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Tessin generell Kulturell 28.10.2011 Syndicom / Die Zeitung Schichten der Erinnerung

ARGUS der Presse AG

Rüdigerstrasse 15

CH-8027 Zürich

Tel. +41(44) 388 82 00

Mail mail@argus.ch

www.argus.ch

Tirage

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36'000

1


Date: 28.10.2011

Redaktion comtext 3027 Bern 031/ 939 52 11 www.gewerkschaftkom.ch/comtext

Genre de média: Médias imprimés Type de média: Presse spécialisée Tirage: 36'000 Parution: 21x/année

N° de thème: 278.10 N° d'abonnement: 1049894 Page: 10 Surface: 48'334 mm²

Tessin generell / Kulturell

Schichten der Erinnerung Der neue Film «Die grosse Erbschaft» von Fosco und Donatello Dubini («Die Reise nach Kafiristan») ist eine so vielschichtige wie ironische Erforschung ihrer eigenen Tessiner Familiengeschichte und er ist gleichzeitig ein spannendes Dokument über Immigration und Fremdsein. Gen i Krebs*

DER BAGGERZAHN IST UNERBITTLICH

Ein Haus voller Geschichte und Geschichten wird zerstört.

stattliches, dreistöckiges Haus, um 1900 erbaut, im Zentrum von Lodrino bei Biasca gelegen, ist die eigentliche HauptEin

lung ein - und blieben dabei doch immer «die Fremden» innerhalb der Dorfgemeinschaft der Alteingesessenen. Für die

figur dieser Familiensaga. Es Brüder Fosco und Donatello Dugehörte den Grosseltern \Tön bini ist dieses Haus ein Ort vielFosco und Donatello Dubini. Im fältiger Kindheits- und Jugend-

Jahr 1908 waren sie aus Itali- erinnerungen, hier verbrachten en eingewandert, der Grossvater sie jeweils ihre Ferien. Mit vielen war Metzger, und er und seine Super-8-Filmaufnahmen, mit FoFrau brachten es in dem Tessiner toalben und mit den ErzählunDorf mit viel Geschick und Ge- gen des mittlerweile 90-jährigen schäftssinn zu Wohlstand. Vaters und anderer Familienmit-

In dem Haus richteten sie bald glieder werden Erinnerungen leeine Metzgerei, eine Bäckerei bendig, doch ihre Konturen Werund eine Kolonialwarenhand-

Observation des médias Analyse des médias Gestion de l'information Services linguistiques

ARGUS der Presse AG Rüdigerstrasse 15, case postale, 8027 Zurich Tél. 044 388 82 00, Fax 044 388 82 01 www.argus.ch

Réf. Argus: 44084400 Coupure page: 1/2 Rapport page: 1/2


Date: 28.10.2011

Redaktion comtext 3027 Bern 031/ 939 52 11 www.gewerkschaftkom.ch/comtext

Genre de média: Médias imprimés Type de média: Presse spécialisée Tirage: 36'000 Parution: 21x/année

N° de thème: 278.10 N° d'abonnement: 1049894 Page: 10 Surface: 48'334 mm²

Tessin generell / Kulturell

den umso unschärfer, je mehr te, besannen sich die Regisseure stillstand gestorben. Leute daran beteiligt sind oft anders und begannen, aus diehat jede Person ihre eigene Ver- sem über die Jahre angewachse- * Gen i Krebs ist freier Journalist und Filmkritiker in Zürich. sion eines Ereignisses. nen Material einen Kinofilm zu gestalten. EIN ERBSCHAFTSSTREIT

Als 1998 die letzte Tante der Du- ENDGÜLTIGER VERLUST binis starb, stand das Haus fort- Wie Archäologen legen die Brüan leer, ein Erbschaftsstreit ent- der dabei in sechs Kapiteln, ei-

brannte, und als das Gebäude nem Prolog und einem Epilog 2001 durch einen Brand schwer immer mehr Schichten ihrer eibeschädigt wurde, wusste nie- genen Erinnerung und jener ih-

mand, was damit geschehen rer Verwandten frei. Sie drinsollte. Als die Dubini-Brüder gen damit immer tiefer ein in den Erbschaftsstreit schliesslich das Leben in einem Tessiner überraschenderweise

gewan- Dorf vor der Zeit der Konsum-

nen, entschieden sie sich, das gesellschaft und zeigen gleichHaus der Gemeinde zu verkau- zeitig auch, wie sich dann in fen. Diese liess es 2009 abreis- den 1960er-Jahren mit dem Aufsen und heute befindet sich ein kommen eben dieser KonsumParkplatz an der Stelle, wo einst gesellschaft das Leben und die das Haus stand. sozialen Strukturen rapide verUnmittelbar nach dem Brand änderten. Unterbrochen werden hatten Fosco und Donatello Du- die Kapitel immer wieder von bini damit begonnen, ihre Rund- den Szenen des Abbruchs. Diegänge durch das zwar stark be- se machen 'schmerzhaft deutschädigte Haus, dessen Räume lich, wie endgültig und unwieaber meist intakt geblieben wa- derbringlich der Verlust dieses ren, filmisch zu dokumentieren «Kosmos voller Objekte» ist, wie zunächst nur für die Versiche- es in einem Begleitkommentar rung und ganz ohne die Absicht, zum Film heisst. diese Aufnahmen künstlerisch Und wie wenn die Geschichte zu verwerten. Doch die Faszina- vom Ende einer Epoche noch tion für dieses Gehäuse, das eine über den Film hinausreichen längst untergegangene Welt vol- würde, ist Donatello Dubini

ler wunderlicher Gegenstände der seit den 1980er-Jahren alle

bewahrt hatte, nahm mit der Filme gemeinsam mit seinem Zeit immer mehr zu. Als dann auch noch durch die Erzählungen eines Onkels die fixe Idee vom Goldschatz aufkam, den die geizige Grossmutter einst irgendwo in dem weitläufigen Gebäude versteckt haben muss-

Bruder Fosco realisiert hatte

kurz nach der Schweizer Uraufführung von «Die grosse Erbschaft» an den Solothurner Filmtagen dieses Jahres im vergangenen März an einem Herz-

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