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Nicole er Bern4.eCghâgteau Sa 5. -Land Conny wil Lippers

In der TV-Show musste sie jeweils nur wenige Minuten überzeugen. Auf der Bühne beweist «The Voice of Switzerland» Nicole Bernegger ihr Stehertalent: Mit Leib und Seele lebt sie ihre Lieder. Interview und Fotos Zeno van Essel

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oran merken Sie in Ihrem Leben, dass Sie jetzt ein Star sind? Das Wort «Star» ist ein bisschen hoch gegriffen. Soweit bin ich wohl noch nicht. Am «Swiss Award» bin ich zum ersten Mal in meinem Leben über einen roten Teppich gelaufen. Und ich merke, dass mich die Leute auf der Strasse erkennen. Zudem können meine Band und ich an ganz anderen Orten auftreten als früher und uns so ein neues Publikum erobern. Das ist mir das Wichtigste. Mögen Sie es, wenn die Leute Ihnen auf der Strasse hinterherschauen? Auf der Strasse habe ich meistens irgendwie einen Filter im Bewusstsein. Da merke ich die Blicke gar nicht. Vielleicht schauen die Leute ja auch etwas ganz anderes an. Zum Beispiel meine Schminke oder den «Gupf» auf meinem Kopf ... Wie lange gibts den «Gupf» schon? Keine Ahnung. Das hat irgendeinmal angefangen und wird immer grösser. Und jeden Morgen toupieren Sie sich stundenlang die Haare? Genau, so ist es. Im Ernst: Ich bin stolz auf meine Fransen. Das passt einfach zu mir.

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Schweizer illuStrierte event.

«The Voice of Switzerland» live on Tour

Verliebt in live

Nicole Bernegger und ihre Band «The Kitchenettes» live im Kammgarn in Schaffhausen.

Zurück zur Musik: Wie hat sich die verändert seit Ihrem Gewinn von «The Voice of Switzerland»? Eigentlich kaum. Für mich war die TV-Show Teil eines stetigen Entwicklungsprozesses. Ich habe immer darauf hingearbeitet, dass ich in meiner Musikkarriere weiterkomme. Anfangs habe ich alles selbst gemacht, vom Songwriting über das Booking bis hin zum Management. So habe ich das Musikbusiness von allen Seiten kennen gelernt. «The Voice of Switzerland» hat mir vieles erleichtert. Heute kann ich auf ein viel grösseres Team zurückgreifen, das mir hilft. Lassen Sie sich heute gerne in Ihren Dingen dreinreden? Kommt drauf an, wo. Zum Beispiel beim Styling? Nein. Und ich weiss, das spaltet die Nation. Aber das ist mir egal. Woran merken Sie das? Ich habe bei «The Voice» mitgemacht, weil ich dachte, dass es da primär um die Stimme geht. Aber ich stellte fest: Da wird alles diskutiert. In meiner Naivität habe ich am Anfang auch noch jeden Kommentar gelesen, in dem in Online-Foren oder Zeitungen mein Styling oder mein Outfit kritisiert wurde. Was entspricht in Ihrem Leben noch nicht den Standards eines Stars? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich habe keine Erwartungen, sondern lediglich ein paar Sterne am Himmel, die ich gerne greifen würde. Manche sind näher, manche weiter entfernt. Was meinen Sie konkret? Es gibt Orte, an denen ich gerne spielen möchte. Ich möchte mich musikalisch gerne weiterentwickeln. Und ich möchte versuchen, im Musikbusiness festen Boden unter die Füsse zu bekommen. Denn nur mit dem Gewinn einer Castingshow hat man das noch lange nicht erreicht. Sie sind «The Voice of Switzerland». Engt dieser Titel Sie nicht ein? Im Gegenteil! In der Schweiz habe ich noch viel zu tun. In allen ländlichen Regionen, aber vor allem auch im Welschland und im Tessin. Was ist typisch schweizerisch an Ihnen? Vielleicht meine Zurückhaltung und die Tatsache, dass ich trotz des ganzen Rummels immer versuche, auf dem Boden zu bleiben. Ich habe eine Familie und Kinder. Ich weiss,

wie es im richtigen Leben abgeht. Müssen Sie nicht vieles davon dem Showbiz opfern? Nicht mehr als vor «The Voice». Dank dem, dass ich jetzt mit einem professionellen Team zusammenarbeite, das mich in vielen Bereichen grossartig unterstützt, kann ich mich besser organisieren. Was macht Ihnen mehr Spass: Auf einer grossen Bühne zu stehen oder in einem kleinen Club? Ich habe lieber kleine, vollgestopfte, schwitzige Clubs als eine Riesenhalle, wo sich alle ein bisschen verloren vorkommen. Ich liebe

«Der Energieaustausch mit dem Publikum bei einem Konzert ist extrem. Wie ein Ballon mit Glücksgefühlen.»

Eine Stimme, die die Herzen bewegt: Nicole live.

den Kontakt zum Publikum. Dieses trägt mich mit seiner Begeisterung durch schwierige Momente. Da findet ein extremer Energieaustausch statt. Das ist unbeschreiblich. Wie ein Ballon mit Glücksgefühlen. Haben Sie bei Ihren Auftritten im Fernsehen das Millionenpublikum gespürt? Nein, nur das Publikum im Saal. Darum kann man glaube ich gar nicht erfassen, was es bedeutet, «The Voice of Switzerland» zu sein. Früher waren Sie als Sängerin Ihrer Band «The Kitchenettes» unterwegs. Seit «The Voice» stehen vor allem Sie im Rampenlicht. Gibt das keine Spannungen? Nein, dafür sind wir schon zu lange gemeinsam unterwegs. Jetzt arbeiten Sie mit einem Team von Managern, Plattenfirma und Produzenten. Müssen Sie dadurch nicht viele lieb gewonnene Gewohnheiten opfern? Nein. Ich empfinde das als eine grosse Hilfe. Ich bin als Mensch nicht sehr strukturiert. Jetzt gibts plötzlich Zeit- und Produktionspläne. Das hilft mir, mich besser auf Dinge zu fokussieren. Es entsteht ein gewisser Druck, Ziele zu erreichen und etwas zum Abschluss zu bringen. Und das fördert den kreativen Prozess – gerade auch in der Zusammenarbeit mit meiner Band. Schweizer illuStrierte event.

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2014 03 nicole bernegger  
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