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!ticket P.b.b. 15Z040254 M Ticket Express GmbH, Heumühlgasse 11, 1040 Wien

Österreichs Eventmagazin Nr.1

musik show 2 0 1 6 sport theater kabarett

APRIL

€ 2,90

Damit sind Sie live dabei!

DER SIECHENDE TOD DER

ROCKMUSIK

Was wurde aus der LOVE-&-PEACEGENERATION?

kultur areal burgenland

PANNONISCHER REIGEN Von Premieren in Mörbisch, St. Margarethen, Parndorf, Güssing und Kobersdorf bis hin zum Rockfeuerwerk in Nickelsdorf.


Tausende Titel ganz einfach auf Abruf. Genau mein Ding.

Sky On Demand Die neuesten Kinofilme und US-Serien wann immer du willst – einfach auf Abruf. Natürlich in bester HD-Qualität und wahlweise in Originalfassung.

Mehr Infos auf sky.at/onDemand und im Fachhandel. Verfügbar auf Sky On Demand via Ihrem mit dem Internet verbundenen Sky+ oder Sky Go. Pixels © 2015 Columbia Pictures Industries, Inc., LSC Film Corporation and China Film Co., Ltd. All Rights Reserved.; Californication © Showtime Networks, Inc. All Rights Reserved.; Everest 3D © Universal Pictures; Dexter © Showtime; Focus © Warner Brothers; GoT © 2016 Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO® and all related programs are the property of Home Box Office, Inc.; Halbe Brüder © Universal Studios Inc.; House of Cards © 2016 MRC II Distribution Company L.P. All Rights Reserved.; Love, Rosie - Für immer vielleicht © Constantin Film Verleih GmbH; Mad Max: Fury Road © Warner; Männerhort © 2014 Constantin Film Verleih GmbH; New Girl © 2013 Fox and its related entities. All rights reserved.; Outlander © Passion; Vinyl © 2016 Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO® and all related programs are the property of Home Box Office, Inc.; A World Beyond © 2015 Disney; Veep © 2016 Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO® and all related programs are the property of Home Box Office, Inc.

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!ticket editorial

Die Krone der Schöpfung.

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in „Sommerloch“ gibt es in der Eventbranche nicht wirklich – im Sommer selbst erst recht nicht, stehen da immerhin mit Festivals, Sommertheatern und Open-Air-Konzerten zahlreiche Alternativen zum Schani- und Schrebergarten auf dem Plan. Umso verwunderlicher ist es, dass sich repetitiv alljährlich gewisse pop-populistische Szene-Medien akribisch den einzelnen Billings widmen und auch hier lautstark nach einer Gender-Quote krakeelen, den Veranstaltern gar tumb vorwerfen, sie wären Sexisten, weil: Was bleibt schon großartig übrig, wenn man zum Beispiel am Rock in Vienna alle Bands – insbesondere in den Headlinerpositionen – streicht, bei denen keine Frau am Werken ist? Eben. Verstehen Sie mich nicht falsch, eine Gleichberechtigung von Frauen ist nicht nur gut und richtig, sondern in meinen Augen eigentlich sogar selbstverständlich, aber trotzdem sollte der Schuster bei seinen Leisten bleiben und nicht einen erneuten Keil zwischen die Geschlechter treiben, indem das Geschlecht des Menschen ein weiteres Pro- oder Contra-Merkmal dafür darstellt, ob man nun einen Job bekommt, oder dafür, ob man am Rock in Vienna spielen darf – oder eben nicht. Es mag von Frank Stronach eine unglückliche Formulierung gewesen sein, aber Frauen sind tatsächlich auch Menschen wie „wir Männer“ und es ist hanebüchener Blödsinn, wenn einschlägige Journalisten schreiben: „Festivals sind ein reines Sausage-Fest.“ Kunst – und das geht natürlich über die Musik oder gar ein bestimmtes Genre hinaus – ist zu allervorderst geschlechts- und farbenlos, sie ist ein Gut, das eben nicht in restringierenden Kategorien wie Geschlecht oder Herkunft funktioniert. Penis oder nicht, das ist hier kein USP. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen im ereignisreichen Sommer! Stefan Baumgartner (Chefredakteur)

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WWW.NOVAROCK.AT

WARM UP DONNERSTAG 9.JUNI

SAMSTAG 11.JUNI

FREITAG 10.JUNI

AUGUST BURNS RED · STEVE ’N’ SEAGULLS · PERIPHERY

KORN · BILLY TALENT VOLBEAT · CYPRESS HILL PUSCIFER · AMON AMARTH · BREAKING BENJAMIN SEILER & SPEER · ALICE COOPER SKILLET · A CAUSTIC FATE OFFIZIELLER ANREISETAG - EINLASS CAMPINGPLATZ 07:00 - BEGINN: 16:30

DISTURBED · WANDA · THE OFFSPRING SPECIAL LATE NIGHT ACT: EAV - ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG

ALLIGATOAH · DROPKICK MURPHYS · TOM ODELL

4 DAYS – 100 BANDS – 4 STAGES

ZEBRAHEAD · KRAUTSCHÄDL · SLAVES (UK) · ATTILA LATE NIGHT VOTING ACT: MONEY BOY

SONNTAG 12.JUNI

BULLET FOR MY VALENTINE · GARBAGE EDITORS · TRIVIUM · CHILDREN OF BODOM RED HOT CHILI PEPPERS LABRASSBANDA · SKINDRED · VINTAGE TROUBLE · TESSERACT TWISTED SISTER · DEFTONES · K.I.Z ATREYU · BONES (UK) · WHITE MILES · BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE

NOFX · HEAVEN SHALL BURN · KILLSWITCH ENGAGE WE CAME AS ROMANS · MONO & NIKITAMAN · BEHEMOTH

DEEZ NUTS · CHAKUZA · BEARTOOTH · NEW YEAR´S DAY · ROMANO GARY CLARK JR. · GRAHAM CANDY · THE AMITY AFFLICTION · THE STRUTS JESPER MUNK · FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES · NOAH KIN FRÜHSCHOPPEN AM SONNTAG MIT WENDI'S BÖHMISCHE BLASMUSIK SKOLKA · MAX RAPTOR · GWLT · BOMBUS · LIAN · BLACK INHALE THIS AMITY · FAMP · SILBERWOLFF · M.P. · JAMES CHOICE & THE BAD DECISIONS NOVA ROCK & TWO DAYS A WEEK KOMBITICKET UM NUR 199,99€ / FIVE FINGER DEATH PUNCH,

FLOGGING MOLLY UVM. 06.07.16 / FESTIVALPARK MARX HALLE WIEN Tickets erhältlich auf www.musicticket.at, in allen Raiffeisenbanken Österreichs (Ermäßigung für Raiffeisen Club Mitglieder) oder bei OETicket (www. oeticket.com; Tel: 01/96096).

f/LovelyDaysFestival

SPECIAL GUEST:

2016

DEEP PURPLE JETHRO TULL’S

MATT BIANCO LIVE IN DORNBIRN - HAUS DER MESSE 05.AUGUST REIFNITZ AM WÖRTHERSEE 06.AUGUST BURG CLAM 07.AUGUST ST.MARGARETHEN - STEINBRUCH 09.AUGUST 2016

IAN ANDERSON SEILER & SPEER

MOTHERS FINEST . THE SWEET TEN YEARS AFTER

Sa,O9.juli

SCHLOSSPARK ESTERHÁZY EISENSTADT

Tickets sind auf www.musicticket.at, bei oeticket (www.oeticket.com; Tel: 01/96096) und in jeder Bank Austria (Ermäßigung für Ticketing-Kunden) sowie unter ticketing.bankaustria.at erhältlich.

SIMPLYRED.COM

2016 FB.COM/NOVAROCK


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!ticket inhalt

Love & Peace.

impressum

In Zeiten, in denen der „besorgte (Wut-)Bürger“ das lauteste Sprachrohr der Gesellschaft stellt, wünschen wir uns friedfertige, leise Töne her …

14-24 STARS&PEOPLE 14 Ein Sommer wie damals Liebe, Freude, Unbeschwertheit – der magische „Summer Of ‘69“ ist jedem (Rock)Musikliebhaber ein Begriff. 18 The End, My Friend In naher Zukunft werden den großen Rock-Festivals ihre Mega-Headliner ausgehen. Ist die Rockmusik tot – und weiß sie es nur noch nicht?

26-32

WIR WERDEN ALLE STERBEN The Cure sind Kult. Noch immer. Auch wenn OberGruftie Smith nicht mehr auf Teenie-Postern mit obligat verschmiertem Lippenstift und Spinnweben in Särgen liegt.

34-40

42 42-56

LIFE&STYLE

FUN&ACTION

LIVE&MEDIA

26 Fast normal Ein Musical über jemanden mit einer bipolaren Störung – geht denn das? Definitiv, meint Pia Douwes, und sprach mit !ticket über ihre Rolle in „Next to Normal“, ihren Zugang dazu und ihre Depression.

34 Aus Liebe zum Beat Alles nur Unz-Unz-Unz? Von wegen! Elektronische Musik hat ihre wachsenden Fanscharen, und das liegt nicht nur an den Beats selbst, sondern vor allem an dem Lebensgefühl, das sie vermitteln.

46 Eine Prise Klagelied Lamentiert wird bei Lelkem wenig, denn ihre „Klagelieder“ rocken, dass es eine Freude ist.

30 !ticket testet Hanf kann weitaus mehr, denn nur als Rauschmittel verschrien zu sein. Was, das haben wir uns einmal näher angeschaut!

38 Gruft Kult Nach den Cartoons und diversen TV-Adaptionen kommt die gruselige Addams-Familie nun als Musical auf die Bühne …

50 Vorwärts, marsch! Eine spannende Kooperation: Das Festspielhaus St. Pölten macht gemeinsame Sache mit ImPulsTanz.

Abonnements: !ticket Österreichs Eventmagazin Nr. 1 erscheint 10 x jährlich. Jahresabo Österreich: € 22,00 Jahresabo Europa: € 44,–. Kündigung jeweils acht Wochen vor Ablauf der Bezugsfrist nur schriftlich eingeschrieben an !ticket Eventmagazin, Heumühlgasse 11, 1040 Wien oder per E-Mail an abo@ticketmagazin.com. Einzelpreis: € 2,90 Abo-Bestellung unter abo@ticketmagazin.com oder telefonisch unter +43 (0)1 589 54-450 Redaktionsanschrift: !ticket Eventmagazin, Heumühlgasse 11, 1040 Wien Telefon: +43 (0)1 589 54-450, E-Mail: office@ticketmagazin.com, Web: www.ticketmagazin.com. Sie finden uns auch auf Facebook und Twitter. Für unverlangt eingesandte Texte und Fotos übernehmen wir keine Haftung, eine Rücksendung erfolgt nicht, es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor. Nachträgliche Honorarforderungen für nicht veröffentlichte Fotocredits werden nicht anerkannt. Alle Inhalte vorbehaltlich Satz- und Druckfehler. Die Offenlegung lt. Mediengesetz finden Sie auf www.ticketmagazin.com/impressum.

Überall, wo sie dieses Symbol in unserem Magazin sehen, sind Fantickets verfügbar! Mehr Informationen finden Sie auf www.oeticket.com/fanticket!

Foto: Andy Vella, Illustration: baes

54 Media Mit den Pet Shop Boys, „Ochs im Glas“ und mehr!

Herausgeberin, Chefredakteurin: Mag. Roberta Scheifinger Chefredakteur & Chef vom Dienst: Stefan Baumgartner Anzeigen: Mag. Thomas Keuschnigg, Mag. Roberta Scheifinger Anzeigenproduktion & Verrechnung: Susanne Franzl Redaktion/Kolumnisten: Stefan Baumgartner (sb), Amina Beganovic (ab), Georg Biron, Paul M. Delavos B.A. (pmd), FM4 Ombudsmann, Robert Fröwein (rf), Alexander Haide (ah), Mag. Joachim Schmida (js), Andreas Ungerböck (ray-Magazin, au), Andy Woerz, Andy Zahradnik (az) Cartoons: Bertram Haid (BAES Cartoons), Gerhard Haderer (MOFF.) Lifestyle: Anna-Lena Horn Lektorat: Gunther Natter Fotos: Filmverleiher, Plattenfirmen, Fotoagenturen, Veranstalter, siehe Copyright. Cover: Kultur-Service Burgenland GmbH Medieninhaber, Eigentümer: Ticket Express GmbH, Heumühlgasse 11, 1040 Wien Designkonzept, Verlagsconsulting, grafische Produktion: QMM Quality Multi Media GmbH, Mariahilfer Straße 88A, 1. Stock, 1060 Wien Artdirektion: Mag. Gottfried Halmschlager Druck: Niederösterreichisches Pressehaus, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten

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!ticket highlights

Schikaneder Die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte Publikumsliebling Mark Seibert wird die Rolle des wohl größten Theatermanns des 18. Jahrhunderts, Emanuel Schikaneder, verkörpern. Das Stück handelt von ihm und seiner Frau: Eine anfangs junge, unbekümmerte Liebe entwickelt sich zu einer echt gereiften Partnerschaft mit Höhen und Tiefen, die die Theaterwelt Wiens maßgeblich beeinflusst. Ohne sie wäre letztendlich eines der größten Werke der Opernliteratur, „Die Zauberflöte“, nie zustande gekommen.

Reset ab November in Wien, Graz, Linz, Salzburg u. a. Fotos: Jan Frankl (Reset) Barracuda Music (FM4 Frequency The Nova Jazz & Blues Night The Cat Empire) VBW/Herwig Prammer (Schikaneder) Eva Wenzel Bürger (Conni)

ab Oktober im Wiener Raimund Theater

Alles auf Anfang Koffer werden verwechselt, Gemälde vertauscht, und die Personen sind sich ihrer Identität auch nicht immer ganz sicher. Man zerkugelt sich in „Reset – Alles auf Anfang“, der Komödie von Roman Frankl und Michael Niavarani, über das Schicksal eines von Gedächtnisverlust gezeichneten Geschäftsmannes Herbert – ein Mann in den besten Jahren, dem die Ehefrau, die Geliebte, der beste Freund und der schwule Halbbruder zum jeweils eigenen Vorteil auf die Pelle rücken. 2013/14 im Stadttheater Berndorf und vergangenes Jahr bei den Sommerfestspielen Haag aufgeführt, geht die Erfolgsproduktion nun auf Österreich-Tour!

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The Nova Jazz & Blues Night IT’S ONLY WOERZ

Mit Rodriguez, Gregory Porter u. a. Mit dem Schlosspark Esterházy in Eisenstadt hat das Nova Jazz & Blues ein einzigartiges neues Zuhause gefunden: Der Schlosspark bietet rund um die altehrwürdigen Gemäuer des Schlosses Esterházy eine traumhafte Kulisse und damit einen beeindruckenden Rahmen für alle MusikliebhaberInnen und wird so, nebst dem sensationellen Line-up u. a. mit dem „Sugarman“ für eine ganz besondere Stimmung sorgen.

Lläggah!

8. Juli, Schlosspark Esterházy

The Cat Empir

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Rising With The Sun The Cat Empire haben sich nicht nur einen Namen als eine der weltbesten Festivalbands gemacht, sie stehen ganz einfach für großartige Stimmung und Partyfeeling. Ihr Musikstil wird am besten als eine Mischung aus Jazz, Reggae, Funk, Latin, Gypsy, Cuban und Australischer Partymusik beschrieben. Sie liefern schlichtweg großartige Musik in einem Paket mit Humor, Unterhaltung und Energie!

Fotos: Jan Frankl (Reset), Barracuda Music (FM4 Frequency, The Nova Jazz & Blues Night, The Cat Empire), VBW/Herwig Prammer (Schikaneder), Eva Wenzel-Bürger (Conni)

24. Oktober, Planet.tt Bank Austria Halle Gasometer Das Musical Conni, die beste Freundin aller Kinder, ist die Erfolgsgeschichte eines kleinen Mädchens, das schon seit über 20 Jahren Mädchen wie Jungen begeistert. Taucht ein in Connis kleine große Welt, erlebt gemeinsam viele lustige Abenteuer zum Mitmachen, Mitlachen und Miterleben. „Conni“ ist ein Musicalspaß für Jung und Alt, mit tollen neuen Songs und ganz viel Charme. Erstmalig auf Tournee!

Conni

ab Mai u. a. in Graz, Salzburg, Klagenfurt

Mit Limp Bizkit, Die Antwoord u. a. Im Sommer 2015 sorgten unzählige mehr als großartige Shows verschiedenster Genre-Künstler für ein FestivalFeuerwerk. Grund dafür waren aber auch das rundum erneuerte Venue mit einer gigantischen Mainstage, dem neuen Nightpark, sowie die vielen anderen Neuheiten wie Lasershows, Mapping Objekte, Gastromeile etc. Und das gibt es heuer, bei einem erneut geilen Line-up, wieder!

FM4 Frequency 18. bis 20. August, Green Park St. Pölten

Ich erkläre hiermit meinen persönlichen sprachlichen Kampf gegen das Wort „lecker“ für beendet. Jenen Ausdruck, der in Kurzform die Empfindungen „appetitlich“, „delikat“, „köstlich“, „erlesen“, „gut“, „schmackhaft“, „ausgezeichnet“ und andere artgemäße Ausdrücke in einen Begriff zusammenpampft. Es ist weniger die Benennung an sich, die mich bislang irritierte. Man kennt sie doch aus Wörtern wie „Leckereien“, „Leckerbissen“, „Leckerli“ oder „Leckermaul“ und aus dem Duden. Es ist vielmehr das Erstaunen, dass es wieder ein Wort via deutsche TV-Sender über die sonst recht hartnäckige „D-ACH“-Sprachgrenze geschafft hat. Nun gut. Es sei! Etwas irritierend bleibt noch die österreichische Verwendung mit Zunge zeigendem Meidlinger „L“ am Beginn und dem typisch ost-österreichischen weichen „ck“ in der Mitte: „Lläggah“. (Doch, ich gebe zu, ein wenig gruselt es schon noch.) Und jetzt passiert, was nicht selten passiert: Das nächste Stadium. Die Pervertierung eines Wortes und die achtlose Verwendung. So liest man zusehends öfter in den entsprechenden Zeitschriften den Ausdruck „leckere Rezepte“, und meine sprachverspielte Seite fragt sich: Wer um alles in der Welt isst Rezepte? Das Adjektiv geht auf das mittelhochdeutsche „lecker“ zurück und bedeutete ursprünglich „was gut zu lecken ist“. Weitere Gedankengänge in diese Richtung überlasse ich ihnen. Übrigens: In diesem !ticket gibt es leckere Veranstaltungen! Machst du guck!

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!ticket thema: flower-power

Der Sommer der Liebe D

ie Generation der „Baby Boomer“ war nicht einverstanden mit der Politik der Aggressoren, mit dem Vietnamkrieg und der Verteufelung des Kommunismus. Für sie zählten andere Werte – es war dies die Ära, in der schwule Männer die Öffentlichkeit nicht mehr scheuen wollten und die Frauen Selbstbestimmung als selbstverständlich erachteten, und es war dies ein Jahrzehnt, in dem insbesondere das afroamerikanische Amerika danach strebte, nicht mehr in Apartheid leben zu müssen. Die von San Francisco ausgehende Hippiebewegung stellte zudem die sinnentleerten Wohlstandsideale der Mittelschicht in Frage und propagierte eine von Zwängen und bürgerlichen Tabus befreite Lebensvorstellung – dabei dominierten gemeinschaftliche statt gesellschaftspolitischer Konzepte. Es gilt nicht nur dem Leistungsdruck zu entfliehen – und damit ist in einem Wort auch schon erklärt, warum der Geist der „Blu-

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friedfertige Kämpfer für eine antiautoritäre, enthierarchisierte Welt- und Wertordnung ohne Klassenunterschiede, Leistungsnormen, Unterdrückung und Grausamkeiten. Das Musical „Hair“ – uraufgeführt 1968 am New Yorker Broadway, in einer Version von Gerome Ragni, James Rado menkinder“ bis heute hin, einer Zeit, in und Galt MacDermot am 2. Mai im der man arbeitet, um zu leben, und nicht Stadtsaal Vöcklabruck, am Tag darauf umgekehrt, Relevanz hat –, sondern man im Welser Stadttheater zu sehen – ist ein strebte auch nach Selbstverwirklichung, leichtfüßiger Einstieg in eine Epoche, in einem humaneren, friedlicheren Mitei- der es von Nonkonformismus nur so nander und einer Naturverbundenheit. brodelte, einer Zeit, die ihre Magie bis Diese Ideale wurden in neuartigen, oft heute hin verströmt („Ein Sommer wie ländlichen Kommunen (gerne auf Ibiza, damals“, Seite 14) und heute nicht nur in Indien, Marokko oder auf griechischen von den letzten rockenden Überbleibseln Inseln) umgesetzt – man teilte sich ge- von „damals“, sondern auch von der meinsam Tisch und Bett, musizierte, neuen Generation, der elektronischen, diskutierte, politisierte, nicht selten be- propagiert wird („Aus Liebe zum Beat“, rauscht mit bewusstseinserweiternden Seite 34). Denn ein bisschen Liebe könStimulanzen wie LSD und Marihuana nen wir alle brauchen – egal, ob wir uns von norwegischem Black Metal oder ti(Hanf kann übrigens mehr: Seite 30). Viele dieser Ansätze übernahm man aus rolerischen Schlagerweisen berieseln lasder Beat Generation der 40er-Jahre, von sen, denn im Grunde ist „love all you William S. Burroughs, Jack Kerouac und need“. Allen Ginsberg – auch dort standen schon ein angestrebter allumfassender Friede, freie Liebe, Drogenkonsum und fernöstliche Religionen im Zentrum der Weltanschauung. Hippies waren – im Gegensatz zur konservativen Betrachtungsweise – weitaus mehr als arbeitsscheue Gammler, vielmehr waren sie

Fotos: systemed (Happy Hippie Cooking Ibiza), Barracuda Music (Lovely Days), NBC (Aquarius), Tiberius Film (Happy Metal), Fotolia

Die 60er-Jahre: Es war der Sommer der Liebe, eine Zeit, in der eine ganze Generation dachte, sie könne die Welt umarmen – und verändern. Es war eine Epoche, in der Sex nicht schmutzig war und Drogen nicht verteufelt. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER


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hip: serie Aquarius. David Duchovny: Er spielte den verkorksten Schriftsteller in „Californication“ und den großen Zweifler in „Akte X“ – gemeinsam mit Dana Scully ist Fox Mulder seit Anfang Februar wieder in der Kultserie montags auf Pro7 zu sehen. Daneben etwas untergegangen ist die NBCThriller-Serie „Aquarius“, in der Duchovny LAPD-Sergeant Sam Hodiak mimt. Er begibt sich auf die Suche nach einer Reihe vermisster Personen, seine Ermittlungen führen ihn bald zu einer Hippie-Kommune, die von einem gewissen Charles Manson angeführt wird … Übrigens: Duchovny kommt am 19. Mai musizierend in die Wiener Arena!

hip: festival Lovely Days. Seit 2006 findet in Österreich das Lovely Days Festival statt – gegründet in St. Pölten, zieht das Festival, das bereits The Who, The Doors, Neil Young und Robert Plant zu Gast hatte, alljährlich Tausende Besucher in seinen Bann. Diese Saison findet die Zeitreise in die Siebziger erstmals (am 9. Juli) im edlen burgenländischen Schlosspark Esterházy statt und bietet somit neben Granden wie Deep Purple, Jethro Tull’s Ian Anderson und Ten Years After auch eine sensationelle Kulisse.

hip: film Happy Metal. Eines der bekanntesten und größten Festivals Europas ist das Hellfest im französischen Clisson, dieses Jahr unter anderem mit Rammstein, Ghost, Korn und Black Sabbath im Lineup. Und genau dorthin ist in der Komödie aus dem Jahre 2013 die (ziemlich erfolglose) Black-MetalBand Dead MaKabés unterwegs. Doch leider kommt ihnen ein ziemlich blöder Unfall mit Todesfolge dazwischen, sodass sie türmen müssen. Und so gibt man vor, die norwegische Beatles-Coverband All We Need Is Love! zu sein, tauscht Corpsepaint gegen Batik-Hemden und taucht auf einem Hippiefestival im Örtchen St. Peperac unter …

hip: buch Happy Hippie Cooking Ibiza. Ibiza, das mediterrane Eiland, ist anders: Es hat den Traum von einer besseren Welt aus den Hippie-Tagen ins Heute herübergerettet. Kernstück der Hippie-Bewegung war die grenzenlose Liebe, und da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, ist es naheliegend, sich mit den außergewöhnlichen Rezepten in das bunte Leben auf der Balearen-Insel Einblick zu verschaffen: Love & Peace aus der Pfanne! Wir verlosen drei Exemplare von „Happy Hippie Cooking“!

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!ticket coverstory

Kulturgenuss f V

on klassischen und RockKonzerten, über Oper, Revue-Operette und Passionsspiele, Theater und Musicals spannt sich der kulturelle Bogen für 2016. Dabei werden Steinbruch und Seebühne, Burgen und Schlösser, Schlossparks, Dorfplätze und historische Konzertsäle zu einzigarten Veranstaltungsorten. Passion und Jedermann Alle fünf Jahre erwecken bei den Passionsspielen im Römersteinbruch St. Margarethen über 600 ehrenamtliche LaiendarstellerInnen die Passion Christi zum Leben – heuer unter dem Motto „gelebter Glaube, Hoffnung, Gemeinschaft und Tradition“. Regis-

info Kultiviert sparen: Nur mit dem KulTour-Ticket kommen Sie in den Genuss von einem hochkarätigen Event und profitieren gleichzeitig vom Mehrwert Ihres Tickets. Denn Ihr Eventticket von einem KulTour-Partner (unter anderem oeticket.com) ist gleichzeitig ein Gutschein für eine Gratis-Verlängerungsnacht. Der Gutschein ist ein Jahr gültig und kann in diesem Zeitraum eingelöst werden. www.burgenland.info

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seurin Julika Bachmann greift die Neuinszenierung von 2011, damals verantwortet von Robert Herzl, wieder auf. Ein Evangelist führt durch Leben und Passion Jesu. Aber auch Oper wird im Römersteinbruch gespielt, allerdings auf der Ruffinibühne. Gaetano Donizettis turbulente sowie romantische Opernkomödie „Der Liebestrank“ wird von Philipp Himmelmann (Regie) und Raimund Bauer (Bühnenbild) in Szene gesetzt. Bekannte Stars sind in „Jedermann oder das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ beim Sommertheater Parndorf zu erleben. Neben Alfred Pfeifer (Jedermann) spielen u. a. Barbara Karlich (Buhlschaft), Serge Falck (Mammon), sowie Christian Spatzek (Glaube). Viktoria, Cinderella und Sally Swing, Jazz, Charleston und eine große Liebe verzaubern diese Saison auf der Seebühne Mörbisch in der leider viel zu selten gespielten Revue-Operette „Viktoria und ihr Husar“. Dabei sind Hits wie „Mausi, süß warst du heute Nacht“ richtige Ohrwürmer, die u. a. von Intendantin Dagmar Schellenberger, Andreas Steppan und Michael Heim zum Klingen gebracht werden. Gleich zwei starke Frauen stehen bei musical güssing im musikalischen Mit-

telpunkt. Bereits Anfang April verzaubert der Nachwuchs, nämlich die Musical Kids mit „Highlights aus Cinderella“, und erzählt das bekannte Märchen von Aschenputtel. Im September geht es dann ins Berlin der 1930erJahre: in „Cabaret“ dreht sich alles um die Sängerin Sally Bowles und den KitKat-Club, aber auch um das Erstarken der Nationalsozialisten.

Fotos: JKulturservice Burgenland

Das Burgenland hat nicht nur landschaftlich und für den kulinarischen Genuss so einiges zu bieten, sondern ist auch kulturell sehr vielseitig aufgestellt. TEXT: PAUL M. DELAVOS, STEFAN BAUMGARTNER


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für jedermann Musikalischer Freiraum Das Spannende am seit 1981 bestehenden Kammermusikfest Lockenhaus (Leitung: Nicolas Altstaedt) ist, dass vorab nur das Motto – heuer lautet dieses „Terra Nova – eine musikalische Erkundung mit 360°-Rundblick“ – feststeht. Die teilnehmenden KünstlerInnen lassen sich hier auf Neues ein, spielen teilweise in veränderten Besetzungen, um den jeweiligen Werken gerecht zu werden. Auch das Publikum erfährt erst 48 Stunden vor dem jeweiligen Konzert das Programm. Das bringt eine einzigartige Stimmung – sowohl bei den Inter-

termine Burgspiele Güssing „Die Abenteuer des Giacomo Casanova“ 20., 22. und 23. Juli, 5., 6., 12. und 13. August

classic.Esterhazy: Neue Impulse aus der Wiege der Klassik April bis Dezember Güssinger Kultur Sommer: „Der nackte Wahnsinn“ 25. Juni, 1., 2., 8., 9., 15., 16., 22. und 23. Juli Halbturner Schlosskonzerte 2., 9., 16., 23. und 30. Juli; 6., 13. und 20. August Haydn Festspiele Eisenstadt: 28. Internationale Haydntage: „Haydn & Böhmen“ 8. bis 18. September jOPERA jennersdorf festivalsommer: „Die Fledermaus“ von Johann Strauß 4. bis 14. August Kammermusikfest Lockenhaus: „Terra Nova“ 7. bis 10., 13. bis 16. Juli Klangfrühling Stadtschlaining 4. bis 8. Mai

Liszt Festival Raiding 10. bis 12. & 16. bis 19. Juni; 19. bis 23. Oktober musical güssing: „Highlights aus Cinderella“ & „Cabaret“ – Musical von Joe Masteroff und John Kander 2. und 3. April, beziehungsweise 16. September bis 1. Oktober Nova Rock Festival Nickelsdorf 9. bis 12. Juni Oper im Steinbruch: „Der Liebestrank“ von Gaetano Donizetti 6. Juli bis 19. August Passionsspiele St. Margarethen: gelebter Glaube, Hoffnung, Gemeinschaft und Tradition 18. Juni bis 21. August Schloss-Spiele Kobersdorf: „Otello darf nicht platzen“ – Komödie von Ken Ludwig 5. bis 31. Juli Seefestspiele Mörbisch: „Viktoria und ihr Husar“ – Revue-Operette von Paul Abraham 7. Juli bis 20. August Theater Sommer Parndorf: „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal 6. bis 31. Juli

Das letzte Abendmahl Dies ist einer der Höhepunkte bei den Passionsspielen im Römersteinbruch St. Margarethen.

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!ticket coverstory Jedermann In Parndorf wird der „Jedermann“ ganz im Reinhardt’schen Sinne des Schauspieltheaters gezeigt.

pretInnen als auch den ZuhörerInnen – mit sich, denn man bewegt sich oft abseits der ausgetretenen RepertoirePfade. „Erlebnisabende“ sind auch die „Halbturner Schlosskonzerte“ geworden: diese werden vom künstlerischen Leiter Robert Lehrbaumer immer wieder effektvoll konzipiert. Im beeindruckenden Freskensaal des Schlosses erklingen Klassik-Highlights neben Jazz, Oper und Operette. Altes, Unbekanntes und Neues Liszts „Heimweh in die Zukunft“ heißt es heuer beim Liszt-Festival in Raiding. Die Intendanten Eduard und Johannes Kutrowatz überraschen wieder mit neuen, besonderen Perspektiven auf das kompositorische Schaffen Franz Liszts. Internationale und österreichische Liszt-Größen, Publikumslieblinge und Bühnenstars, herausragende Vertreter der neuen Pianisten- und Sänger-Elite sowie außergewöhnliche Ensembles werden dem Publikum einzigartige Konzertprogramme präsentieren.

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Bei der Konzertreihe classic.Esterhazy in Eisenstadt wird ein Bogen von den Anfängen der Wiener Klassik, die durch Joseph Haydn als Hofmusikkapellmeister bei den Esterházy gelegt wurden, bis zu Uraufführungen und Meisterklassen mit jungen MusikerInnen gespannt. Joseph Haydn steht auch bei den Internationalen Haydntagen auf Schloss Esterházy im Mittelpunkt. Das Traditionsfestival widmet sich unter dem Titel „Haydn & Böhmen“ Haydns Karriereanfängen als Kapellmeister beim Grafen Morzin im böhmischen Pilsen. Dabei wird seine Musik mit Kompositionen von Carl Ditters von Dittersdorf, Johann Baptist Vaˇnhal oder Antonín Dvˇorák und Gustav Mahler in Beziehung gestellt. Clara Frühstück und Willi Spuller, die neuen Intendanten des Klangfrühling Schlaining verbinden in ihrem sehr heterogenen Programm klassische Musik mit moderner. Da wird durchgeschüttelt und gemixt, sodass das Publikum sicherlich mit vielen neuen Eindrücken nach Hause geht!

Nachtmenschen Die Burgspiele Güssing bringen dieses Jahr mit „Die Abenteuer des Giacomo Casanova“ unter der Regie von Sabine James eine Schilderung der unzähligen Liebschaften aus der Sicht der Damenwelt auf die Bühne – treffend, dass beim Güssinger Kultursommer die kleinen Dramen hinter der Bühne unter dem Titel „Der nackte Wahnsinn“ auf die Bühne gebracht werden. Dies kommentieren die heimischen Größen Wanda am Nova Rock Festival in Nickelsdorf wohl gewohnt mit einem schelmischen „Bussi Baby!“ Apropos Nova Rock: Hier wird der geneigte Besucher ob des burgenländischen Genussareals, wie auch Otello (Wolfgang Böck) in der Komödie von Len Ludwig auf Schloss Kobersdorf, aufpassen müssen, dass er vor lauter Schmankerln nicht platzt! Nachtmenschen finden wir jedoch nicht nur auf den Pannonia Fields, sondern auch im Rahmen der jOPERA, die dieses Jahr auf „Die Fledermaus“ von Johann Strauss setzen und danach trachten, ihre Erfolgsgeschichte fortzuführen.


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Ein Sommer wi !ticket stars&people

Liebe, Freude, Unbeschwertheit – der „Summer Of ’69“ ist jedem (Rock)Musikliebhaber ein Begriff. Die Magie der Hippie-Bewegung zieht sich schließlich in gewissen Teilen bis in die Gegenwart. TEXT: ROBERT FRÖWEIN

termine Zwischen 1969 und 2016 liegen zwar ein paar Jährchen, aber einige Helden von damals sind auch heute noch fleißig unterwegs: Black Sabbath mit ihrer Abschiedstour am 28. Juni in der Wiener Stadthalle, The Sweet, Jethro Tull’s Ian Anderson und Deep Purple am Lovely Days Festival am 9. Juli im Schlosspark Esterházy sowie am 8. Juli auf der Burg Clam, David Gilmour am 27. und 28. Juni im Ehrenhof Schönbrunn, ZZ Top am 7. Juli in der Open Air Arena Wien. Natürlich dürfen wir auch den Verfasser von „Summer of ’69“ nicht vergessen: Bryan Adams spielt am 31. Mai in der Wiener Stadthalle. In ein anderes Genre verlegt das Woodstock der Blasmusik zwischen 30. Juni und 3. Juli in der Arco Area in Ort im Innkreis den „damaligen Geist“.

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Fortunate Son 1969 war das Jahr, in dem sich Höhepunkt und Abgesang einer nicht mehr wiederkehrenden Epoche die Hand hielten, indem die Hippie-Bewegung kurz davor stand, die Gesellschaft fundamental zu verändern. Am 6. Dezember 1969 wurde sie aber jäh aus ihren Träumen gerissen, als beim legendären Altamont Free Concert der 18-jährige, afroamerikanische Zuschauer Meredith Hunter von einem Security der Hells Angels erstochen wurde. Mit ihm starb mitunter auch die Unbeschwertheit der Flower-Power-Ära, die schon durch die Ritualmorde von Charles Manson stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Wettrüsten zwischen den USA und den Sowjets um die Herrschaft im All, die Regentschaft des neu angelobten USPräsidenten Richard Nixon und der immer noch andauernde, die Gesellschaft spaltende Vietnamkrieg zerstörten in ihrer realen Ausführung die Träume der Friedliebenden. Die große Chance, den Zeitgeist des Miteinanders zu leben, war vertan – die Blumen wurden böse.

„This is the end. My only friend, the end …“ Here Comes The Sun Der Höhepunkt der grassierenden Hippie-Bewegung fand hingegen bereits 1967

statt, als San Francisco in den Dunstschwaden des Marihuana-Rauchs verschwand und sich die Fronten zwischen der Hippie-Bewegung und dem Establishment das erste Mal verhärteten. Im Juni diesen Jahres wurde die erste „Free Clinic“ eröffnet, weil sich Ärzte beharrlich weigerten, Hippies zu behandeln. Unterstützt wurden die langhaarigen Blumenkinder von liberalen Künstlern wie Janis Joplin, Grateful Dead oder den Charlatans, die mit ihren Spenden bei einem Benefizkonzert für das finanzielle Überleben des Krankenhauses sorgten. Das über Monate aufgeschwappte Lebensgefühl der Hippies entwickelte sich aber langsam zur Selbstimitation. White Rabbit Die Hippie-Subkultur hat sich vom Untergrund zum Mainstream kommerzialisiert und erreichte im August 1969 ihren großen Höhepunkt beim legendären Woodstock-Festival, dem Inbegriff von Freiheitsdenken, Unbekümmertheit und der kultigen FlowerPower-Szene, nach der sich heute so viele Leute sehnen, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal geboren waren. Mehr als 400.000 Zuseher verfolgten das Geschehen auf einer Farm in Bethel im US-Staat New York. Statt einer logistischen Katastrophe und Massenpanik ob der mangelnden Versorgung mit

Fotos: Getty Images, WDB Klaus Mittermayr, Fotolia

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er Geruch von Freiheit lag in der Luft und das Gras blühte etwas grüner als üblich. Die Liberalisierung war in weiten Teilen der westlichen Hemisphäre bereits Usus und die lange Zeit als Erfolgsmodell propagierte konservative Politik konnte die veränderten Bedürfnisse der Menschen längst nicht mehr befriedigen. Es waren Bands wie die Beatles, die Rolling Stones, Jefferson Airplane oder die Doors, die sich von den schnöden Konventionen und genormten Verhaltensregeln lösten und mit Freiheits-Attitüde, sexualisierter Gestik und dem latenten Hang zum Aufbrechen gängiger Normen die Ära der freien Liebe, der weichen Drogen und der Flower-PowerBewegung einläuteten.


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wie damals Trinkwasser und unzureichender Sanitäranlagen feierten die Besucher sich, ihr Lebensgefühl und die insgesamt 32 auftretenden Künstler. Alle Sorgen lösten sich im Marihuana-Rauch auf und für dreieinhalb Tage hatten alle Anwesenden das Gefühl, die Welt mit all ihren Problemen um sich herum anhalten zu können.

„Those were the best days of my life …“

Drei unterbewertete Bands aus der Hippie-Ära: Flying Burrito Brothers: Spielwiese der Country-Rock-Legende Gram Parsons, die nur zwischen 1968 und 1969 wirklich gegenwärtig war, danach in die künstlerische Bedeutungslosigkeit abstürzte. Das ’69er-Debüt „The Gilded Palace Of Sin“ ist noch heute verpflichtend zu besitzende Musikhistorie. Procol Harum: Die britischen Rocker rund um Sänger Gary Brooker und Texter Keith Reid feierten Ende der 60er-Jahre mit Songs wie „A Whiter Shade Of Pale“ oder „A Salty Dog“ einen Raketenstart, rutschten Anfang der 70er-Jahre aber viel zu früh aus dem Visier der Musikliebhaber. Country Joe And The Fish: Mit vehementen Protestsongs gegen den Vietnamkrieg waren die Amerikaner nicht nur ein aktiver Teil von Woodstock, sondern auch das gute Psych-FolkGewissen des Landes. Led Zeppelin, Jefferson Airplane und Co. lernten ihr Handwerk von den Kaliforniern.

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Heart Of Gold Ein besonderes Qualitätsmerkmal des damaligen Line-ups: Obwohl die großen Kapazunder jener Zeit wie die Beatles, die Rolling Stones oder Led Zeppelin fehlten, gilt ein Großteil der Teilnehmer noch heute als essenziell

für die Musikhistorie. Mit Gitarrenvirtuose Santana und Ten Years After kommen zwei davon diesen Sommer gar live nach Österreich, Joan Baez war erst letztes Jahr in der Wiener Arena zu Gast, CCR-Frontmann John Fogerty beim Lovely Days 2014 und auch Joe Cocker und Johnny Winter waren bis zu ihrem Tod gern gesehene Gäste in der Alpenrepublik. Ebenfalls in diesem Jahr live zu sehen: Black Sabbath, Jethro Tull’s Ian Anderson, David Gilmour, Deep Purple, The Sweet, Uriah Heep (bereits im März) und ZZ Top. Die Nachfrage nach den alten Heroen ist ungebrochen, der Geist der WoodstockÄra umweht noch immer die heimischen Open-Air-Festivals, auch wenn sich in knapp 50 Jahren natürlich viel getan hat.

traurig aber wahr

1969 Prägend für dieses Jahr war insbesondere die erste Mondlandung in der Geschichte der Menschheit, die brutalen Morde der Manson Family in Kalifornien und der Vietnamkrieg. Musikalisch und kulturell blieb das Woodstock-Festival in Erinnerung, bis heute Symbol für die Hippie-Bewegung.

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!ticket stars&people Smells Like Teen Spirit Doch haben sich die Verhaltensweisen wirklich so stark geändert? Wo sich die Besucher früher die Joints in die Hand gedrückt haben, werden heute Gallonen von Dosenbier vernichtet, bunte und ausgeflippte Sonnenbrillen haben den „Test Of Time“ überstanden und das Zeigen von viel Haut wurde bereits im Zeitalter der Freiheitsfindung zelebriert. Wo früher genussvoll der freien Liebe gefrönt wurde, wischt man heute am Campingplatz auf dem neuesten Smartphone über die Tinder-Seiten. Woodstock 3.0 also – doch der Grundgedanke der Realitätsflucht, des hedonistischen Ausbruchs aus den Schablonen der Gesellschaft, der ist geblieben. Ob der Sommer 1969 aber tatsächlich so magisch war, wie er heutzutage romantisiert wird, ist selbst für

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Woodstock der Blasmusik La Brass Banda, Mnozil Brass, Shantel, die Poxrucker Sisters, Tschebberwooky und Alpenblech sind nur wenige der 76 Bands, die nebst einem innovativen Drumherum und kulinarischem Rundumangebot für ein sensationelles Wochenende mit speziellem Feeling sorgen werden.

die Zeitzeugen nicht mehr ganz genau zu klären. Oder wie US-Musikerlegende David Crosby es treffend auf den Punkt

gebracht hat: „Wer sich an die Sechziger erinnern kann, war wahrscheinlich nicht dabei.“


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!ticket highlights

Status Quo The Last Night Of The Electrics Ihre ersten musikalischen Gehversuche machen Rossi und Parfitt 1965 in London auf dem Höhepunkt des Beatfiebers. 1982 spielen sie als erste Rockband auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung vor der königlichen Familie. Seitdem treten sie immer wieder bei Benefiz-Events auf und helfen mit, Millionen von Pfund einzusammeln. Obwohl ab und an Auflösungsgerüchte die Runde machen, avancieren Quo 1989 mit 39 Hits zum erfolgreichsten Single-Act Großbritanniens, noch vor den Rolling Stones, und bis heute hin gelten sie als eine der am härtesten arbeitenden Rock-Bands des Business, und das, obwohl sie 2012 ihr 50-jähriges Jubiläum begingen!

Nickelback

Support: Monster Truck Nickelback zählen zu den kommerziell erfolgreichsten und prägendsten Rockbands der letzten zwei Jahrzehnte. Bei ihrer zehnten Welttour präsentieren sie ihre neue spektakuläre Show, die alle großen Hits enthält, ihr unwiderruflicher Smashhit „How You Remind Me“ bleibt für das amerikanische Musikmagazin Billboard „Top Rock Song of The Decade“. Europa darf sich nach den Worten von Frontmann, Sänger und Gitarrist Chad Kroeger auf eine hochkarätige Rockshow freuen, die den Fans mächtig einheizen wird … 15. September, Wiener Stadthalle (D)

Fotos: C. Wind ((Steudeltenn), Universal Music (Status Quo), Roadrunner (Nickelback), Barracuda Music (Pentatonix)

30. Juli in Linz, 13. August in Rankweil

Steudltenn Theaterfestival Das Theaterfestival hat sich dem Echten in der Kultur verschrieben und zeigt seine Echtheit in vielfacher und gleichsam bemerkenswerter Weise. STEUDLTENN ist echt, weil die Kulturluft, die durch das 700 Jahre alte Gemäuer weht, einem die wunderbare Kraft von Kunst in ihrem eigentlichen Sinn so nahe bringt, dass man das, was man tief drinnen fühlt, in Worten, Formen, Sprache und im Geschmack wiedererkennt. Dem Theaterfestival geht es darum, Menschen ganz echt anzusprechen, und deshalb gelingt es ihm, über Alters- und Herkunftsgrenzen hinauszuspielen. Programm: www.steudltenn.com 11. April bis 2. Juli, Uderns im Zillertal

Support: Us The Duo Nachdem Pentatonix 2011 die Musikszene erobert haben, können sie mittlerweile auf mehr als 2,8 Millionen verkaufte Alben allein in den USA blicken. Die Band hat mehrere Grammy Awards gewonnen und zählt mit gut 10 Millionen Abonnenten bereits 1,4 Milliarden YouTube-Views. Jedes ihrer sieben Releases war in den Top 5 der Billboard Digital Album Charts vertreten und ihr Daft-Punk-Medley sowie das Imagine-Dragons-Cover „Radioactive“ wurden jeweils mit Gold veredelt.

Pentatonix 12. und 15. Juni, Wien und Linz

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The End, My !ticket stars&people

Die Albumverkäufe sinken sukzessive, Festivals buchen eine stetig schrumpfende Riege an Bands als Headliner – immer und immer wieder. Werden wir Zeugen vom Ende der Rockmusik? TEXT: STEFAN BAUMGARTNER

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er Rock liegt im Sterben, munkelt man. Abgelegt ist sein rebellischer Charakter, fehl am Platze ist er in der digitalen Trance-Generation Z auch. Er ist an sich selbst zerbrochen, in Abertausend belanglose Splitter, bar jedweder Innovation. Vergessen ist der Siegeszug, den er dereinst angetreten hat, zwar nicht – von der Hysterie der Beatlemania bis hin zum historischen Monsters Of Rock

„Schluss, aus, Basta!“ heißt es am 28. Juni für Black Sabbath in der Wiener Stadthalle (D) – aber noch lange nicht für das Genre der Rockmusik! Davor und danach freuen wir uns unter anderem noch auf folgende Highlights: Am Rock In Vienna auf der Donauinsel erleben wir zwischen 3. und 5. Juni unter anderem Iron Maiden, Iggy Pop, Rammstein und Graveyard, Led Zeppelin wollen sich zwar nach wie vor nicht wiedervereinigen, dafür kommt Robert Plant am 28. Juli mit Begleitband in die Open Air Arena (Wien), ebendort hin auch die bärtigste Band der Welt, ZZ Top am 7. Juli. David Gilmour (Pink Floyd) lädt an gleich zwei Tagen, am 27. und 28. Juni, in den Ehrenhof des Schloss Schönbrunn, sowohl am Lovely Days, als auch am Clam Rock spielen im Juli alte Heroen wie Deep Purple und Jethro Tull’s Ian Anderson. Am 12. Juli rockt Santana in der Wiener Stadthalle (D), bereits am 21. Mai Bryan Adams ebenda. Rockige Klänge von u. a. Beth Hart gibt es dieses Jahr auch am Jazz Fest Wien (4. Juli, Wiener Staatsoper) und von Nickelback am 15. September in der Wiener Stadthalle (D) – und vielen mehr!

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Ozzy Osbourne Jetzt schlägt’s 13! Black Sabbath ziehen 2016 mit ihrer Abschiedstournee einen Schlussstrich unter eine beispiellose Karriere. Tragen sie damit auch ein ganzes Genre zu Grab?

am 28. September 1991 am Militärflugplatz Tuschino im sowjetischen Moskau –, aber dieser wirkt heute, rückblickend betrachtet, beinahe so gestrig wie Wählscheibentelefonie und MySpace. Während meine Elterngeneration zu sphärischen Psych-Klängen von „Sgt. Pepper“

bis „Satisfaction“ durch die Landschaft tänzelte, schluckt die heutige Love-andPeace-Generation Xtasy und schwitzt sich zu Dööp-Döööp-Döööööp-Noise die Seele aus dem Leib, „Electric Ladyland“ wurde blitzschnell zu „Electric Love“.

Fotos: Getty Images, Universal Music, Gregg Delman, WMG, Hersteller

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y Friend Der Tod der Dinosaurier Unsere Zeit ist geprägt von Entertainment, Promigeilheit, Vergnügungssucht und Oberflächlichkeit – da ist der „Rockstar“, der irgendwelche Regeln verletzt, längst Teil der Regel geworden und wir, die Ewiggestrigen, trauern mit Wehmut der guten alten Zeit nach, selbst wenn wir sie – wie ich – nur am Rande ihres Zenits mitbekommen haben. „I have nothing left to say, but I’m gonna say it anyway. Thirty years upon a stage and I hear the people say: Why won’t he go away?“, sang schon Randy Newman 1999. Da trifft es sich gut, mag die eine oder andere böse Zunge behaupten, wenn den Festivalgranden langsam, aber sicher ihre großen rockenden Headliner wegsterben werden, in der Musikszene ein Umdenken passieren muss – denn wie oft werden Metallica, Iron Maiden, die Toten Hosen und Rammstein noch für ansehnlich gefüllte Äcker sorgen können? Gibt es wirklich nicht mehr als ein knappes Dutzend würdige FestivalHeadliner? Ist die Ära des Stadion-Rocks wirklich vorbei? „Es ist gerade ein seltsamer Moment in der Rockkultur“, sagte Bobby Gillespie, Sänger von Primal Scream vor wenigen Jahren in der „Review Show“ auf BBC4. „Ich denke, der Rock ist ziemlich tot.

Es ist vorbei.“ Ian Astbury von The Cult wiederum kam zum Schluss, dass das Albumformat Geschichte ist – eine höhere VeröffentlichungsFrequenz mit Extended-Play-Formaten die Zukunft ist. Künstler wie Down oder Cryptopsy sind auf diesen Zug bereits aufgesprungen, die Labels (insbesondere die Majors) zieren sich noch. Sie wollen CDs in die Regale stellen. Da sei die Gegenfrage erlaubt: In welche Regale? „Der Rock ’n’ Roll ist gestorben“, postete der einstige BuckcherryBassist Jimmy Ashurst unlängst im (un)sozialen Netzwerk, „und niemand ist darüber allzu traurig, weil wir ihn in einer Schachtel eingefangen haben und ihn uns immer anschauen können, wenn wir wollen.“ Es besteht also zumindest noch die Hoffnung der verklärten Erinnerung. „Wir töteten Rock ’n’ Roll“, sagte der Acid-House-DJ Fabio vor Jahren in einem Interview, und dabei ist er nicht der Einzige. Was heute „rockt“ – also Dinge wie der Eurovision Song Contest, David Garrett oder Helene Fischer – ist im Grunde eine Verballhornung des Begriffes an sich und ist wohl das letzte Festklammern an einem Antiquarium, gegensätzlich zu infantiler, gefälliger Minimalmusik, dem Sich-Verlieren in Club- oder Schunkelatmosphäre. Die Risse in der Fassade sind mitt-

MUNDPROPAGANDA Hören Sie mal rein! Die folgenden Veröffentlichungen sollten in keinem gut sortierten Plattenschrank fehlen. Oder? (sb)

Purson – Desire’s Magic Theatre „Sgt. Pepper“ lockt wie der Rattenfänger Hamelns mit einer „Bohemian Rhapsody“ in seinen sinistren Zirkus.

King Gizzard – Paper Mâché Dream Balloon Die Blumenkinder schupfen einen durch die „Pforte der Wahrnehmung“ zurück in den Sommer der Liebe.

Lacuna Coil – Delirium Die Schöne trifft auf das Biest, Trübsal auf Hoffnung – zusammen bilden sie einen bombastischen Sog ins Delirium.

Filter – Crazy Eyes Album #7 ist das exakte Gegenteil von süßen Katzenbabys – es ist fies, laut, gemein, kracht und poltert.

Darkness Divided – s/t Die neue Genrehoffnung: Technik und Melodie tänzeln voran, hinter ihnen stapft polternd, ungestüm der Hulk.

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!ticket stars&people lerweile überdeutlich, sie sind bereits so breit wie die Falten in Keith Richards’ Gesicht. Die Legenden werden – Überraschung – Jahr für Jahr älter und – machen wir uns nichts vor – sie sterben eher früher als später: Der Gott der Rockmusik – Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister – sitzt bekanntlich bereits zur rechten Hand Gottes und plaudert über ein, zwei Flascherl Jack (jetzt ist

eh scho wurscht) mit Udo Jürgens und Tupac über ein Allstar-Projekt der etwas anderen Art. Und die letzten wirklich großen Headliner – die Rolling Stones, Lynyrd Skynyrd, ZZ Top, U2, Metallica, Foo Fighters, Iron Maiden – werden in nicht allzu ferner Zukunft in Pension gehen, denn Rollator-Rock wirkt dann doch etwas unglaubwürdig. Ihre Kinder, die die Geschäftsübernahme antreten können, sind auch nicht gerade mehr juvenil oder gar zahlreich, spontan fallen da vielleicht noch die Enddreißiger Muse ein – und, mit massiven Bauchschmerzen, Coldplay, aber die wollen ja auch schon Schicht im Schacht machen. Tja, und der Ehrwürdigste der letzten Granden – Black Sabbath – begibt sich soeben auf seinen letzten Gang, Ozzy schreitet mit Glockengebimmel voran und seiert sein „Dead man walking!“-Lamento. „This is the end, beautiful friend. This is the end, my only friend, the end.“

Iggy Pop

Ein Meteoritenschauer Die Berliner Retrorocker Kadavar setzten letztes Jahr im Zuge der Veröffentlichung ihrer „Berlin“Scheibe ein deutliches Zeichen: „Dank YouTube, Soundcloud und Bandcamp ist es einfacher,

Post Pop Depression Er könne sich vorstellen, das mit dem „Punkrock“ nach seinem aktuellen Album (mit Josh Homme) sein zu lassen, sagt Iggy Pop. Das wäre schade, denn so gut hat der 68-Jährige schon lange nicht mehr geklungen.

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sich zu promoten. Natürlich haben jetzt die Labels Angst, weil sie ein bisschen unwichtiger werden.“ – und tatsächlich, es bröckelt in der Szenerie an allen Ecken und Enden, alte Strukturen – wie zum Beispiel kongenial in der neuen Serie „Vinyl“ von Martin Scorsese und Mick Jagger zelebriert – zerbrechen. Musikalisch fehlt es an neuen Ideen, während alte wieder und wieder recycelt werden. Insbesondere Majors haben sich ein „Fort Knox“ aufgebaut, wie Hannes Eder – ehemaliger Managing Director von Universal Music Austria – erst kürzlich in der Tageszeitung Die Presse zitiert wurde: „Dieser Backkatalog bringt laufend Gelder, ohne dass weitere Investments nötig sind.“ Würde man nur diese Gewinne auch klug in die Entwicklung junger Künstler stecken und sich einiges von Independent-Companies abschauen! Aber auch in der Medienlandschaft herrscht Aufbruchsstimmung: Die Wertigkeit von Radio-Airplay sinkt, man muss über eine Vielzahl an Kanälen – insbesondere online – danach streben, Publikum zu finden. Apropos Publikum: Natürlich kann man sich als Vorgruppe in Touren einkaufen und sich so live ein Publikum erspielen, aber das verschlingt Unsummen, die nicht einmal Majors so einfach lockermachen können. Und natürlich: Veranstalter wollen lieber kein Risiko mit unbekannten Künstlern eingehen, wenn sie mit einem Nostalgie-Act auf der sicheren Seite sind – da gehören ausgewogene Wechselspiele wie das Lovely Days schon zu den „mutigen Aktionen“. Die Apokalypse Darf man nun, wenn Black Sabbath – immerhin die Gründerväter des Heavy Metals – ihre schwerfälligen Sound-


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Die letzte Legende Auch wenn ihm sein Ex-Gitarrist Jimmy Page in den Ohren liegt: Led Zeppelin ist für die Löwenmähne Robert Plant „kein Thema mehr“. Aktiv ist der 67-Jährige aber nach wie vor.

Robert Plant

eruptionen, die über Jahrzehnte hinweg durch die Düsternis waberten, zu Grabe tragen, Szenen befürchten wie in den Folgetagen des 13. Februar 1996, als sich die Gerüchte bewahrheiteten: „Take That lösen sich auf!“? Nein. Apokalypsenszenarien gibt es allerorts, in der Literatur wurden sowohl die Poesie, als auch der Roman (und das Medium des Buches erst recht) für tot erklärt, in jüngerer Vergangenheit führte die Beliebtheit von Smartphones zu Wehklagen über die Zukunft der Fotografie, DVD und Blu-ray sind ebenso todgeweiht wie die CD, abgehängt von Netflix und seinem Mitbewerb, und auch die Printmedien sterben aus, in Zukunft liest man Blogs. In seinem Buch „Das Ende der Zeiten“ schreibt der Publizist Damian Thompson, dass der Millenarianis-

mus immer aus einem „Zusammenprall von Kulturen entspringt, von denen eine technologisch überlegen ist“. Der Schritt von physischen Artefakten zum digitalen Format ist definitiv ein solcher Clash. Dieser Todeskampf – sowohl von Formaten, wie auch von den Inhalten – wird aber noch einige Jahre andauern, denn: Die Leute klammern sich an dem fest, bei dem sie sich sicher fühlen, wir werden noch lange in die eingangs angesprochene Schachtel blicken – uns mit Boxsets mit fünf Jahrzehnten Rock-

geschichte befassen, bevor wir sie im Regal verstauben lassen werden. Heute ist zumindest digital fast jedes Werk aus dem gigantischen Spektrum verfügbar – eigentlich ist momentan somit die beste Ära aller Zeiten, Rockfan zu sein. Allerdings ist gegenwärtig die breite Masse an Rezipienten die treibende Kraft, wohin es mit der neuen Musik geht – und ein Gros hat ob der Reizüberflutung keine Ahnung, was es will, sondern hüpft einfach von einem explodierten Hit zum nächsten. Und das hat, gerade für die Rockmusik, einen gigantischen Vorteil: Aufgrund der bröckelnden Strukturen ist es für das Genre nicht mehr möglich, sich zu einem Massenphänomen aufzubäumen – demnach gibt es zumindest hier keine Versuchungen der fetten Schecks mehr oder den Zwang ehrgeiziger A&Rs, die eine Mitläufer-Platte produziert haben wollen. Wir bewegen uns von der Massenkultur zu einer individualistischeren, konfigurierbaren Kultur. Weg vom passiven, hin zum aktiven Konsumenten. Rock ist nicht tot, auch wenn die alten Heroen aussterben, sondern er wächst nach. Nur wuchert er nicht mehr so wie früher – und das wird einzig bei all jenen, die mit Rockmusik noch ihre Villen bauen wollen, für Probleme sorgen, nicht jedoch beim Connaisseur.

Iron Maiden The Book of Souls Die Entstehung des aktuellen Albums wurde durch die Krebserkrankung des Leadsängers Bruce Dickinson überschattet. Mittlerweile ist er wieder genesen. Dennoch: Wie lang es die Eisernen Jungfrauen noch machen, ist fraglich.

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!ticket highlights Die Ausstellung Die Titanic ist das berühmteste Schiff aller Zeiten: Ein Wunderwerk der Technik, das Anfang des 20. Jahrhunderts zu seiner viel umjubelten Jungfernfahrt nach Amerika aufbrach und in einer Nacht im April 1912 im eiskalten Nordatlanik gegen einen Eisberg steuerte und sank. Von den 2.200 Passagieren haben nur rund 700 Menschen diese Katastrophe überlebt. Die Ausstellung bietet eine spektakuläre Zeitreise in die glänzenden Jahre dieser Zeit und beschäftigt sich mit den bewegenden Schicksalen der Passagiere. Interessierten empfehlen wir abseits davon auch einen Besuch im Titanic-Museum im nordirischen Belfast!

Titanic

Mit Sum41, Enter Shikari, Millencolin, Clutch Im August heulen nicht nur die Wölfe in Wiesen, sondern vor allem die Gitarren bei der Erstausgabe des neuen Punk/Rock/Post-Hardcore-Festivals. Neben altbekannten internationalen Größen des Genres wie Sum41, Enter Shikari und Millencolin gibt es frischen Wind von großartigen Newcomern wie FJØRT, Schmutzki und KMPFSPRT, und vor allem der Maschine Clutch! Abgerundet wird das lautstarke Programm durch Local Heroes wie Marcus Smaller oder All Faces Down. Und auch abseits der Bühnen wird es rundgehen … 22. & 23. August, Ottakringer Arena Wiesen

Dienstag bis Sonntag, Tabakfabrik Linz

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Schönes Boot aus Klang Die Medienwelt ist voll des Lobes und Faszination für den Künstler und Entertainer Friedrich Liechtenstein, nachdem dieser der EDEKA-Werbekampagne „Supergeil“ seine Stimme, seinen Humor und seine Tanzkunst lieh. Nach einem Album und einer Autobiografie kommt er mit seinen frühen Songs – poetischen, melancholischen Kleinodien voller kleiner Wahrheiten über seine Wandlung vom Theatermacher zum Entertainer! 19. Mai, Wiener Theater Akzent

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Fotos: COFO (Titanic) Arcadia Live GmbH (And There Come The Wolves) Reto Andreoli (Hildegard lernt fliegen) Othmar Ossifant Seidner (Supermax) Keith Morris (Rod Stewart) Ingo Pertramer (FM4 Ombudsmann)

And There Come The Wolves


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Hildegard lernt fliegen The Fundamental Rhythm of Unpolished Brains „Krieg den Schubladen“ lautet das Motto der Schweizer Überjazz-Gruppe „Hildegard lernt fliegen“. Statt die üblichen Weisen von Freude und Leid zu intonieren, wollte Stimmkünstler und ECHO-Jazzpreisträger 2015 Andreas Schaerer lieber gleichberechtigt mit Bläsern, Bass und Schlagzeug wetteifern. Was dabei herauskommt: abgründiger Witz, befreiender Nonsens und atemberaubende Virtuosität. 16. April, Festpielhaus St. Pölten

Fotos: COFO (Titanic), Arcadia Live GmbH (And There Come The Wolves), Reto Andreoli (Hildegard lernt fliegen), Othmar Ossifant Seidner (Supermax), Keith Morris (Rod Stewart), Ingo Pertramer (FM4 Ombudsmann)

The Supermax Band

29. April, ((szene)) Wien

From Gasoline Alley to Another Country Rod Stewart ist einer der bestverkaufenden Künstler in der Geschichte der Musikindustrie. Seine Markenzeichen – Stimme, Stil und Haarschnitt überwinden die Genregrenzen von Popmusik, Rock ’n’ Roll und New Wave mühelos und reichen bis zum Great American Songbook und machen ihn zu einem der wenigen Stars, die über fünf Jahrzehnte andauernden Erfolg feiern können.

Rod Stewart 9. November, Wiener Stadthalle (D)

Tribut Überlegungen, die Musik von Kurt Hauenstein nach dessen viel zu frühem Tod 2011 wieder live auf die Bühnen dieser Welt zu bringen, gab es schon länger. Ausschlaggebend für die Realisierung war letztendlich die gemeinsame Initiative von Manolo Guerra und Herbert Gruber. Das zweistündige Programm umfasst Klassiker und Raritäten!

Tipps vom FM4 Ombudsmann

Liebe Leserin! Lieber Leser! Wer von Kultur und Werten spricht, muss auch für nachhaltige Finanzierung sorgen. Mein Vorschlag für interessierte Gemeinden: Werdet europäische Kulturhauptstadt. Für immer. Die EU-Kommission ist froh um die Gelegenheit zum Verwaltungsabbau. Und die bereits als kommende Kulturhauptstädte vorgesehenen Gemeinden werden die Exit-Strategie dankbar aufgreifen. Kulturhauptstadt sein ist teuer. Schritt 1 lautet also: Übernahme der Verpflichtungen von Aarhus, Paphos, Leeuwarden und Valletta. Schritt 2: Garantie an eine strukturschwache Nachbargemeinde, dass die guten Kontakte zur EU-Kommission nicht genützt werden, um sie zur Kulturhauptstadt hinaufzulobbyieren. Das ist denen sicher ein Schutzgeld wert. Und damit hätten wir die Basisfinanzierung für Schritt 3: Umwidmung der Gemeinde zum Großgefängnis. Wozu? Ich zitiere § 65 des österreichischen Strafvollzugsgesetzes: „In den Strafvollzugsanstalten (…) ist wenigstens einmal im Vierteljahr eine belehrende, künstlerische oder unterhaltende Veranstaltung abzuhalten.“ Das ist der bestverankerte Kulturauftrag, der 2016 noch zu finden ist. Bleibt mir nur zu wünschen: Viele inspirierte Stunden in der Kulturlandschaft hinterm Zaun!

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Winter is coming

www.ray-magazin.at

„The Huntsman and the Ice Queen“, das heißt: Charlize Theron, Emily Blunt, Jessica Chastain. Herz, was willst du mehr? TEXT: ANDREAS UNGERBÖCK

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Fortsetzung folgt Es kommt also nicht weiter überraschend, dass diese Erfolgsgeschichte

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Die Qual der Wahl Mit Charlize Theron als Königin Ravenna und Emily Blunt als Schneekönigin stehen wir ab dem Kinostart am 22. April wahrlich vor der qualvollen Frage: Wer ist die Schönste im Land?

noch nicht zu Ende gehen darf. Wir werden nun in aller Ausführlichkeit erfahren, was geschah, bevor der Huntsman zu Schneewittchens Beschützer und Retter wurde. Und da geht es vornehmlich um die beiden Schwestern Ravenna (Theron) und Freya (Blunt als erfreulicher Neuzugang), die darum wetteifern, wer die Schönste im ganzen Land sei. Als Freya eine Tocher gebiert, die diesen Titel dereinst für sich reklamieren wird können, ist Ravenna alles anderes als erfreut … Mehr verraten sollte man nicht, und außerdem ist, wie so oft bei aktuellen Blockbustern, auch Vorsicht geboten, was die im Vorfeld im Internet ausgestreuten „Inhalte“ angeht. Vorgeschichte = Prequel Um das Ganze noch „anregender“ zu machen: Auch die Vorgeschichte zur Entstehung des Films hat es durchaus

in sich: Regisseur Rupert Sanders und Kristen Stewart begannen während der Dreharbeiten zum ersten Film eine Affäre, die hohe Wellen schlug, zumal Sanders verheiratet war. Bald schon wurde klar, dass weder er noch Stewart im zweiten Film „erwünscht“ seien. Eine Fortsetzung kam damit also nicht in Frage, also griff man zu einem „Prequel“, in dem Schneewittchen noch gar nicht vorkommt. Über mangelnde Star-Power kann man sich trotzdem nicht beklagen, denn neben Blunt, die eben erst mit dem Drogenthriller „Sicario“ einen Triumph feierte, ist auch die zweifach Oscar-nominierte Jessica Chastain neu dabei, und zwar als Sara, die Freundin von Eric, dem Huntsman. Dieser wird wieder vom überaus dekorativen Chris Hemsworth dargestellt – nur wenige Monate, bevor er in „Thor: Ragnarok“ erneut den Hammer schwingen wird.

Foto: Universal Pictures

ärchenverfilmungen – ob als Animations- oder Realfilm – boomen seit einigen Jahren wieder, gar keine Frage. Die unverwüstlichen alten Geschichten, egal, ob von den Brüdern Grimm oder anderen Märchensammlern und -autoren, haben aber auch wirklich alles, was ein zünftiger Kinoerfolg so braucht: Liebe, Schmerz, Emotionen, Action und Romantik. Und beträchtliche Schauwerte. Wenn also Hollywood seine besten Kräfte ins Rennen schickt und seine ganzes Arsenal an Phantasie und technischen Möglichkeiten aufbietet, dann kommt da meist etwas ganz Ansehnliches heraus. So geschehen beim herrlich quietschbunten und witzigen Disney-Animationsknüller „Rapunzel“ (2010), bei Kenneth Branaghs „Cinderella“ (2015) und erst recht bei der inhaltlich recht freien „Schneewittchen“-Adaption „Snow White and the Huntsman“ (2012) von Rupert Sanders mit Chris Hemsworth, Kristen Stewart und Charlize Theron als böser Stiefmutter. Ein Schuss „Schneekönigin“ von Hans-Christian Andersen war auch dabei. Mit 170 Millionen Dollar Budget ließ man es damals ganz schön krachen, aber das Resultat konnte sich auch sehen lassen.


www.wienerlinien.at

Auch nicht, wenn wir ihm einen Fahrschein kaufen?

F체r dieses Foto wurde auf die artgerechte Behandlung des Tieres Wert gelegt.

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Fast normal Ein Musical über jemanden mit einer bipolaren Störung – geht denn das? Definitiv, meint Pia Douwes, und sprach mit !ticket u. a. über ihre Rolle in „Next to Normal“, ihren Zugang dazu und ihre Depression. TEXT: PAUL M. DELAVOS

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ia Douwes muss man dem (österreichischen) Musicalpublikum eigentlich nicht vorstellen. Die gebürtige Holländerin spielte bereits 1986 das erste Mal in Wien. So richtig bekannt wurde sie als Darstellerin der Kaiserin Elisabeth bei der Uraufführung des Musicals „Elisabeth“ 1992. Zuletzt war sie in Wien als Claire Zachanassian in „Der Besuch der alten Dame“ zu sehen.

termine „Next to Normal – Fast normal“ spielt zwischen 26. April und 1. Mai im Wiener MuseumsQuartier, Halle E. Die Besetzung: Diana Goodman: Pia Douwes Dan Goodmann: Felix Martin Gabe Goodman: Dirk Johnston Natalie Goodman: Sabrina Weckerlin Henry: Dominik Hees Dr. Fine/Dr. Madden: Ramin Dustdar

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Pia Douwes Die gebürtige Holländerin weiß, wovon sie spricht: Auch sie selbst litt unter Depressionen, ihre Großmutter war manisch-depressiv.

Stück in Deutschland spielen wird und habe ihm nur gesagt, „Ich bin deine Diana!“. Er antwortete „Super!“ – und so ist es gekommen. Wir haben nun zwei Jahre in Fürth gespielt und ich freue mich, dass das Stück nun nach Wien kommt. Eigentlich kommt es nach Hause, denn Wien ist ja die Heimat der Psychoanalyse und des Musiktheaters. Es passt hierher. Wie bist du an das Stück herangegangen, wie hast du dich vorbereitet?

Der „Vorteil“ ist, dass ich selber auch Depressionen gehabt habe und daher einiges darüber weiß. Meine Großmutter war manisch-depressiv – also auch hier habe ich ein bisschen Erfahrung von den Auswirkungen der Krankheit (lacht). Ich bin natürlich als Holländerin eine offene Persönlichkeit und habe mich damit sehr stark auseinandergesetzt, habe eine Therapie gemacht. Es ist ein Tabuthema gewesen, jetzt spricht man ein bisschen mehr darüber. Heutzutage ist der Druck von der Umwelt

Fotos: Guenter Meier/Stadttheater Fuerth

Wie bist du das erste Mal mit „Next to Normal“ in Berührung gekommen? Ich habe das Stück in New York gesehen, und dachte, dass das mein Ding ist. Ich sollte die Diana in Holland spielen, aber dann bekam eine Kollegin die Rolle. Dann dachte ich, ich muss diese Rolle aber spielen und habe Titus Hofmann angerufen. Ich wusste nicht, dass er das


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so groß, dass wir alle ein bisschen depressiv werden … Nun ist dieses Stück natürlich eine extreme Situation, weil Diana wirklich manisch-depressiv ist und auch Wahnvorstellungen hat. Aber das führt manchmal auch zu witzigen Situationen und dadurch hat das Stück auch einen gewissen Humor. Ich finde es toll, dass du so offen darüber sprichst. Ja, weil ich es wichtig finde, dass man die Erfahrung dann auch teilt, vor allem weil ich jetzt damit anders umgehe. Also wenn ich jetzt schwer depressiv wäre, dann säße ich jetzt nicht hier. Wie grenzt du dich von der Rolle ab? Das geht eigentlich, weil das Tolle an diesem Stück ist, dass es – finde ich – realistisch positiver ausgeht, als man denken würde.

Du hast in Wien viele starke Frauen gespielt: Elisabeth, Claire oder auch Rizzo in „Grease“. Ist Diana für dich stark oder schwach? Du wirst es merken, dass sie sehr stark wird. Sie wird innerlich stärker. Anfangs ist sie sehr chaotisch – das sind sehr witzige Szenen, wo du dir denkst, „Hilfe, was passiert hier?“. Am Ende geht sie innerlich sehr stark raus. Aber ich will nicht zu viel verraten … Aber ich weiß, was du meinst. Hier wird nichts mystifiziert oder romantisiert. Das ist eine Geschichte von einer durchschnittlichen Frau und Mutter, der Emotionen und auch der Geist entgleisen. Das kann jedem passieren. Jeder kann sich damit identifizieren. Auch mit der Familie – denn oft wird auf die indirekt Betroffenen zu wenig eingegangen. Und dann fragt man sich wirklich: „Was ist denn schon normal?“. Deshalb heißt es „Next to Normal – Fast normal“.

Fast normal Mittlerweile sind chronische und/oder psychische Krankheiten leider schon „fast normal“, das Stück nimmt die Scheu, das auch offen zu thematisieren.

info Das Musical erzählt die Geschichte der Familie Goodman. Die Mutter Diana ist manisch depressiv, leidet an einer bipolaren Störung. Gezeigt werden ihre Versuche, sich damit auseinanderzusetzen, geheilt zu werden. Aber auch der Einfluss, den die Krankheit auf die Familienmitglieder hat. Die Musik ist modern, eine Mischung aus Pop, Rock, Country und auch für jüngere Leute sehr zugänglich. Für Pia Douwes hat das Stück auch leichte Momente, einen Humor, der manchmal auch böse sarkastisch ist – so wie der Wiener Schmäh. Deshalb passt das Stück für sie so gut nach Wien. Regisseur und Übersetzer Titus Hofmann hat eine deutschsprachige Fassung erarbeitet, die nun einen Wiener Touch bekommt. Das Bühnenbild (Ausstattung: Stephan Prattes) ist sehr simpel gestaltet. Auf der Bühne steht ein Gerüst. Man sieht die sechs DarstellerInnen, die eigentlich immer im Einsatz sind, sechs Musiker und ein paar Requisiten. Man ist somit wirklich auf die Geschichte und die Menschen, die sie erleben, konzentriert. Das ist natürlich auch eine Herausforderung für die DarstellerInnen.

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Fotos: beigestellt

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!ticket life&style

tickett Das teste

Wunderkraut

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ie Samen von Cannabis sativa („gewöhnlicher Hanf“) wurden schon im alten China als wohlschmeckend und nahrhaft geschätzt, ebenso auch die Pflanzenfasern, die als nahezu unverwüstlich gelten. Und bereits damals wusste man ob der heilenden Wirkung u. a. gegen Malaria, Rheuma und – wie es im medizinischen Lehrwerk Shen nung pen Ts’ao king heißt – „andere Unpässlichkeiten“. Über Indien und die antiken Hochkulturen im heutigen Irak trat der Hanf seinen Weg um die Welt an, in Europa sind die ältesten Funde dieser Nutzpflanze etwa 5.500 Jahre alt! Die alten Griechen und ihre ägyptischen Nachbarn gewandeten sich oft mit Kleidung aus Hanfgewebe, Plinius der Ältere schreibt, dass Hanf Schmerzen lindere, und vom Mittelalter bis in die Neuzeit wurden aus Hanf Mittel u. a. zur Linderung von Wehenkrämpfen und nachgeburtlichen Schmerzen gewonnen. Im Mittelalter wurde die robuste Faser für Langbogen eingesetzt, Venedig erreichte seine Vormachtstellung als

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bedeutendes Handelszentrum unter anderem durch die hohe Qualität der Seilerei – denn Seile und Segel aus Hanf waren widerstandsfähig gegenüber Salzwasser. Über Spanien fand die Faser im 13. Jahrhundert eine weitere Anwendung: für die Papierherstellung. So druckte Gutenberg 1455 seine berühmte Gutenberg-Bibel tatsächlich auf Hanfpapier, ebenso ist auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 auf Hanf gedruckt. Heute eignet sich Hanf zudem dank seiner Eigenschaften zum Hausbau ebenso wie als Basis für Farben, Lacke, Waschmittel und Körperpflegeprodukte wie Öle und Cremes, wie er auch als Futtermittel Verwendung findet. Natürlich: Hanf ist nicht nur ein Arzneimittel (heute in der Schmerztherapie, bei multipler Sklerose, bei gewissen Krebsformen, psychiatrischen Symptomen, Epilepsie und einigen Autoimmunerkrankungen wie z. B. Morbus Crohn) und als Nutzhanf in Verwendung, sondern auch als Rauschmittel, die Grenzen zum Arzneimittel sind

hier freilich fließend. Doch erst die zahlreichen Schmutzkübelkampagnen seit den frühen 20er-Jahren kreideten dem dereinst als Medikament gebrauchten Naturstoff mit seiner psychoaktiv wirkenden Substanz – dem THC, das relaxiert und sediert – negative Eigenschaften an. Zahlreiche neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben in den letzten Jahren die Diskussion über die weltweit fehlgeleiteten Suchtgiftverordnungen erneut angeregt und werden wohl nach dem amerikanischen und kanadischen Markt auch alsbald ein Umdenken bei uns hier in Europa bewirken. Nichtsdestotrotz sei gesagt: Das im Rausch- und Arzneimittel befindliche THC (gewonnen aus den Blüten (Marihuana) oder dem Harz (Haschisch) der weiblichen Hanfpflanze) ist natürlich weder in den Nahrungsmitteln, noch in den aus den Fasern hergestellten Produkten enthalten. Sie werden also zwar straffällig, aber nicht „stoned“ oder „high“, wenn sie die GutenbergBibel anzünden.

Fotos: Hanfland.at, Fotolia

Hanf: zahlreiche Mythen ranken sich um die Pflanze. Ist es eine Einstiegsdroge oder doch medizinisches Wundermittel? Eins steht jedweder Kampagne zum Trotz fest: Cannabis ist zu allervorderst kein schnödes Rauschmittel. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER


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Die von uns getesteten Produkte stammen von der niederösterreichischen Firma hanfland.at, die seit 1999 nicht nur für höchst qualitative traditionelle Hanfprodukte verantwortlich zeichnen, sondern auch den Hanferlebnispfad und das Hanfmuseum in Hanfthal nahe Laa an der Thaya betreiben. Nähere Informationen: www.hanfthal.at

Bio Knabberhanf Egal ob mit Kräutersalz, (leicht) süß oder (leicht) scharf, oder im hellen und dunklen Schokomantel: Die ungeschälten, gerösteten Samen machen in erster Linie zwar eher an Vogelfutter oder Globuli denken, sind aber durchaus schmackhaft und zudem reich an Omega-3-Fettsäuren sowie eine hervorragende Proteinquelle mit hohem Ballaststoffgehalt. „Vor dem Fernseher liegen und knab-

bern/naschen“ wird ja bald einmal verteufelt – mit den Samen bekäme man jedoch nicht einmal neben „Germany’s Next Topmodel“ ein schlechtes Gewissen (außer intellektuell): Der nicht dick und behäbig machende Knabberspaß ist selbst für den verwöhnten Verfasser dieser Zeilen vollwertig in beiderlei Hinsicht, ohne den für viele fahlen Nachgeschmack der „Vollwertigkeit“. Mein Favorit war übrigens die Mischung aus den scharfen mit denen im Schokomantel – wer braucht da noch schnödes Popcorn?!

Bio Hanfnussöl Kaltgepresstes Hanfnussöl besitzt eine grünlich-bräunliche Farbe, schmeckt würzig und kräftig nach – klar – Nüssen und Kräutern. Es heißt, Hanfnussöl hätte das beste Fettsäuremuster aller Speiseöle: die lebenswichtigen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren liegen im optimalen Verhältnis von 1:3 vor, außerdem findet sich hierin die seltene und entzündungshemmende, juckreizstillende Gamma-Linolen-Säure, sodass man das Öl (Schmäh ohne) nicht nur in der Küche (u. a. gegen hormonelle Störungen), sondern auch im Bad als Hautpflegeprodukt

(besonders sinnvoll bei Neurodemitis oder Schuppenflechte, aber auch – passend zur Lumberjack-Mode – als Bartpflegeprodukt) einsetzen kann. Ja, wir haben es getestet und sind in unserem Anspruch befriedigt worden! Aber zurück zur Küche: Das Öl eignet sich für „gesunde“ Salate (natürlicher Vogerl- oder Rucolosalat mit Schafskäse bzw. Mozzarella) ebenso wie für „herzhafte“ Variationen wie Wurstsalat und ist dank seiner Beschaffung perfekter vegan/vegetarischer Ersatz für fetten Seefisch, aus dem der Mensch sonst üblicherweise seine Omega-3-Fettsäuren zieht. Einzig: Zum Braten ist das Hanföl nicht geeignet, da seine wertvollen Fettsäuren spätestens bei 165 Grad Celsius geschädigt werden.

Hanftee Die kräftig grünen, THC-armen Hanfteeblätter werden ausschließlich an sonnigen Tagen geerntet, von den Stielen entfernt und in einer belüfteten Trocknungsanlage bei niedrigen Temperaturen schpnend getrocknet. Dadurch bleiben die wertvollen ätherischen Öle der Heilpflanze besonders gut erhalten: Diesen wird eine beruhigende, muskelentspannende, appetitanregende, schmerzhemmende und antibiotische Wirkung nachgesagt. Hanftee schmeckt ein wenig nach Kamillentee und eignet sich hervorragend dazu, mit einem Schuss Melisse und/oder Zitrone „aufzupeppen“. Aufpeppen tut der Tee selber aber auch: Den montäglichen „Garfield“-Charakter konnte ich zwar nicht ablegen, aber der Umstieg von Kaffee auf Hanftee lässt die Woche um Längen bekömmlicher beginnen. Zugegeben: Mitschuld werden auch die zaghaft aufblitzenden Sonnenstrahlen tragen, aber: der aromatische, leicht herb-bittere Nachgeschmack des Grüntees ist dezent und angenehm und wirkt tatsächlich entspannend – er eignet sich somit bestens, den Tag zu beginnen und abzuschließen, insbesondere wenn man selbst über Schlafstörungen, das Umfeld über Stimmungsprobleme zu klagen weiß …

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Hanf-Backmischung Brot selber backen? Wie großmütterlich! Wiewohl: Was gibt es denn besseres als frisches Brot – noch dazu, wenn die Zubereitung so deppeneinfach ist? Topfen, Eier und Backmischung vermischen, in einer befetteten Backform in den Ofen schieben und etwa 50 Minuten backen, fertig! Dabei hält das Brot im Kühlschrank bis zu fünf Tage, während das Billiggebäck oft schon am nächsten Tag steinhart ist. Und wer kann sich schon täglich Joseph Brot leisten? Aber: Kann die Backmischung auch was? Schmeckt das Brot auch oder ist es „nur“ gesund? Es fällt auf: es ist sehr fluffig und saftig und verströmt eine leicht nussig-aromatische Note, allerdings nur sehr süffisant. Es harmoniert mit Deftigem und Würzigem wie herzhaften Aufstrichen, Käse oder Wurstprodukten – bei Honig, Nutella oder Marmeladen fiel die herbe Note etwas störend ins Gewicht. Der Geschmack ist nicht ungeschmeidig, aber doch „gewöhnungsbedürftig“. Vielleicht probieren wir hinkünftig mit zusätzlichen Nuss- oder Gewürzbeigaben noch etwas herum, um das persönliche Gaumenempfinden abzurunden – oder mengen noch etwas der Bio-Hanfsamen unter, die ins morgendliche Müsli oder in gesunde Smoothies gemischt ja auch für eine herzhafte Note sorgen.

Skin Cream, Allzweckhanfsalbe Baby & Body&Skin Öl Hanf wurde bereits lange „vor Christus“ als Heilmittel verwendet (siehe linke Seite) und ist aufgrund der boomenden Naturkosmetikbranche wieder in Verwendung. Das leicht gelbgrüne Hautöl (vegan, ohne synthetische Stoffe, wurde nicht an Tieren getestet) wirkt beruhigend, regenerierend und feuchtigskeitsregulierend und soll auch bei Neurodermitis anwendbar sein. Es hinterlässt keinen öligen Film, zieht schnell ein und macht sehr zarte Haut. Nicht vegan, aber nicht minder naturbelassen sind die Cremes, bei der wir einen ähnlichen Hauteffekt beobachten konnten. Kennt ihr die Werbung mit „Selbst mein Freund ist ein richtiger Softie geworden!“? Punktgenau! Da riecht dann sogar das Baby nussig und ist nicht nur gegen Bakterien geschützt!

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!ticket life&style Es gibt derer Menschen, die sind der Ansicht, „Schwarz“ gelte nicht als Farbe, weil es die „Abwesenheit“ von Licht darstellt. Andere, so wie Susanne Franzl, kümmert dies einen feuchten Kehricht und bezeichnen es ohnehin als Lebenseinstellung. Und trotzdem bringt sie – Überraschung! – allzu oft Licht ins Dunkel.

Unsere Mitarbeiterin Susanne Franzl hat ein paar Tipps für live und daheim für Sie auf Lager!

inwendig

MUSICAL

FILM

KUNST

Die beste Idee, die Tim Burton hatte, war definitiv Filme zu produzieren: morbide, bizarr und mit einem Hauch von düsterer Romantik. Es gibt schon jetzt ein paar Einblicke in sein neuestes Werk „Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“. Aber zuvor freue ich mich ab 26. Mai über den zweiten Teil von „Alice in Wonderland 2“, „Through the Looking Glass“.

Umwelt- und Artenschutz geht uns alle an, und dank Cyril Helnwein, Sohn von Gottfried Helnwein, wird uns dies mit seiner Ausstellung „Lost Garden“ auf seine Art abermals ins Gedächtnis gerufen. Seine einzigartigen Fotografien sollen uns daran erinnern, die Natur so zu belassen, wie sie ist. Kunst, die hoffentlich nicht nur mich zum Nachdenken bewegt und wichtiger denn je ist – zu sehen ab 13. April in der Ho Gallery in Wien.

LITERATUR Niemand veröffentlicht härtere Thriller als Frank Festa, der es sich als Ziel gesetzt hat, mit seinem eigenen Verlag neben bekannten Autoren wie Clive Barker sich Werken von Schriftstellern – weil sie zu gewagt sind, zu neuartig oder zu extrem sind – zu widmen und ihnen eine Chance zu geben, ihre Kunst zu veröffentlichen.

KONZERTE 40(!) Jahre sind es heuer, und noch immer ist kein Ende in Sicht! Zuerst als Malice, dann als Easy Cure und schließlich mit The Cure benamst, heilen Robert Smith und Co. auch heute noch mein schwarzes Herz mit ihrer einzigartigen Musik. Und vielleicht können wir uns schon bald, wie ab Seite 42 nachzulesen ist, Smiths vertonte Versionen von Nietzsche- oder Schopenhauer-Zitaten zu Gemüte führen. Ich bin immer noch jeden Freitag in „Love“ und deswegen ist mein Highlight dieses Jahr, eine meiner Lieblingsbands endlich live wiederzusehen: am 26. Oktober in der Marx Halle.

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Fotos: Cyril Helnwein, Andy Vella, Brinkhoff/Mögenburg, Festa Verlag, Tim Burton Wiki, Herbert P. Oczeret

Wenn da dem eiskalten Händchen nicht ganz warm ums Herz wird, wenn im November dieses Jahres seine Familie die Bühnenwelt erobern wird! Nach „Tanz der Vampire“ freue ich mich sehr, dass „The Addams Family“ von der Leinwand auf die Bühne gebracht wird: eine schaurig-schöne Darbietung mit Gomez Alonzo Lupold, Morticia, Pugsley und der lieben, kleinen Wednesday Addams erwartet uns vom 2. bis 9. November im Museumsquartier.


2016

Die großen Spielstätten – Partner des PRG LEA Die herausragenden Konzerte, Tourneen, Shows und Festivals des Jahres. Die besten Veranstalter, Künstler, Manager und Spielstättenbetreiber. Die besten Clubs und Hallen.

PRG LIVE ENTERTAINMENT AWARD 2016 Frankfurt/Main, Festhalle, 4. April 2016 Die offizielle Eröffnungs-Gala der Prolight + Sound und Musikmesse 2016

TICKETS

Info und Reservierung: 040 - 41 30 55 05 info@LEA-Verleihung.de · www.LEA-Verleihung.de


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!ticket fun&action

Alles nur Unz-Unz-Unz? Von wegen! Elektronische Musik hat in Österreich ihre wachsenden Fanscharen, Electric Love Festival und Co. machen es vor. Das liegt nicht nur an den Beats selbst, sondern vor allem an dem Lebensgefühl, das sie vermitteln. TEXT: AMINA BEGANOVIC

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DM oder Trance, Dub oder Downbeat, Drum ’n’ Bass oder Minimal – die Zeiten, in denen elektronische Musikrichtungen allesamt als „Elektro“ vereinheitlicht wurden, sind lange passé. Zu dem Genre Techno haben sich weitere Genres hinzugesellt, nicht zuletzt wegen ihres kleinsten gemeinsamen Nenners: tanzen, als gäbe es kein Morgen. Genau darum geht’s bei der Liebe zum Beat, die in Österreich ungebrochen bleibt. Das wissen auch Nachwuchs-Beatbastler und Veranstalter, denn das Event-Angebot wird immer kreativer,

termine „Drei Tage voller Liebe und Musik“ verspricht das Electric Love Festival im Juli am Salzburgring, mit dabei sind u. a. Hardwell, Brennan Heart, Headhunterz und Odesza. Bereits zum Monatswechsel Juni/Juli lädt das Nu Forms im burgenländischen Wiesen mit Künstlern wie AndyC, Maduk, Current Value, Black Sun Empire, Rockwell und vielen mehr zum Erdbeerklauben und gemeinsamen Vernaschen ein. Ende Juli lädt der Schwarzlsee in Unterpremstätten bei Graz dazu ein, im Rahmen des Lake Festivals zu Klängen von Dimitri Vegas & Like Mike, Martin Garrix, Gudrun von Laxenburg und anderen in den knappen Bikini und die Badehose zu schlüpfen. Notiz am Rande: Diese Saison fällt das alljährliche Urban Art Forms leider aus. Nicht verpassen sollte man zudem Moderat am 15. Juni in der Arena Wien.

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die Locations immer opulenter. Laute Beats etwa im ehrwürdig-kirchlichen Ambiente? Die Veranstaltungsreihe Electric Church in Stephansdom, Mariendom und Co. boomt – im wahrsten Sinne des Wortes – so sehr, dass selbst Dompfarrer Toni Faber zum Fan wurde. Sogar die noble Wiener Balltradition hat die elektronische Szene erobert, statt „Alles Walzer“ heißt es „Alles Techno“ am Technoball. Lebens- und Liebesgefühl Woher kommt die Faszination? Sich von den rhythmisch-monotonen Beats und deren Trance-Wirkung in Kombination mit bunten Visuals mitreißen zu lassen, macht einen wesentlichen Reiz aus. Dieser Effekt wird in einer Menschenmenge noch verstärkt, man zelebriert das gemeinsame „Loslassen“. Nicht umsonst fallen bei elektronischer Musik häufig Schlagworte wie „Liebe“ und „Friede“. Seinen Ursprung hatte dieser Leitgedanke bereits in der Techno-Bewegung der 1990erJahre, als mit der berühmten Loveparade in Deutschland erstmals das Motto „Love, Peace & Unity“ oder auch „Friede, Freude, Eierkuchen“ aufkam – und man sich nicht mehr als Underground, sondern als futuristisch-

Love is in the air Das Electric Love versammelt seit 2013 die Fans der Szene in Salzburg.

Fotos: Revolution Event GmbH / Geoffrey Hubbel, Klemen Stular

Aus Liebe zum


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m Beat avantgarde „neue Hippie-Bewegung“ sah. Ideale der Liebe und neue Formen der Selbstentfaltung wurden propagiert, Offenheit und Ausgelassenheit zur Schau gestellt, was auch durch ausgefallene Formen in der Mode – man denke an die schrillen Neonfarben – ausgedrückt wurde.

Seinen Höhepunkt hat dieses Lebensgefühl in ekstatischen Raves, die neben ohrenbetäubenden Klängen auch eine ordentliche Dosis Serotonin (a.k.a. Glückshormon) entladen. Und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Denn nach wie vor stehen bei Events rund um elektronische Musik (ganz gleich welchen Genres) neben gesellschaftspolitischen Botschaften vor allem Hedonismus und der Fun-Faktor im Vordergrund – Ausgelassenheit, die verbindet. Und dass dabei als Ergänzung mitunter auch die eine oder andere berauschende Substanz konsumiert wird, ist ebenso kein Geheimnis.

All You Need Is (Electric) Love Den „Love & Peace“-Gedanken griff man ebenfalls beim Electric Love Festival auf, „drei Tage voller Liebe und Musik” werden auch dort versprochen. Wobei das Festival nicht unbedingt aus einer weltverbessernden Gesinnung entstand: Alles begann an der HTL Salzburg, wo der party-affinen Jugend jahrelang der Schulball verwehrt wurde. Kein Zustand, befand eine Freundesgruppe rund um die Salzburger Thomas Priewasser und Tim Moser, woraufhin sie die Planung kurzerhand selbst übernahmen – und

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800 Tanzwütige auf ihrer „Semester Ending Party“ versammelten. Das war die Geburtsstunde der Firma Revolution Event, die heute das Electric Love ausrichtet. „Wir wollten eines der größten Electronic-Festivals aufziehen, das man in Österreich je gesehen hat“, so ihr Ziel. Das Vorhaben ist gelungen: Im Billboard-Ranking landete es 2015 auf Platz 9 der „25 European Dance Music Festivals You Can’t Miss“. 45.000 Beat-Liebhaber aus 44 Nationen strömten im vergangenen Jahr zum restlos ausverkauften Gelände am Salzburgring – pro Tag. Und 2016 dürfte sich der Erfolg wohl wiederholen. EDM Electronic Dance Music erfreut sich großer Popularität – aus vielerlei Gründen.

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!ticket highlights Heimvorteil & Jetlag für Anfänger „Heimvorteil“ ist zugleich Programm wie auch Diagnose: Alex Kristan tritt die längste Reise seines Lebens an – und ist doch die ganze Zeit in seinem Heim. Die Liebste ist in eine entlegene Wellness Oase entwichen und die unerträgliche Leichtigkeit des Allein-daheim-Seins entpuppt sich als tonnenschwere Last. „Jetlag“ ist Kristans erstes Soloprogramm, hier geht es um die volle Erholung, oder das, was man dafür hält. In diesem Programm treffen viele verschiedene Persönlichkeiten und zahlreiche Prominente aufeinander, die sich zwar nicht kennen, aber alle der gleichen Spezies angehören: dem Urlauber, bewaffnet mit Handtuch, Sonnenöl und einem Pensum an guter Laune …

Alex Kristan

Fotos: Jan Frankl (Otto Jaus), Stephan Pick (Enissa Amani), caroctrasnik.com (Alex Kristan), Michael Zargarinejad (Thorsten Havener)

beide Programme laufend in Wien und Umgebung Körpersprache Code Während seiner 20-jährigen Bühnenerfahrung hat er nicht nur Sonja Zietlow, Atze Schröder, Johannes B. Kerner oder Stefan Raab schon in die Köpfe geschaut. Havener errät streng geheime PIN-Nummern und weiß genau, wohin Sie als nächstes in den Urlaub fahren. „Wie hat er das bloß gemacht?“ Diese Frage stellt sich zwangsläufig jeder, der Havener live erlebt. Havener fasziniert, Havener verblüfft, Havener macht fassungslos. Und dem Publikum stehen reihenweise die Münder offen. Dabei schaut er einfach nur genauer hin.

Have n e t s r o h T

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27. bis 29. April, in Wien, Graz und Leonding

Otto Jaus Fast fertig – ein musikalischer Amoklauf Als Otto Jaus nach sieben Jahren Wiener Sängerknaben und den damit verbundenen Weltumrundungen wieder seine Eltern kennen lernen durfte, war klar, dass die Bühne sein Leben regieren musste! In seinem ersten Soloprogramm v erarbeitet er seine Erlebnisse von der Staatsoper bis zum Simpl, erzählt, warum seine Mutter immer Recht hat, erklärt, warum er alles, nur kein Model sein mochte und was Mozarts Musik wirklich beeinflusst hat. Er singt, spielt und erzählt von Anfang bis zu „fast fertig“. Weil fertig ist man nie! laufend, u. a. in Wien, Gleisdorf, Linz und Weiz Zwischen Chanel und Che Guevara Sie ist die Neuentdeckung der deutschen Kabarett-Szene: Enissa Amani. Was Enissa so außergewöhnlich macht, ist nicht der Kontrast zwischen iranischem und deutschem Background, sondern der zwischen ihrer sozialistischen Erziehung und der unausweichlichen Anziehung der materiellen Güter dieser Welt. Die Inhalte ihres Bühnenprogramms halten dabei immer die Balance zwischen provokant-ehrlichem amerikanischem Stand-up und deutschem Kabarett.

Enissa Amani 28. April, Theater Akzent

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!ticket fun&action 50 Jahre hat die liebenswerte Schwarz-Weiß-Familie bereits auf dem TV-Buckel, bereits davor gab es Cartoons mit Gomez, Morticia & Co. Mit einem brandneuen, deutschsprachigen Musical geht die Saga um die Addams Family nun weiter … TEXT: ALEXANDER HAIDE

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r ist nicht neu, der dramatische Unterschied zwischen New York und dem Rest der USA. Das war schon immer so. Im Wahlkampf sorgte Ted Cruz mit einer abfälligen Bemerkung über Donald Trump und die „New York Values“ für Aufregung, was die nach wie vor tiefe Kluft zwischen dem provinziell-konservativen Amerika und dem pulsierenden Big Apple deutlich machte. Nichts anderes hatte der CartoonZeichner Charles Addams im Hinterkopf, als 1938 die ersten Zeichnungen der sehr schrägen Family im The New Yorker-Magazin erschienen.

GRUFT

Blanker Horror Inspiriert durch seinen Geburtsort Westfield in New Jersey, der von viktorianischen Villen und archaischen Friedhöfen geprägt war, verdrehte er das Klischee der typisch amerikanischen Familie ins Gegenteil: Die Addams haben Freude an allem Makaberen, Bizarren und Grotesken. Sie bemerken nicht, dass ihre Welt zwischen Thing (dem eiskaltem Händchen), Morticias Lieblingsblumen, den kopflosen Rosen, und Töchterchen Wednesdays Mordanschlägen an Bruder Pugsley für Normalos ein Horror ist.

Das bewegte Bild Im Original bestehen die Addams-Cartoons übrigens aus etwa 150 einseitigen Zeichnungen, die bis zum Tod des Zeichners 1988 erschienen. Allerdings gab Charles den Charakteren seiner Family keine Namen – sie entstanden erst für die Kult-TV-Serie, die es beim Sender ABC leider nur auf zwei Staffeln brachte (1964–1966). Ein Schicksal, das sich die „Addams Family“ mit den gleichzeitig laufenden „The Munsters“ teilte, die Konkurrent CBS ins Rennen schickte: „The Munsters“ brachten es auf 70 Folgen, die „Addams Family“ bloß auf 64 halbstündige Episoden.

Ebenfalls in der New York Times, jedoch erst 2014, erschien ein Artikel über die „tatsächliche Addams Family“, wie der Autor Nicholas Haramis schrieb: die Helnweins. Vater Gottfried zählt zu den bekanntesten, aber auch umstrittensten deutschsprachigen Künstlern nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde vor allem durch seine hyperrealistischen Bilder von verwundeten und bandagierten Kindern bekannt. Auch seine vier Kinder sind Kunstschaffende, allen voran Fotograf Cyril Helnwein, welcher ab 13. April in der Wiener Ho Gallery seine neue Serie „Lost Garden“ präsentiert. Unser ausführliches Interview lesen Sie online auf ww.ticketmagazin.com.

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Foto: Brinkhoff/Mögenburg, Cyril Helnwein

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KULT

Gomez & Morticia Addams Gomez, reicher Jurist spanischer Abstammung, liebt seine vampiristische Frau abgöttisch. Sie verführt ihn nur zu gern mit Französisch. Ihrer Liebe entstammen die Kinder Pugsley und Wednesday.

Weg vom Ursprung Klar, dass die ursprünglichen Persiflage-Elemente, die die „Addams Family“ ausmachten, in allen nachfolgenden Formaten – von einer Zeichentrickserie über Versuche von Remakes bis zur kanadischen TV-Serie „The New Addams Family“ (lief 1998 und 1999) und den zwei Kinofilmen (1991 und 1993, ein dritter Teil scheiterte am Tod des Schauspielers Raúl Juliá, der Gomez impersonierte) – verloren gingen. Das gilt auch für die Musical-Version, was dem Riesenerfolg der Broadway-Produktion freilich keinen Abbruch tut. Für die neue Story quartierte man die Addams Family in einer viktorianischen Villa im Central Park ein, ließ einige Jahre vergehen und legte die Handlung ein wenig romantisch an: Die mittlerweile 18-jährige Wednesday datet einen New Yorker Normalo. Als sich beide Familien kennenlernen sollen, prallen die Grusel- und die reale Welt aufeinander, dass Tränen gelacht werden dürfen. Die feine Klinge der zynischen Betrachtung der US-Vorstadtklischees bleibt auf der Strecke, was familientaugliche Songs und Gags wettmachen. So wird das Musical „The Addams Family“ mit Uwe Kröger als Gomez zum wunderbaren Family-Entertainment. Nun darf man gespannt sein, ob sich „The Munsters“ ebenfalls aus ihrer Gruft emporschwingen, um die Musical-Bühnen zu erobern …

empfiehlt

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termine Zwischen 2. und 9. November erleben wir im MuseumsQuartier (Halle E) die Wien-Premiere des Broadway-Musicals The Addams Family mit Uwe Kröger und Edda Petri Noah Walczuch in den Hauptrollen.

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Dr. Aestas D

er Ombudsmann, ein unparteischer Schiedsrichter – österreichisch: die Volksanwaltschaft – vermittelt zwischen dem Bürger und der Behörde. Verschiebt man den Rechtssprech in den „Alternative-Äther“, dann kommt dabei die Kunstfigur des Klagenfurter Satirikers Hosea Ratschiller raus, ein zuwiderer Guru: „In der FM4 Morning Show muss er, der 65-jährige Bildungsbürger, die Fragen von 16-jährigen Hipstern beantworten. Er ist eine Art Dr. Sommer wider Willen. Und er wehrt sich gegen diese Aufgabe, indem er die Fragen nachhaltig verkompliziert, anstatt sie zu beantworten.“ 2006 konzipierte er gemeinsam mit Science Buster Martin Puntigam diese interaktive Radio-Kolumne, in der weltbewegende Probleme wie die korrekte Aussprache des italienischen Hartkäses gelöst werden, oder auch – passend zu unserem Druckprodukt hier – die Welt der Groupies zur Abwechslung einmal aus ichthyologischer Perspektive beleuchtet wird. Sechs Jahre im Amt, wagte sich der FM4 Ombudsmann 2012 aus dem goldenen Käfig des Radios dann auch direkt vors

termine Am 28. April begeht der FM4 Ombudsmann im Wiener Stadtsaal seinen Festakt: „10 Jahre keine dummen Fragen“. Mit dabei auch illustre Gäste, u. a. Stefanie Sargnagel, Martin Blumenau, die Science Busters, GUSTAV, Nowhere Train und Robert Misik.

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Hörerantlitz, auf die Bühne. Dies stellte Ratschiller natürlich vor eine große Herausforderung: „Diese wahnwitzigen Texte müssen ja mit überbordender Leidenschaft für Präzision vorgetragen werden. Sowas freiwillig auswendig zu lernen, das grenzt schon an Idiotie.“ Klar, dass seine Kunstfigur den DamoklesStolperstein des Scheiterns als geschickten Kunstgriff nutzt. Radio und Bühne funktionieren nun einmal anders, denn im Radio „kann man Mängel am Inhalt oder in der Darstellung nicht kaschieren, indem man gruppendynamische Reflexe bedient“. Überbordende Effekte sind hier jedoch, im Gegensatz zur marktschreierischen Comedy, auch nicht von Nöten – „Hörfunk statt Dudelfunk“, wenn man so will, denn nichts als tatsächliche Inhalte schaffen auch Relevanz. Klasse statt

Masse. Und demnach hätte Moneyboy, dessen Lieblingswort die „fiqqhure“ ist, die es „wegzucocken“ gilt, auch fast als Late Night Act am burgenländischen Nova Rock vor dem personifizierten Delirium gespielt, der FM4 Ombudsmann vor und mit ausgesuchten Gästen im Wiener Stadtsaal. Und vielleicht tritt Martin Puntigam endlich als des Ombudsmanns Gattin Ilse in Erscheinung, die Figur dafür hätte er ja. Das fänden wir einmal richtig leiwand. Übrigens: „Das Wort kommt wohl aus dem 15. Jahrhundert. Damals wurde im alten Bürgerspital in Wien mit Textilien, also auch Leinen gehandelt, nebenbei wurde das sogenannte Leinwand-Bier ausgeschenkt. Dem Unabwendbaren wurde das Befriedigende beigestellt: leiwand. Mittlerweile ist das Bürgerspital abgerissen und heute steht dort, wo einst „leiwand“ entstanden ist das Hauptquartier eines großen Versicherungskonzerns. Eine liebe Geschichte über die Entwicklung, die das Wiener Gemüt in den letzten 500 Jahren genommen hat.“ Gut zu wissen.

weiterlesen? f iew lesen Sie au Das volle Interv om .c agazin www.ticketm

Foto: Ingo Pertramer

„Kann man vom Küssen schwanger werden?“ – Was Dr. Sommer für keck kichernde Krümel, ist der FM4 Ombudsmann seit einem Jahrzehnt für den vigilanten Adoleszenten. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER


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!ticket live

Wir werden The Cure sind Kult. Noch immer. Auch wenn Ober-Gruftie Smith nicht mehr auf Teenie-Postern mit obligat verschmiertem Lippenstift und Spinnweben in Särgen liegt. Im Herbst gibt’s wieder Hits, Rares und sogar Unveröffentlichtes live! TEXT: ALEXANDER HAIDE

Imagefrage Obwohl The Cure als Urväter des Gothic gelten, hat Gitarrist, Sänger und BandKopf Robert Smith dies stets zurückgewiesen: „Uns kann man in keine Schublade stecken!“ Dass viele die britische Band lediglich über ihr dunkles Image definieren, wird ihr nicht gerecht. Das hätte sich alles nur ergeben, weil man eben anders sein wollte als die etablierten Rock-Acts zu Beginn der 80er-Jahre. Sagt zumindest Smith. „In den USA hat man sich immer mehr für unsere Musik interessiert als um das Image“, analysierte Smith in einem Interview. „Vor allem in Frankreich und Spanien hat man sich immer mit unserem Styling identifiziert.

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Fans haben das dann nachgemacht. Allerdings glaube ich nicht, dass wir je eine trendy oder eine coole Band waren. Ich empfinde mich auch nicht als cooler Typ. Ich denke, die Menschen mögen eher unsere Texte und wofür wir als Band stehen. Und nicht die Coolness.“ Bravo Kuschelrock? Amüsiert war Smith stets, wenn man ihn auf die seichten Pop-Hits ansprach, die immerhin das Fundament des kommerziellen Erfolges legten. „Songs wie ,Friday I’m In Love‘ sind Pop-Songs, die die Menschen auf The Cure aufmerksam machten und sie in unseren Bann ziehen sollten. Das ist der einzige Grund, idiotische Singles zu veröffentlichen: Damit sich die Menschen vielleicht das ganze Album anhören und bei dem einen oder anderen Track hängen bleiben. Ich habe nur sehr selten Songs mit dem Hintergedanken geschrieben, dass sie im Radio gespielt werden. ,Friday I’m In Love‘ ist einer davon. Das war aber damals sehr offensichtlich. Immerhin hat der Titel die Chance, zumindest einmal in der Woche gespielt zu werden. Das ist doch besser als einen Weihnachtshit zu haben, den man nur einmal im Jahr auflegt.“

The Sky is the Limit R o b e r t Smith, der berechnende Mastermind? Oder doch der sensible, intellektuelle Feingeist, der Perlen wie das von Albert Camus inspirierte „Killing An Arab“ mehr schätzt? Die Idee zu einem, bisher nicht realisierten Lieblingsprojekt outet ihn: „Ich wollte schon immer ein Dance-Album mit zehn Tracks machen, von denen jeder einem anderen Philosophen gewidmet ist. Die Essenz eines Nietzsche in vier, fünf Textzeilen zu verdichten wäre die Idee. Auch, wenn das ziemlich unmöglich scheint. Nietzsche, Camus und Schopenhauer herzunehmen wären mal ein guter Beginn.“ Schwarzes Licht Auch wenn es in den vergangenen Jahren still um The Cure geworden ist – zumindest was neues Songmaterial betrifft –,

Foto: Andy Vella

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ir sangen darüber, dass es egal ist, ob wir alle jetzt sterben, und wir haben das auch geglaubt.“ Die Attitüde dieser neuen Band aus London schockierte zu Beginn der 80er-Jahre die etablierte Musikszene und die Elterngeneration, auch wenn die erste Single „Boys Don’t Cry“ eigentlich gar nicht so wirklich gruftig war und erst später als Re-Release zum Hit wurde. Man flirtete mit Selbstmord, schlief in Särgen, liebte dunkle Farben.


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n alle sterben

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termine Die Herren rund um Robert Smith kommen am 26. Oktober in die Wiener Marx Halle und werden neben den größten Hits der 37-jährigen Bandgeschichte auch noch unveröffentlichte Songs präsentieren. Im Vorprogramm erleben wir The Twilight Sad.

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der düstere reigen

zieht es die dunklen Stars wieder auf die Bühne. Das war schon immer so: „Im Grunde kann man kein Cure-Fan sein, wenn man uns nicht auch gerne live sieht. Auch deshalb geben wir wieder Konzerte. Außerdem wüsste ich gar nicht, was ich sonst machen sollte. Vielleicht in meinem Stamm-Pub auftreten …“ Finanziell haben Smith und seine Mannen ja längst ausgesorgt, mehr als dreißig Millionen verkaufte Alben sorgen für ein gutes Polster. „Ich spiele Konzerte ausschließlich, weil ich hoffe, dabei Spaß zu haben. Für mich gibt es keinen anderen Grund mehr“, ist Ober-Cure Robert entspannt. Und so beglücken The Cure im Herbst im Zuge ihrer Europa-Tournee auch das Wiener Publikum, um einen schrägen Querschnitt aus beinahe vier Jahrzehnten musikalischem Schaffens zu

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Bauhaus gelten als Urväter des Gothic. Gegründet 1978, wurde die englische Band zum Vorbild der Dunkel-Rocker auch jenseits des Atlantiks. Sie landeten übrigens erstaunlicherweise mit einer Cover-Version von Bowies „Ziggy Stardust“ den größten kommerziellen Erfolg. Das Debüt-Album „In The Flat Field“ zählt zu den ersten Gothic-LPs überhaupt. Obwohl The Sisters Of Mercy seit den 90ern keine neuen Alben mehr veröffentlicht haben, tourt Gott Andrew Eldritch nach wie vor mit seinen dunklen Gesellen durch die Lande, erst kürzlich schaute er auch wieder in Wien vorbei. Das Ungewöhnliche bei den Sisters: Sie verzichten auf viele Rock-Elemente und stützen ihren Sound auf Dance-Beats und Bass-Hooks. Das gipfelte im kommerziellsten Longplayer „Floodland“ (1987), dem u. a. Meat-Loaf-Producer Jim Steinman den Sound verlieh. Es war das Gossip-Thema der Goth-Szene: 1985 stiegen Wayne Hussey und Craig Adams nach einem Streit bei einer Aufnahme Session bei The Sisters Of Mercy aus, und machten als The Mission nahtlos weiter. Die Verwendung des ursprünglichen geplanten Bandnamens The Sisterhood ließ Ex-Bandkollege Eldritch gerichtlich verbieten, das Fan-Volk teilte sich in zum Teil heftig streitende Blöcke. Das Debütalbum „God’s Own Medicine“ gilt als wegwesend. Das britische Quartett Joy Division mit dem Über-Hit „Love Will Tear Us Apart“ vom zweiten (und gleichzeitig auch letzten) Album „Closer“ schaffte es in nur vier Jahren, Musikgeschichte zu schreiben. Mit seinem Selbstmord im Alter von nur 23 Jahren erfüllte Frontman Ian Curtis oberflächlich Suizid-Fantasien, er hatte allerdings vermutlich gesundheitliche Gründe: Curtis litt an Epilepsie, die Krämpfe schränkten sein Leben drastisch ein. Die zweite Generation Grufties fand in den Finnen HIM rund um den charismatischen Frontman Ville Valo perfekte Idole, auch wenn viele den Megahit „Join Me In Death“ aus dem Kult-Album „Razorblade Romance“ falsch interpretierten. Nach dem Ausstieg von Schlagzeuger Mika arbeiten HIM derzeit an neuem Material, das eventuell noch im Dezember erscheinen könnte.

servieren. Neben den Hits und selten live gespielten Titeln soll es sogar unveröffentlichtes Material zu hören geben – ob das ein dezenter Hinweis auf ein

längst überfälliges Studioalbum ist? „4:13 Dream“, der bisher letzte Longplayer, datiert immerhin bereits aus dem Jahr 2008 …


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Kulturelle Nahversorgerin Hinter dem unscheinbaren Namen „Bühne im Hof“ versteckt sich ein Haus, das mit seinem heterogenen Kleinkunst-Programm das Kulturleben in St. Pölten entscheidend prägt. TEXT: PAUL M. DELAVOS

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ie „Bühne im Hof“ entstand 1990 in einer ehemaligen Wäscherei im Hinterhof der Linzer Straße und hat sich über die Jahre einen festen Platz in der niederösterreichischen Kulturlandschaft erarbeitet. Die künstlerische Leitung verantwortet seit Jänner 2016 Daniela Wandl, die das bestehende Erfolgsmodell weiterentwickeln will: „Ich verstehe die Bühne im Hof als kreative Kooperationspartnerin und kulturelle Nahversorgerin, die sich als offenes, gemütliches und freundliches Gastspielhaus präsentiert. Kleinkunst umfasst ein breites Spektrum – im Sinne von Facettenreichtum. Diese Vielfalt möchte ich dem Publikum anbieten. Mit dem Ziel, die Bühne im Hof als Zentrum für hochwertige Kleinkunst und als offenes Haus für Kulturen, Menschen und Ideen aus aller Welt zu positionieren.“

Fotos: Bühne im Hof, Barbara Palffy

termine (auswahl) 2. April – BlöZinger „ERiCH“ 8. und 9. April – Gernot Kulis „Kulisionen“ 23. April – Erwin Steinhauer & klezmer reloaded extended „Ich bin ein Durchschnitts-Wiener“ 29. und 30. April – Abba Jetzt! 2. Mai – Stipsits & Bäer & Ganster „Von Danzer bis Stinatz“ 25. Mai – Ohne Rolf „Blattrand“ 28. Mai – 5/8erl in Ehr’n 10. und 11. Juni – 6 Österreicher unter den ersten 5 (nach Dirk Stermann) 12. Juni – Der Herr Karl

info Tel.: 02742/90 80 50, buehneimhof.at Julius-Raab-Promenade 37, 3100 St. Pölten

Bühne im Hof Die „kulturelle Nahversorgerin“ in der niederösterreichischen Landeshauptstadt bietet nicht nur ein vielfältiges, ausgewähltes Programm, sondern ist auch hervorragend zu erreichen.

Die nächsten Monate sind durch unterschiedliche programmatische Schwerpunkte geprägt, wobei zahlreiche Veranstaltungen Mischformen aus Kabarett und Musik, Literatur und Musik, aus Clownerie und Kabarett oder aus Zauberei und Kabarett sind. ABBA und Herr Karl Fünfzig unterschiedliche Veranstaltungen gehen in den nächsten Monaten über die Bühne – da ist es na-

türlich schwer, eine Auswahl zu treffen. Doch zwei haben es in die „AuswahlEndrunde“ geschafft: auch, weil sie Heterogenität des Programms gut zeigen. Das ist einmal „ABBA Jetzt!“: Im Frack präsentieren der Burgschauspieler Tilo Nest, der TV-Schauspieler Hanno Friedrich und der Pop-Professor Alexander Paeffgen am Piano die Hits der Schweden als einen atemberaubenden Ritt durch alle musikalischen Genres – von Hip-Hop über Flamenco bis hin zu Heavy Metal. Die Klappermaul-Puppen von Nikolaus Habjan sieht man bereits seit einigen Jahren u. a. auch im Burgtheater und Volkstheater. Aber Habjan ist nicht „nur“ Puppenspieler, sondern selbst auch ein genialer Schauspieler, und so bringt er seine eigene Interpretation des Klassikers „Der Herr Karl“ auf die Bühne.

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!ticket live

Eine Prise Klagelied Die heimische Formation LelKem wird gerne als „Engineers Of Modern Lament“ tituliert. Lamentiert wird hier aber wenig, denn ihre „Klagelieder“ rocken, dass es eine Freude ist. TEXT: AMINA BEGANOVIC

termine Neugierig geworden? Wer Lust hat, zur Musik von LelKem loszuhüpfen, hat am 18. Juni am Crowd ’n’ Ruam Festival in Tulln Gelegenheit dazu. Ebenfalls in Tulln sieht man sie am 23. Juli am Gollarn Festival.

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Facettenreich Mal fast schon Grunge, dann doch wieder Artrock

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ie schätzen die Authentizität von Dave Grohl und lieben die Theatralik von David Bowie – LelKem, ein Nu-Art-Quartett mit österreichischungarischen Wurzeln, werden von ihrer Anhängerschaft liebevoll „Engineers of Modern Lament“ (Schmiede des neuen Klageliedes) genannt. Ihre Musik erinnert an Rock „wie damals“: Harte Gitarrenriffs mit viel Melodik, die ein Déjà-vu von 90er-Alternative heraufbeschwören. Dazu der feine, immer wie-

derkehrende Touch Düsternis, den man als roten Faden sehen könnte – womit wir auch schon beim „Klagelied“ wären. „Die Melancholie ist in unseren Songs stets präsent, daher kam der Bezug zu den geschichtlichen Ursprüngen von Klageliedern auf. Diese hat man natürlich nicht wie wir mit Tonnen von Gitarren und Sounds gespielt. Aber so manifestierte sich der Begriff bei uns“, erklärt Frontmann Boti Benedek II im Interview mit !ticket.

Fotos: Hans Schimanek, Boti Benedek II, Hersteller

Mundart und handgemachte Musik erlebt man im gesamten April von SoloZuViert, u. a. in Wien und Klagenfurt. Mit seinem fünften Werk „Nonsleeper“ kehrt Bernhard Eder am 7. April ins Wiener Chelsea ein, am 9. zupfen Papermoon in der Kulturfabrik Kufstein die Saiten, Nachschlag gibt es am 24. imToscana Kongresshaus Gmunden. „Elektrokoko“ von Johann Sebastian Bass gibt es u. a. am 14. im Salzburger Rockhouse, aber davor und danach auch in Lustenau, Innsbruck, Graz und Wien. Für verträumten Indie-Sound sorgen Cardiochaos am 15. April im Wiener Chaya Fuera, während man mit Seiler & Speer unter anderem am 20. April in der Messehalle Klagenfurt „ham kummen“ kann. Gefühlvollen Pop bietet Avec gemeinsam mit Schmieds Puls am 22. April in Salzburg (ARGEkultur). Die Kollegen von Farewell Dear Ghost spielen am 23. April in der Generalmusikdirektion Graz auf. Rockig endet der Monat dann mit Krautschädl in der Alten Mühle Maria Anzbach am 30. April.


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MUNDPROPAGANDA Hören Sie mal rein!

Rock made in Austria Stellt sich die Frage, ob bodenständiger Klagelied-Rock ohne viel Firlefanz heutzutage in Österreich noch funktioniert. LelKem machen Hoffnung. „Ich glaube, dass Rocksound immer funktioniert. Ich habe das Gefühl, dass Musik generell wieder mehr geschätzt wird, auch wenn es die Industrie gerne anders darstellt, damit sie die geringen Ausschüttungen an Künstler rechtfertigen kann“, bemerkt Boti. Dass die Band auch sonst nicht auf den Mund gefallen ist, zeigt sie in ihren Lyrics: „And Then There Was An Asshole“ etwa erzählt vom klassischen kleinen Saboteur, der gut gemeinte Vorhaben für seine Zwecke ausnützt. „Sieht man sich die heutige Tagespolitik an, würden wir jede Stunde jemanden finden, dem wir diesen Song widmen könnten.“

Starke Emotionen Auch melodisch versteht das Quartett mitzureißen. LelKem schreiben Songs, die laut ausufern können, manchmal wieder fragiler klingen oder auch bewusst poppige Züge annehmen. An Effekten wird nicht gespart, auf eine festgefahrene Linie will man sich nicht reduzieren. „Starke Emotionen lassen sich wunderbar über Gitarren transportieren. Wir sind eben eine gitarrenlastige Band, selbst wenn wir ein Minimal-Techno-Album aufnehmen würden, würde es am Ende rockig klingen. Rock hat eine ganz eigene, impulsive Energie, über die du unfassbar viel Gefühl übertragen kannst.“ Apropos Album: Ihr zweites Studiowerk „All Four Seasons In One Day“ erschien im März beim heimischen Qualitätslabel PANTA R&E – und auch darauf zeigen LelKem, wie heimischer Rock mit einer Prise Klagelied so richtig ins Ohr geht.

Die folgenden Veröffentlichungen sollten in keinem gut sortierten Plattenschrank fehlen. (sb)

Hämatom – Wir sind Gott Eine perfekt gelungene Mitgröl-Blaupause für alle Wutbürger, die gern mit geballter Faust in der Luft fuchteln.

Scarabeusdream – tacet tacet tacet Verquere, stellenweise jazzig anmutende Soundcollagen, die in eine düstere Welt der still schreienden Manie jagen.

Ondi – Beneath Shut Lids Flirrender Dream-Pop, der verträumt aus dem Äther wabert und sanft, aber hingebungsvoll ins Hirn mäandriert.

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Styronauten – Delta Teil 2 des beliebten Kinderbuches, „Florians wundersame Reise über die Tapete“. Nun ist’s ein Trip auf LSD.

Lelkem Der Name kommt übrigens aus dem Ungarischen und bedeutet „Seele“.

Viech – Yeah Musizierte man in der Vorkriegszeit bereits Ska, dann klänge er so wie dieser „Grand Royal“: düster-aufgeweckt.

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!ticket highlights

Noel Gallagher

Mit den High Flying Birds, Support: Augustines Bei Noel läuft es rund: „Chasing Yesterday“ wurde bei den Q Awards als bestes Album ausgezeichnet. Es markiert ein neues Kapitel für Noel Gallagher’s „High Flying Birds“ und wartet mit einem neuen Sound auf. Es ist zudem das erste Album, das Noel sowohl komplett komponiert als auch produziert hat, und es ist um einiges reichhaltiger instrumentiert als der Vorgänger. Das Ergebnis ist ein ausladendes und vielschichtiges Werk mit einem breiten Spektrum unterschiedlichster Einflüsse, gleichwohl ein in sich geschlossenes Opus. 12., Planet.tt Bank Austria Halle Gasometer

Vicky Leandros

Das Leben und ich So klingt ein halbes Jahrhundert im Rampenlicht: Anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums wird die deutschgriechische Gesangsikone Vicky Leandros zahlreiche Sternstunden ihrer Ausnahmekarriere live präsentieren. Die gefeierte Sängerin wird im Rahmen ihres Jubiläumskonzertes tiefe Einblicke in die letzten 50 Jahre gewähren, wenn sie neben Foto- und Video-Einspielungen aus ihrer Karriere auch einige Geschichten erzählen wird und ihr Publikum mitnimmt auf eine Zeitreise, die bis ins Jahr 1965 zurückreicht. 30., Wiener Konzerthaus

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Sweet Sweet Fantasy Aus ihrem Repertoire von mehr als 18 Nr.-1-Singles wird Mariah ihre größten Hits performen, darunter das zeitlose „Hero“, „Fantasy“, „Always Be My Baby“ und den internationalen SmashHit „We Belong Together“ sowie viele mehr. „Es ist so lange her! Ich freue mich, endlich wieder in Europa aufzutreten. Wir werden die wunderbarsten Momente gemeinsam teilen. Ich habe so viele Überraschungen für euch im Gepäck, Daahhlings! Ich kann es kaum abwarten, euch in euren Heimatstädten zu besuchen.“ lässt Mariah, bestverkaufende weibliche Künstlerin aller Zeiten, mit Küsschen links und Küsschen rechts den zahlreichen Fans ausrichten. 19., Wiener Stadthalle (D) How Blue Der etwas andere Superstar: Was Florence Leontine Mary Welch abliefert, ist ein einmaliger Indie-Pop-Soul-Mix mit hohem Kunstanteil. Auf dem dritten Studioalbum „How Big, How Blue, How Beautiful“ zeigt sich die Engländerin in ihren Songs noch düsterer und bewegender. Mit Erfolg: Sowohl in Großbritannien als auch in den USA erklomm sie die Spitze der Albumcharts. Auch in Österreich ist Florence + The Machine so erfolgreich wie nie zuvor. Da muss man dabei gewesen sein!

Florence + The Machine 12., Wiener Stadthalle (D)

Fotos: Universal Music (Florence + The Machine) Lawrence Watson (Noel Gallagher) Ben Wolf (Linz City Beats) Walter Kober (Vicky Leandros) Nina Kuhn (Sarah Connor) Wayne Maser (Mariah Carey) beigestellt (Pecoraro & Pecoraro & Aus zwei Welten) Arcadia Live GmbH (The BossHoss)

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Mariah Carey


Fotos: Universal Music (Florence + The Machine),, Lawrence Watson (Noel Gallagher), Ben Wolf (Linz City Beats), Walter Kober (Vicky Leandros), Nina Kuhn (Sarah Connor), Wayne Maser (Mariah Carey), beigestellt (Pecoraro & Pecoraro & Aus zwei Welten), Arcadia Live GmbH (The BossHoss)

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Mit Robin Schulz, Alan Walker u. a. Als Headliner beim Debüt des neuen Linzer Festivals wird kein Geringerer als Star-DJ und Erfolgsproduzent Robin Schulz („Sugar“, „Show Me Love“, „Headlights“, „Sun Goes Down“) an den Turntables stehen und dem Publikum so richtig einheizen! Ebenfalls mit von der Partie ist der DJ-Newcomer Alan Walker mit seinem aktuellen Nr.-1-Hit „Faded“ im Gepäck. Nicht weniger stimmungsvoll wird es, wenn die internationalen DJ-Größen Alle Farben („She Moves“, „Supergirl“) und Feder („Goodbye“) alle Register ziehen und dabei die Halle zum Beben bringen.

Linz City Beats

30., TipsArena Linz Mit Arno Raunig, Theodore Coresi & Matthias Krampe Ein Konzert zweier Extreme: Arno Raunig, der Sopranist, singt mit Theodore Coresi, dem Bass, ein Konzert der großen Gegensätze. Beide interpretieren Händel, Mozart oder Meyerbeer, doch die Stimmen der beiden Ausnahmekünstler könnten unterschiedlicher nicht sein. Hier zeigen sich zwei Welten des Gesanges, zwei Welten der Männerstimmen, begleitet werden sie dabei von Matthias Krampe am Cembalo. Im wunderbaren Rahmen der Jesuitenkirche wird dies ein Fest der Stimmen!

Aus zwei Welten

15., Jesuitenkirche Wien

Pecoraro & Pecoraro When Father and Son … Vater und Sohn, Klassik und Pop: das sind die beiden Vorarlberger Pecoraro & Pecoraro. „For Us – Per noi” ist das erste gemeinsame Album von Kammersänger Herwig Pecoraro, seit 25 Jahren Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, und seinem Sohn, dem Popsänger Mario Pecoraro, der als Vollblutmusiker mit seiner Rocket Man Show bereits große Erfolg feierte. In dieser weltweit einzigartigen Crossover-Show vereinen Vater und Sohn auf allerhöchstem Niveau Pop und Klassik auf einer Bühne, da ist Gänsehaut garantiert, wenn Pop auf Klassik mit Las-Vegas-Flair trifft! 23., Bregenzer Festspiel- & Kongresshaus, 30., Wiener Stadthalle (F) Dos Bros, Vamonos! Zu ihrem 10-jährigen Bandjubiläum haben The BossHoss ein spezielles CoverAlbum aufgenommen, mit dem sie noch einmal zu ihren Anfängen, ihren Wurzeln zurückkehren. Als ganz besondere Überraschung haben die sieben von der Spree jede Menge hochkarätiger Special Guests wie die ehemaligen „The Voice Of Germany“-Kollegen Nena, Xavier Naidoo und Rea Garvey, plus Aura Dione, die Common Linnets und viele andere mit an Bord geholt! Ohne die Gäste zerrockt man die Stadthalle, Party zum 10. gibt’s dennoch!

Muttersprache Sie kam mit 19 ins Musikgeschäft, wurde auf Anhieb ein Star in Deutschland, Europa und sogar ein bisschen in Amerika, verkaufte über 7 Millionen Platten. Nach zehn Jahren Musikkarriere zog sie sich bewusst zurück. Nahm sich Zeit für sich und ihre Familie. Jetzt ist sie wieder da: neu, echt und aufrichtig emotional, wie noch nie zuvor. Mit neuem Album wird Sarah Connor nun live mit Band zu erleben sein, mit einem Album, das nicht nur authentisch und unterhaltsam geworden ist, sondern in aller erster Linie voller Bauchgefühl!

Sarah Connor

The BossHoss 23., Wiener Stadthalle (D)

16. & 17., Wien & Linz

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Vorwärts, marsch!

Alain Platel In „En avant, marche!“ wird das Zusammenwirken in einer Musikkapelle zum Modell für die Gesellschaft.

termine Der Frühsommer im Festspielhaus St. Pölten präsentiert alles von Tanz bis schräger Orgelmusik, unter anderem Germaine Acogny am 21. Mai, Cameron Carpenter am 23. Mai und Alain Patel am 10. Juni. Das komplette Programm finden Sie auf festspielhaus.at! Zwischen 14. Juli und 14. August findet in Wien das Impulstanz Festival statt. Mehr Informationen finden Sie auf impulstanz.com!

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as Festspielhaus St. Pölten steht seit seiner Eröffnung 1997 wie ein Solitär in der (nieder)österreichischen Kulturlandschaft. Immer schon hat es mit einer spannenden Einladungspolitik im Bereich des Tanzes für Aufsehen gesorgt. Zuletzt am 2. Dezember des vergangenen Jahres, als die französische Starballerina Sylvie Guillem ihren letzten Auftritt in Europa im Festspielhaus absolvierte. Danach ging es nach Japan,

wo sie sich von der Bühne verabschiedete. Kein Wunder also, dass nun (endlich) eine Kooperation mit dem ImPulsTanz-Festival – Europas größtem Tanzfestival, das in Wien beheimatet ist – eingegangen wurde. Bekannt und beliebt ist das Haus auch für die starke Kulturvermittlung und Projekte mit der niederösterreichischen Bevölkerung. So sind an Alain Platels „En avant, marche!“ die Stadtkapelle Tulln, zehn weitere MusikerInnen, ein

Foto: Phile Deprez

Eine spannende Kooperation: das Festspielhaus St. Pölten macht in den nächsten Jahren gemeinsame Sache mit ImPulsTanz. Gestartet wird mit Alain Platels „En avant, marche!“. TEXT: PAUL M. DELAVOS


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Tänzer von Platels les ballet C de la B sowie SchauspielerInnen des Genter Stadttheaters beteiligt.

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Ins Herz getroffen Der Belgier Alain Platel überschreitet als Regisseur die Grenzen zwischen Tanz, Theater, Musik und bildender Kunst. Er ist ein Beobachter, ein Naturalist, der in kleinen, konkreten Geschichten das ganze reale Elend des Lebens mit all seinen Nuancen, seinen Abgründen und seinen Hoffnungen einfängt. In seinem Theater geht es immer um beides: um die kleinen Dinge und um die Lage, die diese Dinge hervorbringt. Sie ist, oft auf unsichtbare Weise, mit präsent, das ist Teil von Platels Kunst. Tanzen und Sein werden zu einer Handlung, zu einem ständigen Wechsel von Verhalten und Erleben. Er untersucht so durch den Tanz unterschiedliche, sich überlagernde Schichten sozialer und kultureller Herkunft, die die Entwicklung des einzelnen Menschen und der Gesellschaft in der heutigen Globali-

sierung prägen. Platel gilt als einer der größten Tanzreformer und Erfinder des zeitgenössischen Tanztheaters seit Pina Bausch. Theater hat für ihn mit der physischen Präsenz von Menschen zu tun, die ihr Bestes zeigen und es mit dem Zuschauer teilen. Wenn Platel ins Theater geht, möchte er berührt, ins Herz getroffen werden. Strauss, Verdi & Marschrepertoire „En avant, marche!“ ist eine Reise in die europäische, ländliche Volks-Musiktradition, die in den Proberaum einer Musikkapelle führt. Dabei geht es auch um das soziale Biotop von Musikkapellen. Wie bereits bei dem vielfach akklamierten Stück „Gardenia“ (2010) arbeitet Platel wieder mit dem Theatermacher Frank Van Laecke und Komponist Steven Prengels, der Werke von Strauss, Verdi und anderen klassischen Komponisten sowie heimisches Marschrepertoire neu arrangiert zum Klingen bringt.

info Ein weiteres Highlight ist die Österreich-Premiere von „Waxtaan“, einem Stück der Grande Dame des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes, Germaine Acogny, am 21. Mai. „Diskussion“ oder „politisches Streitgespräch“ – das in etwa versteht man in Westafrika unter „Waxtaan“. Acht Tänzer und fünf Livemusiker hinterfragen machtpolitische Strukturen. Seit 2014 ist Cameron Carpenter, Ausnahme-Organist, nicht mehr an Konzertsäle mit Orgel gebunden. Mit seiner International Touring Organ kann er nun überall gastieren. Am 23. Mai macht er Station im Festspielhaus St. Pölten und begeistert mit Werken u. a. von Dmitri Schostakowitsch, Johann Sebastian Bach, Isaac Albéniz sowie Leonard Bernstein.

ImPulsTanz-Highlights Von 14. Juli bis 14. August wird Wien dann wieder zur Hauptstadt des (europäischen) Tanzes. Natürlich kann hier nur auf einige Highlights des kommenden Festivals hingewiesen werden: Es kommen noch mehr belgische ChoreografInnen: Wim Vandekeybus, der in „Speak low if you speak love …“ die Grenzen zwischen Tanz, Oper und Musical neu auslotet, Anne Teresa De Keersmaeker, die im Februar 2015 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erhielt, sowie die Needcompany. Weitere bemerkenswerte Festivalgäste sind Maguy Marin, Pionierin und Grande Dame des französischen Tanztheaters, der Flamenco-Star Israel Galván sowie Butoh-Koryphäe Ushio Amagatsu mit seiner weltberühmten Compagnie Sankai Juku aus Japan. Wer selbst aktiv werden möchte, kann das bei den zahlreichen Workshops tun!

En avant, marche! Nach der ersten Kollaboration für die hochgelobte Theaterproduktion „Gardenia“ im Jahr 2010 schließen sich der belgische Starchoreograf und Regisseur Alain Platel, Theatermacher Frank Van Laecke und Komponist Steven Prengels nun ein weiteres Mal zusammen.

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!ticket highlights

Jean-Michel J

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Electronica Seit dem ersten Konzert 1979 am französischen Nationalfeiertag hat Jean-Michel Jarre eine wirklich beispiellose Karriere gemacht, Weltrekorde aufgestellt und wieder gebrochen: So spielte er vor einem 2,5 Millionen Personen umfassenden Publikum in Paris, vor 3,5 Millionen in Moskau. Jarres Visionen von Outdoor-Performances haben das ganze Genre der Outdoor-Live-Kultur-Veranstaltungen ursächlich geprägt und mitgestaltet. Mit einer einzigartigen und brandneuen Produktion wird er die Energie ganz großer Konzerte mit den Emotionen eines Arena-Erlebnisses verbinden.

Placebo

20 Jahre Placebo 20 Jahre hat es bereits am Buckel, das mit Platin veredelte Debüt „Placebo“ – und das gehört natürlich gehörig gefeiert! Bei der Geburtstagssause werden aber natürlich Stücke der gesamten Karriere zum Besten gegeben, und zwar ganz besondere, wie uns Brian Molko verspricht: „Sagen wir einmal so: wir werden Stücke spielen, von denen ich mir schwor, sie nie wieder live zum Besten zu geben!“ Die Setlist soll ganz nach dem Geschmack der Fans aufgebaut sein – und was besseres kann man sich wünschen?

Jazz Fest Wien

Mit Cyndi Lauper, Beth Hart, Jamie Cullum u. a. Das Jazz Fest Wien – gegründet 1991 – ist ein Fixpunkt der internationalen Festivalszene und ein Meilenstein auf der kulturellen Landkarte Wiens und Österreichs. Es ist ein modernes, urbanes Festival mit internationaler Reputation im Kreis der drei wichtigsten Jazzfestivals der Welt, einer der Faktoren, die Wien als Reisedestination so attraktiv machen, und mit Ludovico Einaudi, Jamie Cullum, Cyndi Lauper (Foto), Meena Cryle, Beth Hart oder Bobby McFerrin beweist man auch dieses Jahr wieder ein Gespür für Hochkaräter! 28. Juni bis 11. Juli, Wien

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17. November, Wiener Stadthalle (D) Live in Concert Ihr schräger, komödiantisch-tragischer Stil, originelle Kostüme/Masken, der Falsettgesang, eine Instrumentierung aus Akkordeon, Drums, singender Säge und Piano machen sie zu einer ganz einzigartigen Band. Schlagworte wie „schräg, dunkel, skurril, exzentrisch und viel schwarzer Humor“ kommen einem bei den Tiger Lillies sofort in den Sinn. Als Hauptinspirationsquelle geben sie die Weill’schen Brecht-Interpretationen an. Es ist eine Mischung aus Varieté, Kabarett, Punk und Gypsymusik, und sehr makaber!

The Tiger Lillies im Mai in Oslip, Steyr, Graz und Wien

Fotos: Graphic-art.at (The Tiger Lillies), Jazz Fest Wien (Cyndi Lauper), Joseph Ilanes (Placebo), Barracuda Music (Jean-Michel Jarre)

13. November, Wiener Stadthalle (D)


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MUNDPROPAGANDA PET SHOP BOYS

Die folgenden Veröffentlichungen sollten in keinem gut sortierten Plattenschrank fehlen. Oder? (sb)

Xavier Naidoo – Nicht von dieser Welt 2 Bemerkenswert: Teil 2 ist so belanglos, dass das üble Material, verhunzte B-Seiten, nicht einmal schmerzt.

Super

The Last Shadow Puppets – Everything You’ve Come To Expect Was für eine bemerkenswert lebendige SixtiesPersiflage: so frisch klingt also Nostalgie!

Schon 1995 zeigten sich Die Ärzte in ihrer „Planet Punk“-Introduktion „Super drei“ in „aller Bescheidenheit“. Nicht minder die aus irgendeiner britischen Zoohandlung entlaufenen Herren Tennant und Lowe, die ihre #13 marktschreierisch mit großen Lettern, die „Super“ johlen, anpreisen. Dabei ist es – leider – nur die unlogisch-logische Fortsetzung seines Vorgängers „Electric“, dem

INGO PERTRAMER ET AL. Kamikaze Kings – Royal Renegades Die Scheibe klingt, wie sich „The Dirt“ von Mötley Crüe liest: ziemlich dreckig, verdammt sexy, und immer auf die 11!

Ace Frehley – Origins Vol. 1 Ace von Kiss zeigt, was ihn geprägt hat – mit hochkarätigen Gästen. Das Material ist kultig, die Umsetzung eigen, aber stark.

Killswitch Engage – Incarnate Die Vorväter der NWoAHM killen mit ihrer #7 wirklich alles – das sind fiese Ohrwürmer mit Elephantiasis! Hit play/repeat!

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Ochs im Glas Der Szenefotograf Ingo Pertramer hat also ein Haus in der niederösterreichischen Pampa. Und eine Idee: gemeinsam mit dem Künstler Thomas Nowak und dem Restaurantkritiker Florian Holzer will er einen ganzen Ochsen verarbeiten. Vor laufender Kamera. Die Idee galoppierte, der Ochs ziemlich schnell nicht mehr – weil man ihm, wie Sauprolet Moneyboy wohl sagen würde, einen

triebgesteuerten Ausflug auf die Dance-Fläche. Logisch, weil kommerziell erfolgreich und der Sound nun auf den Zenit gepeitscht wird. Unlogisch, weil die Boys eigentlich dafür bekannt sind, das Unvorhergesehene eintreten zu lassen – man erinnere sich an das „Pendulum“ von „Behaviour“ zu „Very“, oder von „Elysium“ zu „Electric“. Jedoch muss man, objektiv betrachtet, ein großes Aber einwerfen: Wer auf Stroboskop-Autoscooter steht, wird an „Super“ (insbesondere „Burn“) seine große Freude haben, das Album bietet Red Bull intracordial, da stampft die Stampede. Schade nur, dass man diesmal für die lyrischen Ergüsse bei H. P. Baxxter die Schulbank gedrückt zu haben scheint … „Super“ ist kein intelligentes, anspruchsvolles Album – aber es trifft punktgenau den Zeitgeist, mit einem ordentlichen Groove an Nostalgie. (sb)

3/5

Kolben reingebuttert hatte. Dass man das und viele andere Dinge vor laufender Kamera sieht, wird vielleicht einigen zartbesaiteten Däumelinchen oder hysterischen Ernährungsbeauftragten nicht nur sprichwörtlich auf den Magen schlagen. Und man mag vielleicht mit Meister Röhrich fragen: „Tut das not, Magret?“ Ja, denn „Verpackt in Plastik“ textete schon die deutsche Grindpunk-Band Japanische Kampfhörspiele, und tatsächlich versucht die Industrie, mit allen Tricks, die es nur gibt, den Konsumenten vom toten Tier wegzubekommen. „Du bist, was du isst“? Was bin ich dann, wenn ich nicht weiß, was am Teller liegt? „Ochs im Glas“ mag vielleicht auf maskulinen Spieltrieb abzielen, ist dabei aber trotz all dem Splatter und Gore eine Kochsendung, die unterm Strich weniger pervertiert als Andi & Alex. (sb)

5/5

Fotos: Hersteller

Hören Sie mal rein!


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!ticket media DEFTONES

Gore Eine Kolonie an Flamingos zu beobachten ist ein beeindruckendes Naturschauspiel – wenn die rosa Gefiederflut an der Iris vorbeizieht, dann will man mit aufsteigen bis „über die Wolken“, so wie Reinhard Mey schon sang. Doch dann die unvorhergesehene Klatsche: „Gore“ steht da flirrend vor dem inneren Auge, in beinahe zärtlichen Lettern geschrieben, und doch steht es für „geron-

nenes Blut“. Zuckerbrot und Peitsche – dass das Quintett aus Sacramento in Kalifornien dieses Rezept beherrscht, bewiesen sie zur Genüge auf Überalben wie „White Pony“ oder „Diamond Eyes“, nicht minder nun auf ihrem achten Studioalbum, das die kompromisslose Erotik der Aggression vielleicht auf den Zenit treibt, ja – Sex ist nicht nur schmutzig und laut, sondern auch manchmal hitzig und wild. Hier prallen schroffe Wut und verträumte Sehnsucht aufeinander, Metal auf der einen, Dreampop auf der anderen Seite: im vagen Kern entsteht die faszinierend schwirrende, angespannte Energie, die auch den Reiz einer Flamingowolke ausmacht. Stets elektrisierend, selbst in schmeichelnden Momenten bedrohlich, ist „Gore“ zu einem Album geraten, das nicht nur haushoch hinaus will, sondern sich bis ganz oben aufbäumt, aufplustert … (sb)

4/5

IHSAHN

Arktis. Unter dem Banner Emperors sorgte Ihsahn ab Mitte der 90er dafür, das ureigene Klirren norwegischen Black Metals salonfähig zu machen. Mit seinem Soloschaffen ab 2006 wagte er sich – über Jazz-Anleihen – sukzessive immer weiter vom eigentlichen Nukleus fort, glänzt heute mit einer feinen Transzendenz gen progressive E-Klassik und überrascht mit einer pompösen Symbiose aus Epik und Dramatik. (sb)

ZAKK WYLDE SEILER UND SPEER

Live in Wien Das Duo Seiler und Speer, das hinter den Gassenhauer „Ham kummst“ steckt, vorzustellen, hieße Eulen nach Athen (oder G’sindl nach Wien) zu tragen: Wer die eruptive Wiedergeburt, den einzig wahren Neusprech des Austropops verpasst hat (temporär gehypte infantile und juvenile Aborte zählen nicht), hat die letzten Monate wohl im unverdienten Winterschlaf in Hintertupfing am

Rinnsal verbracht. Die musizierende Schmähfabrik hat einen Senkrechtstart hingelegt, der einem Eurofighter nur nach einer Notsprengung gelingen würde: Speer an der Klampfn, Seiler am bissigen Zuckergoscherl, das funktioniert überraschenderweise nicht nur in der intim-verrauchten Spelunke, sondern auch in der großen Halle, dem Gasometer, wie sie in Höchstform auf ihrer Debüt-DVD demonstrieren. „Es is koid“ hieß es ebenda am 4. Dezember, statt „Kaffee und a Tschick“ gab’s zum Aufputsch wohl die rotweingeschwängerte Alternative, „Ham kummst“ mit Taxlerschmäh eh immer. Irgendwie. Es ist eine Kunst, dass man den beiden Herren – live von der von Kapellmeister Daniel Fellner angeführten MeliBar Kombo unterstützt – auch am Podest abnimmt, dass sie die Typen „von nebenan“ sind. Vermutung: da ist zur Abwechslung nix forciert. (sb)

4,5/5

Book Of Shadows II Dass der mit ikonischer Gitarre bewaffnete Hüne aus dem Ozzy-Osbourne-Umfeld zu weitaus mehr fähig ist, als ohne Verluste biertriefend durchs Auditorium zu preschen, ist hinlänglich bekannt. So furchtlos introspektive Töne hörte man von ihm jedoch schon lange nicht mehr, liefert der zweite Teil des Schattenbuchs immerhin einen tiefgründigen, melancholischen, überaus feinfühligen Seelenritt. (sb)

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Game-Lieblinge Die letzten Wochen waren wir Aliens, Wollmännchen und Höhlenmenschen: Willkommen in der vielfältigen Welt der Videospiele! TEXT: JOACHIM SCHMIDA XCOM 2: Advent, Advent, die Erde brennt (2K für PC) Plus: Da ist es wieder, das typische XCOM-Fieber! Die Menschheit hat den Krieg gegen die Aliens verloren und die Welt wird nun von der sogenannten Advent-Organisation beherrscht, gegen die wir als Widerstandszelle anzukämpfen haben. Einige Neuerungen gepaart mit bewährtem Grundgerüst – voilà, herausgekommen ist eines der besten und vor allem süchtigmachendsten Strategiespiele aller Zeiten. Minus: XCOM 2 hadert leider mit Performanceproblemen, auch einige Bugs und Glitches trüben – wenn auch minimal – den großartigen Gesamteindruck. Fazit: Wenn XCOM die zum Spiel gewordene Droge für Rundentaktiker ist, dann steigert sich das bei XCOM 2 bis hin zur puren Sucht. Unravel: Reinste Wolllust (EA für PC, Xbox One und PlayStation 4) Plus: Charmant, bezaubernd und mit viel Liebe zum Detail – Assoziationen, die einem beim Anspielen des Puzzle-Plattfomers sofort durch den Kopf schwirren. Und genauso wird uns Yarnys Reise, um verlorene Erinnerungen aufzusammeln, auch in Gedanken bleiben. Gameplay-technisch gelingt den schwedischen Entwicklern durch den geschickten Einsatz der Wollschnur ein Glanzstück. Minus: Manche Rätsel können frustrierend sein – nicht weil diese äußerst komplex wären, sondern weil es manchmal etwas wirr zugeht. Aus der t i e z n Fazit: Unravel ist ein poesievolles sowie rätselreiches Kleinod und außerdem i e St er l l a o J ein richtiges Feel-good-Game. ist tik

gameboy JO

Spielwiese Jeden Monat stellt euch Joachim Schmida eine Auswahl der besten Konsolenspiele vor. Faszinierend, was sich in der Game-Welt so tut!

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tiert uns die Franchise in die Steinzeit zurück. Die Umsetzung dieser Ära ist geglückt: Dank der stimmigen Atmosphäre insbesondere durch Sprache und Optik erfahren wir ein perfekt inszeniertes Jäger- und Sammler-Open-World-Erlebnis. Minus: Es ist eben aber auch wieder ein typisches Far Cry geworden. Eine Rundumerneuerung täte der Reihe insgesamt nicht schlecht. Fazit: Noch nie war die Ära der Wollhaarmammuts und Säbelzahntiger eindrucksvoller spielbar.

Fotos: Hersteller

ck-Op Lumberja z nicht. zum Trotsind seine Far Cry Primal: Queen of the Stone Age (Ubisoft für PC, Xbox One und Immerhinlen nicht Playstation 4) Konso anit! r G Plus: Far Cry geht neue Wege, genauer gesagt katapulaus


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!ticket service

Foto: GEPA-Pictures.com

Vor der EM testet das Nationalteam gegen Malta und die Niederlande Vor der UEFA EURO 2016, die ab 10. Juni in Frankreich stattfindet, bestreitet das österreichische Nationalteam auf heimischem Boden noch zwei freundschaftliche Länderspiele gegen Malta und die Niederlande. Am 31. Mai 2016 trifft die Auswahl von Teamchef Marcel Koller ab 20:30 Uhr im Klagenfurter Wörthersee Stadion auf Malta. Zum Abschluss der Vorbereitung testet das österreichische Nationalteam am 4. Juni um 20.30 Uhr im Ernst-Happel-Stadion in Wien gegen die Auswahl der Niederlande. Der Ticketvorverkauf für die beiden Länderspiele startet am Dienstag, den

Das günstigste Ticket für den Test in Klagenfurt ist bereits ab € 6,00 erhältlich. Bereits ab € 10,00 können Fans für das Länderspiel gegen die Niederlande in Wien ein 5. April. Tickets sind im ÖFB Online Ticket Shop unter www.oefb.at/tickets bzw. telefonisch unter 01/96 0 96 erhältlich.

Ticket erwerben. Fans erhalten alle Infos aus erster Hand auf www.oefb.at und www.facebook.com/DasNationalteam.

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!ticket spaß

Sexy old girl Dagmar Koller tritt wieder einmal im Fernsehen auf. Das darf ich auf keinen Fall versäumen. Ich lasse nämlich keinen Auftritt von ihr aus. Vielleicht sollte ich es einmal mit einem Besuch beim Psychiater probieren? Denn ich weiß natürlich, dass meine Begeisterung für sie ganz problemlos als Krankheitsbild durchgeht. Wie lange habe ich diese Verhaltensauffälligkeit jetzt schon? Ja, ich gestehe es sofort und habe es auch dem alten Zilk verraten: Ich war auf seine blonde Tanzmaus schon scharf, da hat der Schokoriegel in Öster-

SEX SELLS Georg Biron

reich noch einen Schilling gekostet! Jeder Mann braucht in seinem Leben eine große Leidenschaft. Und einen feuchten Traum. Dagmar Koller ist ein brennheißes Herzchen. Wenn sie ein Restaurant betritt oder eine Bar, um ganz entspannt an einem Glas Wodka zu nippen, dann wird sie sofort erkannt und begierig von allen Kerlen angeschaut. Nicht weil sie so überirdisch schön oder so verboten jung wäre, nein, sie wird deshalb angeschaut, weil sie

STARREBUS Raten und gewinnen! !ticket sucht in Form eines lustigen Rebus jeden Monat einen Künstler oder ein Event! Was könnte hiermit gemeint sein? Die Auflösung unseres letzten Rebus war „Seiler & Speer”. Zu gewinnen gibt es ein !ticket-Überraschungspaket.

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trotz ihrer um sich versammelten Jahre puren Sex ausstrahlt. Sie kann weite Hosen und einen Rollkragenpulli anhaben, und es wird dennoch immer so wirken, als wäre sie splitterfasernackt. Sie hat ihren trainierten Körper mitgebracht und ist bereit, ihn mit tänzerischer Lässigkeit einzusetzen. „Wenn man eine schöne Figur hat, dann kann man auch noch mit 75 nackt sein. Oder mit 80“, hat sie vor Kurzem in einem Interview gesagt. „Ich weiß das von mir.“

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Gewinnspiele gibt es auf den Seiten 9 und 28/29. Infos & Teilnahmebedingungen finden Sie unter ticketmagazin.com. Wir freuen uns auch über Postkarten: !ticket Eventmagazin, Betreff: Gewinnspiel & Wunschgewinn, Heumühlgasse 11, 1040 Wien. Einsendeschluss ist der 15. April 2016.

LASTNEWS 66|

Am 7. April startet auf Sky Atlantic die neue Fernsehserie „Vinyl“. Die Serie ist im Musik-Business der 70er-Jahre angesiedelt und erzählt die Geschichte des Musikproduzenten Richie Finnestra. Am 22. April lädt die Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien zum Studientag „Black Metal“. Mehr Infos auf www.mdw.ac.at!

Fotos: moff, fotolia, beigestellt

Das nächste !ticket erscheint am 27. April 2016.


Foto VBW ツゥ Rafaela Prテカll 2015

www.musicalvienna .at

Das neue musical

Musik und Liedtexte

Buch

STEPHEN SCHWARTZ

weltpremiere September 2016

CHRISTIAN STRUPPECK Regie

TREVOR NUNN

EV+SCH_200x280_テ傍icket.indd 1

07.03.16 14:58


HIGHLIGHTS

präsentiert

DR. ECKART VON HIRSCHHAUSEN

11.+12.10.’16 Wien, Stadthalle F 13.10.’16 Graz, Stadthalle 14.11.’16 Salzburg, Arena 21.11.’16 Linz, Tips Arena

19.11.’16 Linz, Tips Arena 20.11.’16 Graz, Stadthalle 21.+22.11.’16 Wien, Stadthalle F

„Wunderheiler“

STEFFEN HENSSLER „Wild“

MICHAEL MITTERMEIER

MAX RAABPaElast Orchester &

„Eine Nacht in Berlin“

27.10.’16 Linz, Brucknerhaus 28.10.’16 Salzburg, Festspielhaus 29.10.’16 Wien, Stadthalle F 30.10.’16 Graz, Stadthalle 27.04.’16 Wien, Globe 28.04.’16 Graz, Orpheum 29.04.’16 Leonding, Kürnberghalle

12.04.’16 Wien, Stadthalle F 13.04.’16 Graz, Stadthalle 02.11.’16 Innsbruck, Congress

08.04.’16 Salzburg, Arena 09.04.’16 Linz, Tips Arena 10.04.’16 Graz, Stadthalle 09.+10.12.’16 Wien, Globe

KAYA YANAR

„Planet Deutschland“

„Henssler tischt auf“

EHRLICH BROTHERS

„Faszination – die neue Magie Show “

04.02.’17 Salzburg, Arena 05.02.’17 Linz, Tips Arena 22.03.’17 Wien, Stadthalle D 14.05.’17 Graz, Stadthalle

MARTIN RÜTTER „nachSITZen“

„Der Körpersprache-Code“

THORSTEN HAVENER

13.04.’16 Villach, Stadthalle 14.04.’16 Graz, Stadthalle 15.04.’16 Wien, Stadthalle D 23.03.’17 Wr. Neustadt, Arena Nova 24.03.’17 Linz, TipsArena Das Große D.O.G.S. Symposium um 29.+30.10.’16 Schwechat, Multivers

17.09.’16 Wien, Stadthalle F 18.09.’16 Salzburg, Arena

LUKE MOCKRIDGE

„I’m Lucky, I’m Luke!“

!ticket April 2016  

mit dem Kultursommer Burgenland, dem "Sommer of '69", dem "Tod der Rockmusik", "Next to Normal", dem Wunderkraut Hanf, der neuen "Love&Peace...

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