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«Ich bestimme, was lustig ist» Frank Baumann, Direktor Arosa Humor-Festival

Wenns um guten Humor geht, kennt er keinen Humor. Vielleicht ist das der Grund, warum das Arosa Humor-Festival noch immer so lustig ist. Festivaldirektor Frank Baumann über die Ernsthaftigkeit des Lachens.

AROSATIVAL

S HUMOR-.FDEezember 8. bis 18 rzelt Theate Arosa

PAPERBOY

Frank Baumann, 54, ehemaliger Radio-24-Moderator, erfolgreicher Werber, TV-Moderator und jetzt Festivaldirektor: Zu gern würde er in Arosa selbst auf der Bühne stehen. 20

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE event.

Was ist Humor? Gute Frage. Humor ist wenn man lacht – nicht wenn man trotzdem lacht. Und: Humor ist eine alte Sache. Seit mehr als 3000 Jahren beschäftigt das Lachen die Menschen. Warum ist Lachen so wichtig? Lachen ist ein befreiendes Gefühl. Sich einfach gehen lassen zu können, ohne die Muskeln spannen zu müssen, um im Leben ernst zu wirken, das braucht jeder Mensch von Zeit zu Zeit. Einem guten Humor kann man sich darum auch nicht entziehen. Von dem wird man voll und ganz vereinnahmt. In den letzten Jahren ist die Humor-Industrie stark gewachsen. Warum? Gibt es in der Welt sonst zu wenig zu lachen? Die Forschung hat festgestellt, dass mit Humor vieles einfacher geht. Das macht sich auch die Werbung zunutze. Vielleicht gilt das auch fürs Leben generell. Das Arosa Humor-Festival ist auch ein Produkt dieser Comedy-Flut. Wer bestimmt in Arosa, was witzig ist? Also erst einmal muss ich mich wehren. Das Wort «Comedy» treibt mich in den Wahnsinn. Ich schaue mir sehr viel Comedy an, an Veranstaltungen, Messen und Festivals von Edinborough bis Freiburg im Breisgau, und ich kriege Berge von DVDs. Und leider gibt es ganz wahnsinnig viel, was wirklich nicht gut ist. Es ist heute zur billigen Masche geworden, Comedy zu machen. Damit habe ich den zweiten Teil der Frage auch beantwortet: Ich bestimme, was lustig ist und wer nach Arosa kommt. Ich bin zu einem ganz schwierigen Partner geworden für alle, die lustig sein wollen.

Ist es nicht besonders lustig, mit Ihnen zu verhandeln? Nein, wirklich nicht. Im Interesse des Publikums versuche ich, die bestmögliche Qualität im jeweiligen Segment auszusuchen. Das heisst nicht, dass alles auf dem Niveau eines Gerhard Polt oder Franz Hohler sein muss. Humor ist aber sehr individuell. Das stimmt. Es gibt Leute, die finden Sutter & Pfändler das Allergrösste. Andere empfinden sie aber schlicht als unerträglich. Und trotzdem gibt es eben Tausende von Menschen, die sie sehen wollen. Ich will mir nicht anmassen, denen vorzuschreiben, was guter Humor ist. Ich kann nur herausfinden, was mehrheitsfähig ist. Und das bringe ich nach Arosa. Wie haben Sie Franz Hohler überreden können, auf der gleichen Bühne wie Sutter & Pfändler aufzutreten? Ich musste ihn tatsächlich überreden. Allerdings spielten dabei die anderen Künstler, die bei uns auftreten, keine Rolle. Franz Hohler musste sich gut überlegen, ob er das wirklich will: in einem Zelt vor 1000 Leuten auftreten. Eigentlich bespielt er viel lieber kleinere Locations, weil er dort genau auf das Publikum trifft, das seine feinen Nuancen wahrnimmt. Das ist bei einer grossen Masse wie in Arosa natürlich schwieriger. Schlussendlich hat er aber nach reiflicher Überlegung zugesagt. Das finde ich ganz toll. Denn wenn Franz Hohler zusagt, kommt er ganz und gar mit Leib und Seele! Eine Woche lang Lachkrampf und Schenkelklopfen. Ist das für Sie als Festivaldirektor nicht sehr anstrengend? Doch. Und zwar nicht nur für mich, sondern für alle, die mit dem Festival zu tun haben. Bei drei Vorstellungen am Tag weiss man spätestens nach drei Tagen nicht mehr, was man am ersten Tag gesehen hat. Wir sind nicht so konstruiert, dass wir mit einer Überdosis Humor umgehen können. Unser Hirn ist wie ein junger Hund: Man wirft ihm immer wieder das Stöckchen weg, und er hat eine Riesenfreude und apportierts immer wieder, bis er einfach irgendwann total kaputt ist und nicht mehr mag. Nach zehn Tagen HumorFestival gehe ich nach Hause und brauche erst einmal meine Ruhe. Meine grösste Freude am Festival ist, wenn ich sehe, wie sich die Leute freuen. Das gibt mir einen Kick.

Würden Sie nicht lieber selbst auch auf der Bühne stehen, statt sich als Festivaldirektor ums Administrative kümmern zu müssen? Ich hätte zwar ein fixfertiges drittes Programm parat. Aber es wäre nicht richtig, wenn ich einerseits entscheide, wer kommen darf, und auf der anderen Seite selbst auf der Bühne stehe. Aber zugegeben: Das wurmt mich manchmal. Macht es Ihnen überhaupt noch Spass, sich die ganze Zeit über mit Spass zu befassen? Ja, klar. Sehr viel sogar. Am meisten Spass macht es immer wieder, die Nadel im Heuhaufen zu finden. Man stolpert immer wieder über Leute, von denen man denkt: Wow, das ist super! Sowas möchte ich auch einmal können. Das ist spannend. Ursus & Nadeschkin, Gardi Hutter, Blues Max, Giacobbo/Müller. Warum muss man diese Stars in Arosa sehen, wo die doch schon ständig anderswo auftreten? Weil das Arosa Humor-Festival einzigartig ist. Von der Location in der verschneiten Bergwelt, von der Stimmung im Zelt, vom Event her. Wir sind zu einer verschworenen Familie gewachsen. Und das sage ich als jemand, der anfangs gegen dieses Festival war, weil ich davon überzeugt war, dass es nicht funktionieren würde. Ich habe mich gern eines Besseren belehren lassen. Sie feiern dieses Jahr das 20. Jubiläum. Mit einer grossen Party. Wird die besonders lustig? Darüber haben wir lange diskutiert. Ich schlug vor, nichts Spezielles zu machen, sondern einfach eine gute Party – wie immer. Ich versuche eine Qualität auf einem hohen Niveau zu erreichen. Ab und zu erlauben wir uns aber auch mal ein Experiment. Wer sind denn dieses Jahr Ihre drei persönlichen Highlights am Arosa HumorFestival? Auf Arnim Töpel freue ich mich ganz besonders. Er ist eingesprungen für zwei Schweizer, und er hat sich als Grossartig entpuppt. Dann sind Helge & das Udo Weltklasse. Udo hat übrigens früher mit meiner Frau in einer WG gewohnt. Und das dritte Highlight ist natürlich Franz Hohler. Damit habe ich mir selbst ein kleines Geschenk gemacht.

Ein Zelt im Schnee: Hier wird gelacht!

Arnim Töpel

Franz Hohler

AROSA HUMOR-FESTIVAL 2011 Ursus & Nadeschkin, Franz Hohler, Kevin James, Thomas Kreimeyer, Sutter & Pfändler, Gardi Hutter, Blues Max, Ingolf Lück, 2topmodels, Flurin Caviezel, Lisa Fitz, Habbe & Meik, Oropax, Arnim Töpel, Quatsch Comedy Club, Murat Topal, Helge & das Udo, Alfred Dorfer, Maddin Schneider und Giacobbo/Müller treten dieses Jahr vom 8. bis 18.12. am Arosa Humor-Festival auf.

Helge & das Udo

Interview: Zeno van Essel SCHWEIZER ILLUSTRIERTE event.

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Frank Baumann