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!ticket Österreichs Eventmagazin Nr.1

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Be smart.

I

mmer mehr Künstler enervieren sich über Konzertbesucher, die den Blick gen Bühne ausschließlich starr durchs Handydisplay hindurch richten: So bat Adele kürzlich auf einem ihrer Konzerte eine Besucherin genervt, sie möge doch bitte das Mitfilmen einstellen. Weniger Gentleman gab sich da Corey Taylor von Slipknot, der unlängst einem Fan das Smartphone aus der Hand schlug. Und als Prince 2014 das letzte Mal in Wien gastierte, herrschte in der Stadthalle striktes Handyverbot: Wer mit dem mobilen Endgerät herumhantierend erwischt wurde, flog hochkant raus. Dass bei OpenAir-Veranstaltungen Selfie-Sticks noch unbeliebter sind, versteht sich von selbst: nicht selten stehen sie neben Waffen, Drogen und Glasflaschen auf der Liste der „verbotenen Gegenstände“. Da dauerte es nicht lange, bis ein kalifornisches Startup-Unternehmen auf diesen Zug aufsprang: Yondr entwickelte eine Handyhülle mit Sicherheitsschloss. Damit kann das Telefon zwar mit ins Konzert genommen, aber nicht genutzt werden – das Liveevent wird zur digitalfreien Zone. Seien wir uns ehrlich: Handys gaukeln uns vor, das Leben einfacher zu machen, kehren dabei aber unter den Tisch, dass sie dabei nicht immer ausschließlich unser bester Freund sind. Sie sind gewaltige Zeitfresser, die unser Leben dominieren und uns auf Schritt und Tritt verfolgen. Ein soziales Leben ohne ihnen funktioniert nicht mehr, glauben wir – und das ist natürlich Bullshit. Ein ebenso großer Blödsinn ist es aber auch, Konzertbesuchern zu verbieten, Erinnerungen nicht nur im Geiste behalten, sondern selbige auch etwa im Sozialen Netzwerk mit Freunden teilen zu wollen. Die romantische Verklärung der Ära vor iPhone und Facebook ist dann doch borniert, vereinzelte Schnappschüsse sind, wie auch das Foto vor dem Eiffelturm, ein allzu menschliches Grundbedürfnis, das es schon vor dem digitalen Zeitalter gab. Dass dabei das Erlebnis selbst im Vordergrund stehen sollte, müsste eigentlich der Anstand vermelden – denn Dauerfotografierer sind tatsächlich in jeder Lebenssituation enervierend. Posten Sie uns doch Ihren besten Schnappschuss auf unsere Facebook-Seite! Stefan Baumgartner (Chefredakteur)

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!ticket inhalt

Intelligenzbestien. Über Musikgeschmack lässt sich streiten, aber verrät dieser auch etwas über meine Intelligenz? Laut musicthatmakesyoudumb.virgil.gr, ja!

14-24 STARS&PEOPLE 14 California Über Alles Red Hot Chili Peppers, Beach Boys, Eagles – was macht den berühmt-berüchtigten „California Sound“ aus? 18 Stimmungsmacher Während zuvorderst Regisseure und Schauspieler honoriert werden, darf man dabei nicht auf die Filmmusik vergessen. Ein Besuch bei Morricone, Carpenter & Co.!

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CAN’T STOP THE HARDCORE Seit über zwei Dekaden im Business, und noch kein bisschen leise: Von Scooter schallt es noch immer „Döp Döp Döp“. So auch am Beatpatrol Festival!

34-40 FUN&ACTION

26 Popkultur Lange Jahre war Österreich ein weißer Fleck auf der Comic-Landkarte. Durch Mangas, Animes und mehr bekamen die zuvor raren Fans Verstärkung. Nun trifft man sich zum 2. Mal auf der VIECC!

34 Beziehungsarbeit Das Gespann Mensch und Pferd besteht seit frühester Geschichte – und bis heute fesselt uns das Wesen der Huftiere, sei es im Sport, Lifestyle oder bei Shows. Vertrauen ist da die wichtigste Grundlage.

30 !ticket testet Musik als ständiger, treuer Wegbegleiter: Kopfhörer machen den Soundtrack des Alltags mobil, wir haben drei neue Sennheiser getestet!

40 Taumel der Lust Kulte wie auch das Oktoberfest geben einer Gesellschaft den Takt vor, befriedigen die Sehnsucht nach Ekstase.

LIVE&MEDIA 42 Der Kampf der Teutonen Die akustische Zerstörungswut im Heavy Metal ist die einzig logische Antwort auf das Zeitgeschehen. 46 Das Lied vom Tod Ewïg Frost beweisen, dass die Legende von Lemmy und Qualtinger unaufhaltsam weiterlebt. 54 Media Mit Meat Loaf, Beginner, Patrice und mehr!

Herausgeberin, Chefredakteurin: Mag. Roberta Scheifinger Chefredakteur & Chef vom Dienst: Stefan Baumgartner Anzeigen: Mag. Thomas Keuschnigg, Mag. Roberta Scheifinger Anzeigenproduktion & Verrechnung: Susanne Franzl Redaktion/Kolumnisten: Stefan Baumgartner (sb), Amina Beganovic (ab), Georg Biron, Paul M. Delavos B.A. (pmd), FM4 Ombudsmann, Robert Fröwein (rf), Alexander Haide (ah), Eduard Mastalski (em), Mag. Joachim Schmida (js), Andreas Ungerböck (ray-Magazin, au), Andy Woerz Cartoons: Bertram Haid (BAES Cartoons), Gerhard Haderer (MOFF.) Lifestyle: Anna-Lena Horn Lektorat: Gunther Natter Fotos: Filmverleiher, Plattenfirmen, Fotoagenturen, Veranstalter, sh. Copyright. Cover: VBW/Rafaela Pröll Medieninhaber, Eigentümer: Ticket Express GmbH, Heumühlgasse 11, 1040 Wien Designkonzept, Verlagsconsulting, grafische Produktion: QMM Quality Multi Media GmbH, Mariahilfer Straße 88a/II/2a, 1070 Wien Artdirektion: Mag. Gottfried Halmschlager Druck: Niederösterreichisches Pressehaus, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten Abonnements: !ticket Österreichs Eventmagazin Nr. 1 erscheint 10 x jährlich. Jahresabo Österreich: € 22,00, Jahresabo Europa: € 44,00. Kündigung jeweils acht Wochen vor Ablauf der Bezugsfrist nur schriftlich eingeschrieben an !ticket Eventmagazin, Heumühlgasse 11, 1040 Wien oder per E-Mail an abo@ticketmagazin.com. Einzelpreis: € 2,90 Abo-Bestellung unter abo@ticketmagazin.com oder telefonisch unter +43 (0)1 589 54-450 Redaktionsanschrift: !ticket Eventmagazin, Heumühlgasse 11, 1040 Wien Telefon: +43 (0)1 589 54-450, E-Mail: office@ticketmagazin.com, Web: www.ticketmagazin.com. Sie finden uns auch auf Facebook und Twitter. Für unverlangt eingesandte Texte und Fotos übernehmen wir keine Haftung, eine Rücksendung erfolgt nicht, es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor. Nachträgliche Honorarforderungen für nicht veröffentlichte Fotocredits werden nicht anerkannt. Alle Inhalte vorbehaltlich Satz- und Druckfehler. Die Offenlegung lt. Mediengesetz finden Sie auf www.ticketmagazin.com/impressum.

Überall, wo sie dieses Symbol in unserem Magazin sehen, sind Fantickets verfügbar! Mehr Informationen finden Sie auf www.oeticket.com/fanticket!

Foto: Paul Ripke, Illustration: baes

LIFE&STYLE

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!ticket highlights

SCHEINWERFERLICHT

Fotos: FMS (Alter Bridge), Andreas Bitesnich (Rebekka Bakken), David Edwards (The Dead Daisies), Christina Canabal (Salzburger Landestheater), beigestellt

Mag. Roberta Scheifinger Chefredakteurin und Herausgeberin

Am 3. September geht mit dem Nuke in Graz die Festivalsaison 2016 zu Ende. Zum Glück können bereits Tickets für die kommende Saison gekauft werden – diese Tatsache und eine Vielzahl an tollen Shows in den nächsten Monaten trösten über die monatelange Durststrecke hinweg: Ich freue mich im September auf The Who in der Wiener Stadthalle (14.) und Teho Teardo & Blixa Bargeld am 19. im Stadtsaal Wien (genialst!!!). Auch Steel Panther (26., Gasometer) werde ich mir nicht entgehen lassen. Gespannt bin ich auch auf die neue Eigenproduktion der VBW, feiert immerhin am 30. September mit „Schikaneder“ die Geschichte hinter Mozarts „Zauberflöte“ im Raimund Theater Weltpremiere! Außerdem wird das Wiener Metropol 35 Jahre jung! Ich erinnere mich gerne an meine ersten Metropol-Besuche Ende der 1980er-Jahre, wie z.B. die Special Nights der Hallucination Company! Am 23. September wird das Jubiläum mit einer großen „Best of Metropol-Gala“ gewürdigt. Happy Birthday! Michael Seida wird ebendort am 16. September mit seinem „Best of“-Programm aufspielen, bevor er am 27. des Monats sein neues Album in der Simm City präsentiert.

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The Dead Daisies

IT’S ONLY WOERZ

Mit The Answer Es ist bodenständiger, ehrlicher Rock’n’Roll – zeitlos und klassisch: The Dead Daisies, die Supergroup bestehend aus (ex)-Mitgliedern von Mötley Crüe, Whitesnake, Thin Lizzy, Dio, Ozzy Osbourne und Foreigner, packt Herz und Seele! Nicht minder geil: die hart rockenden Iren The Answer als Opener!

Irlaub

30. November, Backstage München & 19. Dezember ((szene)) Wien

Alter Bridge

The Last Hero Den Vergleich mit Creed müssen sie sich wohl oft anhören – so weit hergeholt ist dieser ja nicht, da mit Gitarrist Mark Tremonti, Bassist Brian Marshall und Drummer Scott Phillips zumindest die Instrumentalisten die gleichen sind. Entscheidender Unterschied ist also Slashs Sänger Myles Kennedy welcher mit seiner Stimme seinen eigenen Stempel aufdrückt, auch am neuen Album „The Last Hero“! 14. November, Planet.tt Bank Austria Halle Gasometer

Rebekka Bakken

Best-of Live Die Norwegerin zählt ohne Zweifel zu den markantesten weiblichen Stimmen Europas. Ihr Stil umfasst mehrere Genres und „nur“ mit Jazz ist es bei ihr nicht getan: es kann bei Bakken auch ruhig mal soulig, tief eintauchend in einen erdigen Blues – sogar folkig oder countrynah klingen. Und das über drei Oktaven!

im November in Graz, Wien, Lustenau und Linz

Oper, Schauspiel, Ballett für Jung und Alt Das Salzburger Landestheater ist mit seinen Stücken ein kultureller Leuchtturm, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus leuchtet: Hier findet man Helden, die Mut beweisen, und Vorbilder, die Varianten unseres Lebens vorspielen. In der kommenden Saison freuen wir uns besonders auf die Monty-Python-Parodie „Spamalot“, die sich rund um die Artus-Legende dreht (Foto), die zauberhafte Märchenoper „Hänsel und Gretel“ und „Ein Bericht für eine Akademie“ nach Franz Kafka!

Salzburger Landestheater

Ich habe ausgiebigen „Irlaub“ gemacht. Mehr ist sich zeitlich nicht ausgegangen. Erblasset vor Neid und kniet nieder vor Ehrfurcht: Ich war auf der Osterinsel, in Santiago de Chile, bei den Iguazú-Wasserfällen an der Argentinisch-Brasilianischen Grenze, hab‘ zwei Tage im Vorolympischen Rio vorbeigeschaut, bin flugs weiter nach Mexiko, dann Kalifornien, San Diego und Los Angeles und habe dort unter anderem am 3817 Broadlawn Drive, meinem jahrelangen Hauptwohnsitz, nach dem Rechten gesehen. Die weiße Mauer ist jetzt mit Grünzeug bedeckt und es gibt auch einen Zubau, dort, wo ich diesen nicht wachsen wollenden Zitronenbaum stehen hatte. Von LA weiter nach Maui und rüber nach Fidschi, dann …, ich war natürlich nicht real dort. Sonst wäre es ja auch Urlaub und nicht I(nternet U)rlaub. Und außerdem: finanziell wäre eine ähnliche Reise wie diese nicht zu stemmen gewesen. Nein, ich bin im Netz mit „Google Earth“ dort hingeflogen und habe, wo es ging, Stadtrundfahrten gemacht, gezielt nach Orten und Adressen gesucht und mich anhand von weiterführender Literatur über die jeweilige Gegend schlau gemacht. Alles in allem war ich eine Woche unterwegs. Ohne Jetlag. Ich muss es wohl nicht extra erwähnen: Live ist schöner. Live ist … lifer. Mit dieser gar nicht so neuen Erkenntnis, werde ich diese !ticket-Ausgabe näher begutachten, einige Veranstaltungen herauspicken, sie mir bewusst live und vor Ort ansehen und nicht nachträglich irgendwo im Internet darüber lesen.

ab September im Salzburger Landestheater, in den Kammerspielen u.a.

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!ticket thema: bildung

KLUG scheißer 1965

veröffentlichte der Soziologe Ralf Dahrendorf eine epochale Streitschrift mit dem Titel „Bildung ist Bürgerrecht“: Über 150 Seiten hinweg zeichnete er die Vision eines freien und modernen Landes, in dem sich gebildete Menschen wirksam am Gemeinwesen beteiligen. Dahrendorf forderte ein Recht auf eine Grundausbildung und ein Recht auf eine den Fähigkeiten entsprechende weiterführende Ausbildung. Der Staat, so der Grundgedanke, muss Sorge für mündige Bürger tragen – Bildung also nicht nur zu erlauben, sondern sie auch tatsächlich zu ermöglichen. Auf den ersten Blick scheint der Leitspruch „Mehr Bildung für mehr Menschen“ heute verwirklicht, doch tatsächlich passierte anstelle einer Expansion bloß eine Explosion: das Bildungssystem wuchs und wuchs, die laufenden Umwälzungen blieben jedoch aus oder wer-

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den – Stichwort Bachelor- und Masterstudiengänge – nur halbgar exerziert, wie und was wir lernen ist methodisch und stellenweise auch inhaltlich nicht zeitgemäß. Und auch wenn heute jedes Kind eine Grundausbildung bekommt, der Zugang zu weiterführenden Bildungseinrichtungen theoretisch jedem offen steht, so sind die Bildungschancen nach wie vor ungleich verteilt. Dahingehend herrschen in weiten Teilen Mitteleuropas Zustände, wie man sie gemeinhin nur in der Dritten Welt verorten würde: die soziale Herkunft bestimmt immer noch maßgeblich den Bildungserfolg, wir haben – wie vom britischen Soziologen Michael Dunlop Young in

„The Rise of the Meritocracy“ eigentlich erst für das Jahr 2034 angekündigt – eine Gesellschaftsspaltung mit einer selbstgerechten Elite und einer zurückgebliebenen Unterschicht vorliegen: die Hierarchie des Könnens und Leistens determiniert maßgeblich die (Über-)Lebenschancen. Das Deprimierende dabei: Geschlecht, Religion und Rasse sind vernachlässigbare Benachteiligungen, es wird suggeriert, dass leistungsschwache Menschen „selber schuld“ sind, wenn sie unten bleiben. Natürlich, manche wollen nichts leisten, aber viele werden (direkt nach der „Startchancengerechtigkeit“) einfach alleine gelassen, während gleichzeitig das Elternhaus zeitbedingt große Teile des Engagements abschiebt. Früher war das „einfache Mädchen vom Land“ benachteiligt, heute theoretisch alle bis zum gehobenen Mittelstand. Der Staat steht vor dem Problem, anstatt einer schnöden Massenabfertigung – und viel mehr als das ist das kränkelnde Bildungssystem nicht – eine qualitativ

Fotos: Universal Pictures, Universität Wien / Alex Schuppich, Severin Wurnig, sean-art.net

Die Menschheit funktioniert seit jeher mittels Sozial-Magnetismus, über Gegensatzpaare wie arm oder reich, männlich oder weiblich, bildungsnah oder -fern. Und gerade letztgenannte Kluft ist die eigentliche Wurzel allen Übels. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER


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ausBildung hochwertige Massenbewältigung zu stellen. Jeder hat das Recht auf Bildung – so spricht seit 1948 die Menschenrechtskonvention der EU. Da muss man die Politiker zur Verantwortung ziehen, auf dass sie nicht mehr wie die Drei Affen die Augen vor einem drohenden Notstand verschließen und weiterhin sehenden Auges ins offene Messer laufen, sondern endlich langfristige Ziele zu setzen beginnen. Aber man sehe sich nur die heimischen Letztverantwortlichen der jüngeren Vergangenheit an: Ab 1995 war Elisabeth Gehrer Unterrichtsministerin. Die unter ihrer Ägide durchgeführten Reformen waren allein auf die Interessen von Lobbys aus der Wirtschaft zugeschnitten, die finanzielle Situation an den Hochschulen war prekär, trotz Einführung der restriktiven Studiengebühren. Ihr folgte 2007 Claudia Schmied. Ihr Projekt der Neuen Mittelschule ist gescheitert und konnte einzig in den Anzeigenabteilungen der Boulevardblätter Erfolge vermelden. 2013 kam Gabriele Heinisch-Hosek – eine Ministerin, deren Verständnis von „Reform“ im besten Falle als „Kosmetik“ bezeichnet werden darf, von daher nicht gänzlich unpassend: ab 2014 zeichnete sie für „Bildung und Frauen“ verantwortlich. Die geplante Bildungsreform platzte, sämtlicher Verantwortung sprach sie sich los und bewies somit, dass man es heute insbesondere ohne Redlichkeit temporär erstaunlich weit bringen kann. Der landläufig übliche Katastrophismus – eine situationsgebundene, panische Schadensbegrenzung, Stichwort: Pisa-Schock und Bologna – verändert natürlich nach einer Schockstarre auch etwas, aber nur reaktiv und auf kurze Sicht. Wir brauchen in der Politik endlich wieder viel weniger wirr lärmendes Drama und apokalyptische Rhetorik, sondern Prävention, Weitsicht, Vernunft und Handlung. Aber wozu überhaupt? Ist die Idee eines

„Bildungsbürgers“ vielleicht wirklich so überholt, wie es gerade in der zweiten Runde des Kampfes um die Position des Bundespräsidenten aus dem rechten Eck hieß – und zwar nicht nur von mutigen Recken im Sozialen Netzwerk, sondern selbst von einem der beiden Kontrahenten: „Sie sind ein Kandidat der Schickeria, ich bin ein Kandidat der Menschen“, befand Norbert Hofer über Alexander Van der Bellen. Und ja, vielerorts hörte man die Empörung, der „Bildungsbürger“ hätte ja ohnehin nur eine nutzlose Orchideenbegabung vorzuweisen, die wirkliche Arbeit am Volk erledigen ja „die normalen Menschen“ – der „einfache Arbeiter und Angestellte“ eben. Und hier kommen wir wieder auf Dahrendorf zu sprechen: Der moderne dynamische und ganzheitliche Bildungsbegriff steht nicht allein für ein Fachwissen, das sich der Mensch irgendwo im breiten Feld zwischen Lehre und Lehrgang aneignet, sondern für den lebensbegleitenden Entwicklungsprozess, bei dem er seine geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten sowie seine persönlichen und sozialen Kompetenten erweitert. Intelligenz und Dummheit sind tatsächlich gleichermaßen in der „Haute volee“ wie im „Proletariat“ beheimatet – und genau dieser gesellschaftsübergreifenden Borniertheit heißt es, Einhalt zu gebieten. Jede Kette, also auch die kosmopolitische Gesellschaft, ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied, und der einfache Mensch ist erstaunlich leicht mit Angstfaktoren manipulierbar, wird zur gefährlichen Bürde. Ein Mensch, der nicht fähig ist, selbständig zu denken, sondern mangels Lust, Befähigung und Basiswissen einfach nur blind glaubt und stupide stilisierten Führerpersönlichkeiten folgt, ist nicht mehr als eine Marionette – und solche haben in der substantiellen Welt keine, sondern nur auf der Puppenbühne ihre Berechtigung.

UniLeben. Am 3. und 4. Oktober findet im Hauptgebäude der Universität Wien die UniLeben-Messe statt. Neben verschiedenen AusstellerInnen erwarten die künftigen Studierenden u.a. Führungen und Workshops zu Themen wie „Referate halten“ und „Wie plane ich mein Semester?“. Die Messe ist für alle Interessierten frei zugänglich, für die Workshops ist eine Anmeldung erforderlich. Mehr Informationen: http://unileben.univie.ac.at

Bildungsferner Andreas Ferner. Der „Lehrer des Jahres“ lässt auf seinen großen Kabarett-Erfolg „Schule, OIDA!“ das Programm „BildungsFERNER“ folgen! Darin geht er auf humorvolle Weise den folgenden Fragen nach: Ist die Ganztagsschule die Rettung des Bildungssystems oder ist das Bildungsministerium noch zu retten? Ist die heutige Jugend dank der Kompetenz zum Googeln dem Wissen näher als je zuvor? Oder halten sie „rofl“, „lol“ und die automatische Rechtschreibkorrektur von der Bildung ferner, als 80% Fehlstunden es je könnten? Termine gibt es am September u.a. im Wiener Aera, im Orpheum Wien und im Wiener Rothneusiedlerhof!

SchulBildung Markus Hauptmann. Mit „Highlights aus der Schule“ präsentiert der „lustigste Lehrer Österreichs“ ein Best-Of seiner Nummern und Lieder aus den Programmen der letzten acht Jahre, von „CSI Klassenzimmer“ über „Teach me if you can“ bis hin zu „Teamteaching“. Er wird von Martin Mader am Klavier begleitet, Termine gibt es ab September im Orpheum Wien, in der Wiener Kulisse und im Wiener Rotheneusiedlerhof.

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!ticket coverstory

Die Liebe zum Ende September kommt das Musical „Schikaneder – die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte“ zur Uraufführung. Wie es ist, bei dieser Produktion mitzuwirken, verraten Milica Jovanović und Mark Seibert. TEXT: PAUL M. DELAVOS

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manuel Schikaneder ist den meisten nur als der Librettist von Wolfgang Amadé Mozarts Singspiel „Die Zauberflöte“ bekannt. Doch er war auch Schauspieler, Sänger, Regisseur, Dichter, Theaterdirektor und Erbauer des heutigen Theater an der Wien. Das Musical „Schikaneder – die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte“ erzählt die Geschichte von ihm und seiner Frau Eleo-

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nore, dabei blickt das Publikum auch hinter die Kulissen der Theaterwelt im 18. Jahrhundert. Seit Anfang August laufen die Proben im Wiener Raimund Theater auf Hochtouren und so standen die beiden Hauptdarsteller Milica Jovanovic und Mark Seibert per EMail Rede und Antwort. Wie ist es für euch, Teil einer Uraufführungs-Produktion zu sein?

Milica Jovanovic: Es ist ein Geschenk, eine Situation, die ich jedem Musicaldarsteller einmal im Leben wünsche. Teil einer Uraufführung zu sein bedeutet, dass wir alle zu einem künstlerischen Schaffungsprozess gehören, der einzigartig ist. Eine Uraufführung gibt es genau ein Mal. Dieses Musical kann auf Welttournee gehen, in London und am Broadway gespielt werden und noch in 200 Jahren aufgeführt

Foto: VBW © Blutakku 2016

Schikaneder Publikumsliebling Mark Seibert schlüpft in die Rolle des größten Theatermanns des 18. Jahrhunderts, Milica Jovanović begleitet als seine Ehefrau Eleonore den Aufstieg von Anbeginn.


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m Theater

Foto: VBW © Blutakku 2016

werden, aber die Uraufführung wird es nur ein Mal geben. Mark Seibert: Ich hatte das große Glück, schon bei der einen oder anderen Uraufführung von Anfang an dabei sein zu dürfen. Es ist immer sehr spannend, da man nicht genau weiß, wohin die Reise geht. Man ist als Darsteller enorm gefordert, an dem Endprodukt mitzuwirken – das ist eine große Verantwortung, aber auch eine Chance. Letztendlich entscheidet das Publikum. Das macht eine Uraufführung natürlich enorm aufregend. Seid ihr in die Entwicklung eurer Rollen darstellerisch und musikalisch eingebunden? Milica: Glücklicherweise ja. Der Regisseur Trevor Nunn erlaubt uns bei den Proben den Raum, dass wir unsere Ideen in die Interpretation unserer Rolle einfließen lassen können. Mark: Wir Darsteller sind nicht nur dafür da, die Ideen der Kreativteams umzusetzen, sondern dürfen und sollen auch an der Gestaltung aktiv mitwirken. Das ist eine große Chance für uns. Wir haben das große Glück, dass sowohl Komponist Stephen Schwartz als auch Autor Christian Struppeck und Regisseur Trevor Nunn offen für Ideen von uns sind. Schließlich wollen bzw. sollen wir ihre Ideen und ihr Konzept bestmöglich umsetzen. Ist es für euch einfacher oder schwieriger, wenn es noch kein Rollenvorbild gibt?

Milica: Es ist noch ein wenig besser als normalerweise wenn ich eine Rolle lerne, weil ich in die Rolle der Eleonore mehr von mir stecken kann. Das gilt für die Schauspielszenen und besonders für die Musik. Der Komponist Stephen Schwartz ist ein Genie und seine Melodien berühren mich im Herzen. Wir sind gemeinsam die Lieder durchgegangen und haben überlegt, ob es an manchen Stellen vielleicht besser klingen würde, die Tonarten an meine Stimme anzupassen. Wir haben überlegt: Klingt das hier oder dort vielleicht besser mit einem hohen Ton? Und wir haben das dann gemeinsam probiert. Diese Zusammenarbeit war eine Ehre für mich, und ich bin dankbar für sie. Mark: Es ist für mich deutlich entspannter, eine bereits existierende Rolle zu übernehmen. Da gibt es selbstverständlich nur einen gewissen Rahmen, die Rolle noch ein wenig zu verändern. Aber man spart es sich, seine Rolle immer wieder zu hinterfragen und ggf. große Änderungsvorschläge vorzubringen. Ich liebe die Mischung aus beidem. Mal eine Rolle gestalten und mal eine Rolle zu übernehmen. Das macht am meisten Spaß. Wie läuft derzeit euer Tag ab? Milica: Ich schreibe diese Zeilen um 22.22 Uhr und habe den ganzen Tag nichts anderes getan, als an „Schikaneder“ zu arbeiten. Ich stehe um halb 8 auf, lerne ein wenig Text beim Frühstück, fahre ins Theater, komme

info „SCHIKANEDER – die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte“ ist die mittlerweile zwölfte Eigenproduktion der Vereinigten Bühnen Wien. Ein internationales Team arbeitet schon seit geraumer Zeit daran. Der dreifache Oscar-, dreifache Grammy- und Golden GlobePreisträger Stephen Schwartz hat das Stück gemeinsam mit VBW-Musical-Intendant Christian Struppeck (Buch) geschrieben. Regisseur der Uraufführung ist der weltbekannte, dreifache Tony-Preisträger Sir Trevor Nunn. Die deutsche Fassung stammt aus der Feder von Michael Kunze. Bühnenbild und knapp 420 Kostüme stammen von Tony- und Olivier-Award Gewinner Anthony Ward, die Choreographie verantwortet Anthony van Laast.

abends nach Hause, lerne Text, bis ich nicht mehr kann, liege im Bett, denke an Text und hoffe, dass ich irgendwie schlafen kann. Manchmal höre ich sogar meine Aufnahmen aus den musikalischen Proben unter der Dusche, um die Zeit zu nutzen. Es ist sehr viel Arbeit, da bleibt keine Zeit für irgendetwas anderes, es ist hart und schön. Mark: Die Zeit, die wir derzeit im Theater verbringen ist schon sehr viel. Da kommen schnell mal 10 Stunden am Tag zusammen. Und zu Hause will der Text, die Lieder und alle Änderungen des Tages nach- bzw. vorbereitet werden. Und die Presse- und Promotionarbeit zum Start eines neuen Musicals ist auch nicht ganz ohne. Alles in allem schon eine sehr intensive Zeit. Aber der Tag kommt, wo man „das Baby auf die Welt bringt“. Das ist immer wieder für alle Beteiligten ein magischer Moment. War dir der Name Schikaneder ein Begriff bevor du dich mit deiner Rolle beschäftigt hast? Milica: Als ich begann als Sängerin zu arbeiten, habe ich in München an meinem geliebten Gärtnerplatztheater in Mozarts „Zauberflöte“ die Papagena gesungen. Daher kannte ich den Namen Schikaneder. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich einmal in einem gleichnamigen Musical in Wien die weibliche Hauptrolle spielen

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!ticket coverstory würde, hätte ich laut gelacht. Mark: Ich kannte den Namen logischerweise in Verbindung mit Wolfgang Amadé Mozart. Wie sehr er aber das Theater geprägt hat, das wurde mir in der Tat erst jetzt durch die Probenarbeit klar: eine sehr eindrucksvolle Persönlichkeit. Und ich bin sehr stolz, ihn ab September Abend für Abend verkörpern zu dürfen. Natürlich werden in unserem Musical nicht nur Tatsachen sondern auch ein wenig Fiktion erzählt. Es soll ja nicht nur Geschichtsstunde, sondern auch vor allem Unterhaltung sein. Hast du bereits einen Lieblingssong oder eine Lieblingsszene? Milica: Mein Lieblingslied aus dem Stück ist „Liebe siegt“, darin erklingt die Melodie für Eleonores und Emanuels Liebe. Es ist eine Melodie, die

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so magisch ist, dass ich in manchen Momenten das Gefühl habe, dass wir Zuhörer sie körperlich spüren können. Mir geht das so. Ich meine nicht hören, sondern spüren, als würde die Liebe meines Lebens sich hinter mich stellen, die Arme um mich legen, mich zart halten und mich spüren lassen, dass am Ende doch alles gut werden wird. Es ist ein Lied, das mich zu Tränen rührt und mich mit Kraft erfüllt. Es ist eine Ehre, es singen zu dürfen. Eine Lieblingsszene habe ich auch: Heute haben wir bei den Proben eine Szene gespielt, in der wir uns streiten und in der ich mit einer Menge Gegenstände werfe. Das würde ich im normalen Leben nie machen, aber es macht Spaß, sowas auf der Bühne auszuprobieren. Mark: Das Publikum wird vor allem eine sehr heitere, unterhaltsame Ge-

schichte erleben. Mit vielen lustigen Szenen und Texten. Aber immer wieder wird diese Leichtigkeit durch unwahrscheinlich berührende Szenen unterbrochen. Diese Momente sind mir die Liebsten. Ich als Schikaneder strotze nur so von Optimismus und Selbstbewusstsein. Bis ich zum Ende des zweiten Akts in dem Song „Der letzte Vorhang“ eine sehr gebrochene, zerbrechliche und entmutigte Seite der Rolle zeigen darf. Das ist für mich derzeit das Highlight zum Spielen. Das funktioniert aber auch nur, wenn ich es in den zwei Stunden vorher schaffe, den sorgenfreien Sunnyboy mit schier endlosen Visionen zu etablieren.

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California Üb Red Hot Chili Peppers, Beach Boys, Black Flag, Eagles oder N.W.A. – was macht den berühmt-berüchtigten „California Sound“ aus? Es geht um die Ideologie und nicht um den Klang. TEXT: ROBERT FRÖWEIN

Große Variabilität Doch gerade Kalifornien ist ein besonders perfides Pflaster was Kategorisierungen betrifft. Die Musikkultur des bevölkerungsreichsten Staats der USA lässt sich nicht so einfach festmachen, zu viele Strömungen haben nicht nur das subkulturelle Treiben am pazifischen Ozean, sondern die ganze Welt nachhaltig geprägt. Der exzentrische Sänger Ariel Pink brachte die Variabilität des „California Sounds“ in einem Interview auf den Punkt: „Die Menschen behaupten, in meiner

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Musik würden sie den typisch kalifornischen Sound wiedererkennen, aber ich glaube nicht, dass diese Leute wissen, was das bedeutet. Die meisten denken dabei an die Beach Boys – für mich ist es mehr der Sunset Strip ab den 60er-Jahren.“ Was darf es sein? Wie mannigfaltig Kalifornien die Populärmusik geprägt hat, lässt sich in seiner Ganzheitlichkeit kaum eruieren. Es ist vielmehr eine Frage des Alters, des Geschmacks, der musikalischen Sozialisierung und des ideologischen Standpunkts eines jeden Einzelnen, was denn nun den legendären „CaliSound“ ausmacht. Sind es die fröhlichen, aber schon früh mit Sozialkritik durchsetzten Surf-Punk-Songs der Beach Boys? Ist es der Ende der 80erJahre in South Central L.A. populär gewordene Hip Hop, der durch Ice-T und dem N.W.A.-Referenzwerk „Straight Outta Compton“ zu Weltruhm gelangte? War es der gegen das Establishment rüttelnde HardcorePunk von Black Flag? Die LSD-vernebelten Psych-Rock-Legenden Jefferson Airplane? Die feurigen ThrashMetal-Riffs aus der Bay Area von Slayer, Metallica oder Exodus? Oder doch eher die mit viel Schminke und Haar-

spray garnierten Glam Rocker von Mötley Crüe, Quiet Riot oder den aus Pennsylvania immigrierten Poison, die aus dem Sunset Strip in den 80er-Jahren einen skurrilen Laufsteg des Hedonismus formten?

Fotos: Steve Keros, Fotolia

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usik, Emotionen und Geografie haben mehr gemein, als man glauben mag. Seit jeher verbindet man bestimmte musikalische Klänge mit ihrer direkten Umgebung – das hat sich über die Jahrzehnte so stark entwickelt, dass Hörer bereits gefestigte Bilder von Sound und Landschaft in ihrem Kopf abgespeichert haben. So stehen die kalten Riffs im Black Metal für die Frostgebiete von Norwegen, verbindet man angriffige Breakdowns im Hardcore gerne mit den harten Straßenschlachten der Bronx oder assoziiert den fröhlichen Surf-Pop der Beach Boys mit den malerischen Sandstränden des sonnigen Kaliforniens.


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ber Alles Liebeserklärung Es gibt kaum einen bekannten Künstler oder eine bekannte Band, die nicht die Wahlheimat von „Governor“ Arnold Schwarzenegger besang. Die bekanntesten Huldigungen kamen von Bob Dylan, Weezer, Lenny Kravitz oder U2. The Eagles besangen das „Hotel California“, die Beach Boys die „California Girls“ und die Punk-Legenden Dead Kennedys skandierten gar „California über alles“. Die wohl umfassendste Liebeserklärung kam kurz

vor der Jahrtausendwende aber von den Red Hot Chili Peppers – einer Band, die man unweigerlich so stark mit dem „California Sound“ assoziieren würde, wie nur wenige andere. „Californication“ nannten Anthony Kiedis und Co. ihr Referenzwerk von 1999 – viele Jahre, bevor sich David Duchovny in der Rolle des erfolglosen Schriftstellers Hank Moody in der gleichnamigen Serie durch Los Angeles vögelte.

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Red Hot Chili Peppers „Kalifornischer Sound“, das heißt im Falle der Peppers: eine ureigene Mischung aus Funk, Rap, Pop und Rock, immer locker aus dem Handgelenk gespielt.

Richtiges Lebensgefühl Doch schon vor der vertonten Liebeserklärung waren es vor allem die Peppers, die den Terminus „California Sound“ wieder entstaubten und in eine locker-fröhliche Gegenwart führten. Ihre noch immer einzigartige Mischung aus Rap, Funk, Pop und Rock schallte schon Mitte der 80er-Jahre beschwingt durch die UndergroundClubs von Los Angeles. Spätestens mit dem 1992er-Album „Blood Sugar Sex Magik“ gelang ihnen die perfekte Umsetzung des kalifornischen Lebensgefühls. Obwohl die Texte erstmals kritischer wurden, blieb immer noch ausreichend Platz für Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Der Klang orientierte sich weiterhin am Funk und die lockere Umsetzung der Herren Kiedis, Flea, Frusciante und Smith lässt unweigerlich sommerliche Bilder von L.A. vor dem geistigen Auge ablaufen. Somit sind die RHCP so etwas wie die akustische Quintessenz des kalifornischen Lebensgefühls.

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Sound für alle Die gesamte Musikhistorie betrachtend, wird aber vor allem eines klar: Im Gegensatz zu den Beispielen aus Norwegen oder etwa der Britpop-Szene aus Liverpool und Manchester lässt sich Kalifornien im musikalischen Spektrum nicht mit einem bestimmten Sound erklären. Es geht schlussendlich um die Ideologie und nicht um den Klang. Sieht man den Staat an der Westküste lieber politisch und sozialkritisch? Will man gerne in die Glamourwelt des Sunset Strips und Beverly Hills eintauchen? Geht es um knallharte Straßenkriege in Downtown? Oder brettert man mit dem 54er Chevy 210 lieber die unzähligen Wüstenstraßen entlang, um die unendliche Freiheit des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten zu genießen? Seinen kalifornischen Sound kann sich jeder selbst aussuchen – die Klassifizierung ist nicht fassbar. Oder wie es der legendäre Autor Edward Abbey dereinst formulierte: „Es gibt die Wissenschaft, die Logik und plausible Gründe; es gibt Gedanken, die durch Erfahrungen verifiziert werden. Und dann gibt es noch Kalifornien…“

nebenprojekte Die Mitglieder der Red Hot Chili Peppers haben immer schon gerne in fremden Gefilden gewildert. Bei derart überbordender Kreativität lässt sich das gut nachvollziehen. Wir haben für euch die fünf interessantesten Beispiele rausgesucht: Flea (Bass): Jane’s Addiction – „Nothing ‘s Shocking“ (1988): Auf dem Debütalbum der Kultband rund um Dave Navarro (RHCP-Gitarrist zwischen 1993 und 1998) und Perry Farrell spielte Flea die Trompete. Das Alternative-Rock-Meisterwerk war seiner Zeit definitiv voraus. Atoms For Peace – „Amok“ (2013): Das elektronische SideProject mit Radiohead-Mastermind Thom Yorke wird zurecht kultisch verehrt. Wir warten lechzend auf den Nachfolger! Chad Smith (Schlagzeug): Chickenfoot – „Chickenfoot“ (1999): Nicht jeder kann in einer Supergroup mit Sammy Hagar, Joe Satriani und Michael Anthony spielen. Chad Smith konnte – und das Ergebnis war hervorragend. Glenn Hughes – „Soulmover“ (2005): Mit Deep Purple- und Black Sabbath-Legende Glenn Hughes arbeitete Smith über viele Jahre zusammen. Hier mit so viel Soul wie nie zuvor und danach. John Frusciante & Josh Klinghoffer (Gitarre): The Bicycle Thief – „You Come And Go Like A Pop Song“ (1999): Der alte und der neue RHCP-Gitarrist zusammen – das gab es auf vielen Alben. Hier vielleicht am besten, auch wenn das Projekt mittlerweile gestorben ist.

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Biffy Clyro Ellipsis Jugendliches Ungestüm zeichnet die frühen Veröffentlichungen der drei Schotten aus, ein grundsympathischer Überschwang, der sie schließlich mit Alben wie „Puzzle“, „Only Revolutions“ und „Opposites“ ganz nach oben bringt. Nach der rohen Kreativität ihrer Frühphase und der Ambition auf ihren Erfolgsalben steht mit „Ellipsis“ nun ein neues Kapitel in ihrer Karriere an: „Das Haupt-Manifest war, uns innerlich zu entkalken und mit jeder Gewohnheit zu brechen, die wir hatten“, versichert uns Band-Jesus Simon Neil. Das Ergebnis? Extrem vielschichtige, basslastige Klangwände mit einer kompromisslosen Rotzigkeit.

!ticket highlights Lioness Autumn Der Norweger Sivert Høyem ist zweifelsohne ein Ausnahmekünstler: Bereits mit dem Debüt „Industrial Silence“ der Indie-Rock-Band Madrugada machte er auf seine dunkle, gospelhafte und kraftvolle Stimme international aufmerksam und festigte seinen Ruf auf den folgenden vier Alben umso mehr – bis zum Aus der Band (2008), das dem viel zu frühen Tod ihres Gitarristen Robert Burås geschuldet ist. Seit 2004 ist Sivert aber auch als Solokünstler unterwegs und lieferte bisher sechs nicht minder sensationelle Alben ab, zuletzt „Lioness“. Auch der norwegischen Legende Satyricon lieh er kürzlich seine Stimme: Im Zuge ihrer Performance mit dem Chor der Osloer Oper verholf er dem Bandklassiker „Phoenix“ zu einer epochalen Neudichtung.

Sivert Høyem

3. Oktober, ((szene)) Wien

21. Oktober, Planet.tt Bank Austria Halle Gasometer

Fotos: WMG (Biffy Clyro), FMS (Pixies), Sivert Høyem (Sivert Høyem), Nathan Gallagher (Volbeat)

Pixies

FM4 Indiekiste Schon in den 80er-Jahren wurden die Pixies mit Hits wie „Where is my Mind“ zu Legenden. Drei Jahrzehnte, eine Trennung und eine Wiedervereinigung später begeistern die IndieRocker aus Boston noch immer mit ihren ausdrucksstarken Songs und Live-Auftritten. Am 15. November kommen Black Francis, Joey Santiago und David Lovering verstärkt durch Bassistin Paz Lenchantin in die Wiener Stadthalle und präsentieren neben ihren legendären Hits auch das brandneue Album „Head Carrier“, das am 30. September veröffentlicht wird.

Support: Airbourne und Crobot Volbeat-Fronter Michael Poulsen freut sich nach ihrem Auftritt am Nova Rock bereits auf die Hallentour, bei dem sie nicht nur das fantastische neue Album „Seal the Deal & Let’s Boogie“, sondern zudem auch noch Airbourne und Crobot im Schlepptau haben: „Das wird laut genug sein, um das Dach eines jeden Gebäudes abzureißen!“ Definitiv, haben immerhin auch die Support-Acts mit „Breakin’ Outta Hell“ und „Welcome to Fat City“ starke und ordentlich rotzige neue Scheiben am Start!

Volbeat

15. November, Wiener Stadthalle (D)

im November in Linz, Wien und Innsbruck

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!ticket stars&people

Stimmungsmacher M

an erinnere sich an die mörderische Duchschszene aus Alfred Hitchcocks

termine In den Genuss gleich dreier Meister des Faches kommt Wien: Am 3. November gastiert John Carpenter in der Wiener Stadthalle (Halle F), am 25. James Newton Howard (Halle D), und am 8. Februar Ennio Morricone (Halle D). Am 22. April wird, ebenfalls in der Wiener Stadthalle (Halle D), „Der Herr der Ringe“ gezeigt, bereits am 26. Februar „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Beide Filme werden live vom Radiosymphonieorchester Pilsen begleitet. „The Sound of Space“ ist heuer Motto der unvergesslichen „Hollywood in Vienna“Gala, die zwischen 13. und 14. Oktober im Wiener Konzerthaus stattfindet. Dieses Jahr wird Alexandre Desplat („Harry Potter“, „Twilight“, „Star Wars – Rouge One“) mit dem Max-Steiner-Award ausgezeichnet.

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„Psycho“, untermalt von im Takt quietschenden Geigen. Was wäre Darth Vader ohne seinem „Imperial March“? Vermutlich nur ein Senior mit Raucherlunge. Und auch eine andere Melodie kennt jeder: Sie beginnt mit Streichern, Schicht für Schicht peitschen sie sich empor, bis mächtige Hörner hineinjagen wie Fanfaren vorm Jüngsten Gericht – Richard Wagner gibt in „Apocalypse Now“ den Vietcong-Schreck. Oder auch: der italienische Komponist Ennio Morricone. Er trug mit seiner Musik wesentlich zum Welterfolg der Italo-Western – darunter Kultfilme wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ – bei. Regisseur Sergio Leone bekannte, dass Morricone für ihn mehr ein Drehbuchautor

sei als ein Komponist, denn durch die Musik könne er etwas mitteilen, was er sonst hätte aufwändig zeigen müssen. Wir haben uns mit Sandra Tomek, künstlerischer Leiterin der alljährlichen Filmmusik-Gala „Hollywood in Vienna“, über dieses spannende Thema unterhalten. Gewissermaßen aus dem Nichts haben Sie ab 2007 eine orchestrale Konzertreihe aus dem Boden gestampft, die von Anfang an auf internationalem Niveau rangierte und sich hinter renommierten Award-Verleihungen zu keinem Zeitpunkt verstecken musste. Was hat sich seitdem im Filmmusikstandort Wien getan? So viel, wie ich anfangs niemals er-

Fotos: Fotolia, Mark Hanauer, Muthmedia GmbH, LSK, FMS, Hollywood in Vienna

Während zuvorderst Regisseure und Schauspieler für ihre Leistungen honoriert werden, darf man nicht vergessen: Nicht zuletzt die Filmmusik trägt mit zum Gelingen eines Filmes bei. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER


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Hollywood in Österreich John Carpenter wird seine Kompositionen zusammen mit fünf Musikern zu Ausschnitten seiner filmischen Arbeiten präsentieren, Ennio Morricone blickt gemeinsam mit über 200 MusikerInnen und SängerInnen (!) auf seine 60-jährige Karriere zurück, und James Newton Howard präsentiert das Beste aus 30 Jahren Hollywood, darunter die Scores zu „Batman Begins“ und „Im Auftrag des Teufels“. Mit „Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ werden gleich zwei Blockbuster live mit Orchester gezeigt, und bei „Hollywood in Vienna“ steht dieses Jahr mit Alexandre Desplat das Weltall im Fokus.

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träumt hätte. Es scheint im Moment, als würden viele Samen, die wir im Laufe der Jahre mit unseren Konzerten und Symposien gesät haben, sprießen. Immer wieder haben wir die Notwendigkeit von flexiblen Orchestern für Filmmusik-Aufnahmen bzw. von Tonstudios für Orchester-Aufnahmen diskutiert und gefordert. Nun gibt es mehrere Orchester dieser Art und mit der Synchron Stage Vienna eines der führenden Tonstudios für Filmmusikaufnahmen – weltweit. Und „Hollywood in Vienna“ bzw. die Max Steiner Award-Preisträger sorgen dafür, dass die „Filmmusikstadt Wien“ in der Branche sehr präsent bleibt. Kann man die Wertigkeit dessen beziffern? Sprich: Was bringt das uns? Vor 10 Jahren sagte mir noch jeder, dass Filmmusik in Wien kein Thema ist. Jetzt nehmen wir hier HollywoodSoundtracks auf. Es kommen Aufträge nach Wien, es werden Arbeitsplätze geschaffen und die Musikstadt Wien ist um eine Komponente reicher. Das wird international auch so gesehen, wo unser „Hollywood in Vienna“-Festival und die Synchron Stage Vienna

in der Branche immer wieder Thema sind. Insofern haben die Wiener Filmmusikaktivitäten durchaus einen positiven internationalen Marketingeffekt. Es kommen BesucherInnen, Workshop-TeilnehmerInnen sowie KomponistInnen, OrchestratorInnen, FilmregisserInnen- und produzentInnen nach Wien – also steigen wieder die Übernachtungszahlen, etc. Letztlich profitieren wir also alle davon. Österreich hebt nur zu gern seinen musikalischen Ruf hervor. Wie zeitgemäß ist die internationale Wahrnehmung tatsächlich, oder zehren wir an Annodazumal-Granden wie Mozart, Strauss und Zawinul? Wien wird noch immer international als die Hauptstadt der Musik angesehen. Es ist kein Zufall, dass unsere Max Steiner Award-Preisträger der Einladung nach Wien folgen, obwohl sie sonst nur selten Einladungen aus dem Ausland annehmen. Wien ist für KomponistInnen immer noch ein magischer Ort. Aber wir sollten uns nicht ewig auf diesen Lorbeeren ausruhen und auch die Gegenwart erkennen. Es gibt auch heute noch viele großartige

junge KomponistInnen in Österreich, die keine Möglichkeit erhalten, ihr Talent zu beweisen. Als ich 2009 den Wiener Filmmusikpreis für JungkomponistInnnen erdachte, glaubten manche, dass kaum jemand mitmachen würde, da es die Talente heute nicht gibt. Wir konnten beweisen, dass dies ein Irrtum ist. Es gibt hier auch heute große Talente, auf die man ob der Bewunderung der Geschichte nicht vergessen sollte. Die Filmmusik der neuen DanBrown-Verfilmung „Inferno“ wurde erneut von Hans Zimmer geschrieben, die Aufnahmen fanden im März in Wien statt, gemeinsam mit dem Wiener Synchron Stage Orchestra. Zuletzt steuerten die Wiener Philharmoniker Teile zum Soundtrack von „Mission: Impossible – Rogue Nation“ bei. Wie viel Österreich steckt heute in Hollywood? Musikalisch gesehen steckt v.a. der große Einfluss der Vergangenheit in Hollywood. Es war der Wiener Max Steiner, der die Tools zur Vertonung eines Films erfand – und es war der Wiener E.W. Korngold, der den groß-

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!ticket stars&people orchestralen Klang in der Tradition von Richard Strauss und Wagner nach Hollywood brachte und somit zum „Hollywood Sound“ machte. Aber auch heute sind österreichische Komponisten in Hollywood vertreten, z.B. Harald Kloser, der nicht nur als Filmkomponist, sondern in letzter Zeit auch als Filmproduzent agiert (2012, „Independence Day“). Das diesjährige Thema Ihrer Gala lautet „Sound of Space“ – wie haben Sie in den Sechzigern die Eroberung des Weltalls mitbekommen? Um ehrlich zu sein: kaum. Außer der Star Trek TV Serie habe ich mich generell nur begrenzt für Science Fiction Filme interessiert. Dafür hole ich das jetzt nach! „Star Wars“ oder „Stark Trek“ – wer gewinnt bei Ihnen das Stechen? „Star Trek“ insofern, da es auch einige philosophische Aspekte behandelt. Aber musikalisch gewinnt natürlich John Williams’ „Star Wars“! Was darf man sich von der diesjährigen Gala erwarten? Unser diesjähriger Stargast ist OscarPreisträger Alexandre Desplat. Er gilt im Moment als Hollywoods gefragtester symphonischer Komponist und wurde mit der Vertonung des neuen „Star Wars“-Spin Offs „Rogue One“ betraut. „Star Wars“ war insofern auch die Inspiration für das diesjährige Thema: „The Sound of Space“. Abgesehen von der Musik von Desplat werden wir auch andere Weltpremieren erleben, z.B. die erste konzertante Aufführung des Themas von „Gravity“ – mit der Original-Sängerin des Films. Seit wenigen Jahren ist es auch en vogue, Filme „live mit orchestraler

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Dr. Sandra Tomek Von der Internistin zur Förderin von Filmmusik: Die Berufsparallelen sind indirekt vorhanden: „Es ist schön, Menschen freudig zu sehen – weil sie wieder gesund sind, oder sie eine Musik bewegt.“

Begleitung auf großer Leinwand“ aufzuführen, darunter „Herr der Ringe“ und „Harry Potter“. Was halten Sie von solchen Veranstaltungen? Das hat ein Publikum und insofern seine Berechtigung – ich ertappe mich aber dabei, eigentlich nur auf die Leinwand zu schauen, als wäre ich im Kino. Sie arbeiten im Gegensatz dazu mit Film-Ausschnitten zu einem übergreifenden Thema, dieses Jahr eben das Weltall. Am Beginn steht die Auswahl des Komponisten, den wir ehren. Nachdem dieser festgelegt wurde, überlege ich, für welches Thema er v.a. steht. Bei Alan Silvestri war es die Magie („Magic Moments“), bei James Newton Howard das Übersinnliche („Tales of Mystery“), etc. Der erste Teil des Konzertes wird dann nach dem gewählten Thema gestaltet. So ergibt sich ein rundes Ganzes. Letztgenannter gastiert demnächst nicht nur in Wien, sondern arbeitet gerade auch am Soundtrack zur

„HarryPotter“-Vorgeschichte „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“. Was ist in der Welt des Zauberschülers die Vorgabe und Herausforderung an die Filmmusik? Hier steht natürlich die Freude an der Magie im Vordergrund. Howard hat bis dato zwar noch keinen „Harry Potter“-Film vertont, aber das Thema Magie und Übersinnliches liegt ihm. Wie wichtig ist bei Filmreihen eine durchgehende Handschrift? Es gibt Filmreihen wie z.B. „Harry Potter“, wo sich die musikalische Handschrift durchaus ändert. Denn Potter und Co. sind ja nicht ewig Kinder sondern werden erwachsen, und mit ihnen auch das Publikum. Insofern klangen die letzten „Harry Potter“ Soundtracks von Alexandre Desplat auch viel erwachsener und „cooler“, als zuvor. Der „Tonwechsel“ ist nicht so tragend, wie wenn sich ein Hauptdarsteller verabschiedet. Er gibt hier vielmehr der Geschichte eine neue Note bzw. unterstreicht diese. Das kann manchmal besser, manchmal weniger gut funktionieren.


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MUNDPROPAGANDA Hören Sie mal rein!

Wo verorten Sie Ennio Morricones exemplarisches Geschick – gerade bei Italo-Western? Ich liebe auch seine Nicht-Italo-Western-Scores wie „The Mission“ – aber der Erfolg einer Filmmusik ist natürlich eng an den Erfolg des Filmes geknüpft. Jeder kennt „Spiel mir das Lied vom Tod“ – es ist ein Kultfilm. Wenn dann das filmmusikalische Thema auch noch prägnant ist, dann wirst du als Komponist immer mit so einem Film assoziiert. Überhaupt war die Zusammenarbeit von Sergio Leone und Morriccone überaus befruchtend. Da fanden sich zwei Künstler, die sich optimal ergänzten – und beide trugen wesentlich zum großen Erfolg der Italo-Western bei. Gehen die Handschriften von Regisseuren und Komponisten öfters beinahe naturgegeben Hand in Hand? Ja! Tim Burton traf mit Danny Elfman auch den optimalen musikalischen Umsetzer seiner Filmwelt. Steven Spielberg hatte John Williams, Bob Zemeckis Alan Silvestri, M. Night Shyamalan James Newton Howard. Wenn zwei große Talente eine gemeinsame Sprache finden ist das ein Glücksfall und führt immer wieder zum Erfolg – und zu langjährigen Kooperationen. Bisher sprachen wir nur von Männern. Wie steht es um die Quote, spielt das Geschlecht eine Rolle? Ich konnte bis dato bei Kompositionen von Frauen nichts erkennen, was mich vermuten ließe, dass es nach „typisch Frau“ klingt. Genauso wenig sehe ich das bei Männern. Aber: fast alle prominenten Filmkomponisten sind Männer. Ich habe letztens mit dem Leiter der Kompositionsabteilung unserer Musikuniversität über das Thema gesprochen. Er meinte, dass am Beginn

des Studiums die Frauen/MännerQuote noch 50:50 stehe, aber mit dem Studium stetig zugunsten der Männer abnimmt, was sich im Berufsalltag fortsetzt. Vielleicht liegt es den Männern mehr, die Ellbogen einzusetzen und sich in diesem harten Business durchzusetzen, wo man ständig auf sich aufmerksam machen muss, um zu bestehen. Michael Haneke setzt Filmmusik höchst spärlich ein, widerspricht sie seinem „realistischen“ Konzept vom Filmemachen – weil selbige „in der Realität“ auch nicht ständig passiert. Man sieht bei Haneke und anderen, dass ein Film auch ohne Musik funktionieren kann. Es kommt dabei eben ganz auf den Film an. Aber wenn der junge Forrest Gump läuft und seine Metallstützen plötzlich nicht mehr benötigt, oder wenn E.T. mit dem Fahrrad gen Himmel fliegt, dann geht es ohne Musik gar nicht. Die Musik kann hier Emotionen vermitteln, die das Bild alleine nicht wecken kann. Wie kommuniziert Musik mit der Handlung? Es ist eine sinnvolle Ergänzung, zwei Teile, die ein rundes Ganze ergeben. Ganz zum Abschluss wieder zurück zu „Hollywood in Vienna“, zum „Sound of Space“: Denken Sie, gibt es „da draußen“ etwas? Ich finde den Gedanken schön, dass das „Universum“ ein gewisse Weisheit inne hat und die Dinge lenkt.

Die folgenden Veröffentlichungen sollten in keinem gut sortierten Plattenschrank fehlen. Oder? (sb)

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Wallis Bird – Home Zwischen Soul und Synthie: ein Album, das man zum späten Fortgehen wie zum frühen Heimkommen hören kann.

Imperial Stete Electric – All Through The Night Nicke (Hellacopters) tauscht mit seinem sleazy Retrorock die Monster unterm Bett gegen Ohrwürmer aus.

Steven Tyler – We’re All Somebody From Somewhere Aerosmiths Stimme mit massig Country-Gleitgel: eine triefende Klischeeansammlung.

LIVE

Steve’n’Seagulls – Brothers In Farms Guns N’ Roses, Iron Maiden, Metallica, Megadeth, Iron Maiden und AC/DC als Hillbillies: Yeehaw!

weiterlesen? f iew lesen Sie au Das volle Interv om .c in az ag www.ticketm

TID – Fix Idé Eine elegische (Alb)traumwanderung, schroff, gespenstisch-nebulös, brachial, martialisch, hypnagogisch zugleich.

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Kitty, Daisy & Lewis

Liebe Leserin! Lieber Leser! Heureka! Nach drei turbulenten Jahren im Dienste der aufrichtigsten Print-Redaktion des Landes habe ich nunmehr endlich einen Dossier-Schwerpunkt zum Thema „Bildung“ durchsetzen können. Mein Ziel: Zeigen, dass Bildung kein Wert ist, sondern nur ein Wort. Wer also sagt, mehr Bildung würde helfen, Demokratie und Menschenrechte ins 21. Jahrhundert rüber zu retten, der könnte genauso gut behaupten, mehr Zwetschgenkompott würde gut helfen. Auf die Details kommt es an! Im Rundfunkbereich etwa gilt als Leuchtturm des öffentlichrechtlichen Bildungs-Anspruches die britische BBC. Deren erster Generaldirektor John Reith definierte: Öffentlichrechtlicher Rundfunk soll bilden, informieren und unterhalten. Letzteres nur so viel, dass man fürs Bilden und Informieren unabhängig bleiben kann. Einverstanden. BBC-Gründervater John Reith betrachtete zudem den Jazz als schmutzige Ausgeburt der Moderne, war gegen das Recht auf Scheidung und ein großer Bewunderer der konsequenten Politik Adolf Hitlers. Sie bemerken, Begriffe wie Bildung bieten einen enormen Spielraum, der immer wieder neu definiert und interpretiert werden muss. In diesem Sinne wünsche ich erhellendes Lesevergnügen mit der vorliegenden !ticket-Ausgabe!

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2. Oktober, Festpielhaus St. Pölten

José Feliciano Christmas Special & Greatest Hits Der 9-fache Grammy-Preisträger José Feliciano, weltberühmt für seinen Weihnachtssong „Feliz Navidad“, wird neben diesem Hit noch viele andere internationale Weihnachtslieder und seine größten Hits präsentierten – von latino-feurig bis feierlichbesinnlich. Begleitet wird José von seiner Band, möglicherweise bringt der sympathische Sänger aber auch noch ein paar seiner Musikerfreunde mit auf die Bühne! 2. Dezember, Grafenegg Auditorium The Band Drinks For Free The Fleshtones sind eine der aktivsten US-amerikanischen Garage-Rock-Bands aus New York, die ihre musikalischen Wurzeln im Rock’n’ Roll der 1950er und 1960er Jahre hat. Sie selbst nennen ihre Musik Superrock und sie werden nach nun bereits 40 Jahren Bühnenpräsenz zurecht als die Könige des Garagerock bezeichnet. Pünktlich zu ihrem diesjährigen 40. Bandjubiläum kommt am 2. September ihr neuestes Album „The Band Drinks For Free“ auf den Markt. Seid ihr bereit für die bekloppteste und coolste Band?!

The Fleshtones

8. November, DasBach (Wien)

Fotos: Dean Chalkley (Kitty Daisy & Lewis) Josef Gallauer (Monti Beton) VBW (Don Camillo & Peppone) durch den Veranstalter beigestellt Ingo Pertramer (FM4 Ombudsmann)

Tipps vom FM4 Ombudsmann

The Third Was passiert, wenn man als Kind einer Schlagzeugerin und eines Gitarristen inmitten alter Schellack-Platten aus den Fünfzigern aufwächst? Bei Kitty, Daisy & Lewis Durham aus London ist das Ergebnis ein Musikphänomen der außergewöhnlichen Sorte: In der Tradition von MusikerInnen wie Louis Armstrong oder Nina Simone lassen die Geschwister den authentischen Sound von Rockabilly, Swing oder Bluegrass wieder aufleben! Eine Zeitkapsel mit Direktflug in die gute alte Ära des handgemachten Rock’n’Roll.


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!ticket highlights

Johann K. und Monti B

Don Camillo & Peppone VBW-Koproduktion mit dem Theater St. Gallen Wer kennt sie nicht, die liebevoll erzählten Geschichten um den streitbaren katholischen Pfarrer Don Camillo und seinen nicht minder schlagkräftigen Kontrahenten Peppone, den kommunistischen Bürgermeister im kleinen, verschlafenen Dorf Boscaccio des Italien von 1947? Bekannt durch die Romane von Giovannino Guareschi und die berühmten Verfilmungen mit Fernandel und Gino Cervi, wird nun die Musicalfassung dieser poetischen und urkomischen Geschichte nach der Uraufführung in St. Gallen 2017 in Wien Premiere feiern!

Fotos: Dean Chalkley (Kitty, Daisy & Lewis), Josef Gallauer (Monti Beton), VBW (Don Camillo & Peppone), durch den Veranstalter beigestellt, Ingo Pertramer (FM4 Ombudsmann)

ab Jänner, Wiener Ronacher

eton

Die Schlagernacht des Schlagers Erleben Sie die guten, alten deutschen Schlager in der unnachahmlichen Interpretation von Johann K. und Monti Beton! Die permanente Nachfrage nach diesem Erfolgsprogramm von Monti Beton hat besonders Hans Krankl überrascht. Schließlich kommen die meisten Titel aus seiner persönlichen Schallplattensammlung, die er in seiner Kindheit und Jugend in Wien Mariahilf mit viel Liebe erworben hat. Kommen Sie also mit auf eine Tasse Tee ins „Cafe Oriental“ und nehmen Sie am besten die Mimi mit, denn ohne Krimi geht sie sowieso nie ins Bett! Alles dreht sich um den deutschen Schlager der 50er, 60er und 70er.

8. Oktober, Wiener Stadthalle (F)

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7 auf 1 Streich

www.ray-magazin.at

Ein Remake eines Remakes: die „Glorreichen Sieben“ reiten ab 30. September wieder über die Leinwand. TEXT: ANDREAS UNGERBÖCK

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Der Samurai wird zum Revolverheld Filmhistorisch Bewanderte wissen natürlich, dass auch das „Original“ von 1960 unter der Regie von John Sturges – mit Steve McQueen, Yul Brynner, James Coburn und einem jungen, noch unbekannten Charles Bronson – in Wahrheit ein Remake war, und zwar das des japanischen Klassikers „Die sieben Samurai“ (1954) von Akira Kurosawa, in dem der großartige Toshiro Mifune den Anführer der „glorreichen Sieben“ gespielt hatte.

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Die Glorreichen Sieben Autor der Neufassung der sieben Helden rund um Denzel Washington ist übrigens Nic Pizzolatto, der bereits für „True Detective“ verantwortlich zeichnete.

Sturges’ Film zählt zu den sogenannten „Edelwestern“ – großen, mit viel Aufwand hergestellten Filmen mit einer klaren humanistischen Message. Auffällig: Bei Kurosawa und Sturges waren die Quälgeister, gegen die die sieben Söldner kämpfen mussten, noch Banditen, nun ist es ist ein Businessman. So ändern sich die Zeiten! Söldner und Kapitalisten Regie führt diesmal der Action-erprobte Afro-Amerikaner Antoine Fuqua, die Hauptrolle spielt Denzel Washington, und das macht Hoffnung: Schließlich arbeiteten die beiden schon bei „Training Day“ und „The Equalizer“ erfolgreich zusammen. Washington, zweifacher Oscar-Preisträger („Glory“ und „Training Day“) und vier weitere Male nominiert, gilt als einer der attraktivsten Actionhelden Hollywoods; andererseits ist der 61-jährige Schauspieler dafür bekannt,

dass er auch kontroverse Rollen nicht scheut, im Gegenteil. So spielte er den südafrikanischen Befreiungskämpfer Steve Biko in „Cry Freedom“ (1987) und glänzte als radikaler US-Bürgerrechtler Malcolm X in Spike Lees gleichnamigem Biopic (1993). Auch als kriegsgeschädigter britischer Soldat in „For Queen and Country“ (1988) und als zu Unrecht des Mordes angeklagter Boxer Ruben „Hurricane“ Carter (1999) bot er überragende Leistungen. Neben Denzel Washington als Anführer der Söldner spielen – ethnisch korrekt – auch ein Latin-American (Manuel Garcia-Rulfo) und ein AsianAmerican (Byung-Hun Lee) Hauptrollen. Dazu kommen Stars wie Chris Pratt, Ethan Hawke und Vincent D’Onofrio, den bösen Kapitalisten spielt Peter Sarsgaard. Die Chancen für einen überzeugenden Film stehen nicht schlecht.

Foto: Sony Pictures

ie Neuverfilmung des Kultwesterns „Die Glorreichen Sieben“ ist nur eines der interessanteren aus der schier endlosen Reihe von Remakes, die uns Hollywood dieser Tage auftischt. Möglich wurde dies, weil die Rechte vieler Klassiker des legendären MetroGoldwyn-Mayer-Studios vor einigen Jahren frei wurden, und ein Stoff wie dieser ist natürlich ein gefundenes Fressen für die vor Ideen nicht eben sprudelnden Hollywood-Bosse: Eine Kleinstadt steht völlig unter der Kontrolle eines bösen Geschäftsmannes. Die verzweifelten Einwohner engagieren zu ihrem Schutz ausgerechnet sieben Outlaws: Kopfgeldjäger, Spieler und Revolverhelden. Während sie die Stadt auf den unausweichlichen Showdown vorbereiten, finden die Söldner heraus, dass es bei ihrem Kampf um mehr als nur um Geld geht.


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Popkultur !ticket life&style

Lange Jahre war Österreich ein weißer Fleck auf der Comic-Landkarte. Durch Manga-, Anime-, Cosplay-, Fantasy- und Fiction-Fans bekamen die raren Fans der „Strichmanderln“ Verstärkung. Der Beweis in Real Life: Die 2. Vienna Comic Convention! TEXT: ALEXANDER HAIDE

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even of Nine, die süße Borg aus „Star Trek: Voyager“ kommt an die Donau. Kristian Nairn, Hodor aus „Game of Thrones“ ebenfalls. Auch John Rhys-Davies, der den Älteren aus „Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“ bekannt ist und Jüngeren als Zwerg Gimli aus „Herr der Ringe“ ein Begriff, hat einen Besuch der VIECC angekündigt.

termine Die zweite Vienna Comic Con findet zwischen 19. und 20. November in der Messe Wien statt!

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Vienna Comic Convention Ganz nach dem amerikanischen Vorbild geht es auch in Wien sehr einfallsreich zur Sache: Comics werden nicht nur gelesen, sie werden gelebt!

Ausstellern auf einer 23.000 Quadratmeter großen „Spielwiese“. Florian Schermann, Show Director der VIECC, freut sich über das rasche Wachstum seines Babys: „Die VIECC konnte durch ihre überregionale Strahlkraft weit über die Grenzen Wiens hinaus großes Interesse und Aufmerksamkeit an der Pop-Kultur generieren und Fans mobilisieren. Der Grundstein ist also gelegt und dem Siegeszug von Comics, Mangas, Cosplay, Gaming und Co. steht meiner Meinung nach nichts mehr im Weg.“

Supergäste Die VIECC-Strahlkraft lockt natürlich die Superstars der Szene an, ComicZeichner von Weltruhm. Adam Hughes kann in seiner Biografie auf viele „Big Names“ verweisen, die sich seines Talents bisher bedient haben: DC Comics, Marvel Comics, Dark Horse Comics, Lucasfilm, Warner Bros. Pictures oder das Playboy Magazine sind nur einige seiner Credentials. Bekannt wurde Hughes vor allem für seinen unverkennbaren Stil, Frauen im Pin-up-Stil zu zeichnen. Seine bekann-

Fotos: Reed Messe, Christian Jusar, ASH

Ein Lebenshauch Ursprünglich ging es beim Thema Comics um Gezeichnetes. Doch dann hat sich das Genre in den vergangenen Jahren nicht bloß um asiatische Mangas und Animes vergrößert, sondern mit den assoziierten Fantasy- und Cosplay-Bereichen weiteren Zuwachs bekommen. Das unterstreichen die Zahlen der ersten VIECC im Vorjahr: Mit 17.000 Fans konnte man das Schild „Ausverkauft“ an die Tore hängen. Heuer rechnet man sicherheitshalber mit 25.000 Comic-Fanatikern und 300


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testen Werke sind Covers für „Wonder der deutsche „Transformer Wheeljack“ gewann und Österreich bei der WeltWoman“ und „Catwoman“. Achdé – dieser Name klingt vor allem meisterschaft vertreten hat, sollten sich in Jolly Jumpers Pferdeohren gut, denn nun Austro-Cosplyer ganz besonders immerhin hat Lucky Luke-Erfinder ins Zeug legen! Die TeilnahmebedinMorris den jungen Zeichner anno da- gungen und alle Infos gibt es unter zumal zum Nachfolger auserkoren. www.viecc.com! Nach dessen Tod im Jahr 2001 über- Betrachtet sich Show-Direx Schernahm Achdé die Serie und veröffent- mann die Highlights und den gelunlichte gemeinsam mit Guy Vidal sein genen Mix „seiner“ VIECC, dann erstes Lucky Luke-Album „Der Fran- braucht er nicht die Fäuste zu ballen, sondern kann breit und zufriezösische Koch“. Neben den klasden grinsen. „Wir waren mit sischen Lucky Luke-Alben Stargäste einer guten Kombination zeichnete Achdé die neuen der VIECC zur richtigen Zeit am Abenteuer von „Kid LuGemma Whelan & richtigen Ort“, resümiert cky“ und schuf zahlreiche Kristian Nairn (Game Of Thrones), Jeri Ryan (Star der Mastermind. Doch andere Geschichten: Von Trek), John Rhys-Davies er stellt klar, dass es (zu„one shot“, „Fort Braillard“ (Herr der Ringe) u.v.m.! mindest offiziell) nicht nur für Spirou, „Woker“ und „Big um die Kohle geht: „In erster LiTwin“, die Mini-Serien „Doc Vénie soll die VIECC ein Gewinn für die to“und „La Esmeralda“. Last but not least gibt sich Inga Stein- Fans sein. Und das war die Premiere metz, eine junge Illustratorin aus Ber- auf jeden Fall. Die finanzielle Seite gelin, bei der ComicCon die Ehre. Sie hört sicherlich auch dazu, um die hat sich erste Sporen im Bereich Cha- VIECC auch in Zukunft mit den grorakter-Design, Kinderbuchillustration ßen Stargästen bestücken zu können. und Comic verdient, seit zehn Jahren Aber vorerst gilt es den Fans ein Memacht sie zudem erfolgreich Mangas. gaevent zu bieten, dass sie nachhaltig Bis heute entstanden mehr als tau- begeistert und ihnen eine Heimat für send(!) Manga-Seiten – sie präsentiert ihre Community ist.“ sich, wie alle Stars der VIECC, fannah und steht für Fragen, Selfies, Autogramme und dergleichen zur Verfügung. Cosplay Cosplay darf natürlich nicht fehlen, erst recht nicht, da es Österreich in die Weltliga geschafft hat – und das ist der VorjahrsVIECC zu verdanken: Der Wettbewerb ist nun fixer Bestandteil der Global Championships of Cosplay! Während im Vorjahr

Harald Havas ist einer der Masterminds hinter den Austrian Superheroes. Er lässt !ticket hinter die Kulissen der Neo-Comicstars aus Österreich blicken. Welche Rolle werden die ASH bei der VIECC spielen? Wir werden alle Hefte der Serie präsentieren, sicher auch was Neues. Und mit Cosplay planen wir ebenfalls etwas, vielleicht einen Sonderpreis beim offiziellen Bewerb! Im neuen Heft ist Wien nicht mehr der alleinige Schauplatz. Weshalb geht es gerade nach Graz und nicht in eine andere Stadt Österreichs? Das war anfangs eher zufällig, weil der Zeichner der Nummer 3, Jörg Vogeltanz, Grazer ist und seine Umgebung sicher am besten zeichnen kann. Inzwischen ist das aber ein wichtiger Teil des Plots. Was die anderen Städte betrifft: was nicht ist, kann ja noch werden, schließlich sind das ja die AUSTRIAN Superheroes! Die grobe Storyline? In der Nummer 3 taucht der Basilisk aus Heft 1 wieder auf und unsere Helden versuchen, ihn diesmal mit mehr Teamwork endgültig zu besiegen. Außerdem treffen sie auf einen Grazer Helden und alte Geheimnisse werden gelüftet ... Mit dem vierten Band erscheint vorerst das letzte Abenteuer der Austrian Superheroes. Weshalb ist jetzt einmal Schluss? Nun, die Hefte waren von Anfang an als vierteilige Mini-Serie angelegt. Aber wir wollen natürlich gerne weitermachen! Wie genau, steht dann in Heft 4. Wir werden jedenfalls in leicht veränderter Form weitermachen. Wer dabei sein will, kann demnächst auf austriansuperheroes.com neue Abos abschließen!

Florian Schermann Der Show Director der VIECC freut sich über den raschen Wachstum seines Babys, immerhin steckt viel Herzblut und Arbeit in der Messe.

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Fotos: beigestellt

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Ohrensch !ticket life&style

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Der beste Freund Musikconnaisseure ist nicht der Hund, sondern der Headphone – denn sie machen Musik privatim und mobil. Wir unterzogen drei neue SennheiserModelle einem Qualitätscheck. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER MOMENTUM On-Ear Wireless Dieser leichte Bügelkopfhörer betont den Bass, bleibt dabei aber glasklar und präzise, die Höhen sind überaus angenehm und nicht marktschreierisch. Er sitzt stramm-bequem, mit beweglich gelagerten Ohrmuscheln, sogar exaltiertes Kopfnicken ist möglich – und da kabellos, kann man sogar frei herumtanzen. € 349,-

KLANG KOMFORT PREIS-LEISTUNG OPTIK

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larkreis oder Wüste Gobi, aber die komplexe Soundlandschaft, die Schammasch auf ihrer dritten LP „Triangle“ vorlegen, war hier die Hürde, die es zu bewältigen galt. Das Fazit: Sie alle schauen nicht nur hochwertig aus, sondern klingen auch so.

GEWINN SPIEL

Wir verlosen ein Stück des MOMENTUM On-Ear Wireless. Nähere Informationen und Teilnahmebedinungen auf www.ticketmagazin.com!

Fotos: Hersteller

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ür viele Menschen ist die Musik neben den lebensnotwendigen und -erhaltenden Funktionen die wichtigste Hauptsache der Welt, ist Begleiter des täglichen Lebens – und das von früh bis spät. Zuhause thront die edle Anlage, der Äther ist freilich von BOSE oder Teufel, denn der Ton macht immer die Musik. Aber es gibt freilich derer auch Momente, wo man gänzlich eins mit der Musik werden möchte, oder Rücksicht auf das Sozialgefüge nehmen muss – nicht jeder versteht den individuellen Soundtrack des Lebens. Hierfür ist der Kopfhörer jenes Helferlein, das dafür sorgt, dass die Traumwelt der Musik bleibt, wo sie hingehört: privatim, im eigenen Kopf. Auch hier wollen wir klangtechnisch freilich keine Abstriche machen. Ebenso wie wir an das Soundfile für unterwegs die selben Anforderungen wie an die Vinyl stellen, muss der Kopfhörer wie auch das heimische Soundsystem nicht nur klingen, sondern tönen: druckvoll, aber differenziert. Dabei muss natürlich auch der Tragekomfort den hohen Ansprüchen gerecht werden – muss anschmiegsam und angegossen sitzen, alles andere wäre undienlich wie ein falsches Schuhwerk oder eine ungeeignete Matratze. Wir haben drei neue Sennheiser-Produkte dem Livecheck unterzogen, und das unter Extrembedinungen: nicht Po-


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hmaus

ticket testet

HD 630VB Der perfekte Liebhaber ist forsch, dabei aber feinfühlig. So geht dieses Monstrum auch mit der Musik um, vergisst selbst bei Maximaldruck auf die feinste Nuance nicht. Anschmiegsam sitzt er an den Ohren, begeistert mit einem klaren, dichten Klangspektrum und variablem Bassboost: von zurückhaltendem Tiefton bis Niederfrequenzorgien ist alles machbar. Nach außen dringt dabei von dieser donnernden Stampede kein Mucks. € 499,-

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PXC550 WIRELESS Geräuschvermeidung andersrum: störende Umweltgeräusche lässt dieser Kopfhörer gar nicht erst in seine Nähe. Exzellent! Als „perfekter Reisebegleiter“ wird er beworben, als solcher sind seine Funktionen unkompliziert zu handeln, er selbst sitzt mit ergonomisch geformten Ledermuscheln angenehm und weiß, unterwegs sowohl am Berg (Höhen), als auch im Tal (Tiefen) ein transparentes Klangpanorama abzubilden. € 399,-

KLANG KOMFORT

Schammasch – „Triangle“ ist im April bei Prosthetic erschienen. Mehr Informationen zur Schweizer Band auf schammasch.com.

PREIS-LEISTUNG OPTIK

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!ticket life&style Tom ist wie ein exzellenter Gin Tonic: schlank und rank wie das Longdrink-Glas und mit einer britisch anheimelnden Noblesse. Auch bei ihm stimmt das Mischverhältnis: auf eine Einheit Alkohol folgen drei Einheiten Spritzigkeit, mit einem Hauch Bitterkeit. Oder nach Oasis: „I’m feeling supersonic, give me gin and tonic!“

Unser Mitarbeiter Thomas Keuschnigg hat ein paar Tipps für live und daheim für Sie auf Lager!

inwendig

GAMING

FILM

Nach der E3 im Juni dieses Jahres ist die Vorfreude auf die kommenden Spiele bereits riesig. Die größte Freude hat mir wohl die Ankündigung von „Dishonored 2“ (Release: 11. November) bereitet. Entwickelt wurde auch der zweite Teil von den französischen Arkane Studios und wird Mitte November von Bethesda Softworks herausgebracht. Im 2. Teil könnt ihr wieder in die Haut von Corvo Attano schlüpfen oder aber auch wahlweise als Emily Kaldwin spielen.

Ich bin ja großer Michael Ostrowski Fan. Da trifft es sich gut, dass am 26. August sein neuer Film „Hotel Rock’n’Roll“ (Verleih: Filmladen) in die Kinos gekommen ist. Eine würdige Beendigung von Michael Glawoggers „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“-Trilogie, die mit „Nacktschnecken“ und „Contact High“ eröffnet wurde.

LITERATUR Was wäre, wenn die Terroranschläge vom 11. September 2001 durch christliche Fundamentalisten im Nahen Osten durchgeführt worden wären? Matt Ruff entwickelt in seinem Roman „The Mirage“ (2012) eine Parallelweltgeschichte, in der die USA und der Mittlere Osten den Platz tauschen. Ein spannendes Buch, welches Ähnlichkeiten zu Philip K. Dick’s „The Man in the High Castle“ aufweist.

KONZERTE

LOCATION Von der Donaubühne Tulln habe ich ja schon viel gehört, letzten Juli hatte ich erstmals die Möglichkeit mir selbst ein Bild zu machen und das auch noch mit einer meiner Lieblingsbands: Calexico. Die Bühne bietet einen sehr guten Sound, ausreichend Platz für eine wirklich große Band und hat einfach Charme. Wenn man dann auch noch einen sonnigen Abend erwischt, ist ein großartiges Konzert garantiert.

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Fotos: Hersteller, Lackinger, fastforward-magazin.de

Die Münchner Band Kytes wurde mir im Sommer 2015 schon erstmals von einem Freund aus Niederbayern ans Herz gelegt. Seither habe ich immer wieder von den sympathischen Burschen gehört. Ich mag die Art von Indie Pop, den die Jungs machen und werde ihn mir am 9. Oktober live im Wiener Flex geben.


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Beziehungs Das Gespann Mensch und Pferd besteht seit frühester Geschichte – und bis heute fesselt uns das Wesen der Huftiere, sei es im Sport, Lifestyle oder bei Shows. Wobei auch hier, so wie in jeder Beziehung, Vertrauen die wichtigste Grundlage ist. TEXT: AMINA BEGANOVIC Apassionata Bei der neuen Show „Cinema of Dreams“ erwartet die Besucher ein Feuerwerk der Emotionen, präsentiert von einem Ensemle aus Reitkunst auf höchstem Niveau, in Szene gesetzt durch Lichteffekte, Musik und Kostüme!

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sarbeit

Fotos: LSK, Stefano Secchi, RV Centauros

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ede funktionierende Beziehung besteht aus Geben und Nehmen, das ist auch zwischen Mensch und Tier nicht anders. Gerade Pferde reagieren hochsensibel auf ihr (menschliches) Gegenüber, ihr Vertrauen muss man sich erst verdienen, bevor man sich in den Sattel schwingt. Zügel in die Hand und los geht’s? So einfach funktioniert die Sache nicht. „Die Arbeit mit dem Tier stellt dich vor große Herausforderungen. Du musst zuallererst an dir selbst arbeiten, dir ganz bewusst sein, was du möchtest, wohin du willst und das dann fair, aber bestimmt an deinen Partner Pferd vermitteln. Es tut nichts, um dir zu gefallen. Behandelst du es korrekt und hast Geduld, dann kann sich aus einem Pferd/Reiter-Paar ein zusammengeschweißtes Team entwickeln, dessen Beziehung von gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Loyalität geprägt ist“, erklärt Reitsportlerin und vielfache Staats- und Landesmeisterin Alma Hanslik vom Reitverein Centauros, bei dem Pferde auch gezielt zu Therapiezwecken eingesetzt werden. Hat einen die Leidenschaft einmal gepackt, kommt leider auch so manches Klischee hinzu, das dem Reitsport folgt. „Ponyreiten ist etwas für Mädchen“ – wer kennt es nicht? Und zugegeben, viele junge Mädchen gehen wohl irgendwann einmal durch eine „Pferdephase“. Aber auch viel mehr

Burschen, als man vielleicht denkt. „In der Freizeitreiterei dominieren wohl noch immer die Frauen. Im Spitzensport halte ich das Verhältnis Männer-Frauen aber für relativ ausgeglichen“, meint Hanslik, die das Problem der Geschlechtervorurteile im Sport gut kennt. Für Burschen gebe es oft kritische Phasen, die mit Druck von außen behaftet sind, insbesondere am Anfang der Pubertät. „Freunde, vielleicht auch männliche Familienmitglieder bringen sie dazu, dass sie den Pferdesport als ‚etwas für Mädchen‘ wahrnehmen und sich lieber typischen ‚Burschenbeschäftigungen‘ zuwenden. Ich hatte schon öfter Kunden, die als Erwachsene wieder mit dem Reiten beginnen wollten, nachdem sie als Jugendliche aufgehört hatten – genau aus diesen Gründen.“ Die Sache mit dem „Pferdevirus“ Nicht zu vergessen das Ur-Klischee schlechthin: Reiten ist doch nur etwas für reiche Snobs der High Society, denn wer kann sich den Erhalt eines Pferdes schon leisten? „Pferdebesitzer werden oft für wohlhabend gehalten. Dies mag bei vielen vielleicht zutreffen, aber ich kenne genug Leute – mich eingeschlossen –, die hart dafür arbeiten müssen und auch auf vieles verzichten, damit sie sich ihr Pferd leisten können“, betont die Reitexpertin. Auch in Sachen Lifestyle ist die Bezie-

termine

empfiehlt

Das Vienna Masters bringt wieder die weltweit prestigeträchtigste Springreitserie, die Longines Global Champions Tour nach Wien: vom 15. bis 18. September 2016 gastiert das Turnier im Rahmen des Vienna Masters Festivals mit rundumerneuertem Programm für die ganze Familie erstmals am Rennbahnareal Krieau nahe dem Wiener Prater! Am 1. April erleben Sie in der Wiener Stadthalle (D) mit „Cinema of Dreams“ die neue Show von Apassionata: Bei einer atemberaubenden Zeitreise durch die Moderne wird der Zuschauer Zeuge eines neuen, traumhaften Programms, das sich um die große Zeit des Films dreht ...

hung zum Pferd etwas ganz Besonderes – womit wir auch schon beim nächsten Klischee wären, dem so genannten „Pferdevirus“, der das gesamte Privatleben gemeingefährlich verschlingt! „Für vom Pferdevirus Befallene scheint es nur mehr den Reitsport zu geben. Wir reden ausschließlich über unsere Pferde, verbringen jede freie Minute im Stall und jeder Cent wird in das Tier gesteckt. Auf Facebook wird übrigens eingehend vor pferdeaffinen Partnern gewarnt“, lacht Hanslik augenzwinkernd. Doch Spaß beiseite: Dass Pferde von vielen lediglich als Statussymbole gehalten werden, ist der Reitsportlerin ebenso bekannt wie die gängigsten Vorurteile. „Das passiert,

über den rv centauros Der Reit- und Voltigierverein Centauros widmet sich bereits seit Jahren dem sportlichen und therapeutischen Reiten und Voltigieren. In Aspersdorf bei Hollabrunn kann unter der Anleitung der erfahrenen Reitlehrerin Alma Hanslik das Westernreiten erlernt werden, beziehungsweise fährt die mehrfache österreichische Meisterin auch in Reitställe der Umgebung, um Menschen mit eigenem Pferd zu unterstützen. In Aspersdorf und am zweiten Standort in Wien arbeitet die Heilpädagogin Mag. Elisabeth Hanslik mit Kindern und Erwachsenen mit besonderen Bedürfnissen. Mehr Informationen erfahren Sie auf der Homepage des Vereins, unter www.pferde-therapie.at!

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Vienna Masters Springreiten von internationalem Format, hier einer der Stammgäste in Action: Jessica Springsteen, die Tochter der Rocklegende!

wenn Geld keine Rolle spielt oder ich das Pferd nur als Mittel zum Zweck eines sportlichen Erfolges betrachte. Für den Großteil der Reiter sind sie zum Glück aber Teil des Lebens, ein fester Bestandteil des Familiengefüges.“

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Edle Show Dieser Familiengedanke bildet oft die Basis altbekannter „Pferdefilme“ – „Black Beauty“, Robert Redford und Co. lassen grüßen. Doch kann man es der Showindustrie nicht wirklich ver-

denken, schließlich gibt es kaum edlere Tiere. Auch beliebte Vorführungen wie Apassionata setzten die Schönheit der Pferde in Szene und beleuchten die tiefe Freundschaft, die zwischen Mensch und Tier entstehen kann. Eine Freundschaft, die vor allem auf Vertrauen und Respekt beruht, unterstreicht Hanslik. „Abgesehen davon, dass Pferde wunderschöne, starke Tiere sind, sind sie immer ehrlich. Sie lehren dich Respekt, Geduld und Selbstreflexion und auf ihrem Rücken findet sich immer ein Stückchen Freiheit.“

weiterlesen? f iew lesen Sie au Das volle Interv om .c in agaz www.ticketm


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Thomas Maurer Der Tolerator Das neueste Programm von Thomas Maurer ist überaus zeitaktuell, handelt es doch um das Thema „Toleranz“, die zuletzt (sowohl rechts, als auch links) ein bisserl flöten gegangen ist: Toleranz ist nicht nur eine allgemein anerkannte Tugend, sondern auch noch ein spannendes und preiswertes Hobby. Es gibt ja so viel, das man tolerieren kann: Religionen und politische Überzeugungen, Laktose und Gluten, Kleidermotten und Volks-Rock’n’Roll. Obendrein macht man damit die Welt besser. Und kann manches lernen: Etwa wo die eigene Toleranzgrenze liegt. Neben „Der Tolerator“ spielt Thomas Maurer im Herbst auch sein Programm „Ab Hof“.

Fotos: Gavin Evans (Daniel Sloss), Ingo Pertramer (Thomas Maurer), Büro Alba (Science Busters), Rabenhof/Rita Newman (Tagespresse)

ab September in ganz Österreich

Science Busters Bierstern, ich dich grüße Ob Weitspeiben beim Oktoberfest, physikalisch richtiges Nüsseknacken oder Steppen auf der Schweinsbratenkruste: Wenn es darum geht, Kulinarik und Stoffwechsel/Essen und Trinken mit Wissenschaft gütlich zu vermählen, dann sind die Science Busters eine der ersten Adressen. Selbstverständlich universumsweit. Diesmal wenden sich die naturwissenschaftlichen Wonneproppen dem Bier zu, das dieser Tage vermutlich seinen bereits mindestens zirka 9.000 Geburtstag feiert. Bei diesem Programm besteht das Team aus Prof. Helmut Jungwirth (Uni Graz), Dr. Florian Freistetter und Martin Puntigam!

Die Tagespresse S

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Österreichs seriösester Newsroom Die österreichische Medienlandschaft steckt mitten im ökonomischen und inhaltlichen Tsunami, die gesamte Zeitungs- und Nachrichtenbranche ist im Umbruch: Das Rabenhof Theater zeigt in Kollaboration mit dem preisgekrönten, erfolgreichsten und seriösesten Onlinemedium Österreichs, Die Tagespresse, den Weg aus der Krise mit der sensationellsten Medien-Innovation des Jahrtausends: Live-News in Echtzeit, präsentiert von „The Voice“ Paul Kraker. Nie wieder Lügenpresse! ab 23. September im Wiener Rabenhof Theater So? Daniel Sloss, der schottische Jungcomedian, gastiert mit seinem neuesten Programm „So?“ (und wieder mit Freund Kai Humphries im Gepäck) endlich wieder in Wien! Wer auf bissigen, manchmal derben, aber immer ziemlich schwarzen Humor steht, ist bei ihm bestens aufgehoben! Als Vorbereitung auf den Inselhumor empfiehlt sich übrigens die brandneue IndieOnline-Sitcom „M.U.F.F“, in der Daniel Lawrence impersoniert, dessen einziges Ziel es ist, die Menschheit vor der Verblödung durchs Fernsehen zu retten ...

Daniel Sloss ab September in Wien, Linz, Salzburg, Gmunden u.a.

5. November, Wiener Stadtsaal

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Taumel der Lust D

er Volksmund diktiert: Feste soll man feiern, wie sie fallen. Ein Anlass ist zumeist peripher, tatsächlich lässt selbst der sekuläre Mensch nicht zwangsweise Feierlichkeiten klerikalen Ursprunges aus, um sich laufend zu verlustieren. Aber was macht die Spektakel so reizvoll? Der Philologe Rudolf Simek klärt auf: Bereits früh in ihrer Geschichte schuf die Menschheit Möglichkeiten, zusammenzukommen. Diese Feste, gesellschaftliche oder religiöse Rituale, geben seit jeher Gesellschaften den Takt vor, sie wirken gemeinschaftsstiftend und -erhaltend, festigen den Zusammenhalt. Sie heben sich durch eine hohe Emotionalität, die bis hin zur Ekstase reichen kann, aus dem Alltag ab – das kann dann auch schon einmal wild, anarchisch oder destruktiv enden, etwa im Karneval. Immerhin steckt in jedem

termine Entweder dem großen Reformator Martin Luther oder dem deutschen Dichter Johann Heinrich Voß ist das lebensbejahende Motto nach „Wein, Weib und Gesang“ zuzuschreiben. All dies, nur natürlich auch alkoholfrei und geschlechtsneutral, findet man in unseren Landesgrenzen bei den folgenden volkstümlichen Festen: der Brunner Wiesn zwischen 9. und 24. September, dem Grazer Wiesn Volksfest zwischen 29. September und 2. Oktober, der Lavanttaler Wiesn am 23. und 24. September, dem Wiesenfest Donaustadt zwischen 9. und 17. September und dem Wiesenfest Steiermark am 9. und 10. September in Kalsdorf, sowie dem Oktoberfest in Ems zwischen 7. und 22. Oktober, sowie bei der Oktoberfestparty am 14. und 15. Oktober am Eventschiff MS Sonnenkönigin in Bregenz.

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von uns ein kleiner Dionysus. Die euphorische, nicht selten durch Alkohol gelöste Stimmung dieser Treffen diente dereinst nicht zuletzt auch der Verbreitung des Genpools. Was insbesondere bei der agrarischen Bevölkerung überlebensnotwendig war, ist mittlerweile nur mehr von geringer Bedeutung: Klar, auch heute noch ist die Stimmung im Bierzelt, im Stadium oder am Festivalgelände erotisch geladen. Etwaige Partnersuchen haben hier tendenziell eher eine Haltbarkeitsdauer von wenigen lustschwangeren Nächten und sind kaum auf die Ewigkeit ausgelegt – auch wenn man beispielsweise am Nova Rock Festival gemeinsam vor den Ottakringer Braualtar schreiten und sich seine Liebe beweisen kann. Verbindlich ist das Wort des Traumeisters ja glücklicherweise nicht. Einen bis dato unabdingbaren, positiven Effekt hebt der spätere Literaturnobelpreisträger Elias Canetti in seinem 1960 erschienenen Hauptwerk „Masse und Macht“ aber trotzdem hervor: In einem von Affekten geleiteten Gebilde fühlt man sich Mitmenschen plötzlich emotionaler verbunden: „Nichts fürchtet der Mensch mehr als Unbekanntes. Es ist die Masse allein, in der der Mensch von seiner Berührungsfurcht erlöst werden kann.“ Und das ist, neben der zeitgenössischen Angstmacherei, Spaltung und Hetzerei, eine willkommene Alternative.

Foto: Fotolia

Kulte geben einer Gesellschaft den Takt vor, von religiösen Feiern bis hin zu weltlichen Lustbarkeiten wird im Jahreslauf die Sehnsucht nach Ekstase befriedigt. So auch am Oktoberfest. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER


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Sodom „Decision Day“, das 15. Album der Gelsenkirchner, erinnert stark an den Bandklassiker „Persecution Mania“.

termine

Kreator Die Essener arbeiten aktuell an ihrem 14. Album. Es erscheint im Frühjahr 2017.

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Kreator zerstören am 16. Februar mit den brasilianischen Thrash-Legenden Sepultura im Schlepptau den Wiener Gasometer. Am 14. Oktober verkünden Destruction im Conrad Sohm Dornbirn und im Dezember am Eindhoven Metal Meeting, dass Europa unter Beschuss steht. Am 26. Dezember in München und am 8. April in der Wiener Arena beim Vienna Metal Meeting rufen Sodom zum D-Day auf. Weitere Thrash-Granaten zünden im November Overkill in Graz und Wien, Exodus in Wien, und Testament vor Amon Amarth, ebenfalls in Wien.

Fotos: Fotolia, Heilemania, Kai Swillus (Epigraphics), Stefan Schlueter, Steamhammer/SPV

Destruction Über drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung klingen die Drei vom Rhein auf „Under Attack“ angepisst wie eh und je: Immerhin hat sich die Welt nicht zum Positiven verändert.


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Die akustische Zerstörungswut im Heavy Metal ist die einzig logische Antwort auf das Zeitgeschehen: die Zeit des stillen Duldens ist schon lange vorbei. Erst recht in Deutschland. TEXT: STEFAN BAUMGARTNER

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nfang der Achtziger formierte sich im stählernen Herzen des Ruhrgebiets und im postindustriellen Süden Deutschlands – beide gebeutelte Arbeitergegenden – die beinharte Phalanx des sogenannten „Teutonen Thrash“: Destruction im Dreiländereck, Sodom, Tankard und Kreator im „Mittleren Westen“. Hinter diesen klingenden Namen standen junge Männer, in denen adoleszenter Unmut loderte – und die dringend ein Ventil benötigten. Neben Sport ist seit jeher eine der wichtigsten Sozialisationsmöglichkeiten in der Musik zu suchen, sorgt sie neben Identitätsbildung auch für Sinnfindung und wirkt als Katalysator. Naheliegend also, dass es im Ruhrgebiet bis dato heißt: „Heavy Metal und der Pott, das passt wie Arsch auf Eimer.“ Mehr noch – nicht irgendein Heavy Metal (für Otto und Ottilie Normal per se schon „Lärm“), sondern gar Thrash Metal – von „to thrash“, Englisch für „prügeln“: schnell, hart und böse. International hat sich das Genre mit Bands wie Metallica, Slayer, Megadeth oder Anthrax seinen Ruf erarbeitet: Wer auf die Welt so richtig angepisst ist, schlägt selten sanfte Töne an, Heavy Metal braucht Kri-

sen. Das war schon immer so, seit er Ende der Sechziger in Birmingham das Licht der Welt erblickte. „Ruhrpott! Zerstörung!“ brüllt KreatorFrontmann Mille Petrozza auf ihrer LiveDVD „Dying Alive“, die im Dezember 2012 daheim, in der Oberhausener Turbinenhalle, aufgezeichnet wurde, ins Mikrofon. „Wir spielen und ihr nehmt den Laden auseinander!“ Das Publikum wird angestachelt, Aussagen wie diese sind legendär. Natürlich ging es Kreator weder zu ihren ungestümen Anfängen, noch heute darum, tatsächlich für Chaos und Anarchie zu sorgen: „Wir schreien das Negative der Welt mit unserer Musik raus.“ Während sich Tankard immer schon besonders besorgt um die Bierre-

serven zeigten, gaben sich all die anderen Mannsleute erstaunlich prämatur reflektiert und sozialkritisch, insbesondere Petrozza, er engagiert sich seit Jahren für PETA. „Wir hatten ständig Angst vor einem Atomkrieg. Man wachte nachts auf und dachte, jetzt geht die Bombe hoch“, reüssiert Mille. Umweltverschmutzung, blinder Religionsgehorsam, die stets schwelende Gefahr organisierten Rechtsextremismus, Terror und Euro-Krisen sind nach anfänglichen Okkultismusund Totschlagsfantasien, mit denen man zuvorderst „anecken wollte“, seit den Frühzeiten zentrale Besorgnisse. Bis heute: In Stücken wie „Belligerence“, „Strange Days“ oder auch dem Titelstück des aktuellen Albums „Decision Day“ zeigt sich

thrash to win! Wir verlosen ein auf 1.000 Stück limitiertes Boxset von Sodoms „Decision Day“. und zwei Mega-Pakete mit dem Besten des österreichischen Thrash Metals. Mehr Informationen und Teilnahmebedingungen auf www.ticketmagazin.com

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Sodom-Frontmann Tom Angelripper erneut als historisch interessierter Zeitzeuge und zugleich kritischer Beobachter des aktuellen Weltgeschehens: Wer insbesondere nach den Schreckensmeldungen der letzten Monate nicht an einer gewissen Grund-Tristesse laboriert, muss ohnehin eine amtliche Überdosis Happy Caps erwischt haben. Jedoch steht nicht nur „Merkel-Deutschland“ oder Europa, sondern der ganze Planet unter Druck, wie Schmier, Sänger und Bassist bei Destruction, das Themenkonzept ihres aktuellen Albums „Under Attack“ erklärt: „Es kracht überall und der Respekt vor unserem Zuhause und den Menschen scheint komplett verloren.“ Sie alle sind Zeitzeugen und Chronisten gleichermaßen, vermessen ohne blindem Gehorsam die Welt beharrlich neu – unnachgiebig. So laut und so lange, bis endlich alle zuhören, anstatt sich einander und die Welt zu zerstören: „Destroy what destroys you!“

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top-10 of austrian thrash metal Österreich darf sich zwar im Gegensatz zum großen deutschen Bruder (oder gar der amerikanischen Bay Area!) keiner international bekannten, unikalen Thrash Metal-Szene rühmen – wir haben uns tendenziell im Deathund Black Metal einen Namen gemacht –, aber dennoch gibt es auch in unseren Landesgrenzen ein paar Genre-Schmankerl zu vermelden. Insanity Alert (T) Iron Maidens „Run To The Hills“ wird kurzerhand zu „Run To The Pit“ – und aus diesem biergeschwängerten Hexenkessel kommt keiner wieder lebend raus ... Suicidal Mosh! Deathstorm (ST) „Less silence, more violence“: Nicht nur Szenepapst Fenriz gerät (in seinem 22. Podcast) in Verzückung, wenn dieses gelungene Potpourri früher Kreator und Hypnosia querbeet prescht. Ravenous (W) Eine Band wie Frankensteins Monster – mit Leichenteilen, die zuvorderst bei Sepulturas „Beneath The Remains“ & „Arise“, aber auch bei Protector, Massacra und Vendetta ausgeborgt wurden. Wildhunt (W) In seinem 22. Podcast attestiert Fenriz den Chasseurs à cheval, sie treten die Nachfolge früher Metallica an – und tatsäch-

lich versetzt auch dieses Trio dem klassischen NWoBHM amtlich die Sporen. Bäd Hammer (ST) Ein Röck Döt im Namen und gewaltige Eier in knallengen Jeans – fertig ist der gelungene Spagat zwischen Tankstellen-Charme, Max-und-Moritz-Lausbuberei und Motörhead auf Speed. Mortal Strike (W) Eine Band wie eine Maschine: ähnlich der martialischen ersten beiden „Terminator“-Teile brettert dieser Kettenpanzer unaufhaltsam über Knochenberge und läutet das Jüngste Gericht ein. Machine Gun Horror (V) Psychologische Kriegsführung einmal anders: Von Exhorder und Sodom angeheizt, prescht die Division munter im Blutrausch querfeldein, mit messerscharfen

Salven auf Skalpjagd. Enclave (NÖ) Spiel, Thrash, Sieg – getrieben von einer Kit-Maschine namens Panzer verantwortet dieser bluttriefende Pitbull tektonische Beben in der Bay Area, wütet hie und da aber auch im klassischen Heavy Metal. Severity (OÖ) Ein Album wie die besten Filme von Bud Spencer und Terence Hill: da regnet es Fotzenschellen fuderweise, ohne dass einem zuvor umschweifend-formal das „Du“ angeboten wurde. Frühe Exodus und Overkill lassen grüßen. Hellavista (NÖ) Gevatter Tod vulgo Freund Hein hat einmal zu viel Autofellatio betrieben und sich nicht nur dabei selbst unabsichtlich ins Nirwana befördert, sondern dabei auch jene Ungustln geworfen: so klingt Frühschoppen.


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und kein bisschen leise Kaum zu glauben, aber wahr: seit mittlerweile 35 Jahren bereichert das Metropol die Wiener Kulturszene – ein Grund, groß zu feiern! TEXT: PAUL M. DELAVOS

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ereits Anfang des 19. Jahrhunderts betrieb Bäckermeister Georg Klein das „Etablissement Klein“ mitten im Vergnügungsviertel Hernals, dem 17. Wiener Gemeindebezirk. Nach der Renovierung des Gebäudekomplexes Anfang der 1980er-Jahre, kam es 1981 zur Wiedereröffnung in der heute bekannten Form als „Wiener Metropol“. Drei Bühnen stehen zur Verfügung: die Hauptbühne im großen Saal, das kleinere Metropoldi und im Sommer die Pawlatschen-Bühne im Freien.

Foto: Ross&Co

Happy Birthday Mit einer großen „Best of MetropolGala“ wird der 35. Geburtstag begangen. Mit dabei sind u.a. Eva Maria Marold und Adi Hirschal, die neben Auszügen aus eigenen Programmen die größten Hits aus Produktionen wie „Charley’s Tante“ oder „Go West“ interpretieren werden, sowie ein „Spin Off“ des Erfolgs-Musicals „Ti Amo“, eine Italo-Pop-Band mit dem klangvollen Namen „Insieme“, die mit bekannten und beliebten Italo-Hits echtes Urlaubsfeeling ins Metropol zaubern. Durch den Abend führen Peter Hofbauer, seit 20 Jahren Leiter dieser Kultstätte für die Wiener Szene, und Thomas Strobl in bewährter DoppelConference. Die Wonderboys von Hernois Tradition haben im Metropol seit vie-

Die Wonderboys von Hernois Lukas Perman spielt den Leader der Boygroup, der auch die große Liebe findet.

len Jahren mittlerweile auch die Eigenproduktionen: So steht das jüngste Metropol-Musical „Die Wonderboys von Hernois“ ab 29. September noch einmal auf dem Programm. Zu dem von Markus Gull und Peter Hofbauer verfassten Buch lässt Komponist Christian Deix die längst vergangene Zeit der frühen Vocalgroups mit neuen Ohrwürmen wiederauferstehen. Erzählt wird die fiktive Geschichte von vier ehemaligen Sängerknaben, die nach dem Stimmbruch die erste Boyband der Geschichte gründen. Entdeckt im Wien der Nachkriegszeit geht es rasch auf Amerika-Tournee und der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Doch der Umgang damit ist für die vier nicht so einfach wie ge-

dacht … Auf der Bühne zu sehen sind u.a. Andy Lee Lang und Lukas Perman.

termine (auswahl) 6.-9. September – The Dublin Legends 10. September – Alexander Goebel & Band 16. September – Michael Seida & Band 20. September – Barbara Balldini „VERKEHRsTAUGLICH“ 22. September – Andy Lee Lang 23. September – 35 Jahre Metropol laufend ab 29. September – Die Wonderboys von Hernois 14. Oktober – Andrew Young & Band 16. Oktober – AMBROS pur! Volume IV 27. Oktober – Nina Hartmann „Schön, dass es mich gibt“

info Telefon: 01/40 777 40; Web: wiener-metropol.at Adresse: Hernalser Hauptstraße 55, 1170 Wien

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Das Lied vom Tod

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Am 9. und 30. September finden die ersten zwei Qualifying-Termine der Planet Festival Tour in der Wiener ((szene)) statt, u.a. mit Ghost & Benefits, die am 29. im Wiener Chelsea gemeinsam mit Manic Youth ihre Debüt-EP vorstellen. Ebenfalls sein neues Album vorstellen wird der Elektropop-Feingeist Lovecat am 6. im Wiener B72, am 14. spielen Harakiri for the Sky vor den klirrend-kalten Wiegedood aus Belgien im Salzburger Rockhouse, tags darauf die rotzigen Jack Frost im Vorprogramm von Novembre und am 22. Ghouls Come Knockin’ ebda.

Anschnallen und festhalten! Die Wiener Metal-Punk’n’Roll-Combo Ewïg Frost veröffentlicht mit „No Dïce“ ihr drittes Studioalbum und beweist damit, dass Lemmy zwar gestorben sein mag, seine Legende aber unaufhaltsam weiterlebt. TEXT: ROBERT FRÖWEIN

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„No Dïce“ ist im August erschienen.

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s gibt sie auch in Österreich. Die Band, welche die klirrendkalte Coolness von Darkthrone mit der „Fuck Off“-Attitüde Motörheads, der rohen Vehemenz Venoms und dem vertonten Rotz von Nifelheim kombiniert. Es ist nur konsequent, dass

sich das harsche Drei-Mann-Outfit Ewïg Frost nennt und ihren Hörern ein nonchalantes „Keine Chance!“ vor die Füße spuckt. „No Dïce“ ist nämlich der Albumtitel des dritten Studiorundlings der Wiener, auf dem sich die Legionen der Finsternis einen teuflischen

Fotos: Adrian Covalschi, Hersteller

Ewïg Frost feiern die Veröffentlichung von „No Dïce“ am 16. September mit Deathstorm und Gästen im Wiener dasBach, sowie am 30. im Kapu Linz. Am 8. Oktober spielen sie am Never Too Old To Pogo Festival.

Ewïg Frost Wien und der Tod, das ist eine ganz besondere Geschichte. Die drei Herren aus Wien werden dem Gevatter habhaft.


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MUNDPROPAGANDA Hören Sie mal rein!

Kampf mit Gevatter Tod liefern. „Entweder du wirst mit einem Ass beglückt, oder es hagelt Bomben“, erzählt uns Sänger und Sprachrohr Niitro, „das Leben ist wie ein Würfelspiel mit dem Tod. Der eine gewinnt, der andere verliert. Es steht nicht in unserer Macht, irgendjemanden eine Chance zu geben oder nicht.“

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Apokalypse now Neben den programmatischen D-Beats und stumpf-punkigem Gitarrengehacke geben Ewïg Frost jetzt auch langsameren Passagen eine Chance, ohne die ursprüngliche Härte hintanzustellen. Über der ausgereiften Mischung aus Thrash-, Speed-, Heavy- und BlackMetal steht der Rock’n’Roll mit einer kräftigen Würze Punk als wichtigste Zutat über allem. „Uns ist es wichtig, keine musikalischen Grenzen zu ziehen, auch wenn wir uns schlussendlich immer in eine Richtung bewegen. Wichtig ist uns, eine Attitüde an den Tag zu legen, mit der wir uns identifizieren können.“ Die Songtitel lassen keine Zweifel aufkommen: „High Octane Anarchy“, „Atomic Release“ oder „Through Deserts And Dust“ sind nur einige wenige Beispiele für den apokalyptischen Soundsturm, der sich durch Mark und Bein bohrt, um sich kompromisslos in den Gehörgängen festzusetzen. Dialekt-Punk’n‘Roll Doch Ewïg Frost können auch anders – wie schon auf dem gefeierten Vorgänger „Dirty Tales“ haben Niitro und Co. auch auf „No Dïce“ wieder eine kräftige Portion Lokalkolorit auf den knapp halbstündigen Dreher gepackt. Wie etwa unlängst die HorrorbillyAushängeschilder Bloodsucking Zombies From Outer Space setzt man auch

bei den Ottakringern auf die Macht des Wienerlieds. „A Achterl aufs Sterben (Schenk nu an ei!)“ ist ein unwiderstehliches Gebräu aus heimischer Morbidität und treibender Instrumentierung. „Inspirationen für diese Art von Songs gibt es viele“, erklärt Niitro, „vom Heurigen gegenüber bei uns in Ottakring über Helmut Qualtingers „Schwarze Lieder“ und den morbiden Ruf Wiens, bis hin zur österreichischen Mentalität im Allgemeinen“. Dass der Dialekt langsam auch in härteren Gefilden Einzug hält, sieht Niitro grundpositiv: „Gerade im Underground erfreuen sich Texte im österreichischen Dialekt als Abwechslung zum dominierenden Englischsprachigen großer Beliebtheit. Ob das Wienerlied wirklich einen Aufschwung erlebt, ist aber schwer zu sagen.“ Nasse Busse Nur absolute Insider werden den Sinn hinter dem Album-Closer „13A“ erfassen, bei dem es sich um eine Wien bekannte Buslinie handelt. „Bis vor ein paar Jahren befand sich das BandHeadquarter auf der Wiedner Hauptstraße in der Nähe der Johann-StraussGasse. Da wohnte die ganze Band und wilde Partys waren vorprogrammiert. Doch nicht nur dort, sondern auch bei einem guten Freund, im Fachjargon ,Freiherr Von Jacobs‘ genannt, der für das nötige ,Nass‘ sorgte, weil die Donau doch ein gutes Stück entfernt fließt. Wer den Fluten nicht standhalten konnte, rettete sich in die Buslinie 13A.“ Wir retten uns vorerst zur Stereoanlage, und lassen uns von „No Dïce“ die Haare bürsten. Ewïg Frost lassen uns ohnehin keine andere Chance.

weiterlesen? f iew lesen Sie au Das volle Interv om .c in az ag m www.ticket

Die folgenden Veröffentlichungen sollten in keinem gut sortierten Plattenschrank fehlen. Oder? (rf)

Dystrust – Shutting Out Fair Daylight Genickbruch gefällig? Der Bastard aus Hardcore, Thrash- und GrooveMetal garantiert Propellerrotationen!

The Boys You Know – Elephant Terrible Ein Roadmovie mit Neil Young, Fleetwood Mac und Dinosaur jr in den Hauptrollen. Balsam für die Seele!

Porn To Hula – Big Cups ‘N’ Refills Ein einzigartiges, aber nicht allzu leicht verdauliches Heavy/Stoner-Riffgebräu mit sarkastisch-ironischen Texten.

WarHoles – Trouble, Beautiful Trouble Ein dreckiges Debüt voll rauer Schönheit und Dosenbier-Feeling in bester Royal-Blood-Manier.

V.A. – Wien.Musik 2016 Ein bunter Querschnitt durch die Donaumetropole, von „Dialektwuchteln“ über Garage bis hin zu Electrobeats!

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September pion m a h C t h g i F Tips Final

ship

Mit Dion Staring, Shkodran Weseli, Norman Parke u.a. Dies ist einer der am schnellsten wachsenden Kampfsportevents in Europa und den USA. Am 23. September erwarten euch gleich 4 Titelkämpfe und der internationale KickboxTopstar Robin Van Roosmalen im „Mainevent of the evening“. Das Konzept ist einzigartig: Eine Kombination aus „MMA“ (Mixed Martial Arts) und „K1“ (Kickboxen) Kämpfen höchster Qualität – top organisiert und moderiert, in Form einer live TV-Produktion, die weltweit auf mehr als 50 Sendern ausgestrahlt wird. Info: ffc-austria.com

The Tallest Man On

Earth

The Art Of Song Inspiriert von Folkmusikgrößen wie Bob Dylan, Pete Seeger und Woody Guthrie begann Kristian Matsson bereits als 15Jähriger mit dem Schreiben seiner ersten Lieder. Seit 2006 begeistert der Schwede unter dem Pseudonym The Tallest Man On Earth sein Publikum weltweit. Er gilt als außerordentlich begabter Texter, der in seinen Folksongs persönliche Schicksalsschläge musikalisch und lyrisch verarbeitet. Bevor steht uns ein feinfühliges Konzert, unterstützt von zwei Shooting Stars der Szene: Markus Svensson aka The Tarantula Waltz aus Stockholm sowie die oberösterreichische Liedermacherin AVEC.

17., Wiener Konzerthaus

23., TipsArena Linz

Wovenhand

Das Musical mit den Liedern von Udo Jürgens Es ist über zehn Jahre her, als die Idee entstand, mit den Liedern von Udo Jürgens ein Musical zu schaffen. Er selbst war einer der treibenden Kräfte und erfüllte sich einen Traum. „Ich war noch niemals in New York“ wurde seit der Uraufführung zu einem internationalen Erfolg und wird nach dem Tod von Udo Jürgens zu seinem musikalischen Vermächtnis. Das Musical mit 20 seiner größten Hits ehrt „den größten deutschsprachigen Popstar der vergangenen Jahrzehnte“!

Ich war noch niemals in New York Star Treatment David Eugene Edwards führt seine in Denver, Colorado ansässige Band Wovenhand diesen Herbst zurück nach Europa, um mit ihrer sehr eigenen Form des Rock'n Roll das Publikum zu umgarnen. 14 Jahre nachdem Wovenhand mit ihrem selbstbetitelten Debüt das Tageslicht erblickte, legt Edwards, dessen gebärfreudige Arbeit hier und davor mit den legendären 16 Horsepower eine ganze Generation von Musikern beeinflusst hat, jetzt das 9. Album, „Star Treatment”, vor – dröhnende Gitarren und treibende Percussion inklusive! 17. September, Wien & 20. September, Salzburg

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3. bis 11., Salzburgarena (im Oktober in Bregenz!)

Fotos: beigestellt (Wovenhand) Cameron Wittig (The Tallest Man On Earth) Show Factory (Ich war noch niemals in New York) www brix at (Brix) Max Parovsky (Julian le Play) Harri Mannsberger (Michael Seida) FFC Austria (FInal Fight Championship)

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Julian le Play

Zugvögel Julian le Play hat einen Tick: Er bleibt nicht gern am selben Fleck. Mit dem Kopf in den Wolken, das ist er ohnehin stets. Doch die schönsten Abenteuer sind nicht nur im Kopf: Reisen ist Leben. Am Fenster stehen, Sterne zählen, so fängt es immer an mit dem Fernweh. Und dann: Rucksack packen, Abteil suchen, den Fahrtwind im Gesicht spüren. Der Sonne hinterher. Und sich an der unbändigen Lust erfreuen, alles hinter sich zu lassen: so klingt sein drittes Album „Zugvögel“, das in Österreich nun Goldstatus erreicht hat!

Fotos: beigestellt (Wovenhand), Cameron Wittig (The Tallest Man On Earth), Show Factory (Ich war noch niemals in New York), www.brix.at (Brix), Max Parovsky (Julian le Play), Harri Mannsberger (Michael Seida), FFC Austria (FInal Fight Championship)

2., Festung Kufstein, 9., Arena Wien Open Air, 10. Kasemattenbühne Graz (im Oktober im Linzer Posthof)

Michael Seida

16., Wiener Metropol & 27., Wiener SiMM City

Best Of und CD-Präsentation Michael Seida im Smoking mit Cowboyhut berührt, ist erdig und authentisch. Mit dem gewissen Etwas in der Stimme, dem Entertainment im Blut und dem Groove in den Hüften garantiert er in seinen Konzerten für Weltklasse-Unterhaltung, im Rahmen seines Best-Of-Programms mit Liedern und Tänzen aus „Am Weg“, Rat-Pack“, „Seida singt Sinatra“, „Leben“ und „Augn auf dein Traum“. Am 30. des Monats erscheint die lang ersehnte Live-CD/DVD „Aufn auf dein Traum & Leben Tour“, die in der Wiener SiMM City live mit Sessions Band vorgestellt wird!

rix B r e n r e W

Zuckerl Bevor er wieder einmal ein neues Gericht in seine Speisekarte aufnimmt, gönnt Brix sich und seinen Fans ein Menü aus den Lieblingsgerichten der letzten 20 Jahre. Und die Auswahl ist entsprechend groß: leicht Verdauliches und doch reichlich Verziertes, wie die Commedia aus dem Karton oder Pinke-Panke, der freche Charmeur, müssen genauso auf die Liste der Gänge, wie hintergründig Zubereitetes mit scharfem Abgang á la Weltpolitik. Oh ja! Das Wasser läuft uns schon zusammen … ab 29., Kulisse (Premiere)

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Can’t Stop The Seit über zwei Dekaden im Business, und noch kein bisschen leiser: Kaum eine Band nimmt im deutschsprachigen Raum einen ähnlichen Status wie Scooter ein. Fans können sich am Beatpatrol Festival auf ein Wiedersehen mit H.P. Baxxter und Co. freuen. TEXT: AMINA BEGANOVIC

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termine Das Beatpatrol Festival findet am 25. Oktober im VAZ St. Pölten statt. Mit dabei sind neben Scooter u.a. Robin Schulz, Gudrun von Laxenburg, Netsky, Steve Aoki, Deorro u.v.m.!

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Trio Infernale Scooter, das sind: Michael Simon (links), H.P. Baxxter und, seit 2014, Phil Speiser.

Genre einen ähnlichen Status einnimmt. Warum das so ist, wissen Frontmann H.P. Baxxter, mit bürgerlichem Namen Hans Peter Geerdes, und seine Mannen auch nicht so genau: „Wir haben uns schon in den 90er-Jahren gewundert, dass es da keine andere Band gibt. Es gab DJs ohne Ende, aber so einen richtigen Live-Act kaum, außer The Prodigy aus England. Ich weiß auch nicht, wieso“, wunderte sich der wasserstoffblonde Sänger selbst 2014 in einem Interview mit der Kronen Zeitung. „Move Your Ass!“ Was nicht heißt, dass Scooter im Laufe der Jahrzehnte nicht auch ihr Fett an Kritik abbekommen haben. „Immer der selbe

Baller-Sound“ oder „Kirmes-Technoband“ gehörten noch zu den schmeichelhafteren Bezeichnungen, die ihnen Musikkritiker und Szene-Kollegen an den Kopf geworfen haben. Dennoch füllten ihre Fans unermüdlich die Konzerthallen, trotz mancher Talfahrten. Auch mit ihrem jüngst veröffentlichten Album „Ace“ hat das Trio seine Kritiker schlussendlich erneut zum Schweigen gebracht. Das Erfolgsgeheimnis des „Scooter-Phänomens“? Vielleicht gerade die sancta simplicitas ihres Stils, dem sie trotz zahlreicher Verrisse und auch Mitgliederwechsel stets treu geblieben sind: Bewusst größenwahnsinnige Bühnenshows, gängige, zum Mitstampfen animierende Melodien und Techno-Beats, die das englische Befehls-

Fotos: Paul Ripke, Gudrun von Laxenburg

an kann sie lieben oder hassen, Fakt ist: Die oftmals viel bemühte Bezeichnung „Kultband“ trifft auf die deutsche Rave-Techno-Formation Scooter wie die HyperFaust auf‘s Auge. Denn lässt man ihre bereits über 20 Jahre andauernde Karriere Revue passieren, muss man sich anstrengen, eine andere deutschsprachige Band mit ähnlichen Erfolgen zu finden: Über 30 Millionen verkaufte Tonträger gingen seit ihrer Gründung anno 1993 über den Ladentisch, der große Durchbruch kam bereits 1994 mit der Stampf-Hymne „Hyper Hyper“, die europaweit zum Hit wurde – kein Wunder, war es doch die Blütezeit von Loveparade und Co. Der Song wurde zum Techno-Party-Schlachtruf für eine ganze Generation, Scooter manifestierten sich als Herrscher am BeatOlymp, ohne als One-Hit-Wonder zu versauern. Im Gegenteil: Bis 2014 veröffentlichten sie insgesamt 17 Alben mit satten 23 Top-10-Charttiteln und sammelten nebenbei über 90 Gold- und Platin-Awards rund um den Globus ein. And the beat goes on. Bis heute gab und gibt es keine Musikgruppe, die in ihrem


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e Hardcore mixtape Ebenfalls mit dabei am Beatpatrol ist die heimische TechnoPunk-Band Gudrun von Laxenburg. Zur Einstimmung aufs Festival haben uns die drei sympathischen Wiener ein Mixtape ihrer Lieblingshits zusammengestellt! Die Playlist findet ihr auf unserem YouTube-Channel youtube.com/ticketmagazin! Daniel wählt:

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The Shoes – „Time to dance“: Diesen Song begleitet nicht nur ein beeindruckendes Video, er verbindet auch roughe, dreckige Punkrockattitude mit großartigen Synthesizer-Klängen. Digitalism – „Idealistic“: Dieses unglaubliche Album mit dem scheppernden Track „Idealistic“ hat mir die Ohren auf Anschlag zurückgelegt! Der mittenlastige und scharfe Sound in der Elektronik war etwas komplett Neues für mich und wurde von mir abgefeiert. LCD Soundsystem – „Someone Great“: Wenn ich jemals eine Ballade schreibe, sollte sie so klingen! James Murphy ist einer der genialsten Produzenten der Gegenwart, sein Können an den Synthesizern ist unangefochten. Erasmus (aka Soulwax) – „Ti Ricordi Di Me (Belgica Soundtrack)“: Soulwax waren immer eine große Inspi-

haber-Shouting von H.P. Baxxter tragen, der mit stoischer Miene Kommandos in die Mengen brüllt. „We’re Getting Faster – Harder – SCOOTER!“, „How Much Is The Fish“, oder „Move Your Ass!“ heißt es da wenig tiefgründig, was aber dennoch – oder gerade deswegen – für kollektives

ration für mich. Ihr Auftritt vor rund zwölf Jahren am Frequency war mein Augenöffner für elektronische Musik und wegbestimmend für Gudrun von Laxenburg. July wählt: Nerve – „Loot“: Nerve ist die Band des weltbekannten Drummers JOJO Mayer. JOJO Mayer war schon immer eine große Inspiration für die Umsetzung von elektronischen Beats auf einem akustischen Drumset. Boys Noize – „Let’s Buy Happiness“: Jeder Sound trifft. Ich liebe es, wie Boys Noize es mit diesem Track geschafft haben, aus wenig Sounds Großes heraus zu holen und eine harte Attitude zu erzeugen. Christoph wählt: DJ Shadow – „Nobody Speak (feat. Run The Jewels)“: Großartiges neues Album, DJ Shadow hat sich selbst wiedererfunden, ohne dabei zu klingen, als versuche er, sich selbst oder andere zu kopieren. Hip Hop at its best! Daft Punk – „Derezzed (Tron Legacy Soundtrack)“: Ein unterschätztes Werk, das viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat und definitiv besser als das Remake des Films ist. Der Track dauert nur 1,5 Minuten, aber das Riff hat es in sich. Justice vs. Simian – „We are your Friends“: Mittlerweile zehn Jahre alt, demonstriert der Song das gelungene Mashup eines Indie- vs. Electronic-Acts.

Auszucken auf den Dancefloors sorgt. Apropos „Move Your Ass“: Ausreichend Gelegenheit dazu gibt es am Beatpatrol, auf dem Scooter als Special Guest Feuer unterm Allerwertesten machen werden. In diesem Sinne: „Döp Döp Döp DöDö Döp Döp Döp …“

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!ticket highlights

Classic Meets Musical Wien wird einmal mehr Schauplatz eines außergewöhnlichen Konzerterlebnisses: Die Stars von Plácido Domingo‘s Gesangwettbewerb „Operalia“ – Angel Blue und Stefan Pop – geben gemeinsam mit dem Musicaldarsteller Uwe Kröger ein einzigartiges Stelldichein und zeigen, dass Musik über jegliche Stilrichtungen und Grenzen hinweg verbindet. Bei diesem „Rendezvous“ kommen Musikliebhaber in den Genuss besonderer Impressionen aus Musical und Oper. 18. Oktober, Wiener Konzerthaus

Dangerous Games Nach fast zwei Jahrzehnten des Siegeszuges rund um den Globus hat Stepp-Superstar Michael Flatley seiner Produktion ein leicht verändertes Aussehen verliehen, während die wesentlichen Elemente von Story und populären Tanzformationen erhalten geblieben sind. Lord of the Dance zeigt sich in einer von riesigen LED-Wänden geprägten Kulisse und leicht variierten Kostümen als eine Art „Best of“, das den Fans ein brillantes Wiedersehen mit diesem Hit und 40 herausragenden Tänzern beschert.

Lord of the Dance

2. Oktober, Innsbruck & 4. Oktober, Salzburg Mit Disturbed 2014 rockten A7X am Nova Rock und 2017 kehren sie nach einem unvergesslichen Auftritt 2013 endlich wieder in die Wiener Stadthalle zurück! Nach ihrer Asientour 2015 verkroch sich die Band ins Studio, ihr neues Album soll noch dieses Jahr erscheinen. Mit im Gepäck sind auch Disturbed, die spätestens seit ihrer Neuinterpretation des zeitlosen Hits „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel nicht mehr aus den Charts wegzudenken sind und bereits ihr aktuelles Album „Immortalized“ am Start haben.

Avenged Sevenfold Amanda Palmer Lots of feelings, lots of ridiculousness. Wer jemals schon eine Performance von ihr gesehen hat, sei es als eine Hälfte des Punk-Cabaret-Duos The Dresden Dolls, oder als Solokünstlerin und Teil von Evelyn Evelyn, wird zustimmen, dass Amanda Palmer ihre Kunst lebt. Und nun ist die Queen ist zurück! Ihr aktuelles Album „You got me singing“ – ein Duett-Album mit ihrem Vater Jack Palmer – ist im Juli gerade erst erschienen. Es finden sich darauf 12 Coversongs, von Sinéad O'Connoer über Leonhard Cohen bis Richard Thompson. 28. Oktober, WUK Wien

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23. Februar, Wiener Stadthalle (D)

Fotos: Show Factory (Lord of the Dance), FMS (Avenged Sevenfold), Kyle Cassidy (Amanda Palmer), Jack Hill / Lucian Enasoni / Stefan Gergely (Rendezvous in Wien)

n Rendezvous in Wie


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Tullnerfelder Kultur Auch diesen Herbst beweist die Region in Niederösterreich, das Tullnerfeld, ein feines Gespür für das Beste aus Klassik, Weltmusik, und Kultur.

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ans Theessink, Stella Jones und Andrew Young sind nur drei der großen Namen, die diesen Herbst im Tullnerfeld gastieren werden. So freuen wir uns auch auf Günter Seifert am 8. Oktober im Berghotel Tulbingerkogel, sowie auf das Neujahrskonzert der Wiener Strauss Company, die ebendort am 5. Jänner für einen genussvollen Jahreswechsel verantworlich zeichnen wird!

Andrew Young Der Liverpooler Star-Saxophonist wird als Spezialgast am 26. November vor Stella Jones im Danubium Tulln gastieren!

Hans Theessink Gemeinsam mit der Schauspielerin Konstanze Breitebner gibt sich der Musiker am 21. Oktober im Stalltheater Königstetten die Ehre!

Fotos: MVM

Stella Jones Natürlich gemeinsam mit ihren fantastischen American Gospel Singers gastiert die großartige Stella Jonaes am 26. November im Danubium Tulln.


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MUNDPROPAGANDA PATRICE

Die folgenden Veröffentlichungen sollten in keinem gut sortierten Plattenschrank fehlen. Oder? (sb)

LIVE

Motorowl – Om Generator Eine der besten, dabei aber auch jüngsten Nachfahren der „wilden Siebziger“ – mit einer sirenenhaften Hammond.

LIVE Life’s Blood

LIVE

Opeth – Sorceress Derart wuchtig hat man Space Rock noch nicht erlebt – wie wenn ein Hippo auf Zehenspitzen über die Blumenwiese tappst.

Blut bringt Leben. Ohne dem Pulsieren des Herzens, mit einer Druckwelle von etwa 6 Metern pro Sekunde, wäre rasch Schluss mit lustig. Treffend, dass das 7. Album des deutschen Reggae-Ausnahmetalents, Sohn eines der großen Intellektuellen Afrikas und einer deutschen Mutter, nicht nur mit „Life’s Blood“ betitelt ist, sondern dabei den Bass auch pumpen lässt, wie Sau. Seit jeher

MEAT LOAF Nosound – Scintilla Mit pastoraler Feinfühligkeit, aber ohne geifernden Bombast reduzieren die Italiener Post-Prog auf seine Quintessenz.

JaKa – The Golden Anthropocene Artensterben, Klimawandel, Ozonloch, Vermüllung: Punkige Krachgeschichten über die Zerstörungswut des Menschen.

The Tiger Lillies – Madame Piaf Eine ureigene Retrospektive auf das missliche Leben des Pariser Spatzes – ein gequältes Borderline-Punk-Cabaret!

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Braver Than We Are Wie ungestüm kam ich mir Ende der Volksschulzeit vor, als plötzlich Meat Loaf aktuell wurde, zuvörderst mit „Bat Out of Hell“: Es war die erste Vorstufe zur Höllenfahrt, die nur wenig später mit Metallica und Guns N’ Roses eingeläutet wurde. Bis heute kann sich der „Fleischklops“ einer gewissen Coolness nicht verwehren, wenngleich sich sein größtes Geschick doch auf den frühen Jim-Stein-

zeichnet der Kölner für Musik verantwortlich, die bewegt: zur Euphorie und zum Kollektiv. Dies gelingt ihm mit schmeichelnden Singalong-Passagen, die kappen, was uns festhält – die Gravitation der Gesellschaft –, damit wir uns locker machen, aufbäumen, empor schwingen können. In der Vergangenheit wurde mokiert, er hätte sukzessive die Ecken und Kanten seiner hervorstechenden Alben „Ancient Spirit“ und „Nile“ verloren, hätte zu glatt produziert: Hier war bereits der Vorgänger „The Rising of the Son“ ein gelungener Schritt zurück, „Life’s Blood“ ist aber noch ein gutes Eck dramatischer und unverkrampfter geraten, er umkreist zwar erneut die „großen Themen“, aber kaum betulich-belehrend. Es ist schlichtweg ein Album, das das Leben feiert und gleichzeitig das Zusammenleben beschwört, und dabei gekonnt von Reggae über Roots in Ska und Dub mäandert. (sb)

3/5

man-Kompositionen zeigte. Steinman, bekannt für das ureigene Wagnereske – u.a. auch in „Tanz der Vampire“ und bei Bonnie Tyler – ist nun glücklicherweise nach einem von Differenzen geprägten Jahrzehnt auch wieder mit an Bord und lässt das 13. Album in altem Glanz erstrahlen; Wohlgemerkt mit Fokus auf symphonischen Bombast denn hart rockende E-Gitarre, wenngleich für die Produktion erneut der ehemalige Anthrax-Gitarrist Paul Crook verantwortlich zeichnet. Gerade das opulente „Going All The Way“, ein Duett mit den altbekannten Sängerinnen Ellen Foley & Karla DeVito, geriet zu einem Melodram, das mühelos an „Paradise by the Dashboard Light“ und „I’d Do Anything for Love“ heranreicht. „My songs are anthems to those moments when you feel like you’re on the head of a match that’s burning,“ sagt Steinman – und dies ist ihm wahrlich gelungen. (sb)

4/5

Fotos: Hersteller

Hören Sie mal rein!


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!ticket media BEGINNER

LIVE Advanced Chemistry Nach 13 Jahren bringen die Beginner endlich ein neues Album heraus. Die drei Hamburger haben sich einiges an Zeit gelassen – der Hype ums Comeback ist da, aber ist er auch gerechtfertigt? Die ersten Songs des Albums überzeugen auf ihre eigene Art und Weise: es macht Spaß Eizi Eiz (stilistisch gewachsen an seinen Soloprojekten als Jan Delay) und Denyo zuzuhören, genau wie anno ‘99.

Da hilft es auch, dass Dendemann und Samy Deluxe sich als FeatureGäste anbieten und – wie nicht anders erwartet – überzeugen. Mit „Rambo Nr. 5“ ändert sich dies aber – auf einaml fällt auf, wie glattpoliert und fast schon steril die Beats wirken, wie uninspiriert manche Textzeilen sind und wie wenig dem Duo behäbigere Beats liegen – aber diese bilden jetzt den Großteil des Unterbaus der Songs. Der Funke will nicht so recht überspringen und die Leichtigkeit und der Spaß der ersten Songs macht sich nicht mehr bemerkbar. Eine große Ausnahme bietet „Thomas Anders“, auch dank eines Spitzenparts von Megaloh, aber irgendwie lockert er nur die leider eher lahme Stimmung des letzten Albumdrittels auf (Haftbefehl auf „Macha Macha“ ist kaum erwähnenswert). Letztlich ist „Advanced Chemistry“ ein grundsolides Album, dem hintenraus aber die Luft ausgeht. (em)

3/5

KYLE GASS BAND

LIVE

Thundering Herd Mit dem eigentümlichen Charme und Witz von Tenacious D kann KGB nicht mithalten – aber auf Schenkelklopfer ist man beim Projekt der musikalischeren Hälfte ja auch nicht angewiesen: Viel mehr noch als am Debüt zeigt Kyle Gass samt der wild galoppierenden Horde sein Geschick, eingängigen Classic Rock zu schreiben, der irgendwo zwischen California und den Südstaaten pendelt. (sb)

MYRKUR SPORTFREUNDE STILLER

Sturm & Stille „Pessimismus hat eine reaktionäre Komponente, Pessimismus hat keine Vision, keine Perspektive“, stellt Rüdiger Linhof, bassender und singender Sportfreund fest. Dass Optimismus (beinahe ist man versucht, noch das Suffix „Zwangs-“ voranzusetzen) seit jeher der Motor der Sportis war, ist offensichtlich bei all den nasal-öligen Selbsthilfegruppensongs mit gelegentlich romantischem Un-

terton, die in den letzten 20 Jahren feilgeboten wurden – Hamburger Schule, nur dabei eben Grinsen wie ein Hutschpferd auf Happy Tabs. Denn wo die Hamburger Poesie und Emotion transportieren, und nur in ihrem elaborierten Bedacht manchmal auf die Eier gehen, enervieren die Sportfreunde mit einem GZSZMelodram. Dass dabei die Handlungsbögen das Niveau eines Volksschulaufsatzes haben, passt zum fadisierten Quengeln wie die Faust aufs Auge. Zu allem Überfluss haben die Münchner zudem auch noch ein Händchen für griffige Hooks im Sinne des halbgaren, radiokompatiblen Formatpops: Wenn man sich anstatt eines Luftschlosses ein Stadion erbauen will, sind Ecken und Kanten unerwünscht – die Masse will es flauschig und pauschig, platte Betroffenheit als kollektives Zusammengehörigkeitsgefühl ist aber auch ein Zeitgeistproblem. (sb)

2,5/5

Mausoleum Die Dunkelheit („myrkr“) ist der Inbegriff norwegischen Black Metals, doch beim dänischen Model Amalie Bruun prallt dieser nihilistische Strudel auf ein liebreizendes Stimmchen und sanft-ambiente Klänge, wirkt somit beinah geisterhaft-kristallin, insbesondere, wenn wie hier live von Klavier, Akustikgitarre und Mädchenchor begleitet, imposant tönend aus dem Emanuel Vigeland Mausoleum. Schier ergeifend. (sb)

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!ticket media

Gotta catch ‘em all Nicht nur in den Häuserschluchten der Großstadt herrscht bei glühender Hitze gähnende Leere, nein auch am Gaming-Sektor ist das leider alljährlich oft der Fall. Zwei Titel konnten uns dennoch aus dem Loch herausreißen: Laue Sommerabende gab’s „inside“ mit dem gleichnamigen feinen Indie-Spiel, tagsüber ging’s nach draußen – wie könnte es anders sein: mit Pokémon Go. TEXT: JOACHIM SCHMIDA

ungstwicklon n E e i D v stufenn Jo: o m Poké o, Barto g r D eitauschbarto. e a R ig und s einzm Typ a d t s Er i n, das de en Pokémot“ zuzuordnbige „Zei kann sel r ist, erlangsamen. e v

gameboy JO

Spielwiese Jeden Monat stellt euch Joachim Schmida eine Auswahl der besten Konsolenspiele vor. Faszinierend, was sich in der Game-Welt so tut!

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Pokémon Go (Niantic für iOS und Android) Plus: Zugegeben, der Schreiber dieser Zeilen war noch nie so recht von den japanischen Taschenmonstern angetan. Drei Gründe, warum die Free-To-Play App schlussendlich doch fasziniert: Die Augmented-Reality-Technologie, die Pikachu & Co. an den ungewöhnlichsten Orten erscheinen lässt. Die gut funktionierende Anbindung an Google Maps, die einen nebenbei auch die eigene Umwelt näher bringt. Und last but not least, das Massenphänomen selbst. Minus: Viele klassische Spielelemente besitzt Pokémon Go nicht – und sofern diese vorhanden sind, sind sie nicht sonderlich gut (Stichwort ArenaKämpfe). So könnte man es auch eher als ein Social Media-Experiment definieren. Fazit: Der Hype ist (beziehungsweise eventuell: war) trotzdem gut. Denn Pokémon Go gelingt es, Games generell in der Öffentlichkeit wieder in einen anderen Blickwinkel zu rücken – und das in Zeiten, in denen diese ohnehin gesellschaftlich und medial wieder undifferenziert an den Pranger gestellt werden.

Fotos: Hersteller

Inside (SCEE für Xbox One, PC) Plus: Der Limbo-Nachfolger ist ästhetisch schlicht brillant, atmosphärisch packend düster und dramaturgisch äußerst beklemmend. Das alles gepaart mit kleineren Rätseln plus einer bewährten Spielmechanik machen Inside zu einem nachdenklich stimmenden, bizarr schönen Gesamtkunstwerk. Minus: Die audiovisuellen Mittel, die zum Teil derart verstörend wirken, hätten auch etwas weniger drastisch ausfallen können. Fazit: Was Metropolis für den dystopischen Film war, kann gut und gerne Inside für das dystopische Spiel werden: wegeweisend und einzigartig.


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Cirque du Soleil kehrt zurück!

Foto: Cirque du Soleil / oeticket.com

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it „Amaluna“ feiert am 9. März im Grand Chapiteau-Zelt, das im dritten Wiener Bezirk in Neu Marx aufgeschlagen wird, endlich wieder eine der großen Zeltshows des Cirque du Soleil in Wien Österreich-Premiere! Unter einer Lichtkuppel agiert eine Auswahl der besten Akrobaten der Welt in opulenten Fantasiekostümen, umrahmt von mythologisch-mysteriösen Kulissen und untermalt von Originalkompositionen, die wie stets live dargeboten werden. Ab 12 Personen bieten wir Ihnen gerne eine Ermäßigung an. Bei einer längeren Anreise empfiehlt sich das

!ticket service

Spezialangebot „Ticket + Hotel“ um die Show entspannt genießen zu können (nur für bestimmte Spieltage verfügbar). Für das ultimative Veranstaltungserlebnis bieten wir Ihnen an ausgewählten Tagen einen ganz besonderen Komfort an – unsere VIP Rouge und Lounge Tickets: Die VIP Rouge Tickets verschönern das Event mit einem Zutritt zur exklusiven VIPSuite bereits eine Stunde vor der Show und während der Pause, mit den besten Plätzen im Grand Chapiteau Zelt. Die Amaluna Lounge empfängt Sie schon 45 Minuten vor der Show und während der Pause inklusive offener Bar.

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!ticket spaß

Unser Bodenschatz Nur eine gute Schulbildung sorgt zum Beispiel dafür, dass unsere Kids wissen, dass es ohne die Liebe von Emanuel und Eleonore Schikaneder wohl kaum „Die Zauberflöte“ geben würde. Das passende Musical startet im Raimund Theater am 30. September. Einen Tag davor ist der 30. Todestag von Helmut Qualtinger. Leider wissen immer weniger Leute, wer der Qualtinger war. Dabei hat er so schöne Sachen gesagt wie: „Wenn Sie sich in einem Land befinden, in dem eine Partei regiert, während eine andere die Opposition stellt, dann sind

Sie in einer Demokratie. Wenn Sie in einem Land sind, in dem eine Partei regiert und keine die Opposition macht, weil sie verboten ist, dann ist das eine Diktatur. Wenn Sie sich in einem Land befinden, wo zwei Parteien regieren, die sich zugleich die Opposition machen, dann sind Sie in Österreich!“ Bildung ist sexy Meine Freundin Elke Winkens hat unlängst etwas sehr Kluges zum Thema Bildung gesagt: „Österreich ist ein Land ohne Bodenschätze. Unsere Kostbarkei-

STARREBUS

(

:

SEX SELLS Georg Biron

ten sind nicht Öl und Gas. Wir sind durch andere Werte reich und berühmt geworden – durch Allgemeinbildung und fachlich gute Berufsausbildung zum Beispiel. Das hat vielen Österreicherinnen und Österreichern das Tor zur großen weiten Welt geöffnet. Aber auch in Österreich selbst ist es vor allem die Bildung, die ein interessiertes Publikum für Kunst und Kultur garantiert und bei uns für ein weltoffenes tolerantes Klima sorgt. Dabei sollte die Gesellschaft nicht sparen.“

Raten und gewinnen! !ticket sucht in Form eines lustigen Rebus jeden Monat einen Künstler oder ein Event! Was könnte hiermit gemeint sein? Die Auflösung unseres letzten Rebus war „Sportfreunde Stiller”. Zu gewinnen gibt es ein !ticket-Überraschungspaket.

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Weitere Gewinnspiele: Seiten 28/29 und 42-44. Infos & Teilnahmebedingungen: ticketmagazin.com. Wir freuen uns auch über Postkarten: !ticket Eventmagazin, Betreff: Gewinnspiel & Wunschgewinn, Heumühlgasse 11, 1040 Wien. Einsendeschluss ist der 15. September 2016.

LASTNEWS 66|

Am Karfreitag d.J. spielten die Rolling Stones ein kostenloses Open-Air in Havanna, Kuba. Dieses wurde mitgeschnitten und wird einmalig am 23. September in heimischen Kinos gezeigt. Eine Woche später erscheint die aufwändige „In Mono“-Box mit allen Platten von ‘64 bis ‘69. Infos & Gewinnspiel: www.ticketmagazin.com

Fotos: moff, fotolia, beigestellt

Das nächste !ticket erscheint am 28. September 2016.


Endvolution. 75 Millionen Jahre Amazonas enden jetzt.

Greenpeace, Merlicek & Grossebner

Mach was dagegen!

ichnen: Jetzt Petition unterze m“ am ud ta „S t mi SMS* 30 30 0 66 64 06 an

*SMS-Preis laut Tarif, keine Zusatzkosten. Mit dem Absenden der SMS unterzeichnen Sie die Amazonas-Erklärung und stimmen zu, dass Greenpeace Sie kontaktieren darf. Greenpeace dankt dem ticket Magazin für die kostenlose Schaltung dieses Inserats.


HIGHLIGHTS

präsentiert

MAX RAA&BPaElast Orchester

„Eine Nacht in Berlin“

11.+12.10.’16 Wien, Stadthalle F 13.10.’16 Graz, Stadthalle 14.11.’16 Salzburg, Arena 21.11.’16 Linz, Tips Arena 10.+ 11.01.’17 Wien, Globe

GERNOT KULIS

„Kulisionen“

„Wild“

MICHAEL MITTERMEIER DR. ECKART VON HIRSCHHAUSEN

27.10.’16 Linz, Brucknerhaus 28.10.’16 Salzburg, Festspielhaus 29.10.’16 Wien, Stadthalle F 30.10.’16 Graz, Stadthalle

19.11.’16 Linz, Tips Arena 20.11.’16 Graz, Stadthalle 21.+22.11.’16 Wien, Stadthalle F

„Wunderheiler“

STEFFEN HENSSLER

„Henssler tischt auf“

02.11.’16 Innsbruck, Congress

DIETER NUHR

26.01.’17 Graz, Stadthalle 27.01.’17 Wien, Stadthalle D 28.01.’17 Linz, Tips Arena 29.01.’17 Salzburg, Arena

„Nur Nuhr“

„Kronk“

BÜLENT CEYLAN

11.05.’17 Salzburg, Arena 12.05.’17 Linz, Tips Arena 13.05.’17 Graz, Helmut-List-Halle 14.05.’17 Wien, Stadthalle F

aal 04./05.10.+ 03.11.’16 Wien, Stadts t sitä ver Uni t, fur 07.10.’16 Klagen 21.10.’16 Graz, Orpheum 28.10.’16 Leonding, Kürnberghalle ,weitere Termine 11.11.’16 Steyr, Stadtsaal auf gernotkulis.at ic ubl Rep rg, zbu Sal 16 11.’ 12.

06.01.’17 Salzburg, Congress 09.01.’17 Wien, Globe 10.01.’17 Linz, Posthof 31.01.’17 Innsbruck, Congress

„#HarrydieEhre“

HARRY G

06.02.’17 Salzburg, Arena 07.02.’17 Graz, Statdhalle 08.02.’17 Linz, Tips Arena 09.+10.02.’17 Wien, Stadthalle D 31.05.’17 Bregenz, Festspielhaus

SASCHA GRAMMEL

„Ich find’s lustig“

!ticket September 2016  

mit dem neuen VBW-Musical "Schikaneder", den Red Hot Chili Peppers, einem Interview mit Dr. Sandra Tomek von Hollywood in Vienna über "Filmm...

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