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TIERREPORT CHF 5.– / EURO 4.–

O F F I Z I E L L E S

O R G A N

D E S

S C H W E I Z E R

Im Einsatz für die Tiere

T I E R S C H U T Z

3/2009

S T S

’s d l na itte o cD tz b : M c hu n o it ti iers Pe hr T S e ST m –


TIERREPORT 3/2009 4 Gute Idee

«Ausgediente» Milchkühe verdienen eine Chance auf ein neues Leben danach.

6 Geschnappt

Illegale Hundehändler tappten in die Falle des STS.

8 Happy End?

Viele alte Tiere können nicht mehr vermittelt werden und bleiben im Tierheim.

10 Aktuelles Schweiz

Kurzmeldungen aus der Schweiz.

12 Rodeos

Die fragwürdigen Rodeoshows kommen nun auch nach Europa.

14 Pelzfreie Zonen

Verantwortungsbewusste Modehäuser verzichten auf den Verkauf von Pelz.

15 Missverständnisse

… zwischen Hund und Mensch, obwohl sie seit Jahrtausenden zusammenleben.

TITELFOTO: CORBIS

16-19 Polarfuchs

Jäger und Züchter wollen dem Polarfuchs ans Fell.

20 Extremzuchten

Die haarsträubenden Extremzuchten sollen endlich gestoppt werden.

22 Tierschicksale

Bewegende Geschichten aus den Tierheimen der STS-Sektionen.

24 STS-Petition

Eine STS-Petition verlangt von McDonald’s mehr Tierschutz und Swissness.

26 Aktuelles Welt

Kurzmeldungen aus aller Welt.

28 Auslandshilfe

Der STS unterstützt in Peru eine erfolgreiche Kastrationskampagne.

30 Importfleisch

Pferdefleisch aus Mexiko stammt ursprünglich oft aus den USA.

32 Tiere suchen ...

Ausgesetzte, verlassene Tiere suchen ein neues, richtiges Zuhause.

TIERREPORT (ehemals «Du+die Natur») Offizielles Organ des Schweizer Tierschutz STS 136. Jahrgang, Nr. 3, September 2009, erscheint viermal jährlich Herausgeber: Schweizer Tierschutz STS Dornacherstrasse 101, 4008 Basel Telefon 061 365 99 99, Fax 061 365 99 90, sts@tierschutz.com Redaktor: Mark Rissi Mitarbeiter dieser Nummer: Matthias Brunner, Michael Götz, Hansuli Huber, Catherine Reber, Stefan Tschopp, Eva Waiblinger, Julio Witschi, Esther Wullschleger Schättin

Abonnementspreise: Jahresabonnement (4 Ausgaben) CHF 12.80 inkl. MWSt Einzelnummer CHF 5.– Tierreport-Abonnentendienst: General-Wille-Strasse 144, 8706 Meilen Telefon 044 925 38 20, Fax 044 925 36 96, sts@rbc-gruppe.ch Abdruck nach Genehmigung durch die Redaktion mit Quellenangabe gestattet. ISSN 1424-9537, Papier 100% Recycling

Gestaltung, Produktion: die zwei, Basel

Besuchen Sie uns im Internet:

Druck: Birkhäuser+GBC, Reinach

www.tierschutz.com oder www.tierreport.ch

Die Sektionen des Schweizer Tierschutz STS: Aargau · Appenzell · Basel-Stadt· Basel-Land · Bern Kanton · Bern Stadt · Biasca · Biel-Seeland · Ceresio/Mendrisiotto · Emmental · Frauenfeld · Fribourg · Frutigen · Glarus · Graubünden · Grenchen · Haut-Léman · Heiden · Horgen · Interlaken-Oberhasli · Jura/AJPA · Jura/Soubey · Kreuzlingen · La Chaux-de-Fonds · Liechtenstein · Linth · Locarno · Lugano · Luzern · Monthey · Neuchâtel · Nidwalden · Niedersimmental · Nyon · Oberaargau · Obersimmental · Oberwallis · Obwalden · Olten · Rheintal · Romanshorn · Rorschach · St. Gallen Kanton · St. Gallen Stadt · Saanenland · Sargans-Werdenberg · Schaffhausen · Schwyz · Sirnach · Solothurn/Wasseramt · Steckborn · Thun · Toggenburg · Uri · Uster · Valais · Vaud · Winterthur · Zug · Fondation Neuchâteloise d’Accueil pour Animaux · Gerenau-Stiftung für Tierschutz, Wädenswil · Stiftung Mensch+Tier, Basel-Stadt · AKUT Aktion Kirche und Tier · APS Auffangstation für Sittiche und Papageien · Club der Rattenfreunde · Schweizer Jugendtierschutz · Schweizer Wildstation Landshut · PRT Protection et Récupération des Tortues · VAZ Verein Aquarium Zürich

2

TIERREPORT 3/2009


EDITORIAL

Traurige Tatsachen Liebe Leserin, lieber Leser Es ist nun wieder ruhig geworden um die Machenschaften der

traurige Tatsache, dass die Versuchstiere bei der Revision unse-

«Militant Forces against Huntingdon Life Science»- (MFAH)

res Tierschutzgesetzes auf der Strecke geblieben sind. Die Wirt-

oder, wie sie sich auch nennt, der «Stop Huntingdon Animal

schaft und ihre übermächtige politische Lobby haben alle For-

Cruelty»-Gruppe (SHAC). Diese hat Schlagzeilen gemacht, weil

derungen des Tierschutzes abgeblockt.

sie Pharmaunternehmen und deren Mitarbeiter immer wieder belästigt, bedroht und zu terrorisieren versucht, angeblich

Der Schweizer Tierschutz STS verlangt keine pauschale Ab-

um die Schliessung des grossen britischen Tierversuchslabors

schaffung der Tierversuche, aber wir wollen, dass solche nur

Huntingdon Life Sciences zu erzwingen. Ich frage mich, ob die

noch bewilligt werden, wenn sie für die menschliche Gesund-

anonymen Kriminellen wirklich ernsthaft glauben, mit ihren

heit unverzichtbar sind und noch keine Alternativmethoden zur

Schandtaten dieses Ziel erreichen zu können. Und ob sie so

Verfügung stehen. Es ist absolut inakzeptabel, dass die Grund-

dumm sind anzunehmen, sie würden damit auch nur einem ein-

lagenforschung in den Universitäten mit Millionen aus unseren

zigen Tier das Leiden und Sterben in den Labors ersparen. Es gibt

Steuergeldern vergoldet wird, während der Staat die Entwick-

tausende von Versuchslabors auf der Welt, welchen Unterschied

lung von Alternativmethoden praktisch nicht fördert. Und es ist

würde das Verschwinden eines einzigen machen? Die Versuche

genauso verwerflich, dass unser Tierschutzgesetz Hunde, Katzen

würden ganz einfach in einem anderen Land durchgeführt.

und andere Tiere in den Labors in Haltungsbedingungen zwingt, welche bei Heimtieren reine Tierquälerei wären.

Ich gehe davon aus, dass Leute wie die Anhänger der MFAH, SHAC, ALF und wie sie sich noch nennen mögen, das selber

Genauso wie Heim- und Nutztiere sind auch Labortiere unsere

auch wissen. Aber was ist dann die Triebfeder, welche sie dazu

Mitgeschöpfe, und gerade weil sie hinter verschlossenen Türen

bringt, sogar Gräber zu schänden und Häuser anzuzünden? Ist

leben, leiden und sterben müssen, sind wir ihnen in besonderem

es krankhafter Grössenwahnsinn, kriminelle Triebhaftigkeit

Mass moralisch verpflichtet. Wir werden weiter für sie kämpfen,

oder einfach die Eigendynamik einer kleinen Gruppe von Fana-

aber mit legalen und Erfolg versprechenden Mitteln, nicht mit

tikern? Wir werden es wohl nie wirklich wissen. Sicher ist nur,

kriminellen Straftaten in der Nacht.

dass sich seriöse Tierschutzorganisationen von solchen Leuten distanzieren, und dass illegale, kriminelle Aktionen zu verur-

Herzlich, Ihr

teilen sind. Das heisst nun allerdings noch lange nicht, dass alles gutzuheissen ist, was sich hinter verschlossenen Labortüren abspielt. Da liegt noch vieles im Argen, auch in der Schweiz. Es ist eine

TIERREPORT 3/2009

Heinz Lienhard, Präsident Schweizer Tierschutz STS

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FOTOS: MICHAEL GÖTZ

Neues Leben für ausgediente Milchkühe Milchkühe werden in der Schweiz bereits im Alter von sechs bis sieben Jahren geschlachtet. Dass dies nicht so sein muss, dafür setzt sich der Berater einer Futtermühle ein – zum Vorteil der Landwirte.

Handzahm: Erich Widmer mit Mutterkühen auf der Weide. «Sie brauchen keine Angst zu haben»,

Braunvieh, Fleckvieh oder Holstein und

terkühe zu behalten? «Dahinter stehen

beruhigt Erich Widmer, als der Besucher

an den Kontakt mit dem Menschen ge-

wirtschaftliche und ethische Überlegun-

vorsichtig den Freilaufstall mit den Mut-

wöhnt. «Die sind absolut handzahm»,

gen», erklärt Widmer.

terkühen in Aarburg bei Olten betritt.

bestätigt Erich Widmer, der Berater eines

Für die Kuh einer Fleischrasse müsse

Normalerweise verteidigen Mutterkühe

Futtermittelherstellers ist. Auch unterei-

man nach Angaben des Experten etwa

ihre Jungen und reagieren aggressiv ge-

nander haben die Kühe kaum Auseinan-

4000 Franken bezahlen, während eine

genüber Fremden. Doch diese hier neh-

dersetzungen, weil sie viel Platz haben

Milchkuh auf dem Schlachtviehmarkt nur

men kaum Notiz von dem unbekannten

und einander ausweichen können.

etwa die Hälfte koste.

Tierschutz lohnt sich

siebzig Tagen ein Charolais-Stier in der

Handzahme Kühe

Doch wie kommt ein Landwirt überhaupt

Herde der Schärs, der die Kühe deckt.

Der Stall gehört Daniela und Peter Schär.

auf die scheinbar verrückte Idee, ausge-

Das Fleisch der dadurch geborenen Kreu-

Ihre etwa vierzig Mutterkühe sind fast

mergelte Milchkühe auf einem Schlacht-

zungstiere wird später unter der Bezeich-

alle ehemalige Milchkühe der Rassen

viehmarkt zu kaufen und diese als Mut-

nung «Hokovit Freilandbeef» verkauft.

Einmal im Jahr ist während etwa

Besucher.

4

TIERREPORT 3/2009 2/2008


den da die Tiere nicht krank? «Haben Sie schon einmal eine Kuh oder ein Kalb gesehen, das friert?», entgegnet Widmer, der den Stall geplant hat. Allerdings schränkt er ein, dass vor allem für Kälber, die nass geworden sind, ein windgeschützter Liegeplatz notwendig sei. «Etwas Besseres als die Strohmatratze gibt es für die Kühe nicht», ist Widmer überzeugt. Denn die Kühe lägen weich auf der verformbaren Fläche, die aus einem 35 cm hohen, kompakten Gemisch aus Langstroh und Sägemehl besteht. Um die Matratze aufzubauen, hielt der Landwirt die Kühe zuerst auf einer grossen Tiefstreufläche und brachte später die Liegeboxenbügel über der fertigen Matratze an.

Tierfreundlicher Stall: Blick in den auf allen Seiten offenen Liegeboxenstall.

Bauer spart Arbeitsaufwand

Die Tiere setzen viel Fleisch und wenig

sind nach ein paar Wochen in der neuen

Da der Landwirt die meiste Zeit ausser-

Fett an. Warum also teure Kühe einer

Umgebung kaum mehr wieder zu erken-

halb der Landwirtschaft arbeitet, kommt

Fleischrasse kaufen, wenn es auch mit

nen. Ehemals ausgemergelte Kühe weisen

es darauf an, Arbeit im Stall zu sparen.

Milchkühen geht?

bald einmal Körperkonturen auf, wie man

Mit dem Strohbett habe der Landwirt jetzt

sie von Kühen der Original Fleckvieh- oder

praktisch keine Arbeit mehr, erklärt Erich

Braunviehrasse gewohnt ist.

Widmer. Man müsse nur alle paar Monate

Ausgenutzte Milchkühe Milchkühe könnten eigentlich zehn bis

Grund dafür ist vor allem die ausgewo-

fünfzehn Jahre alt werden. Die zurzeit

gene Futtermischung aus Heu, Stroh und

älteste Kuh der Schweiz ist gemäss einer

Maissilage. Im Sommer holen sich die Kühe

Wegen der ausgeglichenen Ernährung

Mitteilung der Bauernzeitung nachweis-

das meiste Futter selbst auf der Weide. Da-

haben die Kühe keinen Durchfall und hal-

lich 27 Jahre alt und hat noch ein gesun-

bei fressen die Kühe nicht nur die jungen

ten die Boxen sauber. Tatsächlich hat es

des Kalb zur Welt gebracht. Die Schwei-

Gräser, sondern auch dürre Halme und roh-

kein Tier in der Herde, das schmutzig ist.

zer Milchrassen Braunvieh, Fleckvieh und

faserreiche, ältere Gräser.

Saubere Euter liefern saubere Milch und

schen 6,2 und 6,7 Jahren. In Ländern, in

Milchfluss reguliert sich natürlich

denen grössere Herden gehalten werden

Geben die ehemaligen Hochleistungskühe

als in der Schweiz, ist das Alter der Milch-

nicht zu viel Milch für ein Kalb? Das ist

kühe oft sogar noch tiefer.

laut Widmer kein Problem. Das Euter

Dass Milchkühe schon in so jungem

bilde sich rasch zurück. Jede Kuh produ-

Alter geschlachtet werden, liege an der Art

ziere nur so viel Milch, wie das Kalb durch

der Haltung und Fütterung, erklärt Wid-

die Massage am Euter anrege.

mer. Der hohe Anteil des Futters an Silage

Zwei Kälber je Kuh wie in der Am-

und die geringe Struktur des Futters füh-

menkuhhaltung schliesst der Kuhkenner

ren zu einem tiefen pH-Wert und damit zu

jedoch aus, da keine Kuh ein fremdes Kalb

Stoffwechselstörungen wie der Pansenazi-

annehme, ohne dass sie dazu gezwungen

dose. Diese beeinträchtigen die Klauenge-

werde. Ein Kalb ohne Mutter sei in der Na-

sundheit und die Fruchtbarkeit.

tur meistens dem Tod ausgeliefert.

Kein Stress und gesundes Futter

Tierfreundlicher Stall

«Wir wollen die Tiere so halten, dass sie

vier Seiten offen; diese sind nicht einmal

keinen Stress haben», sagt Widmer. Viele

mit Windschutznetzen versehen. Wer-

TIERREPORT 3/2009

nigung sei nicht notwendig.

beugen Euterentzündungen vor.

Holstein erreichen jedoch je nach Rasse nur noch ein durchschnittliches Alter zwi-

Stroh und Sägemehl dazugeben. Eine Rei-

Michael Götz

Der Stall von Familie Schär ist auf allen

Saubere Sache: Wegen der erhöhten Futterduchfahrt bleibt das Futter im «Trog».

5


FOTOS MARK RISSI

Illegale Hundehändler tappten in die Falle des STS

Dank dem couragierten Undercovereinsatz von zwei STS-Mitarbeiterinnen konnte die Polizei zwei illegale Hundehändler auf frischer Tat ertappen. Hier der Report über die spektakuläre Aktion.

Als ich am Samstagmorgen losfuhr, um

viele andere Fragen schossen mir immer

Manuela* am Bahnhof in Baden für unsere

wieder durch den Kopf.

Manuela antwortete auf die Inserate und bekam von beiden Anbietern schnell Bescheid. Einer konnte bereits am nächsten

«Welpeneinkaufstour» an der deutschen Grenze abzuholen, hatte ich ein mulmi-

Volltreffer per Internet

Samstag liefern – an die deutsche Grenze

ges Gefühl: Was wird uns wohl diesmal

Bisher hatte alles ganz reibungslos ge-

in Waldshut. Der andere wollte am dar-

erwarten? Viele kleine, wimmernde, ver-

klappt: Manuela wurde von mir genau inst-

auf folgenden Wochenende ins grenznahe

ängstigte Hunde – oder «nur» die zwei klei-

ruiert und so gut es irgend ging auf das fin-

Deutschland oder Vorarlberg kommen. Kei-

nen Wollknäuel, die wir vorgestern bei Ga-

gierte Geschäft vorbereitet. Sie hatte sich

nesfalls würden die Hunde in die Schweiz

bor Bagy im Internet bestellt haben? Nur

einen geläufigen Namen ausgesucht, unter

gebracht werden. Die Übergabe könne nur

einen oder wieder zwei Hundehändler?

diesem eine E-Mail-Adresse eingerichtet

auf der anderen Seite der Grenze stattfin-

Wird es zu Handgreiflichkeiten oder An-

und sich eine PrePaidkarte besorgt. Dann

den, so die gut deutsch sprechenden Draht-

griffen kommen – oder wird es eine «fried-

gingen wir gemeinsam auf die Suche nach

zieher im Hintergrund.

liche» Übergabe geben? Werden die be-

«unseriösen» Kleinanzeigen für unseren

Die Hunde würden aus kleinen privaten

reits verständigte Polizei und das Veteri-

geplanten Welpenkauf. Bereits nach kur-

Hobbyzuchten aus Ungarn kommen, wären

näramt Waldshut mitmachen und den vor-

zer Zeit wurden wir auf der Website www.

etwa zwölf Wochen alt, alle geimpft, ent-

getäuschten Welpenkauf mittragen? Noch

kijiji.ch fündig: Dort wurden Havaneser-

wurmt, gechipt und hervorragend als Fa-

und Mopswelpen angeboten. Der Wortlaut

milienhunde sozialisiert. Den EU-Pass und

machte uns stutzig.

einen Kaufvertrag gab es auch noch dazu

* Name geändert

12 6

TIERREPORT 3/2009 2/2008


– und das alles für 390 Euro. Wenn man

schlächtige, etwas untersetzte und kräftige

gleich zwei Hunde nämme, würde es sogar

Männer, die keine Zeit verlieren wollten

um 110 Euro günstiger.

und uns ohne Umschweife die beiden «bestellten» Welpen zeigten.

Deal wurde abgemacht Den genauen Übergabeort und Zeitpunkt

Die Polizei griff zu

wollte man auch am Tag vorher noch nicht

Im Kofferraum des Kleinwagens stapelten

bekannt geben – daher wurden Handynum-

sich mehrere Transportkisten, ganz oben

mern ausgetauscht. Manuela insistierte aber

drauf ein grosser, leerer Käfig. Nachdem

und konnte bereits am Abend vorher erfah-

unsere beiden, von den Strapazen sichtlich

ren, dass die Händler um 20 Uhr in einem

geschwächten Hunde zögerlich aus der Kiste

schwarzen Citroën C3 in Ungarn losgefah-

krabbelten und unsicher deutschen Boden

ren seien und gegen 14 Uhr in Waldshut

berührten, wurden uns die Papiere und die

sein würden. Man könne sich dort auf dem

Kaufverträge übergeben. Wir fragten nach

Lidl-Parkplatz treffen.

weiteren Welpen in den Kisten – und noch

Durstig: Nach zwanzig Stunden endlich etwas Wasser.

ein Havaneser kam zum Vorschein. Doch

Die Aktion startete

Hundegejaul bestätigte unsere Vermutung:

Ab diesem Zeitpunkt involvierten wir die

Da waren noch mehr Hunde an Bord, und

Behörden in Waldshut und vereinbarten,

ein Teil war wohl schon vorher übergeben

uns vor der Übergabe beim Polizeiposten

worden.

zu treffen. Die Polizei wollte den ganzen

Um den Behörden einen besseren Zu-

Deal in Zivil überwachen und notfalls ein-

griff zu ermöglichen, lockten wir die bei-

greifen.

den Männer in einen weiteren Hinterhalt.

Geschwächt: Der Tierarzt kümmert sich um einen der Welpen.

Dann gings los: Um 13.45 Uhr fuh-

Wir gaben vor, die Hunde noch einem Tier-

ren wir zum kurz vorher neu vereinbarten

arzt zeigen zu wollen, um sicherzugehen,

Übergabeort auf dem Burger-King-Park-

dass sie wirklich gesund und transportfähig

zia durch die Polizeibeamten – die Händler

platz, wo die Händler mit angekündigter

waren. Nach einem kurzen Telefonat mit

mussten alle Kisten öffnen, und noch drei

Verspätung um 15.30 Uhr eintreffen woll-

Drahtzieher Gabor Bagy und seinem Okay,

weitere Hunde kamen zum Vorschein. Beim

ten. Dort warteten wir gespannt auf das

folgten uns die beiden Händler widerwillig

Öffnen des Kofferraums strömte uns der

Erscheinen des schwarzen Autos. Pünkt-

mit ihrem Auto zum nächsten Tierarzt.

unerträgliche Gestank von Urin und Kot

lich um 15.30 Uhr kamen sie: Zwei grob-

Auf dessen Parkplatz kam es zur Raz-

entgegen. Aus meiner tierärztlichen Erfahrung heraus, vermutete ich starken Durchfall und miserable hygienische Bedingungen. Die Welpen waren höchstwahrscheinlich seit mehr als zwanzig Stunden ohne Wasser, Futter oder Versäuberungsmöglichkeiten unterwegs. Wir versorgten alle Hunde mit Wasser und speziellem Futter. Die Hunde stürzten sich richtiggehend auf den wässrigen Futterbrei, während uns die Hundehändler mit missbilligenden, wütenden Blicken nicht aus den Augen liessen. Der Tierarzt stellte zwar keine akuten Krankheitssymptome fest, bestätigte aber den schlechten Allgemein- und Pflegezustand der hilflosen und verängstigten Tiere. Die Hundehändler wurden für Stunden von der Polizei verhört und festgehalten, und müssen wohl mit mehreren Anzeigen rechnen. Die Welpen durften sie nicht mehr

Tierquälerei: Kofferraum des Autos der skrupellosen Händler.

TIERREPORT 3/2009

mitnehmen. ]

Julio Witschi

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FOTOS : DORIS BRÖNIMANN

Glückliches Ende einer Odyssee Nach einer langen Odyssee hat der mächtige Anatolische Schäferrüde Bellem nun sein Glück im Tierheim gefunden.

Wenn er so direkt vor einem steht, ist Bellem schon eine imposante Erscheinung: Der Anatolische Schäferrüde ist mit ei-

Er steht als Beispiel für etliche Tiere, die ihr restliches Le-

ner Schulterhöhe von 85 Zentimetern

ben im Tierheim verbringen, weil sie nicht vermittelt wer-

die Waage. In der ursprünglichen Heimat

den können.

12 8

sehr gross und bringt 66 Kilogramm auf in Anatolien wird der Karabash, wie diese Rasse dort heisst, als Herdenschutzhund

TIERREPORT 3/2009 2/2008


schichte kennt also nur

rade zimperlich – mit grosser Freude aus

Bellem selbst, seinen Be-

und macht sich über die Leckerbissen da-

treuern bleibt sie wohl

rin her.

für immer verborgen.

Seit einigen Jahren hat er sogar seine eigene «Gassigängerin», welche ihn zwei-

Verspielt: Trotz seines hohen Alters ist Bellem neugierig.

Eigenwilliger Rüde

bis dreimal in der Woche auf lange Spa-

Seit rund sechs Jahren

ris kommt, zeigt sich Bellem von der ver-

lebt Bellem nun schon

schmusten Seite. Da ist er auf einmal lie-

im Tierheim. Bis heute

bevoll und anhänglich und geniesst ihre

gelang es nicht, ihn zu

vielen Streicheleinheiten. Doris kommt gut

platzieren. Denn er ist

mit ihm zurecht, weil sie weiss, wie Bellem

kein einfacher Hund.

zu nehmen ist. Unangenehme Situationen

Wenn ihm etwas nicht

vermeidet sie wenn immer möglich durch

ziergänge mitnimmt. Wenn «seine» Do-

vorausschauendes Verhalten.

für die Schafe eingesetzt. Man kann sich

passt, reagiert er eigensinnig und stör-

leicht vorstellen, dass so ein riesiger Hund

risch. Hinzu kommt, dass seine Rasse in

Doch wehe, ein Fremder taucht auf:

selbst einen Wolf beeindruckt und in die

der Schweiz kaum bekannt ist, und des-

Dem wird mit kräftigem Bellen sofort klar

Flucht schlägt. Doch Bellem wurde ganz

halb niemand richtig weiss, wie man mit

gemacht, dass er seiner Doris ja nicht zu

sicher nie für das Bewachen von Schafen

ihm umgehen soll. Manche Leute wer-

nahe kommen soll. Für Bellem ist es ganz

ausgebildet.

den nur schon wegen seiner beachtlichen

natürlich, seine ihm vertrauten Bezugsper-

Grösse abgeschreckt.

sonen zu verteidigen, da dies seinem ange-

Wechselvolle Geschichte

Mittlerweile ist er ja auch bereits ein

borenen, ausgeprägten Beschützerinstinkt

Es ist nicht klar, woher Bellem eigentlich

«älterer Herr» und hat etwas gesundheitli-

ursprünglich stammt. Sicher ist nur, dass er

che Probleme. Wegen eines Nierenleidens

Bellems Odyssee hat also trotzdem

einmal als Verzichtshund von einer West-

ist er darauf angewiesen, dass er von sei-

noch ein glückliches Ende gefunden. ]

schweizer STS-Sektion aufgenommen, und

nen Betreuern jeden Tag ein Medikament

Matthias Brunner

dann an einen neuen Platz in Genf vermit-

verabreicht bekommt. Doch so ist er be-

telt worden war. Doch als die Tierschüt-

schwerdefrei und immer noch lebensfroh.

entspricht.

zer eine Nachkontrolle vor Ort vornehmen wollten, mussten sie feststellen, dass der

Bellem fühlt sich zuhause

neue Besitzer samt Bellem plötzlich ver-

Im Tierheim, wo er viel Bewegung erhält

schwunden war. Von da an verliert sich

und man auf seine Eigenarten eingeht,

seine Spur.

fühlt sich Bellem sichtlich wohl. Manchmal macht er kleine Suchspiele mit, bei-

Erfolglose Spurensuche

spielsweise nach einem Würstchen, das in

Im Frühling 2003 tauchte Bellem im Thur-

einem Baumstamm versteckt ist. Ein Höhe-

gau wieder auf, als er in einer privaten

punkt ist für Bellem jeweils, wenn er sein

Hundepension abgegeben wurde. Dort

«Fresspäckchen» bekommt. Nachdem er es

konnte er jedoch nicht bleiben, und so

zuerst gründlich mit seiner Nase beschnüf-

übernahm ihn ein STS-Tierheim in der Re-

felt hat, packt er es – wenn auch nicht ge-

Zufrieden: Bellem ist im Tierheim heimisch geworden.

gion. Es folgte eine detektivische

Spurensu-

che, was wohl mit Bellem in der Zwischenzeit geschehen sein mochte. Doch ausser, dass er einmal in Zürich gelebt haben musste, führten die Recherchen zu keinen weiteren Erkenntnissen. Seine ganze Lebensge-

TIERREPORT 3/2009

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrem Be

itrag!

diesen Tieren ein möglichst angenehmes Immer wieder kommt und ermöglichen Das Beispiel von Bellem ist kein Einzelfall. lange Aufenthalt im Tierheim verDie Gründe Leben. Doch der häufig jahre en. könn en werd ittelt verm nicht Tiere es vor, dass n grosse Kosten, welche ihr Budget stark zu alt, hat schwierige ursacht den Sektione sind vielfältig: entweder ist das Tier schon erliches Gebrechen. belasten. Eigenheiten entwickelt oder hat ein körp abe zu unterUm die Sektionen bei dieser schwierigen Aufg ehen eines Tieres Manchmal spielt auch das subjektive Auss für alte und schwer stützen, entrichtet der STS aus dem «Fonds lässt. nden fi Platz r neue kein sich dass i, dabe eine Rolle in Tierheimen der STS-Sektionen» insberechti- vermittelbare Heimtiere Trotzdem haben auch solche Tiere ihre Dase Einzelfällen finanzielle Beiträge Über zeu- nach sorgfältiger Abklärung in aus alb desh sich mern küm n ione Sekt gung. Die STSUnterhaltskosten. solche Problemfälle an die entstandenen gung und mit grossem Engagement um

DANKE! 9


+++ CH NEWS +++ CH NEWS +++ CH NEWS +++ CH NEWS +++ CH KOSMETIA MIT HERZ

Wohlfühloasen in Bern und Basel Der STS-Kosmetik-Wohlfühlevent auf

gen, nahmen Broschüren und Müsterli

dem Waisenhausplatz in Bern und auf

mit. Die ganz Mutigen liessen sich von

dem Barfüsserplatz in Basel war ein vol-

einer der drei kompetenten Frauen der

ler Erfolg! Bei strahlendem Wetter liessen

Firmen Gerda Spillmann, Goloy 33 und

sich unzählige Passanten von den Vortei-

LUSH mit einer Hand- oder Gesichtsmas-

len tierfreundlicher Kosmetika überzeu-

sage verwöhnen.

TIERHEIME

Mehr Hunde abgegeben wegen neuer Haltungsvorschriften

SABINE MÜLLER /STS

In der Schweiz landen rund 10 000 Hunde pro Jahr im Tierheim. Tendenz stark steigend. Im Vergleich zum Vorjahr wurden bereits 50 Prozent mehr Tiere abgegeben. Dies hat verschiedenste Gründe: Nebst Scheidung, Krankheit, Alter, Umzug, Allergie, finanzieller Not, Überdruss oder Ferien trägt auch die nicht transparente Rechtssituation dazu bei. Viele Hundehalter sind völlig averunsichert. Pedigree setzt sich mit einer eindrücklichen Kampagne gemeinsam mit dem STS für die Unterstützung von Tierheimhunden ein, damit sie optimal betreut werden können und wohlbehalten bald wieder ein neues Zuhause finden. Jeder Tierfreund kann die Aktion persön-

TIERSCHUTZANWALT

Das Volk entscheidet über den Tieranwalt

lich unterstützen, denn mit jedem verkauften Pedigree-Produkt fliesst eine Spende an den STS. Tierheime

sind

verpflichtet,

Hunde aufzunehmen – und tun dies auch gerne. Doch wird es finanziell

Nach Bundesrat und Nationalrat hat nun

mung über die Bühne ging. Der National-

und platzmässig, gerade aufgrund

auch der Ständerat die Volksinitiative

rat hatte sich zuvor mit 107 zu 47 Stim-

der neuen Gesetzesauflagen bezüg-

«Gegen Tierquälerei und für einen besse-

men gegen die Initiative ausgesprochen.

lich Hundehaltung und Tierschutz,

ren Rechtsschutz der Tiere (Tierschutzan-

Das Volksbegehren kommt nun – voraus-

oft sehr eng. Denn Tierheime wer-

walt)» abgelehnt. Der Ständerat folgt mit

sichtlich nächstes Jahr – ohne Gegenvor-

den in aller Regel nicht von der öf-

seinem Entscheid der deutlichen Emp-

schlag vors Volk. Die Initiative war am

fentlichen Hand unterstützt. Sie

fehlung seiner Kommission für Wissen-

26. Juli 2007 mit 144 000 Unterschriften

sind auf Spenden und freiwillige

schaft, Bildung und Kultur (WBK). Die

vom STS eingereicht worden. Die Kan-

Helfer angewiesen.

Basler SP-Ständerätin Anita Fetz hatte

tone sollen damit gezwungen werden, ei-

Die Umsetzung der neuen Ge-

sich zuvor als einziges Kommissionsmit-

nen Tierschutzanwalt einzusetzen. Ziel ist

setzesauflagen benötigt zusätzli-

glied für die Initiative ausgesprochen. Sie

es, misshandelten Tieren in Strafverfah-

che Ressourcen. Doch stehen dafür

stellte – zum Bedauern einiger Ratskolle-

ren zu einer günstigeren Position zu ver-

keine öffentlichen Mittel zur Verfü-

gen – jedoch keinen Antrag, weshalb die

helfen. Der Kanton Zürich kennt den Tier-

gung.

Ablehnung der Initiative ohne Abstim-

anwalt bereits seit 1991.

10

TIERREPORT 3/2009


H NEWS +++ CH NEWS +++ CH NEWS +++ CH NEWS +++ CH NEWS VO G E L- U N D I G E L S C H U T Z

TIERVERSUCHE

Rebnetze immer noch problematisch

Erneuter Anstieg im Jahr 2008

In den 1990er-Jahren wurden zum

Dank der Förderung von geeigneten

Keine Trendwende bei den Tierversuchen:

Schutz der Trauben vor Vogelfrass ver-

Ernteschutznetzen und deren richtiger

Nachdem die Zahl der in der Schweiz ein-

mehrt so genannte Einwegnetze einge-

Montage, ging die Zahl der Vogel- und

gesetzten Versuchstiere bis zum Jahr 2000

setzt. Dies führte zu einer zunehmen-

Igelopfer anschliessend zurück. Eine von

stets abgenommen hat, steigt sie seither

den Zahl von toten und verletzten Vö-

der Schweizerischen Vogelwarte Sempach

wieder kontinuierlich. Das zeigen die vom

geln und Igeln. In den folgenden Jahren

durchgeführte Untersuchung zeigt nun

Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) ver-

wurde das Merkblatt «Alles vernetzt?»

aber, dass die Ernteschutznetze immer

öffentlichten Zahlen für das Jahr 2008.

unter Mitarbeit des STS verfasst. Mit

noch mangelhaft montiert werden und

diesem wurden die Rebbauern informiert

erneuter Informationsbedarf besteht.

K. TRÄNKLE

und sensibilisiert.

Gegenüber 2007 stieg der Tiereinsatz zwar nur um 0,8 Prozent, insgesamt lan-

Nach wie vor gehen Meldungen von

deten damit aber doch fast 5500 Tiere

verhedderten Igeln und Vögeln ein, insbe-

mehr als im Vorjahr auf schweizerischen

sondere aus der Westschweiz. Aus diesen

Labortischen.

Gründen hat sich die Arbeitsgruppe «Rebnetze» wieder getroffen, um das weitere Vorgehen zu definieren. Geplant sind neben einer Neuauflage des Merkblatts die Sensibilisierung der Rebbauern und der Bevölkerung sowie Kurse, die das korrekte Montieren der Rebnetze oder bevorzugte Alternativen zu

NATIONALRAT

Transitverbot für Schlachttiere soll ins Gesetz

den Netzen aufzeigen sollen. Das Ziel ist, Igel- und Vogelopfer möglichst zu ver-

Das Transitverbot für Schlachttiere durch

hindern.

die Schweiz soll im Tierschutzgesetz ver-

Haben Sie Tiere beobachtet, die in

ankert werden. Der Bundesrat unterstützt

Rebnetzen gefangen waren? Wir sam-

eine entsprechende Vorlage aus dem Par-

meln solche Meldungen, um eine Über-

lament, wie das Volkswirtschaftsdeparte-

sicht über die aktuelle Situation zu erhal-

ment (EVD) mitteilte. Gestützt auf die par-

ten. Bitte melden Sie uns Ihre Beobach-

lamentarische Initiative, hat die Kommis-

tungen, am besten mit Bildern:

sion für Wissenschaft, Bildung und Kul-

sts@tierschutz.com

tur (WBK) des Nationalrats eine Vorlage erarbeitet, mit der das Verbot im Gesetz verankert werden soll. Trotz seiner Zustimmung erklärt der Bundesrat, dass es

BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

langfristig schwierig sein werde, am Tran-

Urteil wegen Überschreitung des Höchstbestandes bestätigt

sitverbot festzuhalten. Auf Basis der bilateralen Abkommen verlange die EU näm-

ZVG

lich eine Aufhebung des Verbots.

Ein Landwirt aus dem Kanton Luzern

ist es nicht erlaubt, unbegrenzt viele Tiere

muss fast 17 000 Franken Strafe zahlen,

auf ihrem Hof zu halten. Vielmehr haben

weil er auf seinem Bauernhof zu viele

sie die so genannten Höchstbestände zu

Masthühner gehalten hat. Das Bundes-

beachten. Auch das Bundesverwaltungs-

verwaltungsgericht in Bern hat einen ent-

gericht kommt in diesem Fall zum Ergeb-

sprechenden Entscheid des Bundesamtes

nis, dass die erlaubte Tierhaltung um fast

für Landwirtschaft bestätigt. Landwirten

20 Prozent überschritten war.

TIERREPORT 3/2009

11


ISTOCKPHOTO

Cowboys der Neuzeit wollen sich dadurch beweisen, dass sie Rinder und Pferde mit dem Lasso einfangen oder sich möglichst lang auf bockenden

Tiere zur Show gezwungen

Tieren halten. Diese Form der

Die Ursprünge des Rodeos liegen in Ame-

schen Lebensart und den Traditionen be-

Unterhaltung bringt nun die

rika. Aus dem schnellen Einreiten wil-

kannt machen.» Stressman hofft gar, dass

der Pferde wurde in der Zwischenzeit ein

dereinst europäische Cowboys an den

amerikanische Professional

Freizeitspektakel für die Massen, bei dem

Wettkämpfen der PRCA teilnehmen wer-

Rodeo Cowboys Association

nicht nur Pferde, sondern auch Stiere zur

den.

auch nach Europa. Doch die Show ist alles andere als tiergerecht.

12

Belustigung geritten werden. «Es ist spannend, den Sport nach Europa zu bringen»,

Werbetour durch Europa

so Karl Stressman, CEO der Professional

Die Tour durch 13 europäische Städte

Rodeo Cowboys Association PRCA. «Wir

startete im September in Madrid. Insge-

wollen die Europäer mit der amerikani-

samt 50 Cowboys treten dabei auf. Satte

TIERREPORT 3/2009 2/2008


Profiorganisation PRCA in Werbung,

Gutachten belegt Verbotsforderungen

fahr für die Pferde beim Wild Horse Race,

Preisgelder und Transportkosten für die

Bereits 2005 hat die Tierärztliche Vereini-

wo mehrere Teams gegeneinander antre-

Europatournee. Ende Oktober verlässt

gung für Tierschutz (TVT) in Deutschland

ten. Jeweils drei Cowboys versuchen, in-

der Rodeozirkus Spanien und bereist Ita-

ein Gutachten über Rodeoveranstaltun-

nerhalb von 90 Sekunden einem der Pferde

lien, Belgien, Deutschland, Holland und

gen erstellt und dabei die verschiedenen

einen Gurt umzuschnallen und einen Rei-

Schweden. In der Schweiz macht der Tross

Praktiken und Disziplinen untersucht. Da-

ter aufzusetzen, der dann eine bestimmte

keinen Halt.

fünf Millionen US-Dollar investierte die

Besonders hoch ist die Verletzungsge-

rin wird unter anderem festgestellt, dass

Strecke zurücklegen muss. Es soll vorge-

Bereits während der Besatzungs-

der Flankengurt beim Pferd auf jeden Fall

kommen sein, dass sich Pferde bei die-

zeit wurden Rodeoshows zur Unterhal-

Leiden auslöst. Sporen sollten ebenfalls

ser «Übung» hochgebäumt und rückwärts

tung der amerikanischen Soldaten nach

verboten werden, da sie unter den gege-

überschlagen haben. Ein derartiger Sturz

Deutschland gebracht, wo heute jährlich

benen Bedingungen nicht gezielt einge-

kann durchaus tödlich enden!

rund zwanzig derartige Veranstaltungen

setzt werden können.

stattfinden.

Aber auch die eingesetzten Rinder und

Die TVT bewertet insbesondere die

Kühe leiden beim Rodeo unter grossem

Disziplinen Wild Horse Race oder das Bull-

Stress, wenn sie beispielsweise mit dem

Schlachtpferde müssen als wilde Mustangs herhalten

riding klar als tierschutzwidrig. Ergän-

Lasso eingefangen und zu Fall gebracht,

zend zum TVT-Gutachten hat Dr. Willa

oder die Bullen geritten werden.

Ein Blick hinter die Kulissen dämpft so-

Bohnet von der renommierten Tierärzt-

fort jegliche Vorstellungen von Cowboy-

lichen Hochschule Hannover 2006 zusätz-

Auf Tierkämpfe verzichten

romantik: Was da als Wildwestshow prä-

liche Untersuchungen vorgenommen.

Der Deutsche Tierschutzbund kommt

sentiert wird, bedeutet für die wehrlosen

Dabei ist die Veterinärin zum Schluss

zum Schluss, dass diese Darstellung ei-

Tiere in der Arena vor allem eins: Stress,

gekommen, dass die untersuchten Pferde

nes Kampfes zwischen Mensch und Tier

Schmerzen und Leiden. Es sind keine wil-

in den Disziplinen Bare Back Riding und

nicht mehr zeitgemäss ist, genauso wenig

den Pferde mehr, die nach dieser Hau-

Saddle Bronc Riding überfordert waren

wie Stierkämpfe oder Hunde- und Hah-

ruckmethode zugeritten werden sollten.

und dies durch ihr Abwehrverhalten ein-

nenkämpfe in anderen Kulturen. Er fordert

deutig zum Ausdruck brachten. Keines der

deshalb ein generelles Verbot von Rodeo-

Tiere war dabei entspannt.

veranstaltungen.

reitbar gelten und von den Organisato-

Hohe Verletzungsgefahr

ordinated European Action Against Eu-

ren dieser Rodeoveranstaltungen zum

Der Unterschied zwischen den beiden Dis-

ropean Rodeo». Er appelliert an die Bevöl-

Schlachtpreis gekauft werden.

ziplinen besteht darin, dass beim Saddle

kerung, in den Ferien im Ausland auf sol-

Bronc Riding dem Pferd ein Westernsattel

che Volksbelustigungen, die auf Kosten der

Tierschutzwidrige Zwangsmethoden

aufgelegt, und ein Halfter verwendet wird.

Tiere gehen, zu verzichten.

Damit die Pferde aber während der Vor-

Sekunden auf dem Pferd halten.

Häufig sind es Pferde, die von ihren vorgängigen Besitzern bereits dermassen verdorben worden sind, dass sie als un-

Der STS ist Mitglied der Koalition «Co-

Der Reiter muss sich dabei mindestens acht Mark Rissi ISTOCKPHOTO

stellung möglichst wild wirken, werden sie für ihren Auftritt in der Arena vorgängig mit verschiedenen Praktiken präpariert. Beispielsweise wird ein Flankengurt mit einem heftigen Ruck so straff gespannt, dass das Pferd anschliessend vor lauter Schmerz buckelt. Denselben Effekt erreichen die Peiniger dadurch, dass sie den Pferden die Schweife verdrehen oder Elektroschocker benützen. In der Arena selbst rammen die Cowboys den völlig panisch gewordenen Pferden ihre scharfen Sporen in den Bauch, damit sie möglichst spektakuläre Sprünge vollführen. Verletzte Pferde sind dabei keine Ausnahme.

TIERREPORT 3/2009

Bare Back Riding: Mit einem Flankengurt wird das Pferd bockig gemacht.

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Einkaufen in pelzfreien Zonen Der STS startete anfangs Jahr eine Auszeichnung und Plattform für Modegeschäfte, die sich schriftlich verpflichten, auf den Verkauf von Pelzmode zu verzichten. Achten Sie auf unseren Kleber «hier wird kein tierpelz verkauft» und unterstützen Sie durch Ihren Einkauf die klare Geschäftspolitik dieser konsequenten Boutiquen oder Kleidermarken.

Weltweite Kampagne Die Kampagne ist Teil der weltweiten Aktion «Consumers for a Fur Free Society» (Konsumenten für eine pelzfreie Gesellschaft). Die Initiative stammt von der Fur Free Alliance, einer Koalition von weltweit 35 führenden Tier- und Umweltschutzorganisationen. Der Schweizer Tierschutz

Konsequente Haltung

kennzeichnet und ausgezeichnet. Der STS

STS ist Mitglied und Vertreter unseres

Nur Modehäuser, welche die verantwor-

freut sich, dass sich auch besonders viele

Landes in der Fur Free Alliance und hat

tungsbewusste und konsequente Ent-

junge, dynamische Labels klar von der

das internationale Fur Free Retailer Pro-

scheidung getroffen haben, keinen Echt-

tierquälerischen Pelztierhaltung distan-

gramm für die Schweiz entwickelt.

pelz zu verkaufen, werden vom STS ge-

zieren.

Kleidermarken und Läden, die keinen Echtpelz verkaufen:

American Apparel®

4 14

TIERREPORT 3/2009 2/2008


ISTOCKPHOTO

Wenn Hund und Mensch sich nicht verstehen «Der Hund schnüffelt in einiger Entfernung seines Halters konzentriert an einem Grasbüschel. Der Hundehalter ruft ihn, doch der Hund reagiert nicht und schnuppert weiter. Der Hundehalter empört sich und ruft schärfer. Da hebt der Hund den Kopf und schaut ihn an, leckt sich über die Schnauze und kommt dann tatsächlich näher. Der Hundehalter starrt ihn grimmig an und schnarrt: ‹So, jetzt aber e chli dalli!› Darauf verlangsamt der Hund seinen Schritt, bleibt stehen, wendet den Blick ab und gähnt sogar.» Was in den Augen des Halters wie eine Provokation aussieht, ist in Tat und Wahrheit freundlich gemeint, denn sein Hund hat die Drohung erkannt und reagiert darauf nach Hunde-

Hunde leben seit Jahrtausenden in enger Verbindung mit dem Menschen. Entsprechend ausgeprägt ist ihre Fähigkeit, Körpersignale und Verhalten des Menschen zu deuten. Die artübergreifende Beziehung ist jedoch keineswegs frei von Missverständnissen.

art beschwichtigend. Die Hunde-Verhaltenstherapeutin Sonja Doll Hadorn kennt verschiedene solche Beispiele, wo sich Hund und Mensch missverstehen. Und die Arbeit geht Fachleuten wie ihr nicht aus. Hunde sind von Natur aus ausgesprochen kommunikativ und lernfähig. Sie sind auch wahre Meister darin, die Körpersprache des Menschen zu deuten. Das haben sie ihrer Jahrtausende alten Geschichte als Gefährten des Menschen zu verdanken. Doch

Hund auf einen anderen zurennt, und der

durch ständige Wiederholung geradezu ri-

längst nicht immer kann der Vierbeiner die

beunruhigte Halter laut schreiend hinter

tualisiert, fördert dies unter Umständen

richtigen Schlüsse aus Körpersprache und

ihm folgt. Aufgeregtheit und Lärm des Ge-

problematisches Verhalten beim Hund. Das

Tonfall seines menschlichen Kumpanen

fährten signalisieren dem Hund eine Be-

betroffene Tier wird verunsichert und ver-

ziehen. Konkurriert ein Hund etwa mit ei-

kräftigung der Aggression gegen den Ver-

stört, da es die scheinbar plötzlichen Be-

nem Kind um die Zuwendung der Halterin,

folgten. Dadurch bestärkt, wird er den an-

strafungen nicht zuordnen kann. Eine Ver-

so kann er beschwichtigendes Streicheln

deren umso gezielter jagen, vielleicht auch

haltenstherapie mit seriöser tierpsycholo-

als Bestätigung für seine Vorrangstellung

tatsächlich angreifen. Die Bestrafung, wel-

gischer Beratung bei einer ausgewiesenen

auffassen, und versucht dann das Kind mit

che dann folgt, versteht er nicht, sie kommt

Fachperson kann helfen, wieder zu einem

Knurren zu vertreiben.

für ihn wie aus heiterem Himmel.

harmonischen Miteinander zu finden. ]

Manche Missverständnisse sind fol-

Wird ein Missverständnis zwischen

genreich, etwa wenn ein freilaufender

Hund und Halter nicht aufgeklärt, sondern

TIERREPORT 3/2009

Esther Wullschleger Schättin

15


TOM WALKER / SUTTER

Manche mögens In der eisigen Welt des Polargebiets lebt der Polarfuchs. Gut geschützt durch sein dickes Fell, trotzt er sogar Temperaturen bis minus 70 Grad Celsius. Doch Jäger und Pelzzüchter töten die Polarfüchse wegen ihres kostbaren Fells.

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KA TIERREPORT 3/2009


ISTOCKPHOTO

ISTOCKPHOTO

CORBIS

Ruhepause: Das dicke Fell schützt optimal – auch bei Schneestürmen.

Futtersuche: Die Lemminge werden auch unter dem Schnee aufgespürt.

LT TIERREPORT 3/2009

Eine Landschaft, die praktisch nur aus

das Fell und auch die Fellfarbe, um op-

meterhohem Eis und Schnee besteht, dazu

timal an seine Umgebung angepasst zu

tobende Schneestürme und Temperaturen,

sein. Im Sommer ist das Fell graubraun,

die nicht selten um minus 50 Grad Celsius

während es im Winter weiss gefärbt ist.

liegen: Wer kann in einer solch unwirt-

Erstaunlicherweise kommt es aber bei

lichen Gegend überhaupt überleben? Es

Eisfüchsen auch vor, dass der Pelz statt

ist der Eisfuchs, der nahe der Arktis seine

weiss stahlblau bis schwarz ist. Diese

Heimat hat. Weil er in all den Ländern

Farbschläge werden Blaufüchse genannt

vorkommt, die ans Nordpolarmeer gren-

und sind im Pelzhandel besonders gefragt.

zen wie Kanada, Alaska, Grönland, Island,

Doch darüber reden wir später noch.

Nordskandinavien und Sibirien, nennt man ihn deswegen auch Polarfuchs.

Das Winterfell ist extrem dicht und besteht zu 70 Prozent aus feiner Unterwolle, welche eine ausserordentlich hohe

Dicker Pelz schützt vor Kälte

Isolationswirkung aufweist. Sogar die

Um dem garstigen Klima zu widerstehen,

Pfoten sind rundherum mit dichtem Fell

wechselt der Polarfuchs zweimal im Jahr

bewachsen. Dies verhindert auch, dass

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CORBIS/FOTOAGENTUR SUTTER/ISTOCKPHOTO

Schönheit: Ein Weissfuchs im Winterfell.

Gute Tarnung: Im Sommer passt das Fell des Polarfuchses zur Tundra-Umgebung.

der Polarfuchs im frisch gefallenen ho-

nen Eingängen in der Erde aus. Da solche

Dank ihrer feinen Nase spüren sie ihre

hen Schnee tief einsinkt.

Baue sehr komplex und deshalb schwierig

Beute sogar unter meterhohem Schnee

zu erstellen sind, werden sie oft über viele

auf und graben sie aus. Wenn im Sommer

Generationen genutzt.

an der Küste Vögel brüten, macht sich der

Rundherum derart warm geschützt, ist es dem Eisfuchs möglich, sogar bitterste Kälte von bis zu minus 70 Grad Celsius

Eindringlinge ins eigene Revier wer-

Polarfuchs auch über Eier und frisch ge-

zu ertragen. Es gibt kaum ein anderes Tier,

den meistens energisch vertrieben. Bloss

schlüpfte Küken her. Wenn er nichts ande-

das derart kälteresistent ist.

manchmal duldet das Paar noch ein oder

res findet, begnügt er sich selbst mit Aas

zwei weitere Weibchen im Revier. Norma-

oder Beeren und Insekten, die er findet.

Riesige Reviere

lerweise handelt es sich dabei um erwach-

Die karge Landschaft besteht zum gröss-

sene Töchter, welche aus einem einzigen

Begehrtes Fell

ten Teil aus baumlosen Tundragebieten,

bestimmten Grund geduldet werden. Sie

Selber muss sich der Polarfuchs vor Eis-

doch wagen sich Polarfüchse zur Futter-

werden nachher als Tanten mithelfen, die

bären, Eiswölfen und Adlern in Acht neh-

suche selbst auf das Packeis des Arkti-

Jungen aufzuziehen.

men, wobei er meistens schneller ist und

schen Ozeans hinaus. Eisfüchse wurden

Denn bei sieben bis zwölf Jungen pro

flüchten kann. Nur dem Menschen kann

sogar schon in nur 140 Kilometer Entfer-

Wurf sind alle Familienmitglieder vollauf

er nicht entkommen. Vor allem der Blau-

nung vom Nordpol entdeckt. Im Sommer

beschäftigt. Wenn nach einer Tragzeit von

fuchs ist wegen seines besonders schönen

halten sie sich eher im Binnenland auf,

50 bis 55 Tagen zwischen Mitte Mai und

und weichen Fells seit jeher sehr begehrt.

während sie im Winter an die Küsten zie-

Mitte Juni die Welpen zur Welt kommen,

Fallensteller und Jäger haben es deshalb

hen. Dabei legen sie lange Strecken von

sind sie vorerst blind und völlig hilflos.

auch heute noch auf ihn abgesehen.

bis zu 2000 Kilometern zurück. Das Revier

Die Mutter säugt sie rund sechs bis acht

Im 19. Jahrhundert und noch bis in

einer Polarfuchsfamilie umfasst mindes-

Wochen lang. Während dieser Zeit bleibt

die Dreissigerjahre des 20. Jahrhunderts

tens 8 Quadratkilometer, kann aber auch

die Fähe ständig im Bau. Das Männchen

galten Eisfuchspelze im Handel zwischen

über 50 Quadratkilometer reichen.

und die je nachdem vorhandenen grossen

Inuit und Europäern als wichtiges Tausch-

Töchter versorgen sie inzwischen regel-

objekt. In Nordfinnland wurde der Eis-

mässig mit Futter.

fuchs durch die Jagd fast ausgerottet. Ob-

Tanten helfen bei der Aufzucht

wohl er seit 1940 unter Schutz steht, hat

Hat sich einmal ein Pärchen gefunden, so bleiben das Männchen und das Weibchen

Geringe Futterauswahl

sich der Bestand dort nie mehr richtig er-

meistens ihr Leben lang zusammen. Dann

Besonders reichhaltig ist das Nahrungs-

holt. Auch auf Island ist nur noch eine

graben sie sich an einem ausgewählten

angebot in der Arktis allerdings nicht. In

kleine Population übrig geblieben. Welt-

Ort einen geräumigen Bau mit verschiede-

erster Linie jagen Polarfüchse Lemminge.

weit gilt der Polarfuchs jedoch nicht als

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TIERREPORT 3/2009


Vor dem Eigenheim: Ein Polarfuchsbau wird oft über mehrere Generationen genutzt.

bedrohte Art und es soll noch einige hun-

sätzlich noch ein 2400 Quadratmeter gro-

Dort warten die Polarfüchse, in winzige

derttausend Tiere geben.

sses Gehege mit den benachbarten Wald-

Drahtgitterkäfige eingesperrt, in denen

renen teilen.

sie sich kaum bewegen können, auf ih-

Wer in der Schweiz diese schönen

ren Tod. Die Tiere leiden unter dem Be-

Tiere sehen will, kann dies bei einem Be-

wegungsmangel und entwickeln dadurch

tun. In einer extra für sie konzipierten,

Quälerische Gefangenhaltung

160 Quadratmeter grossen Anlage leben

Ein trauriges Schicksal erleiden dagegen

einen einzigen Pelzmantel braucht es 15

hier zwei Eisfüchse. Klappt alles wie ge-

zehntausende von gefangenen Artgenos-

bis 20 Felle der Blaufüchse. ]

plant, dürfen sie in absehbarer Zeit zu-

sen in tierquälerischen Pelzzuchtfarmen.

]

MARK RISSI

such des Tierparks Dählhölzli in Bern

verschiedenste Verhaltensstörungen. Für

Matthias Brunner

Zoologischer Steckbrief Der Eisfuchs oder Polarfuchs (Alopex lagopus) ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von etwa 55 Zentimetern, einer Schulterhöhe von 30 Zentimetern und einem Gewicht von rund 4 Kilogramm etwas kleiner als sein Verwandter, der Rotfuchs (Vulpes vulpes). Der buschige Schwanz ist ca. 35 Zentimeter lang. Typisch sind neben dem besonders dichten Fell die relativ hohen Beine und die kleinen Ohren. Zweimal im Jahr findet ein Fellwechsel statt, bei dem sich auch die Fellfarbe ändert. In freier Wildbahn kann ein Polarfuchs etwa vier Jahre alt werden. Begehrtes Fell: Ein Blaufuchs wartet auf den sicheren Tod – wegen seines Fells.

TIERREPORT 3/2009

19


KEYSTONE

Die ungehemmte züchterische Tätigkeit brachte nicht nur Nacktzüchtungen ohne Fell hervor, sondern auch das pure Gegenteil: wischmopähnliche Langhaarzüchtungen, bei denen man auf den ersten Blick nicht einmal sieht, wo vorne und hinten ist. Viele dieser Zuchtformen sind tierschutzrelevant.

Rapunzel und Struwwelpeter:

Haarsträubende züchterische Exzesse Wir lieben es beide nicht, das monatliche

die langen, seidigen Haare dieser Meer-

tisch allen domestizierten Tierarten: Ted-

Haarescheren. Meerschweinchenbock Ca-

schweinchenrasse völlig ungeeignet, da

dyhamster, Angorakaninchen, Peruaner-

ramello protestiert lautstark, als ich ihm

Heu und Stroh darin hängen bleiben, die

Meerschweinchen, Perserkatzen, Shi-Tzu-

mit der stumpfen Schere das feine lange

Afterregion und die Hinterbeine immer

Hunde. Bei Vögeln finden sich Rassen mit

Fell auf zwei Zentimeter einkürze. Am

von Kot verschmiert werden, und Cara-

übermässiger Federbildung wie belatschte

Hinterteil ist es wieder verklebt und ver-

mello ohne Bürstenschnitt gar nicht unter

Tauben, Onagadori-Hühner oder Frisé-

färbt, verfilzte Stellen muss ich sorgfältig

seiner Haarlocke hervorsehen kann.

Kanarien. Sogar bei den Fischen finden sich Zuchtformen mit extrem langen Kör-

ausschneiden. Und zum wiederholten Mal

Viele langhaarige Heimtierzüchtungen

peranhängen: zum Beispiel der Schleier-

haarvarianten von Haustieren «erschaffen» haben: Für eine Freilandhaltung sind

Langhaarzüchtungen gibt es bei prak-

mit Schleierflossen.

verfluche ich die Züchter, welche Lang-

12 20

goldfisch und der Trauermantelsalmler

TIERREPORT 3/2009 2/2008


ZVG/ ISTOCKPHOTO

Lange Haare behindern die Tiere Langhaarrassen haben eine ziemlich haarige Sicht auf die Welt – wenn überhaupt! Oftmals bedecken die langen Haare das Gesichtsfeld. Zwar sorgt der Haarvorhang für ein Mikroklima, das Augen weniger austrocknen lässt und unter Umständen auch besser vor Verletzungen schützt, aber im-

Sichtbehinderung: Hautblasen (Löwenkopfgoldfisch) oder lange Haare verhindern normale Sicht.

mer unter eingeschränkter Sicht. An Hundeausstellungen sieht man bei Langhaarrassen oft, dass die Haare mit

kann die täglich notwendige Fellpflege für

ist absolut tierschutzrelevant; diese Rasse

alle Beteiligten zur Tortur werden.

sollte deswegen auch verboten werden.

Spangen hochgebunden werden. Die Tiere

Manche Katzen kommen so verfilzt

Langhaarige Rassekatzen und Rasse-

könnten sonst weder gut sehen, noch sich

ins Tierheim, dass sie erst vom Tierarzt

hunde werden dagegen vor Ausstellungen

überhaupt fortbewegen. Für die Ausstel-

unter Narkose geschoren werden müssen,

mehrfach gewaschen, geföhnt, gebürstet,

ler ist natürlich der wichtigste Grund da-

und oft auch Hautinfektionen und Parasi-

oft auch bepudert, gesprayt, toupiert und

für der, dass ja sonst die langen Haare ver-

ten unter dem Fell entdeckt werden – eine

getrimmt.

schmutzen oder Schaden nehmen könn-

ähnlich belebte Haarlandschaft also wie bei

Das Fazit: Rassen mit langen Haaren,

ten … Hier wäre es viel einfacher, die stö-

Struwwelpeter. Sind die Haare um den Af-

langen Federn oder übermässig ausgebil-

renden Haare einfach abzuschneiden oder

ter stark verfilzt, kann es sogar lebensge-

deten Körperanhängen haben eigentlich

noch besser: Zuchtformen mit so langen

fährlich werden, falls es zu einem Darmver-

nur Nachteile und sollten deshalb so nicht

Haaren gar nicht mehr weiterzuzüchten.

schluss kommt.

weitergezüchtet werden. Es ist die Aufgabe

Manche Taubenrassen, oder auch Hau-

des Bundesamtes für Veterinärwesen, hier mit einer Amtsverordnung zu den Zucht-

tung, weil ihnen Gefiederbildungen die

Tierschutzrelevante Züchtungen

Sicht nach seitlich hinten oder nach oben

Nicht untersucht wurde bisher, ob stark be-

legen, wie weit die haarigen züchterischen

versperren. Genauso ergeht es Blasenau-

haarte Tierrassen auch Probleme mit dem

Exzesse spriessen dürfen.

gen- und Löwenkopfgoldfischen, bei de-

Wärmeausgleich haben. Es ist jedoch zu

Eva Waiblinger

nen Hautblasen unter und Hautwucherun-

vermuten, dass eine dichte, lange Behaa-

STS-Fachstelle Heimtiere

gen um die Augen die Sicht so weit verde-

rung zwar im Winter gut warm hält, aber

cken, dass diese Tiere fünfmal mehr Versu-

im Sommer die Wärmeabgabe erschwert

che brauchen, um ein Futterstück mit dem

und zu Überhitzung führen kann. Nicht

Maul vom Boden aufzulesen als normale

umsonst verpassen zum Beispiel Halterin-

Goldfische.

nen und Halter von Bearded Collies und

Belatschte Tauben haben häufig Mühe,

ähnlichen Hunderassen ihren Vierbeinern

mit den stark befiederten Füssen normal zu

jeweils eine kurze Sommerfrisur beim Hun-

gehen, besonders wenn die Federn an den

decoiffeur. Im Schnee haben Langhaarras-

Füssen auch nach vorne abstehen. Schlei-

sen dagegen das Problem, dass Schnee-

ergoldfische haben nicht nur oft eine ver-

und Eisklumpen im Fell hängen bleiben

krüppelte Schwimmblase, sondern auch

und so die Tiere behindern.

mehr Mühe, ihre Schwimmhaltung durch

Ausstellungstiere gewisser Rassen wer-

Flossenschläge auszugleichen, da die lan-

den zudem auch das ganze Jahr über mas-

gen, dünnen und ausgefransten Flossen

siven Haltungseinschränkungen unterwor-

weniger effizient sind als normale.

fen, damit ihre Behaarung beziehungsweise

artikeln der Tierschutzverordnung festzu-

REUTERS

benkanarien, sehen oft nur in eine Rich-

Befiederung keinen «Schaden» nimmt, den

Grosser Pflegeaufwand nötig

der Richter dann mit Punktabzügen bestra-

Immer wieder landen Perserkatzen mit ver-

fen würde. Onagadori-Hähne werden zum

filztem Fell im Tierheim, weil der Halter den

Beispiel in hohen, kastenähnlichen Käfigen

Pflegeaufwand für diese Langhaarrasse un-

auf einer Stange gehalten, damit ihr langer

terschätzt hat und völlig überfordert gewe-

Schwanz frei herunterhängt und sie nicht

sen ist. Gerade wenn die Katze nicht bereits

auf ihn drauftreten – zynisch gesehen die

als Jungtier an das Bürsten gewöhnt wurde,

tierische Verkörperung von Rapunzel. Dies

TIERREPORT 3/2009

Langhaarrasse: Für die Ausstellung geföhnt, gepudert, toupiert und nochmals geföhnt.

21


(FTDIJDIUFO EJFEBTOTDISJFC F C F 

N J F I S F J 5   Tod eines Besitzers Eigentlich soll Struppi nur fßr die zwei Wochen im Tierheim Burg bleiben, während sein Besitzer im Spital sein muss. Doch leider stirbt sein Herrchen noch während des Spitalaufenthalts. Nun ist der fßnfjährige Bergamasker-Mischling plÜtzlich herrenlos geworden. Es muss also ein neues Zuhause fßr ihn gefunden werden. Aber der struppige Wollknäuel ist kein einfacher Hund. Auf Fremde reagiert er sehr misstrauisch und manchmal sogar ein bisschen aggressiv. So ist nun schon ein Jahr vergangen, das er im Tierheim verbracht hat, ohne dass ihn jemand haben wollte. Die Zeit wird jedoch vom Tierheimpersonal im Tierheim Burg genutzt, um mit Struppi intensiv zu arbeiten, damit er doch noch vermittelt werden kann. Allmählich hat er sein anfängliches Misstrauen

Eines Tages kommt ein pensioniertes Ehepaar und nimmt ihn

abgelegt und zeigt auf einmal grosse Freude und Begeisterung,

zum Spazierengehen mit. Dabei erobert das struppige Wollknäuel

wenn man sich mit ihm abgibt oder er mit auf den Spaziergang

gleich ihr Herz. Nach einem weiteren Spaziergang entschliesst sich

darf. Während andere Hunde oft nicht gerne im Auto mitfahren,

das Ehepaar, Struppi bei sich zuhause aufzunehmen.

findet Struppi dies toll.

Tierschutzverein Schwyz

Verschmähtes Katzenklo Findelkatze Minka verbringt schon einige Zeit im Tierheim, als

dieses Pärchen probiert verschiedene Methoden aus – ohne Er-

fßr sie endlich ein Plätzchen gefunden wird. Anfänglich scheint

folg. Schweren Herzens trennen sich die neuen Besitzer von

alles gut zu gehen, bis ein Telefonanruf im Tierheim eingeht:

Minka.

Minka ist nicht sauber, benĂźtzt ihre Toilette nicht. Die ratlosen

FĂźr die Mitarbeiter des Tierheims ist jetzt klar, Minka da-

Besitzer erhalten Tipps, was sie alles pro-

zubehalten. Sie fĂźhlt sich wohl im Tierheim und

bieren sollen. Doch nichts hilft, sodass sie

verrichtet ihr Geschäft dort,

Minka zurĂźckgeben.

wo sie soll. FĂźr zwei halb-

Zwei Monate später erhält Minka eine

wilde Katzen ist ein se-

neue Chance. Diesmal bei einem Pärchen,

parater Raum mit einem

das nebst ihr gleich noch einen Kater mit-

KatzentĂźrchen vorhanden,

nimmt. Nach kurzer Zeit melden sich die

durch das sie nach draus-

neuen Besitzer und berichten, dass Minka

sen in die freie Natur kĂśn-

und Kater Till zusammen viel ÂŤActionÂť

nen. Auch Minka lebt jetzt in

hätten und den Auslauf und das Zusam-

diesem Zimmer und versteht

mensein geniessen wĂźrden. Auch sei

sich gut mit den anderen Kat-

Minka richtig anhänglich. Die Erleichterung im Tierheim ist

zen. Minka kommt jeden Tag ins Tierheim zum Fressen und

gross. Doch später folgt die ernßch-

natĂźrlich, um ihre Streichel-

ternde Nachricht: Minka macht immer

einheiten zu holen.

neben das Kistchen! Wieso nur? Auch

Tierschutzverein Zug

4 22

TIERREPORT 3/2009 4/2008


Traurige Vergangenheit Gegen 21 Uhr klingelt bei Hans Murer das Telefon. Ein be-

mit Menschen gemacht hat, da er immer zurückweicht.

freundeter Wildhüter ist am Apparat und erzählt ihm von ei-

In der Hundestation Silenen integriert sich Blessli rasch

nem Hund, der seit einer Woche bei der Mittelstation der Seil-

in das bestehende Hunderudel. Nach vier Monaten hat Blessli

bahn Biel Kinzig herumirrt. Der

seine Ängste überwunden und neues Vertrauen zu Men-

Wildhüter glaubt, den Besitzer zu

schen aufgebaut, dank der liebevol-

kennen und ruft ihn an. Doch der

len Betreuung und Zuwendung in

will nichts von einem Hund wis-

der Hundestation durch die ganze

sen und meint bloss, er solle doch

Familie Jung und Schnupperlehrtocher Tamara. Blessli läuft gut an der

diesen Köter erschiessen.

Leine, ist sehr folgsam und kann nun

Umgehend macht sich Murer auf den Weg, um den Hund an

mit bestem Gewissen vermittelt wer-

der Talstation in Bürglen abzu-

den. Da meldet sich wie gerufen eine

holen. Als sich die Kabinentür

sympathische Frau aus Köniz bei Bern,

öffnet, kommt ein verängstig-

die auf der Suche nach einem unkas-

ter Appenzeller Mischlingsrüde

trierten Appenzeller ist. Blessli be-

zum Vorschein. Murer nennt

kommt einen guten Platz, und so en-

ihn aufgrund seiner Fellzeich-

det die Geschichte doch noch mit einem

nung Blessli. Er stellt sofort

Happy End.

fest, dass dieser Hund bisher

Tierschutzverein Uri

wohl keine guten Erfahrungen

Vor Schicksal als Kettenhund bewahrt Der lange Leidensweg von Tyson beginnt in Frankreich. Wann

Dank der lie-

der Cane-Corso-Rüde beim dortigen Züchter zur Welt kam, ist

bevollen Betreu-

nicht bekannt. Doch schon bald landet er im Tierheim und ge-

ung durch Ag-

langt über eine umstrittene Tierschutzorganisation im Jahr 2005

nes und Bruno

in die Schweiz. Diese vermittelt ihn an jemanden weiter, ohne

Schmid fasst er

vorher die Platzierung zu prüfen. Bereits nach kurzer Zeit ist

nach

dem neuen Besitzer der grosse Hund lästig. Er beabsichtigt, ihn

wieder etwas Fuss

an einen Bekannten in Ungarn abzuschieben, der Tyson als Ket-

und wird ruhiger

tenhund für sein Gehöft nehmen will.

und zutraulicher.

Glücklicherweise erfährt ein Vertrauter des Tierheims Aare-

Monaten

Einer Vermittlung

brüggli in Grenchen von Tysons bevorstehendem Schicksal und

scheint nun nichts mehr im Wege zu stehen. Doch niemand mel-

es gelingt ihm, den Hund bei seinem Besitzer auszulösen. Die

det sich, der geeignet wäre für den grossen Hund. Deshalb hat

Familie Schmid, welche das Tierheim Aarebrüggli leitet, nimmt

sich Familie Schmid entschlossen, Tyson selbst zu übernehmen.

Tyson unbürokratisch auf. Zu diesem Zeitpunkt ist der Hund

Seither lebt Tyson zufrieden im Aarebrüggli.

sehr verängstigt und nervös. Er scheint das Vertrauen zu den

Tierschutzverein Grenchen und Umgebung

Menschen verloren zu haben.

TIERREPORT 3/2009

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STS fordert von McDonald’s mehr Tierschutz und Swissness In der Gastronomie findet das Tierwohl bis jetzt kaum Beachtung. Das jüngste Beispiel dafür liefert McDonald’s: Der Fastfoodriese bezieht sämtliches Pouletfleisch aus ausländischen Massentierhaltungen, die in keiner Art und Weise dem Schweizer Standard entsprechen. Und beim Rindfleisch überlegt McDonald’s sogar, den Tierhaltungsstandard zu senken. Mit einer Petition will der STS deshalb McDonald’s dazu bringen, bei der Beschaffung von Milchprodukten, Eiern und Fleisch das Tierwohl in den Vordergrund zu rücken. Dieses Jahr könnte der Fastfoodkonzern

(Ent-)Täuschende Werbung

Weide leben, vorgespielt. Peinliches De-

McDonald’s in der Schweiz zum ersten

Mit einer gross angelegten Marketing-

tail am Rande: Auf einem dieser Plakate

Mal über 100 Millionen Gäste zählen.

kampagne hat der amerikanische Fast-

war eine Kuh abgebildet, die eine österrei-

Der Fleischverbrauch für diese Form der

foodgigant damit geprahlt, bei uns auf

chische Ohrmarke trug, wie die Zeitschrift

schnellen Verpflegung ist enorm: Rund

Produkte aus der Schweizer Landwirt-

«Schweizer Bauer» herausgefunden hat.

26 000 Schlachtkühe verarbeitet der Fast-

schaft zu setzen und damit die hiesigen

foodgigant pro Jahr zu Hamburgern, ent-

Bauern zu unterstützen.

Abbau beim Tierschutz

In Fernsehspots und durch Plakat-

Natürlich ist dieser an sich harmlose Feh-

Weiteren werden 5000 Tonnen Milch und

aktionen wurde den Konsumentinnen

ler der Marketingverantwortlichen nicht

Milchprodukte sowie 1000 Tonnen Pou-

und Konsumenten ein Bild von glückli-

der entscheidende Punkt. Wesentlich ist

letbrüstchen verwendet.

chen einheimischen Tieren, die auf der

jedoch folgende Tatsache: Bisher hat der

KEYSTONE

sprechend fast 4000 Tonnen Fleisch. Im

Gibt zu denken: Die Kuh wirbt für 100% Schweizer Fleisch, stammt aber aus Österreich …

12 24

TIERREPORT 3/2009 2/2008


ISTOCKPHOTO

Für Huber sind dies deshalb Ausre-

Der STS fordert deshalb McDonald’s mit

den der McDonald’s-Führung. Es geht

seiner Petition auf, künftig nur noch Pro-

dem Fastfoodkonzern wohl eher darum,

dukte von Schweizer Bauern zu bezie-

durch den Einkauf von möglichst billi-

hen, welche ihre Tiere nach den Richtli-

gem Fleisch zu sparen und den Gewinn zu

nien der Programme RAUS (Regelmässi-

steigern – auf Kosten des Tierwohls. «Für

ger Auslauf ins Freie) und BTS (Besonders

den STS ist es untragbar, dass ein so gro-

tierfreundliche Stallhaltung) halten, und

sser Marktplayer wie McDonald’s Schweiz

auf tierschützerisch und ökologisch pro-

dem Tierwohl eine untergeordnete Priori-

blematische Importe zu verzichten. Der

tät einräumt», kritisiert Huber.

dadurch etwas höhere Preis für den fertigen Hamburger sollte verschmerzbar sein

Viele Importprodukte aus Tierfabriken

– den Tieren zuliebe. ] Matthias Brunner

Doch auch bei anderen tierischen Produkten kümmert sich die Schnellimbisskette wenig darum, ob diese einen tier-

Mogelpackung? In der Werbung «verkauft» uns McDonald’s 100% Schweiz, das gilt aber nicht für alle Produkte.

freundlichen Ursprung haben. So stammen beispielsweise Poulets und Eier samt und sonders aus dem Ausland, wo die Tiere zumeist in Massentierhaltungen mit

Fastfoodriese Rindfleisch von Schweizer

zehntausenden von Tieren je Stall auf en-

Bauern bezogen, die gemäss den Richt-

gem Raum gehalten werden. Insbesondere

linien des Käfer-Labels «IP-Suisse» wirt-

die Pouletmast nimmt im Ausland kaum

schaften. IP-Suisse schreibt nebst einer

Rücksicht auf das Tierwohl, die Hal-

möglichst ökologischen Bewirtschaftung

tungsstandards unterschreiten diejenigen

auch strengere Tierhaltungsrichtlinien

der Schweiz meist gewaltig. So werden

als die gesetzlichen Mindestanforderun-

Masthühner oft unter künstlichem Dau-

gen vor. So müssen die Tiere wie bei Bio-

erlicht gehalten, damit sie mehr fressen

betrieben mit regelmässigem Auslauf ins

und schneller wachsen sollen. Es fehlen

Freie gehalten werden.

erhöhte Sitz- und Ruheorte, und pro Qua-

Doch nun hat McDonald’s angekün-

dratmeter Stallfläche dürfen fast 50 Pro-

digt, künftig auf die Auszeichnung IP-

zent mehr Tiere gepfercht werden als die

Suisse zu verzichten.

eidgenössische Tierschutzgesetzgebung

Zur Begründung nahm Supply Chain

erlaubt.

Director Rhea Beltrami gegenüber STSwie folgt Stellung: «Es werden durchaus

Wenig Bewusstsein in der Gastronomie

IP-Suisse- und RAUS-Kühe für uns ver-

Während immer mehr Leute beim Ein-

arbeitet. Doch es ist praktisch schlicht

kauf im Laden Wert auf tierfreundliche

und einfach nicht möglich, hundert Pro-

Produkte legen, findet dieser Aspekt in

zent IP-Suisse-/RAUS-Kühe in der richti-

der Gastronomie noch kaum Beachtung.

gen Zeitspanne in der benötigten Menge

Eine Umfrage des STS vom Herbst 2008

einzukaufen.» Zudem sei nicht immer ge-

brachte enttäuschende Resultate hervor.

währleistet, dass diese den Qualitätsvor-

So scheint für erschreckend viele Wirte

schriften von McDonald’s entspreche.

das Tierwohl überhaupt kein Thema zu

Geschäftsführer Hansuli Huber per E-Mail

Welche Qualität wohl damit gemeint

sein. Dabei zeigt sich kein Unterschied, ob

ist? Dabei ist doch hinlänglich bekannt,

es sich um eine einfache Dorfbeiz oder ein

dass vor allem Tiere, welchen regelmässi-

teures Gourmetrestaurant handelt.

ger Auslauf ins Freie ermöglicht wird, ge-

Gerade

ein

Branchenriese

wie

sünder sind als Artgenossen, die den al-

McDonald’s hat deshalb eine grosse Be-

lergrössten Teil ihres Lebens angebunden

deutung und müsste fürs Tierwohl unbe-

im Stall gehalten werden.

dingt mehr Verantwortung übernehmen.

TIERREPORT 3/2009

Machen Sie mit! Unterschreiben Sie bitte gleich jetzt unsere Petition «McDonald’s: Mehr Tierschutz und Swissness!» auf dem beliegenden Bogen oder im Internet unter www.tierschutz.com/ kampagnen/mcdonalds Und fordern Sie bei Ihren Restaurantbesuchen die Gastwirte auf, Fleisch aus tierfreundlicher Produktion anzubieten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

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AU S A L L E R W E LT + + + AU S A L L E R W E LT + + + AU S A L L E R W E LT + + HAMBURG

Entwurf für Tierschutzgesetz liegt vor

Dachs im Früchte-Rausch Die Polizisten in Niedersachsen trauten ih-

ISTOCKPHOTO

CHINA

ren Augen nicht: Mitten auf der Landstrasse lag ein betrunkener Dachs und schlief seinen Rausch aus. «In einem Obstgarten hat sich das Tier zuvor den Wanst mit über-

Ein Entwurf für das erste Gesetz zum

reifen Kirschen vollgefressen. Die gärenden

Tierschutz in China sieht eine Geld-

Früchte, die sein Magen zu Alkohol verar-

strafe von bis zu 6000 Yuan (630 US-

beitet hat, sind für den Vollrausch verant-

Dollar) und zwei Wochen Haft für

wortlich», erklärt Andreas Kinser, Experte

Personen vor, die der Tierquälerei für

der Deutschen Wildtier Stiftung. Dachse

schuldig befunden werden. «Der Ent-

sind Allesfresser, und wenn Sommerfrüchte

wurf wird Ende des Jahres dem Staats-

wie Kirschen, Beeren, Pfirsiche und Pflau-

rat vorgelegt», so Chang Jiwen, Leiter

men reif sind, können sie nicht widerstehen

der Abteilung für Sozialrecht an der

und kommen bis in die Obstgärten.

Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, der den Entwurf verfasst hat, gegenüber China Daily. Im Rahmen strenger Massnahmen zur Kontrolle des Tierbestandes in China sieht der Entwurf ausserdem ein Verbot für Haustierbesitzer

JAPAN

Film über brutales Delfin-Gemetzel zeigt Wirkung

vor, mit ihren Tieren Junge zu züchten. Im Gesetzestext steht zudem, dass

Seit Jahren werden in der Bucht der japa-

Wirkung. Die gefangenen grossen Tümm-

Haustiere gechipt werden müssen, um

nischen Stadt Taiji jeweils ab dem 1. Sep-

ler wurden nicht mehr erstochen und an

deren Besitzer ermitteln zu können,

tember tausende Delfine gefangen und

Restaurants verkauft. Einige Exemplare

wenn diese ihr Haustier ausgesetzt

grausam getötet. Der bewegende Doku-

wurden an Delfinarien weitergegeben, der

haben. «Diese Vorschriften werden

mentar-Thriller «Die Bucht – The Cove»

Rest zurück in die Freiheit entlassen, wie

sicherstellen, dass Personen, die ihre

setzt dem traditionellen Gemetzel nun

der Fischereiverband von Taiji bekannt

Tiere aussetzen, keine weiteren Tiere

möglicherweise ein Ende. Der Kinostart

gab. Ob das Schlachten definitiv einge-

halten», meint Chang.

hat in den USA einen Aufschrei der Em-

stellt werde, sei noch nicht klar, sagte ein

pörung provoziert, mit durchschlagender

Mitarbeiter des Fischereiverbandes.

Der Entwurf wurde im August auf

WWW.THECOVEMOVIE.COM

www.china.com.cn, einem grossen Informationsportal, aufgeschaltet, damit sich die Öffentlichkeit dazu äussern kann. Noch muss der Entwurf vom Staatsrat geprüft und anschliessend vom Ständigen Komitee des Nationalen Volkskongresses genehmigt werden, bevor er als Gesetz verabschiedet werden kann. Allerdings steht das Gesetzesprojekt nicht vor 2013 auf der Legislativ-Agenda des Ständigen Komitees des Nationalen Volkskongresses. Das bedeutet, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis China tatsächlich ein Tierschutzgesetz erhält.

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TIERREPORT 3/2009


+ + AU S A L L E R W E LT + + + AU S A L L E R W E LT + + + AU S A L L E R W E LT ISLAND

EU

150 Wale umsonst getötet

ChemikalienVerordnung fordert bis zu 54 Millionen Tierversuchsopfer

geplante Menge Fleisch von 150 Finn-

nach rund 20 Jahren heuer erstmals wie-

walen nicht kaufen. Als Grund habe der

der in grösserem Stil gejagten Walen

Hauptimporteur das zu geringe Interesse

weitgehend sitzen: Laut einem Bericht

der japanischen Jugend an der umstrit-

der Tageszeitung «Frettabladid» wollen

tenen «kulinarischen Köstlichkeit» ge-

die Japaner die für den Export 2009 ein-

nannt.

KEYSTONE

Die Isländer bleiben offenbar auf ihren

Als am 1. Juni 2007 die europäische Chemikalienverordnung Reach (Registration, Evaluation, Authorization and Restriction of Chemicals) in Kraft trat, war klar, dass die mit ihr verbundenen Prüfverfahren zu einer starken Zunahme von Tierversuchen führen würden. Doch die Zahlen, die jetzt die Toxikologen Thomas Hartung und Constanza Rovida von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in den aktuellen Ausgaben der Fachzeitschriften Nature und Altex veröffentlichten, werden auch manchem Zyniker die Sprache verschlagen. Die Autoren schätzen, dass in den nächsten zehn Jahren 54 Millionen Wir-

DEUTSCHLAND

Tiertransporter mit 235 Kälbern 14 Stunden ohne Wasser unterwegs

beltiere das Leben lassen müssen, 20-mal so viele wie erwartet. Der Grund sind toxikologische Tests, die Reach notwendig macht. Auch die Kosten würden von 1,6 auf mindestens 9,5 Milliarden Euro steigen, heisst es in der Studie. Eine einzige Substanz kostet 3200 Ratten das Leben.

235 Kälber auf einem Tiertransporter, den

eingeplant, diesen aber nicht wahrge-

Beamte der deutschen Autobahnpolizei

nommen, wie der Fahrtenschreiber doku-

Aus gesundheitlicher Sicht war es

bei Helmstedt überprüften, waren laut ei-

mentierte. Stattdessen waren die Männer

überfällig, dass in der EU alle Chemika-

nem Bericht von «animal-health-online.

seit dem Start in Polen pausenlos unter-

lien, die in Mengen von mehr als einer

de» seit fast 14 Stunden unversorgt, vor

wegs. Ziel sollte am Nachmittag ein Ort in

Tonne gehandelt werden und bereits vor

allem ohne Wasser. Die erst etwa drei Wo-

den Niederlanden sein.

1981 auf dem Markt waren, auf ihre Gif-

chen alten Tiere waren seit dem Start ge-

Nach der Tierschutztransportverord-

tigkeit getestet werden. Erst seitdem gibt

gen 22 Uhr am Vortag in Polen nicht mehr

nung müssen die Kälber nach spätestens

es nämlich verbindliche Sicherheitsüber-

getränkt worden.

neun Stunden Fahrt fachmännisch ver-

prüfungen vor der Vermarktung neuer

Die Polizisten schalteten die Veterinär-

sorgt, vor allem getränkt werden. Den

Substanzen. Doch jetzt tut sich womög-

behörde des Landkreises ein, die die sofor-

Fahrern wurde zunächst eine Sicherheits-

lich ein massives Problem auf: Statt der

tige Fahrt zur nächsten Versorgungssta-

leistung in Höhe von 2000 Euro abgefor-

erwarteten 29 000 müssen nach neuen

tion in Ibbenbühren bei Osnabrück anord-

dert. Die Ermittlungen der Polizei und der

Schätzungen im schlimmsten Fall weit

nete. Die beiden ungarischen Fahrer im

Veterinärbehörde dauern an, so die Po-

mehr als 100 000 Alt-Chemikalien getes-

Alter von 51 und 52 Jahren hatten zwar

lizei Braunschweig in einer Presseinfor-

tet werden; so viele Meldungen kamen

einen Versorgungsstopp bei Brandenburg

mation.

aus der Industrie.

TIERREPORT 3/2009

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FOTOS: UPA

Erfogreiche Hunde- und Katzenkastration in Peru Ein ungewöhnliches Bild für einen frühen Sonntagmorgen: Vor der Tierarztpraxis Charly Pets in Callao bildete sich bereits eine lange Kette von Menschen, die mit ihren Hunden und Katzen darauf warteten, dass sich die Türe öffnete. Sie alle kamen, um ihre Hunde und Katzen kastrieren zu lassen. Aufgerufen zu dieser Aktion hatte die Tierschutzorganisation «Unidos por los Animales» (UPA).

Unter dem Patronat des STS führte die Tierschutzorganisation UPA in Perus Hauptstadt Lima und Umgebung Kastrationskampagnen für Hunde und Katzen durch. Der STS unterstützt UPA seit dem verheerenden Erdbeben von 2007 bei ihren Aktivitäten. In diesem dicht bevölkerten Stadtviertel von Lima leben nicht nur viele Menschen, sondern auch viele Tiere. Zwar kümmern sich etliche Bewohner liebevoll um streunende Hunde und Katzen und geben ihnen ein Zuhause. Doch leben sie selber meist in bescheidenen Verhältnissen und können sich die Kosten für die Operation nicht leisten. Unter dem Patronat des STS führte UPA deshalb sowohl in der Hauptstadt Lima als auch in Ortschaften auf dem Land zahlreiche Kastrationskampagnen durch, um die unkontrollierte Vermehrung der Hundeund Katzenpopulation einzudämmen.

Grosser Andrang Während der STS die Kampagnen finanziell mittrug, unterstützten vor Ort freiwillige Veterinärstudenten und Helfer UPA bei den Einsätzen. Allein an diesem Sonntag operierten die beiden Tierärzte Betty Ayllón und Carlos Morales in Callao 68 Tiere. Doch bei Signora Gabriela, welche

12 28

TIERREPORT 3/2009 2/2008


die Tiere registrierte, standen bereits wieder 120 Kandidaten auf der Warteliste. Die nächste derartige Aktion war also bereits absehbar.

Misstrauen überwunden Aber nicht nur in der Hauptstadt ist UPA aktiv. In Pisco, rund vier Stunden von Lima entfernt, war ein Katastrophenteam von UPA bereits nach dem verheerenden Erdbeben 2007 zur Stelle und kümmerte sich

Improvisierter OP: Engagierte Helferinnen unterstützen die UPA-Aktion.

um die betroffenen Tiere. Bislang war es den Bewohnern völlig unbekannt, dass sie ihre Tiere kastrieren lassen sollten. Es gab auch gar keine Tierärzte vor Ort, die den Eingriff hätten vornehmen können. Ganz abgesehen davon, könnten sich die mittellosen Tierhalter den Tierarztbesuch finanziell auch gar nicht leisten. Die einzige Möglichkeit, unerwünschten Nachwuchs loszuwerden, sah die Bevölkerung darin, weibliche Hunde zu vergiften und die Welpen zu ertränken. Zunächst wollten die Bewohner von Pisco den UPA-Leuten überhaupt nicht erlauben, dass ihre Tiere kastriert werden.

Aufwachphase: Hunde nach erfolgreicher Operation.

Erst nach mehreren Besuchen konnten sie im Laufe der Zeit die Leute von dieser Not-

den zahlreichen Märkten tummeln sich

keit ein und übernimmt die Behandlungs-

wendigkeit überzeugen und schliesslich ihr

jede Menge Hunde und Katzen, die nie-

kosten. Innerhalb von knapp drei Mona-

Misstrauen doch noch durchbrechen.

mandem zu gehören scheinen. Zwar zei-

ten konnten bei den beschriebenen Kam-

Durch die regelmässigen Besuche der

gen manche Markthändler Erbarmen und

pagnen dank der Unterstützung des STS

UPA-Equipe haben die Leute eine grös-

füttern die Tiere. Doch werden es immer

insgesamt 349 Tiere kastriert werden.

sere Offenheit entwickelt und respektieren

mehr, weil sie nicht kastriert sind.

Nachhaltige Verbesserung

vermehrt das Leben der Tiere. Mittlerweile

Deshalb gelangte Maria Inés schliess-

melden sie sich sogar von sich aus und er-

lich an UPA mit der Bitte, doch eine Kast-

Manchmal gibt es aber auch dringende

suchen um weitere Kastrationskampagnen.

rationskampagne durchzuführen. In einem

Einzelfälle, bei denen mit der Kastration

Mit grosser Genugtuung wertet UPA die-

zur Verfügung gestellten Gemeindelokal

nicht länger zugewartet werden kann, bis

ses veränderte Verhalten als Dank für ih-

wurden Tische und Wasser bereitgestellt,

eine grössere Aktion stattfindet. Diese

ren Einsatz.

sodass die Operationen vorgenommen wer-

Tiere werden an Tierärzte überwiesen,

den konnten. Längerfristig sollen jedoch

welche zu sozialen Bedingungen eng mit

Kastrationen vor Ort

die lokalen Behörden von der Notwendig-

UPA zusammenarbeiten. In Lima besteht

Die Resultate in anderen Ortschaften las-

keit überzeugt werden, Kastrationen für

eine Kooperation mit vier Veterinärpra-

sen ebenfalls Hoffnung aufkeimen. In San

Hunde und Katzen breit anzubieten.

xen, welche Hunde und Katzen aus ganz Lima operieren.

Juan de Miraflores war die Nachfrage bei der durchgeführten Kastrationsaktion so-

349 kastrierte Tiere

gar noch viel grösser als erwartet.

UPA kastriert nur Tiere, die regelmässig

tration entscheidend ist, um Hunde und

Immer wieder zeigt sich, dass die Kas-

Schon seit zwei Jahren setzt sich die

von jemandem betreut und gefüttert wer-

Katzen vor der Verwahrlosung zu retten

junge Tierschützerin Maria Inés mit gros-

den. Oft sind es auch Hunde, welche in ei-

und ihnen ein anständiges Leben zu er-

sem Engagement unermüdlich für die

nem Quartier leben und von den Anwoh-

möglichen. UPA wird deshalb ihre Arbeit

Hunde und Katzen im Bezirk Urbanización

nern gemeinsam versorgt werden. Wenn

fortsetzen und möglichst viele Tiere kast-

Pachacamac von Villa El Salvador ein. Der

sich der Besitzer keine Operation leisten

rieren. ]]

Ort ist sehr arm und dicht bevölkert. Auf

kann, springt UPA jedoch nach Möglich-

TIERREPORT 3/2009

UPA/Matthias Brunner

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ISTOCKPHOTO

Pferdefleisch ist bei der Schweizer Bevölkerung nicht besonders beliebt. Trotzdem wird immer mehr Pferdefleisch aus Mexiko importiert. Dahinter verbirgt sich jedoch ein unfassbares Tierleid. Denn die Pferde werden über Tausende von Kilometern aus den USA transportiert und enden unter schrecklichen Bedingungen in mexikanischen Schlachthöfen.

Importiertes Pferdefleisch aus Qualtransporten Mit einem Ruck setzt sich der riesige

Endloser Transport

sident Georg W. Bush gefällte Entscheid,

Truck in Bewegung. Nur mit Mühe kön-

Die strapaziöse Fahrt in dem doppel-

die drei Schlachthöfe für Pferde in den

nen sich die 43 eng zusammengepferch-

stöckigen Lastwagen dauert seit Be-

USA zu schliessen. Seither werden sämt-

ten Pferde auf den Beinen halten. Wohl

ginn im Bundesstaat Ohio bereits 2350

liche zur Schlachtung bestimmten Pferde

die meisten von ihnen waren zuvor noch

lange Kilometer ohne Unterbruch, wäh-

aus den USA entweder nach Mexiko oder

nie in einem Transporter unterwegs. Der

rend die völlig erschöpften, schweissnas-

Kanada transportiert, allein im letzten

Stress ist enorm und das Adrenalin im

sen Pferde weder Wasser noch Futter er-

Jahr über 100 000.

Blut steigt. Bei jeder Kurve, jeder Brem-

halten haben. Nach 34 Stunden hält der

Inzwischen regt sich in den USA Wi-

sung müssen die Pferde erneut versu-

Viehtransporter im texanischen Morton,

derstand gegen diese unsinnige Praxis.

chen, sich auszubalancieren. Nicht al-

einem Grenzkaff nahe Mexiko, endlich

Zwei US-Senatoren verlangen von der

len gelingt dies, manche stürzen zu Bo-

zum ersten Mal an.

Regierung, diese Transporte zu stoppen,

damit ist die Tortur für die

bis die inländischen Schlachthäuser wie-

Artgenossen getreten und verletzt. Die

Pferde noch lange nicht zu Ende. Noch-

der in Betrieb genommen werden. Im

Fluchttiere geraten in Panik und möch-

mals 1100 Kilometer liegen vor ihnen,

Kongress wurde von Abgeordneten ein

ten wegrennen, wie es ihrem Urinstinkt

bevor sie endlich im mexikanischen

Antrag eingebracht, dass Pferde nicht

entspricht – doch es geht nicht. Aber

Schlachthof ihren letzten Weg gehen.

mehr mit doppelstöckigen Lastwagen

den und werden von den verängstigten

Doch

transportiert werden dürfen. Denn diese

niemand kümmert sich um die lebende Fracht. In einem richtigen Pferdetrans-

US-Schlachthöfe geschlossen

sind meistens für Rinder und Schweine

porter wären die Tiere dagegen einzeln

Grund für diese extrem langen Transporte

konstruiert, sodass die Höhe für Pferde

abgetrennt und gesichert.

ist der noch unter der Regierung von Prä-

viel zu gering ist.

12 30

TIERREPORT 3/2009 2/2008


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TIERREPORT

BVTF uhause.

Gemäss der Zeitschrift «Animal Wel-

Gastgewerbe auf, nur Fleisch aus Pro-

fare Institute Quarterly» überschlug sich

duktion anzubieten, die dem schweize-

bei einem Unfall ein doppelstöckiger

rischen Tierschutzstandard entspricht.

Schweinetransporter, der mit 59 belgi-

So, wie das Parlament der Deklarati-

schen Pferden beladen war. Dabei starben

onspflicht von ausländischem Kanin-

neun noch an Ort und Stelle und sechs

chenfleisch, das nicht dem schweizeri-

weitere später.

schen Tierschutzstandard entspricht, zu-

ÝÛÛ ]jÛaf^gjea]jlÛJa]ÛYclm]ddÛ über nationale und internationale Tierschutzaktivitäten. ÝÛÛÛ]jÛ\][clÛ?afl]j_j1f\]Û auf und nennt die Dinge beim Namen.

gestimmt hat, möchte der STS nun, dass

Snow, bin ca. Pointer-Mix, sechsjähriger Vorbesitzer männlich. Mein hatte eine Zeit mehr einfach für mich. Bin ]jkha]dl•Û^j]mf\da[` nd Hund, habe ÛrmÛD]fk[`Û rne zu Familie Jagdtrieb. mit grösseren dern. S-Sektion Tierschutzverein aflYd•ÛTel. 071 888 23 39

DIPCFO H

TIERREPOR T Û:?=ۂ¦Û£Û

<LIFہ¦ÛÛÛ��ÛÛÛۀ£‡

O F F I Z I E L L E S

O R G A N

D E S

S C H W E I Z E R

T I E R S C H U T Z

S T S

r]f\Ye]•Û_]aeh^l• rt waren einfach Û Vertrauen fassen slauf. li

gerne lYdÛ

Im Einsa tz für die Ti

’s

ere

ld na Do bitte Mc n: hutz tio c eti iers S-P r T ST meh –

Mangelhafte Kontrollen

diese auch für importiertes Pferdefleisch

Doch nicht nur diese überlangen Trans-

gilt. Denn der Tierschutz darf nicht dem

ÝÛÛÛ]jÛkl]ddlÛKa]j]ÛYmkÛ\]f Tierheimen unserer Sektionen vor.

porte sind ein Problem. Laut Augenzeu-

kurzfristigen Profitdenken Einzelner ge-

ÝÛÛÛ]jÛ_aZlÛKahhkÛrmjÛja[`la_]fÛ?Ydlmf_ÛngfÛKa]j]f

genberichten von Tierschützern herr-

opfert werden.

schen in den Schlachthöfen zum Teil unhaltbare Zustände. Das Lebensmittel- und

Pferdefleisch wenig beliebt

Veterinäramt der EU hat nach einem In-

Zwar ist die Nachfrage nach Pferdefleisch

spektionsbesuch im vergangenen Herbst

in der Schweiz nicht besonders gross: Der

in den mexikanischen Schlachthöfen be-

Pro-Kopf-Verbrauch beträgt gerade ein-

trächtliche Mängel festgestellt. So heisst

mal 680 Gramm bei einem jährlichen Ge-

es im Bericht, dass «das Personal unzurei-

samtkonsum von 51 Kilogramm Fleisch.

chend geschult» sei, und die Einhaltung

Trotzdem reicht die inländische Produk-

von Hygienevorschriften sowie die Rück-

tion, welche vor allem aus überzähligen

verfolgbarkeit der Schlachtkörper nicht

Fohlen der staatlich subventionierten

gewährleistet sei. «Zudem können die vor

Freibergerzucht stammt, bei Weitem nicht

der Schlachtung vorgenommenen amtli-

aus und macht nur rund zehn Prozent des

chen Kontrollen nicht sicherstellen, dass

Gesamtkonsums aus. Der grösste Teil des

die Tierschutzbestimmungen der EU ein-

importierten Pferdefleisches stammt ge-

gehalten werden (...)», stellt das Lebens-

mäss Angaben der Branchenorganisa-

mittel- und Veterinäramt weiter fest.

tion Proviande hauptsächlich aus Kanada mit 2737 Tonnen im vergangenen Jahr.

ÝÛÛÛK@<II<GFIKÛ]j`Ydl]fÛJa]ÛfmjÛaeÛ Abonnement für nur CHF 12.80 (4 Ausgaben jährlich).

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TIERREPORT

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Tierschutz muss auch für Importe gelten

Gleichzeitig hat Mexiko mit einem Anteil von inzwischen 1030 Tonnen Pferde-

Meine Adresse (Rechnungsadresse)

Der Schweizer Tierschutz STS fordert die

fleisch jedoch markant zugelegt.

Vorname

Importeure, den Detailhandel und das

Matthias Brunner

ISTOCKPHOTO

Name Strasse/Nr. PLZ/Ort Datum

Unterschrift

Geschenkabo-Empfänger/-in (wird von uns über das Geschenk informiert) Vorname Name Strasse/Nr. PLZ/Ort Datum

Unterschrift

Tierqual: Über Tausende von Meilen werden die Pferde zum Schlachthof gekarrt. Bitte Bestellung einsenden an den Schweizer Tierschutz STS, ;gjfY[`]jkljYkk]Û~‡~•Û‡‡…Û9Yk]d•Û^Yp]fÛYfۇƒ~ۀƒ‚Û††Û†‡Û g\]jÛZ]kl]dd]fÛ1Z]jÛooola]jj]hgjl[` TIERREPORT 3/2009

31

‡†


Wir suchen ein Zuhause Tierheime der STS-Sektionen suchen für diese Tiere ein neues, richtiges Zuhause.

Abgegeben

bin ca. dreijährige Abgeschoben Funny, Katzendame, geimpft, kastriert,

Snow, bin ca. sechsjähriger Pointer-Mix, männlich. Mein Vorbesitzer hatte einfach keine Zeit mehr für mich. Bin verspielt, freundlich zu Mensch und Hund, habe Jagdtrieb. Gerne zu Familie mit grösseren Kindern. STS-Sektion Tierschutzverein Rheintal, Tel. 071 888 23 39

entwurmt. Bin zierlich und lieb. Bin eher Einzelgängerin, fasse aber schnell Vertrauen und bin noch verspielt. Ruhiger Haushalt, wo ich im Mittelpunkt stehe und Auslauf ins Grüne habe, bevorzugt. STS-Sektion Interlaken-Oberhasli Tel. 033 823 80 08

Abgeschoben

Bill, American Staffhordshire Terrier, etwas mehr als einjährig, männlich. Bin lebhaft, die Welpenschule machte ich mit Bravour, brauche aber Kontrolle. Neige zu Streichen ... brauche viel Beschäftigung und gehe nur zu hundeerfahrenem Halter. STS-Sektion Tierschutz beider Basel Tel. 061 378 78 88

Überzählig

Streuner Moderator Redaktor und g der T V-Sendun in t ll te s r e rg re Beat Be heimatlose Tie re e it e w » h c s «tieri .com sch.tierschutz ri ie .t w w w r: vo

Levi, ca. dreijähriger Kater, kastriert. Nette Leute haben mich gefunden und abgegeben. Ich war stark verfilzt und musste geschoren werden. Bin noch etwas zurückhaltend – auch Katzen gegenüber. Gerne zu Familie, mit Auslauf natürlich. STS-Sektion Tierschutz beider Basel Tel. 061 378 78 88

Ricky, bin ca. dreijähriger Mischling, männlich. Bin sehr ängstlich, weshalb mich meine Vorbesitzer nicht mehr wollten. Möchte zu jemandem, der weiss, wie man (noch besser Frau) mit ängstlichen Hunden umgeht. STS-Sektion Schwyz Tel. 041 810 34 44

Abgegeben Magic, ca. neunjährige, weibliche Katze. Wurde mit meinen Jungen abgegeben – die sind alle vermittelt. Bin noch recht scheu und zurückhaltend. Möchte an ruhigen Platz mit Auslauf. STS-Sektion Tierschutz beider Basel Tel. 061 378 78 88

Abgegeben

Abgeschoben

Ambra, bin ca. zweijährige Katzendame, geimpft, kastriert, entwurmt. Am alten Ort waren einfach zuviele Katzen. Möchte wieder Vertrauen fassen und an einen ruhigen Ort mit Auslauf. STS-Sektion Interlaken-Oberhasli Tel. 033 823 80 08

Findeltier

Damian, bin ca. fünfjähriger Kater, kastriert. Bin ruhig und lieb. Hätte gerne Einzelplatz und Auslauf ins Freie. STS-Sektion Tierschutzverein Rheintal Tel. 071 755 60 71

Zugelaufen

Heimatlos Elton, bin ca. sechsjähriger Kater, geimpft, kastriert, entwurmt. Beim Umzug in die neue Wohnung durfte ich nicht mit. Möchte viele Streicheinheiten, kleine Kinder bin ich nicht gewohnt, Auslauf ins Freie wäre toll. STS-Sektion Interlaken-Oberhasli Tel. 033 823 80 08 32

Soraya, bin ca. neunjährige Katzendame, geimpft, kastriert, entwurmt. Bin ruhig und zutraulich, mag menschliche Gesellschaft sehr – andere Katzen nicht so. Gerne zu älteren Personen, aber mit Auslauf ins Freie. STS-Sektion Interlaken-Oberhasli Tel. 033 823 80 08

Taison, Pitbull Terrier, dreijährig, männlich und kastriert. Bin ein Energiebündel, brauche viel Beschäftigung. Verstehe mich mit anderen Hunden und mit Katzen. Brauche noch Erziehung und gehe nur zu hundeerfahrenem Halter. STS-Sektion Tierschutz beider Basel Tel. 061 378 78 88 TIERREPORT TIERREPORT 3/2009 4/2008


Tierreport 3/2009