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TIERREPORT CHF 5.– / EURO 4.–

O F F I Z I E L L E S

O R G A N

D E S

S C H W E I Z E R

T I E R S C H U T Z

Einblicke in die Welt der Tiere

2/2011

S T S

e ch

Ti

au r t b ilfe! o n N re H i e er Ih

n


Editorial

TIERREPORT 2/2011 4 Bonsaipferde

Minipferde sind ein neuer – fragwürdiger – Trend bei Schweizer Züchtern.

6 Tierhandel

Die dubiosen Geschäfte mit überzähligen Jungtieren.

8 China im Wandel 1 Der STS unterstützt ein pionierhaftes Tierschutzprojekt in China. 10 China im Wandel 2 Chinesische Tierschützer retten Hunde vor dem Kochtopf. 11 Schande

Als einziges Land Europas erlaubt die Schweiz den Handel mit Robbenfellen.

12 Aktuelles Schweiz

Kurzmeldungen aus der Schweiz.

13 In der Manege

Der vierte STS-Zirkusbericht offenbart grosse Unterschiede bei der Tierhaltung.

14 Hund oder Katze 16–19 Opossums

Liebe Leserin, lieber Leser

Welches der beliebten Heimtiere verfügt über mehr Intelligenz? Antworten dazu. Ihr Leben ist kurz und dennoch erobern Opossums neue Lebensräume.

20 Tierversuche

Eine neue Broschüre des STS erklärt alternative Forschungsmethoden.

22 Kälberzucht

Der STS startet eine Kampagne zur Verbesserung der Kälberhaltung.

24 Tiere in Not

Unterstützung für Tierheime, die Sorgen mit schwer vermittelbaren Tieren haben.

26 Importeier

Viele Schweizer Unternehmen verzichten auf Importeier aus Käfighaltung.

27–29 Aktuelles Welt 30 Waschbären 32 Tiere suchen …

Hilferufe

Kurzmeldungen aus aller Welt. Im Zoo Hasel konnte ein artgerechtes Waschbärengehege realisert werden. Ausgesetzte, verlassene Tiere suchen ein neues, richtiges Zuhause.

Es vergeht kaum eine Woche, in welcher keine Hilferufe aus

den Tierschutz zu wecken. Und das mit einem beachtlichen An-

der ganzen Welt beim Schweizer Tierschutz STS eintreffen. Sie

fangserfolg: Chen Qian, unsere Projektleiterin vor Ort, hat es

stammen von verzweifelten Tierschützern, die – vor allem in der

mit ihrem Team von Helferinnen und Helfern fertiggebracht, die

dritten Welt – vor beinahe unlösbaren Problemen stehen. Über-

chinesischen Medien und inzwischen auch lokale Behörden für

all fehlt es an Fachwissen, politischen und gesellschaftlichen

den Gedanken zu interessieren, dass Tiere fühlende Lebewesen

Möglichkeiten und vor allem an Geld, um wenigstens die grösste

sind. Lesen Sie in dieser Ausgabe des TIERREPORT, wie unsere

Not von Tieren zu lindern. Für mich ist das ein Dilemma. Man

chinesischen Partner vorgehen, um dem Tierschutz in ihrem rie-

möchte überall helfen und auf jeden Hilferuf eingehen, wenn

sigen Land eine Chance zu geben.

das nur möglich wäre. In der Schweiz dauerte es 150 Jahre, um den Tierschutz auf den Als Dachverband der Schweizer Tierschutzvereine muss der

heutigen Stand zu bringen, und in China wird es ein genauso

STS seine finanziellen und personellen Ressourcen auf die Tier-

langer, steiniger Weg sein. Doch das ist kein Grund, den Anfang

schutzarbeit in der Schweiz ausrichten. Für die Hilfe im Ausland

nicht zu wagen. Deshalb unterstützen wir Teams von jungen

stehen uns nur beschränkte Mittel zur Verfügung. Würden wir

Chinesen, die sich entschlossen haben, in ihrem Land etwas für

diese mit dem «Giesskannenprinzip» einsetzen, so könnten wir

die Tiere in Bewegung zu setzen.

nichts bewirken. Wir haben uns deshalb ganz bewusst auf eine

TITELFOTO Arco digital images

beschränkte Anzahl internationaler Hilfsprojekte festgelegt, die TIERREPORT (ehemals «Du+die Natur») Offizielles Organ des Schweizer Tierschutz STS 138. Jahrgang, Nr. 2, Juli 2011, erscheint viermal jährlich Herausgeber: Schweizer Tierschutz STS Dornacherstrasse 101, 4008 Basel Telefon 061 365 99 99, Fax 061 365 99 90, sts@tierschutz.com Redaktor: Mark Rissi Mitarbeiter dieser Nummer: Matthias Brunner, Julika Fitzi, Hansuli Huber, Catherine Reber, Stefan Tschopp, Eva Waiblinger, Sara Wehrli

Abonnementspreise: Jahresabonnement (4 Ausgaben) CHF 12.80 inkl. MWSt Einzelnummer CHF 5.–

wir längerfristig begleiten und unterstützen: in der Türkei und der Mongolei, in Nepal und in China.

Tierreport-Abonnentendienst: General-Wille-Strasse 144, 8706 Meilen Telefon 044 925 38 20, Fax 044 925 36 96, sts@rbc.ch

Aber weshalb ausgerechnet China? In Zusammenarbeit mit an-

Abdruck nach Genehmigung durch die Redaktion mit Quellenangabe gestattet.

uns für Projekte mit dem Ziel, in China, welches noch kein

deren bedeutenden Tierschutzorganisationen engagieren wir Tierschutzgesetz kennt (!), das Bewusstsein der Bevölkerung für

ISSN 1424-9537, Papier 100% Recycling

Gestaltung, Produktion: die zwei, Basel

Besuchen Sie uns im Internet:

Druck: Birkhäuser+GBC, Reinach

www.tierschutz.com oder www.tierreport.ch

Herzlich, Ihr

Heinz Lienhard, Präsident Schweizer Tierschutz STS

Die Sektionen des Schweizer Tierschutz STS: Aargau · Appenzell · Basel-Stadt · Baselland · Bern Kanton · Bern Stadt · Biasca · Biel-Seeland · Ceresio/Mendrisiotto Emmental · Frauenfeld · Fribourg · Frutigen · Glarus · Graubünden · Grenchen · Haut-Léman · Heiden · Horgen · Interlaken-Oberhasli · Jura/AJPA, · Jura/Soubey Kreuzlingen · La Chaux-de-Fonds · Le Locle · Liechtenstein · Linth · Locarno · Lugano · Luzern · Monthey · Neuchâtel · Nidwalden · Niedersimmental · Nyon · Oberaargau Obersimmental · Oberwallis · Obwalden · Olten · Rheintal · Romanshorn · Rorschach · St. Gallen Kanton · St. Gallen Stadt · Saanenland · Sargans-Werdenberg · Schaffhausen Schwyz · Sirnach · Solothurn/Wasseramt · Steckborn · Thun · Toggenburg · Uri · Uster · Valais · Vaud · Winterthur · Zug · Fondation Neuchâteloise d’Accueil pour Animaux Gerenau-Stiftung für Tierschutz, Wädenswil · Stiftung Mensch+Tier, Basel-Stadt · AKUT Aktion Kirche und Tier · APS Auffangstation für Sittiche und Papageien · Club der Rattenfreunde · Le Refuge de Darwyn · Schweizer Wildstation Landshut · PRT Protection et Récupération des Tortues · VAZ Verein Aquarium Zürich

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TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

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Editorial

TIERREPORT 2/2011 4 Bonsaipferde

Minipferde sind ein neuer – fragwürdiger – Trend bei Schweizer Züchtern.

6 Tierhandel

Die dubiosen Geschäfte mit überzähligen Jungtieren.

8 China im Wandel 1 Der STS unterstützt ein pionierhaftes Tierschutzprojekt in China. 10 China im Wandel 2 Chinesische Tierschützer retten Hunde vor dem Kochtopf. 11 Schande

Als einziges Land Europas erlaubt die Schweiz den Handel mit Robbenfellen.

12 Aktuelles Schweiz

Kurzmeldungen aus der Schweiz.

13 In der Manege

Der vierte STS-Zirkusbericht offenbart grosse Unterschiede bei der Tierhaltung.

14 Hund oder Katze 16–19 Opossums

Liebe Leserin, lieber Leser

Welches der beliebten Heimtiere verfügt über mehr Intelligenz? Antworten dazu. Ihr Leben ist kurz und dennoch erobern Opossums neue Lebensräume.

20 Tierversuche

Eine neue Broschüre des STS erklärt alternative Forschungsmethoden.

22 Kälberzucht

Der STS startet eine Kampagne zur Verbesserung der Kälberhaltung.

24 Tiere in Not

Unterstützung für Tierheime, die Sorgen mit schwer vermittelbaren Tieren haben.

26 Importeier

Viele Schweizer Unternehmen verzichten auf Importeier aus Käfighaltung.

27–29 Aktuelles Welt 30 Waschbären 32 Tiere suchen …

Hilferufe

Kurzmeldungen aus aller Welt. Im Zoo Hasel konnte ein artgerechtes Waschbärengehege realisert werden. Ausgesetzte, verlassene Tiere suchen ein neues, richtiges Zuhause.

Es vergeht kaum eine Woche, in welcher keine Hilferufe aus

den Tierschutz zu wecken. Und das mit einem beachtlichen An-

der ganzen Welt beim Schweizer Tierschutz STS eintreffen. Sie

fangserfolg: Chen Qian, unsere Projektleiterin vor Ort, hat es

stammen von verzweifelten Tierschützern, die – vor allem in der

mit ihrem Team von Helferinnen und Helfern fertiggebracht, die

dritten Welt – vor beinahe unlösbaren Problemen stehen. Über-

chinesischen Medien und inzwischen auch lokale Behörden für

all fehlt es an Fachwissen, politischen und gesellschaftlichen

den Gedanken zu interessieren, dass Tiere fühlende Lebewesen

Möglichkeiten und vor allem an Geld, um wenigstens die grösste

sind. Lesen Sie in dieser Ausgabe des TIERREPORT, wie unsere

Not von Tieren zu lindern. Für mich ist das ein Dilemma. Man

chinesischen Partner vorgehen, um dem Tierschutz in ihrem rie-

möchte überall helfen und auf jeden Hilferuf eingehen, wenn

sigen Land eine Chance zu geben.

das nur möglich wäre. In der Schweiz dauerte es 150 Jahre, um den Tierschutz auf den Als Dachverband der Schweizer Tierschutzvereine muss der

heutigen Stand zu bringen, und in China wird es ein genauso

STS seine finanziellen und personellen Ressourcen auf die Tier-

langer, steiniger Weg sein. Doch das ist kein Grund, den Anfang

schutzarbeit in der Schweiz ausrichten. Für die Hilfe im Ausland

nicht zu wagen. Deshalb unterstützen wir Teams von jungen

stehen uns nur beschränkte Mittel zur Verfügung. Würden wir

Chinesen, die sich entschlossen haben, in ihrem Land etwas für

diese mit dem «Giesskannenprinzip» einsetzen, so könnten wir

die Tiere in Bewegung zu setzen.

nichts bewirken. Wir haben uns deshalb ganz bewusst auf eine

TITELFOTO Arco digital images

beschränkte Anzahl internationaler Hilfsprojekte festgelegt, die TIERREPORT (ehemals «Du+die Natur») Offizielles Organ des Schweizer Tierschutz STS 138. Jahrgang, Nr. 2, Juli 2011, erscheint viermal jährlich Herausgeber: Schweizer Tierschutz STS Dornacherstrasse 101, 4008 Basel Telefon 061 365 99 99, Fax 061 365 99 90, sts@tierschutz.com Redaktor: Mark Rissi Mitarbeiter dieser Nummer: Matthias Brunner, Julika Fitzi, Hansuli Huber, Catherine Reber, Stefan Tschopp, Eva Waiblinger, Sara Wehrli

Abonnementspreise: Jahresabonnement (4 Ausgaben) CHF 12.80 inkl. MWSt Einzelnummer CHF 5.–

wir längerfristig begleiten und unterstützen: in der Türkei und der Mongolei, in Nepal und in China.

Tierreport-Abonnentendienst: General-Wille-Strasse 144, 8706 Meilen Telefon 044 925 38 20, Fax 044 925 36 96, sts@rbc.ch

Aber weshalb ausgerechnet China? In Zusammenarbeit mit an-

Abdruck nach Genehmigung durch die Redaktion mit Quellenangabe gestattet.

uns für Projekte mit dem Ziel, in China, welches noch kein

deren bedeutenden Tierschutzorganisationen engagieren wir Tierschutzgesetz kennt (!), das Bewusstsein der Bevölkerung für

ISSN 1424-9537, Papier 100% Recycling

Gestaltung, Produktion: die zwei, Basel

Besuchen Sie uns im Internet:

Druck: Birkhäuser+GBC, Reinach

www.tierschutz.com oder www.tierreport.ch

Herzlich, Ihr

Heinz Lienhard, Präsident Schweizer Tierschutz STS

Die Sektionen des Schweizer Tierschutz STS: Aargau · Appenzell · Basel-Stadt · Baselland · Bern Kanton · Bern Stadt · Biasca · Biel-Seeland · Ceresio/Mendrisiotto Emmental · Frauenfeld · Fribourg · Frutigen · Glarus · Graubünden · Grenchen · Haut-Léman · Heiden · Horgen · Interlaken-Oberhasli · Jura/AJPA, · Jura/Soubey Kreuzlingen · La Chaux-de-Fonds · Le Locle · Liechtenstein · Linth · Locarno · Lugano · Luzern · Monthey · Neuchâtel · Nidwalden · Niedersimmental · Nyon · Oberaargau Obersimmental · Oberwallis · Obwalden · Olten · Rheintal · Romanshorn · Rorschach · St. Gallen Kanton · St. Gallen Stadt · Saanenland · Sargans-Werdenberg · Schaffhausen Schwyz · Sirnach · Solothurn/Wasseramt · Steckborn · Thun · Toggenburg · Uri · Uster · Valais · Vaud · Winterthur · Zug · Fondation Neuchâteloise d’Accueil pour Animaux Gerenau-Stiftung für Tierschutz, Wädenswil · Stiftung Mensch+Tier, Basel-Stadt · AKUT Aktion Kirche und Tier · APS Auffangstation für Sittiche und Papageien · Club der Rattenfreunde · Le Refuge de Darwyn · Schweizer Wildstation Landshut · PRT Protection et Récupération des Tortues · VAZ Verein Aquarium Zürich

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TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

3


als haltlos und wies die Beschwerde ab.

Kleinwüchsigkeit als Zuchtziel

Die Zucht auf ausgesprochene

Die Beschwerdeführerin behauptete, dass

ohne Folgen für die Mini­

Miniaturpferde ursprünglich als Lasttiere

pferde. Aus eigener Erfahrung

in Bergwerken verwendet worden seien

als

und heute sogar als Therapietiere einge-

weiss Professor Ewald Isen-

setzt würden. Tatsächlich leisteten noch

bügel zu berichten, dass es bei

fast bis Ende des letzten Jahrhunderts

diesen Tieren zu Totgeburten

Grubenponys Schwerstarbeit in englischen

und schweren Geburtskompli-

Kohlebergwerken unter Tage. Feingliedrige

kationen kommen kann: «Von drei Ge-

auf denen ein Erwachsener gerade knapp

burten haben wir bei unseren

Platz findet – was allein schon von den

Minipferden eine Totgeburt

Proportionen her ein eher skurriles Bild

und eine Schwergeburt ge-

abgibt.

Kleinwüchsigkeit bleibt nicht

ehemaliger

zvg

flickr

Sie sind kleiner als frisch geborene Fohlen, gelten aber bereits als ausgewachsen: Minipferde sind der neueste Trend einiger Züchter in der Schweiz. Die Idee, Pferde im Miniaturformat zu züchten, stammt ursprünglich aus den USA. Eine Reihe der Zwergpferde bezahlt den Preis für diesen menschlichen Gestaltungswahn mit Geburtsschwierigkeiten und Folgeschäden.

Kleinwuchs hat gesundheitliche Konsequenzen

mark rissi

Extremzucht von Bonsaipferden

nalen TV-Sender betrachtete die Vorwürfe

Prof. Ewald Isenbügel: Bei den Minipferden handelt es sich um eine «Extremzucht».

Zootierarzt

Präsentiert das Pferd: Je kleiner das Pferd, desto grösser der Stolz der Besitzerin.

habt.» Dabei schildert er einen

Beliebt in der ­Szene ist es auch, den

krassen Fall: «Zersägen des zu

Pferdchen Zirkusnummern beizubrin-

grossen Fohlens im Mutterleib,

gen. Die grösste Rolle scheinen jedoch

das gehört zur Praxis.» Dies

Schauvorführungen zu spielen, bei de-

war der Grund, warum der Zoo

nen die Miniaturpferde von einer Jury

Zürich die geschenkten Mini­

bewertet werden. Ein entscheidendes

pferde nach kurzer Zeit wieder

Element für eine gute Platzierung ist da-

weggab.

bei immer eine möglichst geringe Kör-

Als weitere negative Folgen dieser Zucht nennt er die Risi-

ken von Stellungs- und Gebissfehlern. Für

Vielleicht sind ja die Liebhaber dieser

ser Belastung wohl kaum standgehalten.

den renommierten Pferdeexperten Isenbü-

Pferderasse einfach dem ewigen Phäno-

Genauso wenig glaubwürdig scheint

gel steht deshalb fest: bei den Minipferden

men des Kindchenschemas erlegen: die

die Behauptung, die Minipferde wären für

handelt es sich um eine «Extremzucht».

Miniaturpferde mögen so klein und her-

Kinder geeignet, um das Reiten zu erler-

Diese Meinung teilt auf unsere Anfrage

zig wirken wie Jungtiere. Doch dies darf

nen. Sinnigerweise ist auf der Homepage

auch der Verband Schweizerischer Pfer-

noch lange kein Grund dafür sein, dass

einer Züchterin, die dies behauptet, im

dezuchtorganisationen (VSP), bei dem der

Tiere durch widernatürliche Überzüch-

gleichen Zusammenhang ein Kind auf ei-

Verein

tung eventuell leiden müssen.

nem Pony zu sehen.

jedoch nicht Mitglied ist und wohl auch

«Miniaturehorse-Swissbreeders»

zesse aufgrund von Geltungsdrang und

Klein wirkt herzig

Tieren wie Hunden, Katzen, Kaninchen

Das American Miniature Horse entstand

Aber was fasziniert denn die Liebhaber

und Nutztieren bekannt. -

erst in den 1970er Jahren aus der Kreu-

dieser Pferde, die aus Liliput zu stam-

menschlichem Ehrgeiz auch bei anderen

men scheinen? Auf Homep-

sen als eigenständige Rasse. Aber schon

ages und in Berichten er-

chen bereits vollständig ausgewachsen

1987 wurde das Zuchtbuch der American

zählen die Fans begeistert

seien. Stolz präsentierten die beiden uns

Offenbar trafen wir damit einen wunden

Miniature Horse Association AMHA wie-

davon, wie besonders viel-

da entdeckten wir auf dem Gelände unge-

ihre «American Miniature Horses». Ihr

Punkt. Kurz nach Ausstrahlung des Fern-

der geschlossen.

seitig die Minis wären. So

wöhnliche Tiere: sie sahen zwar aus wie

kleinstes Pferd habe eine Schulterhöhe

sehbeitrags beschwerte sich eine unbetei-

Heute gleichen diese Pferdchen einem

wird eine Disziplin erwähnt,

richtige Pferde, waren aber kaum grösser

von 75 Zentimetern, sagte die Züchterin

ligte Züchterin von Miniaturpferden über

feingliedrigen Arabertyp – nur eben viel,

bei der ein Pferdeführer sein

als ein Berner Sennenhund.

Reitturnier CSI Ascona realisieren. Doch

aus. Auf die Frage, ob es Zuchtprobleme

einen Anwalt beim privaten Lokalsender

viel kleiner. Nach dem allgemeinen Ras-

Huftierchen über eine Hürde

Das anwesende Züchterehepaar E.

gebe, schränkten sie ein, dass es manch-

Tele M1 und verlangte eine Gegendar-

senstandard liegt die Höchstgrösse bei 86,5

springen lässt und dabei

und A. M.* gab uns bereitwillig Aus-

mal schon zu Missbildungen und Schwie-

stellung, da der Film eine negative, ein-

Zentimetern. Erst seit relativ kurzer Zeit

nebenherrennt. Oder dann

rigkeiten bei Geburten komme, wobei ihr

seitige Sicht auf die Miniaturpferdezucht

findet diese Rasse offenbar auch hierzu-

werden die Rösslein an win-

Stall bisher nicht betroffen gewesen sei.

werfe. Doch die Ombudsstelle der regio-

lande Zuspruch.

zige Wägelchen gespannt,

* Namen und Adresse sind der Redaktion bekannt

4

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

Mark Rissi & Matthias Brunner

mark rissi

zung verschiedener Pferde- und Ponyras«tierisch» einen Beitrag über das berühmte

Leider sind solche züchterischen Ex-

Fragwürdiger Trend aus den USA

Beschwerde gegen Filmbeitrag

kunft und bestätigte, dass diese Pferd-

Film bestätigte.

Amerikanische Miniaturpferde hätten die-

kaum aufgenommen würde.

Eigentlich wollten wir für die Sendung

pergrösse, wie selbst die Züchterin im

American Miniature Horses: Wieder ein Trend aus den USA, der leider Nachahmer findet.

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als haltlos und wies die Beschwerde ab.

Kleinwüchsigkeit als Zuchtziel

Die Zucht auf ausgesprochene

Die Beschwerdeführerin behauptete, dass

ohne Folgen für die Mini­

Miniaturpferde ursprünglich als Lasttiere

pferde. Aus eigener Erfahrung

in Bergwerken verwendet worden seien

als

und heute sogar als Therapietiere einge-

weiss Professor Ewald Isen-

setzt würden. Tatsächlich leisteten noch

bügel zu berichten, dass es bei

fast bis Ende des letzten Jahrhunderts

diesen Tieren zu Totgeburten

Grubenponys Schwerstarbeit in englischen

und schweren Geburtskompli-

Kohlebergwerken unter Tage. Feingliedrige

kationen kommen kann: «Von drei Ge-

auf denen ein Erwachsener gerade knapp

burten haben wir bei unseren

Platz findet – was allein schon von den

Minipferden eine Totgeburt

Proportionen her ein eher skurriles Bild

und eine Schwergeburt ge-

abgibt.

Kleinwüchsigkeit bleibt nicht

ehemaliger

zvg

flickr

Sie sind kleiner als frisch geborene Fohlen, gelten aber bereits als ausgewachsen: Minipferde sind der neueste Trend einiger Züchter in der Schweiz. Die Idee, Pferde im Miniaturformat zu züchten, stammt ursprünglich aus den USA. Eine Reihe der Zwergpferde bezahlt den Preis für diesen menschlichen Gestaltungswahn mit Geburtsschwierigkeiten und Folgeschäden.

Kleinwuchs hat gesundheitliche Konsequenzen

mark rissi

Extremzucht von Bonsaipferden

nalen TV-Sender betrachtete die Vorwürfe

Prof. Ewald Isenbügel: Bei den Minipferden handelt es sich um eine «Extremzucht».

Zootierarzt

Präsentiert das Pferd: Je kleiner das Pferd, desto grösser der Stolz der Besitzerin.

habt.» Dabei schildert er einen

Beliebt in der ­Szene ist es auch, den

krassen Fall: «Zersägen des zu

Pferdchen Zirkusnummern beizubrin-

grossen Fohlens im Mutterleib,

gen. Die grösste Rolle scheinen jedoch

das gehört zur Praxis.» Dies

Schauvorführungen zu spielen, bei de-

war der Grund, warum der Zoo

nen die Miniaturpferde von einer Jury

Zürich die geschenkten Mini­

bewertet werden. Ein entscheidendes

pferde nach kurzer Zeit wieder

Element für eine gute Platzierung ist da-

weggab.

bei immer eine möglichst geringe Kör-

Als weitere negative Folgen dieser Zucht nennt er die Risi-

ken von Stellungs- und Gebissfehlern. Für

Vielleicht sind ja die Liebhaber dieser

ser Belastung wohl kaum standgehalten.

den renommierten Pferdeexperten Isenbü-

Pferderasse einfach dem ewigen Phäno-

Genauso wenig glaubwürdig scheint

gel steht deshalb fest: bei den Minipferden

men des Kindchenschemas erlegen: die

die Behauptung, die Minipferde wären für

handelt es sich um eine «Extremzucht».

Miniaturpferde mögen so klein und her-

Kinder geeignet, um das Reiten zu erler-

Diese Meinung teilt auf unsere Anfrage

zig wirken wie Jungtiere. Doch dies darf

nen. Sinnigerweise ist auf der Homepage

auch der Verband Schweizerischer Pfer-

noch lange kein Grund dafür sein, dass

einer Züchterin, die dies behauptet, im

dezuchtorganisationen (VSP), bei dem der

Tiere durch widernatürliche Überzüch-

gleichen Zusammenhang ein Kind auf ei-

Verein

tung eventuell leiden müssen.

nem Pony zu sehen.

jedoch nicht Mitglied ist und wohl auch

«Miniaturehorse-Swissbreeders»

zesse aufgrund von Geltungsdrang und

Klein wirkt herzig

Tieren wie Hunden, Katzen, Kaninchen

Das American Miniature Horse entstand

Aber was fasziniert denn die Liebhaber

und Nutztieren bekannt. -

erst in den 1970er Jahren aus der Kreu-

dieser Pferde, die aus Liliput zu stam-

menschlichem Ehrgeiz auch bei anderen

men scheinen? Auf Homep-

sen als eigenständige Rasse. Aber schon

ages und in Berichten er-

chen bereits vollständig ausgewachsen

1987 wurde das Zuchtbuch der American

zählen die Fans begeistert

seien. Stolz präsentierten die beiden uns

Offenbar trafen wir damit einen wunden

Miniature Horse Association AMHA wie-

davon, wie besonders viel-

da entdeckten wir auf dem Gelände unge-

ihre «American Miniature Horses». Ihr

Punkt. Kurz nach Ausstrahlung des Fern-

der geschlossen.

seitig die Minis wären. So

wöhnliche Tiere: sie sahen zwar aus wie

kleinstes Pferd habe eine Schulterhöhe

sehbeitrags beschwerte sich eine unbetei-

Heute gleichen diese Pferdchen einem

wird eine Disziplin erwähnt,

richtige Pferde, waren aber kaum grösser

von 75 Zentimetern, sagte die Züchterin

ligte Züchterin von Miniaturpferden über

feingliedrigen Arabertyp – nur eben viel,

bei der ein Pferdeführer sein

als ein Berner Sennenhund.

Reitturnier CSI Ascona realisieren. Doch

aus. Auf die Frage, ob es Zuchtprobleme

einen Anwalt beim privaten Lokalsender

viel kleiner. Nach dem allgemeinen Ras-

Huftierchen über eine Hürde

Das anwesende Züchterehepaar E.

gebe, schränkten sie ein, dass es manch-

Tele M1 und verlangte eine Gegendar-

senstandard liegt die Höchstgrösse bei 86,5

springen lässt und dabei

und A. M.* gab uns bereitwillig Aus-

mal schon zu Missbildungen und Schwie-

stellung, da der Film eine negative, ein-

Zentimetern. Erst seit relativ kurzer Zeit

nebenherrennt. Oder dann

rigkeiten bei Geburten komme, wobei ihr

seitige Sicht auf die Miniaturpferdezucht

findet diese Rasse offenbar auch hierzu-

werden die Rösslein an win-

Stall bisher nicht betroffen gewesen sei.

werfe. Doch die Ombudsstelle der regio-

lande Zuspruch.

zige Wägelchen gespannt,

* Namen und Adresse sind der Redaktion bekannt

4

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

Mark Rissi & Matthias Brunner

mark rissi

zung verschiedener Pferde- und Ponyras«tierisch» einen Beitrag über das berühmte

Leider sind solche züchterischen Ex-

Fragwürdiger Trend aus den USA

Beschwerde gegen Filmbeitrag

kunft und bestätigte, dass diese Pferd-

Film bestätigte.

Amerikanische Miniaturpferde hätten die-

kaum aufgenommen würde.

Eigentlich wollten wir für die Sendung

pergrösse, wie selbst die Züchterin im

American Miniature Horses: Wieder ein Trend aus den USA, der leider Nachahmer findet.

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istockphoto

die den Handel mit exotischen Tieren in

loren. Das Fälschen oder das «Verlieren»

lich durch Wiederansiedlung in geschütz-

grossem Stil betreiben und deren Interes-

von Papieren sind im europäischen Tier-

ten Lebensräumen zu retten (erfolgreiche

sen rein finanzieller Art sind.

handel keine Straftaten, sondern nur Ord-

Beispiele: Przewalski-Pferd, Bartgeier, Lö-

nungswidrigkeiten und werden daher von

wenäffchen), erfüllt die (kontrollierte!)

In den Fängen der Tierhändlermafia

Amtes wegen nicht verfolgt. So landen

Fortpflanzung im Zoo eine wichtige Funk-

auch artgeschützte Tiere aus renommierten

tion. Bei vielen Arten in Erhaltungszucht-

Die Tierhändler nehmen den Zoos ihre

Zoos für einen Spottpreis in drittklassigen

programmen besteht aber kaum mehr Hoff-

«Überschusstiere» ab und bieten sie in

Tierhaltungen. Wer über die notwendigen

nung auf eine Rettung in freier Wildbahn,

­einschlägigen Kreisen an. Sie verlangen

Kontakte verfügt, kann sich zum Beispiel

da die natürlichen Lebensräume unwie-

oft nur eine Provision vom Abnehmer, der

in Deutschland einen Tiger für weniger als

derbringlich zerstört sind. Die Vermeh-

direkt beim Zoo bezahlt, sowie die Über-

fünfhundert Euro anschaffen!

rung solcher Tiere in Gefangenschaft dient nur noch der Erhaltung der Zoopopulation

nahme der Transportkosten. Sie fungieren

m u z r Tige s i e r p t t o p S

Die dubiosen Geschäfte mit überzähligen Jungtieren

Im Februar 2011 beschloss der Stiftungsrat des «Erlebniszoos Eichberg», den Kleinzoo aus finanziellen Gründen zu schliessen. Der Verband «Wildparks und Zoos der Schweiz» (WZS) bot seine Hilfe beim Umplatzieren der Tiere in seriöse Institutionen an. Doch der Stiftungsrat hat andere Pläne: Die Tiere sollen verkauft werden, um aus dem liquidierten Unternehmen noch das letzte Geld herauszuholen. Dreissig Krallenäffchen und weitere rund zwanzig Tiere verschiedener Arten drohen Opfer dubioser Tierhändler zu werden!

6

als Transporteure und Zwischenhändler –

Endstation für Zootiere

ohne längerfristige Zielsetzung. Und von

doch sie sind es, die über die ­notwendigen

Doch wer sind die Endabnehmer, die den

vielen beliebten Zootierarten wie beispiels-

Kontakte verfügen, einen Handel einfä-

Zootierhändlern ihre lebende «Ware» ab-

weise Braunbären gibt es weltweit viel zu

deln können und durch die grosse ­Anzahl

kaufen? Viele Wildtiere landen in kleinen

viele in Gefangenschaft, sodass ihre Ver-

vermittelter Tiere das Geschäft machen.

Privatzoos und Zirkussen mit viel zu klei-

mehrung unsinnig ist. Allerdings ist die

Ohne diese Grosshändler hätten die Zoos

nen Gehegen, in Hotels, die in ihrer Lobby

Fortpflanzung ein wichtiger Bestandteil

ein gewaltiges logistisches und finanzi-

etwas «Exotisches» ausstellen wollen oder

des natürlichen Verhaltens, und viele Zoos

elles Problem bei der «Entsorgung» ihrer

bei Privatpersonen, die von einem «wilden

verteidigen sie als unentbehrlich für eine

Überschusstiere. Denn die Zoos sind – im

Wohnzimmer» träumen (ausserhalb der

artgerechte Haltung.

Gegensatz zu den Tierhändlern – an den

Schweiz ist in den meisten europäischen

Ethikkodex der World Association of Zoos

Ländern die Privathaltung von Wildtie-

and Aquaria (WAZA) gebunden, wonach

ren erlaubt!). Doch Zootiere wurden nach-

Wohin mit den Eichberger Tieren?

sie ihre Tiere nur an artgerechte und von

weislich auch schon in Laboratorien und

Ein Kleiner Panda aus dem Erlebniszoo

der WAZA anerkannte Institutionen abge-

Schlachthäuser geliefert oder in chinesi-

Eichberg hatte Glück: Er wird im Zoo Zü-

ben sollten. Obschon die WAZA ihren Mit-

sche «Tigerfarmen» verbracht, wo Tiger für

rich eine neue Heimat und eine Partnerin

gliedern empfiehlt, keine Überschusstiere

die Gewinnung von traditionellen Heil-

finden. Die restlichen Tiere aber, darunter

zu produzieren und ihre Jungtiere seriös

mitteln «produziert» werden. Bären, Wölfe

bedrohte Krallenaffen und Geparden, sehen

zu vermitteln, landen immer wieder Tiere

und Grosskatzen laufen zudem Gefahr, in

einer unerfreulichen Zukunft entgegen. Se-

aus angesehenen europäischen Zoos, gar

osteuropäischen Jagdparks eine Trophäe

riöse Kaufinteressenten gibt es kaum. Wer-

bedrohte Arten aus den EEPs, in den Hän-

schiesswütiger Grosswildjäger zu werden.

den die Tiere ins Ausland verkauft, drohen

den der Tierhändler. Dies ist gemäss WAZA

sie in die Hände der Tierhändler zu fallen und müssen vielleicht den Rest ihres Le-

Aufgabe der Zoos, die Haltebewilligungen

Ist Fortpflanzung im Zoo notwendig?

«gängige Praxis», denn es sei nicht die

bens in engen Käfigen verbringen. Und dies

­ihrer Abnehmer zu prüfen. Ebenso wenig

Sofern die Vermehrung von Zootieren im

nur, weil Geld einmal mehr wichtiger ist als

Europäische Zoos leiden an «Überbevölke-

verantwortlich fühlen sich die Tierhändler.

Rahmen der Erhaltungszucht geschieht

ethische Bedenken gegenüber dem Tier. -

rung». Nicht nur bedrohte Arten werden im

Sie handeln ja «nur im Auftrag». Interes-

und die Chance besteht, die Art tatsäch-

Sara Wehrli

Rahmen der Erhaltungszuchtprogramme

senten kontaktieren sie per Fax oder un-

(EEPs) gezüchtet, sondern auch «gewöhn-

ter vier Augen. Übergaben finden ­diskret

liche» Arten wie Braunbären und Wölfe

an abgelegenen Orten statt, bezahlt wird

vermehren sich – niedliche Jungtiere sind

in bar. Bei Nachfragen nach dem Bestim-

hervorragende Besuchermagneten! Diese

mungsort der Tiere werden angebliche Zoos

erleiden aber oft ein trauriges Schicksal,

im Mittelmeerraum oder in Osteuropa mit

sobald sie von den Eltern getrennt werden

seriös klingenden Fantasienamen angege-

müssen. Weil die Wurfgrösse beispiels-

ben, die sich dann aber entweder als gänz-

weise einer Leopardin nicht geplant werden

lich inexistent, als kommerzielle Tierläden

kann, findet sich selten für alle Jungtiere

oder aber als nicht der WAZA angehörige

ein guter Platz in einer artgerechten Zoo-

Privatzoos und billige Touristenattraktio-

haltung. Überzählige Tiere werden einge-

nen entpuppen. Oftmals sind die Papiere

schläfert oder abgeschoben – in die Hände

der gehandelten Tiere mangelhaft oder ge-

von international tätigen Zootierhändlern,

hen nach ein, zwei Zwischenstationen ver-

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

Die Position des Schweizer Tierschutz STS: Eine Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft ist nie «natürlich». Im Sinne des Tierschutzes muss auf die Bedürfnisse der Art eingegangen werden und eine naturähnliche, an Verhaltensanreizen reiche Haltung gewährleistet sein. Jedoch muss jeder Zoo Kompromisse zwischen den (sich teilweise widersprechenden!) Zielen der artgerechten Haltung und dem Tierschutz machen. Genauso wie auf die Lebendfütterung von Beutetieren an Grosskatzen und Wölfe aus Tierschutzgründen verzichtet wird, muss auch die Fortpflanzung im Zoo kontrolliert und notfalls eingeschränkt werden. Der STS kann Vermehrung von Zootieren nur gutheissen, wenn bereits im Vorfeld die Platzierung des zu erwartenden Nachwuchses in eine gute Tierhaltung abgeklärt wurde. Von ungeplanter Zootierfortpflanzung und routinemässiger Einschläferung des Nachwuchses distanziert sich der STS klar.

7


istockphoto

die den Handel mit exotischen Tieren in

loren. Das Fälschen oder das «Verlieren»

lich durch Wiederansiedlung in geschütz-

grossem Stil betreiben und deren Interes-

von Papieren sind im europäischen Tier-

ten Lebensräumen zu retten (erfolgreiche

sen rein finanzieller Art sind.

handel keine Straftaten, sondern nur Ord-

Beispiele: Przewalski-Pferd, Bartgeier, Lö-

nungswidrigkeiten und werden daher von

wenäffchen), erfüllt die (kontrollierte!)

In den Fängen der Tierhändlermafia

Amtes wegen nicht verfolgt. So landen

Fortpflanzung im Zoo eine wichtige Funk-

auch artgeschützte Tiere aus renommierten

tion. Bei vielen Arten in Erhaltungszucht-

Die Tierhändler nehmen den Zoos ihre

Zoos für einen Spottpreis in drittklassigen

programmen besteht aber kaum mehr Hoff-

«Überschusstiere» ab und bieten sie in

Tierhaltungen. Wer über die notwendigen

nung auf eine Rettung in freier Wildbahn,

­einschlägigen Kreisen an. Sie verlangen

Kontakte verfügt, kann sich zum Beispiel

da die natürlichen Lebensräume unwie-

oft nur eine Provision vom Abnehmer, der

in Deutschland einen Tiger für weniger als

derbringlich zerstört sind. Die Vermeh-

direkt beim Zoo bezahlt, sowie die Über-

fünfhundert Euro anschaffen!

rung solcher Tiere in Gefangenschaft dient nur noch der Erhaltung der Zoopopulation

nahme der Transportkosten. Sie fungieren

m u z r Tige s i e r p t t o p S

Die dubiosen Geschäfte mit überzähligen Jungtieren

Im Februar 2011 beschloss der Stiftungsrat des «Erlebniszoos Eichberg», den Kleinzoo aus finanziellen Gründen zu schliessen. Der Verband «Wildparks und Zoos der Schweiz» (WZS) bot seine Hilfe beim Umplatzieren der Tiere in seriöse Institutionen an. Doch der Stiftungsrat hat andere Pläne: Die Tiere sollen verkauft werden, um aus dem liquidierten Unternehmen noch das letzte Geld herauszuholen. Dreissig Krallenäffchen und weitere rund zwanzig Tiere verschiedener Arten drohen Opfer dubioser Tierhändler zu werden!

6

als Transporteure und Zwischenhändler –

Endstation für Zootiere

ohne längerfristige Zielsetzung. Und von

doch sie sind es, die über die ­notwendigen

Doch wer sind die Endabnehmer, die den

vielen beliebten Zootierarten wie beispiels-

Kontakte verfügen, einen Handel einfä-

Zootierhändlern ihre lebende «Ware» ab-

weise Braunbären gibt es weltweit viel zu

deln können und durch die grosse ­Anzahl

kaufen? Viele Wildtiere landen in kleinen

viele in Gefangenschaft, sodass ihre Ver-

vermittelter Tiere das Geschäft machen.

Privatzoos und Zirkussen mit viel zu klei-

mehrung unsinnig ist. Allerdings ist die

Ohne diese Grosshändler hätten die Zoos

nen Gehegen, in Hotels, die in ihrer Lobby

Fortpflanzung ein wichtiger Bestandteil

ein gewaltiges logistisches und finanzi-

etwas «Exotisches» ausstellen wollen oder

des natürlichen Verhaltens, und viele Zoos

elles Problem bei der «Entsorgung» ihrer

bei Privatpersonen, die von einem «wilden

verteidigen sie als unentbehrlich für eine

Überschusstiere. Denn die Zoos sind – im

Wohnzimmer» träumen (ausserhalb der

artgerechte Haltung.

Gegensatz zu den Tierhändlern – an den

Schweiz ist in den meisten europäischen

Ethikkodex der World Association of Zoos

Ländern die Privathaltung von Wildtie-

and Aquaria (WAZA) gebunden, wonach

ren erlaubt!). Doch Zootiere wurden nach-

Wohin mit den Eichberger Tieren?

sie ihre Tiere nur an artgerechte und von

weislich auch schon in Laboratorien und

Ein Kleiner Panda aus dem Erlebniszoo

der WAZA anerkannte Institutionen abge-

Schlachthäuser geliefert oder in chinesi-

Eichberg hatte Glück: Er wird im Zoo Zü-

ben sollten. Obschon die WAZA ihren Mit-

sche «Tigerfarmen» verbracht, wo Tiger für

rich eine neue Heimat und eine Partnerin

gliedern empfiehlt, keine Überschusstiere

die Gewinnung von traditionellen Heil-

finden. Die restlichen Tiere aber, darunter

zu produzieren und ihre Jungtiere seriös

mitteln «produziert» werden. Bären, Wölfe

bedrohte Krallenaffen und Geparden, sehen

zu vermitteln, landen immer wieder Tiere

und Grosskatzen laufen zudem Gefahr, in

einer unerfreulichen Zukunft entgegen. Se-

aus angesehenen europäischen Zoos, gar

osteuropäischen Jagdparks eine Trophäe

riöse Kaufinteressenten gibt es kaum. Wer-

bedrohte Arten aus den EEPs, in den Hän-

schiesswütiger Grosswildjäger zu werden.

den die Tiere ins Ausland verkauft, drohen

den der Tierhändler. Dies ist gemäss WAZA

sie in die Hände der Tierhändler zu fallen und müssen vielleicht den Rest ihres Le-

Aufgabe der Zoos, die Haltebewilligungen

Ist Fortpflanzung im Zoo notwendig?

«gängige Praxis», denn es sei nicht die

bens in engen Käfigen verbringen. Und dies

­ihrer Abnehmer zu prüfen. Ebenso wenig

Sofern die Vermehrung von Zootieren im

nur, weil Geld einmal mehr wichtiger ist als

Europäische Zoos leiden an «Überbevölke-

verantwortlich fühlen sich die Tierhändler.

Rahmen der Erhaltungszucht geschieht

ethische Bedenken gegenüber dem Tier. -

rung». Nicht nur bedrohte Arten werden im

Sie handeln ja «nur im Auftrag». Interes-

und die Chance besteht, die Art tatsäch-

Sara Wehrli

Rahmen der Erhaltungszuchtprogramme

senten kontaktieren sie per Fax oder un-

(EEPs) gezüchtet, sondern auch «gewöhn-

ter vier Augen. Übergaben finden ­diskret

liche» Arten wie Braunbären und Wölfe

an abgelegenen Orten statt, bezahlt wird

vermehren sich – niedliche Jungtiere sind

in bar. Bei Nachfragen nach dem Bestim-

hervorragende Besuchermagneten! Diese

mungsort der Tiere werden angebliche Zoos

erleiden aber oft ein trauriges Schicksal,

im Mittelmeerraum oder in Osteuropa mit

sobald sie von den Eltern getrennt werden

seriös klingenden Fantasienamen angege-

müssen. Weil die Wurfgrösse beispiels-

ben, die sich dann aber entweder als gänz-

weise einer Leopardin nicht geplant werden

lich inexistent, als kommerzielle Tierläden

kann, findet sich selten für alle Jungtiere

oder aber als nicht der WAZA angehörige

ein guter Platz in einer artgerechten Zoo-

Privatzoos und billige Touristenattraktio-

haltung. Überzählige Tiere werden einge-

nen entpuppen. Oftmals sind die Papiere

schläfert oder abgeschoben – in die Hände

der gehandelten Tiere mangelhaft oder ge-

von international tätigen Zootierhändlern,

hen nach ein, zwei Zwischenstationen ver-

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

Die Position des Schweizer Tierschutz STS: Eine Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft ist nie «natürlich». Im Sinne des Tierschutzes muss auf die Bedürfnisse der Art eingegangen werden und eine naturähnliche, an Verhaltensanreizen reiche Haltung gewährleistet sein. Jedoch muss jeder Zoo Kompromisse zwischen den (sich teilweise widersprechenden!) Zielen der artgerechten Haltung und dem Tierschutz machen. Genauso wie auf die Lebendfütterung von Beutetieren an Grosskatzen und Wölfe aus Tierschutzgründen verzichtet wird, muss auch die Fortpflanzung im Zoo kontrolliert und notfalls eingeschränkt werden. Der STS kann Vermehrung von Zootieren nur gutheissen, wenn bereits im Vorfeld die Platzierung des zu erwartenden Nachwuchses in eine gute Tierhaltung abgeklärt wurde. Von ungeplanter Zootierfortpflanzung und routinemässiger Einschläferung des Nachwuchses distanziert sich der STS klar.

7


Erste Operation: Strassenhund «Kleiner Weisser» kurz vor der erfolgreichen Kastration.

Pionierhaftes Tierschutzprojekt in China

Tiere durchwegs kritisch gegenüberstanden. Die Kastration männlicher Tiere bedeutete in ihren Augen vor allem ein

Gesichtsverlust.

Kulturelle Denkweisen, die es erst einmal

Erstmals werden in einer chinesischen Stadt streunende Hunde konsequent kastriert. Der STS unterstützt dieses Projekt zweier engagierter Tierschützer, das für das ganze Land Modellcharakter hat.

istockphoto

Grosser Erfolg: Als erstes Heimtier wurde «Doudou» operiert. Der Besitzerjunge Yan Mingue präsentiert stolz das Zertifikat.

Streuner: «Kleiner Weisser» ist einer der unzähligen Strassenhunde von Pingyao.

zu kontern galt. «Kleine

durch das Gassenge-

Die Zahl ausgesetzter Heimtiere in den

Weisse» hat nach eini-

wirr bis zur Klinik, und

städtischen Gebieten erhöhte sich schlag-

gen Tagen erzwungener

stolz zeigte er den an-

artig. Einige Stadtbehörden reagierten

Abwesenheit sein Revier

wesenden Medien die

auf die damit einhergehende Ausbreitung

wieder in Besitz genom-

spezielle Urkunde, die

der Tollwut mit drastischen Massnahmen:

men und vergnügt sich

nach erfolgter Opera-

Hanzhong, eine Nachbarstadt von Pingyao,

zwischen dem Laden des

tion auswies, dass sein

liess zum Beispiel in ihrem Einzugsgebiet

Gemüsehändlers Chong

«Doudou»

20  000 Hunde töten. Die Ortschaft Heihe

Wen und dem Trödlerge-

Haushund von Pingyao

in der Provinz Heilongjiang hat die Hun-

schäft Tsin Hu mit dem

kastriert worden war.

dehaltung kurzerhand verboten.

restlichen Rudel noch unkastrierter

Dies hatte aber auch negative Folgen.

Der

mehrung der streunenden Hunde mittels

den Strassen herumstreunenden Heim-

einer gezielten Kastrationsaktion einzu-

tiere im Stadtgebiet zu gewinnen. Dies ist

dämmen.

für China einmalig und stellt ein echtes

erster

Beide Vorgehen zeigen schmerzlich,

Kollegen. Doch auch deren Tage sind ge-

dass in China immer noch das Bewusstsein

zählt: Chen und Zhang und ihr Freiwilli-

Beim Aprikosenschnaps gelang die Überzeugung

für eine artgerechte und verantwortungs-

genteam haben nämlich akribisch ein In-

Einzigartig, aber auch absolute Vorausset-

bewusste Tierhaltung fehlt.

ventar aller Hunde von Pingyao erstellt.

zung für das Projekt war, dass die Behör-

Seither gehen die Tierschützer von

den und der Polizeivorstand voll dahinter-

Viel Überzeugungsarbeit notwendig

Haus zu Haus, um die Tierhalter in einem

standen. Da brauchte es erst viel Überzeu-

persönlichen Gespräch zu informieren. Die

gungsgeschick der beiden STS-Mitarbeiter

Für Chen Qian und Zhang Yang ist das Pro-

Rückmeldungen ergaben, dass 89 Pro-

und manche nächtliche Stunde mit den Ver-

jekt deshalb eine echte Herausforderung.

zent der befragten Tierhalter noch nie von

antwortlichen, wobei mit viel Aprikosen-

Als erstes muss die Bevölkerung Quartier

Heimtierkastration gehört hatten. 77 Pro-

schnaps und Standvermögen auf ein gutes

um Quartier informiert und von den ge-

zent waren allerdings der Meinung, dass

Gelingen angestossen werden musste. Zum

planten Massnahmen überzeugt werden.

es in ihrer Stadt zu viele Hunde gibt. Im

Glück erwiesen sich Chen und Zhang als

Die meisten Einwohner lassen ihre Heim-

letzten Jahr mussten in Pingyao über 1200

trinkfeste Verhandlungspartner.

tiere tagsüber in den Gassen herumstreu-

Personen wegen Tollwutverdacht im Spital

nen und in den Mülltonnen nach Essens-

behandelt werden.

Pingyao wird zur Vorzeigestadt

einem verwahrlosten Zustand und sind ab-

«Doudou», der Medienstar

In Europa ist Pingyao vor allen Dingen

gemagert oder krank.

Einen Durchbruch erzielten Chen Qian und

wegen des mingzeitlichen Stadtbildes be-

resten suchen. Viele Tiere befinden sich in

senhunde und all die tagsüber frei auf

als

Zhang Yang bei den Heimtierhaltern, als

kannt, das von der UNESCO im Jahr 1997

Vorzeigehund «Kleiner Weisser»

die Familie Wen Liqing ihr Einverständnis

in die Liste des Weltkulturerbes aufgenom-

gab, ihren sechsjährigen «Doudou» («Kleine

men wurde. Nun erhält Pingyao auch noch

Am 13. April war es so weit: Der Strassen-

Bohne») zu kastrieren. Zuversichtlich be-

einen weiteren Ehrentitel: Erste Stadt in

Pionierprojekt dar.

Hunde- und Katzenhaltung war verboten

hund «Kleiner Weisser» war der erste her-

gleitete der kleine Junge Yan Mingjue sei-

China mit umfassender Kastrationskampa-

renlose Hund, der eingefangen, tierärztlich

nen Spielkameraden auf dem langen Weg

gne.  - 

Geschichte schreiben wird. Den beiden

Ideale Voraussetzungen

Hunde oder Katzen zu besitzen galt wäh-

betreut und kastriert werden konnte. Eine

umtriebigen STS-Mitarbeitenden Chen

Pingyao liegt südöstlich von Beijing und

rend der Kulturrevolution als Zeichen

Operation, die von Fernsehen, Radio, loka-

Qian und Zhang Yang* war es gelungen,

ist wie geschaffen für das wegweisende

bourgeoiser Dekadenz und politischer Un-

len und überregionalen Zeitungen beglei-

die Parteileitung sowie die Stadt- und Po-

Heimtierprojekt, das vom STS, dem Mar-

zuverlässigkeit. Erst in den Achtzigerjah-

tet und über die im Detail berichtet wurde.

lizeibehörden von Pingyao für ein umfas-

chig Animal Welfare Trust und der Stiftung

ren, lange nach dem Tod Mao Zedongs, fiel

Die Prozedur überstand der «Kleine Weisse»

sendes Kastrationsprogramm für Stras-

ETS finanziert wird. Eingegrenzt von einer

schliesslich das Verbot, Hunde in Wohnun-

ohne Komplikationen, was auch eine wich-

intakten, hohen Stadtmauer mit nur sechs

gen zu halten. Mit wachsendem Wohlstand

tige Botschaft an die Heimtierbesitzer war.

Stadttoren ist die mittelalterliche Stadt mit

entdeckten daraufhin immer mehr Chine-

2,2 km2 Fläche ein idealer Ort, um die Ver-

sen ihre Liebe zu den Tieren.

Diesen Frühling startete in der Stadt Pingyao in China ein Tierschutzprojekt, das

* Chen und Zhang sind auch Projektleiter des Antipelz-Plakatwettbewerbs

8

TIERREPORT 2/2011

Eine Befragung hatte nämlich ergeben, dass die Hundehalter einer Kastration ihrer

TIERREPORT 2/2011

Mark Rissi

Bitte helfen Sie mit! Falls Sie dieses chinesische Pionierprojekt fördern wollen, so verwenden Sie bitte einen der beigehefteten Einzahlungsscheine für Ihren Unterstützungbeitrag. Der STS garantiert mit seinen Mitarbeitern vor Ort einen optimalen Einsatz der Spendegelder. Vielen Dank!

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Erste Operation: Strassenhund «Kleiner Weisser» kurz vor der erfolgreichen Kastration.

Pionierhaftes Tierschutzprojekt in China

Tiere durchwegs kritisch gegenüberstanden. Die Kastration männlicher Tiere bedeutete in ihren Augen vor allem ein

Gesichtsverlust.

Kulturelle Denkweisen, die es erst einmal

Erstmals werden in einer chinesischen Stadt streunende Hunde konsequent kastriert. Der STS unterstützt dieses Projekt zweier engagierter Tierschützer, das für das ganze Land Modellcharakter hat.

istockphoto

Grosser Erfolg: Als erstes Heimtier wurde «Doudou» operiert. Der Besitzerjunge Yan Mingue präsentiert stolz das Zertifikat.

Streuner: «Kleiner Weisser» ist einer der unzähligen Strassenhunde von Pingyao.

zu kontern galt. «Kleine

durch das Gassenge-

Die Zahl ausgesetzter Heimtiere in den

Weisse» hat nach eini-

wirr bis zur Klinik, und

städtischen Gebieten erhöhte sich schlag-

gen Tagen erzwungener

stolz zeigte er den an-

artig. Einige Stadtbehörden reagierten

Abwesenheit sein Revier

wesenden Medien die

auf die damit einhergehende Ausbreitung

wieder in Besitz genom-

spezielle Urkunde, die

der Tollwut mit drastischen Massnahmen:

men und vergnügt sich

nach erfolgter Opera-

Hanzhong, eine Nachbarstadt von Pingyao,

zwischen dem Laden des

tion auswies, dass sein

liess zum Beispiel in ihrem Einzugsgebiet

Gemüsehändlers Chong

«Doudou»

20  000 Hunde töten. Die Ortschaft Heihe

Wen und dem Trödlerge-

Haushund von Pingyao

in der Provinz Heilongjiang hat die Hun-

schäft Tsin Hu mit dem

kastriert worden war.

dehaltung kurzerhand verboten.

restlichen Rudel noch unkastrierter

Dies hatte aber auch negative Folgen.

Der

mehrung der streunenden Hunde mittels

den Strassen herumstreunenden Heim-

einer gezielten Kastrationsaktion einzu-

tiere im Stadtgebiet zu gewinnen. Dies ist

dämmen.

für China einmalig und stellt ein echtes

erster

Beide Vorgehen zeigen schmerzlich,

Kollegen. Doch auch deren Tage sind ge-

dass in China immer noch das Bewusstsein

zählt: Chen und Zhang und ihr Freiwilli-

Beim Aprikosenschnaps gelang die Überzeugung

für eine artgerechte und verantwortungs-

genteam haben nämlich akribisch ein In-

Einzigartig, aber auch absolute Vorausset-

bewusste Tierhaltung fehlt.

ventar aller Hunde von Pingyao erstellt.

zung für das Projekt war, dass die Behör-

Seither gehen die Tierschützer von

den und der Polizeivorstand voll dahinter-

Viel Überzeugungsarbeit notwendig

Haus zu Haus, um die Tierhalter in einem

standen. Da brauchte es erst viel Überzeu-

persönlichen Gespräch zu informieren. Die

gungsgeschick der beiden STS-Mitarbeiter

Für Chen Qian und Zhang Yang ist das Pro-

Rückmeldungen ergaben, dass 89 Pro-

und manche nächtliche Stunde mit den Ver-

jekt deshalb eine echte Herausforderung.

zent der befragten Tierhalter noch nie von

antwortlichen, wobei mit viel Aprikosen-

Als erstes muss die Bevölkerung Quartier

Heimtierkastration gehört hatten. 77 Pro-

schnaps und Standvermögen auf ein gutes

um Quartier informiert und von den ge-

zent waren allerdings der Meinung, dass

Gelingen angestossen werden musste. Zum

planten Massnahmen überzeugt werden.

es in ihrer Stadt zu viele Hunde gibt. Im

Glück erwiesen sich Chen und Zhang als

Die meisten Einwohner lassen ihre Heim-

letzten Jahr mussten in Pingyao über 1200

trinkfeste Verhandlungspartner.

tiere tagsüber in den Gassen herumstreu-

Personen wegen Tollwutverdacht im Spital

nen und in den Mülltonnen nach Essens-

behandelt werden.

Pingyao wird zur Vorzeigestadt

einem verwahrlosten Zustand und sind ab-

«Doudou», der Medienstar

In Europa ist Pingyao vor allen Dingen

gemagert oder krank.

Einen Durchbruch erzielten Chen Qian und

wegen des mingzeitlichen Stadtbildes be-

resten suchen. Viele Tiere befinden sich in

senhunde und all die tagsüber frei auf

als

Zhang Yang bei den Heimtierhaltern, als

kannt, das von der UNESCO im Jahr 1997

Vorzeigehund «Kleiner Weisser»

die Familie Wen Liqing ihr Einverständnis

in die Liste des Weltkulturerbes aufgenom-

gab, ihren sechsjährigen «Doudou» («Kleine

men wurde. Nun erhält Pingyao auch noch

Am 13. April war es so weit: Der Strassen-

Bohne») zu kastrieren. Zuversichtlich be-

einen weiteren Ehrentitel: Erste Stadt in

Pionierprojekt dar.

Hunde- und Katzenhaltung war verboten

hund «Kleiner Weisser» war der erste her-

gleitete der kleine Junge Yan Mingjue sei-

China mit umfassender Kastrationskampa-

renlose Hund, der eingefangen, tierärztlich

nen Spielkameraden auf dem langen Weg

gne.  - 

Geschichte schreiben wird. Den beiden

Ideale Voraussetzungen

Hunde oder Katzen zu besitzen galt wäh-

betreut und kastriert werden konnte. Eine

umtriebigen STS-Mitarbeitenden Chen

Pingyao liegt südöstlich von Beijing und

rend der Kulturrevolution als Zeichen

Operation, die von Fernsehen, Radio, loka-

Qian und Zhang Yang* war es gelungen,

ist wie geschaffen für das wegweisende

bourgeoiser Dekadenz und politischer Un-

len und überregionalen Zeitungen beglei-

die Parteileitung sowie die Stadt- und Po-

Heimtierprojekt, das vom STS, dem Mar-

zuverlässigkeit. Erst in den Achtzigerjah-

tet und über die im Detail berichtet wurde.

lizeibehörden von Pingyao für ein umfas-

chig Animal Welfare Trust und der Stiftung

ren, lange nach dem Tod Mao Zedongs, fiel

Die Prozedur überstand der «Kleine Weisse»

sendes Kastrationsprogramm für Stras-

ETS finanziert wird. Eingegrenzt von einer

schliesslich das Verbot, Hunde in Wohnun-

ohne Komplikationen, was auch eine wich-

intakten, hohen Stadtmauer mit nur sechs

gen zu halten. Mit wachsendem Wohlstand

tige Botschaft an die Heimtierbesitzer war.

Stadttoren ist die mittelalterliche Stadt mit

entdeckten daraufhin immer mehr Chine-

2,2 km2 Fläche ein idealer Ort, um die Ver-

sen ihre Liebe zu den Tieren.

Diesen Frühling startete in der Stadt Pingyao in China ein Tierschutzprojekt, das

* Chen und Zhang sind auch Projektleiter des Antipelz-Plakatwettbewerbs

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TIERREPORT 2/2011

Eine Befragung hatte nämlich ergeben, dass die Hundehalter einer Kastration ihrer

TIERREPORT 2/2011

Mark Rissi

Bitte helfen Sie mit! Falls Sie dieses chinesische Pionierprojekt fördern wollen, so verwenden Sie bitte einen der beigehefteten Einzahlungsscheine für Ihren Unterstützungbeitrag. Der STS garantiert mit seinen Mitarbeitern vor Ort einen optimalen Einsatz der Spendegelder. Vielen Dank!

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Spektakuläre Befreiungsaktion rettet Hunde vor dem Kochtopf Tierschützer An Lidong und seine Freunde stoppten in der Nähe von Beijing einen Hundetransporter und lösten dadurch eine nationale Diskussion aus. Damit die Tiere nicht im Kochtopf landeten, mussten die Aktivisten jedoch viel Geld bezahlen. reuters

orts eine Tollwutgefahr dar. Einige der kranken, geschwächten Hunde waren in einem so miserablen Zustand, dass sie umgehend erlöst werden mussten. Der Rest wurde erst einmal mit einem Konvoi von über achtzig Autos in ein Tierheim im Norden Beijings gebracht und tierärztlich untersucht. Die gesundgepäppelten Hunde werden nun nach und nach bei Tierfreunden platziert.

Bewusstsein schaffen Der Verzehr von Hunden und Katzen ist in China weit verbreitet, auch wenn Tierliebhaber verstärkt dagegen vorgehen. Der unerschrockene An Lidong ist sich

Todesfahrt: Hundetransport in China zu einem regionalen Markt, wo die Hunde an Restaurants verkauft werden.

bewusst, dass er mit seiner spektakulären Aktion keine Trendwende auslösen konnte. Immerhin schaffte er es, dass sich

Während seiner Heimfahrt hatte An Li-

Hunde als Delikatesse

die ganze Nation darüber unterhielt, ob

dong einen Hundetransport ausgemacht.

Sie kontrollierten die Papiere des Chauf-

die Blockade nun gerechtfertigt oder ein

Auf der Ladefläche des Lastwagens türm-

feurs und seiner lebenden Fracht, doch in

Terrorakt sei. An Lidong macht sich keine

ten sich die Käfige, vollgestopft mit Hun-

den Augen der Polizei gab es nichts zu

Illusionen: Ein Verbot des Hundefleisch-

den. Mit einem gewagten Manöver zwang

beanstanden. Der Lastwagen war auf dem

verzehrs ist in China in den nächsten Jah-

der junge Student den Laster auf der Jin-

Weg aus der Provinz Henan zu einem Hun-

ren kaum erreichbar. -

gha-Autobahn ausserhalb von Beijing zum

demarkt in der Provinz Jilin im Nordosten

Halten. Über sein Handy alarmierte er wei-

des Landes, wo die Hunde an Restaurants

tere Tierschützer.

verkauft werden sollten. Das LKW-Unter-

reuters

Mark Rissi

nehmen transportiert Berichten zufolge

Riesenauflauf

jede Woche Hunde nach Jilin.

Schnell verbreitete sich die Nachricht auch über Weibo, einen Mikroblog (Twit-

Freigekauft und betreut

ter ist in China verboten). Innert kürzes-

Schliesslich wurden die 450 Hunde von ei-

ter Frist umzingelten dreihundert Leute

nem Sponsor für umgerechnet gut 16 000

mit ihren Fahrzeugen den Lastwagen und

Franken freigekauft. Viele der Hunde tru-

verursachten während der nächsten sieb-

gen noch Halsbänder mit ihren Namen.

zehn Stunden einen Riesenstau. Die Tier-

Doch die meisten waren Streunerhunde,

freunde begannen daraufhin seelenruhig,

die auf dem Land eingefangen und an Zwi-

die Hunde zu füttern und zu tränken. We-

schenhändler verkauft worden waren. In

nig später waren hundert Polizisten zur

ländlichen Gegenden haben sich Strassen-

Stelle, um die Situation zu entschärfen.

hunde vervielfacht und stellen manchen-

10

Markt in China: Hundefleisch gilt immer noch als Delikatesse.

TIERREPORT 2/2011


Istockphoto / reuters

Kein Importverbot für Robbenfelle

Als einziges Land in Europa lässt die Schweiz den Handel mit Robbenfellen weiterhin zu.

Bereits im August 2010 trat das EU-weite

Damit bleibt alles beim Alten: In der

China den Markt für kanadische Robben

Verbot für Import und Handel mit Robben-

Schweiz sind Import und Handel mit Fel-

fellen in Kraft. Obwohl Kanada den EU-Be-

len aus Kanadas jährlichen Robbenmas-

schluss bei der WTO anfechten will, ist die

sakern weiterhin erlaubt. Der Bundesrat

Grausame Tötungsmethoden

EU bereit, ihren Boykott von Robbenpro-

schob «handelsrechtliche Bedenken» ge-

Die Rechtfertigung der kanadischen Re-

dukten aufrechtzuerhalten und notfalls gar

genüber Kanada und die Angst vor ei-

gierung, bei der Robbenjagd handle es

auf die Ratifikation von Handelsverträgen

ner Rüge durch die Welthandelsorganisa-

sich um eine «humane» und «ökologisch

mit Kanada zu verzichten.

tion WTO als faule Ausrede vor. Dabei ha-

notwendige» Jagd, ist eine unverfrorene

geöffnet.

«Wir wollen kein Blut mehr auf einem

ben bereits viele Länder ein solches Ver-

Lüge. Die Robben gebären auf dem – stän-

vereisten Gewissen», so ein britischer EU-

bot durchgesetzt – ohne handelsrechtliche

dig schwindenden – Packeis und haben

Parlamentarier. In den USA existiert ein

Konsequenzen und Einschreiten der WTO.

keine Möglichkeit, ihren Jägern zu ent-

Importverbot sogar schon seit 1971. Dut-

So droht die Schweiz nun zum Umschlag-

kommen. Diese eilen von einem Opfer

zende weitere Staaten werden voraussicht-

platz für Robbenfelle zu werden!

zum anderen und schlagen den Robben

lich folgen.

mit stumpfen Keulen oder blossen Eisen-

Sinnlose Robbenjagd

stangen die Köpfe ein. Diese primitive Me-

Herzloser Ständerat

Allein in diesem Jahr gaben die kanadi-

thode führt nur selten zum sofortigen Tod

Kein Verständnis zeigte hingegen der

schen Behörden 468 000 Robben zum Ab-

(und ist daher zu Recht bei der Schlach-

Schweizer Ständerat im September 2010:

schlachten frei. Doch der Markt für Rob-

tung von Nutztieren in der Schweiz ver-

mit 19 zu 16 Stimmen schmetterte er einen

benfelle ist ausgetrocknet. Der Preis pro

boten!). Die erbeuteten Tiere werden noch

parlamentarischen Vorstoss für ein Import-

Fell sackte in den Keller. Robbenfelle,

auf dem Eis gehäutet – nicht selten bei le-

verbot kaltschnäuzig ab. Zuvor war dieses

Robbenöl und andere Produkte werden

bendigem Leib, wie Videoaufnahmen von

Anliegen im Nationalrat noch völlig unbe-

heute noch nach Russland und in asiati-

Tierschützern beweisen. -

stritten gewesen (149 Ja zu 2 Nein).

sche Länder verkauft. Im Januar hat auch

TIERREPORT 2/2011

Sara Wehrli, STS-Fachstelle Wildtiere

11


+++ ch news +++ ch news +++ ch news +++ ch news +++

Kuhhörner

Eringerkühe

Bauern sind gegen Direktzahlungen

Mehr Freigang führt zu weniger Kämpfen

90 Prozent der Kühe in der Schweiz haben

UFA-Revue durchgeführte repräsenta-

keine Hörner mehr. Die beiden Biobauern

tive Umfrage zeigt. 74 Prozent der 300

Die Forschungsanstalt Agroscope Re-

Armin Capaul und Dani Wismer, der STS

befragten Landwirte sprachen sich gegen

ckenholz-Tänikon ART hat in einer Stu-

sowie andere Organisationen wollen Ge-

eine Einführung solcher Direktzahlungen

die festgestellt, dass Eringerkühe weniger

gensteuer geben. Sie fordern deshalb vom

aus. Bemerkenswert sind die Unterschiede

zu Auseinandersetzungen neigen, wenn

Bundesamt für Landwirtschaft, dass Bau-

zwischen West- und Deutschschweiz: in

sie öfter Auslauf haben. Die Eringerkühe

ern, die ihren Tieren die Hörner belassen,

der Romandie sind deutlich mehr Befragte

sind von Natur aus kampffreudiger als

Direktzahlungen erhalten sollen.

gegen Direktzahlungen für Kuhhörner (88

andere Rassen, was den Haltern im Win-

Prozent) als in der Deutschschweiz (69

ter Schwierigkeiten bereitet, weil es wäh-

Prozent).

rend des Auslaufs zu Auseinandersetzun-

Von diesem Vorschlag halten die Bauern indes wenig, wie eine im Auftrag der istockphoto

gen kommt. Das Risiko von Kämpfen und dadurch die Verletzungsgefahr lassen sich vermindern, wenn zwischen zwei Ausläufen keine zu lange Pause liegt. Denn bei kürzeren Unterbrüchen bleibt die zuvor ausgekämpfte Rangordnung bestehen und muss nicht erneut ausgefochten werden.

Tierschutz im Gastrobereich

Nationalrat

Beratung

Stacheldrahtverbot aufgeweicht

Hilfe für überforderte Landwirte

Der Nationalrat leistete einer Motion zur

McDonald’s setzt auf Freilandeier Seit Anfang des Jahres verwendet das Fastfoodunternehmen

McDonald’s

nach eigenen Angaben in seinen Filialen in der Schweiz ausschliesslich deutsche Freilandeier für die Saucen sowie Schweizer Eier aus Freilandhal-

Abschaffung des Stacheldrahtverbots für Pferdeweiden Folge – ein inkonsequenter

Seit der Kanton Bern ein «Begleitteam

tung für die Salate. Der STS begrüsst

Entscheid. Es ist nicht nachvollziehbar,

Tierschutz» eingesetzt hat, erhalten

diesen Schritt, zumal McDonald’s

dass Stacheldraht zwar für Weide- und

überforderte Landwirte Hilfe, bevor es in

mengenmässig zu den ganz grossen

Wildtiere, nicht jedoch für Pferde gefähr-

den Ställen drunter und drüber geht. Vor

Marktplayern in der Gastronomie

lich und dort deshalb erlaubt sein soll.

drei Jahren kamen im Kanton Bern kata-

zählt. Bereits seit Februar 2010 ver-

Glücklicherweise ist die Zeit für neue

strophale Tierschutzverstösse ans Licht.

wendet die Restaurantkette für ihre

Stacheldrahtumzäunungen trotzdem vor-

Kühe standen schier knietief im eigenen

Hamburger einzig Schweizer Rind-

bei. Der STS hat mit allen grossen Zaun-

Dreck. Ihre Halter seien keine mutwilli-

fleisch, das aus Tierhaltung gemäss

firmen der Schweiz ein Abkommen ge-

gen Tierquäler, sie seien lediglich mas-

RAUS-Richtlinien stammt.

troffen, dass diese ab sofort auf den Ver-

siv überfordert gewesen, hiess es von Be-

kauf dieses Zaunmaterials verzichten.

hördenseite.

12

TIERREPORT 2/2011


Zum vierten Mal seit 2008 veröffentlicht der Schweizer Tierschutz STS einen Bericht über die Tierhaltung derjenigen Schweizer ­Zirkusse, die Tiere mitführen und im Programm auftreten lassen. Bewertet wird einerseits die Tierhaltung während der Tournee, andererseits der Umgang mit den Tieren in der Vorführung. Circus Knie: Asiatische Elefanten beim Auslauf.

Tierhaltung in Schweizer Zirkussen

Grosse Unterschiede Ein Team aus ZoologInnen und VeterinärIn-

beruht auf dem natürlichen Verhaltens-

Stroh für Schweine oder Klettermöglich-

nen des STS besuchte zwischen März und

und Bewegungsrepertoire der jeweiligen

keiten für Ziegen. Beim Zirkus Stey wer-

Mai 2011 diejenigen sechs Zirkusunterneh-

Tierart. Auf das Engagement ausländischer

den die Zwergziegen und ein Pony phy-

men, welche in der diesjährigen Tournee-

Tiernummern wird 2011 verzichtet.

sisch dazu gezwungen, Übungen in der Manege zu absolvieren, denen sie nicht

saison Tiere mitführen: Knie, Nock, GasserOlympia, Royal, Harlekin und Stey.

Noch viel Verbesserungspotenzial

gewachsen sind, obschon sie eindeuti-

Schweizer National-Circus Knie mit Vorbildfunktion

Bei anderen Zirkussen besteht hinge-

Grosse Fragezeichen müssen auch hinter

gen noch deutlicher Besserungsbedarf.

Herkunft und Ausbildung mancher Tiere

Einmal mehr ist der Circus Knie eine Klasse

So macht zum Beispiel der Zirkus Royal

gesetzt werden. Fraglich ist ausserdem das

für sich. Die Tierhaltung auf der Tournee

noch immer zu oft von der Ausnahmebe-

Engagement ausländischer Tiernummern,

entspricht einer modernen Zootierhaltung

willigung gemäss Tierschutzverordnung

da diese Tiere oft nicht gemäss schweize-

mit meist mehr als nur tierschutzkonfor-

Gebrauch, wonach Zirkusse die Minimal­

rischen Tierschutzstandards gehalten und

mer Gehegegrösse und -struktur, Grup-

standards nicht an jedem Gastspielort er-

ausgebildet werden. -  Sara Wehrli

penzusammensetzung und Beschäftigung.

füllen müssen. Die Nandus des Zirkus Ro-

Die Tiere stammen allesamt aus dem be-

yal werden in sehr kleinen Gehegen und

triebseigenen Zoo Rapperswil und können

teils ohne Einstreu auf nacktem Asphalt

sich bei Bedarf in ihren Gehegen vor neu-

gehalten. Der Zirkus Stey hält Zwergzie-

gierigen Zuschauern zurückziehen. Pferde

gen auf knapp zehn Quadratmetern, ohne

werden grundsätzlich auf die Weide ge-

Schatten, Rückzugs- und Beschäftigungs-

lassen. Wildtiergehege sind mit Informa-

möglichkeiten, und führt ausserdem ku-

tionstafeln zu Art und Lebensweise ausge-

pierte Hunde mit sich. Bei mehreren Zir-

stattet. Die Präsentation der Tiere während

kussen fehlen artgemässe Beschäftigungs-

der Vorführungen geschieht auf eine rück-

möglichkeiten wie zum Beispiel Sand-

sichtsvolle, stressarme Art und Weise und

bäder für Straussenvögel, Suhlen oder

TIERREPORT 2/2011

Fotos: STS

ges Angst- und Abwehrverhalten zeigen.

Circus Royal: Verbesserung bei der Haltung.

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ISTOCKPHOTO

Säugetierordnungen oder -unterordnungen einbezieht – sozusagen mit welcher Vergrösserung man den Stammbaum der Säuger anschaut.

Säugetierordnung als Faktor Während die Hirngrösse bei Primaten, Zahnwalen, Unpaarhufern und Carnivora über die Zeit zunahm, tat sie dies bei Insektenfressern und Paarhufern nicht. Nimmt man die nächsttiefere Stufe im Stammbaum, so nahm das Volumen bei den Caniformes (Hundeartigen) zu, bei den Feliformes (Katzenartigen, inklusive Hyänen und Mangusten) jedoch nicht. Wieder wurde der Anteil sozialer Arten in jeder Ordnung oder Unterordnung in Beziehung gesetzt zur Hirnentwicklung. Im Gegensatz zu Finarelli und Flynn entdeckten Shultz und Dunbar aber sehr wohl einen Unterschied: Katzenartige verfügen sowohl über kleinere Hirne als Hundeartige als auch über weniger Arten mit stabilen sozialen Gruppen.

Entwicklungsdauer einbezogen

Wer ist intelligenter:

Die Forscher schätzten

heute lebenden

Anders als die beiden Amerikaner, berück-

Arten, so findet

sichtigten die Engländer bei ihren Berech-

man keinen Zusam-

nungen allerdings noch zusätzliche Infor-

ten im Vergleich zu ursprünglichen

menhang: Während bei

mationen, nämlich die Dauer der Entwick-

Carnivora entwickelt hat. Dabei fanden sie

den Canidae viele Arten zu finden sind,

lung seit dem Erscheinen einer Säugetier-

erstens heraus, dass bei allen Hundeartigen

die in komplexen sozialen Gruppen leben,

gruppe im Stammbaum, also wie lange die

(Caniformes) das Hirngewicht im Verhält-

sind alle Bären solitär lebend. Aber bei

Entwicklung zu grösseren Gehirnen über-

ordnung der Fleischfresser, angenommen.

nis zum Körpergewicht zugenommen hat

beiden Gruppen nahm das Hirngewicht im

haupt gedauert hat.

Die Carnivora umfassen nebst den Hunde-

(Abbildung 1), und zwar bei praktisch allen

Vergleich zu den Vorfahren relativ zu. Die

Sie kommen damit zu einem anderen

und Katzenartigen auch die Bären und die

Tierarten dieser Gruppe, unabhängig von

Autoren kommen zum Schluss, dass die

Ergebnis als ihre Kollegen: sozialere Arten

Marderartigen. Die stammesgeschichtli-

der Körpergrösse.

Entwicklung grösserer Hirne und komple-

haben tatsächlich grössere Gehirne entwi-

xer Sozialsysteme bei den Carnivora eben

ckelt. Somit landen die Katzenartigen im

nicht Hand in Hand gingen.

Wettkampf um das grössere Hirn hinter

Hund oder Katze? Im Trickfilm «Cats & Dogs» gewinnen die Hunde den Wettkampf, indem sie die nach der Weltherrschaft strebenden Katzen schliesslich stoppen und sich ihren Platz in den Herzen der Menschen zurückerobern. Aber welches Tier verfügt tatsächlich über mehr Intelligenz? Man nimmt an, dass ein grösseres Hirnge-

Vergleich mit fossilen Funden

wicht relativ zum Körpergewicht auch bes-

Man muss auch die – meist nur geschätz-

sere kognitive Fähigkeiten bedeutet, also

ten – Hirn- und Körpergewichte fossiler

vereinfacht ausgedrückt zu höherer Intelligenz führt.

zuerst, wie sich das Hirngewicht der heute lebenden Ar-

chen Beziehungen innerhalb der Carni-

Bei den Katzenartigen (Feliformes) hat

vora sind recht gut erforscht, und es ste-

jedoch nur bei den eigentlichen Felidae

hen relativ viele Fossilien ausgestorbener

eine Zunahme des Hirngewichts stattge-

Arten zur Verfügung.

funden, und dort auch nur bei Katzen klei-

Gegenthese aufgestellt

den Hundeartigen auf dem zweiten Rang. Doch das letzte Wort in diesem wis-

nerer Körpergrösse. Weder Hyänen noch

In der Wissenschaft ist jedoch nichts in

senschaftlichen Diskurs scheint allerdings

Schleichkatzen, zu denen zum Beispiel

Stein gemeisselt. Die beiden Engländer

noch längst nicht gesprochen … -

Vorfahren der heutigen Tiere miteinbe-

Katzengehirne kaum gewachsen

auch die Mangusten gehören, unterschei-

Susanne Shultz und Robin Dunbar haben

ziehen. Denn viele verwandte Arten sind

Die amerikanischen Forscher John Fina-

den sich von ursprünglichen und fossilen

2010 die Resultate von Finarelli und Flynn

Eva Waiblinger

Um den Grund für die Entwicklung

unterdessen ausgestorben, könnten aber

relli und John Flynn haben 164 heute le-

Carnivora.

in Frage gestellt und eine breitere Studie

STS-Fachstelle Heimtiere

grösserer Hirne herauszufinden, reicht es

vielleicht doch Aufschluss geben über den

bende Arten und 125 fossile Arten unter-

jedoch nicht, einzig die Hirngrössen und

Beginn der Entwicklung grösserer Hirne.

sucht, von denen das geschätzte Körper-

durchgeführt, die auch andere Gruppen

Eigenschaften heutiger Tierarten zu ver-

Kurz hintereinander haben sich nun

und Hirngewicht bekannt ist. Von heute le-

Sozial oder einzelgängerisch – kein Einfluss auf Intelligenz?

gleichen, denn dies wäre eine zu vereinfa-

zwei Forschergruppen dieser Fragestel-

benden Arten weiss man, ob sie in sozialen

Vergleicht man diese Entwicklung dann

ankommt, auf welcher Stufe man die

chende Schlussfolgerung.

lung bei den Carnivora, der Säugetier-

Gruppen oder einzelgängerisch leben.

noch mit der sozialen Gruppenform der

Hirnentwicklung anschaut, ob man die

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TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

von Säugetieren umfasste. Sie stellten fest, dass es sehr darauf

Finarelli, John A. u. Flynn, John J. (2009): Brain-size evolution and sociality in Carnivora. PNAS 106 (23): 9345–9349. Shultz, Susanne u. Dunbar, Robin (2010): Encephalization is not a universal macroevolutionary phenomenon in mammals but is associated with sociality. PNAS, published online before print, November 2010.

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ISTOCKPHOTO

Säugetierordnungen oder -unterordnungen einbezieht – sozusagen mit welcher Vergrösserung man den Stammbaum der Säuger anschaut.

Säugetierordnung als Faktor Während die Hirngrösse bei Primaten, Zahnwalen, Unpaarhufern und Carnivora über die Zeit zunahm, tat sie dies bei Insektenfressern und Paarhufern nicht. Nimmt man die nächsttiefere Stufe im Stammbaum, so nahm das Volumen bei den Caniformes (Hundeartigen) zu, bei den Feliformes (Katzenartigen, inklusive Hyänen und Mangusten) jedoch nicht. Wieder wurde der Anteil sozialer Arten in jeder Ordnung oder Unterordnung in Beziehung gesetzt zur Hirnentwicklung. Im Gegensatz zu Finarelli und Flynn entdeckten Shultz und Dunbar aber sehr wohl einen Unterschied: Katzenartige verfügen sowohl über kleinere Hirne als Hundeartige als auch über weniger Arten mit stabilen sozialen Gruppen.

Entwicklungsdauer einbezogen

Wer ist intelligenter:

Die Forscher schätzten

heute lebenden

Anders als die beiden Amerikaner, berück-

Arten, so findet

sichtigten die Engländer bei ihren Berech-

man keinen Zusam-

nungen allerdings noch zusätzliche Infor-

ten im Vergleich zu ursprünglichen

menhang: Während bei

mationen, nämlich die Dauer der Entwick-

Carnivora entwickelt hat. Dabei fanden sie

den Canidae viele Arten zu finden sind,

lung seit dem Erscheinen einer Säugetier-

erstens heraus, dass bei allen Hundeartigen

die in komplexen sozialen Gruppen leben,

gruppe im Stammbaum, also wie lange die

(Caniformes) das Hirngewicht im Verhält-

sind alle Bären solitär lebend. Aber bei

Entwicklung zu grösseren Gehirnen über-

ordnung der Fleischfresser, angenommen.

nis zum Körpergewicht zugenommen hat

beiden Gruppen nahm das Hirngewicht im

haupt gedauert hat.

Die Carnivora umfassen nebst den Hunde-

(Abbildung 1), und zwar bei praktisch allen

Vergleich zu den Vorfahren relativ zu. Die

Sie kommen damit zu einem anderen

und Katzenartigen auch die Bären und die

Tierarten dieser Gruppe, unabhängig von

Autoren kommen zum Schluss, dass die

Ergebnis als ihre Kollegen: sozialere Arten

Marderartigen. Die stammesgeschichtli-

der Körpergrösse.

Entwicklung grösserer Hirne und komple-

haben tatsächlich grössere Gehirne entwi-

xer Sozialsysteme bei den Carnivora eben

ckelt. Somit landen die Katzenartigen im

nicht Hand in Hand gingen.

Wettkampf um das grössere Hirn hinter

Hund oder Katze? Im Trickfilm «Cats & Dogs» gewinnen die Hunde den Wettkampf, indem sie die nach der Weltherrschaft strebenden Katzen schliesslich stoppen und sich ihren Platz in den Herzen der Menschen zurückerobern. Aber welches Tier verfügt tatsächlich über mehr Intelligenz? Man nimmt an, dass ein grösseres Hirnge-

Vergleich mit fossilen Funden

wicht relativ zum Körpergewicht auch bes-

Man muss auch die – meist nur geschätz-

sere kognitive Fähigkeiten bedeutet, also

ten – Hirn- und Körpergewichte fossiler

vereinfacht ausgedrückt zu höherer Intelligenz führt.

zuerst, wie sich das Hirngewicht der heute lebenden Ar-

chen Beziehungen innerhalb der Carni-

Bei den Katzenartigen (Feliformes) hat

vora sind recht gut erforscht, und es ste-

jedoch nur bei den eigentlichen Felidae

hen relativ viele Fossilien ausgestorbener

eine Zunahme des Hirngewichts stattge-

Arten zur Verfügung.

funden, und dort auch nur bei Katzen klei-

Gegenthese aufgestellt

den Hundeartigen auf dem zweiten Rang. Doch das letzte Wort in diesem wis-

nerer Körpergrösse. Weder Hyänen noch

In der Wissenschaft ist jedoch nichts in

senschaftlichen Diskurs scheint allerdings

Schleichkatzen, zu denen zum Beispiel

Stein gemeisselt. Die beiden Engländer

noch längst nicht gesprochen … -

Vorfahren der heutigen Tiere miteinbe-

Katzengehirne kaum gewachsen

auch die Mangusten gehören, unterschei-

Susanne Shultz und Robin Dunbar haben

ziehen. Denn viele verwandte Arten sind

Die amerikanischen Forscher John Fina-

den sich von ursprünglichen und fossilen

2010 die Resultate von Finarelli und Flynn

Eva Waiblinger

Um den Grund für die Entwicklung

unterdessen ausgestorben, könnten aber

relli und John Flynn haben 164 heute le-

Carnivora.

in Frage gestellt und eine breitere Studie

STS-Fachstelle Heimtiere

grösserer Hirne herauszufinden, reicht es

vielleicht doch Aufschluss geben über den

bende Arten und 125 fossile Arten unter-

jedoch nicht, einzig die Hirngrössen und

Beginn der Entwicklung grösserer Hirne.

sucht, von denen das geschätzte Körper-

durchgeführt, die auch andere Gruppen

Eigenschaften heutiger Tierarten zu ver-

Kurz hintereinander haben sich nun

und Hirngewicht bekannt ist. Von heute le-

Sozial oder einzelgängerisch – kein Einfluss auf Intelligenz?

gleichen, denn dies wäre eine zu vereinfa-

zwei Forschergruppen dieser Fragestel-

benden Arten weiss man, ob sie in sozialen

Vergleicht man diese Entwicklung dann

ankommt, auf welcher Stufe man die

chende Schlussfolgerung.

lung bei den Carnivora, der Säugetier-

Gruppen oder einzelgängerisch leben.

noch mit der sozialen Gruppenform der

Hirnentwicklung anschaut, ob man die

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TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

von Säugetieren umfasste. Sie stellten fest, dass es sehr darauf

Finarelli, John A. u. Flynn, John J. (2009): Brain-size evolution and sociality in Carnivora. PNAS 106 (23): 9345–9349. Shultz, Susanne u. Dunbar, Robin (2010): Encephalization is not a universal macroevolutionary phenomenon in mammals but is associated with sociality. PNAS, published online before print, November 2010.

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keystone

Trotz einfachem Gemüt erfolgreich Sie sind nicht besonders intelligent und ihr Leben ist kurz. Trotzdem behaupten sich Opossums seit Millionen von Jahren und erobern dank ihrer hohen Anpassungsfähigkeit selbst heute noch neue Lebensräume für sich.

Das Leben eines Opossums wirkt für unser

ses Beuteltier deshalb nicht mit besonde-

Maul auf, zeigt dem Kontrahenten seine

Empfinden nicht gerade besonders aufre-

ren geistigen Fähigkeiten glänzen, da ihm

fünfzig spitzen Zähne und gibt dabei zi-

gend: es besteht hauptsächlich aus Fres-

schlicht die entsprechenden Gehirnzellen

schende und knurrende Laute von sich.

sen, Schlafen und einer möglichst schnel-

und -verbindungen fehlen. So sind Opos-

Lässt sich sein Gegner davon nicht beein-

len Fortpflanzung. Doch diese simple Le-

sums kaum lernfähig.

drucken, stellt sich das Opossum einfach

bensart entspricht ganz dem Wesen die-

Das zeigt sich beispielsweise daran,

ses grössten Vertreters aus der Familie der

dass Einzeltiere mehrmals arglos in die-

Beutelratten.

selben Kastenfallen eines Zoologen tapp-

tot, um nicht zur Beute einer Eule oder eines Fuchses zu werden.

ten, der in Virginia Opossums unter-

«Possum spielen»

Wenig entwickeltes Gehirn

suchte. Einem Waschbären würde so et-

Zwar gibt es auch andere Tiere, welche die

Im Vergleich zu ähnlich grossen Tieren

was nie passieren; er wäre beim nächsten

gleiche Methode anwenden. Doch wird

wie beispielsweise einer normalen Haus-

Mal bereits viel vorsichtiger.

dieses Verhalten derart mit dem Opossum

Gerät ein Opossum in Bedrängnis und

identifiziert, dass der Ausdruck «playing

ein extrem kleines Gehirn. Klar kann die-

fühlt sich bedroht, sperrt es zuerst das

possum» selbst Eingang in den gängigen

arco

katze, verfügt ein Virginia-Opossum über

Familienausflug: Auch selbstständige Jungtiere lassen sich gerne von der Mutter durch die Gegend tragen.

16

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

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keystone

Trotz einfachem Gemüt erfolgreich Sie sind nicht besonders intelligent und ihr Leben ist kurz. Trotzdem behaupten sich Opossums seit Millionen von Jahren und erobern dank ihrer hohen Anpassungsfähigkeit selbst heute noch neue Lebensräume für sich.

Das Leben eines Opossums wirkt für unser

ses Beuteltier deshalb nicht mit besonde-

Maul auf, zeigt dem Kontrahenten seine

Empfinden nicht gerade besonders aufre-

ren geistigen Fähigkeiten glänzen, da ihm

fünfzig spitzen Zähne und gibt dabei zi-

gend: es besteht hauptsächlich aus Fres-

schlicht die entsprechenden Gehirnzellen

schende und knurrende Laute von sich.

sen, Schlafen und einer möglichst schnel-

und -verbindungen fehlen. So sind Opos-

Lässt sich sein Gegner davon nicht beein-

len Fortpflanzung. Doch diese simple Le-

sums kaum lernfähig.

drucken, stellt sich das Opossum einfach

bensart entspricht ganz dem Wesen die-

Das zeigt sich beispielsweise daran,

ses grössten Vertreters aus der Familie der

dass Einzeltiere mehrmals arglos in die-

Beutelratten.

selben Kastenfallen eines Zoologen tapp-

tot, um nicht zur Beute einer Eule oder eines Fuchses zu werden.

ten, der in Virginia Opossums unter-

«Possum spielen»

Wenig entwickeltes Gehirn

suchte. Einem Waschbären würde so et-

Zwar gibt es auch andere Tiere, welche die

Im Vergleich zu ähnlich grossen Tieren

was nie passieren; er wäre beim nächsten

gleiche Methode anwenden. Doch wird

wie beispielsweise einer normalen Haus-

Mal bereits viel vorsichtiger.

dieses Verhalten derart mit dem Opossum

Gerät ein Opossum in Bedrängnis und

identifiziert, dass der Ausdruck «playing

ein extrem kleines Gehirn. Klar kann die-

fühlt sich bedroht, sperrt es zuerst das

possum» selbst Eingang in den gängigen

arco

katze, verfügt ein Virginia-Opossum über

Familienausflug: Auch selbstständige Jungtiere lassen sich gerne von der Mutter durch die Gegend tragen.

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TIERREPORT 2/2011

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keystone

istockphoto

arco

keystone

Antiheldin: Heidi im Leipziger Zoo

Zoologischer Steckbrief Spielende Opossums: Nach der Pupertät leben die Tiere als Einzelgänger.

Wortschatz der englischsprachigen Län-

chen schon mit acht Monaten ein; bei

Doch schon steht ihnen die erste grosse

res Beuteltier verbreiten: wie bei der Er-

der gefunden hat.

den Weibchen zwischen sechs und neun

Herausforderung bevor: Die Winzlinge

nährung sind sie auch in Bezug auf ihren

Monaten. Die einzelgängerisch lebenden

müssen nämlich selbständig den Weg in

Lebensraum ziemlich anspruchslos. Sie

Leben im Zeitraffer

Tiere treffen sich nur zur Paarung, die

den schützenden Beutel finden, um sich an

finden sich sowohl im Gebirge, in Wald-

In freier Wildbahn werden Opossums sel-

ebenso unspektakulär abläuft wie ihr üb-

einer der Zitzen festzusaugen. Viele von ih-

gebieten als auch in Städten zurecht. Sie

ten älter als zwei Jahre. Während dieser

riges Leben. Nach einer Tragzeit von nur

nen kommen bereits zu diesem Zeitpunkt

sind gute Schwimmer und können mit ih-

für ein Säugetier relativ kurzen Lebens-

zwölf bis dreizehn Tagen bringt das Weib-

ums Leben.

rem Greifschwanz hervorragend klettern.

Die ersten zehn Wochen bleiben die Ba-

Dabei sind sie nachtaktiv, wobei sie grös-

wuchs sorgen und damit die Arterhaltung

bys im Beutel der Mutter. Bereits mit drei

sere Strecken zurücklegen, ohne ein festes

langt. Die schielende Opossumdame

bis vier Monaten sind die Jungen selbstän-

Revier zu bewohnen.

Heidi vom Zoo Leipzig wurde zur Anti-

dig, lassen sich aber noch ab und zu von

Die bisher geschilderten Eigenschaf-

ihrer Mutter auf deren Rücken tragen.

ten des Opossums scheinen dafür nicht gerade die besten Voraussetzungen zu

heldin und hat sogar eine eigene Facebookseite im Internet mit über 320 000

ger auf dem nordamerikanischen Konti-

Fans.-

Anpassungsfähig und anspruchslos

nent lebten, die den heutigen Opossums

trotzdem, als Gattung zu überleben – und dies erst noch sehr erfolgreich?

Wenn es ums Futter geht, sind Opossums

ten sich die Beutelratten dank ihrer hohen

nicht wählerisch. Zwar bevorzugen sie

Anpassungsfähigkeit über ganz Nord-

tierische Nahrung wie Insekten, Würmer,

und Südamerika.

bieten. Wie schafft es diese Beutelratte

Hohe Geburtsrate Eine anatomische Besonderheit dürfte

Kinderstube: Die ersten zehn Lebenswochen verbringen die Opossum-Babys im Beutel.

dabei eine Rolle spielen: Die weiblichen

18

Funde von Fossilien belegen, dass schon vor 75 Millionen Jahren Beutelsäu-

sehr ähnlich sahen. Von da aus verbreite-

Schnecken, Frösche und Mäuse, doch verschmähen sie auch Beeren und Obst nicht.

Ruhm trotz Schönheitsfehler

Tiere verfügen über zwei separate Gebär-

chen zweimal pro Jahr zwischen 25 bis 50

Als Kulturfolger durchsuchen sie in Sied-

Mit ihrem rattenähnlichen Aussehen – der

mütter und Scheiden. Davon wird auch

Junge zur Welt. Diese befinden sich noch

lungen den Abfall der Menschen nach

spitzen Schnauze und dem nackten, lan-

der lateinische Gattungsname Didelphis

im Embryostadium, sind nur etwa einen

Fressbarem.

gen Schwanz – sind Opossums nicht be-

(= Zweischeidige) abgeleitet.

Zentimeter lang und im Durchschnitt

Die Geschlechtsreife tritt bei Männ-

bloss 0,13 Gramm schwer.

TIERREPORT 2/2011

Matthias Brunner

keystone

sicherstellen.

Abwehrhaltung: Bedrohte Opossums knurren und zeigen ihre 50 Zähne.

Opossums (Didelphis) zählen zur Familie der Beutelratten (Didelphidae). Zu Verwirrung führt, dass im Englischen sämtliche Beutelratten als Opossum bezeichnet werden. Keinerlei Verwandtschaft mit dem Opossum haben die australischen Kletterbeutler, die Possum genannt werden. Zur Gattung der Opossums zählen sechs verschiedene Arten.

phase müssen die Einzelgänger für Nacharco

arco

Anpassungsfähig: Opossums fühlen sich im Gebirge, in Wäldern und auch in Stadtgebieten wohl.

Eine weitere Eigenschaft führt dazu,

sonders attraktive Tiere. Zumindest ein

dass sich Opossums wie kaum ein ande-

Opossum hat dennoch Berühmtheit er-

TIERREPORT 2/2011

Publikumsmagnet: Die schielende Heidi im Zoo Leipzig ist bereits fast drei Jahre alt.

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Antiheldin: Heidi im Leipziger Zoo

Zoologischer Steckbrief Spielende Opossums: Nach der Pupertät leben die Tiere als Einzelgänger.

Wortschatz der englischsprachigen Län-

chen schon mit acht Monaten ein; bei

Doch schon steht ihnen die erste grosse

res Beuteltier verbreiten: wie bei der Er-

der gefunden hat.

den Weibchen zwischen sechs und neun

Herausforderung bevor: Die Winzlinge

nährung sind sie auch in Bezug auf ihren

Monaten. Die einzelgängerisch lebenden

müssen nämlich selbständig den Weg in

Lebensraum ziemlich anspruchslos. Sie

Leben im Zeitraffer

Tiere treffen sich nur zur Paarung, die

den schützenden Beutel finden, um sich an

finden sich sowohl im Gebirge, in Wald-

In freier Wildbahn werden Opossums sel-

ebenso unspektakulär abläuft wie ihr üb-

einer der Zitzen festzusaugen. Viele von ih-

gebieten als auch in Städten zurecht. Sie

ten älter als zwei Jahre. Während dieser

riges Leben. Nach einer Tragzeit von nur

nen kommen bereits zu diesem Zeitpunkt

sind gute Schwimmer und können mit ih-

für ein Säugetier relativ kurzen Lebens-

zwölf bis dreizehn Tagen bringt das Weib-

ums Leben.

rem Greifschwanz hervorragend klettern.

Die ersten zehn Wochen bleiben die Ba-

Dabei sind sie nachtaktiv, wobei sie grös-

wuchs sorgen und damit die Arterhaltung

bys im Beutel der Mutter. Bereits mit drei

sere Strecken zurücklegen, ohne ein festes

langt. Die schielende Opossumdame

bis vier Monaten sind die Jungen selbstän-

Revier zu bewohnen.

Heidi vom Zoo Leipzig wurde zur Anti-

dig, lassen sich aber noch ab und zu von

Die bisher geschilderten Eigenschaf-

ihrer Mutter auf deren Rücken tragen.

ten des Opossums scheinen dafür nicht gerade die besten Voraussetzungen zu

heldin und hat sogar eine eigene Facebookseite im Internet mit über 320 000

ger auf dem nordamerikanischen Konti-

Fans.-

Anpassungsfähig und anspruchslos

nent lebten, die den heutigen Opossums

trotzdem, als Gattung zu überleben – und dies erst noch sehr erfolgreich?

Wenn es ums Futter geht, sind Opossums

ten sich die Beutelratten dank ihrer hohen

nicht wählerisch. Zwar bevorzugen sie

Anpassungsfähigkeit über ganz Nord-

tierische Nahrung wie Insekten, Würmer,

und Südamerika.

bieten. Wie schafft es diese Beutelratte

Hohe Geburtsrate Eine anatomische Besonderheit dürfte

Kinderstube: Die ersten zehn Lebenswochen verbringen die Opossum-Babys im Beutel.

dabei eine Rolle spielen: Die weiblichen

18

Funde von Fossilien belegen, dass schon vor 75 Millionen Jahren Beutelsäu-

sehr ähnlich sahen. Von da aus verbreite-

Schnecken, Frösche und Mäuse, doch verschmähen sie auch Beeren und Obst nicht.

Ruhm trotz Schönheitsfehler

Tiere verfügen über zwei separate Gebär-

chen zweimal pro Jahr zwischen 25 bis 50

Als Kulturfolger durchsuchen sie in Sied-

Mit ihrem rattenähnlichen Aussehen – der

mütter und Scheiden. Davon wird auch

Junge zur Welt. Diese befinden sich noch

lungen den Abfall der Menschen nach

spitzen Schnauze und dem nackten, lan-

der lateinische Gattungsname Didelphis

im Embryostadium, sind nur etwa einen

Fressbarem.

gen Schwanz – sind Opossums nicht be-

(= Zweischeidige) abgeleitet.

Zentimeter lang und im Durchschnitt

Die Geschlechtsreife tritt bei Männ-

bloss 0,13 Gramm schwer.

TIERREPORT 2/2011

Matthias Brunner

keystone

sicherstellen.

Abwehrhaltung: Bedrohte Opossums knurren und zeigen ihre 50 Zähne.

Opossums (Didelphis) zählen zur Familie der Beutelratten (Didelphidae). Zu Verwirrung führt, dass im Englischen sämtliche Beutelratten als Opossum bezeichnet werden. Keinerlei Verwandtschaft mit dem Opossum haben die australischen Kletterbeutler, die Possum genannt werden. Zur Gattung der Opossums zählen sechs verschiedene Arten.

phase müssen die Einzelgänger für Nacharco

arco

Anpassungsfähig: Opossums fühlen sich im Gebirge, in Wäldern und auch in Stadtgebieten wohl.

Eine weitere Eigenschaft führt dazu,

sonders attraktive Tiere. Zumindest ein

dass sich Opossums wie kaum ein ande-

Opossum hat dennoch Berühmtheit er-

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Publikumsmagnet: Die schielende Heidi im Zoo Leipzig ist bereits fast drei Jahre alt.

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Tierversuche:

Hemmschwellen sinken

zvg

urgische Eingriffe wie Gelenk- oder Organtransplantationen, das Eröffnen der Brusthöhle, Darmresektionen, das künstliche Erzeugen von Magenfisteln, das Implantieren von Elektroden oder Langzeitkathetern ins Gehirn, Bestrahlungen und

Statt Tierversuche durch existierende Alternativen zu ersetzen, müssen jedes Jahr mehr Tiere für besonders grausame Experimente sterben. Der STS legt die Fakten in einer neuen Broschüre über dieses gesellschaftliche Tabuthema offen.

Verbrennungen, Chemotherapien und so weiter. Selbst wenn die Tiere solche Versuche «lebend» überstehen, werden sie nachher in jedem Fall getötet.

Lebenslang eingesperrt und krank gemacht Schon allein die Haltung der Versuchstiere ist meist problematisch und keineswegs

Gezüchtetes Monster: Bei der Züchtung genmanipulierter Mäuse werden «Ausschusstiere» mitproduziert, aussortiert und – weil sie schon von Geburt an zu krank sind – getötet.

artgerecht. Im Gegensatz zur Heimtierhaltung, die vom Tierschutzgesetz wesentlich besser und artgerechter geregelt ist, sind

dieser genmanipulierten Tiere wird ein

Wir müssen uns auch fragen, ob wir

Versuchstiere lebenslang häufig unter an-

Vielfaches an «Ausschusstieren» mitpro-

weiterhin unsere Steuergelder den Ver-

nähernd sterilen Verhältnissen in Plastik-

duziert, aussortiert und getötet. Denn in-

suchstierforschern, insbesondere in der

käfigen eingesperrt – oftmals sozial iso-

nerhalb der Zucht sind viele bereits von

universitären Grundlagenforschung, zur

liert und unter engsten Platzverhältnissen,

Geburt an krank, schwächelnd und nicht

Verfügung stellen wollen. Denn diese klä-

ohne Tageslicht und Beschäftigungsmög-

lebensfähig. Oder sie verfügen nicht über

ren uns kaum darüber auf, wie sie die Ver-

lichkeiten.

das mittels Gentechnik angezüchtete ge-

suchstiere halten, welche Versuche sie zu

wünschte Merkmal und sind daher für die

welchem Zweck durchführen und wie ihre

Forschenden ungeeignet.

konkreten Bemühungen aussehen, Tierver-

Als ob dies noch nicht belastend genug wäre, wird an ihnen all das experimentiert, was man Menschen niemals zumu-

suche zu reduzieren und zu ersetzen.

ten würde. So werden in der Schweiz jedes

Alternativen gefordert

Jahr zahlreiche Tiere vergiftet, verstüm-

Spätestens hier muss man sich in einer

lich mehrere hundert Millionen Franken

melt und traumatisiert, mit Viren, Bak-

fortschrittlichen, aufgeschlossenen Gesell-

Steuergelder in Forschungsprojekte mit

terien und Parasiten infiziert. Sie müssen

schaft die Frage stellen, wieso derart be-

Tierversuchen. Im Gegensatz dazu fliessen

Hunger und Durst erleiden. Die Forscher

lastende Tierversuche überhaupt noch er-

gerade einmal 425 000 Franken Steuergel-

lassen die wehrlosen Kreaturen ersticken

laubt sind und durchgeführt werden, und

der pro Jahr in die Forschung von Alter-

oder traktieren sie mit Elektroschocks. Ab-

ob diese überhaupt ethisch vertretbar sind.

nativ- und Ersatzmethoden (Stiftung For-

sichtlich werden Infektionen, Entzündun-

Und wieso dieser makabere und verglichen

schung 3R), was dann auch die magere

gen, Infarkte, Anfälle und Krebs hervorge-

mit der Heimtierhaltung auch paradoxe

Ausbeute an tierversuchsfreier Forschung

rufen, Knochen gebrochen, Augen vernäht,

Umgang mit unseren vierbeinigen Mit-

in der Schweiz erklärt. -

Organe entfernt und wieder eingepflanzt.

geschöpfen nicht längstens durch Ersatzund Alternativmethoden ersetzt wurde.

reuters

Julika Fitzi, STS-Fachstelle Tierversuche und Gentechnologie

Lebende Monster aus dem Labor Weil dies den Forschergeist aber noch

um 1950 zusätzliche Tiere zu verzeich-

nicht befriedigt, werden inzwischen al-

700 000 Tiere in Tierversuchen verbraucht

Mehr schwer belastende Tierversuche

nen. Beim Schweregrad 3 werden die Tiere

leine in der Schweizer Grundlagenfor-

– Tendenz steigend. In den 27 EU-Staaten

Erschreckend ist, dass immer mehr Ver-

starken Schmerzen, andauernden Leiden,

schung mehr als 125  000 Tiere mittels

wurden 2008 über 12 Millionen lebende

suche der äusserst belastenden Schwere-

schweren Schäden, grosser Angst oder er-

genetischer Manipulation zu sogenann-

Tiere für Experimente und Tests geopfert.

grade 2 und 3 durchgeführt werden, bei

heblicher und dauernder Beeinträchtigung

ten Tiermodellen degradiert und erinnern

Weltweit sind es jährlich über 115 Milli-

denen die Tiere besonders stark zu leiden

des Allgemeinbefindens ausgesetzt.

dann manchmal eher an kleine Monster.

onen Tiere, die in belastenden Versuchen

haben. Im Vergleich zum Vorjahr ist ge-

Zu den Torturen, die sie regelmässig

Es entstehen schmerz- und stressemp-

in industriellen Labors, Universitäten und

mäss eidgenössischer Tierversuchsstatistik

erdulden müssen, gehören tödlich ver-

findliche Kreaturen wie Nackt-, Tumor-,

weiteren Forschungseinrichtungen ein

2010 insbesondere bei den schwerstbelas-

laufende Infektionskrankheiten, Krebs-

Diabetes- sowie sogenannte Knockout-

jämmerliches Dasein fristen.

tenden Eingriffen eine massive Zunahme

leiden ohne vorzeitige Euthanasie, chir-

oder Knockinmäuse. Für die Züchtung

Jedes Jahr werden in der Schweiz über

Immerhin investiert die Schweiz jähr-

Neue STS-Tierversuchsbroschüre klärt auf In einer neuen, 24-seitigen Tierversuchsbroschüre finden sich Hintergründe und Fakten zu einem der grössten Tabuthemen unserer Gesellschaft. Mit der Broschüre will der STS vor allem auch den jungen Leuten Antworten geben. Die Broschüre «Forschungsmethoden ohne Tierversuche» steht zur Ansicht bereit unter www.tierschutz.com/publikationen/ und kann kostenlos gegen ein frankiertes und adressiertes C4-Couvert bestellt werden beim Schweizer Tierschutz STS, Postfach, 4008 Basel.

FORSCHUNGS M E OHN T H O D E N E TIERVERSUCHE

SCHWEIZER TIER

SCHUTZ STS

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TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

21


Tierversuche:

Hemmschwellen sinken

zvg

urgische Eingriffe wie Gelenk- oder Organtransplantationen, das Eröffnen der Brusthöhle, Darmresektionen, das künstliche Erzeugen von Magenfisteln, das Implantieren von Elektroden oder Langzeitkathetern ins Gehirn, Bestrahlungen und

Statt Tierversuche durch existierende Alternativen zu ersetzen, müssen jedes Jahr mehr Tiere für besonders grausame Experimente sterben. Der STS legt die Fakten in einer neuen Broschüre über dieses gesellschaftliche Tabuthema offen.

Verbrennungen, Chemotherapien und so weiter. Selbst wenn die Tiere solche Versuche «lebend» überstehen, werden sie nachher in jedem Fall getötet.

Lebenslang eingesperrt und krank gemacht Schon allein die Haltung der Versuchstiere ist meist problematisch und keineswegs

Gezüchtetes Monster: Bei der Züchtung genmanipulierter Mäuse werden «Ausschusstiere» mitproduziert, aussortiert und – weil sie schon von Geburt an zu krank sind – getötet.

artgerecht. Im Gegensatz zur Heimtierhaltung, die vom Tierschutzgesetz wesentlich besser und artgerechter geregelt ist, sind

dieser genmanipulierten Tiere wird ein

Wir müssen uns auch fragen, ob wir

Versuchstiere lebenslang häufig unter an-

Vielfaches an «Ausschusstieren» mitpro-

weiterhin unsere Steuergelder den Ver-

nähernd sterilen Verhältnissen in Plastik-

duziert, aussortiert und getötet. Denn in-

suchstierforschern, insbesondere in der

käfigen eingesperrt – oftmals sozial iso-

nerhalb der Zucht sind viele bereits von

universitären Grundlagenforschung, zur

liert und unter engsten Platzverhältnissen,

Geburt an krank, schwächelnd und nicht

Verfügung stellen wollen. Denn diese klä-

ohne Tageslicht und Beschäftigungsmög-

lebensfähig. Oder sie verfügen nicht über

ren uns kaum darüber auf, wie sie die Ver-

lichkeiten.

das mittels Gentechnik angezüchtete ge-

suchstiere halten, welche Versuche sie zu

wünschte Merkmal und sind daher für die

welchem Zweck durchführen und wie ihre

Forschenden ungeeignet.

konkreten Bemühungen aussehen, Tierver-

Als ob dies noch nicht belastend genug wäre, wird an ihnen all das experimentiert, was man Menschen niemals zumu-

suche zu reduzieren und zu ersetzen.

ten würde. So werden in der Schweiz jedes

Alternativen gefordert

Jahr zahlreiche Tiere vergiftet, verstüm-

Spätestens hier muss man sich in einer

lich mehrere hundert Millionen Franken

melt und traumatisiert, mit Viren, Bak-

fortschrittlichen, aufgeschlossenen Gesell-

Steuergelder in Forschungsprojekte mit

terien und Parasiten infiziert. Sie müssen

schaft die Frage stellen, wieso derart be-

Tierversuchen. Im Gegensatz dazu fliessen

Hunger und Durst erleiden. Die Forscher

lastende Tierversuche überhaupt noch er-

gerade einmal 425 000 Franken Steuergel-

lassen die wehrlosen Kreaturen ersticken

laubt sind und durchgeführt werden, und

der pro Jahr in die Forschung von Alter-

oder traktieren sie mit Elektroschocks. Ab-

ob diese überhaupt ethisch vertretbar sind.

nativ- und Ersatzmethoden (Stiftung For-

sichtlich werden Infektionen, Entzündun-

Und wieso dieser makabere und verglichen

schung 3R), was dann auch die magere

gen, Infarkte, Anfälle und Krebs hervorge-

mit der Heimtierhaltung auch paradoxe

Ausbeute an tierversuchsfreier Forschung

rufen, Knochen gebrochen, Augen vernäht,

Umgang mit unseren vierbeinigen Mit-

in der Schweiz erklärt. -

Organe entfernt und wieder eingepflanzt.

geschöpfen nicht längstens durch Ersatzund Alternativmethoden ersetzt wurde.

reuters

Julika Fitzi, STS-Fachstelle Tierversuche und Gentechnologie

Lebende Monster aus dem Labor Weil dies den Forschergeist aber noch

um 1950 zusätzliche Tiere zu verzeich-

nicht befriedigt, werden inzwischen al-

700 000 Tiere in Tierversuchen verbraucht

Mehr schwer belastende Tierversuche

nen. Beim Schweregrad 3 werden die Tiere

leine in der Schweizer Grundlagenfor-

– Tendenz steigend. In den 27 EU-Staaten

Erschreckend ist, dass immer mehr Ver-

starken Schmerzen, andauernden Leiden,

schung mehr als 125  000 Tiere mittels

wurden 2008 über 12 Millionen lebende

suche der äusserst belastenden Schwere-

schweren Schäden, grosser Angst oder er-

genetischer Manipulation zu sogenann-

Tiere für Experimente und Tests geopfert.

grade 2 und 3 durchgeführt werden, bei

heblicher und dauernder Beeinträchtigung

ten Tiermodellen degradiert und erinnern

Weltweit sind es jährlich über 115 Milli-

denen die Tiere besonders stark zu leiden

des Allgemeinbefindens ausgesetzt.

dann manchmal eher an kleine Monster.

onen Tiere, die in belastenden Versuchen

haben. Im Vergleich zum Vorjahr ist ge-

Zu den Torturen, die sie regelmässig

Es entstehen schmerz- und stressemp-

in industriellen Labors, Universitäten und

mäss eidgenössischer Tierversuchsstatistik

erdulden müssen, gehören tödlich ver-

findliche Kreaturen wie Nackt-, Tumor-,

weiteren Forschungseinrichtungen ein

2010 insbesondere bei den schwerstbelas-

laufende Infektionskrankheiten, Krebs-

Diabetes- sowie sogenannte Knockout-

jämmerliches Dasein fristen.

tenden Eingriffen eine massive Zunahme

leiden ohne vorzeitige Euthanasie, chir-

oder Knockinmäuse. Für die Züchtung

Jedes Jahr werden in der Schweiz über

Immerhin investiert die Schweiz jähr-

Neue STS-Tierversuchsbroschüre klärt auf In einer neuen, 24-seitigen Tierversuchsbroschüre finden sich Hintergründe und Fakten zu einem der grössten Tabuthemen unserer Gesellschaft. Mit der Broschüre will der STS vor allem auch den jungen Leuten Antworten geben. Die Broschüre «Forschungsmethoden ohne Tierversuche» steht zur Ansicht bereit unter www.tierschutz.com/publikationen/ und kann kostenlos gegen ein frankiertes und adressiertes C4-Couvert bestellt werden beim Schweizer Tierschutz STS, Postfach, 4008 Basel.

FORSCHUNGS M E OHN T H O D E N E TIERVERSUCHE

SCHWEIZER TIER

SCHUTZ STS

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TIERREPORT 2/2011

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istockphoto

Uneinsichtige Metzger

des STS auch, dass

Man sollte meinen,

sieben von zehn Kälbern

damit sei das Prob-

im Stall leben müssen,

lem gelöst worden.

ohne Auslauf ins Freie.

Doch die Metzger be-

Fleischhändler

harrten auf weissem

tieren Kalbfleisch aus

schriftsgemäss Heu und Gras fütterten,

Auf Milchdiät gesetzt: Damit die Kälber kein Stroh essen konnten, wurde ihnen früher ein Maulkorb verpasst.

reich, das von Tieren stammt, nicht

sarote Kalbfleischfarbe resultierte, wurden

einmal die Schweizer Mindesttierschutz-

mit massiven Preisabzügen bestraft.

vorschriften zugestanden werden.

Nachdem der Schweizer Tierschutz STS in den 1990er Jahren zu einem Boy-

Start der Kälberkampagne

kott von weissem Kalbfleisch aufgerufen

Aus diesem Grund startet der STS ab Som-

und bessere Haltungs- und Fütterungsbe-

mer 2011 eine Kälberkampagne mit den

dingungen gefordert hatte, reagierten Be-

nachstehenden Forderungen:

hörden und Metzger. Die Gruppenhaltung

• Haltung: Stopp Einzelhaltung in Ig-

von Kälbern auf Stroh wurde eingeführt

lus, stattdessen Auslauf ins Freie für

(Ausnahme: Einzelhaltung in Iglus) und

Zucht- und Mastkälber.

Abzüge für hellrosa Kalbfleisch wurden verboten. Allerdings: Die möglichst helle Kalb-

Noch immer verkaufen Metzger am liebsten helles Fleisch von blutarmen Kälbern. Mit einer neuen Kampagne will der STS alle involvierten Kreise für eine tierfreundliche Haltung der Kälber gewinnen. Einzelhaft: Täglicher Auslauf und

Gruppenhaltung sind für viele Kälber immer noch nicht Realität.

«Wir rauben zuerst der Kuh ihr Junges, um

Ita-

lien und Frank-

denen

sodass eine eher ro-

Für eine tierfreundliche Kälberaufzucht

impor-

Holland,

Kalbfleisch. Bauern, die den Kälbern vor-

in

der Schweiz noch immer

des weissen Kalbfleisches.

• Fütterung: artgerechte Mastkälberfütterung (ohne Tendenzen zu Blutarmut; Normalverhalten).

fleischfarbe blieb bei Metzgern weiterhin

• Metzger: keine Abzüge rein für die

ein «Qualitätskriterium». Abzüge für ro-

Farbe; Abzüge nur bei objektiven

sarotes Kalbfleisch sind auch heute gang

Qualitätsmängeln (Abdeckung, Aus-

und gäbe, wie uns zugespielte Abrech-

mastgrad und dergleichen).

nungen von Schlachthöfen zeigen. Eine

Keine tierschutzwidrigen Kalbfleisch-

Untersuchung des STS vom Februar 2011

importe aus Einzel- und Vollspaltenbo-

belegt, dass noch immer viele Mastkälber

denhaltung.

unter Blutarmut und deren Folgen leiden.

Die Kampagne beginnt am 27. Juni

len wir ihr die Milch, die von der Natur für

mals die Preise, welche die Bauern für die

zeiten permanent einen Maulkorb umge-

Dies, obwohl die neue Tierschutzverord-

mit einem «Tierschutzkälbergipfel», zu

das Junge bestimmt war. Um sie dafür zu

Milch erhielten, im Keller. So verfiel man

bunden, damit sie ja kein Hälmchen Heu

nung von 2008 klipp und klar fordert:

dem der STS Vertreter von Behörden, aus

entschädigen, schlachten wir schliesslich

auf die Idee, Kälber ausschliesslich mit der

oder Stroh ergattern konnten.

Art. 37, 3: Kälber müssen so gefüttert wer-

Wissenschaft, Landwirtschaft, Metzger-

die Kuh. Sie hat allerdings zum Trost dafür

überschüssigen Milch zu mästen. Diese Po-

Die einseitige Milchdiät war wegen der

den, dass sie mit genügend Eisen versorgt

branche, Gastronomie und Detailhandel

das erhebende Bewusstsein, ein nützliches

wernahrung liess die Kälber rasch wachsen,

damit verbundenen ungenügenden Eisen-

sind. Art. 37, 4: Kälbern, die mehr als zwei

einlädt. Der STS geniesst dabei auch die

Tier genannt zu werden.» So der ironische

sodass sie bereits im Alter von rund fünf

zufuhr für die bekannten Gesundheitspro-

Wochen alt sind, muss Heu, Mais oder an-

Unterstützung tierfreundlicher Parlamen-

Blick auf den Umgang mit Kühen und Käl-

Monaten schlachtreif waren.

bleme in der Kälbermast mitverantwort-

deres geeignetes Futter, das die Rohfaser-

tarierinnen und Parlamentarier. -

lich. Die Kälber hatten zu wenig rote Blut-

versorgung gewährleistet, zur freien Auf-

körperchen und litten an Anämie.

nahme zur Verfügung stehen. Stroh allein

es zu töten und aufzuessen; hernach steh-

bern des Berner Dichters Carl Spitteler, der 1919 den Literaturnobelpreis erhielt.

Helles Fleisch bringt mehr Gewinn

Wegen Überproduktion lagen da-

Die einseitige und nährstoffreiche Diät ergab ein zartes, helles Fleisch, wie man es bis anhin nicht gekannt hatte. Diese neue

Zusammen mit den Hühnerbatterien

«Spezialität» löste einen viel besseren Preis

waren es die Bilder derart gequälter Mast-

am Markt als Rindfleisch.

kälber, die das Schweizer Stimmvolk Ende

Widernatürliche Haltung

gilt nicht als geeignetes Futter.

der 1970er Jahre bewogen, ein umfassen-

Wir stehen also heute erneut vor der

stimmte Kälber wurden auch in früheren

Kälber werden krank gemacht

des Tierschutzgesetz anzunehmen. Mit

paradoxen Situation, dass Bauern,

Zeiten geschlachtet; meist im Alter von acht

Die Verlierer waren die Milchmastkälber.

Inkrafttreten der ersten eidgenössischen

welche die Tierschutzvorschriften

bis zehn Monaten, gefüttert mit etwas Milch

Sie fristeten ein trostloses Leben: Oftmals

Tierschutzgesetzgebung 1981 wurden

einhalten und ihre Mastkälber geset-

und Heu und Gras – entsprechend rötlich

in dunklen Ställen angebunden oder in

Maulkörbe und anämische Kälber verbo-

zeskonform ernähren, vom Metzger

war das Fleisch. Zwischen den Weltkriegen

enge Kisten gesteckt, hatten sie ausser

ten und das Verfüttern von Stroh oder Heu

mit Abzügen bestraft werden kön-

«entdeckten» findige Metzger die Spezialität

während der täglichen zwei Milchmahl-

vorgeschrieben.

nen. Besonders störend ist aus Sicht

Nicht zur Aufzucht oder Rindermast be-



Hansuli Huber STS-Geschäftsführer Fachbereich

Maya Graf (Grüne/BL) hat im Nationalrat folgende Anfrage an den Bundesrat gestellt: 1. Welche objektiven resp. wissenschaftlichen Fakten z. B. der Fleischqualität (punkto Inhaltsstoffe, Zartheit, Bekömmlichkeit/ Gesundheit etc.) begründen einen Abzug im Schlachthof alleine aufgrund der Kalbfleischfarbe? 2. Ist rosarotes oder rötliches Kalbfleisch, das ansonsten alle Fleischqualitätskriterien erfüllt, nach Meinung des BR von untergeordneter Qualität für Konsumenten und Köche? Falls ja, weshalb? 3. In welchen Fütterungs- und Haltungsvorschriften unterscheiden sich die Kälbermästereien in der CH und der EU, und welche Konsequenzen für das Tierwohl und die Kalbfleischqualität haben allfällige Unterschiede? 4. Wie hoch beziffert der BR den Antibiotikaverbrauch in der Schweizer Kälbermast: absolut (t/Jahr) und relativ (%-Anteil des gesamten Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung)? 5. Welche Lösungswege könnten gemäss BR beschritten werden zur Drosselung des Antibiotikaverbrauches in der Kälbermast, ohne dass die Kälber darunter leiden? 6. Unterscheidet sich der Antibiotikaeinsatz in der EU-Kälbermast von den Schweizer Gepflogenheiten punkto Einsatzmenge und -häufigkeit, verwendeter Wirkstoffe etc.? 7. Wäre es bezüglich Tierwohl anstrebenswert, die RAUS-Beiträge zu erhöhen? 8. Welche Wege könnten beschritten werden, um gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten die Produktionsumstände wie Haltungs- und Fütterungsbedingungen von importiertem Kalbfleisch zu deklarieren?

Importiertes Tierleid: Hinter Importkalbfleisch stecken oft tierschutzwidrige Haltungsformen. 22

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

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istockphoto

Uneinsichtige Metzger

des STS auch, dass

Man sollte meinen,

sieben von zehn Kälbern

damit sei das Prob-

im Stall leben müssen,

lem gelöst worden.

ohne Auslauf ins Freie.

Doch die Metzger be-

Fleischhändler

harrten auf weissem

tieren Kalbfleisch aus

schriftsgemäss Heu und Gras fütterten,

Auf Milchdiät gesetzt: Damit die Kälber kein Stroh essen konnten, wurde ihnen früher ein Maulkorb verpasst.

reich, das von Tieren stammt, nicht

sarote Kalbfleischfarbe resultierte, wurden

einmal die Schweizer Mindesttierschutz-

mit massiven Preisabzügen bestraft.

vorschriften zugestanden werden.

Nachdem der Schweizer Tierschutz STS in den 1990er Jahren zu einem Boy-

Start der Kälberkampagne

kott von weissem Kalbfleisch aufgerufen

Aus diesem Grund startet der STS ab Som-

und bessere Haltungs- und Fütterungsbe-

mer 2011 eine Kälberkampagne mit den

dingungen gefordert hatte, reagierten Be-

nachstehenden Forderungen:

hörden und Metzger. Die Gruppenhaltung

• Haltung: Stopp Einzelhaltung in Ig-

von Kälbern auf Stroh wurde eingeführt

lus, stattdessen Auslauf ins Freie für

(Ausnahme: Einzelhaltung in Iglus) und

Zucht- und Mastkälber.

Abzüge für hellrosa Kalbfleisch wurden verboten. Allerdings: Die möglichst helle Kalb-

Noch immer verkaufen Metzger am liebsten helles Fleisch von blutarmen Kälbern. Mit einer neuen Kampagne will der STS alle involvierten Kreise für eine tierfreundliche Haltung der Kälber gewinnen. Einzelhaft: Täglicher Auslauf und

Gruppenhaltung sind für viele Kälber immer noch nicht Realität.

«Wir rauben zuerst der Kuh ihr Junges, um

Ita-

lien und Frank-

denen

sodass eine eher ro-

Für eine tierfreundliche Kälberaufzucht

impor-

Holland,

Kalbfleisch. Bauern, die den Kälbern vor-

in

der Schweiz noch immer

des weissen Kalbfleisches.

• Fütterung: artgerechte Mastkälberfütterung (ohne Tendenzen zu Blutarmut; Normalverhalten).

fleischfarbe blieb bei Metzgern weiterhin

• Metzger: keine Abzüge rein für die

ein «Qualitätskriterium». Abzüge für ro-

Farbe; Abzüge nur bei objektiven

sarotes Kalbfleisch sind auch heute gang

Qualitätsmängeln (Abdeckung, Aus-

und gäbe, wie uns zugespielte Abrech-

mastgrad und dergleichen).

nungen von Schlachthöfen zeigen. Eine

Keine tierschutzwidrigen Kalbfleisch-

Untersuchung des STS vom Februar 2011

importe aus Einzel- und Vollspaltenbo-

belegt, dass noch immer viele Mastkälber

denhaltung.

unter Blutarmut und deren Folgen leiden.

Die Kampagne beginnt am 27. Juni

len wir ihr die Milch, die von der Natur für

mals die Preise, welche die Bauern für die

zeiten permanent einen Maulkorb umge-

Dies, obwohl die neue Tierschutzverord-

mit einem «Tierschutzkälbergipfel», zu

das Junge bestimmt war. Um sie dafür zu

Milch erhielten, im Keller. So verfiel man

bunden, damit sie ja kein Hälmchen Heu

nung von 2008 klipp und klar fordert:

dem der STS Vertreter von Behörden, aus

entschädigen, schlachten wir schliesslich

auf die Idee, Kälber ausschliesslich mit der

oder Stroh ergattern konnten.

Art. 37, 3: Kälber müssen so gefüttert wer-

Wissenschaft, Landwirtschaft, Metzger-

die Kuh. Sie hat allerdings zum Trost dafür

überschüssigen Milch zu mästen. Diese Po-

Die einseitige Milchdiät war wegen der

den, dass sie mit genügend Eisen versorgt

branche, Gastronomie und Detailhandel

das erhebende Bewusstsein, ein nützliches

wernahrung liess die Kälber rasch wachsen,

damit verbundenen ungenügenden Eisen-

sind. Art. 37, 4: Kälbern, die mehr als zwei

einlädt. Der STS geniesst dabei auch die

Tier genannt zu werden.» So der ironische

sodass sie bereits im Alter von rund fünf

zufuhr für die bekannten Gesundheitspro-

Wochen alt sind, muss Heu, Mais oder an-

Unterstützung tierfreundlicher Parlamen-

Blick auf den Umgang mit Kühen und Käl-

Monaten schlachtreif waren.

bleme in der Kälbermast mitverantwort-

deres geeignetes Futter, das die Rohfaser-

tarierinnen und Parlamentarier. -

lich. Die Kälber hatten zu wenig rote Blut-

versorgung gewährleistet, zur freien Auf-

körperchen und litten an Anämie.

nahme zur Verfügung stehen. Stroh allein

es zu töten und aufzuessen; hernach steh-

bern des Berner Dichters Carl Spitteler, der 1919 den Literaturnobelpreis erhielt.

Helles Fleisch bringt mehr Gewinn

Wegen Überproduktion lagen da-

Die einseitige und nährstoffreiche Diät ergab ein zartes, helles Fleisch, wie man es bis anhin nicht gekannt hatte. Diese neue

Zusammen mit den Hühnerbatterien

«Spezialität» löste einen viel besseren Preis

waren es die Bilder derart gequälter Mast-

am Markt als Rindfleisch.

kälber, die das Schweizer Stimmvolk Ende

Widernatürliche Haltung

gilt nicht als geeignetes Futter.

der 1970er Jahre bewogen, ein umfassen-

Wir stehen also heute erneut vor der

stimmte Kälber wurden auch in früheren

Kälber werden krank gemacht

des Tierschutzgesetz anzunehmen. Mit

paradoxen Situation, dass Bauern,

Zeiten geschlachtet; meist im Alter von acht

Die Verlierer waren die Milchmastkälber.

Inkrafttreten der ersten eidgenössischen

welche die Tierschutzvorschriften

bis zehn Monaten, gefüttert mit etwas Milch

Sie fristeten ein trostloses Leben: Oftmals

Tierschutzgesetzgebung 1981 wurden

einhalten und ihre Mastkälber geset-

und Heu und Gras – entsprechend rötlich

in dunklen Ställen angebunden oder in

Maulkörbe und anämische Kälber verbo-

zeskonform ernähren, vom Metzger

war das Fleisch. Zwischen den Weltkriegen

enge Kisten gesteckt, hatten sie ausser

ten und das Verfüttern von Stroh oder Heu

mit Abzügen bestraft werden kön-

«entdeckten» findige Metzger die Spezialität

während der täglichen zwei Milchmahl-

vorgeschrieben.

nen. Besonders störend ist aus Sicht

Nicht zur Aufzucht oder Rindermast be-



Hansuli Huber STS-Geschäftsführer Fachbereich

Maya Graf (Grüne/BL) hat im Nationalrat folgende Anfrage an den Bundesrat gestellt: 1. Welche objektiven resp. wissenschaftlichen Fakten z. B. der Fleischqualität (punkto Inhaltsstoffe, Zartheit, Bekömmlichkeit/ Gesundheit etc.) begründen einen Abzug im Schlachthof alleine aufgrund der Kalbfleischfarbe? 2. Ist rosarotes oder rötliches Kalbfleisch, das ansonsten alle Fleischqualitätskriterien erfüllt, nach Meinung des BR von untergeordneter Qualität für Konsumenten und Köche? Falls ja, weshalb? 3. In welchen Fütterungs- und Haltungsvorschriften unterscheiden sich die Kälbermästereien in der CH und der EU, und welche Konsequenzen für das Tierwohl und die Kalbfleischqualität haben allfällige Unterschiede? 4. Wie hoch beziffert der BR den Antibiotikaverbrauch in der Schweizer Kälbermast: absolut (t/Jahr) und relativ (%-Anteil des gesamten Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung)? 5. Welche Lösungswege könnten gemäss BR beschritten werden zur Drosselung des Antibiotikaverbrauches in der Kälbermast, ohne dass die Kälber darunter leiden? 6. Unterscheidet sich der Antibiotikaeinsatz in der EU-Kälbermast von den Schweizer Gepflogenheiten punkto Einsatzmenge und -häufigkeit, verwendeter Wirkstoffe etc.? 7. Wäre es bezüglich Tierwohl anstrebenswert, die RAUS-Beiträge zu erhöhen? 8. Welche Wege könnten beschritten werden, um gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten die Produktionsumstände wie Haltungs- und Fütterungsbedingungen von importiertem Kalbfleisch zu deklarieren?

Importiertes Tierleid: Hinter Importkalbfleisch stecken oft tierschutzwidrige Haltungsformen. 22

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

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Berührende Tierheimgeschichten Womit die STS-Sektionen tagtäglich konfrontiert werden, ist kaum fassbar. Die nachstehenden Beispiele stehen stellvertretend für unzählige Tierschicksale.

Gesundheitsprobleme durch Überzüchtung

Aus Messi-Wohnaung befreit Nach einem Hinweis vom Sozialdienst holte Erika Boldt von der

bewussten

Seite.

Meldestelle Tierlidienst zusammen mit einer Kollegin die Katze

Sogleich nahm sie

«Spätzli» ab. Doch als die beiden die Wohnung der Katzenbesitze-

die Wohnung in Be-

rin betraten, verschlug es ihnen fast den Atem: es stank nach ab-

schlag und machte

gestandenem Rauch und verdorbenen Essensresten. Inmitten des

ihrer

Chaos aus Abfallbergen lag apathisch eine überfütterte Katze.

nerin»

«Mitbewohunmissver-

Im Tierheim Sitterhöfli erwies sich Spätzli als äusserst scheu

ständlich klar, dass

und besonders misstrauisch gegenüber Menschen. Doch auch mit

dies von nun an ihr

anderen Katzen schloss sie keine Freundschaften. Sobald jemand

Territorium sei. So-

kam, versteckte sie sich sofort. Spätzli war ein schwieriger Fall,

gar den Schreibtisch

um ein neues Zuhause zu finden!

eroberte sie für sich. Zum Glück nimmt ihr dies ihre Besitzerin nicht übel: «Dennoch

Klar, bei einem Schönheitswettbewerb hätte Henry wohl nicht

Boss in der neuen Wohnung

ist und bleibt Spätzli eine ganz spezielle Katze mit einem ganz

gerade die besten Voraussetzungen, um einen Preis zu holen.

Trotzdem fand sie schliesslich eine Katzenfreundin, die sie bei

tollen und für Katzen so typischen, eigenen Charakter», schreibt

Doch von ihrem Charakter her ist die Englische Bulldogge ein

sich aufnahm. Bereits am zweiten Tag im neuen Zuhause war

sie uns. -

sehr lieber, freundlicher Hund, der sich auch mit anderen Hun-

Spätzli wie verwandelt und zeigte sich plötzlich von einer selbst-

Tierschutzverein der Stadt St. Gallen und Umgebung

den gut versteht. Er wurde in einem gesundheitlich schlechten Zustand in der Nähe von Kreuzlingen aufgefunden. An den Hautfalten wies er schwer entzündete Stellen auf sowie Knoten im Bereich des Unterleibes. Da er weder gechippt war noch ein Halsband mit ei-

Schwache Kondition

nem Hinweis auf seine Besitzer trug, nahm ihn der Tierschutz-

Während die anderen Hunde im Tierheim kaum genug Bewe-

verein Kreuzlingen in Obhut und brachte ihn in das Tierheim

gung auf dem täglichen Spaziergang kriegen können, gerät

von Altnau.

Henry schon nach kurzer Zeit total ausser Atem und braucht

Zunächst wurde der arme geschundene Kerl vom Tierarzt

Erholung. Dies ist leider eine Folge seiner überzüchteten Rasse:

wegen seiner Blessuren behandelt. Dieser hat sein Alter auf vier

durch die eingedrückte Nase kriegt er kaum genügend Luft und

bis acht Jahre geschätzt. Eine genauere Altersbestimmung ist

hechelt hektisch. Deshalb dürfte es wohl nicht einfach werden,

schwierig, da die Zähne des Hundes kreuz und quer in seiner

einen neuen Platz für ihn zu finden. -

Schnauze stehen.

Tierschutzverein Kreuzlingen

An den Heizkörper gebunden Die Lebensgeschichte von Mäxli hört sich traurig an: Von seinen ersten Besitzern wurde der kleine Yorkshireterrier ständig an der Heizung angebunden, da er in der Wohnung markierte. Die Leute wollten ihn daher schnell wieder loswerden und schoben ihn zu einer randständigen Person auf dem Land ab.

Ohne Kopfhaare

Halb ver­hungert aufgefunden Es war schon acht Uhr abends, als bei Ursula Bürki, der Präsidentin des Tierschutzvereins Niedersimmental, das Telefon klingelte. Aufgeregt berichtete ein Mitglied, dass vor seiner Haustür ein völlig abgemagertes Kätzchen liege, das sogar zu schwach sei, um aufzustehen. Noch am selben Abend holte Bürki das erschöpfte Tier auf dem weit abgelegenen Hof ab. Beim Tierarztbesuch am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass die Katze nur noch 1,9 Kilogramm wog und die Zähne in so schlechtem Zustand waren, dass alle gezogen werden mussten. Vermutlich war sie zu diesem Zeitpunkt etwa zwei Jahre alt. Aufgrund ihrer Schwäche und der Narkose hing das Leben von «Räbeli», wie die Tierarztassistentin sie taufte, buchstäblich an einem seidenen Faden.

24

Eigene Fresstechnik Räbeli hat dank der fürsorglichen Betreuung von Ursula Bürki inzwischen ein normales Gewicht erreicht und ist sehr verspielt. Kaum zu glauben: obwohl sie keine Zähne hat, bevorzugt Räbeli Trockenfutter! Dazu hat sie ihre eigene Technik entwickelt: Auf der Treppe beugt sie sich auf die Stufe unter ihr über den Fressnapf. Dann schluckt sie die einzelnen Futterstückchen einfach ganz hinunter. «Ich liebe ihren besonderen Charme», sagt Bürki. Sie würde Räbeli deshalb auf keinen Fall hergeben.Tierschutzverein Niedersimmental

TIERREPORT 2/2011

Aber auch in seinem neuen Zuhause erging es Mäxli schlecht: nach einer Meldung an den Tierschutzverein war er völlig verwahrlost, hatte keine Haare mehr am Kopf und sein ganzer Körper war von Kratzwunden übersät. Als der Besitzer von Mäxli seine Wohnung verlor, griff der Tierschutzverein ein. Sandra Hax von der Meldestelle konnte den Mann schliess-

lich überzeugen, Mäxli abzugeben. Nach tierärztlicher Versorgung besserte sich der Gesundheitszustand des Hundes schnell und das Fell wuchs wieder nach, wenn auch bloss als feiner Flaum. Allerdings ist er empfindlich auf Berührungen geblieben und markiert immer noch, wenn auch weniger. Doch deshalb wird der inzwischen rund achtjährige Mäxli kaum einen neuen Platz finden und bleibt somit wohl bei Sandra Hax. Tierschutz Appenzeller-Vorderland

Geben Sie alten und schwer platzierbaren Tiere eine Chance! Fälle wie die hier beschriebenen kommen in unseren Sektionen fast täglich vor – für die mitarbeitenden Tierschützerinnen und Tierschützer mitunter eine nur schwer aushaltbare Situation. Oft ist es schwierig, für solche traumatisierten Tiere ein neues Zuhause zu finden – manche verbringen gar den Rest ihres Lebens im

TIERREPORT 2/2011

Tierheim. Doch dies bedeutet eine erhebliche finanzielle Belastung für die STS-Sektionen, die solch schwierige Fälle aufnehmen. Bitte helfen Sie uns mit Ihrem Beitrag für den Fonds für alte und schwer vermittelbare Tiere, damit sich die Tierheime weiterhin auch um solche Tiere kümmern können!

25


Berührende Tierheimgeschichten Womit die STS-Sektionen tagtäglich konfrontiert werden, ist kaum fassbar. Die nachstehenden Beispiele stehen stellvertretend für unzählige Tierschicksale.

Gesundheitsprobleme durch Überzüchtung

Aus Messi-Wohnaung befreit Nach einem Hinweis vom Sozialdienst holte Erika Boldt von der

bewussten

Seite.

Meldestelle Tierlidienst zusammen mit einer Kollegin die Katze

Sogleich nahm sie

«Spätzli» ab. Doch als die beiden die Wohnung der Katzenbesitze-

die Wohnung in Be-

rin betraten, verschlug es ihnen fast den Atem: es stank nach ab-

schlag und machte

gestandenem Rauch und verdorbenen Essensresten. Inmitten des

ihrer

Chaos aus Abfallbergen lag apathisch eine überfütterte Katze.

nerin»

«Mitbewohunmissver-

Im Tierheim Sitterhöfli erwies sich Spätzli als äusserst scheu

ständlich klar, dass

und besonders misstrauisch gegenüber Menschen. Doch auch mit

dies von nun an ihr

anderen Katzen schloss sie keine Freundschaften. Sobald jemand

Territorium sei. So-

kam, versteckte sie sich sofort. Spätzli war ein schwieriger Fall,

gar den Schreibtisch

um ein neues Zuhause zu finden!

eroberte sie für sich. Zum Glück nimmt ihr dies ihre Besitzerin nicht übel: «Dennoch

Klar, bei einem Schönheitswettbewerb hätte Henry wohl nicht

Boss in der neuen Wohnung

ist und bleibt Spätzli eine ganz spezielle Katze mit einem ganz

gerade die besten Voraussetzungen, um einen Preis zu holen.

Trotzdem fand sie schliesslich eine Katzenfreundin, die sie bei

tollen und für Katzen so typischen, eigenen Charakter», schreibt

Doch von ihrem Charakter her ist die Englische Bulldogge ein

sich aufnahm. Bereits am zweiten Tag im neuen Zuhause war

sie uns. -

sehr lieber, freundlicher Hund, der sich auch mit anderen Hun-

Spätzli wie verwandelt und zeigte sich plötzlich von einer selbst-

Tierschutzverein der Stadt St. Gallen und Umgebung

den gut versteht. Er wurde in einem gesundheitlich schlechten Zustand in der Nähe von Kreuzlingen aufgefunden. An den Hautfalten wies er schwer entzündete Stellen auf sowie Knoten im Bereich des Unterleibes. Da er weder gechippt war noch ein Halsband mit ei-

Schwache Kondition

nem Hinweis auf seine Besitzer trug, nahm ihn der Tierschutz-

Während die anderen Hunde im Tierheim kaum genug Bewe-

verein Kreuzlingen in Obhut und brachte ihn in das Tierheim

gung auf dem täglichen Spaziergang kriegen können, gerät

von Altnau.

Henry schon nach kurzer Zeit total ausser Atem und braucht

Zunächst wurde der arme geschundene Kerl vom Tierarzt

Erholung. Dies ist leider eine Folge seiner überzüchteten Rasse:

wegen seiner Blessuren behandelt. Dieser hat sein Alter auf vier

durch die eingedrückte Nase kriegt er kaum genügend Luft und

bis acht Jahre geschätzt. Eine genauere Altersbestimmung ist

hechelt hektisch. Deshalb dürfte es wohl nicht einfach werden,

schwierig, da die Zähne des Hundes kreuz und quer in seiner

einen neuen Platz für ihn zu finden. -

Schnauze stehen.

Tierschutzverein Kreuzlingen

An den Heizkörper gebunden Die Lebensgeschichte von Mäxli hört sich traurig an: Von seinen ersten Besitzern wurde der kleine Yorkshireterrier ständig an der Heizung angebunden, da er in der Wohnung markierte. Die Leute wollten ihn daher schnell wieder loswerden und schoben ihn zu einer randständigen Person auf dem Land ab.

Ohne Kopfhaare

Halb ver­hungert aufgefunden Es war schon acht Uhr abends, als bei Ursula Bürki, der Präsidentin des Tierschutzvereins Niedersimmental, das Telefon klingelte. Aufgeregt berichtete ein Mitglied, dass vor seiner Haustür ein völlig abgemagertes Kätzchen liege, das sogar zu schwach sei, um aufzustehen. Noch am selben Abend holte Bürki das erschöpfte Tier auf dem weit abgelegenen Hof ab. Beim Tierarztbesuch am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass die Katze nur noch 1,9 Kilogramm wog und die Zähne in so schlechtem Zustand waren, dass alle gezogen werden mussten. Vermutlich war sie zu diesem Zeitpunkt etwa zwei Jahre alt. Aufgrund ihrer Schwäche und der Narkose hing das Leben von «Räbeli», wie die Tierarztassistentin sie taufte, buchstäblich an einem seidenen Faden.

24

Eigene Fresstechnik Räbeli hat dank der fürsorglichen Betreuung von Ursula Bürki inzwischen ein normales Gewicht erreicht und ist sehr verspielt. Kaum zu glauben: obwohl sie keine Zähne hat, bevorzugt Räbeli Trockenfutter! Dazu hat sie ihre eigene Technik entwickelt: Auf der Treppe beugt sie sich auf die Stufe unter ihr über den Fressnapf. Dann schluckt sie die einzelnen Futterstückchen einfach ganz hinunter. «Ich liebe ihren besonderen Charme», sagt Bürki. Sie würde Räbeli deshalb auf keinen Fall hergeben.Tierschutzverein Niedersimmental

TIERREPORT 2/2011

Aber auch in seinem neuen Zuhause erging es Mäxli schlecht: nach einer Meldung an den Tierschutzverein war er völlig verwahrlost, hatte keine Haare mehr am Kopf und sein ganzer Körper war von Kratzwunden übersät. Als der Besitzer von Mäxli seine Wohnung verlor, griff der Tierschutzverein ein. Sandra Hax von der Meldestelle konnte den Mann schliess-

lich überzeugen, Mäxli abzugeben. Nach tierärztlicher Versorgung besserte sich der Gesundheitszustand des Hundes schnell und das Fell wuchs wieder nach, wenn auch bloss als feiner Flaum. Allerdings ist er empfindlich auf Berührungen geblieben und markiert immer noch, wenn auch weniger. Doch deshalb wird der inzwischen rund achtjährige Mäxli kaum einen neuen Platz finden und bleibt somit wohl bei Sandra Hax. Tierschutz Appenzeller-Vorderland

Geben Sie alten und schwer platzierbaren Tiere eine Chance! Fälle wie die hier beschriebenen kommen in unseren Sektionen fast täglich vor – für die mitarbeitenden Tierschützerinnen und Tierschützer mitunter eine nur schwer aushaltbare Situation. Oft ist es schwierig, für solche traumatisierten Tiere ein neues Zuhause zu finden – manche verbringen gar den Rest ihres Lebens im

TIERREPORT 2/2011

Tierheim. Doch dies bedeutet eine erhebliche finanzielle Belastung für die STS-Sektionen, die solch schwierige Fälle aufnehmen. Bitte helfen Sie uns mit Ihrem Beitrag für den Fonds für alte und schwer vermittelbare Tiere, damit sich die Tierheime weiterhin auch um solche Tiere kümmern können!

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fotolia

erprodukten aus Käfigbatterien zu bewe-

Österreich

gen (Liste unter www.essenmitherz.ch/

Konditoreien gegenüber dem STS ver-

AMA-Gütesiegel für Eier

pflichtet, gänzlich auf Importeier zu ver-

Im Einzelhandel in Österreich sind Eier aus

zichten und vollständig auf tierfreundli-

Käfighaltung verschwunden. Rund zwei

che Schweizer Eier zu setzen (Liste unter

Drittel der Eier im Handel sind aus Boden-

www.essenmitherz.ch/aktuell/baecker).

haltung, 23 Prozent aus Freilandhaltung

Damit dürfte sichergestellt sein, dass ins-

und 12 Prozent sind Bio-Eier. Seit Anfang

künftig der grösste Teil der Käfigeierim-

2009 ist in Österreich das Käfighaltungs-

porte unterbleiben wird. Im Idealfall wer-

verbot für Legehennen in Kraft.

aktuell/kaefigeier). Zudem haben sich mittlerweile bereits 57 Bäckereien und

den diese durch tierfreundliche Schweizer

Im Lebensmittelhandel wurden 2010

Freilandeier oder wenigstens durch aus-

so gut wie keine Eier aus Käfighaltung an-

ländische Eier aus Boden- oder Auslauf-

geboten. Das lässt darauf schliessen, dass

haltung ersetzt.

der Handel zu einem grossen Teil auf heimische Produktion zurückgreift. Der Ver-

gegen Käfigeierimporte

arbeitungsbereich und die Gastronomie

Weiterer Handlungsbedarf besteht aller-

billigerer, importierter Käfigware.

Hoffnung für Europas Amazonas?

dings in der Gastronomie und im eierver-

Um den Import von Käfigeiern zu re-

Nägel mit Köpfen machten im März die

reichen und ursprünglichen Auenwälder

arbeitenden Gewerbe, welche zwei Drit-

duzieren, hat der Agrarmarkt Austria

zuständigen Umweltminister der Länder

und Flusslandschaften von Donau, Drau

tel der jährlich rund 770 Millionen Im-

(AMA) Gütesiegelrichtlinien für Eierpro-

Österreich, Kroatien, Ungarn, Serbien und

und Mur dauerhaft sichern. Das neue, fünf

porteier nachfragen. Nach Schätzungen

dukte und Eierverarbeitungsprodukte ent-

Slowenien. Sie unterzeichneten in Buda-

Länder einschliessende Auenschutzgebiet

des STS sind darunter 40 bis 80 Millionen

wickelt. Das AMA-Gastrosiegel sichert die

pest eine gemeinsame Absichtserklärung.

wäre 800 000 Hektar gross und damit das

Käfigeier, die vor allem in der Herstellung

Herkunft im gastronomischen Bereich ab.

Darin verankert ist das Ziel, das welt-

grösste in ganz Europa. Der internatio-

von Fertigprodukten, Saucen, Teigwaren

weit erste UNESCO-Biosphärenreservat

nale Schutzstatus wird bei der Entwick-

und Gebäck Verwendung finden.

zu schaffen, das über fünf Ländergren-

lung eines naturverträglichen Tourismus

Griechenland

zen hinwegreicht. Das neue Schutzgebiet

und bei der Kooperation zwischen den

Adoptionsverbot für Vegetarierpaar

am Grünen Band Europa soll die arten-

Kulturstädten helfen.

In der EU, aus der die meisten Eier­ importe stammen, ist die Käfigbatteriehaltung noch legal. Eigentlich wäre sie ab 2012 verboten, doch die allermeisten

Der STS hat einen Durchbruch erreicht: 26 Unternehmen haben sich in einer freiwilligen Vereinbarung mit dem STS dazu verpflichtet, in Zukunft keine Eier und Eierprodukte mehr aus dem Ausland zu importieren, die von Hühnern aus Käfighaltungen stammen.

hingegen greifen nach wie vor gerne zu

EU

Mitgliedsländer sind mit der Umstellung derart im Verzug, dass die EU den Termin mit grosser Wahrscheinlichkeit hinausschieben muss. Zudem sind in der EU

Weil es weder Fleisch noch Fisch verzehrt,

auch alternative Haltungsformen zuläs-

darf ein Paar in Griechenland kein Kind ad-

sig, die in der Schweiz verboten sind, etwa

optieren. Aus Sorge, das Kind könne nicht

die Kleingruppenhaltung.

ausgewogen ernährt werden, untersagte

Italien

Betrug bei Milch­subventionen istockphoto

g l o f r E

40 bis 80 Millionen Käfigeier pro Jahr

istockphoto

Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + +

die zuständige Behörde auf Kreta den Ve-

jede fünfte in Italien registrierte und bei der EU in Brüssel ordentlich gemeldete Kuh war faktisch nicht vorhanden», berichtet Spie-

Während in der Schweiz seit 1991 nur

nomie, den Bäckereien und den Herstel-

«Preisdrückerei bei der Erzeugung tieri-

getariern eine Adoption, wie der Leiter des

gel Online. Möglich machte diesen Schwin-

noch Eier aus Boden- oder Freilandhal-

lern von eierhaltigen Produkten und Fer-

scher Produkte, ob Ei, Milch oder Fleisch,

Sozialamtes der Inselhauptstadt Heraklion,

del eine Manipulation an amtlichen Com-

tung zulässig sind, bleibt der Import von

tiggerichten, wo leider noch allzu oft nur

geschieht stets auf dem Buckel der Tiere

Spyros Epitropakis, erklärt. «Wir haben die

putern. So wurde das Lebensalter der Kühe

Käfigbatterieeiern unverständlicherweise

der Preis und nicht die Schweizer Quali-

und auf Kosten der Produktqualität und

Medizinische Fakultät der Universität von

von einst 122 Monaten auf 999 Monate

bis heute legal. Zwar greift die Mehrheit

tät zählt.

-sicherheit für die Konsumenten», ist

Kreta konsultiert, und diese sagte uns, dass

umgestellt. Wer dahinter stecke, sei noch

der Konsumentinnen und Konsumenten

Hans­uli Huber, Geschäftsführer des STS,

zum Ernährungsplan von Kindern Fleisch

überzeugt. Mit seiner Kampagne «Essen

und Fisch gehört», sagt Epitropakis. Und

Um EU-Subventionsgelder zu kassieren,

die 1,2 Milliarden Liter Milch kommen. Die

Eiern, der Eierimport hat in den letzten

Freiwilliger Verzicht auf Käfigeier

mit Herz» will der STS erreichen, dass

weiter führt er aus: «Wir wollen nieman-

wurden in Italien Angaben über die An-

Untersuchungsbehörden haben laut «Spie-

zehn Jahren jedoch trotzdem stetig zu-

Doch nun ist es dem STS gelungen, 26

in Zukunft keine Käfigeier mehr in die

den diskriminieren, aber wir mussten das

zahl Kühe und die Milchmenge systema-

gel» nebst staatlichen Stellen auch grosse

genommen und beträgt mittlerweile rund

Unternehmen, darunter alle namhaften

Schweiz importiert werden und Gastrono-

prüfen. Jetzt liegt der Fall bei den Justiz-

tisch gefälscht. Seit Jahren wurde Milch

Viehhändler sowie den ehemaligen Kabi-

770 Millionen Eier pro Jahr. Die Gründe

Importeure, zu einem freiwilligen Ver-

mie und Bäckereien vermehrt auf Schwei-

behörden.» Das Paar will vor Gericht errei-

von rund 300 000 Kühen verkauft, die ent-

nettschef des Landwirtschaftsministeriums

für diesen Anstieg liegen bei der Gastro-

zicht auf den Import von Eiern und Ei-

zer Eier setzen. -

chen, dass die Entscheidung gekippt wird.

weder uralt oder längst tot waren. «Beinahe

im Visier.

im Laden erfreulicherweise zu Schweizer

26

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

unklar. Ebenso unklar ist ausserdem, woher

27


fotolia

erprodukten aus Käfigbatterien zu bewe-

Österreich

gen (Liste unter www.essenmitherz.ch/

Konditoreien gegenüber dem STS ver-

AMA-Gütesiegel für Eier

pflichtet, gänzlich auf Importeier zu ver-

Im Einzelhandel in Österreich sind Eier aus

zichten und vollständig auf tierfreundli-

Käfighaltung verschwunden. Rund zwei

che Schweizer Eier zu setzen (Liste unter

Drittel der Eier im Handel sind aus Boden-

www.essenmitherz.ch/aktuell/baecker).

haltung, 23 Prozent aus Freilandhaltung

Damit dürfte sichergestellt sein, dass ins-

und 12 Prozent sind Bio-Eier. Seit Anfang

künftig der grösste Teil der Käfigeierim-

2009 ist in Österreich das Käfighaltungs-

porte unterbleiben wird. Im Idealfall wer-

verbot für Legehennen in Kraft.

aktuell/kaefigeier). Zudem haben sich mittlerweile bereits 57 Bäckereien und

den diese durch tierfreundliche Schweizer

Im Lebensmittelhandel wurden 2010

Freilandeier oder wenigstens durch aus-

so gut wie keine Eier aus Käfighaltung an-

ländische Eier aus Boden- oder Auslauf-

geboten. Das lässt darauf schliessen, dass

haltung ersetzt.

der Handel zu einem grossen Teil auf heimische Produktion zurückgreift. Der Ver-

gegen Käfigeierimporte

arbeitungsbereich und die Gastronomie

Weiterer Handlungsbedarf besteht aller-

billigerer, importierter Käfigware.

Hoffnung für Europas Amazonas?

dings in der Gastronomie und im eierver-

Um den Import von Käfigeiern zu re-

Nägel mit Köpfen machten im März die

reichen und ursprünglichen Auenwälder

arbeitenden Gewerbe, welche zwei Drit-

duzieren, hat der Agrarmarkt Austria

zuständigen Umweltminister der Länder

und Flusslandschaften von Donau, Drau

tel der jährlich rund 770 Millionen Im-

(AMA) Gütesiegelrichtlinien für Eierpro-

Österreich, Kroatien, Ungarn, Serbien und

und Mur dauerhaft sichern. Das neue, fünf

porteier nachfragen. Nach Schätzungen

dukte und Eierverarbeitungsprodukte ent-

Slowenien. Sie unterzeichneten in Buda-

Länder einschliessende Auenschutzgebiet

des STS sind darunter 40 bis 80 Millionen

wickelt. Das AMA-Gastrosiegel sichert die

pest eine gemeinsame Absichtserklärung.

wäre 800 000 Hektar gross und damit das

Käfigeier, die vor allem in der Herstellung

Herkunft im gastronomischen Bereich ab.

Darin verankert ist das Ziel, das welt-

grösste in ganz Europa. Der internatio-

von Fertigprodukten, Saucen, Teigwaren

weit erste UNESCO-Biosphärenreservat

nale Schutzstatus wird bei der Entwick-

und Gebäck Verwendung finden.

zu schaffen, das über fünf Ländergren-

lung eines naturverträglichen Tourismus

Griechenland

zen hinwegreicht. Das neue Schutzgebiet

und bei der Kooperation zwischen den

Adoptionsverbot für Vegetarierpaar

am Grünen Band Europa soll die arten-

Kulturstädten helfen.

In der EU, aus der die meisten Eier­ importe stammen, ist die Käfigbatteriehaltung noch legal. Eigentlich wäre sie ab 2012 verboten, doch die allermeisten

Der STS hat einen Durchbruch erreicht: 26 Unternehmen haben sich in einer freiwilligen Vereinbarung mit dem STS dazu verpflichtet, in Zukunft keine Eier und Eierprodukte mehr aus dem Ausland zu importieren, die von Hühnern aus Käfighaltungen stammen.

hingegen greifen nach wie vor gerne zu

EU

Mitgliedsländer sind mit der Umstellung derart im Verzug, dass die EU den Termin mit grosser Wahrscheinlichkeit hinausschieben muss. Zudem sind in der EU

Weil es weder Fleisch noch Fisch verzehrt,

auch alternative Haltungsformen zuläs-

darf ein Paar in Griechenland kein Kind ad-

sig, die in der Schweiz verboten sind, etwa

optieren. Aus Sorge, das Kind könne nicht

die Kleingruppenhaltung.

ausgewogen ernährt werden, untersagte

Italien

Betrug bei Milch­subventionen istockphoto

g l o f r E

40 bis 80 Millionen Käfigeier pro Jahr

istockphoto

Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + + + Au s a l l e r w e lt + +

die zuständige Behörde auf Kreta den Ve-

jede fünfte in Italien registrierte und bei der EU in Brüssel ordentlich gemeldete Kuh war faktisch nicht vorhanden», berichtet Spie-

Während in der Schweiz seit 1991 nur

nomie, den Bäckereien und den Herstel-

«Preisdrückerei bei der Erzeugung tieri-

getariern eine Adoption, wie der Leiter des

gel Online. Möglich machte diesen Schwin-

noch Eier aus Boden- oder Freilandhal-

lern von eierhaltigen Produkten und Fer-

scher Produkte, ob Ei, Milch oder Fleisch,

Sozialamtes der Inselhauptstadt Heraklion,

del eine Manipulation an amtlichen Com-

tung zulässig sind, bleibt der Import von

tiggerichten, wo leider noch allzu oft nur

geschieht stets auf dem Buckel der Tiere

Spyros Epitropakis, erklärt. «Wir haben die

putern. So wurde das Lebensalter der Kühe

Käfigbatterieeiern unverständlicherweise

der Preis und nicht die Schweizer Quali-

und auf Kosten der Produktqualität und

Medizinische Fakultät der Universität von

von einst 122 Monaten auf 999 Monate

bis heute legal. Zwar greift die Mehrheit

tät zählt.

-sicherheit für die Konsumenten», ist

Kreta konsultiert, und diese sagte uns, dass

umgestellt. Wer dahinter stecke, sei noch

der Konsumentinnen und Konsumenten

Hans­uli Huber, Geschäftsführer des STS,

zum Ernährungsplan von Kindern Fleisch

überzeugt. Mit seiner Kampagne «Essen

und Fisch gehört», sagt Epitropakis. Und

Um EU-Subventionsgelder zu kassieren,

die 1,2 Milliarden Liter Milch kommen. Die

Eiern, der Eierimport hat in den letzten

Freiwilliger Verzicht auf Käfigeier

mit Herz» will der STS erreichen, dass

weiter führt er aus: «Wir wollen nieman-

wurden in Italien Angaben über die An-

Untersuchungsbehörden haben laut «Spie-

zehn Jahren jedoch trotzdem stetig zu-

Doch nun ist es dem STS gelungen, 26

in Zukunft keine Käfigeier mehr in die

den diskriminieren, aber wir mussten das

zahl Kühe und die Milchmenge systema-

gel» nebst staatlichen Stellen auch grosse

genommen und beträgt mittlerweile rund

Unternehmen, darunter alle namhaften

Schweiz importiert werden und Gastrono-

prüfen. Jetzt liegt der Fall bei den Justiz-

tisch gefälscht. Seit Jahren wurde Milch

Viehhändler sowie den ehemaligen Kabi-

770 Millionen Eier pro Jahr. Die Gründe

Importeure, zu einem freiwilligen Ver-

mie und Bäckereien vermehrt auf Schwei-

behörden.» Das Paar will vor Gericht errei-

von rund 300 000 Kühen verkauft, die ent-

nettschef des Landwirtschaftsministeriums

für diesen Anstieg liegen bei der Gastro-

zicht auf den Import von Eiern und Ei-

zer Eier setzen. -

chen, dass die Entscheidung gekippt wird.

weder uralt oder längst tot waren. «Beinahe

im Visier.

im Laden erfreulicherweise zu Schweizer

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Sie den

TIERREPORT

Niederlande

• er informiert Sie aktuell über nationale und internationale Tierschutz­ aktivitäten.

istockphoto

Petition fordert Stopp von ­Megaställen

D e m o k r a t i s c h e R e pu b l i k Ko n go

Ölbohrungen wegen Gorillas sistiert

• er deckt Hintergründe auf und nennt die Dinge beim Namen.

TIERREPOR T CHF 5.– /

O F F I Z I E L L E S

O R G A N

D E S

S C H W E I Z E R

Einblicke in Welt der die Tiere

T I E R S C H U T Z

S T S

Das kongolesische Umweltministerium

schliessungsbohrungen britischer Ölquel-

In den Niederlanden hat das Parlament in

hat vorerst sämtliche Bohrungen im Vi-

len werde zurückgezogen. Eine Experten-

Den Haag die Regierung aufgefordert, mit

runga-Nationalpark ausgesetzt. Der Park

analyse soll zunächst sicherstellen, ob die

den Provinzen über einen Baustopp von

in den Vulkanbergen im Dreiländereck von

Bohrarbeiten eine Bedrohung für die Go-

• er stellt Tiere aus den Tierheimen unserer Sektionen vor.

sogenannten «Megaställen» zu verhandeln.

Kongo, Ruanda und Uganda ist die Heimat

rillas darstellen. Die Menschenaffen sind

• er gibt Tipps zur richtigen Haltung von Tieren.

Die Bürgerinitiative «Megastallen Nee» hat

von mehreren hundert Berggorillas. Um-

vom Aussterben bedroht. Umweltschützer

bislang über 34 000 Unterschriften für eine

weltminister José Endundo erklärte in einer

hatten die vor mehreren Monaten erteilte

Petition gesammelt.

Stellungnahme, die Genehmigung für Er-

Bohrgenehmigung heftig kritisiert.

Tie

EU

Darin fordert sie, keine weiteren Grossistockphoto

ställe zu genehmigen, den präventiven Antibiotikagebrauch zu verbieten, die Grund-

Bald elektronische Ohrmarken für Rinder?

wasserbelastung zu reduzieren und eine

Die Europäische Union arbeitet gegen-

trollsystem zusammenführen. Das Rück-

artgerechte Tierhaltung zu fördern. Im

wärtig an einer elektronischen Identifi-

verfolgungssystem bietet der Lebensmit-

Schweinebereich soll die Maximalzahl bei

zierbarkeit von Rindern. Damit sollen die

telindustrie laut der EU-Kommission neue

1250 Sauenplätzen oder 6900 Mastplätzen

Prävention von Krankheiten, die Rückver-

Möglichkeiten: es macht das jetzige Sys-

liegen.

folgbarkeit und die Lebensmittelsicher-

tem präziser und schneller. Gebe es Be-

heit verbessert werden. Ein digitales ID-

denken, lasse sich die Herkunft von Tie-

System für Rinder würde rund 90 Millio-

ren und Lebensmitteln besser zurückver-

nen Tiere in einem entsprechenden Kon-

folgen.

Bu l g a r i e n

Tierquälerei wird neu bestraft

Deutschland

Geschlechtsbestimmung bereits im Hühnerei

Bis zu drei Jahre Haft hat das bulgarische Parlament bei der Änderung der Strafgesetzordnung für jeden festgelegt, der ein Tier tötet oder quält. Bulgarien war bislang der einzige

Männliche Küken aus Legelinien werden

ten. Dazu untersucht man den Einsatz op-

EU-Staat, in dem Gewalt gegen Tiere

getötet. Eine Forscherin aus Leipzig will

tischer Analysemethoden. Zuerst brennt

das Geschlecht nun schon im Ei bestim-

dabei ein Laser ein Loch in die Eierschale.

men. Bei der Zucht von Legehennen wer-

Durch dieses wird die lichtgestützte Ana-

den in Deutschland pro Jahr mehr als 40

lyse vorgenommen.

Dänemark

rechtlich nicht als Verbrechen galt. Die

Neue verbotene Hunderassen

Sanktionen für die Organisation von Tierkämpfen oder die Teilnahme daran wurden drastisch erhöht und beinhalten nun nicht mehr wie bisher nur Bewährungsstrafen.

Millionen frisch geschlüpfte männliche

Allerdings seien die Schlüpfraten aus

Küken getötet. «Das ist sowohl aus Sicht

beprobten Eiern bislang nur im kleinen Rahmen getestet worden, so die For-

Auf den 1. Juli 2010 wurde die Liste der

Bulldogge, Boerboel, Kangal, Zentralasi-

des Tierschutzes als auch für die Indust-

Die Entscheidung des Parlaments

verbotenen Hunde in Dänemark erwei-

atischer Ovtcharka, Kaukasischer Ovt-

rie ein Problem mit gesellschafts-

war das Ergebnis schwerer Proteste im

tert. Die neuen Regeln gelten auch für

charka, Südrussischer Ovtcharka, Torn-

politischer Tragweite», erklärt

In- und Ausland, nachdem mehrere

Touristen, die ihre Tiere nach Dänemark

jak, Sarplaninac.

Maria-Elisabeth

Fälle von Sadismus gegenüber Tieren

einführen. Haltung, Zucht und Einfuhr

Hintergrund des Verbots ist, dass die

ans Licht gekommen waren. Anfangs

von folgenden 13 Hunderassen sind

2011 deckte ein TV-Sender einen Hun-

Kraut-

scherin. Bisher sei es gelungen, das Geschlecht ab dem achten Bebrütungstag sicher

wald-Junghanns, Profes-

zu bestimmen. Praxist-

oben genannten Hunderassen als ge-

sorin an der Universität

augliche Verfahren zur

in Dänemark verboten, wenn sie nach

fährlich eingestuft werden. Das Verbot

Leipzig.

Geschlechtsbestim-

dekampfring auf. Ein als «Trichane» be-

dem 17. März 2010 angeschafft worden

gilt auch für Kreuzungen der betreffen-

Sie versucht mit

kanntes tierquälerisches Ritual sorgte

sind:

wiederholt für internationales Entsetzen (siehe TR 2/2005, S. 26).

mung im Hühnerei,

den Hunderassen. Es obliegt dem Halter

ihrem Team, das Ge-

die dieses möglichst

Pitbull Terrier, Tosa Inu, Amerika-

des Hundes, die Rasse oder den Typ zu

schlecht

unbeschädigt

nischer Staffordshire Terrier, Fila Bra-

dokumentieren sowie den Zeitpunkt der

schon im Ei zu erkennen,

sileiro, Dogo Argentino, Amerikanische

Anschaffung.

möglichst vor dem Bebrü-

des

Kükens

ch rau tb ! No Hilfe in re Ihre

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Unterschrift

Geschenkabo-Empfänger/-in (wird von uns über das Geschenk informiert) Vorname Name Strasse/Nr. PLZ/Ort

lassen,

gebe es bis heute aber

Datum

Unterschrift

noch keine. Bitte Bestellung einsenden an den Schweizer Tierschutz STS, Dornacherstrasse 101, 4008 Basel, faxen an 061 365 99 90 oder bestellen über www.tierreport.ch

28

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

31 7

en

EURO 4.–

2/2011


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Petition fordert Stopp von ­Megaställen

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Ölbohrungen wegen Gorillas sistiert

• er deckt Hintergründe auf und nennt die Dinge beim Namen.

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D E S

S C H W E I Z E R

Einblicke in Welt der die Tiere

T I E R S C H U T Z

S T S

Das kongolesische Umweltministerium

schliessungsbohrungen britischer Ölquel-

In den Niederlanden hat das Parlament in

hat vorerst sämtliche Bohrungen im Vi-

len werde zurückgezogen. Eine Experten-

Den Haag die Regierung aufgefordert, mit

runga-Nationalpark ausgesetzt. Der Park

analyse soll zunächst sicherstellen, ob die

den Provinzen über einen Baustopp von

in den Vulkanbergen im Dreiländereck von

Bohrarbeiten eine Bedrohung für die Go-

• er stellt Tiere aus den Tierheimen unserer Sektionen vor.

sogenannten «Megaställen» zu verhandeln.

Kongo, Ruanda und Uganda ist die Heimat

rillas darstellen. Die Menschenaffen sind

• er gibt Tipps zur richtigen Haltung von Tieren.

Die Bürgerinitiative «Megastallen Nee» hat

von mehreren hundert Berggorillas. Um-

vom Aussterben bedroht. Umweltschützer

bislang über 34 000 Unterschriften für eine

weltminister José Endundo erklärte in einer

hatten die vor mehreren Monaten erteilte

Petition gesammelt.

Stellungnahme, die Genehmigung für Er-

Bohrgenehmigung heftig kritisiert.

Tie

EU

Darin fordert sie, keine weiteren Grossistockphoto

ställe zu genehmigen, den präventiven Antibiotikagebrauch zu verbieten, die Grund-

Bald elektronische Ohrmarken für Rinder?

wasserbelastung zu reduzieren und eine

Die Europäische Union arbeitet gegen-

trollsystem zusammenführen. Das Rück-

artgerechte Tierhaltung zu fördern. Im

wärtig an einer elektronischen Identifi-

verfolgungssystem bietet der Lebensmit-

Schweinebereich soll die Maximalzahl bei

zierbarkeit von Rindern. Damit sollen die

telindustrie laut der EU-Kommission neue

1250 Sauenplätzen oder 6900 Mastplätzen

Prävention von Krankheiten, die Rückver-

Möglichkeiten: es macht das jetzige Sys-

liegen.

folgbarkeit und die Lebensmittelsicher-

tem präziser und schneller. Gebe es Be-

heit verbessert werden. Ein digitales ID-

denken, lasse sich die Herkunft von Tie-

System für Rinder würde rund 90 Millio-

ren und Lebensmitteln besser zurückver-

nen Tiere in einem entsprechenden Kon-

folgen.

Bu l g a r i e n

Tierquälerei wird neu bestraft

Deutschland

Geschlechtsbestimmung bereits im Hühnerei

Bis zu drei Jahre Haft hat das bulgarische Parlament bei der Änderung der Strafgesetzordnung für jeden festgelegt, der ein Tier tötet oder quält. Bulgarien war bislang der einzige

Männliche Küken aus Legelinien werden

ten. Dazu untersucht man den Einsatz op-

EU-Staat, in dem Gewalt gegen Tiere

getötet. Eine Forscherin aus Leipzig will

tischer Analysemethoden. Zuerst brennt

das Geschlecht nun schon im Ei bestim-

dabei ein Laser ein Loch in die Eierschale.

men. Bei der Zucht von Legehennen wer-

Durch dieses wird die lichtgestützte Ana-

den in Deutschland pro Jahr mehr als 40

lyse vorgenommen.

Dänemark

rechtlich nicht als Verbrechen galt. Die

Neue verbotene Hunderassen

Sanktionen für die Organisation von Tierkämpfen oder die Teilnahme daran wurden drastisch erhöht und beinhalten nun nicht mehr wie bisher nur Bewährungsstrafen.

Millionen frisch geschlüpfte männliche

Allerdings seien die Schlüpfraten aus

Küken getötet. «Das ist sowohl aus Sicht

beprobten Eiern bislang nur im kleinen Rahmen getestet worden, so die For-

Auf den 1. Juli 2010 wurde die Liste der

Bulldogge, Boerboel, Kangal, Zentralasi-

des Tierschutzes als auch für die Indust-

Die Entscheidung des Parlaments

verbotenen Hunde in Dänemark erwei-

atischer Ovtcharka, Kaukasischer Ovt-

rie ein Problem mit gesellschafts-

war das Ergebnis schwerer Proteste im

tert. Die neuen Regeln gelten auch für

charka, Südrussischer Ovtcharka, Torn-

politischer Tragweite», erklärt

In- und Ausland, nachdem mehrere

Touristen, die ihre Tiere nach Dänemark

jak, Sarplaninac.

Maria-Elisabeth

Fälle von Sadismus gegenüber Tieren

einführen. Haltung, Zucht und Einfuhr

Hintergrund des Verbots ist, dass die

ans Licht gekommen waren. Anfangs

von folgenden 13 Hunderassen sind

2011 deckte ein TV-Sender einen Hun-

Kraut-

scherin. Bisher sei es gelungen, das Geschlecht ab dem achten Bebrütungstag sicher

wald-Junghanns, Profes-

zu bestimmen. Praxist-

oben genannten Hunderassen als ge-

sorin an der Universität

augliche Verfahren zur

in Dänemark verboten, wenn sie nach

fährlich eingestuft werden. Das Verbot

Leipzig.

Geschlechtsbestim-

dekampfring auf. Ein als «Trichane» be-

dem 17. März 2010 angeschafft worden

gilt auch für Kreuzungen der betreffen-

Sie versucht mit

kanntes tierquälerisches Ritual sorgte

sind:

wiederholt für internationales Entsetzen (siehe TR 2/2005, S. 26).

mung im Hühnerei,

den Hunderassen. Es obliegt dem Halter

ihrem Team, das Ge-

die dieses möglichst

Pitbull Terrier, Tosa Inu, Amerika-

des Hundes, die Rasse oder den Typ zu

schlecht

unbeschädigt

nischer Staffordshire Terrier, Fila Bra-

dokumentieren sowie den Zeitpunkt der

schon im Ei zu erkennen,

sileiro, Dogo Argentino, Amerikanische

Anschaffung.

möglichst vor dem Bebrü-

des

Kükens

ch rau tb ! No Hilfe in re Ihre

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Unterschrift

Geschenkabo-Empfänger/-in (wird von uns über das Geschenk informiert) Vorname Name Strasse/Nr. PLZ/Ort

lassen,

gebe es bis heute aber

Datum

Unterschrift

noch keine. Bitte Bestellung einsenden an den Schweizer Tierschutz STS, Dornacherstrasse 101, 4008 Basel, faxen an 061 365 99 90 oder bestellen über www.tierreport.ch

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TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

31 7

en

EURO 4.–

2/2011


Zoo Hasel: Neue Heimat für die Waschbären

nach Nahrung suchen können, wie es ih-

man sichs versah, war der Waschbär auch

rer Natur entspricht. Als Schutz gegen die

schon über den niedrigen Draht- und un-

Unbill schlechten Wetters und als Über-

ter dem Elektrozaun durchgeklettert und

winterungsmöglichkeit befindet sich in

ins Zoogelände ausgebüxt! Doch weit kam

dem vorbildlichen Gehege ausserdem ein

der Ausreisser nicht: Am nächsten Zaun

Holzhaus mit freiem Zugang und weiteren

wurde er von den Tierpflegern eingefan-

Schlafboxen in den Innenräumen.

gen und trotz lauten Protestgeschreis wie-

Die drei Waschbären können nun ihr

der in das Gehege zurückgebracht.

gesamtes arttypisches Verhaltensreper-

Trostlos: Das war Bärlis altes Zuhause.

toire zeigen: vom gemütlichen Dösen im

Gut eingelebt

hochgelegenen Baumversteck über Klet-

Einen Monat später haben sich die drei

terspiele in den Ästen bis zur Nahrungs-

Waschbären in ihrem neuen Gehege gut

suche in Wassernähe und vielfältigen so-

eingelebt, weitere Ausbruchsversuche

zialen Interaktionen.

Turbulente Einweihung Waschbär Bärli: In seinem alten Gehege war ein artgerechtes Leben nicht möglich.

Gleich nach Ende ihrer mehrmonatigen Winterruhe sollten die drei Waschbären ins neue Gehege gebracht werden. Die zwei Weibchen waren noch ziemlich

Fotos: Sara Wehrli und Mark Rissi

Mit Geldern der Linus und Gustav Jeker-Stiftung kann der STS einmal jährlich ein Projekt realisieren, das direkt dem Wohlergehen von Wildtieren in der Schweiz zugutekommt. 2010 unterstützte der STS den Neubau eines artgerechten Waschbärengeheges im Zoo Hasel bei Remigen AG. Im März 2011 konnte die Anlage eingeweiht werden. Die nachtaktiven Waschbären sind sehr

schutzverordnung

intelligente und neugierige Tiere. Sie sind

zwei Tiere für eine Haltung in Gefangen-

ausgezeichnete Kletterer und Schwimmer

schaft eine Mindestfläche von 20 m2 Aus8 m2

(TSchV)

benötigen

Vergangenheit: Bärlis ehemaliges «Planschbecken».

schläfrig, als man sie in die Ruheboxen

destanforderungen entsprechenden, von

die beiden Tierpfleger sie mit Nachdruck

drei Seiten und von oben einsehbaren

«ermutigten», ins Freie zu gehen und das

Käfig mit rudimentärer Ausstattung: ei-

neue Gehege zu erkunden, äusserten die

ner Schlafbox sowie ein paar Ästen zum

Tiere fauchend ihren Unmut und verzo-

Balancieren. Besonders problematisch für

gen sich noch tiefer in die dunklen Boxen.

den wasserliebenden Kleinbären war das

Der alte Hasler Waschbär musste also mit

sind unterblieben. Bereits erfreuen sich

Fehlen einer richtigen Bademöglichkeit.

gutem Beispiel vorangehen! Doch auch

die geräumigen Schlafboxen in den Bäu-

Auch Grösse und Ausstattung des Käfigs

dieser zierte sich zuerst, und es dauerte

men grosser Beliebtheit, und auch die

ermöglichten weder einen auch nur an-

einige Zeit, bis am Ausgang des Innenge-

Wasserstelle wird gerne genutzt. Fazit:

nähernd artgemässen Bewegungsradius

heges eine schwarz-grau gestreifte Nase

Dank der Unterstützung der Linus und

noch entsprechende Beschäftigungen wie

auftauchte. Doch dann ging alles sehr

Gustav Jeker-Stiftung konnte für die drei

Nahrungssuche, Markieren und Auskund-

schnell! Wie überwältigt von der neuen

Waschbären eine rundum artgerechte An-

schaften des Reviers, Schwimmen oder

Freiheit stürmte das Tier hinaus in den

lage geschaffen werden. Den Waschbären

richtiges Klettern. Dementsprechend träge

frischen Frühlingstag, zuerst in die eine,

– und den Besuchern – gefällts! -

war das Tier geworden.

dann in die andere Richtung. Und ehe

Zügeln: Waschbär Bärli (in der Kiste) auf dem Weg ins neue, grosszügige Zuhause.

Sara Wehrli

Das neue Waschbärengehege teilt

und Bademöglichkeiten ausgestattet sein,

sich der alte Hasler Waschbär nun mit

und die Tiere sollten sich zum Ruhen in

zwei Waschbärendamen aus privater Hal-

Schlafboxen zurückziehen können. Ge-

tung. In dem grosszügig gestalteten, circa

rade was die Mindestmasse betrifft, gel-

400 m2 messenden Gehege können sich

ten diese aber nur für Anlagen, die bereits

die drei jederzeit aus dem Weg gehen.

vor 2008 Bestand hatten. Für neu erbaute

Das Gehege wurde rund um einen struk-

Gehege gelten höhere Ansprüche, da sich

turreichen Kletterfelsen herum angelegt,

diese an den neuesten wissenschaftlichen

auf dessen Kuppe einzelne Büsche und

Erkenntnissen zu Art und Tierhaltung ori-

hohe Bäume wachsen. Zudem wurden in

entieren sollten.

den Bäumen Schlafboxen montiert, so dass sich jedes Tier einen eigenen Rück-

Enorme Verbesserungen

zugsort wählen kann. Am Fuss des Fel-

und leben einzelgängerisch oder in lo-

sen- und

Innengehege. Die Wasch-

Bis vor kurzem lebte der einzige Waschbär

sens befindet sich ein seichtes Wasserbe-

ckeren Familienverbänden. Gemäss Tier–

bärenanlage sollte zudem mit Kletter-

des Zoo Hasel in einem kaum den Min-

cken, in dem die Waschbären baden und

30

im Innengehege verbrachte. Selbst als

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

Schlafboxen: Individuelle Rückzugsmöglichkeiten für die drei Waschbären.

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Zoo Hasel: Neue Heimat für die Waschbären

nach Nahrung suchen können, wie es ih-

man sichs versah, war der Waschbär auch

rer Natur entspricht. Als Schutz gegen die

schon über den niedrigen Draht- und un-

Unbill schlechten Wetters und als Über-

ter dem Elektrozaun durchgeklettert und

winterungsmöglichkeit befindet sich in

ins Zoogelände ausgebüxt! Doch weit kam

dem vorbildlichen Gehege ausserdem ein

der Ausreisser nicht: Am nächsten Zaun

Holzhaus mit freiem Zugang und weiteren

wurde er von den Tierpflegern eingefan-

Schlafboxen in den Innenräumen.

gen und trotz lauten Protestgeschreis wie-

Die drei Waschbären können nun ihr

der in das Gehege zurückgebracht.

gesamtes arttypisches Verhaltensreper-

Trostlos: Das war Bärlis altes Zuhause.

toire zeigen: vom gemütlichen Dösen im

Gut eingelebt

hochgelegenen Baumversteck über Klet-

Einen Monat später haben sich die drei

terspiele in den Ästen bis zur Nahrungs-

Waschbären in ihrem neuen Gehege gut

suche in Wassernähe und vielfältigen so-

eingelebt, weitere Ausbruchsversuche

zialen Interaktionen.

Turbulente Einweihung Waschbär Bärli: In seinem alten Gehege war ein artgerechtes Leben nicht möglich.

Gleich nach Ende ihrer mehrmonatigen Winterruhe sollten die drei Waschbären ins neue Gehege gebracht werden. Die zwei Weibchen waren noch ziemlich

Fotos: Sara Wehrli und Mark Rissi

Mit Geldern der Linus und Gustav Jeker-Stiftung kann der STS einmal jährlich ein Projekt realisieren, das direkt dem Wohlergehen von Wildtieren in der Schweiz zugutekommt. 2010 unterstützte der STS den Neubau eines artgerechten Waschbärengeheges im Zoo Hasel bei Remigen AG. Im März 2011 konnte die Anlage eingeweiht werden. Die nachtaktiven Waschbären sind sehr

schutzverordnung

intelligente und neugierige Tiere. Sie sind

zwei Tiere für eine Haltung in Gefangen-

ausgezeichnete Kletterer und Schwimmer

schaft eine Mindestfläche von 20 m2 Aus8 m2

(TSchV)

benötigen

Vergangenheit: Bärlis ehemaliges «Planschbecken».

schläfrig, als man sie in die Ruheboxen

destanforderungen entsprechenden, von

die beiden Tierpfleger sie mit Nachdruck

drei Seiten und von oben einsehbaren

«ermutigten», ins Freie zu gehen und das

Käfig mit rudimentärer Ausstattung: ei-

neue Gehege zu erkunden, äusserten die

ner Schlafbox sowie ein paar Ästen zum

Tiere fauchend ihren Unmut und verzo-

Balancieren. Besonders problematisch für

gen sich noch tiefer in die dunklen Boxen.

den wasserliebenden Kleinbären war das

Der alte Hasler Waschbär musste also mit

sind unterblieben. Bereits erfreuen sich

Fehlen einer richtigen Bademöglichkeit.

gutem Beispiel vorangehen! Doch auch

die geräumigen Schlafboxen in den Bäu-

Auch Grösse und Ausstattung des Käfigs

dieser zierte sich zuerst, und es dauerte

men grosser Beliebtheit, und auch die

ermöglichten weder einen auch nur an-

einige Zeit, bis am Ausgang des Innenge-

Wasserstelle wird gerne genutzt. Fazit:

nähernd artgemässen Bewegungsradius

heges eine schwarz-grau gestreifte Nase

Dank der Unterstützung der Linus und

noch entsprechende Beschäftigungen wie

auftauchte. Doch dann ging alles sehr

Gustav Jeker-Stiftung konnte für die drei

Nahrungssuche, Markieren und Auskund-

schnell! Wie überwältigt von der neuen

Waschbären eine rundum artgerechte An-

schaften des Reviers, Schwimmen oder

Freiheit stürmte das Tier hinaus in den

lage geschaffen werden. Den Waschbären

richtiges Klettern. Dementsprechend träge

frischen Frühlingstag, zuerst in die eine,

– und den Besuchern – gefällts! -

war das Tier geworden.

dann in die andere Richtung. Und ehe

Zügeln: Waschbär Bärli (in der Kiste) auf dem Weg ins neue, grosszügige Zuhause.

Sara Wehrli

Das neue Waschbärengehege teilt

und Bademöglichkeiten ausgestattet sein,

sich der alte Hasler Waschbär nun mit

und die Tiere sollten sich zum Ruhen in

zwei Waschbärendamen aus privater Hal-

Schlafboxen zurückziehen können. Ge-

tung. In dem grosszügig gestalteten, circa

rade was die Mindestmasse betrifft, gel-

400 m2 messenden Gehege können sich

ten diese aber nur für Anlagen, die bereits

die drei jederzeit aus dem Weg gehen.

vor 2008 Bestand hatten. Für neu erbaute

Das Gehege wurde rund um einen struk-

Gehege gelten höhere Ansprüche, da sich

turreichen Kletterfelsen herum angelegt,

diese an den neuesten wissenschaftlichen

auf dessen Kuppe einzelne Büsche und

Erkenntnissen zu Art und Tierhaltung ori-

hohe Bäume wachsen. Zudem wurden in

entieren sollten.

den Bäumen Schlafboxen montiert, so dass sich jedes Tier einen eigenen Rück-

Enorme Verbesserungen

zugsort wählen kann. Am Fuss des Fel-

und leben einzelgängerisch oder in lo-

sen- und

Innengehege. Die Wasch-

Bis vor kurzem lebte der einzige Waschbär

sens befindet sich ein seichtes Wasserbe-

ckeren Familienverbänden. Gemäss Tier–

bärenanlage sollte zudem mit Kletter-

des Zoo Hasel in einem kaum den Min-

cken, in dem die Waschbären baden und

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im Innengehege verbrachte. Selbst als

TIERREPORT 2/2011

TIERREPORT 2/2011

Schlafboxen: Individuelle Rückzugsmöglichkeiten für die drei Waschbären.

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Wir suchen ein Zuhause Tierheime der STS-Sektionen suchen für diese Tiere ein neues, richtiges Zuhause.

aufgefunden

Bibi, bin etwa achtjährige Katzendame und mag zwar Streicheleinheiten, aber bin keine Schmusekatze. Ich suche ein Zuhause ohne kleine Kinder und brauche Auslauf. STS-Sektion Tierschutzverein des Kantons Luzern Tel. 041 450 00 03

abgegeben

Brownie, fünfjähriges Kaninchen, weiblich. Ich bin gross, zutraulich und neugierig. Brauche ein grosses Aussengehege mit Artgenossen. STS-Sektion Tierschutzverein des Kantons Luzern Tel. 041 450 00 03

abgegeben

Lou, bin ein sechsjähriger Schnauzer-Jack Russel Rüde, kastriert. Ich brauche viel Beschäftigung. Mit andern Hunden und Katzen komme ich gut aus. STS-Sektion Tierschutzverein des Kantons Luzern Tel. 041 450 00 03

abgeschoben aufgefunden Tom und Jerry, wir sind ca. einjährige Mischlingsrüden, kastriert. Wir sind lieb und sehr lebhaft, doch brauchen wir noch Erziehung. STS-Sektion Tierschutzverein Oberaargau Tel. 079 669 95 72

abgegeben Luna, bin dreijährige Katzendame, kastriert. Ich bin zutraulich und mag Kinder und Hunde. Möchte Auslauf in der Umgebung. STS-Sektion Tierschutzverein Interlaken-Oberhasli Tel. 033 823 80 08

Fiona, bin ca. einjähriges Katzenmädchen, kastriert. Bin anfangs etwas zurückhaltend, mag aber andere Katzen und Kinder. Benötige unbedingt Auslauf. STS-Sektion Tierschutzverein Interlaken-Oberhasli Tel. 033 823 80 08

heimatlos

abgegeben

Shiva, bin eine sechsjährige Pittbull-Hündin, kastriert. Ich bin sehr anhänglich und spiele gerne. Brauche jemand mit Erfahrung und viel Zeit, ohne Kleinkinder und Katzen. STS-Sektion Tierschutzverein Nidwalden und Obwalden Tel. 041 610 60 21

Nimo, bin ca. achtjähriger, kastrierter Kater. Bin sehr anhänglich und verschmust. Ich brauche Auslauf ins Freie. STS-Sektion Tierschutzverein Oberaargau Tel. 079 669 95 72

beschlagnahmt

abgeschoben verlassen

Stella, bin dreijährige kastrierte Katzendame. Ich bin sehr zutraulich und mag Kinder und Hunde. Ich suche ein Zuhause mit Auslauf. STS-Sektion Tierschutzverein Interlaken-Oberhasli Tel. 033 823 80 08

abgegeben

Moderator Redaktor und ung in der T V-Send t ll e st r e rg e B Beat Tiere ere heimatlose m «tierisch» ­weit o .c sch.tierschutz vor: www.tieri

Fluffy, bin ein neunjähriger Mischlingsrüde. Ich bin sehr anhänglich und suche jemanden, der viel Zeit für mich hat und schon Hundeerfahrung mitbringt. STS-Sektion Tierschutzverein Nidwalden und Obwalden Tel. 041 610 60 21

Jamie, bin ca. dreijährige Katzendame, kastriert. Bin noch etwas scheu und suche jemanden mit viel Geduld. Andere Katzen mag ich nicht. STS-Sektion Tierschutzverein Oberaargau Tel. 079 669 95 72 Tinka, bin vierjährige Shar Pei-Hündin. Am Anfang bin ich etwas scheu, aber sehr feinfühlig. Suche ein ruhiges Zuhause ohne Kinder. STS-Sektion Tierschutzverein Nidwalden und Obwalden Tel. 041 610 60 21

abgegeben

Lea, bin sieben Monate altes Katzenmädchen, kastriert. Bin etwas schüchtern, aber sehr verspielt und mag andere Katzen. Vor kleinen Kindern habe ich Angst. Ich brauche unbedingt Auslauf. STS-Sektion Tierschutzverein Interlaken-Oberhasli Tel. 033 823 80 08

Rocky, bin ca. acht Jahre alt, männlich und kastriert. Am Anfang bin ich etwas zurückhaltend und suche darum einen Platz, wo ich mich langsam angewöhnen kann. STS-Sektion Tierschutzverein Oberaargau Tel. 079 669 95 72

Leika, bin eine zweijährige Border-AppenzellerMischlingshündin, kastriert. Menschen liebe ich und habe sehr viel Energie. Am liebsten würde ich zu einem sportlichen Menschen. STS-Sektion Tierschutzverein Nidwalden und Obwalden Tel. 041 610 60 21

heimatlos

ausgesetzt

Silia und Silas, wir sind ca. vierjährig, kastriert. Da wir uns als Bruder und Schwester sehr lieben, möchten wir zusammenbleiben. Streicheleinheiten lieben wir, sind aber anfangs zurückhaltend. STS-Sektion Tierschutzverein Oberaargau Tel. 079 669 95 72 TIERREPORT TIERREPORT 2/2011 4/2008


Tierreport 2/2011