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I rock I Zwei grosse Gitarristen, zwei grosse Songschreiber, zwei grosse Namen – und dennoch zwei grosse Unbekannte. Bob Dylan und Mark Knopfler zeigen auf der gemeinsamen Tournee, dass ihre Musik ganz ohne Klischees funktioniert.

Zwei stille Eigenbrötler auf Tour Bob Dylan und Marc Knopfler

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15.11. nstadion e l l a H . 1 .1 16 Zürich Bob Dylan (oben) und Mark Knopfler – zwei Bilder, die Bände sprechen: Dylan mit dem kritischen Blick, Knopfler entspannt zurückgelehnt. 18

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE event.

Es war im Herbst des Jahres 1979. Die beiden Musikproduzenten Barry Becket und Jerry Wexler hatten einen neuen, wichtigen Auftrag eingeheimst: das neue Album von Bob Dylan! Das war kein Zufall: Ein Jahr zuvor hatten sie für eine junge britische Band das Album «Communiqué» mit dem Superhit «Lady Writer» aufgenommen, das den Gitarrenrock neu definierte: die Dire Straits. Dylan, kurz zuvor zum Christentum konvertiert, wollte musikalisch auch in diese Richtung, nachdem er einen Auftritt der Dire Straits im «Roxy» in Los Angeles gesehen hatte. Darum engagierte er das Produzententeam. Damit nicht genug. Er wollte auch den lässigen, lockeren Sound dieses jungen britischen Gitarrenvirtuosen auf seinem Album hören und heuerte diesen gleich mit an: Mark Knopfler. So entstand das Album «Slow Train Coming». Es war die erste Zusammenarbeit von Bob Dylan und Mark Knopfler. Und zwischen den beiden schweigsamen Eigenbrötlern entwickelte sich eine einzigartige, unauffällige musikalische Freundschaft. 1983 spannte Dylan den Ex-Lehrer wieder für ein Album ein. Diesmal als Produzent und Sessiongitarrist. Politisch passen sie nicht zusammen Gut 30 Jahre später. Weder Dylan noch Knopfler haben sich wesentlich verändert. Knopfler hat sein Stirnband abgelegt, dafür trägt Dylan jetzt Hut. Ihr Songwriting, ihr Gitarrenspiel ist dasselbe geblieben – auch wenn beide über einen grossen Range an Stilen verfügen. Und beiden gemeinsam ist, dass sie wenig bis nichts über sich selbst verraten, kaum Interviews geben und eigentlich nur in ihren musikalischen Universen leben. Darum war es für viele Rockfans eine grosse Überraschung, als Dylan und Knopfler im Frühling dieses Jahres ankündigten, gemeinsam auf Tournee zu gehen. Denn vom politischen Image her wollen die beiden nicht so recht zusammenpassen: Hier der legendäre Protestsänger, der kritische, manchmal auch aufrührerische Geist, Ikone der amerikanischen Gesellschaftskritik. Da der

eher lakonische Laid-Back-Studiomusiker mit dem typisch britischen Sinn für Selbstironie, der seine Gitarre wortlos singen lässt, ohne damit die Welt verändern zu wollen. Nun gehen sie zusammen auf Tournee. Nicht, weil das Alter versöhnt, sondern weil sich zwei Musiker treffen, die alle Klischees hinter sich gelassen haben. An diesem denkwürdigen Abend geht es nur um den Sound der Gitarre, um die Kunst des Songwritings, um den Spass an der Musik. Alles sehr simpel, alles sehr cool. Das erklärt auch, warum die beiden jeweils mit eigener Band spielen. Je gut eine Stunde. Ohne aufgesetzte Verbrüderungsromantik. Ohne den Zwang, Rücksicht auf den anderen nehmen zu müssen. Der gegenseitige Respekt ist eh schon da. So sind sie eben, die Eigenbrötler. Text: Zeno van Essel

TONI VESCOLI: «DARUM HABE ICH MIR SOFORT ZWEI TICKETS BESORGT!» «Mark Knopfler und Bob Dylan sind zwei meiner grossen musikalischen Idole. Dylan, weil er ein alter Weggefährte ist. Ich habe ihn 1965 zum ersten Mal wahrgenommen und seither hat er mich nicht mehr losgelassen. Kein Konzert, bei dem ich selbst nicht einen oder zwei DylanSongs spiele. Manchmal mache ich daraus auch ein ganzes Abendprogramm. Mark Knopfler hat mich in den 80er-Jahren wieder mit der Rockmusik versöhnt, weil diese mir damals zu heavy geworden ist. Knopfler, für mich eine Mischung aus den Shadows und Bob Dylan, hat es geschafft, Musik zu machen, die Gene-rationen verbindet. Seinen Sound zu hören ist für mich, wie in Teneriffa im Liegestuhl zu hängen und die Seele baumeln zu lassen. Ich finde es grossartig, dass diese beiden Grossen der Rockmusik zusammen auf Tour gehen. Sie passen perfekt zusammen und sprechen Leute wie mich an, die es lieben, eine gute Zeit mit gutem Sound zu geniessen.»

Dylan/Knopfer live: Jeder spielt eine Stunde.

Toni Vescoli, Musiker und Kopf der legendären Sauterelles. PAPERBOY

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Bob Dylan & Mark Knopfler