem eigenen Kot und Urin. Boris D.

Erstaunlich, dass ihr Lebenswille so lange durchgehalten hatte! Tamara und

Es dauerte dann aber noch fast zwanzig Tage, bis die Nachbarn das immer

Knapp dem Tod entgangen

freiwillige Helfer trugen das geschwächte

schwächer werdende Winseln im unters-

Erst, als die couragierte Tierschützerin

Tier in den Transportwagen des Tierheims

ten Stockwerk des Mehrfamilienhauses

Stadtrat Kulikov aufsuchte, sahen sich

von Kiew und fuhren rasch zur Klinik.

der Tierschutzleiterin Tamara Tarnawska

die Polizisten bemüssigt, gewaltsam Zu-

Die Heimtierärztin Ola verabreichte der

meldeten. Sie alarmierte sofort die Po-

gang zur Wohnung des Drogenbosses zu

Hündin eine stärkende Infusion und Vi-

24

TIERREPORT 4/2009


tamine. In den nächsten Tagen fütterten die Mitarbeiter die völlig erschöpfte Hündin stündlich mit kleinen Bissen, bis sie langsam wieder zu Kräften kam.

Für Hundekämpfe vorgesehen Afra, so wurde sie nun genannt, entpuppte sich als sehr anhängliches Tier. Ob sie wohl ahnte, dass Tamara ihr in letzter Minute das Leben gerettet hatte? Ihre Vergangenheit konnte Afra aber noch nicht abschütteln. Boris D. hatte sie off fenbar für Hundekämpfe abgerichtet und ihre Ohren kupiert, um ihr einen aggressiveres Aussehen zu verpassen. Bislang konnte Afra nicht in die Rudelhaltung des Tierheims integriert werden. Es wird noch viel Geduld benötigen, bis Afra andere Menschen und Artgenossen akzeptieren wird.

Tierheim SOS-Kiew: Die nachhaltige Unterstützung durch den STS muss weitergeführt werden.

Behutsame Resozialisierung

gemässe Sterilisationsmethoden aus, und

Ola und Tamara ist es in der Zwischen-

der STS übernimmt einen Teil der Kosten

zeit gelungen, das Vertrauen der gerette-

für die Heimtierärztin Ola.

ten Hündin Afra zu gewinnen. Afra muss

Wenn in drei Jahren in Polen und

erst lernen, dass Menschen sie nicht miss-

der Ukraine die Fussball-Europameister-

handeln. Bereits lässt sie auch die ande-

schaft stattfindet, sollen die ukrainischen

ren Mitarbeitern des Tierheims SOS-Kiew

Städte auf Hochglanz poliert sein. Des-

in ihren Zwinger herein und spielt ausge-

halb lässt die Verwaltung jährlich min-

lassen mit ihnen.

destens 50 000 streunende Katzen und

Nachdem nun Afra ihre Gesundheit

Hunde einfangen und töten. Die brutale

zurückerlangt hat, versucht Tamara in

Massentötung löste international grosse

den kommenden Monaten, die für Hun-

Empörung aus. Der Druck von aussen zei-

dekämpfe vorgesehene Afra zu soziali-

tigte Wirkung. Inzwischen hat die ukrai-

sieren, damit sie in kundiger Obhut wie-

nische Regierung Tamara Tarnawska und

der ganz Hund sein kann, ohne jegliche

ihre Tierschutzorganisation SOS Animals

Angst, dass sie geschlagen, angebunden

Society mit einem Kastrationsprojekt be-

oder dem Hungertod überlassen wird.

auftragt. ]]

STS leistet seit Jahren Unterstützung Der STS hilft der ukrainischen Tierschutzorganisation SOS-Kiew im Sinne einer nachhaltigen Unterstützung seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. So gelang es der beherzten Leiterin Tamara vor einigen Jahren, die berüchtigten Kiewer Tötungsstätten für Strassenhunde, die s genannten «Budkas» zu schliessen. STSVizepräsident Dr. med. vet. René Ringger bildete ukrainische Tierärzte für zeit-

TIERREPORT 4/2009

Unterstützung: Der STS übernimmt auch einen Teil der Lohnkosten für die Tierärztin von SOS-Kiew.

Mark Rissi

n e r e s n u e i S Unterstützedneinsatz! Auslan er in Kiew

ierschütz r beherzten T e d ahme n e g n u h ü Bem mit der Übern ie m d re n e d te n h a c ö r m te Wir en. Un nft unterstütz auch in Zuku

! E K DAN


ISTOCKPHOTO

AU S A L L E R W E LT + + + AU S A L L E R W E LT + + + AU S A L L E R W E LT + + EU

Tierschutzlabels: keine verbindliche Deklaration Die Konsumenten in der Europäischen Union sollen besser über Tierhaltungsformen, Tiertransporte und -Schlachtungsmethoden informiert werden. Allerdings soll die Kennzeichnung der unterschiedlichen Tierschutzstandards freiwillig erfolgen. Dies regt die EU-Kommission an.

DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO

Vorbild sei dabei die Beschriftung der Eier, die zu einem deutlichen Rückgang

Bonobos ausgewildert

der Käfighaltung in der EU geführt habe. Allerdings gebe es in der Fleischproduk-

Erstmals sind in der Demokratischen Repu-

soll künftig ständig von einer Gruppe von

tion zu viele offene Diskussionspunkte,

blik Kongo neun Bonobo-Affen im Urwald

Rangern beobachtet werden. Acht weitere

was richtiger und notwendiger Tierschutz

ausgewildert worden. Die fünf Männchen

Zwergschimpansen sollen Ende des Mo-

sei, um ein Kennzeichnungssystem wie

und vier Weibchen wurden per Flugzeug

nats in die Region gebracht werden.

bei den Eiern vorschreiben zu können.

von einer Schutzstation nahe der Haupt-

Bonobos leben nur im Kongo. Durch

Die Kommission fordert in ihrem Be-

stadt Kinshasa in die Region von Basan-

jahrelange Kriege in der Region und Wil-

richt zunächst objektive Erkenntnisse

kusu gebracht. Dort wurden die Zwerg-

derei wurde ihr Bestand stark dezimiert.

über das Wohlbefinden des Nutzviehs.

schimpansen in einem sumpfigen Wald-

Von 100 000 Tieren im Jahr 1980 ging die

Zudem warnt sie, dass vorgeschriebene

gebiet freigelassen, aus dem die Tierart seit

Population Schätzungen zufolge auf in-

Tierschutzlabels Ärger mit der Welthan-

rund zehn Jahren verschwunden ist.

zwischen 10 000 bis 20 000 Tiere zurück.

delsorganisation WTO ergeben könnten.

INDIEN / NEU-DELHI

Freiheit für die Elefanten

Das älteste der ausgewilderten Tiere

Die Organisation ABC hat nahe Kinshasa

sei 25 Jahre alt, das jüngste ein 4 Jahre

eine Auffangstation für Bonobos einge-

altes Affenkind, sagte ABC-Chefin Clau-

richtet, die dort auf 30 Hektaren in be-

dine Andre. Die Aktion sei sehr gut ver-

grenzter Freiheit leben. Dabei handelt es

laufen, die Bonobos seien während des

sich hauptsächlich um verwaiste Tiere, de-

Transports nicht gestresst gewesen. Die

ren Eltern von Wilderern getötet und als

Auswilderung war über drei Jahre hinweg

so genanntes Bushmeat verkauft worden

vorbereitet worden. Die Bonobo-Gruppe

sind.

Indiens nationales Symboltier, der Elefant, darf in Zukunft nicht länger in

SPANIEN

Zoos und Zirkussen eingesperrt wer-

Stierkampfverbot in Reichweite

den. Dies beschloss Indiens Zentrale Zoobehörde (CZA). Die CZA hat angekündigt, dass alle Elefanten, die derzeit

Das geltende katalanische Tierschutzge-

Die Volksgesetzesinitiative (ILP), die

in indischen Zoos und Zirkussen einge-

setz von 2008 verurteilt jeglichen Tier-

seit Dezember 2008 unter dem Namen Pla-

sperrt sind, in Elefantencamps des Fo-

missbrauch und verbietet jede Veranstal-

taforma Prou läuft, hat vom katalanischen

rest Departments überstellt werden sol-

tung, bei der ein Tier verletzt oder getötet

Volk eine überwältigende Unterstützung

len. Diese Camps befinden sich in der

wird – mit Ausnahme des Stierkampfs. Das

erfahren: 50 000 Unterschriften waren er-

Nähe von Schutzgebieten, National-

katalanische Gesetz verweigert folglich den

forderlich, um eine parlamentarische Ab-

parks und Auffangstationen für Wild-

Stieren und Pferden, die beim Stierkampf

stimmung über ein Stierkampfverbot in

tiere in Indien. www.cza.nic.in

eingesetzt werden, jenen Schutz, der sonst

Gang zu bringen, doch mehr als 180 000

allen anderen Tieren zugestanden wird.

Unterschriften sind zusammengekommen.

26

TIERREPORT 4/2009


+ + AU S A L L E R W E LT + + + AU S A L L E R W E LT + + + AU S A L L E R W E LT

WALFANG

Wildtierverbot für Zirkusse in Österreich bestätigt

IWC-Entscheid vertagt

ISTOCKPHOTO

EU

Die Europäische Kommission hat das ös-

Die Internationale Walfangkommission

terreichische Wildtierverbot in Zirkussen

(IWC) hat mit einer Verschiebung ihrer Ent-

erneut als rechtmässig bewertet, und da-

scheidungen vorerst eine innere Spaltung

mit eine Beschwerde des Europäischen

abgewendet. «Wir müssen erst einen Kon-

Zirkusverbands beim EU-Bürgerbeauf-

sens darüber finden, was die IWC ist und

tragten abgelehnt. Nachdem die Europä-

welche ihre Aufgaben sind», sagte der neu

ische Kommission bereits im Jahr 2006

gewählte IWC-Präsident Cristian Maquieira.

ein Vertragsverletzungsverfahren zum

Es gebe «mindestens zwei gegensätzliche

österreichischen Wildtierverbot in Zir-

Arten», diese Frage zu beantworten.

kussen eingestellt hatte, bekräftigte die

Einziges Ergebnis des Treffens ist die

Kommission jetzt erneut ihre Haltung ge-

Entscheidung, die Gespräche in Form einer

genüber dem EU-Bürgerbeauftragten. Die

Arbeitsgruppe um ein Jahr zu verlängern.

Mitgliedstaaten können daher selbst ent-

Uneinigkeit herrscht besonders über den

scheiden, wie sie Wildtiere im Zirkus an-

Vorschlag, Japan den kommerziellen Wal-

gemessen schützen, und dies kann auch

fang vor seinen Küsten in begrenztem Mass

durch ein umfassendes Verbot wie in Ös-

zu erlauben. Japan fordert eine Entschei-

terreich geschehen.

dung darüber im Laufe des kommenden Jahres. Auch eine Entscheidung über die Jagd auf Buckelwale vor Grönland wurde verschoben.

PHILIPPINEN/SAMOA

WSPA rettete 4200 Hunde nach Unwetter

RUSSLAND

Tigerumfrage

Verschmutzungen des Wassers durch Öl

Ein Viertel aller Einwohner der Russi-

massnahmen der WSPA auf den Philip-

oder Abfall mit Krankheiten anzustecken.

schen Föderation weiss nicht, dass in

pinen, die von schweren Wirbelstürmen

Dank grosszügiger Unterstützung kamen

Russland Tiger leben. Dies ist das Resultat

betroffen worden waren. In den Evakuie-

ausreichend Medikamente und über zwei

einer gesamtrussischen Umfrage, die von

rungszentren befanden sich bereits etwa

Tonnen Hundefutter zusammen, mit de-

der Research Holding ROMIR durchge-

3600 Hunde, die es zu versorgen galt. Das

nen die bedürftigen Tiere in den Folgeta-

führt wurde, um herauszufinden, in wel-

Team verteilte Halsbänder, Leinen und vor

gen durch die WSPA behandelt und ge-

chem Umfang das Problem des Schutzes

allem Futter an die Besitzer der Tiere. Viele

füttert werden konnten. Insgesamt konnte

der Amurtiger im Land bekannt ist. Ebenso

Menschen nahmen auch ihre Hühner mit

die WSPA auf Samoa auf diese Weise 600

wurde gefragt, wie die Bevölkerung zur

in die Auffangstationen. Durch Gesprä-

Hunden helfen.

Rettung der seltenen Art steht, die auf den

che mit Regierungsvertretern wurde ausserdem erreicht, dass örtliche Tierärzte in

WSPA

Dr. Damian Woodberry leitete die Hilfs-

roten Listen verzeichnet ist. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass sie im Prin-

die entlegeneren Katastrophengebiete ge-

zip von der Existenz einer Tigerpopula-

sandt wurden, um auch dort die Tiere be-

tion auf dem Territorium Russlands wis-

handeln zu können.

sen. Dabei verfügen über die meisten

Eine verheerende Situation traf das

Kenntnisse in dieser Frage die Bürger im

WSPA-Team auf der Insel Samoa an: Es

Fernen Osten (97 %) und im Ural (88 %),

existierte keine funktionierende tierärzt-

über die geringsten die Bewohner im Fö-

liche Versorgung mehr. Die Tiere, die

derationskreis Nordwestrussland (67 %)

überlebt hatten, liefen Gefahr, sich durch

und in Sibirien (63 %).

TIERREPORT 4/2009

27


ISTOCKPHOTO

ISTOCKPHOTO

Vor den Ferien die Heimtiere nicht vergessen Herbstferien, Weihnachtsferien, Skiferien

rienplattform des STS gibt dazu genauso

nert eines Jahres werden die Kursteilneh-

– Erholung für gestresste Menschen: End-

Tipps wie das Bundesamt für Veterinär-

mer in Theorie und Praxis, mit theoreti-

lich Koffer packen, Zug, Auto oder Flug-

wesen.

scher und praktischer Abschlussprüfung, in der Selbständigkeit, Betriebsführung

zeug besteigen und weg vom Alltag, hin zu Strand oder Pulverschnee. Dass dabei

Ausgebildete Tiersitter

und Kundenbetreuung (Zwei- und Vier-

nicht selten vergessen wird, die Versor-

Sollen Tiere zuhause betreut werden, stellt

beiner) geschult. Ausserdem lernen sie die

gung der Heimtiere sicherzustellen, zei-

sich die Frage: Wem kann man ihre Be-

Grundlagen – von der Anatomie der Katze

gen mehrere bekannt gewordene Urteile

treuung anvertrauen? Cat- und Dogsitter

und der Verhaltenskunde über Pflege, Hy-

über Tierschutzfälle, bei denen Tiere ohne

gibt es wie Sand am Meer bzw. Schnee-

giene, Unfallverhütung und Krankheits-

Pflege und Betreuung in der Wohnung zu-

flocken in den Alpen, aber da es keine

lehre, bis hin zur Ernährungslehre und

rückgelassen wurden: ein Aquarium mit

geschützten Berufsbezeichnungen sind,

zum Tierschutz – bevor sie selber un-

20 Fischen, 3 Boa constrictor-Schlangen,

weiss man nicht, in wessen Hände das Tier

ter Anleitung Hand anlegen und Katzen

insgesamt 4 Katzen und 5 Hunde wurden

gegeben wird. Dies ist der Grund, weshalb

pflegen dürfen. Der nächste Katzensitter-

von ihren Besitzern einfach zuhause «ver-

der Schweizer Tierschutz STS auf seiner

Lehrgang beginnt im Januar 2010. ]

gessen».

Ferienplattform keine Liste mit Tiersitter-

Umso wichtiger ist es, immer wie-

adressen führt.

der zu betonen, dass die Ferienbetreuung

Die diplomierte Tierpflegerin und

der Heimtiere frühzeitig geplant werden

Tierpsychologin I. E. T. Pascale Pineroli

muss. Denn Pensionsplätze in Tierheimen

hat diesen Mangel an solide ausgebilde-

sind in Ferienzeiten schnell ausgebucht,

ten Tiersittern erkannt und einen Lehr-

und geeignete Betreuungspersonen müs-

gang für Katzensitter mit Zusatzmodul

sen erst einmal gefunden werden. Die Fe-

Hundebetreuung ins Leben gerufen. In-

28

Eva Waiblinger STS-Fachstelle Heimtiere

Nützliche Webseiten www.tierschutz.com/heimtiere/ferien www.tiere-richtig-halten.ch www.haustierdienst.ch

TIERREPORT 4/2009


Klein, aber oho! Paris Hilton macht mit ihrem Chihuahua Tinkerbell vor, wie man es eben nicht machen sollte: Kleinhunde sind keine Accessoires, die man herumschleppt! In Kleinhunden steckt nämlich viel mehr, als man denkt. Aus Tierschutzsicht ist es tragisch, dass viele Kleinhunderassen als pflegeleicht und einfach gelten, nur weil man sie herumtragen kann.

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zu sexuellen Zwecken missbraucht, weshalb die ordinäre deutsche Bezeichnung für Schosshunde auch «Punzenlecker» heisst. Zoophilie, also sexuelle Handlungen mit Tieren, ist glücklicherweise seit dem 1. September 2008 in der Schweiz ausdrücklich verboten.

Kleine Hunde als Gesellschafter Gesellschaftshund ist der korrekte Begriff für Kleinhunde, deren Aufgabe es ist, dem Menschen vor allem Gesellschaft zu leisten. Zu diesen Rassen gehören unter anderen die Chihuahuas, die angeblich zu den Lieblingen aztekischer Prinzessinnen gehörten, aber auch geopfert und gegessen wurden, die Peking-Palasthunde, welche auch

Chihuahua: Zuerst Liebling aztekischer Prinzessinnen, nun Spielzeug von Societygirls.

als Wachhunde tätig waren, weil sie sehr schnell Laut gaben, oder die Shi-Tzus. Trotz dem Etikett «Gesellschaftshund»

Rattenfänger von Yorkshire

meist kleiner und leichter als Katzen – neh-

steckt selbst in diesen kleinen Hunden ein

In jedem Kleinhund steckt ein ganzer

men mit Mut und Unerschrockenheit den

ganz normaler Hund mit Bedürfnissen nach

Hund, mit all seinen hündischen Bedürff

Kampf mit einer Ratte auf. Der Yorkie ist

Bewegung, klaren sozialen Strukturen und

nissen, und in manchen Kleinhunden so-

sehr selbstbewusst und schreckt auch vor

Gesellschaft – mit Hunden und Menschen.

gar noch viel mehr. Der Yorkshireterrier

grösseren Gegnern nicht zurück, also defi-

Auch Gesellschaftshunde sind keine ver-

zum Beispiel, wegen seines seidig-langen

nitiv kein Hund fürs Handtäschchen!

hätschelten Modepüppchen, die ständig herumgetragen werden müssen! ]

Haares oftmals verhätschelt, bis zum Exzess gebürstet und mit Mäschchen verse-

Als Schosshunde missbraucht

Eva Waiblinger

hen, ist im 19. Jahrhundert in den ärm-

Wer nun einen eigentlichen Schosshund

STS-Fachstelle Heimtiere

sten Gegenden der nordenglischen Indus-

zur Gesellschaft sucht, sollte nicht zu tief

triestädte für eine besondere Aufgabe he-

in der Herkunft dieses Begriffes forschen.

rangezüchtet worden: nämlich, um Ratten

Er geht auf die seit dem 18. Jahrhundert

zu jagen.

von gut situierten Damen gehaltenen klei-

Ratten sind sehr wehrhafte Tiere – Kat-

nen Hunde unterschiedlicher Rassen zu-

zen lassen deshalb vorsichtshalber ihre Pfo-

rück, die sich selber wenig bewegten, oft

ten von solchen, die mehr als 200 Gramm

getragen und auf dem Schoss gehalten

wiegen. Sie jagen also nur junge Ratten,

wurden.

da ihnen ausgewachsene Exemplare zu ge-

Die Tiere waren meist Spielgefähr-

fährlich sind. Yorkshireterrier dagegen –

ten und Gesellschafter, wurden aber auch

TIERREPORT 4/2009

Fachmesse HUND 2010 Besuchen Sie den Schweizer Tierschutz STS an der HUND 2010, der Schweizer Hundefachmesse, die vom 5. bis 7. Februar 2010 in Winterthur stattfindet, und spazieren Sie spielerisch durch den Paragrafenwald.

29


Eine wahre Weihnachtsgeschichte mit grossem Appetit über ihren besonde

tig öffnet sie die Eingangstür einen Spalt

durch die Luft, bis sie auf den Boden treff

ren Festschmaus her. Auch für ein paar

breit und erblickt einen Mann, der zwei

fen und einen weichen, weissen Teppich

neue Spielzeuge und Kuscheldecken hat

Katzen unter seinen Armen trägt. Unge-

bilden. Ringsherum wird es still, die Stras-

es gereicht, schliesslich sollen auch die

fragt drängt er sich an ihr vorbei und tritt

sen sind wie leer gefegt. Zuhause bereiten

Tiere spüren, dass Weihnachten ist!

herein. Er wirkt sehr nervös und erklärt

den Fenstern tanzen dicke Schneeflocken

ungeduldig, dass er die zwei Katzen hier

sich die Menschen auf das Fest im Kreise ihrer Liebsten vor.

Später Besuch

lassen will.

Auch im Tierferienheim beginnt nun

Pam ist zufrieden und will gerade die Lich-

Angeblich hat er sie auf der Hauptst-

für Pam nach einem langen Arbeitstag der

ter löschen, als es plötzlich Sturm klingelt

rasse in Weinfelden gefunden, gibt er zur

30

TIERREPORT 4/2009


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TIERREPORT

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ch nicht h, dass sie t. Ihr Vater sei je ur noch eine K

Ich verschenke ein TIERREPORT-Abo zum Preis von CHF 12.80 für ein Jahr. Die Rechnung geht an mich. Ich möchte die Arbeit des Schweizer Tierschutz STS unterstützen und werde den Abobetrag um CHF _________ zusätzlich erhöhen. Meine Adresse (Rechnungsadresse) Vorname

Name

Strasse/Nr.

PLZ/Ort

Datum

Unterschrift

Geschenkabo-Empfänger/-in (wird von uns über das Geschenk informiert) wird gleich klar: Das ist bestimmt nicht ihr

lässige neue Plätze vermittelt werden, wo

erster Wurf. Nach kurzer Zeit finden die

gut für sie gesorgt ist. Doch noch heute

noch blinden Winzlinge zu den Zitzen ih-

erinnern sich alle Beteiligten an diese be-

rer Mutter und beginnen damit, Milch zu

rührende Geschichte, die sich an Weih-

nuckeln. Es ist ein schöner Anblick, die

nachten zugetragen hat. Vielleicht ist

Katzenfamilie so beisammen zu sehen. Wir

es ja dieser besonderen Zeit zuzuschrei-

sind froh und erleichtert, dass alle Jungen

ben, dass alles zu einem guten Ende

gesund sind, und sich die Mutter von der

gekommen ist …

anstrengenden Geburt rasch erholt.

Yvonne Keiser

Vorname

Name

Strasse/Nr.

PLZ/Ort

Datum

Unterschrift

Tierschutzverein Sirnach und Umgebung 9all] 9]kl]ddmf_ ]afk]f\]f Yf \]f J[`o]ar]j Ka]jk[`mlr JKJ• ;gjfY[`]jkljYkk] ~‡~• ‡‡… 9Yk]d• ^Yp]f Yf ‡ƒ~ €ƒ‚ †† †‡ g\]j Z]kl]dd]f 1Z]j ooola]jj]hgjl[`

TIERREPORT 4/2009

31

‡†


Wir suchen ein Zuhause Tierheime der STS-Sektionen suchen für diese Tiere ein neues, richtiges Zuhause.

abgegeben

abgegeben

Dsungarische Zwerghamster, ca. einjährig, männlich und weiblich. Wir (acht Hamster) sind nachtaktiv, also weniger für Kinder geeignet. Brauchen natürlich eine artgerechte Haltung mit allem drum und dran. STS-Sektion Aargauischer Tierschutzverein ATs Tel. 056 298 00 22

Rey, ca. achtjähriger Maremmano-Mix, männlich und kastriert. Möchte endlich weg aus dem Tierheim. Bin sehr menschenbezogen und gut erzogen. Ich liebe Wanderungen, besonders im Winter wenn es schneit. Haus­halt mit grösseren Kindern, aber ohne andere Tiere. STS-Sektion Tierschutzverein Uster und Umgebung, Tel. 044 997 31 70

abgeschoben

Achatschnecken, ca. fünfmonatig, werden bis zu 10 Jahre alt und bis 12 cm gross. Wir sind 33 Schnecken und suchen einen artgerechten Platz. Uns zu beobachten ist sehr interessant. STS-Sektion Aargauischer Tierschutzverein ATs, Tel. 056 298 00 22

aufgefunden

heimatlos

Jerry, ca. vierjähriger Rauhaarmischling, männlich, kastriert. Bin liebenswürdig und sehr lebhaft. Möchte lernen und brauche viel Beschäftigung. Zu hundeerfahrenen Leuten, aber nicht als Zweithund. STS-Sektion Tierschutzbund Basel Tel. 076 342 78 63

Moderator Redaktor und er T V-Sendung d in t ll te s r e Beat Berg imatlose Tiere e h re e it e w ­ » h «tierisc om h.tierschutz.c c s ri ie .t w w w vor:

Betty-Boo, bin ca. dreijährige Katzendame, kastriert. Bin pflegeleicht und lieb, aber eher Einzelgängerin. Suche also ein Zuhause, wo ich die Hauptrolle hätte. STS-Sektion Tierschutzbund Basel, Tel. 061 331 32 33

heimatlos

Axi, bin einjähriger Deutscher Schäferhund, männlich und kastriert. Bin sensibel, brauche Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Möchte zu aktiven Paar (ohne Kinder) oder Einzelperson, in die Hundeschule sollte ich auch noch. STS-Sektion Aargauischer Tierschutzverein ATs Tel. 056 298 00 22

abgeschoben

abgeschoben

abgegeben Rex, bin ca. sechsjähriger Deutscher Schäfer, männlich, kastriert. Bin etwas abweisend, wenn man sich aber mit mir beschäftigt, werde ich schon anhänglich. Brauche noch etwas Erziehung, deshalb zu hundeerfahrenen Leuten mit Zeit (ohne Katzen). STS-Sektion Tierschutzverein Uster und Umgebung, Tel. 044 997 31 70 32

Luana, ca. siebenjährige Border-Collie-Mischlingsdame, kastriert. Laufe gerne an der Leine, bin freundlich zu Mensch und Hund. Möchte evtl. gerne Hundesport machen. Platz in Haus mit Garten wäre toll. STS-Sektion Aargauischer Tierschutzverein ATs Tel. 056 298 00 22

Tasco, bin ca. vierjähriger Dalmatiner, männlich, kastriert. Bin liebenswürdig und verstehe mich gut mit Artgenossen, brauche aber noch etwas Erziehung, deshalb nur zu hundeerfahrenen Leuten. STS-Sektion Tierschutzbund Basel Tel. 076 342 78 63

misshandelt

Ulian, ca. sechsjähriger Berner-Sennen-Mix, männlich, kastriert. Bin vorsichtig, aber lieb, auch zu Kindern. Möchte wieder Vertrauen fassen, deshalb zu geduldigen Personen. STS-Sektion Tierschutzbund Basel Tel. 076 342 78 63

heimatlos Balou und Mogli, achtmonatige Kater. Wir sind scheu und unsicher. Brauchen viel Zeit und Geduld. Möchten (nur zusammen) an einen ruhigen Platz mit Auslauf ins Grüne. STS-Sektion Tierschutzverein Uster und Umgebung Tel. 044 997 31 70 TIERREPORT TIERREPORT 4/2009 4/2008


Tierreport 4/2009