Page 1

14

reisen

Zuger Presse ⋅ Zugerbieter ⋅ Mittwoch, 15. Mai 2013 ⋅ Nr. 19

Discovery Card

Mit Kindern und ÖV durchs Tessin reisen Tessin Tourismus hat an Ostern die «Ticino Discovery Card» lanciert. Unsere Zeitung hat das neue Angebot getestet. Claudia Schneider Cissé

Wir geniessen das Mittagessen auf einer Restaurantterrasse direkt am See in Melide. Der Entscheid, in Melide zu übernachten, war gut. Wären wir angereist, um direkt ins Swiss Miniature zu gehen, hätten wir vermutlich den Charme des kleinen Ortes, die Uferpromenade, den Park am See nicht entdeckt. So aber waren wir am Morgen zeitig am Eingang der bekannten Sehenswürdigkeit und konnten uns in aller Ruhe über die «Dinosaurier», die kecken Echsen, amüsieren, welche die kleinformatigen Kathedralen und Schlösser in Beschlag nehmen. Wie wir nach ausgiebigem Rundgang die Anlage verliessen, passierten wir eine ansehnliche Warteschlange beim Eingang. Am Abend zuvor, nach dem Einchecken im Hotel, hatten wir den Zug nach Lugano genommen. Nur acht Fahrminuten trennen die beiden Orte.

Gespiegeltes Alpenpanorama und warmes Wasser Nach dem Mittagessen in Melide nehmen wir wiederum den Zug. Diesmal in Richtung Locarno. Dort ist das Abendprogramm gesetzt durch die Discovery Card. Sie ermöglicht einen Besuch im Lido. Eines der Aussenbecken ist jahrein,

Der Swiss-Miniature-Park ist bei vielen Besuchern des Tessins ein fester Bestandteil der Reiseplanung. jahraus in Betrieb: 34 Grad warm und herrlich entspannend. Die Abendsonne küsst das Alpenpanorama, gespiegelt in der Glasfassade des Schwimmbades. In der Schwimmhalle gibt es am Abend reichlich Platz zum Planschen, das Bad ist bis 21 Uhr geöffnet. Im Sommer, wenn alle Aussenanlagen am

Fotos Ticino Turismo

Dass sich die Kinder auf halbem Weg weigerten, im Kletterpark weiter zu gehen und wir Erwachsene erleichtert darüber waren, machte die Angelegenheit nicht besser. Wir fuhren also hoch zur Bergstation, wo auch die Rodelbahn nicht inklusive war, jedoch bei den Kindern für gute Laune sorgte. Beim Mittagessen auf der Terrasse des Gipfelrestaurants und dem Besuch der Kirche, die Mario Botta schuf, waren auch die Erwachsenen versöhnt.

Seeufer in Betrieb sind, ist das Lido ein Muss für Baderatten. Erst recht, wenn ab Juli das neu angebaute NaturSoleHeilbad eröffnet ist. Einen kleinen Dämpfer gibt es jedoch am Eingang zu den Rutschbahnen. «Bitte zahlen Sie 5 Franken», kommt da als Antwort auf den Badge. Es ist nicht das erste Mal, dass «all inclusive», wie es auf der Discovery Card heisst, relativ ist.

Herausforderung auf dem Monte Tamaro Am ersten Reisetag fuhren wir bis Rivera-Bironico, Ausgangspunkt für den Monte Tamaro. Die Kinder freuten sich auf den Kletterpark bei der Mittelstation. Vielleicht liegt es an der sommerlichen All-inclusive-Card in Arosa, die den Besuch des Kletterparks beinhaltet, dass ich die Augen verdrehte, als die Angestellte 47 Franken für einen Erwachsenen und ein Kind forderte.

Die grosse Freiheit auf dem Lago Maggiore Am letzten Reisetag zeigt sich, dass die Discovery Card als Mischrechnung durchaus funktioniert. Am Vormittag gehen wir damit die Flugvorführungen mit Greifvögeln in der Falconeria Locarno anschauen. Danach lösen wir mit der Karte am Schiffssteg Tickets

zu den Brissago-Inseln. Der Eintritt ist ebenfalls durch die Karte gedeckt. Wir geniessen Lustwandeln durch exotische botanische Gärten, den Eisbe-

«Es macht Sinn, dass die Karte innerhalb von sieben Tagen gültig ist.» cher auf der Terrasse der zum Restaurant umfunktionierten Villa und kommen im letzten Moment zurück zum Schiffssteg. Ob die Fahrkarte auch zurück gültig ist? Der Kontrolleur lächelte und meint: «Damit können Sie den ganzen Tag auf dem See herumfahren.» Die Discovery Card beinhaltet eine Art «Kreditkarte» für den Besuch von Sehenswürdigkeiten und Schifffahr-

Preisvergleich

Traumhaft: der Parco Giani in Lugano.

Eine gute Planung ist Voraussetzung Damit die Discovery Card einiges bringt, sind gute Planung und ein straffes Programm Voraussetzung. Deshalb macht es Sinn, dass die Karte innerhalb von sieben Tagen gültig ist. Mindestens einen, besser zwei Tage zum reinen Entspannen sind ideal in Ergänzung zu den Programmtagen. Unabhängig von der Karte war es für Kinder und Erwachsene wunderschön, mal wieder das Tessin zu erleben.

Discovery Card

Die beschriebene Reise ist nur eine von vielen Varianten, die Discovery-Card zu nutzen. Wir haben nachgerechnet, ob sich die Karte bei dieser Reise gelohnt hat. Basis: Halbtax-Abo und SBB-Familienkarte.

Vom Wasser umspült: die Brissago-Inseln im Lago Maggiore.

ten. Zudem eine Stempelkarte für drei Einzeltage, die zur freien Fahrt mit Bahn, Bus und Postauto innerhalb des Tessins berechtigt. Beim Kind bleiben die drei Tage unbenutzt, da wir eine SBB-Familienkarte haben. Beim Erwachsenen bleibt ein Streifen offen, den ich dann abstemple, um die Rückfahrkarte erst ab Airolo zu lösen.

Mit Karte, Erwachsene

Mit Karte, Kind

Ohne Karte, Erwachsene

Ohne Karte, Kind

Monte Tamaro, inklusive Kletterpark

28

19

39

27

SBB Rivera-Melide Tageskarte

0

0

6.20

0

Swiss Miniatur

0

0

19

12

SBB Melide-Locarno

0

0

7

0

Lido Locarno, inklusive Rutschen

0

5

12

10.50

Falconeria Locarno

0

0

20

15

Tageskarte Lago Maggiore

0

0

29.30

14.70

Brissago-Inseln

0

0

8

2.50

Discovery Card, Basis Halbtax

77

47

Total

105*

71

140.50

81.70

* Plus rund 7 Franken für die eingesparte Rückfahrtstrecke Locarno–Airolo, oder beispielsweise eine Postautofahrt in eines der Täler.

Die meisten Bahnen sind inbegriffen Die Karte berechtigt an drei von sieben hintereinander folgenden Tagen zur freien Nutzung von Bahn, Bus und Postauto innerhalb des Tes­ sins. Im Angebot sind auch die meisten Bergbahnen, ebenso die meisten Museen und Schwimmbäder. Inbe­ griffen sind ausserdem der Sake Golf Losone, Swiss Mi­ niature, Parco Scherrer Mor­ cote, Brissago-Inseln und die Falconeria Locarno. Mit Halbtax kostet die Karte für Erwachsene 77 Franken, ohne 87 Franken, für Kinder 47 Franken. Beziehen kann man die Karte bei SBBSchaltern, Tourismusbüros, einigen Hotels und Trans­ portunternehmen. Online ist die Karte mit den detaillier­ ten Angeboten schlecht les­ bar, besser man bestellt sie ins Haus, um genau planen zu können. Weitere Informa­ tionen: www.ticino.ch csc

Zuger Presse_Switzerland_May 2013  

Author: Claudia Schneider Cissé

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you