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Joy, du hast das neue Album nach deinem zweiten Vornamen «Maureen» getauft. Das ist als Metapher für den Reifeprozess der Joy Denalane zu verstehen. Und dass ich mich stark mit den letzten Jahren meines Lebens auseinandergesetzt habe. Dazu gehört unter anderem auch eine Trennung und diese Gefühle, durch die man geht. Ich finde «Maureen» einen guten Titel, weil er diese neuen Erfahrungen beschreibt, mit denen ich mich auseinandersetzen musste und durch die ich mich teilweise auch neu definieren musste. Ein neuer Lebensabschnitt und darum ein anderer Name. – Ist es aber auch so, dass du neben der Joy auch eine Maureen, also zwei Seiten in dir spürst? Ja, mindestens! Ich bin sehr temperamentvoll, nicht besonders launisch, aber sehr spontan und intensiv. Ganz zart, aber auch ganz klar. Du singst ja in einem Lied «Denn auch ich kann meine Frau im Leben stehen und trotzdem wünsch ich mir manchmal, mich anzulehnen». Damit können sich die meisten heutigen Frauen identifizieren.

Ja, und dieses Befinden ist gar nicht so kurios. In der Beziehung zwischen Mann und Frau gibt es zum Teil immer noch Traditionen, die unterschwellig nach wie vor mitschwingen. Da fühlt sich der Mann immer noch als Versorger. Nun kann eine Frau beruflich erfolgreich und Mutter sein oder auch einfach keine Mutter sein wollen. Ich denke, wir Frauen sind uns darüber sehr klar, aber die Männer brauchen manchmal eine Erklärung dafür. Diese Zeilen richten sich also an Männer? Ja, eine Art «Gebrauchsanweisung». Im Prinzip eine Erklärung, wie man ist als Frau. Du hast schon immer mit deinem Mann Max Herre zusammengearbeitet. Beruf und Beziehung mit derselben Person zu teilen, ist nicht einfach. Was ist das Geheimnis dahinter, dass es funktioniert? Bei mir und Max funktioniert es, zum einen, weil wir dieselbe Leidenschaft für die Musik teilen. Zum anderen, weil wir unterschiedliche Herangehensweisen haben. Ich gehe emotional an die Musik heran, Max visionär. Das finde ich schön, wie sich das so gut er-

Neue Kraft Soulmusik am jazznojazz

Sie hat eine Odyssee hinter sich. Von Berlin hinaus in die Welt und wieder zurück. Auch in der Liebe. Nun gibt Joy Denalane ihre reichen Erfahrungen weiter mit ihrem neuen Album «Maureen».

JOY DENAL ANeEr 28. Oktobzz jaz znoja Zürich

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gänzen kann. Dazu kommt, dass wir zwar aus derselben Genrefamilie sind, aber trotzdem andere Sachen machen. Ich sehe mich als Soulsängerin. Max ist für mich Songwriter, aber auch MC. Das sind verschiedene Ansätze und wir kommen uns nicht so in die Quere. Die Zauberformel wäre also: vereinte Leidenschaft für eine gemeinsame Sache, aber Herangehensweisen aus unterschiedlichen Richtungen, sodass man sich nicht konkurriert. Ich glaube, bei uns ist es so. Ich bin ja auch jemand, der sich sehr gerne helfen lässt. Ich habe eine Vorstellung, ein Gefühl, von dem, was ich machen will, aber ich such mir immer Leute, die mir helfen, ob es in der Produktion oder im Songwriting ist. Ich schreibe nie alleine einen Text. Ich kann abgeben. Max gehört auch zu den Leuten, die gewisse Dinge besser können als ich und dann lass ich ihn das machen, ohne dass ich das Gefühl habe, er nimmt mir etwas weg. Wie gehen eure Söhne damit um, dass ihre Mama und ihr Papa berühmt sind? Dazu gibts eine süsse Geschichte. Wir fuhren zu einem VFB-Spiel. Meine Söhne sind totale Fussballfans und natürlich von VFB Stuttgart, wie ihr Vater. Wir haben Tickets von einem VFB-Spieler bekommen, weil der wiederum ein Fan von Max ist. Das war für meinen Sohn unverständlich: «Was? Dieser grosse Fussballstar ist Fan von meinem Papa?» Sind eure Kinder dann nicht an den Konzerten und sehen die Fans? Doch, aber die sind so aufgewachsen, waren in Tourbussen unterwegs. Es ist für sie sie kein Riesenmysterium, sondern ganz normal. Hören die schon eine bestimmte Musik? Ja, viel Hip-Hop, Soul und R’n’B. Also schon ziemlich beeinflusst. Das R’n’B-Ding haben sie von der Schule, so Bruno Mars und Rihanna. Wie würdest du reagieren, wenn sie total auf Heavy Metal stünden? Kein Problem. Kinder müssen sich auch definieren. Egal, was sie hören, Hauptsache, sie entwickeln sich. Sie wollen aber keine Musiker werden! Also noch kein erstes Songwriting. Doch, der Grosse hat einen Rap geschrieben,

ich war völlig baff. Was hat er denn geschrieben? «Gimme the beat, I step on the street, you look like a sheep», irgendwie sowas (lacht). Ihr sprecht aber Deutsch mit ihnen. Was bedeutet dir die deutsche Sprache? Deutsch ist eine ganz tolle, reiche Sprache mit grossartiger Literatur. Ich lese sehr gerne. Was liest du gerade? Michel Houellebecqs «Karte und Gebiet», Tolstois «Auferstehung» und Moritz von Uslars «Deutschboden – eine teilnehmende Beobachtung». – Also sehr breitgefächert. Du singst auch wieder auf Deutsch und kommst ans jazznojazz. Ja, und auf jeden Fall in der grossen Besetzung, mit Bläsern und Backings. Und du singst vor allem Deutsch? Nicht nur. Ich habe «Maureen» zuerst ja auch auf englisch produziert und einige Songs auch schon auf englisch aufgenommen, als ich mich dann fürs Deutsche umentschied, weil ich immer darauf angesprochen wurde. Warum brauchte es so viel Anstoss? Deutsch ist eine schwierige Sprache für Soul. Sie klingt hart. Soul ist in meinem Ohr ganz weich, da auch meine Hörgewohnheiten vom englischen Soul beeinflusst sind. Und es gibt nicht viele deutsche Beispiele zum Vergleich oder zur Inspiration. Vielleicht inspiriert dein Album «Maureen» ja andere deutsche Soulkünstler. Das wäre schön! Interview: Selina Müller

JAZZNOJAZZ 2011 Zum 13. Mal findet das international renommierte jazznojazz in Zürich statt. Auf den drei Bühnen im Theaterhaus Gessnerallee, dem ewz-Unterwerk Selnau und im Theater der Künste sind jeden Abend vom 26. bis 29. Oktober erlesene Künstler zu erleben. Darunter Randy Crawford & Joe Sample, Michel Camilo, Richard Galliano, Raul Midón, Selah Sue, Nils Landgren, Charles Bradley, Ben L'Oncle Soul (l.) und Hiromi (r.). Gesamtes Line-up auf www.jazznojazz.ch und auf www.ticketcorner.ch

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Joy Denalane - Das Geheimnis des Erfolgs und der Liebe mit Max Herre  

event. - Das Veranstaltungs- und Freizeitmagazin - Juli/August 2011