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Inhaltsverzeichnis Vorwort vom l. Gauvorstand Sepp Mayer Grußworte der Landräte Dr. Huber und Manfred Blaschke Grußwort des Vereinigten-Vorsitzenden Hans Zapf Zum Geleit von Franz Sappl Die Entwicklung der Trachtenbewegung in Bayern Gau-Chronik Die Tracht im Loisachgau Entstehung der Schuhplattler und Volkstänze Trachtenjugend im Loisachgau Volksmusik im Loisachgau Gauvorstandschaft Angeschlossene Vereine und Gaufeste Vereins- und Ortsgeschichten »D' Loisachtaler« Maxkron »Birk'nstoana« Penzberg »D' Loisachtaler« Wolfratshausen »D' Werdenfelser 1906« München »lsarlust« Irschenhausen »Barmstoana« Benediktbeuern »Würmseer Stamm« Diemendorf «Edelweiß« Bichl »D' Isartaler Stamm« München-Thalkirchen »D' Waxenstoana« Antdorf >>D' Buchbergler« Bad Heilbrunn »Georgenstoana« Baierbrunn »Würmseer« Seeshaupt-St. Heinrich »Kirchstoana« Sindelsdorf »D' Wendlstoana« Thanning »Alpenrose<< Königsdorf und Osterhofen »Edelweiß« Bad Tölz »Hirschbachtaler« Lenggries »D' Dürnstoana« Deining »Almrösl« Hohenschäftlarn »König-Ludwig-Stamm« Schloß Berg »D' Osterseer« Iffeldorf-Staltach

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»Schloßbergler« Harmating »Reindlbachtaler« Mürnsee »Veiglbergler« Neufahrn »Alpenblick« Berg bei Eurasburg »D' Inntaler« München-Ottobrunn »Seeröserl« Ammerland-Münsing »St. Sebald« Egling »D' Lüßbachtaler« Höhenrain JosefVogl in Neufahrn Religiöses und weltliches Brauchtum im Jahreslauf Lieber bayrisch sterben Beim abbrennten Kreuz Ein Streifzug durch das Loisach- und Isartal Zur Erinnerung Unser Hoamatsprach

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Für die finanzielle Unterstützung zur Druck­ legung dieser Chronik danken wir:

dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, dem Landkreis Weilheim-Schongau, dem Landkreis Starnberg, dem Landkreis München. der Kreissparkasse Wolfrats­ hausen, dem Raiffeisenverband des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, der Volksbank Penzberg, der Sparkasse Penzberg, der Volksbank Wolfratshausen, der Stadtsparkasse München, Foto-Video-Service Kaltner, Aschhofen.

Impressum

Alle Rechte, auch des auszugsweisen Nachdrucks oder der fotomechanischen Wieder­ gabe und der Übersetzung in andere Sprachen, behalten sich Urheber und Verlag vor. Herausgeber: Loisachgau-Trachtenverband Sepp Mayer, Kirchstraße 1, 8195 Neufahrn Verantwortlich für den Inhalt: Gauvorstand Sepp Mayer, unter Mitarbeit von Ehrengauvorstand Franz Sappl, Gauehrenmitglieder Rupert Bestel und Karl Schaffer, 2. Gauvorstand Georg Schuster, Gauschriftführer Robert Blail und Gaumusikwart Konrad Golling. Chiemgau-Druck, Offset- und Buchdruckerei Dr. C. Adlmaier. Inh. Konrad Vogel, Ludwigstr. 13, 8220 Traunstein Vierfarb-Lithos Studio Graetz Traunsteiner Str. 1, 8225 Traunreut Buchbindereien Buggermann & Simon Wappes GmbH & Co.KG, Mühldorfstraße 8, 8000 München 80


70Jahre Loisachtaler Gauverband


CHRONIK des Loisachtaler Gauverbandes

mit seinen angeschlossenen Vereinen

Herausgeber Trachtenverband Loisachgau 3


Vorwort Im Jahr 1989 kann der Loisachtaler Gauverband ein Ju­ biläum feiern; denn vor 70 Jahren, am 25. Mai 1919, wurde unser Gau in Penzberg von 9 Trachtenvereinen gegründet. Im Hinblick auf den nahe vorbeifließenden Fluß wählte man den Namen »Loisachgau«. Von den 9 Gründervereinen stammten allein schon 4 aus dem Bergwerksort Penzberg, nicht umsonst sprach man hier von einer Hochburg der Trachtler. Sie werden es auch gewesen sein, die den Anstoß zu dieser Gründung ga­ ben; ihnen gebührt deshalb unser Dank. So wurde in unserer Heimat ein Fundament geschaffen, die Trach­ tenbewegung in unserem Bereich zu fördern und die Gemeinschaft innerhalb der Trachtenvereine zu stär­ ken. Es gehörten schon immer Mut und Überzeugung dazu, sich öffentlich zur Heimat, zum Volks- urid Brauchtum und dem traditionellen Ideengut zu beken­ nen. Die Trachtenvereine sind die Träger dieses Ge­ dankengutes. Sie haben es verstanden, den Mitgliedern in schwierigen Zeiten und schicksalsschweren Jahren erstrebenswerte und menschliche Ziele zu geben. Gerade beim Neubeginn nach dem Krieg bemühte sich der Loisachgau schon 1946, ein Gaufest durchzufüh­ ren. So kamen wieder Hoffnung und Lebensfreude un­ ter den Menschen auf. Die Trachtensache nahm bis heute einen großen Aufschwung. Die hohen Mitglie­ derzahlen und die gute Beteiligung der Jugend liefern den Beweis. Dem Loisachgau gehören heute 30 Ver­ eine mit 4870 Mitgliedern an. Seit Bestehen sind Tracht und Brauchtum bei uns lebendig erhalten geblieben. Das zählt umso mehr, als wir jetzt in einer Zeit leben, in der die Technik Fortschritte macht, die es in dieser Größenordnung noch nie gegeben hat, was sich sowohl im Wohlstand wie auch in der Freizeit auswirkt. Wir dürfen in unserer Zeit nicht nachlassen in der Pflege unseres bayerischen Kulturgutes; denn es ist eine der vornehmsten Aufgaben eines Verbandes, seinen Mit­ gliedern die überlieferten Kenntnisse in Musik, Tanz und Sprache der engeren Heimat zu vermitteln. 4

So soll dieses Gründungsjubiläum ein Anlaß sein, rück­ blickend denen zu danken, die den Loisachgau diese lange Zeit geführt, ihm Ziel und Richtung gewiesen und ihm einen geachteten Platz in der großen Familie der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände gesi­ chert haben. Der 70. Geburtstag des Loisachgaues soll gefeiert und gewürdigt werden. Es war mir schon seit längerer Zeit ein Anliegen, die Selbstdarstellung des Gaues mit sei­ nen Vereinen in Buchform zu erfassen. Somit hat es sich angeboten, zu diesem Jubiläum eine Gauchronik herauszubringen. Die Vereine stimmten zu, im Loi­ sachgau die Trachten- und Brauchtumspflege ge­ schichtlich festzuhalten. Aufgezeichnet wird die Gau­ geschichte mit den Sachgebieten: Schuhplattler, Ju­ gend, Volksmusik und Volkslied. Jeder Verein hat die Möglichkeit, sich und seinen Ort in Wort und Bild vor-

und darzustellen. Auf einem großen Gruppenfoto kön­ nen sich alle Trachtlerinnen und Trachtler zeigen und die Tracht ihres Vereins zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig wird hiermit eine Verbindung von der Ver­ gangenheit zur Gegenwart hergestellt. Gerade für un­ sere jungen, interessierten Trachten- und Heimat­ freunde soll die Gauchronik ein Nachschlagwerk sein, aus dem man Geschichte erleben kann. Mit der Besin­ nung auf die Werte, die das Leben unserer Vorfahren bestimmt haben, wollen wir für unsere Jugend Heimat­ bewußtsein, Glaube und Achtung wecken; denn das Bewußtwerden der vergangenen Entwicklung ist Vor­ aussetzung und Leitlinie für die Zukunft. So soll dieses Heimatbuch als Sinnbild unserer Ideale verstanden werden. Es soll die Ziele einer großen Gemeinschaft aufzeigen, in der Verpflichtung für die nachfolgenden Generationen wächst. Die gemeinsam geschaffene Gauchronik erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit. Ich bedanke mich bei meinem Kameraden und Ehrenvorstand Franz Sappl, der einen sehr großen Beitrag dazu geleistet hat. Ebenso danke ich allen, die mitgeholfen haben, insbe­ sondere den Mitarbeitern, welche die Vereins- und Ortsgeschichten verfaßt haben. Das Sammeln der Bil­ der kostete viel Mühe, nur mit Ausdauer, Bereitschaft und Idealismus wurde dieses umfangreiche Buch neben der alltäglichen Arbeit als bleibende Erinnerung zu­ sammengetragen. Soweit unsere Kräfte reichten, wurde das Werk mit Liebe zur Heimat und mit Leben ausgestattet. Sicher wird es Leser geben, die Kritik üben. Trotzdem hoffe ich, daß das erste Buch des Loi­ sachgaues mit Freude angenommen wird. Der Loisachgau mit seinen Trachtlerinnen und Tracht­ lern kann auf sein 70-jähriges Bestehen stolz sein und auf alles, was er bisher erreicht hat. Möge die vorlie­ gende Gauchronik für die Zukunft dazu beitragen, Heimat, Sitte und Brauchtum zu erhalten: »Treu dem guten, alten Brauch«.

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Sepp Mayer, 1. Gau vorstand


Vorwort Der Trachtenverband Loisachgau, der am 25. Mai 1919 in Penzberg gegründet wurde, kann 1989 auf sein 70jäh­ riges Bestehen zurückblicken. Zu diesem großen Jubiläum möchte ich namens des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen herzlich gratu­ lieren. Von den in der Zwischenzeit dem Trachtenverband an­ geschlossenen 30 Vereinen sind 16, d. h. über die Hälfte, in unserem Landkreis ansässig, was mich mit Freude und Stolz erfüllt. Seit jeher haben bei uns Tracht und Brauchtum einen besonderen Stellenwert. So bin ich zuversichtlich, daß unsere Trachtenvereine auch in Zukunft zusammenstehen werden, um all die Werte lebendig zu erhalten, in denen die Bayerische

Heimatliebe seit Jahrthunderten ihren sichtbaren Aus­ druck gefunden hat. Das Vorbild, das sie Älteren mit so viel Begeisterung geben, wird bei unserer Jugend auch weiterhin die Lust zum Mitmachen wecken und sie dazu anleiten, Tradi­ tion und Trachtenwesen unverfälscht zu bewahren. Mein besonderer Dank gilt allen Trachtlerinnen und Trachtlern für ihren selbstlosen Einsatz, mit dem sie das überlieferte Volkstum unserer Heimat mit Leben erfüllen. Mögen die Vereine ihre Arbeit im Dienste des Heimat­ gedankens auch in den kommenden Jahrzehnten fort­ führen. Dr. Huber, Landrat

mengeschlossenen Vereine überzeugend bewiesen, daß das Bekenntnis zur Tracht, zum echten Brauchtum und die Liebe zur Heimat keine leeren Worte sind, son­ dern gelebte Wirklichkeit. Darüber hinaus sind die Trachtenvereine tragende Säulen des täglichen Ge­ schehens in unseren Gemeinden. Für diesen vorbildli­ chen Einsatz, der gerade auch unsere Jugend zur Nach­ ahmung anspornen möge, danke ich von Herzen allen Mitgliedern des Gauverbandes mit Ehrengauvorstand Franz Sappl und 1. Gauvorstand Sepp Mayer an der Spitze. Möge der Trachtenverband Loisachgau weiterhin zu unser aller Freude und zum Nutzen unserer Heimat wachsen, blühen und gedeihen. Manfred Blaschke Landrat

Grußwort In der Stadt Penzberg, unmittelbar nach dem 1. Welt­ krieg - 1919 - gegründet, kann der Trachtenverband Loisachgau im Jahre 1989 auf sein 70jähriges Bestehen zurückblicken. Von Penzberg im Landkreis Weilheim­ Schongau aus, das seinerzeit als eine Trachtenhoch­ burg galt, hat sich der Loisachgau inzwischen zu einem Verband innerhalb der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände entwickelt, zu dem 30 Vereine mit über 4800 Mitgliedern zählen. Im Landkreis Weilheim-Schongau sind sechs Vereine mit rund 1000 Mitgliedern beheimatet, die dem Loi­ sachgau angehören. Diese Tatsache ist für mich ein willkommener Anlaß, um im Namen des Landkreises Weilheim-Schongau und im eigenen Namen dem Trachtenverband Loisachgau sehr herzlich zum 70jäh­ rigen Gründungsjubiläum und zu dem Entschluß zu gratulieren, die bemerkenswerte Geschichte der Trachtenbewegung im Gebiet zwischen Starnberger See und Isar, Benediktbeuern und Baierbru]Jn in einer Gauchronik niederzuschreiben. In den sieben Jahrzehnten seines Bestehens haben der Trachtenverband Loisachgau und die in ihm zusam5


Grußwort

ner Ministerpräsident Dr. h.c. Franz Josef Strauß, als er das bunte Bild von 23000 Teilnehmern aus ganz Bay­ ern in der Tracht am Marienplatz in München sah.

Wer vom Erhalten und Schützen der Heimat spricht, dem wird gern die Frage gestellt: »Was ist Heimat? Wo ist meine Heimat?« Im Nachdenken spüren wir sofort, daß sich die Antwort nicht mit einem Satz geben läßt, weil sich Heimat aus vielen Mosaiksteinchen zusam­ mensetzt. »Mir san do dahoam!« Gemeint sind damit Haus, Hof, Dorf, Stadt, Land, Familie, die Lieblings­ plätze in der Natur und für eine Trachtlerin und einen Trachtler zählt auch der Trachtenverein dazu.

Das Wirken unserer Trachtenvereine zeigt, daß auch im 20. Jahrhundert die Tracht, das Volkslied, die Volksmusik, das heimatliche und festliche Brauchtum keine wesensfremde Erlebnisse für unsere Gesellschaft sind, sondern zur Vielfalt des kulturellen Lebens gehö­ ren. Diese Lebendigkeit eines Heimatbewußtseins ge­ ben wir gerne der Jugend für die kommenden Genera­ tionen hinein in das 3. Jahrtausend unserer Zeitrech­ nung mit.

Die Kameradschaft, das Zusammenhalten, beides ge­ hört zum Empfinden von Geborgenheit, von Heimat. Deshalb kennt nicht nur der Einzelne den Begriff Hei­ mat sondern auch ein ganzer Trachtenverein. Diese Gedanken führen zu der vor uns liegenden Gauchro­ nik, welche der Loisachgau, anläßlich seines 70. Grün­ dungsjahres für seine dreißig Mitgliedsvereine und für die Öffentlichkeit erstellt hat.

Im Namen des Vorstandes der Vereinigten Bayeri­ schen Trachtenverbände danke ich Ehrengauvorstand Franz Sappl und allen, die unter Führung von Gauvor­ stand Sepp Mayer an der Erstellung der Chronik des Loisachgaues mitgewirkt haben, für diesen selbstlosen und idealen Einsatz. Ich danke allen Trachtlerinnen, allen Trachtlern, der Jugend, den Vereinsvorstand­ schaften und dem Gauausschuß des Loisachgaues für die Treue zur Heimat, für die Erhaltung von Sitt' und Tracht und für die rege und zuverlässige Mitarbeit in den Sachausschüssen und Organsitzungen der Verei­ nigten.

Es ist ein Heimatbuch, das erzählt von der Geschichte der Trachtenvereine am östlichen Ufer des Würmsees und entlang der Loisach und der Isar zwischen Leng­ gries und München. Das Erbe der Väter ist in Wort und Bild darin festgehalten. Geschichts- und Traditionsbe­ wußtsein können wir beim Lesen des Buches erleben und erfassen. Allzugern wird von den Kritikern unserer Zeit die Trachten- und Brauchtumspflege als »museal« bezeichnet. Wer die Chronikbücher unserer Gauver­ bände liest, der spürt, daß hier nicht eine romantische Vergangenheit beschrieben wird, sondern eine Gegen­ wart die eine geschichtliche Tradition aufweisen kann. Die Texte beschreiben nicht nur was war, sondern auch was heute ist. Die Bilder stammen soweit sie nicht hi­ storische Begebenheiten wiedergeben, aus dem Jahre 1988. Unsere Trachtlerinnen und Trachtler gestalten, wie in keinem anderen Bundesland in diesem Ausmaße möglich, die Heimat mit. »Bayern ist einmalig«, sagte 1983 beim Jahrhundertfest unser inzwischen verstorbe6

Ich gratuliere dem Loisachgau zu seinem 70. Gaujubi­ läum und wünsche ihm frohe und erfolgreiche Festtage, für die Zukunft gedeihliche Entwicklung und dieser lie­ bevoll gestalteten Chronik eine gute Aufnahme bei al­ len Lesern. Freuen wir uns über dieses Werk.

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Treu dem guten alten Brauch.

Vereinigte Bayerische Trachtenverbände e.V. Hans Zapf 1. Vorsitzender


Lieber Leser! Als in der Gauversammlung am 13. April 1986 in Than­ ning beschlossen wurde, eine Gauchronik in Buchform zu erstellen, in der auch die Vereins- und Ortsgeschich­ ten der angeschlossenen Vereine enthalten sind, war mir von vornherein klar, daß das keine leichte Aufgabe sein wird. Ich möchte deshalb die Möglichkeit nicht ausschließen, daß es später auch Kritiker geben wird, die an der Gestaltung dieser Chronik doch etwas auszu­ setzen haben. Es soll aber gleich darauf hingewiesen werden, daß bei allen Mitarbeitern, die Beiträge gelie­ fert haben, das Schreiben nicht zum Beruf gehört. Das heißt, daß keine Experten, Schriftsteller und Zeitungs­ schreiber am Werk waren. In dieser Hinsicht wird um Nachsicht gebeten. Wenn ein Mensch 70 Jahre alt wird, so wird das - je nach Persönlichkeit - dementsprechend gefeiert. Bei einem Gauverband, der zwei Staatsysteme, Inflation, Notzeiten und Krieg überlebt hat, ist das eine beson­ dere Leistung und sollte auch gewürdigt werden. Deshalb ist es notwendig, die wichtigsten Ereignisse dieser Jahre des Bestehens aufzuzeichnen und sie so vor dem Vergessen zu bewahren. Es gibt zwar in jedem Verein und Verband Schriftführerbücher, in denen die wichtigsten Begebenheiten festgehalten werden, aber außer dem jeweiligen Schriftführer wird die kaum je­ mand lesen. Wenn man alte Protokollbücher durchliest und sich bemüht, auch ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen, kann das sehr interessant sein. Vor allem fällt auf, was sich im Laufe der Jahrzehnte alles verändert hat. Die menschlichen Eigenschaften, Tugenden und Untugenden sind gleich geblieben. Kameradschaft, Hilfsbereitschaft, Geselligkeit, Neid, Haß und Streit­ sucht gab es immer und gibt es auch heute noch. Aber die Lebensart und Lebensweise hat sich besonders in den letzten Jahrzehnten - bedingt durch den Einfluß der Massenmedien, durch Technisierung und Automa­ tisierung - gewaltig verändert. Die Vereinsgründer, die uns zumeist schon in die Ewigkeit vorausgegangen sind, würden, wenn sie aufstehen könnten, sich unter.

den veränderten Verhältnissen kaum mehr zurechtfin­ den. Aus den Büchern kann man auch herauslesen, daß die Leute früher oft ein karges und sparsames Leben führen mußten. Der Begriff von der guten alten Zeit­ wie er öfter gebraucht wird - ist in dieser Hinsicht falsch. Das einzige Gute war, daß die Menschen mit ih­ ren bescheidenen Verhältnissen leben und zufrieden sein mußten und auch großteils zufrieden waren, im Gegensatz zu der jetzigen Zeit. Wir leben zwar heute in einer Welt des Fortschrittes. Vieles ist besser als in der

guten alten Zeit. Wir können uns mehr leisten als un­ sere Vorväter. Aber Streß, Hektik und die Angst vor der Zukunft sind die ungeliebten Begleiterscheinungen unserer modernen Zeit und wer aktiv im Leben steht, bleibt davon nicht verschont. Zur Gestaltung der Gauchronik wäre zu berichten, daß die Gau-Protokolle fast vier Bücher ausfüllen. Um all diese Protokolle auf wenige Seiten zu kürzen, konnten natürlich nur die wichtigsten Ereignisse aufgezeichnet werden. Nachdem mir bekannt ist, daß viele Trachtler gerade noch wissen zu welchem Gau ihr Verein gehört, aber über die Gliederung der Trachtenverbände in Bayern nicht Bescheid wissen, habe ich einen kurzen Beitrag über die Entwicklung und den Aufbau der Trachtenvereine bzw. der Gaue geschrieben. Ein paar Beiträge mit historischem Hintergrund sollen den Leser auch an frühere Ereignisse in unserem Ge­ biet erinnern. Nun ist es leider so, daß wir momentan mit Zeitungen, Büchern und Reklame fast über­ schwemmt werden und wahrscheinlich nur wenige in der Hektik unserer Zeit noch in der Lage sind, in aller Ruhe ein Buch zu lesen. Es ist auch nicht damit zu rech­ nen, daß diese Chronik gleich von vorne bis hinten ge­ lesen wird. Aber ich hoffe doch, daß die, welche sich dafür interessieren, doch noch die Zeit und die Ruhe finden, ab und zu das Buch in die Hand zu nehmen um darin zu lesen. In dieser Gauchronik wird dokumentiert, wie sich un­ sere Vorfahren in guten und schlechten Zeiten immer eingesetzt haben für die heimatlichen Belange - und das soll für die Jugend und für die kommenden Genera­ tionen ein Ansporn sein, auch in weiterer Zukunft die Hoamat zu pflegen und vor Mißbrauch und Ausverkauf zu schützen, damit sie auch weiterhin lebens- und lie­ benswert bleibt und den Bewohnern das gibt, was der Mensch braucht: Geborgenheit in dem Bewußtsein, im schönen Land Bayern daheim zu sein.

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Franz Sappl, Ehrengauvorstand

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Die Entwicklung der Trachtenbewegung in Bayern

Die Wiege der Trachtenvereine liegt im bayerischen Oberland. Dem Volksschullehrer Josef Vogl war es vorbehalten, 1883 den ersten Verein zur Erhaltung der Volkstracht in Bayrischzell zu gründen. In den folgen­ den Jahren wurden rund um den Wendelstein weitere Trachtenvereine gegründet; 1883 in Fischbachau, 1884 in Feilnbach und Hohenaschau und 1886 in Miesbach; weitere Vereine folgten. Nachdem die Trachtenvereine neu waren und zu selbiger Zeit alles Neue vorerst ein­ mal abgelehnt wurde, machte sich Widerstand gegen die Vereine zum Teil aus der Bevölkerung und beson­ ders von kirchlichen Kreisen bemerkbar. So war es der Moosmüller Franz Xaver Huber von Feilnbach, der den Weitblick hatte und erkannte, daß ein Zusam­ menschluß der bestehenden Trachtenvereine unbe­ dingt notwendig sei, um in der Gemeinsamkeit eine ge­ wisse Stärke zu besitzen. Er gründete 1890 den ersten Trachtengau, heute der mitgliederstärkste Gau I mit Sitz in Traunstein. Nach­ dem die Vereine von Berchtesgaden bis zum Allgäu im­ mer mehr wurden und die Verbindungen untereinan­ der durch die großen Entfernungen, schnelle Verkehrs­ mittel gab es ja damals noch nicht, immer schwieriger wurden, ist es verständlich, daß die Vereine in d�n ein­ zelnen Gebieten wieder neue Gauverbände gründeten. So wurde als zweiter Gau 1899 der Oberlandler Gau mit Sitz in Miesbach gegründet. Diesem schlossen sich auch die Vereine im Gebiet des erst später gegründeten Loisachgaus an - fünf Vereine aus Penzberg-Maxkron: »Edlweiß Stamm«, »Birkenstoana«, »Wendlstoana«, »Loisachtaler«, »Alpenrose« sowie »Barmstoana« Be­ nediktbeuern, »Edlweiß« Bichl, »Loisachtaler« Wolf­ ratshausen und »Isarlust« Irschenhausen. 1903 wurde in Rosenheim der Inngau gegründet. Im gleichen Jahr der Ammertaler Gau mit Sitz in Murnau. 1908 wurde der Lechgauverband in Schongau mit Sitz in Hohenpeißenberg gegründet. Es fällt auf, daß sich die Gaue auf bestimmte Fluß- und Gebirgstäler festge­ legt haben, nach denen sie sich auch benannt haben. In

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den einzelnen Tälern war auch die bodenständige Tracht unterschiedlich. Deshalb wird es wohl manch­ mal zu Reibereien zwischen Vereinen der einzelnen Trachtengebiete gekommen sein, die dann vielleicht dazu geführt haben, wieder einen neuen Gauverband zu gründen. Nachdem sich der 1903 gegründete Am­ mertaler Gau scheinbar nach einigen Jahren wieder aufgelöst hatte, wurde 1911 in Murnau ein neuer Gau­ verband gegründet; er nannte sich Gau II mit Sitz in Murnau. 1912 schlossen sich die Trachtenvereine im Allgäu ebenfalls zusammen und gründeten den All­ gäuer Gauverband mit Sitz in Immenstadt. Im Gebiet links der Donau wurden um die Jahrhundertwende auch schon die ersten Trachtenvereine gegründet. 1914 kam es zu einem Zusammenschluß der bestehenden Vereine unter dem Namen Trachtenvereinigung Nürn­ berg und Umgebung. 1920 wurde der bestehende Name umgewandelt in Vereinigung bayerischer Volks­ und Gebirgstrachten-Erhaltungsvereine links der Do­ nau, Sitz Nürnberg, mit den Bezirksgruppen Mittel­ franken, Oberfranken, Unterfranken, Oberpfalz und Ries. Im August 1914 begann der erste Weltkrieg, die Män­ ner und Burschen mußten einrücken; dadurch kam auch das Vereinsleben zum Stillstand und leider muß­ ten viele kernige Trachtler auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen. Nach dem Krieg gab es einen Nachholbe­ darf, deshalb gab es in den Jahren 1919 bis 1923 sehr viele Vereinsgründungen. Dementsprechend sind auch wieder neue Gauverbände entstanden. Als erster Gau nach dem Krieg wurde am 25. Mai 1919 in Penzberg der Loisachtaler Gauverband gegründet und im selben Jahr in München der Isargau. 1920 wurden wieder zwei Gaue gegründet: der Obere Lechgau mit Sitz in Füssen und in Augsburg der Altbayrisch-Schwäbische Gau. 1924 kam es dann in Ingolstadt zu einer Gau-Gründung mit dem Namen Donaugau. In Marquartstein wurde 1926 der Chiemgau-Alpenverband gegründet. Als jüngster Gau wurde 1932 der Dreiflüsse-Trachtengau in Passau gegründet. Nach der Machtergreifung 1933 durch Adolf Hitler konnten keine Trachtenvereine

mehr in altherkömmlicher Weise gegründet werden, weil alles, was sich nicht in irgendeiner Form in die Par­ teiorganisation eingliederte, einfach verboten wurde. Zuerst hieß es, die Trachtenvereine würden erst richtig gefördert, dann begann ein an sich lächerlicher Kampf, welche Parteiorganisation die Trachtenvereine be­ treuen dürfe. Als erstes war es der Reichsbund für Volkstum und Heimat, der Beitritt und Beiträge for­ derte; dann war es die N. S. Kulturgemeinde, die den Reichsbund gefressen hat. Im Jahre 1937 kam dann das Ende der Gauverbände. Otto Nippold, stellvertreten­ der Gauleiter von Oberbayern, erließ einen Befehl, nachdem alle Trachtengemeinschaften der Kraft durch Freude, einer Gliederung der deutschen Arbeitsfront, zur Erfassung und Betreuung eingegliedert wurden. Die Gaue wurden Untergruppen, Vereine zusammen­ gelegt, Kreistrachtenwarte ernannt, Feldgottesdienste und Weihnachtsfeiern wurden verboten. Es gab natürlich auch Trachtler und Vereine, die be­ reitwilligst der Partei dienten, aber die große Masse der Trachtler war den braunen Machthabern zu konserva­ tiv und vor allem zu christlich. So mußte Gauvorstand Hans Seestaller wegen seines massiven Widerstands ge­ gen die Eingriffe der Parteifunktionäre in die Trachten­ sache zeitweise mit seiner Verhaftung rechnen. Es ist sogar vorgekommen, daß Tagungen der Trachtler un­ ter Bewachung der geheimen Staatspolizei standen. 1939 begann der unselige 2. Weltkrieg. Die einzige Ar­ beit der Trachtenvereine war dann nur das Ausrücken mit der Fahne bei den Gottesdiensten für die gefallenen Mitglieder. Leider sind viele gute Trachtler nicht mehr heimgekehrt. Nach dem Krieg 1945 waren die Trach­ tenvereine die ersten, die ihre Arbeit auf dem Gebiet der Trachten- und Brauchtumspflege mit Genehmi­ gung der amerikanischen Besatzungsmacht wieder auf­ nehmen konnten und so wurden bereits 1946 die ersten Gaufeste wieder abgehalten. Ein Teil der Vereine vom Gau II und fünf Vereine der sogenannten Koehler Ver­ einigung, einer losen Vereinigung von Trachtenverei­ nen unter Führung von Baron Aufseß, gründeten 1946 in Garmisch die Oberländer Trachtenvereinigung, Sitz


Garmisch, die dann die Nachfolge vom 1903 gegründe­ ten Ammertaler Gau übernahm. Die restlichen Ver­ eine vom 1911 gegründeten Gau II schlossen sich 1947 zusammen unter dem Namen Heimat- und Trachten­ vereinigung Huosigau mit Sitz in Weilheim. Somit hat sich die Zahl der Gaue, die in den Vereinigten Bayeri­ schen Trachtenverbänden zusammengeschlossen sind, auf 15 erhöht und das hat sich bis zum jetzigen Zeit­ punkt nicht mehr verändert.

wenn zum Beispiel wie im Landkreis Weilheim-Schon­ gau die Trachtenvereine sechs verschiedenen Gauver­ bänden angehören. Die Vereine haben sich in ihren Gauen so zusammengeschlossen, wie sie aufgrund ihrer Mundart, ihrer Tracht und Landschaft am besten zu­ sammenpassen. Man könnte das als etwas natürlich Gewachsenes bezeichnen'und so etwas sollte man nicht zerstören. Deshalb wurde in diesem Bereich nie eine Gebietsreform oder Flurbereinigung durchgeführt.

Bei der Durchsicht der Chroniken und alten Protokoll­ büchern fällt einem auf, daß die ersten Mitglieder der Trachtenvereine vorwiegend Arbeiter, vorzugsweise Bergarbeiter waren; so wurden auch die Bergwerksorte Penzberg, Hausham, Peißenberg als Hochburgen der Trachtensache bezeichnet. In den Anfangsjahren nach der Gründung taten sich die Vereine und Gaue oft schwer. Von Austrittserklärungen der Mitglieder und Vereine kann man da immer wieder lesen, oft wegen Geringfügigkeiten, die einem heute als lächerlich er­ scheinen, wurde der Verein oder Gau verlassen. Es mag auch zum Teil daran gelegen sein, daß die Men­ schen zur selbigen Zeit wegen mangelnder Verkehrs­ mittel nicht soviel Kontakt miteinander hatten, deshalb gab es auch früher, wie man weiß, öfters Raufereien zwischen den Burschen verschiedener Ortschaften.Die Menschen sind heute mit Ausnahmen von Terroristen und gewalttätigen Demonstranten in mancher Bezie­ hung friedlicher, man möchte fast sagen gleichgültiger geworden. Deshalb ist auch in den Gauverbänden Ruhe und Ordnung eingekehrt. Das Wort Austrittser­ klärung ist in den neueren Protokollbüchern kaum mehr zu finden.Auffallend ist auch, daß sich dieTrach­ tenvereine nach dem Krieg wieder so in den Gauver­ bänden formiert haben, wie sie schon vor dem dritten Reich bestanden haben, trotzdem sie während der Nazi-Diktatur verschiedentlich umorganisiert wurden. Ein Zeichen dafür, daß man ein Zusammengehörig­ keitsgefühl, das sich in Jahrzehnten entwickelt hat, nicht einfach auslöschen kann.

Die Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände

Wer nicht mit der Entwicklung dieser Organisation ver­ traut ist, für den mag es vielleicht unverständlich sein,

Nachdem sich die Trachtenvereine schon in mehreren Gauverbänden zusammengeschlossen haben, waren natürlich Bestrebungen im Gange, die Gaue in einer Dachorganisation zu vereinigen, um derTrachtensache mehr Gewicht zu verleihen. Die Arbeit der Trachten­ vereine wurde von weltlichen und kirchlichen Kreisen in den ersten Jahrzehnten kaum anerkannt, eher unter­ bunden; da gab es zum Beispiel eine Lustbarkeitssteuer für Plattlerproben, für kurze Zeit sogar eine Lederho­ sensteuer. Am 31. 5. 1908 berief der Trachtler Josef Fürst die Vertreter der Gauverbände zu einer Ver­ sammlung nach Murnau ein, zwecks Gründung eines Landesverbandes. Der Wille war da, aber es konnte letzten Endes keine Einigung erzielt werden.Am 12.6. 1920 wurde in Peißenberg der Oberländer Bund ge­ gründet, dem sich aber nur der Gau II (Murnau), der Lechgau, der Isargau und der Loisachgau anschlossen. Einige Jahre später löste er sich wieder auf. Einer der Gründer und spätere Vorstand war Michael Naierz aus Penzberg. Am 28.1.1923 rief der Verleger Josef Giehrl die Vertreter der deutschen und österreichischen Trachtenvereine nach München mit der Absicht, einen Deutsch-österreichischen Trachtenbund zu gründen, allerdings ohne Erfolg. Am 25. Oktober 1925 wurden sich die Gauverbände vom Watzmann bis zum Bodensee endlich einig und gründeten die VereinigtenTrachtenverbände des baye­ rischen Oberlandes. Das war die Geburtsstunde der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände. Einstim­ mig wurde folgende Vorstandschaft gewählt: Thomas

Bacher, Westerham, 1. Gauvorstand des Gaues I, be­ kannt als letzter Meister des Geheimbundes der Habe­ rer, ein ehrlicher, aufrechter Trachtler und guter Red­ ner, wurde 1. Vorsitzender und war es praktisch bis zu seinem Tod am 21. November 1945. 2. Vorsitzender wurde Michl Naierz, Penzberg und Conrad Adlmaier wurde Schriftführer. Zehn Gaue schlossen sich sofort der Dachorganisation an: Gauverband I 106 Vereine mit 8100 Mitgliedern Oberländergau 43 Vereine mit 3200 Mitgliedern Inngau 25 Vereine mit 1500 Mitgliedern Gauverband II 23 Vereine mit 1100 Mitgliedern 15 Vereine mit 690 Mitgliedern Lechgau 27 Vereine mit 1600 Mitgliedern Allgäuer Gau 17 Vereine mit 725 Mitgliedern Loisachgau 22 Vereine mit 720 Mitgliedern Isargau 17 Vereine mit 1200 Mitgliedern Oberer Lechgau 8 Vereine mit 300 Mitgliedern Bodenseegau Die Vereinigung links der Donau trat 1928 dann eben­ falls dem Verband bei. Zum Anfang wurden Richtlinien ausgearbeitet, die für alle Vereine Gültigkeit haben sollten; die wichtigsten Punkte daraus gelten ja heute noch, nämlich: Jeder Verein arbeitet mit seinem Gau, jeder Gau arbeitet für sich selbst. Politisch und konfessionell völlige Neutrali­ tät. Nach den Wirrnissen des Dritten Reiches, das nur zwölf Jahre Bestand hatte, kam es bei den Vereinigten wieder zu einem Neubeginn. Gauvorstand Hans See­ staller hat schon 1946 die Gauvorstände zu einer Vor­ besprechung eingeladen. Am 14. September 1947 in Holzkirchen wurden dann die Vereinigten Bayrischen Trachtenverbände wiedergegründet. In geheimer Ab­ stimmung wurde folgende Vorstandschaft gewählt: 1. Vorsitzender Dr. Conrad Adlmaier, Gau I; 2. Vorsit­ zender Hans Seestaller, Oberlandlergau; Schriftführer Alois Maderspacher, Oberländer Vereinigung; als Sitz wurde Traunstein festgelegt. Außer den vorgenannten Gauen schlossen sich noch der Altbayrisch-Schwäbische Gau, der Donaugau und der Dreiflüssegau an. 1948 kam dann noch der Huosi­ gau als 15. Gauverband dazu. Weiterhin schlossen sich

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dem Bayrischen Verband der 1921 gegründete Boden­ seegau mit Sitz in Ravensburg und der im gleichen Jahr entstandene Südwestdeutsche Gauverband, Sitz Stutt­ gart, an. 1954 kam dann der 1951 gegründete Schwarz­ waldgau noch dazu. 1957 schlossen sich die Gauver. bände im Baden-Württembergischen Raum in einem Trachtenbund zusammen, blieben aber weiterhin den Bayerischen Trachtenverbänden angeschlossen. Deshalb wurde auch der Name geändert. Er hieß ab 1963 Vereinigte Bayerische und Südwestdeutsche Trachtenverbände. Als dann unter der Führung von Friedrich Weber-Benzing der Landesverband der Hei­ mat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg e. V. mit Sitz in Stuttgart gegründet wurde, war geplant, daß sich die Trachtenverbände auf Landesebene trennen und dann gemeinsam einen deutschen Trachtenbund gründen. 1973 kam die Trennung auf der Tagung in Im­ menstadt zustande, aber der deutsche Trachtenbund nicht. Es gab zu viele Gegner, die fürchteten, es könnte eine Überorganisation mit so und sovielen Ausschüssen ent­ stehen, die automatisch eine Beitragserhöhung nach sich ziehen würde und den Vereinen in den einzelnen Orten doch nicht viel nützen könnte. Die bei dieser Trennung entstandenen Differenzen konnten wieder bereinigt werden, so daß ein gewisser Kontakt mit den Kameraden in Baden-Württemberg weiterhin besteht.

Der Landesverband

Es ist ein unguter Zustand, daß gerade in Bayern bei den Trachtenvereinen noch zwei Dachverbände exi­ stieren. Außer den Vereinigten Bayerischen Trachten­ verbänden mit ca. 150.000 Mitgliedern auf 15 Gauver­ bände verteilt, gibt es noch den Landesverband der Heimat- und Volkstrachtenvereine e. V., Sitz Mün­ chen. Dieser Verband ist zwar älter, er wurde schon im Jahre 1909 gegründet, aber mit ca. 20.000 Mitgliedern wesentlich kleiner. Der Landesverband setzt sich in Bayern aus sechs Gau­ verbänden zusammen, das sind der Gau München und Umgebung, Gau Niederbayern, Bayerischer Waldgau, Gau Oberpfalz, Gau Oberfranken und Vereinigung

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der Heimat- und Volkstrachtenvereine Augsburg und Umgebung, wobei der Gau Niederbayern der mitglie­ derstärkste sein dürfte. Nachdem während der Nazi­ Diktatur ein von oben befohlener kurzer Zusam­ menschluß erfolgte, marschierten beide Dachverbände nach dem Krieg wieder getrennt. Selbstverständlich waren immer wieder Bestrebungen im Gange, eine Einheit der Trachtenvereine in Bayern herbeizufüh­ ren. Die Vorsitzenden Dr. Adlmaier, Seestaller und Zapf bemühten sich alle um eine Einigung, aber leider bisher ohne Erfolg. Auch fand die Anregung von Mini­ sterpräsident Dr. Alfons Goppel bezüglich »z'samm­ heirat'n« kein Gehör; es wurden zwar Arbeitsgemein­ schaften beschlossen, 1954 und 1969, aber zu einer wirklichen Zusammenarbeit kam es nie. Der Schreiber dieser Zeilen erinnert sich an eine Sit­ zung 1955 im Gasthof Sängerwarte in München, an der Vertreter beider Dachverbände unter Leitung von Dr. Adlmaier teilgenommen haben; dabei wäre es beinahe zu einer Einigung gekommen. Der 1. Vorsitzende des Landesverbandes Hans Hatzinger war bereits mit ei­ nem Zusammenschluß einverstanden, aber auf Ein­ spruch von Alfons Bergmann wurde das wieder rück­ gängig gemacht. Der Geschäftsführer des Landesverbandes Alfons Bergmann hat es immer wieder verstan­ den, ein Zusammengehen beider Verbände zu verhin­ dern, wahrscheinlich hat dabei das persönliche Prestige eine größere Rolle gespielt als der Nutzen für die Trachtensache. Der Jugend beider Dachorganisationen ist es jetzt end­ lich gelungen, alte Gegensätze beiseitezuschieben und wenigstens gemeinsam im bayerischen Jugendring zu­ sammen zuarbeiten, so daß die berechtigte Hoffnung besteht, die bayerischen Trachten- und Heimatvereine werden doch noch einmal unter einen Hut kommen.

Die Arbeitsgemeinschaft auf Landkreisebene

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, gibt es besonders im oberbayerischen Raum Landkreise, in denen die Trachtenvereine verschiedenen Gauen angehören. Bis vor dem 2. Weltkrieg hatte das keinerlei nachteilige

Wirkung, da sich die Behörden kaum um die Vereine gekümmert haben, mit Ausnahme der braunen Macht­ haber, die die Vereine in ihren Parteiapparat mit einbe­ ziehen wollten, und es schließlich auch taten (KdF). Erst nach dem Krieg hat sich das geändert, als von ver­ antwortlichen Politikern und Verwaltungsbeamten er­ kannt wurde, daß die Trachtenvereine eigentlich eine kulturelle Aufgabe auf dem Gebiet der Heimat- und Brauchtumspflege zu erfüllen haben und ihnen dafür eine finanzielle Förderung zustehen würde. Da machte sich der Nachteil bemerkbar, daß es in den erwähnten Landkreisen keinen Ansprechpartner gab, der für die gesamten Vereine sprechen konnte. Auch der Kontakt mit den Heimatpflegern konnte nicht in der notwendi­ gen Weise hergestellt werden und in den nach 1950 ge­ gründeten Kreisjugendringen konnten die Trachtler wegen dieser Zersplitterung auch nicht Fuß fassen. Deshalb wurde auf Anregung von Gauvorstand Hans Seestaller 1955 in den Landkreisen Bad Tölz und Wolf­ ratshausen eine Arbeitsgemeinschaft der Trachtenver­ eine gegründet, in die auch die Volkstumsgruppen der Heimatvertriebenen Egerländer, Ungarndeutschen, Siebenbürger Sachsen und Schlesier mit einbezogen wurden. Einige Jahre später wurden auch die Vereine im Landkreis Weilheim unter Führung von Gauvor­ stand Bertl Scheck in einer Arbeitsgemeinschaft verei­ nigt. Diese Gemeinschaften, die nur eine lose Verbin­ dung darstellen und mit geringstem organisatorischem Aufwand arbeiten, haben sich bis heute bewährt. Eine finanzielle Förderung der Trachtenvereine wird schon seit Jahren durchgeführt. Vertreter der Trachtenver­ eine sind bereits in den Vorstandschaften der Kreisju­ gendringe tätig und haben da ein Mitspracherecht. Außerdem ist dadurch auch das Ansehen der Trachtler gestiegen, weil eine Einigkeit demonstriert wird und die Öffentlichkeit sieht, wenn es um heimatliche Be­ lange geht, ziehen die Trachtler, gleichgültig, welchem Gau sie angehören, doch alle an einem Strang, was frü­ her nicht immer der Fall war. Franz Sappl Quellennachweis: »Bayrisch Land- Bayrisch Gwand«


Thomas Bacher, 1. Vorsitzender der Vereinigten Baye­ rischen Trachtenverbände von 1925 bis 1945, geboren am 21. Dezember 1863 in Traubing in der Nähe des Starnberger Sees, gestorben am 21. November 1945 in Feldkirchen bei Westerham. Durch seine hervorragen­ den Charaktereigenschaften und einer außergewöhnli­ chen Rednergabe hat er sich auch bei den Trachtenver­ einen Ansehen verschafft. Deshalb wurde er 1908 in den Ausschuß des Gauverbandes I gewählt. 1919 über­ nahm er dann als l. Vorstand die Führung vom Gau I. Ein besonderer Abschnitt in seinem Lebenslauf war die Mitgliedschaft beim Geheimbund der Haberer, wo er schon mit 23 Jahren als Haberermeister die Führung übernahm. Da die nächtlichen Haberfeldtreiben von der Obrigkeit streng verboten waren, wurde Bacher 1896 verhaftet und mußte vier Jahre wie ein Schwerver­ brecher im Gefängnis verbringen.

Dr. Conrad Adlmaier, 1. Vorsitzender der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände von 1947 bis 1965, ge­ boren am 13. August 1882 in Zeisering, Landkreis Ro­ senheim, gestorben am 30. September 1966. Nach dem Studium der Philosophie wandte sich Dr. Adlmaier der Journalistik zu. Ab 1923 widmete er sich der Trachtensache und schloß sich dem Gau I an, wo er bald zum 2. Gauvorstand gewählt wurde. Nach dem Tod von Thomas Bacher übernahm er dann 1945 die Führung des Gauverbandes. 1926 gründete Adlmaier in Traunstein den »Oberländer Heimatboten«, der als Mitteilungsblatt in den Vereinigten Trachtenverbän­ den eingeführt wurde. Während seiner Tätigkeit nach dem 2. Weltkrieg, als Mitglied des Bezirkstages von Oberbayern, setzte er sich besonders dafür ein, daß die Arbeit der Trachtenvereine von der Regierung als kul­ turell wertvoll anerkannt wurde.

Hans Seestaller, 1. Vorsitzender der Vereinigten Baye­ rischen Trachtenverbände von 1965 bis 1970, geboren am 24. Juni 1894 in Dürnbach bei Gmund am Tegern­ see, gestorben am 27. August 1979. Hans Seestaller übte den Beruf eines Zimmermeisters aus und war auch mehrere Jahre als Berufsschullehrer tä­ tig. Im l. Weltkrieg erhielt er die höchste Auszeichnung, die es für einen Mannschaftsdienstgrad gab, nämlich die goldene Tapferkeitsmedaille. 1922 wurde er in den Aus­ schuß des Oberlandler-Gauverbandes berufen und ab 1937 führte er den Gau als 1. Gauvorstand. Bei der Wie­ dergründung der Vereinigten Bayerischen Trachtenver­ bände 1947 wurde Seestaller 2. Vorsitzender, er setzte sich besonders für einen Zusammenschluß der zwei baye­ rischen Trachtenverbände auf Landesebene ein, leider ohne Erfolg. Als er dann 1970 als l. Vorsitzender ab­ dankte, wurde Hans Zapf sein Nachfolger. 11


Die Entstehung der Gebirgstracht Wer sich in den Kopf gesetzt hat, Trachtenforschung zu betreiben, gleicht einem Menschen, der flußaufwärts schwimmen möchte. Trotz aller Gewandtheit gelingt es ihm nicht, ein Ziel zu erreichen. In der Tat, wenn man die Schriften der Trachtenforscher studiert, dann muß man sich aufgrund der verschiedenen Theorien und Wi­ dersprüche manchmal fragen, was stimmt eigentlich? Diese Forscher mußten ihr Wissen auch alten Schriften entnehmen, ohne deren Wahrheitsgehalt prüfen zu können; oft werden auch alte Votivbilder zur Bestim­ mung von Trachten in einem gewissen Zeitabschnitt verwendet. Für die Kleidung der Menschen gilt auch der Aus­ spruch: Der Wechsel ist das einzige Beständige in unse­ rem Leben. Wenn sich auch früher in einem Jahrhun­ dert vielleicht nicht mehr geändert hat als heutzutage in ein paar Jahren, aber ein Wechsel war immer da. Es waren viele Einflüsse für die Veränderung in der Klei­ dung maßgebend. Zuerst schon einmal die wirtschaftli­ che Lage; ob arm oder reich war am Gwand schon er­ kennbar. Dann die Landschaft und Witterungsverhält­ nisse; in den großen Waldgebieten wurde meistens dunklere Kleidung getragen, während in den Bergen die buntere bevorzugt wurde. In Niederbayern brauchte man zum Beispiel auf den schweren Ackerböden Stiefel, wie sie heute noch von einigen Trachtenvereinen getragen werden. Im Ge­ birge waren die genagelten Schuhe notwendig. Die spa­ nischen und französischen Hoftrachten, die an den deutschen Fürstenhöfen einmal eingeführt wurden, sind über die städtischen Bürger auch zum Teil von der ländlichen Bevölkerung übernommen worden, die Na­ men Havelok (Mantel), Schile (Weste), Karsedel Krawattl - deuten noch darauf hin. Es darf auch nicht vergessen werden, daß es bis zur Mitte des 19. Jahrhun­ derts Bekleidungsvorschriften für die Untertanen der Herrschaftsgebiete gab, die manchmal sehr streng ge­ handhabt wurden, wobei die Untertanen der Klöster wahrscheinlich mehr Freizügigkeit hatten, da es doch hieß, unterm Krumstab ist gut leben. Bis vor dem letz-

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ten Krieg fertigten hauptsächlich Schneider und Nähe­ rinnen die Bekleidung der städtischen und ländlichen Bevölkerung an, wobei es zwar eine bestimmte Rich­ tung, aber viele Varianten gab. Heute sind es die Mo­ deschöpfer in Zusammmenarbeit mit der Bekleidungs­ industrie, die bestimmen, was die Menschen anziehen sollen. Nun aber zurück zu unserer Volkstracht. Ein Bericht über die Entwicklung einer Tracht hat meiner Ansicht nach nur einen Sinn, wenn man sich auf einen bestimm­ ten Zeitabschnitt und ein begrenztes Gebiet festlegt. So möchte ich über die Entstehung der Tracht, die von un­ seren Vereinen gepflegt wird, schreiben. Dabei wird es ebenfalls Ungereimtheiten geben. Zum Anfang des Jahres 1883 saßen an einem Sonntag fünf bis sechs Burschen von Bayrischzell, darunter auch der damalige Lehrer Vogl, bei einem Glas Bier beisam­ men. Im Laufe der Unterhaltung kamen sie auch auf die hiesige kleidsame Tracht zu sprechen und wie die­ selbe bereits im Verschwinden sei. Im Laufe des Ge­ spräches sagte Lehrer Vogl, wenn er nicht allein wäre, würde er sich sofort eine Lederhose kaufen, nur damit diese schöne kleidsame Tracht nicht ganz verschwinde. Die fünf Burschen erklärten sich bereit, eine kurze Le­ derhose zu kaufen und dieselbe auch anzuziehen. Dar­ auf sagte Lehrer Vogl: »Wißt's was! Gründ ma glei an Verein!« Und das war die Geburtsstunde der Trachten­ bewegung. Es handelte sich also um eine Männer- oder Burschen­ tracht, die vielleicht über hundert Jahre in etwas verän­ derter Form im Gebirge, hauptsächlich im Raum Mies­ bach-Tegernsee getragen wurde und die im Verschwin­ den war, weil sich die Menschen mehr der städtischen Kleidung zuwandten, also herrisch gegangen sind, wie es noch bis vor 60- 70 Jahren geheißen hat. In erster Li­ nie ging es damals, wie man aus dem Gründungsproto­ koll des ersten Trachtenvereins ersieht, um die Erhal­ tung der kurzen Lederhose. Die Trachtenvereine machten es sich zur Aufgabe, die Lederhose, die als Bundhose auf alten Zeichnungen und Stichen ein paar Jahrhunderte zurück schon sichtbar ist und sich allmäh-

lieh zur Kurzen entwickelt hat, als Volkstracht weiter­ hin zu erhalten. Der frühere Heimatpfleger von Schwaben; Dr. Alfred Weitnauer, schreibt dazu in seinem Büchlein »Vom Feigenblatt zur Schwabentracht« folgendes: Diese Männer aus der Gegend von Bayrischzell, die sich um 1880 herum an die Arbeit machten, hatten das richtige Empfinden dafür, daß eine Tracht, die vom Volk getragen werden soll, so beschaffen sein muß, daß man sie tragen kann und gerne trägt. Man reformierte und erneuerte - und zwar radikal. Die langen Staats­ gehröcke (gemeint sind die bis zum 19. Jahrhundert ge­ tragenen knielangen Flügelröcke) schnitt man ab und schuf auf diese Weise den kurzen Janker; desgleichen wurden die unterm Knie gebundenen ledernen Bock­ hosen nunmehr überm Knie abgeschnitten; so entstand die Kurzlederne. Eine Reform oder Erneuerung hat damals, wie man weiß nicht stattgefunden, aber das Papier ist eben ge­ duldig. Die Bänder und Knöpfe an der kurzen Leder­ hose, die als Verzierung gedacht sind, dienten be­ stimmt früher einmal zum Zubinden bzw. knöpfen un­ term Knie. Sie wurden vielleicht aus Bequemlichkeit offen gelassen und die Hosen wurden allmählich kür­ zer. Den gleichen Vorgang kann man heute immer wie­ der bei den Bergwanderern beobachten, die oft ihre zu knapp sitzenden Bundhosen nicht mehr zuschnüren. Auf alten Fotos kann man auch sehen, daß ungefähr bis zum 1. Weltkrieg die kurzen Lederhosen so lang waren, daß sie fast noch das ganze Knie bedeckten. Unerklär­ lich ist deshalb die Einstellung der Kirche, die aus sittli­ chen Gründen an den nackten Knien Anstoß nahm und es sogar Pfarrer gab, die den Kurzhöslern den Eintritt in die Kirche verwehrten. Verständlich wäre es gewesen, wie in den Jahren 19601970 die Lederhosen angefertigt wurden, wo sie teil­ weise nur mehr den halben Oberschenkel bedeckten und schon fast einer Badehose glichen, was ausgespro­ chen häßlich wirkte. Zur Zeit werden die kurzen Hosen wieder etwas länger und auch enger hergestellt, so daß sie wieder ein gefälliges Aussehen haben. Man sieht


also, daß sich auch in der Volkstracht ein gewisser Mo­ detrend bemerkbar macht. Auffallend ist, daß die Le­ derbundhose von den Trachtenvereinen nicht über­ nommen wurde. Im Winter wurden dagegen man­ cherorts schafwollene Schneestrümpfe über die kurze Hose angezogen. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde die lederne Bundhose als praktisches Kleidungsstück be­ sonders in der kälteren Jahreszeit auch als Tracht in den Vereinen wieder eingeführt. Im allgemeinen kann fest­ gestellt werden, daß die Lederhose in unserem Raum heute noch ein beliebtes Kleidungsstück in der Volks­ tracht ist. Sie wurde allerdings übertrumpft von der amerikanischen Blue Jeans, die bei Männer und Frauen in allen Bevölkerungsschichten salonfähig ge­ worden ist. Nun zur Joppe oder Lodenhemd, wie sie von einigen Trachtenforschern manchmal bezeichnet wird. Die Vorstellung, daß die langen Kirchenröcke so oft ge­ kürzt wurden, bis die kurze Joppe entstand, ist sicher­ lich irrig. Wenn auch von einigen Trachtenforschern abgelehnt, ist die Möglichkeit doch nicht ganz auszu­ schließen, daß der einfache graue Lodenjanker ohne Knöpfe und Halskragen, wie er heute noch von den Zil­ lertaler Schützenkompanien getragen wird, einmal Vorbild für die Miesbacher Joppe war. Daß der Ausdruck »Duxerisch-Geh«, wie er vor mehr als hundert Jahren im Miesbacher Raum gebräuchlich war, frei erfunden wurde, ist schwer zu glauben. In manchen Beschreibungen wird die Gebirgstracht ur­ sprünglich als Tiroler Holzknechttracht bezeichnet. Es ist zwar erwiesen, daß Tiroler Holzarbeiter bzw. Holz­ knechte damals wie auch heute in Bayern gearbeitet ha­ ben. Aber die Behauptung, daß deren Tracht von den Bayern übernommen wurde, ist nicht glaubhaft. Die Miesbacher Trachtenjoppe hat sich in Jahren und Jahr­ zehnten in Form und Ausstattung geändert. Die Sticke­ rei an der Joppe in ihrer jetzigen Form stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Bildhauer Raimund Jäger aus Miesbach entwarf die Muster (Eichenlaub, Edelweiß, Efeu, Frauenmanterlmotive).

Seine Brüder, die Schneider waren, bestickten damit die grauen Joppen. Diese Joppen in etwas abgeänder­ ten Formen und Ausstattung in den Farben grau, grün und blaugrau werden von den Trachtenvereinen im bayerischen Oberland von Berchtesgaden bis zum Bo­ densee getragen. Zur Miesbacher Tracht gehört auch noch die Weste, genannt Schile, obwohl man auf älte­ ren Abbildungen Trachtler manchmal ohne Schile sieht. Auch im Werdenfelser und Chiemgauer Raum wird dieses Kleidungsstück nicht getragen. Diese We­ ste war früher bis zum Hals zugeknöpft, so wie sie heute bei den Volkstrachten im nördlichen Bayern noch sichtbar ist. Erst später wurde das Schile ausgeschnitten damit man den gestickten Steg des Hosenträgers sehen kann. Der Hosenträger ist übrigens auch eine spätere Erfindung, denn in früheren Jahrhunderten wurde die Hose nur mit einem Gurt festgehalten. Das weiße Leinenhemd mit dem Halstüachl oder Kra­ wattl gehört natürlich auch zur Tracht. Bei den Hüten ist auch ein ständiger Wechsel in der Form erkennbar­ einmal hoch, fast zylinderartig und schmal, dann wie­ der niedrig und breit. Der original Miesbacher Plüsch­ hut dürfte so um die Mitte des vorigen Jahrhunderts entstanden sein. Heute sieht man bei den Trachtenver­ einen des bayerischen Oberlands die verschiedensten Hutformen und dazu dienen als Hutschmuck Adler­ flaum, Gamsbart, Spielhahnfeder und Roagerspitz. Bei den Strümpfen werden am meisten die langen Kniestrümpfe, oft mit schönen Mustern bestickt ange­ zogen. Die Loferl, Wadlstutzen, Beinhösln, oder wie sie sonst noch heißen mögen, werden hauptsächlich nur mehr im Werdenfelser und Chiemgauer Gebiet getra­ gen. Genau betrachtet war diese Männertracht um die Mitte des vorigen Jahrhunderts keine Kirchen- oder Festtagstracht, sonst wären die ersten organisierten Trachtler beim Kirchgang nicht verlacht oder sogar ab­ gewiesen worden. Es war wahrscheinlich eine Bur­ schen- oder Tanztracht, die nicht zum Kirchgang getra­ gen wurde. Der Begriff Neubayerische Tracht, der in verschiede­ nen Beschreibungen immer wieder auftaucht, wird

wohl deshalb entstanden sein, weil auch in ganz Bayern und darüber hinaus bis Berlin und Hamburg Gebirgs­ trachtenvereine gegründet wurden, für die war das eben dann eine neue bayerische Tracht, obwohl sie im Alpenraum bodenständig war. Bei der Gründung der ersten Trachtenvereine fällt auf, daß von weiblichen Mitgliedern und Frauentracht nichts erwähnt wird und in den Anfangsjahren der Trachtenbewegung wurden die Frauen und Mädchen auch nicht als Mitglieder im Verein aufgenommen, aber für die Trachtentänze brauchte man sie halt doch. Emanzipation war zur damaligen Zeit noch ein Fremd­ wort im Gegensatz zu heute, wo Frauen schon vielfach wichtige Funktionen im Vereinsleben ausüben - so än­ dern sich eben die Zeiten. Über die Entwicklung der weiblichen Tracht zu schrei­ ben und sich dabei auf Einzelheiten festzulegen wäre sinnlos, denn die Frauentracht in ihrer Vielfalt und Ausstattung hat immer schon schneller gewechselt als die Männertracht. In dieser Hinsicht sei auf die Schrif­ ten von Toni Demmelmeier, Schaftlach, hingewiesen, der auch in Vorträgen ein reiches Wissen über die Ent­ wicklung der Oberlandler Tracht vermittelt. Auch das Miesbacher Trachtenbuch von Irmgard Gierl gibt Auf­ schluß über die Verschiedenartigkeit der weiblichen Tracht in den letzten Jahrhunderten. So sollen hier nur in einer kurzen Zusammenfassung die Trachten be­ schrieben werden, die von den Frauen und Mädchen in unseren Vereinen getragen werden. Da wären vor al­ lem einmal das Miedergwand mit Weißwasch (Leinen) und grünem Hut bei gewöhnlichen Festlichkeiten und bei besonderen festlichen Anlässen mit Seidenwasch und Schnurhut. Das Gwand mit den genoppten Ärmeln in den Farben rot, blau und grün ist mit schwarzen Samtbändern verziert und das schwarze steife Mieder wird mit einer silbernen Kette verschnürt. Das Schalkgewand, reich mit Rüschen verziert, dazu Seidenschurz und Schnurhut, war in erster Linie ein Hochzeitsgwand und wurde zuerst nur im Tegernseer Raum, erst später dann im ganzen Gebiet zwischen Isar und Inn getragen. Jetzt wird es auch von verheirateten 13


Frauen an Fronleichnam und bei Festzügen angezogen. Das Spensergwand mit larem Hut, also ohne Schnur, war ein reines Kirchengwand. Meistens hatte jede Frau drei Gwander: ein Gutes aus Seide für die Festtage, ein Halbgutes und ein gewöhnliches Sonntagsgwand. Im Winter gab es dazu ein Umschlagtuch. Dieses Gwand wird in unserer Zeit immer seltener angezogen. Man sieht es in einigen Orten höchstens noch bei kirchlichen Festen, Beerdigungen oder Wallfahrten. Die soge­ nannte Halbtracht ist ein Dirndl oder Leibigwand, das von Verein zu Verein verschieden, aber im Verein ein­ heitlich ist und wird angezogen bei vereinsinternen Veranstaltungen und Heimatabenden. Bis vor dem Zweiten Weltkrieg war diese in vorliegenden Zeilen beschriebene Tracht auf dem Land bzw. im Oberland noch lebendig und bodenständig, das heißt, sie wurde von der ländlichen Bevölkerung auch außerhalb der Trachtenvereine getragen. Die Männer und Burschen gingen mit der grauen oder grünen Joppe, dazu die lange Tuch- oder kurze Leder­ hose zur Kirche und die Frauen zogen dazu das Kir­ chengwand (Spensergwand) an. Nach dem Krieg fand dann eine Umschichtung auf kulturellem Gebiet statt, von der auch die Volkstracht und der Dialekt betroffen wurden. Amerikanischer Einfluß durch die Besat­ zungsmacht machte sich bemerkbar und die große Zahl der Heimatvertriebenen brachten andere Lebensge­ wohnheiten mit. Auch durch die Massenmedien, Presse, Rundfunk, Fernsehen wurde die Lebensart und Lebensweise der Bevölkerung stark beeinflußt und ver­ ändert. Einige Jahre nach dem Krieg war es überhaupt schwie­ rig, neue Trachten zu beschaffen; denn man konnte nur auf Bezugsschein oder Kleiderkarte etwas kaufen und die Zuteilung war knapp. Da blühte natürlich der Schwarzhandel. Eine alte Lederhose hatte damals ei­ nen hohen Kurswert und wer von Schwarzschlachtun­ gen zwei Kälberhäute ergattern konnte und sie gerben ließ, konnte sich vom Säckler eine Bundhose machen lassen. 14

Seit der Zeit ist die Lederbundhose wieder ein beliebtes Kleidungsstück geworden. Erst nach der Währungsre­ form 1948 ging es wieder aufwärts, die Trachtler konn­ ten sich allerdings schon früher wieder organisieren, weil sie parteipolitisch nicht belastet waren und ihre wertbeständigen Trachten aus früheren Jahren zum Teil noch besaßen. Ab 1950 machten sich dann soge­ nannte Trachtenerneuerer ans Werk; um nur zwei zu nennen: Frau Elisabeth Eylmann und Frau Dr. Brück­ ner. Wie die Erfahrung zeigt, war ihnen kein großer Er­ folg beschieden. In den sechziger Jahren hat dann die Mode- und Beklei­ dungsindustrie eine Marktlücke entdeckt: die Trach­ tenmode, und es wurden unzählige Modelle entworfen, den Leuten angeboten und auch gekauft. Einige Stücke hatten ein gefälliges Aussehen, aber viele Modelle wa­ ren ausgesprochen kitschig. Aber es war halt doch eine Trachtenbekleidung und die echte Tracht wurde als altmodisch angesehen und da­ durch etwas abgewertet. In unserer Zeit haben ja die meisten Menschen Angst davor, sie könnten als altmo­ disch und rückständig angesehen werden. Bei den Trachtenvereinen, die nicht im Oberland beheimatet waren, hat sich auch eine Wandlung vollzogen. Nach­ dem die Trachtenvereine für ihre kulturelle Arbeit vom Staat eine finanzielle Förderung bekommen, verbun­ den mit der Auflage, nur die jeweils bodenständige Tracht zu pflegen, haben diese Vereine ihre alten schö­ nen Trachten, zum Teil etwas der Zeit angepaßt, wie­ der zum Leben erweckt, so daß es heute keine Gebirgs­ trachtenuniform, wie Dr. Weitenauer einmal schrieb, mehr gibt sondern Volkstrachten, die sich der jeweili­ gen Landschaft und ihrer Tradition angepaßt haben. In den Nachkriegsjahren bekamen die Trachtenvereine öfter den Vorwurf zu hören, ihr Gwand wäre erstarrt und museumsreif. Wie auf alten Fotos ersichtlich, hat sich die Volkstracht immer verändert, aber nur lang­ sam. Deshalb ist diese langlebige Kleidung für die Kon­ sumförderung der Wirtschaft nicht geeignet. Durch Dauerberieselung mit Reklame und Werbung wurden die Menschen heute soweit gebracht, daß sie kaufen,

wegwerfen und wieder kaufen. Darum wird auch das Problem der Abfallbeseitigung immer größer. Wie schon erwähnt, wurde durch diese Umstände un­ sere bodenständige Volkstracht abgewertet und es soll nicht verschwiegen werden, daß diese Tracht in unse­ rem Gebiet, von einigen Ausnahmen abgesehen, nur mehr eine Vereinstracht ist. Aber gäbe es keine Trachtenvereine, gäbe es über­ haupt keine bodenständige Volkstracht mehr. Es wer­ den in unserem Raum auch außerhalb der Vereine noch Trachten getragen, aber man kann keine Linie mehr feststellen, weil die unmöglichsten Kombinatio­ nen zu sehen sind, wie zum Beispiel Steinklopferhut, Trachtenjoppe, Blue Jeans und Turnschuhe. Man könnte sie oft in die Maskeraszene einordnen. In unse­ ren ländlichen Bereichen werden zur Zeit am meisten noch die braunen Lodenanzüge getragen - auch eine saubere Tracht, nur nicht so schmuck und farbenfroh wie die alte Gebirgstracht. Überwiegend wird ja heute Sport- und Freizeitbekleidung bevorzugt. Früher gab es auch noch eine Arbeitstracht. Da wurden meistens aus Sparsamkeitsgründen die abgenützten Trachten als Werktagsgwand aufgetragen. Darum war da auch ge­ bietsweise ein bestimmter Stil zu erkennen. Abgesehen von ein paar Berufen, wie zum Beispiel Kaminkehrer, gibt es keine Arbeitstracht mehr. Der Landwirt braucht heute eher schon einen Monteuranzug, weil er doch meistens mit Maschinen umgeht. Die Bäuerin kann auch keinen langen Kittl brauchen, wenn sie ab und zu auf den Traktor steigen soll und der Holzarbeiter muß einen Schutzhelm tragen, wenn er mit der Motorsäge arbeitet. Somit kann auch von einer Holzknechttracht, wie sie von Trachtenforschern öfters erwähnt wird, keine Rede mehr sein. Also ist der Wechsel doch das einzige Beständige in unserem Leben. Franz Sappl


Trachten im Gebiet des Loisachgaues um 1900

Brautpaar 1896

Trachtler mit Wadlstutzen (Loferl) und Halbschuhen.

Trachtler mit breitem Hut, Wadl­ stutzen und Schnürschuhen

Trachtler mit langer Hose, unten glockenförmig, bezeichnet als Vürigschnieni

Trachtler mit Dreherhut

Mädchen mit Mieder, Weißzeug, Halstüchl, Flaumhut und Gnaglte.

Mädchen mit Mieder und Schnur­ hut

Frau mit Spensergwand und Schnurhut (Kirchengwand)

Frau mit Spensergwand und larem Hut. Der Halseinsatz wurde als Al­ tar bezeichnet.

Mädchen mit Mieder und Schnur­ hut

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1938

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IDir f}ciben· mit �r Eanbcsf�dlfcfiaft 1 9J2ünf]en, btr %icf)sfadif..f:oft 2rrtiftif folgenbe ·mercinbarunn ge, troffen, üb�r be ren · .3 11 f r a f t t r e t e n u n b 21 u s f ü (}; r u n g s b e ft im m u n g � n nod) weitere %ttDei[ung i11 t>er nadiften 3eit oon . u11s erger,t. '.Dief es _21bfommen gilt ·itur für ben <f>au 9J1ün�n,Dbb. 9J1ünd}en, �n 11. :Juli 1936. �trti11llarun11 übet �;isgabt btr l:age�auswciit an ui.tt, bernfsmiie.lg� �arfttlltr, lwir.f;ftl .brr 9,6.•Sl11lturgr = mrrnb�. �-nubitnfHtdlr 9:Jlü.ni}tn•Dbb., unb bcr !llti:fi.-s• f ad)i.f:.aft �rtiitil, !!anbcsfa.-d: idiaft 1 IDlünf)rn. '.Die '.:tagernusmeife für �uftrittsbemilligung nicf)t• beru flidjer, geroerbsmätig ouftretenber molfsgmoff en ·­ �Iattler, 6ä11g�r ufro., ein3eln ober in ffiruppen rocrben oon ben �miSlDOltern ber !Jl. ff. 21. nur im <Ein, Dtrnel)'men mit ben 311ftänbigm Dbmännem ber 91G.5H� ausgeft:Ilt unb oon biefen angeforbert. '.Der 2ruftrete:nb? ober bi� füruppe mus einem '.:trad)tenoerein ber 91S.Rffi angel;ören, · bamit 'oie '.Darbietung als überprüft gilt. '.Die .Rontrofü her Dbmänner b-er 91S.Rffi u11b if}rer '.:tracf}tenrermnten gibt ber �erufsorgani!ation bie ffi�, roäf;T für politifd)e, < moralifche un'O fulturelle 3uoer• läffigfeit un't> �cfJtfFit feitens ber an3uforbernben '.Dar. fteIIer. · _. i -· '.Die 9t ff. 2!. empfieblt ifrren eigenen 9J1itgiiebern, f oroeit \il baneri[cf}es IDolfsgut geroerbsmäsig barbieten, einem ber 91S.Rffi angefd)Iofienen '.:trad}fenoerein altlll• gef;füen; . um Uänbig in merb1n'oung mit bent" Ieuenben molfstum ·3u bleiben. S)eil .f>ifür! ff e i cf) t e n u e i he r. '.Die 91S.,.Ruiturg�meinbe ffiaubi�nftftene 9Jlünd)en,.Dbb. 2rbt.: molfstum unb S)eimat. Sl ö n i g, · Eanbcsiacfifd)aftskiter. ,9Md:siad;:,f.af l 2rrtiftif in bcr %id)stf}eaterfammer S2anbesfadM;aft 1 9.Jlün,f..en, 2rmu1Htr. 17. '.tel. 55032.

(»aunad)rid)ten "2!Ilen lb. <tauoireir.e.1 bi ne 311r fürmtnis, bas am s O n n. t a g , 1 3. S e p t � m b e r in t}Ü f f e n bzi un[mm {b. �!U, beroerein '.D' 91cuicf}manftoan� Stamm unfer bi:s:äf7riges �au :in3 •Jn•�rti:,plattdn rtattiinbet. füe3u werten an� ffiauoerzine 3u red)t 3af}lreiJ;tr �etd!igung einrela'ten, um b�n 91eu[d)manftoan�rn für ify, SRit• arbeiten in allen ffiau:ingeb gen(Jziten 3u bonfen. ijerner tr• . . _ fud)e u(; ofü l:eilnd;-mer, pünffüt iu ben feftgt[etitm 3e it,m 311 erfcf)tinen, bamit mir aud) na,:f; bem �Iatteln ein paar Stunbcn im famera'ofd)attlid>en �eif ammenf ein oerbringm fönnen. Rommt aber aucf) afü in fauber!r '.:tractt unb f)aitet '.Difaiplin, bamit bie fremben ffiäftl' · ein::n guten <finbrud oon biefem �Iatteln mitnel)men.

_______ "2.Sept-�'193ti

'.Die 91?ufcf}man\toaner n:aben alles ·aufbieten; um bas �reisplafüln ed)t. famer.1b[d;affü.f) · 3u ge[t::ifün. 2ruf ein fro{).-!s IDieber[c{)en · freuen ficf} am 13. <fuere füauoorplatfür September in ffü[fen ffi e o r g � a r n ft z i n e r u. 2r n t o n \B u 6 i ä g e r. 91�. 2rm 13. · Geptember, oormittags Ei a I b 1 O U Q r , finbet in ber ,,%uen �oft" � r e i s r i cf} t e r [ i t, 3 u n g \iatt. 2rlle morplatfür geE;t es an. �ünft!icf) l J U(jr �eginn bes m1attclns. füruppe 2 unb füruop� ] �uam, · borm <f>ruppe 2 unb fürupp� 1 '.Dirnbln . <fs i[t �flicf)t aller '.:tzilnef]mer, pünftli.d) 3um �lat, teln an3utreten.

�os 16. i!oifndJ= ©nufeft in ien�bero

Weit unb breit in unie.e, oberbanzr. IDoralven= unb a,n Geenf;eimat . fan'l:.e:1 Sorntag, 26. Juli grc.13: Um10 '.:tra�tenfzfie ftatt. erfrculid:er mar es für �en1bzrg , baß io v:ele 5.ßereine unb '.l'.ra�tler aus naq unb fern 3urn grosm ijefte ber „Eoifacf}taler" 9J1a1fron gefommen roaren, bas ficf} 3um grosen '.:t·!il in ber �crgmannsftabt f eib[tabi1r, micfelt 'f'At. '.Die faf}nengeid)müdt� Stobt bcgrüi3ti 0111 Soimtag nicf)t roenig�r als 27 mereine (21 in unb G auser ffiau), bi·� mit ib:en ffJfynen er[d)icnen maren, um bas 16. ffiau• unb 3ugleicf} 35. fürünbungsfeft ber ,,Eoi[ad)taler" SRa1fron 311 feiern. '.Das ffeft fan't> ireu, bigen 21uftart am Samstag abcnb in SRa1fron, roo unter einer ffülle von '.Darbietungen l)eimatlid)m fficvräg�s in S2ieb, '.:tan3 u_nb 9J1u[if bir 2. morftanb füftr�in eill.l <fntroidlungsübcr[id)t bts im 3alire 1981 gegrün, beten mereinS' unb ber '.:rrad)tenbcroigung gab.

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Gau�Chronik Zu der Gründung des Trachtenverbandes Loisachgau gibt es ebenfalls eine Vorgeschichte. 1895, zwölf Jahre nach der Gründung des ersten Trachtenvereins in Bay­ rischzell, wurde auch in Penzberg der erste Trachten­ verein gegründet. Bei der Gründung des Oberlandler Gauverbandes am 3. Dezember 1899 in Miesbach wa­ ren bereits zwei Penzberger Vereine dabei. Nachdem im Raum Penzberg-Maxkron noch drei Vereine ge­ gründet wurden und sich diese ebenfalls dem Ober­ landlergau anschlossen, hatten die Penzberger Vereine in diesem Verband doch eine gewisse Machtposition. Aus diesem Grund ist es zu verstehen, daß in einer Gausitzung am 3. 12. 1905 in Penzberg Hans Mühl­ pointner die Frage stellte, ob es nicht an der Zeit sei, den Sitz des Gauverbandes von Miesbach, wo anders hin zu verlegen, wahrscheinlich mit dem Hintergedan­ ken, Penzberg als Sitz zu nehmen. Nachdem dies abge­ lehnt wurde, schlossen sich die Penzberger Vereine einige Jahre später zusammen und gründeten am 10. Juli 1910 die Gebirgstrachtenvereinigung Penzberg und Maxkron. Diese Vereinigung könnte als Vorstufe zur Gründung des Loisachgaus angesehen werden; sie wurde 1935 wieder aufgelöst, das Schriftführerbuch ist noch vorhanden. Durch den 1. Weltkrieg 1914-18 kam jegliche Vereins- und Verbandstätigkeit zum Stillstand. Im ersten Friedensjahr 1919 kam es dann zur Gründung des Loisachgaus.

Protokoll über die Gründung des Loisachtaler Gauverbandes Am Sonntag, den 25. Mai 1919 fand in der Baderestau­ ration in Penzberg eine Sitzung statt. Zweck derselben war Gründung eines Gauverbandes im Loisachtal. Die Sitzung wurde um 13.30 Uhr eröffnet. Als Vorsitzender wurde Peter Schweizer vom GTEV »Birkenstoana« Penzberg einstimmig gewählt. Der Vorsitzende gab nun bekannt, daß 17 Vereine aus allernächster Nähe eingeladen wurden, von denen 10 erschienen sind. Des weiteren wurde vom Vorsitzenden der Zusammen­ schluß der Vereine zu einem Gauverband in kurzen Zü20

gen erörtert. Die Vereine sprachen sich dann in der Diskussion für einen Gauverband aus und es wurde so­ mit zur Gründung geschritten. Dem Gauverband traten 9 Vereine bei: GTEV »Birkenstoana« Penzberg GTEV »Edelweiß-Stamm« Penzberg GTEV »D'lustigen Wendlstoana« Penzberg GTEV »D'Loisachtaler« Maxkron GTEV »Edelweiß« Bichl GTEV »Wendlstoana« Wolfratshausen GTEV »Barmstoana« Benediktbeuern GTEV »Schmid von Kachel« Kachel GTEV »Zwieslalma« Bad Heilbrunn Nun wurde zur Wahl des Ausschusses geschritten. Aus derselben gingen folgende Ausschußmitglieder hervor: 1. Vorstand Peter Schweizer, »Birkenstoana« Penzberg, 2. Vorstand Peter Werner, »Wendlstoana« Wolfrats­ hausen, 1. Schriftführer Michl Naierz, »Loisachtaler« Maxkron, 2. Schriftführer Josef Probst, »Edelweiß« Penzberg, 1. Kassier Johann Schwaiger, »Edelweiß« Bichl, 2. Kassier Franz Kraus, »Barmstoana« Bene­ diktbeuern. Als Revisoren Martin Schöttl, »Wendlstoana« Penz­ berg und Rupert Kaltenmarktner, »Zwieslalma« Bad Heilbrunn. Bei der Statutenberatung ergab sich, daß der Gauverband den Namen Loisachtaler-Gauver­ band, Sitz Penzberg, erhalten solle. Ferner wurde eine Aufnahmegebühr von 10 Mark und ein jährlicher Bei­ trag von 15 Mark beschlossen. Ferner wurde ein Antrag gestellt zur Abhaltung eines Gründungsfestes. Der An­ trag fand einstimmige Annahme. Es wird also am 3. August 1919 ein Gründungsfest abgehalten, dem am Samstag, den 2. August abends 8 Uhr, die Gausitzung vorausgeht. Sollte jedoch schlechtes Wetter eintreten, wird es auf den 9. und 10. August verschoben. Von ei­ ner Preisverteilung wird in diesem Jahr Abstand ge­ nommen wegen verschiedener Schwierigkeiten. Das Fest wird vom Verband selbst geleitet. Der Überschuß soll in die Gaukasse fließen zur Stärkung derselben. Es wurde auch die Anregung gemacht, die Trachtenzei­ tung als offizielles Organ anzuerkennen und den Ver-

band als offizielles Publikationsorgan anzumelden. Auch zu kräftiger Zusammenarbeit zur Hebung und Vergrößerung des Gauverbandes, sowie zu kräftiger gegenseitiger Unterstützung bei Festlichkeiten wurde ermahnt. Mit einem kräftigen »Einig san ma« wurde die erfolgreiche Sitzung gegen 17 Uhr geschlossen. Nachtrag: Am Montag, den 26. Mai, hat auch der GTEV »Alpenrose« Maxkron seinen Beitritt zum Gau­ verband erklärt. Der Verbandsausschuß Schweizer Peter Naierz Michl Schriftführer Gauvorstand Die Vereine »Alpenrose« Maxkron und »Edelweiß­ Stamm« Penzberg haben sich 1922 wieder dem Ober­ landlergau, Sitz Miesbach, angeschlossen. In der Sit­ zung am 2. 8. 1919 wurden die Vereine Diemendorf und Seeshaupt in den Gauverband aufgenommen. Das Gaugründungsfest wurde am 3. August 1919 in Penz­ berg abgehalten. Über den Verlauf ist nichts bekannt. Damals war es allgemein üblich, daß in den Schriftfüh­ rerbüchern über den Verlauf von Festlichkeiten und Veranstaltungen nichts geschrieben wurde; es wurden nur Protokolle über Versammlungen und Sitzungen ge­ führt. Gau-Sitzung am 1. 2. 1920: die Vereine »Werdenfel­ ser« München und »Kirchstoana« Sindelsdorf werden aufgenommen und die Preise für das Gaufest festge­ setzt. Die Bestimmungen für die Tracht im Gauver­ band, für die Trachtenschau beim Gaufest werden wie folgt festgesetzt: Für Buam: Trachtenjoppe mit Trach­ tenschnitte ohne Ausnahme der Farbe. Binden: Tüchel mit Hirschhornschieber ohne Farbunterschied, grüne Tuch- oder Samtweste mit Silberknöpfen und Trach­ tenschnitt; Hut: Miesbacher Trachtenhut; Strümpfe: Tracht 1 kurze Strümpfe (Lofer!), hohe Trachten­ schuhe - Tracht 2 lange Strümpfe und niedere Trach­ tenschuhe; Hosen: Lederhosen ohne farbige Stickerei, - Silbersachen haben echt zu sein, - Dreherhüte sind nicht zugelassen, jedoch können dieselben bei vollstän­ diger Gleichheit innerhalb des Vereins berücksichtigt werden.


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Michl Naierz, Gauschriftführer von 1919 bis 1927, Vorsitzender des Oberländer Bundes von 1922 bis 1925, 2. Vorsitzender der Vereinigten Trachten­ verbände von 1925 bis 1928. 22

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Bei Deandl: Die Trachtengewänder können verschie­ den sein in der Farbe, jedoch müssen sie dieselben Trachtenschnitte und den selben Aufputz haben.Hüte müssen mit Gummiband befestigt sein.Hutnadeln sind verboten. Gestickte Mieder sind nicht zugelassen. Tracht 1 Schnürhut, Seidentuch, Seidenschürze, weiße Strümpfe und hohe Schnürschuhe. Tracht 2 Pflaumhut, Stärkwäsche, weiße Strümpfe und Halbschuhe, - Ge­ schnür sowie jeder andere Schmuck müssen echt sein, Farbeneinheit in der Tracht bevorzugt. Die Bestim­ mungen für diese Tracht wurden hauptsächlich vom Oberlandlergau übernommen. In der Sitzung am 20.6.1920 wurden die Vereine »Wa­ xenstoana« Antdorf und »Herzogstandler« Schlehdorf aufgenommen. Bei der Gauversammlung anläßlich des 1. Gaufestes am Sonntag, den 1. August 1920 in Bene­ diktbeuern, wurden die Vereine »Alpenrose« Königs­ dorf, »Isartaler« Thalkirchen und »Loisachtaler« Gel­ ting in den Gauverband aufgenommen. Der Gauvor­ stand appellierte an die Vorstände, die Trachtenzei­ tung des Oberländer Bundes »Die Bergheimat« einzu­ führen und womöglich die Abonnementenzahl zu erhö­ hen. Der Schriftleiter Georg Gaul von Oberhausen bei Augsburg war anwesend. Bei der Generalversamm­ lung am 5. 12. 1920 wurden die Vereine »Isarlust« Ir­ schenhausen, »Wendlstoana« Thanning und »Angl­ bergler« Beuerberg in den Gauverband aufgenommen; damit waren es bereits 21 Gauvereine. Bei der Neuwahl wird Oskar Daigfuß, »Werdenfelser« München, 2. Gauvorstand. Vorstand Raßbichler von den »Schloß­ berglem« Wolfratshausen erklärte sich bereit das Gau­ fest 1921 auf eigene Rechnung ohne Zuschuß der Gau­ kasse zu übernehmen. Der Gaubeitrag wurde von 15 Mark auf 30 Mark erhöht. Sitzung am 5.6.1921: die Vereine »Würmseelust« Hö­ henrain, »Sachenseer« Wallgau und »Loisachtaler« Beuerberg wurden in den Gauverband aufgenommen. Scheinbar hat sich in Beuerberg ein zweiter Verein ge­ bildet, der aber schon im nächsten Jahr nicht mehr in Erscheinung trat. Hans Raßbichler wird zum 2. Gau-

vorstand gewählt. Am 7. 8. 1921 fand das Gaufest in Wolfratshausen statt. Generalversammlung am 5. 12. 1921: der Verein »Alpenrose« Maxkron hat seinen Austritt erklärt. Das Gaufest 1922 wird dem Trachten­ verein »Werdenfelser« München zugesprochen. Der Gaubeitrag wird auf 100 Mark erhöht. Gausitzung an­ läßlich des 3. Gaufestes in Tutzing (»Werdenfelser«) am 6. 8. 1922: der Verein »Edelweiß« Bad Tölz wird in den Loisachgau aufgenommen, der Verein »Schmid von Kachel« hat seinen Austritt erklärt. Hauptversammlung am 10. 9. 1922: der Verein »Edel­ weiß-Stamm« Penzberg hat seinen Austritt erklärt. Es wurde beschlossen, einen Gauplattler einzuführen; be­ stimmt hierfür wurde der Loisachtaler Landler. Ver­ sammlung am 13. 5. 1923: Die Geldentwertung macht sich bemerkbar; der Gaubeitrag wird auf 500 Mark er­ höht. Delegierten-Sitzung anläßlich des 4. Gaufestes in St. Heinrich: Die Trachtenvereine »Wendlstoana« Nan­ tesbuch und »Alt-Miesbach« München wurden in den Gauverband aufgenommen. Die Gauaufnahmegebühr wird auf 25000 Mark festgesetzt. Fünf Vereine spende­ ten der Gaukasse je 20000 Mark. Die Reihenfolge der Verei!le beim Festzug wurde damals immer ausgelost. Die Frühjahrs- und Herbst-Gauversammlungen wur­ den bis 1927 immer in Penzberg abgehalten, ab 1927 dann meistens in Wolfratshausen, eine dritte Ver­ sammlung wurde bis 1926 am Tag des Gaufestes am­ Festort gehalten. 21. 4. 1924: Der Gaubeitrag wird auf 10 Mark festge­ legt, das Gaufest 1924 wird dem Verein »Wendlstoana« Penzberg zugesprochen. Gau-Sitzung anläßlich des 5. Gaufestes am 27. 7. 1924 in Penzberg. Dabei wurden die Anmeldungen der Ver­ eine zur Trachtenschau entgegengenommen, auch mel­ deten sich mehrere Vereine für historische Tänze und Gesang, deshalb mußten Preisrichter bestimmt wer­ den. Hauptversammlung am 5. 10. 1924: Das neue Gaukli­ schee fand allgemeine Anerkennung. Herrn Brandho­ fer, Benediktbeuem und dem Verlag »Bergheimat«

wurde für Entwurf und Ausführung der Dank ausge­ sprochen. Bei der Neuwahl wurde Simon Hirschheiter »Edlweiß« Bad Tölz, 2. Gauvorstand. Am 1. 4. 1925 wird im Gau eine Hilfskasse eingeführt. Diese hat den Zweck bei Todes- oder schweren Unglücksfällen eine Unterstützung zu gewähren. Jeder Trachtenkamerad im Gau hat einen Monatsbeitrag von 10 Pfennig zu ent­ richten. Am 6. Gaufest, verbunden mit der Fahnen­ weihe des Trachtenvereins »Edlweiß« Bad Tölz am 2. 8. 1925, nahmen 40 Vereine und 10 Musikkapellen teil. Es hat in Strömen geregnet. Hauptversammlung am 4. 10. 1925: Das Gaufest 1926 wird den »Isartalem« Thalkirchen zugesprochen, die ihre Fahnenweihe da­ mit verbinden. Der Trachtenverein »Edelweiß« Bichl tritt aus dem Gau aus, weil er das Gaufest nicht erhal­ ten hat. Frühjahrsversammlung am 5. 4. 1926: Der an­ gemeldete Trachtenverein »Würmseer« Bemried konnte aufgrund von bestimmten Richtlinien im Gau nicht aufgenommen werden. Gauversammlung am 3. 10. 1926: Bericht über die Gauvorstände - Tagung in Westerham. Dabei wurde die Einführung einer Ein­ heitspresse für das bayerische Oberland befürwortet. Gauversammlung am 6. 2. 1927: der Oberländer Hei­ matbote (HTB) wird im Loisachgau eingeführt. Frühjahrsversammlung Ostermontag, 18. 4. 1927: Be­ vor zur Tagesordnung übergegangen wurde, gab Gau­ vorstand Schweizer bekannt, daß sich in Penzberg die Vereine »Edelweiß Stamm«, »Wendlstoana« und die Mehrzahl vom Trachtenverein »Birkenstoana« zu ei­ nem Verein zusammengeschlossen haben unter dem Namen Gebirgstrachtenerhaltungsverein Penzberg 1895. Die Behandlung der Existenzfrage des noch be­ stehenden Vereins »Birkenstoana« wurde zurückge­ stellt und demselben die Teilnahme an der Versamm­ lung gestattet. Die Hilfskasse wurde wegen mangeln­ dem Interesse ab 1. 4. 1927 aufgelöst, der Kassenbe­ stand von 106 Mark wurde den anteilberechtigten Ver­ einen zur Verfügung gestellt. Die Einführung einer forstgrünen Trachtenjoppe mit Stehkragen, Rücken­ spange, spitzen Joppenlatz mit gestepptem Eichen23


laub, Hirschhornknöpfen und grünen Ärmeleinsatz wurde einstimmig angenommen. 1927 wurde kein Gaufest abgehalten, weil statt dessen in Penzberg das Bundesfest des Oberländer Bundes stattfand. Der Oberländer Bund, Sitz Murnau, wurde 1920 gegründet. Ihm gehörten vier Gauverbände an. Nach der Gründung der Vereinigten Trachtenver­ bände löste er sich 1928 wieder auf. 1927 befand sich der Loisachgau in einer schweren Krise, hauptsächlich hervorgerufen durch Zwistigkeiten unter den Penzber­ ger Vereinen, die vermutlich auch zum Teil ihren Ur­ sprung in den verschiedenen politischen Einstellungen der Mitglieder hatten. In der Hauptversammlung am 9. 10. 1927 im Staltacher Hof heißt es: Über den Zu­ sammenschluß der Vereine in Penzberg wurde eine leb­ hafte Debatte geführt. Ein schriftlicher Antrag auf Ausschließung des Trachtenvereins »Birkenstoana « wurde mit 21 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Nach der

Abstimmung verließ der Trachtenverein Penzberg 1895 das Lokal und erklärte seinen Austritt und damit schied auch der Gauvorstand Peter Schweizer aus dem Gau aus. Sein Name wird später in der Oberlandler Gau-Chronik im Zusammenhang mit der Organsition des Oberlandler Gaufestes 1931 in Penzberg lobend er­ wähnt. Nach einem schweren Unfall im Bergwerk ist er am 24. 11. 1938 mit 54 Jahren gestorben. Den Berich­ ten zufolge war der Bergmann Peter Schweizer ein gu­ ter Trachtler und Organisator, aber die Fähigkeit, die Vereine zusammenzuhalten und Menschen zu führen, fehlte ihm scheinbar. Während seiner achtjährigen Tä­ tigkeit als Gauvorstand haben immer wieder Vereine ihren Austritt erklärt, so daß der Gau 1927 nur mehr aus 16 Vereinen bestand. Der langjährige Gauschriftführer Michl Gabler schreibt dazu folgendes: »Die vielen Reibereien im Gau kamen im Jahr 1927 endlich zum Ausbruch. Noch

Penzberg um 1865. Links einer der alten Penzberger Höfe, in der Mitte die Schacht­ anlage, rechts der damals neue Bahnhof. 24

ein paar Jahre und der Loisachgau wäre vollständig zer­ schlagen gewesen. Durch ganz verkehrte Ansichten und aus Größenwahn von einigen Männern verlor der Gau einen Verein nach dem anderen. Am Sonntag, den 9. Oktober sollte wieder ein Verein gewaltsam erledigt werden, doch zeigte die Abstimmung, daß die Dele­ gierten mit dieser Politik nicht mehr einverstanden wa­ ren. Durch diese Abstimmung war der Gauausschuß lahmgelegt und es folgte in diesem Jahr eine Neubeset­ zung desselben. « In der Gauversammlung am 9. 10. 1927 wurde Hans Raßbichler, Vorstand der »Schloß­ bergler « Wolfratshausen, zum 1. Gauvorstand ge­ wählt. Das war ein Neubeginn; von da an gings im Loi­ sachgau wieder aufwärts. Raßbichler war ein Mann, der immer auf Ausgleich und Verständigung bemüht war. 9. 4. 1928 Gauversammlung in Benediktbeuem: Der Trachtenverein »Wendlstoana« Thanning wird wieder

Penzberg um 1985, im Vordergrund das MAN-Werk


in den Gau aufgenommen. Schäffler Wastl, »Isartaler« Thalkirchen, wird 1. Gaukassier. Das Dreigespann Raßbichler, Gabler und Schäffler bestimmten dann das Geschehen im Gau bis in die fünfziger Jahre. Das Gau­ fest 1928 wurde dem Verein »Kirchstoana« Sindelsdorf zugesprochen. In der Versammlung am 28. 10. 1928 wird einstimmig beschlossen, daß die Deandl handge­ strickte Strümpfe zu tragen haben. Gauversammlung 1. 4. 1929 in Thalkirchen: Der Trach­ tenverein »Dürnstoana« Deining wird in den Gau auf­ genommen. Das Gaufest 1929 richtete der Trachten­ verein »Waxenstoana« Antdorf aus. Der Gau stellt da­ bei für jeden Verein einen Ehrenpreis und 4 Trachten­ preise. Einen schönen Preis zu gewinnen, wurde zu da­ maliger Zeit von jedem Verein als großer Erfolg gefei­ ert. So kam es mitunter vor, daß auch mit unlauteren Methoden um die Preise gekämpft wurde, so daß der Ausdruck »Preisjägerei« schon eine gewisse Berechti­ gung hatte. Generalversammlung am 22. 9. 1929: Der Gauvorstand berichtet über eine Pressesitzung in Traunstein, die Wahl eines Zeitungswartes wird abgelehnt und die Ka­ meraden ersucht, die Trachtenzeitung wie bisher bei der Post zu bestellen. Das Gaufest 1930 wird vom Trachtenverein Diemendorf ausgerichtet. Der Festzei­ chenpreis wird auf 70 Pfennig und 1 Mark erhöht. Ge­ neralversammlung am 5. 10. 1930: Die Plattlergruppe »Edelweiß« Starnberg wird als Trachtenverein »Edel­ weiß« in den Loisachgau aufgenommen. Der Gauvor­ stand beklagte sich über den schlechten Besuch beim Gaufest in Diemendorf und beim Trachtenaufmarsch in Rosenheim. Von dessen Überschuß wurde dem Loi­ sachgau 100 Mark überwiesen. Nach einer scharfen De­ batte wurde mit 19 gegen 5 Stimmen beschlossen, die 100 Mark den Vereinen zu überlassen, die in Rosen­ heim dabei waren. Gauversammlung am Ostermontag, den 6. 4. 1931 in Maxkron: Das Gaufest 1931 wird vom Trachtenverein »Birkenstoana« Penzberg ausgerichtet und findet am 29. Juni statt. Die Vereine werden ersucht, sich beim Kirchenzug vollständig zu beteiligen. Mittags findet die

Trachtenschau statt; die Einteilung der Musikkapellen erfolgt am Vorabend des Festes durch den Gauaus­ schuß. In Anbetracht der wirtschaftlichen Not, haben sich die Trachtenvereine »Isartaler« Thalkirchen und »Werdenfelser« München entschlossen, ihr 20. bzw. 25. Gründungsfest gemeinsam in Thalkirchen abzuhal­ ten. Ein Antrag betreffs Zusammenschluß der Trach­ tenvereine mit den katholischen Burschenvereinen wurde abgelehnt. Zum letzten Punkt betreffs Schwei­ zer Peter gegen den Loisachgau wurde Schweizer an­ heimgestellt, sich um seinen Verein zu kümmern und den Loisachgau aus dem Spiel zu lassen. Bei der Gau­ versammlung am 11. 10. 1931 wird Hans Zellner, Starn­ berg, als 2. Kassier in den Gauausschuß gewählt. Das Gaufest 1932 wurde dem Trachtenverein Königsdorf zugesprochen und findet am 3. Juli statt. Bei der Gauversammlung am 3. 4. 1932 wird der Trach­ tenverein »König Ludwig« Berg einstimmig in den Gauverband aufgenommen. Eine besondere Debatte lösten die Verhandlungen mit der Stagma ( später Gema) aus. Der Preis des Festzeichens beim Gaufest wird auf 50 Pfennig festgesetzt. Am 7. 5. 1932 feiert Gauvorstand Raßbichler seine Silberhochzeit. Bei der Gauversammlung am 23. 10. 1932 wurde der Trachten­ verein »Schloßbergler« Harmating in den Gau aufge­ nommen. Ein scharfer Protest wurde an den Verlag der Trachten­ zeitung gerichtet, da es immer wieder vorkommt, daß Berichte viel zu spät oder gar nicht erscheinen. Bei der Gauversammlung am 17. 4. 1933 in Bad Tölz wurde der Trachtenverein »Edelweiß« Bichl wieder und der Trachtenverein »Reindlbachtaler« Mürnsee neu in den Gauverband aufgenommen. Bei herrlichstem Sommer­ wetter führten die Schloßbergler Harmating am 21. 5. 1933 ihre Fahnenweihe durch. Drei Musikkapellen wa­ ren beim Festzug dabei. Das Loisachgaufest 1933 wurde vom Trachtenverein »Wendlstoana« Nantesbuch durchgeführt. Da dem Verein als einziges Lokal nur das Gasthaus Glashütte bei Penzberg zur Verfügung stand, wurde damals schon von der Paulanerbrauerei ein Zelt aufgestellt. Auf

Grund eines zufällig vorgefundenen Berichts in der Lo­ kalpresse kann der Verlauf eines Gaufestes in den Dreißigerjahren ziemlich genau geschildert werden. Am Sonntag, den 30. Juli, feierten die Trachtenvereine des Loisachgaues ihr 14. Gaufest in Nantesbuch, zu dem alle 19 Gauvereine erschienen waren. Trotz der schlechten Witterung war alles in bester Stimmung und um 10 Uhr marschierte eine schöne Anzahl Vereine zur Kirche nach Nantesbuch, an der Spitze die Kapelle Biehler von Penzberg in Bergknappenuniform. Nach dem Gottesdienst wurde an einem schlichten Krieger­ grab mit Feldkreuz ein Kranz niedergelegt. Um 12 Uhr war Aufstellung zur Trachtenschau. Um 2 Uhr heiterte sich der Himmel etwas auf und es wurde gleich zum Festzug aufgestellt, an dem sich 26 Vereine mit 4 Mu­ sikkapellen beteiligten. Nach dem Festzug hielt Gauvorstand Raßbichler eine kurze Ansprache und betonte dabei, daß nicht Partei­ hader, Haß und Streit unsere Trachtenbewegung för­ dert, sondern nur Einigkeit, Kameradschaft und deut­ scher unpolitischer Nationalgeist führt uns zu unserem Ziel. Die Trachtensache ist Volkssache und muß Volkssache bleiben. Mit einem Hoch auf unsere Hei­ mat, Staat und Kirche schloß er seine Ansprache. Hier­ auf wurde von jedem Verein ein Tanz aufgeführt und ein jeder zeigte sein bestes an historischen und Schuh­ plattlertänzen. Bei der Preisverteilung erhielt den Weitpreis der Trachtenverein »Edelweiß« Aachen­ Rheinland, den Meistpreis Sindelsdorf. Musikpreise erhielten Antdorf, Königsdorf, Thanning und Deining. Auf Grund der Ergebnisse des Schiedsge­ richts erhielten Trachtenpreise »König Ludwig« Schloß Berg, »Birkenstoana« Penzberg, »Loisachtaler« Max­ kron, »Schloßbergler« Harmating, »Schloßbergler« Wolfratshausen, »Mürnseer« Heilbrunn. Für histori­ sche Tänze erhielten Preise: »Waxenstoana« Antdorf, »Loisachtaler« Maxkron, »Edelweiß« Starnberg, »Barmstoana« Benediktbeuern und »Mürnseer« Heil­ brunn. 2 Sängerpreise erhielten »Kirchstoana« Sindels­ dorf und »Birkenstoana« Penzberg. Einen Ehrenpreis außer Gau erhielt der Verein »Buchbergler« Bad Heil25


brunn. Den offiziellen Auftakt des Gaufestes leitete ein am Samstag-Abend vorausgegangener Fest- und Be­ grüßungsabend in der Glashütte ein. Gauversammlung am 10. 9. 1933: Der Trachtenverein »Buchbergler« Bad Heilbrunn wird in den Loisachgau aufgenommen. Am 1. Oktober 1933 nehmen die Ver­ eine geschlossen am großen Trachtenaufmarsch der Vereinigten Trachtenverbände des bayerischen Ober­ landes in München teil. Schirmherr ist Staatsminister Esser, der den Trachtenvereinen bestätigt, daß sie un­ ter staatlichem Schutz stehen.Die Vereinigten Gauver­ bände zählten zu diesem Zeitpunkt 475 Vereine mit 27.850 Mitgliedern. Gauversammlung am 2. 4. 1934 in Starnberg: Der Gau­ vorstand begrüßte die Delegierten zum ersten Mal mit dem deutschen Gruß »Heil Hitler«. Er mußte das ma­ chen, weil auch schon ein Kreiskulturwart, also ein Par­ teibonze anwesend war. Der Gauvorstand gibt be­ kannt, sollten in einem Trachtenverein örtliche Ein­ griffe durch die Partei vorgenommen werden, so ist so­ fort der 1. Gauvorstand zu verständigen. Die Trachtenvereine »Birkenstoana« und 1895 Penz­ berg haben sich zusammengeschlossen unter der Be­ dingung, daß der Verein Mitglied des Loisachgaues bleibt; der Verein hat sich aber trotzdem wieder dem Oberlandlergau angeschlossen. 1934 gab es zwei Festlichkeiten: das 30jährige Grün­ dungsjubiläum der »Schloßbergler« in Wolfratshausen und am 10. Juni das Gaufest in Thanning. Gauver­ sammlung 14. 10. 1934: Nach dem neuen Reichswahl­ gesetz wird nur mehr der 1. Gauvorstand ( Gauführer) per Stimmzettel gewählt; der Neugewählte bestimmt dann seine Mitarbeiter. Trachtenkamerad Dr. Cassio Castelpietra, ein bekannter Trachtenpionier und viele Jahre Gauvorstand im Pongau Land Salzburg - er war damals aushilfsweise Arzt in Königsdorf - bezeichnete es in der Versammlung als beschämend, wenn sich weibliche Mitglieder der Trachtenvereine in der Öf­ fentlichkeit mit Bubiköpfen zeigen. 26

Gauversammlung Ostermontag, den 22. 4. 1935 in Sin­ delsdorf: Das Gaufest 1935 wird dem Trachtenverein »Edelweiß« Starnberg zugesprochen, der damit seine Fahnenweihe verbindet. Vorstand Zellner verspricht, ein Fest aufzuziehen, wie es der Loisachgau noch nie gesehen hat. Am 14. Juli wurde bei herrlichstem Som­ merwetter das Gaufest programmgemäß durchgeführt; dem Bericht zufolge ein wahres Triumphfest für den Loisachgau. Die Gauführer Bacher, Fürter, Schläger und Doser waren anwesend und haben sich sehr aner­ kennend ausgesprochen. Bei der Gauversammlung am 13. 10. 1935 wurde der Trachtenverein »Veiglbergler« Neufahrn in den Loisachgau aufgenommen. Das Gaufest 1936 in Penzberg, durchgeführt vom Trachtenverein Maxkron, nahm ebenfalls einen guten Verlauf. Außerdem war noch ein Doppelfest: das 30bzw. 25jährige Gründungsjubiläum der »Werdenfel­ ser« München und der »Isartaler« Thalkirchen. Der Trachtenverein »Edelweiß« Bad Tölz feierte das 15jäh­ rige Gründungsfest. Gauversammlung am 11.10.1936: Betreffs des Beitrags pro Verein 10 Mark an die N. S. Kulturgemeinde protestierten die Delegierten einmü­ tig, daß dieser Satz entschieden zu hoch ist. 1. Bürger­ meister und Ortsgruppenleiter Jost aus Wolfratshausen ersucht die Delegierten, so weiter zu machen wie bis­ her. Auch Kamerad Zellner fordert die Delegierten auf, Kulturreferent Feichtenbeiner in jeder Hinsicht zu unterstützen. Verschiedene Ansichten über eine Ein­ schränkung der Vereinsarbeit von Seiten der Parteior­ gane werden von den Delegierten nicht ernst genom­ men und es wurde beschlossen, das n�ichstc Gaufest wieder genau so durchzuführen wie im Vorjahr. Das Gaufest am 1.8.1937 in Bichl hat es dann vollständig verregnet. Bei der Gauversammlung am 5. 9. 1937 machten sich schon die Eingriffe der braunen Machthaber in die Trachtensache bemerkbar. Kreiswart Gutmeier und Trachtenwart Eichner waren anwesend und es wurde folgendes bekanntgegeben:

Von nun an hat auch der Ortsgruppenleiter das Recht bei Trachtenvereinen und deren Beschlüssen mitzure­ den. Der Vorstand eines Vereins soll nicht mehr selb­ ständig arbeiten, sondern sich mit den Orts- und Kreis­ trachtenwarten verständigen und bei diesen jede Ver­ anstaltung anmelden. Wenn ein Vorstand sich nicht fü­ gen will, kann er durch die Partei abgesetzt werden. Desgleichen kann ein Verein, der sich den Bestimmun­ gen widersetzt, aufgelöst werden, mehrere Vereine in kleineren Ortschaften sollen zusammengeschlossen werden. Der Beitrag für die Gema wurde pro Mitglied auf 15 Pfennig festgesetzt. Dafür darf jeder Verein 10 Veranstaltungen abhalten, wovon 6 frei sind. Bedingt durch diese autoritären Anordnungen machten sich schon gewisse Zersetzungserscheinungen bemerkbar. Bei dieser Versammlung fehlten schon 5 Vereine. Der Bericht im Schriftführerbuch über die Gauversamm­ lung am 15. 5. 1938 in Deining ist der letzte vor dem 2. Weltkrieg. Die Eintragungen werden erst 1946 wieder fortgesetzt. In dieser letzten Versammlung wird be­ schlossen, 1938 doch noch ein Gaufest durchzuführen wie in den vergangenen Jahren. Allerdings findet kein Gottesdienst statt »da sich gewisse katholische Perso­ nen noch immer nicht einfügen wollen in das neue Deutschland«. Aufgrund eines Eintrags im Schriftfüh­ rerbuch der »Isartaler« Thalkirchen kann festgestellt werden, daß das Gaufest am 3. Juli 1938 in Pullach von den »Werdenfelsern« München abgehalten wurde; da heißt es: Nach der Heldenehrung um 11 Uhr marschier­ ten die Vereine zum Festplatz nach Großhesselohe. Wenn es auch für die Jahre 1938-46 keine Niederschrift mehr gibt, so wissen wir doch, daß ab 1937 die Gauver­ bände praktisch aufgelöst waren. Die Trachtenvereine in den Landkreisen, gleichgültig welchem Gau sie an­ gehörten, wurden zu sogenannten Untergruppen zu­ sammengeschlossen und in die Parteiorganisation »Kraft durch Freude« eingegliedert - damit war die Gleichschaltung vollzogen. So wurde Gauvorstand Raßbichler damals Untergrup­ penwart der Untergruppe Wolfratshausen. Gaukassier


Schäffler mußte die Kasse an Jaud Dietramszell über­ geben, da er außerhalb des Landkreises ansässig war.

wo die meisten von der Fülle der Festlichkeiten schon übersättigt sind.

Während des Krieges ruhte zwar jede Verbandstätig­ keit, aber die Mitglieder des Ausschusses im Loisach­ gau kamen auch in diesen Jahren in gewissen Zeitab­ ständen zusammen, um den Kontakt untereinander nicht abreißen zu lassen. Nach achtjähriger Pause fand am 22 .4. 1946 in Wolfratshausen wieder die erste Gau­ versammlung statt; es war nach den schrecklichen Jah­ ren des Krieges wieder ein Neubeginn, 17 Vereine mit 44 Delegierten hatten sich eingefunden. Der Ausschuß konnte wieder frei gewählt werden. Raßbichler, Schäffler und Gabler wurden wieder an die Spitze des Loisachgaus berufen. Xantl Pölt von Benediktbeuern wurde 2. Gauvorstand und Sepp Holzer, Wolfratshau­ sen, Gauvorplattler. Gauvorstand Raßbichler gab be­ kannt, daß ehemalige Parteigenossen nicht in den Aus­ schuß gewählt werden dürfen und auch kein Stimm­ recht haben.Der Trachtenverein »Loisachtaler« Fürth wird in den Gau aufgenommen unter Verzicht auf Gau­ fest und Gauversammlung. Der Gründungsverein »Birkenstoana« Penzberg hat sich wieder dem Gau an­ geschlossen. Namensänderungen geben bekannt: »Loi­ sachtaler« Wolfratshausen, früher »Schloßbergler«, Trachtenverein Maxkron, früher »Loisachtaler«. Der Gaubeitrag wurde auf 20 DM festgesetzt.

Bei der Gauversammlung am 7. 4. 1947 wurde der Trachtenverein »Würmseer« Tutzing in den Gau aufge­ nommen. Bei sengender Hitze fand am 3. 8. 1947 das Gaufest verbunden mit dem 45jährigen Gründungsfest der »Birkenstoana« in Penzberg statt. 50 Vereine, 6 Musikkapellen, zusammen 2000 Trachtler nahmen am Festzug teil. In der Gauversammlung am 5. 10. 1947 wurde Xaver Egold, Königsdorf, zum 2. Gauvorstand gewählt. 1948 erhalten die Trachtenvereine eine Lin­ zenz von der amerikanischen Militärregierung und sol­ len sich deshalb mit ihrem zuständigen Landrat in Ver­ bindung setzen. In diesem Jahr werden zwei Feste als Pflichtbesuche benannt: das Gaufest und die Fahnen­ weihe der Osterseer Staltach-Iffeldorf. Diese Fahnen­ weihe am 20. 6. 1948 hat Schiffbruch erlitten, weil an diesem Tag die Währungsreform durchgeführt wurde. An dem Tag waren alle gleich reich oder arm.Jede Per­ son bekam 40 DM Kopfgeld. Deshalb konnten nur die umliegenden Vereine zum Fest kommen. Außerdem hat es noch in Strömen geregnet.

Das erste Gaufest nach dem Krieg war am 4. August 1946 in Königsdorf, schon deswegen, weil da die Wirte, voran der Postwirt Hans Hofherr - selbst ein aktiver Trachtler - am ehesten in der Lage waren, die Festteil­ nehmer unterzubringen und zu verpflegen. Damals gab es ja das Essen nur auf Lebensmittelmarken und dazu Dünnbier. Bei herrlichem Wetter bewegte sich der Festzug mit 26 Trachtenvereinen, 4 Musikkapellen und geschmückten Festwägen durch das Dorf, auch der Trachtenverein von Fürth war dabei. Eine große Begei­ sterung herrschte unter den Festteilnehmern und Zu­ schauern. Es ist verständlich, daß die Menschen nach den schrecklichen Jahren des Krieges hungrig waren nach Festlichkeiten im Gegensatz zu der jetzigen Zeit,

Das Gaufest in Wolfratshausen war wieder gut besucht. 40 Vereine und 10 Musikkapellen nahmen am Festzug teil und es gab auch wieder gutes Bier. In der Gauver­ sammlung am 24. 10. 1948 wurde der Trachtenverein »Alpenblick« Berg-Eurasburg in den Gau aufgenom­ men. Am 7. 8. 1949 fand das Gaufest in Antdorf statt. 40 Vereine und 5 Musikkapellen beteiligten sich am Festzug. Außerdem feierten die »Kirchstoana« Sin­ delsdorf ihr 30jähriges Gründungsfest. Der Besuch die­ ser zwei Festlichkeiten wurde als Pflicht bezeichnet. In der Gauversammlung vom 10. 4.1950 werden die Dele­ gierten aufgefordert, darauf zu achten, daß in ihren Vereinen kein Rumba und kein Samba getanzt wird. Am 16. 7. 1950 feierten die »Barmstoana« Benedikt­ beuern ihr 40jähriges Gründungsfest. Das Gaufest war am 23.7.1950 in Neufahrn.Dafür stellte der 1. Bürger­ meister seinen großen Stadel zur Verfügung. In der Gauversammlung am 8. 10. 1950 wird Sepp Haslbeck,

der Benediktbeurer Musikmeister zum Gauschriftfüh­ rer gewählt. Der Gaubeitrag wird von 12 auf 15 DM er­ höht. Michael Gabler und Sepp Holzer wurden zu Gau­ ehrenmitgliedern ernannt. 17. 6. 1951: 50jähriges Gründungsfest mit Fahnenweihe des Trachtenvereins Maxkron. 15. 7. 1951: 40jähriges Gründungsfest »Edelweiß« Bichl und am 4. 8. 1951 fand das Gaufest in Bad Tölz statt. 57 Vereine haben daran teilgenommen. Für die Trach­ tenschau mußte jeder Verein sechs Paare stellen.In der Gauversammlung am 7. 10. 1951 wurde der Trachten­ verein »Isarlust« Irschenhausen wieder in den Loisach­ gau aufgenommen. Burger Schorsch, »Edelweiß« Bad Tölz, wurde Gauschriftführer. An seinem 72. Geburts­ tag am 25. 5. 1952 wurde Hans Raßbichler besonders geehrt für seine 25jährige Tätigkeit als 1. Gauvorstand. Die Feier war in Wolfratshausen. Dazu spielte die Be­ nediktbeurer Musikkapelle unter Leitung von Gaumu­ sikmeister Sepp Haslbeck. Das 25. Loisachgaufest fand am 3. 8. 1952 in Verbin­ dung mit der Fahnenweihe und dem 30jährigen Grün­ dungsjubiläum der »Dürnstoana« in Deining statt. 31 Vereine haben daran teilgenommen. Es fand eine Trachtenschau statt, wobei der ganze Verein gewertet wurde. Als Ehrengast war Erbprinz Albrecht von Bay­ ern anwesend. In der Gauversammlung am 5. 10. 1952 in Diemendorf wurde der Trachtenverein Seeshaupt-St.Heinrich wie­ der in den Loisachgau aufgenommen. Der Antrag, daß der 1. Gauvorplattler auch als Ausschußmitglied ge­ führt wird, wurde einstimmig angenommen. Bei der ziemlich bewegten, also schwierigen Neuwahl wurde Bartl Schmuck, Maxkron, 2. Gauvorstand und Sepp Kastenmüller, Thanning 1. Gaukassier. Gauvorstand Raßbichler hat auch seine Wiederwahl abgelehnt, aber die Delegierten konnten sich auf keinen Nachfolger einigen. Das Gaufest 1953 wurde vom Trachtenverein »Reindlbachtaler« Mürnsee am 2. August in Königs­ dorf abgehalten. 28 Vereine haben am Festzug teilge­ nommen. Am 20. September 1953 fand bei den »Wer27


denfelsern« München im Schwabinger Bräu die Herbstgauversammlung des Loisachgaus statt. Bei der fälligen Neuwahl lehnte Hans Raßbichler nach 27-jähriger Tätigkeit als 1. Gauvorstand eine Wieder­ wahl wegen seines hohen Alters und mangelnder Ge­ sundheit entschieden ab. Auf seinen Vorschlag hin wurde Franz Sappl vom Trachtenverein »Alpenrose« Königsdorf zum 1. Gauvorstand gewählt. Sepp Floß­ mann wurde 1. Gauvorplattler. Hans Raßbichler wurde einstimmig zum Ehrengauvorstand ernannt. Es wurde auch beschlossen, nur mehr alle drei Jahre eine Neuwahl im Gau durchzuführen. Es ist schwierig, als Verfasser dieser Zeilen über sich selbst zu schreiben; man will an sich selber doch keine Kritik üben und Selbstlob hat bekanntlich einen schlechten Geruch. Deshalb nur einige Daten: Seit 1945 Mitglied beim Trachtenverein Königsdorf, 1949 Vorstand des Ver­ eins, 1953 Gauvorstand. Es war ein großes Risiko für die Delegierten, einen jun­ gen unerfahrenen Trachtler - mit 30 Jahren der jüngste Gauvorstand in den Vereinigten Bayerischen Trach­ tenverbänden, zu wählen. Aber es ist scheinbar alles gut

gegangen. Ein Beweis dafür ist 1979 die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, was zugleich auch als eine Auszeichnung für den ganzen Loisachgau gewertet werden kann. In der Gauversammlung am 28. 3. 1954 in Harmating sollte der Trachtenverein »Birkenstoana« Penzberg laut Beschluß in der Gauvorständetagung in München vom Gau ausgeschlossen werden. Einige Mitglieder des Vereins waren nämlich auf eine Einladung hin nach Rumänien gefahren und damals galt eine solche Grup­ penfahrt in die Ostblockstaaten als Anbiederung an das dort herrschende System und wurde schwer verurteilt. Die Delegierten beurteilten die Sache nicht so hart und es erfolgte kein Ausschluß. Allerdings wurde den Vor­ ständen nahegelegt, bei Auslandsfahrten vorher den Gauvorstand zu informieren. Die zwei Gauvertreter mußten zwar Jc�halb bei der nächsten Gauführerkon­ ferenz wegen dieser Sache eine Rüge einstecken. Am 4. 7. 1954 feierten die »Loisachtaler« Wolfratshausen ihr 50jähriges Gründungsfest und am 1. August war das Gaufest in Tutzing. Der Abt von Andechs Dr. Hugo Lang hielt die Festpredigt. 37 Trachtenvereine und 8

Gaufest 1950 in Neufahrn, v.l. Gaukassier Wastl Schäffler, 2. Gauvorstand Xaver Egold, Vorstand Michael Gar, Gauvorstand Hans Raßbichler, dahinter die Berg­ knappenkapelle Penzberg. 28

Musikkapellen beteiligten sich am Festzug. Bei der Gauversammlung am 10. 10. 1954 wurde für die 11-köpfige Familie des durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Trachtenkameraden Xantl Pölt aus Benediktbeuern, der sich mit der Ausbildung von Sängern im Loisachgau große Verdienste erworben hat, ein Geldbetrag gesammelt. Am 31. 7. 1955 fand das 28. Loisachgaufest in Iffeldorf statt. Die kirchliche Feier war bei der Wallfahrtskapelle Heuwinkel. 30 Trachtenvereine nahmen am Festzug teil. Es gab Trachtenpreise und Preise für historische Tänze und bei der Verteilung tumultartige Szenen; den Preisrich­ tern wurde Schwindel und Betrug vorgeworfen. Bei der Gauversammlung am 2. 10. 1955 in Bad Tölz wurde der Trachtenverein »Inntaler« München als 25. Verein in den Loisachgau aufgenommen. Mit 76 Jahren ist Ehrengauvorstand Hans Raßbichler am 1. Februar 1956 gestorben. Er war über 50 Jahre in der Trachtenbewegung tätig, davon 27 Jahre Gauvor­ stand, ein bescheidener heimatverbundener Mann mit aufrichtigem Charakter und eiserner Willenskraft. Am

Gauvorstandschaft von 1953-59. Von links: Gauvorplattler Sepp Floßmann, 2. Gauvorstand Bartl Schmuck, Gauschriftführer Schorsch Burger, Gauvorstand Franz Sappl, Gaukassier Sepp Kastenmüller und 2. Gaukassier Hans Stocker.


4. Februar, einem sehr kalten Wintertag, wurde er im Friedhof Nantwein zu Grabe getragen. 24 Fahnen säumten seine letzte Ruhestätte. In seiner Grabrede sagte Pfarrer Auer, er war kein überaus frommer, aber ein Christ mit aufrechtem Charakter, der immer seinen geraden Weg gegangen ist. Am 22. Mai 1956 nahmen die Abordnungen der Gauvereine an der Hochzeits­ feier von Gauvorstand Franz Sappl teil. Beim 29. Loi­ sachgaufest verbunden mit dem 25jährigen Gründungs­ fest des Trachtenvereins »König Ludwig« Schloß Berg nahmen 32 Vereine am Festzug teil. Gauvorstand Hans Zellner und der Geschäftsführer des Landesverbands Alfons Bergmann sind als Ehrengäste erschienen. Ei­ nern Antrag bei der Gauversammlung am 28.10.1956, wonach Trachtenkameraden für 50jährige aktive Mit­ gliedschaft vom Gau ein Ehrenzeichen erhalten, wurde einstimmig stattgegeben. Am 20. 1. 1957 wurde der Trachtenverein »Almrösler« Hohenschäftlarn in den Loisachgau aufgenommen. Eine Anregung von Gau­ vorstand Hans Seestaller in diesem Jahr ein gemeinsa­ mes Gaufest abzuhalten, wurde nicht für gut befunden. An der Gauversammlung am 14. 4. 1957 in Antdorf nahm auch der Vorsitzende der Vereinigten Bayri­ schen Trachtenverbände Dr. Conrad Adlmaier teil, der gerade zur Kur in Bad Heilbrunn weilte. Auf einer Tagung der bayerischen und südwestdeut­ schen Trachtenverbände in Esslingen wurde die Grün­ dung eines deutschen Trachtenbundes beschlossen, der aber dann doch nicht zustande kam. Am 18. August 1957 fand in Benediktbeuern das 30. Loisachgaufest statt.30 Trachtenvereine und zehn Musikkapellen nah­ men am Festzug teil. Staatssekretär Panholzer, Land­ rat Wiedemann und Gauvorstand Seestaller waren als Ehrengäste erschienen. Wegen Unstimmigkeiten bei der Wertung und Preisvergabe wurde die Trachten­ schau nicht mehr durchgeführt. Leider wurde das Fest durch einen bedauerlichen Zwischenfall getrübt. Von den während des Festzuges abgegebenen Schüssen der Benediktbeurer Schützen traf ein an einem Ast abpral­ lendes Geschoß eine Frau in der Zuschauermenge so, daß sie sofort in das Krankenhaus eingeliefert werden mußte.

Zum Schluß fing es noch zu regnen an. Dadurch konn­ ten die Ehrentänze nicht mehr durchgeführt werden. In der Gauversammlung am 27. 10. 1957 wurde der Trachtenverein »Seeröserl« Ammerland in den Loi­ sachgau aufgenommen.Für die beim Gaufest in Bene­ diktbeuern verletzte Frau wurden 300 DM gesammelt. Der Mann dieser Frau, Konrektor Horst Zehnter, ein Feriengast, verklagte wegen dieser Sache den bayri­ schen Staat wegen mangelnder Aufsichtspflicht. Beim 31. Loisachgaufest in Sindelsdorf am 15. 6. 1958 gab es zum ersten Mal ein Festzelt.Pater Georg Söll hielt den Gottesdienst.30 Trachtenvereine und 9 Musikkapellen nahmen am Festzug teil. Bei der Gauversammlung am 12. 4. 1959 wurde der Verein »Georgenstoana« Baier­ brunn in den Loisachgau aufgenommen. Die Arbeit der Trachtenvereine wird von der Regierung von Ober­ bayern als kulturell wertvoll anerkannt. 1959 gab es im Gau drei große Festlichkeiten: 10. 5. 1959 Fahnen­ weihe der »Inntaler« München, 14. 6. 1959 40jähriges Gründungsfest »Wendlstoana« Thanning und am 28 .6. 1959 das Gaufest verbunden mit der Fahnenweihe der »Buchbergler« und der 800-Jahrfeier von Bad Heil­ brunn. Der Gottesdienst mußte wegen Regen im Fest­ zelt gehalten werden, der Festzug mit 36 Vereinen und 11 Musikkapellen konnte bei trockener Witterung durchgeführt werden. Bei der fälligen Neuwahl am 11. 10.1959 lehnte Gauvorplattler Floßmann eine Wieder­ wahl ab. Rupert Bestel wurde einstimmig als Gauvor­ plattler gewählt.Das 33.Loisachgaufest am 10. 7. 1960 war verbunden mit dem 40jährigen Gründungsfest des Trachtenvereins »Alpenrose« in Königsdorf. 28 Ver­ eine mit 8 Musikkapellen beteiligten sich am Festzug. Der Verein Thanning bekam mit 85 Teilnehmern den Meistpreis. Einige Vereine durften wegen der Maul­ und Klauenseuche nicht kommen. Der Trachtenverein Diemendorf feierte dann am 17. 7. 1960 sein 50jähriges Gründungsfest verbunden mit der 1100 Jahrfeier des Ortes. Bei der Gauversammlung am 23.10.1960 wurde beschlossen, die bisher vom Gau ge­ stifteten Ehrenpreise wegfallen zu lassen, weil sonst der Gaubeitrag in der bisherigen Höhe nicht mehr gehalten werden kann. Eine vollständige Abschaffung der

Preise wurde abgelehnt, da diese immer noch Ansporn für gute Leistungen sind. 1961 gab es zwei große Fest­ lichkeiten im Gau. Am 2. 7. 1961 das 40jährige Grün­ dungsfest der »Edlweißer« mit 36 Vereinen und 9 Mu­ sikkapellen in Bad Tölz. Das 34. Loisachgaufest verbunden mit dem 50jährigen Gründungsjubiläum des Trachtenvereins »Edlweiß« Bichl am 13. 8. 1961 stand anfangs unter keinem guten Stern. Zuerst gab es Schwierigkeiten mit dem Festwirt Lößl. Dazu hat es die ganze Woche vorher und auch am Samstag und Sonntag vormittag geregnet. Deshalb mußte auch der Gottesdienst im Festzelt gehalten wer­ den. Zuerst hat sich der Pater aus Benediktbeuern ge­ weigert, eine Messe im Bierzelt zu halten, erst auf gutes Zureden erklärte er sich dazu bereit. Hinterher sagte er, er hätte es nicht geglaubt, daß in einem Bierzelt eine solche Ruhe und Andacht herrschen könnte. Der Fest­ zug mit 31 Vereinen und 12 Musikkapellen konnte bei Sonnenschein durchgeführt werden. Auch Gauvor­ stand Seestaller marschierte als Ehrengast mit. Bei der Gauversammlung am 22. 10. 1961 in Tutzing wurde ein Gesuch eines Münchner Trachtenvereins um Aufnahme in den Loisachgau abgelehnt. 1962 feierten die »Birkenstoana« Penzberg am 8 .7. 1962 das 60jäh­ rige Gründungsfest zusammen mit dem 35. Loisach­ gaufest. 38 Vereine und 11 Musikkapellen nahmen am Festzug teil.Am 26.August feierten die »Dürnstoana« Deining ihr 40jähriges Bestehen.Bei der Gauversamm­ lung am 14. 10. 1962 in Harmating wurde Manfred Stockinger, Baierbrunn als Jugendvertreter neu in den Gauausschuß gewählt. In der Gauversammlung am 7. 4. 1963 in Baierbrunn wurde das Thema Gauwallfahrt erörtert. Man kam zu dem Ergebnis, daß eine solche nur durchgeführt wer­ den kann, wenn genügend Aussicht auf eine gute Betei­ ligung besteht. Weiterhin wurde beanstandet, daß bei einigen Vereinen die Röcke der Deandl zu kurz sind, die zu dieser Zeit herrschende Minimode hat sich auch bei den Trachtenvereinen bemerkbar gemacht. Beim 36. Loisachgaufest am 25. 8.1963 in Harmating hielt der große Trachtenfreund Pfarrer Bierprigl den Festgottesdienst. Am Festzug beteiligten sich 36 Ver29


eine und 9 Musikkapellen.Als Ehrengäste waren Land­ rat Lehmair und Gauvorstand Seestaller dabei. Wenn auch der Ort Harmating nur einige Häuser besitzt, so haben sich hernach auswärtige Besucher aner­ kennend über die reizvolle Landschaft ausgesprochen, die einen wunderbaren Rahmen für ein solches Hei­ matfest gab.Leider gab es bei diesem Fest einen Todes­ fall. Ein Trachtenkamerad aus Irschenhausen erlitt ei­ nen tödlichen Schlaganfall. Bei der Gauversammlung am 6. 10. 1963 in Diemen­ dorf beklagte sich Gauvorplattler Bestel über das letzte Gauwertungsplatteln in Thanning. Mit einer Teilnahme von nur 6 Gruppen sei ein Weitermachen fast in Frage gestellt, sagte er. Zum Auftakt der Frühjahrstagung der bayrischen und südwestdeutschen Trachtenver­ bände, die vom Loisachgau ausgerichtet wurde, fand am 14. März 1964 in der Stadthalle Penzberg ein großer Heimatabend, gestaltet von Gruppen sämtlicher Gau­ vereine, statt. Die Tagung am nächsten Tag wurde anstelle des er­ krankten Vorsitzenden Dr. Adlmaier von seinem Ver-

treter Hans Seestaller geleitet.In dieser Tagung wurde der Beschluß gefaßt, eine Ordnung (Richtlinien) für die Gemeinschaft der Trachtenjugend in den bayri­ schen Trachenverbänden auszuarbeiten.1964 gab es im Gau zwei größere Festlichkeiten. Am 10. 5. 1964 das lüjährige Gründungsfest der »Inntaler« mit 17 Verei­ nen in München und am 12.Juli das 37.Loisachgaufest in Thanning. 40 Trachtenvereine, darunter 8 Vereine vom Oberlandlergau mit ihrem Gauvorstand Seestal­ ler, 8 Musikkapellen und 3 Trommlerzüge beteiligten sich am Festzug. Am 6.9.1964 hat der Trachtenverein »Osterseer« Iffeldorf-Staltach zu einer Trachtenwall­ fahrt nach Heuwinkel eingeladen. 6 Vereine vom Gau nahmen daran teil. In der Gauversammlung am 11. 10. 1964 in Staltach, in der auch Gauvorstand Hans Zellner vom Huoisgau an­ wesend war, wurde bekanntgegeben, daß anstelle des zurückgetretenen Dr. Adlmaier Hans Seestaller zum 1. Vorsitzenden der bayrischen und südwestdeutschen Trachtenverbände gewählt wurde. Georg Kling, ein verdienstvoller Trachtler, Gauausschußmitglied und

Gauvorstand Sappl gratuliert Gauschriftführer Schorsch Burger zum 70. Geburtstag. 30

langjähriger Vorstand des Trachtenvereins Sindels­ dorf, wurde unter starker Beteiligung der Vereine und Bevölkerung am 24.12.1964 in Sindelsdorf beerdigt. In der Gauversammlung am 11. 4. 1965 wurde der Gau­ beitrag auf Antrag des Gaukassiers von 15 auf 20 DM erhöht. 100 Trachtler aus dem Loisachgau nahmen am 21. 5. 1965 am Empfang der englischen Königin in München teil. Das 38.Loisachgaufest verbunden mit dem 30jährigen Gründungsfest der »Veiglbergler« fand am 11.7.1965 in Neufahrn statt. Dabei wurde von Pfarrer Bierprigl eine Gedenktafel für den ehemaligen Lehrer von Neu­ fahrn und Gründer des ersten Trachtenvereins Josef Vogl an der Leonhardikapelle eingeweiht.Am Festzug nahmen 34 Trachtenvereine und 10 Musikkapellen teil. An der Trachtenwallfahrt nach Heuwinkel am 5. 9. 1965 nahmen 14 Vereine teil. Bei der Gauversammlung am 3. 10. 1965 in St. Heinrich wurde Karl Schaffer zum 1. Gauschriftführer gewählt; der bisherige Schriftführer Georg Burger wurde zum Ehrenmitglied ernannt.Das

Gauvorstand Sappl überreicht Ehrengauvorplattler Sepp Holzer einen Zinnteller zu seinem 75. Geburtstag.


Aufnahmegesuch eines neugegründeten Trachtenver­ eins aus München wurde einstimmig abgelehnt. Von den »Werdenfelsern« München wurde das 39.Loi­ sachgaufest verbunden mit ihrem 60jährigen Grün­ dungsjubiläum am 10.7.1966 ausgerichtet.Der Gottes­ dienst fand in der Paulskirche statt. Anschließend war gleich der Festzug zum Bavariakeller, wo die Ehren­ tänze stattfanden. 31 Trachtenvereine und acht Musik­ kapellen waren vertreten. Ab dem Jahr 1966 findet re­ gelmäßig am 1. Sonntag im Januar eine Gauausschuß­ sitzung in Penzberg statt.Bei der Gauversammlung am 30.10.1966 in Höhenrain wurde dem langjährigen Vor­ sitzenden der Vereinigten Trachtenverbände Dr. Con­ rad Adlmaier, der am 30. 9.1966 gestorben ist, ein eh­ rendes Gedenken gewidmet. Das 40. Loisachgaufest war am 23.7.1967 in Antdorf.Schirmherr war Dr.Her­ bert von Malaise. Als Ehrengäste waren anwesend Landrat Dr. Bauer und Landtagsabgeordneter Hans Rau. 42 Vereine mit 13 Musikkapellen nahmen am Festzug teil. Bei der Gauausschußsitzung am 7. 1. 1968 in Maxkron wurde der Beschluß gefaßt, wenn ein Verein einen Wanderpokal länger als zehn Jahre in Aufbewahrung hat, geht er in dessen Eigentum über. Das 41. Loisach­ gaufest fand am 16. 8. 1968 in Sindelsdorf statt. Der Festgottesdienst mußte wegen ungünstiger Witterung im Zelt gehalten werden, der Festzug mit 35 Vereinen und 15 Musikkapellen konnte bei schönem Wetter ge­ halten werden. Landrat Dr. Bauer und Landtagsabge­ ordneter Rau waren wieder dabei. Trachtenwallfahrt am 1. 9. 1968 mit 12 Vereinen nach Heuwinkel. In der Gauversammlung am 13. 10. 1968 in Bad Tölz wurde Franz Sehesser von Iffeldorf als Gauvolksmusikwart neu in den Ausschuß gewählt. Damit gehören dem Gauausschuß 12 Mitglieder an. Außerdem wurde be­ schlossen, alle zwei Jahre einen Gaujugendtag abzuhal­ ten. Bei der Gauversammlung am 30. 3. 1969 in Heil­ brunn war auch Gauvorstand Bertl Scheck vom Huosi­ gau anwesend. Scheck, der zu dieser Zeit Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft im Landkreis Weilheim war, setzte sich für eine gute nachbarliche Zusammenarbeit mit dem Loisachgau ein.

Die neu ausgearbeiteten Gausatzungen wurden mit der erforderlichen Drei-Viertel-Mehrheit angenommen. Am 27. 4.1969 wurde der Gründer des Eglinger Trach­ tenvereins Pfarrer Bierprigl beerdigt. Am 20. 5. 1969 wurde Frau Anna Raßbichler im Friedhof zu Nantwein zur letzten Ruhe gebettet. Sechs Vereine waren mit der Fahne vertreten. Am 22.6.1969 fand in Baierbrunn der erste Gaujugendtag im Loisachgau statt.7 Jugendgrup­ pen nahmen daran teil. Das 42. Loisachgaufest wurde am 6.Juli 1969 vom GTEV »Inntaler« München durch­ geführt. Der Gottesdienst war in der Stadtpfarrkirche Maria-Hilf, Heimatabend und Ehrentänze fanden im Salvatorkeller statt. 44 Trachtenvereine und 9 Musik­ kapellen beteiligten sich am Festzug. Im gleichen Jahr feierte der Verein »Würmseer« Seeshaupt am 27. 7. 1969 sein 50jähriges Gründungsfest und am 17.8.1969 die »Wendlstoana« Thanning ebenfalls ihr 50jähriges Vereinsjubiläum. 11 Vereine nahmen am 31.8.1969 an der Trachtenwall­ fahrt nach Heuwinkel teil. Bei der Gauversammlung in Antdorf am 12. 10. 1969 wurde der neugegründete Trachtenverein St. Sebald Egling als 29. Verein in den Gauverband aufgenommen. Der Gaubeitrag wurde von 20 auf 30 DM erhöht. Am 28. 6. 1970 war Fahnen­ weihe beim GTEV St.Sebald Egling.32 Vereine haben daran teilgenommen.Das 60jährige Gründungsfest des Trachtenvereins »Würmseer Stamm« Diemendorf am 26.7.1970 war auch gut besucht.10 Musikkapellen wa­ ren beim Festzug in Tutzing dabei. Das 43. Loisachgaufest am 9. 8. 1970 in Benediktbeu­ ern ist buchstäblich ins Wasser gefallen, Samstag und Sonntag hat es in Strömen geregnet, so daß auch der Festzug ausfallem mußte. Am 27. 9. 1970 wurde Hans Zapf als Nachfolger von Hans Seestaller in München zum Vorsitzenden der Vereinigten Bayerischen Trach­ tenverbände gewählt. In der Gauversammlung am 4.4. 1971 in Wolfratshausen war auch Landrat Lehmair an­ wesend. Auch das 44. Loisachgaufest am 18 .7.1971 in Bad Tölz hat es verregnet. Der Gottesdienst konnte zwar unter freiem Himmel in der Marktstraße gehalten werden, aber der Festzug mußte ausfallen.

Der GTEV »Hirschbachtaler« Lenggries wurde in der Gauversammlung am 24. 10.1971 in Königsdorf in den Gauverband aufgenommen. Bei der fälligen Neuwahl wurde Sepp Floßmann, Thanning, 2. Gauvorstand und Ambros Lankes, »Werdenfelser« München 1. Gaukas­ sier. Die bisherigen Inhaber dieser Ämter, Bartl Schmuck und Sepp Kastenmüller wurden zu Gaueh­ renmitgliedern ernannt. Der Gaubeitrag wurde von 30 auf 60 DM erhöht. Am 8. 12. 1971 ist Gauehrenmit­ glied Wastl Schäffler im Alter von 76 Jahren gestorben. Er war 25 Jahre Gaukassier. Am 20. 4.1972 wurde der langjährige Gauschriftführer und Ehrenmitglied Michl Gabler im Penzberger Friedhof zu Grabe getragen. In Egling fand am 28.5.1972 der Gaujugendtag statt. Am 3. 7. 1972 ist wieder ein verdienter Trachtenpionier ge­ storben: Gründungsmitglied und Ehrenvorstand der »Wendlstoana« Thanning und langjähriger Gaukassier Sepp Kastenmüller. Die »Dürnstoana« in Deining feierten am 9.7.1972 ihr 50jähriges Vereinsjubiläum und das 45. Loisachgaufest war dann am 13. 8. 1972 in Hohenschäftlarn. 30 Ver­ eine und 10 Musikkapellen beteiligten sich am Festzug. Auch Gauvorstand Franz Paternoster vom Isargau marschierte an der Spitze mit. Der Trachtenverein »Würmseer« Tutzing, der schon einige Jahre nicht mehr in Erscheinung getreten ist, hat sich stillschwei­ gend aufgelöst. Die Rechte und Pflichten dieses Ver­ eins wurden von dem in der gleichen Gemeinde ansässi­ gen Trachtenverein »Würmseer Stamm« Diemendorf übernommen. Dies wurde in der Gauversammlung am 29.10. 1972 in Tutzing bekanntgegeben. 1973 gab es zwei große Festlichkeiten im Gau. Am 29. 7. 1973 war die Fahnenweihe des GTEV »Würmseer Stamm« Diemendorf in Tutzing. Das 46. Loisachgau­ fest wurde am 12.August vom Trachtenverein »Alpen­ blick« in Eurasburg durchgeführt. 34 Vereine und 16 Musikkapellen nahmen am Festzug teil. Der Vorsit­ zende der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände Hans Zapf war als Ehrengast erschienen. Landrat Dr. Huber als Schirmherr war ebenfalls vertreten. Drei große Festlichkeiten gab es 1974 im Loisachgau. Am 26. 5. 1974 das 70jährige Gründungsfest der »Loisach31


taler« in Wolfratshausen mit 41 Vereinen und 10 Mu­ sikkapellen. Die Fahnenweihe der»Birkenstoana« am 4.8.1974 in Penzberg. 25 Vereine und 8 Musikkapellen nahmen dabei am Festzug teil. Das 47. Loisachgaufest war am 18.8.1974 in Münsing. Schirmherr war Graf Pocci. 19 Musikkapellen und 41 Trachtenvereine, darunter auch Vereine aus Franken, Schwaben und Tirol beteiligten sich am Festzug. Bei dies�m Gaufest ist auch das vom Trachtenkameraden Josef Grasberger aus Königsdorf geschnitzte Gautaferl verschwunden und bis heute nicht mehr aufgetaucht. Es wird sich ein Liebhaber gefunden haben, aber trotz­ dem ist es Diebstahl.Der Gaujugendtag war am 9.Juni 1974 in Eurasburg. Bei der in der Gauversammlung am 13.10.1974 in Deining durchgeführten Neuwahl wurde Sepp Mayer aus Neufahrn als Gaujugendvertreter in den Aussschuß gewählt. Zugleich wurde Werner Beier aus Königsdorf als Gaupressewart berufen. Einern Antrag bei der Gauversammlung am 6. 4. 1975 in Staltach, die Versammlungen am Freitag oder Sams­ tag abzuhalten, wurde nicht zugestimmt. Die »Veigl­ bergler« in Neufahrn feierten am 6.7.1975 ihr 40.

Gründungsfest mit Fahnenweihe. 29 Vereine und 10 Musikkapellen nahmen daran teil. Das 48. Loisachgaufest fand am 17. 8. 1975 bei herrli­ chem Wetter in Königsdorf statt. 32 Trachtenvereine und 15 Musikkapellen beteiligten sich am Festzug. Als Ehrengast war Landtagsabgeordneter Stoiber anwe­ send. Anläßlich der Feier zum SO-jährigen Bestehen der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände am 25.10. 1975 wirkten auch einige Gruppen aus dem Loisachgau bei den Veranstaltungen im Kursaal in Bad Aibling und in der Inntalhalle in Rosenheim mit. Bei der Gauver­ sammlung am 11.4.1976 in Harmating schließt sich der Gauverband dem Freundeskreis Freilichtmuseum Glentleiten e. V. als Mitglied an. In dieser Versamm­ lung wurde auch das Buch »Bayrisch Land - bayrisch Gwand« an die Vereine ausgegeben. Mit 25 mitwirken­ den Gruppen fand am 30. 5. 1976 in Bichl ein Gauju­ gendtag statt. Das 49. Loisachgaufest wurde am 18. 7. 1976 vom Trachtenverein Maxkron in Penzberg abge­ halten. Der Festzeichenpreis wurde auf 2 DM erhöht. 33 Vereine und 18 Musikkapellen beteiligten sich am Festzug. Die Gauvorstände Maderspacher und Scheck

Die Gauvorstände gratulieren Ministerpräsident Alfons Goppel zum 70. Geburts­ tag. Von links: die Gauvorstände Luis Maderspacher, Paul Gambs, Sepp Schlag­ bauer, Hans Seestaller, Ministerpräsident Alfons Goppel, Regierungspräsident Eberle, die Gauvorstände Franz Paternoster, Ludwig Widmann, Jakl Opperer und Franz Sappl verdeckt. 32

marschierten als Ehrengäste an der Spitze mit. Es war sehr heiß. Am 12. 9. 1976 feierten die »Werdenfelser« München im Stadtteil Hasenberg! ihr 70jähriges Grün­ dungsfest. 23 Trachtenvereine und 6 Musikkapellen waren beim Festzug dabei, aber Zuschauer fehlten. In Deining wurde am 27. 2. 1977 der erste Jugendleiter­ lehrgang im Gau abgehalten. Referenten waren Kreis­ jugendpfleger Karl Weigl, Bad Tölz und Franz Pichler vom Inngau. Am 24. 7. 1977 war die Fahnenweihe der »Barmstoana« in Benediktbeuern mit 27 Vereinen und 11 Musikkapellen. Ein Jubiläumsfest war das 50. Loisachgaufest am 7. 8. 1977 in Thanning. Unter der Schirmherrschaft von Bür­ germeister Nagler, der als 1. Schriftführer der»Wendl­ stoana« selbst aktiv an den Vorbereitungen mitgearbei­ tet hat, haben die Thanninger das Fest sehr gut ausge­ richtet. Das Gaufest wurde schon am Samstag mit ei­ nem großartigen Heimatabend eingeleitet, Landtags­ abgeordneter Stoiber, Bürgermeister Thieme aus Wolf­ ratshausen und Kreisheimatpfleger Haas waren als Eh­ rengäste dabei. 3000 Trachtler in 42 Vereinen mit 16 Musikkapellen marschierten beim Festzug mit. Die

Gauausschuß in der Gauversammlung, Deining 1974. V.l.:2. Gauschriftführer Hans Kollmuß, 2. Gaukassier Paul Rieger, 2. Gauvorstand Sepp Floßmann, Gau­ vorstand Franz Sappl, Gauschriftführer Karl Schaffer, Gauvorplattler Rupert Bestel, Gau-Jugendvertreter Sepp Mayer, 2. Gauvorplattler Johann Schölderle, Gaukassier Ambras Lankes.


Meistpreise im Gau erhielten Neufahrn und Egling.Bei der in der Gauversammlung am 23.10.1977 in Sindels­ dorf fälligen Neuwahl wurde Georg Schuster, Diemen­ dorf als 2. Gauvorstand neu gewählt.Am 9.2.1978 ist der langjährige Gauschriftführer und Gau-Ehrenmit­ glied Schorsch Burger, Bad Tölz im Alter von 84 Jahren gestorben. 1978 war der Gau-Jugendtag im Festzelt in Wolfratshausen. Das 70jährige Gründungsfest des Trachtenvereins »Isarlust«, Irschenhausen am 11. 6. 1978 war etwas schlecht besucht. Beim 30jährigen Gründungsfest mit Fahnenweihe des GTEV »Alpen­ blick« Berg-Eurasburg am 23.7. 1978 nahmen 29 Ver­ eine und 12 Musikkapellen am Festzug teil. Bei strah­ lendem Sonnenschein fand am 30. 7. 1978 das Gaufest in Baierbrunn statt.35 Trachtenvereine und 15 Musik­ kapellen beteiligten sich am Festzug.Regierungspräsi­ dent Raimund Eberle, Vereinigten-Vorstand Hans Zapf und Graf Stauffenberg waren als Ehrengäste da­ bei.Den Weitpreis erhielt der Trachtenverein Furth im Wald. Bei der Gauversammlung am 22. 10. 1978 in

Antdorf wurde Franz Sappl für seine 25jährige Tätig­ keit als Gauvorstand geehrt. Der zweite Jugendleiterlehrgang im Loisachgau war am 4. 3. 1979 im Aktionszentrum des Klosters Bene­ diktbeuern.Das 52.Gaufest war im 60.Gründungsjahr des Loisachgaus am 27.5.1979 in Wolfratshausen.Die Abgeordneten Graf Stauffenberg, Edmund Stoiber und Martin Erhard waren schon beim Festabend anwe­ send.Mit 59 Vereinen und 19 Musikkapellen war es ei­ ner der größten Festzüge, der durch das festlich ge­ schmückte Wolfratshausen zog. Am 10. 6. 1979 feier­ ten die »Kirchstoana« Sindelsdorf ihr 60jähriges Grün­ dungsfest im kleinen Rahmen mit zehn benachbarten Trachtenvereinen.Am 23.Juni 1979 war eine Gauaus­ schußsitzung in Penzberg. Anwesend waren auch der erste und zweite Vorsitzende der Vereinigten Trach­ tenverbände Hans Zapf und Franz Kohlmann. Ge­ meinsam mit ihnen wurde das Programm für die Dele­ giertentagung in Penzberg am 29./30. September 1979 festgelegt.27 Vereine aus dem Loisachgau sowie 9 Ver-

Die Vorstandschaft und die Sachausschußvorsitzenden der Vereinigten Bayeri­ schen Trachtenverbände bei der Jahresversammlung 1979 in Penzberg. Von links Peter Rambach, Hans Stöger, Karl Kraus, Jakl Opperer, Ludwig Widmann, Franz Pichler, Hans Zapf und Franz Kohlmann.

eine aus den Nachbargauen waren am 15.7.1979 nach Antdorf gekommen, um mit den »Waxenstoanern« das 60. Gründungsfest, verbunden mit der Weihe ihrer er­ neuerten Fahne, zu feiern.Am 26.August feierten die »Wendlstoana« Thanning ebenfalls ihr 60jähriges Gründungsfest verbunden mit der Fahnenweihe. Der Feldgottesdienst mußte wegen Regen abgebrochen werden und auch der Festzug konnte deswegen nicht stattfinden. Am 27. August 1979 ist der Ehrengauvor­ stand vom Oberlandlergau Hans Seestaller mit 85 Jah­ ren gestorben.Er pflegte immer gute nachbarliche Be­ ziehungen zum Loisachgau und war mit Gauvorstand Sappl freundschaftlich verbunden. Das Ausrichten der Tagung der Vereinigten Bayerischen Trachtenver­ bände am 29./30.September 1979 in Penzberg war eine Bewährungsprobe für den Gauverband. Anerken­ nende Worte der Delegierten für den unverfälschten Heimatabend und die gute Aufnahme bewiesen, daß der Gau diese Probe bestanden hat.Für 138 Delegierte und Gäste aus 14 bayerischen Trachtengauen mußten

1980 wurde der 50. Geburtstag von Gaukassier Ambros Lankes und der 60. von 2. Gauschriftführer Hans Kollmuß gemeinsam gefeiert. 33


Die Gauvorstände und Delegierten bei der Jahrestagung 1979 in Penzberg. 34


Quartiere beschafft werden, was nur durch die Mithilfe der 3 Penzberger Trachtenvereine und der Nachbarver­ eine Antdorf, Sindelsdorf und Iffeldorf möglich war; daß die Quartierfrage einwandfrei gelöst werden konnte, war in erster Linie dem Einsatz des Gauschrift­ führers Karl Schaffer zu verdanken. Am Samstagnach­ mittag besuchten die Delegierten das Freilichtmuseum auf der Glentleiten, um 18 Uhr gab der Penzberger Bürgermeister Kurt Wessner einen Empfang in der Stadthalle und um 20 Uhr begann der große Loisachta­ ler Gauheimatabend im gleichen Raum. Zu der am Sonntagvormittag beginnenden Jahresversammlung in der Stadthalle konnte erster Vorsitzender Hans Zapf neben den Gauvorständen und Delegierten Landrat Manfred Blaschke, Landtagsabgeordneten Peter Wid­ mann und Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rattelmül­ ler als Ehrengäste begrüßen. Als Erinnerungsgeschenk erhielten die Gauvorstände vom Loisachgau ein Grup­ penbild, das vom Fotograf Müller aus Schlehdorf auf der Glentleiten gemacht wurde. Am 2. Oktober 1979 wurde Gauvorstand Franz Sappl vom Finanzminister

Max Streibl im Münchner Finanzministerium das Bun­ desverdienstkreuz überreicht. Bei der Gauversamm­ lung am 28.10.1979 in Königsdorf ersuchte der neuge­ gründete Verein »Würmtaler« Menzing um Aufnahme im Loisachgau; nachdem mehrere Delegierte dagegen Bedenken geltend machten, zog Vorstand Hansi Men­ zinger seinen Antrag zurück. Der Verein wurde dann vom Huosigau aufgenommen. Der Gaujugendtag 1980 war am 15.Juni in Bichl.In Seeshaupt fand das 53.Loi­ sachgaufest am 27. 7. 1980 statt. Dabei wurde ein Ök­ umenischer Gottesdienst gehalten. 34 Trachtenvereine und 21 Musikkapellen waren beim Festzug dabei. Landrat Blaschke, die Gauvorstände Widmann, Lech­ gau und Häringer, Huosigau, haben als Ehrengäste teilgenommen. Mit 11 Nachbarvereinen feierte der GTEV »Würmseer Stamm« in Diemendorf am 10. 8. 1980 sein 70jähriges Gründungsfest. Gauvorstand Hä­ ringer und Ehrengauvorstand Zellner vom Huosigau waren dabei anwesend. Bei der in der Gauversamm­ lung in Baierbrunn am 19. Oktober 1980 fälligen Neu­ wahl lehnte Franz Sappl nach 27jähriger Tätigkeit als

Finanzminister Max Streibl überreicht im Beisein von Bezirksheimatpfleger Rattel­ müller Gauvorstand Franz Sappl das Bundesverdienstkreuz.

Gauvorstand, wie er schon in der Frühjahrsversamm­ lung angekündigt hatte, eine Wiederwahl ab. Da ein Umstimmen zwecklos war, wurde mit großer Mehrheit Sepp Mayer, »Veiglbergler« Neufahrn zum 1. Gauvor­ stand gewählt. Gaujugendvertreter wurde Richard Händl, ebenfalls von Neufahrn. Franz Sappl, der zum Ehrengauvorstand ernannt wurde, übernahm das Amt eines Gaupressewarts. Der neue Gauvorstand Sepp Mayer hat bereits sechs Jahre als Gaujugendvertreter erfolgreich im Gauausschuß mitgearbeitet.Ihm ist es in erster Linie zu verdanken, daß heute die Trachtenju­ gend im Kreisjugendring Sitz und Stimme hat. Man kann sagen, daß die Führung des Loisachgaus bei ihm in den besten Händen ist.Am 8.3.1981 war wieder ein Jugendleiterlehrgang in Benediktbeuern.Referent war Bezirksheimatpfleger Rattelmüller. Seinen 80. Ge­ burtstag feierte Ehrengauvorplattler Sepp Holzer mit vielen bekannten Trachtlern aus nah und fern im Ver­ einsheim der »Loisachtaler« in Wolfratshausen. Verbunden mit der Weihe einer neuen Fahne feierte der GTEV »Osterseer« Iffeldorf-Staltach am 31. 5.

Generationswechsel. Gauvorstand Franz Sappl übergibt sein Amt an seinen Nach­ folger Sepp Mayer. 35


1981 sein 50jähriges Bestehen. 32 Vereine mit 9 Musik­ kapellen waren zum Fest gekommen. Mit seinem 60. Gründungsfest am 28. 6. 1981 leistete der Trachtenver­ ein »Edlweiß« auch seinen Beitrag zur 700-Jahr-Feier der Stadt Bad Tölz. 32 Vereine, 2 Schützenkompanien und 12 Musikkapellen nahmen am Festzug teil. Das 54. Loisachgaufest verbunden mit dem 50jährigen Grün­ dungsfest des GTEV »König Ludwig Stamm« Schloß Berg war in Höhenrain.Der Gottesdienst mußte wegen Regens im Festzelt abgehalten werden. Der Festzug konnte mit 31 Vereinen und 17 Musikkapellen bei trok­ kener Witterung stattfinden. Landrat Widmann von Starnberg war als Ehrengast erschienen. Am 31. 10. 1981 feierte Gauehrenmitglied Bartl Schmuck mit sei­ ner Frau die goldene Hochzeit. In der Gauversamm­ lung am 4.4.1982 in Harmating wurde Konrad Golling, Irschenhausen, einstimmig zum Gau-Volksmusikwart gewählt. Der Gottesdienst beim 50jährigen Grün­ dungsfest der »Schloßbergler« Harmating am 23. 5. 1982 mußte wegen ungünstiger Witterung im Festzelt gehalten werden. Der Festzug mit 24 Vereinen konnte bei strahlendem- Sonnenschein stattfinden. Am 6. Juni fand der Gaujugendtag in Antdorf statt, und zwar in der sauber hergerichteten Tenne des Gutes Neuried, es spielte die Jugendblaskapelle Benediktbeuern unter der Leitung von Franz Troll. Mit 24 Trachtenvereinen feierte der GTEV »Almrösl« Hohenschäftlarn am 25. 7. 1982 sein 60jähriges Bestehen. Als Ehrengast war Landrat Gillessen von München-Land anwesend. Das 55. Loisachgaufest verbunden mit dem 60jährigen Gründungsfest der »Dürnstoana« in Deining war am 15.August 1982. Bei diesem Fest fehlten 8 Gauvereine, weil an diesem Tag die 3 Penzberger Trachtenvereine traditionsgemäß immer ihren Jahrtag halten und in die­ sem Jahr die »Birkenstoana« ihr 80jähriges Gründungs­ fest damit verbunden haben. Dadurch waren auch einige Nachbarvereine verpflichtet, daran teilzuneh­ men. Es war gut, daß die Nachbarvereine aus dem Oberlandlergau mit ihrem Gauvorstand Martl Hofstät­ ter stark vertreten waren, somit waren es doch 28 Trachtenvereine beim Festzug. Bei der Gauversamm36

lung am 24. 10. 1982 in Antdorf war auch der Herausge­ ber der Trachtenzeitung Konrad Vogel aus Traunstein anwesend. In dieser Versammlung wurde der neuge­ gründete Verein »Lüßbachtaler« Höhenrain als 30. Gauverein in den Loisachgau aufgenommen. Außer­ dem wurde beschlossen, den Gaubeitrag ab 1. 1. 1984 von 60 auf 100 DM zu erhöhen. Am 11. Februar 1983 ist Gauehrenmitglied Bartl Schmuck im Alter von 74 Jahren gestorben. Er war 19 Jahre 2. Gauvorstand. Am 24. 4. 1983 war wieder ein Jugendleiterlehrgang im Kloster Benediktbeuern; Re­ ferent war Rektor Franz Pichler, der früher einmal Lehrer in Schönrain-Mürnsee war. Die Fahnenweihe des GTEV »Kirchstoana« Sindels­ dorf war am 19.6.1983.33 Trachtenvereine und 18 Mu­ sikkapellen waren am Festzug beteiligt. Der neuge­ gründete Verein »Lüßbachtaler« Höhenrain feierte dann am 26. Juni seine Fahnenweihe; 24 Trachtenver­ eine nahmen daran teil. Am 3. Juli 1983 war anläßlich des 100. Jahrestages der Gründung der ersten Trach­ tenvereine in Bayrischzell und Fischbachau in Mün­ chen ein großer Trachtenaufmarsch.Der Gottesdienst fand bei herrlichem Wetter auf dem Marienplatz statt. Rund 23.000 Musiker, Trachtler und Trachtlerinnen aus ganz Bayern wurden beim Festzug durch die Lan­ deshauptstadt von ca. 130.000 Zuschauern bejubelt. Schon am Vorabend hatte der Staatsminister für Unter­ richt und Kultus, Professor Dr. Hans Maier, zu einem Staatsempfang ins Antiquarium der Residenz eingela­ den. Vom Loisachgau nahmen der gesamte Gauaus­ schuß sowie die Bürgermeister Nagler und Stocker daran teil. Beim Festzug des sogenannten Jahrhundert­ festes beteiligten sich vom Loisachgau 20 Vereine, 3 Musikkapellen mit insgesamt 857 Teilnehmern. Zum ersten Mal seit seinem 75jährigen Bestehen führte der GTEV »Isarlust« Irschenhausen am 31. 7. 1983 das Loi­ sachgaufest durch. 30 Trachtenvereine und 17 Musik­ kapellen beteiligten sich am Festzug.Es war sehr heiß. Am 14. 9. 1983 wurde in Benediktbeuern Sepp Klatten­ bacher beerdigt, er war 15 Jahre lang als Revisor im Gauausschuß. Bei der in der Gauversammlung am 23.

10. 1983 fälligen Neuwahl wurde Robert Bleil, »Bir­ kenstoana« Penzberg zum 1. Gauschriftführer, Seba­ stian Deisenberger, ebenfalls »Birkenstoana«, zum 1. Gauvorplattler und Sepp Schmid, »Edlweiß« Bichl als Gaujugendvertreter neu gewählt. Karl Schaffer und Rupert Bestel wurden zu Gau-Ehrenmitgliedern er­ nannt.Das 80jährige Gründungsfest verbunden mit der Fahnenweihe feierten die »Loisachtaler« Wolfratshau­ sen am 20. 5. 1984. Der Gaujugendtag 1984 wurde zu­ sammen mit dem 15jährigen Gründungsfest des GTEV St.Sebald am 1. Juli in Egling abgehalten. Das 57. Loisachgaufest verbunden mit dem 75jährigen Gründungsjubiläum des Trachtenvereins »Würmseer Stamm«, Diemendorf war am 29. 7. 1984 in Tutzing. Der Festgottesdienst mußte wegen ungünstiger Witte­ rung im Zelt gehalten werden, der Festzug mit 38 Ver­ einen und 20 Musikkapellen konnte bei trockener Wit­ terung stattfinden. Staatssekretärin Frau Dr. Bergho­ fer-Weichner war als Ehrengast dabei. Am 31. Juli 1984 ist Ehrengauvorplattler Sepp Holzer im Alter vn 83 Jahren gestorben. Zum Abschluß des Festsommers 1984 war noch die Fahnenweihe zusam­ men mit dem 65jährigen Gründungsfest des GTEV »Würmseer« Seeshaupt-St. Heinrich am 12. August. In der Gauversammlung am 28.10.1984 in Königsdorf wurde Rupert Bestel, Berg-Eurasburg, zum Ehrengau­ vorplattler ernannt. Am 24.2. 1985 war wieder ein Ju­ gendvertreterlehrgang im Kloster Benediktbeuern. Dabei hielt Toni Demmelmeier, Schriftführer des Oberlandler Gauverbands einen Diavortrag über die Entstehung der Miesbacher Tracht. In der Gauver­ sammlung am 31.3. 1985 in Bad Tölz wurde mit 90 Ja­ gegen 10 Neinstimmen beschlossen, im Gau eine Haft­ pflichtversicherung abzuschließen, in der alle Gauver­ eine mit eingeschlossen sind. Bei herrlichem Sommerwetter fand am 30. 6. 1985 das 58. Loisachgaufest verbunden mit dem 50jährigen Gründungsfest der »Veiglbergler« in Neufahrn statt.34 Trachtenvereine und 20 Musikkapellen beteiligten sich am Festzug. Bei der Fahnenweihe des GTEV »Seerö­ serl« Ammerland-Münsing am 11. 8. 1985 nahmen 40


Vereine und 18 Musikapellen am Festzug teil, dabei war auch eine Trachtengruppe aus dem Schwarzwald. Mit 95 Ja- gegen 4 Neinstimmen wurde in der Gauver­ sammlung am 13.4.1986 in Thanning beschlossen, eine Gauchronik zu erstellen. Zum Auftakt des Festsom­ mers 1986 feierte der GTEV »Werdenfelser« München am 8. Juni sein 80jähriges Gründungsfest mit Fahnen­ weihe. Der Gottesdienst war in der Theatinerkirche und anschließend der Festzug mit 25 Gauvereinen. Am 15. 6. 1986 war die Gedenkfeier anläßlich des 100.To­ destages von König Ludwig II. bei der Votivkapelle in Berg. 5 Trachtenvereine und 4 Fahnenabordnungen vom Loisachgau beteiligten sich daran. Am 22. 6. 1986 war dann die Gedenkfeier auch anläß­ lich des 100. Todestages von Lehrer Vogl in Baiernrain, wo Josef Vogl begraben liegt. Der Trachtenverein Neufahrn sowie der Gauausschuß vom Loisachgau nahmen an der Feier teil. Staatssekre­ tär Stoiber hielt die Gedenkrede. Am 6. Juli fand der Gaujugendtag 1986 wieder in Bichl statt. Zum vierten Mal seit seinem Bestehen konnte der GTEV »Waxen­ stoana« Antdorf das Loisachgaufest am 3. 8. 1986 aus-

Weigl vom Inngau und Hofstetter vom Oberlandlergau nahmen als Ehrengäste daran teil. Nachdem der Gauverein »Inntaler« München seinen Vereinssitz nach Ottobrunn verlegt hat, fand dort am 25.10. 1987 die Gauversammlung statt. Der Verlagslei­ ter des Heimat- und Trachtenbote Konrad Vogel war dabei anwesend und informierte die Delegierten über die Vorarbeiten zur Herstellung der Gauchronik. In der Gauversammlung am 27. 3. 1988 in Egling wurde das Gaufest 1989 dem Trachtenverein St. Sebald Egling zugesprochen und findet am 2. Juli 1989 statt. Der Gaujugendtag 1988 war am Pfingstmontag, den 23. Mai in Moosham (Harmating). 360 Buben und Mädchen nahmen daran teil. Als Ehrengast war der Jugendver­ treter der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände Franz Mayr von Schliersee anwesend. Am 5. 6. 1988 feierte der GTEV »Alpenblick« Berg-Eurasburg sein 40jähriges Gründungsfest, der Verlauf war durch un­ günstige Witterung behindert. Das 61. Loisachgaufest fand am 6./7.August 1988 in Lenggries statt und wurde vom GTEV »Hirschbachtaler« ausgerichtet. Nachdem die »Hirschbachtaler« erst seit 1972 Mitglied beim Loi-

richten. Erich Hochreiter, der schon bei den meisten Trachtenfesten im Gau das Festzelt stellte, war auch diesmal wieder der Festwirt. Bei herrlichem Sonnen­ schein waren 38 Vereine und 26 Musikkapellen und Trommlerzüge beim Festzug zu sehen. Landrat Blaschke, die Landtagsabgeordneten Sepp Klasen und Peter Widmann waren als Ehrengäste dabei. Die Ver­ einigten Bayrischen Trachtenverbände und der Lan­ desverband veranstalteten in der Universität in Re­ gensburg am 15. 11. 1986 einen gemeinsamen Tag der Jugend. 12 Paare vom Loisachgau nahmen daran teil. Die Frühjahrsversammlung 1987 war am 5. April im Restaurant Lido in Seeshaupt; dabei erhielten wieder 7 verdiente Trachtler das Gau-Ehrenzeichen für 50 Jahre aktive Mitarbeit. Obwohl es im Sommer 1987 auch an den Sonntagen meistens regnete, konnte der Trachten­ verein »Edlweiß« Bad Tölz das 60. Loisachgaufest bei idealem Sommerwetter am 5. Juli durchführen. Der Festgottesdienst wurde an der Mariensäule in der Töl­ zer Marktstraße gehalten. Am Festzug beteiligten sich 34 Trachtenvereine, 1 Schützenkompanie, die Ega­ landa Gmoi und 21 Musikkapellen. Die Gauvorstände

Der Vorstand der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände Hans Zapf über­ reicht 1983 Ehrengauvorstand Franz Sappl zum 60. Geburtstag das Jahrhundert­ krügl.

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Der Gauausschuß gratuliert 1983 Sepp Floßmann zum 60. Geburtstag. Ganz links Bürgermeister Nagler, ganz rechts Vorstand Fagner. 37


sachgau sind, war dies das erste Loisachgaufest in Lenggries. Eine Besonderheit war, daß acht Tage vor­ her das Oberlandlergaufest im knapp 10 Kilometer ent­ fernten Bad Tölz abgehalten wurde. Da sich im Besuch und Gestaltung der Festlichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten doch einiges geändert hat, deshalb soll über den Verlauf dieses Gaufestes etwas ausführlicher berichtet werden. Waren es bis in die fünfziger Jahre noch 400 - 800 Festteilnehmer, die in Gasthäusern un­ tergebracht und verpflegt werden konnten, so ist heute bei nahe 3000 Festteilnehmern ein Festzelt unbedingt notwendig. So stand auch in Lenggries ein 3500 Perso­ nen fassendes Zelt, das im Rahmen der alljährlich statt­ findenden Festwoche aufgebaut wurde, zur Verfügung. Natürlich müssen dabei auch immer die dazugehören­ den Volksfesteinrichtungen mit in Kauf genommen werden. Beim Heimatabend im Festzelt waren ca. 2000 Besucher anwesend, als Ehrengäste konnten begrüßt werden: Schirmherr Bürgermeister März, Landrat Dr. Huber, Pfarrer Alfred Maier und Gauvorstand Martl Hofstetter vom Oberlandlergau. Das Programm wurde gestaltet von der Jugendgruppe und den Aktiven des Vereins, den Winkler Buam, der Volksmusik Öfele/ Kellner/Heiß, den Tölzer Goaßlschnalzern und den Alp hornbläsern aus Bad Kohlgrub. In einem so großen Zelt ist natürlich immer die Unruhe bei den Darbietun­ gen das größte Problem. Der Festsonntag war von einem herrlichen Sommer­ wetter begünstigt, so konnte auch der Festgottesdienst beim Kriegerdenkmal am Kirchplatz gehalten werden. Pfarrer Alfred Maier sprach in seiner Predigt über die Kleidung der Menschen und rief dabei den Trachtlern zu: »Bitte tragt eure Tracht am Sonntag, damit man noch sieht und spürt, daß dies ein besonderer Tag, ein Tag des Herrn ist«. Gauvorstand Sepp Mayer legte mit ehrendem Gedenken für die gefallenen und verstorbe­ nen Mitglieder des Loisachgaus am Kriegerdenkmal ei­ nen Kranz nieder, in seiner Ansprache bedankte er sich für den zahlreichen Besuch und die feierliche Gestal­ tung des Gottesdienstes und wies auf die vielfältigen Aufgaben hin, die die Trachtenvereine in der Erhal-

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tung und Gestaltung unserer Heimat haben, dabei er­ wähnte er unter anderem auch die Pflege der Mundart und der Landschaft. Während der Mittagspause fanden im Festzelt die Ehrentänze der Jugendgruppen statt. Punkt halb zwei setzte sich der Festzug in Bewegung, voran die Antlaßschützenkompanie Lenggries, dann die Kutsche mit den Ehrengästen Landrat Dr. Huber, Bürgermeister März, Pfarrer Alfred Maier und Braue­ reidirektor Schmidt, es folgten der Fahnenblock der Ortsvereine, die Festmusik und der Gauausschuß. Als Ehrengäste waren dabei vom Oberlandlergau Schrift­ führer Toni Demmelmeier, Gauvorplattler Hans Schwaiger, Gaupressewart Toni Demmelmeier jun. und der Hart Pauli von Sauerlach, vom Oberen Lech­ gau war der Gaujugendwart Franz Multerer erschie­ nen. Am Festzug beteiligten sich 32 Trachtenvereine, 17 Musikkapellen und sechs Festwägen. Nach dem Festzug machterr die Vereine ihre Ehrentänze und vor der Heimfahrt bekam jeder Verein eine Ehrengabe in Form eines Hinterglasbildes mit einem Trachtlerpaar. Den 1. Meistpreis mit 196 Festzugsteilnehmern bekam der Trachtenverein Königsdorf, den 2. mit 180 Teilneh­ mern der Trachtenverein »Wendlstoana« Thanning und den 3. mit 136 Teilnehmern die »Schloßbergler« Harmating. Es waren schöne und wertvolle Preise, zwei Hirschgeweihe und ein Gamskrickerl. Das Fest­ zeichen kostete 2 DM und die Maß Bier 5,80. Am 23.10.1988 war die Herbstgauversammlung in Sin­ delsdorf, dabei wurde dem am 3. Oktober verstorbe­ nen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß ein ehrendes Gedenken gewidmet, bei dessen Überführung und Trauerzug am 7. 10. 1988 in Mün­ chen waren auch 10 Fahnenabordnungen vom Loisach­ gau dabei. In seinem Bericht über die Jahrestagung der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände am 2. Ok­ tober in Immenstadt gab Gauvorstand Sepp Mayer be­ kannt, daß er bei der dort fälligen Neuwahl als Schrift­ führer in die Vorstandschaft der Vereinigten Bayeri­ schen Trachtenverbände berufen wurde. Die Ver­ sammlungsteilnehmer wünschten ihm zu diesem Eh­ renamt viel Glück.

Die Vorstandschaft bzw. der Gauausschuß des Loi­ sachgaus besteht zur Zeit aus 13 Mitgliedern und zwar sind dies: 1. Gauvorstand Sepp Mayer, » Veiglbergler« Neufahrn; 2. Gauvorstand Georg Schuster, »Würmseer« Diemen­ dorf; 1. Gauschriftführer Robert Bleil, »Birkenstoana« Penzberg; 2. Gauschriftführer Hans Kollmuß, »Edel­ weiß« Bad Tölz; 1. Gaukassier Ambros Lankes, »Kö­ nig Ludwig« Schloß Berg; 2. Gaukassier Paul Rieger, »Wendlstoana« Thanning; 1. Gauvorplattler Sebastian Deisenberger, »Birkenstoana« Penzberg; 2. Gauvor­ plattler Alfons Aichler, »Wendlstoana« Thanning; Gaujugendvertreter Josef Schmid, »Edelweiß« Bichl; Gauvolksmusikwart Konrad Golling, »Isarlust« Ir­ schenhausen; Gaupressewart Franz Sappl, »Alpen­ rose« Königsdorf; Revisoren: Nikolaus Spindler, »Dürnstoana« Deining; Sepp Floßmann, »Wendlsto­ ana« Thanning; Ehrenmitglieder: Franz Sappl: Rupert Bestel, Karl Schaffer.

Rückschau Wer nun diesen Auszug aus den Gau-Protokollbüchern aufmerksam gelesen hat, wird feststellen können, daß es in den 70 Jahren gute und auch Notzeiten gegeben hat, die sich auch auf das Vereinsleben und Verbands­ leben ausgewirkt haben. Wenn wir auch in den letzten Jahrzehnten in einem gewissen Wohlstand leben konn­ ten, so war das für unsere Arbeit auf dem Gebiet der Heimatpflege nicht immer von Vorteil. So manches alt­ hergebrachte Brauchtum wurde seines Inhalts beraubt, kommerziell ausgenützt und damit auch zur bloßen Schau herabgewürdigt. Der Mitgliederzahl nach wur­ den die Vereine immer größer. Bezüglich finanzieller Opfer waren aber unsere Väter in sparsamer Zeit zu größeren Opfern bereit. Die heute in der Öffentlichkeit selbstverständliche An­ erkennung der Trachtenvereine als kulturtragende Or­ gane mußte erst erkämpft werden. Die Gründer wur­ den noch »Kurzhösler« genannt und viele waren sich zu gut, zu diesen zu gehören. Die konservative Haltung


brachte den Trachtlern in den Zeiten politischer Wir­ ren auch Gegner ein. Widerstände von außen machten die Schar der Getreuen kleiner, aber fester, verschwo­ ren und bewußter zu ihrer Sache stehend. Heute haben die Trachtenvereine keine Gegner, keine finanziellen, keine räumlichen und gesellschaftlichen Schwierigkei­ ten mehr. Dies macht die Schar der Mitglieder groß, trägt aber den Keim der inneren Gefahr in sich, daß viele wohl Mitglieder, nicht aber feste, aktive Anhän­ ger der Sache werden. Darum wollen wir uns aus Anlaß der Rückschau auf die 70 Jahre bewußt werden, wie groß unsere Aufgabe und wie weit gespannt das Feld der Betätigung sein kann, wenn man den Wahlspruch hat: »Sitt' und Tracht der Alten wollen wir erhalten«. Dies in einer Zeit, die den Menschen zur Nummer macht, die die rasche Entwicklung der Technik für ei­ nen Fortschritt der Menschheit hält, die dabei oft die Menschlichkeit übersieht und fast nicht merkt, daß bei

immer mehr überhandnehmender Technisierung die Kultur und die Landschaft in Gefahr ist, zu verküm­ mern. Darum denkt daran, daß die Tracht wohl ein wesentli­ cher Teil unseres Volkstums ist, aber nur ein äußerli­ cher Teil. Wie zum Leib die Seele gehört, so gehört zum schmucken Kleid auch die Gesinnung. Lederho­ sen tragen und Bier trinken heißt noch nicht bayerisch sein. Dem äußeren Bild muß das Sprechen, das Den­ ken und das Fühlen im Herzen entsprechen. Darum re­ det bayrisch - die altbayerische Sprache hat einen eige­ nen Stil, sie hat einen Schatz vieler zusätzlicher, im üb­ rigen Deutschen nicht bekannter Worte. Redet wie euere Väter, redet nicht in der Einheits-Standardspra­ che von Zeitung und Fernsehen. Denkt bayerisch prüft, ob das Neuere auch wirklich besser ist als das Be­ währte. Fühlt bayerisch- bewahrt auch euren Kindern die Schönheit der Heimat, den Klang der Heimat in ih­ rer Musik, die Wärme der Heimat in ihrer Frömmig­ keit. Ein Volkstum ohne Glauben an einen Herrgott ist

Gauvorplattler Rupert Bestel überreicht Gauvorstand Franz Sappl zu seinem 25jährigen Vorstands-Jubiläum 1978 eine Holzfigur als Geschenk der Gauvereine.

wie eine Familie ohne Mutter. Der große Aufmarsch an Festtagen ist nur das gemeinsame öffentliche Auftre­ ten. Trachtler bewähren sich auch im Alltag. Zeigt euch als solche überall, auch im Beruf und in der Frei­ zeit. Eine einfache Bundhose und Lodenjoppe an Werktagen getragen, kann mehr bedeuten, als eine prachtvolle Tracht, die nur bei Festlichkeiten hervorge­ holt wird. Seid täglich Bayern, in der Familie durch ent­ sprechende Erziehung der Kinder, im Beruf, in Verei­ nen, Verbänden, in der Politik durch entsprechende Abstimmung oder Entscheidung. Tut es zum Wohl und Bestand unseres Landes, das euch dafür die bergende Wärme gibt- Heimat. Mit dem Wunsch und der Hoffnung, daß uns und den kommenden Generationen der Friede, die Freiheit und die Heimat erhalten bleiben möge, möchte ich den Auszug aus den Gau-Schriftführerbüchern des Loi­ sachgaus von 1919 bis 1989 abschließen. Lenggries, den 27. Dezember 1988

Franz Sappl

Gauvorstand Sepp Mayer überreicht Ehren-Gauvorplattler Rupert Bestel und Gau-Ehrenmitglied Karl Schaffer die Ernennungs-Urkunde. 39


Gauvorstandschaft beim Gaufest 1979 in Wolfratshausen

Im Brunnenhof der Residenz in München am 2. 7. 1983 beim Staatsempfang

Loisachgau beim Jahrhundertfest am 3. 7. 1983 in München

Landrat Dr. 0. Huber und Bürgermeister Manfred Nagler 1988 bei einem Gruß­ wort in Egling.

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Satzungen

Für den Trachtenverband LOISACHGAU, Sitz Penz­ berg, gegründet 1919 1. Name und Sitz a) Der Verband führt den Namen »Trachtenverband Loisachgau«. b) Er hat seinen Sitz in Penzberg. 2. Zweck Zweck des Verbandes ist insbesondere: a) die Erhaltung der bodenständigen Trachten, sowie die Pflege des heimatlichen Brauchtums,

b) Zusammenfassung der Heimat- und Trachtenver­ eine im Loisachtal und dessen Umgebung. Mittel zur Erreichung des Zweckes sind insbesondere: a) Anschluß an die zuständige Dachorganisation, b) Förderung der kameradschaftlichen Zusammenar­ beit innerhalb der Vereine, c) Durchführung und Unterstützung von Veranstaltun­ gen, die dem Verbandszweck dienen. 3. Entstehung der Mitgliedschaft Mitglieder des Gauverbandes können Hcim,tt- und Trachtenvereine im Loisachtal und dessen Umgebung werden, die keinem anderen Gauverband angehören. Die Aufnahme muß schriftlich beim Gauvorstand oder seinem Vertreter beantragt werden. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand. Lehnt der Vorstand den Antrag ab, so ist dieser auf Antrag der Betroffenen der Mitgliederversammlung vorzule­ gen. Diese entscheidet endgültig. 4. Beendigung der Mitgliedschaft Die Mitgliedschaft wird durch eine schriftliche Mittei­ lung an den Vorstand beendet. Ein Verein kann durch Beschluß der Mitgliederversammlung ausgeschlossen werden, wenn a) ein Verein nicht mehr die Zwecke des Verbandes verfolgt, b) der Beitrag mehr als 3 Jahre nicht entrichtet wird, c) ohne Begründung mehr als 3 Jahre keine Delegierten zur Mitgliederversammlung entsendet werden. 5. Beitrag Jeder Verein hat einen Jahresbeitrag zu entrichten. Die Höhe und die Fälligkeit des Beitrages wird von der Mit­ gliederversammlung festgelegt. Die Beitragspflicht ei­ nes Vereins, der seinen Austritt erklärt hat, besteht für das Jahr, in dem der Austritt erklärt wurde, weiter. 6. Ausschuß und Wahl Der Gauausschuß besteht aus 1. und 2. Vorstand, 1. und 2. Schriftführer, 1. und 2. Kassier, 1. und 2. Vor­ plattler, 2 Revisoren, 1 Jugendvertreter, 1 Pfleger für Volksmusik und Gesang und einem Pressewart. Der Ausschuß wird von der Mitgliederversammlung alle 3 Jahre in der Herbstversammlung neu gewählt.

7. Rechte und Pflichten des Vorstandes Der Vorstand vertritt den Verband nach außen und in­ nen. Er ist berechtigt, alle im Interesse des Verbandes notwendigen Anordnungen zu treffen. Er wird in sei­ ner Arbeit vom Gauausschuß unterstützt. 8. Versammlungen Alljährlich finden zwei Gauversammlungen statt. Der Zeitpunkt der Versammlung und die Tagesordnung wird vom Gauvorstand festgelegt und muß mindestens 14 Tage vor der Tagung in der Trachtenverbands-Zei­ tung bekanntgegeben werden. Als Versammlungsort ist jedesmal der Ort eines ande­ ren Gauvereins zu bestimmen. Die Mitgliederver­ sammlung setzt sich aus den stimmberechtigten Dele­ gierten der Mitgliedsvereine zusammen. Jeder Verein entsendet drei stimmberechtigte Mitglieder. Die Mitgliederversammlung faßt Beschlüsse im allge­ meinen mit einfacher Stimmenmehrheit der Anwesen­ den. Zur Auflösung des Verbandes und Satzungsände­ rungen ist jedoch eine Stimmenmehrheit von 3/4 der Anwesenden erforderlich. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist ein­ zuberufen, wenn dies ein Drittel aller Mitgliedsvereine schriftlich, unter Angabe des Zwecks und der Gründe, vom Vorstand verlangt. 9. Gaufest Alljährlich hat ein Gaufest stattzufinden. Jedem Gau­ verein, soweit er nicht außerhalb der Gaugrenzen liegt, kann bei Bewerbung das Gaufest zugesprochen wer­ den. Um das Gaufest können sich alle Vereine bewer­ ben, die mindestens drei Jahre dem Gauverband ange­ hören oder deren letztes Gaufest schon mehr als sechs Jahre zurückliegt. Der Zuspruch des Gaufestes erfolgt durch Abstimmung bei der Herbstgauversammlung des Vorjahres. Der Verein, dem das Gaufest zugesprochen wurde, übernimmt das Fest auf eigene Rechnung und Gefahr, hat sich dabei aber an die bestimmten Richtli­ nien des Verbandes zu halten. Zuschüsse vom Gau werden je nach Möglichkeit und Bedarf gegeben. Sollte es erforderlich sein, kann auch der Gau in eigener Re­ gie das Gaufest übernehmen. 41


10. Beschlußfassung und Beurkundung Die vom Gauausschuß oder der Gauversammlung ge­ faßten Beschlüsse sind schriftlich niederzulegen und vom Gauvorstand oder seinem Vertreter sowie vom Verfasser der Niederschrift zu unterschreiben. 11. Auflösung Der Gauverband löst sich auf: a) durch Beschluß einer Versammlung mit der in Punkt 8 festgelegten Stimmenmehrheit, b) wenn die Mitgliederzahl auf zwei Vereine herabge­ sunken ist. Das nach der Auflösung noch vorhandene Verbandsvermögen fällt dem Bayerischen Roten Kreuz zu. Diese Neufassung der Satzungen wurde von der Mit­ gliederversammlung am 30. März 1969 in Heilbrunn mit der erforderlichen Mehrheit anerkannt und be­ schlossen. Die Vorstandschaft gez. Franz Sappl, 1. Gauvorstand Bartl Schmuck, 2. Gauvorstand Karl Schaffer, Gauschriftführer Josef Kastenmüller, Gaukassier

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Sitz Penzberg Gegründet 1919

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Gauvorstand Peter Schweizer mit Frau Gründungsvorstand von 1919 bis 1927

Hans Raßbichler, Gauvorstand von 1927 bis 1953

Franz Sappl, Gauvorstand von 1953 bis 1980

Sepp Mayer, Gauvorstand seit 1980

Michl Gabler, Gauschriftführer von 1927 bis 1951

Sebastian Schäffler, Gaukassier von 1928 bis 1952 43


Die Tracht im Loisachgau Die Lage des Loisachgaus zwischen den bekannten Trachtengebieten Miesbach und Werdenfels hat sich auch auf die Tracht ausgewirkt, die von den Vereinen im Gau getragen wird. So ist es zum größten Teil die original Miesbacher Tracht mit grauer Joppe, grünge­ stickter kurzer Lederhose und ausgeschnittener grüner Weste. Im westlichen Teil ist ein Werdenfelser Ein­ schlag spürbar: mit gesticktem Hosenträger ohne We­ ste, dazu der Miesbacher oder Werdenfelser Hut. Au­ ßerdem wurde einmal eine forstgrüne Joppe mit Rük­ kenspange und spitzen Revers als Loisachtaler Joppe im Gau eingeführt. Sie gehört bei acht Vereinen zur Vereinstracht und wird teilweise mit und ohne Weste getragen. Die weiblichen Mitglieder tragen die Miesba­ cher Tracht, wie schon beschrieben, also Mieder und Schalkgwand. Bei drei Vereinen tragen die Frauen Werdenfelser Tracht: Seidenwasch und Werdenfelser Hut. Ein Münchner Verein trägt die Inntaler Tracht. Bei den »Hirschbachtalern« von Lenggries tragen etli­ che Mitglieder bei Festzügen die alte Flößertracht. Im Gau wird nur die Gebirgstracht getragen, also keine Volks- oder historische Tracht. Es gibt zwar im Gauge­ biet ein paar Gruppen mit historischer Tracht, aber die sind keinem Verein angeschlossen. F. Sappl

Beim Gaufest 1988 in Lenggries

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Seeshaupt-St. Heinrich, grĂźnes Miedergwand und Miesbacher Joppe.

Bichl, rotes Miedergwand, Loisachtaler Joppe, Werdenfelser Hut mit Gamsbart.

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KĂśnigsdorf, blaues Miedergwand, Loisachtaler Joppe mit Flaumhut. 46

Werdenfelser MĂźnchen, Original Werdenfelser Tracht.


Thanning, Hochzeitsgwand, Schalk, Miesbacher Joppe und lange schwarze Hose.

Sindelsdorf, Festtagstracht, Spensergwand mit seidenem Fransentuch und Schnurhut, forstgrĂźner Anzug.

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Inntaler Ottobrunn, Inntaler Tracht und Miesbacher Joppe. 48

Lenggries, FlĂśĂ&#x;ertracht und Kronenmadl.


Neufahrn, Jugend von 14 bis 17 Jahren

Antdorf, Jugend von 10 bis 14 Jahren

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Baierbrunn, Trauertracht, ohne Hutschmuck. 50

Harmating, Trauertracht, Kirchengwand mit schwarzsamtenem Umschlagtuch.


Entstehung der Schuhplattler und Volkstänze Der Inbegriff. des alpenländischen Tanzes ist für viele der Schuhplattler. Schon im hohen Mittelalter war der Tanz Mittelpunkt aller bäuerlicher Feste. Mit einer Leidenschaft, gegen die amtliche und auch kirchliche Verbote, selbst Volksprediger vergebens ankämpften, tanzte die Bauernjugend. Die wohl älteste Form des geselligen Tanzes dürfte das im Kreis und in der offenen Kette gesungene getanzte Lied und die Ballade gewesen sein. Je nach Landschaftszugehörigkeit sollen Schuhplattler, Historische Heimattänze und Volkstänze in ihrer Überlieferung als bodenständige Tanzformen erhalten bleiben. Wie die Sitten, Gebräuche und die Mode, so wechsel­ ten die Tänze von jeher schon. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre haben hierzu ihr übri­ ges getan, besonders nach dem 2. Weltkrieg, in der Be­ satzungszeit als von Übersee Jazz, Urwaldmusik und -tänze unser Land überfluteten. Gerade der Heß, ein Bauern- und Kirchweihtanz, der dann in Vergessenheit geriet, ein Reigentanz, der sehr beliebt war, oder der Auftanz und der Francaise, ohne den in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts keine Tanzveranstaltung abgehalten wurde. Volkstänze sind alte Tänze, geltend für alle Volks­ schichten, die Kuckuckspolka, der Waldjaga, die Kreuzpolka, der Woaf, der Siebenschritt, die Mazurka, der Dreher usw. Der Volkstanz war lange Zeit hin­ durch der allgemein herrschende Tanz. Die Heimat- und Trachtenvereine müssen dafür Sorge tragen, daß auch weiterhin Volkstänze und Schuhplatt­ ler, Volksmusik und Singen in ihren Reihen weiterge­ pflegt werden und der nachfolgenden Generation un­ verfälscht übergeben werden. Man muß den Vereinen, Gauen und Gebieten ihre Ei­ genständigkeit belassen und nicht versuchen, alles in eine Schablone zu zwängen, nur so kann man die Viel-

zahl der Volkstänze und Schuhplattler in ihrer Gesamt­ heit erhalten, was nötiger denn je ist. Den genauen Ursprung oder die zeitliche Entstehung des Schuhplattlertanzes ist die Volkskunde bis heute noch immer schuldig geblieben. Forscher und Wissenschaftler haben sich seit langem bemüht, hier Klärung zu schaffen, aber etwas Endgülti­ ges konnten sie noch nicht ermitteln und bekanntge­ ben. Wir wissen bis heute nur, daß das Schuhplattln, wie wir es kennen, seit Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbar ist; getanzt in vereinfachter Form, wahrscheinlich von den Urvölkern her als Tanzelement übernommen. Dargeboten aller Wahrscheinlichkeit nach überwie­ gend von Holzknechten, die monatelang abgeschieden in den Bergwäldern ihre harte Arbeit verrichteten, die dann zu den Dorffesten zum Tanz ins Tal kamen, beim Tanz bald der eine, dann wieder der andere das Deandl wiederholt ausließen und drum herum schnackelten und patschten, abgeschaut der Vogelbalz (Auerhahn, Birkhahn). Zu der Zeit waren die Plattler noch sehr mit Figuren vermischt, wie sie heute noch zum Teil im Wer­ denfelser Land getanzt werden. Erst nach der Grün­ dung der Trachtenvereine (der erste wurde 1883 vom Volksschullehrer Josef Vogl in Bayrischzell gegründet) wurden dann die Plattler und Figurentänze im Lauf der Jahrzehnte getrennt, verfeinert und ergänzt bis auf den heutigen Stand. Die Plattler weichen den Alpen entlang, bedingt durch Gaue und Gebiete, voneinander ab. Die Namen der Plattler führen wahrscheinlich auf den Ort, an dem sie das erste Mal den Tanz aufgeführt ha­ ben, zurück. Ein Benediktiner Mönch des Klosters Te­ gernsee hat im frühen Mittelalter 1030 bis 1050 in so ausführlicher Weise einen bäuerlichen Tanz aufge­ zeichnet, daß es sich unverkennbar um eine frühere Form des Schuhplattlers handelte. Als die Kaiserin von Rußland 1838 in Wildbad Kreuth zur Kur weilte, ehrten sie die Einheimischen mit einer Tanzvorführung, was nach der Lithographie eines»Un­ bekannten« dem Schuhplattler schon sehr nahe kam, doch noch keinen Namen hatte.

Sepp Frimmer, Vereinsmusikant »Alpenblick« Berg bei Eurasburg, spielt auch die Vorplattlerproben und Gauwertungsplattln im Loisachgau. Der Schuhplattler geht, und das ist erwiesen, aus der Gegend von Miesbach aus, wo am 15. Juli 1858 anläß­ lich des Besuches von König Max II. ein Schuhplattler­ tanz aufgeführt wurde. 1861 gründete sich in Miesbach ein »Gemütlichkeits­ verein«, der auch den Schuhplattlertanz pflegte. 1866 wurde der Gemütlichkeitsverein umbenannt in »Schuhplattlergesellschaft« Miesbach. Der Schuhplattler war ein Paartanz, in dem der Bursch um seine Tänzerin warb. Erst später entwickelte sich daraus der Burschenplattler, wie er heute viel getanzt wird, hauptsächlich im Chiemgaugebiet. Auch war der Schuhplattler früher kein Gruppentanz; jeder plattelte für sich selber und seine Tänzerin, beim 51


gleichen Tanz in verschiedenen Schlagarten eigener Er­ findung. Die Sternpolka ist ein Volkstanz, bei dem man nicht mit Sicherheit sagen kann, woher er kommt, wahr­ scheinlich wurde die Polka aus mehreren Tänzen zu­ sammengestellt. In vielen Alpenländern hatte man um die Jahrhundert­ wende seine eigenen Tänze, die sich dann mit anderen vermischten, erst nach dem 1. Weltkrieg kam der Volkstanz mehr und mehr in Mode, um dann wieder in Vergessenheit zu geraten und dann in den fünfziger Jahren nach dem 2. Weltkrieg wieder einen gewaltigen Aufschwung zu nehmen.

Der Italiener, aufgeschrieben in den Bergen. Der Name soll angeblich daher rühren, daß beim Bahnbau Chiemsee-Traunstein italienische Erdarbeiter beschäf­ tigt und in den umliegenden Ortschaften einquartiert gewesen sind. Als Mittänzer bei den bayerischen Dorf­ festen sollen sie diesen sehr ruhigen Tanz geschätzt ha­ ben. Das Mühlrad!, besagt schon der Name, ein Tanz der Müllerburschen, der durch das Stampfen das Klappern des Mühlrades und die beiden Sterne das Ineinander­ greifen der Holzzahnräder zum Antrieb der Mahlsteine darstellen soll.

Der Woaf, auch bei diesem Volkstanz ist nicht mit Si­ cherheit feststellbar, woher er eigentlich kommt. Der Steirer, wie schon der Name besagt, ist wahr­ scheinlich vom Nachbarland der Steiermark in das Bayerische übernommen worden, ein Figurentanz mit der Liebeswerbung um ein Deandl. Nach anderen soll der Steirer in Tegernsee entstanden sein. S' Deandl mit'm rot'n Miada, ein Volkstanz, wie der Name besagt, eine Melodie, in der der Textdichter das Deandl besingt, und auf diesem Text ist der Tanz aufge­ baut, der auch geplattelt wird als »Neubayrischer«. Rupert Bestel

Links: Ludwig Werner 1. Gauvorplattler des Loisach­ gaues 1925 bis 1927; rechts: Georg Rauscher im 3. Reich Reichsbezirksvorplattler.

Sepp Holzer, 1. Gauvorplattler des Loisachgaues von 1946 bis 1948, Gauehrenmitglied seit 5. August 1951.

Ehrengauvorplattler Rupert Bestel, 1. Gauvorplattler des Loisachgaues von 1959 bis 1983

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Vorplattlerprobe 1955 in Aufkirchen, Mitte: Sepp Floßmann 1. Gauvorplattler des Loisachgaues von 1953 bis 1959.

Vorplattlerprobe beim Deutschenbaur in Aufkirchen 1955.

»Birk'nstoana« Penzberg 1966 in der ehemaligen Barbara-Turnhalle in Penzberg, rechts: Gottfried Gabler 1. Gauvorplattler des Loisachgaues von 1948 bis 1951.

Hinten mit Vollbart Sebastian Deisenberger, 1. Gauvorplattler des Loisachgaues seit 1983. 53


Plattler, Historische und Volkstänze im Loisachgau Nach der Gründung des »Loisachtaler Gauverbandes« mit insgesamt 9 Vereinen am 25. Mai 1919 mit Sitz in Penzberg wurde dann am 10. September 1922 bei der Gauversammlung auf Antrag des Gauvorstandes von den Delegierten beschlossen, einen Gauplattler einzu­ führen. Bestimmt wurde der »Loisachtaler Landler« mit einfa­ chem Schlag. Man sieht, daß zur damaligen Zeit die Plattler schon in mehreren Varianten geplattelt wurden, mit einfachem Schlag und dann je nach Geschicklichkeit des Vorplatt­ lers in einer komplizierteren Art, bei Vorplattlerwech­ sel kam dann oft eine wiederholte Änderung des Platt­ lers vor, um das Können des Neugewählten zu bestäti­ gen. Bei der Hauptversammlung am 14. Oktober 1923, also 4 Jahre nach Gründung des Gauverbandes, wurde erst­ mals ein Gauvorplattler gewählt.

Der erste Gauvorplattler im »Loisachtaler Gauver­ band<< war der Rucker Hans von den »Werdenfelsern« aus München, hierzu muß gesagt werden, daß zur da­ maligen Zeit alle Jahre Neuwahl der gesamten Gauvor­ standschaft stattfand. Am 5. Oktober 1924 wurde Gsimsl Paul von den »Wendlstoana« Penzberg zum 1. Gauvorplattler ge­ wählt. Auch wurde in dieser Versammlung darauf hin­ gewiesen, bei den Deandln auf die richtige Länge und notwendige Ausführung beim Gwand zu achten. Bei der Frühjahrsversammlung am 13. April 1925 im Staltacher Hof in Penzberg war anschließend an die Versammlung eine Vorplattler-Probe erstmals im Pro­ tokollbuch eingetragen. Bei der Hauptversammlung am 4. Oktober 1925 wird Ludwig Werner von den »Schloßberglern« Wolfrats­ hausen zum 1. Gauvorplattler gewählt. Am 3. Oktober 1926 wurde Ludwig Werner für ein wei­ teres Jahr als 1. Gauvorplattler gewählt. Am 9. Oktober 1927 wurde wiederum Hans Rucker von den »Werdenfelsern« München zum ersten Gau-

Bandltanz beim Gaufest in Königsdorf 1946 »Edelweiß« Tölz. 54

vorplattler gewählt, ebenso am 28. Oktober 1928 und am 22. September 1929. Bei der Generalversammlung am 5. Okober 1930 wurde als 1. Gauvorplattler Schmotz Korbinian von den »Wendlstoana« aus Thanning gewählt. Auch wurde bei dieser Versammlung die Plattler­ gruppe »Edelweiß« Starnberg in den Gau aufgenom­ men, man ersieht daraus, daß sich viele Vereinigungen zur damaligen und früheren Zeit nicht als Trachtenver­ eine bezeichneten. Bei der Teilversammlung am 17. Mai 1931 wurde die Kritik von Gauvorstand Bacher betreffs der kurzen Röckerl bei den Weiberleut zurückgewiesen, dies fällt auf seinen Gau selbst zurück, was sich beim Trachten­ aufmarsch in Rosenheim bewiesen hat. Am 11. Oktober 1931 wurde wiederum Schmotz von Thanning zum 1. Gauvorplattler gewählt. Auch wurde angeregt, die Vereine sollen ihren Vorplattlern die Fahrt zur Gauvorplattlerprobe zahlen, daß jeder Ver­ ein bei der Probe anwesend sein kann. Am 23. Oktober 1932 wurde, da Gauvorplattler Schmotz nicht anwesend war, Karl Holzer von den »Isar-

Mühlrad! »König Ludwig« Schloß Berg 1953. Vorne Schorsch Hauser, 1. Gauvor­ plattler des Loisachgaues von 1951 bis 1953.


talern« München als dessen Nachfolger zum 1. Gauvor­ plattler gewählt, dieses Amt hatte er bis zur Einstellung der Tätigkeit des Gaues im Jahr 1938 inne. 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsoziali­ sten begann der Leidensweg der Trachtenvereine, die nun die Anweisungen der Ortsgruppenleiter und Ob­ männer befolgen und gezwungenermaßen ausführen mußten. Plattler wurden 1935 als Variete-Nummern eingebaut. Bei der Frühjahrsversammlung am 22. April 1935 wurde auf Antrag einstimmig beschlossen, daß der Steirertanz und der Dreisteirer nicht mehr als Histori­ sche Tänze gewertet werden, da diese Nationaltänze sind. Der Watschentanz, der Haberer und der Wildschützen­ tanz dürfen in unserem Gau nicht mehr aufgeführt werden, und es sind die Vereinsvorstände dafür verant­ wortlich, daß dies eingehalten wird. Laut Michl Naierz waren es hauptsächlich wilde Ver­ eine von Garmisch-Partenkirchen, welche besonders diese verbotenen Tänze aufführten.

Nach dem Reichswahlgesetz wird nur mehr der 1. Gau­ vorstand mit Stimmzettel gewählt, und er bestimmt dann seine weiteren Mitarbeiter. Frühjahrsversammlung am 13. April 1936. Bericht: Mit Genugtuung ist festzustellen, daß nun endlich einmal die wilden Vereine und Plattlergruppen aufgelöst wer­ den. Anschließend an die Gauversammlung war noch eine Vorplattlerprobe, bei welcher sich die verschiedenen Vorplattler bemühten, dem 1. Gauvorplattler Karl Holzer endlich den Gauschlag beizubringen. 1938 stellten die Vereine und der »Loisachtaler Gau­ verband« ihre Tätigkeit wegen unüberwindbarer Schwierigkeiten mit der Reichsregierung ein. Nach 8jähriger Pause und dem verlorenen 2. Weltkrieg wurde bei der für den 22. April 1946 einberufenen Gau­ versammlung Sepp Holzer von den »Loisachtalern« Wolfratshausen zum 1. Gauvorplattler gewählt. Bei der Frühjahrsversammlung am 7. April 1947 wurde darauf hingewiesen, daß Trachtlerinnen und Trachtler in der Tracht bei Tanzveranstaltungen das Schiebertan­ zen zu unterlassen haben.

Gauwertungsplattln 1960 »Wendlstoana« Thanning in Thanning.

Am 5. Oktober 1947 wurde Sepp Holzer wiederum zum 1. Gauvorplattler gewählt. Am 24. Oktober 1948 wurde Gottfried Gabler von den »Birkenstoana« Penzberg zum 1. Gauvorplattler ge­ wählt, der auch 1949 und 1950 wiedergewählt wurde. Am 5. August 1951 wurde nach der Ehrengabenvertei­ lung in Bad Tölz der erste Gauvorplattler nach dem 2. Weltkrieg von 1946-1948 Sepp Holzer zum Ehrenmit­ glied des »Loisachgaues« ernannt. Bei der Generalversammlung am 7. Oktober 1951 wurde Schorsch Hauser von »König Ludwig Stamm« Schloß-Berg zum 1. Gauvorplattler gewählt, und auch 1952 wurde Hauser wiedergewählt. Am 11. Mai 1952 fand in Aufkirchen das erste Grup­ penpreisplattln, verbunden mit einem Gauwertungs­ singen, statt. Der Trachtenverein »König Ludwig« Schloß Berg hatte auf Anregung von Gauvorplattler Hauser einen Wan­ derpokal gestiftet, den »Edelweiß« Bad Tölz gewinnt, 2. »Loisachtaler« Wolfratshausen. Auch heute noch stellt Schorsch Hauser, der auch viele Jahre als Preisrichter fungierte, bei den Gauwertungs-

Gewinner des Wanderpokals beim Gauwertungsplattln 1960: »Wendlstoana« Thanning; der Gauvorstand überreicht dem 1. Vorplattler Martin Kastenmüller den Pokal.

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plattln Preise zur Verfügung, ebenso wie das Trachten­ haus Hans Fröstl, hierfür beiden ein herzliches »Ver­ gelts Gott«. Am 17. Mai 1953 findet das Gauwertungsplattln in Bad Tölz statt, den Pokal gewinnen die »Loisachtaler« aus Wolfratshausen. Erstmals beteiligen sich auch Jugendgruppen bei die­ sem Wertungsplattln, »Würmseer« Tutzing, »Birken­ stoana« Penzberg, TrV Maxkron und »Alpenrose« Kö­ nigsdorf. Bei der Generalversammlung am 20. September 1953 wird als 1. Gauvorplattler Sepp Floßmann von den »Edelweißern« Bad Tölz gewählt, er bekleidete diesen Posten bis zum Jahre 1959. Gauwertungsplattln am 16. Mai 1954 in Wolfratshau­ sen, den Pokal gewinnen die »Loisachtaler« Wolfrats­ hausen zum 2. Mal. 2. «Edelweiß« Bad Tölz, 3. »Dürn­ stoana« Deining. Bei den Jugendgruppen belegten die »Würmseer« aus Tutzing den ersten Platz, 2. Trachten­ verein Maxkron, 3. »Birkenstoana« Penzberg. Beim Gauwertungsplattln am 15. Mai 1955 in Penzberg gewannen die »Edelweißer« Bad Tölz den Pokal zum 2.

Mal. 2. »Loisachtaler« Wolfratshausen, 3. »Alpen­ blick« Berg bei Eurasburg. Bei der Preisverleihung gab es tumultartige Szenen, da sich einige Gruppen bei der Bewertung benachteiligt fühlten. Drei Jugendgruppen beteiligten sich. Am 13. Mai 1956 Gauwertungsplattln mit Gesangsein­ lagen in Bad Tölz, den Pokal gewinnen die »Inntaler« aus München, 2. »Edelweiß« Bad Tölz, 3. »Wendlsto­ ana« Thanning. 19. Mai 1957 Gauwertungsplattln in Königsdorf, Ge­ winner des Pokals sind die »Inntaler« München das 2. Mal. Am 18. Mai 1958 Gauwertungsplattln mit Einzelplattln im Wagnerbräu in München. Pokalgewinner »Innta­ ler« München zum 3. Mal, 2. »Edelweiß« Bad Tölz, 3. »Loisachtaler« Wolfratshausen. Am 6. September 1959 Gauwertungsplattln in Wolf­ ratshausen, durchgeführt von den »lnritalern« Mün­ chen. Es geht um einen neuen Pokal, gestiftet von Bar­ bara Hiesinger. Gewinner wiederum »Inntaler« Mün­ chen, das 1. Mal, 2. »Birkenstoana« Penzberg, 3. »Wendlstoana« Thanning.

Gauwertungsplattln »Alpenblick« Berg bei Eurasburg in Thanning 1965. 56

Bei der Herbstgauversammlung am 11. Oktober 1959 in Königsdorf wurde Rupert Bestel vom Trachtenver­ ein »Alpenblick« Berg bei Eurasburg zum 1. Gauvor­ plattler gewählt, er bekleidete dieses Amt 24 Jahre lang bis 1983. Am 11. September 1960 Gauwertungsplattln in Than­ ning, erstmals 15 Gruppen, Pokalgewinner sind die »Wendlstoana« aus Thanning I, das 1. Mal, 2. »Innta­ ler« München, 3. »Wendlstoana« Thanning II. Neue Tabellen wurden ausgearbeitet, mit Minus- und Pluspunkten, um eine bessere Bewertung durchführen zu können, man kam nach Jahren wieder davon ab, und führte dann 5 Preisrichter ein, bei Streichung der be­ sten und schlechtesten Benotung erzielte man dadurch eine optimale Wertung. Am 10. September 1961 Gauwertungsplattln in Than­ ning, Gewinner des Pokals die »Loisachtaler« aus Wolf­ ratshausen das 1. Mal, 2. »Wendlstoana« Thanning II, 3. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg. Gauwertungsplattln am 20. Mai 1962 in Wolfratshau­ sen, Pokalgewinner »Wendlstoana« Thanning I, 2.

Gauwertungsplattln, »Loisachtaler« Wolfratshausen in der alten Turnhalle in Wolf­ ratshausen.


»König Ludwig« Schloß Berg mit dem Kronentanz.

»Alpenrose« Königsdorf mit dem Zweisteirer 1960.

»Veiglberger« Neufahrn 1965 mit dem Sterntanz.

»Birk'nstoana« Penzberg mit dem Dreisteirer

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»Loisachtaler« Wolfratshausen, 3. »Wendlstoana« Thanning II. Gauwertungsplattln am 15. September 1963 in Than­ ning, Pokalgewinner sind die »Inntaler« aus München das 2. Mal, 2. »Loisachtaler« Wolfratshausen, 3. »Wendlstoana« Thanning I. Am 13. September 1964 Gauwertungsplattln in Mün­ chen, die »Wendlstoana« aus Thanning I, gewinnen den Pokal zum 3. Mal, 2. »Inntaler« München, 3. »Wendlstoana« Thanning II. Jugend: 1. »Wendlstoana« Thanning, 2. Trachtenverein Maxkron. Am 29. August 1965 Gauwertungsplattln in Thanning, Gewinner des Pokals die »Birkenstoana« aus Penz­ berg, 2. »Wendlstoana« Thanning I, 3. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg. Jugend: 1. »Veiglbergler« Neu­ fahrn, 2. TrV Maxkron. Gauwertungsplattln am 28. August 1966 in Penzberg, Pokalgewinner »Loisachtaler« Wolfratshausen, 2. »Georgenstoana« Baierbrunn, 3. »Buchbergler« Bad Heilbrunn. Bei den Jugendgruppen, die jetzt fast in al­ len Gauvereinen bestehen und für die gleichlaufend zum Gauwertungsplattln ein Gruppenplattln statt-

fand, konnte die erste Gruppe der »Veiglbergler« aus Neufahrn den ersten Platz erringen, 2. »König Ludwig« Schloß Berg, 3. »Veiglbergler« Neufahrn II. 10. September 1967 Gauwertungsplattln in Wolfrats­ hausen, Pokalgewinner »Inntaler« München das 1. Mal, 2. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg, 3. »Loisach­ taler« Wolfratshausen. Jugend: 1. »Veiglbergler« Neu­ fahrn I, 2. »König Ludwig« Schloß Berg, 3. »Wendl­ stoana« Thanning II. Bei der Herbstgauversammlung am 22. Oktober 1967 wurde angeschnitten, daß das Preisplattln ein großes Problem ist, jeder fühlt sich benachteiligt, ein Arbeits­ kreis soll diese Probleme lösen. Am 6. Oktober 1968 wurde in Thanning anstelle des Gauwertungsplattln nur ein Jugendpreisplattln durch­ geführt. 1. »Veiglbergler« Neufahrn, 2. »König Lud­ wig« Schloß Berg, 3. Trachtenverein Maxkron. Insge­ samt 8 Gruppen. 1969 und 1970 wurde anstelle des Gauwertungsplattlns ein Gaujugendtag durchgeführt. Die Vorplattlerproben werden jetzt mit Volkstanz ver­ bunden, die Unterweisung im Volkstanz hat Martin So-

Kommision beim Gauoffenen Preisplattln in Wolfratshausen 1967, v .1.: Sepp Hoff­ mann, Karl Schaffer, Sepp Floßmann, Gauvorplattler Rupert Bestel, Adolf Haller und Ambras Lankes. 58

blowski, Vorplattler von »Alpenblick« Berg bei Euras­ burg, übernommen. Gauwertungsplattln am 6. Juni 1971 in Icking, 1. »Al­ penblick« Berg bei Eurasburg, 2. »König Ludwig« Schloß Berg, 3. »Buchbergler« Bad Heilbrunn. Ju­ gend: 1. »Loisachtaler« Wolfratshausen, 2. »Veiglberg­ ler« Neufahrn, 3. »St. Sebald« Egling II. Das Gauwertungsplattln wird jetzt wechselweise mit dem Gaujugendtag alle zwei Jahre durchgeführt. 27. Mai 1973 Gauwertungsplattln in Höhenrain, die Ju­ gend überflügelt die Aktiven, 17 Jugendgruppen und 15 Aktive-Gruppen nahmen teil. Jugend: 1. »Birkenstoana« Penzberg, 2. »Almrösl« Ho­ henschäftlarn I, 3. »Wendlstoana« Thanning I. Aktive: 1. »Almrösl« Hohenschäftlarn, 2. »St. Sebald« Egling, 3. »Veiglbergler« Neufahrn. Gauwertungsplattln am 1. Juni 1975 in Thanning, 15 Jugend- und 18 Aktive-Gruppen nahmen teil. Jugend: 1. »Almrösl« Hohenschäftlarn II, 2. »Almrösl« Hohen­ schäftlarn I, 3. »Birkenstoana« Penzberg. Aktive: 1. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg, 2. »Wendl­ stoana« Thanning I, 3. »Loisachtaler« Wolfratshausen.

Gauwertungsplattln 1983 in Seeshaupt »Alpenblick« Berg bei Eurasburg.


1976 anläßlich des 50jährigen Bestehens der»Vereinig­ ten Bayerischen Trachtenverbände« führte für den Loi­ sachgau der TrV »Alpenblick« Berg bei Eurasburg in der Inntalhalle in Rosenheim das Mühlrad! auf. Gauwertungsplattln am 24. April 1977 in Bichl, insge­ samt beteiligten sich bei dieser Veranstaltung 54 Grup­ pen. Jugend bis 14 Jahre: 1. »Almrösl« Hohenschäft­ larn, 2. »Würmseer« Diemendorf, 3. »Edelweiß« Bad Tölz. Jugend 14-17 Jahre: 1. »Almrösl« Hohenschäft­ larn, 2. »Loisachtaler« Wolfratshausen, 3. »Almrösl« Hohenschäftlarn II. Aktive: 1. »Loisachtaler« Wolfratshausen, 2. »Wendl­ stoana« Thanning, 3. »Georgenstoana« Baierbrunn. 29. April 1979 Gauwertungsplattln in Seeshaupt, 49 Gruppen. Jugend bis 14 Jahre: 1. »Edelweiß« Bad Tölz, 2. »Veiglbergler« Neufahrn I, 3. »Seerösl« Am­ merland. Jugend 14 - 17 Jahre: 1. »Edelweiß« Bad Tölz, 2. »Wendlstoana« Thanning, 3. »König Ludwig« Schloß Berg. Aktive: 1. »Loisachtaler« Wolfratshausen, punktgleich mit dem 2. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg I, 3. »Ge­ orgenstoana« Baierbrunn. Gauwertungsplattln am 17. Mai 1981 in Seeshaupt, 42 Gruppen. Aktive: 1. »Loisachtaler« Wolfratshausen, 2. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg, 3. »Wendlstoana« Thanning III. Jugend bis 14 Jahre: 1. »Wendlstoana« Thanning, 2. »Alpenrose« Königsdorf, 3. »Würmseer« Diemendorf. Jugend 14-17 Jahre: 1. »Edelweiß« Bad Tölz, 2. »Alm­ rösl« Hohenschäftlarn, 3. »Veiglbergler« Neufahrn I. Erstmals am 7. März 1982 wurde im Loisachgau ein Vereinsmusikantentreffen durchgeführt, Gauvorplatt­ ler Rupert Bestel hatte sie ins Vereinsheim nach Neu­ fahrn r. d. Isar eingeladen, 16 Vereinsmusikanten wa­ ren zu diesem Treffen gekommen. Dieses Treffen ist eine jährliche Einrichtung geblieben. Am 5. Juni 1983 Gauwertungsplattln in Seeshaupt, Teilnehmer 44 Gruppen. Der TrV »Würmseer« Sees­ haupt-St. Heinrich hat für dieses Plattln eine ge­ schnitzte Holzfigur als Wanderpreis für die aktiven Gruppen gestiftet.

Aktive: 1. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg I, 2. »Loi­ sachtaler« Wolfratshausen, 3. »Wendlstoana« Than­ ning III. Jugend bis 14 Jahre: 1. »Lüßbachtaler« Höhenrain I, 2. »Alpenrose« Königsdorf, 3. »Isarlust« ltschenhausen. Jugend 14 - 17 Jahre: 1. »Wendlstoana« Thanning, 2. »Alpenrose« Königsdorf, 3. »Schloßbergler« Harma­ ting. Am 18. Juni 1983 beim Heimatabend der Vereingten Bayerischen Trachtenverbände in Miesbach wurde der Loisachgau durch den TrV »Wendlstoana« Thanning vertreten, die den Haushamer plattelten. Am 9. September 1983 führte der TrV»Edelweiß« Bad Tölz bei der IGA in München für den Gau ein einstün­ diges Programm auf, wie im Loisachgau geplattelt, ge­ tanzt, gesungen und gespielt wird. Durch das Pro­ gramm führte H. Laturell. Bei der Herbstgauversammlung am 23. Oktober 1983 in Penzberg stellte sich Gauvorplattler Rupert Bestel nicht mehr zur Wahl, neugewählt wurde als 1. Gauvor­ plattler Sebastian Deisenberger von den »Birkenstoana« Penzberg. Bestel Rupert wird auf Grund seiner Ver­ dienste zum Ehrengauvorplattler ernannt. Gauwertungsplattln am 28. April 1985 in Seeshaupt, hier war mit 61 Gruppen die bisher größte Beteiligung. Jugend bis 14 Jahre: 1. »Loisachtaler« Wolfratshausen, 2. »Wendlstoana« Thanning II, 3. »Lüßbachtaler« Hö­ henrain I. Jugend 14 bis 17 Jahre: 1. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg, 2. »Würmseer« Diemendorf, 3. »Würmseer« Seeshaupt-St. Heinrich. Aktive: 1. »Loi­ sachtaler« Wolfratshausen, 2. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg I, 3. »Edelweiß« Bad Tölz. Gauwertungsplattln am 17. Mai 1987 in Seeshaupt mit 45 Gruppen. Aktive: 1. »Loisachtaler« Wolfratshau­ sen, 2. »Edelweiß« Bad Tölz, 3. »Wendlstoana« Than­ ning I. Jugend bis 14 Jahre: 1. »Alpenblick« Berg bei Euras­ burg, 2. »Edelweiß« Bad Tölz, 3. »Birkenstoana« Penz­ berg. Jugend 14 bis 17 Jahre: 1. »Loisachtaler« Wolfratshau­ sen, 2. »Lüßbachtaler« Höhenrain, 3. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg I.

Historische Tänze Da die Historischen Tänze bei den Trachtenfesten als Ehrtänze immer mehr in Vergessenheit gerieten, wurde 1960 von der Kreissparkasse Wolfratshausen durch Herrn Direktor Schwarzenbeck dafür ein Pokal gestiftet, der nach Jahren wegen Streitigkeiten bei der Bewertung der Tänze stillgelegt wurde. Im Loisachgau besteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Plattlern, Historischen Tänzen und Volkstänzen. Volkstänze Der 1. Volkstanz im Loisachgau wurde am 13. Januar 1963 mit dem Kaufmann Schorsch in Königsdorf abge­ halten, es spielten dazu die Gföller Musikanten auf, die Kaufmann mitgebracht hatte. Bereits am 13. Oktober 1963 fand ein weiterer Volks­ tanzabend mit dem Kaufmann Schorsch und den Gföl­ ler Musikanten in Königsdorf statt. Kaufmann Schorsch in seiner unnachahmlichen Art, wie er den Tanz und die Tänzer dirigierte, zwischen­ durch wieder selbst zur Ziach griff und mitspielte, hat den schon vergessenen Volkstanz wieder auf den Tanz­ boden gebracht. Weitere Volkstänze fanden im Loisachgau statt: am 21. November 1964 mit Dieter Poschmann und der Kapelle Ertl in Königsdorf, am 13. Februar 1965 mit Beni Eisenburg und der Ka­ pelle Ertl in Penzberg, am 30. Oktober 1965 mit Dieter Poschmann und der Münchner Tanzlmusi in Königsdorf und am 14. Januar 1967 wiederum mit dem Kaufmann Schorsch und Sigi Ramstötter in Königsdorf. Diese Volkstänze wurden vom Gauverband durchge­ führt. Nachdem dann auch von anderen Vereinen und Gruppierungen immer mehr Volkstanzabende veran­ staltet wurden, so daß fast schon ein Überangebot be­ stand, wurde auf Gauebene, daja auch in den Vorplatt­ lerproben der Volkstanz gepflegt wurde, nichts mehr unternommen. Georg von Kaufmann, der große Könner und Idealist in Sachen Volkstanz, ist am 3. Mai 1972 leider allzu früh gestorben. Rupert Bestel 59


Trachtenjugend im Loisachgau Erst nach dem 2. Weltkrieg, so Mitte der 50er Jahre, wurde in den Trachtenvereinen mehr Augenmerk auf die Jugendarbeit gelegt, und hier beginnen auch die er­ sten Eintragungen im Gauprotokollbtich. Bei dem am 17. Mai 1953 in Bad Tölz stattfindenden Gauwertungsplattln beteiligten sich erstmals 4 Jugend­ gruppen. Auch 1954 und 1955 beteiligten sich Jugendgruppen beim Wertungsplatteln. Dann wurde es wieder ruhiger um die Jugend, ältere Trachtler sahen die Jugend bei den Festzügen nicht besonders gern und bezeichneten ihr Mitmarschieren mit den Worten: »Jetzt hams scho den Kindergarten dabei«. Bei der Herbstgauversammlung am 14. Oktober 1962 in Harmating wurde Manfred Stockinger von den »Ge­ orgenstoana« Baierbrunn zum ersten Jugendvertreter gewählt. Bei der Gauausschußsitzung am 4. August 1963 wurde der Beschluß angenommen, bis auf Widerruf anstelle für historische Tänze probeweise 3 Jugendgruppen-

Harmatinger Jugend mit dem Mühlrad!. 60

preise für gute Leistung zu vergeben, welche vom Gau zu stellen sind. Beim 36. Loisachgaufest am 25. August 1963 in Harma­ ting beteiligten sich 6 Jugendgruppen, die sich wie folgt plazierten: 1. »Kirchstoana« Sindelsdorf, 2. »Dürn­ stoana« Deining, 3. »Schloßbergler« Harmating, 4. »Georgenstoana« Baierbrunn, 5. »Reindlbachtaler« Mürnsee, 6. Trachtenverein Maxkron. Der Trachtenverein Maxkron stellte auch beim Gau­ wertungsplattln 1963 wieder eine Jugendgruppe. Den Heimatabend anläßlich der Frühjahrstagung der Bayrisch-Südwestdeutschen Trachtenverbände hat die Jugend mitgestaltet, die Petzenhammer Madl von den »Veiglbergler« Neufahrn mit Gesang, eine Volksmu­ sikgruppe von den »Wendlstoana« aus Thanning, die »Kirchstoana« Sindelsdorf mit dem Laubentanz, die »Dürnstoana« Deining mit einem Plattler und die »Georgenstoana« Baierbrunn mit dem Steckentanz. Am 22. Juni 1969 wurde in Baierbrunn der erste Gauju­ gendtag des Loisachgaues durchgeführt mit den Ju­ gendgruppen aus Baierbrunn, Benediktbeuern, Eg-

ling, Penzberg, Schloß Berg, Thanning und Wolfrats­ hausen. Bei der Gauausschußsitzung am 4. Januar 1970 in Penz­ berg wurde festgelegt, der Gaujugendtag soll abwech­ selnd einmal als eine Art Wertungsplattln, zum ande­ ren als Jugendnachmittag mit historischen Tänzen, Lie­ dern und Volksmusik gestaltet werden. Beim Gaujugendtag 1970 in Benediktbeuern beteilig­ ten sich 8 Gruppen. Beim 44. Loisachgaufest am 18. Juli 1971 in Bad Tölz fanden die Ehrtänze für die Ju­ gend erstmals während der Mittagspause statt, was sich als sehr positiv erwies und bis heute beibehalten wurde. 10 Gruppen haben sich am Gaujugendtag am 28. Mai 1972 in Egling beteiligt. Beim Gaujugendtag am 9. Juni 1974 in Eurasburg ha­ ben 15 Gruppen mitgewirkt. Bei der Herbstgauver­ sammlung am 13. Oktober 1974 in Deining stellte sich Jugendvertreter Manfred Stockinger nicht mehr zur Wahl, neu gewählt wurde Sepp Mayer von den »Veigl­ berglern« aus Neufahrn. Beim Gaujugendtag am 30. Mai 1976 in Bichl nahmen 25 Gruppen teil.

Trachtenjugend beim Volkstanz 1978. Berg bei Eurasburg


Einzeln-Preisplattln Jugend 1967 in der alten Turnhalle in Wolfratshausen.

Einzel-Preisplattln Jugend 1967.

Thanninger Jugend 1967

Jugendgruppenplattln 1968 in Thanning. 61


Am 27. Februar 1977 lud Gaujugendleiter Sepp Mayer zu einem ganztägigen Lehrgang die Jugendleiter der Gauvereine in den Gasthof »zur Post« in Deining ein. Als Referenten konnte Sepp Mayer den Kreisjugend­ pfleger des Landkreises Bad Tölz - Wolfratshausen Karl Weigl und aus dem Inngau Oberlehrer Franz Pich­ ler, der auch in Bad Heilbrunn als Lehrkraft tätig war, sowie Gauvorstand Franz Sappl begrüßen. Das Referat des Jugendpflegers Karl Weigl umfaßte hauptsächlich die allgemeine Jugendarbeit im Jugend­ ring und das Jugendproblem als ein Problem der Alten, das er in den Vordergrund stellte. Oberlehrer Franz Pichler ging in seinem Referat auf die praktische Jugendarbeit in den Trachtenvereinen ein. An seinen Ausführungen konnte man ersehen, mit wel­ cher Leidenschaft dieser Erzieher an der Heranbildung eines guten Trachtennachwuchses arbeitet. Mit den Worten: »Das Alte erhalten, am kräftigen Neuen sich erfreuen, das wird niemand gereuen«, schloß Franz Pichler seinen Vortrag. »Die Jugend ist so gut und so schlecht, wie die Zeit ist«, betonte Franz Sappl bei seiner Ansprache.

In Wolfratshausen beim Gaujugendtag am 7. Mai 1978 beteiligten sich 32 Gruppen. Als Ehrengabe erhielten alle Vereine einen von der Stadt Wolfratshausen gestif­ teten Wimpel. Zu einem weiteren ganztägigen Jugendleiterlehrgang lud Sepp Mayer die Jugendleiter der Gauvereine am 4. März 1979 in das Aktionszentrum des Klosters Bene­ diktbeuern ein. Hier referierte Jugendleiter Wolfgang Bethe vom Trachtenverein »Edelweiß Stamm« Mün­ chen-Lerchenau über Pflichten und Rechte des Jugend­ leiters im Rahmen seiner Tätigkeit als Ausbilder, Er­ zieher und Aufsichtsführender. Eine Führung durch das Kloster, sowie ein Lichtbildervortrag von Theo Czernia über Blumen, Tiere und Trachten unserer Hei­ mat vermittelten den Jugendleitern eine engere Bezie­ hung zur Heimat. Jugendbetreuung erfordert viel Fin­ gerspitzengefühl, meint Gauvorstand Sappl. Man ent­ schloß sich, alle zwei Jahre einen solchen Jugendleiter­ lehrgang durchzuführen und zwischenzeitlich die ande­ ren Jahre Jugendleiterbesprechungen abzuhalten. Am 15. Juni 1980 beim Gaujugendtag in Bichl beteilig­ ten sich 34 Gruppen mit 400 Mitwirkenden. Jeder Teil-

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Gauwertungsplattln 1985 in Seeshaupt. »Alpenblick« Berg bei Eurasburg.

nehmer erhielt eine Anstecknadel mit dem Aufdruck »Gaujugendtag Bichl 1980«. Bei der Herbstgauversammlung am 19. Oktober 1980 in Baierbrunn wird Jugendleiter Sepp Mayer zum 1. Gauvorstand gewählt, neuer Jugendleiter wird Richard Händl von den »Veiglberglern« aus Neufahrn. Am 8. März 1981 fand ein weiterer Jugendleiterlehr­ gang im Aktionszentrum des Klosters Benediktbeuern statt, zu dem der neugewählte Gaujugendvertreter Richard Händl geladen hatte. In einem zweistündigen Referat sprach Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rat­ telmüller über die Entstehung der Trachten und ein verunstaltetes Bayernklischee, das oft nach außen hin gegeben wird. Jeder einzelne von uns kann durch gutes Verhalten dieses Klischee positiv beeinflußen. In einer Filmvorführung über den Altlandkreis Bad Tölz und die Isar von der Quelle bis zur Mündung in die Donau ersah man, wie schön unsere Heimat ist und wie gut un­ sere Tracht und das Brauchtum in diese Landschaft passen. Ehrengauvorstand Franz Sappl referierte über aktuelle Jugendprobleme und betonte: Ein Patentre­ zept hierzu gibt es nicht.

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Vereinsjugendvertreter des Loisachgaues mit Gauausschußmitgliedern im Kloster­ hof von Benediktbeuern 1979.

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Beim Gaujugendtag am 6. Juni 1982 in Antdorf (Gut Neuried) beteiligten sich 32 Gruppen. Für ihr Mitwir­ ken erhielten alle Teilnehmer eine Brotzeit. Wiederum fand im Aktionszentrum des Klosters Bene­ diktbeuern am 24. März 1983 unter Leitung des Gauju­ gendvertreters Richard Händl ein eintägiger Jugendlei­ terlehrgang statt. Franz Pichler referierte über Volks­ tanz und Volksmusik. Das Vorwort »Volks« sollte es nicht brauchen, erklärte Pichler. Diese Musik und diese Tänze sollten für einen echten Heimatmenschen etwas Selbstverständliches sein. Vereinigtenjugendver-

Bichler Jugend 1988

Wolfratshauser Jugend gewinnt 1977 in Bichl den Ju­ gendpokal beim Preisplattln.

Antdorfer Jugend beim Volkstanz

63


treter Franz Mayer gab zu allgemeinen Versicherungs­ fragen die notwendigen Erläuterungen. Geschick und Härte gehören zur Jugendarbeit, erklärte Gaujugend­ vertreter Richard Händl. Bei der Herbstgauversammlung am 23. Oktober 1983 in Penzberg wurde Sepp Schmid von den »Edelwei­ ßern« aus Bichl zum neuen Gaujugendvertreter ge­ wählt. Am 1. Juli 1984 beim Gaujugendtag in Egling haben 38 Gruppen mit 454 Mitwirkenden aus 21 Vereinen teilge­ nommen. Als Ehrengabe erhielten die Gruppen ein Holzstöckl mit geschnitztem Edelweiß, jeder Bua ein geschnitztes Edelweiß und die Deandl ein Taschentuch mit dem Aufdruck »Gaujugendtag 1984«. Am 24. Februar 1985 fand im Aktionszentrum des Klo­ sters Benediktbeuern ein weiterer Jugendleiterlehr­ gang statt, zu dem der neue Gaujugendleiter Sepp Schmid geladen hatte. Toni Demmelmeier sen., Vor­ sitzender für Trachtenpflege und Trachtenforschung,

Diemendorfer Jugend mit dem Sterntanz 1988. 64

referierte mit einem zweistündigen Dia-Vortrag über die Entstehung und Herkunft der Miesbacher Tracht. In Bichl beim Gaujugendtag am 6. Juli 1986 waren von 16 Vereinen 30 Gruppen mit 306 Mitwirkenden betei­ ligt. Als Ehrengabe erhielten die Teilnehmer ein Glas mit einem aufgemalten Trachtenpaar. Der nächste Jugendleiterlehrgang wurde unter Leitung von Sepp Schmid am 8. März 1987 wiederum im Ak­ tionshaus des Klosters Benediktbeuern abgehalten. Hierbei wurde ein Film vom Gaufest in Antdorf ge­ zeigt. Das Referat über aktuelle Belange der Jugend war ein tagesfüllendes Programm. Der Gaujugendtag 1988 fand am Pfingstmontag, dem 23. Mai, in Moosham statt. Ein Festzelt, das anläßlich des lO0jährigen Feuerwehrjubiläums aufgestellt war, stand dafür zur Verfügung. 360 Jugendliche beteiligten sich an den Darbietungen. Alle Teilnehmer erhielten als Ehrengabe ein Zinnrelief.

Die Jugendarbeit ist Bestandteil einer auf die Zukunft gerichteten Tätigkeit. Weitsicht, Tatkraft und Freude braucht der Jugendleiter, um die Jugend hinzuführen zur Erhaltung von Tracht, Sitte und Brauchtum. Durch sie soll ja das Erbe der Väter eine neue Blüte erfahren. In Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrkräften, volks­ und brauchtumskundigen Personen soll die Jugend das örtliche und heimatliche Brauchtum kennenlernen, es mitgestalten und erhalten, wie bodenständige Tracht, heimatliche Kleidung, Volkslied, Volkstanz und Schuhplattler. Auch die Haartracht gehört dazu, ge­ nauso wie die Mundart und das Laienspiel. Mit Mut die Bodenständigkeit fortpflanzen, dieser Auftrag ergeht an die kommende Generation. Die Jugend ist das Fundament, den Fortbestand für die Zukunft zu sichern.

Höhenrainer Jugend mit der Sternpolka.

Rupert ßestel


Volksmusik im Loisachgau Ein wichtiger Teil der Brauchtumspflege in den Trach­ tenvereinen ist die Erhaltung des bodenständigen Lie­ des und der Volksmusik. Wurde doch schon seit jeher in den Trachtenvereinen das Volkslied gesungen und die Volksmusik gespielt, wozu auch das Spielen zu den Plattlern und Volkstän­ zen gehört. War die Volksmusik in früheren Jahren hauptsächlich in den Stuben zuhause, so ist sie im Laufe der Zeit im­ mer mehr an die Öffentlichkeit getreten. Aus Eintragungen der Protokollbücher geht hervor, daß in den Jahren 1924 - 1949 auch auf dem Gaufest, zwischen den Ehrentänzen, Musikstücke und Lieder vorgetragen wurden. Dieses Musizieren und Singen wurde häufig als kleines Preissingen abgehalten. Vermutlich auf Anregung des bekannten Musikmei­ sters Sepp Haslbeck aus Benediktbeuern wurde am 26. 11. 1950 das erste Sänger- und Musikantentreffen im Loisachgau mit 11 Gruppen in Bichl abgehalten. Am 18. 3. 1951 folgte das nächste Treffen der Volksmu­ sikgruppen in Benediktbeuern. Dann folgte eine Unterbrechung der Veranstaltungen bis zum Jahr 1966. Auf vielseitigen Wunsch hat sich Gauvorstand Franz Sappl bemüht, die Volksmusikveranstaltungen wieder einzuführen. So konnte am 4.6.1966 wiederum ein Gausingen und -musizieren in Bichl abgehalten wer­ den. 11 Gruppen haben sich daran beteiligt. Da die Auswahl der Lieder und die Qualität vom Vor­ trag nicht zufriedenstellend war, wurde nach einem Mann gesucht der den Gruppen beratend zur Seite steht. Mit Franz Sehesser aus Iffeldorf wurde der geeig­ nete Mann gefunden und 1968 zum ersten Gaumusik­ wart bestellt. Damit war eine Ansprechperson für alle Sänger und Musikanten gefunden, der aufmerksam darüber wachte, daß nur echtes Volksmusikgut zum Vortrag kam. Auch die Organisation vom jährlichen Gausingen wurde von Franz Sehesser übernommen.

Einen schönen Erfolg konnte ebenfalls im Jahre 1966 die Gesangsgruppe Geschwister Petzenhammer vom Veiglberg aus Neufahrn verbuchen. Sie haben bei einem Preissingen in Bischofshofen die silberne Jugendamsel, eine Stiftung der Stadt Bischofs­ hofen und des Trachtenpioniers Dr. Cassio Castelpie­ tra gewonnen. Die feierliche Übergabe fand im Rah­ men eines Kreisheimatabends in der Turnhalle in Wolf­ ratshausen durch den Gauvorstand aus Bischofshofen Dr. Cassio Castelpietra an den Bürgermeister von Neu­ fahrn Georg Schmid statt. Im Jahre 1974 wurde der Sachausschuß Volkslied und Volksmusik in den Vereinigten Bayerischen Trachten­ verbänden gegründet. Seither treffen sich die Gau­ volksmusikwarte aller angeschlossenen Gaue zweimal jährlich zu ihrer Sachausschußsitzung. Dabei werden Probleme sowie Richtlinien für eine sinnvolle Volks­ musikpflege diskutiert und ausgearbeitet. Unter der Leitung von Franz Sehesser beteiligten sich die Benediktbeurer Sänger und das Wolfratshauser Dirndlquartett am Bayerischen Sänger- und Musikan­ tentreffen anläßlich der 50-Jahrfeier der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände in Bad Aibling am 25. 10. 1975 im Kurhaussaal. Bei einem Sänger- und Musikantentreffen der Verei­ nigten Bayerischen Trachtenverbände am 25. 10. 1980 in Tutzing das vom Huosigau und vom Loisachgau ge­ meinsam durchgeführt wurde, beteiligten sich aus dem Loisachgau folgende Gruppen: Tutzinger Stubenmusi, Geschwister Sappl, Baierbrunner Dreigsang, Bene­ diktbeurer Geigenmusi, Penzberger Musikanten, Volksmusik Oefele Lenggries, Wolfratshauser Dirndl­ quartett und die Benediktbeurer Sänger. Anläßlich der Bayerischen Trachtentage in Landshut 1980 beteiligten sich vom Loisachgau die Neufahrner Sänger bei einer Volksmusikveranstaltung im Rathaus­ Prunksaal. Bei einer Jugendveranstaltung ebenfalls in Landshut hat für den Loisachgau die Baierbrunner Stu­ benmusi mitgewirkt. Im Herbst 1980 gab dann Franz Sehesser das Amt des Gaumusikwartes aufgrund beruflicher Überlastung ab.

Ein Nachfolger konnte nicht gleich gefunden werden. Auf eindringliches Zureden von Gauvorstand Sepp Mayer erklärte sich Konrad Golling aus Irschenhausen im Frühjahr 1982 bereit, das Amt des Gaumusikwartes zu übernehmen. Durch die Mithilfe aller Gauausschuß­ mitglieder konnte die Einarbeitung des neuen Musik­ wartes ohne Problem erfolgen. So konnte er auch Un­ terstützung finden für zusätzliche Veranstaltungen die vom Gauverband bis dahin noch nicht durchgeführt wurden. Seit 1984 werden jetzt, außer dem jährlichen Gausingen und dem Vereinsmusikertreffen, zweimal im Jahr Hoagarte veranstaltet und Seminare in Abstän­ den von zwei Jahren im Kloster Benediktbeuern abge­ halten. Gerade diese Veranstaltungen geben Gelegen­ heit sich intensiv mit den Gruppen zu beschäftigen und die Kameradschaft zu pflegen. Am 24. 10. 1987 fand in Weilheim das Sänger- und Mu­ sikantentreffen der Vereinigten Bayerischen Trachten­ verbände in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk statt. Bei dieser Veranstaltung, die wieder vom Huosigau und vom Loisachgau ausgerichtet wurde, beteiligten sich vom Loisachgau folgende Grup­ pen: Siffelhofer Hackbrettmusi, Hohenschäftlarner Stubenmusi, Ulrichsberger Volksmusi Irschenhausen, Penzberger Tanzlmusi, Harmonika-Duo Bauer Bad Tölz, Goasserer Madln, Münsinger Dirndl'n, Neufahr­ ner Sänger und Seeshaupter Sänger. Die Ansage bei den Gausingen hat von 1966 bis 1986 unser Ehrengauvorstand Franz Sappl übernommen. Seit 1987 führt uns der Leinbach Schorsch aus Münsing durchs Programm, der auch seit 1984 bei den Hoagar­ ten als Sprecher mitwirkt. Erwähnen wollen wir auch unsere Blaskapellen, die ei­ nem Trachtenverein angeschlossen sind. Schon seit Bestehen der Trachtenvereine gehören die Blaskapellen zum festen Bestandteil bei den jährlichen Festlichkeiten. Einen großen Aufschwung hat es nach dem 2. Weltkrieg ab 1955 gegeben. An vielen Orten wurden Blaskapellen neu gegründet oder wiederge­ gründet und das häufig von Mitgliedern aus Trachten­ vereinen. So gibt die Mitwirkung von 15 - 20 Musikka65


pellen bei unseren.Gaufesten, dem Fest eine besondere Bedeutung. Der Loisachgau ist stolz darauf, daß sich jedes Jahr so viele Kapellen zur Verfügung stellen, um die Vereinsfeierlichkeiten und die Gauveranstaltungen mitzugestalten. Folgende Gausingen haben stattgefunden: 1. 26.11.1950 Bichl 2. 18. 3.1951 Benediktbeuern 3. 4. 6.1966 Bichl 4. 25. 2.1967 Benediktbeuern 5. 23. 3.1968 Wolfratshausen 6. 15. 3.1969 Degerndorf 7. 14. 3.1970 Bad Heilbrunn 8. 20. 3.1971 Königsdorf 9. 11. 3.1972 Thanning 10. 24. 3.1973 Eurasburg 11. 30. 3.1974 Bad Tölz 12. 8. 3.1975 Thanning 13. 3. 4.1976 Sindelsdorf 14. 12.11.1977 Tutzing 15. 11.11.1978 Wolfratshausen 16. 29. 9.1979 in Penzberg, Heimatabend anläßlich der Tagung der Vereinigten Bayeri­ schen Trachtenverbände. 17. 22. 3.1980 Thanning 18. 27.10.1980 Tutzing, zusammen mit dem Huosigau 19. 7.11.1981 Münsing 20. 13.11.1982 Bichl 21. 5.11.1983 Königsdorf 22. 16. 3.1985 Lenggries 23. 19. 4.1986 Ebenhausen 24. 21. 3.1987 Eurasburg 25. 24.10.1987 Weilheim, zusammen mit dem Huosigau 26. 9. 4.1988 Penzberg Der Gauverband sieht es als seine Pflicht, auch weiter­ hin den Sängern und Musikanten in Schulungen den richtigen Weg zu weisen und Gelegenheit zu geben bei öffentlichen Veranstaltungen ihr Können zu zeigen. Konrad Golling

66

Einige Volkslieder aus dem Loisachgau!

8.

»Und s'Deandl is wunderschö« Gesungen von Kaspar Fuchs, Dickl und Maria Trischberger, Gaißach bei Bad Tölz, 1928.

9.

Wildschützlied »Juche, frisch auf zum Schiaßn frei« Gesungen von der Gesangsgruppe Kögl, Leng­ gries, beim 1. Preissingen 1930 in Egern am Te­ gernsee.

10.

Lenggrieser Wildschütznliad »Zum Andenken, weil man sie ehrt« Bekommen vom Reiser Lenz aus der Jachenau 1927.

11.

Frual von da Au »Ja grüaß di God, Frual von der Au« Vorgesungen von Rank, Bad Tölz 1930.

12.

Lied vom Wiessepp »Merket auf und machet mich nicht irre« Vorgesungen vom Wohlgemut Anton 1927.

13.

Schützenfreud »Merket auf, ihr lieben Schützen« Gesungen von Maria Drechsler, Wegscheid bei Lenggries.

Eine Übersicht Aufgezeichnet in Kiem Pauli 1934: Sammlung Ober­ bayerischer Volkslieder. 1. »Meine Leut, was enk i will sagn« Text v. Anni Bauer, Gaißach bei Bad Tölz Melodie von Pölt, Benediktbeuern, 1930. 2.

»Ge Alm bin i ganga« Vorgesungen von Pölt, Benediktbeuern, 1931.

3.

Handwerkerlied »Bei da jetzign Zeit, da is nimma guat sei« Gesungen von Anni und Sepp Bauer, Gaißach bei Bad Tölz.

4.

Franz und Kathl »I bitt di geh, Franz!, schaug mi nimma o'« Gesungen von Anni und Sepp Bauer, Gaißach bei Bad Tölz.

5.

»übers Loaterl, da steig i net aufi« Gesungen von Fuchs Kaspar und Bauer Sepp in Gaißach bei Bad Tölz 1927.

6.

D' Zimmaleut »Wann is betracht, die Zimmaleut« Gesungen von Anni Bauer, Gaißach bei Bad Tölz 1927.

14.

Hausaussuchung in Lenggries »Weil ma so schö beinanda san« Vorgesungen von Vordergraber, Wegscheid bei Lenggries.

7.

D' Auslända-Bua »He Bua, wennst naus gehst durchs Tal« Gesungen von Anni Bauer, Gaißach bei Bad Tölz 1927.

15.

Tölzer Gamsbock »In Tölz da fliaßt die Isar durch« Vorgesungen von Riesch-Vordergraber, Weg­ scheid bei Lenggries.


Iffeldorfer Sänger. V. 1.: Fritz Scharrer, Sepp Völk, Karl Waldherr, Franz Sehesser, Hans Handlos, Michael Seldmeier t, Siegi Völk.

Geschwister Petzenhammer vom Veiglberg, Neufahrn. V. 1.: Lotte Petzenhammer (Mutter), Christa Petzenhammer, Liselotte Petzenhammer.

Sindelsdorfer Sänger. V. 1.: Erich Gastayer t, Martin Wagner, Mathias Zach, Be­ nedikt Habersetzer, Max. Lautenbacher, Karl Off und an der Zither Josef Berchtold.

Geschwister Sappl, Lenggries. V.l.: Ursula, Franz, Elisabeth, Margreth und Anne­ marie Sappl, Veranstaltung in der Staatskanzlei in München.

67


Neufahrner Sänger. V. 1.: Schorsch Huber, Sebastian Mayer, Max Wiedenbauer, Schorsch Bichlmayr, Fritz Mahrla, Wolfgang Messerer und Sepp Heinrizi.

Wolfratshauser Dirndlquartett. Brigitte Bauer, Harfe; Irmgard Hiltscher, Akkor­ deon; Irmgard Geiger, Gitarre; Leni Geiger, Hackbrett.

Werdenfelser Stubenmusi, München. V. 1.: Marianne Altmann, Reinhold Anzin­ ger, Christa Gallmeier, Horst Altmann und Karin Anzinger.

D'Schäftlarner Tanzlmusi. V. 1.: Georg Amler, Anton Degen, Konrad Müller Rudolf Slavik.

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StubenmusiBriegerDirndl, Mürnsee. V.l.: ThereseBrieger, JohannaBrieger, An­ gelikaBöhm und Barbara Brieger.

Königsdorfer Stubenmusi. V. 1.: Schwaiger Maria, Sailer Monika, Bauer Maria, Hainz Christine.

Eglinger Dreig'sang. V. 1.: Christoph Moschko, Rudi Ettenberger, Adi Ettenber­ ger und Anni Büttner.

Irschenhauser Stubenmusi. V. 1.: Georg Stahn, Bernhard Stahn, Ulrich Eimer, Mi­ chael Förg und Franz Angermüller.

69


Thanninger Stubenmusi. V. 1.: Irmi Bauer, Ursula Hofmann, Fritz Heinrich und Barbara Bichler.

Zwengleit'nmusi Eurasburg. V. 1.: Peter Gründl, Florian Kornprobst, Hans Gründl, Stefan Bauer und Wolfgang Zucker.

Baierbrunner Flötenmusi. V. 1.: Ulrike Nowitzky, Sigrid Auracher, Martina Ket­ terl, Veronika Schmid und Ingrid Schöll.

Neufahrner Stubenmusi. V. 1.: Rita Walleitner, Monika Holzer, Martina Walleit­ ner und Veronika Walleitner.

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Hohenschäftlarner Dreig'sang. V. 1.: Liesl Müller, Beate Proske, Gertraud Plätz.

Hohenschäftlarner Stubenmusi. V. 1.: Gerhard Hofmann, Sibylle Hofmann, Bar­ bara Hornbichler, Susanne Webers, Bernhard Irmer, Gabriele Fernberger.

Duo Oefele Kellner, Lenggries. V. l.: Sepp Oefele, Hans Kellner.

Fischbacher Stubenmusi, Lachner Heimgreiter. V. 1.: Xaver Heimgreiter, Josefa Lachner, Resi Heimgreiter, Roswitha Heimgreiter und Maria Lachner. 71


Goaßerer Madl'n. V. l.: Marile Bauer, Anni Bauer, Anita Mayer.

Münsinger Dirndl'n. V. l.: Petra März, Brigitte Behr, Sonja Leinbach.

Hecher Dirndl'n, Ascholding. V. 1.: Irmgard Hecher, Rasso Babel und Annelies Babel.

Baierbrunner Stubenmusi. V. 1.: Barbara Stockinger, Margret Stahuber, Gabriele Hoyer.

72


Siffelhofer Hackbrettmusi. V. 1.: Marianne Hechenrieder, Vroni Hechenrieder, Christine HĂśck und Zenzi Hechenrieder.

Oppenrieder Stubenmusi Seeshaupt. V. 1.: Christian Tomulla, Franz Greinwald, Juliane Wagner, Isolde Wagner.

Penzberger Tanzlmusi. V. l.: Deisenberger Alois, Schmid Bertl, Moser Peter, FĂźrst Markus, Dienstbier Willy

Diemendorfer Stubenmusi. V. 1.: Marianne Leitner, Petra Neubacher, Michaela Neubacher, Hilde Kreutterer, Monika Neubacher.

73


Ulrichsberger Volksmusik, Irschenhausen. V. 1.: Barbara Stocker, Bernhard Gol­ ling, Angela Baer, Gabriele Tyroller, Sieglinde Golling, Konrad Golling und Monika Tyroller. ,,,,

-� Oberdorf-Musi, Deining. V. l.:Kathi Rieger, Hansi Rieger, Florian Strobl, Regina Strobl. 74

Dürnstoana Madl'n, Deining. V. 1.: Kathrin Erb, Christine Spindler, Maria Kögels­ berger.

Brosl-Kinder, Antdorf. V. l.: Georg Staltmeier, Anita Staltmeier.


Diemendorfer Volksmusi. V. 1.: Hans Holzer, Jakob Holzer, Florian Kreutterer, Hilde Kreutterer, Gabi Brückner

Seeshaupter Sänger. V. 1.: Sepp Brüderle, Hubert Brüderle, Annemarie Wörle, Rudi Stand!, Manfred Tomulla.

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Treffen der Vereinsmusiker im Vereinsheim Neufahrn 1987 75


Florian Nagler, Thanning.

Bichler Madl'n. V. 1.: Stasi Jenning, Brigitte Hohen­ leitner und Korbinian Merk.

76

Konrad Golling, Irschenhausen

Irschenhauser Tanzlmusi. V. 1.: Erich Oberrieder, Graf Helmut, Graf Günther, Stocker Hans.

Georg Leinbach, Münsing

Anita bierl, Neufahrn


Volkstümliches Lied 's Lolsachtal

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Quellenangabe: Kiem Pauli: Sammlung oberbayerische Volkslieder, München, 1934

a Zugspitz.

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77


Gauausschuß 1988 Vorn von links: 2. Gauvorstand Georg Schuster, Gauschriftführer Robert Bleil, Gauvorplattler Sebastian Deisenberger, Gauvorstand Sepp Mayer, Gau-Ehrenvorplattler Rupert Bestel, Gau-Jugendvertreter Sepp Schmid, 2. Gauschriftführer Hans Kollmuß; hintere Reihe von links: Gaukassier Ambros Lankes, Gau-Volksmusikwart Konrad Golling, Ehrenmitglied Karl Schaffer, 2. Gauvorplattler Alfons Aichler, 2. Gaukassier Paul Rieger, Gau-Ehrenvorstand und Pressewart Franz Sappl, Revisor Nikolaus Spindler, Revisor Sepp Floßmann. 78


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » D'Loisachtaler« Maxkron Zunächst wurde im Jahre 1887 der Schützenverein »D'Loisachtaler Maxkron« unter dem damaligen Schützenmeister Sebastian Gabler gegründet. Matthias Eicher gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Der neue Verein hatte seinen Sitz in der Gastwirtschaft Maxkron. 1901 wurde dann der Trachtenverein »GTEV D'Loi­ sachtaler Maxkron« durch die nachfolgend aufgeführ­ ten Gründungsmitglieder ins Leben gerufen: Johann Krippner, Willibald Hohenauer, Peter Gstrein, Franz Welley, Sebastian Gabler, Josef Gabler, Georg Probst, Sebastian Eder, Josef Schmuck, Johann Schramml, Heinrich Gabler, Josef Kindl, Karl Schrott, Michl Weidinger. Im Jahre 1903 erfolgte die Aufnahme in den Oberland­ ler Gauverband, mit Sitz in Miesbach. Unter dem damaligen Vorstand Johann Krippner wurde 1904 die neue Fahne eingeweiht.

Vereinstreffen 1907 auf der Hirschbergalm 80

1909 wurde Willibald Hohenauer zum 1. Vorstand ge­ wählt. 1915 übernahm den 1. Vorstand Michl Naierz. 1907 wurde ein zweiter Trachtenverein in Maxkron ge­ gründet: »Alpenrose Maxkron« mit seinem Vorstand Johann Schmuck. Vereinslokal wurde die Gastwirtschaft »Glashütte« Nantesbuch. 1914 gründeten die Nantes­ bucher den Trachtenverein »GTEV Wendelstoaner«. 1918 wurde als neuer Vorstand für die »Loisach­ taler Maxkron« Peter Gstrein gewählt. 1919 schloß sich der Verein dem Loisachgau an. Wastl Gabler über­ nahm den 1. Vorstand. 1922 wurde Johann Grasberger zum 1. Vorstand ernannt. 1925 übergab man Franz Maier das Amt des 1. Vorstandes. Ab 1928 wurden erstmals Protokollberichte niederge­ schrieben. Im Jahre 1929 gründete man einen Theater­ verein, der sich bald eines sehr regen Besucherzu­ stroms erfreute. 1929 wurde das Vereinsmitglied Michl Naierz zum 2. Gauvorstand gewählt, und Michl Gabler übernahm das Amt des Gauschriftführers.

Gründungsmitglied Gabler Wastl mit Frau Emiele 1920

Gruppenbild vom Bandltanz 1949 in Antdorf


1914-1918 1. Weltkrieg Viele aus unseren Reihen mußten in den Krieg ziehen. 13 unserer Kameraden haben ihr Leben für Heimat und Vaterland gegeben und sind nicht mehr zurückgekehrt. Georg Eichner I, Georg Eichner II, Michl Egner, Josef Gantner, Paul Kern, Johann Ried, Franz Streicher, Bernhard Marx, Fritz Müller, Johann Sehesser, Xaver Schmied, Josef Probst, Josef Leitensdorfer.

Hochwasser in Maxkron vor dem Vereinslokal 1947

Silberhochzeit von Schmuck Mathias mit Frau Walli am 7. 12. 1958, seit 1904 Mitglied

1930 entschied sich die probeweise Verschmelzung der beiden Vereine »GTEV Birkenstoana Penzberg« und »GTEV D'Loisachtaler Maxkron« unterzeichnet von der Vorstandschaft der »Birkenstoana« Penzberg: 1. Vorstand - Gottfried Gabler; 1. Kassier - Alois Ditt­ linger; 1. Schriftführer - Anton Bachmeier Diese Vereinigung war jedoch von sehr kurzer Dauer. Aufgrund unterschiedlicher Meinungen und Reibe­ reien trennte man sich schließlich 1931 wieder und je­ der Verein ging wieder seinen eigenen Weg. 1931 wählte man Hans Post zum 1. Vorstand. Im glei­ chen Jahr fand in Penzberg das Gaufest statt. 1932 wurde Franz Meier zum 1. Vorstand bestimmt. Am 26.7.1936 wurde dem Verein »D'Loisachtaler« Max­ kron das Gaufest übertragen, das zur vollen Zufrieden­ heit aller Beteiligten ablief, wobei auch 1. Gauvorstand Hans Raßbichler dem ausführenden Verein seinen be­ sonderen Dank aussprach. 1938 wurde zwischen dem Kreistrachtenwart Michl Naierz, dem Ortswart Pitzel sowie dem damaligen Bürgermeister Bogner beschlossen, die »Abzweiger« (wie sie sich nannten) »Trachtenverein Alpenrose Maxkron« und »Wendelstoana Nantesbuch« sowie den Verein »D'Loisachtaler Maxkron« zusammenzuschlie­ ßen. 1. Vorstand der Trachtengemeinschaft Maxkron, Franz Meier, wurde von den Nationalsozialisten (Na­ zis) abgesetzt und Johann Gstrein zum Trachtenwart bestimmt. Am 23.1.1938, 4 Uhr, erfolgte die Über­ nahme des gesamten Vereinsvermögens der Vereine durch die Trachtengemeinschaft Maxkron. Letzte Ein­ tragung im Protokollbuch-20.4.1939. Das Vereinsle­ ben kam zum Erliegen, während sich der II. Weltkrieg anbahnte. Am 20.4.1947 wurde eine Generalver-

Plattlergruppe beim Preisplatteln 1963 in Thanning

Gruppenaufnahme des Trachtenvereins Maxkron vor dem Vereinslokal 1976 81


sammlung einberufen, die von Hans Edlfurtner eröff­ net wurde. Edlfurtner erklärte, daß er vom Landratsamt Weilheim die Genehmigung erhalten habe, den Verein weiterzu­ führen, mit der Voraussetzung, die »Nazis« vom Ver­ ein zu entfernen. Es fanden daraufhin Neuwahlen statt mit folgendem Ergebnis: 1. Vorstand - Hans Edlfurtner; 2. Vorstand - Baptist Schmuck; Schriftführer - Sebastian Gabler; Kassier Josef Schmuck; Vorplattler -Anton Schwemmer. Der Vereinsname wurde geändert, statt »Loisachtaler« hieß es »Trachtenverein Maxkron«. Vorstehende 5 Ausschußmitglieder übernahmen die Bürgschaft für den Trachtenverein Maxkron. 1948 übernahm Anton Schwemmer den 1. Vorstand -als neues Vereinslokal entschied man sich für die Glashütte in Nantesbuch. 1951, SO-jähriges Stiftungsfest mit Fahnenweihe am 16. und 17. Juni 1951. 1956 wurde im Gasthaus Maxkron eine Versammlung der 3 Penzberger Vereine angesetzt mit derAbsicht, eineAussprache und Einigung über ei­ nen »gemeinsamen Jahrtag« zu erzielen.

Trachtenverein Maxkron beim Festzug inAntdorf 1967 82

Ergebnis: Termin für den gemeinsamen Jahrtag -15. August. Jedes Jahr übernimmt ein anderer Verein die Gestaltung dieses Jahrtages zum Gedenken der ver­ storbenen und gefallenen Vereinsmitglieder. Bartl Schmuck wurde zum 2. Gauvorstand gewählt. 1956 wurde Max Haas zum 1. Vorstand des Vereins ge­ wählt. Von seiner 30-jährigen Vorstandschaft gäbe es sehr viel zu erzählen, aber sein größter Wunsch, das Gaufest zu bekommen, ging ihm in Erfüllung: am 28.

Max Haas, Vorstand von 1956-1986 (Bild von 1987)

und 29. August 1976 fand das 49. Loisach-Gaufest, ver­ bunden mit dem 75-jährigen Stiftungsfest, in Penzberg statt. Am 15.August 1978 wurde unsere neue Fahne gestiftet von Rudi Herrman und seiner Gattin Luise im kleinen Rahmen in der Christkönigskirche in Penz­ berg geweiht. Am 2.12.1978 konnte Bartl Schmuck, 2. Gauvorstand, seinen 70. Geburtstag feiern. 1. Gauvorstand Sappl überreichte ihm im Namen des Gauausschusses einen Geschenkkorb.Am 7.7.1984 wurde unser Ehrenvor­ stand, Anton Schwemmer, anläßlich seines 80. Ge­ burtstages geehrt mit der Trachtenkapelle Wagner. Zum Dank für seine über 60-jährige Vereinsmitglied­ schaft sowie seine Tätigkeit als Vorstand und Vorplatt­ ler wurde ihm ein Präsentkorb überreicht. 1. Vorstand-Max Haas-mußte 1986 aus gesundheitli­ chen Gründen seinAmt abgeben, was ihm nach 30-jäh­ riger Tätigkeit nicht leicht gefallen ist.Aber auch sein Nachfolger, 1. Vorstand Josef Schmuck wird für den Verein all seine Kräfte zur Verfügung stellen. Josef Haas, Schriftführer

Trachtenverein Maxkron beim Festzug inAntdorf 1967


Ortsgeschichte von Maxkron Bei der Entstehungsgeschichte der Ortschaft muß man zurückblicken bis zur Säkularisation des Klosters Bene­ diktbeuern. Das Kloster mußte damals Gebiete abge­ ben, so auch die Kolonie Maxkron, um einer Über­ schußbevölkerung zur Ansiedlung zu verhelfen und mit dem Ziel, das moorige, wenig fruchtbare Loisachtal, welches alljährlich von Hochwassern heimgesucht wurde, urbar zu machen. Die Besiedlung begann 1803. Im Jahre 1813 wohnten in Maxkron bereits 16 Familien mit 87 Personen. Die Neuansiedler, »die Filzler«, wie sie bald abschätzig genannt wurden, gerieten mit den altansässigen Bauern und deren Gemeindeverbänden über Grenzen und Ge­ rechtsame in Streit und ihre eigenen, oft wohl rauhen, von kargen Erwerbsmöglichkeiten gezeichneten Le­ bensgewohnheiten wichen überdeutlich und unange­ nehm vom Daseinsrhythmus der Landbevölkerung ab. Schon im Jahre 1833 ging aus Pfarrershand, vom Vikar Sebastian Kleinle zu Nantesbuch, eine Beschwerde über die »sittliche Verwahrlosung der Kolonisten unter anderem in Nantesbuch und Maxkron« bei der Kam­ mer des Inneren in München ein, worauf man behörd­ licherseits über Maßnahmen beriet, um den so sehr ver­ wahrlosten Zustand der Kolonisten zu beenden. An­ fang 1847 wurden die umliegenden Gemeinden zur Stellungnahme der unterbreiteten Vorschläge aufge­ fordert. Die eingegangenen Beschlüsse der Gemeinde­ versammlung spiegelten erstmals in aller Klarheit die Abwehr der bäuerlichen Besitzschichten gegen das Siedlervolk, auch wohl das Gefühl des Bedrohtseins durch dessen Lebensformen, lange bevor die künftige industrielle Entwicklung in der Nähe von Maxkron überhaupt absehbar war. Die versammelte Gemeinde von Antdorf, zu deren Pfarrbezirk Maxkron gehörte, wollte sich weder zu fi­ nanzieller, noch zu natureller Unterstützung verste­ hen, sondern rief stattdessen den Ansiedlern zu: »Ar­ beitet, spart und sorgt vor, wir müssen's auch tun, wenn wir uns ehrlich halten wollen«. 84

Maibaumaufstellen vor dem Vereinslokal 1958


In der Gemeinde Iffeldorf lehnte man es gleichfalls ab, den Siedlern die Ansässigmachung und Verehelichung zu bewilligen. Und in Sankt Johannisrain, das damals die Gemeinde Penzberg vertrat, lautet die Begrün­ dung, daß man ohnehin zuviel Last daran habe, nicht zuletzt durch die große Zahl der außerehelichen Kinder dieser Siedler. Die Maxkroner waren die ersten ungelernten Arbeits­ kräfte im Penzberger Kohlebergbau. Sie bildeten den bereits ansässigen Stamm der Arbeiterbevölkerung in der künftigen Industriekommune. Eine dem »südbayerischen Temperament« auch sonst nicht fremde Erscheinung gipfelte schließlich in dem noch heute in der Gegend beflügelten Wort vom »Ro­ ten Maxkron«. Penzberg selbst bestand noch Mitte des 19. Jahrhun­ derts aus nicht mehr als einigen Bauerngehöften. Als

Bergwerk im Jahre 1930.

1808 der Gemeinde- und Steuerdistrikt Sankt Johannis­ rain entstand, wies der Ort Penzberg drei Gehöfte auf. Zu dieser Zeit lebten in Sankt Johannisrain 6 Familien mit 36 Seelen und in Maxkron 17 Familien mit 109 See­ len. Die Maxkroner hatten es besonders schwer in der jun­ gen Gemeinde, deren Ort damals zum Pfarrbezirk Ant­ dorf gehörte. Immer wieder gab es Bestrebungen, die »Filzler« aus der Gemeinde zu drängen, und vielfach weigerte sich die Gemeinde, Verehelichungen zu legiti­ mieren. Zur Schule mußten die Maxkroner nach Nan­ tesbuch. 1891 bekam Penzberg eine eigene Kirche, aber es dauerte schließlich bis 1899, bis sich der Pfarr­ verband Antdorf durch die Bildung der Pfarrei Penz­ berg der »ungeliebten Filiale« zu entledigen ver­ mochte.

Bei den Gemeindewahlen im Jahre 1870 stellten die Maxkroner fast sämtliche Beigeordnete, die man kurz­ weg zum Proletariat rechnete und so schoben sich die Maxkroner immer mehr in den Vordergrund. Matthias Eicher wurde 1874 in den Gemeindeausschuß berufen. Durch die Beigeordneten aus den eigenen Reihen kam die Kommunalpolitik den Maxkronern sehr zu gute. Sie konnten sich Grundstücke erwerben, betrieben ne­ benbei Landwirtschaft und erreichten so einen wesent­ lich besseren Lebensstand. 1950 wurde die Loisach reguliert, um Maxkron von der ständig drohenden Hochwassergefahr endgültig zu be­ freien. Heute ist Maxkron ein stattlicher Vorort von Penzberg und zählt ungefähr 500 Seelen. Josef Haas, Schriftführer

Grundstrecke.

85


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »Birk'nstoana« Penzberg Nachdem 1883 in Bayrischzell der erste Trachtenverein gegründet wurde, dauerte es auch in Penzberg nicht mehr lange bis sich Leute fanden, die zur Erhaltung von Sitt und Tracht aufriefen und 1895 den ersten Trachten­ verein unter dem Namen »Edelweiß« Penzberg-Johan­ nisberg, heute »Stamm 1895« gründeten. In dem auf­ strebenden Bergbauort, wo Leute aus allen Richtungen zusammenkamen, war die Bildung von Vereinen gera­ dezu notwendig, um den Menschen mehr Zusammen­ halt zu geben. So wurden die verschiedensten Vereine gegründet und es gab auf Penzberger Gemeindegebiet eine Zeit lang sogar 6 Trachtenvereine. »Stamm 1895«, »Loisachtaler« und »Alpenrose« Maxkron, »D'lustigen Wendlstoana«, »Birk'nstoana« und »Wendlstoana« Nantesbuch. Man würde es sich zu einfach _machen, wenn man behaupten würde, alle nachgegründeten Vereine gingen aus dem »Stammverein 1895« hervor. Es traten immer wieder neue Leute auf und es gab zu dieser Gründerzeit in Penzberg schon über 4.000 Ein­ wohner. Heute bestehen in Penzberg noch 3 Trachten­ vereine. »Stamm 1895«, Trachtenverein Maxkron und »Birk'nstoana«. Daß Penzberg in der Trachtenbewe­ gung eine große Aktivität entwickelte, war nicht zuletzt ein Verdienst der »Birk'nstoana«, die dann auch den Anstoß zur Gründung des Loisachgaues gaben. Der Trachtenverein »Birk'nstoana« wurde am 2. Sep­ tember 1902 in der Gaststätte »Glück auf« durch be­ zirksamtliche Genehmigung von nachfolgend bezeich­ neten 25 Mitgliedern gegründet: Schmid Georg, Bauer Josef, Holzer Ludwig, Eichner Otto, Kwesch Anton, Kwesch Josef, Probst Xaver, Zimmermann Eduard, Knoblach Georg, Kassal Alois, Heumann Karl, Heu­ mann Johann, Sperl Josef, Raspliska Josef, Mayer An­ dreas, Sanda Hugo, Krug Johann, Kramer Alois, Käsar August, Ziseck Johann, Reschatz Wenzl, Koesch Karl, Drmla Emanuel, Fertl Bartholomäus und Müller 86

Franz. In die Vorstandschaft wurden gewählt: Schmid Schorsch 1. Vorstand, Bauer Josef Kassier, Holzer Ludwig Schriftführer, Eichner Otto Revisor und Kwesch Anton Vorplattler. Bei der ersten Generalver­ sammlung im Dezember 1902 wurde der Vereinsaus­ schuß ergänzt durch 2. Vorstand Mayer Andreas, 2. Kassier Alois Kassal, 1. Schriftführer Zimmermann Eduard, 2. Schriftführer Holzer Ludwig, 2. Revisor Sanda Hugo und 2. Vorplattler Raspliska Josef. Ferner wurde beschlossen, dem Oberländer Gauverband bei­ zutreten. In einer Versammlung im Mai 1903 wurde dem Verein durch Säcklermeister Josef Mühlpointner bekannt ge­ macht, daß sich die Fahne vom aufgelösten GTEV »Almrausch« Penzberg noch in den Händen des Fabri­ kanten Harslem befindet und nicht mehr als 360,­ Mark kostet. Es wurde beschlossen, sich die Fahne zu beschaffen und 2. Vorstand Andreas Mayer wurde be­ auftragt, die Fahne um den genannten Preis aus Mün­ chen zu holen. Mayer holte die Fahne, aber nicht um den Betrag von 360,- Mark, sondern um 410,- Mark. Die 50,- Mark legte Mayer aus seiner Tasche darauf und als er 1904 von Penzberg wegzog, verlangte er das Geld zurück. Der Verein zahlte den Betrag aus und hatte seine erste Bewährungsprobe zu bestehen. Be­ reits 1903 beteiligte sich der Verein beim Oberländer Gaufest in München und beim Gaufest des Ammerta­ ler Gauverbandes in Murnau, wo er den 2. Preis errin­ gen konnte. Der Verein war weiterhin recht aktiv, be­ teiligte sich an vielen Fahnenweihen und benachbarten Gaufesten und konnte viele 1. Preise erringen. 6-7 Fest­ besuche in einem Jahr waren keine Seltenheit. Für 1907 wurde dem Verein die Durchführung des Oberländer Gaufestes übertragen. Bei einer Versammlung am 20. Januar 1907 wurde beschlossen, bei einem Sterbefall dem betreffenden Mitglied einen Kranz niederzulegen

Herrgottsnische auf der 5. Sohle

Bergleute beim Schnupfen Von links: Schaffer Xaver, Lenz Alfred, Penning Lud­ wig, Krach Gustl und Häusler Konrad.


und eine heilige Messe lesen zu lassen. Ferner wurde festgelegt, daß bei Leichenbegräbnissen graue Joppe, schwarze Hose, Hut ohne Feder, grüne Weste und schwarzes Knopftuch getragen wird. In dieser Ver­ sammlung wurde auch beschlossen, daß auch unbe­ scholtene Weiberleut in den Verein aufgenommen wer­ den, wenn sie das 18. Lebensjahr überschritten haben. Aufnahmegebühr 20 Pfennig, Monatsbeitrag 10 Pfen­ nig. Um Vergleiche zu heutigen Gaufesten zu ziehen, sei hier aus unserer Vereinschronik berichtet: Der Verein beteiligte sich 1908 beim Oberländer Gaufest in Schaft­ lach mit 33 Mitgliedern und erwarb sich den 1. Meist­ preis, den 2. Trachtenpreis und den 1. Plattlerpreis mit dem Neubeurer Plattler. Im Oktober 1908 wurde Schweizer Peter zum 1. Vor­ stand gewählt, der die Entwicklung der Penzberger Trachtenvereine entscheidend beeinflußte und 1919 auch 1. Gauvorstand des Loisachgaues wurde. Schwei­ zer Peter war bei den Penzberger Bergleuten mehr als Stöckl Peter bekannt, weil er im Bergwerk die Aufsicht darüber führte, daß die Grubenarbeiter keine Holz-

stöckl mit nach Hause nahmen. Unter der Vereinsfüh­ rung von Peter Schweizer nahm der Verein zwar einen starken Aufschwung, es wurden laufend neue Mitglie­ der aufgenommen, aber unter seiner strengen Führung wurden auch fünf Mitglieder ausgeschlossen. Daß Schweizer Peter nicht unumstritten war im Verein, zeigte 1913 sein Ausschluß aus dem Verein. Am 1. Fe­ bruar 1914 wurde er wieder aufgenommen. Bei dieser Versammlung wurde auch beschlossen, Kwesch Eman eine Unterstützung von 20 Mark zu gewähren, weil er einen Unglücksfall beim Haberfeldtreiben hatte. Am 25. Januar 1914 wechselte der Verein das Lokal, weil in den Räumlichkeiten des »Glück auf« zu wenig Platz war. Ab 1914 ist der »Staltacher Hof« das Vereins­ lokal der »Birk'nstoana«. Mit den 4 Sängern Ludwig Go­ wasch, Wilhelm Lakner, Rupert Geiersberger und Ja­ kob Guggenbichler hatte der Verein zur damaligen Zeit eine weitum gut bekannte Gesangsgruppe. Daß der 1. Weltkrieg auch am Verein nicht spurlos vorüber­ ging, beweist die Unterbrechung des Vereinsprotokolls von 1914 - 1917. Am 3. November 1918 wurde Schwei­ zer Peter wieder zum Vorstand gewählt. Bei einer Ver-

»D'Birk'nstoana« 1928 bei einer Plattlerprobe im Saal des Staltacher Hofes.

sammlung am 8. Dezember 1918 stellten einige Mitglie­ der den Antrag, die Vereinsfahne zu verkaufen, weil die Fahne der Zeit entsprechend mit dem König Lud­ wig auf der einen und dem Herz Jesu auf der anderen Seite zu patriotisch war. Fahnenfabrikant Auer, an den sich der Verein gewandt hatte, teilte aber mit, daß er für gebrauchte Fahnen keine Verwendung habe und so be­ hielt der Verein die Fahne bis zur Anschaffung einer Neuen im Jahre 1952. Am 16. April 1919 wurde be­ schlossen, daß der Verein 1 Trachtenzeitung bezieht und im Vereinslokal aufliegen läßt. Als Delegierte zur Gründungsversammlung des Loisachtaler Gauverban­ des am 25. Mai 1919 wurden Schweizer Peter, Kwesch Matthias und Steinmaßl Johann bestimmt. Am 3. Au­ gust 1919 beteiligte sich der Verein am Gründungsfest in Wolfratshausen mit 78 Mitgliedern. Der Verein führte zur damaligen Zeit auch viele öffentliche Preis­ platteln durch mit vielen Teilnehmern aus den Penzber­ ger Vereinen und den benachbarten Gauverbänden und es ging dabei nicht immer so friedlich zu wie bei den heutigen Gauwertungsplatteln. Einen grandiosen Empfang bereitete der Verein seinem Ehrenvorstand

»D'Birk'nstoana« 1947 vor dem Vereinslokal Staltacher Hof. 87


Georg Schmid, der am 5. Oktober 1920 aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte. Mit Fahne und Blasmusik wurde er am Bahnhof abgeholt und zu seiner Wohnung begleitet. 1921 beteiligte sich der Verein ne­ ben dem Loisachgaufest in Wolfratshausen bei den Fahnenweihen in Benediktbeuern, Waakirchen und Kohlgrub und den Gründungsfesten in Königsdorf, »Werdenfelser München«, »Loisachtaler« Maxkron, »Waxenstoana« Antdorf, »Würmseer« Diemendorf, »Edelweiß« Bichl und »Wendlstoana« Thanning. Am 14. Mai 1922 beteiligte sich der Verein an der Fahnen­ weihe der »Kirchstoana« Sindelsdorf, wozu unser Ver­ ein die Patenschaft übernommen hatte. Am 4. Juni 1922 veranstaltete der Verein im Garten des Bayeri­ schen Hofes sein 20. Gründungsfest mit 23 Bruderver­ einen. Neben diesen Festen beteiligte sich der Verein in diesem Jahr noch an den Fahnenweihen in Schlehdorf und Königsdorf, beim Gründungsfest der »Loisachta­ ler« Gelting, beim Loisachgaufest in Tutzing und beim 1. Bundesfest des Oberlandler-Bundes in Murnau. Bei einer Versammlung am 14. Januar 1923 wurde be-

schlossen, den Monatsbeitrag auf 50 Mark zu erhöhen. Die Inflation wird auch den Ausschlag dafür gegeben haben, daß die Trachtenfeste weniger wurden und der Verein 1923 nur das Gaufest in St. Heinrich mit 96 Mit­ gliedern besuchte und als Meistpreis einen jungen Geißbock erhielt. 1924 führte der Trachtenverein »Wendlstoana« das 5. Loisachgaufest in Penzberg durch. Bei der Generalver­ sammlung am 28. September 1924 wurde beschlossen, den Vereinsgruß »Gsund samma« in »Grüaß Gott« um­ zuwandeln. Das friedliche Vereinsleben wurde dann ausgerechnet vom damaligen Gauvorstand des Loi­ sachgaues »Peter Schweizer« gestört. Als bei einer Ver­ sammlung am 28. Februar 1926 Jakob Steinbauer in den Verein aufgenommen wurde, protestierte Peter Schweizer und trat aus dem Verein aus. Auf Anregung von Schweizer Peter wurde dann am 6. März 1927 eine Versammlung einberufen, in der ein Zusammenschluß der 3 Penzberger Trachtenvereine »Wendlstoana«, »Edelweißer<< und »Birk'nstoana« herbeigeführt wer­ den sollte. Unser Verein war mit 31 Mitgliedern betei-

Bergleute auf Flöz 24 v.1.: Schlosser Bernhard, Klughammer Georg, Schäfer Hein­ rich und Stutz Franz. 88

ligt. 17 stimmten für und 14 gegen den Zusammen­ schluß. Schweizer Peter erklärte den Verein für ange­ schlossen, jedoch Vorstand Gabler Gottfried erklärte, daß bei solchen Entscheidungen statutengemäß eine2h Mehrheit vorhanden sein muß und daß der Verein »Birk'nstoana« weiterhin bestehen bleibt. Ob die Ent­ scheidung für oder gegen den Zusammenschluß gut oder schlecht war für den Verein bleibt heute dahinge­ stellt. Fest steht, daß der Verein fast die Hälfte der Mit­ glieder an die »Edelweißer<<, heute »Stamm 1895« ab­ gegeben und damit seinerzeit seine dominierende Stel­ lung in Penzberg verloren hat. In Form eines Kirchweihkranzls feierte der arg gebeu­ telte Verein 1927 sein 25jähriges Bestehen. Am 22. De­ zember 1929 beriefen die »Birk'nstoana« und die »Loi­ sachtaler« Maxkron eine Versammlung ein wegen ei­ ner Verschmelzung beider Vereine. Man einigte sich vorerst probeweise für ein Jahr. Bei einem Preisplat­ teln war es dann soweit, daß eine richtige Zwietracht in den Verein kam und man wieder auseinander ging.

Fahnenweihe 1952 mit Fahnenbraut Anni Watzka und Festjungfrauen Frieda Neu­ dorfer und Doris Golla.


Am 27./28. Juni 1931 führte der Verein bei herrlichem Wetter das 11. Loisachgaufest in Penzberg durch. Mit dabei im Festzug mit 30 Vereinen war auch ein Trach­ tenverein aus Landshut, der mit 34 Teilnehmern die Landshuter Fürstenhochzeit darstellte. Den Landauer und die Pferde stellte das Bergwerk zur Verfügung. Unter Vorstand Martin Barth hielt der Verein am 26. September 1932 im Saal des »Staltacher Hofes« sein 30jähriges Gründungsfest ab. Von einem größeren Fest wurde wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage zu dieser Zeit Abstand genommen. In seiner damaligen Festansprache berichtete Vorstand Barth über die Ent­ wicklung des Vereins und erklärte, der Trachtenverein »Birk'nstoana« ist kein Ableger vom Verein »Stamm 1895«, sondern habe viele Mitglieder vom 1902 aufge­ lösten Trachtenverein »Almrausch« übernommen. Am 30. Juli 1933 führte der Trachtenverein »Wendlstoana« Nantesbuch das Loisachgaufest durch, wobei sich die »Birk'nstoana« mit 38 Mitgliedern beteiligten und den 2. Meistpreis erhielten. Das schlimmste Kapitel unserer Vereinsgeschichte wurde am 11. März 1934 geschrieben, als die Machtha-

»D'Birk'nstoana« 1955 beim Gaufest in Staltach

ber des Dritten Reiches unseren Verein in den Saal des »Bayerischen Hofes« zu einer Versammlung beriefen zwecks Gleichschaltung und Zusammenschluß mit dem Trachtenverein »Stamm 1895«. Über drei Jahrzehnte bestand der Verein und war als einer der besten Trach­ tenvereine im ganzen Oberland bekannt. Zwölf Jahre war der Trachtenverein »Birk'nstoana« ausgelöscht, aber nach dem unseligen Krieg kam auch das Fähnlein der Aufrechten wieder zu ihrem Recht, die sich mit dem Anschluß und der Gleichschaltung nicht abfinden konnten. Alois Dietlinger erwarb von der Militärregierung die Genehmigung zur Weiter­ führung des Vereins und rief am 10. März 1946 die Ge­ treuen zur Versammlung. 16 ehemalige Mitglieder fan­ den sich ein und beschlossen, den Trachtenverein »Birk'nstoana« weiterzuführen. Bei der Gleichschal­ tung hatte der Verein wieder viele Mitglieder verloren an den »Stamm 1895«, aber unter dem neuen Vorstand Alois Dietlinger gewann der Verein schnell wieder neue Mitglieder und entwickelte eine große Aktivität. Am 2./3. August 1947 führten die »Birk'nstoana« das 20. Loisachgaufest durch. 47 Vereine, 6 Musikkapellen

und mehrere Festwägen zogen an den vielen Zuschau­ ern vorbei, die nach den langen Kriegsjahren froh wa­ ren, wieder ein so schönes Trachtenfest zu erleben. Am 17. August 1947 beteiligte sich der Verein an der Stan­ dartenweihe von »Almrösl« Wessobrunn, zu der er die Patenschaft übernommen hatte. Am 20. Juni 1948 beteiligte sich der Verein bei der Fah­ nenweihe der »Osterseer« Staltach-Iffeldorf, bei der er ebenfalls die Patenschaft übernommen hat. Am 23. April 1950 hielten die 3 Penzberger Trachtenvereine in der Glashütte eine gemeinsame Versammlung ab, bei der beschlossen wurde, daß bei der Beerdigung eines Vereinsmitgliedes alle 3 Vereine mit ihren Fahnen teil­ nehmen. Am 30. April 1950 veranstaltete der Verein ein offenes Preisplatteln, bei dem sich 61 Buam, 32 De­ andl und 8 Gruppen beteiligten. Am 22. Juni 1952 fei­ erte der Verein sein 50jähriges Gründungsfest, verbun­ den mit der Weihe der neu angeschafften Fahne. Nur mit großen finanziellen Opfern der Mitglieder war es dem wieder erstandenen Verein möglich, die von der Firma Harslem gelieferte Fahne zu beschaffen. Die »Edelweißer<< Bad Tölz übernahmen die Patenschaft

»D'Birk'nstoana« 1961 beim 40jährigen Gründungsfest der »Edelweißer« Bad Tölz 89


und ein überaus gut besuchter Heimatabend in der Stadthalle und ein schöner Festsonntag mit 32 Verei­ nen und 7 Musikkapellen beim Festzug ließen die Sor­ gen vergessen. Von vielen Trachtenkameraden sehr übel genommen wurde dem Verein die Fahrt nach Rumänien im Jahr 1953. Sogar der Ausschluß aus dem Gauverband wurde dem Verein angedroht und nur der Umsichtigkeit des neugewählten Gauvorstandes Franz Sappl war es zu verdanken, daß der Verein nicht ausgeschlossen wurde. Was heute im Rahmen des Kulturaustausches Selbstverständlichkeit ist, wurde damals heftig kriti­ siert und verabscheut. Am 15. August 1956 fand der erste gemeinsame Jahrtag der 3 Penzberger Trachtenvereine statt. Bei herrlichem Wetter führte der Verein am 7./8. Juli 1962 das 35. Loi­ sachgaufest durch, verbunden mit dem 60jährigen Gründungsfest des Vereins. Schon am Samstagabend kamen über 1200 Besucher zum Heimatabend und am Festsonntag nahmen 39 Vereine mit 11 Musikkapellen am Festzug teil. Eine große Hilfe erfuhr der Verein da­ mals vom Trachtengeschäft Xaver Mühlpointner, das dem Verein Waren im Werte von 2000,-DM als Preise zur Verfügung stellte. Am 14./15. März 1964 fand in unserem Vereinslokal die Tagung der Vereinigten Bayerischen- und Südwest­ deutschen Trachtenverbände statt, wobei der Verein bei der Gestaltung des Heimatabends und bei der Quartierbeschaffung tatkräftig mitwirkte. Beim Gau­ wertungsplatteln in Thanning am 29. August 1965 konnte unsere aktive Plattlergruppe den 1. Platz errin­ gen und den begehrten Pokal in Empfang nehmen. Am 28. August 1966 führte der Verein in der Stadthalle das Gauwertungsplatteln durch, bei dem sich 18 Gruppen und 47 Buam und 31 Deandl am Einzelplatteln beteilig­ ten. Beim 1. Heimatabend der Arbeitsgemeinschaft der Trachtenvereine im Landkreis Weilheim am 19. November 1966 in Murnau beteiligten sich die »Birk'n­ stoana« mit dem Dreisteirer und einem Plattler. Bei der Generalversammlung am 9. November 1968 wurde beschlossen, wieder eine Jugendgruppe aufzu90

bauen und für die Nachwuchsarbeit mehr zu tun. Rist Franz wurde als Jugendleiter bestimmt und mit der Bil­ dung einer Jugendgruppe beauftragt. Zugleich wurde der Jahresbeitrag von 6 auf 12 DM erhöht, um die zu er­ wartenden Unkosten zu decken. Am 16. November 1968 fand in der Stadthalle in Penzberg ein Heimat­ abend der Arbeitsgemeinschaft der Trachtenvereine im Landkreis Weilheim statt, bei dem sich der Verein mit einer Plattler-Gruppe beteiligte. Am 2. Juli 1970 mußten wir Abschied nehmen von unserer Fahnenmut­ ter Sabine Gabler, die im Alter von 85 Jahren verschie­ den ist und im Friedhof in Sindelsdorf von 4 Trachten-

kameraden zu Grabe getragen wurde. Nur ein Jahr spä­ ter, am 1. Juni 1971, folgte ihr ihr Mann, unser Ehren­ vorstand Gottfried Gabler, in die ewige Heimat nach. Ihm hat der Verein viel zu verdanken, er hat in ent­ scheidenen Phasen des Vereins immer eine starke Hal­ tung bewiesen. Durch die starke Abnützung bei den vielen Festlichkei­ ten war unsere 1952 angeschaffte Vereinsfahne arg re­ paraturbedürftig geworden, was in einer Versammlung am 9. September 1972 besprochen wurde. Da erklärte sich Ehrenmitglied Georg Wurm bereit, 5.000,-DM zu spenden für die Anschaffung einer neuen Fahne. Am 25. September 1973 wurde die Fahnenstickerei Schleh­ dorf mit der Erstellung der neuen Fahne beauftragt. Bei der Generalversammlung am 10. November 1973 wurde Karl Schaffer zum 1. Vorstand gewählt. Gott­ fried Gabler, der dem Verein 21 Jahre vorstand, wurde für seine Verdienste zum Ehrenvorstand gewählt. Mit frischem Elan wurden die Vorbereitungen zur Fah­ nenweihe angegangen. Am 3./4. August 1974 war es dann soweit. Die Patenschaft hatten wieder die »Edel­ weißer« aus Bad Tölz übernommen, die auch zur Ge­ staltung des Heimatabends viel beigetragen haben. Fahnenbraut Elisabeth Schaffer und Fahnenmutter Leni Wieser kamen schon bei der Weihe der neuen Fahne in der Christ-König-Kirche richtig ins Schwit­ zen, denn der 4. August war der heißeste Tag 1974 und die 25 Vereine mit den 8 Musikkapellen waren beim Festzug fast allein auf den Straßen. Die Bevölkerung hat es vorgezogen, an die Badeseen zu fahren. Voll besetzt war �er Saal der Stadthalle, als der Verein am 10. April 1977 sein 75jähriges Vereinsjubiläum be­ ging. Von allen Seiten wurde dem Verein Anerken­ nung gezollt für diesen schön gestalte!en Heimatabend. 1978 ließ der Verein von den Klosterschwestern in Schlehdorf auch seine alte Fahne reparieren, so daß der Verein jetzt über zwei neuwertige Fahnen verfügt.

Gabler Gottfried mit Frau. Vorstand von 1952-1973

Am 29./30. September 1979 fand in Penzberg wieder die Tagung der Vereinigten Bayerischen Trachtenver­ bände statt, wobei sich der Verein bei der Bereitstel-


Jugendgruppe der »Birk'nstoana« 1969.

lung von Quartieren und der Durchführung des Gau­ heimatabends recht aktiv beteiligte. Am 15. August 1982 feierte der Verein verbunden mit dem Jahrtag der Penzberger Trachtenvereine sein 80jähriges Gründungsfest. Mit dabei waren unsere Pa­ tenvereine »Edelweiß« Bad Tölz, »Kirchstoana« Sin­ delsdorf und »Osterseer« Staltach-Iffeldorf. Am 15. Oktober 1982 verstarb unser Ehrenvorstand Gottfried Gabler, der über zwanzig Jahre die Geschicke des Vereins geleitet und auch als Gauvorplattler und spä­ ter als Revisor im Gauausschuß mitgewirkt hat. Am 18./19. Juni 1983 beteiligte sich der Verein bei der Fahnenweihe der »Kirchstoana« Sindelsdorf, zu der er wieder die Patenschaft übernommen hatte. Beim Trachtenaufmarsch in München am 3. Juli 1983 anläßlich des lOOjährigen Bestehens der Trachtenver­ eine, beteiligte sich der Verein mit 54 Personen. Aktiv mitgewirkt haben die »Birk'nstoana in all den Jahren bei allen kulturellen Veranstaltungen der Stadt.

Festzug bei der Fahnenweihe 1974 v.1.: 2. Gauvorstand Sepp Floßmann, Schirm­ herr Bürgermeister Kurt Wessner, Ehrenvorstand Gottfried Gabler und Vorstand Karl Schaffer.

Abholung der neuen Fahne vom Kloster Schlehdorf. Von links: 2. Vorstand Xaver Penzkofer, Ehrenmit­ glied Josef Nirschl, Fahnenmutter Leni Wieser und Schwester Xaveria von der Fahnenstickerei Schleh­ dorf.

Vereinsbild von der Fahnenweihe 1974. Rechts Vorstand Karl Schaffer, dahinter rechts Fahnenstifter Georg Wurm und links davon Ehrenvorstand Gottfried Gabler. 91


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Bei den Fronleichnamsprozessionen tragen unsere Buam den Himmel und auch bei allen anderen kirchli­ chen Festlichkeiten nimmt der Verein regen Anteil. Um Vergleiche mit anderen Trachtenvereinen zu be­ kommen, besuchte der Verein oft Gaufeste anderer Gaue, so das Bodenseegaufest in Lindau am 18./19. Juni 1977, das Bayerwald-Gaufest in Viechtach am 7./ 8. Juni 1980 und das Tiroler Landestrachtenfest am 13./ 14. August 1983 in Wattens. Außerdem beteiligt sich der Verein an allen Gauveranstaltungen und arbeitet mit seinen Vertretern im Gauausschuß seit Bestehen des Loisachgaufestes recht aktiv mit im Gauverband. Die »Birk'nstoana« besuchen außer den Festen der Gauvereine regelmäßig die Trachtenfeste benachbar­ ter Vereine aus anderen Gauen. Der Verein zählt zur Zeit 121 Mitglieder und eine Ju­ gendgruppe mit 29 Jugendlichen. So wie der Verein bisher für die Erhaltung von Sitt und Brauchtum eingestanden ist, so wird er auch weiterhin für die Pflege und Gestaltung unserer bayerischen Hei­ mat und der Erhaltung unserer schönen Tracht nach dem Motto »Treu dem guten alten Brauch« weiterar­ beiten.

Penzberg heute

Ortsgeschichte von Penzberg Von der Gründung bis heute leiteten folgende Männer den Verein: 1902 - 1908 Schmid Georg 1908 - 1913 Schweizer Peter 1913 - 1918 Mayer Josef 1918 - 1924 Schweizer Peter 1924 - 1926 Schamper Martin 1926 - 1931 Gabler Gottfried sen. 1931 - 1933 Barth Martin 1934 Adlberger Andreas 1946 - 1949 Dietlinger Alois Ehrenvorstände: 1949 - 1952 Adlberger Andreas Schmid Georg 1952 - 1973 Gabler Gottfried jun. Gabler Gottfried sen. 1973 - 1986 Schaffer Karl Gabler Gottfried jun. Schaffer Karl Seit 1986 Bleil Robert

Die erste urkundliche Erwähnung in unserem Gemein­ degebiet bezieht sich nicht auf Penzberg selbst, sondern auf den Ort Rain an der Loisach. In einer Urkunde aus der Zeit des Benediktbeurer Abtes Gothelm (10321062) heißt es: »Wir machen bekannt allen Anwesen­ den und Künftigen, wie eine gewisse adelige Frau, Adalbirn mit Namen ihr Gut in dem Ort Reine ihrem Mann Meginhart und nach beider Tod den Söhnen die­ ser Familie zu überliefern sei«. Der Name Penzberg, damals Poennesperg geschrie­ ben, ist erstmals in einer Tauschurkunde aus dem Jahre 1275 zu finden. Ein Albert, Freiherr von Pruckberg tauscht dabei seinen Meierhof zu Penzberg und Mösl­ berg mit dem Kloster Benediktbeuern gegen zwei Hu­ ben in Weindorf ein. Pruckberg war seit 1263 Burgvogt in Peiting und lebte später in Murnau. 1296 übergab

Pruckberg die beiden eingetauschten Huben von Wein­ dorf wieder an das Kloster Benediktbeuern gegen die Bedingung, daß ihn das Kloster in Benediktbeuern be­ graben soll. Wie aus einem Abgabenbuch hervorgeht, waren zu dieser Zeit bereits auch Nantesbuch und Promberg Eigentum des Benediktbeurer Klosters und 1295 kam noch Kirnberg hinzu. Während 1275 bei der ersten urkundlichen Erwähnung von Penzberg nur ein Hof aufgeführt ist, erscheinen im Steuerbuch des »Gefreiten Gerichtes Benediktbeuern« aus dem Jahre 1648 drei Hofbesitzer und zwar ein Niko­ laus Hutter für den halben Hof und Georg Vallandt und Georg Pfötterl für je einen viertel Hof. 1859 sind für Penzberg nur mehr zwei Höfe erwähnt, 1873 wurde der kleinere davon abgebrochen und ein Jahr später mußte auch der letzte und größte der Penzberger Höfe den sich ausdehnenden Bergwerksanlagen weichen. St. Joh.annisrain wurde 1392 vom Kloster Benediktbeuern 93


um 26 Pfund Regensburger Pfennige gekauft. Der älte­ ste Ortsteil ist Rain, bereits im 11. Jahrhundert erst­ mals erwähnt, war hier im 14. und 15. Jahrhundert auch der Sitz eines Klosterprobstes und im 17. Jahrhundert war Rain Sitz einer Hauptmannschaft des Klosters Be­ nediktbeuern. Das Gebiet der Gemeinde Penzberg war bis zur Säkularisation zu zwei Drittel im Besitz des Klo­ sters Benediktbeuern und zu einem Drittel im Besitz des Angerklosters München. Auch von Kriegshandlungen blieb unser Gemeindege­ biet nicht ganz verschont. Im dreißigjährigen Krieg, es war 1632, durchzogen die Schweden unser Gebiet. Plünderungen und Zerstörungen gab es in Edenhof und St. Johannisrain, vor allem auch in der Kirche. Wäh­ rend des Erbfolgekrieges kamen dann die kaiserlichen, burgundischen und spanischen Soldaten in unsere Ge­ gend. Am Aufstand der Oberlandler Bauern waren auch aus unserer Gegend Bauernsöhne beteiligt. Es dauerte dann bis 1945, bis wieder fremde Soldaten nach Penzberg kamen. Am 30. April zwischen 16 und 17 Uhr marschierten die Amerikaner in unsere Stadt ein. Es kam zu keinen Kampfhandlungen. Nach den schreckli­ chen Ereignissen des 28. April 1945, wo 16 Penzberger Bürger vom Werwolf aufgehängt wurden, war die Be­ völkerung froh, daß zwei Tage später die Amerikaner eintrafen und damit der Krieg zu Ende war. Als 1808 die Bildung des Steuerdistrikts und 1818 die endgültige Gemeindebildung St. Johannisrain erfolgte, gehörten folgende Orte zur neuen Gemeinde: St. Joh­ annisrain 2 Häuser, Edenhof 2, Schönmühl 1, Rain 4, Penzberg 3, Maxkron 15, Heinz 1, Reindl 1, Daser 1, Nantesbuch 6, Zach 1, Achrain 1, Oberhof 2, Prom­ berg 2, Zist 1, Neukirnberg 2, Kirnberg 1, Steigenberg 1, Wölfl 1, Fischerhaber 2, Hub 1, Vordermaier 1, Rie­ dern 3, Heigl 1. St. Johannisrain und Edenhof gehörten zur Pfarrei und Schule nach Sindelsdorf. Zist, Achrain, Nantesbuch, Oberhof, Promberg, Zach, Maxkron, Rain und Schön­ mühl zur Pfarrei und Schule nach Iffeldorf. Die übrigen Ortschaften gehörten nach Antdorf. Fast genau 170 Jahre hat in Penzberg der Bergbau die Geschichte der Stadt geprägt. 94

1557 wurden die ersten Bergbauversuche in Penzberg gemacht. Während des 30jährigen Krieges gerieten diese Versuche wieder in Vergessenheit. Erst 1796 wurde die Oberländische Steinkohlengewerkschaft ge­ bildet und mit der Förderung begonnen. Das Kloster Benediktbeuern erhob gegen den Abbau der Kohle vergeblich Protest. Der Transport der Kohle, wenn er auch mit Flößen auf der Loisach erfolgte, kam zu teuer. So baute man eine Glashütte, um die Kohle an Ort und Stelle zu verwerten. Aber auch beim Betrieb der Glas­ hütte erwies sich der Kohlenabbau als nicht rentabel. Damals arbeiteten 150 Mann im Bergbau. Im Jahre 1870 erfolgte die Umwandlung der Gewerkschaft in die Oberbayerische Aktiengesellschaft für Kohlenberg­ bau. Diese Aktiengesellschaft errichtete nun in Penzberg eine Arbeiterkolonie. Es wurden die ersten Wohnhäu­ ser erbaut, es folgten Gasthäuser und Schulen, Kinder­ garten und Krankenhaus. Von den drei Penzberger Höfen war nichts mehr vorhanden und es kamen immer mehr Handwerker und Gewerbetreibende nach Penz­ berg und erbauten sich ihre Geschäftshäuser. Das schnelle Anwachsen von Penzberg beunruhigte die Bauern in den umliegenden Orten und sie stellten Aus­ gemeindungsanträge aus der Gemeinde St. Johannis­ rain, dem aber nicht stattgegeben wurde. Im Jahre 1865 erfolgte der Anschluß von Penzberg an das Eisenbahn­ netz, was für die Entwicklung des Bergbaus eine große Rolle spielte. Der Absatz und die Förderung der Kohle stiegen gewaltig an. 1875 wurde in Penzberg eine Mil­ lion Doppelzentner Kohle gefördert, 1887 zwei Millio­ nen Doppelzentner und noch vor dem 1. Weltkrieg er­ reichte die Förderung 3 Millionen Doppelzentner. Die Werksanlagen wurden immer wieder modernisiert, zum letztenmal 1956, wo der Nonnenwaldschacht auf 650 m abgeteuft wurde und Großförderwagen mit 3300 Litern eingeführt wurden. 1951 wurde das Bundesbahn­ kraftwerk fertiggestellt, wo die kleinen Sortimente ver­ heizt wurden. Die höchste Förderung wurde 1957 er­ reicht mit 400.000 Tonnen Kohle bei einer Belegschaft von 2000 Mann.

Am 30. September 1966, bei der Schließung des Berg­ werks, waren es noch 886 Beschäftigte. Das Heizöl hat die Kohle verdrängt. Vorbei waren auch die Zeiten der Barbarafeste, die die Bergleute frü­ her in Antdorf und ab 1891, als in Penzberg die Katholi­ sche Pfarrkirche errichtet wurde, gefeiert haben. Zum Bau der Penzberger Pfarrkirche hat sogar der Kaiser von Österreich 500,- Mark gespendet. 1899 wurde Penzberg eine eigene Pfarrei. Die Evangelische Kirche wurde 1904 erbaut und 1962 erfolgte der Bau der Katholischen Kirche im Ortsteil Steigenberg-Fischha­ ber. Innerhalb des Gemeindegebietes befinden sich noch die kleinen Kirchen von St. Johannisrain, Hub und Nantesbuch. Mit dem Aufschwung des Bergwerks stieg auch die Ein­ wohnerzahl der Arbeiterkolonie Penzberg stetig an. Waren es 1808 bei der Gemeindebildung noch 405 Ein­ wohner, so waren es 1900 bereits 4781 Personen. Da der Ortsteil Penzberg sich immer mehr zum Hauptort entwickelte, erfolgte 1911 die Umbenennung der Ge­ meinde St. Johannisrain in Penzberg. Das Gemeinde­ parlament setzte sich 1911 zusammen aus 4 Landwir­ ten, 5 Kaufleuten, 5 Bergleuten und Bergwerksange­ stellten. Am 1. März 1919 wurde dann Penzberg zur Stadt erhoben. Nach der Schließung des Bergwerks wurde Penzberg von einer Bergarbeiterstadt in eine moderne Industrie­ stadt umfunktioniert. Größte Arbeitgeber sind heute die Chemiefirma Boehringer mit über 1000 und die Firma MAN mit über 700 Beschäftigten. Heute hat Penzberg fast 14.000 Einwohner, besitzt neben den Volksschulen eine Realschule und der Vollausbau des Gymnasiums wird bei dem schnellen Wachstum der Stadt nicht mehr lange auf sich warten lassen. Mit über 70 Vereinen jeglicher Art hat Penzberg ein rühriges Vereinsleben und man kann sich leicht vorstellen, daß Traditionsvereine wie Trachtenvereine es nicht leicht haben, sich in dieser Stadt zu behaupten. Karl Schaffer Quellennachweis: Geschichte der Stadt Penzberg von Karl Luberger


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereines »D'Loisachtaler« Wolfratshausen e.V. Am 1. Februar 1904 beschlossen abends »von neun Uhr an«, wie's im Gründungsprotokoll heißt, Isidor Bi­ schof, Carl Pelikan, Josef Zacher, Peter Ehmann, En­ gelbert Träxl, Josef Huber, Karl Heckenreiner und Jo­ hann Artmann die Gründung eines Gebirgstrachtener­ haltungsvereines mit dem Namen »D'Loisachtaler« Wolfratshausen. Als Vereinstracht wurde die Miesba­ cher Tracht gewählt. Die Gründer waren rührige Telefoner, die in einer Zeit der Armut keine Mühe und Opfer scheuten, um für den Verein tätig zu sein. Als Plattlergruppe zogen sie bei ei­ genen Veranstaltungen und anderen Festlichkeiten auf. Dabei erbrachte der Verkauf von Nudeln und Schnaps bald den Grundstock für die eigene Fahne. Am 22. Juli 1906 war es dann soweit: Die Vereinsfahne konnte beim »Haderbräu« enthüllt werden. Die Weihe war nicht möglich, da es zur damaligen Zeit für die Kir-

Gruppenfoto anläßlich der Fahnenenthüllung im Jahre 1906

ehe noch anstößig war, daß Trachtler mit kurzen Hosen und Deandl mit ausgeschnittenen Miedern in den Got­ tesdienst kamen. Der Verein entwickelte sich unter dem Gründungsvor­ stand Isidor Bischof, der bis 1908 die Geschicke des Vereines leitete, zu einer kleinen aktiven Gemein­ schaft, die mit Platteln, Tanz und Theater die karge Zeit etwas erträglicher machte. Doch die Loisachtaler blieben nicht alleine. Am 5. De­ zember 1907 schlossen sich einige Glasbläser der dama­ ligen Glasfabrik zu dem Trachtenverein »Die lustigen Wendlstoana« zusammen. Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges bestanden die Vereine nebeneinander. Von 1914 bis 1918 mußten die Vereine ihre Tätigkeit einstellen, da die meisten Männer zum Heeresdienst eingezogen waren. Nach der Heimkehr aus dem Krieg schlossen sich die beiden Vereine »D'Loisachtaler«

und »Die lustigen Wendlstoana« auf Anregung einiger Mitglieder beider Vereine zusammen. Sie nannten sich die »Schlossbergler«. Den Vorsitz übernahm Hans Raßbichler. er war Mitgründer des Loisachgaues und später langjähriger Gauvorstand. Die Trachtler brachten in den zwanziger Jahren sehr viel Idealismus und Liebe zur Sache auf. Als Transport­ mittel zum Preisplatteln, zu dem man eingeladen war, stand oft nur das Fahrrad zur Verfügung. So mußten die Buam zum Teil bis in die Jachenau radeln. 1921 wurde dem Verein das Loisachgaufest übertragen. Im Jahre 1923 durften die »Schlossbergler« die Paten­ schaft bei der Fahnenweihe des Trachtenvereins »Isar­ lust« Irschenhausen übernehmen. Auf Grund des Gründungsjahres 1904 der »Loisachta­ ler« konnten die »Schlossbergler« 1924 das zwanzigjäh­ rige Stiftungsfest feiern. Fünf Jahre später feierten die »Schlossbergler« ihr 25jähriges Stiftungsfest. Der Trachtenverein »Alpen­ rose« Thalkirchen übernahm bei diesem Fest die Paten­ schaft für die »Schlossbergler«.

Gruppenfoto vor der Alm des Vereines in Wolfratshausen um 1920 95


Zu dieser Zeit begann Sepp Holzer als zweiter Vor­ plattler. Er wurde 1927 zum ersten Vorplattler gewählt und war später Gauvorplattler. Der Gau würdigte spä­ ter die Leistungen unseres Holzer Sepp mit der Ernen­ nung zum Gauehrenvorplattler. Der Verein war da­ mals schon sehr erfolgreich im Leistungsvergleich der Plattler mit anderen Vereinen. Diese Erfolge förderten den Gemeinschaftssinn leider nicht; es kam im Herbst 1929 zur Abspaltung einer Schuhplattlergruppe »Almarausch« Wolfratshausen. Sie konnte 1931 bei einem innerhalb des Reichsverban­ des veranstalteten Gruppenpreisplatteln in München unter 22 Bewerbern den ersten Preis holen. Das 30jährige Gründungsjubiläum fand am 26. August 1934 statt. Die im gleichen Jahr gehegten Bestrebungen für einen Zusammenschluß der beiden Vereine »Schlossbergler« und »Almarausch« verliefen ergeb­ nislos. 1937 erzwang der NS-Staat den Zusammenschluß aller Trachtler in die »Trachtengemeinschaft Wolfratshau­ sen«. Dem Vorstand Sepp Hoffmann fiel nun die un-

dankbare Aufgabe zu, als kommissarischer Vorstand den Verein durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges zu führen. Er tat es, als aufrechter Trachtler, und es ge­ lang ihm, das Vereinsleben in dieser argen Zeit auf­ recht zu erhalten, obwohl alle Buam eingezogen waren. Sonst liegen über die Zeit bis zum Kriegsende keine Quellen vor, da die damalige Schriftführerin kurz vor dem Einmarsch der Alliierten die Protokolle verbrannt hatte. Jedes Protokoll endete mit dem Gruß der NSDAP, und sie hatte Angst, von der amerikanischen Militärregierung dafür bestraft zu werden. Gott sei Dank, alle unsere Buam kamen aus dem zweiten Welt­ krieg zurück. 1945, schon kurz nach dem ersehnten Ende des Krieges (Vereinigungen und Versammlungen waren verboten) konnten die Trachtler bei Vereinsproben und bei Auf­ tritten für die Besatzungsmacht ihren Verein wieder aktivieren. Mit Genehmigung der amerikanischen Mi­ litärregierung wurde am 10. Februar 1946 erstmals eine Hauptversammlung einberufen. Hans Strodl über­ nahm die schwere Aufgabe des ersten Vorstandes.

D'Loisachtaler auf dem Weg zum Gaufest 1946 nach Königsdorf 96

Nachdem vor dem Krieg die »Schlossbergler« ihre Stif­ tungsfeste an den Gründungstag der »Loisachtaler« an­ gelehnt hatten, einigte man sich auf den Namen »D'Loisachtaler«. Der Verein besuchte bereits im August 1946 Festlich­ keiten bei Nachbarvereinen. Mit einem großen Hei­ matabend am 24. August trat der Verein erstmals wie­ der an die Öffentlichkeit. Bevor die Trachtler jedoch in der Wolfratshauser Turnhalle ihren Heimatabend ab­ halten konnten, mußte erst die Halle vom Pferdemist gereinigt werden, da die Amerikaner das Gebäude als Reit- und Pferdestall verwendet hatten. In der damali­ gen Situation waren Improvisationen und Idealismus unabdingbar. In der Not wurden sogar Schuhe aus Hundeleder für die Trachtler gefertigt. Die »Loisachtaler« erlebten nach dem Krieg einen gro­ ßen Aufschwung. Es gab keine kulturellen Tätigkeiten, und der Trachtenverein füllte dieses Vakuum aus. Die Leute wollten wieder lachen und fröhlich sein. Mit den »Drei Dorfheiligen« ging am 5. Januar 1947 zum ersten Mal wieder ein Theaterstück der »Loisachtaler« über

Die neue Fahne im Jahre 1951 mit Fahnenbraut Liselotte Orthofer.


Kleines Gruppenfoto ULI1 1951/52. Links im Bild unser im Jahre 1979 verstorbener Ehrenvorstand Sepp Hoffmann.

Sieger Strohpreisplattl'n v.l.n.r.: Konrad Hofmann, Elisabeth Angermeier, Vor­ stand Hans Strodl, Erika Duna, Robert Guillard

D'Loisachtaler bei einem Trachtenfest in Lindau um 1958.

Erste Amtshandlung des neu gewählten Vorstandes Walter Ebner im Jahre 1980 Hans Strodl wird zum Ehrenvorstand ernannt. Rechts im Bild Konrad Hoffmann Ehrenvorplattler. 97


die Bühne. Zweihundert bis Dreihundert kamen um­ sonst zur Premiere, denn die Vorstellung war bereits vorher völlig ausverkauft.

turn aufrecht erhielten und die Gebirgstracht vor modi­ schen Einflüssen bewahrten. Dem Vorstand Heinz Bartsch gelang es, wieder Schwung in den Verein zu bringen. Unter der neuen, dynamischen Vorstandschaft trat der Verein verstärkt an die Öffentlichkeit, und es wurden neue Mitglieder gewonnen. 1974 feierten die »Loisachtaler« im großen Rahmen das siebzigjährige Gründungsfest. Gleichzei­ tig mit diesem Jubiläum veranstaltete unser Verein ein großes Volksfest für die Wolfratshauser Bevölkerung, das seitdem jedes Jahr abgehalten wird. Ebenfalls im gleichen Jahr wurde zum Gedenken an Ludwig Werner ein Gau-Offenes Preisplatteln ins Leben gerufen, das zweimal wiederholt wurde.

Bei der Gauversammlung 1948 im Bernrieder Hof wollte kein Trachtenverein das Gaufest übernehmen. Nach langem Drängen der Gauvorstandschaft faßten sich die »Loisachtaler« ein Herz und übernahmen die Ausrichtung des 21. Loisachgaufestes. Mitten in die Vorbereitungen platzte die Währungsre­ form und machte alles noch schwieriger. Die Mühen lohnten sich jedoch, das Fest stellte bis auf ein paar Nei­ der alle zufrieden. Der finanzielle Grundstock für eine neue Fahne war damit erneut gelegt. Mit den »Loisach­ talern« ging es stetig bergauf, und es herrschte eine rege Vereinstätigkeit. Am 30. Dezember 1949 wurde anläß­ lich des 45jährigen Bestehens des Vereines ein großer Heimatabend in der Turnhalle Wolfratshausen abge­ halten. Bereits sechs Jahre nach dem Krieg konnte sich der Verein eine neue Fahne leisten. Die Vorbereitungen für die Fahnenweihe begannen: Am 3. Juni 1951 war es dann soweit. Abt Dr. Sigisbert Mitterer vom Kloster Schäftlarn weihte die neue Fahne. Fahnenmutter war Maria Schweiger. Da das Bildmotiv der alten Fahne in so guter Qualität nicht mehr herzustellen war, wurde es auf die neue Fahne übertragen. Der Gebirgstrachten­ erhaltungsverein »Penzberg Stamm 1895« übernahm die Patenschaft für die neue Fahne. Der Aufschwung der »Loisachtaler« dauerte bis etwa 1957 an. Während dieser Jahre wurde an die Tradition des sauberen Plattelns angeknüpft, was dem Verein häufige Erstplazierungen einbrachte. Darüber hinaus wurden auch Volkstanz und Theaterspiel gepflegt. In den sechziger Jahren wandte sich der Zeitgeist gegen die Trachtler. Für die Bevölkerung gab es mehr und mehr Abwechslung. Die Jugend interessierte sich mehr für's Modeme als für alte Bräuche. Um so mehr gilt heute noch Dank und Anerkennung den Trachtlern und ihrem damaligen Vorstand Sepp Hoffmann, die in dieser schwierigen Zeit die Tradition und das Brauch98

Sieger beim Gauwertungsplattl'n 1987 v.1.n.r.: C. Lerch, M. Löffler, M. Weigl, S. Schelle, G. Streicher, M. Holzer, G. Holzer, M. Gröbmair.

Loisachtaler beim Theaterspiel »Der Horoskop-Wastl« v.1.n.r.: Helga Pinegger, Adi Haubenestel, Regina Sveikovsky, Kathi Schatz.

1979 erhielten wir das bereits für 1954 versprochene Gaufest, das wir zusammen mit dem 75jährigen Grün­ dungsfest feierten. Seit 1980 ist Walter Ebner Vorstand des Vereins. Die Hauptaufgabe sah die neugewählte Vorstandschaft darin, Jugendliche für das Brauchtum und die Tracht zu gewinnen. Den Erfolg bestätigt eine gute und aktive Gemeinschaft. Auch die heutige Jugend- und Aktivengruppe knüpft wieder an die Tradition der »Loisachtaler« für stets sau­ beres Platteln an, was die Erstplazierungen bei Gau­ wertungsplatteln zeigen. In der Pflege des Brauchtums erinnerte sich der Verein auch wieder an das Theater­ spiel, das sich seit Jahren regen Zuspruchs erfreut. Die­ sen Gedanken führen wir auch in der Weihnachtszeit fort, in der wir seit Jahren Gesangs- und Musikgruppen aus dem Oberland zum traditionellen Adventssingen einladen. Einen weiteren Höhepunkt in der Vereinsge­ schichte stellte die Fahnenweihe im Jahre 1984 dar. Die von den Franziskanerinnen in Kloster Aiterhofen handgestickte Fahne wurde vom Hw. Herrn Geistli­ chen Rat Dekan Ulrich Wimmer geweiht. Die ehren­ volle Aufgabe der Fahnenmutter wurde Elisabeth Hoffmann zuteil. Als Pate für die Fahnenweihe konnte der Gebirgstrachtenerhaltungsverein »Edelweiß« Bad Tölz gewonnen werden, mit dem Wunsch, die guten Verbindungen wieder aufleben zu lassen.


Feldmesse Gaufest 1979 in Wolfratshausen.

Hochw. Herr Geist!. Rat Dekan Ulrich Wimmer weiht die neue Fahne im Jahre 1984.

D'Loisachtaler beim Isargaufest in München Solln im Jahre 1985

D'Loisachtaler in der Pfarrkirche St. Andreas anläßlich des Jahrtages 1986. 99


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Der Verein zählt heute 160 Mitglieder. Verbunden mit dem Bekenntnis der Liebe zur Heimat und Tracht, und der Aufrechterhaltung christlicher Wertvorstellungen versucht der Verein auch weiterhin seiner Aufgabe ge­ recht zu werden. Seit Gründung wurde der Verein von folgenden Vor­ ständen geführt: Isidor Bischof 1904-1908 Engelbert Fröschl Georg Burger 1908-1909 Hans Raßbichler 1909-1924 Martin Orthofer 1924-1926 Hans Raßbichler 1926-1930 Josef Rank 1930-1934 Hans Raßbichler 1934-1937 Sepp Hoffmann 1937-1946 Hans Strodl 1946-1951 Josef Eichner 1951-1952 Sepp Hoffmann 1952-1959 Ernst Hoffmann 1959-1962 Sepp Hoffmann 1962-1972 Heinz Bartsch 1972-1980 Bettina Krägenow Walter Ebner seit 1980

Ortsansicht Wolfratshausen

Ortsgeschichte von Wolfratshausen

Trachtenstube · des GTEV »D'Loisachtaler« im Hei­ matmuseum in Wolfratshausen. Links oben im Bild Gründungsvorstand Isidor Bischof.

Zwischen Isar und Loisach liegt Wolfratshausen. Im 6. Jahrhundert siedelten sich im Wolfratshauser Raum vor dem Zusammenfluß von Isar und Loisach Bajuwa­ ren an. Bereits anderthalbtausend Jahre davor war die Gegend um Wolfratshausen besiedelt. Nach dem ältesten Volksrecht der Bajuwaren, der Lex Baiuvariorum, war das Land in Gaue geteilt. Die Wolf­ ratshauser Gegend gehörte zum Sundergau oder Süd­ gau. Der Name »Wolveradeshusen« wird erstmals etwa 1000 in einer Urkunde König Heinrich II. erwähnt. Mit

diesem »Wolveradeshusen« ist jedoch nicht das heutige Wolfratshausen, sondern das heutige Dorfen gemeint. Erst 1100 wurde auf einem Hangvorsprung unterhalb von Dorfen die Wolfratshauser Burg errichtet. Etwa 1248 entstand im Tal der Markt Wolfratshausen. 1157 starb das Geschlecht der Wolfratshauser Grafen aus, Burg und Grafschaft fielen an die Grafen von Andechs. Die Andechser lieferten sich während dieser Zeit jahre­ lange Machtkämpfe mit den Wittelsbachern. Im Jahre 1209 zerstörten die Wittelsbacher die Burg und Graf­ schaft. Wolfratshausen war von Anfang an eine Siedlung von Handwerkern. Zu Zeiten, als sich die Herzöge in der 101


Burg aufhielten, benötigten sie Schmiede, Schneider und Schuster. Bis zum 30jährigen Krieg erlebte Wolf­ ratshausen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Im spä­ ten Mittelalter kamen Bierbrauer in den Markt. 1312 erhielten die Wolfratshauser eigene Bürgerrechte. Die Verwaltung und Interessenvertretung der Bürger war der Magistrat, der den Bürgermeister wählte. Der erst­ mals genannte Bürgermeister hieß Andreas Raab. Für Wolfratshausen ist zum ersten Mal 1405 ein eigenes Sie­ gel nachweisbar. Es ist ein einfaches Urwappen mit ei­ nem in einem Schild aufrecht stehenden Wolf mit her­ ausgestreckter roter Zu,nge und roten Krallen. Ein Jahrhundert später lebte ein Wolfratshauser, den alle Bundesbürger zumindest vom Sehen kennen. Es ist Hans Urmiller, dessen Porträt auf dem Fünfzig-Mark­ Schein abgebildet ist. Der Magistrat besaß außer dem Markt- und Zollrecht auch das Recht der Erhebung einer Getränkesteuer auf Bier, Wein, Met und Branntwein. 1630 konnten die vier ansässigen Weinwirte 6300 ltr. Wein verkaufen. In diesem Jahr zählte man elf Bierbrauer. Kein anderes Ereignis in der Geschichte hat sich so ver­ heerend für die Bürger ausgewirkt wie der Dreißigjäh­ rige Krieg. Hohe Kriegssteuern, der Einfall der Schwe­ den und die Einquartierung der Kaiserlich-Bayerischen Truppen brachte großes Unheil über die Oberländer.

September 1786 unter falschem Namen in Wolfratshau­ sen Halt machte. Der Spanische Erbfolgekrieg brachte viel Unheil über die Isarstädter. Die Bürger mußten Geld und Ausrü­ stung bereitstellen. Es gelang den Oberländern jedoch, ihre Heimat vor einem Einfall der Tiroler zu verteidi­ gen. 1734 wurde die Burg völlig zerstört. Bei einem Gewit­ ter im April schlug der Blitz in die mit Munition ange­ füllte Burganlage und 350 Zentner Pulver explodier­ ten. 1740 drohte der Österreichische Erbfolgekrieg. Nach einigen Kriegsjahren fielen die Österreicher, Kroaten und Panduren im Oberland ein. Der Besuch des be­ rüchtigten Pandurenoberst Freiherr von Trenck, der von den Wolfratshausern hohe Geldsummen heraus­ preßte, blieb den Oberländern nicht erspart. Eines der wichtigsten Gewerbe neben der Flößerei war die Brauerei. Die Wirte der Umgebung bezogen das Hopfengetränk von den Wolfratshauser Bierbrauern. Wohl kaum ein anderer Erwerbszweig hat das wirt­ schaftliche Leben des Marktes Wolfratshausen so ge­ prägt wie die Flößerei. Der Floßtransport war ein sehr einträgliches Geschäft und die Zahl der Flößer, die Bau- und Brennmaterialien auf der Isar und Loisach fuhren, stieg an.

Im September 1634 raffte die Pest große Teile der Be­ völkerung dahin. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wachten die ansässigen Meister streng über ihr Ge­ werbe: Nur Personen aus dem Umland, die ein Hand­ werk erlernt hatten und genug Vermögen besaßen, um sich ein Haus bauen oder kaufen zu können, wurden in den Markt aufgenommen. 1611 entstand unter der Leitung des Maurermeisters Georg Hamerl die Nantweiner Kirche. 1620 wurde die Pfarrkirche gebaut. Die Lage Wolfratshausens an der Verbindungsstraße nach Tirol bescherte dem Städtchen zwischen Isar und Loisach einige bekannte Gäste, darunter auch der großherzoglich-weimarische Staatsminister und Ge­ heime Rat Johann Wolfgang von Goethe, der am 7.

Auf dem Landwege konnte die kupferne Braupfanne nicht transportiert werden. Floßmeister Seb. Geiger und die Flößer M. Geiger, Fischhaber und Seitner trans­ portierten die Braupfanne mit 6 m Durchmesser im Jahre 1904 per Floß von Wolf­ ratshausen nach Wien zur Weltausstellung.

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Nach dem Dreißigjährigen Krieg war der Höhepunkt der Flößerei langsam vorbei. Später lieferten Wolfrats­ hauser Flößer Materialien zum Bau des Münchner Opernhauses und der Theatinerkirche. Um 1800 gab es sieben Floßmeister, 26 Flößer und 78 Floßknechte. Nach einem Rückgang der Flößerei im 19. Jahrhundert kam ein neuer Aufschwung. Von den Floßmeistern wurde als letzter Michael Plonner 1940 mit 80 Jahren beerdigt. Seit den Dreißiger Jahren fah­ ren an den Wochenenden Flöße mit Ausflüglern und Touristen die Isar und Loisach hinunter. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte für die Wolfratshauser politische Stabilität und wirtschaftli­ chen Aufschwung auf Grund der zunehmenden Gewer­ befreiheit. Um die Jahrhundertwende regte sich ein fortschrittliches Leben im Markt. Im Jahre 1904 wurde der Gebirgstrachtenerhaltungs­ verein »D'Loisachtaler« Wolfratshausen gegründet. Der erste Weltkrieg forderte in Wolfratshausen 85 Tote und 65 Kriegsbeschädigte. Nach 1945 waren 160 Bürger gefallen oder vermißt. Am 2. Dezember 1961 wurde der Ort Wolfratshausen zur Stadt erhoben. Damit endete die siebenhundertjäh­ rige Geschichte des alten Marktes Wolfratshausen. Quellennachweis: »Chronik der Stadt Wolfratshau­ sen«, Quirin Beer; Bettina Krägenow


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »D'Werdenfelser 1906« München e.V.

Im Jahre 1898 wurde in München der GTEV »D'Wer­ denfelser« gegründet. Durch Abspaltung aus diesem Verein entstand dann der Volkstrachtenverein »D'Werdenfelser«. Es war der 24. Februar 1906, als sich in der »Neuen Schwabinger Bierhalle « , in der Apianstr. 7, neun Trachtler versammelten und den Volkstrachtenverein »D'Werdenfelser« gründeten. Die ersten Mitglieder des Vereines, welche beschlossen hatten die Werden­ felser Tracht zu tragen, waren: Anton Froschmayer (Gründungsvorstand der Werdenfelser), Toni Goth, Hans Kahn, Andreas Kees, Hani Koser (der eigentlich Hans Ostler hieß), Hans Mayer, Edi Resch, Hans Ruk­ ker und Sepp Weichsberger. Die erste Teilnahme an einer Festlichkeit - als neuge­ gründeter Verein-war als Zug Nr. 12 beim Gaufest des Bayerischen Inngauverbandes, am 5. August 1906, in Rosenheim. In der Bayerischen Gebirgs- und Volks­ trachtenzeitung vom 24. August 1906 stand unter der Rubrik »neue Vereine «: Unter diesen noch genannt sei: Volkstrachtenverein »D'Werdenfelser« und er­ freut sich derselbe in der kurzen Zeit seines Bestehens einer hübschen Mitgliederzahl. Vereinslokal neue Schwabinger Bierhalle, Apianstraße 7. Geben zugleich bekannt, daß wir außer dem obigen Namen keinen wei­ teren (wie I usw.) führen und bitten bei Zuschriften ge­ nau auf obige Adresse zu achten. « Dieser Hinweis war ganz offensichtlich deswegen er­ folgt, weil sich der zuerst gegründete Verein ab dem Jahr 1906 »Werdenfelser Stamm« nannte. Ihr Grün­ dungsfest, verbunden mit Kirtatanz, hielten die »Wer­ denfelser« am 21. Oktober 1906 im Occamhof - in Schwabing-ab. Teilnehmende Vereine waren: die Ge­ birgstrachtenerhaltungsvereine »Bayrischzeller«, »Lu­ stige Isartaler«, »Hohenwaldecker«, »Höllentaler« , »Ettaler Mandl«, und»Fockastoaner« , sowie»Christli­ cher Holzarbeiterverband « und »Kraftsportschule Sendling «.

Zum Essen gab es Kirtanudeln und dazu den unver­ meidlichen Enzian. In der Generalversammlung vom 30. Dezember 1906 gab Froschmayer einen kurzen Rückblick des Vereins­ geschehens und gab bekannt, daß sich die Mitglieder­ zahl von 9 auf 31 erhöht hat. Sie bestand aus: »15 Ak­ tive, 5 Passive und 11 Weibliche, Aktive und Weibliche natürlich streng in der Tracht«. Am 2. Dezember 1906 feierten die»Werdenfelser « ihre erste Christbaumfeier im Vereinslokal »Schwabinger Bierhalle«. Nachmittags um 4.00 Uhr eröffnete die Vereinskapelle die Veranstaltung mit einem Marsch; um 5.00 Uhr mußte der Herbergsvater (Forster Maxi) bereits Tische und Stühle zu leihen nehmen. Die Leute saßen im Gastzimmer, Nebenzimmer, Vereinslokal und - zum Leidwesen der Wirtin-auch teilweise in der Küche. Im Programm waren: Vorträge und Plattler, so­ wie Glückshafen und Christbaumversteigerung. Been­ det wurde die Veranstaltung, als um 3 Uhr früh »der Mann des Gesetzes kam und mit Donnerstimme -»Po­ lizeistunde! « -brüllte. So endete das erste Vereinsjahr der»Werdenfelser«.

Am 26. Februar 1907 fand im Lokal des GTEV »Neu­ Edelweiß « (Lueg ins Land, München) eine Delegier­ tensitzung der»Vereinigung der Gebirgstrachtenerhal­ tungsvereine München und Umgebung« statt, bei der 17 Delegierte von den Vereinen: »Neu-Edelweiß « , »Loisachtaler«, »D'Neubeurer « , »Goaserbuam«, »Miesbach-Kurz«, »D'Schlierachtaler« , »Lustige Wen­ delstoaner « , »Bayrischzeller « , »Almrausch 1 « und »Volkstrachtenverein D'Werdenfelser« anwesend wa­ ren; letztere ersuchten um Aufnahme in diese Münch­ ner Vereinigung, sie wurde einstimmig beschlossen. An der weltlichen Fahnenweihe des GTEV»Isartaler« Grünwald, am Sonntag, dem 5. Mai 1907, beteiligten sich insgesamt 44 Vereine mit ihren Fahnen, bzw. Stan­ darten. Vertreten waren auch: »Werdenfelser Stamm«

mit Fahne und Volkstrachtenverein »D'Werdenfelser « mit Standarte. Wenige Wochen nach dieser Festlichkeit, am 15. Juni 1907, wurde in einer außerordentlichen Generalver­ sammlung u. a. beschlossen, daß die Werdenfelser zur Fahnenweihe des Mittenwalder Ortsvereines am 16. Juni 1907, also am darauffolgenden Tag, zum ersten Mal mit ihrer neuen Fahne ausrücken. Also kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, daß die »Wer­ denfelser« keinen Patenverein hatten und die Fahne seinerzeit auch nicht geweiht wurde, sondern lediglich eine interne Fahnenenthüllungsfeier stattgefunden hatte. Dies wird erst verständlich, wenn man in den Schriften aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts blät­ tert und feststellt, mit welcher Beharrlichkeit sich da­ mals viele Pfarrer-und deren Obrigkeiten-weigerten, Fahnen von Trachtenvereinen zu weihen. Auszug aus: Bayerische Gebirgs- und Volkstrachtenzeitung Nr. 135, Jahrgang 1907: »Unser Kampf mit der Kirche in der Fahnenweihe hat bisher schlechte Aussicht auf Er­ folg und spricht namentlich die kürzliche Unterredung beim Erzbischöflichen Ordinariat-auf welche wir noch zurückkommen werden - für ein Mißlingen in Wahr­ nehmung unserer kirchlichen Rechte. Gegenwärtig sieht die Sache noch so aus, als wenn wir uns zu entschließen hätten: entweder die kurze Hose oder die Kirche aufzugeben! Wir wollen beides behal­ ten und sind daher gezwungen, den Kampf fortzuset­ zen, zudem wir nicht einsehen, daß wir den nackten Knien wegen nicht in die Kirche gehen dürfen. Die nackten Wilden sucht man der Kirche zuzuführen und uns schließt man davon wieder aus. Schließlich noch die kurze Mitteilung, daß den Veteranen, Schützen und der Feuerwehr nach Aussprache des Hochw. Herrn Generalvikars die Fahnen geweiht werden. Wir fragen nur, um wieviel mehr als die Trachtenvereine diese Korporationen mit dem christlichen Leben in Verbin­ dung stehende Handlungen aufweisen? Aber, darum handelt es sich nicht, es handelt sich einfach um die kurze Hose!« Es ging halt nicht immer alles so wie es sollte. Und es

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war auch durchaus nichts Neues, als der Verein im Jahre 1979 einen Vorstand, der sein Amt niederlegen mußte, aus dem Verein ausschloß, denn schon in einer außerordentlichen Generalversammlung, am 27. Juni 1907, wurden 5 Mitglieder aus dem Verein ausgeschlos­ sen. Am 6. September 1907 stand sogar folgendes in der Volkstrachtenzeitung: München: »Wir warnen die Brudervereine vor Aufnahme des weiblichen Mitglie­ des Theres Wimmer, welche mit noch einigen aus unse­ rem Verein treten mußte. Zu weiteren Aufschlüssen sind wir gerne bereit. V.TR.V. »D'Werdenfelser«. Erfreulich dagegen war, daß in derselben Zeitungsaus­ gabe bekanntgegeben wurde, daß der Fähnrich und Schriftführer der »Werdenfelser«, Hans Ostler (ge­ nannt Koser) aus Garmisch am 28. September1907 die Walburga Gritscheneder aus Murnau geheiratet hat. Auch sie war Mitglied der Münchner »Werdenfelser«. Aber auch durch einen Streik war der Verein einmal in Mitleidenschaft gezogen worden, nämlich als er sein er-

Gruppenbild mit Fahne etwa 1908 104

stes Stiftungsfest am Samstag, den 12. Oktober 1907, in der Schwabinger Brauerei feierte. Das Fest fiel »un­ glücklicherweise in die Proklamation des Bierstreikes wegen Erhöhung des Bierpreises, sodaß namentlich die Anhänger des Vereines aus den Rahtgeber'schen und den Maffei'schen Fabriken fernblieben, was für die »Werdenfelser« ein empfindlicher Schlag war, der sich schon am Tage vorher durch abreißen ihrer Plakate be­ merkbar machte«. Zum guten Abschluß wurde das Fest trotzdem ge­ bracht, da von den Vereinen »Miesbacher-Kurz«, »Bayrischzeller«, »D'Fockastoana«, »Lustige Isarta­ ler«, »D'Untersbergler« und »D'Neubeurer« zahlrei­ che Mitglieder erschienen waren. überhaupt waren unsere Vereinsgründer und die Mit­ glieder der ersten Jahre sehr veranstaltungsfreudig; denn bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges hielten sie alle Jahre wiederkehrende Feste im großen Rahmen ab. So z. B. Faschingsbälle, Stiftungsfeste, Kirtatanz und Christbaumfeiern.

Nach dem Ersten Weltkrieg ersuchten die »Werdenfel­ ser« um die Aufnahme in den neu gegründeten Loi­ sachgau; sie erfolgte am 1. Februar 1920. Nachdem der Verein am 26. Juli 1921 sein 15. Stiftungs­ fest im Salvatorkeller gefeiert hatte, war er im An­ schluß daran, nämlich am 6. August 1922, Veranstalter des 3. Loisachgaufestes, welches in Tutzing abgehalten wurde. Das 7. Loisachgaufest hielten »D'Isartaler Stamm« am 1. August 1926 in Thalkirchen ab, es war verbunden mit der Weihe einer neuen Fahne; »D'Werdenfelser« hat­ ten die Patenschaft übernommen. Ihren 20. »Geburtstag« begingen die Werdenfelser am 26. September 1926 im Augustinerkeller. Am 1. und 2. August 1931 feierten »D'Isartaler Stamm« (Vorstand: Schäffler Wastl) und »D'Werden­ felser 06« (Vorstand: Daigfuß Oskar) erstmals gemein­ sam ihr 20. bzw. 25. Gründungsfest mit Heimatabend und Festzug in Thalkirchen.

»D'Werdenfelser« beim 7. Loisachgaufest 1926 mit Fahnenweihe des GTEV »D'Isartaler Stamm« in Thalkirchen.


Gruppenbild mit Fahne 1933/34

Gruppenbild mit Fahne 1955

Gruppenbild (nicht vollzählig) »Werdenfelser« und »Würmseer Stamm« Diemen­ dorf mit beiden Fahnen (1955)

»D'Werdenfelser« Deandln beim 75. Stiftungsfest 1981, davor kniend der 2. Vor­ stand Stuckenberger 105


Fünf Jahre später, am 8. und 9. August 1936, begingen die beiden Vereine nochmals ihr 25. bzw. 30. Stiftungs­ fest gemeinsam. Dann waren die »Werdenfelser« zum zweiten Mal und zwar am 3. Juli 1938 Ausrichter des Loisachgaufestes, welches diesmal in Pullach abgehalten wurde. Nun kam die Zeit ohne »Plattlerproben« und ohne »Vereinsabende«; man nannte die Zusammenkünfte »Kameradschaftsabende«; begrüßt wurde auch nicht mehr mit unserem Hoamatgruß, sondern mit dem »Deutschen Gruß«, und es wurden an den Abenden auch eingegangene Feldpostbriefe verlesen. Der letzte Eintrag im Protokollbuch unseres Patenkindes »D'Isar­ taler Stamm« war vom 3. Oktober 1942. Im Februar 1945 traf eine Bombe das Haus Georgen­ straße 63 - die Wohnung des Vorstandes Alois Stein­ bauer - und richtete großen Schaden an. »Was is mit unserer Fahna?« waren die ersten Worte Steinbauers an seine Frau, als er nach Hause kam. »D'Fahna hab I rausbracht, aber sonst nix«. Die Fahnen der »Werden­ felser« und »Falkenstoana Stamm« waren nämlich im Keller dieses Hauses untergebracht. Unter großer Ge­ fahr hatte unsere Steinbauer Theres die Fahnen aus dem Schutt gebuddelt; anderes Vereinsinventar, insbe­ sondere die schriftlichen Aufzeichnungen und Proto­ kolle, war verloren gegangen. Erst 1948 trafen sich die »Werdenfelser« wieder zu ih­ ren wöchentlichen Vereinsabenden und Plattlerpro­ ben. Nachdem sich der GTEV »Werdenfelser Stamm« in den ersten Kriegsjahren aufgelöst hatte und nicht mehr weitergeführt wurde, nahm der als Volkstrach­ tenverein »D'Werdenfelser« gegründete Verein nun den »Gebirgstrachtenerhaltungsverein« Zusatz (GTEV) an. Bis zu seinem 50. Gründungsfest, das im Juni 1956 in der Max-Emanuel-Brauerei abgehalten wurde, hatte der Verein eine Mitgliederstärke von 53 aktiven und passiven Trachtlern. Zu diesem Zeitpunkt wurde beschlossen, die schon stark in Mitleidenschaft gezogene Vereinsfahne renovieren zu lassen. Es wurden sogenannte »Bausteine zur Erneuerung der Vereinsfahne« gedruckt, welche dann um je DM 1,-an Mitglieder und Gönner verkauft wurden.

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Geweiht wurde die Fahne dann am 11. Mai 1958. In Verbindung mit dem Gaufest hielten die »Werdenfel­ ser« im Jahre 1966 ihr 60. Stiftungsfest im Bavariakeller auf der Theresienhöhe ab. Am 29. Juli 1973 waren die »Werdenfelser« Pate bei der Fahnenweihe des GTEV »Würmseer Stamm« Die­ mendorf. 1976 feierte der Verein im Münchner Norden, am Ha­ senberg!, sein 70. Stiftungsfest. Das 75. Gründungsfest feierten die »Werdenfelser« wieder zusammen mit den »Isartalern«, welche 70 Jahre alt wurden, im Münchener Augustiner Keller. Bei dem stattfindenden Heimatabend konnte der 1. Vorstand H. Altmann u. a. den Schirmherrn dieser »Doppelveranstaltung«, Oberbürgermeister Erich Kies!, Stadtrat Rudi Hier! und den Gauvorstand des Loisachgaues, Sepp Mayer, begrüßen. Nach diesem Fest wurde vom Verein der Beschluß ge­ faßt, die nun bereits 74 Jahre alte Fahne bis zum 80. Ju­ biläum der Werdenfelser in »Pension« zu schicken und eine neue Fahne sticken zu lassen. Sie sollte auf einer Seite ein heraldisch richtiggestelltes Werdenfelser Wappen und auf der anderen Seite eine Stadtansicht von München tragen. Am 3. August 1985 fuhren Vorstandschaft und »Mann­ schaft« der Werdenfelser nach Höhenrain zu den »Lüß­ bachtalern« zum Patenbitten, welche sich auch, nach einigen von der Werdenfelser-Vorstandschaft abgeleg­ ten »Prüfungen«, bereit erklärten, die Patenschaft bei unserer Fahnenweihe zu übernehmen. Im Festzelt auf dem Münchner Königsplatz konnte der Verein dann am 7. und 8. Juni 1986 sein 80. Stiftungs­ fest mit Fahnenweihe begehen. Am Samstag, dem 7. Juni, fand ein Heimatabend statt und am Sonntag dann in der Theatinerkirche die Weihe der Fahne, anschließend Kranzniederlegung am Grab­ mal des unbekannten Soldaten und der darauffolgende Festzug, an dem sich 29 Vereine beteiligten. Als Fest­ gäste an den beiden Tagen konnte Vorstand Horst Alt­ mann begrüßen: den Schirmherrn der Veranstaltung, Oberbürgermeister Georg Kronawitter, seine kgl. Ho­ heit Prinz Wolfgang von Bayern, den Amtschef der

»Werdenfelser« Fahne von 1907 - 1986. Bayer. Staatskanzlei, Herrn Ministerialdirektor Dr. Rainer Keßler, Herrn geistl. Rat Hausladen, die Stadt­ räte Rudi Hierl und Gerhard Bletschacher, Bezirksaus­ schußvorsitzender Rudi Altmann, Gauehrenvorstand Franz Sappl und Gauvorstand Sepp Mayer mit Mitglie­ dern des Gauausschusses vom Loisachgau und dem 2. Gauvorstand des Isargaues, Herbert Reich. Wie bei vielen anderen Vereinen gab es auch bei den Werdenfelsern ein »Auf« und ein »Ab«; denn gerade in den 60er und 70er Jahren verstarben viele unserer »al­ ten« Werdenfelser Trachtler. Ab 1978 ist der Verein wieder in einen »Aufwind« geraten; er erholte sich von damals knapp 40 Mitgliedern auf die seit Jahrzehnten größte Vereinsstärke von 66 »Werdenfelsern«, besitzt nun 2 Fahnen, hat eine Stubnmusi, ist bestrebt »Sitt' und Tracht der Alten zu erhalten«, ist ein gemeinnützig anerkannter, eingetragener Verein und führt den Na­ men GTEV »D'Werdenfelser 1906« e. V. Die Vorstände der »Werdenfelser« seit der Vereins­ gründung: Anton Froschmayer (Gründungsvorstand), Andreas Kees, Hans Mayer, Girgl Staudinger, Oskar Daigfuß, Martl Stießberger, Alois Haunstätter, Alfons Nufer, Georg Zick, Georg Pinsmeier, Alois Stein­ bauer, Anderl Schwarz, Rasso Herzog, Ambras Lan­ kes, Adolf Stuckenberger, Horst Altmann und seit Ok­ tober 1987 Werner Altmann.


Heimatabend am 7.6.86, Oberbürgermeister Georg Kronawitter mit den » Werden­ felsern«, rechts Vorstand Altmann.

Fahnenweihe in der Münchner Theatinerkirche (St. Kajetan) am 8. 6. 1986

Fahnenweihe - Kranzniederlegung am Grabmal des unbekannten Soldaten, v.l.n.r. Stadtrat Gerhard Bletschacher, 1. Vorstand Horst Altmann, kgl. Hoheit Prinz Wolfgang von Bayern und Stadtrat Rudi Hierl.

Aufstellung beim Festzug mit der neuen Fahne, v. 1. n. r. Fahnenbraut Sabine Burg­ hardt, Fähnrich Reinhold Anzinger, Fahnenmutter Marianne Altmann, links und rechts die Stadträte. 107


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Ortsgeschichte von Schwabing Die »Werdenfelser« waren ursprünglich ein »Schwa­ binger« Verein, welcher von seiner Gründung im Jahre 1906 an über sieben Jahrzehnte auch in diesem Stadtteil ansässig war und der erst im Jahre 1978, als in diesem nördlichen Münchener Stadtviertel kein Platz mehr für ihn war, nach Westen, nach Sendling, zog. Da nun in der Schule schon gelernt wird, wie, wann und unter welchen Umständen unsere Landeshauptstadt gegründet wurde, ist es vielleicht angebracht, etwas über unseren »Gründungsvorort« als Einleitung zu un­ serer Vereinschronik zu erzählen. Schon bevor München von Heinrich dem Löwen 1158 als Markt gegründet wurde und schon bevor »Muni­ che« (Mönche) auf der Niederterrasse des linken Isar­ ufers Fuß gefaßt hatten, war in aller Stille und Länd­ lichkeit »Schwabing« bereits eine historisch-geografi­ sche und kulturelle Angelegenheit und Gegebenheit. Etwa um 520 n. Chr. wird es erstmals erwähnt durch die Niederlassung eines »Swapo« mit seiner Sippe, womit der Grund gelegt ist zu »Swapinga«. Die älteste schrift­ liche Erwähnung stammt aus dem Jahr 782 n. Chr.; es ist die »Schwabinger Pergament-Urkunde« eines Edel­ freien namens Alpolt, die auch- zusammen mit Send­ ling-die geschichtliche Nachweisbarkeit von anderen»ing«- Ortschaften bezeugt. Die vorliegende Urkunde besagt, daß zwei Grundher­ ren, Alpolt und Huasuni, ihren ganzen Erbbesitz an ei­ nem Ort namens Schwabing und an einem anderen na­ mens Sendling dem Kloster Schäftlarn zur Erlangung des ewigen Lebens schenkten. Der letzte große Agilo­ finger Tassilo III. ließ diese Schenkung beurkunden, und sein Sohn Theodo bestätigte sie. Es war dies 30 Jahre nach dem Ende der Merowinger­ herrschaft (752) und 18 Jahre vor der Erneuerung des abendländischen Kaisertums (800) zur Zeit der Ober­ herrschaft des Frankenkönigs »Karl des Großen«. In den folgenden Jahrhunderten ist von einem Burgan­ wesen und später von einem Schloßgut und von einem Schwabinger Adelsgeschlecht die Rede, sowie von den

München mit Theatinerkirche und Frauendom. guten Beziehungen zum Kloster Schäftlarn, welches anno 1313 Besitz in Schwabing hatte und zwar: 1 Hof, 2 Huben, 3 Söldner und 1 Mühle. Aufgrund der engen Beziehungen ist es verständlich, daß die zwei letzten nachweisbaren Angehörigen des Schwabinger Adelsgeschlechtes, nämlich Fridericus und Chunrados, Klösterpröbste zu Schäftlarn waren. Mit dem Erlöschen des Schwabinger Adelsgeschlechtes im Mannesstamm (nach 1300), gelangte das ländliche Burganwesen an die Münchener Patrizierfamilie Gal­ lier. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, als die Gollier ausstarben, zog Ludwig der Bayer das Gut als Heimfall ein. Nachdem der Kaiser ein »ökonomiean­ teil« abgetrennt hatte, erhielt das Restgut das Ritter­ stift Ettal. Seit 1315 ist eine Kirche in Schwabing urkundlich be­ zeugt. Ab 1450 ist dann kein Schloßgut mehr erwähnt,

nur ein »Purkstal«, den mehrere Münchener Patrizier im Besitz hatten. 1468 gibt eine Güterbeschreibung Auskunft über die Größe Schwabings: 1 Ganzhof, 2 Halbhöfe und 14 Söldengütl. 1663 waren es dann 2 Ganzhöfe, 3 Halbhöfe, 6 Achtelhöfe, 8 Söldengütl und 19 Leerhäuser. (Die Größe eines Ganzhofes schwankt zwischen 110 und 180 Tagwerk und 30 bis 60 Stück Großvieh). Im Jahre 1820 hatte Schwabing 703 Ein­ wohner in 91 Häusern; es wurde größer. Geschäfte und Industrie ließen sich nieder, Schulen wurden gebaut. 1837 gab es z.B. am Eisbach in der Hirschau einen »Ei­ senhammer«, aus dem in späteren Jahren die Lokomo­ tivfabrik Maffei hervorging. Um die Mitte des 19. Jahr­ hunderts geriet das kleine Bauerndorf Schwabing in den Einflußbereich der Residenzstadt München; vor allem durch die Nähe der Universität und der Akade­ mie der bildenden Künste. Viele Studenten und Künst­ ler erwählten es als Wohn- und Arbeitsstätte. 109


1850 wohnten 1.500 Bürger in Schwabing, 1865 gab es bereits 3.000 Einwohner in 290 Häusern, und im Jahre 1880 waren in Schwabing schon 6.350 Einwohner in 670 Häusern ansässig. 1883 probiert man in der Sieges­ straße zum ersten Mal elektrisches Licht aus, und 1887 wurde Schwabing zur mittelbaren Stadt erklärt, aber bereits zum Jahreswechsel 1890/91 (es hatte bereits 12.000 Einwohner) als »Münchens schönste Tochter« der Residenzstadt eingemeindet. Wie es im Jahre 1906, dem Gründungsjahr der »Wer­ denfelser«, in München aussah, geht aus der Anspra­ che von Herrn Oberbürgermeister Kronawitter hervor, die er anläßlich der Fahnenweihe und des 80. Grün­ dungsfestes der »Werdenfelser«, am 7. Juni 1986, im Festzelt auf dem Münchener Königsplatz gehalten hat: »Damals im Jahr 1906 zählte München gerade 545.000 Einwohner, die Arbeiter der Stadt erhielten erstmals sechs Tage Urlaub, die Lokomotivenfabrik Maffei baute die seinerzeit schnellste Dampflokomotive der Welt; sie erreichte bereits 155 Stundenkilometer. 1906 fuhr auch das erste Auto in München und raste mit ei­ nem Tempo von sage und schreibe 10 Stundenkilome­ tern durch die Stadt, und Ludwig Thoma mußte wegen »Beleidigung von Vertretern der Sittlichkeitsvereine« sechs Wochen Haft in Stadelheim absitzen«. Schwabing war zur Zeit der Vereinsgründung das be­ kannte Münchener Künstlerviertel geworden. Trotz­ dem gab es aber noch-sogar in unmittelbarer Nähe des Gründungslokales - Wiesen und Felder; es gab noch Gaslaternenromantik. Nun ist alles verbaut, die Vor­ stadtruhe mußte dem Großstadtrummel weichen. Ehe­ malige Künstlerkneipen wurden Nepp-Lokale. Schwabing wurde eng; so wurde auch in den 60er Jah­ ren das Gründungslokal der »Werdenfelser« ein »Künstlertreff«, und der Verein mußte in ein anderes Lokal in der Nachbarschaft »ziehen«, bis er dann 1978 in Sendling - dem mit Schwabing gleichalten Vorort ein neues Zuhause fand. Verfasser: Horst Altmann

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Die neue Vereinsfahne des GTEV »D'Werdenfelser« e.V. München Um eine sichtbare Verbindung von unserer Tracht zu München herzustellen wurde vom Verein beschlossen, daß in eine Seite der neuen Fahne ein Stadtmotiv einge­ stickt wird. So trägt die linke Fahnenseite die Namen des Vereines und unserer Stadt. Die eingestickte Stadt­ ansicht zeigt von links nach rechts: Alter Peter, Frauen­ Kirche, neues Rathaus, Heiliggeistkirche, und altes Rathaus. Die vier kleinen Wappen in den Ecken der Fahne weisen auf die Zugehörigkeit zu Stadt und Land hin; links oben das Münchner Kindl, rechts oben der Bayerische Löwe im Wappen des Regierungsbezirkes Oberbayern, links unten die gemuteten Stadtfarben schwarz und gelb und rechts unten das weiß-blaue bayerische Rautenwappen. Auf der rechten Fahnenseite wird das Werdenfelser Vereinswappen geführt. In der Wappenmitte weist das weiß-blau gemutete Herzschild, zusammen mit dem Bayerischen Löwen (Gold auf rotem Grund) in Feld 1, auf die Landeszugehörigkeit, da das Werdenfelser

Land seit dem Jahre 1802 zu Bayern gehört. Feld 2 zeigt auf weißem Grund den schwarzen Halbadler derer von Eschenlohe, welche die Grafschaft Werdenfels im Jahre 1294 an Bischof Enicho von Freising verkauften. Feld 3 weist auf freisingischen Besitz hin; es zeigt auf weißem Grund den hl. Korbinian, der fälschlicherweise als Mohr dargestellt wird und von den Bischöfen von Freising seit Anfang des 14. Jahrhunderts in deren Wappen und auf Fahnen geführt wird. Feld 4 zeigt auf rotem Grund einen goldenen Bischofsstab, gekreuzt mit einem goldenen Schwert; dies versinnbildlicht die Verwaltung des Landes durch Pfleger (meist adliger Abstammung, die auch ihre eigenen Wappen führten) unter kirchlicher Oberherrschaft. Ebenso deutet die Wappenzier von Turnierhelm und Mitra auf weltliche Verwaltung und bischöflichen Besitz hin. Links unten und rechts oben sind in die Fahne noch­ mals zwei Bilder in kleine Wappen eingestickt: die Bur­ gruine Werdenfels und der hl. Antonius. Diagonal in den noch freien Ecken sind, zur Verschönerung der Fahne, geschützte Alpenpflanzen dargestellt.


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » Isarlust« Irschenhausen Wenn wir alles über unseren Verein seit seiner Grün­ dung berichten wollten, könnten wir gleich die zwei Chronikbücher abdrucken lassen, aber um es kürzer zu machen, beschränken wir uns auf die nach unserer Mei­ nung wichtigsten Ereignisse. 25 Jahre nach der Gründung des ersten Trachtenver­ eins durch Herrn Vogl haben sich am 8. März 1908 ein paar Burschen aus Irschenhausen, Ebenhausen und Zell zusammengefunden, um unter der Leitung von Herrn Fuchs das Platteln zu erlernen. Es machte ihnen viel Freude und sie beschlossen, einen Trachtenverein zu gründen. Am 20. April hielt man bereits die erste Wahl ab. Die Gründungsmitglieder wählten damals als 1. Vorstand Andreas Hasler 2. Vorstand Johann Stocker 1. Schriftführer Josef Pauli 1. Kassier Alois Gebhard 1. Vorplattler Hans Wach Statuten und Name des Vereins wurden darauf be­ schlossen. Der Name »Isarlust« wurde einstimmig ge­ wählt. Alle acht Tage wurden Proben gehalten, die sehr gut besucht waren. Es war Mitte Juni, da wurde bekannt, daß in Deisenho­ fen ein Volksfest mit Preisschuhplatteln stattfindet. Sechs unserer Leute fuhren hinüber und erhielten den 4. Preis, einen Humpen. Die erste offizielle Einladung bekam unser frischge­ backener Verein für die Fahnenweihe am 19. Juli 1908 zum GTEV »lustige Staffelseer« Uffing. Bei Sauwetter ging es zuerst zu Fuß bis nach Starnberg und von dort dann weiter mit der Eisenbahn. Am Festort angekom­ men wurde nach einigem Warten auf Besserung trotz des schlechten Wetters die Fahnenweihe abgehalten. Beim Zurückfahren wurmte es unseren Trachtlern schon etwas, die auf den Weitpreis gehofft hatten, den aber nicht sie bekamen, sondern ein Verein aus Rosen­ heim.

Am 13. Dezember 1908 fand die erste Generalver­ sammlung statt. Bei den abgehaltenen Wahlen wurde die Vorstandschaft der Gründungsversammlung bis auf zwei Ausnahmen bestätigt. Mit einem 3fach »G'sund san ma« schloß die Versammlung. Die erste Standarte, die die Firma Auer aus München sehr schön ausführte, erhielt der Trachtenverein am 6. Juni 1909. Als erste Ehrenmitglieder des Vereins verzeichnet der damalige Schriftführer Pauli Herrn und Fräulein De­ miani aus Irschenhausen. Sie luden den Verein zu ihren Gartenfesten und besuchten ihrerseits die Vereinsver­ sammlungen und -feste. Sie wurden durch ihre Unter­ stützung zu großen Gönnern des Vereins. Ab September 1909 wurde vom Lokal Dittmar in Zell in unser jetziges Vereinslokal »Rittergütl« übergewech­ selt. Seither beendete man auch die Versammlungen nicht mehr mit dem Ausruf »Gsund san ma« sondern mit dem Spruch »Treu dem alten Brauch«. 1910 beteiligte sich unser Verein an einer Floßfahrt von Schäftlarn bis Thalkirchen. Der Chronist schreibt, daß es die ganze Zeit regnete, sodaß sie gleich bis nach Thalkirchen hätten schwimmen können, so tropfnaß seien sie gewesen. Es war für die damaligen Verhältnisse eine Sensation, als zur Fahnenweihe am 24. Juni 1911 nach Niklasreuth & Wörnsmühl sechs Mitglieder unseres Trachtenver­ eins per Automobil unterwegs waren. Dieses Ereignis wurde auf einem Foto festgehalten. Da mit der bis dahin sehr individuellen Kopfbedeckung nicht mehr viel Staat zu machen war, beschloß man im Jahre 1912, sich neue einheitliche Hüte zuzulegen. Am 15. Juli 1913 feierte unser Verein im Vereinslokal sein 5. Stiftungsfest verbunden mit Glückshafen, Kon­ zert, Tanz und Tabakspfeiflaufen. Unter den vielen Gästen waren auch die Wolfratshauser Trachtenver­ eine, Wendlstoana und Loisachtaler anwesend.

Hans Stocker bei der Gründung 2. Vorstand. Ab 19191940 1. Vorstand. Ebenfalls 1913 am 16. Juli beteiligte sich unser Verein mit 18 Mitgliedern am Gaufest (Oberländer Gau, Gau­ verband Miesbach) in Penzberg. Seit der Gründung herrschte im Verein bis 1914 ein re­ ges Vereinsleben. Im Winter gab es Schlittenfahrten, die Franz Angermüller aus Zell organisierte. Im Som­ mer wurden Gartenfeste und Bälle veranstaltet. Es wurden meist befreundete Vereine eingeladen. Unsere Vereinsmitglieder hatten ein sehr ausgeprägtes »Sitz­ fleisch«, sodaß die Sperrstunde öfters überschritten wurde. Einmal knöpfte ihnen ein Gendarm beim Ball in Ebenhausen 5 Mark Strafe ab. Ein anderes Mal ge111


Gründungsmitglieder 1908

2 Jahre nach der Gründung (mit Standarte)

Mitglieder des Trachtenvereins per Automobil zur Fahnenweihe am 24. Juni 1911 nach Niklasreut und Wörnsmühl unterwegs

Floßfahrt am 24. 8. 1919 nach Thalkirchen

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witzter saßen sie 1 1/2 Stunden im Dunkeln, um nicht erwischt zu werden. Am 20. Mai 1914 fuhren zwei Mitglieder nach Mainz zum 1. Deutschen Volkstrachtenfest, wobei sie einen Weit-, Plattler- und Ehrenpreis erhielten. Nebenbei bemerkt, die zwei waren 3 Tage unterwegs. Am 18./19. Juni besuchten unsere Mitglieder das letzte Gautrachtenfest vorm Krieg des Oberlandlergaues, Gauverband Miesbach in Hausham, kurz darauf wur­ den viele Kameraden eingezogen, um das Vaterland zu verteidigen. Am 14. Mai 1916 fiel der 1. Vorstand Andreas Hasler im Krieg und kurze Zeit später erhielten die Trachtler die zweite traurige Nachricht, daß der 2. Vorstand Lo­ renz Wach ebenfalls im Lazarett seinen Verwundungen erlegen war. Damjt war der Verein ohne Vorstand. Leider brachte der Erste Weltkrieg 1914-18 das Ver­ einsleben fast vollkommen zum Erliegen. Der dama­ lige Schriftführer Mock berichtete, daß an Stelle des l0jährigen Gründungsfestes ein Gedenkgottesdienst für die gefallenen Kameraden stattfand.

Am 25. Januar 1919 wurde eine Mitgliederversamm­ lung von Schriftführer Mock einberufen, bei der die vom Krieg zurückgekehrten Kameraden herzlich emp­ fangen wurden. Die anschließenden Neuwahlen brachten folgendes Er­ gebnis: 1. Vorstand Johann Stocker 2. Vorstand Josef Pauli 1. Vorplattler Johann Wach Kassier Josef Sewald Schriftführer Franz Wach Nach und nach kehrte man zum früheren Vereinsleben zurück. Da sich die Burschen aus Ebenhausen, Zell und Schäftlarn fast nicht mehr einfanden, wurde be­ schlossen, den Verein GTEV »Isarlust« Irschenhausen zu nennen. Bei einer Gauversammlung im Jahr 1919 war unser Verein für die Abhaltung des Gaufestes 1921 vorgese­ hen, auf das aber wegen der schlechten Zeitverhält­ nisse verzichtet wurde. Der damalige Schriftführer Franz Wach berichtet 1920 nicht nur über Besuche von Fahnenweihen und Stif-

Bayer. Trachtenschau 1921. Unsere Trachtler erhielten den 4. Preis.

tungsfesten, sondern auch über einen Faschingsball mit Zirkuseinlage und über einen Vereinsausflug per Bahn zur Benediktenwand. Einige Ausflügler waren schein­ bar nicht sehr gut zu Fuß, deshalb steht folgendes im Schriftbuch: »Mehrere Touristen stiegen auf einen Gletscher, der andere war matsch, der andere noch mätscher, da sagt der matschere zu dem matschn, geh du, deama wieder abihatschn«. Bei der Gauversammlung im Juli 1920 wurde in Holz­ kirchen über die Festlegung der neuen Gaugrenzen be­ raten und am 1. August beteiligte sich unser Verein in Benediktbeuren beim 1. Gaufest des damals neuge­ gründeten »Loisachtaler Gaues« Sitz Penzberg, aus dem der Verein aber bereits 1922 wegen des zu hohen Gaubeitrages wieder ausgetreten ist. Es war nicht das einzige Mal, daß unser Verein mit Pferd und Wagen zu einem Fest ausgerückt war, aber bei der Volkstrachtenschau 1921 in München hatten sich unsere Trachtler besondere Mühe gegeben. Mit dem Thema »Kirta auf der Alm « erhielten sie den 4. Preis für einen 6spännigen Wagen mit der Almhütte

Theatergruppe 1921 113


darauf. Leider, so berichtet der Schriftführer, ist ihnen während des Festzuges das Bier ausgegangen. Über ein Theaterstück!, das zum Jahresende 1921 auf­ geführt werden sollte, steht geschrieben, daß es wegen der Maul- und Klauenseuche verschoben werden mußte. Der Verein bestand nun schon fast 15 Jahre und man beschloß, statt der Standarte eine neue Vereinsfahne anzuschaffen. Die Fahnenstickerei Auer erklärte sich bereit, für anfänglich 30.000.-- Mark die Fahne mit dem Motiv - Trachtenpaar vor Isartal, isaraufwärts und Gebirgskette und Rückseite Ortsbild mit Kirche - zu erstellen. Bei der Übernahme der Fahne waren die Ko­ sten bereits auf 50.000.-- Mark gestiegen. Da es mit dem Geld nicht so rosig aussah, trugen viele ihr Scherf­ lein in Form von Naturalien, z.B. Kartoffeln, Getreide usw. bei. In der festlich geschmückten Ortschaft dröhnten am 21. Mai 1923 um 1/2 5 Uhr früh die Böller. Es war soweit. Fahnenweihe! Nach dem Empfang der Vereine mit Musik ging es dann zur Feldme�se auf den Ulrichsberg. Fahnenbraut war Rosina Neuner (verehel. Hartmann),

Fahnenweihe am Ulrichsberg 1923 114

Fahnenmutter Justine Stocker, die Frau des damaligen 1. Vorstands. Der Patenverein »Schloßbergler« Wolf­ ratshausen war neben vielen anderen Vereinen auch anwesend und erhielt als Erinnerung und Dank ein Fahnenband. Nach der Gefallenenehrung ging es an­ schließend zurück zum Feiern auf den Festplatz. Die Musikkapelle spielte, inflationsbedingt, für den heute kaum vorstellbaren Preis von 160.000.-- Mark. Nachdem der Verein 2 Jahre ohne Anschluß an einen Gau war, beantragte er die Aufnahme in den Isargau, in den er am 3. August 1924 aufgenommen wurde. Bereits 4 Jahre danach - 1928 - konnte unser Verein in Verbindung mit dem 20jährigen Gründungsfest dann ein Gaufest dieses Gaues ausrichten. Welche Mühe sich unsere Trachtler dabei gaben, ist daraus zu erse­ hen, daß sie sogar die kleine Glocke unserer Dorfkir­ che vom Turm holten und sie in einen Baumwipfel am Ulrichsberg hängten, um bei der Feldmesse Glocken­ geläut zu haben. Im April 1933 übernahm unser Verein die Patenschaft für den Trachtenverein »Almrösl« Schäftlarn und über-

reichte bei der Fahnenweih� im Juli 1933 für ihre neue Fahne ein Patenband. Ebenfalls 1933 hielt der Irschenhauser Trachtenverein sein 25jähriges Gründungsjubiläum im kleinen Rah­ men ab. Der Patenverein »Schloßbergler« Wolfrats­ hausen und »Patenkind« »Almrösl« Schäftlarn, zwei Münchner Vereine und ein Verein aus Planegg waren dazu eingeladen. Auch vor dem Trachtenverein machte der Fortschritt nicht halt. So wurde zu weiter entfernten Festen nicht mehr zu Fuß und Bahn, sondern auf der Bruckn eines Lastwagens gefahren. Bis 1937 beteiligte sich der Verein jedes Jahr an den Fronleichnamsfesten und -prozessionen in Irschenhau­ sen und im Kloster Schäftlarn, ab da aber leider für einige Zeit nicht mehr, da dieses von der Staatsobrig­ keit nicht mehr erwünscht war. Dann begann 1939 leider der Zweite Weltkrieg, der wieder viele Trachtenkameraden an die Front rief. Überraschend erlag am 28. Januar 1940 das Grün­ dungsmitglied Hans Stocker während einer hl. Messe einem Schlaganfall. 21 Jahre war er 1. Vorstand des

25-jähriges Gründungsfest 1933 vor dem Vereinslokal


Trachtenvereins. Es war ein großer Verlust für den Verein. Da bis 1940 auch viele Burschen und Männer zum Kriegsdienst eingezogen wurden, erlahmte das Vereinsleben fast vollständig. Leider kehrte von unse­ ren treuen Trachtenkameraden manch einer nicht mehr aus dem Krieg zurück. Nach Kriegsende waren auch noch viele in Gefangenschaft. Trotzdem ging es mit dem Verein schön langsam wie­ der aufwärts. Am 25.11.1945 traten mehrere Neulinge in den Verein ein und füllten die entstandene Lücke. Durch den Beitritt mehrerer junger Dirndl und Bur­ schen unseres Ortes erfuhr unser Verein eine weitere Verstärkung, schreibt Alois Ortner damals. Als erstes Fest besuchten unter 2. Vorst. Michael Se­ wald unsere Irschenhauser Trachtler 1947 einen Mai­ tanz in Schäftlarn, und zum Isargaufest des gleichen Jahres fuhr ein nettes Häuflein Vereinsmitglieder nach Lenggries per Omnjbus. Nach 8jähriger Pause fand auf Veranlassung von Mi­ chael Sewald schließlich am 25. Januar 1948 wieder eine Generalversammlung statt, die er als Vorstand mit einem herzlichen »Grüß Gott« eröffnete. Im Jahr 1948 kehrten einige unserer Mitglieder aus der Gefangen­ schaft zurück, unter ihnen auch Hans Stocker (Sohn des 1940 verstorbenen Vorstandes), der bei der Gene-

Einbringung des Steines fürs Kriegerdenkmal im Jahre 1932

ralversammlung am 22.1.1949 zum 1. Vorstand gewählt wurde. Am 30. April 1949 wurde der 1. Maibaum nach dem Krieg in Irschenhausen wieder aufgestellt. Die Mai­ musi fand am 8. Mai - wie heute auch noch - mit dem Bandltanz statt. Unser Verein trat am 17. Februar 1951 aus dem Isargau aus, und man beratschlagte über den Eintritt in den Loisachgau. Zwei Gründe haben unsere Vereinsspitze dazu bewogen. Erster Grund war, daß die Kontakte zu den Münchner Vereinen nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr so gut wa­ ren. Zum Zweiten mit ausschlaggebend war, daß unser Patenverein bereits beim Loisachgau war und deren 1. Vorstand Raßbichler zugleich Vorstand des Loisach­ gaues war. Am 7. Oktober 1951 fand die Aufnahme in den Loisachgau statt. Zur Gedenktafelenthüllung zu Ehren Josef Vogels fuhr eine kleine Mitgliederschar am 18. Mai 1952 nach Baiernrain. Am 18. September 1955 besuchten einige unserer Trachtler die Koehler Festspiele anläßlich der 250Jahr-Feier der Sendlinger Bauernschlacht.

Von einer Anekdote weiß Alois Ortner in den fünfziger Jahren zu berichten: Beim Abschied nach einem Fest in Tutzing verabredete man ein Treffen im Vereinslokal, doch die Vorhut wartete leider vergebens auf die »Ver­ einsspitze«. Ein Meldefahrer brachte die Nachricht, daß der zweirädrige PS-Gaul einen kleinen Seiten­ sprung gemacht hatte. Die Landung war ziemlich un­ sanft und so lädiert wollte der 1. Vorstand nicht mehr zum Treffen erscheinen. Am 20. Juli 1958 feierte der Irschenhauser Trachten­ verein sein 50jähriges Gründungsfest. 11 Trachten- und Ortsvereine wohnten dem Gottesdienst auf dem Ul­ richsberg bei, den Pfarrer Johann Schuhbauer und Abt Sigisbert Mitterer zelebrierten. Bei den anschließen­ den Feierlichkeiten wurden die letzten fünf Grün­ dungsmitglieder geehrt. Es waren dies Fischer Hans, Wach Franz, Wach Hans, Stockinger Hans und Sewald Sepp. Bei einem Trachtenfest in Harmating am 24.8.1963 ver­ starb das Gründungsmitglied Franz Wach an einem Schlaganfall und am 7. Februar 1964 wurde das letzte Gründungsmitglied Hans Wach beerdigt. Seit 1923 führte unsere Fahne den Verein an und die Spuren der Zeit wurden langsam sichtbar. Man be­ schloß, die Fahne für's 60jährige Gründungsfest 1968

Blaskapelle Irschenhausen 1983 anläßlich des 75-jährigen Gründungsfestes 115


renovieren zu lassen. Die Kosten von 1.663.-- DM wur­ den zum Teil aus Spenden gedeckt. Die Fahnenbraut Frau Hartmann und Frau Stocker, Fahnenmutter, lie­ ßen ihre Fahnenbänder ebenfalls herrichten. Große Aufregung herrschte 1969 im Verein, als be­ kannt wurde, daß einige Paare nach Frankreich fahren sollten. Vorstand Stocker, acht Paare, drei Sänger und die Tanzlmusi nahmen die Einladung, die durch die Stadtkommandantur München übermittelt wurde, gerne an. Beim Abschied winkten die Zurückbleiben­ den dem Bus etwas traurig nach, denn sie wären auch sehr gerne mit nach Fontainbleau gefahren. Die Auf­ tritte unserer Trachtler in Frankreich waren ein großer Erfolg und ein großes Ereignis, über das heute noch ge­ sprochen wird. Das 70jährige Gründungsfest am 11.6.1978, zu dem die Vereine des Loisachgaues eingeladen waren, betrach­ teten wir als eine Art Generalprobe für's geplante Gau­ fest zum 75jährigen 1983. 32 Vereine hatten ihr Kom­ men zugesagt und das Fest nahm einen schönen Ver­ lauf. Bei der Renovierung unserer Irschenhauser Kirche hal­ fen neben vielen anderen auch die Mitglieder unseres Vereins tatkräftig mit. 1980 beschlossen die Vereins­ mitglieder, eine Heiligenfigur für ca. 1.200. -- DM reno­ vieren zu lassen, um dadurch die Ausstattung der Kir­ che weiter zu vervollständigen. Am 25. April 1982 verstarb unser langjähriges Mitglied und Gründer der Irschenhauser Blaskapelle, Michael Seewald. Eine weibliche Delegation und die Frau des Staatsprä­ sidenten von Malawi (Afrika) waren durch Vermitt­ lung der Familie Reich in Irschenhausen am 23. Juli 1982 eingetroffen. Unsere Trachtler zeigten den Gä­ sten Volkstänze und Plattler und zum Schluß durften, allerdings nur die weiblichen Mitglieder des Trachten­ vereins, sehr zum Erstaunen der Mannsbilder, sich dem Gasttanz der Damen aus Malawi anschließen. Das Jahr 1983 war voller Ereignisse. 116

Aufnahme anläßlich des 75-jähr. Gründungsfestes 1983. Ein großer Teil der Irschenhausener Trachtler sind darauf. Zum Ersten fand das Jahrhundertfest in München statt, bei dem sich selbstverständlich viele unserer Trachtler beteiligten. Unsere Patenkinder, »D'Lüßbachtaler« Höhenrain, erhielten 1983 ihre Vereinsfahne. Anläßlich der Fahnen­ weihe am 26.6.1983 überreichten wir ihnen mit besten Wünschen das Patenband. Und nun zum für uns bedeutendsten Ereignis der letz­ ten Jahre. Das 75jährige Gründungsfest, verbunden mit dem 56. Loisachgaufest, feierte unser Verein am 31. Juli 1983. Vor ca. 3000 Trachtlern zelebrierte Pfar­ rer Herbert Zimmermann die Festmesse auf der Wiese unterhalb des Gasthauses Rittergütl. 30 Vereine und 17 Musikkapellen zogen beim Festzug durch unsere ge­ schmückte Ortschaft. Zum Abschluß versammelten sich alle Vereinsmitglieder zu einem Erinnerungsfoto auf dem Ulrichsberg.

Am 30. August 1983 standen wir am Grab unseres älte­ sten Mitgliedes, der Fahnenbraut Rosina Hartmann (Neuner). Kaum zu glauben, daß sie nur 30 Tage vor­ her mit uns fröhlich und rüstig das Vereinsjubiläum mitgefeiert hatte. »Nach 36jähriger Vorstandschaft muaß jetzt endlich a Ruah sei, jetzt soll a jüngerer her«, mit diesen Worten gab bei der Hauptversammlung am 22. März 1985 Hans Stocker sein Amt als 1. Vorstand ab. Bei den nachfol­ genden Neuwahlen wurde Hans Hirt (bisher 2. Vor­ stand) zum 1. Vorstand gewählt. 2. Vorstand wurde Hans Stocker jun.. Als erste Amtshandlung über­ reichte Hans Hirt unserem ehemaligen Vorstand Hans Stocker für seine Verdienste um den Verein die schon in weiser Voraussicht besorgte Ehrennadel. Im Namen aller Vereinsmitglieder wurde er kurzerhand zum Eh­ renvorstand ernannt.


Unser neuer 1. Vorstand Hans Hirt machte den Vor­ schlag, einen Jahrtag einzuführen, der am 15. August 1986 zum erstenmal stattfand. Als wir diese Vereinsgeschichte erstellten, erzählte uns Hans Stocker folgende Begebenheit: »Bei einem Gartenfest in Irschenhausen wollten die Trachtler die Fahnenstange in die Balkonballustrade so hineinstecken, daß sich die Fahne voll entfalten konnte. Beim Abnehmen kippten jedoch die zwei Maß­ krüge um, die als Podest dienten, und der Hanerl Franzl (Wach) hing sozusagen mit Leib und Seele an der Fahnenstange, bis diese plötzlich abbrach und Fahne mitsamt Trachtler am Boden lag. Zusammenfassend wollen wir noch erwähnen, daß die seit vielen Jahren zusammen mit der Irschenhauser Blaskapelle durchgeführte Sonnwendfeier bei der Be­ völkerung sehr beliebt ist, sowie alle anderen Vereins­ veranstaltungen wie Maimusi, Volksmusik und Volks­ tanzveranstaltunp:cn �roRen Anklang finden. Die Irschenhauser Blaskapelle, bestehend großteils aus Vereinsmitgliedern, wurde im Jahre 1959 auf Initiative unseres ehemaligen 1. Vorstandes Michael Sewald ins Leben gerufen. Noch länger besteht die Irschenhauser Stubnmusi. Sie wurde 1946 mit Emil Eimer zusammen mit den Musi-

Die Fahne des GTEV »Isarlust« seit 1923

kanten Angermüller Franz, Wach Franz und Förg Mi­ chael gegründet. Unter der Leitung von Konrad Golling entwickelte sich ab 1978 im Laufe der Jahre die Ulrichsberger Volks- u. Flötenmusi. Schon vor der Zeit als Gaumusikwart kümmerte sich Konrad Golling um den Volksmusik­ nachwuchs in unserem Verein. Vier weitere Musiker fanden sich 1975 zur Irschenhau­ ser Tanzlmusik zusammen. Bedanken möchten wir uns bei allen Musikern und Mu­ sikgruppen, sowie unseren Vereinsmusikern, die unser Vereinsleben mit ihren Stückln verschönen und immer fleißig bei vielen Anlässen spielen. Bemerken möchten wir auch, daß zum Abschluß des Jahres immer unsere Weihnachtsfeier stattfindet, bei der, zum Teil schon vor dem Kriege, immer für soziale Zwecke gesammelt wird. Einen Dank an die Schriftführer Jos. Pauli, Joh. Mock, Franz Wach, Alois Ortner, Michael Förg und Karin Hell, durch deren Aufzeichnungen diese Chronik erst möglich war. Zuletzt einen Dank an alle Vorstände, die den Verein so lange Zeit geführt haben. Irschenhausen, im Jahre 1987 Inge Schäfer, Schriftführerin

Ortsgeschichte von Irschenhausen Stammvater Urso und sein Hof Irschenhausen hieß früher Ursinhusen. Urso war ein romanischer Eigenname (vom lateinischen ursus = der Bär), Ursin ist der Genitiv davon; Ursinhusen heißt also soviel wie »Bei den Häusern des Urso«. Der Stammvater unseres Dorfes hieß also Urso. Die erste und bekannte Erwähnung von Ursinhusen findet sich in der Schenkungsurkunde des Klosters Schäftlarn von 780 n.Chr.. Allerdings ist unser Dorf schon viel älter. Bei Wasserleitungsbauarbeiten 1968 fand man Ton­ scherben, die nachweislich auf eine Besiedelung ab 1000 v. Chr. hinweisen. Wie aber entstand aus Ursinhusen das ganz anders lau­ tende Irschenhausen? Das Wort Ursin war im Laufe des Mittelalters der Lautverschiebung und dem Sprach­ wandel unterworfen. In den Klosterhandschriften von 1150 ist von »Uersenhusen« die Rede; das I nach dem S ist zu einem E geworden. Dafür ist das U zu UE umge­ lautet. Im weiteren Lautwandel wurde UE zu I. Durch die bayerische Eigenart der Aussprache verwischte sich dann später das S zu SCH. Um 1632 heißt es schließlich in den Chroniken Irschenhausen. - Übrigens hat das Wort IRSCHENBERG den gleichen Lautwandel durchgemacht. 1315 heißt es in einer Urkunde UR­ SENPEREG. Wer ganz unbefangen an die Namenser­ klärung herangeht, ist versucht, IRSCHEN - gleich IREN oder IRISCH zu setzen, weil er an die iro-schot­ tischen Mönche Marianus und Annianus denkt, die am Irschenberg (um 660) und wahrscheinlich auch in Ur­ sinhusen missioniert hatten. Tatsächlich hat jedoch »Ir­ schen« nichts mit dem Wort »Iren« zu tun. Irschenhau­ sen kommt von Ursinhusen. Die Nachbarorte entstanden ähnlich wie Irschenhau­ sen in der Zeit der ersten bajuwarischen Besiedlung im 5. - 6. Jahrhundert. Ihre Namen geben mancherlei Auf­ schluß über ihre Entstehung. Icking bei den Nachfahren des Icko oder Icho Walchstadt Stätte von Walchen oder Welschen, Sied117


lung von Stammfremden, in diesem Falle von zurück­ verbliebenen Romani Mörlbach, früher Morelbach (Ableitung unbestimmt) Wadlhausen Bei den Häusern des Wadilo oder Wadiler (also keinesfalls Waldhausen) Zell Cella = Zellensis = Zelle eines Einsiedlers Eine überraschende Folgerung läßt eine Chronik aus dem Jahr 1140 zu, die besagt, daß in Ursinhusen eine »neue« Kirche geweiht wurde. Also muß vor 1140 eine noch ältere Kirche gestanden haben, wahrscheinlich eine Kapelle aus der Zeit der Christianisierung im 7. Jahrhundert. Kirchen und Kapellen baute man immer dort, wo bereits gesiedelt war, damit sie im Falle größ­ ter Gefahr Asyl sein konnten. Außerdem war es Brauch, sie in nächster Nähe des Haupthofes - in unse­ rem Falle also in die Nähe des Ursin-Hofes - zu bauen. So drängt sich die Vermutung auf, daß neben dieser Kirche von 1140, auf deren Grundmauern die jetzige Kirche nach dem 30jährigen Krieg gebaut wurde, der erste Ursin-Hof gestanden haben könnte; also dort, wo heute der Schallnkamerhof steht.

Die Christianisierung

Sie hatte mit dem Jahre 654 n.Chr. begonnen, als Papst Eugenius I. in Rom den beiden irischen Mönchen Ma­ rianus und Annianus auf ihren eigenen Wunsch die Er­ laubnis und seinen Segen erteilte, im Alpenvorland das Christentum zu predigen. So waren sie über die Alpen bis zum Höhenzug Ursinpereg (Irschenberg bei Rosen­ heim) gezogen und hatten von dort aus - wie die kleine kostbare Tegernseer Handschrift VITA MARIAN et ANNIAN aus dem frühen 12. Jahrhundert berichtet 40 Jahre lang das Christentum in den germanischen Siedlungen verbreitet. Diese Handschrift gibt vor allem eine Beschreibung ihres schrecklichen Todes. Zur Zeit des oströmischen Kaisers Leontius (695-98) fielen wilde Horden auf ihrem Durchzug über die Wirkungs­ stätte der beiden Mönche her. Sie wollten vom Episko­ pus Marianus den Übergang über die Alpen nach Ita­ lien erfahren. Wegen seines Schweigens wurde er grau­ sam gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Am gleichen Tage starb sein Diakon Annianus in seiner

Irschenhausen 1982 Zelle. Erst 50 Jahre später fand man ihre primitive Grabstätte und bestattete beide gemeinsam in einem prächtigen Sarkophag bei Wilparting am Irschenberg. An der Stätte der Foltern wurde eine Grabkirche er­ richtet, die ihrem frommen Leben würdig ist. Sie gelten als die ersten bayrischen Lokalheiligen. St. Annianus ist der Schutzheilige unseres Dorfes. Während unter den Bajuwaren nur die mündliche Überlieferung üblich war, begannen im 8. Jahrhundert die Mönche in den Klöstern das Lesen und Schreiben zu lernen und die ersten Pergamentblätter mit lateini­ scher Schrift zu füllen. Aus der Frühzeit des Klosters Schäftlarn sind einige lose Fragmente erhalten geblie­ ben. Aus der Zeit des Tiefstandes, um ca. 1000 n.Chr., berichtet nur eine einzelne Urkunde, daß der »Edel-

freie Wolfold aus dem Geschlechte der Sendlinger dem Kloster Sceftilari seinen Hof in Ursinhusen schenkte«. - Jedoch aus dem frühen 12. Jahrh., der 2. hohen Blütezeit der Klöster, sind nahezu 100 Hand­ schriftenbände mit kostbaren Innitialen und Malereien aus Schäftlarn erhalten. In der weitbekannten »Schäft­ larner Schreib- und Maischule« arbeiteten außer 13 Schreibern auch 3 Frauen. Um 1150 entstand der für unsere Namensforschung so aufschlußreiche »Schäft­ larner Codex delegatorium«, d.h. eine geordnete Ab­ schrift der ersten Schenkungsurkunden aus der Zeit um 800. In anderen klösterlichen Handschriften aus der Mitte des 12. Jahrhunderts wird Ursinhusen des öfteren als Edelsitz von Landadeligen erwähnt. Im Jahre 1130 schenkt »Pernardus von Ursinhusen« seinen Hof dem 119


Kloster, und »Winther von Ursinhusen« tritt in das Kloster ein und schenkt ihm seinen ganzen Besitz. 1160 wird es noch um den Hof von »Sigboten von Ursinhu­ sen« bereichert. Eine dieser Schenkungen machte Lantfried von Ursin­ husen zur Zeit des allerruhmreichsten Kaisers Karl. »Ich, Lantfried, gedenke aus Gottesfurcht und um mei­ ner Sünden willen, was ich wie bekannt in Ursinhusen besitze, der Kirche des Hg. Dionysios zu übereignen. Wohnhäuser mit einer Hofstatt, Ackerland und Wie­ sen, Weiden und Wälder, Wasserläufe, alles Bewegli­ che und Unbewegliche, alles Bebaute und Unbebaute habe ich voll und ganz übergeben, damit es dauernd festgelegt sei, bis in Ewigkeit. Dafür sind Zeugen: Me­ ginhart, Cundhart, Toto, Reginprecht, Herrich, Altolf. Im Namen des Herrn, unseres Gottes und Heilands, zur Zeit des allerherrlichsten Herzogs Tassilo im 32. Jahr seiner Regierung mit Zustimmung und Erlaubnis des vorgenannten Fürsten«. Für uns ist diese Schenkung wichtig, denn hier haben wir die erste historische Erwähnung unseres Ortes. Das am Rande vermerkte Wort »Ursinhausen« ist, den Schriftzügen nach zu urteilen, gegen Ende des 16. Jahr­ hunderts hinzugeschrieben worden. Exakte Jahreszah­ len werden in den mittelalterlichen Handschriften nie genannt. Für diese drei Schenkungen wird der Zeit­ raum von 780-800 (nach Weißthanner) angenommen.

Irschenhausen, ein Dorf von Stiftsbauern

Im Mittelalter hatte sich Irschenhausen zu einem wohl­ habenden Dorf von Stiftsbauern entwickelt. Es stand, wie die meisten Dörfer Altbayerns, im festen Abhän­ gigkeitsverhältnis zu »seinem« Kloster. Die Abgabe des »Zehnten«, d.h. der zehnte Teil der Ernte, Arbeits­ leistungen und Spanndienste wurden dem Kloster Schäftlarn entrichtet. Die bayrischen Herzöge hatten die uneingeschränkte Kirchenhoheit anerkannt, die Macht der Klöster über die Bevölkerung war die Folge. Die Zeit von 1200 bis 1550 unter den Wittelsbacher Herzögen war für die Entwicklung des oberbayrischen Bauerntums günstig und verhältnismäßig ruhig. Das 120

Geschick Irschenhausens war eng mit dem Auf und Ab des Klosters Schäftlarn verbunden, das sich zu einem stattlichen Gebäudekomplex erweitert hatte. Es besaß eine große Bibliothek und war reich an Kunstschätzen. Im Jahre 1527 vernichtete eine Feuersbrunst viele Kunstwerte. Außerdem wurde der Klosterbesitz schwer beschädigt durch häufige Überflutungen der Isar, besonders durch Überschwemmung im Jahre 1598. Trotzdem erging es den Irschenhauser Bauern und Fronarbeitern unter dem Kloster als Grundherr in jener Zeit der Mißachtung des Bauernstandes wahr­ scheinlich wesentlich besser als den Einwohnern der Dörfer, in denen ein weltlicher Grundherr seine Macht an seinen Leibeigenen mißbrauchen konnte, wie es etwa in dem Nachbardorf Mörlbach gewesen sein mag unter der Herrschaft des Eurasburger Grafen. Noch zur Mitte des 16. Jahrhunderts scheint es den Bauern recht gut ergangen zu sein; hielt es doch die Re­ gierung für nötig, allzu üppige, große Bauernhochzei­ ten und Kirchweihfeste durch Mandate einzuschrän­ ken. »Mehr als 50 Gäste bei Bauernfesten und der Lu­ xus von Fisch, Krebsen und kostbarem Wein sind ver­ boten«. Übrigens wird es interessieren, daß bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts nicht das Bier das Volksgetränk in Bay­ ern war, sondern der Baierwein (nach Riezler).- Be­ reits die Bajuwaren hatten den Weinbau eifrig betrie­ ben.

Die Pest und der 30jährige Krieg

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts berichten die Chroniken über eine Reihe von Notzeiten: von Pest, Hunger und Krieg. Steuer und Fronlasten bedrängten das Volk, der He­ xenwahn trieb sein Unwesen und wurde durch allge­ meine Verwirrung der Rechtsauffassung begünstigt. Fast jedes Dorf hatte außerhalb der Häuser eine Pest­ kapelle, wo die Pesttoten aufgebahrt und in der Nähe beerdigt wurden. In Irschenhausen diente dazu die Pestkapelle auf dem Ulrichsberg. 1632 - 1635 müssen für Irschenhausen die schlimmsten Jahre gewesen sein.

Zu der Angst vor Pest und Hexen hatte sich die Kriegs­ not gesellt. Schwedische Truppen besetzten unter Kö­ nig Gustav Adolf im Mai 1632 München und drangen im Isartal vor. Den Schweden fielen in Hohenschäftlarn 9 Menschen­ leben zum Opfer, 6 weitere starben an den erlittenen Mißhandlungen. In Irschenhausen wurden 4 getötet. Das Kloster wurde verwüstet, die Kirchen der Gegend ausgeplündert, Altäre entweiht, Gebäude verbrannt. 20 Pferde, 85 Kühe samt den Jungrindern, 44 Schweine, 62 Schafe, 300 Scheffel Getreide usw. wur­ den entwendet. Hierbei beteiligten sich die Soldaten beider Parteien. - Als der Abt Dionysius ins Kloster zurückkehrte, war noch eine einzige Kuh vorhanden. Bayern lag trostlos öde vom Lech bis zum Inn. In Ir­ schenhausen lagen Kirche und Häuser in Trümmern. Das Dorf mußte neu aufgebaut werden. Das 18. Jahrhundert begann für das Isartal mit dem traurigen Ereignis der Bauernschlacht von Sendling. 1705 sammelten sich die aufgebrachten Bauern des Isar- uns Loisachtales in der Nähe des Klosters Schäft­ larn und zogen von hier aus nach München, um die Landeshauptstadt zu befreien. Sie unterlagen der übermacht und besseren Ausrüstung der österreichi­ schen Truppen, zumal ihr Plan vorher verraten worden war. In der schrecklichen Christnacht 1705 wurde an der Sendlinger Kirche der letzte Überrest der landes­ treuen Bauern niedergemetzelt. Wieviele Bauern­ söhne von Irschenhausen dabei fielen, wird in keiner Chronik erwähnt. Das ist daraus zu erklären, daß der damalige Abt unter dem Druck der österreichischen Besatzungsmacht sogar erklärte, daß keiner seiner Hofmarkuntertanen sich am Aufstand beteiligt habe. Nur so wurde das Kloster vor der angedrohten Vernich­ tung bewahrt. Im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts, jener Zeit der prunkvollen Fürstenhöfe in Europa, steigerte sich der französische Einfluß auch am bayrischen Hofe. Es entstanden herrliche Bauten, so auch in den Jahren 1733-56 die Klosterkirche Schäftlarn, bei deren Bau auch die Irschenhauser, als Stiftsbauern, beteiligt wa­ ren.


Das 19. und 20. Jahrhundert

Aus der Zeit um 1800 liegen klagende Berichte der Isartalbauern vor, da Napoleonische Truppen durch das Land gezogen waren. In den Irschenhauser Wiesen hatten längere Zeit die Truppen des General Montri­ chard gelagert. Bayern hatte sich wieder eng an die Franzosen angeschlossen. 1806 wurde dem Bayrischen Kurfürsten Max Josef IV. dafür der Königstitel zuge­ sprochen. Außerdem brachte der Anfang des 19. Jahrhunderts für Irschenhausen ein wichtiges Ereignis: Die Säkulari­ sation der Klöster 1803. Die Bauern wurden frei. Als die Enteignung der Klöster drohend bevorstand, soll sich der Abt des Klosters Schäftlarn im dichten Wald bei Irschenhausen versteckt gehalten haben. Der Krieg 1870/71 gegen Frankreich forderte von Bay­ ern nur geringe Opfer. Irschenhausen hatte keine Ver­ luste an Menschenleben. Durch die beiden Weltkriege erlitt Irschenhausen große Verluste. Die Tafel des Kriegergedenksteins in der Mitte des Dorfes gibt Aufschluß darüber. Im 1. Weltkrieg 1914-18 fiel der Irschenhauser Schalln­ kamerhof-Jungbauer Lorenz Wach. Im 2. Weltkrieg 1939-45 fielen 3 Irschenhauser Bauernsöhne: die Brü­ der Georg und Jakob Stockinger, Brüder der jetzigen Schmotzenhof-Bäuerin Anna Stahn. Ein Bruder des Bauern Frech, Paul Frech, blieb vermißt. Es fielen au­ ßerdem Erwin Seitz, Ludwig Friedinger, Wolfgang Kretschmar, Franz Steiger, Leonhard Promoll, Luit­ pold Gall, Johann Hell. Am 1. Oktober 1944 wurde das kleine Dorf Irschen­ hausen von mehreren amerikanischen Bomber-Ge­ schwadern angegriffen, die dann über 20 Bomben ab­ warfen. Zum Glück wurde niemand verletzt und es ent­ stand auch kein Gebäudeschaden. In und nach dem Zweiten Weltkrieg setzte von Osten her eine Völkerwanderung ein. Nach dem für Deutschland verlorenen Krieg wurden zunächst die Oberschlesier nach Westen evakuiert, und 1946 muß­ ten die Sudetendeutschen ihre Heimat verlassen. Bay­ ern nahm sie als Nachbarland auf. Damals kamen mit

dem Transport 118 Oberschlesier und 150 Sudeten­ deutsche nach Irschenhausen. Viele blieben hier und bauten sich mit großem Fleiß eine neue Existenz auf. Der Kriegergedenkstein ist ein erratischer Block, der während der Eiszeit von den Gletschern aus den Alpen hierhergetragen wurde. Dieses Felsstück haben die Ir­ schenhauser Bauern 1932 aus dem westlichen Wald­ grund hinter der Kiesgrube herauftransportiert. Es war eine gewaltige Anstrengung, die vier Tage dauerte, mit 4 Ochsen, 4 Pferden und dem ersten Bulldog des Dor­ fes, der dem Bauern Hans Wach gehörte. An diesem uralten Felsblock gehen wir meist achtlos vorbei. Und doch sollte er uns zu denken geben. Be­ richtet er uns, die wir in diesem Dorf friedlich leben, nicht nur von seiner eigenen, Millionen Jahre alten Ge­ schichte und von den gewaltigen Naturkräften, die un­ sere Landschaft formten, sondern auch von den trauri­ gen Irrwegen der Menschen.

Das bäuerliche und handwerkliche Leben

Das bäuerliche Dorf Irschenhausen wies im vergange­ nen Jahrhundert noch 24 größere und kleinere land­ wirtschaftliche und-handwerkliche Anwesen auf. Heute sind noch 9 landwirtschaftliche Betriebe im Ort beheimatet. Im Laufe der letzten Jahrzehnte konnten einige handwerkliche und auch kaufmännische Fami­ lienbetriebe, sei es durch technischen Fortschritt, Strukturwandel oder auch aus privaten Gründen, ihre Existenz nicht mehr aufrechterhalten. So verloren wir eine Schmiede, Wagnerei und Schuste­ rei. Hart getroffen hat uns auch die Auflösung der bei­ den Krämereien und der Metzgerei. Erhalten geblieben oder neu entstanden sind im Dorf: zwei Schreinereien, eine Töpferei, ein Betrieb für Holzspielzeug und eine Zimmerei. Für den künstleri­ schen Genuß stellt das weitum bekannte Hollerhaus seine Ausstellungsräume zur Verfügung.

Die Dorfkirche

Eine Urkunde aus der Regierungszeit des Bischofs Otto I. von Freising (1140-1157) berichtet von der

Weihe einer neuen Kirche am 21. Oktober in Ursinhu­ sen. Die Urkunde berichtet weiter, daß 3 Altäre errichtet wurden: Der Hauptaltar der hl. Barbara geweiht, der 2. Altar der hl. Jungfrau, der 3. Altar dem hl. Annianus. Die 1140 errichtete Kirche wurde im 30jährigen Krieg fast bis auf die Grundmauern zerstört. Um die durch Pest und Kriegsnöte verängstigte Bevölkerung wieder seßhaft zu machen, wurde 1645 eine neue Kirche er­ richtet. Eine Erweiterung erfuhr diese Kirche durch ein größe­ res Langschiff im 18. Jahrhundert. Im Jahre 1922 er­ hielt sie einen neuen Glockenturm, der unserer Kirche das heutige Aussehen gibt. Bei der letzten Renovierung im Jahre 1978 fand man im Inneren der Kirche zwei alte, noch gut erhaltene Grä­ ber (Merowingerzeit). Besondere Bedeutung kommt der altersgrauen Klostersäule am Stocker-Weiher zu. Sie erinnert uns an die kirchliche Zugehörigkeit zum Kloster Schäftlarn, die bis 1957 gedauert hat.

Der Ulrichsberg

ist ein Ort alter Tradition. Bereits zur Zeit der Kelten war hier eine religiöse Kultstätte. Es entstand auf dem Ulrichsberg bereits vor der Gründung des Klosters Schäftlarn (762) eine christliche Kapelle. Am 24. Juni 1466 ist dort eine neue Kirche dem hl. Ulrich geweiht worden. Sie überstand den 30jährigen Krieg. Nach der Säkularisation und der Auflösung des Klo­ sters Schäftlarn im Jahre 1803 wurde in der Kirche auf dem Ulrichsberg kein Gottesdienst mehr gehalten. Weil die Annianuskirche im Dorf der Gemeinde ge­ nügte, wurde dem Abbruch der Ulrichskirche zuge­ stimmt. In Wolfratshausen sind die Steine zum Aufbau des Gefängnisgebäudes, das heute noch steht, verwen­ det worden. Verfasser: Bernhard und Reinhold Stahn nach der Ir­ schenhauser Ortschronik »Dem Urso auf der Spur« von Gerda Heering/Hans Reich Verlag, München. 121


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » Barmstoana« Benediktbeuern Der Verein wurde am 2. Juni 1910 gegründet. In späte­ ren Protokollen werden als Gründungsmitglieder ge­ nannt: Franz Kraus, Georg Wild, Sepp Ehrmann, Max Fischer, Josef Öttl, Jakob Schmerold. Der Trachtenverein »Barmstoana« Benediktbeuern wurde am 7.5.1911 Mitglied beim Oberlandgau Sitz Miesbach. Er gehörte dann zu den neun Vereinen, die am 25.5.1919 in Penzberg den Loisachgau gegründet haben. Dabei wurde der Vorstand Franz Kraus als 2. Kassier gleich in den Gauausschuß gewählt. 1922 war er

dann für ein Jahr 2. Gauvorstand. Das 1. Loisachgau­ fest fand am 1. August 1920 in Benediktbeuern statt. 1921 bekamen die »Barmstoana« ihre erste Vereins­ fahne. Im Gauausschuß vertreten waren in späteren Jahren: Pölt, Xandl, 1946/47 2. Gauvorstand Haslbeck, Sepp 1950/51 1. Gauschriftführer. Benedikt Haseidl gehörte von 1952-62 als Revisor dem Gauausschuß an und Sepp Klattenbacher war in der gleichen Position von 19621977 tätig.

Gründungsmitglied Franz Kraus 1910

Gründungsmitglied Sepp Ehrmann

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Nach dem 1. Weltkrieg haben die »Barmstoana« auch öfter Theater gespielt. Im Inflationsjahr 1923 stellte der Verein den Erlös einer Aufführung der Gaukasse zur Verfügung. Die Protokollbücher der Jahre vor 1938 sind leider ver­ loren gegangen. Daher ist über diese Zeit wenig be­ kannt. Im Jahre 1938 veranstaltete der Verein 21 Heimat­ abende! 1939 waren es 18, der letzte am 24.8.1939. Der damalige Schriftführer Roman Moser schrieb am 25. Dezember 1939 als letzten Eintrag in das Protokoll­ buch: Eine ernste Zeit ist wieder gekommen über unser Vaterland, Krieg! 18 Trachtenkameraden tun schon ihre Pflicht. Vom Verein aus wurde jedem eine kleine

Gründungsmitglied Georg Wild 1960


Weihnachtsfreude gemacht. Vorstand Toni Huber gab sich sehr viel Mühe. Die Trachtenmadl waren ihm da­ bei behilflich, um das richtige zu wählen und jedem Trachtenkameraden im Feld durch ein Packer! Freude zu bereiten. Von 88 Mitgliedern, die der Verein 1939 hatte, sind 29 gefallen oder vermißt; ein schwerer Verlust für den Verein. Die Namen der Gefallenen und Vermißten: Johann Bacher t Hermann Madl t Benedikt Bacher t Benedikt Öttl t Johann Bauer t Johann Öttl t Sebastian Bauer t Georg Platzer t Johann Bartl t Andreas Reiser vermißt Franz Brandhofer t Michael Riegg vermißt Matthäus Butz t Josef Schöffmann t Georg Danner t Josef Stückl t Sebastian Danner t Johann Schlickenrieder t Josef Gistl t Georg Ugier t Josef Höck vermißt Josef Wacker t Georg Heßlinger t Michael Waldherr t Johann Weinzierl t Georg Kaiser t Otto Zwerger t Roman Moser t Josef Maier t Nach Kriegsende nahm der Verein Ende 1945 seineAr­ beit wieder auf. Am 20. Januar 1946 konnte die erste Generalversammlung wieder im »Gasthof Post« abge­ halten werden. 1947 veranstaltete der Verein bereits wieder 4 Heimatabende und nahm an 5 Festen teil u.a. auch als Patenverein bei der Standartenweihe in Gel­ ting. Der damalige Schriftführer Thomas Stolz be­ schreibt den Festverlauf sehr anschaulich. Am Sams­ tag, 4.10.47, fuhr man mit der Bahn nach Markt Schwa­ ben. Hier wartete bereits ein geschmückter Bulldogg, um die sehnsüchtig erwarteten, seltenen Gäste vollends nach Gelting zu bringen. Am Abend gestalteten die »Barmstoana« einen Heimatabend, der am Sonntag nach den Festlichkeiten wiederholt wurde, und am Momag konnten sie erst wieder heimfahren. überhaupt scheinen die Benediktbeurer für damalige Verhältnisse sehr reisefreudig gewesen zu sein. Im No-

vember 1948 unternahmen sie eine sechstägige Fahrt nach Frankfurt a. Main. Im Juli 1949 waren sie zwei Tage bei der Fahnenweihe in Gelting als Patenverein. Diesmal wurde die Strecke mit dem Lastauto gefahren. Im November 1949 berichtet der Schriftführer begei­ stert von einer fünftägigen Fahrt nach Hamburg. Was bei den Eintragungen dieser Jahre noch auffällt, ist die große Zahl der Heimatabende, jeweils über 20! (Zum Vergleich: heute 3-5 pro Jahr). Es traten jeweils acht Paare auf, die Musik, eine Gesangsgruppe und der An­ sager waren ebenfalls vom Verein. Veranstalter war aber der Verkehrsverein. Den Mitwirkenden wurde im Herbst vom Verkehrsverein jeweils ein Ausflug gestif­ tet.

Leonhardiwagen Benediktbeuern 1936 - Alte Tracht Obere Reihe von links: Prantl Annastasia, Heigl Betti, Huber Maria; untere Reihe SeppAnna, Bacher Maria.

Ein großes Fest für die »Barmstoana« war zweifellos das 40jährige Gründungsfest am 15./16. Juli 1950, das bei herrlichem Sommerwetter abgehalten werden konnte. 32 Vereine und 9 Musikkapellen bildeten den wahrhaft prachtvollen, ungewöhnlich langen Festzug. Am 31. März 1957 wurde im kleinen Rahmen die neue Fahne geweiht. Am 17./18. August 1957 fand das 30. Loisachgaufest in Benediktbeuern statt. Es war ein gro­ ßes Ereignis für die Benediktbeurer und verlief zur Zu­ friedenheit aller. Beim 50jährigen Gründungsfest am 17./18. September 1960 verlieh Gauvorstand Franz Sappl den noch leben­ den Gründungsmitgliedern Jakob Schmerold, Max Fi­ scher und Josef Ehrmann das goldene Ehrenzeichen des Loisachgaues. Das Jubiläumsfest wurde im kleinen Rahmen abgehalten. Am 9.Aug. 1970 feierten die Barmstoana ihr 60jähriges Gründungsfest in Verbindung mit dem 43. Loisachgau­ fest. Ein wolkenbruchartiger Dauerregen ging damals im ganzen Alpengebiet nieder, sodaß weder der Kir­ chenzug noch der Festzug abgehalten werden konnten. Das große Fest der Fahnenweihe feierten die »Barm­ stoana« am 23./24. Juli 1977. Verbunden war dieses Fest mit einer Festwoche. Diesmal hatten die Bene­ diktbeurer herrliches Wetter und auch darum bleibt die Fahnenweihe in guter Erinnerung. Das 70jährige Gründungsfest konnte der Verein am 27./28. September 1980 feiern. In diesen sieben Jahr­ zehnten hat der Verein Höhen, aber auch Tiefen er­ lebt. Es waren aber immer wieder Männer da, die sich mit voller Tatkraft für den Verein einsetzten. Franz Kraus, Georg Wild, Benedikt Haseidl, Anton Huber, Josef Klattenbacher, sind nur einige Namen, die ge­ nannt werden sollten. Auch das 75jährige Gründungsfest wurde am 2. Juni 1985 vom Verein festlich begangen. Erstmals am 8. April 1984 veranstaltete der Trachten­ verein ein Kinder- und Jugendsingen und -musizieren. Dabei soll alle zwei Jahre vor allem neuen Gruppen die Möglichkeit zum Auftritt gegeben werden. Eingeladen sind Kinder und Jugendliche im Schulverband Bene123


Der Jahrgang 1897 (Auf nach Paris) Benediktbeuern 1915

Jugendgruppe 1921

Steirer

GrĂźndungsmitglieder Max Fischer, Sepp Ehrmann, Jakob Schmerold

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diktbeuern. Am 29. März 1987 fand das 3. Singen statt. Es waren jeweils an die 100 Mitwirkende beteiligt. Vorstände ab 1946: Josef Krönauer 1946-48 Lorenz Höck 1948-50 Benedikt Haseidl 1950-51 Anton Huber 1951-54 Josef Klattenbacher 1954-56 Anton Huber 1956-58 Josef Klattenbacher 1958-62 Benedikt Grünwald 1962-63 Josef Aichbichler 1963-64 Benedikt Grünwald 1964-66 Josef Pölt 1966-72 Johann Linder! 1972-76 Josef Pölt 1976-80 Michael Rieger seit 1980 Die derzeitige Vorstandschaft ist seit 1980 im Amt: 1. Vorstand Michael Rieger 2. Vorstand Josef Hundegger Kassier Franz Moser Schriftführer Josef Schwaller

Alte Tracht nach der Leonhardifahrt

Der Mitgliederstand hat sich in den letzten Jahren enorm erhöht, sodaß der Verein an die 200 Mitglieder zählt. Der aufblühende Verein kann auf erfolgreiche und tatenreiche Jahre zurückblicken. Er kann dies um so mehr, als gerade in der heutigen Zeit Bürokratismus und Papierkrieg das Vereinsleben erschweren. Man kann ohne Übertreibung sagen, überall, wo sich die »Barmstoana« sehen ließen, rechtfertigten sie den ih­ nen vorauseilenden guten Ruf und festigten ihn aufs Neue. Wenn in diesem Sinne weitergearbeitet wird, dann können wir mit ruhigem Gewissen in den Ruf un­ serer Väter einstimmen: Treu dem guten, alten Brauch! Gaufest am 18. 8. 1957 in Benediktbeuern, vordere Reihe v.l. 2. Gauvorstand Bartl Schmuck verdeckt, Staatssekretär Panholzer, 1. Gauvorstand Franz Sappl und 1. Vorstand Sepp Klattenbacher.

Michael Rieger, 1. Vorstand

Jugendgruppe 1985 125


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Ortsgeschichte von Benediktbeuern Das Dorf Benediktbeuern liegt am Fuße der Benedik­ tenwand auf leicht von Ost nach West abfallendem Ge­ lände. Zwischen dem Kloster im Westen und dem Dorf im Osten ist zu unterscheiden. Letzteres hieß früher Laingruben oder Laingreb und hat erst 1865 den Na­ men des weltbekannten Klosters Benediktbeuern auch für sich übernommen. Noch im 11. Jahrhundert scheint jedoch für das Kloster und für das Dorf gemeinsam Bu­ ron gesagt worden zu sein. Das Kloster wurde 739 durch die Familie der Huosi ge­ stiftet, die dafür von ihrem Besitz einen Teil zur Verfü­ gung stellte. Der Adelssippe der Huosi entstammen auch die ersten drei Äbte: Landfried, Waldram und Eliland. Das Kloster bildete bis zum Jahre 1803 den wirtschaftli­ chen, politischen und geistig-kulturellen Mittelpunkt des ehemaligen Hoheitsgebietes Benediktbeuern. Das Kloster Benediktbeuern gehört zu den ehrwürdigsten Stätten der engeren Heimat und zugleich zu den wich­ tigsten Altbayerns und ganz Süddeutschlands. Ohne Zweifel stellt es den Hauptort des Huosigaues und des Pfaffenwinkels dar. Ein äußeres Zeichen dafür ist die noch erhaltene großzügige und mustergültige barocke Anlage des Klosters mit ihrem romanisch-gotischen Kern im Konvent- und Kirchenbau, mit ihren geistigen und künstlerischen Zeugnissen aus allen großen Kul­ turepochen zwischen 740 und 1803, die etwas von der rund tausendjährigen Kultur- undAufbauarbeit christ­ lich-benediktinischen Geistes und Fleißes erahnen las­ sen. Kloster und Dorf sind geprägt von der Verehrung der Heiligen Benedikt und Anastasia, deren Reliquien in der Pfarrkirche aufbewahrt werden, und des hl. Leon­ hard, zu dem die Menschen seit Jahrhunderten alljähr­ lich wallfahren, um Hilfe in ihren Nöten zu erfahren. Auch die modernste Technik kann die Sinnhaftigkeit solchen Tuns nicht in Frage stellen.

Benediktbeuern Dorfstraße um 1910 Die enge Bezogenheit des Dorfes Laingruben bzw. Be­ nediktbeuern auf das Kloster ist heute noch in den her­ ausragenden Bauten zu erkennen. Im ehemaligen Klo­ sterrichterhaus, dem jetzigen Pfarrhof; in der alten Hoftafern, dem heutigen Gasthof zur Post; in der frü­ heren Pferdehalterei, dem nunmehrigen Zwerger­ Haus; im Clostercramer-Haus; im Gerichtsschreiber­ haus, dem jetzigen Forstamt. Ergänzt werden sie durch die Hofanlage Häusern, die im 12. Jahrhundert Mini­ sterialensitz war, durch den mächtigen Sommerkeller,

dessen Gebäude auch noch in seinen Resten ein zu er­ haltendes Baudenkmal darstellt, und die Schwaige Straßberg. Der Pfingstmarkt, der mit der Weihe derAnastasiaka­ pelle an einem Pfingstdienstag zusammenhängt, ist ebenfalls eine Klammer aus früherer Zeit. Im Gebiet von Häusern wohnte der vom Kloster angestellte Maler GeorgAsam. Die Säkularisation 1803 hat vieles zerstört und verän­ dert. So wurde die frühere Pfarrkirche, die im Friedhof 127


stand, abgebrochen und die große Klosterkirche zur Pfarrkirche bestimmt. Die wichtige Benediktbeurer Klosterapotheke kam 1804 nach Tölz und bildete den Grundstock der alten Hof-Apotheke. Die bayerische Staatsbibliothek übernahm 40 000 Bände der Kloster­ bücherei und wertvolle Teile des Archivs, darunter auch Handschriften aus dem 8. bis 14. Jahrhundert, so auch die berühmten Carmina Burana, eine Vaganten­ liedersammlung heiteren und politisch-satirischen In­ halts. Freiherr von Utzschneider erwarb die Klostergebäude und bewahrte sie so vor Verfall und Abbruch. Er bot darin dem mathematisch-optischen Institut Reichen­ bachs und Fraunhofers Unterkunft. Hier arbeitete Fraunhofer an neuartigen Poliermaschinen, Sphäro­ metern, Doppelbild-Mikrometern und krönte seine Benediktbeurer Forschungsarbeit mit der Erfindung und Herstellung des wellenfreien Flintglases. Sein da­ maliges Arbeitszimmer ist heute der Vorraum zur Klo­ sterkapelle. Das Kloster diente von 1818 bis 1929 als Remontede­ pot, Truppenunterkunft, Invalidenhaus und Gene­ sungsheim öffentlichen Zwecken. Im Jahre 1930 erwarben die Salesianer Don Boscos die Klostergebäude und übernahmen damit das Erbe der benediktinischen Tradition. Sie gründeten darin eine Philosophisch-Theologische Hochschule, die heute auch Laientheologen und weltlichen Studenten offen­ steht. Seit 1971 gibt es außerdem die Katholische Stif­ tungsfachhochschule für Sozialwesen. Weiter richteten die Salesianer eine Jugendherberge, eine Jugendfrei­ zeitstätte und eine Jugendbildungsstätte mit überregio­ naler Bedeutung ein. Eine schwierige Aufgabe meisterte die Pfarrgemeinde Benediktbeuern in der Sicherung und Restaurierung der barocken Pfarrkirche und der herrlichen Anastasia­ kapelle in den Jahren 1962 bis 1972, sowie im Neubau der Marienkirche mitten im Dorf 1965/66. Am 3. Juni 1973 wurde die Pfarrkirche zur Päpstlichen Basilika mi­ nor erhoben. 128

Das alte Dorf bäuerlichen Ursprungs liegt vor allem zu beiden Seiten der Dorfstraße und des Mariabrunn­ wegs. Hier ist die Besiedelung auch am dichtesten und trägt ausgesprochen bäuerlichen Charakter. Etwas au­ ßerhalb der geschlossenen Ortschaft liegen im Osten die Ortsteile Vorm Holz und Häusern, im Südosten Gschwendt und im Süden findet sich der Weiler Pech­ lern. Die wirtschaftliche Struktur im Ort hat sich infolge der technischen Entwicklung verändert, doch besitzt Bene­ diktbeuern abgesehen von zwei Sägewerken, einigen größeren Handwerksbetrieben und einer Druckerei keine Industrie. Soweit die Einwohner nicht in diesen Betrieben beschäftigt sind, leben sie vom Kleinge­ werbe, von der Land- und Forstwirtschaft und von aus­ wärtiger Beschäftigung. Der Fremdenverkehr ist meist nicht Hauptgewerbe, sondern ein willkommener Ne­ benerwerb, der den Lebensstandard und Wohlstand des Dorfes hebt und ihm in Pflege, Sauberkeit und Blu­ menschmuck sein äußeres, ansprechendes Gepräge gibt. . Gerade aber dem Fremdenverkehr moderner Prägung mußte die Gemeinde Rechnung tragen. So wurde ein großzügiger Kurpark mit Musikpavillon geschaffen, das Gästehaus mit Lese- und Spielräumen eingerichtet, sowie das Sportzentrum und das Alpenwarmbad an der Wurz gebaut (1968-72). Das große neue Schulgebäude gegenüber dem ehemaligen Sommerkeller des Klosters konnte 1974 eingeweiht werden. Es beherbergt die Grund- und Hauptschule des überörtlichen »Schulver­ bandes Benediktbeuern«, der von Schönrain bis Schlehdorf reicht. Benediktbeuern hat heute ca. 2 700 Einwohner und bil­ det mit der Gemeinde Bichl eine Verwaltungsgemein­ schaft. Michael Rieger, 1. Vorstand

Geschichte des Klosters Benediktbeuern und seiner Siedlung Das Kloster Benediktbeuern wurde um 739 von Mit­ gliedern der hochadeligen Familie der Huosi gegrün­ det. Vorbereitende Maßnahmen mögen schon früher begonnen haben. Erzbischof Bonifatius, der 739 auf dem Rückweg von seiner dritten Romreise durch Bay­ ern kam, dürfte dem ersten, noch einfachen Gottes­ haus die Weihe erteilt haben. Diesbezügliche Nach­ richten aus dem 11. Jahrhundert haben durch die Aus­ grabungen des merowingischen Gräberfeldes aus dem 6. und 7. Jahrhundert bei Sindelsdorf vor neun Jahren eine indirekte Stütze bekommen, wenngleich noch eine ganze Reihe von Fragen offen bleibt. Sehr wahrschein­ lich erhielt der erste Abt des Klosters, Landfried, eben­ falls von Bonifatius Weihe und Bestätigung. Wichtig ist die Ortslage des Klosters östlich der Loi­ sach. Hier war das Land noch nicht so weit kultiviert wie westlich von ihr. Die Gründung des Klosters diente hier im östlichen Gebiet der weiteren Kultivierung der Gegend namentlich in Richtung Kochelsee und an den unteren Rändern der auslaufenden Berge des Benedik­ tenwandgebirges wie der Wurz, des Straßberges und gegen Heilbrunn. Seit dem 11. und 12. Jahrhundert stieß die Urbarmachung ins Gebiet des Walchensees und der J achenau vor. Natürlich übernahm das Kloster die weitere Ausbreitung der christlichen Lehre. Die Spuren reichen auch nach Münsing und nach Tutzing. Eine herausragende Bedeutung kommt dem Übergang von der weltlichen Herrschaft in Sindelsdorf zur geist­ lich-klösterlichen in Benediktbeuern im frühen 8. Jahr­ hundert zu. Von Anfang an reichte der Herrschafts­ raum des Klosters Benediktbeuern bis nach Staffelsee zum Starnberger See, zur oberen Isar bis kurz vor Wall� gau, über den Herzogstand und den östlichen Kochelsee. Wenigstens teilweise muß das neu gegründete Kloster die alte Herrschaft Sindelsdorf beerbt haben. Dieser Wechsel zur geistlichen Herrschaft, die ein typisches Beispiel des Eigenklosterwesens darstellt, kann nicht ohne Zustimmung der höchsten kirchlichen Autorität im Lande vorgenommen worden sein. Mit Bonifatius


war diese Autorität damals anwesend. Mit dem Kloster beginnt die Siedlung neben ihm. Zur Klosterfamilie ge­ hörte von Anfang an eine Reihe von Mitarbeitern, die herrschaftlich der klösterlichen Leitung und Gerichts­ barkeit unterstellt waren. Sie halfen mit, das Land ur­ bar zu machen und zu bebauen. Sie standen wie bei an­ deren Herrschaften in Lehensabhängigkeit vom Grundbesitzer. Von der Mitte des 8. Jahrhunderts bis zum 10. Jahrhun­ dert entwickelte sich das Kloster Benediktbeuern recht günstig. Systematisch wurden Vieh-, Land- und Forst­ wirtschaft betrieben. Von Anfang an gab es eine Klo­ sterschule. Der Abt hatte eine Art Visitationsrecht über mehrere Klöster im näheren und weiteren Um­ kreis: über Kachel, Schlehdorf, Staffelsee, Wesso­ brunn und Sandau bei Landsberg. Karl der Große schätzte dieses Kloster hoch ein. Er vermittelte ihm die wichtigste Reliquie des hl. Benedikt, wodurch es.zu ei­ nem erstrangigen Kultort des hl. Benedikt wurde. Die leistungsstarke Schreibschule nahm im südostbayeri­ schen Raum die erste Stelle ein. Nach traditionellen Quellen sollte das Kloster zuerst neben dem Kochelsee gegründet werden. Wahrscheinlich gaben die besseren landwirtschaftlichen Verhältnisse den Ausschlag für die Verlegung weiter nach Norden. In Kochel blieb aber ein Frauenkloster bis zur Mitte des 10. Jahrhun­ derts. Damals zerstörten die Ungarn auch das Haupt­ kloster Benediktbeuern, das noch »Burin« oder »Bu­ ren« hieß. Schon für jene Zeit ist eine eigene Schutz­ truppe des Klosters anzunehmen, die aber der Über­ macht und dem Draufgängertum der noch heidnischen Ungarn nicht gewachsen war. Es folgte gute zwei Generationen lang ein Kanonikat von Weltgeistlichen, das vom Augsburger Bischof ab­ hängig war. Im Jahre 1031 wurde das klösterliche Leben auch auf Anregung des Kaisers Konrad II. (1024-1039) erneu­ ert. Der berühmte Mönch und spätere Abt Ellinger vom Kloster Tegernsee kam mit einer Gruppe von Mit­ brüdern. Nach einem Jahr kehrte er nach Tegernsee zu­ rück. Sein Nachfolger in Benediktbeuern wurde Go-

thelm, Abt von 1032 bis 1062. Seine Hauptsorge war die Wiedergewinnung des früheren Klosterbesitzes. Mehrere geschichtliche Arbeiten entstanden aus der Feder des Mönches Gotschalk, in denen die ehemali­ gen Güter aufgezählt werden. Wiewohl einiges unklar bleibt, können seine Darlegungen nicht als grundsätz­ lich falsch hingestellt werden. Kaiser Heinrich III. be­ stätigte teilweise den Klosterbesitz neu. In den folgen­ den Jahrzehnten geriet das Kloster abwechselnd unter die Oberhoheit der Bischöfe von Freising, Trient und Augsburg. Seit dem Jahre 1133 wurde es wieder selb­ ständig und entwickelte eine zweite Blüte seiner Wirt­ schaft und Kultur. Die Grafen von Andechs waren seine guten Vögte bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1248. Die Geschichtsschreibung wurde fortgeführt, Kirche und Konventbau neu aufgerichtet. Ihre heuti­ gen Grundmauern reichen noch in die romanische Epo­ che zurück. Ein besonders wichtiger Zeuge ist der Schmuckfußboden der ehemaligen Klosterkirche, der erst vor siebzehn Jahren entdeckt worden ist. Ein gut erhaltener holzgeschnitzter Crucifixus (heute im baye­ rischen Nationalmuseum) belegt den hohen bildkünst­ lerischen Stand. In der Bibliothek waren ca. 250 Hand­ schriften, von denen eine ganze Anzahl der Karolinger­ zeit angehört. Die große Klosterfamilie umfaßte mehrere soziologi­ sche Stufen von Mitgliedern, unter denen die Barschal­ ken eine Sonderstellung einnahmen. Sie stellten sich freiwillig unter den größeren Schutz der Klosterherr­ schaft und gaben dafür ihre äußere Freiheit auf. Sie dienten als Ministerialen und hatten innerhalb des klö­ sterlichen Herrschaftsgebietes eine relativ selbständige Stellung. Der Klosterverbund stellte nach innen eine wirtschaftliche und nach außen eine militärische Absi­ cherung dar. Die Lehensabhängigkeit der bäuerlichen Bevölkerung war keine drückende,· wenngleich gele­ gentliche Probleme nicht ausblieben. Mit der Erweiterung des fruchtbaren Bodens und der möglichen Teilung der Anwesen wuchsen die Siedlun­ gen »Laingruben« neben dem Kloster, Bichl in nördli­ cher Richtung, erstmals erwähnt 1043, Ober- und Un-

terenzenau in Richtung Heilbrunn, Ried und Pfister­ berg nach Süden. Im Jahre 1159 wurde die Heilquelle von Bad Heilbrunn neu ausgegraben und seitdem viel­ fältig genutzt. Namentlich der wittelsbachische Hof in München bediente sich seiner heilenden Wirkungen. Von 1185 an wurde die Rodung der Jachenau betrie­ ben. 1291 erhielt die größer gebaute Kirche dort ihre Weihe. Einen Fußweg über den Kesselberg weiter nach Süden gab es schon in vorgeschichtlicher Zeit. Die Straße wurde aber erst Ende des 15. Jahrhunderts ausgebaut. Bereits im 13. Jahrhundert benannte man den größten Berg in nächster Entfernung nach dem hl. Benedikt. Im Jahre 1273 feierte das Kloster Benediktbeuern auf Empfehlung des Augsburger Bischofs Hartmann erst­ mals in ganz Süddeutschland das Fronleichnamsfest. In der großen und festlichen Prozession am Antlaßtag fin­ det diese Tradition jedes Jahr eine ausdrucksvolle Fort­ setzung. In gotischer Zeit, namentlich unter Kaiser Ludwig dem Bayern (1313-1347), büßte das Kloster mehr und mehr Grundbesitz und Hoheitsrechte ein. Es verlor endgül­ tig seine Reichsunmittelbarkeit und kam unter die Oberhoheit des bayerischen Herzogs und späteren Kurfürsten. Das Gebiet des Klosters bekam den Na­ men »Klostergericht« entsprechend den bayerischen Landgerichten. Der Abt war Gerichtsherr in Abhän­ gigkeit vom Hofrat in München. Während der Jahrzehnte der protestantischen Refor­ mation im 16. Jahrhundert erlitt das Kloster keine ei­ gentliche Schädigung. Die Reformarbeit des Abtes Diepolzkircher (1440-1483), der von Tegernsee ge­ kommen war, wirkte sich positiv aus. Der Bauernkrieg 1525 brachte jedoch einige Gefahren, da die aufständi­ schen Bergknappen aus dem Inntal im Gebiet um den Walchensee um Anhänger und Unterstützung warben. Im Jahre 1632, z.Zt. des Dreißigjährigen Krieges, wurde das Kloster von schwedischen Reitern überfal­ len und geplündert, P. Simon Speer von ihnen zu Tode geschleift. Unmittelbar darauf aber stellte die Kloster­ leitung ihre eigene Schutztruppe auf und verteidigte 129


entlang der Loisachlinie bis zum Ende des folgenden Jahres. Dabei halfen die Schützen von Tölz bis Weyarn mit, da die Abwehr von der Loisach aus auch ihnen nützte. Die Pest wütete im Jahre 1634 stark im Kloster­ gebiet, in Bichl jedoch forderte sie die meisten Opfer. Ihre Zahl ist aber wahrscheinlich niedriger gewesen als bislang angenommen wurde. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es zu einer neuen großen Blüte in Benediktbeuern als Ausdruck des Ba­ rocks. Die Hofmark Königsdorf konnte 1641 käuflich erworben werden. Die allgemein gute Wirtschaftsfüh­ rung des Klosters ermöglichte ab 1669 eine größere Bautätigkeit, die sich knappe hundert Jahre erstreckte. Die Klosteranlage hat damals ihr Äußeres weitgehend verändert. Die Kirche wurde 1681-1686 neu errichtet, der Konventbau erhielt zwei neue Obergeschosse. Im Nordosten entstand eines der größten Ökonomiege­ bäude der Barockzeit in ganz Bayern, im Westen wurde zwischen 1695 und 1732 der große Arkadenhofbau auf­ geführt. Die rege Bautätigkeit brachte für zahlreiche Handwerker und Bauarbeiter im Klostergebiet Arbeit und Brot. Sie war gleichsam ein öffentliches Investi­ tionsprogramm. Neben den alteingesessenen Bauern entstand ein neuer, breit gefächerter Handwerker­ stand. Die nachgeborenen Söhne konnten sich beruf­ lich weiterbilden und sich entweder zu Hause oder aus­ wärts wirtschaftlich fortbringen. Ein herausragendes Beispiel ist Hans Hölbling aus Bichl ( t 1736), der schließlich in Ungarn kaiserlicher Festungsbaumeister wurde. Die Leitung des Klosters betätigte sich als Auf­ traggeber für bedeutende Künstler und leistete da­ durch einen wesentlichen Beitrag zur Förderung der Kunst und Kultur in Bayern. Georg Asam wurde von München nach Benediktbeuern gerufen, um besonders die neue Abteikirche auszumalen. Während des sie­ benjährigen Aufenthaltes der Familie Asam wurde hier 1686 Cosmas Damian Asam geboren, der sich zum größten deutschen Freskanten entwickeln sollte. An­ dere berühmte Künstler, die durch Benediktbeuern be­ rufen und gefördert wurden, sind: Johann Baptist Zim­ mermann, Johann Michael Fischer, Johann Michael 130

Feuchtmaier, Johann Jakob Zeiler, Ignaz Günther, Ja­ kob Amigoni. Das Schulwesen mit gymnasialer Unterstufe, die Wis­ senschaften mit einer vorbildlich eingerichteten Biblio­ thek blühten erneut auf. Besonders zeugen dafür die berühmten Namen P. Karl Meichelbeck ( t 1734) als Hi­ storiker und P. Ägidius Jais ( t 1822) als Pädagoge und Pastoraltheologe. Eine neue große Not trat auch für Benediktbeuern im Spanischen Erbfolgekrieg 1701 bis 1713/14 auf. Im Herbst 1703 verteidigten die Gebirgsschützen des Klo­ sters tapfer die Südgrenze im Walchenseegebiet.-Doch als im folgenden Januar die feindlichen Truppen über den zugefrorenen Kochelsee ins Klosterland einbre­ chen wollten, um hier zu plündern, half die überra­ schende Wirkung eines plötzlich aufkommenden star­ ken Föhns, der das Eis zum Schmelzen brachte und den Feinden das Vordringen unmöglich machte. Die dama­ ligen Kloster- und Dorfbewohner sahen darin ein Wun­ der, das Gott auf die Fürbitte der hl. Anastasia gewirkt habe. Die Verehrung der Anastasia als Schutzpatronin nahm ständig zu und übertraf sogar jene Benedikts. Der Anastasia wurde 1751-1753 die herausragende Ro­ kokokapelle nördlich der Kirche errichtet. Die Klosterschulen, elementare und höhere, wurden gerade auch in der Barockzeit, bestens geführt. Für einige Jahre war im nördlichen Flügel des äußeren Ar­ kadengevierts das commune Studium der Benediktiner von ganz Bayern, die in der Bayerischen Benediktiner­ kongregation zusammengeschlossen waren, unterge­ bracht. Die Säkularisation von 1803 brachte für die blühende Einrichtung des Klosters ein abruptes, gewaltsames Ende. Am 21. März 1803, dem Benediktustag, hielt Abt Karl Klocker den letzten Pontifikalgottesdienst in der Abteikirche. Ab 1. April 1803 galt das Kloster als aufgehoben. Von 1805 bis 1818 war der Münchner Hofrat Josef von Utzschneider Besitzer der Klostergebäude. Im ehema­ ligen Waschhaus des Klosters richtete er eine Glas­ schmelze für optisches Glas ein. Sein wichtigster Mitar-

beiter wurde Josef von Fraunhofer (1787-1826), der bei seinen Versuchen in Benediktbeuern die nach ihm be­ nannten »Fraunhoferschen Linien« im Lichtspektrum entdeckte. Sie bilden die Grundlage der Spektralsko­ pie, mit deren Hilfe man die physikalische Zusammen­ setzung der Himmelskörper untersucht. Seit 1820 ver­ wendete man die Klostergebäude als Kaserne. In den Stallungen wurden für das Militär Pferde gezüchtet. Diese Einrichtung nannte man »Remontedepot«. Seit 1868/70 diente der Konventbau als ein Invaliden­ und Genesungsheim für Angehörige des bayerischen Militärs. Im Erdgeschoß des Fürstentrakts befand sich eine Abteilung des Staatsgefängnisses. Die Insassen mußten in der Landwirtschaft des Staatsgutes mitarbei­ ten. Nach der Auflösung des »Klostergerichts« wurden die Orte und Gemarkungen auf die Landkreise Tölz und Weilheim verteilt. 1865 erhielt die Siedlung »Laingru­ ben« den Namen des weltberühmten Klosters »Bene­ diktbeuern«. Die Bauersleute bekamen nach der Säkularisation ihre bisherigen Lehensgüter zu eigen, mußten dafür aber an den Staat Zins zahlen. Die großen klostereigenen Fel­ der wurden parzelliert und in kleinen Teilen zum Ver­ kauf angeboten. Namentlich Handwerker und sog. »Leerhäusler« machten davon Gebrauch. Die Hauptbeschäftigung in Laingruben/Benediktbeu­ ern war immer schon Vieh- und Landwirtschaft, Wald­ und Holzarbeit sowie Flößerei auf der Loisach bzw. Isar. Hinzu kamen die wichtigsten Handwerkszweige, auch eine Hammerschmiede und mehrere Kalkbrenne­ reien. In der Barockzeit bildete sich ein Benediktbeu­ rer Bautrupp heraus, dessen wichtigste Mitglieder, Mi­ chael Ötschmann als Klosterarchitekt und die Maurer­ und Stukkatorenfamilie Hainz, in Bichl zuhause waren. Die Kirchen in Bad Heilbrunn, Kochel, Walchensee und Jachenau künden von ihrer Tüchtigkeit und Kunst. Die Antlaß- und Gebirgsschützen haben schon eine sehr lange Tradition. Sie reicht nachweislich ins 15. Jahrhundert zurück, ist aber sicher älter. Die Leonhar­ difahrt wird seit dem Jahre 1881 wieder durchgeführt.


. Neben der T··1 o zer entwickelte sie . sich zur bedeutend· sten diesbezüglichen Veranstalt . ung im bayerischen . Oberlan d . 1910 gr··undete man m Bene diktb eue rn den Gebirgstrachtenvere in »Die Barmstoaner«. Sie alle tragen wesentlich zur Erh �1tung ortsgebundener' bo. denstän diger Tradition be i. m de r Bewahrung heimatliche r' bayerischer Leb art u�d Sit�e und in der Beja­ hung überkommener ;: rte emschhe ßlich de s religiösen Lebens. P. DDr. Leo Weber' 14 · Marz .. l987' Bene di"ktbeuern

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Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » Würmseer Stamm« Diemendorf Nach langen Vorgesprächen und Beratungen kamen am 5. Juni 1910 sechs wackere tracht- und heimatlie­ bende Burschen in Bernried beim Altwirt zu einer Be­ sprechung zur Gründung eines Trachtenvereins zusam­ men. Der Zusammenkunft war ein voller Erfolg be­ schieden, denn es kam zur Gründung des Gebirgstrach­ ten-Erhaltungsvereins »D'Würmseer Diemendorf«. Als Vereinslokal wurde die Bahnhofsrestauration Josef Hasch, Diemendorf bestimmt. Als 1. Vorstand wurde Xaver Sojer gewählt, als 1. Kassier Alois Schaller. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten noch: Georg Schaller, Georg Steer, Paulus Kern und Josef Hasch. Der Verein wuchs schnell empor; im Jahre 1911 waren es schon 36 Mitglieder. Diese wählten die Miesbacher­ Tracht zu tragen und zu pflegen. Am 16.12.1911 wurde der Verein in den Oberländergau, Sitz Miesbach, auf­ genommen.

Der Verein 1912 bei der Fahnenenthüllung 132

Nun begann der Kampf mit den Behörden und der Geistlichkeit, denn sie wollten den Verein nicht aner­ kennen. Einige Geistliche gingen sogar zu dem Verbot über, mit der kurzen Lederhose die Kirche zu betreten. Trotzdem stieg die Mitgliederzahl auf 53 Buam und­ Deandl an, so daß der Kauf einer Fahne beschlossen werden konnte. Die Fahne wurde von der Firma Auer in München angefertigt. Am 14. Juli 1912 fand die Fah­ nenenthüllung mit großer Feierlichkeit statt, wozu die Vereine bis aus Bad Aibling erschienen sind. Eine Fah­ nenweihe gab es damals noch nicht, da der Geistliche sich weigerte die Trachtenvereinsfahne zu weihen. Die Weihe unserer ersten Fahne wurde erst beim lüjähri­ gen Gründungsfest 1920 in Tutzing nachgeholt. 1913 kam dann eine kleine Abzweigung von Mitgliedern; diese gründeten den Trachtenverein »Karpfenwinkler Unterzeismering«, der sich aber nach einjährigem Be-

stehen wieder auflöste. Dann kam das große Völkerrin­ gen 1914-1918, wo die meisten Mitglieder eingezogen wurden. Sieben aktive Mitglieder fanden den Hel­ dentod, darunter auch einige Gründungsmitglieder. Im Jahre 1919 sammelte sich der Trachtenverein wieder, als die meisten Mitglieder vom Felde zurück waren, un­ ter der Leitung von Xaver Sojer. Die Mitgliederzahl stieg auf 68 Buam und Deandl an. Noch im gleichen Jahr bildete sich ein Zweig vom Stammverein und grün­ deten den Trachtenverein »Kiensbachtaler Diemen­ dorf«, der dann nach einigen Jahren als Trachtenverein Haunshofen weitergeführt wurde und heute noch besteht. 1920 feierte der Stammverein »D'Würmseer Stamm« Diemendorf sein lüjähriges Bestehen mit der Fahnen­ weihe in Tutzing. Es war für den Trachtenverein ein großer Erfolg. Im Jahre 1923 wurde unser Ehrenvorstand Xaver Sojer für längere Zeit ans Krankenbett gefesselt. Der dama­ lige 1. Vorstand Georg Steer zog vom alten Vereinslo­ kal nach Bernried zum Altwirt, wo der Verein gegrün­ det wurde. Dies dauerte aber nur solange, bis der Eh-

v. 1. Ehrenmitglied Michael Engelniederhammer, Ehrenvorstand Xaver Soyer und Hans Raßbichler, 1. Gauvorstand beim 40jährigen 1950 in Diemendorf


renvorstand Sojer von seiner Krankheit genesen war. Im Juni 1924 hatte dann Xaver Sojer den Antrag in ei­ ner Versammlung gestellt, zurück ins alte Vereinslokal Hasch zu ziehen. Mit nur einer Stimme Mehrheit ist dies gelungen. Diejenigen, die nicht mehr ins alte Lokal zurück wollten, gründeten den Trachtenverein »D'Würmseer Bernried«, der dann später als Trachten­ verein »D'Würmseer Tutzing« weitergeführt wurde; darunter war auch der 1. Vorstand Georg Steer. Bei uns wurde daraufhin Alois Schaller gewählt. Der Stammverein blühte indessen weiter und konnte im nächsten Jahr sein 15jähriges Bestehen in Tutzing fei­ ern. Im Jahre 1930 bekam der Trachtenverein »D'Würmseer Stamm« Diemendorf das 10. Loisach­ gaufest zur Durchführung. Nach der Gründung des Loi­ sachgaues 1919 schloß sich unser Verein diesem am 2. August 1919 gleich an. Das Gaufest fand im Mai 1930 auf der Hirschbergalm statt. Es fanden sich 60 Vereine ein und feierten mit den Diemendorfern das Fest. Lei­ der mußte der Festzug abgesagt werden, da sich das Wetter verschlechterte und es zu schneien begann. Die Vorstandschaft bildete: Ehrenvorstand Xaver Sojer; 1. Vorstand Hans Leitner; Schriftführer Anton Schuster; Kassier Josef Greiner; Vorplattler Karl Dirnhofer; Re­ visor Michael Leitner (Much); 2. Vorstand Michael En­ gelniederhammer. Der Beitrag wurde monatlich einbezahlt und betrug für Buam 30 Pfennig und für Deandl 20 Pfennig. Es vergingen wieder 5 Jahre bei normalem Vereinsle­ ben. 1935 wurde dann das 25jährige Gründungsfest in Tutzing gefeiert, wo strahlender Sonnenschein herrschte und sich 29 Vereine beteiligten. Auch das war ein gelungenes Fest. Es wurde auch in den Jahren 1930/ 1931 das Vereinslokal gewechselt. Der Verein zog nach Diemendorf ins Gasthaus Kergl. Dann kam wieder eine schwere Zeit. Es ging um die Auflösung der Trach­ tenvereine und Gaue in ganz Bayern, in der NS-Zeit. An deren Stelle rückte die Trachtengemeinschaft. So kam es zur Generalversammlung am 14. Oktober 1938, bei der ein sehr guter Besuch von den Buam und Deandl war, denn es ging um vieles, ja man kann sagen ums

Überleben des Vereins. Auch Ehrenvorstand Xaver Sojer kam, der dem Verein immer mit guten Ratschlä­ gen zur Seite stand, wenn er schweren Zeiten entgegen ging. Diese Trachtengemeinschaft nannte sich »Kraft durch Freude«. Die Gemeinschaft hatte in jeder Ge­ meinde seinen Ortswart. Organisiert wurde alles von der Regierung, die Obmänner oder Ortswarte be­ stimmten. In Tutzing war Herr Schulze mit diesem Po­ sten beauftragt worden und in der Versammlung anwe­ send. Er hielt einen langen Vortrag. So kam es, daß sich die langjährigen Trachtler von einem Nicht-Trachtler belehren lassen mußten. Laut Bericht von Herrn Schulze ist ein großer Trachtenumschwung vollzogen. Die Trachtengemeinschaft Diemendorf gehört dem »Kraft durch Freude« Ortsverband Tutzing an. Herr Schulze ist somit der Oberkommandierende des Trach­ tenvereins Diemendorf; dieser hat wieder der Kreis­ dienststelle Starnberg zu gehorchen und diese wieder der Gaudienststelle München für Oberbayern. Der Spielraum der Trachtenvereine war sehr eingeengt. Es kam sogar soweit, daß kein Verein mehr eine neue Fahne sticken ließ, denn das knieende Trachtlerpaar vor dem Feldkreuz, das als Symbol für das Christentum gedacht ist, sollte durch die aufgehende Sonne und das Hakenkreuz ersetzt werden, was für die Trachtler nicht annehmbar war. Gründungsfeste gab es nur noch im kleinen Rahmen, verbunden mit einem Vereinsball. Die Vereine mußten diesen Vorschriften gehorchen, denn sonst mußten sie alles der Gemeinschaft »Kraft durch Freude« übergeben, also fügte man sich. Die Vorstandschaft bildete damals: 1. Vorstand Josef Greiner, der 1939 gewählt wurde; Schriftführer Anton Schuster; Kassier Georg Seitz; Vorplattler Leonhardt Meier und Fähnrich Hans Seitz. Anstelle der Gaufeste trat damals der Kreisleistungs­ wettbewerb in der Kreisstadt Starnberg. Für hervorra­ gende Leistung gab es ein Diplom. Der Verein machte bei dem Wettbewerb mit. Er führte den althistorischen Tanz »s'Deandl mit'm rodn Miada« auf, wofür viel Bei­ fall geerntet wurde. Noch ahnte keiner, daß wir kurz vor dem Zweiten

Weltkrieg standen. Düster und schwer hingen die Wol­ ken am Himmel, als Anfang September 1939 fast ein je­ des Haus einen Stellungsbefehl erhielt. Es traf 15 ge­ standene Männer vom Verein die über die Grenzen hinaus mußten, um unser schönes Heimatland zu ver­ teidigen. Darunter war auch der 1. Vorstand Josef Greiner sowie der vorhergehende 1. Vorstand Johann Leitner. Den Heldentod starben Otto Schuster, Egi­ dius Dreyer, Hans Sigst, Hans Kergl und Johann Leit­ ner. Von den Vermißten hörte man immer noch nichts. So hat sich erst 1946 der Verein wieder zusammenge­ funden. Jetzt fanden auch wieder Gaufeste statt. Bis 1948 Josef Greiner von der Gefangenschaft heim­ kehrte, bildete man ein Provisorium. 1946 übernahm Michael Leitner das Amt des 1. Vorstandes, 1947 An­ ton Schuster und 1948 Andreas Leitner. Doch der Sepp Greiner war nach 3 Jahren Krieg und 6 Jahren Gefan­ genschaft gesundheitlich nicht besonders auf der Höhe, so mußte doch der 2. Vorstand Andreas Leitner den Verein führen. Er rief zur Trachtenerneuerung auf, die es bestimmt gebraucht hat, da es während der Kriegs­ zeit nichts zu kaufen gab. So bewarb man sich für 1950 um das Gaufest - vergebens. Aufgrund dessen feierte man das 40jährige Bestehen im kleinen Rahmen mit den umliegenden Vereinen im Vereinslokal. Der Pa­ tenverein ließ es sich nicht nehmen und kam zum Hei­ matabend eigens mit einer Bühne von München um das Lustspiel »Das Edelweiß« aufzuführen. Dem auch hier anwesenden 1. Gauvorstand Hans Raßbichler wurde ein Geschenkkorb zum 75. Geburtstag überreicht. Doch auch dem Ehrenvorstand Xaver Sojer wurde für seine aktive Vereinsarbeit gedankt und eine Trachten­ joppe überreicht. Wegen der im ganzen Land verbrei­ teten Maul- und Klauenseuche mußten einige Veran­ staltungen ausfallen. 1953 beschloß der Verein die Fahne erneuern zu lassen. Dies war jedoch nicht einfach, da kein Geld in der Kasse war. So wurde eine Spendenliste aufgestellt und es war kaum zu fassen: in wenigen Minuten war der Preis gezeichnet. Jedes Mitglied spendete sein Best­ möglichstes, ob Bauer, Knecht oder Arbeiter. Möge 133


Beim Festzug 1952 in Penzberg

»Würmseer Stamm« Diemendorf 1957

Festzug Teilnehmer 1964

Festzugspitze 1970 in Tutzing beim 60jährigen Gründungsfest, 1. Reihe v .1. Ehren­ vorstand Josef Greiner, 1. Gauvorstand Franz Sappl, 1. Vorstand Georg Schuster.

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dies, als ein Zeichen des Zusammenhalts auch von den Nachkommen übernommen werden. 1953 verstarb unser Ehrenmitglied Michael Engelnie­ derhammer, Klaus Friesenegger (Ehrenvorstand vom Trachtenverein Tutzing), Hans Seitz - langjähriger Fähnrich, sowie der 2. Vorstand Andreas Leitner. Lei­ der konnte er dieFahnenweihe 1954-sein Werk- nicht mehr erleben. Wegen der Gründung des ersten Trachtenvereins in Bayrischzell vor 75 Jahren wurde im benachbarten Mo­ natshausen ein großes Feuer abgebrannt. Das 50jährige Gründungsfest wurde 1960 in Diemen­ dorf abgehalten. Beim Festzug nahmen 40 Vereine teil, d. h. man mußte denFestzug weit über das Dorf hinaus­ führen, doch waren alle zufrieden. Am 5. September 1961 brach durch Blitzschlag ein gro­ ßesFeuer aus. Es brannten die Anwesen der Mitglieder Andreas Leitner und Peter Kergl (Vereinslokal) völlig ab. Zu denFesten fuhr man des öfteren zusammen mit den Tutzinger Trachtlern mit einem Bus. Doch auch Kame­ radschaften wurden gepflegt. So besuchten uns 1968

Beim Gaufest 1984 in Tutzing, die Festzugspitze

die »Werdenfelser München« und »Schloß-Berg«. 1969 feierte der Nachbarverein Haunshofen seine Fahnen­ weihe und wir durften die Patenschaft übernehmen. In diesem Jahr wurde auch der langjährige Schriftführer Anton Schuster zu Grabe getragen. Am 28. Juni 1969 fand eine außerordentliche General­ versammlung statt. Diese war notwendig, weil der 1. Vorstand Josef Greiner aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Georg Schuster wurde als sein Nachfolger gewählt. Das 60jährige Gründungsfest wurde groß in Tutzing ge­ feiert. So konnte sich der neu gewählte Vorstand gleich bewähren. Die Festmusik hieß, wie beim 50jährigen, Wielenbach. BeimFestzug wurden über 1500 Trachtler mit 10 Musikkapellen gezählt. Die vielen Zuschauer spendeten regen Beifall für die schönen Trachten. 1972 verstarb der Ehrenvorstand Xaver Sojer in Iffel­ dorf. Im gleichen Jahr wurde der Trachtenverein Tut­ zing wieder an den Trachtenverein Diemendorf ange­ gliedert, da dieser nur noch auf dem Papier existierte. Es war der Vorschlag von GauvorstandFranz Sappl. So kam an diesem Tag der Verein wieder in seine Aus-

gangsposition zurück, da der Trachtenverein Tutzing 1924 vom Trachtenverein Diemendorf abzweigte. Das Vereinslokal wurde nach Tutzing in den Andech­ ser Hof gelegt, was jedoch Probleme für die Proben mit sich brachte, da am Freitag Ruhetag war. Das alte Lo­ kal hatte für mehrere Jahre geschlossen. Doch 1977 konnte man wieder zurück nach Diemendorf ziehen. Dazwischen wurde eine neue Fahne gekauft und 1973, verbunden mit einem Fest in Tutzing, geweiht. Pate stand wie bei der ersten Fahne der Trachtenverein »D'Werdenfelser München«. Fahnenmutter war Maria Ruhdorfer, Fahnenbraut Anni Friesenegger, Festjung­ frauen Manuela Wriege und Frieda Ruhdorfer. Die Fahne kostete DM 3.000,-plus Fahnenbänder. 1975 mußten wir von verdienten Trachtlern Abschied nehmen: Hans Selk - Kassier im Tutzinger Trachten­ verein; Stasi Leitner und Michael Leitner - er war viele Jahre im Vereinsausschuß und auch als 1. Vorstand tä­ tig. Unsere Jugend nahm zum ersten Mal beim Gauwer­ tungsplatteln teil und belegte von 20 Teilnehmern den 10. Platz.

Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal in Diemendorf anläßlich des Gaufestes 1984 135


1976 wurde das erste gemeinsame Seefest mit der Tut­ zinger Gilde abgehalten, das seither immer am ersten Samstag im Juli stattfindet und für beide Vereine eine finanzielle Unterstützung bringt. 1977 durfte der Verein das Loisachgausingen und -mu­ sizieren in der TSV-Turnhalle in Tutzing durchführen, wozu sich 17 Gruppen vom Gau meldeten. Für 50 Jahre Trachtlertreue wurden vom Gauvorstand geehrt: Kuni Leitner, Gertraud und Simon Ginter, Georg Seitz und Peter Müller. Um die Sternpolka und den Bandltanz zu lernen kam der Vorplattler des Nachbarvereins Wielenbach zu uns. 1978 verstarb der 2. Vorstand Josef Friesenegger im Al­ ter von 46 Jahren nach einer heimtückischen Krank­ heit. Doch auch von Centa Engelniederhammer und Peter Müller mußte man Abschied nehmen. Das 70jährige Gründungsfest wurde im kleinen Rah-

Michael Leitner (Much) beim 75. Geburtstag 1974; 45 Jahre in der Vorstandschaft tätig 136

men am 3. August 1980 veranstaltet. Der Stadl von der Farn. Holzer gab uns und unseren 600 Gästen-nur die umliegenden Vereine waren geladen-Obdach. Hierzu spielte die Festmusik Pähl. Die Bewirtung übernahmen wir selbst. Auch in diesem Jahr fand in Tutzing das Sänger- und Musikantentreffen statt. Es wurde mit dem Huosigau veranstaltet und vom Bayerischen Rundfunk aufge­ nommen. Mit dem Patenverein feierten wir das 75jäh­ rige Gründungsfest 1981 im Rahmen eines Heimat­ abends. Des öfteren wurden 2-Tagesausflüge gemacht. In die­ sem Jahr fuhren wir in den Bayerischen Wald, was bei allen Teilnehmern immer volle Begeisterung fand. Doch auch der 80. Geburtstag unseres Ehrenvorstan­ des wurde nicht vergessen und gebührend gefeiert. 1982 mußten wir Abschied nehmen von Gertraut Gin­ ter, Kuni Leitner, Simon Ginter und Maria Greiner. Da wir uns schon des öfteren für das Gaufest bewarben, bekamen wir es für 1984 zugesprochen. Jetzt liefen die Vorbereitungen, denn ganze 54 Jahre hat man darauf gewartet. Doch bevor es zum Fest kam, mußten wir noch von unserem langjährigen Schriftführer (30 Jahre) Alois Kühn und Kassier (30 Jahre) Georg Seitz Ab­ schied nehmen. Das 57. Loisachgaufest fand am 28./29. Juli 1984 in Tut­ zing statt. Anwesend waren 29 Gauvereine und 7 Trachtenvereine außer Gau. Am Samstag fand, nach­ dem alle Vorbereitungen getätigt waren, ein gelunge­ ner Heimatabend statt. Am Sonntag mußte die hl. Messe wegen schlechten Wetters im Zelt stattfinden. Doch der »Wettergott« hatte ein Einsehen und so konnte um 13.30 Uhr der Festzug pünktlich beginnen. Tausende von Zuschauern säumten die Straßen von Tutzing und spendeten regen Beifall als ca. 3000 Trachtler mit 21 Musikkapellen durch die Straßen zo­ gen. Mit dabei war auch Hans Zapf, der Vorstand der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände. Den er­ sten Meistpreis im Gau erhielt Königsdorf mit 166 Teil­ nehmern, den zweiten Thanning mit 128 Teilnehmern, den dritten Höhenrain mit 120 Teilnehmern. Außer

Gau bekam Haunshofen den Meistpreis mit 101 Teil­ nehmern. Alle Vereine erhielten schöne Humpen mit Gravur. Zu diesem Gaufest hat sich der größte Teil der Mitglieder neu eingekleidet und keine Mühe und Aus­ gaben gescheut. An dieser Stelle sei auch dem 1. Vor­ stand Georg Schuster für seinen unermüdlichen Ein­ satz gedankt. Doch auch ein finanzieller Erfolg konnte anschließend verbucht werden. Der Verein zählte 1984 95 Mitglieder und 28 Jugendli­ che bis 17 Jahre. Die Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusammen: 1. Vorstand Georg Schuster; 2. Vor­ stand Andreas Leitner; Schriftführerin Gabriele Brückner; Kassier Resi Holzer; 1. Vorplattler Georg Bauer; 2. Vorplattler Gregor Kreutterer; Jugendwart Renate Geiger; Volksmusikwart Roman Neubacher; Revisoren Ewald Brückner und Max Leitner; Ehren­ vorstand Sepp Greiner.

Ehrenvorstand Josef Greiner beim 80. Geburtstag 1983


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Ortsgeschichte vo_n Diemendorf Westlich vom Starnberger See, zwischen Tutzing und Weilheim, liegt der kleine Ort Diemendorf in hügeliger Moränenlandschaft und vielen Wäldern. Es fließen viele Bäche in den Kiensbach, der durch den Ort Rich­ tung Westen in die Ammer fließt. Manchmal führen die Bäche so viel Wasser, daß es für die Häuser am Bach­ ufer sehr gefährlich ist. Eine Gedenktafel erinnert an eine Überschwemmung im letzten Jahrhundert. Nur durch die rasche Hilfe der herbeieilenden Nachbam aus Haunshofen und dem Beistand Gottes konnte Die­ mendorf vor einer Katastrophe gerettet werden. Der Ort hat nur 12 Häuser; einige stehen am Bachufer, die anderen halb am Hang wie auch die Kirche. Diese hat einen schweren Turm mit Satteldach. Das läßt dar­ auf schließen, daß es sich um eine alte Siedlung han­ delt. Der Kirchturm soll aus der Römerzeit stammen; aufgrund der dicken Mauem des unteren Turmge­ schosses, die aus Bachkiesel gemauert sind, ist dies zu­ rückzuführen. Es heißt auch, daß hier eine Römer­ straße vorübergegangen sei. Eine alte verfallene Weg­ säule, die aus dieser Zeit stammen soll, beweist es. Um das Jahr Tausend ist der Ort selbst entstanden. Als um die Mitte des zwölften Jahrhunderts Urkunden aus­ gestellt wurden - über den Gütertausch zwischen dem Bistum Freising und dem Herzogtum Dachau - wird auch schon der Ort Diemendorf - Tuemendorf - er­ wähnt. Seltsam ist, daß ein so schöner alter Ort, der so eine Geschichte nachweist kaum noch gewachsen ist. Längst ist der viel jüngere Ort Haunshofen, der Pfarr­ sitz war, viel größer geworden. Aber jetzt, wo eine neue breitere Landstraße mitten durch den abgelege­ nen Ort führt, wird so mancher Fremder hier einkehren und die kleine Bauernkirche betreten. Der Heiligen Märtyrerin Margaretha ist sie geweiht; ihre Geschichte wird auf dem Altarbild und denDeckenbildern erzählt, in der bäuerlichen barocken Formensprache, die hier zuhause ist, imDreieck zwischen Ammersee, Starnber­ ger See (Würmsee) und Weilheim - im Vorland der Berge. 138

Diemendorf aus der Luft gesehen 1984 Die Eisenbahn erreichte Tutzing 1860, der Weiterbau wurde durch das Kohlebergwerk Peißenberg zügig vor­ angetrieben, so daß Diemendorf 1862 schon eine Hal­ testelle bekam. Im Jahre 1875 kam für die Haltestelle der BahnhofDie­ mendorf. Der Grund und Boden wurde mit Überein­ stimmungsgesprächen beschafft, da es keine Zwangs­ enteignung gab. Dadurch ist der Bahnhof gut 1 km vom Ort entfernt. Der Bahnbau brachte für viele, auch vom Ort, Arbeit und Brot. Die Arbeiter waren in Holzbaracken unter-

gebracht. Ein Taglöhner verdiente damals 26 - 48 Kreuzer, ein Facharbeiter 1 Gulden je nach Leistung. Die Arbeiter mußten selbst für Wohnung, Kleidung und Werkzeug aufkommen. Viele Familien lebten zu dieser Zeit am Rande des Existenzminimums, denn 1 Pfund Brot kostete 2 ½ Kreuzer, 1 Pfund Schweine­ schmalz 15 Kreuzer, 1 Maß Bier 15 Kreuzer. Da in Diemendorf ein Kalkofen und eine Ziegelei an­ sässig war, sowie durch die umliegenden Moorgründe im erwerbsmäßigen Abbau sehr viel Torf gestochen wurde und in den umliegenden Großwaldungen Maj-


stättwald, Oberzeismering und Unterholz viel Holz ge­ schlagen wurde, bewährte sich der Bahnhof mit Verla­ destation sehr gut. Ebenso wurde bis 1954 täglich die Milch der Bauern verladen und nach München zur Ver­ arbeitung transportiert. Nordöstlich des Bahnhofs ließen sich in ausgedienten Eisenbahnwaggons Arbeiter nieder, die hier Arbeit fanden und es entstand im Laufe der Jahre die Siedlung Neudiemendorf. Erst in späteren Jahren des 20. Jahr­ hunderts wurde die Siedlung nach dem Namen der Bo­ denerhebung »Kampberg« genannt. Nach dem 2. Weltkrieg wuchs Kampberg zu einer schö­ nen Siedlung heran, zählt heute 70 Häuser mit 500 Ein­ wohner. 1960 bekam Kampberg durch die Initiative von Schwester Inocentia ein Kirchlein das der Patronin Bavariae geweiht ist. Der Zweite Weltkrieg von 1939 - 1945 forderte auch von der Kirchengemeinde seinen Tribut. Die große und mittlere Glocke wurden abgenommen und einge­ schmolzen. 1948 ließen es sich die Diemendorfer nicht nehmen, an den Kauf neuer Glocken zu denken. Jeder Haushalt gab sein Scherflein. Die Glockengießerei

Der Verein 1980

Zudnochovsky bekam den Auftrag für 2 neue Euphon­ Glocken. Am 20. November 1949 war es soweit. Die Glockenweihe konnte gefeiert werden. Herr Pfarrer Geiger aus Haunshofen nahm die Weihe vor. Ehrengä­ ste waren der Landrat Irlinger aus Starnberg, Bürger­ meister Bleicher aus Tutzing sowie einige Gemeinde­ räte. Den Zug durchs festlich geschmückte Dorf führte die Knappschaftskapelle Peißenberg an. Dabei waren außerdem der Burschenverein Haunshofen sowie die Trachtenvereine Haunshofen, Tutzing und Diemen­ dorf. Für das Wachstum des Ortes hatte der nahegelegene Bahnhof sein Gutes, konnten die Arbeiter, die teil­ weise bis nach München fahren müssen, den Bahnhof voll nutzen. Im Zuge der Rationalisierung der Bundes­ bahn wurde 1983 der Bahnhof, wie viele andere auch, zum Leidwesen von Kampberg und Umgebung ge­ schlossen. Es verkehren nur noch die Busse des RVO. Kampberg beherbergt heute 8 Gewerbebetriebe Maurer, Maler, KFZ- und einige Kleinbetriebe. Be­ steigt man den nahegelegenen Höhenberg, vielleicht noch bei Südwind, ist es ein Augenschmaus was zu se-

hen ist. Die gesamte Alpenkette vom Chiemgau bis zum Allgäu liegt einem zu Füßen. Auch das Ammertal und die vielen schönen Orte im Voralpenland sind zu sehen. Diemendorf wurde erst in den Jahren 1960 größer. Es wuchs aber langsam und ist immer noch ein kleiner Ort der 1985 25 Häuser zählte und bereits zur Gemeinde wie zur Pfarrei Tutzing gehört. Die Kinder gehen nach Tutzing zur Schule, nicht mehr nach Haunshofen. Der Ort hat aber immer seinen ländlichen bäuerlichen Charakter er­ halten. Die neuerbauten Häuser sind alle der Landschaft angepaßt und die neuen Bewohner suchen Anschluß an das von Generationen geprägte bäuerliche Landvolk. 1. Vorstände im Verein waren: 1910 bis 1922 Xaver Soyer . 1922 bis 1924 Georg Steer 1924 bis 1928 Alois Schaller 1928 war es Michael Leitner 1929 war es Alex Bader 1930 bis 1939 Johann Leitner 1939 bis 1969 Josef Greiner seit 1969 Georg Schuster Verfasser: Georg Schuster

Vorstandschaft 1985

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Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »Edelweiß« Bichl Die Gründung des Gebirgs-Tracht-Erhaltungsvereins »Edelweiß« Bichl erfolgte im Jahre 1911. Durch wid­ rige Umstände, das Tragen von kurzen Lederhosen wurde von der Kirche nicht gern gesehen, wurde die Trachtenfahne erst im Jahr 1913 geweiht. Das erste Gaufest besuchte der Verein aber trotzdem schon im Gründungsjahr 1911. Die erste Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusammen: Hans Schweiger zum Gratz in Rain; Josef Obermeier, 2. Vorstand; Michael Geiger zum Glasenbauer, Kassier; Josef Floßmann, Schrift­ führer; Josef Krinner und Otto Stadtner, Ausschußmit­ glieder; Josef Karpfseer, Stallfeicht, Revisor; Leon­ hard Berghofer, 1. Vorplattler; Josef Eierschmalz zum Gassenschuster, 2. Vorplattler und Xaver Hohenleit­ ner, Vereinsdiener. Am 16.12.1911 wurde der Trachtenverein »Edelweiß« Bichl in den Oberlandler Gauverband - Sitz Miesbach - aufgenommen.

2 Paare des Vereins beim Zweisteyrer, links jetziger Ehrenvorstand Kilian Streidl 140

Nach dem 1. Weltkrieg, so um 1919 /1920, waren es Ge­ org Trischberger, Josef Demmel, Johann Poschenrie­ der, Georg und Martin Adelwart, Ludwig und Michael Schwaller, Benedikt Deiser, um nur einige zu nennen, die durch Einsatz und Zusammenhalt dem Trachten­ verein zu neuem Leben verholfen haben. Eine nette Begebenheit dazu; Johann Poschenrieder und Georg Adelwart, unser ältestes Mitglied, fuhren 1920 zum Einzelwertungsplatteln nach München. Bei 70 Teilneh­ mern erreichten die beiden Plattler respektable Plätze, obwohl das Losglück nicht mit Georg Adelwart war. Die Teilnehmer 7 -14 waren punktgleich und er zog die Losnummer 14, Johann Poschenrieder dagegen die Nr. 8 und war damit der Bessere. Am 25. Mai 1919 schloß sich der Verein »Edelweiß« Bichl dem Loisachtaler Gauverband - Sitz Penzberg an. Das erste Protokoll des Vereins stammte von 1937, aus Kassenbelegen geht aber hervor, daß der Verein sehr rührig war und viele Veranstaltungen abhielt. Ab 1920 wurde in Bichl auch von den Trachtlern Theater ge­ spielt. Im ersten Protokoll 1937 wurde über Neuwahlen geschrieben, bei denen Johann Berghofer zum 1. Vor­ stand und Hans Murböck zum 2. Vorstand gewählt wurde. Am 18./19. Juli 1937 war in Bichl das Gaufest, eine große Aufgabe für den Verein, der damals 53 Mit­ glieder aufweisen konnte. Interessant ist auch, daß es zu der Zeit keinen Vor­ stand, sondern einen Führer gab. Auch der Ehrenvor­ stand mußte Ehrenführer genannt werden. Der 2. Weltkrieg nahm viele treue Mitglieder: Po­ schenrieder Johann -Zimmermeister, Demmel Josef Ludlschneider, Demmel Nikolaus, Brandhofer Hans, Bauer Sebastian, Demmel Hans, März Georg, Busch Josef, Demmel Nikolaus - Obersteinbach, Jahn Josef, Karpfseer Jakob, Eierschmalz Hans, Klöck Hans, Jahn Xaver, Schmid Josef, März Josef, Hiebler Nikolaus,

Ochsenritt in Bichl bis ca. 1950, 1. Speisglockenreiter Jakob Hofbauer Eberl Michael, Schwaller Michael, Schwaller Georg, Hiebler Josef, Eberl Lorenz, Demmel Josef das Leben. Es war Hans Fichtner und seinen Männern vorbehal­ ten, durch Eifer und Tatkraft dem Verein neues Leben zu geben. Am 17. Februar 1946 wurde mit Genehmi­ gung der damaligen Militärregierung eine Generalver­ sammlung abgehalten und dabei folgende Vorstand­ schaft gewählt: Johann Schweiger zum Kratz - Ehren-


Gründungsfoto des G.T.E.V. »Edelweiß« Bichl 1911

Theatergruppe des Vereins vor dem 2. Weltkrieg

Die Edelweißer beim Festzug in Bad Tölz. Damaliger Vorstand Hans Holzmeier

Plattlergruppe der Edelweißer beim Ehrentanz des Trachtenfestes der »Fahrnberg­ ler« Walchensee 141


vorstand, Hans Fichtner - 1. Vorstand, Geiger Josef Vereinsdiener, Geiger Hans - 1. Vorplattler, Holz­ meier Hans - 2. Vorplattler, Poschenrieder Michael Fähnrich, Lochner Josef - Revisor, Lallinger Karl - In­ ventarverwalter. In diesem Jahr nach dem Krieg wurden mehrere Veran­ staltungen zu Gunsten der Ortsansässigen abgehalten. Am 4. August 1946 war der Verein beim Gaufest in Kö­ nigsdorf sehr stark, aber zum 1. und einzigen mal mit 2 Gruppen vertreten; die älteren und jüngeren Trachtler waren zerstritten. Am 14. Dezember des Jahres 1946 trat der Ausschuß zusammen und beschloß, daß ab sofort auch weibliche Mitglieder in den Verein aufgenommen werden kön­ nen. Auf Anordnung der Militärregierung mußte der Verein drei Ehrenmitglieder wegen aktiver Beteiligung an der NSDAP ausschließen. Der Mitgliederstand war 54 männliche und 14 weibliche. Der Verein trug damals auch viel zum gesellschaftli­ chen Leben durch Tanzunterhaltungen und Heimat­ abende in Bichl bei. Auch auswärts wurden durch sau-

beres und gutes Auftreten beachtliche Erfolge erzielt. Beim 40jährigen Gründungsfest der »Barmstoana« Be­ nediktbeuern erhielt Bichl den Meistpreis mit 133 Trachtlern und der Musikkapelle. Inzwischen (1950) änderte sich auch die Vorstandschaft. 1. Vorstand wurde Kilian Streidl; 2. Vorstand Georg Demmel; Kas­ sier Jakob Geiger; Schriftführer Nikolaus Sachenba­ cher; Revisoren Toni Schmid und Hans Berghofer; 1. Vorplattler Hans Holzmeier; 2. Vorplattler Lorenz Demmel; Michael Poschenrieder Fähnrich und Josef Demmel Vereinsdiener. Der 14./15. Juli war im Jahr 1951 der Höhepunkt des Vereins. Er feierte das 40jährige Gründungsfest. In diesem Jahr wurde auch die Bühne im Bayerischen Lö­ wen neu hergerichtet und erneuert. Der Mitglieder­ stand hatte sich auf 91 männliche und 10 weibliche er­ höht. Im Jahre 1952, als die Bühne wieder in Ordnung war, wurde das erste Theater nach dem Krieg gespielt und damit trat die Theatergruppe des Trachtenvereins in den Vordergrund. Das Stück hieß »Everl's Braut­ fahrt«.

Ochsenritt: v.1. Georg Geiger, Jakob Hofbauer und Georg Hofbauer 142

Im Jahr 1952 wurde Heinrich Bergmann zum Schrift­ führer gewählt, ein großer Gewinn für den Verein, ebenso wie Jakob Geiger als Kassier (seit 1950). Die weiteren Jahre bis 1955 waren mit Heimatabenden, Theater, Tanzveranstaltungen und Besuchen bei Fest­ lichkeiten der umliegenden und befreundeten Vereine ausgefüllt. Ein herber Verlust traf den Verein im Juni 1955, als der Bühnendirektor, Theaterspieler und Re­ gisseur Georg Höllensteiner verstarb. Im Jahr 1957 war der Verein mit 122 männlichen und 8 weiblichen weiter angewachsen, erhielt mit Hans Holz­ meier einen neuen 1. Vorstand. Ehrenvorstand Johann Schweiger, Gründungsmitglieder waren noch Leon­ hard Berghofer, Josef Eierschmalz, Johann Neuner, Josef Obermeier und Andreas Niklas. Ehrenmitglieder im Verein Georg Adelwart, Martin Adelwart, Hans Berghofer, Benedikt Deiser, Hans Gerl, Fritz Händler, Hans Huppenberger, Nikolaus Huppenberger, Anton Merz, Michael Sonner, Ludwig Schwaller, Pfarrer Franz Schlecht und Georg Trischberger.

Kronentanz beim Festabend der Fahnenweihe der Gebirgsschützenkompanie Bichl 1973 im Festzelt


Erst im Jahre 1961 folgte ein weiterer Höhepunkt im Bichler Trachtenverein. Da auf Beschluß der Ver­ sammlung die Vorstandschaft belassen wurde, entfiel eine Neuwahl und es konnten alle Kräfte frei gemacht werden, um dem 50jährigen Jubiläum des Vereins und zugleich dem Loisachgaufest einen würdigen Rahmen zu bereiten. Wenngleich sich auch große Schwierigkei­ ten bei der Suche nach einem geeigneten Festplatz er­ gaben, unser Wirt und die Brauerei waren nicht sehr kooperativ, wurde man doch noch fündig. Mitglied Mi­ chael Baumgartner stellte seinen Anger am Bahnhof Bichl zur Verfügung. Daß die Feldmesse am Hochbichl zelebriert würde, war allen klar, doch das Wetter spielte nicht mit, so daß die Messe im Bierzelt abgehal­ ten wurde. Der Festzug wurde vorverlegt und trotzdem oder gerade deswegen war es eine sehr schöne und wür­ dige Festlichkeit. Im Oktober 1963 wurde in Bichl der erste Volkstums­ abend veranstaltet. Es sollten dabei die Vereine des Landkreises mitwirken, ohne Gaugrenzen. Eine heikle

Aufgabe, aber sie wurde gut gemeistert, so daß alle 15 Vereine, die mitgemacht haben, zufrieden waren. Die Jahre 1963 bis 1969 waren mit Heimatabenden, Tanzveranstaltungen und Ausrücken zu Vereinen, die Feste veranstalteten, ausgefüllt. Wolfgang Peschl und Sepp Murböck gründeten erstmals in Bichl eine Ju­ gendgruppe im Trachtenverein. Der erste Auftritt er­ folgte in Bichl beim Landkreisheimatabend und war ein großer Erfolg. Seither ist die Jugendgruppe aus dem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken. Am 31. Juli und 1. August 1971 hielten wir unser 60jähriges Grün­ dungsfest im kleinen Rahmen ab, da uns das Gaufest nicht zugesprochen wurde. In die Reihe der Ehrenmit­ glieder traten Doll Lorenz sen., Fichtner Hans, Holz­ meier Josef, Geiger Jakob, Gerl Ludwig, Grünwald Sepp, Schöffmann Georg und Stöckl Hans. Grün­ dungsmitglieder sind Eierschmalz Josef und Niklas An­ derl. Geiger Georg führte den Verein als Vorstand von 1963 bis 1971, und wurde 1972 von Wolfgang Peschl, seinem 2. Vorstand, abgelöst, sie tauschten die Plätze.

Fahnenweihe des Vereins am 26. Juli 1981. Fahnenmutter Kathi März heftet das Fahnenband an.

Im November 1974 verstarb unser Schriftführer Hein­ rich Bergmann, er war auch ein aufrechter und treuer Trachtenkamerad und immer für alle Belange zu spre­ chen (23 Jahre war er Schriftführer). Unser altgedienter Kassier Jakob Geiger machte nach sage und schreibe 30 Jahren - ununterbrochen - als 1. Kassier Schluß. Der Titel Ehrenkassier steht ihm ohne Frage zu. Nachdem Wolfgang Peschl sieben Jahre im Amt war, wurde er durch Geiger Georg wieder abge­ löst. Doll Lorenz jun. übernahm das Amt des 2. Vor­ standes. Die Fahnenstickerei Neff in Biberach an der Riss fer­ tigte unsere neue Fahne bis zum 16.12.1980, so daß wir unser 70jähriges Gründungsjubliäum mit der neuen Fahne begehen konnten. Der Festabend mit Ehrungen war ein voller Erfolg. Die Festmesse war am Sonntag vormittag im Saal des »Bayerischen Löwen«. Der Fest­ zug begann pünktlich und führte durch unser schönes Bichl, das für die Festzüge ideal gebaut ist, so großzügig breit sind die Straßen. Alle waren rundum zufrieden.

Ehrenjungfrauen bei der Fahnenweihe 143


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Für 30 Jahre wurden Hans Pfund, Kurt Niepel, Michael Jenning, Anton Lederer, Josef Demmel, Georg Höl­ lensteiner, Xaver März, Otto Greubel, Peter Geißler, Jakob Doll, Franz Manzel, Willi Hölch, Anton Hohen­ brunner, Hans Poschenrieder, Josef Eierschmalz, Bal­ tasar Oswald, Fanny Bergmann, Michael Schwaller, Balthasar Eberl, für 50 Jahre Anton Schmid, Hans Fichtner, Lorenz Doll sen. geehrt. Die Jahre bis 1986 waren mit Veranstaltungen und Hei­ matabenden und mit Besuchen bei den anderen Verei­ nen, die Festlichkeiten veranstalteten, ausgefüllt. Erst 1986 zum 75jährigen Gründungsjubiläum hatten wir wieder etwas zu feiern. Am 23./24. August war es so­ weit. Samstag Festabend mit Ehrungen, unser Ehren­ kassier Jakob Geiger wurde für 50 Jahre Treue vom Verein und vom Gau geehrt. Für 30 Jahre Treue wur­ den Lorenz Doll, Michael Doll, Nikolaus Demmel, Ri­ chard Deiser, Benedikt Deiser, Thomas Deiser, Alois Filgertshofer, Hans Gahbauer, Georg Geiger (Vor­ stand), Hans Gerl, Ludwig Gerl, Josef Heilinglechner, Toni Huppenberger, Peter Knestel, Josef Martin, Mi­ chael Murböck, Hans Poschenrieder, Josef Sonner, Michael Sonner, Franz Strobl, Leonhard Schlitten­ bauer und Josef Zerluth geehrt. Am Sonntag der Fest­ zug nach der Messe mit den Nachbarvereinen erfreute alle. Die Vorstandschaft ist seit 1980 dieselbe. Es sind dies: Ehrenvorstand Kilian Streidl; Georg Geiger 1. Vor­ stand, Lorenz Doll 2. Vorstand, Franz Menzel 1. Kas­ sier, Jakob Geiger Ehrenkassier, Balthasar Oswald jun. 2. Kassier, Josef Murböck Schriftführer, Hans Eberl 1. Fähnrich, Sepp Schmid 1. Vorplattler, Jugend­ vertreter und Gaujugendwart; Revisoren Sepp Ober­ wallner und Sepp Lochner, Vereinsdiener Michael Murböck und Hans Göbl, Bühnenwarte Lorenz Doll und Sepp Murböck. Der GTEV »Edelweiß« Bichl weist derzeit 150 Mitglie­ der auf. Josef Murböck, Schriftführer

Ortsgeschichte von Bichl Bichl gehörte von Anfang an zum Grundbesitz des Klo­ sters Benediktbeuern. Es wird zum ersten Mal nament­ lich erwähnt bei der Aufzählung dieses Grundbesitzes im Jahre 1048: Buron, Kahalon, Puchila und Orta. Da­ mals reichte der Wald noch hart bis an die Ortsgrenze, wie aus einer Schenkungsurkunde vom Jahre 1090 er­ sichtlich ist. Zu Beginn des 2. Kreuzzuges wurde zum 1. Mal die Kirche von Bichl genannt. Bichl ist ältester Be­ sitz der im Jahre 752 gegründeten Benediktinerabtei Benediktbeuern. Der Hügel am Dorfrand, den jetzt die bemerkenswerte St. Georgskirche des Meisters Johan­ nes Michael Fischer (1752) krönt, war möglicherweise eine vorchristliche Kultstätte. Später diente der Hügel dem Klosterrichter von Benediktbeuern zur Abhaltung des Thing. Zu Beginn des 2. Kreuzzuges wurde zum 1. Mal die Kir­ che von Buron erbaut. Ein gewißer Berthold aus Stein­ bach schenkte damals der Kirche auf dem Georgenberg

vier Äcker. Wahrscheinlich hat Abt Walter von 1138 1168 dieses Gotteshaus erbauen lassen. Die Kirche be­ stand Jahrhunderte und trotzte sogar dem 30jährigen Krieg. Kein Wunder, daß sie im Jahre 1666 baufällig wurde. Große Schlaudern wurden angebracht, die das Gotteshaus zusammenhielten. Im Jahre 1742 entschloß sich Abt Leonhard Hohenauer zum Neubau, der 1758 beendet war. Johannes Michael Fischer, der berühmte Stadtbaumei­ ster, schuf die heutige Kirche, die dem hl. Georg ge­ weiht wurde. Am 20. Juni 1758 fand durch Weihbischof von Adelmann die Einweihung statt. Die Altäre baute Johann Baptist Straub. Die Fresken sind von der Künstlerhand eines Hans-Jakob Zeiller entstanden. Bei der vor ein paar Jahren durchgeführten Innenreno­ vierung wurden Apostelfresken dieses begnadeten Meisters entdeckt. Aus noch unfaßbaren Gründen mußten die in ihrer Schönheit kaum ersetzbaren Apo­ stelkreuze auf Anordnung des Denkmalamtes überstri­ chen werden. 145


Durch den 30jährigen Krieg wurden die Einwohner des Dorfes schwer heimgesucht. Allein die Pest raffte vom Jahre 1634 - 1636, 263 Einwohner, darunter fast alle Männer hinweg. Ein Kreuz an der B 11 in Unterstein­ bach erinnert an den Pestfriedhof der damaligen Zeit. Ein Pestmarterl zwischen Bichl und Benediktbeuern wurde leider in den letzten Jahren der Verrottung preisgegeben. Ein großes Pestbild in der St. Georgskir­ che, rechts vom Hochaltar, stellt noch heute das unfaß­ bare Unglück der damaligen Bürger dar. Nach der Ge­ meindebildung im Jahre 1828 entwickelte sich Bichl im­ mer weiter. Im Jahre 1849 entstand in der Dorfmitte ein furchtbarer Großbrand, wodurch 8 Höfe zerstört wurden. Um Mitte des 18. Jahrhunderts bis ca. 1950 wurde in Bichl der weitbekannte Ochsenritt abgehalten. Es waren Hü­ terbuben, die im Sommer das Vieh auf den Weiden und Almen der Umgebung hüteten. Beim Abtrieb wurden die Tiere festlich geschmückt und zu den heimischen Ställen getrieben. Dadurch entstand der Ochsenritt, der alljährlich am Kirchweihsonntag und -montag durchgeführt wurde. Am Hochbichl wurden um 13 Uhr die festlich geschmückten Ochsen, mit großen Speis­ oder Hafenglocken versehen, zum Ritt aufgestellt. Mit lautem Jauchzen führten die Buben die Ochsen durch die Straßen des Dorfes. Anschließend wurden die Bu­ ben von den Bauern zu einem Kirtaschmaus eingela­ den. Bei großen Bauern baute man die noch heute bei den älteren Bürgern bekannten Kirtahutschen. Es wurde aber auch das Kultur- und Vereinsleben im Dorf gepflegt. So konnte die 1972 wiedergegründete Gebirgs- und Antlaßschützenkompanie mit Benedikt­ beuern, Kochei und Jachenau erst vor ein paar Jahren die 450 Jahrfeier festlich begehen. Auch der Trachten­ verein und die Musikkapelle sind aus Bichls Kulturle­ ben nicht mehr wegzudenken. Im Jahre 1898 wurde Bichl an die Eisenbahnlinie Penz­ berg-Kachel angeschlossen. Durch den Verkehrskno­ tenpunkt wurde Bichl im ganzen Land bekannt. Das war auch der Grund, warum 1936 in der Nähe des Bahnhofs eine große Flachsfabrik, genannt Falack, ge146

baut wurde. Diese Anlage war in ihrer Art einmalig in der ganzen Umgebung, denn man wollte von der Baumwolle unabhängig werden. Ein 22 m hoher Schornstein überragte das Gelände. Im Sommer 1944 zerstörte ein großer Brand die Maschinenhalle, 1945 und 1948 gab es weitere Brände. In den Restbauten der Fabrikhallen wurde die jetzige Straßenmeisterei unter­ gebracht. Der Rest wurde als Industriegelände ausge­ wiesen. Gleich zweimal verband Bichl die Landeshauptstadt München mit dem schönen Alpenland per Bahn. Die­ ser Umstand brachte im 2. Weltkrieg eine hohe Gefahr des Ortes mit sich. Der Bahnhof diente damals als Um­ schlagestelle für Munitionszüge, die von Geretsried über Bichl nach München geleitet wurden.

Bichler St. Georgskirche von Johann Michael Fischer

Im Februar 1945 war der Bahnhof das Ziel eines schwe­ ren Bombenangriffs durch die Amerikaner. Ein großer Munitionszug stand auf den Gleisen. Es gelang gerade noch, den Zug in das Waldgebiet bei Bad Heilbrunn zu schieben. Die feindlichen Bomber flogen von Sindels­ dorf her über Bichl. Es ging ein Bombenhagel von rund 80 Bomben auf das Bahnhofsgelände und Umgebung nieder. Zum Glück landeten die meisten Bomben im Moos. Trotzdem wurden das Bahnhofsgebäude, die Bahnhofswirtschaft und ein Haus völlig zerstört. 15 Häuser in der Umgebung wurden mehr oder weniger beschädigt. 22 Menschen fanden in den Trümmern den Tod. Erst im Jahre 1949 konnte der Bahnbetrieb zwi­ schen Bichl und Beuerberg wieder aufgenommen wer­ den. Kaum 10 Jahre später, 1958, wurde die Strecke endgültig stillgelegt. Seit dem 2. Weltkrieg entwickelte Bichl eine gestei­ gerte Aktivität in mehrfacher Hinsicht. Durch die Nachkriegswirren mußten in der Gemeinde 470 Hei­ matvertriebene aufgenommen werden. Durch uner­ müdlichen Fleiß konnte fast die Hälfte der leidgeprüf­ ten Menschen eine neue Heimat finden. Im Jahre 1967 wurde mit der Flurbereinigung, zum bes­ seren Einsatz der modernen landwirtschaftlichen Ma­ schinen begonnen. Auch der längst notwendige Was­ serhochbehälter wurde 1970 fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben. Auch die neue Sportanlage mit Sportheim konnte durch sehr beachtliche Eigenlei­ stung vor einigen Jahren fertiggestellt werden. Das schon im Jahre 1935 erbaute Schwimmbad im Moor wurde im Jahre 1953-54 durch ein neues am Anfang des Steinbachtales ersetzt und fand mit dem Ausbau zu ei­ nem modernen Gebirgswarmbad seinen Höhepunkt. Auch der Bau eines Trimmdichpfades, eines Eisplat­ zes, eines Schützenheimes und mehrerer Tennisplätze fand seinen Abschluß. Mit Hilfe von Benediktbeuern, Bichl, Heilbrunn und Kochei konnte eine vortreffliche, überörtliche Verbandsschule gebaut werden. Bichl hat zur Zeit ca. 1550 Einwohner. Seit der Gebietsreform 1972 bildet Bichl mit Benediktbeuern eine Verwal­ tungsgemeinschaft. Georg Geiger


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » D'Isartaler Stamm« München-Thalkirchen Am 9. September 1911 wurde in der Schäftlarnstraße im Gasthaus Eurasburg von 18 Buam und Deandl der Gebirgstrachtenverein »D'Isartaler«, München Thal­ kirchen gegründet. Gründungsmitglieder waren: Erber Franz und Centa, Hering Josef und Waly, Wink­ ler Bernhard, Kaiser Otto, Hiebler Rupert, Felber Jo­ hann und Waly, Promberger Mari, Ober Hermann, Fichtner Nikolaus, Berger Otto, Obermeier Johann und Therese, Christoph Stephan, Schäffler Wastl. 1. Vorstand: Franz Erber Schriftführer: Hermann Ober Das Gründungsfest fand am 17. Okt. 1911 statt und brachte für die Kasse 215 Reichsmark. Im November besuchten sie die Vereine »Die durstigen Heizer« und »Almenrausch«. Dann, im Juni 1912, beteiligten sich 12 Mitglieder beim Preisplatteln in Penzberg bei den »Birknstoana« und holten sich den 2. Preis außer Gau. Dann beteiligten sich 11 Mitglieder bei der Fahnen­ weihe am 7. Juli 1912 der »Lustigen Würmseer«, Die­ mendorf. Ferner wurden besucht: »Alpine« Berlin, »Parnachtaler« Lochhausen, »Miesbacher Gmoa«, die »Schneidigen Zugspitzler«, Sparverein Burg Schwa­ nek. Im Jahre 1913, am 6. Dezember, wurde beschlos­ sen, daß 100 gedruckte Statuten, 25 Vereinszeichen und 1 Vereinsstempel angeschafft werden und der Ver­ ein den Beinamen »Stamm« annimmt, da 2 Vereine mit dem Namen »Isartaler« in München bestehen, aber wir die ältesten sind. Bei der Versammlung am 7. März 1914 wurde beschlossen, eine Standarte anzuschaffen, zum Preis von 110 RM. Die Standarte wurde am 20. Juni im Vereinsheim enthüllt; die Patenstelle übernah­ men »D'Hohenwaldner«. In Hausham, am 27. Juni 1914, beim Miesbacher Gaufest, wurde die Standarte mit Stolz zum ersten Mal vorangetragen. Im Juli 1914 mußten die Burschen in den Krieg. Im Be­ richt am 2. Juli 1915 schreibt der 1. Vorstand, Franz Er-

ber: Hiermit schließe ich den.Bericht mit der Hoffnung, daß wir alle wieder gesund in unser liebes, schönes Isar­ tal zurückkehren. Franz Erber war einer der ersten, der dem Krieg zum Opfer fiel, er verstarb am 19. Juli im La­ zarett in Augsburg. Vom Juli 1915 bis 14. 12. 1918 war die Vereinstätigkeit eingestellt. Die erste Versammlung nach dem Krieg fand am 14.12.1918 statt, und zugleich war Neuwahl. Erster Vorstand wurde Josef Hering, erster Vorplattler Schäffler Wastl, Schriftführer Anton Ring. In der Kasse waren noch 34 Pfennig vorhanden; aber im Laufe des Abends kamen durch Spenden 28,34 Mark zusam­ men. Im Vereinsabend am 25.1.1919 wurde vom ersten Vorplattler, Schäffler Wastl, der Vorschlag gemacht, eine Kasse einzurichten, um den Buam und Deandln das Anschaffen einer Tracht zu erleichtern. Zum Schluß konnte der Kassier melden, daß 67 Mark in der Kasse sind. Am 15.3. besuchten wir das »Alpenrösl« sehr zahlreich, aber der Platz war zum Tanzen zu klein. In der Versammlung am 5. Juni 1920 legten 1. Vor­ stand, Vorplattler und Schriftführer ihr Amt nieder. Dann, am 3. Juli, sind alle wieder dabei. Zum ersten­ mal wird von einem Gaufest des Loisachgaues am 7. August 1920 geschrieben. Es wird von den »Barmstoa­ ner«, Benediktbeuern, ausgerichtet. Am Samstag rei­ ste man an, und am Sonntag wurde mit dem 2. Plattler­ preis heimgefahren. Der Verein schloß sich 1920 dem Loisachgau an. Bei der Monatsversammlung am 4.10.1920 übernah­ men wir die Patenstelle bei den »Grüabingern«, Baier­ brunn. Bei der Standartenweihe in Baierbrunn beka­ men wir eine Fahne und ein Fahnenband. Unser Mit­ glied Karl Bernhard, zugleich Vorplattler der »Grüa­ binger«, Baierbrunn, wurde zum Ehrenmitglied der »D'Isartaler Stamm« München Thalkirchen ernannt. Am 12. Februar 1921 legte Vorstand Hering sein Amt

Gründungsmitglied Josef Hering mit Standarte 1915 nieder; durch Stimmzettel wurde Schäffler Wastl zum 1. Vorstand gewählt. Am 22. Mai 1921 war Fahnen­ weihe bei den Allachern. Die Bitte um Patenschaft er­ füllten wir gerne. Am 4. Juni 1921 besuchten wir wieder die »Barmstoa­ ner«, Benediktbeuern, zur Fahnenweihe. Am Sams­ tagabend begann man den Aufstieg zur Benedikten­ wand, morgens um 4.30 Uhr waren wir oben. Um 9 Uhr waren wir mit wackeligen Knien wieder unten. Um 12 Uhr war dann Gauversammlung und um 13 Uhr Fest­ zug. Nach dem Ehrentanz machten sich alle schnell auf den Heimweg. Die Strapazen der Nacht machten sich bemerkbar. Unser damaliger Schriftführer Karl Wolf147


Mit dem Festwagen in Allach bei den »Alpenröslern«.

25/30jähriges Stiftungsfest der »D'Isartaler Stamm« und »D'Werdenfelser« in Thalkirchen. Aufstellung zum Kirchenzug am Isartaler Bahnhof.

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1936 nach der Heldenehrung am Kriegerdenkmal. Von links: V. Schäffler Wastl, Gauvorstand Hans Raßbichler, V. der Werdenfelser Alois Steinbauer.

1936 vor dem Vereinslokal »Deutsche Eiche«.


und von der Fahnenmutter Luise Hering dem Verein übergeben. Am Nachmittag zog sich dann ein Festzug durch die Straßen Thalkirchens mit immerhin 41 Verei­ nen, 4 Musikkapellen und 5 Festwagen. Neben dem gastgebenden Verein und Patenverein »Werdenfelser« sind vor allem Patenverein »Hohenwaldecker« und »Alpenrösl« Allach, Alt Miesbach, »Loisachtaler« Maxkron, »Würmseer« Seeshaupt, »Edelweiß« Bad Tölz, »Alpenrose« Königsdorf, »Alpenrose« Thalkir­ chen und »Edelweiß« Dingolfing zu erwähnen.

ram beendete semen Bericht mit dem Satz: »Drum scharts Euch zam und ehrts die Tracht, so gibts im Loi­ sachgau a Pracht«. Vom Vereinsabend am 31.12.21 wird berichtet, daß Josef Hering zum Ehrenmitglied er­ nannt wurde. Im Protokoll vom 18.8.1923 haben wir ei­ nen Barbestand von 331 505 Mark (Reichsmark?) in der Kasse, der Beitrag von 50 Pf. war auf 35 000 Mark geklettert. Beim 5. Gaufest in Penzberg waren 16 Mit­ glieder anwesend. Da sich zwei Sänger von unserem Verein einmal den 2. Preis holten, meldeten sie sich wieder an, wurden aber diesmal die letzten. Am 25. April 1925 wurde beschlossen, eine Fahne anzuschaf­ fen. Sie sollte 980 Mark kosten, aber in der Fahnen­ kasse waren nur 28 Mark. Beim Gaufest in Bad Tölz am 12. August 1925 waren wir mit 7 Paaren dabei, die Deandln zum ersten Mal in der neuen Tracht, aber das Wetter spielte nicht mit. Am 7. November 1925 bekamen wir die schriftliche Zu­ sage von den »Werdenfelsern«, daß sie die Patenschaft übernehmen. Dann, am 24. November 1925, wurde die Patenschaft auch mündlich beim fröhlichen Beisammensein in der Schwabinger Bierhalle vom 1. Vorstand Zick Schorsch bestätigt. So gegen 1.30 Uhr wurde die Feier von höch­ ster Staatsgewalt beendet. In der letzten Versammlung am 27. Dez. 1925 berich­ tete 1. Vorstand Wastl Schäffler von der Bundesgene­ ralversammlung in Tutzing und, daß er von dem Gau­ vorstand Schweizer Peter ermahnt wurde, die Vorar­ beiten für die Fahnenweihe voranzutreiben. Dabei gab Wastl bekannt, daß die Zeichnung für die Fahne fertig ist, und der Prof. Mederer die Urheberrechte der Skizze an den Verein für 30 Mark verkauft hat. Auf der einen Seite der Fahne zeigte sie die Kirche von Maria Thalkirchen, auf der anderen ein Trachtlerpaar, im Hintergrund das Isartal und oben in der Mitte den Spruch: »Traute Heimat, du heilig Erbe, ein fremder Geist dich nie verderbe«. Die Fahne kostete 980 Mark und wurde bei der Fahnenstickerei Auer in München angefertigt. Am 16. Mai 1926 stellten wir den ersten Maibaum in

Beim 18. Loisachgaufest am 3. 7. 1938 mit Festwagen in Pullach. Thalkirchen auf. Dabei halfen uns die »Werdenfelser« mit besten Kräften. Der Baum wurde von dem Gutsbe­ sitzer Wöllner gespendet und war 29 m lang. 12 Figuren und eine Fahne schmückten den Baum. Die ersten 2 Sonntage waren verregnet, darum der späte Termin. Dann war es soweit: Am 31. Juli 1926 eröffnete die Festmusik Höhenrain die Vorfeier. Zwei Gründungs­ mitglieder und das Ehrenmitglied Josef Hering und 1. Vorstand Schäffler Wastl erhielten Ehrenurkunden und einen Erinnerungstaler. Am 1. August 1926 war in Thalkirchen Fahnenweihe, zugleich feierte man das 15jährige Gründungsfest, verbunden mit dem 7. Loi­ sachgaufest. Um 7.30 Uhr wurde unser Patenverein »D'Werdenfelser« mit Böllerschüssen und Kirchenge­ läut in Thalkirchen empfangen. Unmittelbar danach wurde die neue Fahne von Kaplan Imminger geweiht

Die Musikkapellen kamen von Höhenrain, Königs­ dorf, Benediktbeuern, »Elbachtaler« Solln, welche auch Festmusik waren. Der Werdenfelser Vorstand Zick Schorsch und unser Holzer Karl leiteten die Ehren­ tänze. Nach diesem Fest blieb noch eine Schuld von 470 Mark, in der Kasse waren noch 88 Mark und 17 Pfen­ nig. Eine Woche später, am 8. August 1926, erfolgte dann zum ersten Mal ein Ausrücken mit der Fahne. Ziel war das 6. Isargaufest beim Kranzbräu, Kirche in St. Margareten in Sendling, Veranstalter war der TrV »Fokkenstoaner« Milbertshofen. Wegen strömenden Regens gab es keinen Festzug, man setzte sich zusam­ men, und es gab den vom Allacher Kassier gespendeten Humpen und Kaffee. Aus Freude am Gelingen der Fahnenweihe spendeten Gründungsmitglied Schäffler Wastl und Hering Josef ein Faßl mit 32 Litern, der Her­ bergsvater einen Pokal und ein Faßl mit 29 Litern. Wie man lesen kann, reichte das bei weitem nicht aus. Mit den »Werdenfelsern« feierten wir am 1. und 2. Au­ gust 1931 unser 20. Gründungsfest, die »Werdenfelser« ihr 25jähriges Gründungsfest. 39 Vereine waren dabei. Gauvorstand Raßbichler sprach im »Alten Wirt«, 1. Vorstand der »Werdenfelser« Daigfuß sprach in der »Deutschen Eiche« für die Vereine außer Gau. Vereinsausflug war am 26. September 1931 nach der Aumühle, jeder bekam ein Mittagessen und 2 1 Bier. Die Deandl bekamen· eine Tasse Kaffee mit Kuchen. Am 25. und 26. August 1932 war 20jähriges Grün­ dungsfest mit Fahnenweihe in Stein bei Nürnberg. Früh um 3 Uhr ging es mit dem Auto unter Wolldecken los, da es ziemlich kühl war. Am Sonntag, den 26.8., um 14 149


Uhr Abmarsch des Festzuges durch Stein und durch das Schloß des Grafen Roland von Faber Castell, wo wir uns um 18.30 Uhr verabschiedeten. Bei der General­ versammlung am 3. September 1932 wurde Holzer Karl neuer Vorstand. Am 1. Oktober 1933 beteiligten wir uns beim großen Festzug von 19 000 Trachtlern durch München. Bei der Generalversammlung am 7. Okt. 1933 wurde erwähnt, daß nunmehr der 1. Vorstand »Führer« ist. In der Generalversammlung am 3.11.1934 wurde nach dem neuen System nur der Führer gewählt, derselbe bestimmte seine Ausschußmitglieder. Führer wurde Schäffler Wastl, Kassier Zeller Max, Vorplattler Kazlmeier Sepp, Schriftführer Brandl Ludwig. Vereinsausflug am 25. August 1935 nach Neufahrn bei Wolfratshausen. Beim Neuwirt gab's dann anständig Brotzeit. Beim Kegelscheib'n und Schwammerlsuchen verging der Tag sehr schnell. Am 8. und 9. August 1936 war unser 25jähriges, bei den »Werdenfelser« das 30jährige Gründungsfest. Zum Heimatabend spielte die Trachtenkapelle Than­ ning. Beide Festvereine gaben Plattler zum Besten. Für 25jährige Mitgliedschaft wurde Schäffler Wastl sowie für die l0jährige Lipp Sepp mit Zeichen geehrt. Am Sonntag bei der Feldmesse sagte der Geistliche: »Sitt' und Tracht der Alten zu erhalten, mag kommen was will«. Nachmittag um 2 Uhr war der Festzug durch Thalkirchen. Danach gab es Preise. Fahnenschau: 1. »Edelweiß« Starnberg, 2. »Berchtesgadener Lands­ leut«, 3. »Edelweiß« Stein bei Nürnberg, 4. »Veigl­ bergler« Neufahrn, 5. »Elbachtaler« Solln. Beim 30jährigen Gründungsfest am 30. August 1936 der »Berchtesgadener Landsleut« im Hackerkeller, der vollzählig besucht war, erhielten wir einen Kupferkrug. Beim 17. Gaufest in Bichl am 1. August 1937 erhielten wir den 1. Trachtenpreis, der viel umjubelt wurde. Das Wetter war miserabel. Am 4., 5. und 6. Juni 1938 besuchte der Verein das Bo­ densee Gaufest in Konstanz. In Friedrichshafen wurde die Zeppelinwerft besichtigt und beim Bau des Zeppe­ lins Z 30 zugeschaut. Sonntag, den 5.6., wurde nach dem Festzug als Ehrentanz der Sternentanz aufgeführt. 150

Das 18. Loisachgaufest am 2. und 3. Juli 1938 unseres Patenvereins »Werdenfelser« war in Pullach und Groß­ hesselohe. Dabei beteiligten wir uns an der Trachten­ schau, wurden 3. und holten auch den 3. Preis für den historischen Sternentanz sowie für unseren Festwagen. Lokaleinweihung am 8.3.1939 beim »Alten Wirt« von Thalkirchen, welches bei gemütlicher Stimmung von­ statten ging. Josef Straßer wurde in einer außerordent­ lichen Ausschußsitzung am 8.2.1939 zum Schriftführer und Ludwig Brandl zum Kassier gewählt, da Kassier Zollner und Schriftführer Kaiser den Verein verließen. Kameradschaftsabend am 29. März 1940; zu demselben waren eingeladen Patenverein »Werdenfelser« und »Alpenrösl« Allach, welche auch die Vereinsmusik mitbrachten, die an diesem Abend für gute Unterhal­ tung sorgte. Nach den Ehrentänzen sprach der Vor­ stand der »Werdenfelser«, es mögen die drei Vereine »Werdenfelser«, »Allacher« und »Isartaler« die Kame­ radschaft so weiter pflegen wie seither die Vereine, dann wird es bestimmt eine gute Zusammenarbeit. An­ schließend der Vorstand der Allacher: »Es mögen alle Mitglieder auf ihre Vorstände bauen, dann werden die 3 Vereine den richtigen Weg zueinander finden«. Beim gemütlichen Teil wurde viel geplattelt, getanzt und gesungen, alles war in bester Stimmung. Beim Vereinsabend am 23. August 1941 wurde dem 1. Vorstand, Schäffler Wastl, zum 30jährigen Vereinsju­ biläum gratuliert. Man wollte ihm eine Taschenuhr schenken, aber es war keine zu bekommen. Der Verein »Alpenrösl« Allach war wieder mit Erwin Ossiander und seiner Ziach da, von den »Werdenfelsern« bekam Wastl einen Freßkorb. In der Jahresversammlung am 19.9.1942 legte Schriftführer Strasser Sepp sein Amt nieder, wurde dann gleich als 2. Vorstand gewählt. Schriftführer wurde Hans Weiskopf. Die Neuwahl wurde mit kuahwarmer Goasmilli begossen. Um ½ 1 Uhr wurde der gemütliche Vereinsabend jäh durch Fliegeralarm beendet. Vom 3. Oktober 1942 bis Juli 1956 war wieder die Ver­ einstätigkeit eingestellt. Am 29. Juli 1956 beteiligte sich der Verein beim Gaufest in Aufkirchen, Ausrichter

war der Trachtenverein »König Ludwig Schloß Berg«. Bei der Jahresversammlung 1958 wurde Wastl Ehren­ vorstand, 1. Vorstand Lipp Josef, 2. Vorstand Strasser Sepp, Schriftführer Kaiser Emmi. Im Oktober 1959 wa­ ren wir wieder in der »Eurasburg«, Lokaleinweihung mit den »Werdenfelsern« und »Alpenrösl« Allach. Die erste Goldene Hochzeit im Verein und zugleich 40jäh­ rige Mitgliedschaft konnte man am 23.4.1960 mit dem Jubelpaar Käthi und Willi Stilkraut feiern. 50jähriges Gründungsfest 1961 in der »Deutschen Ei­ che«. 17 Vereine gaben uns die Ehre ihres Besuches, darunter die 3 Patenvereine »Werdenfelser« München, »Alpenrösl« Allach und »Hohenwaldecker« München, Gauvorstand Sappl Franz erläuterte in einer kurzen Ansprache den Sinn der Tracht. Geehrt wurde unser langjähriges Mitglied und Gründer, Ehrenvorstand Schäffler Wastl. Generalversammlung im September 1962. 1. Vorstand wurde Straßer Sepp, 2. Lipp Josef. Bei der Neuwahl am 25.9.65 wurde als 2. Vorstand Ehrl Georg gewählt, alle anderen blieben. 39. Gaufest und Gründungsfest 1966 unseres Patenver­ eins »D'Werdenfelser« in München im »Bavaria Kel­ ler«. Die Messe war in der Paulskirche. Der Vorstand der »D'Werdenfelser« hatte uns bei der Begrüßung vergessen. Wir stifteten zum 60. Gründungsfest dem Patenverein ein schönes Fahnenband. Gauvorstand Sappl Franz hielt ebenfalls eine Ansprache. Im Vereins­ abend am 24.2.1968 wurde beschlossen, unsere Fahne wieder herrichten zu lassen. Weiterhin wurde über den Verlauf der Einweihung gesprochen. Der Vorschlag vom Vorstand der »Werdenfelser«, Lankes Wiggerl, wurde abgelehnt, zu teuer? Das Fest wird in unserem Vereinslokal stattfinden. Fahnenmutter wurde Ehrl Maria und stiftete ein Fahnenband. Am Sonntag, dem 23.6.1968, war es wieder soweit. Bei herrlichem Son­ nenschein marschierte man zur Kirche. Anwesend wa­ ren »D'Werdenfelser« München, »Alpenrösl« Allach, »Inntaler« und »Unterföhringer«. Nach der Weihe wurde die Fahne von der Fahnenmutter, Ehrl Maria, dem Fähnrich überreicht. Anschließend ging man zum


Kriegerdenkmal, um der Toten zu gedenken. Im Ver­ einslokal »Holzkirchner« wurde dann weitergefeiert. Josefifeier mit Mitglieder-Ehrung am 22. März 1969. Den Seppln wurde zum Namenstag gratuliert. Zum 50jährigen bekamen einen Freßkorb: Schäffler Zenta, Stillkraut Kathi, Holzer Karl. Für 40jähriges wurde die Schriftführerin Kaiser Emmi zum Ehrenmitglied er­ klärt. 30jähriges: Strasser Sepp, Heimerl Schorsch, Luft Resi, Kienzl Fanni und unsere zwei Weidner Resln. Ehrenvorstand Schäffler dankte ihnen und steckte die Ehrenzeichen an, dann ging es zum gemütli­ chen Teil über. Gaufest und lOjähriges der »Inntaler« am 6. Juli 1969 im Salvatorkeller. Traurig ist ein Trachtenfest in der Großstadt, weil das Publikum keinerlei Interesse zeigt und dadurch kein Jubel auftritt, schreibt unsere Emmi.

Unsere Fahne bei der Fahnenweihe am 23. 6. 1968

Aufstellung zum Festzug bei der Fahneweihe 1968 in Thalkirchen.

Zweite Goldene Hochzeit in unserem Verein: Ehren­ vorstand Schäffler Wastl mit seiner Zenzl. Am 22. Nov. 1969 gratulierte im Verein 1. Vorstand Strasser dem Ju­ belpaar und überreichte ihnen ein Bild und eine schöne Blumenschale. Anwesend waren auch die Patenver­ eine »D'Werdenfelser«, »Alpenrösl« Allach und Bru­ derverein »D'Inntaler«. Generalversammlung am 19.9.1970 mit Neuwahl. Die neue Vorstandschaft ist folgende: 1. Vorstand Strasser, 2. Ehrl, Kassier Heimerl, Schriftführer Kaiser, Vor­ plattler Ehrhard, Fähnrich Winkler. Der Beitrag wurde auch erhöht: Buam 1,50 DM, Deandln 1,-DM. Am 6. Juni 1971 holte unsere Jugend beim Gaupreis­ platteln in der Gruppe den 4. Platz. Stolz und glücklich kamen sie heim. Da hat sich die Arbeit von Vorplattler Erhard gelohnt. 60jähriges Stiftungsfest am 11. Sept. 1971 in der »Deut­ schen Eiche«. Festmusik war Bachhausen. Ansager war Erwin Ossiander von den »Alpenrösl« Allach. Un­ ser Gründungsmitglied und Ehrenvorstand Schäffler Wastl bekam zum Andenken ein Bierkrügerl. Für lang­ jährige Mitarbeit wurden Strasser Sepp, Heimerl Schorsch und Luft Resi zu Ehrenmitgliedern ernannt. Gauvorstand Sappl Franz sagte in seiner Ansprache, daß es an ein Wunder grenzt, in einer Großstadt eine

Beim Festzug in Andorf v.1.: Schäffler Zenta, Ehrl Schorsch, Fähnrich Ehrl Dieter und Lipp Sepp.

Ehrenvorstand Schäffler Wastl, Gauvorstand Franz Sappl und Gaukassier Sepp Kastenmüller am Ehren­ tisch am 11. September 1971. 151


Jugend zusammenzubringen, wie wir sie jetzt haben. Bei der Neuwahl am 30.10.1971 kam folgendes zu­ stande: 1. Vorstand Strasser, 2. Vorstand undFähnrich Winkler, alles andere blieb beim alten. Am 8. Dezem­ ber erreichte uns die Nachricht, daß unser Gründungs­ mitglied und Ehrenvorstand Schäffler Wastl verstorben ist. Mit der Vereinsfahne begleiteten wir ihn beim letz­ ten Gang im Ickinger Waldfriedhof. Mit dabei waren die Patenvereine »D'Werdenfelser«, »Alpenrösl« Al­ lach, »D'Inntaler« München, »Schloß Berg«, Baier­ brunn, Irschenhausen. Strasser Sepp und Gauvorstand Sappl legten zum Dank einen Kranz nieder. Bei der Generalversammlung am 22.9.1973 legte 1. Vorstand Strasser Sepp sein Amt nieder, und es mußte neu gewählt werden. Der neue Ausschuß setzt sich zu­ sammen: 1. Vorstand Winkler, 2. Vorstand Ott Rein­ hard, Kassier Winkler Resi, Schriftführer Kaiser Emmi und 1. Vorplattler Hörl Edi. Am 6. und 7. Oktober machten wir einen Besuch in Pit­ tersberg bei Schwandorf. Am Abend nach der Begrü­ ßung wurden die Geschenke ausgetauscht, dann wurde zum gemütlichen Teil übergegangen. Bei Gesang, Tanz und Musik verging der Abend. Am Sonntag war Ernte­ dank in der Kirche, anschließend Frühschoppen beim Wirt. Nachmittags um½ 5 ging's wieder zurück nach München. Zum 70. Geburtstag hatte uns unser Ehren­ mitglied, Lipp Sepp, nach Unterföhring eingeladen. Ehrenvorstand Strasser gab einen kleinen Rückblick vom Trachtenleben des Jubilars, der seit 1926 unserem Verein angehört. Die neuen 1. und 2. Vorstände über­ reichten im Namen des ganzen Vereins einen Ge­ schenkkorb. Unsere Jugend tanzte noch viele Plattler. Das Landestrachtenfest in Landshut besuchten wir am 1.9.1974. 186 Vereine waren dabei. Nachmittags beim Festzug war Ministerpräsident Goppel auf der Ehren­ tribüne. Faschingsbälle fanden nun jedes Jahr im Januar/Fe­ bruar mit vielen originalen Kostümen statt. Am 20. September 1975 feierte unser Ehrenmitglied und Ver­ einsmutter Schäffler Zenzl ihren 85. Geburtstag. Vor­ stand Winkler brachte den Geschenkkorb zu ihr nach 152

Goldene Hochzeit von Zenta und Wastl Schäffler am 22. 11. 1969 Hause, da Zenzl gesundheitlich nicht ganz gut war. 70jähriges der »Werdenfelser« am 12.9.1976 am Ha­ senberg!. Wir überreichten einen 2 1 Humpen und be­ kamen einen Zinnteller. Das 65jährige Gründungsfest am 16. Oktober 1976 wurde im Vereinslokal »Alter Wirt« gefeiert. Unsere Patenvereine waren wieder zahlreich erschienen. Gauvorstand Sappl hielt auch eine kleine Rede. Unser 2. Vorstand Reinhard Ott brachte kurze Auszüge seit dem Bestehen des Vereins. Zum Schluß sagte er: »Halt's zsamm, ehrt's die Tracht, dann gibts bei de Isartaler a Pracht«. Bei den Ehrungen bekam das älteste Mitglied Schäffler Zenzl ein Buch, für 50jährige Mitgliedschaft wurde unsere langjährige Schriftführerin Emmi Kaiser mit Urkunde zur Vereins­ mutter ernannt. Ebenfalls konnte Lipp Sepp auf 50

Jahre im Verein zurückblicken. 40 Jahre ist Heimerl Schorsch im Verein als Kassier undFähnrich. Als Eh­ rengabe gab es Schnupfmaschinen, gebaut vom 2. Vor­ stand Ott. Am 28. November wurde Josef Lipp im Alter von 73 Jahren zu Grabe getragen. 100-Jahrfeier in Sendling am 14.5.77. Nachmittag um 15.30 Uhr bewegte sich derFestzug durch Sendling und Thalkirchen. Am Abend traten die Jugend und die Ak­ tiven auf. Beim 80jährigen Gründungsfest »Loisachta­ ler Stamm« am 21.5.77 führten wir zum ersten Mal wie­ der das Mühlrad auf. Einen neuen Schriftführer gab es bei der Neuwahl am 15.10.77: Albert Duldinger. Weihnachtsfeier 1977 war diesmal im »Goldenen Hirsch«. Unser Thalkirchner Herbergsvater machte uns schon länger Schwierigkei­ ten mit dem Lokal. Da die meisten unserer Vereinsmit­ glieder in Neuhausen ansässig sind, überlegten wir, uns hier niederzulassen.Ab dem 25.Feb. 1977 heißt unser Vereinslokal »Goldener Hirsch«, Renatastr. 35, und die Vereinsabende finden am 2. und 4. Samstag im Mo­ nat statt. GroßerFaschingsball war am 21. Januar 78 im neuen Vereinslokal. Zwei Todesfälle waren zu beklagen. Am 25.Feb. 1978 verstarb unser Ehrenmitglied Xaver Lang. Ihm folgte am 11. April Therese Weidner nach. Generalversammlung am 14.10.78. Neuer Schriftfüh­ rer wurde Edi Hörl, 1. Vorplattler Otto Winkler jun., 2. Vorplattler Albert Duldinger. Am 25.10.78 verstarb das langjährige Mitglied, Kassier und Fähnrich Heimerl Schorsch. Silberhochzeit im Verein feierte 1. Vorst. Otto Winkler mit seiner Resi am 24.3.79. Vom Verein bekamen sie einen Geschenk­ korb. Zugleich am 24.3.79 feierte Ehrl Schorsch seinen 75. Geburtstag. Im Vereinsabend am 12.5.79 feierte unsere Vereinsmutter und langjährige Schriftführerin Emmi Kaiser ihren 70. Geburtstag. Vom Vereinsvor­ stand wurde ein Geschenkkorb überreicht, am selben Abend feierte auch unsere Fahnenmutter Ehrl Maria ihren 75. Geburtstag und zugleich wurden sie und ihr Mann Schorsch Ehrl zu Ehrenmitgliedern ernannt.


Vereinspreisplatteln am 26.4.80 im Vereinsabend. 1. Duldinger Ulrike, 2. Winkler Evi, 1. Winkler Otto jun., 2. Biswanger Erich. Die beiden 1. bekamen den Wanderpokal, gestiftet für die Deandl von Kaiser Emmi, für die Buam von Straßer Sepp. Diesmal be­ suchten wir das Gaufest des Huosigau am 1.6.80 in Diessen am Ammersee. Bei der Generalversammlung am 11.10.80 wurde nur der Schriftführer neu gewählt, er heißt Maier Hans. Beim Papstbesuch auf der There­ sienwiese waren wir auch dabei, dies war am 19.11.80. Zum 60. Geburtstag von Stadtrat Hierl Rudi am 3. April 81 waren wir eingeladen und traten dort auch auf. Beim Gauwertungsplatteln in Seeshaupt am 17.5.81 er­ reichte unsere Gruppe den 6. Platz von 23 Teilnehmern der Gruppen. Am 23.5.81 feierten wir unser 70jähriges Gründungs­ fest zusammen mit dem 75jährigen der »D'Werdenfel­ ser 06« im »Augustiner Keller«. Oberbürgermeister Erich Kiesl war der Schirmherr. Stadtrat Rudi Hierl überreichte Geschenke. Die Begrüßungsrede hielt der Vorstand der »D'Werdenfelser 06«, Horst Altmann.

Gauvorstand Sepp Mayer hielt auch eine Rede. Geehrt wurden für 40 Jahre im Verein Weidner Resi, für 10 Jahre Resi Winkler, Hilde Maier, Hermann und Her­ mine Koller, Uschi Hörl, Evi Winkler. Auch der 1. Vorstand bekam das lüjährige Ehrenzeichen vom Eh­ renvorstand überreicht, Vereinsmutter Kaiser Emmi stiftete ein wunderschönes Fahnenband. Nach Beendi­ gung der Ehrentänze ging es zum allgemeinen Teil über. Im Rahmen unserer Weihnachtsfeier am 20. De­ zember 81 konnte unser Ehrenvorstand Sepr Straßer seinen 75. Geburtstag feiern, dabei wurde ihm ein Ge­ schenkkorb überreicht. An der Fronleichnamsprozession 1982 in der Pfarrei St. Clemens machten wir zum ersten Mal mit. Jahrhundertfest der bayerischen Trachtenvereine am 3. Juli 1983 in München Am 8.10.83 besuchte uns Sepp Mayer mit 26 Trachten­ kameraden aus Irschenhausen. Gauvorstand Mayer sagte in seiner kurzen Rede, daß sich Vereine außer der Reihe, bei einem Vereinsabend mehr besuchen sollten.

Unser 75jähriges Gründungsfest am 11. 10. 1986 in unserem Vereinslokal »Golde­ ner Hirsch«.

Auch bedankte er sich nochmals bei allen für den guten Verkauf der Festzeichen beim Jahrhundertfest. Am 1. März 1984 konnte unser Ehrenmitglied Ehrl Schorsch seinen 80. Geburtstag feiern. Da er nicht mehr so gut auf den Füßen war, überbrachte der Vor­ stand von den Mitgliedern Glückwünsche und einen Korb. Emmi Kaiser feierte am 24.4.84 ihren 75. Ge­ burtstag in der Waldwirtschaft Großhesselohe. Über­ reicht wurden ihr ein Geschenkkorb und das Jahrhun­ dertbuch. Darauf am 10.5. konnte unsere Fahnenmut­ ter Ehrl Maria ihren 80. Geburtstag bei guter Gesund­ heit feiern, auch sie bekam einen Geschenkkorb und das Jahrhundertbuch. Bei herrlichem Sonnenschein konnten wir am 1. Juli 84 unseren Vereinsausflug an den Wörthsee machen. Un­ ser 1. Vorplattler Eduard Hörl und Albert Duldinger organisierten, wie sich im Laufe des Tages noch heraus­ stellte, einen wirklich gelungenen Tag. Bei der Ausschußsitzung am 27.10.84 wurde beschlos­ sen: Beitragserhöhung auf 2,- Mark. Die Fahne soll auch wieder ausgebessert werden und zwar bei der Fa.

Ehrung der Vereinsmutter Emmi Kaiser für 60jährige Mitgliedschaft durch Franz Duldinger und V. Otto Winkler am 24. April 1988. 153


Gauvorstand Sepp Mayer, Stadtrat Rudi Hierl, 1. Vor­ stand Otto Winkler Eibl (Inh. Hölzl) in Olching. Kostenpunkt ca. 3.600,-DM. Am 8. Juni 1985 fand die kirchliche Weihe unserer re­ staurierten Fahne in der Pfarrkirche St. Clemens statt. Dazu luden wir unsere Patenvereine »D'Werdenfelser 06« und »Alpenrösl« Allach sowie Vertreter des Gau­ ausschusses ein. In der Kirche St. Clemens wurde die Messe von Pfarrer Hangl gelesen und musikalisch von der Irschenhausener Stubenmusik unter Leitung von Gaumusikwart Konrad Golling und gesanglich von den Münsinger Dirndln gestaltet. Nach Begrüßung der Gä­ ste im Vereinslokal durch 2. Vorstand Ott Reinhard 154

verlas er eine kurze Chronik über unsere Fahne. Zum Schluß sagte er: »Jetzt strahlt sie wieder in ihrer ganzen Pracht, und ich wünsche mir und uns Isartalern allen noch viel Freude an diesem herrlichen Stück«. Am 7. und 8. Juni 1986 richtete unser Patenverein »D'Werdenfelser 06« sein 80jähriges Gründungsfest aus. Auch war die Weihe der neuen Fahne. Samstag trafen wir uns im Festzelt am Königsplatz zum Heimat­ abend. Bei naßkaltem Wetter zogen wir am Sonntag zur Theatiner Kirche; dort fand die Weihe statt. Unser Dirndl Bettina Duldinger übergab unser Fahnenband. 75jähriges Gründungsfest unseres Vereins am 11. Ok­ tober 1986 im Vereinslokal »Goldener Hirsch«. Wir feierten im kleinen Rahmen mit einem Hoagascht. Aufgspuit hat uns »D'Eurasburger Tanzlmusi« fleißig und gut. Eingeladen waren »D'Werdenfelser«, »Al­ penrösl« Allach, »D'Inntaler« und »Würmtaler« Men­ zing. 1. Vorstand Winkler begrüßte die Gäste und be­ richtete ausführlich aus der Chronik des Vereins. Eh­ rengäste warenStadtrat Rudi Hierl,GauvorstandSepp Mayer, Gaukassier Ambros Lankes und Paul Rieger sowie Revisor Nikolaus Spindler. Stadtrat Hierl über­ brachte von OB Kronawitter einStadtwappen aus Blei­ glas, vom Rudi Hierl bekamen wir einen Zinnteller, auch von den »Werdenfelsern« einen großen Zinntel­ ler. Im Rahmen des Festes wurden für lOjährige Mit­ gliedschaft Rita und Franz Duldinger sowie unser Fähnrich Erich Koller geehrt. Danach spielte die Eu­ rasburger Tanzlmusi in bunter Reihenfolge Plattler, Walzer, Polkas und Zwiefache auf. Auf der Tanzfläche herrschte immer reges Treiben. In der Generalver­ sammlung am 8.11.86 blieb die Vorstandschaft die glei­ che. Treu dem guten alten Brauch aus der Vereinschronik entnommen von 1. Vorstand Winkler Otto, Febr. 1986

Die Vorstände des Vereins

FranzErber Joseph Hering SebastianSchäffler Joseph Hering SebastianSchäffler Karl Holzer SebastianSchäffler JosefLipp JosefStraßer OttoWinkler

Unsere Fahne

11.9.1911-2.6.1915 22.7.1915-12.2.1921 12.2.1921-24.5.1924 24.5.1924-13.9.1924 13.9.1924-3.9.1932 3.9.1932-3.11.1934 3.11.1934-17.1.1958 17.1.1958-Sept. 1962 Sept. 1962-22.9.1973 seit 22.9.1973


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Ortsgeschichte von München-Thalkirchen Thalkirchen ist weithin identisch mit Sendling. In Ur­ kunden findet man den Zusatz: »Thalkirchen alias Sendling« oder »dicta Sentling« (Thalkirchen »auch Sendling«) oder»genannt Sendling«. Gräberfunde weisen in die Zeit 1800 v. Christus. Sied­ lungen entstanden im 6. Jahrhundert nach Landnahme durch die Bajuwaren. Erste urkundliche Erwähnung Thalkirchens 1268. Wallfahrtskirche St. Maria Thalkirchen Wahrscheinlich eine Gründung des Klosters Schäft­ lam. Die ältesten erhaltenen Bauteile sind der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zuzuordnen. Gilt als mehr­ fach umgebaute Barockkirche, in der sich verschiedene Stilarten vereinigen, ebenso in der Ausstattung. Auf die Verbindung beider Orte einzugehen gilt fol­ gendes: Thalkirchen gilt als Urpfarrei auf dem linken Isarufer. 1315 wird erwähnt: Thalkirchen hat 6 Filialkirchen: Solln, Pullach, Neuhausen, Schwabing, Mitter- und Untersendling mit Eigenfriedhöfen und das Kirchlein Chemnaten (Nymphenburg), welches zur Hofmark Kemnat mit dem »Edelmannsitz zu Neuhausen« ge­ hörte. Die Neuhauser (damals Niwenhusen od. Newn­ hausen genannt), hatten ihre seelsorgerische Betreu­ ung von Thalkirchen alias Sendling aus, in ihrer eige­ nen Kirche erhalten. Die Geistlichen kamen hoch zu Roß geritten, von der Isar her. Neuhausen taucht als Ort vor 1163 in keiner Urkunde auf, und wenn es damals schon einen Roudalfus der Ni­ wenhusen gegeben hat, deutet dieser Name auf »neue Häuser« hin. Eingemeindung 1890. PS: Entnommen: Kirchenführer St. Maria Thalkirchen Neuhausen 800 Jahre (offizielles Festprogramm) 156

München Thalkirchen mit der Kirche St. Maria - im Hintergrund der Isartalbahnhof.


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » D'Waxenstoana« Antdorf Am 13. September 1919 hatten sich im Gasthaus »Zur Neuen Post«, das heute noch Vereinslokal ist, zwölf heimatverbundene Buam zusammengefunden, um den GTEV »D'Waxenstoana« Antdorf zu gründen. Sämtliche Anwesende, Mitglieder des am 19. März 1919 gegründeten Schuhplattlerclubs, erklärten ge­ schlossen ihren Beitritt zum GTEV. Der Schuhplattler­ club Antdorf war somit aufgelöst. Friedrich Nägele wurde zum 1. Vorstand gewählt. Wei­ tere Vereinsmitglieder (Gründungsmitglieder) waren: Georg Ponholzer, Josef Zerluth, Adam Buchner, Peter Daser, Sebastian Haberle, Benedikt Schuster, Sebald Mangold, Josef Ponholzer, Andreas Annaberger,Peter Wagner, Johann Reiner. Damit war der Grundstein gelegt, das heimatliche Brauchtum zu erhalten, den Schuhplattler und die Tracht zu pflegen. Am 16. Mai 1921 nahm der Verein

Friedrich Nägele, Gründungsvorstand, t 23.11.78

an der Trachtenschau in München teil. Bereits zwei Jahre später wurde die erste Vereinsfahne angeschafft. Peter Wagner übernahm sie mit seinen Begleitern Poly­ karp Völk und Benedikt Hoiß. Zur Fahnenbraut wurde Anastasia Merz gewählt. Als Fahnenjungfrauen beglei­ teten sie Elisabeth Adlwart und Stasi Grundhuber. Bei herrlichem Wetter wurde die Fahnenweihe am 24. Juli 1921 zu einem besonderen Fest für das Dorf. Die Patenschaft übernahm der Verein »Barmstoana« aus Benediktbeuern. Das erste Theaterstück des Vereins, der »Dorfkriminaler«, wurde am 1. Jan. 1927 mit gro­ ßem Erfolg aufgeführt. Die erste Christbaumversteigerung fand im Jahre 1928 statt und wird seither regelmäßig alle drei Jahre abge­ halten. Am 22. Juli 1928 besuchten 81 Vereinsmitglieder das 8. Loisachgaufest in Sindelsdorf, wofür wir den ersten Meistpreis erhielten. Ein weiterer Festtag für unser Dorf wurde das 9. Loi­ sachgaufest mit 10-jährigem Gründungsjubiläum am 14. Juli 1929. Bartl Höck als 1. Vorstand konnte 27 Ver­ eine als Gäste begrüßen. Als Preise im Gau wurden 3 Meistpreise, 2 Preise für historische Tänze und ein Sän­ gerpreis ausgegeben. Außerhalb des Gaues kamen 2 Meistpreise, ein Weitpreis und für jede Musikkapelle ein Preis zur Verteilung. Außerdem wurden die Gründungsmitglieder für 10jährige Mitgliedschaft geehrt. Dabei wurde Friedrich Nägele zum Gründungsvorstand ernannt. Die Vorstandschaft beim 9. Loisachgaufest 1929 bilde­ ten: 1. Vorstand Bartl Höck; 2. Vorstand Sebastian Völk; 1. Schriftführer Johann Bach; 1. Kassier Andreas Bauer; 1. Vorplattler Peter Sacher. Am 28. Juli 1929 unternahm der Verein einen Ausflug nach Obersiffelhofen. Zur Erinnerung an das 9. Gau­ fest entstand ein Foto, das noch heute seinen Platz im Vereinslokal hat. Bei der Fahnenweihe, die am 12. Au-

Bartl Höck, Ehrenvorstand seit 1950, t Oktober 1983 gust 1929 beim GTEV »D'Findlstoana« Percha statt­ fand, erwarb sich unser Verein mit 48 Trachtlern den ersten Meistpreis und einen Musikpreis. Bereits am 14. August 1932 wurde in Obersiffelhofen das erste Sommerfest abgehalten, bei dem Plattler, hi­ storische Tänze und der Holzhacker aufgeführt wur­ den. In der Zeit des 2. Weltkrieges wurde es still um das An­ liegen und die Ziele des Trachtenvereins. Viele Tracht­ ler opferten ihr Leben für die geliebte Heimat. 1949 wurde vom Trachtenverein neben dem Kir157


cheneingang eine Gedenktafel zu Ehren und zur Erin­ nerung an die vermißten und gefallenen Mitglieder an­ gebracht: Georg Sterff 21.9.1939 9.8.1941 Xaver Bartl 21.9.1941 Josef Futterknecht Johann Mair 8.10.1941 Richard Schmid 22.10.1941 18.7.1943 Lorenz Probst 5.8.1943 Georg Schreitt 8.8.1943 Andreas Wöll 14.8.1943 Peter Grabmeier 28.8.1943 Wilhelm Schäble 29.9.1943 Karl Kirnberger 28.12.1943 Hugo Schreitt 1.1.1944 Josef Bartl 11.2.1944 Georg Probst 30.6.1944 Leonhard Grabmeier 5.7.1944 Rudolf Schachtner 18.7.1944 Georg Grabmeier 15.8.1944 Benedikt Grabmeier 15.9.1944 BenediktHaberle 1.10.1944 JosefHahn 6.10.1944 LudwigHolzer 6.10.1944 Michael Schmid Ludwig Bauer 8.10.1944 8.11.1944 Leonhard Bischl 21.12.1944 Xaver Arnold 1.3.1945 Emil Rottach 13.3.1945 XaverHöck 17.4.1945 Benedikt Boos 2.5.1945 Franz Schweyer Am 8.Dezember 1946 trafen sich die verbliebenen Mit­ glieder zur Generalversammlung, die unser inzwischen verstorbene Ehrenvorstand Bartl Höck eröffnete und leitete. Am 11. April 1947 verstarb im Alter von nur 46 Jahren unsere Fahnenbraut Anastasia Bischl, geb. Merz. Er­ ster Vorstand Georg Felix legte ihr zum Dank einen Kranz nieder. 158

übernahm der Trachtenverein Maxkron. Die Fahnen­ mutter war Frau Maria Bach, die sich auch 1979 wieder zur Verfügung stellte. Anni Bischl als Fahnenbraut so­ wie Anni Reiner und Maria Ponholzer als Festjung­ frauen nahmen an der feierlichen Weihe teil.

1. Vorstand Georg Kray legt am Kriegerdenkmal an­ läßlich der Fahnenweihe 1952 einen Kranz nieder. Bereits am 8. Januar 1949 wurde die erste Jugend­ gruppe gegründet. Im gleichen Jahr fand am 7. August das 22. Loisachgaufest in Antdorf statt. 30 Vereine be­ suchten bei herrlichem Wetter unser Fest. Die Vereine wurden in folgenden Gastwirtschaften un­ tergebracht: Gasthaus »Zur Neuen Post«, Gasthaus »Zur Alten Post« und im Gasthaus Kirchmayr. Für den Verein war das Gaufest auch ein finanzieller Erfolg. Es kamen 980,-DM in die Vereinskasse. Am 6. Juli 1952 wurde unter Leitung des 1. Vorstandes Georg Kray eine neue Fahne geweiht. Die Patenschaft

Martin Schweiger übernahm 1956 das Amt des 1. Vor­ standes. Seiner Leitung ist es zu verdanken, daß die fi­ nanziellen Mittel des Vereins spürbar zunahmen und zahlreiche neue Mitglieder gewonnen werden konnten. Das 40jährige Vereinsjubiläum wurde am 19./20. Sep­ tember 1959 gemeinsam mit den umliegenden Verei­ nen im kleinen Rahmen im Vereinslokal begangen. Es waren der Patenverein Maxkron, die »Osterseer<< aus Iffeldorf, die »Würmseer« aus Seeshaupt und die »Birk'nstoana« aus Penzberg, die am Festzug teilnah­ men. Das Loisachgaufest im Juni 1960 beim Trachtenverein »Alpenrose« in Königsdorf konnte nicht besucht wer­ den, da in unserer Gemeinde die Maul- und Klauenseu­ che ausgebrochen war. Beim Loisachgaufest in Penzberg am 7./8. Juli 1962 be­ teiligte sich der Verein mit 83 Mitgliedern und erhielt dafür den ersten Meistpreis im Gau. Am 23. Juli 1967 wurde das 40. Loisachgaufest in Ant­ dorf gefeiert. Vorstand UlrichHechenrieder konnte 40 Trachtenvereine und 13 Musikkapellen in unserem Dorf begrüßen. Die Schirmherrschaft übernahm Dr. Herbert von Malaise. Festwirt Hans Lössl aus Mün­ chen stellte in Antdorf das erste große Festzelt auf. Im April 1968 mußten wir unserer Festjungfrau der Fahnenweihe von 1921, Elisabeth Schweiger, geb. Adl­ wart »Lebe wohl« sagen. Zwei Monate darauf verun­ glückte auf tragische Weise unsere Festjungfrau von 1952, Maria Reinhart, geb. Ponholzer. Vorstand Ul­ richHechenrieder legte beiden als Dank und Anerken­ nung einen Kranz nieder. Das 50jährige Gründungsfest des Vereins fand am 13. Juli 1969 im kleinen Rahmen statt. Auf dem 41. Loisachgaufest in Sindelsdorf am 17./18. August 1968 errang unser Verein mit 93 Trachtlern den 2. Meistpreis im Gau.


Unser Verein 2 Jahre nach der Vereinsgründung am 16. Mai 1921 auf der Trachten­ schau in München.

Trachtenmusikkapelle Frauenrain von 1928 bis 1953, waren Vereinsmitglieder und spielten alle Vereinsfeste und Festzüge des GTEV »D'Waxnstoana« Antdorf.

Seit 1792 wird in Antdorf der Maibaum aufgestellt. Das Foto zeigt wie der Maibaum 1930 ins Dorf gebracht wurde.

Fahnenweihe 1952 159


Bei der Generalversammlung am 1. November 1970 übernahm Anton Daser das Amt des 1. Kassiers. 1973 wurde erneut eine Jugendgruppe gegründet, die heute aus 3 Gruppen und 50 Kindern besteht. Auf der Generalversammlung vom 26. November 1972 wurde Anton Hechenrieder zum 1. Vorstand gewählt. Im Jahre 1973 wurde eine neue eigene Vereinsbühne angeschafft. Am 4. August 1974 nahm unser Verein bei der Fahnenweihe der »Birk'nstoaner« in Penzberg mit 135 Mitgliedern teil. Als Anerkennung dafür erhielt er den 1. Meistpreis. Auf der Generalversammlung vom 1. November 1974 wurde Johann Ponholzer zum 2. Vorstand und Seba­ stian Huber zum Fähnrich gewählt. Am 8. Dezember 1974 hielt der Verein das erste Adventsingen in der Pfarrkirche ab. 1975 legte Bernhard Grabmeir nach 25jähriger Tätigkeit sein Amt als erster Schriftführer aus gesundheitlichen Gründen nieder. Ignaz Probst jun. wurde zu seinem Nachfolger gewählt, Bernhard Grabmeir wurde zum Ehrenschriftführer ernannt. Bei der Eröffnung des Freilichtmuseums auf der Gient­ leiten bei Großweil am 17. Oktober 1975 nahm unser Verein am Festzug teil. Am 49. Loisachgaufest, das am 17./18. Juli 1976 in Penzberg stattfand und vom Trach­ tenverein Maxkron ausgerichtet wurde, nahm der Trachtenverein Antdorf mit 148 Vereinsmitgliedern teil und erhielt dafür den 2. Meistpreis. Die Plattler­ gruppe brachte den Birk'nstoana zur Aufführung. Am 1. November 1978 übernahm Michael Sappl die Ju­ gendarbeit im Verein. Am 23. November 1978 verstarb im hohen Alter unser Gründungsvorstand Friedrich Nägele. Die Trachtler gaben ihm das letzte Geleit. 128 Festzugsteilnehmer besuchten am 1. Juli 1979 zu­ sammen mit dem Spielmannszug Spatzenhausen das Huosigaufest in Polling und erhielten dafür den 2. Meistpreis. Am 14./15. Juli 1979 feierten wir bei herrlichem Wetter unser 60. Gründungsfest mit Fahnenweihe. Annemarie Wörle stand uns diesmal als Fahnenbraut, Barbara Blockinger und Hildegard Rothbauer als Festjung­ frauen zur Seite. Vorstand Anton Hechenrieder be160

Jugendgruppe 1986 vor dem 59. Loisachgaufest in Antdorf

grüßte den Schirmherrn Landrat Blaschke sowie sämt­ liche Ehrengäste. Die Maxkroner Trachtler übernah­ men wieder die Patenschaft. 40 Trachtenvereine und 15 Musikkapellen zogen durch Antdorf. Georg Kray, der von 1949 - 1956 als 1. Vorstand die Geschicke unseres Vereins leitete und unter dessen f Amtszeit 1952 eine neue Fahne angeschaff wurde, tru­ gen 6 Trachtler am 12. Juli 1980 zur letzten Ruhe. Vor­ stand Anton Hechenrieder legte zur Ehre des Verstor­ benen einen Kranz nieder. Die Verbundenheit unserer Gemeinde Antdorf mit dem Kloster Ettal, das am 26. Juli 1980 sein 650jähriges Bestehen feierte, bekundete der Trachtenverein durch

die Teilnahme an dem Festabend und die Aufführung des Kronentanzes. Unsere Festjungfrau der Fahnenweihe von 1921, An­ astasia Ponholzer, geb. Grundhuber wurde am 6. Juni 1981 zu Grabe getragen. Beim 50. Gründungsfest mit Fahnenweihe unseres Nachbarvereins, den »Osterseern« aus Iffeldorf am 31. Mai 1981, bei dem unsere Trachtler mit 160 Mitgliedern teilnahmen, wurde der 1. Meistpreis errungen. Am 6. Juni 1982 führte der Verein den Gaujugendtag des Loisachgaues in der Tenne zu Gut Neuried durch. Mit 161 Teilnehmern war unser Verein bei der Fahnen­ weihe in Sindelsdorf am 19. Juni 1983 vertreten. Ge-


meinsam mit der Musikkapelle Spatzenhausen erhiel­ ten wir den 1. Meistpreis. Während des traditionellen Trachtenballes am 7. Mai 1983 schlug beim 1. Vorplatt­ ler Sebastian Huber aus Rieden der Blitz in das Neben­ gebäude ein. Trachtler und Musiker begaben sich so­ fort zum Brandherd und konnten den Bauernhof ret­ ten. Seit 1983 ist die Siffelhofer Hackbrettmusi in den Trachtenverein eingegliedert und erfreut die Zuhörer auf Vereinsveranstaltungen und beim Gausingen durch alpenländische Volksmusik. Der am 22.10.1950 zum Ehrenvorstand ernannte Bartl Höck verstarb im Oktober 83 im Alter von 82 Jahren. Am 20. Oktober 83 war die Beerdigung des letzten Gründungsmitgliedes Johann Reiner. Vorstand He­ chenrieder gedachte beider und legte zu ihrer Ehre ei­ nen Kranz nieder. Am 6. April 1984 fand die Kreisversammlung der Ar­ beitsgemeinschaft der Trachtenvereine im Lkrs. Weil-

heim-Schongau im Vereinslokal in Antdorf statt. Vor­ stand Hechenrieder konnte dazu neben zahlreichen Ehrengästen Herrn Landrat Manfred Blaschke begrü­ ßen. Bei der am 11./12. August 1984 stattgefundenen Fahnenweihe übernahmen wir die Patenschaft beim Trachtenverein »Würmseer« in Seeshaupt. Mit 140 Festzugteilnehmern einschl. der Musikkapelle Habach errangen wir den 1. Meistpreis, der aus einem Spanfer­ kel bestand. Im September 1984 feierten wir mit unserem Patenver­ ein Maxkron und den »Würmseern« Seeshaupt sowie den Ortsvereinen unser 65. Gründungsfest. Bei der Ge­ neralversammlung am 1. November 1984 wurde Martin Schweiger zum Ehrenvorstand ernannt. Im Juli 1985 entschloß sich der Vereinsausschuß zum Kauf eines neuen Toilettenwagens. Er sollte bei vereinseigenen Veranstaltungen benutzt werden und bei Bedarf an andere Vereine ausgeliehen werden. Ein großes Vereinsfoto entstand im September 1985 beim

Ein alter Brauch, das Mailaufen in Antdorf. Alle drei Jahre am Sonntag nach dem 1. Mai.

Anwesen Benedikt Annaberger. Es sollte zur Erinne­ rung an das bevorstehende 59. Loisachgaufest dienen. Am 3. August 1986 wurd.e bei hochsommerlichem Wet­ ter das 59. Loisachgaufest in Antdorf gefeiert. Vor­ stand Anton Hechenrieder begrüßte 38 Trachtenver­ eine und 26 Musikkapellen. Die Schirmherrschaft hatte Bürgermeister Johann Schweyer übernommen. Im Jahre 1986 schlossen sich die »Brosl-Kinder« offi­ ziell dem Trachtenverein an, um in besonderem Maße den alpenländischen Volksgesang zu pflegen. Am 5. Juni 1987 wurde unser Ehrenmitglied Georg Fichtner zu Grabe getragen. Er verstarb im Alter von 81 Jahren. Als aktiver Trachtler, der 20 Jahre im Vereinsausschuß tätig war, wird er uns in Erinnerung bleiben. Regelmä­ ßig stattfindende gut besuchte Heimatabende und das jährlich abgehaltene Sommernachtsfest bilden ständig wiederkehrende Höhepunkte im Vereinsleben des GTEV »D'Waxenstoana« Antdorf.

Antdorfer Jugendgruppe 1983 beim Heimatabend im Pfarrgarten. Aufführung der Sternpolka. 161


Auf der am 1. November 1986 traditionell abgehalte­ nen Generalversammlung brachte die anstehende Neu­ wahl folgendes Ergebnis: 1. Vorstand Anton Hechen­ rieder; 2. Vorstand Hans Ponholzer; 1. Schriftführer Ignaz Probst; 1. Kassier Anton Daser sen.; 1. Vorplatt­ ler Josef Ponholzer jun.; Jugendleiter Hans Rothbauer. Abschließend soll eine zusammenfassende Aufstellung Kenntnis über den derzeitigen Mitgliederstand, die Eh­ renmitglieder und die Vorstände von 1919 bis heute ge­ ben: Friedrich Nägele 1919 - 1921; Johann Dietsch 1921 -1922; Andreas Wagner 1922- 1926; Bartl Höck 1926 -1929; Sebastian Haberle 1929 -1931; Nikolaus Streicher 1931 - 1937; Bartl Huber 1937 -1939; Hartl Höck 1939-1946; Georg Felix 1946-1947; Josef Bauer 1947 -1948; Bartl Höck 1948 -1949; Georg Kray 1949 -1956; Martin Schweiger 1956 -1963; Ulrich Hechen­ rieder 1963-1970; Benedikt Streicher 1970-1972; An­ ton Hechenrieder seit 1972. Unser Verein zählt heute 230 Mitglieder und 50 jugend­ liche Buam und Madln. Die 8 Ehrenmitglieder sind: Martin Schweiger sen., Ehrenvorstand; Bernhard Grabmeir, Ehrenschriftführer; Engelbert Felix sen., Lorenz Ponholzer sen., Eberhard Jennert, Höck Peter sen., Grabmair Johann, Zwerger Karl sen. lgnaz Probst, Anton Hechenrieder, Verfasser

Ehrenvorstand Martin Schweiger

Ortsgeschichte von Antdorf

Unsere Vereinsfahne (Vorderseite)

Unsere Vereinsfahne (Rückseite)

Antdorf, 2236 ha Gemeindeflur umfassend und auf ei­ ner Höhenlage von 633 m liegend, besteht aus 13 Orts­ teilen. Verkehrsgünstig nur etwa 4 km von der Autobahn München-Garmisch entfernt, liegt der Ort in einer noch unverfälschten Bauernlandschaft. Das Dorf, süd­ lich des Starnberger Sees unweit des herrlichen Land­ schafts- und Naturschutzgebietes der Osterseen ange­ siedelt, ist in eine reizvolle Moränenlandschaft einge­ bettet, die zum Verweilen und Schauen einlädt. Im Norden des Ortes sind noch einige Toteiskessel er­ kennbar, Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Ein großer Teil der Bevölkerung arbeitet in der Land­ wirtschaft, die fast ausschließlich als Grünlandwirt­ schaft, d. h. Viehzucht und Milchwirtschaft betrieben wird. 1985 wurden 68 landwirtschaftliche Betriebe ge­ zählt, die zum Teil Vollerwerbsbetriebe, zum anderen Teil Betriebe mit Nebeneinkünften sind. Zur Zeit ar­ beiten etwa 150 Einwohner in der Landwirtschaft. Aber auch Handwerk, Gewerbe, Gaststättenbetrieb und Fremdenverkehr spielen eine bedeutsame Rolle im Erwerbsleben des Dorfes. 200 sogenannte Auspendler finden ihren Arbeitsplatz außerhalb der Gemeindegrenzen. Zusammenfassend darf festgestellt werden, daß Ant­ dorf seinen dörflichen Charakter bis heute bewahren konnte, was von Einheimischen und Fremden gleicher­ maßen geschätzt wird. Bei der Gebietsreform im Jahre 1978 wurde die vor­ dem selbständige kleine Gemeinde Frauenrain mit ih­ ren 170 Einwohnern nach Antdorf eingemeindet. Mit Sindelsdorf, Habach und Obersöchering bildet die Ge­ meinde Antdorf eine Verwaltungsgemeinschaft mit Sitz in Habach. Antdorf gilt als eine der ältesten und meistbewohnten Siedlungen der bajuwarischen Einwanderungszeit um 500 - 600 Jahre nach Christi. Schon zur Zeit der Klo­ stergründung von Benediktbeuern (740 -750 n. Chr.) wird Antdorf als Hauptort, der an der Isar und Loisach 163


liegenden Besitzungen der Grafen von Antdorf er­ wähnt. Der Name Antdorf läßt sich wahrscheinlich auf »Antidorf« zurückführen, nämlich »anti« in seiner Be­ deutung als »gegenüber«, d. h. die Siedlung von Acker­ bauern gegenüber einer Burg. Diese Burg, auf einem Höhenrücken östlich des Dorfes gelegen, bewohnten damals die Grafen von Antdorf als Herrensitz. Der Edelsitz oder die Burg der Grafen von Antdorf war »auf der Mauer«, das ist der Anfang des Moränenschutt Höhenzuges, der aus dem »Wiesenfeld« zwischen Ant­ dorf und Penzberg aufsteigt und von Süden nach Nor­ den liegt, angesiedelt. Er trägt am nördlichen Abfall zu den Osterseen die bekannte Wallfahrtskirche Heuwin­ kel bei Iffeldorf. Bei Kohleschürfungen sollen die Grundmauern des ehemaligen Burgstalles zum Vorschein gekommen sein. Diese Grafen von Antdorf, die in engster Beziehung zu den Grafen von Andechs standen, waren die Gründer und Äbte des Klosters Benediktbeuern und brachten die damaligen 30 Höfe und deren gesamten Grundbe­ sitz in die Stiftung ein. Die Namen dieser Grafen (3 Brüder einer Seitenlinie der Huosi) waren Lantfried (740-765 n. Chr.) Waldram (765-804 n. Chr.) Eliland (804 - 850 n. Chr.) Einige Straßen unseres Dorfes tragen ihren Namen. Die Klosterherrschaft endete im Jahre 905 n. Chr., als durch einen Hunneneinfall die Ordensniederlassung zerstört wurde und Antdorf wieder Besitz der Grafen wurde. Die Geschicke Antdorfs wurden 600 Jahre lang (700 n. Chr. -1300 n. Chr.) von den Nachfolgern der ehemali­ gen Grafen von Antdorf bestimmt, wobei sie sich mit unterschiedlichem Geschick und wechselndem Einsatz der Belange des Dorfes annahmen. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wechselte Antdorf sei­ nen Herrn. Als im Jahre 1330 n. Chr. Kaiser Ludwig der Bayer das Kloster Ettal gründete, schenkte er die Güter und Rechte zu Antdorf diesem Kloster. Die Et164

Antdorf von der Südseite

taler Klosterherren indes waren milde Herren und hat­ ten bei der Abgabe des Zehnt viel Nachsicht. Sie stun­ deten bzw. erließen die entsprechenden Abgaben bei Viehseuchen, Mißwuchs oder Hagelschlag. Dennoch war die Bodenbelastung für die Antdorfer bis zur Säkularisation im Jahre 1803 recht drückend. Zu diesem Zeitpunkt änderten sich die Besitzverhältnisse grundlegend, und die Antdorfer Bauern wurden freie Grundherren. Als selbständige Pfarrei wird Antdorf erstmals im Jahre 1272 erwähnt. Während des 30-jähri­ gen Krieges überfielen schwedische Reiter das Dorf, plünderten es und steckten die Häuser in Brand. Neben einem Drittel der bäuerlichen Anwesen wurde auch die Pfarrkirche ein Raub der Flammen. Im Jahr 1688 begann man mit dem Bau der heutigen Pfarrkirche, die den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht wurde. In die Amtszeit des Pfarrherrn Mat-

thäus Koch (1661-1722) fiel die Grundsteinlegung und die Einweihung 1721 unserer Pfarrkirche. Eine eigene Isidor-Bruderschaft, die noch bis zum heutigen Tag be­ steht, wurde im Jahre 1636 vom damaligen Pfarrherrn Georg Munzenrieder ins Leben gerufen. Kriegsnot und Pest begründen die Entstehung dieser Bruderschaft zu Ehren des Hl. Isidor, unter dessen besonderen Schutz die Pfarrei gestellt wurde. Als Besonderheit ist zu berichten, daß drei Söhne der Pfarrei, nämlich die Pfarrherren Schwaiger, Riede­ nauer und Achner 120 Jahre lang nacheinander ihre Heimatpfarrei versahen. Ein Original aus dem nahen Sindelsdorf war Pfarrer Georg Finsterwalder (1894 1906), der sich besondere Verdienste um den Pfarrhof­ neubau und die Restaurierung der Kirche erworben hat.


Neben der in den letzten Jahren außen und innen prächtig restaurierten Filialkirche »Maria Himmel­ fahrt« in Frauenrain weist die Antdorfer Flur noch eine Anzahl gut erhaltener Kapellen auf, die vor allem bei Maiandachten von zahlreichen Gläubigen besucht wer­ den. Zu nennen wären die Kapellen auf dem Kirnberg, in Schwarzenbach, in Obersiffelhofen und die Marien­ grotte auf dem Fußweg nach Frauenrain. Weiter verweisen einige noch gut erhaltene Marterl im Antdorfer Gemeindegebiet auf Unglücksfälle in der Vergangenheit.

Mailaufen in Antdorf

Seit 1792 wird im Rhythmus von 3 Jahren von der Dorf­ jugend am 1. Mai der Maibaum aufgestellt. Am darauffolgenden Sonntag findet dann das Mailau­ fen statt. Am ersten Maisonntag zieht gegen 12 Uhr eine Gruppe von jungen Burschen, deren Hüte mit Blu­ men und Bändern geschmückt sind, durch das Dorf, um die Töchter und Mägde zum Tanz »zusammenzu­ treiben«. Einer der »Z'samm- oder Zutreiber<< macht mit einer Peitsche, die früher regelmäßig aus einem Wacholder- oder Weidenstock hergestellt war, den ent­ sprechenden Krach. Ein anderer bringt in einem weit­ bauchigen Steinkrug sowohl den Dorfschönen als auch den Hausmüttern den »Willkommenstrunk«, wozu zwei andere Burschen Brezeln austeilen, die sie an ei­ nem langen Rechenstiel mittragen. Die Rute ist das Sinnbild des erwachenden Frühlings, die mit Brezeln behangene Stange deutet darauf hin, daß nur durch schwere Arbeit während des Sommers das tägliche Brot erarbeitet wird. Ein anderer Bursch zieht vor den Zusammentreibern, mit der Ziehharmonika Märsche spielend, einher, danach folgen die geholten Mädchen. So geht es durch die Dorfstraßen zum nächsten Haus, aus dem ein Mädchen abgeholt werden soll, bis sämtli­ che am Mailaufen beteiligten Mädchen zusammenge­ trieben und beim Wirt Orterer zusammenkommen. Unterdessen wird auf der Wiese gegenüber dem Gast­ hof »Petermichl« aus Stühlen, Bierfässern und Brettern eine lange Sitzreihe errichtet, auf die sich die Burschen mit dem Rücken zur Molkerei hinsetzen. Zu beiden

Enden der Sitzreihe stehen ein Rutenbesen und eine Stallaterne. Die Anzahl der Burschen muß die der Mädchen um 2 - 3 (je nach Zahl der Besen plus La­ terne) überschreiten. Die Mädchen werden mit Musik vom alten Wirtshaus auf die Wiese geführt und in eine Reihe aufgestellt. Auf ein gegebenes Zeichen (Hornsignal) müssen die Mädchen die rund 80 m bis zur Sitzreihe der Burschen im Wettlauf zurücklegen, um sich den Tänzer zu er­ obern, was nicht leicht ist, da alle Burschen gleich ange­ zogen sein müssen (Lederhosen, weißes Hemd, Ho­ senträger, Hut) und außerdem mit dem Rücken zu den Mädchen sitzen. Die Mädchen, welche Sammelgelder eingeholt hatten, können sich 3 Schritte vorstellen. Auf das Trompeten­ signal beginnt das Laufen der Mädchen. Die schnell­ sten Mädchen können sich den Tänzer, wenn sie ihn er­ kennen sollten, auswählen. Nachdem unbedingt 2 (3) Burschen übrig bleiben, müssen diese beim folgenden Tanze auf der Straße mit dem Besen oder mit dem Be­ sen und der Stallaterne tanzen. Bis 7 Uhr abends führen die Mädchen das Regiment auf dem Tanzboden, nach dieser Zeit müssen die Burschen die Mädchen aushal­ ten. Das Mailaufen ist eine Besonderheit des Dorfes, die sonst nirgends im weiten Umkreis festzustellen ist. Eine riesige Menschenmenge der näheren und auch weiteren Umgebung bildet beim Rennen der Mädchen den festlichen Rahmen um diesen schönen Brauch. Probst Ignaz, Verfasser

Pfarrkirche St. Peter und Paul mit Maibaum 165


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »D'Buchbergler« Bad Heilbronn Nach dem l. Weltkrieg und zwar im Jahre 1919 beginnt die Vereinsgeschichte der »Buchbergler«. Die Ge­ schwister Andreas, Johann und Josef Rest gründeten in diesem Jahr im Gasthaus »Zum Jaud« einen Trachten­ verein und nannten ihn »Die lustigen Zwieselalmer«. Diese Angaben wurden uns von den Gründungsmit­ gliedern mündlich überliefert, da zur damaligen Zeit noch keine Protokolle geführt wurden. Der Verein wurde damals von »Kleinhäuslern« ins Leben gerufen

Trachtler der »Buchbergler« vor dem Quellentempel (errichtet im Jahre 1871) 166

und ist deshalb bei der bäuerlichen Bevölkerung ableh­ nend behandelt worden. Doch das legte sich im Laufe der Jahre. Die ersten Aufzeichnungen stammen aus der Haupt­ versammlung vom 1. August 1922, die im »Hotel Zwie­ sel« in Enzenau stattfand. Von da an nannte man sich Gebirgstrachten-Erhaltungsverein »d'lustigen Buch­ bergler Enzenau« und man zählte an diesem Tag be­ reits 10 männliche und 2 weibliche Mitglieder. Die Mitglieder hatten sich im Januar 1923 auf 26 männ­ liche und 6 weibliche sowie 19 Ehrenmitglieder erhöht. Das Kassenbuch wurde zugleich als Protokollbuch ge­ führt, deshalb fielen die Jahresberichte sehr dürftig aus. Der erste große Höhepunkt der »Buchbergler« war die Fahnenweihe 1923. Die Neuanschaffung der Fahne riß ein großes Loch in den Haushalt des Vereins. 350.000 RM kostete die neue Vereinsfahne. Dazu kam noch eine Ausgabe von 330.000, - RM für den Kleiderstoff der Trachtengewänder der Deandln. Zu diesem großen Fest wurden 145 Vereine aus der näheren und weiteren Umgebung eingeladen, aber nur 21 Vereine sagten ihr Kommen zu. Über den Ablauf der Fahnenweihe liegt uns leider kein Bericht vor. Nur ein Foto hielt diesen Festtag in Erinnerung. Ab 1925 war der Sitz des Vereins Heilbrunn und nicht mehr Enzenau. Vereinslokal wurde das Gasthaus Kal­ tenmarktner unterhalb der Pfarrkirche St. Kilian. Aus den Kassenberichten ist zu ersehen, daß man die Ein­ nahmen des Vereins mit Schuhplattlerabenden, Alm­ hoagascht und Waldfesten einbrachte. Auch das Thea­ terspielen der »Buchbergler« war im ganzen Umkreis bekannt und war ebenfalls ein guter Kassenfüller. Es kann somit von einem sehr aktiven Leben im Verein ge­ sprochen werden. Durch den auflebenden Kurbetrieb in unserm Ort fehlte es nicht an Zuhörern und Zu­ schauern.

Fahnenweihe 1959 - Trachtlerinnen mit der neuen Fahne: v. 1. Kathi Lettner, Fahnenmutter Katharina Specker, Fahnenbraut Maria Wametsberger, Ursula Murböck. Die Fahrten zu den auswärtigen Trachtenfesten wurde meist mit einem LKW gemacht, während man die nä­ here Umgebung auf Schusters Rappen oder per Draht­ esel zu erreichen versuchte. So einfach war das gar nicht, denn Straßen und Wege waren noch nicht asphal­ tiert und man fiel von einem Schlagloch ins andere. Ein Antrag vom Gauverband »Loisachgau«, Sitz Penz­ berg, sich dem Verband anzuschließen, wurde bei einer Ausschußsitzung am 11. Mai 1927 einstimmig abge­ lehnt. Am 10.10.1933 sind die »Buchbergler« dann, wahr­ scheinlich auf Druck der Nationalsozialisten, dem Loi­ sachgau beigetreten.


Fahnenweihe 1959 - Festabend. Beim »Dreisteirer« Maria Wametsberger, Hans Demmel, Kathi Lettner. Das Leben auf dem Land nahm auch nach der Macht­ übernahme 1933 seinen gewohnten Gang. Sicher gab es auch bei einigen Mitgliedern im Verein einen politi­ schen Gesinnungswandel. Es wurde aber nie so heiß ge­ gessen, wie es gekocht wurde. Ein weiterer Höhepunkt für die »Buchbergler« war am 1. Oktober 1933 der große Trachtenaufmarsch in Mün­ chen. Mit vier Privatautos fuhr man in die Landes­ hauptstadt, um an dem fünfstündigen Geschehen teil­ zunehmen. Tradition war für die »Buchbergler« das Aufstellen ei­ nes Maibaumes. Der von Anton Waldherr 1934 gestif-

tete Maibaum hinterließ einige merkwürdige Erinne­ rungen. Da man sich für das Anbringen eines Haken­ kreuzes am Gipfel nicht begeistern konnte, ließ man dem Baum seinen natürlichen Gipfel aus Tannenzwei­ gen. Doch dieses gefiel einem Parteigenossen schein­ bar nicht und er sägte nach einer waghalsigen nächtli­ chen Klettertour den Gipfel ab und befestigte in schwindelnder Höhe das Wahrzeichen der Nazis. Das gefiel aber wiederum den Erstellern nicht und es wurde nochmals eine Nacht- und Nebelaktion gestartet, um den Baum unten anzubohren. Große Aufregung gab es, als man bemerkte, daß bereits tüchtige Hände am Werk waren und diese Arbeit schon erledigten. Nun gab es halt ein paar Mitwisser mehr, aber es wurde fest verschwiegen und niemand erfuhr die Namen der Täter trotz intensivster Suche der Polizei nach den Bohrwerk­ zeugen und deren Besitzer. Es waren kaum vier Wo­ chen vergangen, da mußte der Maibaum entfernt wer­ den, und seither wurde auch keiner mehr aufgestellt. 1934 beim Heimatfest unseres Patenvereins »Stamm« Lenggries erhielten wir den 1. Ehrenpreis für die Auf­ führung des Kronentanzes. Mit 8 Deandln und 27 Buam war der Verein außergewöhnlich stark vertreten. Das letzte Protokoll der »Buchbergler« vor dem 2. Weltkrieg wurde 1936/37 geschrieben. Da gab es im Verein schon Schwierigkeiten, im Juni wurde ein Ver­ bot für sämtliche Veranstaltungen ausgesprochen. Zwar besuchte man noch ein Stiftungsfest in Bad Tölz und das Gaufest in Penzberg, bevor alle Aktivitäten ge­ zwungener Weise ganz eingestellt wurden. Viele Män­ ner waren bereits zum Wehrdienst eingezogen worden, man spürte an allen Ecken und Enden das Unheil her­ annahen. Am 1. September 1939 begann grausam und erbar­ mungslos der 2. Weltkrieg, viele unserer Trachtler standen an der Front, um für Volk und Vaterland zu kämpfen. Bald kamen die ersten Todesnachrichten von der Front in unseren Ort. Es folgte eine schwere Zeit, bis Anfang Mai 1945 die Amerikaner einmarschierten. Während des Krieges ruhten alle Aktivitäten im Ver­ ein. Es wurden keine Eintragungen im Protokoll- und

Altes Gipfelkreuz am Stallauereck, errichtet 1952 von den »Buchberglern« Kassenbuch gemacht. Die ganze Vorstandschaft nebst Mitgliedern waren in den Krieg gezogen, so daß der Verein ohne Führung zum Pausieren gezwungen war. Am 4. Mai 1946 versammelte sich eine kleine Gruppe alter Mitglieder, um den Verein wieder aktiv werden zu lassen. Raßhofer Hans, Waldherr Anton, Frech Michael und Krinner Hans beriefen die Versammlung ein und man versuchte nach der langen Pause weiter zu machen. Doch ganz so einfach war es nicht, das Vereinsleben wieder zu aktivieren. Es mußte eine sechsköpfige Gruppe bei der amerikanischen Besatzungsmacht in Bad Tölz Bürgschaft leisten, um ein öffentliches Auf­ treten des Vereins mit Fahne genehmigt zu bekommen. 167


Diese Bürgschaft wurde von 6 Mitgliedern geleistet. Nach 14 Tagen erhielten die »Buchbergler« die Lizenz und Vollmacht von der amerikanischen Militärregie­ rung Bad Tölz für ein öffentliches Auftreten mit Fahne, somit waren die ersten Hürden genommen. Nochmals schmerzlich für den Verein war die Nachricht vom Tode des 1. Vorstandes Leonhard Hohenleitner, der auf dem Heimtransport aus russischer Gefangenschaft am 9. Oktober 1946 verstorben war. Die folgenden Jahre waren mühsam, es fehlte an Buam und Deandln, denen das Schuhplatteln und die Trach­ tentänze angelernt werden konnten. Bei der Jahreshauptversammlung am 14. Januar 1950 fand eine rege Aussprache über die Neugründung einer Musikkapelle statt. 14 Burschen meldeten sich spontan mitzumachen. So wurde das Jahr 1950 zum Gründungs­ jahr der Musikkapelle Bad Heilbrunn. Auch in der Plattlergruppe waren gute Fortschritte zu verzeichnen. Anläßlich des Stiftungsfestes am 9. Dezember 1951 spielte die neugegründete Musikkapelle beim Gottes­ dienst.

Gruppenbild - 50jähr. Gründungsjubiläum 1969 168

Im Anschluß daran traf man sich zur Jahreshauptver­ sammlung im Vereinslokal Quellenberg. Bei dieser Versammlung wurde Franz Melzer zum Musikmeister und Josef Falter zum Musikvorstand gewählt. Somit wurde die Musikkapelle stelbständig, Leonhard Bieh­ ler aus Penzberg übernahm die Ausbildung der Musi­ kanten. Bei dieser Versammlung wurde der Beschluß gefaßt, ein Bergkreuz auf dem Stallauer Eck zum Gedenken an die Gefallenen und Vermißten der Gemeinden Bad Heilbrunn und Oberbuchen zu errichten. Bei der Fahnenweihe der »Reindlbachtaler« am 4. Mai 1951 in Mürnsee übernahmen die »Buchbergler« die Patenschaft. Am 29. Juni 1952 wurde das von Georg Waldherr (Wörnern) gestiftete Gipfelkreuz auf dem Stallauer Eck feierlich eingeweiht. Die musikalische Umrahmung der Messe übernahm die Musikkapelle Bad Heilbrunn. Alljährlich trifft man sich nun am 15. August (Fest Maria Himmelfahrt) auf dem Stallauer Eck zur Gedenkmesse der »Buchbergler«. Abwech-

selnd wird sie von der Musikkapelle und der Sänger­ runde musikalisch gestaltet. Zu einer Ausschußsitzung mit den »Reindlbachtalern« traf man sich am 27. Mai 1957. Man beschloß gemein­ same kulturelle Veranstaltungen zu gestalten und ge­ meinsame Plattlerproben zu halten. So arbeiteten die beiden Vereine Hand in Hand und mit Erfolg. Schon kurze Zeit darauf übernahm Hans Demmel das Amt des 1. Vorplattlers bei den »Buchberglern« und mit ihm kam die Gruppe in feste Hände. Einen weiteren Höhepunkt brachte das Jahr 1959 für die »Buchbergler«. Nachdem die alte Vereinsfahne nach 36 Jahren nicht mehr zu renovieren war, gab man den Schwestern in Schlehdorf den Auftrag, eine neue Vereinsfahne nach dem Entwurf von Herrn Prof. No­ wak zu sticken. Am 28. Juni 1959 war der Festtag der Fahnenweihe, verbunden mit dem 40jährigen Grün­ dungsfest und dem Loisachgaufest. Alles war bestens vorbereitet, nur der Wettergott vergaß die Hähne zu schließen. So mußten die Feldmesse und die Fahnen­ weihe ins Bierzelt verlegt werden. Fahnenbraut war

Kriegerdenkmal (aus Enzenauer Marmor)


Maria Wametsberger, Fahnenmutter Katharina Spek­ ker, die »Bundhansl-Bäuerin«. Die Patenschaft über­ nahm auch diesmal der GTEV »Stamm« Lenggries. Die aktive Arbeit brachte uns auch im Gau zu großem Ansehen. Beim Gau-Wertungsplatteln am 28. August 1966 belegten wir den 3. Platz und waren auf diesen Er­ folg sehr stolz. Unser 50jähriges Gründungsfest feierten wir am 30./31. August 1969. Mit uns feierten die Ortsvereine und un­ ser Patenverein »Stamm« Lenggries am Lindenhügel eine Feldmesse. Anschließend verweilte man zum To­ tengedenken am Kriegerdenkmal. Nach einem kleinen Festzug durch den Ort saßen wir noch in fröhlicher Runde imBiergarten des Bierhäusl.

neue Tanzbühne angefertigt. Am 17. Juli 1977 wurde sie im Garten des Gasthauses Bierhäusl nach einer fei­ erlichen Einweihung ihrer Bestimmung übergeben. Den 60. Geburtstag feierten die »Buchbergler« am 30./ 31. Juni 79 mit den Ortsvereinen. Mit einem Heimat­ abend am Vorabend und einer Feldmesse mit anschlie­ ßendem kleinen Festzug durch den Ort nahm das Fest einen schönen Verlauf. Bei der letzten Vorstandswahl 1982 legte 1. Vorstand Ludwig Schröfele sein Amt nieder. Nach 23 Jahren Vorstandschaft wollte er einem Jüngeren das Amt überlassen. Ludwig Schröfele wurde zum Ehrenvor­ stand ernannt.

Nochmals einen 3. Platz konnten wir uns beim Gau­ Wertungsplatteln am 6. Juni 1971 sichern, worüber wir uns sehr freuten. Da im Loisachgau schon viele Vereine ihre Jugend­ gruppen vorstellten, lag es auch den »Buchberglern« sehr am Herzen eine Gruppe zu motivieren. Mit Niko­ laus Annaberger fand der Verein einen Idealisten, der keine Mühen scheute und 1974 eine Jugendgruppe auf­ baute. Schon ein Jahr später zeigten die Kinder ihr Können bei den Heimatabenden in der Heimatbühne. Nicht nur tanzen wollte die Jugend, nein -auch musi­ zieren. So konnte sich der Verein auch an einer Stubn­ musik erfreuen. Ein Höhepunkt 1975 war die Auffüh­ rung der »Heiligen Nacht« von Ludwig Thoma, die von der Jugendgruppe zusammen mitHubert Freiseisen ge­ spielt wurde. Ein Wagnis war es und ein großer Erfolg wurde es.Der Erlös des Spiels konnte für die neue Halbtracht der Ju­ gendgruppe verwendet werden. Der Erlös eines Weih­ nachtsbasars war für die Lebenshilfe Bad Tölz be­ stimmt. Nochmals von sich reden machte die Jugendgruppe der Buchbergler am 10. Oktober 1976 beim Preisplatteln in Wolfratshausen. Mit 106 ¾ Gesamtpunkten und der Haltungsnote 9 belegte sie den 1. Platz. Auf Initiative der »Buchbergler« wurde in Gemein­ schaftsarbeit mit den ortsansässigen Vereinen eine

Wind und Wetter hatten dem Bergkreuz am Stallauer Eck in 34 Jahren arg zugesetzt. Zwei Bad Heilbrunner Zimmerleute stifteten spontan ein neues Kreuz, das sie auch selbst anfertigten. Mit viel Mühen wurde auf dem Berg alles vorbereitet. Es wurde ein Gemeinschafts­ werk, auf das der Verein sehr stolz sein darf. Am 15. August 1986 wurde bei strahlendemSommerwetter das Kreuz eingeweiht und die Gedenkmesse gefeiert, musi­ kalisch umrahmt von der Musikkapelle BadHeilbrunn. Rückblickend auf 68 Jahre Vereinsgeschichte der »Buchbergler« wird man feststellen, es hat sich was ge­ tan beim hiesigen Trachtenverein und auch weiterhin wird sich noch was tun im Sinne seines Wahlspruches: »Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten!« GTEV »D'Buchbergler« Bad Heilbrunn Gründungsjahr 1919, Mitgliederzahl 120, Vereinslokal: Gasthaus Bierhäusl 1. Vorstand Michael Spindler; 2. Vorstand Josef Berg­ mann; Schriftführer Katharina Annaberger; Kassier Rupert Fichtner; Vorplattler JosefBergmann; Jugend­ wart Josef Fichtner; Ehrenvorstand Ludwig Schröfele. 1. Vorstände 1919-1922 Andreas Rest 1922-1924 Josef Rest 1924-1926 Lorenz Flossmann 1927 -1929 Georg Menzinger 1930-1946 Leonhard Hohenleitner 1946-1949 Hans Raßhofer 1950-1953 Josef Rest 1954 -1959 Georg Lettner 1959-1982 Ludwig Schröfele ab 1982 Michael Spindler

Einweihung des neuen Gipfelkreuzes am Stallauereck durch Dekan Gerhard Hundeck am 15.8.1986.

Gefallene Mitglieder im 2. Weltkrieg: Jakob Urspringer, Michael Eierschmalz, Kilian Schuldlos, Johann Frech, GeorgMeiller, JosefSeibold, Leonhard Hohenleitner Katharina Annaberger, Verfasserin 169


Fahnenweihe 1923

Fahnenweihe 1959 - Pater Söll weiht die Fahne

Fahnenweihe 1959 - Ehrung verdienter Mitglieder

Fahnenweihe 1959 - »Harter Kern«

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Ortsgeschichte von Bad Heilbrunn Von Dr. Erhard Wehner Die Geschichte von Bad Heilbrunn ist mit der Ge­ schichte der Jodsalz-Heilquelle und des Kloster Bene­ diktbeuern eng verbunden und ohne sie nicht vorstell­ bar. Es ist eine lange wechselvolle Geschichte. Schon in vorchristlicher Zeit dürfte die Heilquelle be­ kannt gewesen sein. Nach der Gründung des Klosters Benediktbeuern im Jahre 739, zu dessen Stiftsgebiet die Umgebung von Benediktbeuern gehörte, entstan­ den Einödhöfe am Salzbrunnen und in der Enzenau als Kern der heutigen Gemeinde. »Name und Entstehung des Ortes stammen von der Heilquelle, im Volksmund als Hallbrunn (Hall = Salz) um 900 bekannt« (nach dem Text der Wandkarte am Rathaus). Hunnen, ein türkisch-mongolisches Steppenvolk und Ungarn verwüsteten Siedlung und Quelle, bis diese am 10. August 955 durch die Schlacht auf dem Lechfeld be­ siegt wurden, sich zurückzogen und das damalige Deut­ sche Reich nicht mehr beunruhigten. Im Jahre 1159 ließ Abt Walther (1138 - 1168) vom Klo­ ster Benediktbeuern die Heilquelle freilegen, neu fas­ sen und auch einen schützenden Überbau errichten. Alte Mauerreste und Geräte wiesen auf eine frühere Quellenfassung hin. Am Vorabend des Matthäustages (21. September 1159) entlud sich mit lautem Getöse und blendenden Stichflammen eine furchterregende Explosion über der Quelle, es handelte sich wahr­ scheinlich um eine Methangasexplosion, die weitere Freilegung der Heilquelle wurde deshalb nicht mehr fortgesetzt. Das Kloster Benediktbeuern errichtete im Jahre 1253 neben dem Heilbrunnen eine Kirche, es handelte sich sehr wahrscheinlich um einen kleineren spätromani­ schen Bau, dessen Hauptachse von Süden nach Norden verlief, der Chor und der Altar der Kirche waren zur Quelle des Salzbrunnens nach Norden gerichtet. Die­ ses Gotteshaus wurde am 27. September 1253 von Bi­ schof Sibotho von Augsburg zu Ehren der Heiligen Ki­ lian und Pancratius konsekriert. Sankt Kilian gilt als

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Ansicht von Bad Heilbrunn Quellenpatron, er ist als irischer Heiliger und zusam­ men mit seinen Getreuen Kolonat und Totnan als Glaubensbote Frankens bekannt. Im späten Mittelalter (13. bis 16. Jahrhundert) erschloß eine Salzstraße die Siedlung, die Heilquelle zog dann auch fürstliche Gäste an. Schon in den Jahren 1530 und 1541 weilte ein regierender Wittelsbacher, Wilhelm IV. von Bayern (Regentschaft 1508 - 1550), zusammen mit seiner Gemahlin am Heilbrunnen zur Kur. Im späten Mittelalter entstand wiederum in unmittel­ barer Nähe des Heilbrunnens ein neues, ein spätgoti­ sches Gotteshaus. Malachias Geiger, »Medicus, Physicus Ordinarius, Churfürstliche Hauptstatt München«, veröffentlichte am »1. Januarij Anno 1636« seine umfassende »Fonti­ graphia oder Brunnen Beschreibung deß Miraculosen Heilbronnens bey Benedictbeuren« und widmete sie »Dem Hochehrwürdigen in Gott, Herrn Waldramo,

Abbt deß Würdigen Closters Benediktbeuren, Meinem Gnädigen Herrn und Patron«. In acht Kapiteln geht er sehr eingehend und instruktiv auf die Lage, Auffindung und Erhaltung des Heilbrunnens im »Churfürstlichen Hertzogthumb Obern Bayrn« zwischen Iser (Isar) und Loysa (Loisach), auf die unterschiedlichen Wirkungen des »haylsamen Haylbrunnens«, auf den Transport und die Anwendung des Heilwasser andernorts, auf den Gebrauch des Heilwassers zum Trinken und zum Ba­ den ein, auch gibt er gezielte Hinweise, was vor, wäh­ rend und nach Anwendung des Heilwassers zu beach­ ten ist, auch hinsichtlich der Quantität und Diät. Er be­ schreibt u.a. die günstige Wirkung des Heilwassers auf Augen, Haut, Podagra (Erkrankung an Gicht), Un­ fruchtbarkeit der Frauen, auf Gemüt und Gedächtnis, auf Niere und Darm, Milz und Leber, auch auf das Wollkleid der Schafe (das Heilwasser färbe es gelb und schwarz - heute würde dies auf den Jodgehalt des Heil-


wassers zurückgeführt werden). Am wirksamsten ist nach Ansicht und Erfahrung des Malachias Geiger das Heilwasser am Ort, wo es entspringt, für am geeignet­ sten hält er dessen Anwendung am Morgen und am spä­ ten Nachmittag, demgegenüber soll es im Winter, an kalten Tagen und bei großer Hitze, insbesondere um die Hundstage herum, gemieden werden. Der Herbst sei besonders geeignet, weil er weder zu heiß noch zu kalt sei. Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) entvölkerte die Anwesen in der Umgebung der Heilquelle, manche Gehöfte und Badeeinrichtungen wurden auch wegen der Pestgefahr niedergebrannt. An dem im späten Mittelalter erbauten spätgotischen Gotteshaus mußten 1666 größere Reparaturen durch­ geführt werden, der mittelalterliche Turm erhielt dann eine barocke Zwiebelgestalt. Im Jahre 1659 ließ Kurfürst Ferdinand Maria von Bay­ ern (Regentschaft 1651 - 1679) ein großes Badehaus für seine Gemahlin, Kurfürstin Henriette Adelheid von Bayern, Prinzessin Henrieta Adelaide von Savoyen (geboren am 6. November 1636 zu Turin, verstorben am 18. März 1676 zu München), erbauen. Die Kurfür­ stin prägte entscheidend das künstlerische, besonders das literarische Leben am Hofe. Da die Ehe nach 7 Jah­ ren immer noch unfruchtbar blieb, sollte der Kurfürstin das damalige Hofbad Heilbrunn Hilfe bringen, sie weilte deshalb hier zu einem Kuraufenthalt vom 5. Juni bis 10. Juli des Jahres 1659. Die Heilkraft der Quelle zeigte ihre Wirkung, nach Ma­ ria Anna Christina (geb. 1660) gebar die Kurfürstin am 11. Juli des Jahres 1662 dem Lande Bayern den heißer­ sehnten Thronfolger, Max II. Emanuel (Regentschaft 1679 - 26.2.1726 t). Eines Gelübdes zufolge ließ das kurfürstliche Ehepaar die Theatinerkirche mit Kloster zu München erbauen. Max II. Emanuel kam als Bayeri­ scher Kurfürst in den Türkenkriegen als Retter Wiens und Eroberer der Festung Belgrad unter dem Oberbe­ fehl von Prinz Eugen zu großem Ruhm. Im »Haus des Gastes« zu Bad Heilbrunn sind diese Ereignisse in ei­ nem Wandgemälde von Max Weihrauch (1973) künst­ lerisch dargestellt.

1725/26 stand ein barocker Neubau der Kilianskirche in Aussicht, bald begannen auch die Arbeiten. Durch ein Unwetter am 16. April 1734 hatten Glockenturm, Dach und Fenster des Neubaues starken Schaden gelitten, deshalb und wegen zunehmender Schuldenlast konnte erst am 17. September 1742 die Einweihung dieses Got­ teshauses, wiederum als Filialkirche, erfolgen. Seit dem 16. Januar 1806 ist diese dann Pfarrkirche. Im glei­ chen Jahre - 1806 - wurde auch ein Pfarrhaus, das jet­ zige, aus der Ruine des ehemaligen Badehauses der Kurfüstin Henriette Adelheid von Bayern errichtet. Bis zur Säkularisation im Jahre 1803 unterstanden die Anwesen um den Heilbrunnen der Grundherrschaft des Klosters Benediktbeuern, dann ab 1805 dem Land­ richter in Tölz. Die Säkularisation hatte mithin die ural­ ten Bande zwischen dem Heilbrunnen mit den umge­ benden Gehöften und Einrichtungen und dem Kloster Benediktbeuren gewaltsam aufgehoben. Im Jahre 1827 (nach Mindern 1828) wurde bei Auftei­ lung des zu großen Gebietes der Gemeinde Steinbach ein neues politisches Gemeindewesen um den Heil­ brunnen geschaffen, das sich vom Kirchort - Heilbrunn -

den Namen lieh (P. Karl Mindern SDB), jedoch weiter­ hin zur politischen Gemeinde Steinbach gehörte. König Ludwig I. von Bayern (Regentschaft 1825 - 1848) verlieh im Jahre 1832 der Heilquelle den Namen »Adel­ heidquelle« als dankbare Erinnerung der Wittelsba­ cher an Kurfürstin Henriette Adelheid von Bayern und ihren Kuraufenthalt des Jahres 1659. Seit 1862 untersteht die Gemeinde Steinbach mit Heil­ brunn dem Bezirksamt Tölz. Im Jahre 1871 wird ein, im Dorfbild dann so vertrauter Quellentempel errichtet. Seit 1912 ist die Heilquelle im Besitz der Jodquellen-AG. Nach 1918 brach eine neue Epoche des Aufstiegs des Heilbades an, es entstanden Sanatorien, Kurheime und Pensionen. 1931 erfolgte die Erweiterung der Sankt Kilianskirche. Seit 1933 besteht die politische Gemeinde »Bad Heil­ brunn«. Erst in diesem Jahrhundert hat die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Heilbrunn be­ gonnen. Nur wenige evangelisch-lutherische Christen lebten hier bis zum Ausbruch des letzten Weltkrieges. Dann kamen mit dem großen Flüchtlingsstrom aus dem Osten auch evangelische Gemeindemitglieder n·ach Bad Heilbrunn. Am Rande des Kurparks liegt die »Christus-Kirche«, sie wurde nach den Plänen des Münchener Baurates Hermann Heinrich erbaut und am 23. Juni 1940 eingeweiht. Seelsorgerische Betreu­ ung der Gemeindebürger und der Kurgäste evange­ lisch-lutherischen Glaubens machten 1950 die Einset­ zung eines Vikariats und 1966 einer Pfarrstelle erfor­ derlich. In den Jahren 1935/36 errichtete die Jodquellen-AG ihre derzeitigen Kuranlagen. Die Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns gab am 3. März 1958 eine abschließende Stellung­ nahme zum offiziellen Wappen der Gemeinde Bad Heilbrunn ab. Dieses symbolisiert folgende Merkmale: das heraldisch übliche Sinnbild für »Heilbad«, nämlich die aus einem Becken aufsteigende Fontäne, ein dun­ kleres Rot in Richtung Karminrot des Hauptfeldes als Hinweis auf die alten Bande mit dem Kloster Benedikt­ beuern, im Schildfuß die bayerischen Rauten als Aus173


nahmefall in einem kommunalen Hoheitszeichen we­ gen enger Beziehung zum Hause Wittelsbach. Bad Heilbrunn konnte im Jahre 1959 sein 800jähriges Jubiläum feiern. Ein neuer Brunnentempel wurde in den Jahren 1964/ 65, gegenüber dem bisherigen um einige Meter nach Westen versetzt, errichtet. Bis zum Ende des Jahres 1971 hatte die Gemeinde Bad Heilbrunn 1647 Einwohner, nach Eingemeindung der Gemeinde Oberbuchen (mit Unterbuchen, Linden, Ramsau, Wörnern, Hub, Wiesweber und Hammerl) Ende des Jahres 1972 2032 Einwohner. Nach der dann folgenden Gemeindegebietsreform mit Eingliederung des südlichen Teils der Gemeinde Schönrain (nämlich Hohenbirken, Unterkarpfsee, Mürnsee, Reindlschmiede, Bocksberg, Gut Letten, Karpfsee und Gut Nantesbuch) wohnten in der Ge­ meinde Bad Heilbrunn am 1. Mai 1978 2553 Bürger. Am 20. April 1983 ereignete sich anläßlich einer Über­ prüfung der Heilquelle durch Aufsichtsbehörden eine heftige, von Experten völlig unvorhergesehene Explo­ sion in der Tiefe des Brunnenschachts, die sieben Ver­ letzte, darunter fünf Schwerverletzte mit ausgedehnten Verbrennungen vorwiegend im Bereich der unbedeck­ ten Körperstellen, forderte. Wiederum handelte es sich, wie bereits im Jahre 1159, um eine Methangasex­ plosion. Zu einer erneuten Explosion im Brunnenschacht kam es am 26. April 1988 gegen 9 Uhr vormittags, wahr­ scheinlich infolge einer defekten Elektroleitung in 9m Tiefe bei einer Sehachttiefe von 18 m. Wieder dürfte es eine Methangasexplosion gewesen sein. Glücklicher­ weise wurden diesmal Menschen nicht verletzt, sie standen nämlich im Schatten der Ausbreitung des wie­ derum intensiven Explosionsdruckes. Demgegenüber sind erneut Dach des Brunnentempels aus der Veran­ kerung gerissen, Türen und Fenster zerstört worden. 1987 wurde mit dem Bau einer großen Fachklinik für vorwiegend bewegungsgeschädigte und reaktivierungs­ bedürftige Menschen begonnen. Bis Ende 1988 soll diese, dem Kurort Bad Heilbrunn zu neuem Auf­ schwung verhelfende Klinik, aufnahmebereit sein. 174

Es wurde versucht, die abwechslungsreiche und doch auch nicht ohne Ruhm verlaufene Geschichte der Ge­ meinde Bad Heilbrunn darzulegen. Im Laufe der Jahre haben sich die gemeindlichen Grenzen wiederholt ge­ ändert. Zuletzt im Jahre 1978 im westlichen und nord­ westlichen Teil des Gemeindegebietes: sie erstrecken sich nun dort von der Loisach bis Gut Nantesbuch, im Norden bis zur Gemeindegrenze Königsdorf, im Osten entlang der Gemarkung Oberfischbach der Gemeinde Wackersberg am westlichen Damm des Stallauer Wei­ hers vorbei, im Südosten und Süden entlang der Ge­ meindegrenzen Wackersberg und Bichl, nämlich vom Stallauer Weiher hinauf, dann südöstlich vom Stallauer Eck zum Stallauer Kopf, am Enzenanger, am Angerl­ kopf und südlich vom Enzenauer Kopf vorbei hinunter nach Obersteinbach, im Westen wieder zur Loisach entlang der Gemeindegrenze Penzberg (Landkreis­ grenze zwischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und Landkreis Weilheim-Schongau). Die Gemeinde Bad Heilbrunn schließt 34 Ortsteile, Höfe und Weiler mit ein: Achmühl, Baumberg, Bern­ wies, Bocksberg/Gut, Bodling, Fletzen, Hammerl, Hinterstallau, Hohenbirken, Hub, Karpfsee, Kiensee, Langau, Letten, Linden, Lindenhof, Mürnsee, Nantes­ buch/Gut, Oberbuchen, Oberenzenau, Obermühl, Obersteinbach, Ostfeld, Ramsau, Reindlschmiede, Schönau, Unterbuchen, Unterenzenau, Unterstein­ bach, Vogelherd, Weiherweber, Wiesweber, Wör­ nern, Unterkarpfsee. In der Gemeinde Bad Heilbrunn bestehen 4 Freiwillige Feuerwehren (FW Bad Heilbrunn, FW Mürnsee, FW Oberbuchen, FW Obersteinbach) und 20 Vereine, Ge­ meinschaften, Klubs und Interessenvertretungen. Das Schulwesen um und in Bad Heilbrunn soll nicht un­ erwähnt bleiben, auf 3 Volksschulen ist einzugehen (nach Aufzeichnungen von Pfarrer Rudolf Hauser und Mitteilungen von Rektor Anton Bachmeier): - Volksschule Bad Heilbrunn Der Schulunterricht erfolgte zunächst über viele Jahre in Privathäusern, beim Rothenbauer in Kiensee Nr. 1, im Steinhäusl, beim Holzer in Langau, beim Feldhauser,

nach mündlicher Überlieferung auch beim Wiesweber. 1805 gab es in der Pfarrei Heilbrunn 312 Seelen und 14 Häuser. 1806 konnte das erste Schulhaus, das Mesner­ haus (auch »Jagerhäusl« genannt), hinter dem Pfarr­ haus gelegen, bezogen werden. 1920 erwarb die Gemeinde durch Kauf das Hotel Belle­ vue (jetzt Rathaus), in diesem Haus wurden dann 2 Schulzimmer (bis 1955), gemeindliche Räume und eine Wohnung errichtet. 1955 im November kam es zur Fer­ tigstellung und Bezug des Schulhauses am Wörnerweg mit 4 Schulzimmern. 1987, am 15. September, konnte der Schulunterricht durch Errichtung eines Vergrößerungsbaues des Schul­ hauses am Wörnerweg mit nun insgesamt 8 Schulzim­ mern aufgenommen werden. Die feierliche Einwei­ hung erfolgte am 17. Oktober 1987. Schulstatus am 6. September 1988: Klasse 1 bis 6 in der Schule in Bad Heilbrunn, 2. Klasse doppelzügig, mithin 7 Schulzimmer belegt, 1 Schulzimmer in Reserve, ins­ gesamt 161 Schüler. Klasse 7, 8 und 9 in der Volks­ schule (Verbandsschule) Benediktbeuern (seit Schul­ reform 1969). - Volksschule Oberbuchen Dort wurde bis 1964 unterrichtet (zuletzt 52 Schüler), dann erfolgte auf freiwilliger Basis die weitere Unter­ richtung der Schüler an der Volksschule Bad Heil­ brunn. - Volksschule Schönrain Am 22. November 1947 kam es zur Eröffnung dieser Volksschule mit einem Schulzimmer in der Reindl­ schmiede (Klasse 1 bis 8, 69 Schüler). Im Jahre 1950 wurde die Schule in Mürnsee mit einem Schulsaal und 1958 dann mit zwei Schulsälen bezogen. Mit der Schulreform im Jahre 1969 konnten die Schüler des südlichen Gemeindeteils Schönrain in der Volks­ schule Bad Heilbrunn und die des nördlichen Gemein­ deteils Schönrain in der Volksschule Königsdorf unter­ richtet werden. Bis 1986 war das Schulgebäude in Mürnsee mit ausgela­ gerten Klassen der zu klein gewordenen Volksschule Bad Heilbrunn belegt.


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Vereins »Georgenstoana« Baierbrunn 1919. Im Gasthaus zur Post in Baierbrunn, am Stamm­ tisch, versucht ein »Preiß«, der Berliner Karl Bern­ hard, die Baierbrunner Burschen, die dort in ihrem Gwand: Lederhosen, Lodenjoppen, Stoaklopferhut sitzen, zu überzeugen, daß sie unbedingt einen Trach­ tenverein gründen müssen, wenn nicht bald die letzten Reste von Überlieferung, Tracht, Tradition und Brauch aus unserem Dorf verschwinden sollen. Zuerst unverständiges Lachen, etwas später geduldiges Zuhören, dann Interesse führen im September 1919 zur Gründung des Trachtenvereins »D'Grüabigen». Der Verein entwickelt gleich große Aktivität. Zwei Monate später bereits wird ein Vereinsball abgehalten. Im Dezember 1919 wird das erste Theater gespielt. Der Verein schließt sich dem Isargau an. 1920 entsteht die Blaskapelle unter der Leitung von Lehrer Witt. 26 Mitglieder zählt damals der Verein. Vorstand ist 1920 Hans Kern. Im gleichen Jahr noch wird eine Standarte gekauft. Paten sind die »Isartaler

Stamm« Thalkirchen. 6 Standarten und 5 Fahnen be­ gleiten die Standarte zur Weihe. Soziale Spannungen: Einerseits die einheimischen Bauern, Handwerker und Geschäftsleute - anderer­ seits die vielen zugezogenen Arbeiter der in Baier­ brunn stark einsetzenden Industrialisierung, führen am 1. Juli 1921 zur Gründung eines 2. Trachtenvereins, dem GTEV »Georgensteiner«, die sich dem Landes­ verband anschließen. Als Trotzreaktion entsteht vor­ übergehend noch ein 3. Trachtenverein, »D'Neibai­ rer«, der aber schon nach wenigen Monaten seinen Kassenbestand bei den »Georgensteinern« abliefert. Die Konkurrenz der verbleibenden 2 Vereine gipfelt in einem Wettlauf, wer als erster eine neue Fahne erhält. Die Spendenfreudigkeit war groß; die Inflation 1923 größer und schneller. Trotz Spenden in Millionenhöhe kommt keiner der beiden Vereine zu einer neuen Fahne.

Abfahrt des Festwagens in Baierbrunn zum Oktoberfestzug 1921

Nach der Inflation mit der nachfolgenden Wirtschafts­ flaute und Arbeitslosigkeit haben die Mitglieder an­ dere Sorgen, so daß sich 1927 die »Georgensteiner« auflösen. Vorher nützen die »Grüabigen« noch die »gute alte Zeit« und fahren 1922 für den Preis von 2 Zentnern Weizen eine Woche nach Berlin und sind dort Paten­ verein des Berliner Vereins »D'Bodenschneidler«. In den folgenden Jahren sind bei den weiterhin aktiven »Grüabigen« regelmäßige Theateraufführungen, Ver­ einsbälle, Christbaumversteigerungen und Besuche der Gauveranstaltungen niedergeschrieben. Gleichzei­ tig entwickelt er sich fast zu einem reinen Männerver­ ein. Wohl als Folge der starken Verflechtung von Trachtenverein und Blechmusik. Mit dem Beginn des Nationalsozialistischen Regimes verflacht die Vereins­ tätigkeit zusehends und wird 1938 gänzlich eingestellt. Die Schrecken des 2. Weltkrieges hinterlassen auch beim Trachtenverein ihre Spuren. Mitglieder kehren nicht mehr in die Heimat zurück. Jeden plagen Sorgen und Nöte. Nach etlichen vergeblichen Versuchen zur Wiederbele­ bung des Trachtenvereins nach dem Krieg hatte sich

Steckentanzgruppe 1934 175


der letzte Vorstand der »Grüabigen«, Sepp Ketterl, schon damit abgefunden, daß vom Trachtenverein Baierbrunn nur noch die Blechmusik weiterbestehen wird, bis ihn 1954 Mane Stockinger doch noch dazu überreden konnte, ihm, Martl und Schorsch Mehrin­ ger, Anderl und Franz Sexl sowie seinem Buam Sepp Ketterl, s'Platteln und die alten Tänze beizubringen. In der Martlbauer-Kuchl wird zuerst der 6er-Schlag, bald dann - gemeinsam gepfiffen - ein Plattler probiert. Zum weiteren Üben treffen sich die Buam in der Sexl­ Stubn, wo aus einem uralten Grammophon die Haus­ hamer-Melodie rauscht. Die Garage des Schulhauses ist der nächste Proben­ raum. Hier gesellen sich noch 5 Deandln dazu. Die »Plattlergruppe Baierbrunn« wird gegründet. Das nächste Jahr bringt mit 2 Holzhackern aus dem Bayeri­ schen Wald frischen Wind, neue Tänze und etliche Deandln zur »Plattlergruppe«. Es wird in das Neben­ zimmer vom »Gasthaus zur Post« umgezogen, weil die Schulgarage von der Feuerwehr gebraucht wird. Mit diesen jungen Leuten zwischen 16 und 20 Jahren konnte die alte Tradition von Theateraufführungen,

Der Georgenstein in der Isar 176

Heimatabenden, Christbaumversteigerungen, Johan­ nifeuer fortgesetzt und 1958 eine Fahnenweihe durch­ geführt werden. Nachdem es sich bei der Plattler­ gruppe »um einen wilden Verein« handelte, fand sich kein Trachtenverein als Pate, was aber der Festes­ freude im Garten des »Gasthauses zur Post« kein'en Abbruch tat. Der Verein zog jedoch daraus eine Lehre und schloß sich, nach Rücksprache mit Christi Greger, dem Gau­ vorstand des Isargaues, dem Loisachgau an. In der Loisachgauversammlung am 12.4.1959 in Bad Tölz wurde der Verein dort aufgenommen. Ein Schritt, der dem Verein erst zur Blüte verhalf. Obwohl sich die Plattlergruppe als Nachfolger der »Grüabigen« ver­ stand, übernahm sie den landschaftsbezogenen Namen des Trutzvereins und nannte sich »Georgenstoana«, was einige alte Trachtler der »Grüabigen« lange Zeit davon abhielt, bei uns Mitglied zu werden. Wegen eines Umbaues im »Gasthaus zur Post« wird das Nebenzimmer des »Gasthauses Georgenstein« Ver­ einslokal. Es ist von Anfang an zu klein. Auch ein vom Verein selbst durchgeführter nächtlicher Umbau bringt

wenig Abhilfe. Bei steigender Mitgliederzahl und we­ gen häufigem Wirtewechsel entschließt sich der Verein zum Umzug in die »Waldgaststätte Buchenhain«. Dort war man gut aufgehoben und im Saal reichlich Platz, bis nach einem Brandunglück der Betrieb vorübergehend eingestellt und umgebaut werden mußte. Jetzt ist der Verein wieder froh um die zwischenzeitlich ausgebaute Schulgarage, obwohl einige historische Tänze nur im Freien geprobt werden können. Schon 1968 kommt eine eigene Jugendgruppe zusam­ men. 1969 wird dem Loisachgau die Einführung eines Gaujugendtages vorgeschlagen und der 1. Gaujugend­ tag zum 50. Vereinsjubiläum im Garten des Waldgast­ hofs Buchenhain abgehalten. Die Vereinsjugend betei­ ligt sich rege bei Veranstaltungen und mit Erfolg beim Preisplatteln. Aus der Jugend heraus kommen auch Volksmusiker. So entsteht 1976 die Baierbrunner Stubnmusik, die sich einen guten Namen gemacht hat. Baierbrunn ist über­ haupt ein musikalisches Dorf. Jedes Jahr wird deshalb vom Verein ein Hoagartn abgehalten, bei dem rund 20 Baierbrunner Gruppen ihr Können hören lassen.

Festwagen bei der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde 1976


Übergabe der neuen Vereinsfahne beim Gaufest 1978 am Feldaltar auf der Alm

Beim Festabend zum 51. Loisachgaufest 1978 in Baierbrunn. V.l.: Jugendgruppe des Vereins, Blasmusik des Patenvereins Thanning, Ansager Mane Stockinger und Fritz Hoyer.

Gaufest am 30. Juli 1978; 1. Reihe v.l.: Schirmherr Regierungspräsident Raimund Eberle, Vereinigtenvorstand Hans Zapf, Bürgermeister Adalbert Rost. 2. Reihe v.1.: Gauschriftführer Karl Schaffer, Gauvorstand Franz Sappl, Ehrengauvorstand Hans Zellner vom Huosigau und Vorstand Mane Stockinger.

Ehrenmitglieder in der Festkutsche: v.l. Uschi Thalmaier, Maria Ketterl und Eh­ renvorstand Sepp Ketterl.

177


Ein großes Ereignis für den Verein und ganz Baier­ brunn kündigt sich bei der Frühjahrsgauversammlung 1977 an. Baierbrunn erhielt den Auftrag, das 51. Loi­ sachgaufest 1978 auszurichten. Nach über einem Jahr Vorbereitung konnte 1. Vorstand Mane Stockinger die Trachtler aus nah und fern am 30. Juli 1978 zum Loi­ sachgaufest, verbunden mit der Weihe der neuen Fahne der »Georgenstoana« begrüßen. Patenverein waren »D'Wendlstoana« Thanning. Unter strahlen­ dem Himmel feierten wir auf der »Alm« die Feldmesse. Am Nachmittag marschierten 35 Vereine mit über 2500 Trachtlern und 18 Musikkapellen durch das festlich ge­ schmückte Dorf. Am 22. September 1979 feierte der Verein in kleinem . Rahmen sein 60jähriges Gründungsfest. Dabei spen­ dete unser Gönner, Dr. Bruno Storp, einen Handböl­ ler, die Gemeinde ein 2. Exemplar. Das führt zur Grün­ dung einer Böllergruppe innerhalb des Trachtenver­ eins. Sie wählt Fritz Pollin zu ihrem 1. Schußmeister. Zum erstenmal wird zum 70. Geburtstag von Bürger­ meister Josef Stockinger am 20.12.79 geschossen. HI.

Abend 1979 kam es zum ersten Christkindlanschießen. Vor der Christmette donnerte die Wiegensalve über das Dorf. In der Zwischenzeit zählen die Böllerer 20 Männer, die vorwiegend örtliche Festlichkeiten mit ih­ rem Salut begleiten. Am 26. Juni 1980 wurde unserem Gründungsmitglied Sepp Ketterl seine geliebte Ziachmusi für immer aus der Hand genommen. Seit 1920 hat er mit ihr als Ver­ einsmusikant und bei örtlichen Feiern aufgespielt; Jahrzehnte der Blechmusik als Musikmoaster vorge­ standen. Viele Jahre vor und nach dem Krieg war er 1. Vorstand des Trachtenvereins. Bis zuletzt nahm er als Ehrenvorstand anteil am Vereinsleben. Ihm ver­ danken wir die Existenz des Trachtenvereins. Am 17. Oktober 1981 geht ein alter Vereinswunsch in Erfüllung. Das gemeindliche »Sport- und Bürgerzen­ trum am Wirthsfeld« wird eingeweiht. Besonders sei hierbei der rastlose Einsatz bei Planung und Bau unse­ res 1987 verstorbenen 2. Bürgermeisters der Gemeinde und 2. Vorstand des Trachtenvereins, Fritz Hoyer, er­ wähnt. Der Verein.bekam damit endlich einen großen

Jugend und Aktive beim Preisplatteln 1978 in Wolfratshausen 178

Die Theatergruppe 1979

Probenraum und eine gemütliche Trachtlerstube. Das Vereinsheim hat nun viele Feste, Plattlerproben, Hoagartn und Theateraufführungen erlebt. Es ist wö­ chentliche Strickstubn der Weiberleut und Ausgangs­ punkt der Nikolo und der HI. 3 Könige, die jedes Jahr für Kinder in der Dritten Welt im Dorf sammeln. Der GTV »Georgenstoana« Baierbrunn zählt 1987 204 Mitglieder, davon 44 Jugendliche und Kinder. Er wird geleitet von: 1. Vorst. M. Stockinger (seit 1971), 2. Vorst. F. Nowitzky (1988), 1. Schriftf. F. Pol­ lin (1981), 1. Kassier S. Schmid (1974), 2. Schriftf. Ma­ ria Stockinger (1981, von 1971-1981 1. Schriftf.), 2. Kassier E. Härke (1981), 1. Vorpl. B. Ketterl (1984), 2. Vorpl. B. Pollin (1987), 1. Jugendl. F. Ketterl (1972), 2. Jugendl. Monika Stockinger (1988), 1. Fähnr. K. Fröhler (1973), 2. Fähnr. P. Tengler (1987), Vereins­ dirndl Rita Schmid (1978). Vereinsmusikant ist seit 1976 Franz Thalhammer. Ehrenvorplattler Hans Hu­ ber (22 Jahre Vorplattler), Ehrenmitglieder Uschi Thalmaier und Dr. Bruno Storp. Verfasser: Mane Stockinger


Ortsgeschichte von Baierbrunn Baierbrunn ist ein sagenumwobenes Dorf. In den Isar­ auen wandelt unruhig die Isarnixe seit der Hochzeit des Baiernherzogs Albrecht III. mit der Kaisertochter. Dies war 1437. Die Isarnixe, einst ein schönes Fräulein, verlangte von einem Spielmann den Sprung in die Isar. Er ertrank. Zur Strafe muß sie bis zum Jüngsten Ge­ richt durch die Isarauen streifen. Im Süden wandert das Birgweiberl zwischen Baier­ brunn und der Birg bei Schäftlarn hin und her. Sie ver­ riet den anstürmenden Hunnen um 950 die lebensnot­ wendige Quelle der Fliehburg der Schäftlarner Mön­ che. Die Belagerten mußten sich ergeben und wurden ermordet. Die Geschichte von Baierbrunn ist uralt. Im 1. Jahrhundert vor Christus siedelten hier die Rö­ mer, die unter anderem schon die heutige B 11 bauten. Am »Brunnen der Baiern« wuchs eine große Römer­ siedlung. Ausgrabungen belegen dies. Als Grabbeiga­ ben wurden Haushaltsgeräte, Schmuck und Waffen ge­ funden. Römische Viereckschanzen sind heute noch erkennbar. Hinter'm Gasthaus zur Post sind Reste ei­ nes Römerwalles. Südlich vom Dorf, im Wald, finden wir die »Römerbetter«. Die berühmte Römerstraße überquert beim Georgenstein die Isar. An der Stelle der alten Kirche stand ein Turm zur Überwachung der Straße. Auf der Konradshöhe stand die Römerburg. Die Reste von zwei Ziehbrunnen aus dieser Zeit wur­ den 1968 zugeschüttet. 400 Jahre vergingen unter der Römerherrschaft. Eine'r kurzen Zeit der Kelten folgte die endgültige Ansied­ lung der Bajuwaren. Burg und Ortschaft waren völlig zerstört. Nur langsam wuchs das Dorf. 440 kam der erste Bischof, der Hl. Valentin, in diesen Landstrich. Er bekehrte die Bajuwaren zum Christen­ tum. Unter ihm wurde an der Stelle des röm. Beobach­ tungsturmes ein Holzkircherl gebaut. Der Heilige ist im Peter-Vischer-Schrein zu Nürnberg beigesetzt. 776 wird »Paierbrunnen« erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte zum Herzogland Tassilo III. Atto und Arno schenkten es dem Kloster Schäftlarn. In der nächsten 180

Baierbrunn, alte Pfarrkirche St. Peter und Paul Aufzeichnung um 800 n.Chr. wird Baierbrunn als ein ausgedehnter, blühender Ort mit Freien und Hörigen beschrieben. Die Größe bezeugen auch spätere Auf­ schreibungen, wo von Schenkungen in Pullach, Send­ ling und Thalkirchen und Verleihungen von Rechten im Baierbrunner Forst bis hinein ins Tirolische berich­ tet wird. 1143 übernahm Sigiboto, der den Grafen von Andechs unterstand, die Herrschaft in Baierbrunn. Auf der an­ deren Isarseite herrschten die Grafen von Wittelsbach, die dauernd in Machtkämpfe mit den Andechsern ver-

wickelt waren. Zur Grenzsicherung entstand auf den Trümmern des Römerkastells die »Veste Burg«. An­ stelle des Holzkircherls wird 1165 eine Steinkirche ge­ baut. Der untere Teil des heutigen Turms ist ein Rest aus dieser Zeit, ebenso der Aufgang zum Chor. Das schwere Rippengewölbe zeigt den Stil der frühen Go­ tik. Auch der Nachfolger von Sigiboto, Conrad I., litt unter den andauernden Kämpfen zwischen den Andechs­ Meraniern und den Wittelsbachern. Er schlug sich auf die Seite der Wittelsbacher und mußte dafür teuer be-


zahlen. 1238 verwüsteten Franken die Burg, er selbst vertrieben und über das Dorf das Standrecht verhängt. Nach Friedensschluß erhält Conrad das Land zurück. Er und sein Bruder Otto machten dem Kloster reiche Geschenke an Höfen und Grund. 1265 verlieh Herzog Ludwig der Strenge Warnberg, ein Gut bei Pullach, für treue Dienste den Edlen von Baier­ brunn. Drei Jahre später verkauft Otto dem Münchner Sighart von Sentlinger sein Gehöft in Obersendling und Thalkirchen. 1322tritt der Vorletzte vom Geschlecht der Baierbrun­ ner in Erscheinung; Conrad. Er wird als »vürnehmster Hauptleut« von Kaiser Ludwig dem Baier beim Sieg über Friedrich den Schönen von Österreich in der Schlacht von Mühldorf und Ampfing neben dem legen­ dären Schweppermann und dem Ritter Rindsmaul er­ wähnt. Sein Sohn Otto hinterläßt nur eine Tochter, Beatrix, die sich mit einem Preisinger verheiratet. Deshalb fin­ den wir im Ortswappen auch noch Teile des Wappens der Preisinger. Die Preisinger, wenig interessiert an Baierbrunn, ver­ kauften 139 9 diesen Besitz um 6000 Gulden an Herzog Ludwig den Gebarteten. Dabei handelt es sich um Ve­ ste, Schloß und Dorf Baierbrunn mit Vogtei und Ge­ richt und zahllose Güter mit Abgaben von Zehnten in 60Dörfern, darunter in Tirol und im Brixental. Herzog Ludwig richtet die Burg wieder wehrhaft her und glaubt sich damit sicher vor seinen streitsüchtigen Vettern. Es half nichts. An Ostern 1421 stürmte der Ruedell von München auf Geheiß von Heinrich von Landshut die Burg und zerstörte sie völlig. Damit verschwindet Baierbrunn für viele Jahre aus der Geschichtsschreibung. Mehrmals wechselt es den Be­ sitzer, von denen einer, Herzog Wilhelm V., die Kirche erneuern ließ. Am Mittag des 17. Mai 1632 brechen Reiter Gustav Adolfs sengend, brennend und plündernd in das Dorf ein. Noch einmal, am Ende des 30jährigen Krieges, 1648, erfolgt ein Überfall. Die nachfolgende Pest rafft die letzten verbliebenen Einwohner hinweg. Nach all

diesen Schrecken hat der Tiroler Wirt Schennacher das Gasthaus übernommen und 8Landsleute mitgebracht, die die jahrelang brachliegenden Felder anbauten und die Brandstätten wieder aufbauten. Dieses arme Dorf tauschte 1670 Kurfürst Ferdinand-Maria gegen Mil­ bertshofen ein. Der neue Besitzer, das Kloster Schäft­ larn, durfte dafür Bier nach München liefern. Bald waren hier auch die Auswirkungen des Türken­ krieges durch Rekrutierungen spürbar. Danach folgte 1703 die Einquartierung einer französischen Artillerie. 1704 besetzten Österreicher das Isartal mit italieni­ schen Regimentern. Die Bedrängnis der Bevölkerung muß groß gewesen sein. So groß, daß sich daraus der Oberlandler Aufstand mit seinem schrecklichen Ende, der Mordweihnacht 1705, entwickelte. Bei der Birg fand der Zusammenschluß der 3700 Ober­ landler statt, im Postgasthaus in Baierbrunn war die letzte Lagebesprechung. Auch Baierbrunner ziehen in der Dämmerung des Heiligen Abend gen München. Für 3davon, darunter dem Postwirt, war es der Marsch in den Tod. In diese Zeit fiel der Neubau der Kirche. Kein Wunder, daß er 23 Jahre dauerte. Begonnen wurde 1686, Ein­ weihung war am 23. Juni 1709. Sonst wird wenig Erfreuliches über diese Zeit berich­ tet. Irgendwo war immer Krieg in Europa. Erbfolge­ kriege, Rußlandfeldzug von Napoleon usw. Und im­ mer traf es das kleine Volk mit Steuern, Abgaben, Kriegsdienst, Gefallenen. Viele gingen auf die Gant, mußten Haus und Hof verlassen. Dazu kam noch die Säkularisation mit ihrer sinnlosen Zerstörungswut. Im 19. Jahrhundert wird das Isartal für das beginnende Industriezeitalter entdeckt. Es beginnt um 185 0mit ei­ nem Kalkofen an der Isar, der 189 2dem Isarwerk wei­ chen muß; einem Wunderwerk der Elektrizitätserzeu­ gung. Das größte seiner Art in ganz Deutschland. 1891 dampft erstmals die Isartalbahn von Thalkirchen nach Ebenhausen. Sie verdrängt nach und nach die bis­ herigen Transportmittel. Die Flößerei auf der Isar und die Pferdepost, die schon Goethe auf seiner Reise nach Italien benutzt hat.

Die moderne Kombination von günstiger Energie und schnellem Bahntransport hat zur weiteren Industriali­ sierung beigetragen. Im nahen Höllriegelskreuth ent­ standen Versuchsstationen zur Luftverflüssigung (Linde) und für die Elektrochemie (Peroxid). Um das »Baierbrunner Gold«, den Lehm, stritten sich gleich 2 Ziegeleien. Der eine, Korhammer, beförderte es mit einer Seilbahn über die Alm zu seinem Betrieb, der an­ dere, Wentz, mit Rollwagerl nach Großhesselohe. Von den Veränderungen bleibt das Dorf nicht ver­ schont. Es erhält 1891sogar eine eigene Schule im Pfi­ stergütl. Die Kinder müssen von nun an nicht mehr täg­ lich 11/2Stunden ins Kloster Schäftlarn gehen. Die Betriebe, der Bahnbau und der Kanalbau an der Isar ziehen Arbeiter an, die sich hier niederlassen. In diese Zeit fällt auch der Bau der örtlichen Wasserver­ sorgung durch eine Quelle an der Isar. Das Trinkwasser befördert ein von der Isar betriebenes Pumpwerk in das 80 Meter höher gelegene Dorf. Alte Holzrohre lassen aber vermuten, daß die Häuser schon früher mit Was­ ser versorgt wurden. Der schnelle Weg mit der Bahn in die Stadt München zog ein Künstlervolk an. Berühmte Maler wie Diefen­ bach, Bernhard Pankok, ein Vertreter des Jugendstils, Coppenrath, ließen sich hier nieder. In wenigen Jahren entstanden mehrere Gasthäuser und ein Kaffeehaus. Die Bahn brachte die Stadtleut. Sogar auf der alten Burg erwachte neues Leben durch die Künstlerklause »Konradshöhe«. Die dort angesiedelten 3 Bauernhöfe verlegte man ins Dorf. Vereine wurden gegründet; der Schützenverein, die Feuerwehr, die Radfahrer und die Rauherer. Die »gute alte Zeit« war ins Dorf eingezogen. Doch bald forderte der 1. Weltkrieg seine Opfer. An­ schließend lieferten sich »Weiße« und »Spartakisten« blutige Kämpfe. Nur der Not keinen Schwung lassen, müssen sich die Baierbrunner gedacht haben, denn trotz der Notzeiten wurde eifrig neu gegründet; gleich 3 Trachtenvereine, ein Sportclub, ein Skiclub. Und gebaut ist worden. So­ gar eine hölzerne Skisprungschanze nach dem Vorbild 181


des berühmten Holmenkollen auf der gleich Deutsche Meisterschaften ausgetragen wurden. Bald darauf waren die Züge wieder leer. Arbeitslosig­ keit, Armut kehrt ins Land. Durch teuflische Verspre­ chungen schöpft man zwar Hoffnungen. Aber bald, 1935, schläft das dörfliche Vereinsleben ein. Alles wird gleichgeschaltet; sogar altüberlieferte Zinnkrüge wer­ den eingesammelt und eingeschmolzen für eine »neue Zukunft«. Sie bricht 1939 herein mit Krieg, Angst und Terror. Junge Männer, 39 von hier, verschlingt der Wahnsinn. Bomben fallen auf das Dorf. Die Sirenen gehören zum Alltag. Die Daheimgebliebenen: Frauen, alleingelassen mit den Sorgen für ihre Familien, Män­ ner in der Landwirtschaft oder Kriegsindustrie, die auch Betriebe in Beschlag genommen hat, kümmern sich um das Nötigste, bauen Bunker, löschen Brände in München. Munitionszüge von der »Schokoladenfa­ brik« Geretsried rollen durch das Dorf. In den letzten Kriegstagen: In der Nacht zieht ein gespenstischer Zug vorbei. »KZ-ler« in gestreiften Anzügen zu Fuß. Sie kommen von Dachau und müssen nach Föhrenwald. Am 30. April 1945, mit dem Einmarsch der Amerika­ ner, bei dem noch der Schulerhof von der SS in Brand geschossen wird, ist der Spuk vorbei. Oder beginnt er erst? Volle Eisenbahnzüge kommen wieder ins Dorf. Flüchtlinge aus Ostdeutschland und dem Egerland sind unterzubringen. Alles rückt zusam­ men. 4 bis 5 Familien in einem Haus. Die Bewohner ar­ rangieren sich, wie es so schön heißt. Die Isartalbahn ist wieder voll. Hungernde Stadterer kommen in Scharen zum Hamstern. Neben eigenen Sorgen denkt man auch an andere. Der Dom zu München ist, wie vieles in der Stadt zerbombt. Für den Wiederaufbau wird eine Holzspende der Ober­ landler Bauern organisiert, der sich auch die Baier­ brunner anschließen. Die letzte große Nutzfloßfahrt bringt die Bäume nach München. Mit der schwindenden Hoffnung auf die Heimkehr noch im Krieg Vermißter, keimt Hoffnung auf eine bes­ sere Zukunft. Die Zahl der Einwohner hat sich von 1938 bis 1946 auf über 1000 verdoppelt. Eine neue Sied182

lung entsteht am nördlichen Ortsrand, Buchenhain. Heute leben dort mehr als im alten Dorf. Die Vereine werden wieder aktiv. Schon 1947 kann wieder Maimu­ sik, das Aufstellen eines Maibaumes mit dem Tanz der ledigen Jugend, gefeiert werden. Handel und Gewerbe kommen neu in Schwung. Am 20. September 1959 erhält Baierbrunn eine neue Kirche, die - wie die alte - auf die Apostelfürsten Pe­ ter und Paul geweiht wird. Man prophezeit der Gemeinde eine große Zukunft: In den 80er Jahren soll sie über 7000 Einwohner haben. Gut, daß es bisher noch nicht so gekommen ist. Auch die alte Kirche haben sie sich nicht abreissen lassen, wie es einige hohe Herren gern gehabt hätten.

Der Verein beim Festzug 1978 durch Baierbrunn

Heute, 1987, zählt Baierbrunn 2400 Einwohner mit vie­ len Handwerkern und Gewerbebetrieben, zu denen täglich über 800 Auswärtige zur Arbeit fahren. Dazu kommen 4 Läden , 4 Wirtshäuser, 2 Kirchen, Pfarrsaal, Vereinsheim mit Sportanlage. Von den einstmals über 20 Familien, die von der Landwirtschaft lebten, sind nur noch 3 Vollerwerbsbetriebe und· 3 Nebenbauern übrig geblieben. Obwohl einige Neubaugebiete eher als Schlafsiedlung zu bezeichnen sind, hat Baierbrunn, eine kleine Ro­ dungsinsel hoch über einem urzeitlich gebliebenen Isareinschnitt, doch seine Eigenart noch einigermaßen in die moderne Zeit hinüberretten können. Mane Stockinger


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » Würmseer« Seeshaupt-St. Heinrich Nach dem Ende des 1. Weltkrieges und dem Nieder­ gang der bayerischen Monarchie und aufgrund einer zunehmenden »Verstädterung« bäuerlicher Dörfer er­ kannten einige Bürger die Notwendigkeit der Erhal­ tung des bayerischen Brauchtums, der Tracht, der Lie­ der und Tänze sowie unserer bayerischen Sprache. So trafen sich im Mai 1919 einige heimat- und traditionsbe­ wußte Frauen und Männer aus Seeshaupt und St. Hein­ rich im Seehotel Seeshaupt, um die Gründungsver­ sammlung des GTEV »d'lustigen Würmseer« Sees­ haupt-St. Heinrich abzuhalten. Zum 1. Vorstand wurde Ludwig Schmuck und zum Kassier Martin Dem­ pfle gewählt. Das Vereinslokal war in der Bahnhofsre­ stauration. Man entschloß sich für die Miesbacher Tracht als Vereinstracht, und bei besonderen Auftrit­ ten trugen 6 Paare die traditionelle Seetracht. Da im 2. Weltkrieg sämtliche Unterlagen über den Ver­ ein verlorengegangen sind, konnten nur noch folgende Gründungsmitglieder ermittelt werden: Kaufmann Eugen Schmuck Ludwig Schmucker Sepp Schmuck Resi Dempfle Martin Hohenleitner Sepp Fuhr Martin Hunger Georg Höcherl Sepp Fuhr Babette Höcherl Sophie Kaufmann Richard Schon am 2. August 1919 trat der Verein dem neuge­ gründeten Loisachgau bei. Nach großen finanziellen Opfern, vor allem aus den Reihen der Mitglieder, konnte im Kloster Schlehdorf unsere 1. Fahne in Auftrag gegeben werden. So wurde im Juli 1920 das Gründungsfest mit Fahnenweihe abge­ halten. Nach der HI. Messe mit Fahnenweihe in der Pfarrkirche Seeshaupt trug Fähnrich Peter Berchtold bei strahlendem Sonnenschein die neue Fahne hinunter zum Festplatz am Dampfersteg. Dort feierten wir mit unserem Patenverein »d'Hohenwaldecker Stamm« aus München und ungefähr 20 anderen Vereinen unser

Fest unter freiem Himmel. Voller Stolz übernahm Ba­ bette Fuhr die Aufgabe der Fahnenmutter und Sophie Höcherl die der Fahnenbraut. In der Jahreshauptversammlung 1922 wurde dann Mar­ tin Fuhr zum Vorstand gewählt, und das Vereinslokal verlegte man aus Platzgründen in den Saal des Gast­ hauses Fischerrosl nach St. Heinrich. Unserjunger Trachtenverein hatte die Ehre, das 4. Loi­ sachgaufest auszurichten. Im Juli 1923 fand in unserem Vereinslokal in St. Heinrich das Gaufest statt. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 be­ reitete dem sehr regen Vereinsleben der ungefähr 80 Mitglieder einjähes Ende. Erst am 27.5.1951 konnte nach den Schrecken des Krie­ ges und der Gefangenschaft vieler Mitglieder wieder eine Versammlung in die Restauration einberufen wer­ den. Zum 1. Vorstand wurde wieder Martin Fuhr, zum Schriftführer Otto Wassermann sen., zum Kassier Franz Schweiger, zum Vorplattler Josef Höcherl, zum Fähnrich Otto Wassermannjun. gewählt. Vereinsmusi­ ker war Georg Sterff. Der Verein, der mit 30 Mitglie­ dern wieder aktiv wurde, nannte sich nach dieser schrecklichen Zeit nur noch »d'Würmseer« Seeshaupt­ St. Heinrich. Nachdem man mit viel Fleiß und Eigeninitiative den Saal des Gasthauses Fischerrosl wieder in Stand gesetzt hatte, konnte man wieder in das alte Vereinsheim um­ ziehen. 1953 wurden in die Vorstandschaft neu gewählt: zum 1. Vorstand Georg Hunger, zum Schriftführer Martin Dempfle. Martin Fuhr wurde, nachdem er abgedankt hatte, unser 1. Ehrenvorstand. Nach und nach erblühte wieder ein reges Vereinsleben. Man hielt Christbaumversteigerungen ab, besuchte alle Feste und am 8.5.54 wurden »d'Würmseer« sogar zur Geburtstagsfeier seiner Königlichen Hoheit Prinz Rupprecht von Bayern in Leutstetten eingeladen.

Schweiger Franz (Miesbacher Festtracht 1930)

Michael Geiger als Fahnenträger bei einer Beerdigung 183


Beim Festzug in MĂźnchen 1922

Plattler und Musikanten 1930 v .1. Melf Wastl, Eberl Martl, HĂśfler, hinten Bischl. 184

Gruppenbild 1930/31

Beim Festzug in Antdorf


Beim Gauwertungsplatteln am 15.5.55 nahm unser Verein erstmals teil. Ebenso wurden 1955 neue Miesbacher Gewänder angeschafft. ,l Nach der Jahreshauptversammlung am 15.12.56 war folgende Änderung in der Vorstandschaft eingetreten: 2. Vorstand war Sepp Höcherl, 1. Vorplattler Thomas Huber. Im Januar 1959 entschloß man sich, die Fahne zu re­ staurieren und neu zu weihen. So wurde am 24.5.1959 in Verbindung mit dem 40jährigen Gründungsfest die erneuerte Fahne geweiht. Fahnenmutter war Frau So­ phie Höcherl, unsere Fahnenbraut von 1919 und Fah­ nenbraut war Regina Jungwirth. Die Fahnenbänder überreichten Paula Barth und Irene Dempfle. Der

Trachtenverein »König-Ludwig-Stamm« Schloß Berg übernahm die Patenschaft. Kurz nach dem Fest verstarb unser 1. Vorstand Georg Hunger, dessen Amt von Michael Geiger übernommen wurde. Schriftführer wurde Maria Dempfle. Die Wahlen am 15.12.62 brachten folgendes Wahler­ gebnis: 1. Vorstand Michael Geiger, 2. Vorstand Leonhard Sterff, Kassier Franz Schweiger, Schriftführer Helmut Janz, Vorplattler Otto Wassermann sen. und Fähnrich Hans Bernwieser jun.. Die Herbstversammlung 1965 fand in unserem Ver­ einslokal statt. Bei den Wahlen im Dezember 65 wur­ den neu gewählt:

Seetracht (Buam)

Seetracht (Deandl)

·2. Vorstand Otto Wassermann sen., Schriftführer Su­ sanne Veitinger, Vorplattler Georg Veitinger jun., Fähnrich Josef Brüderle jun.. Auf der Versammlung 1967 wurden neu gewählt: 2. Vorstand Georg Hunger, Vorplattler Josef Brüderle jun., Fähnrich Georg Veitinger jun., Vereinsmusiker Adolf Schopper. In den 60er Jahren ging es mit unserem Verein ständig aufwärts, die Mitgliederzahl und die Aktivitäten wur­ den immer größer und so entschloß man sich, das 50jäh­ rige Gründungsfest gebührend zu feiern, welches am 27.7.69 in Seeshaupt im großen Rahmen abgehalten wurde.

Gruppenbild 1959

185


Nach den Wahlen 1969 wurden folgende Personen neu in den Ausschuß gewählt: Kassier Hubert Brüderle, Schriftführer Irene Hunger. 1971 wurden neu gewählt: 2. Vorstand Mathias Lengauer, Schriftführer Paula Barth. 1973 wurde Josef Brüderle jun. zum 2. Vorstand ge­ wählt. Der Trachtenverein »Seeröserl« Ammerland-Münsing feierte im Rahmen des 47. Loisachgaufestes im August 1974 seine Fahnenweihe. Unser Verein hatte die Ehre, die Patenschaft zu übernehmen. 1975 wurden neu gewählt: 1. Vorstand Josef Brüderle jun., 2. Vorstand Michael Wörle jun., Schriftführer Elisabeth Mair, Vorplattler Fritz Ziegler. Michael Geiger wurde nach 16jähriger Tätigkeit als 1. Vorstand zum Ehrenvorstand ernannt. 1977 setzte sich nach den Wahlen die Vorstandschaft folgendermaßen zusammen:

Vereinsausschuß 1984 186

1. Vorstand Josef Brüderle jun-., 2. Vorstand Michael Wörle jun., Kassier Hubert Brüderle, Schriftführer Monika Scheßl, Fähnrich Peter Veitinger, Vorplattler Fritz Ziegler, Jugendleiter Fritz Ziegler. 1977 begann man verstärkt mit der Jugendarbeit und gründete eine Jugendgruppe mit 34 Kindern. Unser Verein war unterdessen auf etwa 130 Mitglieder ange­ wachsen. 1979 richteten wir das 1. Gauwertungsplatteln in der Mehrzweckhalle aus, das wir auch in den Jahren 81, 83, 85 und 87 abhielten. Wir belegten dabei die Plätze 20, 10, 6, 10, 8. Bei der Frühjahrsgauversammlung 1979 ging ein lang­ ersehnter Wunsch in Erfüllung. Wir bekamen für 1980 das 53. Loisachgaufest zugesprochen. Nach den Neuwahlen 1979 war folgende Änderung in der Vorstandschaft zu verzeichnen: 2. Vorstand Peter Veitinger, Jugendleiter Fritz Ziegler, Vorplattler Michael Bernwieser, Fähnrich Hans Zieg­ ler.

1979 gründeten und organisierten wir den Seeshaupter Christkindlmarkt, der seitdem vom Seeshaupter Dorf­ geschehen nicht mehr wegzudenken ist. In dieselbe Zeit fällt auch die Gründung einer eigenen Theatergruppe. Am 27.7.1980 fand in Seeshaupt das 53. Loisachgaufest statt. Mit 41 teilnehmenden Vereinen war es die größte Veranstaltung in unserer Vereinsgeschichte. 1983 wurden neu gewählt: Kassier Christa Wörle, Pressewart Rudolf Standl. Am 12.8.84 feierten wir unser 65jähriges Gründungs­ fest und die Weihe einer neuen Fahne. Die HI. Messe mußte wegen schlechten Wetters im Festzelt abgehal­ ten werden. Die Fahnenmutter war Sophie Huber, Fahnenbraut Waltraud Kretzler, die Fahnenbänder überreichten Renate Ziegler, Monika Huber und Monika Gistl. Die Patenschaft unserer neuen Fahne übernahmen die »Waxnstoana« Antdorf. An diesem Fest nahmen 34 Vereine mit 13 Musikkapellen teil.

Beim Theater: »Der Latschenbauer Sepp«


Die Wahlen von 1986 brachten folgendes Ergebnis: 1. Vorstand Sepp Brüderle, 2. Vorstand Peter Veitin­ ger, 1. Kassier Johanna Ziegler, Schriftführer Maria Veitinger, 1. Vorplattler Michael Bernwieser, 1. Ju­ gendwart Fritz Ziegler, Fähnrich Hans Ziegler, Presse­ wart Rudi Standl. Am 15. Dezember 1981 trafen sich zum ersten Mal vier Männer des Vereins zum gemeinsamen Singen: Josef und Hubert Brüderle, Manfred Tomulla und Rudi Standl. Aus ihnen wurden die Seeshaupter Sänger. Seit 1983 nehmen sie regelmäßig an den Gausingen des Loi­ sachgaues teil. Seit 1986 bildeten einige junge Musikan-

ten die Oppenrieder Stubenmusi: Christian Tomulla, Isolde und Juliane Wagner, Marianne Brüderle und Franz Greinwald. Seit Oktober 1980 besteht eine Freundschaft mit der Schwarzwälder Trachten- und Volkstanzgruppe Baiersbronn. Schließlich bleibt zu erwähnen, daß der Verein viel zur Gestaltung des dörflichen Lebens beiträgt. Von der Idee und Organisation des Christkindlmarktes über die alljährliche Gestaltung des Erntedankfestes bis zur Mitwirkung an der Fronleichnamsprozession. Verfasser: Michael Bernwieser Junge Trachtler als Maria und Josef mit Ochs und Esel beim Christkindlmarkt.

Ehrenvorstand Michael Geiger 1984

Jugendgruppe 1984 187


Ortsgeschichte von Seeshaupt Seeshaupt, eine kleine Ortschaft auf einer zwischen Moosseen gebildeten Gletschermoräne, wurde bereits im Jahre 740 n.Chr., anläßlich einer Bestandsauf­ nahme der Ländereien des Klosters Benediktbeuern, als »Seeshoibit « urkundlich erwähnt. Auch in Seeshaupt wurde schon sehr früh - im Jahre 1360 - auf die Stelle einer heidnischen Opferstätte eine hölzerne Kapelle der hl. Anna zu Ehren erbaut. Im Jahre 1487 entstand dann die Pfarrkirche »St. Mi­ chael«, die Anna-Kapelle ist die heutige Seitenkapelle. Unterhalb der Kirchenmauer stand die aus dem Jahre 1522 stammende Denksäule mit dem schrägliegenden Fisch - dem heutigen Seeshaupter Wappen - und der Jahreszahl 1522 sowie den Buchstaben S und G (für Seegericht und Seegrenze). Der Überlieferung nach fand hier alljährlich ein Gericht der damals 99 zugelas­ senen Fischer statt (Seegerechtigkeit). Diese Seege­ richtssäule steht heute am Dampfersteg. Unter dem 30jährigen Krieg hat Seeshaupt wenig zu lei­ den gehabt - dagegen scheint Seeshaupt während des Pandurenkrieges 1742-1745 besetzt gewesen zu sein. Ein Teil der österreichischen Armee brach damals zwi­ schen Seeshaupt und St. Heinrich auf dem zugefrore­ nen See ein und ertrank. Am 31. März 1815 brach im Gasthaus der Witwe Sankt­ johanser ein Feuer aus, das 29 Häuser, einschließlich eines großen Teils der Kirche, vernichtete. Nur 10 Häu­ ser und der Pfarrhof überstanden das Unglück. An Kirchweih 1816 wurde die wieder erbaute Kirche einge­ weiht. Im November 1857 wurden der königliche Postsaal und die Postexpedition errichtet. 1865 verlegte man die königliche Revierförsterei von St. Heinrich nach Seeshaupt. 1871 wurde das Forst­ amtsgebäude erbaut. Durch die Eröffnung der Bahnli­ nie Tutzing-Penzberg im Jahre 1865 erhielt Seeshaupt einen eigenen Bahnhof. 1866 entstand das Schloß See­ seiten. 1851 unternahm das 1. Dampfschiff »Maximi­ lian II. « seine erste Fahrt auf dem Starnberger See. Der

Ortsbild von Seeshaupt 10.3.1877 ist das Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr. Am 12. Juni 1886 kam König Ludwig II - einen Tag vor seinem tragischen Tod - auf seiner letzten Fahrt von Neuschwanstein nach Berg durch Seeshaupt und ließ sich von der Posthalterin ein Glas Wasser r'.eichen. 1905 wurde ein neues Schulhaus mit 2 Sälen erbaut, welches man 1934 :um 2 weitere Räume vergrößerte. 1909 wurde die Kirche von St. Michael erweitert. Sie erhielt ihr heutiges Aussehen mit Turm und Kupfer­ kuppel und herrlicher Orgel. Die Renovierung und Vergrößerung der Kirche war Anlaß, daß die Ge­ meinde den Friedhof aus dem Ort verlegte uhd eine neue Begräbnisstätte, einen sogenannten Waldfriedhof mit Kapelle, baute.

1924 entstand das Postamt an der Bahnhofstraße und 1935 die evangelische Kirche, die bis 1975 zweimal an­ gebaut wurde. Das Entstehungsjahr der zur Gemeinde gehörigen Pollingsrieder Kapelle ist nicht bekannt, sie wurde jedoch schon vor 1140 in der Chronik des Klo­ sters Polling erwähnt.

Seeshaupt heute Seeshaupt mit seinen Ortsteilen Ellmann, Hohenberg, Jenhausen, Kronleiten, Magnetsried und Wolfetsried ist ein klimatischer Höhenkurort. Das Pfarrdorf Sees­ haupt im bayerischen Hochland, 600 m ü.d.M., hat ca. 2500 Einwohner und erstreckt sich über eine Fläche von ca. 30 000 ha.. 189


Ortsgeschichte von St. Heinrich Idyllisch schmiegt sich der kleine Ort St. Heinrich, kaum 140 Seelen zählend, an das Süd-Ost-Ufer des Starnberger-Sees und bietet einigen Bauern, Fischern, Gastwirten und Menschen verschiedenster Berufe ihr Zuhause. Seit 1978 ist St. Heinrich ein Ortsteil von Münsing (früher Holzhausen), gehört aber dennoch kirchlich zur Pfarrei Seeshaupt und somit zur Diözese Augsburg; schulisch ist St. Heinrich mit dem Schulver­ band Seeshaupt verbunden. Zu den ältesten Anwesen von St. Heinrich zählen ver­ schiedene Besitze: das älteste Haus ist Pischetsried Nr. 2 mit dem Hausnamen »Bauer«. 1080 erhielt Bischof Meringhart von Freising den Hof von ArchidiakonGebhard geschenkt und von Freising ging er um das Jahr 1150 an Eurasburg über. 1326 wurde dasGut an das Kloster Beuerberg verkauft und später übernahmen es freie Bauern. Ein sehr altes Fi­ scheranwesen ist St. Heinrich Nr. 1, welches, seit man zurückdenken kann, Fischerrecht besitzt. Die heutige Gaststätte »Fischerrosl« hieß früher Weg­ mann. Schon 1389 haben die bayerischen Herzöge Stefan und Johann dem Wegmann von St. Heinrich zu­ gunsten des örtlichen Kirchleins verschiedene Vergün­ stigungen gewährt: so Freiheit von allen Steuern und Frondiensten sowie die Erlaubnis, für die Kirche im ganzen Land sammeln zu dürfen. Die Gastwirtschaft nahm dann später den Namen »Fischerrosl« an von ei­ nerGeschichte von Maximilian Schmidt (1832-1920) in den »Starnbergerseegeschichten«. Der Schriftsteller beschrieb darin dieGeschichte eines urwüchsigen Mäd­ chens »Fischerrosl« und widmete das Stück König Lud­ wig II. Südwestlich von Pischetsried, dort wo der Pi­ schetsrieder Bach in den See mündet, befand sich ehe­ mals ein Fischeranwesen, das »Karnifl« genannt wurde

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Kirche St. Heinrich

Erntedankfest in Seeshaupt

und bereits 1564 in den Annalen vorkommt. 1858 wurde es zum Forstgarten an den Staat verkauft. Für die Anlage desGebäudes sorgte 1857 König Max II. St. Heinrichs Mittelpunkt, eine wunderschöne Kirche, lädt ein zum Verweilen. In ihr befindet sich das Grab des Einsiedlers Heinrich, der sich vor 800 Jahren in die einsamen Wälder am See zum Gebet zurückgezogen hatte. Er war der erste Bewohner dieser Gegend und von ihm hat St. Heinrich seinen Namen. Man kann annehmen, daß schon der selige Heinrich eine kleine hölzerne Kapelle mit einem Marienbild be­ saß. Sicher ist, daß schon 1324 Bischof Friedrich von Augsburg eine steinerne Kirche in St. Heinrich geweiht hat. Die jetzige Kirche wurde im Jahr 1480 vom bayerischen Herzog Albrecht IV. erbaut. An der Hinterwand der Kirche ist auf einerGrabplatte der selige Heinrich dargestellt. Diese ließ zwischen 1610-1654 Probst Eberhard von Beuerberg anfertigen. Aus der Bildinschrift im Chorraum ist zu entnehmen, daß bereits damals die Verehrung der Mutter Gottes unter dem Kreuz intensiv gewesen sein muß und daß sich bayerische Herzöge besonders dieser Kirche ange­ nommen haben. Pfingsten 1480 wurde die Betreuung der Wallfahrt den Augustiner Chorherren von Beuerberg übertragen. Bis zur Säkularisation blühten die Marienwallfahrten und bis aus Dachau kamen große Wallfahrtszüge mit dem Kreuz. Ein schrecklicher Tag war der 27. Juli 1902, an dem ein Blitz die kleine Marienkirche in eine Ruine verwan­ delte. Am 23. Juli 1905 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden und so bildet sie, nach einer Renovierung 1972, nach wie vor den Mittelpunkt unseres Dorfes. Michael Bernwieser


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » Kirchstoana« Sindelsdorf Der Verein wurde am 9. August 1919 gegründet. Er gab sich den Namen Gebirgs-Trachten-Erhaltungsver­ ein »Kirchstoana« Sindelsdorf mit Sitz Sindelsdorf. Da­ mals stellte er sich folgende Aufgaben: Die angestammte heimatliche Tracht zu erhalten und zu betreuen, das Volkslied und den Volkstanz zu pfle­ gen, eine Heimatchronik zu erstellen, Theaterauffüh­ rungen zu inszenieren und sich der Pflege unserer Denkmäler, wie Bildstöckl, Marterl, Feldkreuze, dann unseres heimischen Baustiles und schließlich des Ver­ einsinventars besonders zu widmen. Nach der alten Vereinssatzung waren im Verein will­ kommen: »Mannerleut wie Weiberleut, Angehörige al­ ler Berufsstände, jeder, der die lebfrische Fröhlichkeit im Volkstanz und beim Schuhplattler, die kleidsame Tracht unserer Heimat, den heimatlichen Gesang unse­ rer Bergwelt pflegen und erhalten will. « »Wie der Efeu mit seinen Wurzeln sich in seinen Hei­ matboden festklammert« , so sollte der Verein alles Ge­ wachsene und Bodenständige der Heimat festhalten und bewahren. Aller Schmutz und Schund sollte von der Heimat fern­ gehalten werden, besonders in der Mode und im Tanz. Als Tänze, die unserer Art gemäß waren, wurden ange­ sehen: Landler, Walzer, Schuhplattler, Zwiefache, Mazurka, Polka, Rheinländler, Hüatamadl, Schotti­ scher, besonders aber die Gruppen-, Figuren- und Ehren­ tänze, wie z.B. Steirer, Dreisteirer, Sechsertanz, Ach­ tertanz, Bandltanz, Kronentanz, Holzhackertanz. Als verbindliche Tracht wurde festgelegt: Für die Männer: schwarze Lederhose, einfarbig grün oder gelb ausgenäht; lange, graue, mit grünen Streifen gestrickte Strümpfe, schwarze Haferlschuhe, Leinen­ hemd mit aufgenähtem Kragen, blaues Tücher! mit Metall- oder Hirschhornschieber, lederne oder ge­ stickte Hosenträger, forstgrüne Joppe in Loisachtaler Machart, Hut in Miesbacher- oder Tölzerform.

Für die Frauen: Mieder mit Geschnür, Ausbroattücher und Schurz aus weißem Leinen, Stärkwäsche, blauer Rock bis 25 cm über den Boden reichend, blaue Ärmel gereiht, handgestrickte weiße Strümpfe, schwarze Spangenschuhe oder Halbschuhe, grüner Plüschhut. Leider ging das Protokollbuch des Vereins im Kriegs­ jahr 1943 verloren, sodaß über die Zeit von 1919 bis 1943 nur bruchstückhaft berichtet werden kann. Am Gründungstag wurden in den Verein 35 Männer, jedoch noch keine Frauen aufgenommen. Erst ab 1957 traten Frauen in den Verein ein. Innerhalb der letzten 67 Jahre seit Bestehen des Vereins sind durchschnitt­ lich im Jahr 6 Personen aufgenommen worden. In den Jahren 1933 -1939 war die Bereitschaft zur Aufnahme in den Verein besonders groß. Pro Jahr wurden damals 12 Mitglieder aufgenommen. Während des Krieges 1939 -1945 erfolgte nur eine einzige Aufnahme. Im 1. Nachkriegsjahr 1946 dagegen konnte der Verein mit 32 Aufnahmen einen Rekord verzeichnen. Im II. Weltkrieg fielen 10 Vereinsmitglieder, 5 Mitglie­ der gelten als vermißt. Im Jahre 1946 zählte der Verein 113 Mitglieder, im Jahre 1976 bereits 175 und im Jahre 1985 230 Mitglie­ der. Seine Generalversammlungen hält der Verein tradi­ tionsgemäß gewöhnlich am Stephanitag ab. Sie wurden durchschnittlich mit 40- 60 Personen besucht. Der Trachtenball findet als letzter Tanz im Jahr ge­ wöhnlich um Kathrein im November statt. Die Pflege seiner Plattlergruppen nimmt der Verein be­ sonders ernst. Darüberhinaus bestanden schon seit 1933 eigene Theater-, Musik- und Gesangsgruppen. Am 22. Juli 1928 führte der Verein das 8. Loisachgau­ fest durch. Es wurden 1330 Festzeichen verkauft. Als Musikkapelle war die Kapelle Biehler, Penzberg, ver­ pflichtet worden. Das 31. Loisachgaufest am 14. und 15. Juni 1958 wurde ebenfalls in Sindelsdorf abgehal-

Gründungsvorstand Adelwart Johann 1919-1920

ten. Am Festzug beteiligten sich 34 Vereine mit 9 Mu­ sikkapellen. Es wurden insgesamt 3327 Festzeichen verkauft. Die Feldmesse fand an der Ochsendalln statt. Am Kirchenzug beteiligten sich 29 Vereine. 1047 Trachtler marschierten beim Festzug mit. Der Festwirt, Herr Johann Lössl, München, erhielt eine Ehrenurkunde des Vereins für die große Unter­ stützung während des Festes, für die kostenlose Über­ lassung des Festzeltes und für seine Spende in Höhe von 500,- DM für den Verein. Das nächste vom Verein durchgeführte Gaufest war am 17. und 18. August 1968. Das Bierzelt des Festwirtes Schmid, Schongau, faßte 2500 Personen. 35 Vereine und 15 Musikkapellen waren angemeldet. Am 14. Mai 1922 weihte der Verein seine neue Fahne. 191


Fahnenbraut war Viktoria Schweiger. Als Patenverein konnten die »Birk'nstoana« von Penzberg gewonnen werden. Diese Vereinsfahne wurde 1955 gründlich re­ noviert und ein Trauerband hinzugefügt, zusammen mit einem Kostenaufwand von 860,- DM. Die erneu­ erte Fahne wurde am 30.5.1955 feierlich nachgeweiht. Die Weihe einer neuen Fahne mit Fahnenbändern war mit einem großartigen Fest verbunden, das vom 16.-19. Juni 1983 dauerte. Die Fahne kostete 7.412,- DM. Am Festzug nahmen über 2000 Trachtler, 37 Fahnen mit Abordnungen, 30 Vereine und 16 Musikkapellen teil.

1. Vorstand Wagner Andreas, 1920-1923 192

Dazu kamen noch 2 Kutschen und ein Wagen. Im Fest­ zelt spielte u.a. die tschechische Kapelle Mistrinanka auf. Bei der Gelegenheit wurden 8 Vereinsmitglieder für ihre 50jährige treue Mitgliedschaft geehrt. Sein 50jähriges Gründungsfest hielt der Verein am 26.4.1970 ab, wobei 10 Mitglieder für ihre ununterbro­ chene Mitgliedschaft seit der Gründung des Vereins ge­ ehrt wurden. Das 60jährige Gründungsfest fand am 9. und 10. Juni 1979 statt. Außer diesen großen Festen richtete der Verein eine lange Reihe anderer Feste aus, so z.B. zahlreiche Hei­ matabende, Bunte Abende, Gartenfeste, Nikolausfei­ ern für die Kinder, Johannisfeiern. Mit einer nicht mehr feststellbaren Zahl von gelungenen Theaterauf­ führungen bewies der Verein das Können seiner Mit­ glieder auch auf diesem Gebiet. Traditionsgemäß finden alljährlich Ende Dezember oder Anfang Januar Christbaumfeiern statt. Im Herbst 1979 hielt der Verein auf der Staffelalm un­ terhalb des Rabenkopfes eine Bergmesse ab. Auch die Beteiligung des Vereins bei der Leonhardi­ fahrt in Benediktbeuern ist altgeübte Tradition. Der Verein nahm durchschnittlich im Jahr - ausge­ nommen die Kriegsjahre - an 3 bis 6 auswärtigen Trachtenfesten teil. Im 4. Gründungsjahr 1922 waren es allein 12 solcher Feste. Die Loisachgaufeste wurden fast ausnahmslos vom Verein besucht. Seit dem 1. Mai 1923 stellte der Verein in der Regel alle 4 Jahre in Sindelsdorf vor der Dorfkirche einen Mai­ baum auf. Nur während des Krieges wurde dieser ur­ alte Brauch nicht ausgeübt. Für sein auf der Straße tödlich verunglücktes Mitglied Thassilo Finsterwalder errichtete der Verein am 13.10.1934 ein Marterl am Unfallort in der Nähe des Gemeindehauses mit folgendem Gedenkvers: »Hier starb infolge eines Unglücksfalles Thassilo Fin­ sterwalder am 13. Oktober 1930 im Alter von 21 Jah­ ren. R.I.P. Der Weg in die Ewigkeit ist doch gar nicht weit. In der Früh ging er fort und abends war er dort«.

Das Marterl mußte im Oktober 1961 wegen der Errich­ tung eines Gehsteiges entfernt werden. Wegen ihrer außergewöhnlich großen Verdienste um den Verein erhielten die Ehrenmitgliedschaft: im Jahre 1922 Andreas Wagner, im Jahre 1958 Georg Kling, im Jahre 1979 Ignaz Sporer und Matthias Moosrainer. Zu Ehrenvorständen wurden ernannt: im Jahre 1974 Mair Georg und im Jahre 1985 Habersetzer Benedikt.

1. Vorstand Schweiger Stephan, 1923-1929


Fahnenweihe am 14. Mai 1922

Trachtenverein ÂťKirchstoanaÂŤ Sindelsdorf vor dem Penzberger Bahnhof um 1950

Plattlergruppe des Vereins von 1952

Festzug beim Gaufest 1958 in Sindeldorf. Bildmitte: 1. Vorstand Georg Kling, links Gauvorstand Franz Sappl. 193


Feldmesse beim Gaufest in Sindelsdorf 1958

Ehrung für 50j�hrige Mitgliedschaft 1969

Fahnenweihe 1983 in Sindelsdorf

Trachtenverein beim Fronleichnamszug 1984

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Am 31.1.1954 wurden zum ersten Male langjährige Mitglieder geehrt und zwar durch Verleihung von Eh­ rennadeln und Ehrenurkunden. 10Mitglieder gehörten zu diesem Zeitpunkt dem Verein 35 Jahre, ebenfalls 10 Mitglieder 30 Jahre und 9Mitglieder 25 Jahre an. In den folgenden Jahren von 1955 bis 1984 erhielten diese Ehrung 60Mitglieder für 40jährigeMitgliedschaft und 96 Mitglieder für 25jährige Mitgliedschaft. Für 50jährige Mitgliedschaft konnten in den Jahren 1974 und 1975 3 Mitglieder geehrt werden. Als 1. Vorsitzende leiteten den Verein: von 1919 bis 1920 Adelwart Johann von 1920 bis 1923 Wagner Andreas von 1923 bis 1929 Schweiger Stephan von 1929 bis 1945 Edenhofer Georg von 1946 bis 1948 Mair Johann von 1948 bis 1965 Kling Georg von 1965 bis 1972 Mair Georg von 1972 bis 1973 Schilcher Andreas von 1973 bis 1985 Habersetzer Benedikt von 1985 an Singer Leonhard Der Verein erhielt durch seine rege Teilnahme an aus­ wärtigen Veranstaltungen folgende Meistpreise: Fahnenweihe »Edelweiß« Penzberg 20.6.1920 11.7.1920 Fahnenweihe in Seeshaupt 1920 Fahnenweihe in Diemendorf Gaufest inMaxkron/Penzberg 24.4.1921 Fahnenweihe inBenediktbeuern 3.6.1921 24.7.1921 1.Stiftungsfest inAntdorf 22.5.1922 Fahnenweihe inSchlehdorf 28.5.1922 Fahnenweihe inSöchering

1. Vorstand Benedikt Habersetzer 1979

20jährigesBirkenstoanaPenzberg 3.6.1922 Fahnenweihe inKönigsdorf 1922 Fahnenweihe in Huglfing 3.5.1923 4. Gaufest inSt. Heinrich 13.7.1923 Fahnenweihe inNantesbuch (Patenv.) 25.5.1924 5. Gaufest inPenzberg 27.7.1924 6. Gaufest inBadTölz 2.8.1925 18.7.1926 20jährigesPenzbergMaxkron 7. Gaufest inMünchenThalk. 1.8.1926 9. Gaufest inAntdorf 14.7.1929 Fahnenweihe in Söchering 1.6.1930 28.6.1931 11. Gaufest inPenzbergBirk. 13. Gaufest inNantesbuch 30.7.1933 40jähriges 1895 inPenzberg 10.6.1935 26.7.1936 16. Gaufest inMaxkronPenzberg 30jähriges in Großweil 8.8.1937 19. Gaufest inKönigsdorf 4.8.1946 20.6.1948 Fahnenweihe in Iffeldorf Fahnenweihe 1895 inPenzberg 6.6.1949 17.7.1960 50jähriges in Diemendorf 34. Loisachgaufest iriBichl 13.8.1961 35. LoisachgaufestPenzberg 2.Meistp. 8.7.1962 Außerdem konnte der Verein in den 67 Jahren seit sei­ nem Bestehen zahlreiche Musik-, Jugend-, Sänger-, Dirndl- und Weitpreise mit nachhause nehmen. Der Verein hat seine Aufgaben erfüllt, so gut es immer ging. Er hat einen entscheidenden, von der rechten al­ ten Sitte gesteuerten Einfluß auf das dörfliche Leben genommen und es durch die Pflege der Tracht, des Volkstanzes, des heimatlichen Liedgutes und alter Bräuche positiv beeinflußt.

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Ortsgeschichte von Sindelsdorf Sindelsdorf kann sich zu den ältesten, bajuwarisch be­ siedelten Orten unseres Alpenvorlandes zählen. Die umfangreichen und sehr ergiebigen Ausgrabungsarbei­ ten am nordwestlichen Dorfrand, die im Juli 1978 be­ gannen, belegen nicht nur, daß die Bajuwaren bereits um das Jahr 550 n.Chr. diesen Platz besiedelt haben, sondern auch, daß Sindelsdorf in jener fernen Zeit eine besondere Bedeutung in unserer Gegend erlangt hatte. Weit über 300 Gräber aus der Merowingerzeit wurden geöffnet und ihre reichhaltigen Grabbeigaben, die z.T. von außergewöhnlicher Kostbarkeit sind, der wissen­ schaftlichen Auswertung zugeführt. Die erste urkundliche Erwähnung Sindelsdorfs geschah im Jahre 763 anläßlich der Gründung des Klosters Scharnitz durch den Huosigrafen Reginpert. Er ver­ machte dem Kloster mehrere Güter »in dem Ort, den man Sindvolvesdorfa hieß«. Aus dieser ersten Schreib­ weise des Dorfnamens läßt sich ableiten, daß der Dorf­ gründer ein bajuwarischer Sippenältester namens »Sintwolf« war, was so viel bedeutet wie »der ziehende, wandernde Wolf«. Erst um das Jahr 1000 erscheint der Name »Sindels­ dorf« wieder in den Urkunden. Da liest man so klang­ volle uralte germanische Namen wie Isanpert, Swedi­ cho, Chempfo, Richoalf. Bereits um das Jahr 1100 hatte sich ein Dorfadel ausgebildet. Diese »Edlen von Sindilisdorfa« hießen Hiltipurch, Hermanus, Albern, Rapoto, Gerrat, Oudalrich, Egilolf, Adelbert und Eberhard. Um 1250 wollte Graf Otto von Hornstein auf dem be­ nachbarten Weilberge eine Burg bauen. Das Kloster Benediktbeuern widersetzte sich diesem Vorhaben. Nach einem langwierigen Rechtsstreit, der bis zum Kai­ ser ging und bei dem über 300 Zeugen gehört wurden, entschied der Herzog von Bayern, daß der Berg Eigen­ tum des Klosters sei. Der bereits begonnene Bau mußte wieder eingestellt werden. Im 14. und 15. Jh. waren die Herren von Wildeck die größten Grundbesitzer im Dorfe. Ihre Burg stand oberhalb Mühleck. Sie verkauf-

Ortsbild von Sindelsdorf ten ihre Güter und Rechte 1424 an den Münchner Patri­ zier Ludwig Wilbrecht, der ein heute völlig verschwun­ denes Wasserschloß im Dorfweiher erbaute, das er »Sitz im Wörth« nannte. Seine Sindelsdorfer Güter gab er 1485 an den herzoglichen Rentmeister Matthias Brätzl weiter. Im 16. und 17. Jh. gingen die Besitz- und Grundherrschaftsrechte in Sindelsdorf immer mehr auf die nahegelegenen Klöster und Kirchen über. Um das Jahr 1700 gehörten die 46 Sindelsdorfer Höfe den Klö­ stern Benediktbeuern, Schlehdorf und Beuerberg, dem Stift Habach, den Herren von Eurasburg, den Kirchen

von Sindelsdorf und Hagen und etliche kleine Sölden der »Dorfsgmain«. Die niedere Gerichtsbarkeit übten in Sindelsdorf die herzoglichen Beamten des Landgerichts Weilheim aus. Im Jahre 1716 jedoch übergab Kurfürst Max Emanuel im Tauschverfahren die Hofmark Sindelsdorf dem Klo­ ster Benediktbeuern. Nun war das Kloster nicht nur der mächtigste Grundherr, sondern auch der Gerichtsherr im Dorfe geworden. Die Sindelsdorfer fügten sich nur ungern dem neuen Regiment. In den folgenden Jahr­ zehnten kam es zu erbitterten gerichtlichen Auseinan197


dersetzungen zwischen dem Dorf und dem Kloster, die bis zum Kurfürsten vorgetragen wurden. An die Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) erinnert noch die Demmelkapelle, die als Pestkapelle anzusehen ist. Der Wirt Demmel von Sin­ delsdorf hatte gelobt, diese Kapelle zu bauen, wenn er mit seiner Familie unversehrt durch Krieg und Pest kommen sollte. Das Madonnenbild in der Kapelle zeigt links die Vertreter der Geistlichkeit, rechts die des Adels und im Vordergrund den Wirt mit seiner Fami­ lie. Er trägt auf diesem Bilde vom Jahre 1669 einen langen, taillierten, bis zu den Knien reichenden grünen Tuch­ rock, darunter eine grüne Weste und einen mit einer Halskrause versehenen, weißen Brustfleck, dazu eine schwarzbraune Bundhose aus Bocksleder, weiße Woll­ strümpfe und schwarze, spitz zulaufende Lederhalb­ schuhe. Wie sich die Männer und Frauen von Sindelsdorf in der Zeit um das Jahr 1700 kleideten, läßt sich aus den In­ ventarien von 33 Sindelsdorfer Höfen aus jener Zeit re­ konstruieren. In ihnen ist der Inhalt der Kleidertruhen peinlich genau aufgelistet. Im Schnitt hatte fast jeder Sindelsdorfer einen meist schwarzen Mannshut, zwei harbene und zwei rupfene Hemmeter (Hemden), ein meist blaues, rotes oder sel­ tener weißes tüchenes Leibl oder »Camisol«, einen rot­ tüchenen Brustfleck (Brustlatz, Vorstecklatz), einen gewöhnlich braunen, manchmal auch blauen oder grauen Tuchrock, der in Taille gearbeitet bis zu den Knieen reichte, eine braune, schwarze, seltener auch eine graue Hose aus Bocksleder, Tuch oder Barchent, oft auch aus »gradischem Zeug«, einem mit drei Web­ stühlen gewebten, ganz- oder halbwollenen Stoff, fer­ ner ein bis zwei Paar harbene, rupfene oder leinene Strümpfe für den Sommer und zwei Paar blaue, weiße, braune oder graue Wollstrümpfe für den Winter, schließlich ein Paar Schuhe. Dieses Gewand trugen die Sindelsdorfer nur an den Sonn- und Feiertagen und zu festlichen Anlässen. Von der Qualität her war es so be­ schaffen, daß es seinen Träger meistens einige Jahr198

zehnte aushielt. Fast immer hatte er sich die schöne Garnitur als Hochzeiter von seinem ersparten Geld an­ geschafft, und oft genug zog man ihm dasselbe Gewand zum letzten Male auf seinem Totenbett an. In einigen Gewandtruhen finden sich auch vereinzelt besondere Stücke, die sich nicht jeder leisten konnte. So hatte der Wirt zwei Winterhauben, eine aus grünem Samt und eine aus grauem Tuch. Im Bett zog er sich eine baumwollene Schlafhauben über. Andere Hauben waren aus Marderfell oder aus Schafwolle gestrickt. Den seidenen oder baumwollenen Männerflor - eine besonders fein gewebte schwarze Halsbinde, findet man bei allen vermögenden Sindelsdorfern. Auch weiße, seltener rote, Wolljoppen trugen nur die größe­ ren Bauern. Genauso war es bei den grünseidenen, rotsamtenen, blaubortenen oder ledernen Hosenträ­ gern, die man »Halfter« nannte, wie der Spruch zeigt: »Ohne Strümpf, ohne Schuah, koa Halftern net um und koa Hosenknopf zua«. Sonst trug man lederne Gürtel, von denen der schön­ ste, teuerste und am kunstvollsten gestickte den Bauch des Saliters zierte. Auch Handschuhe waren bei den Männern äußerst selten. Es gab sie aus Wolle gestrickt oder aus Pelzresten zusammengenäht. Nirgends aber finden sich Hinweise auf Mäntel, Unterhosen, Schals oder pulloverähnliche Unterziehjacken. Gut die Hälfte der Frauen besaßen einen meist schwar­ zen, mit einer Schnur verzierten Weiberhut. Alle aber hatten mindestens eine Weiberhauben, manche sogar bis zu 15 solche Kopfbedeckungen. Fast durchwegs wurden in Sindelsdorf weiße Hauben getragen, die ei­ nen aus Samt, andere aus gestärktem Linnen, wieder andere aus »Taffet« oder aus Pelz mit Seide gefüttert. Die Schlafhauben dagegen waren immer aus Wolle ge­ strickt und im Winter in den meist nicht heizbaren Schlafkammern unentbehrlich. Fast alle Sindelsdorferinnen besaßen einen »Schlar« (Schleier) oder einen »Flor«. Der Flor war eine oft mit zinnenen oder silbernen Schnallen versehene Hals­ binde, der Schleier dagegen war ein Kopfputz der Frau, der aus ältesten Zeiten stammte.

Es fällt auf, daß die Sindelsdorfer Frauen im Vergleich zu den Männern nur halb soviel Hemden besaßen, in der Regel nur zwei oder drei, und zwar mehr rupfene als harbene. Die Haut der ländlichen Damenwelt war also zu jener Zeit weniger empfindlich als heute. Das Vorhemdchen des weiblichen Geschlechts nannte man bei uns »Duttenpfoad« oder auch »das Beschei­ ßerle«. Jede Sindelsdorferin besaß wenigstens ein, meistens drei oder vier Mieder. Bevorzugt wurde bei ihnen die rote Farbe. Die armen Häuslerinnen konnten sich nur einfache, rupfene Mieder »mit falschen Borten« lei­ sten, die reicheren Bäuerinnen prangten im damaste­ nen oder georgettenen Mieder mit teurem Geschnür. Der weiße, blaue, schwarze, härbene oder rupfene Schalk wird etwa bei der Hälfte der Sindelsdorferinnen erwähnt. Selten fanden sich in den Truhen Leibchen. Es gab sie »weißwullen« oder »rottüchen«. An ihrer Stelle wird häufig der »Brustfleck« genannt, der zum Mieder ge­ tragen wurde und zu ihm passen mußte. Häufig war er ein mit Borten besetzter, stoffüberzogener, dreieckiger Pappdeckeleinsatz. Bei kalter Witterung trugen die Frauen dicke Joppen. Die »Weiberjoppen« waren in Sindelsdorf meistens aus weißen, aber auch aus schwarzen und grünen Wollstof­ fen, seltener aus Loden geschneidert. Etwa die Hälfte der Sindelsdorferinnen trug sogenannte »Halskittel« aus harbener oder rupfener Leinwand. Das waren Oberhemden aus gestärkter, weißer oder blauer Lein­ wand mit Spitzen versehen. Nun zu den »Weiberröcken«! Nur bei einer einzigen Sindelsdorferin ist ein Unterrock aufgeführt. Die Röcke selbst waren ohne Ausnahme schwarz. Auch sie gab es in den bereits genannten Stoffarten; rupfen, har­ ben, halbwollen, wollen, grädisch und zeugen. Gürtel wurden von den Frauen nur als Schmuck getra­ gen. Es gab sie aus Leder oder Samt, mit und ohne »Spangl«. Die Schürzen - »Fürtücher« oder »Für­ fleck« genannt - gab es in Sindelsdorf je zur Hälfte in Schwarz oder Blau, selten auch gestreift oder gemu-


stert aus den gleichen Stoffarten, wie bei den Röcken aufgezählt. Jede Sindelsdorferin besaß wenigstens zwei, höchstens aber fünf Röcke und ebensoviele Für­ tücher. Die 2 - 5 Paar rupfenen, harbenen, leinwerchenen, wol­ lenen oder baumwollenen Strümpfe waren so gut wie immer weiß. An Schuhen sind gewöhnlich nur ein, höchstens zwei Paar vermerkt. Bereits 1793 erteilte ein Eremit vom Tölzer Kalvarien­ berg in Sindelsdorf den ersten Schulunterricht. Bis zum Jahre 1808 wurde die Schule in verschiedenen Bauern­ stuben abgehalten, dann in einen größeren Raum des neu erbauten Pfarrhofes verlegt. Erst 1852 wurde ein eigenes Schulhaus gebaut.

Scheiben und Fässern, früher auf Saumtieren, später auf Fuhrwerken von Reichenhall über Rosenheim, Tölz, Sindelsdorf, Murnau bis in die Schweiz transpor­ tiert. Sindelsdorf war ein wichtiger Umschlageplatz, in dessen Salzstadel oft an die eineinhalbtausend Salzfäs­ ser lagerten. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 fielen drei Sindelsdorfer. Im I. Weltkrieg 1914/18 32 Sindelsdorfer und im II. Weltkrieg 1939/45 63 Sindelsdorfer. Die für den Kenner einmalig schöne Lage von Sindels­ dorf mußte auch Künstler anziehen. So lebte auch der zu seiner Zeit sehr hochgeschätzte Kunstmaler Bern­ hard Stange aus Dresden von 1858 bis zu seinem Tode 1880 in Sindelsdorf. Seine Bilder gingen damals in alle Welt. König Max II. zeichnete ihn für seine künstleri­ schen Leistungen mit dem Ritterkreuz des Verdienst­ ordens aus. Noch heute heißt man sein ehemaliges Wohnhaus »beim Maler«.

Sindelsdorf hatte bis zur Säkularisation (1803) zwei Pfarreien, zwei Kirchen, zwei Friedhöfe, aber kurioser Weise keinen eigenen Pfarrer. Die heutige St. Georgs­ Kirche wurde von den Habacher Stiftsherren, die Kir­ che zu unserer lieben Frau von den Augustiner Chor­ herren von Schlehdorf versorgt. 1808 wurde die Frau­ enkirche zum Pfarrhof umgebaut.

Im Anwesen »Niggl« lebte vom Frühjahr 1910 an der Münchner Kunstmaler Franz Marc. Er war befreundet mit den ebenfalls in Sindelsdorf lebenden Malern Cam­ pendonck und Niestle. Zusammen mit Kandinsky, Münter und Macke gründete er jene revolutionäre Kunstbewegung, die als das größte Ereignis der neue­ ren Kunstgeschichte Deutschlands angesehen wird und die in der noch heute erhaltenen Gartenlaube beim »Niggl« den Namen »der Blaue Reiter« erhielt.

Während der Napoleonischen Kriege benahm sich die Gemeinde Sindelsdorf bei einem Ausfall von 4000 Ti­ roler Aufständischen in unser Heimatgebiet so tapfer und beherzt, daß sie am 28.3.1813 vom König die sil­ berne Verdienstmedaille erhielt. Schon seit dem frühen Mittelalter diente die Loisach zum Flößen von Holz, Vieh, Milchprodukten, Bauma­ terialien, aber auch zum Befördern von Personen. Un­ ternehmungslustige Sindelsdorfer gründeten im 17. Jahrh. eine Handelskompanie und fuhren auf den Loi­ sach- und Isarflößen Kunstschmiedewaren, Kurzwa­ ren, Bücher und Heiligenbilder die Loisach, Isar und Donau hinunter bis nach Wien, Budapest und Belgrad. Mit den in fernen Landen eingetauschten Waren kehr­ ten sie zu Fuß über Slowenien, Steiermark, Kärnten und Tirol in ihre Heimat zurück. Nachdem die Eisen­ bahnlinie München-Garmisch im Jahre 1889 eröffnet worden war, wurde der Floßverkehr drei Jahre später eingestellt. Auf der uralten Salzstraße wurde das Salz in

Pfarrkirche St. Georg, Sindelsdorf

Das Jahr 1969 brachte die Auflösung der Volksschule Sindelsdorf, Schüler und Lehrkräfte wurden der Grund- und Hauptschule Penzberg eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform bildeten die Gemeinden Sindelsdorf, Habach, Söchering und Antdorf eine Ver­ waltungsgemeinschaft. Der Verfasser: Karl Steinberger

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Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » D'Wendlstoana« Thanning Man schreibt das Jahr 1919: In der Sattlerwerkstatt des Rupert Graf sen. läßt es sich aushalten. Der Ofen in der Ecke strahlt behagliche Wärme aus. Zwischen reparaturbedürftigen Halftern, ausgefransten Ledertaschen und allerhand Werkzeu­ gen, wie sie ein Sattler benötigt, lagern neun junge Bur­ schen. Sie sind nicht wählerisch in ihren Sitzgelegenhei­ ten. Einige haben es sich auf dem Arbeitstisch bequem gemacht, andere liegen auf zusammengelegten Roß­ decken auf dem Boden, dort lehnt einer am Türstock. Draußen fegt ein eisiger Wind ums Haus und wirbelt braunes Laub an den kleinen Fenstern der Sattlerei vorbei. »Es werd nimmer lang dauern bis da erst Schnee kimmt«, meint der Graf Rupert. Er ist mit seinen 52 Jahren der älteste im Bunde und hat den neun Bur­ schen seine Werkstatt zur Verfügung gestellt. »Ja«, brummt der Reigl Toni, »und mir ham allwei no koan Verein«. »Geh! Z'Sauerlach ham's anno fünfe gründt. Warum solln's mia Thanninger da net aa dapacka?« So sagt Rupert Graf jun. und ist sich seiner Sache ganz si­ cher. »A Trachtenverein muaß her, sag i, und a gschei­ ter aa no!« fordert der Diesl Sepp. »Geh! Hoi a Maß vom Wirt umma, dann dischkriern ma uns leichter!« re­ det der Sattler dazwischen und drückt Sepp Kastenmül­ ler, einem der ganz jungen, einige Geldstücke in die Hand und schiebt ihn zur Tür hinaus. Oft muß der Sepp an diesem Abend nicht gehen, denn das Geld ist rar, und umsonst, meint er, ist nur der Tod. So sitzen sie noch Stunden bis in die Nacht hinein beisammen und reden sich die Köpfe heiß über Vorstandschaft, Fahne, Fahnenweihe, Stammlokal, Schuhplattln und große Feste. Und alle sind überzeugt davon, daß sie etwas Gutes vorbereiten. »Pfüat enk«, ruft der Liebhart Pauli den heimwärts strebenden Burschen nach, »am 20. Dezember treff' ma uns wieder!« Nachdenklich geht er heute heim.

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Vier Tage vor dem hl. Abend, am 20. Dezember des Jahres 1919, hoben zwölf eingeschworene Trachtler (inzwischen waren noch zwei Mädchen zur Truppe ge­ stoßen) in Thanning einen Trachtenverein aus der Taufe. Es läßt sich heute nach 70jähriger Geschichte al­ les viel leichter erzählen, wie es damals wirklich war. Es gab in den Wochen und Monaten vor und nach der Ver­ einsgründung viele Schwierigkeiten zu überwinden. Viele der älteren Thanninger waren mißtrauisch, und die Burschen, die für die Sache der Trachtler noch nicht aufgeschlossen waren, betrachteten den neuen Verein als Konkurrenten. Wir werden noch hören, wie sich dieses Verhältnis zueinander wenig günstig auswirkte und den Trachtenverein sogar zwang, für kurze Zeit ins Exil nach Attenham zu gehen. Am 20. Dezember 1919 wurde der Trachtenverein Thanning in einer Sattlerwerkstätte gegründet. Zwölf wackere Trachtler setzten den Markstein für ein Stück Thanninger Geschichte. Sie hätten es sich damals nicht träumen lassen, daß ihre kleine Gruppe sich im Laufe der Jahre zum stärksten Verein der Gemeinde und dar­ über hinaus zum größten Verein seiner Art im Loisach­ gau entwickeln würde. Unser Trachtenverein wurde zu einer kulturellen Einrichtung, die aus dem Thanninger Leben nicht mehr wegzudenken ist. Die Gründung verdanken wir: Reigl Anton Graf Rupert sen. Liebhart Paul Graf Rupert jun. Liebhart Peter Recht Josef Liebhart Nikolaus Lederwascher Mathias Kastenmüller Josef Schütz Anna Lederwascher Johann Widmann Anna Aus dem Protokoll der Gründungsversammlung: Durch ständige Uneinigkeit der Burschen in Thanning wurde von den jüngeren Burschen beschlossen, einen

Gebirgstrachtenerhaltungsverein zu gründen, und zu diesem Zweck wurde die Versammlung für den Kreis einberufen, der ein besonders großes Interesse an der Trachtensache hatte. Nach einigen Meinungsverschie­ denheiten wurde dieser Antrag angenommen. Durch festes Zusammenarbeiten unsererseits und durch Rat und Auskunft von unserem Bruderverein »Schloßberg­ ler« Wolfratshausen, entstand dieser Verein und er­ hielt den Namen: Gebirgstrachtenerhaltungsverein »Die lustigen Wendlstoana« Thanning. In den Tagen, die auf diesen denkwürdigen 20. Dezem­ ber folgten, wurden die Statuten festgelegt, die die Aufgaben des Vereins umrissen: »Zweck desselben ist, die oberbayerische Tracht, Sit­ ten und Gebräuche zu erhalten, sowie die kamerad­ schaftliche Unterhaltung zu pflegen. Andere Bestre­ bungen als die oben erwähnten sind ausgeschlossen. Tanz- und Plattlerproben, Vereinsabende, werden nach Einvernehmen einer Versammlung festgesetzt«. Am 24. Dezember 1919 wurde der Verein bei Bürger­ meister Rieger, Gemeinde Thanning, angemeldet. Das Bezirksamt Wolfratshausen erteilte am 07. Januar 1920 die Genehmigung. Das nächste große Ereignis, die Wahl der Vorstand­ schaft, fand im Nebenzimmer des Gasthauses Koppen­ stätter in Thanning statt. Diese Wahl bereitete keine Qual. Da der Verein nur zwölf Mitglieder hatte, konnte fast jeder mit einem Posten rechnen. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Wahl: 1. Vorstand Anton Reigl Schriftführer: Paul Liebhart Kassier: Josef Recht 1. Vorplattler: Nikolaus Liebhart Daß in den folgenden Monaten unser Verein nicht auf Rosen gebettet war, bezeugt folgender Beschluß vom 11.1.1920: »Gegner des Vereins und Schutzmaßnahmen: Wegen aller möglichen Vorwürfe unserer Gegner, die den neugegründeten Verein zu zersplittern versuchen, mußten wir folgende Schutzmaßnahme anwenden:


1. Gründungsfest 1921 in Thanning.

Die »Wendlstoana« um 1922.

Theatergruppe um 1925.

Trachtenball 1928. 201


Wenn sich ein Mitglied an den Veranstaltungen ande­ rer Vereine in Thanning beteiligt, wird dasselbe vom Verein ausgeschlossen«. So rauh waren damals die Sitten. Ja es kam so weit, daß der knapp vier Monate alte Verein sich gezwungen sah, das Gasthaus Lautenbacher in Attenham als Vereinslo­ kal zu wählen. Das Jahr 1920 war überhaupt ein Kampfjahr. Immer wieder gab es Auseinandersetzun­ gen mit anderen Thanninger Burschen, die nicht selten in Handgreiflichkeiten ausarteten. Damals gab es noch die sogenannten »Zechen«: War in einem Nachbardorf eine Tanzmusik, so wurde diese von den Thanninger Burschen geschlossen besucht. Es wurde eine Zeche gemacht, d.h., man bestellte für seine Gruppe ein Faß Bier und hatte dann auch seine Zeit zum Tanzen. Un­ sere Trachtler hatten keine Möglichkeit, an diesen Ver­ gnügungen teilzunehmen. Wollten sie an einer Zeche teilnehmen, so verwehrte man es ihnen mit allen Mit­ teln, die zur Verfügung standen. »Dö ham's net leicht g'habt«, meinte ein alter Thanninger, der diese Ge­ schehnisse noch selbst miterlebte. Doch jeder Krieg, so beweist es uns die Geschichte, mündet einmal in den Frieden. Und so war es auch bei unseren Kontrahenten. Langsam kam man sich näher und stellte sich aufeinander ein. So konnten die Tracht­ ler ihr Attenhamer Asyl nach einigen Monaten wieder verlassen und »durften« eine ihrer Monatsversammlun­ gen in der Thanninger Kegelbahn abhalten. Im Jahre 1920 stieg die Zahl der Mitglieder auf 25 an. Da der Verein auch eines äußeren Zeichens bedurfte, wenn er bei Festen anderer Trachtenvereine auftrat, kaufte man den Wendlstoanern von Wolfratshausen deren alte Standarte ab. Weil der Verein kein Geld hatte, um die hierfür notwendigen 1.000,- Mark aufzu­ bringen, erklärten sich alle Mitglieder bereit, Vereins­ anleihen zu zeichnen, um damit das neue Wahrzeichen zu finanzieren. Mit den Nachbarvereinen in Wolfratshausen, Otter­ fing, Sauerlach, Dietramszell und Arget wurden bald enge Verbindungen aufgenommen. Man traf sich bei Gartenfesten, Christbaumfeiern und beim ersten Gau202

fest in Benediktbeuern (der Loisachgau wurde im Jahre 1919 gegründet). Kein Weg war zu weit, daß er nicht mit dem Fahrrad hätte gemeistert werden können. Zum ersten Loisachgaufest fuhren neun männliche Vereinsgründer mit ihren Fahrrädern im strömenden Regen nach Wolfratshausen, um von dort aus völlig durchnäßt mit der Eisenbahn nach Benediktbeuern zu gelangen. Wie sehr haben sich doch die Zeiten geän­ dert. Nun hatten die »verlorenen Söhne« Thannings ihr Ver­ einslokal wieder in Thanning. Am 8. August 1920 wurde im Gasthaus Koppenstätter der erste Trachten­ ball veranstaltet. Trachtenvereine aus Wolfratshausen, aus Gelting und aus Oberhaching kamen in starker Be-

Gaufest 1934, Festzug.

setzung. Das machte Eindruck auf die Thanninger Be­ völkerung. Waren die Trachtler wirklich so schlimm? Dieser Ball war die erste öffentliche Veranstaltung der »Wendlstoana«. Einen Monat später beteiligten sich Michael Thalham­ mer, Anton Reigl und Rupert Graf jun. an einem Preis­ platteln in Wolfratshausen und errangen einen Ehren­ preis in Gestalt eines großen Humpens. Für den jungen Verein war dies eine bedeutende Ehrung, die noch mehr Auftrieb gab und den Ehrgeiz anstachelte. Im Jahre 1920 beginnt auch die Tradition der Thannin­ ger Theatergruppe, die aus dem Trachtenverein her­ vorwuchs. Sie ist bis in die heutige Zeit herein eine der wichtigsten kulturellen, aber auch finanziellen Stützen des Vereins geblieben. Der Thanninger Trachtenver­ ein wäre ohne seine Theatergruppe nicht denkbar. Am 5. Dezember 1920 erfolgte die Aufnahme in den Loisachgau. Noch am selben Tag wurde der Vereins­ name »Die lustigen Wendlstoana« in »D'Wendlstoana« umgewandelt. Nun ging es ständig aufwärts. Immer größer wurde der Zustrom zur Trachtenbewegung. Mit dem Rückgang der Widerstände von außen wurde der Verein immer mehr zu einer festen Institution innerhalb der Ge­ meinde Thanning. Es soll aber nicht verschwiegen wer­ den, daß dem Verein in den zwanziger Jahren nun von innen her ständig Gefahren drohten. Aus sachlichen, aber auch aus persönlichen Gründen, kam es oft zu Spannungen, die die Existenz des Vereins mehrmals in Frage stellten. Einsichtigen Vereinsmitgliedern gelang es aber immer wieder, die Schwierigkeiten im Interesse des Vereins zu beseitigen. Beweis für häufige Querelen sind die ständig wechseln­ den Vorstände, Kassiere und Schriftführer. Für alles zuständig war hierbei Josef Kastenmüller, der Sagler, der fast alle Funktionen im Verein irgendwann einmal bekleidete, manchmal sogar drei auf einmal. Er war 1. Vorstand, 2. Vorstand, Schriftführer, Theaterregis­ seur, Inventarverwalter, Fähnrich und Pressewart. Er versteigerte Christbäume und leitete Wahlen, er war das Mädchen für alles, besonders auch dann, wenn es


darum ging, die Geselligkeit zu pflegen. Von seinem Wissen zehrte der Verein weit über 50 Jahre lang. Josef Kastenmüller lebte nur für seinen Trachtenverein. 1922 wechselte das Vereinslokal den Besitzer. Mit Georg Neuhauser, dem neuen Vereinswirt, erhielten die Trachtler einen Freund und Förderer, der sich wie später auch sein Sohn, dem Trachtenverein immer sehr verbunden fühlte. Am 13. Juli 1924 feierte der Trachtenverein Thanning das Fest der Fahnenweihe und sein 5jähriges Bestehen: 6 Uhr - Tagesrebell. Böllerschüsse verkünden den großen Tag. In Thanning schläft niemand mehr. Jung und alt ist auf den Beinen. Die Leiterer Musi schmet­ tert einen flotten Marsch. Der Standartenträger schwingt sein Panier in den strahlendblauen Sommer­ morgen. Aufgeregt wartet die Vorstandschaft auf die eingeladenen Vereine. Da! Die »Dürnstoana« aus Dei­ ning sind die ersten. Beim Poßelt stellen sie ihre Fahr­ räder ein. Jetzt kommt auch schon das versammelte Aufgebot der Thanninger, um die Gäste zu begrüßen und sie mit Marschmusik zum Vereinslokal zu geleiten.

Festzug beim 30jährigen Gründungsfest 1949

Nacheinander treffen alle »Geladenen« ein. Insgesamt sind es 17 Vereine. Das größte Aufsehen erregen die Otterfinger. Sie sind der Patenverein der Thanninger Trachtler. Auf drei Daxwagen rollen sie in die Ort­ schaft herein. Die girlandengeschmückten Wagen ge­ fallen den Schaulustigen besonders gut. Siebzig Tracht­ ler und Musikanten auf stolzem Gefährt. Gepflegte Bauernrösser liegen in den blankpolierten Geschirren. Mit Kennermiene betrachten am Straßenrand stehende Bauern die herausgeputzten Pferde. In der Zwischenzeit geht es im Wirtshaus hoch her. Be­ vor die Festlichkeiten beginnen, wollen alle Gäste ihre Maß Bier trinken und etliche Weißwürscht verzehren. So will es der Brauch. Das war ein Fest! Jahre hatte Thanning dergleichen nicht erlebt. Die Weihe der Fahne nahm Pfarrer Kam­ merer-Huber in der überfüllten Pfarrkirche vor. Höhe­ punkt des Ganzen aber war der Festzug. Strahlender Sonnenschein lag über Thanning, als sich die über 400 Teilnehmer des Festzuges in Bewegung setzten. Vier Kapellen sorgten für Stimmung.

Zeitungsnotiz aus diesen Tagen: »Thanning, Tr.Ver. »D'Wendlstoana«. Am Sonntag, dem 13. Juli 1924, feierte der Verein das hohe Fest der Fahnenweihe, verbunden mit 5jähriger Gründungs­ feier, Gruppen-Preisplatteln und Aufführung von alt­ historischen Tänzen, welches Dank des guten Wetters zahlreich besucht war. Allen erschienenen Vereinen, insbesondere dem lieben Patenverein »Teufelsgraber« Otterfing, welcher mit 3 Festwagen und eigener Musik­ kapelle erschien, ferner unserer allseits geachteten Fahnenmutter Frau Anna Fagner und unserer lieben Fahnenbraut Th. Reichl, sowie den Gründern des Ver­ eins und allen Festjungfrauen und Deandln des Ver­ eins, die uns sehr schöne Fahnenbänder widmeten, sei herzlich gedankt«. Bei dieser Fahnenweihe ereignete sich übrigens noch ein kurioser Zwischenfall. Die Otterfinger hatten ihre vielbewunderten Pferde in der Fremdenstallung des Gasthauses abgestellt. Als nun eine Musikkapelle nach der anderen mit lauten Schall an der Stallung vorbei­ zog, gerieten die Tiere in Panik, einige rissen sich los

Gaupreisplatteln 1962: 1. Thanning v.l.:E. Kastenmüller, P. Miller, A. Bernloch­ ner, S. Schmatz, E. Bernlochner, R. Gröbmaier, K. Miller, M. Kastenmüller 203


und schlugen wild um sich. Ein Fuchs erlitt dabei einen Beinbruch, er mußte auf der Stelle erschossen werden. Das Ergebnis der Notschlachtung war, daß einige fin­ dige Burschen Fleisch auskochten und es billig an viele Anwesende verkauften. Das Grohfleisch soll ausge­ zeichnet geschmeckt haben. Das lüjährige Bestehen des Trachtenvereins Thanning wurde in kleinem Rahmen gefeiert. Eingeladen waren nur der Patenverein Otterfing und die Nachbarvereine Wolfratshausen und Deining. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Tätigkeit der Vereine immer mehr eingeschränkt. Wie alle Vereine, hatte darunter auch unser Trachtenverein zu leiden. An ein 20jähriges Gründungsfest im Jahre 1939 war nicht zu denken. In der Zeit des 2. Weltkrie-

Bei der Feldmesse 1964 anläßlich des Gaufestes 204

ges erlosch das Vereinsleben fast ganz. Doch gab es auch in dieser Zeit Trachtler, die den Verein am Leben erhielten. Sie erwiesen in diesen harten Tagen jedem gefallenen Kameraden die letzte Ehre. Von 1937 bis 1945 gibt es keine Einträge ins Protokoll­ buch. Nach dem Krieg kurbelte Reichl Johann als Vorstand den Verein wieder an. 1949 übernahm Josef Kasten­ müller erneut das Amt des 1. Vorstandes, das er vor und während des 2. Weltkrieges lange Jahre ausgeübt hatte. Nach den Jahren der Enthaltung kam es endlich wieder zu einer Festlichkeit. 1949 feierte man mit sechs Nachbarvereinen das 30jährige Bestehen. Größer aufgezogen wurde das 40jährige Gründungsfest im Jahre 1959. 1. Vorstand war in jenen Tagen Martin Kastenmüller jun.. 30 Vereine und mehrere Musikka­ pellen gaben den Festlichkeiten einen würdigen Rah­ men. Einen Höhepunkt in unserer Vereinsgeschichte bildet das 37. Loisachgaufest am 12. Juli 1964 in Thanning. Dem Fest ging ein großer Heimatabend voraus, dem als Ehrengäste Landtagspräsident Dr. Rudolf Hanauer, Staatssekretär Wehgartner und als Schirmherr Lorenz Schwab, Bürgermeister von Thanning, beiwohnten. Am Sonntag, dem 12.7.1964, beteiligten sich rund 1000 Trachtler mit acht Musikkapellen am Festzug. Vor­ stand war in dieser Zeit Josef Floßmann. 1967 ging die Ära »Floßmann« als Vorstand zu Ende. 7 Jahre hatte er den Verein umsichtig und mit seiner gan­ zen Kraft geleitet. Mit seiner Erfahrung als Gauvor­ plattler brachte er unsere aktiven Plattler groß heraus und studierte ihnen historische Tänze und Plattler ein, die die Thanninger bisher nicht kannten. In diese Zeit fallen auch die großen Erfolge der Thanninger bei den Gauwertungsplatteln, wo mehrmals 1. Preise in hartem Kampf mit den »Inntalern«, den »Wolfratshausern« und den »Edelweiß« Tölzern errungen wurden. Im Frühjahr 1967 berichtete er, daß er eine Jugendgruppe gebildet habe und ihr mit Hilfe vom Kauper Sepp das Platteln lerne. Hierbei hat er sich ganz große Verdien­ ste erworben. Alle derzeit aktiven Plattler haben viel

von ihm gelernt. Sie wissen, was sie ihm zu verdanken haben. 1967 beginnen die Jahre, die unter der Vorstandschaft von Martin Kastenmüller, dem Schnablschuster-Martl, stehen. Er, ein begnadeter Komiker der Theater­ gruppe, zünftiges Haus und vorbildlicher Trachtler, hat in den Jahren bis 1972 das Vereinsleben bereichert. Der Mitgliederstand erhöhte sich, das Vereinsleben war lebendig. In seine Zeit fiel das 50jährige Gründungsfest des Ver­ eins 1969, das ein »besonderer« Höhepunkt werden sollte. Bis es dazu kam, gab es einen Berg von Schwie­ rigkeiten zu überwinden. Alle Vorbereitungen liefen ordnungsgemäß ab, nichts wurde dem Zufall überlas­ sen. Mit dem Festwirt Lößl war ein Vertrag für den 16.

Festzug 1964 beim Gaufest


und 17. August 1969 abgeschlossen. Zu aller Entsetzen stellte sich wenige Wochen vor dem Fest heraus, daß dieser Wirt zu diesem Zeitpunkt an einem anderen Ort ein Fest hatte und Thanning eine Woche früher durch­ zuführen gedachte. Die Vorstandschaft bekam einen Eindruck, was Verträge bedeuten können. In diesem Fall nichts. In dieser entsetzlichen Zwangslage wurde dann doch ein anderer Festwirt aufgetrieben. Den ge­ plagten Organisatoren stand das Wasser bis zum Hals. Sie ahnten bis zu diesem Zeitpunkt nicht, daß sie vom Regen in die Traufe kamen. In der Zwischenzeit übten die Aktiven für den Heimatabend und der Schriftführer Nagler hatte eine umfangreiche Festschrift fertigge­ stellt. In den Tagen vor dem Fest stellte sich heraus, daß man zwar einen Festwirt hatte, aber wiederum ei­ nen Fehlgriff getan hatte. Nicht nur, daß dieser Wirt die Thanninger zum Zeltaufbauen und diversen anderen Arbeiten heranzog, daß kein Toilettenwagen bereit­ stand, ja, er bekam von der Brauerei nicht einmal Bier geliefert. Die Vorstandschaft überredete eine Brauerei in Holzkirchen zur Bierlieferung und verbürgte sich praktisch. Sie sah sich genötigt, eine halbe Stunde vor

Trachtenjahrtag 1977

dem Heimatabend aus der ganzen Umgebung tatkräf­ tige Weiberleut zu organisieren, da der Wirt keine Be­ dienungen besaß. Außerdem war das Zelt so desolat, daß es kurz vor und während des Heimatabends an manchen Stellen des Festzeltes wegen der heftigen Re­ genfälle recht feucht einging. Die meisten Besucher ahnten nicht, was sich hinter den Kulissen abspielte, welchen Ärger Vorstand Martin Kastenmüller und seine Mannen hinunterspülen mußten. Zu allem Über­ fluß versank das Fest dann im Regen. Als am Festsonn­ tag der Regen für eine knappe Stunde aufhörte, konnte aber dann der Festzug für über 1000 Trachtler doch durchgeführt werden und als der Kassier Paul Rieger abrechnete, blieb sogar noch etwas übrig. Ab 1972 führte dann Georg fagner, der »Rucker Schorsch«, den Verein. Er wurde nach Kastenmüller Josef, dem »Sagler«, Floßmann Sepp und Kastenmül­ ler Martin, dem »Schnablschuster-Martl«, zu einer markanten Figur des Trachtenvereins Thanning. Er, bescheiden wie er war, stellte sein Licht immer unter den Scheffel und leistete doch soviel wertvolle Arbeit. Ruhig, freundlich, ausgeglichen, hilfsbereit und aufge-

Vorstand Georg Fagner 1983

Fahnenweihe 1979 205


hend für seinen Verein, scharte er immer mehr Mitglie­ der um sich. Auf weit über 300 Mitglieder (aktive Mit­ glieder) wuchs der Verein an. Sie alle vertrauten ihrem Vorstand. Die Teilnehmerzahlen an den Festen und Vereinsveranstaltungen erreichten Rekorde. Der Ruk­ ker Schorsch war stolz auf seinen Verein, besonders als das 50. Loisachgaufest seinen geliebten »Wendlstoa­ nern« übertragen wurde. »Alle Vorbereitungen waren getroffen, jeder hatte das Möglichste getan. Es wurde geplant, besprochen, Sit­ zungen einberufen, geredet und gehandelt, oft bis tief in die Nacht hinein«. Es wurde rundherum ein schönes Fest. Ein Reporter schrieb vom »Trachtlerdorf« Than­ ning, das 44 Vereine, 18 Musikkapellen und über 3000 Festzugsteilnehmer empfing. Tausende säumten die Dorfstraße, um den Festzug zu bewundern. Es herrschte das sprichwörtliche Trachtlerwetter an jenem 7. August 1977. Als letztes Gründungsmitglied erlebte Paul Liebhart das 60. Gründungsfest am 25. und 26. August 1979. Mit etwas Enttäuschung denkt man an dieses Fest zurück.

Theatergruppe im März 1984 beim Prämienkind 206

Das Protokoll berichtet »Wer sich an den Morgen des Gaufestes 1977 mit seinem strahlenden Sonnenschein und den vielen ausgelassenen und fröhlichen Festteil­ nehmern erinnert, dem kommt das kalte Grausen, wenn er an den Morgen des 26. August 1979 denkt«. Wegen der Witterungsunbilden wurde die Feldmesse in die Kirche verlegt, der Festzug wurde abgeblasen, das Fest fand im Bierzelt statt. »Es hängt net allweil auf oa Seitn«, meinte der »Rucker Schorsch«, als ihm der Kas­ sier Paul Rieger mitteilte, daß dieses Fest doch noch einige tausend Mark Gewinn brachte. Und das Ver­ einsleben litt auch nicht darunter, im Gegenteil, es ging weiter aufwärts. Auch die Volksmusik wurde im Verein gepflegt. Musi­ kanten und Sänger taten sich zusammen, umrahmten Vereinsveranstaltungen oder zeigten ihr Können beim Musizieren und Singen des Loisachgaus. Selbstver­ ständlich beteiligte sich der Verein auch an den Festen anderer Ortsvereine und nahm an Veranstaltungen der Gemeinde teil. Mit Sepp Floßmann, Paul Rieger und Alfons Aichler arbeiten noch heute bewährte Trachtler

im Ausschuß des Loisachgaues mit. Vorstand Schorsch Fagner war stellvertretender Vorsitzender der Trach­ tenvereine des Landkreises. Wertungsplatteln im Ver­ ein sorgten für Anreize zum Platteln und Drahn und Vereinsabende, Trachtenball und Kehraus belebten die Geselligkeit aller Mitglieder. Nicht selten kam es vor, daß sich an Festzügen von Gauvereinen oder be­ freundeten Vereinen über 200 Mitglieder beteiligten. Rekord war bisher das Gaufest 1985 in Neufahrn, wo sich 249 unserer Mitglieder in sauberer Tracht zeigten. Zu einem großen Erlebnis wurde 1983 die Teilnahme am großen Trachtenaufmarsch anläßlich der Jahrhun­ dertfeier der bayerischen Trachtenvereine, zu der mit der Blaskapelle Thanning 90 Mitglieder nach München fuhren. Eine große Ehre war es für unsere Aktiven, den Loisachgau mit dem »Haushamer« am Gauheimat­ abend der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände am 18. Juni 1983 in Miesbach zu vertreten. Wie gesagt, in den Jahren der Vorstandschaft des »Rucker Schorsch« erlebten die »Wendlstoana« Höhe­ punkte ihrer Geschichte. Das Vereinsleben zeichnete

Festzug 1986 beim Gaufest in Antdorf


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sich dadurch aus, daß alle Teile des Vereins harmonier­ ten. Dies war nur möglich, weil die engere Vorstand­ schaft (Schorsch Fagner, Paul Rieger und Manfred Nagler), der Vorplattler (Hans Hagn und Alfons Aich­ ler) und der Jugendleiter (Sepp Floßmann) über Jahre hinweg im personellen Bereich unverändert blieben und im Interesse des Vereins ausgezeichnet zusammen­ arbeiteten. Am 17. April 1985 unterzog sich Vorstand Schorsch Fagner einer schweren Herzoperation. Sein Leidens­ weg begann. Und sein Verein litt mit. Hans Hagn, sein Vertreter, sprang in die Bresche und leitete über Mo­ nate hinweg mit großer Aufopferung die Trachtler­ schar. Nach der Genesung übernahm der Schorsch Ende Juli wieder die Vereinsführung und wurde bei der Generalversammlung im November des Jahres ein­ stimmig wieder zum 1. Vorstand gewählt. Sein 50. Ge­ burtstag wurde am 8. März 1986 noch festlich began­ gen, doch kurz darauf erkrankte er schwer an einer heimtückischen Krankheit. Sein Tod am 10. Juni 1986 bestürzte alle zutiefst. Der pflichtbewußte und erfah­ rene Trachtler, ehemaliger Schriftführer, Plattler, Theaterspieler, Kassier, 2. Vorstand und zuletzt 14 Jahre 1. Vorstand der »Wendlstoana«, war nicht mehr. Viele hundert Trachtler trauerten an seinem offenen Grab im Thanninger Friedhof. Seine menschliche Wärme, sein Geschick, einen Verein zu führen und seine Tatkraft werden allen, die nach ihm Verantwor­ tung im Verein tragen, Vorbild sein. Im November 1986 wählte die Generalversammlung Hans Hagn, der den »Rucker Schorsch« während des­ sen Krankheit und nach dessen Ableben vertreten hatte, zum 1. Vorstand der »Wendlstoana«. 1987, fast 70 Jahre nach der Gründung, zählt unser Ver­ ein 316 Mitglieder. Sein Anliegen war und ist die Erhal­ tung einer bodenständigen Tracht, bayerischer Sitte und bayer. Brauchtums, so wie sie uns von unseren Vorfahren überliefert wurden. Möge der Verein in die­ sem Sinne auch in die Zukunft hinein zur Stelle sein und allzu modernen Strömungen der heutigen Zeit entge­ genwirken, damit Heimat Heimat bleibe und danach

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kommende Generationen sich unseres kulturellen Er­ bes erfreuen können.

Die Theatergruppe des Trachtenvereins Thanning

Lange bevor der Trachtenverein gegründet wurde, exi­ stierten in Thanning Laienspielgruppen. Sie kamen aus den Reihen der Veteranen, der Dienstboten und der Feuerwehr. Deren Tradition setzte die Theatergruppe des Trachtenvereins fort. Sie besteht nunmehr seit 1920 und ist bekannt weit über die Grenzen Thannings hin­ aus. Viele Jahre zuständig für Regie und Leitung waren Pfarrer Huber (25 Jahre), Michael Strobl, Kauper (28 Jahre) und Manfred Nagler (22 Jahre). Derzeit wird die Gruppe von Kathi Schilcher (Theaterleitung seit 1982) und Peter Kiessig (Regie seit 1987) betreut. Von 1920 bis 1975 fanden alle Aufführungen im alten Saal des Gasthofes Neuhauser statt, dann übersiedelte die Gruppe in den neuen Festsaal des Vereinswirtes. Besonders erwähnt seien an dieser Stelle die vielfälti­ gen Bemühungen des »Maler-Martl«, der über Jahr­ zehnte hinweg die Kulissen der Bühne malte. Die größten Erfolgsstücke der Theatergruppe waren: »Jennerweins Ende«, »Der Amerika-Seppl«, Thomas auf der Himmelsleiter« und »No amoi a Lausbua sei«. Vorstände der » Wendlstoana«: Reigl A. Liebhart P. Lederwascher Johann Kastenmüller Josef Recht Josef Kastenmüller Reichl Johann Kastenmüller Josef Kastenmüller Martin Floßmann Josef Kastenmüller Martin Fagner Georg Hagn Hans

1920- 1921 1921 1921- 1923 1923- 1924 1924- 1927 1927- 1936 1946- 1949 1949- 1957 1957- 1960 1960- 1967 1967- 1972 1972- 1986 1986-

Ortsgeschichte von Thanning Zwischen zwei Endmoränenzügen gelegen, umgeben von Wäldern, Mooren und Gewässern, finden wir Thanning auf halbem Wege zwischen der Großstadt München und den Vorbergen der Alpen. Seinem Ge­ sicht und seiner Struktur nach ist es ein Bauerndorf ge­ blieben. Dies macht es für viele Besucher besonders an­ ziehend und liebenswert. Hier halten sich Modeme und abgewogene Tradition die Waage, wie wir es nur noch in wenigen Dörfern finden. Behäbige Gehöfte säumen die Dorfstraßen. Von den Altanen leuchten Geranienblüten, und an Festtagen flattert am Maibaum eine weißblaue Fahne im Wind. Mittelpunkt des Dorfes ist die Pfarrkirche St. Peter und Paul, die mit ihrem efeuumrankten Turm zum Wahr­ zeichen Thannings wurde. Im Innern der Kirche ent­ deckt der Kunstverständige eine sehenswerte Rokoko­ kanzel und ein Taufbecken mit guten Figuren. Beson­ ders interessant sind die vielen Platztaferl in den Bank­ reihen, auf denen die Hausnamen von Thanninger Bauern und derer vieler umliegender Orte, Weiler und Einöden verewigt sind. Auffallend ist die Schwere und Würde des Kirchenschiffes. Gemildert wird sie durch eine Ausstattung in gediegenem Bauernbarock. Schon lange bevor Thanning im achten Jahrhundert ur­ kundlich erstmals erwähnt wurde, müssen im Raum Thanning Menschen gesiedelt und gearbeitet haben. Der Fund einer Feuersteinspitze, sowie Funde von Plattengräbern in Aufhofen, von Kupferringen und rö­ mischen Münzen und Meilensteinen führen uns weit zurück in verflossene Jahrtausende. Den unteren Teil des Thanninger Kirchturmes halten viele für Reste eines ehemaligen römischen Befesti­ gungsturmes. Dies ist wahrscheinlich, da in der Nähe Thannings die von Salzburg kommende Römerstraße vorbeiführte. Außerdem weisen· oben angeführte Funde aus der Zeit der römischen Besetzung unserer Heimat auf ein reges Treiben in unserem Gebiet hin. Im 6. Jahrhundert nach Christus wanderten die Baju­ waren von Böhmen her in das dünnbesiedelte Land


zwischen Alpen und Donau ein. Wer die Landkarte Altbayerns studiert, wird die Landnahme durch die Ba­ juwaren an Hand der »ing-Orte« leicht verfolgen kön­ nen. Dahininga, später Thahaninga, Daningan, Da­ ninga, Daeningen, Daningen, Danning, Täning und endlich Thanning genannt, führt seinen Namen zurück auf die Nachkommen des Thagano oder Dago, dessen Sippe sich wohl in der Nähe der römischen Befestigung niederließ. Aus dieser Zeit der frühesten Landnahme durch die Bajuwaren stammt auch das Steinkastengrab, das mit Skelett und Grabbeigaben eines Bajuwaren in Öhnböck gefunden wurde. Schon im 3. und 4. Jahrhundert brachten die Römer das Christentum in unsere Heimat. Um 440 soll der HI. Valentin Regionalbischof gewesen sein. Die danach einwandernden Bajuwaren zeigten sich halsstarrig an ihren überkommenen Bräuchen festhaltend und dem Christentum nur schwer zugänglich. Im Jahre 799 ist in Thanning eine Kirche beurkundet. »Thanning, ad thahaningas, wird mit noch drei Pfarreien ad mosahen, ad munirihingas, ad sulagaloch von dem Abt Amdha­ rius von Isen im Jahre 799 dem Bischof Otto von Frei­ sing zurückgegeben«. Thanning war in dieser Zeit schon Pfarrei (ecclesia parochiales) und Chorbistum, zu dem auch Wolfratshausen gehörte. Mit Sicherheit läßt sich sagen, daß die Erhebung zur Pfarrei einige Jahrzehnte vorher gewesen sein muß. In der folgenden Zeit war Thanning auch Grafensitz. 1075 wird Otto von Daning urkundlich genannt, 1160 Meinhard von Da­ ningen und 1305 Friedrich von Daeningen. Genannter Otto von Daningan ist außerdem erwähnenswert, weil seine Gemahlin »Justitia Adelheitis«, Herzogin von Thanning, Andechs und Wolfratshausen, im Rufe der Heiligkeit starb. Sie wurde in der damaligen Pfarrkir­ che begraben. Ihre Enkelin Agnes trat in ein Nonnen­ kloster ein und wurde später Äbtissin des Klosters Neu­ burg a.d.Donau. Eine aus dem Jahre 1779 stammende Tafel, die heute im Presbyterium der Thanninger Pfarr­ kirche angebracht ist, erinnert an das Wirken Gräfin Justitias.

Die Lage der Thanninger Burg ist nicht mehr nach­ zuweisen. Mit der Übersiedlung der Grafen nach Wolf­ ratshausen wurde Thanning Teil des Amtes, bzw. Landgerichts Wolfratshausen, blieb aber Pfarrei. (Wolfratshausen gehörte bis weit ins 18. Jahrhundert hinein offiziell zur Pfarrei Thanning). Später wurde 1:hanning herzogliches Lehen mit eigenem Dorfge­ richt. Die Hausnamen »Beim Amtmann« (Amt­ mannstr. 2) und »Beim Ungelter« (Hauptstr. 24) mit ih­ ren teilweise guterhaltenen Baulichkeiten aus dieser Zeit weisen auf dieses Dorfgericht hin.

Die bayerischen Herzöge verteilten im Mittelalter Le­ hen an verdiente Ritter. In Thanning sind dies die Sey­ boldsdorffer und die Walldecker. Urkunde aus dem Jahre 1450: »...und vier höf zu Täning und zwen höf zu Steinga und ein hub zu Schalkofen alle in wolfertshauser gericht ge­ legen...alle unserm lieben getreuen Jörg von Walldeck zu Walldenburg zu rechten lehen verliehen haben...« Die einstige Bedeutung Thannings sank in dem Maße, in dem die Bevölkerung des Ortes Wolfratshausen an­ stieg. Die Pfarrherren von Thanning hatten ihren Wohnsitz nun häufig in Wolfratshausen, nannten sich aber mit einigen Ausnahmen Pfarrer von Thanning. 1585 schreibt Pfarrer Balthasar Adler: »Erstlich so vill denn Namen und Gebiet meiner pfarr belangt, so heist sich die pfarr Thäning und gehört zue der pfarr Wolffertshausenn, und der Locator ist ein je­ der pfarrer des Alten Haffs zue Minchenn, wellichem ich all Jar 52 gld zue gilt geben mueß... So vill die Com­ municantes betrifft hab ich in meiner pfarr nur drey hundert und 20 personen«. 1494 stiftete Johannes Mair, Vikar zu Thanning, am St. Sebastiansaltar eine ewige Messe. Dieses Benifizium wurde am 28. März 1792 mit dem Pfarrvikariate uniert. Folgende Vereinbarung wurde getroffen: Abwechs­ lungsweise besetzen Landesherr und die Pfarrer von Wolfratshausen die Pfarrei. 1837 ging das Besetzungs­ recht auf den kirchlichen Oberhirten über. Damit wurde Thanning wieder eine selbständige Pfarrei. Welches Aussehen die erste Kirche Thannings hatte, wissen wir nicht. Bekannt ist aber, daß bis 1754 ein drei­ schiffiges Gotteshaus bestand. Am 4. August 1754, abends 7 Uhr, brach im Pfarrhof Feuer aus, das schnell auf die Pfarrkirche übergriff. Mag. Dionys Pierpichler: »...ist anno 1754, den 4. August das Gotteshaus sambt dem Pfarrhoff abgebrunnen und noch keines herge­ stellt, also daß schon drei jahr hindurch grobe weith ge­ würchte tücher die stell der fensterscheiben vertreten 209


mit unleidentlicher Kelt der dem Pfarrgottesdienst in schlechter Kleidung beywohnenden gemaindte«. 1757 wurde ein neues Gotteshaus fertiggestellt. Der da­ mals sehr bekannte Lorenz Sappel, Maurermeister aus München, hatte das Werk erstellt. 1751 hatte Sappel die bekannte Klosterkirche zu Andechs erbaut. Für den Bau in Thanning erhielt er rund 2000 Gulden. Es stellte sich nachträglich heraus, daß der Dachstuhl, den ein Weidacher Zimmermeister gefertigt hatte, zu groß und das Gewölbe zu schwer war. Die Mauern, die auf schlechtem Untergrund standen, wurden dadurch aus­ einandergedrückt. Um die Kirche vor dem Einsturz zu bewahren blieb nichts übrig, als das baufällige Ge­ bäude abzutragen. An gleicher Stelle errichtete dann der Wolfratshauser Baumeister Peter Reiser eine neue Kirche, die ihr Gesicht bis in die heutige Zeit herein nicht mehr veränderte. 1863 wurde das Innere der Kir­ che im Renaissancestil restauriert, 1969 von diesen Ma­ lereien befreit und 1987 erneut einer Restaurierung un­ terzogen. Aus der Geschichte Thannings ist noch eine Gestalt zu erwähnen, nämlich die des Johann Kittler aus Than­ ning, Weinwirt zu München, der sog. Puberwirt. Ne­ ben dem Weinwirt Johann Jäger und dem Bierbrauer Georg Hallmair gehörte er zu den treibenden Kräften im Aufstand der Oberlandler Bauern im Jahre 1705 (Sendlinger Mordweihnacht). Das Ergebnis ist be­ kannt. Die Österreicher metzelten die Bauern erbar­ mungslos nieder. Viele Führer, unter ihnen Johann Ge­ org Kittler, werden verhaftet und öffentlich auf dem Marienplatz zu München hingerichtet. Kittler, ein hochgewachsener, starker Mann, schreitet, wie ein Chronist berichtet, erhobenen Hauptes und ohne mit der Wimper zu zucken auf den Henker zu. Er wird ent­ hauptet und gevierteilt.

210

Im Jahre 1837, als Thanning wieder selbständige Pfar­ rei wurde, gehörten zu dieser die Filialen Aufhofen, Feldkirchen, Fraßhausen und Holzhausen und somit etwa 720 Bewohner. In einer Beschreibung des Pfarr­ dorfes aus dieser Zeit ist u.a. zu lesen: »Dasselbe besteht aus der Pfarrkirche und 35 Häusern, worunter sich 1 Pfarrhaus, 1 Schulhaus, 1 Wirtshaus und sonst kein anderes öffentliches Gebäude befindet. Die Häuser sind alle zweygädig, geräumig, einzeln lie­ gend mit langen oder soggenannten Legschindeln ein­ gedeckt und theils ganz hölzern, theils halb aus Stein er­ baut. An jedes stößt ein Garten. Im Dorf werden 19 Pferde-, 35 Vieh- und 35 Schafsställe gezählt. In der ge­ samten Pfarrey gibt es Pferde 247, 1 Ochsen, 460 Kühe, 88 Schweine, 530 Schafe, Geyßen O und Federvieh zu­ sammen 1032 Stück«. Im Ortsverzeichnis des Königreiches Bayern aus dem Jahre 1875 ist Thanning dann wie folgt ausgewiesen: »Thanning, Landgemeinde, Bezirksamt München, Landgericht Wolfratshausen, mit 379 Einwohnern (376 Kath. und 3 Prot.) in Thanning, Aufhofen, Entbeck, Bullreuth und Wörschhausen. 134 Gebäude, davon 76 Wohngebäude, 92 Pferde, 393 Stück Rindvieh, 1 Schaf, 13 Schweine und 4 Ziegen«. Hundert Jahre später, im Jahre 1973, gab Thanning seine Selbständigkeit im Zuge der Gebietsreform auf und schloß sich freiwillig mit Egling, Ergertshausen, Moosham und Neufahrn zur Gemeinde Egling zusam­ men. 1978 stießen zu dieser Gemeinde noch Deining und Endlhausen. Trotz der Eingemeindung blieb Thanning ein Ort mit einer intakten Dorfgemeinschaft, die weitgehend auch vom Trachtenverein »D'Wendlstoana« mitbestimmt wird. Durch Initiative, Mithilfe und Eigenleistung der Dorfbewohner wurden in den letzten Jahren z.B. der

Kindergarten, der Sportplatz, das Eisstadion, ein Dorf­ brunnen, das Feuerwehrgerätehaus und die Friedhofs­ mauer geschaffen. Das alte Schulhaus beherbergt das Gemeindearchiv mit tausenden von Akten und Bänden aller ehemaligen Gemeinden der jetzigen Gemeinde Egling. Im alten Lagerhaus ist die Obstpresse des Gartenbauvereins un­ tergebracht. Altes Brauchtum ist in Thanning immer noch lebendig. So u.a. das Palmtragen, am Ostermontag der Gang der Burschen um Schnaps und Eier, die Kirtahutschn, das Eierschieben, der Tanz um den Maibaum, die berüch­ tigte Freinacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag, die Antlaßzeche, Nikolaus und Klaubauf, Schnaps und Kletzenbrot am Stephanietag und das Dreikönigssin­ gen. Alle paar Jahre wird die Bettlhochzeit aufgeführt, ein Faschingsereignis besonderer Art. Zu einem großen Erfolg der Thanninger Dorfgemein­ schaft wurde die Teilnahme am Wettbewerb »Unser Dorf soll schöner werden« 1984. Das Dorf erreichte im Landkreis, im Regierungsbezirk Oberbayern und im Land Bayern bei über 1000 Mitbewerbern jeweils die höchste Bewertung. Auf Bundesebene erhielt Than­ ning eine Silbermedaille. Um die Dorfgemeinschaft bemühen sich besonders fol­ gende Vereine: Trachtenverein »D'Wendlstoana« Musikkapelle B urschenverein EC Thanning (Eishockey und Fußball) Freiwillige Feuerwehr Frauenbund Veteranenverein und Sängerrunde Verfasser: Manfred Nagler


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » Alpenrose« Königsdorf und Osterhofen Aus der Theatergruppe »Zünftige Gmoa Königsdorf« wurde auf Anregung von Peter Sappl am 15. März 1920 beim Neuwirt der GTEV »Alpenrose« Königsdorf und Osterhofen gegründet. Es waren 33 Gründungsmitglie­ der. Der Zweck des Vereins ist die Erhaltung der bo­ denständigen Tracht, sowie die Pflege des heimatlichen Brauchtums und der Volksmusik. Die Tracht besteht aus dem Miesbacher Mieder mit grünem Hut und Ad­ lerflaum für die Mädchen, erst Anfang der dreißiger Jahre setzte sich bei den verheirateten Frauen der Schalk und der Schnurhut durch. Die Männer trugen anfangs die graue Miesbacher Joppe, diese wurde we­ nig später aus Zweckmäßigkeitsgründen durch die grüne Loisachtaler Joppe ersetzt. Die Huttracht ist nach wie vor der grüne Schaibling mit Adlerflaum. Von Anfang an war der Verein Mitglied beim Loisachgau. Die erste Vorstandschaft setzte sich folgendermaßen zusammen: l. Vorstand Xaver Egold; 2. Vorstand Georg Schillin­ ger; Schriftführer Anton Hainz; Kassier Josef Burger; Vorplattler Hans Sonner. Bereits 1920 nahm der neugegründete Trachtenverein an einer Fahnenweihe in Seeshaupt teil. Damals ließ sich der Verein vom Königsdorfer Hoicha-Maler, Ge­ org Demmel, eine Standarte malen. Der Preis dafür war zwei Tage Wiesheumähen eines Vereinsmitglieds. Am 8. Mai 1921 feierte der Verein das Gründungsfest. Festkapelle war die Trachtenkapelle Maxkron. Im dar­ auffolgenden Jahr am 3. Juli 1922 wurde die neuange­ schaffte Vereinsfahne geweiht. Die Fahne ist dem Kir­ chenpatron, dem hl. Laurentius, geweiht, Patenverein waren die »Isarwinkler« aus Bad Tölz. Die Gründung fiel in eine Zeit, in der alles Neue grund­ sätzlich einmal abgelehnt wurde. Nachdem die Tracht­ ler anfangs nicht ernst genommen wurden, haben die bestehenden Ortsvereine aufgrund der immer mehr werdenden Aktivitäten des neuen Vereins, die Tracht-

ler mit Mißtrauen betrachtet, man könnte fast sagen bekämpft. So mußte beispielsweise der erste Kassier auf Drängen seines Vaters, der lange Zeit Veteranen­ vorstand war, bald wieder aus dem Verein ausscheiden. Beim Neuwirt hatten die wichtigsten Bürger des Ortes ihren Stammtisch, sie setzten den Wirt so unter Druck, daß er den Trachtlern das Lokal verbot, der Trachten­ verein wurde dann beim Postwirt bereitwillig aufge­ nommen. Auch das Verhältnis zum Burschenverein, der von der örtlichen Geistlichkeit unterstützt wurde, war nicht das Beste. So kam es, daß bei öffentlichen Tanzveranstaltungen wenn der Burschenverein einen »Frasä« aufführte, der Trachtenverein aus Protest gleich einen Plattler anschaffte. Von einer großen An­ zahl der Dorfbewohner wurde der Trachtenverein noch in den späten dreißiger Jahren als bloßer »Lustbarkeits­ verein« bezeichnet. Mit ein Grund für die Ablehnung war, daß die Mitglieder des Trachtenvereins überwie­ gend junge Leute waren, denen nicht die Freiheit zuge­ billigt wurde, etwas ohne Einverständnis der älteren Generation zu unternehmen. Seit der Gründung beteiligten sich die Königsdorfer Trachtler an einer Vielzahl von Veranstaltungen bei auswärtigen Vereinen. Zu weitergelegenen Ortschaf­ ten fuhr man mit dem Lastwagen eines ortsansässigen Unternehmers, oft war man auch zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. In der noch jungen Vereinsgeschichte war der Höhepunkt 1932 die Ausrichtung des 12. Loi­ sachgaufestes in Königsdorf. Besonders erwähnens­ wert ist die Beteiligung an den großen Trachtenaufmär­ schen 1930 in Rosenheim und 1933 in München. Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 und durch die Kriegsjahre von 1939 bis 1945 war der Verein gezwungen, seine Aktivitäten einzu­ schränken. Wie so viele andere kehrten auch 10 Ver­ einskameraden nicht mehr in die Heimat zurück. Na­ mentlich waren dies Franz Gebhart, Johann Grasber-

ger, Xaver Ärzbeck, Georg Floßmann, Johann Hohen­ adl, Franz Mayer, Sebastian Poschenrieder, Andreas Felix, Paul Hainz, Georg Naderer. Nach Kriegsende 1945 wurden von den amerikanischen Besatzungsmächten, die von Mai bis September unter anderem auch im Vereinslokal »Zur Post« einquartiert waren, die gemalte Standarte und das Protokollbuch beschlagnahmt. Dadurch ist das Vereinsgeschehen von der Gründung bis zu diesem Zeitpunkt nur mündlich überliefert. Im November 1945 versammelten sich die Mitglieder mit dem Vorhaben, das aktive Vereinsleben wieder aufzunehmen. Durch das Ausscheiden einiger Ausschußmitglieder wurde die Vorstandschaft ergänzt, urid eine größere Anzahl von Neuaufnahmen war zu verzeichnen. Von diesem Zeitpunkt an fanden regel­ mäßig Plattlerproben statt. Eine der ersten Eintragun­ gen ins neue Protokollbuch berichtet von einem ge­ schlossenen Ball am 24. Februar 1946 bei dem 173,61 Mark für die notleidende Bevölkerung der Nachkriegs­ zeit gesammelt wurden. Bei der Vorplattlerprobe am Pfingstmontag 1946 in Königsdorf bat der Gauausschuß den Verein, das 19. Loisachgaufest auszurichten. Wegen der schwierigen Wirtschaftsverhältnisse nach dem Krieg hatte sich kein Verein bereiterklärt, die Abhaltung des Gaufestes zu übernehmen. Unter großen Schwierigkeiten wurde das erste Gaufest nach Kriegsende durchgeführt. Von den Vereinsmitgliedern wurden Lebensmittelmarken ein­ gesammelt, um die Verpflegung der anwesenden Gast­ vereine zu ermöglichen. So fand am 4. August 1946 in Königsdorf das 19. Loisachgaufest trotz dieser widrigen Umstände statt. Bei der Generalversammlung im Oktober 1946 wurde die Vorstandschaft neu gewählt. Die Vereinsbeiträge wurden mit zwei Mark für männliche und einer Mark für weibliche Mitglieder festgelegt. Eine der ersten Tä­ tigkeiten der neuen Vorstandschaft war die Beschaf­ fung von 150 Vereinszeichen, dafür mußte unter den Mitgliedern das nötige Silber gesammelt werden, was mit einigen Schwierigkeiten verbunden war. In der dar­ auffolgenden Zeit wurde mehrmals versucht, den Ver211


1

Fahnenweihe am 3. Juli 1922 zwei Jahre nach der Gründung des Vereins

Fahrt zum Trachtenfest nach Lenggries mit dem Lastwagen am 25. Juli 1924

Festzug anläßlich der Fahnenweihe am 3. Juli 1922

Trachtenaufmarsch in München 1933

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ein aufzulösen, dies scheiterte jedoch an der guten Zu­ sammenarbeit der älteren Kameraden. Trotz zeitweili­ ger Unstimmigkeiten war die Beteiligung an den Gau­ veranstaltungen und einer Vielzahl von Gründungsfe­ sten und Fahnenweihen überwiegend stark. Auch zu dieser Zeit fuhr man noch mit dem Lastwagen zu den Trachtenfesten. Noch in den fünfziger Jahren fand die Trachtenbewe­ gung bei der örtlichen Geistlichkeit keine Unterstüt­ zung. So weigerte sich der damalige Pfarrer 1950 den Festgottesdienst im Rahmen des 30jährigen Grün­ dungsfestes abzuhalten, weil er das »Tarn Tarn«, wie er sich ausdrückte, nicht mochte. Erst als sich der Vor­ stand an das Ordinariat wandte, zelebrierte der Orts­ pfarrer den Gottesdienst. Außerdem wurde die kurze Lederhose bei kirchlichen Anlässen als unsittlich ange­ sehen, dadurch entwickelte sich der grüne Trachtenan­ zug, der auch heute noch als Festtracht getragen wird. Als jüngster Vorstand der Trachtenvereine des Loi­ sachgaus, wurde 1953 der damalige Vorstand Franz

Sappl zum Gauvorstand gewählt. Für Königsdorf war dies eine Bestätigung der bisher geleisteten Arbeit des Trachtenvereins. Im Zuge der Renovierung der alten Fahne fand am Pfingstmontag 1955 die Fahnenweihe im kleinen Rah­ men statt, zu diesem Anlaß übernahm der Trachtenver­ ein »D'Wendlstoana« Thanning die Patenschaft. Durch das stets geschlossene und saubere Auftreten des Königsdorfer Trachtenvereins gelang es, in den Jahren 1954 und 1955 beim Gaufest den Wanderpokal für die Trachtenschau zu erringen. Im darauffolgenden Jahr 1956 wurde alles daran gesetzt, den Pokal endgül­ tig nach Königsdorf zu holen. Beim Gaufest in Aufkir­ chen wurde dann dem Verein mit 86 Personen der Meistpreis und für den historischen Tanz der 1. Preis zugesprochen. Nur bei der Trachtenschau wurde auf­ grund einer fehlerhaften Beurteilung der Wanderpokal aberkannt. Aufgrund dieses Vorfalles folgten heftige Auseinandersetzungen im Gau, die dazu führten, daß seitdem keine Trachtenschau mehr abgehalten wird. In

Ehrung der Gründungsmitglieder 1960, v. 1. Georg Schillinger, Lorenz Demmel, Maria Egold, Xaver Egold, Anna Hipp, Josef Landinger, Maria Bauer, Andreas Hipp, Sebastian Bauer.

der ersten Aufregung wollte der Verein sogar aus dem Loisachgau austreten, wenn nicht der Gauvorstand Franz Sappl aus Königsdorf gewesen wäre. Im Rahmen des 40jährigen Gründungsfestes 1960 rich­ tete der Verein das 33. Loisachgaufest aus, zu diesem Anlaß wurde in Königsdorf zum ersten Mal ein Bierzelt aufgestellt. Von den 33 Gründungsmitgliedern konn­ ten noch zwölf für 40jährige Mitgliedschaft geehrt wer­ den. Nach wie vor wurde in den fünfziger und sechziger Jah­ ren das Laienspiel gepflegt, die Theateraufführungen fanden großes Interesse bei der Bevölkerung und tru­ gen einen großen Teil zur Finanzierung der Vereinsak­ tivitäten bei, ebenso wie der Almkirta auf dem Almge­ lände in Wiesen. Zur Durchführung des Almkirtas mußten in tagelanger Arbeit Pfosten gespitzt und Bret­ ter aufgenagelt werden, um Tische und Bänke zu schaf­ fen. Die problemlose Zusammenarbeit innerhalb des Ver­ eins und in der Dorfgemeinschaft hatten eine große

Festzug beim Gaufest 1960 in Königsdorf, vordere Reihe v. 1. Franz Sappl, Franz Eckerl, Pauli Hart. 213


Erstes Loisachgaufest nach dem Krieg am 4. August 1946 in Kรถnigsdorf

Nach dem Ehrtanz beim Gaufest in Antdorf 1949

Letzte Trachtenschau beim Gaufest 1956 in Aufkirchen

Almfest in Wiesen

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Anzahl von Neuaufnahmen zur Folge. Besonders viele junge Leute traten dem Verein bei, denn der Trachten­ verein war ein wichtiger Bestandteil im Vereinsleben von Königsdorf geworden. Das 48. Loisachgaufest fand 1975 in Königsdorf statt. Die zahlreiche Beteiligung sämtlicher Gauvereine war die Belohnung für das stets geschlossene Auftreten des gastgebenden Vereins bei den vorangegangenen Gau­ festen. Die drei Meistpreise gingen an Thanning, Neu­ fahrn und Antdorf. Drei Jahre später im August 1978 beging die Gemeinde Königsdorf ihre 1200-Jahrfeier. Im Rahmen der Fest­ woche wirkten die Plattlergruppe des Vereins und erst­ mals auch die neugegründete Jugendgruppe beim Hei­ matabend mit. Am historischen Festzug beteiligten sich über 200 Vereinsmitglieder in vollständiger Tracht. Als Festwagen wurde ein »Kuchlwagen« dargestellt. Das 60jährige Gründungsfest wurde 1980 im kleinen Rahmen gefeiert. Neben allen Ortsvereinen nahm auch der Patenverein »D'Wendlstoana« Thanning teil.

Festgottesdienst beim Gaufest 1975

Einer der Höhepunkte der letzten Jahre war zweifels­ ohne das Jahrhundertfest der Vereinigten Trachtenver­ bände zum 100-jährigen Bestehen der Trachtenver­ eine. Mit 81 Personen und 50 Mann Trommlerzug und Musikkapelle beteiligten sich die Königsdorfer Tracht­ ler und waren damit stärkster Verein des Loisachgaues. Der feierliche Festgottesdienst auf dem Marienplatz in München und der große Trachtenaufmarsch werden si­ cher unvergessen bleiben. Heute zählt der Verein 325 Mitglieder, die Vorstand­ schaft besteht aus 19 Ausschußmitgliedern. Neuwahlen finden alle drei Jahre statt. Als Vorstände waren bisher tätig: Xaver Egold, Georg Schillinger, Hans Sonner, Seba­ stian Bauer zwischen 1920 und 1931; Peter Knestl von 1931 -1936; Clemens Egold 1936 -1949; Franz Sappl 1949 -1952; Georg Bauer 1952 -1967; Andreas Eiler 1967 -1986; Hans Huber seit 1986. Die zahlreiche Beteiligung bei Trachtenfesten zeichnet auch heute noch den Verein aus. Erstmals 1981 erhielt der Verein nach 25 Jahren wie damals 1956 beim

Trachtenverein »König-Ludwig-Schloß-Berg« den 1. Meistpreis, ebenso wie beim Gaufest 1984 in Tutzing. Beim 60. Loisachgaufest 1987 in Bad Tölz erhielt der Verein »Alpenrose« Königsdorf mit über 200 Festteil­ nehmern ebenfalls den 1. Meistpreis. Das Mitwirken bei kirchlichen Anlässen wie bei Fron­ leichnams- und Kirtaprozessionen ist eine Selbstver­ ständlichkeit. Bei Beerdigungen von verstorbenen Vereinsmitgliedern ist es eine Ehrenpflicht, sie mit der Vereinsfahne auf ihrem letzten Weg zu geleiten. Trotz dieser vielen Termine_ über das ganze Jahr ist der Ver­ ein bestrebt, sich an den Gauveransfaltungen wie Gau­ fest, Volksmusiksingen oder Preisplatteln zu beteili­ gen. Auch das Vereinsleben im kleinen Rahmen kommt dabei nicht zu kurz. Die Vereinsfahne ist immer noch dieselbe, die 1922 ge­ weiht wurde. Sie befindet sich in hervorragendem Zu­ stand und ist seit nunmehr fast 70 Jahren das Symbol des Trachtenvereins »Alpenrose Königsdorf-Osterho­ fen« und verbindet die Trachtler mit dem Spruch «Treu dem guten alten Brauch«.

Theateraufführung »Stille Nacht« v. 1. Schorsch Bauer, Franz Sappl, Clement Egold, Maria Holzer. 215


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Ortsgeschichte von Königsdorf Königsdorf, einer der ältesten Orte des bayerischen Oberlandes, verdankt seine frühe Besiedelung seiner Lage auf einem hochgelegenen Moränenzug zwischen dem größten oberbayerischen Hochmoor, dem Königs­ dorfer Filz im Westen und dem Rottachmoor im Osten. Diese beiden Moore gehen zurück auf ein ursprünglich von Kachel bis Wolfratshausen reichendes Seen- und Sumpfgebiet, das sich durch das Zurückweichen eines Teilstroms des Isargletschers aus der Würmeiszeit ge­ bildet hatte. Die Abflüsse dieses Gletscherbeckens, heute Isar und Loisach, erzwangen schließlich vereint unterhalb von Wolfratshausen den Durchbruch nach Norden und verursachten dadurch die Verlandung des »Wolfratshauser Sees«. Ausschlaggebend für die frühe Besiedelung Königs­ dorfs war das Vorhandensein mehrerer starker Quellen und ausgiebiger Tuffsteinvorkommen im Bereich des heutigen Ortsteils »Grube«. Da Tuffstein hier in meh-. reren Gruben abgebaut und in Königsdorf und Umge­ bung für die Errichtung von Gebäuden verwendet wurde, ist anzunehmen, daß die »Grube« die Keimzelle von Königsdorf bildete. Unterstützt wird diese An­ nahme durch die Lage der Kirche und des ehemaligen Schlosses am Ostrand des Ortsteils »Grube«. Zuverlässige Spuren für die Besiedelung aus keltischer oder römischer Zeit fehlen. Ein umfangreiches Gräber­ feld aus der Merowingerzeit, das vor wenigen Jahren in dem nur 20 Kilometer entfernten Sindelsdorf gefunden wurde und zweifellos in einem Zusammenhang mit der bajuwarisch-alemannischen Herrschaftsbildung in un­ serem Raum steht, läßt den Schluß zu, daß Königsdorf um die Mitte des 6. Jahrhunderts besiedelt wurde. Viele Anzeichen deuten darauf hin, daß im frühen 8. Jahrhundert einer der Gründer des Klosters Benedikt­ beuern in Königsdorf über Grund- und Herrschafts­ rechte verfügte. Unter dem bayerischen Herzog Tassilo III. wird unser Ort 778 n. Chr. erstmals urkundlich als »Chrumiztorf in der Wendenau« erwähnt, als der Besitz in »Chumiz­ torf« dem Kloster Schäftlarn übereignet wurde.

Königsdorf, Ortsansicht von Norden Der Ortsname, heute noch mundartlich »Kimschdorf« ausgesprochen, deutet auf den germanischen Männer­ namen »Chumizo« hin, der als Ortsgründer oder Sippenältester angesehen werden kann. Der Ortsname hat sich also durch jahrhundertelange Sprachwandlung von »Chumiztorf« zu Königsdorf weiterentwickelt. Aus der Sippe des »Chumizo« mag sich auch der Orts­ adel, die »Edlen von Chumiztorf«, entwickelt haben, der 1083 mit »Egewolf de Chumiztorf« erstmals auftritt und bis in das 13. Jahrhundert die Geschicke Königs­ dorfs bestimmte. Nach dem Aussterben des Ortsadels fiel die Hofmark Königsdorf an das Geschlecht der Höhenkirchner, de­ ren Stammwappen in Form des Schräglinksbalkens im Königsdorfer Gemeindewappen Verwendung fand. Die Höhenkirchner verarmten in den Wirren des Drei­ ßigjährigen Krieges und verkauften 1641 die Hofmark

an das Kloster Benediktbeuern. Damit hatte das Klo­ ster einen jahrhundertelangen Streit mit dem Domka­ pitel Freising um die reiche Pfarrei für sich entschieden. Das auf dem Platz des jetzigen alten Schulhauses ste­ hende Schloß, ein Symbol Königsdorfer Eigenständig­ keit, wurde 1709 und 1714 im Auftrag des Klosters Be­ nediktbeuern völlig abgetragen. Das dadurch gewon­ nene Steinmaterial wurde für den Bau des Meierhofes des Klosters Benediktbeuern verwendet. Bis zur Säku­ larisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Klo­ ster der bedeutendste Grundherr in Königsdorf. Auf eine lange und beeindruckende Geschichte kann die Pfarrei Königsdorf zurückblicken. Da die Pfarrei als eine der wenigen in unserem Raum von den Verwü­ stungen der Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert ver­ schont blieb, trat sie in der Kirchenorganisation ver­ mutlich das Erbe anderer Pfarreien an und wurde so zur 217


Mutterpfarrei des gesamten Isarwinkels. Von etwa 1000 bis 1550 unterstanden der Pfarrei Königsdorf die Filialkirchen Tölz, Wackersberg, Ellbach, Kirchbichl, Rechenberg, Peretshofen, Ascholding, Geretsried, Fischbach, Huppenberg, Gaißach und Lenggries. Seit 1550 wohnten die Königsdorfer Pfarrer in Tölz und ließen sich in Königsdorf durch einen Vikar vertreten. Von dem ehemaligen großen Pfarrgebiet blieb der Pfarrei Königsdorf nur das Gebiet im engeren Umkreis von Königsdorf. Heute noch zeugen die Größe und reiche Ausstattung der Königsdorfer Kirche von der großen Bedeutung der Pfarrei in früheren Jahrhunderten. Im Kirchturm befinden sich zwei der wohl ältesten Glocken des baye­ rischen Oberlandes, die »Wetterglocke« von 1402 und die »Große Glocke« von 1652. Die durch unser Dorf führende Hauptstraße ist seit der Frühzeit des Christentums als Pilgerweg nach Rom be­ kannt. Im Jahre 1120 bereits als »königliche Straße« be­ zeichnet, erhielt sie durch ihren Ausbau über den Kes­ selberg Ende des 14. Jahrhunderts noch mehr Bedeu­ tung. Ab 1665 verkehrte die »Taxis'sche reitende Post«, ab 1760 die »Fahrende Personenpost«. Der heute noch be­ stehende »Gasthof zur Post« wurde zu einer wichtigen Station im Postverkehr zwischen München und Inns­ bruck. So kam am 7. September 1786 auch Johann Wolfgang von Goethe auf seiner Reise nach Italien durch Königsdorf. Wiederholt hatte Königsdorf unter Kriegseinwirkun­ gen zu leiden. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 -1648) mußten sich die Königsdorfer sowohl ge­ gen plündernde Schweden als auch gegen kaiserliche Truppen wehren, die dasselbe taten. Von der Pest des Jahres 1627 wurde Königsdorf selbst weitgehend verschont. Besonders heftig wütete dage­ gen diese Krankheit in der Umgebung von Buchen. Da die Pesttoten nicht auf dem Königsdorfer Friedhof be­ graben werden durften, legte man für etwa 300 Pestop­ fer auf der Anhöhe bei der jetzigen Filialkirche Ober­ buchen eine letzte Ruhestätte an. 218

Eine wichtige Rolle spielte Königsdorf bei dem vergeb­ lichen Versuch der Oberländer, München während des Spanischen Erbfolgekrieges von der kaiserlichen Be­ satzung zu befreien. Am 16. Dezember 1705 beschlos­ sen beim Königsdorfer Postwirt sieben Verschworene aus Tölz, Thanning, Fall und München die Befreiung der Hauptstadt. So kam es in der Weihnachtsnacht des Jahres 1705 zur »Sendlinger Mordweihnacht«, in der 28 Männer der Pfarrei Königsdorf ihr Leben ließen. Die Napoleonischen Kriege (1792-1815) erfaßten Kö­ nigsdorf nur am Rande. Im Jahr 1800 schlugen mit Bay-

Die Pfarrkirche in Königsdorf war früher einmal die Mutterkirche des Isarwinkels, zu ihr gehörten 11 Filia­ len von Ascholding bis Lenggries.

ern verbündete französische Soldaten bei Königsdorf ihr Lager auf und wandten bei der Requirierung von Vieh, Getreide und Geld wiederholt Gewalt an. Dem 1. Weltkrieg fielen 44 Königsdorfer Bürger zum Opfer, im 2. Weltkrieg mußten 111 Königsdorfer ihr Leben lassen. Mutigen Königsdorfern war es zu ver­ danken, daß Königsdorf am 1. Mai 1945 kampflos an eine aus Beuerberg vorstoßende Einheit der 7. US-Ar­ mee übergeben werden konnte. Die nun folgenden Maßnahmen der Entmilitarisierung und Entnazifizie­ rung belasteten die Bevölkerung stark, hielten sich aber in erträglichen Grenzen. Unerträglich dagegen waren die Plünderungen, Verwüstungen und Körper­ verletzungen, die von Hunderten von befreiten Fremd­ arbeitern aus den Munitionsfabriken der DSC und der DAG in Geretsried, in Königsdorf und Umgebung ver­ ursacht wurden. Königsdorf konnte erst aufatmen, als die Fremdarbeiter in ihre Heimatländer zurückkehr­ ten. Eine weitere schwerwiegende Belastung der Gemeinde und ihrer Bürger stellte in den Nachkriegsjahren die von der Besatzungsmacht angeordnete Unterbringung von rund 410 Heimatvertriebenen dar, die für die ge­ samte Bevölkerung erhebliche Einschränkungen im Wohnraum- und Nahrungsmittelangebot mit sich brachte. Die Entwicklung der ehemaligen· Gemeinde Osterho­ fen ist geschichtlich mit der Gemeinde Königsdorf identisch. Die Gemeinde Osterhofen war ca. 150 Jahre selbständig und hat die örtlichen Aufgaben und Pro­ bleme in eigener Verantwortung gelöst. Der Gemein­ derat Osterhofen hat 1964 die Eingliederung nach Kö­ nigsdorf beschlossen. Dieser Beschluß wurde zum 1. 1. 1966 wirksam. Im Zuge der allgemeinen Gebietsreform kam es zu zä­ hen Verhandlungen mit den zuständigen Behörden um den Erhalt der Gemeinde Königsdorf. Die erforderli­ chen Einrichtungen wie z.B. Grund- und Hauptschule, Sportplatz, Turnhalle, Kindergarten und Rathaus wa­ ren jedoch vorhanden, so daß die Bemühungen um den Erhalt der historischen Gemeinde schließlich Erfolg


hatten. Der Nordteil der ehemaligen Gemeinde Schön­ rain wurde nach Königsdorf eingegliedert. Heute hat die Gemeinde Königsdorf ca. 2300 Einwohner. Das Einzugsgebiet der Schule und der Pfarrei ist nahezu mit dem Gemeindegebiet übereinstimmend. Durch die im Jahr 1975 erfolgte Zusammenlegung der Landkreise Bad Tölz und Wolfratshausen rückte Kö­ nigsdorf zu seinem Vorteil in den verkehrstechnischen Mittelpunkt des neuen Landkreises. In den letzten Jahrzehnten sind, wie auch in vielen an­ deren Ortschaften Veränderungen eingetreten. Früher waren die Bürger in eigenen Handwerksbetrie­ ben und in der Landwirtschaft tätig. Erst durch die rege Bautätigkeit und die Ansiedlung von Industriebetrie­ ben im benachbarten Geretsried ist ein großes Angebot an Arbeitsmöglichkeiten entstanden. Landschaftliche Veränderungen ergaben sich durch den großflächigen Kiesabbau im Ortsteil Wiesen. Die dadurch entstandenen Baggerseen werden zum Teil

Alte Beuerberger Straße 1946, Ortsteil Grube

von den umliegenden Bewohnern als Freizeitangebot genutzt. Ebenfalls aus diesem Gebiet werden die Ge­ meinde Königsdorf und die Stadt Geretsried mit Trink­ wasser versorgt. Wegen der engen Ortsdurchfahrt im Ortsteil Grube und dem erhöhten Verkehrsaufkommen wurde nörd­ lich von Königsdorf eine Umgehungsstraße in Richtung Autobahn München-Garmisch gebaut. In diesem Be­ reich entstand ein Gewerbegebiet, wo sich bereits einige Betriebe angesiedelt haben. Durch den Beitritt zum Abwasserzweckverband Isar­ Loisach ergab sich die Möglichkeit, Anfang der achtzi­ ger Jahre mit dem Kanalbau zu beginnen. Aufgrund der gesicherten Abwasserbeseitigung wurde die Bautä­ tigkeit wieder angeregt, so entstand z. B. am Osteran­ ger in Niederham ein Baugebiet für Einheimische. Durch das vielseitige Angebot in der Jugendbildungs­ stätte Hochland wird Königsdorf auch von vielen aus­ wärtigen Gästen besucht.

Ein großes Ereignis in der Ortsgeschichte war 1978 die 1200-Jahr-Feier. Die Feierlichkeiten verteilten sich über das ganze Jahr. Der historische Festzug war der Höhepunkt im Rahmen der Festwoche. Dabei wurde die Dorfgeschichte mit verschiedenen Festwagen dar­ gestellt. Vielen Ortsbewohnern ist erst durch dieses Jubiläum die langjährige Geschichte der Gemeinde Königsdorf bewußt geworden. Auch das neue Heimatmuseum ver­ mittelt den Besuchern einen Eindruck über die Ent­ wicklung des Ortes. Die vielen Ortsvereine ermöglichen eine gesellschaftli­ che, kulturelle und bodenständige Zusammenarbeit im Interesse des Gemeinwohls. Zahlreiche Aktivitäten der Vereine haben viele Veranstaltungen, so auch den im Zweijahres-Rhythmus abgehaltenen Faschingszug, zur Tradition werden lassen. Verfasser: Lenz Stöger, Helene Eiler, Hans Huber

Ludwigstraße 1942, Haus Hohenadl 219


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »Edelweiß« Bad Tölz Ausschnitte aus der Vereinschronik des Geb.Tr.Erh.­ Vereins »Edelweiß« Bad Tölz e.V. Im Frühjahr 1921 haben sich sieben beherzte Männer entschlossen, in Bad Tölz, neben den »Isarwinklern« und »Kirchstoanern«, einen dritten Trachtenverein ins Leben zu rufen. Schon am 23. April fand im Gasthaus Schletzbaum die Gründungsversammlung statt. Zu die­ ser Versammlung erschienen 12 Männer und 6 Frauen, davon einige vom Trachtenverein Kirchstoana. Simon Hirschheuter, welcher im Namen der sieben die Ver­ sammlung einberufen hat, begrüßte die anwesenden Interessenten. Hirschheuter hatte auch schon eine Sat­ zung ausgearbeitet. Nachdem das Wichtigste bespro­ chen und die Satzung angenommen war, schritt man zur Wahl eines Ausschusses. Die Vorstandschaft wurde per Akklamation gewählt und setzte sich wie folgt zu­ sammen:

1. Gründungsfest am 28. Mai 1922 220

1. Vorstand Simon Hirschheuter, 2. Vorstand Sepp Bernwieser, Kassier Jakl Willibald, Schriftführer Sepp Pongratz, 1. Vorplattler Sepp Kaltenmarktner und Bei­ sitzer Fritz Ginhardt und Sepp Hamberger. Man einigte sich auf den Vereinsnamen Gebirgstrach­ ten-Erhaltungsverein »Edelweiß« Bad Tölz. Beim Loisachgauverband stellte man den Antrag um Aufnahme beim Gau, welcher dann nach einem Jahr die Zustimmung fand. Als Vereinsplattler wurde der Plattler »Auf hohen Bergen« ausgewählt. Die Mitglie­ derzahl ist sehr rasch gewachsen, und so wurde am 28. Mai 1922 das 1. Gründungsfest im größeren Rahmen durchgeführt, zu welchem 29 Vereine aus der näheren Umgebung gekommen waren. Es war dies ein voller Erfolg für den Verein, und dieser gewann ein hohes Ansehen in Stadt und Land.

Im Sommer des Jahres 1922 hat der Bruderverein »Kirchstoana« ein Waldfest mit Einzel-Preisplatteln durchgeführt. Daran beteiligten sich auch die »Edel­ weißer«, um zu dokumentieren, daß wir alle das gleiche Ziel haben: unser Volks- und Brauchtum zu pflegen. Das Vereinsleben bei den Edelweißern war sehr emsig und abwechselnd. Wöchentlich wurden Vereinsabende mit Plattlerproben durchgeführt. Am 17. Juni 1923 führte der Verein im Schafflerbräusaal ein großes Preisplatteln durch, an dem sich über 100 Plattler den Preisrichtern stellten. Mit Fahrrädern wurden in der näheren Umgebung die Festlichkeiten der Trachten­ vereine besucht. Nun entschloß sich der Verein, eine Vereinsfahne anzuschaffen. Nachdem die Vereins­ kasse leer war, konnte mit Theateraufführungen und Faschingsveranstaltungen das nötige Geld für die Fahne aufgebracht werden. Den Entwurf für das Fah­ nenbild fertigte Michael Deschermeier kostenlos an, und so wurde der Firma Härtl in München der Auftrag erteilt. Schon am 25. August 1925 fand die Fahnen­ weihe, verbunden mit dem 6. Loisachgaufest, statt. Als

Fahnenweihe am 25. August 1925


vember 1931 einen Kassenstand von 250.-- RM aufwei­ sen. In den folgenden Jahren wurden Bauernbälle, Bauernhochzeiten und Almkirta durchgeführt, ohne daß die Vereinsabende mit Plattlerproben vernachläs­ sigt wurden. Seit 6. November 1932 nehmen die »Edel­ weißer« an der alljährlichen Leonhardifahrt teil. Der Bruckbräupächter hatte dem Verein gekündigt, so daß die Edelweißer in die »Alte Schießstätte« umziehen mußten, die heute noch Vereinslokal ist. Am 29. April 1933 hat eine Ausschußsitzung stattgefunden, bei der bekanntgemacht wurde, daß die alte Vorstandschaft

1. Reihe v.r. 1. Vorst. Toni Schalch, Schriftf. Schorsch Burger, 2. Vorst. Sepp Staltmayer, 2. Reihe Vorpl. Sepp Floßmann und Kassier Lenz Mittermeier

Fahnenjunker Schorsch Burger und Fahnenmutter Su­ sanne Zeiler Patenverein konnte der Nachbarverein »Stamm Leng­ gries« gewonnen werden. Das Fest war sehr stark be­ sucht: es nahmen 40 Vereine mit 7 Musikkapellen teil. Die Fahnenweihe hat Kaplan Vitzthum vorgenommen. Wegen Versetzung des 1. Vorstandes Simon Hirsch­ heuter wurde am 20. November 1930 Schorsch Burger zum 1. Vorstand gewählt. Das alte Vereinslokal beim Schanderl (Höckhengarten) wurde zu klein, so daß ein Umzug zum Bruckbräu erforderlich war. Beim Loi­ sachgaufest am 28. Juni 1931 in Penzberg haben die »Edelweißer« den 1. Preis bei der Trachtenschau und den 1. Sängerpreis erhalten. Inzwischen hatte sich der Verein finanziell etwas erholt und konnte bei der Generalversammlung am 7. No-

Loisachgaufest am 4. und 5. August 1951 mit 30-jähr. Gründungsfest bei der Feldmesse

abtreten muß, da die Vorstandschaft als marxistisch an­ zusehen ist. Die neue Führung setzte sich wie folgt zu­ sammen: 1. Vorstand Georg Frumet, 2. Vorstand Sepp Stalt­ mayer, Kassier Moritz Popp und Schriftführer Anderl Kumpfmüller. Am 16. November 1933 wurde eine au­ ßerordentliche Ausschußsitzung einberufen. Das Mit­ glied Frumet sen. wollte den gesamten Ausschuß durch die Kreisleitung der NSDAP absetzen lassen, da beim Ausschuß keine 50% Parteimitglieder waren. Frumet sen. wurde dann aus dem Verein ausgeschlossen. Zwi­ schen den drei Tölzer Trachtenvereinen »Isarwinkler«, »Kirchstoana« und »Edelweißer<< kam es zu verschie­ denen Differenzen, weshalb der damalige Ortsgrup­ penleiter der NSDAP, Garhamer, in der Versammlung am 22. April 1934 die drei Vereine zusammenschließen wollte. Ein Zusammenschluß der Vereine kam nicht zustande, aber man einigte sich darüber, in Zukunft en­ ger zusammenzuarbeiten. Ab Vereinsjahr 1934/35 wurde von den Mitgliedern nur noch der 1. Vorstand (Führer) gewählt, alle übrigen Ausschußmitglieder be­ stimmte der Führer (Vorstand). 221


Nun kamen die Veranstaltungen der KdF (Kraft durch Freude), Empfangs- und Abschiedsabende für die Gä­ ste. Am 16. Juni 1935 fand im Jodquellenhof ein Baye­ rischer Abend statt. Den Abend schloß der Führer des Oberländer Trachtenbundes, Thomas Bacher, mit »Treu dem guten alten Brauch« und einem dreifachen »Sieg heil«. Anschließend wurden die Nationalhymnen gespielt. Es gärte noch immer in den Vereinen, und man war immer unsicher, was mit den Trachtenverei­ nen geschieht. So hat am 16. Januar 1936 der damalige Kreisamtsleiter Knauft die drei Tölzer Trachtenvereine zu einer gemeinsamen Versammlung einberufen. Ein­ ziger Tagesordnungspunkt: Zusammenschluß oder ge­ meinschaftliche Zusammenarbeit. Nach lebhafter De­ batte der einzelnen Sprecher der Vereine kam man da­ hingehend überein, daß man eine Dachorganisation der drei Vereine bildet und Kreisleiter Bucherer die Schirmherrschaft übernimmt. Kreisleiter Bucherer versprach, sich dafür einzusetzen, daß die Tracht im Isarwinkel erhalten bleibt und daß er die Vereine un­ terstützen werde, dafür aber eine kameradschaftliche Zusammenarbeit verlange. Im Februar 1937 wurden die »Edelweißer« in den Organisationsring der KdF eingegliedert, ein Vorgang, der bewiesen hat, die

Trachtenvereine in die Zügel der damaligen M�chtha­ ber zu bekommen. Am 12. Dezember 1937 gab unser Führer (Vorstand) bekannt, daß laut Verordnung die Vereine keine Weihnachtsfeiern mehr abhalten dür­ fen. Man kam nun darin überein, eine Sylvesterfeier abzuhalten. Im Jahre 1939 mußten die jungen »Edel­ weißer« Buam die schöne Tracht mit dem grauen Rock vertauschen. Infolge des Zweiten Weltkrieges und der Absetzung des Vorstandes Schorsch Burger sind nur beschränkt Vereinsabende durchgeführt worden. In den Kriegsjahren mußte unsere Fahnenabordnung des öfteren zu Trauergottesdiensten für gefallene Vereins­ kameraden ausrücken, welche ihr junges Leben für Volk und Vaterland opferten. Es waren dies: Johann Gaißraiter, Jakob Fischhaber, Josef Kienast, Ludwig Niggl, Isi Stephan, Johann Kiermeier, Mat­ thäus Paulitsch, Heinrich Jäger, Sepp Pongratz, Sepp Bayerstadler, Walter Pfretschner, Georg Wunder, Priedl Bader, Gustl Klinger und Ehrenvorstand Simon Hirschheuter, welcher bei einem Fliegerangriff ums Leben kam. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 regte sich bei den Mitgliedern das Verlangen, das Ver-

einsleben wieder anzukurbeln. Durch den Ernst der Zeit und weil viele Vereinskameraden sich noch in Kriegsgefangenschaft befanden, hatte man von Lust­ barkeiten Abstand genommen. Einern Aufruf des Bür­ germeisters folgend beteiligte sich der Verein 1945 an der ersten Leonhardifahrt nach dem Zweiten Welt­ krieg. Nach einer langen Ruhezeit fand am 17. Mai 1946 im Tölzer Bräustüberl die erste Generalversamm­ lung zur Neuorganisierung des Vereins statt. Hans Dietrich, der von der Militärregierung die Genehmi­ gung hatte, konnte eine ansehnliche Anzahl von Mit­ gliedern begrüßen. Es herrschte darüber Einmütigkeit, daß die durch den Zweiten Weltkrieg entstandenen Lücken durch junge Mitglieder wieder geschlossen werden müssen. Die neue Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusammen: 1. Vorstand Toni Schalch, 2. Vorstand Anderl Kumpf­ müller, Kassier Moritz Popp und Schriftführer Schorsch Burger. Nach langen Verhandlungen mit der Militärregierung konnte der Vorstand Toni Schalch die Zulassung des Vereins erreichen. Nun konnte das Vereinsleben mit Plattlerproben und Vereinsabenden wieder neu begin­ nen, zum Wohle unserer bayerischen Heimat und unse-

r 40. Gründungsfest am 2. Juli 1961 beim Festgottesdienst 222

Beim 40. Gründungsfest v.l. 1. Vorst. Lenz Mittermeier, 2. Vorst. Hans Kollmuß und Inventarverw. Sepp Staltmayer


res Brauchtums. Am 6. August 1948 führten die »Edel­ weißer« mit der jungen Wackersberger Musikkapelle ihr 27. Gründungsfest im Bruckbräusaal durch. Dabei wurden zum erstenmal Mitglieder für 15-, 20- und 25jährige Mitgliedschaft im Verein ausgezeichnet. Beim 21. Loisachgaufest 1948 in Wolfratshausen konn­ ten die »Edelweißer<< den 1. Meistpreis holen. Ein Volksliedersingen wurde am 26. Mai 1949 durchge­ führt, bei dem sich zahlreiche Gruppen beteiligten. Mit einem Sonderwagen der Bundesbahn fuhren die »Edel­ weißer« am 29. August 1949 nach Landshut und betei­ ligten sich am großen Trachtenfest. Um 19 Uhr in Landshut angekommen, war niemand von den Verant­ wortlichen zu sehen. Nun waren wir auf uns selbst ge­ stellt und suchten auf eigene Faust die Nachtquartiere. Am Sonntag war dann der große Festzug, und es war eine Augenweide, kurz nach dem Krieg so viele Tracht­ ler und Trachtlerinnen in ihren schönen Trachten zu se­ hen, und all die Strapazen des Vortages waren verges­ sen. Am 4. und 5. August 1951 führten wir »Edelweißer<< das 24. Loisachgaufest, verbunden mit dem 30jährigen

1959 Vereinslokal

Stiftungsfest durch. Als Festmusik hatten wir die Bene­ diktbeurer Musikkapelle. Am Fest beteiligten sich 49 Trachtenvereine, 12 Musikkapellen, 1 Trommlerzug, 4 Schützenkompanien sowie 4 Festwagen, die von uns »Edelweißern« gestellt wurden. Es war ein Heimatfest im Zeichen der Liebe zu unserer Heimat, dem bayeri­ schen Kulturgut und zu Volks- und Brauchtum. 1952 beim Gauwertungsplatteln in Aufkirchen erran­ gen die »Edelweißer« den 1. Preis und konnten den Wanderpokal gewinnen. Bei der Generalversammlung am 13. November 1954 hat der 1. Vorstand Toni Schalch sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nie­ dergelegt, und seine Nachfolge trat der bisherige Kas­ sier Lenz Mittermeier an. Im März 1955 trafen sich die Vorstände der Trachten­ vereine des Landkreises Bad Tölz im Gasthaus Schletz­ baum und bildeten eine Arbeitsgemeinschaft. Am 26. März 1955 haben sich die Ausschußmitglieder der drei Tölzer Trachtenvereine zu einer gemeinsamen Sitzung im Hotel Kaiserhof eingefunden. Einziger Tagesord­ nungspunkt war ein gemeinsamer Trachtenjahrtag der drei Tölzer Trachtenvereine. Man einigte sich bald,

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und so konnte am 3. Juli 1955 der erste gemeinsame Jahrtag durchgeführt werden. Ein gemeinsamer Hei­ matabend am Vortag war der Auftakt. Es war ein voller Erfolg. Und so wird der Trachtenjahrtag auch heute noch gemeinsam durchgeführt. Eine Fahnenabord­ nung gab am 4. Februar 1956 dem verstorbenen ehema­ ligen Gauvorstand Hans Rassbichler die letzte Ehre. Mit 2 Omnibussen der Firma Seibold-Schuster und Jo­ sef Hesslinger machten die »Edelweißer« am 26. April 1958 einen Vereinsausflug nach Südtirol, »Dorf Tirol«. Anläßlich des 75. Gründungsjahres des 1. Trachtenver­ eins durch Lehrer Vogel in Bayrischzell wurden am 23. August 1958 vom Berchtesgadener Land bis zum All­ gäu Bergfeuer entzündet. Wir »Edelweißer<< machten das Bergfeuer im Längental. Das 40jährige Gründungs­ fest wurde am 2. Juli 1961 gefeiert. Es beteiligten sich 37 Vereine mit 7 Musikkapellen. Beim Gaufest am 13. August 1961 konnten die »Edelweißer« mit dem Kronentanz den 1. Preis für historische Tänze erringen. Zur Gauvorständetagung der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände in Penzberg, deren Ausrichter der Loisachgau war, entsandten die »Edelweißer« das Töl-

50-jähr. Gründungsfest verbunden mit dem 44. Loisachgaufest am 17. u. 18. Juli 1971 223


zer Männerquartett mit Hans Kollmuß, Hans Kiesl, Gregor Schöttl und Karl Nicklbauer. Bei der Generalversammlung am 21. November 1965 stellte Lenz Mittermeier nach lljähriger Tätigkeit als Vorstand sein Amt zur Verfügung. Seine Nachfolge übernahm der bisherige 2. Vorstand Hans Kollmuß. Durch den Anbau und die Renovierung der »Alten Schießstätte« ist der Verein vorübergehend in ein Er­ satzlokal umgezogen. Nach langer Pause konnten wir am 7. Oktober 1967 mit einer Einstandsfeier in unse­ rem alten renovierten Vereinslokal »Alte Schießstätte« Einzug halten. Als Ehrengäste waren eingeladen: Di­ rektor Dr. Klimm von der Hackerbrauerei, 2. Bürger­ meister Josef Janker von der Stadt Bad Tölz, Stadtkäm­ merer Heinrich Rath und Gauvorstand Franz Sappl. Im Jahre 1969 konnten die »Edelweißer« einen starken Zuwachs von jugendlichen Madln und Buam verbu­ chen, was sich auf das Vereinsleben sehr positiv aus­ wirkte. Das 44. Loisachgaufest, verbunden mit dem 50. Gründungsfest, fand am 17. und 18. Juli 1971 in Bad Tölz statt. Beim Festabend im Festzelt an der Bock-

schützstraße konnten für 50jährige Mitgliedschaft Resl Spindler, Resl Feierabend, Schorsch Burger und An­ derl Kumpfmüller geehrt werden. Der Festgottesdienst wurde in der Marktstraße am Marienbrunnen von Domkapitular Dr. Heinrich Eisenhofer abgehalten. Wegen starker Regengüsse konnte der Festzug nicht abgehalten werden. Die Bundesbahn-Generalvertre­ tung hat die »Edelweißer« für den 7. März 1972 zur Vorstellung ihres Touristenprogrammes für das kom­ mende Jahr nach Gießen eingeladen. 6 Plattlerpaare, das Glockentrio und die Stubenmusi vertraten in Gie­ ßen den Verein. Durch die Gebietsreform wurden die Landkreise Bad Tölz und Wolfratshausen zusammengeschlossen. Da­ durch war es erforderlich, auch die beiden Arbeitsge­ meinschaften der alten Landkreise zusammenzulegen. Am 11. März 1972 wurde in Königsdorf im Gasthaus Post der Zusammenschluß besiegelt. Zum 1. Vorstand der ARGE wurde Hans Kollmuß von den »Edelwei­ ßern« Bad Tölz gewählt. Vorstand Karl Schaffer und noch 3 Delegierte der »Birkenstoana« aus Penzberg er-

Totenehrung am Kriegerdenkmal beim 60-jähr. Gründungsfest am 27. Juli 1981 v.l. Monika Beausencourt, Brigitte Breuer, 1. Vorst. Hans Kollmuß 224

schienen am 18. November 1973 bei den »Edelwei­ ßern« zum Patenbitten; zur Annahme der Patenschaft bei ihrer Fahnenweihe im August 1974. Die Annahme der Patenschaft war für die »Edelweißer« eine Ehren­ sache. Beim Tölzer Trachtenjahrtag am 23. Juni 1974 wurde der Ehrenvorstand der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände und Vorstand des Oberlandler Gaues, Hans Seestaller, zum 80. Geburtstag geehrt. Die Gaißacher Musikkapelle spielte dem Jubilar ein Ständchen am Marienbrunnen und Vorstand Hans Kollmuß überreichte ihm im Namen der ARGE ein Bierkrügl. Im September 1980 hat der Verein mit dem Spielmannszug der Tölzer Schützenkompanie, dem 2. Bürgermeister Bruno Egger und den Stadträten beim Herbstfest in Dorf Tirol bei Meran teilgenommen. Das Vereinsjahr 1981 stand ganz im Zeichen des 60. Grün­ dungsfestes, das vom 26. Juni bis 1. Juli 1981 durchge­ führt wurde. Den Auftakt machte am 26. Juni die Gai­ ßacher Musikkapelle (Festmusik) mit einem Standkon­ zert am Winzerer-Denkmal, von wo es dann auch mit klingendem Spiel zum Festzelt an der Isar ging. Am

»Edelweißer« bei der Leonhardifahrt 1985 mit Fuhrmann Franz Demmel


Samstag, dem 27. Juni, versammelte sich der Jubelver­ ein mit der Festmusik und den Fahnenabordnungen der Brudervereine am Kriegerdenkmal. Zum Gedenken der gefallenen und verstorbenen Mitglieder der drei Tölzer Trachtenvereine legte Vorstand Hans Kollmuß einen Kranz am Kriegerdenkmal nieder. Beim an­ schließenden Festabend zum 60jährigen Gründungs­ fest konnte der Vorstand den Schirmherrn Bürgermei­ ster Dr. Eckart Fadinger, Landrat Dr. Huber, Gauvor­ stand Sepp Mayer mit seinem Gauausschuß, Ehrengau­ vorstand Franz Sappl und viele Ehrengäste begrüßen. Durch das reichhaltige Programm führte Jakl Fischer aus Riedern bei Murnau. In seinem Grußwort er­ wähnte Bürgermeister Dr. Fadinger, daß es mit ein Verdienst des Jubelvereins und der Trachtenvereine ist, wenn sich die Jugend für das heimatliche Brauch­ tum, die Volksmusik sowie die Trachtenpflege begei­ stert. Am Festsonntag, dem 28. Juni, zog die Festmusik mit Spielmannszug zum Weckruf durch die Tölzer Stadt. Den Festgottesdienst zelebrierte Herr Stadtpfarrer Dr. Rupert Berger in der historischen Tölzer Marktstraße

am Marienbrunnen. Am Festzug, welcher um 13.30 Uhr stattfand, nahmen 33 Vereine, 10 Musikkapellen, 2 Spielmannszüge und 2 Festwagen teil. Es war ein schönes und in Harmonie verlaufenes Stiftungsfest und ein Ausblick für Tracht und unsere bayerische Heimat. Bei der Generalversammlung am 23. November 1981 gab Hans Kollmuß unmißverständlich zu verstehen, daß er nach 25jähriger Vorstandstätigkeit sein Amt zur Verfügung stelle. Die Nachfolge übernahm der bishe­ rige 2. Vorstand Sepp Beausencourt. Am 9. Dezember 1981 wurde Hans Kollmuß für seine vorbildliche Arbeit im Verein und seine Vereinsführung, 9 Jahre 2. Vor­ stand und 16 Jahre 1. Vorstand, zum Ehrenvorstand er­ nannt. Einen großen bayerischen Abend veranstalteten die »Edelweißer<< am 25. September 1982 mit der Gaiß­ acher Musikkapelle, der Plattlergruppe des Vereins, der Stubenmusi Geschwister Sappl, dem Gaißacher Glockentrio und den Tölzer Goaßlschnalzern in der Festhalle von Blieskassel im Saarland. Am Sonntag, dem 26. September vormittag gab die Gaißacher Mu­ sikkapelle unter der Stabführung von Kaspar Wohl-

»Edelweißer<< beim Herbstfest in Dorf Tirol im September 1980

muth ein Standkonzert. Der Verkehrsverein von Blies­ kassel bedankte sich bei den »Edelweißern« und der Musikkapelle Gaißach für die schönen Tage, welche auch bei den Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben werden. Bei der Internationalen Gartenbauausstellung am 11. September 1983 haben die »Edelweißer<< den Loisachgau vertreten. In einem Zelt auf dem Gelände der IGA wurde ein bayerischer Abend veranstaltet, bei dem Schuhplattler und historische Tänze zur Auffüh­ rung kamen und bei dem auch die Tölzer Goaßlschnal­ zer ihr Können zeigten. Beim Vereinsabend am 7. Ok­ tober 1983 ist eine Abordnung des Trachtenvereins »D'Loisachtaler« Wolfratshausen mit 1. Vorstand Wal­ ter Ebner, der Fahnenmutter Liesl Hoffmann und dem 1. Vorplattler Walter Bartsch zum Patenbitten erschie­ nen. Die »Edelweißer<< haben die Patenschaft ange­ nommen, und so konnte die Fahnenweihe, verbunden mit dem 80. Gründungsfest, am 20. Mai 1984 veranstal­ tet werden. Wir »Edelweißer<< waren am vorausgegan­ genen Festabend sowie am Festsonntag sehr stark ver­ treten. Unser Vereinsdeandl Brigitte Breuer hatte ei­ nen Prolog vorgetragen und ein Erinnerungsband an

Gruppenbild beim Tölzer Trachtenjahrtag 1987 225


die neue Fahne der »Loisachtaler« überreicht. Die Tölzer Südumgehung wurde unter starker Beteili­ gung der Tölzer Vereine am 13. Oktober 1984 einge­ weiht. Im Anschluß an den Festakt ging es zur Wandel­ halle, wo es für alle Teilnehmer eine Brotzeit gab. Auf einem aufgebauten Floß in der Ludwigstraße wurden von den Vereinen Ehrentänze aufgeführt. Wir »Edel­ weißer« brachten das Birkenstoana Glöckerl und den Kronentanz als Bestes. Im Rahmen einer Städtepart­ nerschaft zwischen Bad Tölz und Vichy/Frankreich war eine Delegation der Tölzer Stadträte mit 1. Bürgermei­ ster Dr. Eckart Fadinger und einer jungen aktiven Plattlergruppe unseres Vereins am 27. Mai 1985 nach Frankreich gefahren. Als Gastgeschenk hat die Stadt Bad Tölz einen steinernen Tölzer Löwen mit der In­ schrift »Platz der Jugend« übergeben, welcher am 29. Mai 1985 im Sportzentrum der Stadt Vichy feierlich enthüllt wurde. Im Anschluß daran führten wir »Edel­ weißer« den Kronentanz, gespielt von unserer Vereins­ musik, auf. Am 14. September 1986 nahmen wir mit dem Gaißacher Spielmannszug beim Herbstfest in Dorf Tirol bei Meran teil. Bei der Herbstgauversammlung des Loisachgaues 1986 wurde dem Trachtenverein »Edelweiß« mit 1 Stimme Mehrheit vor dem Trachtenverein »Hirschbachtaler« Lenggries das Gaufest 1987 zugesprochen. Mit einem Standkonzert der Gaißacher Festmusikkapelle unter Leitung des Dirigenten Peter Markgreiter am Freitag, den 3. Juli 1987, haben wir »Edelweißer« das 60. Lo­ isachgaufest angekündigt. Am Festabend konnte 1. Vorstand Sepp Beausencourt eine Vielzahl Trachtler und Gäste begrüßen. Schirmherr Dr. Eckart Fadinger äußerte in seiner Ansprache, daß Bad Tölz und das Töl­ zer Leben von altbayerischer Tradition geprägt sind durch das Wirken der Trachtenvereine. Bad Tölz sei der richtige Ort für die Ausrichtung des 60. Loisach­ gaufestes, erklärte der Bürgermeister. Gauvorstand Sepp Mayer hob die Treue und Zuverläs­ sigkeit der »Edelweißer« hervor, denen er für die Aus­ richt_ung des 60. Loisachgaufestes herzlich dankte. Be­ sonders würdigte der Gauvorstand die Mühen, welche 226

sich der 1. Vorstand Sepp Beausencourt und Ehrenvor­ stand Hans Kollmuß mit dem Festausschuß und den Mitgliedern auf sich genommen haben, um das große Fest mustergültig vorzubereiten. Am Festabend beteiligte sich je eine starke Formation der Patenvereine »D'Loisachtaler« Wolfratshausen und »Stamm« Lenggries. Nun kam Michael Rieger, sei­ nes Zeichens Vorstand vom Trachtenverein »Barm­ stoana« Benediktbeuern, als Ansager zu Wort, der hu­ morvoll und gekonnt die Darbietungen der einzelnen Gruppen ansagte. Folgend aufgeführte Gruppen haben den Festabend gestaltet: Die Gaißacher Festmusik, das Gesangsduo Geschwister Gruber, die Fischbacher Stu­ benmusi, das Gaißacher Glocken_trio, das Harmonika­ duo Bauer-Aumüller, die Bad Kohlgruber Alphornblä­ ser, die Tölzer Goaßlschnalzer, der Patenverein »D'Loisachtaler« Wolfratshausen und die Jugend- und Plattlergruppe des Festvereins. An dieser Stelle ist be­ sonders dem 1. Vorplattler Kaspar Brandhofer und sei­ nem Vize Franz Sappl für die mustergültige Arbeit zu danken. Unter strahlend blauem Himmel konnte am Festsonn­ tag, dem 5. Juli 1987, die Festmusik den Weckruf durch Bad Tölz antreten, und frohgelaunt wurden die ankom­ menden Vereine empfangen. Pünktlich um 9.15 Uhr setzte sich der Kirchenzug über die Isarbrücke zur Marktstraße in Bewegung, wo beim Marienbrunnen der Festgottesdienst von Studiendirektor Josef Auer zelebriert wurde. Der Festgottesdienst wurde von den Tölzer Sängern umrahmt, welche am Schluß des Got­ tesdienstes das Danklied aus der Bauernmesse von An­ nette Thoma »Laßt uns dem Herrn danken, bevor daß wir gehen« anstimmten. Dann erklang die Bayern­ hymne, gesungen von allen Trachtlern und den Zu­ schauern. Unter den Klängen des »Guten Kameraden« legte Gauvorstand Sepp Mayer am Birkenkreuz im Na­ men des Loisachgaues einen Kranz für die gefallenen, vermißten und verstorbenen Trachtler nieder. Um 13.30 Uhr zog der Festzug init 36 Vereinen, 21 Musik­ kapellen und 4 Festwagen mit 2 700 Trachtlerinnen, Trachtlern und Jugendlichen durch die festlich ge-

schmückte Stadt Bad Tölz. Nach dem Festzug im Fest­ zelt angekommen kamen die Ehrentänze der anwesen­ den Vereine, und so ging das schöne Fest zu Ende. Im Rückblick kann man feststellen, daß es ein gut gelunge­ nes und würdiges 60. Loisachgaufest war, zum Anse­ hen unserer bayerischen Heimat und des Volks- und Brauchtums. Vorstände seit der Gründung des Vereins: Simon Hirschheuter 1921-1930 Georg Burger 1930-1940 Toni Schalch 1946-1954 Lenz Mittermair 1954-1965 Hans Kollmuß 1965-1981 Sepp Beausencourt 1981 Gott erhalte uns unsere bayerische Heimat! Aufgezeichnet: Hans Kollmuß, Ehrenvorstand

Mei Tölz, mei Hoamatl!

von Seb. Fink Schau i vom Kal-va-ri-berg eine in's I-sar-tal, pakts mi unterm Brust-fleck drunt ganz gschpas-si al-le-mal. Blaue Berg, grea-ne I-sar, du dunk'la Wald, kann's denn oan Mensch'n geb'n, dem so was nöt g'fallt! Wia un-ser Herr-gott hat dös schöne Flek-kerl g'macht, is a so guat auf-g'legt g'wen und hat so freund-li g'lacht. Wardt denkt a, so a Plat-zerl schaff i iatz gschwind, daß ma auf da ganzen Welt koa zwoat's nim-ma findt! Du mei liebs I-sar-tal, du mei schön's Hoa-mat-land, dir g'hör i mit Leib und Seel und ganz mit Herz und Hand! Treu bleib i dir über-all und zu je-der Stund, pfui Teifi-i scha-mat mi, wenn i di ver-ges-sen kunt! Wenn's bei an Töl'za na schö lang-sam ab-schiabn hoaßt, weil er weit furt in die e-wi-ge Hoa-mat roast, Na grüaßt er no herz-li zum letz-tenmal, sei Tölz, sei Hoa-ma-tl, sei I-sar-tal!


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Ortsgeschichte von Bad Tölz Das alte Tölz verdankt sein Entstehen schon in sehr frü­ her Zeit wahrscheinlich seiner Verkehrslage, denn es liegt am Schnittpunkt zweier uralter Verkehrswege, der Salzstraße und der flößbaren Isar. Vermutlich wurde der wichtige Isar-Übergang von illyrischen Stämmen der Kelten angelegt. Der Name Isar ist kelti­ schen Ursprungs und bedeutet »Die Reißende«. Auch die Zeit der Römer in Bayern (15 v. - 488 n.Chr.) hat hier keine Spuren hinterlassen. Erst mit der Land­ nahme durch die um etwa 535 eingewanderten Bajuwa­ ren mag eine größere Ansiedlung entstanden sein, die aber gleich den benachbarten Klöstern - den Hunnen­ einfällen der Jahre 907-955 zum Opfer fiel. Während Tölz urkundlich erst verhältnismäßig spät auftritt, fin­ den wir vorher schon den Namen »Reginried« für eine Siedlung, wo sich mindestens vier Mühlen befanden, die zum Kloster Tegernsee gehörten. Die Herren der umliegenden Burgen nannten sich häufig »Herren von Reginried«. Gemeint ist damit der heute noch »Ried« genannte, westliche Teil des Mühlfeldes, der nach neuer Annahme der Forschung als Kern nach den Un­ garneinfällen neu entstandenen Siedlung anzusehen ist. 1160 erscheint Tölz urkundlich erstmals als »Tol­ lenze«. In Verbindung mit den Burgen des Isarwinkels, wie Hohenburg, Sehellenberg, Hoheneck und Hechen­ berg, die sämtlich die damals bestehenden wenigen Verkehrswege und Übergänge über die Isar beherrsch­ ten, wird anno 1180 ein Hainricus de Tolnze mit seiner gewaltigen Burg genannt. Sie stand damals nahe der heutigen Pfarrkirche. Unter ihrem Schutz siedelten sich Handwerk und Flö­ ßerei im heutigen Stadtteil »Gries«, unmittelbar am Ufer der Isar an. Nach dem Aussterben des Ortsadels kam Tölz 1266 an das Bistum Freising, das diesen Be­ sitz lehensweise an die bayerischen Herzöge gab. 1331 erhielt der Ort durch Kaiser Ludwig den Bayer die glei­ chen Marktrechte, wie Aibling und Wolfratshausen sie besaßen. 228

Bad Tölz anno 1180 Nach einer furchtbaren Brandkatastrophe im Jahre 1453, der die damals schon bestehende Marktstraße völlig, dazu die Burg und die Pfarrkirche zum Opfer fie­ len, baute Herzog Albrecht III. den Markt, nunmehr ganz in Stein, nebst Kirche und neuer Burg wieder auf. Die von den Herzögen eingesetzten Pfleger, die das Recht ausübten und die Einnahmen und Steuern einzo­ gen, wohnten auf der Burg, wo auch die Herzöge selbst weilten, wenn sie in dem umliegenden waldreichen Ge­ biet zur Jagd gingen. Der berühmteste unter diesen Pflegern, der auch mit der deutschen und europäischen Gesamtgeschichte persönlich verbunden war, blieb Kaspar Winzerer (1465-1552), der »Goldene Ritter«, der zugleich einer der bekanntesten Landknechtsfüh­ rer und Feldhauptmann war und der zusammen mit Ge-

org von Frundsberg 1515 in der Schlacht von Pavia Kö­ nig Franz von Frankreich gefangen nahm. Auch die im 14. Jh. einsetzende wirtschaftliche Ent­ wicklung war unzweideutig durch die besondere Ver­ kehrslage gefördert. Vor allem erschloß die Flößerei das gesamte waldreiche Gebiet der oberen Isar, beför­ derte Baumaterialien und Holz nach München und Landshut und übernahm auch einen Teil des Handels mit Wein und Gütern aus dem Süden, der über Bozen geleitet und nach Norden ging. Der 30jährige Krieg unterbrach das Aufblühen des Marktes, der 1632 von den Schweden gebrandschatzt wurde. 1634 kam die Pest in den Isarwinkel, die Tölz fast völlig entvölkerte. In kurzen 50 Jahren einer wirt­ schaftlichen Blütezeit waren es besonders die Bier-


brauer - in Tölz gab es lange Zeit 22 Brauereien, die ei­ nen steigenden Wohlstand sicherten. Im Türkenkrieg 1686 brachten die Tölzer Flößer Truppen und Kriegs­ material bis nach Ungarn. Im Spanischen Erbfolge­ krieg 1705 war Tölz der Mittelpunkt für den Aufstand der Oberländer Bauern, der in der Sendlinger Mord­ weihnacht sein tragisches Ende fand. 1742 im Österreichischen Erbfolgekrieg wurde Tölz von den Panduren unter Oberst Trenck heimgesucht. Das Jahr 1786 brachte den Durchmarsch kaiserlicher und 1800-1801 französischer Truppen. Zu Anfang des 18. Jh. entstanden aber trotz Not und Krieg Bauwerke, die Tölz heute noch zur Zierde gereichen, so 1718 die Leonhardikapelle, 1722 die Kalvarienbergkirche, 1734 die Franziskanerkirche und 1737 die Mühlfeldkirche. Am 20. Juli 1770 stürzte das schon länger vernachläs­ sigte herzogliche Schloß nach einem Wolkenbruch ein. Die Zeitspanne von einigen Jahrhunderten, da der Markt Tölz unter dem Schutz der Herzöge gestanden hatte, war endgültig vorbei. Die neuzeitliche Entwicklung wurde 1846 mit der Ent­ deckung der Jodquellen am Blomberg eingeleitet. Mit dem Jahr 1856 begann der Badebetrieb. Nach Eröff­ nung der Bahnlinie von Holzkirchen nach Bad Tölz, im Jahre 1874, stieg der Kurbetrieb sprunghaft an. So zählte man 1860 nach Gründung der Aktien-Gesell­ schaft der Jod-Schwefelquellen-Krankenbeil, der heu­ tigen Jodquellen AG, 185 Kurgäste. Im Jahre 1900 wa­ ren es fast schon 6000 Kurgäste. 1899 wurde Tölz offi­ ziell zum Heilbad und 1906 zur Stadt erhoben. Für die heutige Kreisstadt des vergrößerten Landkreises Bad Tölz/Wolfratshausen wurde 1903 auf der Marktstraße durch Umbau einer alten Brauerei (Bürgerbräu) durch Gabriel von Seidl das heutige noch sehenswerte Rat­ haus geschaffen. Bad Tölz und mit ihm auch der Landkreis Bad Tölz/ Wolfratshausen ist bei den in- und ausländischen Besu­ chern nicht nur der wunderschönen Landschaft wegen ein beliebtes Urlaubsziel. Zum glanzvollen Erschei­ nungsbild dieses gottgesegneten Landstrichs gehört un­ bedingt auch die Tracht, die von Dirndln, Burschen,

Frauen und Männern bei den verschiedenen festlichen Anlässen mit Stolz getragen wird, um eine altbayeri­ sche Tradition fortzusetzen, die weit zurückreicht. Denn man trägt bei uns nicht einfach »die« Tracht der Vorfahren, sondern eine der Variationen, die sich im Laufe vieler Jahrzehnte aus dem Sonntagsgewand ent­ wickelt hat. Der Versuch einer Beschreibung der Ober­ lander Tracht gelingt am leichtesten bei jener Klei­ dung, die seit den achtziger Jahren des vorigen Jahr­ hunderts von den Mitgliedern der Trachtenvereine und denen, die es ihnen gleichtun wollen, getragen wird. Während des Zweiten Weltkrieges war Tölz weitge­ hend mit Verwundeten belegt, ohne als Lazarettstadt ge­ kennzeichnet gewesen zu sein. Am 1. und 2. Mai 1945 besetzten ohne größere Zerstörungen amerikanische Truppen die Stadt, die auch von Bombenschäden ver-

schont geblieben war. Durch die Beschlagnahme fast sämtlicher Sanatorien, Kureinrichtungen und Pensio­ nen durch die Amerikaner ruhte der Kurbetrieb bis 1954 gänzlich. Nur sehr mühsam konnte sich der ein­ stige renommierte Bade- und Kurort mit seinen Jod­ quellen wieder zu seiner alten Bedeutung heraufarbei­ ten. Mit Errichtung weiterer, moderner Kursanato­ rien, Pensionen und Hotelbetriebe, dem Freizeitzen­ trum »Alpamare«, sowie einer Kunsteislaufbahn und modernen Tennis- und Sportanlagen ist Bad Tölz heute einer der beliebtesten und exklusivsten Kurorte mit ganzjährigem Kurbetrieb in der Bundesrepublik. Weit­ gehende internationale Anerkennung gewann Bad Tölz besonders durch die nachweislichen Heilerfolge der Jodquellen-Kuren und bedingt durch sein äußerst günstiges Voralpenklima mit der »Tölzer Klimakur«.

Bad Tölz. Marktstraße um 1880. 229


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » Hirschbachtaler« Lenggries In das Schriftführerbuch des Vereins schrieb der Grün­ dungsvorstand Josef Steger folgendes Vorwort: Jeder Verein, ganz gleich ob er sich aus Arbeitern, Be­ amten oder im Ansehen der Menschen noch höher ge­ stellten Personen zusammensetzt, hat seine eigene Chronik. Es ist dies kurz gesagt die schriftliche Überlie­ ferung der vorkommenden Feste, Versammlungen, Ehrungen und Fehler des Vereins an die Nachwelt. So soll auch dieses Buch Zeugnis geben von den ehren­ und unehrenhaften Vorkommnissen im Vereinsleben der »Hirschbachtaler«. Möge jedoch Zank und Streit vom Verein fernbleiben und an dessen Stelle schöne Feste, gesellige Versammlungen und Beweise gegen­ seitiger Hilfsbereitschaft in den Seiten dieses Buches verankert werden. Die Gründung des Trachtenvereins »Hirschbachtaler« hat eine Vorgeschichte. Die Gründer waren alle vorher Mitglieder beim 1904 gegründeteten Heimat- und Volkstrachtenverein Lenggries. Da dieser Verein ziemlich stark war, gab es eine Gruppe, die sich stan­ desgemäß etwas höher gestellt fühlte und deshalb bei öffentlichen Auftritten immer Vorrechte bean­ spruchte. Deshalb haben diejenigen, die sich zurückge­ setzt fühlten, im Januar 1920 eine eigene Plattlergruppe gegründet. Die Plattlerproben wurden außerhalb des Vereins in der Schloßschänke Hohenburg abgehalten. Die Plattlergruppe Hohenburg, wie sie sich nannte, be­ stand hauptsächlich aus Holz- und Forstarbeitern und trat bei verschiedenen Anlässen in der Öffentlichkeit auf. Dadurch verschärften sich die Spannungen im Ver­ ein und es kam zu Existenzkämpfen, welche dann eine Loslösung der Gruppe vom Verein zur Folge hatte. Am 5. November 1921 wurde dann von den Mitglie­ dern dieser Plattlergruppe Hohenburg der Gebirgs­ trachten-Erhaltungsverein »Hirschbachtaler« gegrün­ det. Unterstützt wurden sie vom Volkstrachtenverein 230

»Jachenauer« München. Mit Mitgliedern dieses Ver­ eins, die öfters in Lenggries weilten, hatten sie vorher schon freundschaftliche Beziehungen aufgenommen. Die »Hirschbachtaler« und die »Jachenauer« wurden Brudervereine im wahrsten Sinne des Wortes. Bei den Stiftungsfesten und sonstigen Zusammenkünften ha­ ben sie sich jahrzehntelang immer gegenseitig besucht und unterstützt. In den achtziger Jahren, als die älteren Mitglieder fast alle gestorben waren, ist auch diese freundschaftliche Beziehung erloschen. Heutzutage haben eben die Men­ schen keine Zeit mehr füreinander. In den ersten Jahren nach der Gründung entwickelte sich bei den »Hirschbachtalern« ein reges Vereinsle­ ben. Christbaumversteigerungen und Gartenfeste wurden abgehalten, auch auswärtige Festlichkeiten wur­ den besucht und eine neue, einheitliche Tracht ange­ schafft. Eine neue Theaterbühne wurde angefertigt und am 5.6. 1922 war schon die erste Aufführung mit vier Wiederholungen. Natürlich war auch im Verein das Bestreben vorhan­ den, sobald als möglich eine neue Fahne anzuschaffen. Dies war natürlich schwierig, da sich zu der Zeit die Geldentwertung schon bemerkbar machte. Als Ko­ stenvoranschlag wurde eine Summe von 100.000 RM genannt. Da bot sich dem Verein eine Möglichkeit der Geldbeschaffung: Mit Erlaubnis des Hohenburger För­ sters durften sie eine nicht mehr benötigte Brücke am Sulzer auf Selbstgewinn abbrechen. Es handelte sich dabei um keine Straßenbrücke, sondern es war eine so­ genannte Holzriese, ein Gestell aus Baumstämmen, auf der die gefällten Bäume über unwegsames Gelände (Gräben) zum Fahrweg gebracht wurden. Unter Einsatz aller Vereinsmitglieder wurde das Holz aufgearbeitet. Es ergab 15 cbm Stammholz und 60 Ster Brennholz. Der Verein bekam dafür 300.000 RM. Al-

Georg Brücklmeier, 1. Vorstand von 1950-1954, Eh­ renvorstand, gest. 12.12.1980 lerdings kostete die Fahne aufgrund der Inflation nun­ mehr schon 480.000 RM, so daß einige von den Bauern noch Bäume stiften mußten, um die Schuld tilgen zu können. Am 17. Juni 1923 war dann die Fahnenweihe. Der Pa­ tenverein war die Schützenkompanie Lenggries. 47 Trachtenvereine und 9 Musikkapellen haben am Fest­ zug teilgenommen. Leider hat es dieses Fest ziemlich verregnet. Am 27. Januar 1924 nahm der Verein mit Fahne an den Beisetzungsfeierlichkeiten der Großher­ zogin Maria Adelheid von Luxemburg auf Schloß Ho-


henburg teil. Die Familie des Großherzogs von Luxem. burg wohnte mit ihrem Hofstaat die meisten Sommer­ monate in Hohenburg. Da viele Vereinsmitglieder im Schloß bedienstet waren, gab es natürlich Kontakte. Die beliebte Großherzogin Maria-Anna hat mit ihren sechs Töchtern des öfteren die Plattlerproben besucht, wobei die Prinzessinnen ab und zu bei den Tänzen mit­ gemacht haben. Die Prinzessin Antonie hat 1921 den Kronprinz Rupprecht von Bayern geheiratet. Getraut wurden sie in der Pfarrkirche St. Jakob in Lenggries von Nuntius Pacelli, dem späteren Papst Pius XII. Der häufige Vorstandswechsel in den Jahren 1925 1927 zeigt an, daß es bei der Führung des Vereins ver­ mutlich gewiße Schwierigkeiten gab. Die Jahre 1927 - 1929 waren wieder besser, auch wirt­ schaftlich. Am 12.7.1927 waren die »Hirschbachtaler« Patenverein bei der Fahnenweihe der »Jachenauer« in München. Almtanz und Heimatabende wurden abge­ halten. Auch bei Veranstaltungen im Bruckbräu und Kurhaus Bad Tölz traten sie auf. Viele Jahre besaßen die »Hirschbachtaler« eine vereinseigene Schrammel­ musik, die bei den verschiedensten Anläßen aufspielte, die beständigsten Musiker waren dabei der Steger Sepp und der Brücklmeier Schorsch. Die Wirtschaftskrise 1930 - 1932 machte sich bemerk­ bar. Im Mai 1931 wurde 2 X eine Theateraufführung abgehalten, deren schlechter Besuch vermutlich auf die Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist. 19.7.1931 Teilnahme an der Primiz von Jakob Ostler. 26.7.1931 70. Geburtstag der Großherzogin Maria­ Anna, dazu Bergfeuer auf dem Spitzkampen und Kro­ nentanz im Schloßhof. Eine Christbaumversteigerung kann nicht mehr abge­ halten werden. Einer Einladung der »Jachenauer« kann wegen Geldmangel nicht Folge geleistet werden. Außerdem gab es noch Differenzen im Verein wegen verschiedener politischer Ansichten. Der Nationalso­ zialismus machte sich da bemerkbar. Am 20.11.1932 tritt die gesamte Vorstandschaft zu­ rück. Anton Schnitzler wird Vorstand. Neue Satzungen werden entworfen und 9 Mitglieder ausgeschlossen.

Demmelhochleger auf dem Demmeljoch 1933 wurde vom Verein der erste Maibaum aufgestellt. Ein Fahnenband mit Hakenkreuz mußte an der Ver­ einsfahne angebracht werden. Am 28.3.1934 wurde der Verein in den Isargau, Sitz München aufgenommen. 1935 wurden die ersten Hei­ mat- und Begrüßungsabende für KdF abgehalten. Am 26.7.1936 feierten die »Hirschbachtaler« ihr 15jähriges Gründungsfest, verbunden mit dem Isargaufest in Lenggries. 1937 muß der Verein aus der Schloßschänke ausziehen, weil das Lokal für das Militär benötigt wird. Auf Betreiben von Bürgermeister Eisenschenk sollen die Trachtenvereine aufgelöst und in die KdF eingeglie­ dert werden. Kreisleiter Bucherer setzte sich aber für

ein Weiterbestehen der Trachtenvereine ein. Am 10.6.1937 fahren acht Trachtenpaare für 5 Tage nach Hamburg und treten zusammen mit anderen Gruppen anläßlich eines Weltkongresses auf. 1938 mußte der Verein 17 x bei Begrüßungsabenden für KdF-Urlau­ ber auftreten. Am 13.8.1939 wurde von Vereinsmit­ gliedern ein Kreuz auf dem Seekar errichtet. Am 1.9. 1939 begann der 2. Weltkrieg. Die wehrpflichtigen Männer mußten einrücken. Dadurch kam das Vereins­ leben zum Stillstand. 1946 kam das Vereinsleben wieder in Gang. Beim er­ sten Jahrtag nach dem Krieg wurde ein besonderes Ge­ denken den gefallenen Vereinskameraden gewidmet. 231


Floßfahrt auf der Isar (ca. 1920)

Holztransport 1933 mit Menschenkraft und Pferden

»Hirschbachtaler« 1938 beim Vereinslokal, 1. Reihe Männer, 4. v. r. Noderer Stefan, 1. Vorstand

Vereinsschrammeln ca. 1950, von links: Georg Brücklmeier, Anton Steger, Josef Steger

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Namentlich waren dies: Buchberger Alois, Kanzler Jo­ sef, Riesch Franz, Oswald Johann, Hohenreither Pe­ ter, Gottlob Johann, Bayer Johann, Oswald Lorenz, Pfund Georg, Schwaiger Georg, Pfund Xaver. Vermißt waren: Reiser Josef, Wasensteiner Georg, Os­ wald Kaspar. Damals waren auch einige Kameraden von der Gefan­ genschaft noch nicht heimgekehrt. 1947 hatte der Verein viel Arbeit mit der Ausrichtung des Isargaufestes in Lenggries. 1948 wurden sämtliche Einladungen wegen der Währungsumstellung abge­ sagt. Ab 1949 war der Verein wieder sehr aktiv. Unter der Regie von Pauli März wurde wieder Theater ge­ spielt. Maibäume wurden alle zwei Jahre aufgestellt so­ wie 3 - 4 Heimatabende jährlich abgehalten. Neben dem Gaufest wurden auch andere Trachtenfeste be­ sucht wie z. B. in Konstanz, Brixlegg und Eichstätt. Auch am Oktoberfestzug hat der Verein einige Male teilgenommen. Bei der 80. und 85. Geburtstagsfeier Rupprecht von Bayern in Leutstetten waren die »Hirschbachtaler« jedesmal vertreten. Die Kronprin­ zessin Antonie ist nach langem Leiden, das sie sich während ihres erzwungenen Aufenthalts im Konzen­ trationslager Buchenwald zugezogen hat, mit 55 Jahren gestorben. Eine Fahnenabordnung der »Hirschbachta­ ler« nahm am 13.11.1954 an der Trauerfeier teil. Zum Andenken wurde dafür dem Verein die Kronprinz­ Rupprecht-Medaille in Bronze verliehen. Bei der Bei­ setzung von Kronprinz Rupprecht am 6.8.1955 waren die »Hirschbachtaler« ebenfalls mit einer Fahnenab­ ordnung vertreten. 1958 mußte vom Verein das Kreuz auf dem Seekargipfel wieder erneuert werden. Am 10.1. 1960 veranstaltete der Verein im Auftrag der Ge­ meinde einen Werbeabend in Essen. 1966 und 1967 be­ teiligten sie sich an den Primizfeiern von Gilgenrainer und Bichlmeier. Wegen offensichtlicher Benachteili­ gung treten die »Hirschbachtaler« 1970 aus dem Isar­ gau aus und nehmen zum ersten Mal am Loisachgaufest in Benediktbeuern teil. Am 29.8.1971 feierte der Ver­ ein sein 50jähriges Gründungsfest. 13 Vereine und 9 Festwagen nahmen am Festzug teil. Ehrenvorstand Jo-

sef Steger ist am 10.10.1971 gestorben. Er war ein gro­ ßer Förderer des Vereins. 1972 wird der Trachtenver­ ein »Hirschbachtaler« in den Loisachgau aufgenom­ men. Am 18.9.1972 ist der altbewährte Kassier Franz Schnitzler tödlich verunglückt. Bei den Filmaufnah­ men für den Jäger von Fall am 15.6.1974 in Pertisau nehmen 30 Mitglieder des Vereins teil. Ab 1975 veranstalten die »Hirschbachtaler« alljährlich ein Gartenfest im Hof der Brauerei. Am 19.6.1977 be-

sucht der Verein das Bodensee-Gautrachtenfest in Lin­ dau. 1979 hält der Verein ein vereinsinternes Preisplat­ teln ab. Am 9.8.1981 feierten die »Hirschbachtaler« das 60. Gründungsfest. 20 Trachtenvereine, 7 Musik­ kapellen und 5 Festwagen beteiligen sich am Festzug. Leider fing es während des Festzuges zu regnen an. Am 13.6. 1982 beteiligte sich der Verein am Gaufest des Gaues Niederbayern in Adlkofen bei Landshut, wo der Wirt des Vereinslokals »Schloßschänke« herkommt. Sechs aktive Paare des Vereins fahren am 27.6.1982 in die Bretagne, wo sie an zwei Tagen auftreten. Im glei­ chen Jahr nahmen die »Hirschbachtaler« an der 350Jahrfeier der Paten-Schützenkompanie Lenggries teil. Am 8.7.1984 besuchte der Verein das Unterinntaler Trachtenverbandsfest in Schwaz. Am 7. August 1988 findet in Lenggries das 61. Loisach­ gaufest statt, das vom Trachtenverein »Hirschbachta­ ler« ausgerichtet wird. Nachdem in den ersten Jahren eine gewisse Rivalität das Verhältnis der zwei Lenggrieser Trachtenvereine zueinander belastet hat, besteht nun seit vielen Jahren ein gutes Einvernehmen, das durch gegenseitige Unter­ stützung bei Festlichkeiten besonders zum Ausdruck kommt. Dies ist, kurz zusammengefaßt, die Geschichte des Trachtenvereins »Hirschbachtaler« Lenggries von 1921 - 1985. In dieser Zeit waren folgende Vorstände tätig: 1932 Anton Schnitzler 1921 Josef Steger 1924 Georg Brücklmeier 1938 Stefan Naderer 1925 Stefan Heiß 1947 Toni Heiß 1950 Georg Brücklmeier 1926 Josef Steger 1927 Korbinian Riesch 1954 Blasi Pfund 1928 Josef Goldbrunner 1960 Peter Schöffmann 1929 JosefWörner 1966 Innozenz Sanktjohanser 1988 Peter Sonner 1930 Hans Messmer

Sankjohanser Innozenz, 1. Vorstand 1966-1988

Möge es dem Trachtenverein Hirschbachtaler auch für die weitere Zukunft gelingen, mit kameradschaftlicher Verbundenheit in Frieden und Freiheit die Heimat­ tracht und das Brauchtum zu pflegen und zu erhalten. Franz Sappl 233


Heimatfest 1959 in Landshut, Kronenmadln und historische Gruppe

Gruppenaufnahme 1946. Hinten rechts 1. Vorstand Stefan Noderer

Kronenmadln und historische Gruppe

Gruppenaufnahme mit Fahne 1988. Zweiter von rechts Vorstand Peter Sonner, ganz links 2. Vorstand Hans Kellner.

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Ortsgeschichte von Lenggries Die Gemeinde Lenggries ist ein Teil des Isarwinkels und liegt 680 Meter über dem Meer, 10 km südlich von Bad Tölz. 1257 wird es als Länggries, d.h. am langen Gries, erstmals urkundlich erwähnt, doch steht fest, daß der Isarwinkel schon Jahrhunderte vorher Ansied­ lungen aufweist. Die Burg »Hohenburg« war schon um 1180 erbaut, sie stand auf einem Felskegel süd-östlich des jetzigen Schlosses. Das heutige Gemeindegebiet deckt sich mit dem Bereich der ehern. Hofmark Hohenburg, bzw. dem Patrimonialgericht Hohenburg, dem die Viertels­ gemeinden Lenggries, Anger, Wegscheid und Schlegl­ dorf unterstellt waren und dem früheren ausmärki­ schen Gebiet Fall-Vorderriss. Mit einer Flächenausdehnung von 24.258 ha ist die Ge­ meinde Lenggries die größte politische Gemeinde Bay­ erns und besteht aus 37 Einzelortschaften, die bis zu 25 km voneinander entfernt sind. Das eigentliche Dorf und die meisten Ortschaften liegen in einem weiten, parkähnlichen Wiesental, das im Westen vom Braun­ eck, im Osten vom Geierstein und im Süden von der Hochalm begrenzt wird. Die Bewohner des Isarwinkels sind meist Landwirte und Gewerbetreibende, wobei der Fremdenverkehr ei­ nen beachtlichen Faktor darstellt. Die Holzwirtschaft ist von großer Bedeutung und es ist deshalb fast selbst­ verständlich, daß die Flößerei (bereits 1230 erwähnt) zu den ältesten Gewerben zählt. Die Lenggrieser Flö­ ßer fuhren in früheren Zeiten mit ihren Ladungen (Bauholz, Steine, Gips, Bier usw.) bis nach Wien und Budapest. Zur Erbauung der Frauenkirche in Mün­ chen hat Lenggries 140 Flöße Bauholz und 200 Ladun­ gen Kalk geliefert. Sogar nach dem 2. Weltkrieg wurde von Lenggries aus noch Holz für den Wiederaufbau des Domes und von St. Peter nach München geflößt. In den Türkenkriegen 1683 und 1688 brachten Leng­ grieser Flößer Truppen und Kriegsmaterial bis nach Belgrad. 236

Mit dem Entzug des Isarwassers bei Krün und der Ab­ leitung von Riss, Dürrach und Walchen ging die Flöße­ rei ab 1920 immer mehr zurück und kam kurz nach dem 2. Weltkrieg ganz zum Erliegen. Eng mit der Entwicklung von Lenggries ist die Ge­ schichte der Burg und später des Schlosses Hohenburg verbunden. Die Burgherren waren von 1294-1396 die Eglinger, von 1396 -1522 die Maxlrainer, von 1522 1566 die Schellenberger aus Feldkirch/Vorarlberg und

Herwarthstraße ( ca. 1938)

ab 1566 die Patrizierfamilie Herwarth (Hörwarth) aus Augsburg. In die Zeit der Herwarth fällt dann der Brand der alten Hohenburg am 21. Juli 1707, verur­ sacht durch Unvorsichtigkeit oder gar Brandstiftung der darin einquartierten österreichischen Dragoner. Nachdem in der Zeit von 1712 bis 1718 der neue Schloß­ bau Hohenburg hergestellt war, wurde durch Graf Fer­ dinand Joseph die Errichtung der Pfarrkirche St. Jakob in Lenggries in Angriff genommen, die 1722 eingeweiht werden konnte. Nach dem Tode des letzten Herwarth am 12.1.1800 in Aitersbach wechselten die Besitzer sehr oft. Erwähnenswert ist aber das Ende -der gutsherrlichen Gerichtsbarkeit (Patrimonialgericht) im Jahre 1848 un­ ter Fürst Karl Emich zu Leiningen. 1857 kaufte Carl Freiherr von Eichthal den Besitz Hohenburg und run­ dete ihn durch Tausch und Zukauf ab, wobei er große Summen aufwendete. Aber seine Aktivitäten fanden nicht überall Zustimmung, sodaß am 17.10.1867 ihm zu »Ehren« ein Haberfeldtreiben stattfand, in Lenggries das zweite (das erste war am 28.10.1843) und letzte überhaupt. 1870 wurde Hohenburg an Herzog Adolf von Nassau, dem späteren Großherzog von Luxemburg verkauft. Es blieb im Besitz der Luxemburger bis 1951. Seit 1953 ist das Schloß ein Schulzentrum der Ursuli­ nen. Lange Zeit war Lenggries fast abgeschlossen von der Welt, nur schmale Wege und Saumsteige verbanden, außer der Isar, den Isarwinkel mit der Nachbarschaft. Erst im 15. Jahrhundert wird eine Straße nach Mitten­ wald erwähnt, die aber später wieder verfiel. Die Isar war der Hauptverkehrsweg nach München, der Rück­ weg mußte zu Fuß angetreten werden. Am 1. April 1854 erhielt Lenggries eine eigene Postex­ pedition und am 1. Juni 1905 wurde die erste Motorwa­ genlinie Bayerns zwischen Bad Tölz und Lenggries eröffnet. Ein weiterer Abschnitt der Erschließung des Isarwin­ kels war der Bau der Bahnstrecke von Bad Tölz über Gaißach nach Lenggries deren feierliche Eröffnung am 3. September 1924 stattfand.


Das elektrische Ortsnetz wurde am 1. 12. 1913 in Be­ trieb genommen, aber konnte nur langsam erweitert werden, sodaß Winkel erst 1933 angeschlossen wurde. Der 1. Weltkrieg 1914-18 brachte viele einschneidende Maßnahmen und forderte 121 Gefallene. In der Zeit von 1933-1945 wurden verschiedene Maßnahmen wie Umbau des Rathauses, Errichtung des Schwimmbades usw. durchgeführt. [m Jahre 1934 erhielt Lenggries Straßenbezeichnungen sowie neue Hausnummern und wurde durch den Ein­ zug des II. Gebirgsjäger-Regiment 100 in die neue Ka­ serne am 4. Oktober 1936 zum Garnisonsort. Der zweite Weltkrieg brachte am 1.9.1939 radikale Verän-

Die alte Hohenburg erbaut 1180, abgebrannt 1707.

derungen und schwere Belastungen für die Gemeinde. Am 3. Mai 1945 wurde der Ort von den Amerikanern besetzt, das offizielle Kriegsende war am 8. Mai. Bei den Kämpfen um Lenggries wurden acht Anwesen in Brand geschossen. Der Krieg forderte große Opfer von der Bevölkerung; sind doch 267 Personen gefallen und bis 1954 waren noch 98 vermißt. Unmittelbar nach Kriegsende hielten sich nahezu 10.000 Personen in Lenggries auf (1939 / 6.500), von denen jedoch ein großer Teil der Neubür­ ger ab 1948 wieder wegzog. Um den Unterlauf der Isar vor Hochwasser zu schüt­ zen, entstand von 1954-1959 an der engsten Stelle des

Isartales ein Staudamm von 40 m Höhe und damit das Hochwasser-Rückhaltebecken, der »Sylvensteinsee«. In seinen Fluten versank das im Ganghofer Roman »Jä­ ger von Fall« geschilderte Dorf Fall und es wurde der neue Ort Fall erbaut. Die neue Zeit brachte auch für Lenggries einen großen Umbruch und einen Übergang zu neuen Formen des ländlichen Gemeinwesens. Das Wissen, daß sich auf dem Lande immer wieder Altes und Neues schöpfe­ risch verbunden hat, läßt hoffen, daß auch künftige Ge­ nerationen die Kraft zur Erneuerung finden und be­ wahren. (Quellen: Bayernland 1932 und Lenggries: Ein Streif­ zug durch Vergangenheit und Gegenwart 1984). Josef Putz

Schloß Hohenburg, Schulzentrum des Ordens der Ursulinen, erbaut 1712-1718. 237


Vereinsgeschichte des Trachten-Erhaltungsvereins »D'Dürnstoana« Deining Vorwort Die folgende Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und legt keinen Wert auf eine genaue Auflistung von Mitgliedern der Vorstandschaft oder Daten von Veranstaltungen und Versammlungen. Es soll lediglich ein Überblick über die Vereinsgeschichte, die Anfänge und die Entwicklung des Trachtenvereins »Dürnstoana« Deining gegeben werden. Insbesondere wird Wert darauf gelegt, den persönli­ chen Einsatz der Mitglieder, besondere Schwierigkei­ ten bei diversen Veranstaltungen und Unternehmun­ gen sowie außergewöhnliche und lustige Begebenhei­ ten aus der Vereinsgeschichte wiederzugeben.

Der einzige, der damals das Platteln beherrschte, war der Kneißl August, der, obwohl nicht Mitglied des Ver­ eins, sich bemühte, den Trachtlern die alten Tänze bei­ zubringen. Um das Geld für eine Vereinsfahne zusam­ menzubringen, mähten die Trachtler an den Wegrän­ dern und auf den Wiesen, die ihnen von wohlgesonne-

Die Vereinsgründung Die treibende Kraft zur Gründung des Trachtenvereins war Lorenz Schwab. Er war der Erste, der sich in Dei­ ning die Tracht zulegte und in der »modernen närri­ schen Zeit von 1922« die althergebrachten Bräuche, Trachten und Tänze erhalten wollte. So versammelten sich, auf seine Initiative hin, am 22. September 1922 die Gründungsmitglieder: Schwab, Lorenz, Fischhaber Michl, Köglsperger Sebastian, Erb Hans, Köglsperger Peter, Kranz Michael und Kögl­ sperger Michael und beschlossen, einen Gebirgstrach­ tenerhaltungsverein unter dem Namen »Dürnstoana« Deining zu gründen. Als Vereinsgruß wurde »Stand­ haft« festgelegt. Jedes Mitglied hatte so zu grüßen, wenn es das Vereinslokal betrat. Als Vereinslokal wurde das Gasthaus »Neuwirt» festge­ legt. Infolge von Zerwürfnissen zwischen den Tracht­ lern und den Töchtern des Wirts mußte das Lokal je­ doch bald wieder gewechselt werden. Als neues Vereinslokal wurde das »Gasthaus zur Post« gewählt. Dies ist bis heute das Vereinsheim geblieben. Eine Tanzbühne wurde, sehr zum Ärger des Neuwirts, gegenüber seiner Gaststätte im Schreinergarten aufge­ stellt. Dort wurden die Tanzproben abgehalten. 238

nen Landwirten zur Verfügung gestellt wurden, Heu. Auf diese Weise kamen 28 Zentner Heu zusammen, die zur geeigneten Zeit verkauft werden sollten. Zur Vergrößerung des Vereinskapitals wurde beschlos­ sen, eine Christbaumfeier abzuhalten.

Die erste Christbaumfeier Am 17. Dezember 1922 wurde die erste Christbaum­ feier des Vereins in der Stube des »Gasthauses zur Post« abgehalten. Die Hauptpreise bestanden aus Lebensmit­ teln, die zur damaligen Zeit infolge der steigenden In­ flation besonders rar und begehrt waren. Die Feier wurde ein großer Erfolg. Zwei Drittel der Gä­ ste waren Arbeiter einer Münchner Firma, die zu dieser Zeit beim Kanalbau in den Isarauen beschäftigt waren und in Deining wohnten. Gerade die Arbeiter steigerten, was das Zeug hielt und so konnte ein beachtlicher Ge­ winn in Höhe von 70 432.-- M erzielt werden. Dieser Erfolg war nicht zuletzt auf das Versteigerungsge­ schick des Auktionators Hans Erb zurückzuführen, der die Stimmung anheizte und die Preise in die Höhe trieb. Zum Schluß der Feier gab es noch böses Blut, da vom Neuwirt Gerüchte in Umlauf gebracht wurden, daß der Erlös in Wein umgesetzt und nicht zum Ankauf einer Fahne verwendet werde.

Kauf der Vereinsfahne

Gründungsvorstand Schwab Lorenz1922 -1925

Bald nach der Christbaumfeier wurde eine Fahne bei ei­ ner Münchner Firma in Auftrag gegeben. Sie sollte 40000.-- M kosten. Im Januar1923 konnte die Fahne ab­ geholt werden. Die Fahne war auf der Vorderseite in weiß gehalten und zeigte in der Mitte das Dorf Deining. Am oberen Rand war der Name des Vereins und am un­ teren der Sitz des Vereins eingestickt. Die Rückseite war rot und zeigte in der Mitte ein tanzendes Trachtenpaar. Zu Kopf und Füßen des Paares prangte der Leitspruch »Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten«. Auf Grund der galoppierenden Inflation mußten für die Fahne inzwischen120000. - M bezahlt werden.


Gründungsmitglieder am Dürnstoa Fahnenweihe 6. Mai 1923

1. Ausflug der Dürnstoana Trachtler zum 2. Reichsbauerntag nach Goslar 1934.

Festzug zur Einweihung der Sebalduskapelle 1949 in Egling 239


Die Fahnenweihe Am 7. Februar 1923 wurde eine Versammlung abgehal­ ten, in der Vorbereitungen für die Fahnenweihe getrof­ fen wurden. Als Patenverein wurden die »Isartaler« Grünwald ausgewählt. Fahnenmutter sollte Frau Su­ sanne Hagl und Fahnenbraut Frl. Maria Köglsperger sein. Zur Fahnenweihe wurden 20 Trachtenvereine so­ wie Deininger Ortsvereine eingeladen. Der Deininger Pfarrer Feicht sollte die Fahne weihen. Dieser stellte jedoch überraschend folgende Bedingun­ gen: 1. Am Tag der Fahnenweihe dürfte keine Tanzveran­ staltung stattfinden. 2. Am Patroziniumstag sollten die Vereinsmitglieder vollständig zu den Sakramenten gehen. 3. Ein Drittel der Einnahmen der Fahnenweihe sollte der Kirche für Seminarien zur Verfügung gestellt wer­ den. Nach ausgiebiger Beratung erklärten sich die Trachtler bereit, die Bedingungen anzunehmen, falls der Pfarrer dies geheimhalten würde. Dies wurde von H.H. Feicht versprochen und so konnte eine Einigung erzielt wer­ den. Der Pfarrer verkündete die getroffenen Vereinbarun­ gen jedoch schon bei der nächsten Sonntagsmesse von der Kanzel. Die Trachtler waren wegen dieses Ver­ tragsbruchs so verärgert, daß sie nun ihrerseits die Be­ dingungen des Pfarrers nicht mehr einhalten wollten. Der Zorn schaukelte sich nun so hoch, daß der Pfarrer die Weihe schließlich ganz verweigerte. Darauf entschlossen sich die Deininger Trachtler, eine Abordnung ins Ordinariat nach München zu schicken und sich dort über den Deininger Pfarrer zu beschwe­ ren. Dort erhielten sie jedoch eine grobe Abfuhr. Der Generalvikar stellte sich voll auf die Seite des Dei­ ninger Geistlichen und las den Trachtlern so die Levi­ ten, daß sie sich schließlich kleinlaut zurückzogen. Schließlich einigte man sich im Verein, die Fahne gar nicht weihen zu lassen und nur zu enthüllen. Als der 240

Dürnstoana Deining - 2. Fahnenweihe 3.8.1952 Pfarrer Feicht von diesem Beschluß hörte, lenkte er überraschend ein und in einer Sonderversammlung ei­ nigte man sich auf folgende Bedingungen: 1. Am Tag der Fahnenweihe sollte kein Tanz abgehalten werden. 2. Jedes Mitglied kann selbst entscheiden, ob es am Pa­ troziniumstag zu den Sakramenten geht. 3. Der Verein kann freiwillig einen Betrag für kirchliche Seminarien zur Verfügung stellen. Nachdem nun das Problem mit der Weihe beseitigt war, machten sich die Trachtler an die Vorbereitungen für das Fest. An den Ortseingängen wurden Girlandenbögen aufgestellt, ebenso an der Einmündung der Hornsteiner Straße und am Eingang des Festplatzes, der am Anger unterhalb des Feichtmeieranwesens vorbereitet wurde. Ein Feldaltar wurde aufgebaut, und im Hof des Gasthauses zur Post wurden ein Tanzboden sowie Stühle für die Festgäste aufgestellt. Am Sonntag, dem 6. Mai 1923, war es dann soweit. Früh um fünf Uhr wurde der Verein mit Böllern geweckt. Es war ein herrlicher Frühsommertag. Die Mitglieder hat­ ten noch eine Menge Vorbereitungen zu treffen. Die

Dürnstoana Deining - 2. Fahnenweihe 3.8.1952 Preise mußten noch ausgestellt und die Straßen be­ sprengt werden, da in Folge langer Trockenheit zenti­ meterdick Staub auf den Wegen lag. Um acht Uhr konnte das Fest endlich beginnen. Die an­ kommenden Vereine wurden mit der Festmusik von den Ortseingängen abgeholt und zum Festplatz beglei­ tet. Nach der Weihe der Fahne formierten sich die Ver­ eine zum Festzug durch das ganze Dorf. Anschließend fanden die Ehrentänze statt und die Preise wurden verteilt. Den Meistpreis erhielt der Pa­ tenverein »Isartaler« Grünwald mit 35 Mitgliedern. Den Weitpreis erhielt die »Alpenrose« Maxkron. Das Fest nahm einen schönen Verlauf und wurde allgemein gelobt. Die einzige negative Episode war, daß ein Ver­ einsmitglied auf eigene Rechnung einen Einstellplatz für Fahrräder zur Verfügung stellte, obwohl der Verein selbst Einstellplätze vermietete. Durch diese unkame­ radschaftliche Handlung sind dem Verein erhebliche Einnahmen entgangen und das Mitglied wurde aus dem Verein ausgeschlossen. Ansonsten war die Kameradschaft prächtig, was man schon daraus ersehen kann, daß sich der Verein an eine


so große Feier wie die Fahnenweihe wagte, obwohl er nur elf weibliche und achtzehn männliche Mitglieder hatte. Alle Einrichtungen wie die Tanzbühne, der Al­ tar, die Girlanden und sonstige Dekoration wurden in Eigenleistung erstellt. Auch die Kameradschaft mit den Nachbarvereinen wurde gepflegt und wenn ein Fest anstand, war den Trachtlern kein Weg zu weit und zu beschwerlich, um an einem Fest teilzunehmen. So fuhren z.B. sechs Deininger Trachtler mit Fahrrädern bei strömendem Regen am 23. Mai 1923 nach Leng­ gries, um an der dortigen Fahnenweihe teilzunehmen. Die Vereinsfahne wurde in einer Regenhülle mitge­ führt und konnte nur bei der HI. Messe in der Kirche kurz herausgenommen werden, da der Regen den gan­ zen Tag anhielt.

Anfänge des Theaterspielens

Auch 1923 wurde wieder eine Weihnachsfeier abgehal­ ten, zu der wegen heftiger Schneefälle jedoch nur wenig Leute kamen. Der Erlös von 165 M (nach der Inflation) wurde zum Ankauf von Material für eine Theater­ bühne verwendet. Die Trachtler und vor allem Malermeister Grunow, der aus Berlin stammte, arbeiteten fast Tag und Nacht an den Kulissen, so daß die Bühne rechtzeitig für die erste Theateraufführung am 17. Februar 1924 fertiggestellt werden konnte. In der Folgezeit wurde häufig Theater gespielt. Die Vorstellungen waren gut besucht und der Verein er­ zielte durch die Darbietungen gute Einnahmen. Die lu­ stigen Stücke hatten großen Erfolg. Lediglich zwei ern­ stere Stücke fanden, trotz guter schauspielerischer Lei­ stung, weniger Beachtung.

Beitritt zum Gauverband

Im November 1927 fand eine außerordentliche Ver­ sammlung in Deining statt, an der auch der Vorstand des Isargauverbandes, Holzer, teilnahm. In dieser Ver­ sammlung legte der Gauvorstand den Deininger Trachtlern nahe, sich bald einem Gau anzuschließen.

Er bekräftigte diese Anregung noch mit der Bemer­ kung, daß wilde Vereine über kurz oder lang nicht mehr geduldet würden. Am 8. August 1928 fand das 8. Isargaufest in Irschen­ hausen statt. Dort bekamen die Deininger zum ersten Mal die feindselige Haltung der Gauverbände gegen die »wilden« Vereine zu spüren. Obwohl den Deinin­ gern mit 36 Mitgliedern der Meistpreis außer Gau zuge­ standen wäre, wurde ihnen der Preis verweigert. Nach einem heftigen Streit traten die Deininger den Heim­ weg an, faßten aber den Vorsatz, dem Isargau diesen Zwischenfall nicht zu vergessen. Wohl aus Verärge­ rung über diesen Vorfall beschloß der Trachtenverein am 17. Oktober 1928, einen Antrag auf Aufnahme in den Loisachgau zu stellen. Am 1. April 1929 wurde der Verein bei der Loisachgau­ versammlung in Thalkirchen in den Loisachgau aufge­ nommen. Die Aufnahmegebühr betrug 10 M, der Jah­ resbeitrag ebenfalls.

Aus dem Vereinsleben

Am 17. August 1930 nahm der Trachtenverein Deining an seiner ersten Großveranstaltung teil. Zusammen mit den anderen Vereinen des Loisachgaues beteiligten sich die Deininger an einem Trachtenaufmarsch in Ro­ senheim. An diesem Ereignis nahmen nahezu alle süddeutschen Gauverbände teil. Insgesamt sollen 10 000 Trachtler mit 30 Musikkapellen und 300 Fahnen mitgewirkt ha­ ben. Ein mehrere Kilometer langer Festzug, der viel Aufsehen erregte, zog sich durch Rosenheim. Die Dei­ ninger fuhren zu diesem Ereignis mit einem LKW nach Rosenheim. Abfahrt war um 6 Uhr in Deining. An­ kunft in Rosenheim um 7.30 Uhr. Der LKW konnte für 75 Pf. pro Kilometer gemietet werden. Der Loisachgau beteiligte sich mit 182 Mitgliedern. Die Deininger stell­ ten davon 28. Am 1. Oktober 1933 fand ein zweiter Festaufmarsch in München statt, der aber schon stark unter nationalso­ zialistischem Einfluß stand. Die Deininger Trachtler beteiligten sich hier ebenfalls. Insgesamt sollen 19 000 Trachtler mit 65 Musikkapellen dabeigewesen sein.

In den ersten Jahren herrschte im Trachtenverein im­ mer Damenmangel. Dies kann man nicht nur beim Durchblättern der Mitgliederverzeichnisse feststellen, sondern auch der Niederschrift des Schriftführers im Jahre 1931 entnehmen: »Es wurde beschlossen, daß bei unserem Vereinsball jedes männliche Mitglied, welches ohne Dirndl kommt, 1 M mehr Zechgeld bezahlen muß«. Überhaupt war der damalige Verein nicht um Einfälle verlegen, wenn es galt, die Kasse aufzubessern. So wurde anläßlich eines Gartenfestes beschlossen, daß nicht nur 30 Pf. Eintritt kassiert werden sollten, son­ dern daß jedes Paar pro Tanz 10 Pf. entrichten mußte.

Gründung der Musikkapelle

Im August 1931 wurde in Deining eine Musikkapelle gegründet. Die künftigen Mitglieder fragten beim Trachtenverein nach, ob sie 100 M für den Ankauf von Instrumenten geliehen bekämen. Dieses Darlehen wurde ihnen unter der Bedingung zugesagt, daß alle Musiker dem Trachtenverein beitreten. Nachdem alle Musiker dem Wunsch nachgekommen waren, erhielten sie das Darlehen.

Aus dem Vereinsleben

Daß nicht immer alle Veranstaltungen reibungslos ver­ liefen, mag folgender Vorfall belegen: Am 14. Juni 1931 wollte sich der Trachtenverein an einer Veranstal­ tung zum 45. Todestag von König Ludwig II in Berg be­ teiligen. Da aber das Schloß des Schrankes, in dem die Fahne verwahrt wurde, nicht aufzukriegen war, mußte die Abordnung schließlich ohne Fahne an der Veran­ staltung teilnehmen. Ein großes Ereignis für den GTEV Deining stellte die Einladung zum 2. Reichsbauerntag 1934 in Goslar dar, die vom Assessor der Landwirtschaftsschule Wolfrats­ hausen überbracht wurde. Demnach sollten zwölf Paare aus Deining unsere Heimat vertreten. So fuhren also nach den Vorbereitungen 25 Trachtenkameraden mit dem Milliwagen zum Hauptbahnhof nach Mün­ chen. Auf einer Zwischenstation in Würzburg wurde 241


unter Verwendung des Vereinshumpens noch einmal Abschied vom bayerischen Bier gefeiert, was auch das einzige bleiben sollte, was den Trachtlern bei den Preu­ ßen fehlte. In Harzburg, ihrem Quartier für eine Woche, wurden sie auch sehr herzlich empfangen und waren sofort das Stadtgespräch, wozu vor allem die Trachten, Musik und Tänze beitrugen. Sie stellten sich als hervorragende Repräsentanten unseres Brauchtums heraus, wobei es aber, wie nachzulesen ist, nicht gerade traurig herging. Auf einer großen Festlichkeit konnte der Vorstand drei der vorhandenen sieben Maßkrüge erobern, doch die Freude wurde getrübt, da die Maß Bier 1,20 M kostete. Bei den Aufführungen wurden Plattler und historische Tänze dargeboten. Auf den Heimweg wurde ihnen ne­ ben den besten Wünschen auch noch eine gutgemeinte Redewendung der Berliner Feldpolizei mitgegeben: »Wenn etwas los ist, sind bestimmt die Bayern dabei«. Welchen zweideutigen Hintergrund diese so schöne Reise hatte, bei der die Verpflegung und die Fahrt frei waren, kann man jedoch daran ersehen, daß zwei Trachtenkameraden wegen ihres kleinen Wuchses nicht mitfahren durften und daraufhin ein dritter Ka­ merad auch von der Fahrt Abstand nahm. Im Jahre 1938 hätte man das Gaufest zugesprochen be­ kommen, die Musiker waren auch dafür, doch die Mehrzahl der Trachtler hat sich dagegen ausgespro­ chen, da viele zum Militär mußten und außerdem ge­ rade Ebbe in der Kasse war. So fiel das Gaufest an Pul­ lach. Am 23. Oktober 1938 gab es eine Sonderversammlung des KdF, bei der den Vorständen der Trachtenvereine die Auflösung des Trachtengaus und eine Neueintei­ lung mitgeteilt wurde. Von 1939 - 1945 ruhte das Vereinsleben. Am 3. Februar 1946 meldete Georg Quien den Verein wieder an und erhielt eine Genehmigung, wobei er als vorläufiger Vorstand fungierte. Die erste_Hauptver­ sammlung, bei der »der Kassier sich inzwischen verhei­ ratet hatte und deshalb der Kassenbericht ausfiel« fand am 9. Februar 1946 statt. Es kamen sofort viele neue 242

Mitglieder hinzu und sogleich wurde auch ein Fa­ schingsball zur Freude aller abgehalten. So pendelte sich nach den schweren Kriegsjahren alles wieder ein. Bei der Währungsreform mußte das gesamte Vereins­ vermögen einbezahlt werden, da der Verein eine öf­ fentliche Körperschaft war. Der damalge Schriftführer Dionys Rieger schildert das Ausrücken zum Gaufest in Wolfratshausen am 1.8.1948 so: »Schon Tage vorher war alles bei der Ar­ beit. Zwei Festwägen wurden hergerichtet. Kastulus Hagl und Gar Aumühle stellten die Gespanne, die prächtig aufgeputzt waren. Bei schönstem Wetter ging am Sonntag früh die Fahrt los. Die Beteiligung war sehr gut. Elf weibliche und 32 männliche Mitglieder nahmen teil. Auch beim Festzug fuhren wir mit unseren Festwägen mit. Abends kehrten wir in froher Stimmung heim und machten bei unserem Herbergswirt Hörmann weiter. Bis spät wurde noch getanzt. Unser Vereinsmusiker spielte unermüdlich«. Bei der Generalversammlung am 21.8.1948 hielt der­ selbe Chronist etwas recht Interessantes zum Thema Emanzipation fest: »Die Anregung, zur Versammlung auch die weiblichen Mitglieder beizuziehen, wurde mit der Begründung ab­ gelehnt, es schon einmal probiert zu haben. Anschei­ nend wurden dabei keine guten Erfahrungen ge­ macht«. Am 22. Januar 1949 spielte zum erstenmal wieder die Deininger Blasmusik auf einem Ball. Am 2. und 3. August 1952 fand in Deining das 25. Jubi­ läums-Gaufest statt, verbunden mit dem 30. Gründungs­ fest und mit einer Fahnenweihe. Die Eigenleistungen zu diesem Fest waren ungeheuer. So hat etwa die Fah­ nenmutter Kreszenz Bauer unter Mithilfe ihrer Schwe­ ster Theresa Leppmeier nach einer Zeichnung deren Mannes Matthias Leppmeier die Fahne selbst gestickt. Dies soll nur als Beispiel dienen; denn die Aufzählung sämtlicher Leistungen würde diesen Rahmen wohl sprengen.

Beim Heimatabend wirkten auswärtige und vereinsei­ gene Gruppen mit und auf Wunsch der Festgäste muß­ ten die Gründungsmitglieder einen Ehrtanz machen. Am Sonntag zelebrierte Abt Sigisbert Mitterer im Stollhof den Festgottesdienst und weihte auch die Fahne. Bei schönem Wetter gab es am Nachmittag ei­ nen prächtigen Festzug mit 35 Vereinen und sechs Mu­ sikkapellen. Um den Schirmherrn Kronprinz Rupprecht von Bay­ ern gibt es eine Episode, die ich dem werten Leser nicht vorenthalten möchte, da sie vom damaligen Schriftfüh­ rer Peter Schmotz in so trefflicher Weise geschildert wurde: »Aufgabe des Chronisten ist es aber auch, ein unliebsa­ mes Vorkommnis festzuhalten. Der Verein hatte seine Königliche Hoheit Kronprinz Rupprecht von Bayern gebeten, die Schirmherrschaft über das Fest zu über­ nehmen. Zur großen Freude der Mitglieder gab der Kronprinz schriftlich seine Zusage. Ohne Wissen des Vereins fuhren am 21. Juli nach überreichlichem Alko­ holgenuß (man spricht von 15 Maß Bier) zwei Kamera­ den nach Leutstetten zu Seiner Kgl. Hoheit und gaben sich dort wahrheitswidrig als Abordnung des Trachten­ vereins Deining aus und baten den Kronprinzen, die Schirmherrschaft über das Fest zu übernehmen. Der Kronprinz sagte, er hätte schon längst schriftlich zuge­ sagt. Der eine Kamerad, der nach stundenlangem War­ ten vom Kronprinzen empfangen wurde, erklärte die­ sem auf die Frage, warum er weine, weil er nach 30 Jah­ ren seinen König wiedersehe«. Beim 40jährigen Gründungsfest am 25. und 26.8.1962 feierte die Blaskapelle gleichzeitig ihr 30jähriges Beste­ hen. Am Samstag wurde ein Heimatabend abgehalten und am Festtag selbst nahmen 35 Vereine teil. Das 50jährige Gründungsfest am 8. und 9. Juli 1972 wurde wiederum mit einem Heimatabend und dem eigentli­ chen Festtag am Sonntag mit 29 Vereinen begangen. Am Montag, den 10. Juli, fand ab 19 Uhr noch ein bun­ ter Abend statt.


Gruppenfoto beim Gaufest 1952. Dürnstoana Trachtler mit Blaskapelle Deining.

Heimatabend Gaufest 1982 (Kronentanz)

Mitglieder aus den Gründungsjahren (1922- 1930)

Festzug - Gaufest 1982 »Dürnstoana« 243


Das 55. Gaufest mit 60jährigem Gründungsfest wurde am Freitag, dem 13. August 1982, mit einer Bierprobe eingeleitet. Den Heimatabend gestaltete zum größten Teil der Verein selbst, wobei verschiedene Gruppen zu einem Auftritt kamen. Am Sonntag, dem 15. August, wurde morgens ein Ständchen beim Schirmherrn Bür­ germeister Manfred Nagler und dem Ehrenvorstand Lorenz Schwab gespielt. 2000 Trachtler der 29 Vereine und 17 Kapellen konnten bereits beim Kirchenzug ge­ zählt werden, und der Festzug war ein ebenso prächti­ ger Anblick. Zum Ausklang spielten die Mehrsteiner Musikanten. Durch das gutgelungene Gaufest erlebte der Verein ei­ nen Aufschwung, in dessen Folge auch zwei Hausmusik­ gruppen gegründet wurden: Die Dürnstoana Madln (gegr. 1983) und die Oberdorfer Musi (gegr. 1985). Das wohl schönste Fest, das der Verein in neuerer Zeit mitfeiern durfte, war das Jahrhundertfest der Bayeri­ schen Trachtenvereine am 3. Juli 1983 in München. Die

Deininger Trachtler beteiligten sich mit 60 Mitgliedern an diesem Ereignis. Jeder, der dabei war, war stolz, zu dieser »großen Familie« dazuzugehören und keiner be­ reute es, an dem insgesamt doch sehr anstrengen Fest­ zug teilgenommen zu haben. In letzter Zeit hatte der Verein öfter Probleme, da der » Gasthof zur Post«, wo es einen Saal gibt, seit einigen Jahren sehr unregelmäßig betrieben wurde. Dies kann jedoch der Kameradschaft keinen Abbruch tun, wie an den fröhlichen Gesichtern der Vereinsmitglieder auf dem Foto, das 1982 vor dem Bauschneiderhof aufge­ nommen wurde, zu erkennen ist. Vereinsvorstände: Schwab Lorenz 2.9.22 - 29.8.25 Hartl Leonhard 29.8.25 - 25.8.28 Köglsperger Wastl 25.8.28 -26.8.33 Kranz Michl 26.8.33 - 24.8.34 Rieger Hans 24.8.34 - 29.8.36 Förg Hans 29.8.36 - 26.8.39

Gruppenfoto Gaufest 1982. Dürnstoana Trachtler mit Blaskapelle Deining 244

Vereinsleben ruhte vom 26.8.39 bis Mai 1945 Quien Georg 9.2.46 - August 1951 Bauer Peter August 1951 -20.8.60 Spindler Nikolaus 20.8.60 -17.9.78 Pertold Hans 17.9.78 -07.9.86 Kranz Lorenz seit 7.9.86 Gefallene und vermißte Kameraden: Pflügler Rudolf 9.9.39 in Süd-Galizien Lindmayer Leonhard 29.5.43 Kiefer Josef 28.3.44 in Rußland Hofberger Hans Januar 1945 in russischer Gefangenschaft Kiefer Georg 15.1.47 in russ. Gefangenschaft Spindler Hans vermißt 1944 in Rußland Huber Karl vermißt Förg Hans vermißt Walch Hans vermißt Mayr Josef vermißt Hofberger Kurbi vermißt in Rußland Verfasser Hans Spindler Georg Unterholzner

Jugendgruppe 1983: Belegte beim Preisplattln in Seeshaupt den 4. Platz


Ortsgeschichte von Deining Die älteste schriftliche Erwähnung über Deining stammt aus dem Jahre 762. Der Ort hieß damals »Dihi­ ningas« und bedeutet »bei den Leuten des Dihino«. Die erste urkundliche Erwähnung hängt mit der Gründung des Klosters Schäftlarn zusammen. In dem Dokument vom 1. November 762 heißt es: »Unter dem Beistande und der Hilfe unseres Herrn Jesus Christus habe ich, unwürdiger Priester Waltrich, nach reiflicher Überle­ gung zum Heile meiner Seele mit Einwilligung des er­ lauchtesten Bayernherzogs Tassilo auf meinem erbei­ genen Grund und Boden eine Kirche Gottes zu bauen begonnen am Peipinbach an dem Orte, der Skeftilari heißt, nahe dem Isarflusse«. Als Gründungsgut fügte Waltrich die Kirchen in Deining und Ehpolding dem Kloster hinzu. Der Ort Deining bestand sicher schon lange vor seiner urkundlichen Erwähnung. Zu erwäh­ nen ist in diesem Zusammenhang die keltische Viereck­ schanze auf dem Schönberg. Philipp Apian nennt sie in seiner Topographie Bayern (um 1568) »Vestigium anti­ quum nominnatum auf der Biburg bei Theining«. Die Grabungsergebnisse im naheliegenden Holzhausen deuten darauf hin, daß diese Anlagen in der Spätlatene (ca. 100 v. bis 15 n. Chr.) keltische Kultstätten waren. Der Flurname »Bibergerin« hat sich bis heute erhalten. Im 9. Jahrhundert taucht der Name Hartmann von Hornstein auf. In der Monumenta Boica wird Eberhar­ dus de Hornstain (1225) erwähnt. Die Hornsteiner wa­ ren Hofmeister der hochgeborenen Fürsten und Herrn von Andechs. Nach dem Aussterben der Andechser dienten die Hornsteiner dem bayerischen Herzog und dem Grafen von Görz. Im Jahre 1285 kommt ein neues Geschlecht, die Torer, nach Hornstein. Sophie, die letzte Hornsteinerin, heiratet den Ritter Eberhard von Klammertor (bei Zirl). Dann sterben die Hornsteiner Torer aus und die Torer von Eurasburg (Iringsburg) übernehmen nun auch Hornstein (1467). Im Jahre 1510 verkaufen die Torer das Schloß Hornstein an die Münchner Patrizierfamilie der Pötschner. Bereits 1570 kommt der Besitz an die »Seyboltstorfer«. Die Herren von Seyboltstorf haben sich als Pfleger zu Wolfratshau246

Pfarrkirche St. Nikolaus Deining sen einen Namen gemacht, denn Vater und Sohn (beide Hans-Siegmund) haben dieses Amt von 1576 bis 1626 innegehabt. Durch Heirat der Tochter Barbara des verstorbenen Seyboltstorf mit Caspar Eglof von Zell zu Immendingen kommt Hornstein 1635 an diese Familie. Aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkei­ ten wurde die Hofmark Hornstein an das Kloster Schäftlarn verkauft. Der endgültige Kaufvertrag vom 25.4.1641 beinhaltet einen Kaufpreis von 16000 Gul­ den. Das Schloß und die Hofmark gehörten dem Klo­ ster bis zur Säkularisation im Jahre 1803. Die Kloster­ hofmark Hornstein kam an den Staat als neuen Grund-

herrn. Der Besitz wurde im Jahre 1810 an den Finanz­ rat von Schrödl verkauft, der ihn dann zertrümmerte. Nach mehreren Besitzwechseln kam der Restbesitz durch Kauf im Jahre 1829 an Josef Johann Walleitner aus Deining. Dadurch trat ein Stillstand im Besitzer­ wechsel ein. Die ehemalige Kloster-Schwaige ist seit­ dem ununterbrochen im Besitz der Familie Walleitner. In der Beschreibung des Churfürsten- und Herzogtums Ober- und Niederbayern durch Michael Wenig zeigt ein Kupferstich von 1700 das Schloß Hornstein. Ein Brunnenschacht mit einer Tiefe von 30 Meter ist noch erhalten. Im 9. Jahrhundert war Deining der Sitz eines Grafen Meginhard, der mit dem Bischof Anno von Freising, ei­ nen Weg zur Deininger Kirche von 30 Fuß Länge und 10 Fuß Breite eintauschte. Leider ist nicht überliefert, an welcher Stelle sich der Grafensitz befand. Um 1150 wird in einer Urkunde von den beiden Edlen Gerricht und Dietprecht berichtet. Der erste sicher bekannte Pfarrer »Chounradus plebanus de Dinningen« wird im Jahre 1170 erwähnt. In den »Schäftlarner Traditionen« sind des öfteren Namen und Güter aus Deining ge­ nannt. Im Zeitraum 806 - 813 schenkt der Edle Erche­ nolf sein Erbgut in Deining an das Kloster. Zwischen 1140 - 1152 übereignet Tutmund mit Zustimmung sei­ nes Herrn Siegband an Rupert von Deining ein Gut zur Übergabe an Schäftlarn. Als Mitsiegler bei Kaufverträ­ gen tauchen 1152 Hainrich de Diningen und 1167 - 1171 Eberhard de Diningen auf. Die ältesten bekannten Höfe Deinings sind der Feicht­ mayrhof (Münchner Str. 6) der 1510 als zur Kirche Ar­ get gehörig erwähnt wird, der Pauschneiderhof (Tölzer Str. 4) der im Jahre 1600 zum Kloster Dietramszell ge­ hörte. Der Sedlmaierhof (Münchner Str. 29) wird 1561 mit den beiden Höfen Ostermaierhube (Tölzer Str. 2) und dem Riegerlehen (Hornsteiner Str. 4) zur Hofmark Hornstein gehörig aufgeführt. Dazu gehörte auch der Sedlhof »Polzenhof« der an der Stelle des Gasthofes »Zur Post« (Tölzer Str. 1) stand. Interessant ist ein Bericht im Pfarrmatrikel über die Marienwallfahrt nach Tuntenhausen vom 1. 5. 1759.


Die Wallfahrer aus der damals noch sehr großen Pfarrei brachen bei der alljährlichen Wallfahrt um 4 Uhr mor­ gens auf und kamen über Großhelfendorf und Beyhar­ ting gegen 17 Uhr in Tuntenhausen an. Die Heimreise erfolgte am nächsten Tag. Weitere Wallfahrten und Bittgänge hatten Andechs, Aufkirchen und München (zum St. Bennoaltar der Frauenkirche) zum Ziel. Als Deinings »großen Sohn« darf Martin Babenstuber bezeichnet werden, der 1660 in Deining im ehemaligen Zimmerseppen-Anwesen (Münchner Str. 16) geboren wurde. Er wurde 1689 zum Priester geweiht und erhielt als Benediktinerpater den Namen Ludwig. Er lehrte als Professor an der Universität Salzburg und bekleidete das Amt eines Dekans der Theologischen Fakultät und war in den Jahren 1709 bis 1716 dort auch Prokanzler. Der Gelehrte war auch als Schriftsteller tätig. Hans Le­ fin, Deining, der intensiv nach den Werken des nam­ haften Theologen forscht, hat bisher 38 Werke regi­ striert. Eine Grabplatte des bedeutenden Gelehrten befand sich im Kreuzgang des Benediktinerklosters Et­ tal, sie wurde aber beim Brand im Jahre 1744 vernich­ tet. Deining hat seinen »berühmten Sohn« nicht verges­ sen. Am Neubau des ehemaligen Geburtshauses erin­ nert eine Marmorplatte an Pater Ludwig Babenstuber, der am 5.4.1726 im Kloster Ettal verstorben ist. Um das Jahr 1800 hatte die Bevölkerung unter den

Überfällen und Brandschatzungen des französischen Heeres zu leiden. Auch in Deining ist ein derartiger Vorfall zu verzeichnen. Ein großes Votivbild erinnert an den Franzoseneinfall vom 13. Juli 1800. Auf dem Bild ist die Dorfmitte mit der Pfarrkirche St. Nikolaus dargestellt. Auf dem Dorfplatz ist der Ortspfarrer im Habit der Prämonstratenser, begleitet vom Mesner und vielen Dorfbewohnern zu sehen. Sie flehen mit erhobe­ nen Händen zur Schmerzhaften Mutter Gottes, damit die Gefahr der Plünderung und Brandschatzung abge­ wendet wird. Die Pfarrangehörigen gelobten, den Schmerzhaften Freitag jährlich zu feiern, ein hl. Amt zu halten und drei Stunden lang zu beten. Aus dem Text auf der Votivtafel ist zu lesen: »Auf dieses Versprechen

Einzug in die Pfarrkirche am Kirchweihfest 1986 mit Bischof Franz Schwarzenböck, (v. l.: Josef Weber, Bi­ schof Schwarzenböck, Prior P. Paulus Rieger und Orts­ pfarrer i. R. Michael Seidel.

St. Georgskapelle Hornstein

hin erlangte die hiesige Gemeinde mit Hornstein die er­ flehte Hilfe. Dafür sei Gott und der Schmerzhaften Mutter Maria ewiger Dank gesagt«. Bis auf den heuti­ gen Tag wird dieses Gelöbnis alljährlich am Schmerz­ haften Freitag von der Pfarrei gehalten. Im Jahre 1820 erhielt die Pfarrkirche St. Nikolaus in Deining einen neuen gemauerten Turm mit einer Höhe von 35 m. Vorher hatte das Gotteshaus nur einen Dach­ reiter aus Holz. Geplant und ausgeführt wurde der Bau von dem Maurermeister Michael Dötzinger aus Wolf-

ratshausen. Der Bau der Kirche erfolgte um 1430. We­ gen Baufälligkeit wurde der gotische Bau im Jahre 1687 erneuert und barockisiert. Aus der gotischen Zeit stammt die Statue des hl. Johannes auf dem Taufstein. Zu erwähnen sind noch die fast lebensgroßen Figuren der hl. Barbara und des hl. Nikolaus, die neben dem Hochaltar aufgestellt sind. Auf der linken Seite des Al­ tarraumes befindet sich ein interessantes Rotmarmor­ relief, das die Hornsteiner Gräfin Elisabeth von Sey­ boltstorf darstellt, die 1617 verstorben ist. Zwei weitere verwitterte Grabsteine, die im Turm eingemauert wa­ ren, wurden 1981 in das Kircheninnere verlegt. Die bei­ den Grabdenkmäler zeigen Wappen der Torer mit den Jahreszahlen 1406 und 1440. Die Pfarrkirche wurde in den Jahren 1869/70, 1912, 1960 und 1981 renoviert. Bei der letzten Renovierung wurde das Schieferdach ent­ fernt und durch rote Biberplatten ersetzt. Bei der Re­ novierung 1981 wollte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege den Pagodenturm mit der Schieferein­ deckung durch einen barocken Zwiebelturm ersetzen. Die Kirchenverwaltung wollte aber das typische Wahr­ zeichen von 1820 nicht verlieren und lehnte die Ände­ rung der Kirchturmspitze ab. Zugestimmt wurde nur einer Eindeckung mit Holzschindeln. Die Kapelle in Hornstein wird erstmals 1325 als Schloß­ kapelle genannt. Im Jahre 1869 wurde der Sakralbau vom Schloßgelände in die Ortsmitte verlagert. Die Ein­ weihung des neu erbauten St. Georgskirchlein erfolgte am 24.4.1870. Im Jahre 1968 wurde die Kapelle reno­ viert und dabei der baufällige Altar durch einen Altar­ tisch aus Stein ersetzt. Die Altarweihe vollzog Regio­ nalbischof Dr. Ernst Tewes. Der Ortsteil Aumühle, der ursprünglich nur »Au« ge­ heißen hat, kommt in den Urkunden selten vor. Erst­ mals 1161/62 tritt bei einer Grundübereignung Adel­ breht de Owe (Au) als Zeuge auf. Ebenso wird um 1120 der Müller Heinrich »de Auwe« genannt. Am 29.1.1325 hatte Kaiser Ludwig der Baier Schäftlarn für seine drei Mühlen, darunter »Awmul«, Steuerfreiheit gewährt. Im Jahre 1802 gehörten zur Pfarrei Deining · die Benefizien Egling, Großdingharting und Harma247


ting. Im Jahre 1803 verfällt das Kloster Schäftlarn der Säkularisation und mit ihm die Klosterpfarrei Deining. Der Übergang der Pfarrei in das Eigentum des Staates vollzog sich förmlich am 22.4.1803. Eine »churfürstli­ che« Lokalkommission erhob im Beisein des Pfarrers Hermann Bauer und der verpflichtenden Schätzmän-_ ner Georg Angermüller und Leonhard Gleisner, beide Halbhöfler zu Irschenhausen, den Bestand des Pfarr­ wittums an Haus- und Baumannsfahrnissen sowie an Vieh. Der nunmehrige Expater durfte mit ausdrückli­ cher Zustimmung des Kurfürsten als Patronatsherrn mit allen pfarrlichen Rechten und Pflichten allhier ver­ bleiben.

garten eingerichtet. Nach dem Tode von Bürgermeister Köglsperger wurde am 13.12.1970 Peter Bauer zum 1. Bürgermeister gewählt. In seine Amtszeit fällt der Bau einer neuen Wasserleitung und die Erschließung eines Tiefbrunnens in der Pupplinger Au. Durch die Gemeindegebietsreform verliert Deining seine Selbständigkeit. Ab 1.5.1978 ist Deining Ortsteil in der Großgemeinde Egling. Die zweiklassige Volks­ schule wurde mit Beginn des Schuljahres 1966/67 aufge­ löst. Die zwar rechtlich noch selbständige Pfarrei wurde am 1.11.1974 dem Pfarrverband Egling zugeordnet. Pfar-

Ehrenbürger und Schulrat a.D. Ludwig Laber war von 1929 bis 1955 als Lehrer in Deining tätig. Er hat eine in­ teressante und umfassende Schulgeschichte über Dei­ nung verfaßt. In Anerkennung seiner Verdienste um die Schule und die Ortsgeschichte, wurde Ludwig La­ ber bei seinem Weggang im Jahre 1955 zum Ehrenbür­ ger der Gemeinde Deining ernannt und ihm eine Straße gewidmet. Aus der Schulgeschichte geht hervor, daß durch allerhöchstes Reskript vom 14.9.1816 die Errich­ tung einer Pfarrschule in Deining angeordnet und schon am 26.9.1816 eröffnet das kgl. Generalkommis­ sariat des Isarkreises dem Pfarrer, daß dem Lehrer Ge­ org Pauli von Sachsenkam der Schul- und Mesnerdienst zu Deining verliehen worden sei. Pauli erwarb das so­ genannte »Baderhäusl« (heutiges Hagl-Anwesen). Später wurde dieses Anwesen abgebrochen und der Landarzt Joseph Gerz baute ein neues Haus mit Walm­ dach, das jetzt reich bemalt ist und unter Denkmal­ schutz steht. Eine Inschrift an der Straßenseite erinnert an die damalige Schule. Im Jahre 1821 wurde der Bau des Schulhauses nach den Plänen des Zimmermeisters Mair a__!ls Wolfratshausen begonnen. Im Spätherbst konnte das Schulhaus - eines der ersten in der Umge­ bung - seiner Bestimmung übergeben werden. Erst im Jahre 1955 wurde ein neues Schulhaus mit zwei Klassen unter Bürgermeister und Ehrenbürger Sebastian Kögls­ perger errichtet. Aufgrund der Volksschulreform wurde das Gebäude frei und im Jahre 1975 ein Kinder248

Ortsbild Deining

rer und Ehrenbürger Michael Seidl versorgte die Pfar­ rei auch noch in seinem Ruhestand. Erst am 30.6.1985 wurde der »letzte Pfarrer« der uralten Mutterpfarrei von seinen noch bestehenden pfarrlichen Teilrechten entpflichtet. Pfarrer Michael Seidl, bekannt durch seine kraftvollen Predigten bei den örtlichen Trachten­ festen, verbringt seinen Lebensabend in Deining. Mit dem Verlust der Gemeinde, Polizeistation, Schule und Pfarrei geht eine lange Tradition der Selbständigkeit Deinings zu Ende. Hans Rieger


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » Almrösl« Hohenschäftlarn Am 4. März 1922 kam im Gasthaus Dittmar in Zell eine kleine Gruppe Trachtler zusammen und gründete ei­ nen Gebirgstrachten-Erhaltungsverein. Es wurde ein Ausschuß gebildet. Als Vorstand wurde Anton Garn­ perl gewählt, als Schriftführer Alois Schmid, Kassier Joseph Melba, Revisor Schuhbauer. Den Vorplattler übernahm Willi Noll, ein erfahrener Trachtler, der bei den »Donautalern« Neuburg, bereits Schriftführer war und als Fremdarbeiter mit seinen Arbeitskameraden in unsere Gemeinde kam. Es wurde damals der Isarkanal vom Wehr Icking nach Mühltal gebaut, wodurch viele junge Burschen in unsere Gegend kamen, so daß bei der ersten Generalversammlung mit den Madeln und Bur­ schen vom Ort schon 32 Mitglieder gezählt wurden. Man hatte Neuwahlen angesetzt und als ersten Vor­ stand Willi Noll gewählt, der das Amt von Anfang an

gut in der Hand hatte. Er hat dafür gesorgt, daß von der ersten Stunde an ein Protokoll geführt wurde. Man be­ schloß damals, Monatsversammlungen und Plattler­ proben abzuhalten. Mittwochs übten die Anfänger, samstags fand der allgemeine Vereinsabend statt. Man beabsichtigte, an Festlichkeiten teilzunehmen und sich hierzu eine Fahne oder Standarte anzuschaffen. Trotz der damaligen knappen Freizeit der Madln und Buam war es ihnen in kurzer Zeit gelungen, eine Standarte anzufertigen, so daß bereits am 18. Juni 1922 das erste Vereinsfest mit Standartenenthüllung abgehalten wer­ den konnte. Mit einem Preisplatteln und einem fröhli­ chen Tanzabend klang dieses erste Fest dann aus. Der Verein bekam den Namen GTEV »Almrösl«, Ebenhausen-Zell. Es wurde beschlossen, die Miesba­ cher Tracht zu tragen. Der Vereinsgruß hieß »Lusti san

Gruppenbild mit Standarte inZell mit Vorstand Pauli Josef, Bildmitte

ma«. Man sprach sich untereinander mit »DU« an, das »SIE« kostete eine Mark, auch der Schiebertanz wurde mit fünf Mark bestraft. Im Protokoll hieß es dann, man solle das »Beschlossene« recht oft übertreten, da dies der Vereinskasse zugute kommt. Die Feste der Nach­ barvereine wurden besucht, man machte mit bei Preis­ platteln und Tanzveranstaltungen. Auch der Bruder­ verein »Donautaler« Neuburg, von denen der 1. Vor­ stand Willi Noll kam, wurde in dieser Zeit besucht. Die ersten Schwierigkeiten traten auf. Die hiesige Be­ hörde hatte den Verein als »bodenständig« nicht aner­ kannt, so schloß man sich den »Donautalern« Neuburg, an. Willi Noll wurde Ehrenvorstand, als Nachfolger wurde Martin Adam gewählt. Der erste Jahrtag wurde mit den Nachbarvereinen »Isarlust« Irschenhausen, Trachtenverein Icking und »Georgenstoana« Baierbrunn, verbunden mit einem Preisplatteln und Musikeinlagen gefeiert. Aus dem Protokollbuch ist zu entnehmen, daß dieser erste Jahr­ tag ein gelungener Festtag war.

Gruppenbild mit Standarte um 1929/30 in Hohenschäftlarn mit Vorstand Franz Rottensteiner, links im Bild. 249


Zum nächsten Trachtenfest nach Deining beschloß man, zu Fuß zu gehen. Es folgte die Fahnenweihe bei den »Wendlstoana« Thanning. Dorthin wurde mit dem Fuhrwerk gefahren, aber es durften nur die »Akti­ ven« aufsitzen. Das Vereinslokal wurde dann auch gewechselt. Von Zell zog man nach Ebenhausen zum Gasthaus »Zur Post«. Der Bau des Isarkanals ging langsam zu Ende, und die Arbeit wurde weniger, so mußte auch unser Ehrenvorstand Willi Noll mit seinen Trachten- und Ar­ beitskameraden Abschied nehmen. Sein Nachfolger wurde Georg Hofmann. Im Verein begann dann eine ruhigere Zeit. Die Aufga­ ben im Ausschuß haben ortsansässige Trachtler über­ nommen. Nach kurzer Zeit wurde auch der Vorstand Georg Hofmann von Joseph Pauli abgelöst. Dies führte auch wieder zu neuen Beschlüssen. Man wollte mit den »Georgenstoana« Baierbrunn und den umliegenden Vereinen rechts und links der Isar einen Sondergau gründen. Da jedoch verschiedene Vereine nicht mitma­ chen wollten, wurde nichts daraus. Man löste sich je-

Fahnenweihe a, 15. Juli 1934 in Hohenschäftlarn. 250

doch von den »Donautalern Neuburg« und schloß sich dem Isargau an. Die Begründung hierfür war, daß die meisten Vereine in München und Umgebung beheima­ tet sind und die Festlichkeiten dann mit der Bahn be­ sucht werden können. Es wurden trotzdem auch die südlichen Nachbarvereine besucht. Es erfolgte wieder ein Vorstands- und Vereinslokal­ wechsel. Durch die jährlichen Neuwahlen hat 1927 Franz Rottensteiner den 1926 gewählten Hans Maurer abgelöst. Joseph Pauli wurde zum Ehrenvorstand er­ nannt. Das neue Vereinslokal hieß »Gasthaus zum Wendelstein« beim Dröscher-Wirt in Hohenschäftlarn, da nun von dort auch die meisten Mitglieder kamen. Wir schreiben 1932- die Wirtschaftskrise- überschat­ tete das lOjährige Gründungsfest. Über eine neue Fahne wurde gesprochen, Geld war nicht vorhanden, die Zeit war schlecht, und viele waren arbeitslos. Der Verein bestand hauptsächlich aus Arbeitern, Knechten und Mägden. Dazu kam, daß er von »Fremdarbeitern« gegründet worden war. Er hatte zwangsläufig einen schweren Stand in der Ortsgemeinde. Das lOjährige

Gründungsfest wurde daher im kleinen Kreis gefeiert. Dann führte eine Auseinandersetzung mit dem Wirt, dem es damals nicht gefiel, daß der Verein, um die Kasse aufzufrischen, auch eine Tanzveranstaltung im früheren Vereinslokal abhielt, zu einem neuerlichen Lokalwechsel. Beim Kapuzinerwirt »Gasthaus zur Post«, Hohenschäftlarn, war man dann so richtig da­ heim. Hier war endlich ein Vereinslokal mit einem gro­ ßen Saal, in dem man auch größere Veranstaltungen abhalten konnte. Nach einem Heimatabend und meh­ reren Theateraufführungen- die die Kasse aufbesser­ ten - entschloß man sich, eine Fahne anfertigen zu las­ sen. Der Wirt und die Brauerei unterstützten den Ver­ ein, und 1934 war es dann soweit. Das erste große Fest, verbunden mit der Fahnenweihe, fand am 14. und 15. Juli 1934 statt. Der Nachbarverein »Isarlust« lrschenhausen hat die Patenschaft übernom­ men. Das Grußwort hieß jetzt »Grüß Gott« und auf der neuen Fahne stand »Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Almrösl, Hohenschäftlarn«. Das gelungene Fest gab dem Verein wieder Auftrieb. Die Kasse konnte jedoch

Fahnenweihe 1934, Kutsche mit Ehrengästen.


nicht zufriedenstellend aufgebessert werden, da an den Festtagen schlechtes Wetter war und wenige Besucher am Fest teilnahmen. Trotzdem hat der Verein für die geleistete Arbeit an Ansehen im Ort gewonnen. In dieser Zeit wurde auch eine Jugendgruppe aufge­ stellt. Der 15jährige Alois Bäck war schon lange ein be­ geisterter Beobachter der »Aktiven« bei ihren Proben. Mit der Zusprache von Franz Mooseder bemühte er sich, einige Burschen zu finden, die auch das Platteln lernen wollten. Dies ist ihm gelungen, und so ist die er­ ste Jugendgruppe entstanden. Die Leitung übernahm Franz Mooseder, der selbst ein eifriger Trachtler war. 1937 wurde Anton Degen zum ersten Vorstand ge­ wählt. Franz Rottensteiner wurde zum Ehrenvorstand ernannt. Es tauchten die ersten politischen Schwierig­ keiten auf. Das Dritte Reich machte sich bemerkbar. Das »Grüß Gott« durfte nicht mehr gesagt werden, es mußte »Heil Hitler« heißen. Der Trachtenverein mußte sich Trachten- und Kulturgemeinschaft nennen. Der Vorstand wurde mit Trachtenwart angesprochen. Um den Verein zu erhalten, war man gezwungen, hier-

Unser Ehrenmitglied Franz Fischer gratuliert Kron­ prinz Rupprecht zum 80. Geburtstag, der Verein führte ihm zu Ehren den Bandltanz auf.

Gruppenbild beim 50jährigen Gründungsfest 1958 bei unserem Patenverein Isar­ lust, Irschenhausen (rechts im Bild 1. Vorstand Sebald Loth).

bei mitzumachen. Die jungen Burschen wurden bereits zum Militär eingezogen. Es gab daher wieder einen Vorstandswechsel. Bartl Felber löste Anton Degen ab. Als der zweite Weltkrieg im September 1939 begann, mußte auch Bartl Felber zum Militär und gab sein Amt an Anton Löchle ab. Es wurde still um den Verein. Viele waren im Krieg. Die Seiten des Protokollbuches von 1940 - 1945 wurden in weiser Voraussicht damals entfernt. Dadurch ist jedoch nicht mehr feststellbar, was in dieser Zeit innerhalb des Vereins geschehen ist. Im Herbst 1945 fand dann wieder die erste Zusammen­ kunft mit den Alten, die zuhause geblieben waren, und denen, die nach kurzer Gefangenschaft entlassen wur­ den, statt. Viele sahen ihre Heimat nicht wieder, einige kamen erst nach langer Gefangenschaft zurück. Der Ehrenvorstand Franz Rottensteiner hatte in den Nach­ kriegsjahren 45 - 49 den Verein geführt, dann über­ nahm Franz Fischer als erster Vorstand den Verein. Er war von Jugend an dabei und hatte bereits mehrere Ämter im Verein bekleidet. Es ging wieder aufwärts. Die Besatzungsmacht tolerierte das Vereinsstreben.

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Fähnrich Martin Angermüller mit Fahnenbegleitung und Taferlbua am 12. 7. 1972 beim Gaufest in Hohenschäftlarn. 251


Man versuchte wieder, junge Leute für den Trachten­ verein zu gewinnen. Es wurden wieder Festlichkeiten und Veranstaltungen im Gau besucht. Ein erfreuliches Fest fand am 15. Mai 1949 statt. Kronprinz Rupprecht feierte seinen 80. Geburtstag in Leutstetten. Unser Verein hat ihm zu Ehren den Bandltanz aufgeführt. Leider mußte Franz Fischer, bedingt durch seine Kriegsverletzung, sein Amt nach einem Jahr wieder niederlegen. Anton Löchle war bereit, wieder das Amt des ersten Vorstandes zu übernehmen. Als Bartl Felber nach langer Gefangenschaft zurückkam, hat man ihn bei der Neuwahl 1950 sofort wieder zum 1. Vorstand gewählt. Aus gesundheitlichen Gründen hat dann auch Bartl Felber sein Amt wieder abgegeben. So kam 1952 der erste Vorstand von der Jugendgruppe heraus. Es war Sebald Loth, der selbst sehr lange in russischer Ge­ fangenschaft war. Seine Tatkraft und sein Engagement führten dazu, daß er als erster Vorstand 10 Jahre unun­ terbrochen im Amt war. Durch seine reiche Erfahrung hatte der Verein eine vorbildliche Stütze. Zu den Trachtenfesten des Isargaues nach München zu fahren, fand bei den Trachtlern keinen nachhaltigen Einklang mehr. Man entschloß sich, dem Loisachgau beizutreten. Bereits vor 20 Jahren wäre es soweit gewe­ sen, aber da kam die Politik dazwischen. Sebald Loth hatte den Auftrag übernommen, mit den Verantwortli­ chen des Isar- und Loisachgaues zu sprechen. Die Gründe für den Wechsel waren, daß man zu den Verei­ nen und Leuten der umliegenden Ortschaften mehr Kontakt hatte und dadurch die Veranstaltungen dort lieber besuchte, als die in der Münchner Gegend. Auch durch die Kreisheimatabende im Landkreis Wolfrats­ hausen war man schon öfters mit den Vereinen des Loi­ sachgaues zusammengetroffen. Durch beiderseitiges Einvernehmen war es dann 1956 soweit, wir wurden in den Loisachgau aufgenommen. In dieser Zeit wurden neben Plattlerproben und Ver­ einsabenden auch wieder kleinere Veranstaltungen ab­ gehalten. Mit einem erfolgreich gelungenem Heimat­ abend glaubte man schon, es ginge alles gut. Aber schon gab es wieder _Schwierigkeiten. Diesmal nicht 252

durch die Politik, die Zeiten waren gut, sondern durch das Wirtschaftswunder. Die jungen Burschen kauften sich Motorräder und Autos. Sie hatten keine Zeit mehr für ein Vereinsleben. Samstag und Sonntag wurde fort­ gefahren. Auch ältere und langjährige Trachtler ließen sich davon beeinflußen. Das führte dazu, daß Vorstand Sebald Loth bei der Jahresversammlung sein Amt nie­ derlegte. Mit einem kleinen Häuflein Trachtler, die leicht um einen Tisch herum Platz hatten, besprach man in der Versammlung die schwierige Situation. Da-

mit der Verein sich nicht auflöste, redete man Alois Bäck gut zu, den ersten Vorstand zu übernehmen. Er war dazu bereit und wurde 1962 erster Vorstand. Als erfahrener Trachtler, der die erste Jugendgruppe auf­ stellte, bereits Vorplattler war und auch sonst mit allen Ämtern im Verein vertraut war, hatte er das Zeug dazu. Der Anfang war für ihn nicht einfach, da das Ver­ einsleben fast vollständig erlahmt war. Auch mußte am Beginn seiner Amtszeit wieder ein neues Vereinslokal gesucht werden, da der Herbergsvater gestorben ist und die Wirtschaft nicht weitergeführt wurde. Der Ver­ ein wechselte wieder zum Dröscher. Merklich aufwärts ging es 1965. Die Burschen organisierten die Maimusik und baten den Trachtenverein um Unterstützung. Un­ ser Vorstand hat damals den Burschen und Madln in vielen Tanzproben verschiedene Volkstänze gelernt. Die jungen Leute fanden Gefallen an den Volkstänzen, und so sind nach dieser Maimusik einige Madln und Buam - darunter auch der damalige Burschenvorstand - unserem Verein beigetreten. Seither ist die gute Zu­ sammenarbeit zwischen dem Burschenverein und unse­ rem Verein erhalten geblieben. Die früheren Unstim­ migkeiten konnten voll beigelegt werden. Am 21. Mai 1965 waren wir mit der Fahne und einigen Mitgliedern beim Empfang des englischen Königspaa­ res in München dabei. Wieder wurde das Vereinslokal gewechselt. Beim Drö­ scher wurde der Saal auch vom Schützenverein be­ nutzt, der Auf- und Abbau der Schießanlage wurde auf die Dauer zu umständlich, so daß man ein neues Ver­ einslokal im Nebenzimmer der Bahnhofgaststätte Sehlee gefunden hat. Zu den Wirtsleuten entwickelte sich ein gutes Verhältnis, so daß der Verein bis heute dort freitags im 14tägigen Rhythmus die Vereins­ abende und Plattlerproben abhalten kann.

Aussteuerschrank bei der Ausstellung der 1200-Jahr­ feier.

Die Klosterschwestern von Aufkirchen wurden nach 1965 von uns gebeten, unsere Fahne, die nun schon ziemlich verschlissen war, auszubessern. Unser Ver­ einsmusiker und Schreinermeister Konrad Müller hat den Auftrag erhalten, einen Fahnenkasten, von dem


Aufmarsch beim Festzug in Eurasburg 1978.

Ehrung langjähriger Mitglieder beim 60-jährigen Gründungsfest 1982.

Altarbild, Feldmesse beim 60-jährigen Gründungsfest 1982.

Trachtenjahrtag in der St. Georgskirche 1987. 253


schon sei 30 Jahren gesprochen wurde, anzufertigen. Auch konnten wir mit dem damaligen Vereinsvermö­ gen noch ein paar eigene Vereinstrachten anfertigen lassen. Beim Maifest 1970 sind wir dem Burschenverein wieder hilfreich zur Seite gestanden. Diesmal haben Georg Amler und unser damaliger Vortänzer Rudi Slavik den jungen Leuten die Volkstänze gelernt. Nach dieser Maifeier sind dann wieder einige junge Leute in unse­ ren Verein gekommen. Das 50jährige Gründungsfest im Jahr 1972 wurde vor­ bereitet. Daß der Loisachgau das 45. Gaufest auch an unseren Verein vergeben hat, war für uns eine große Ehre. Der Verein und besonders der damalige Festaus­ schuß haben sich bemüht, dieses Fest vom 11. 13. 8. 1972 vorbildlich zu organisieren. Das Fest selbst wurde am Freitag mit einem Tanzabend und Plattler­ einlagen des Vereins eröffnet, am Samstag fand ein Heimatabend statt. Am Sonntag konnten wir alle Gau­ vereine und einen außer Gau begrüßen. Vor dem Fest Mitte April 1972 hat man wieder eine Jugendplattler­ gruppe aufgestellt. Die Initiative dazu ging von unseren jungen Mitgliedern Peter Holzer, Peter Ossner und Ludwig Doll aus, die den Jugendlichen in kürzester Zeit das Platteln lernten. Der erste Auftritt dieser Gruppe erfolgte dann bereits an unseren Festtagen. Das Fest selbst hat in unserer Gemeinde sehr großen Anklang gefunden und wir haben wieder einige neue Mitglieder, auch ältere Jahrgänge, für unseren Verein gewinnen können. 1975 führte dann die Jugendarbeit von Peter Ossner zu einem großen Erfolg. Am 1.6.1975 hat der Loisachgau das Gau-Gruppenwertungsplatteln in Thanning durch­ geführt. Unsere zwei Jugendgruppen konnten den 1. und 2. Platz erreichen. An Veranstaltungen im Gau und außerhalb, in der Gemeinde und bei kirchlichen Anläßen waren unsere Mitglieder immer gerne dabei. 1978 beteiligten wir uns an der 1200 Jahrfeier der Ge­ meinde Schäftlarn mit einem Heimatabend und einer Ausstellung über Brauchtum und Tracht. Dasselbe galt auch für die 1200 Jahrfeier des Kloster Schäftlarn. 254

Gruppenbild mit Maibaum und der Ortskirche. Es war uns eine große Ehre, bei der Fahnenweihe des Trachtenvereins »Alpenblick« Berg Eurasburg 1978 Pate zu sein. Mit Plattlerproben, Vereins- und Volkstanzabenden, Hoagartn und Weihnachtsfeiern sind die Jahre vergan­ gen, und es stand das 60jährige Gründungsfest vor der Tür. Dem Loisachgau konnten wir bei der Herbstver­ sammlung im November 81 noch nicht bekanntgeben, wie und ob wir dieses Fest feiern werden. Die Vor­ standschaft wollte das Ergebnis der Neuwahlen, die bei der Hauptversammlung im November 81 stattfanden, abwarten. Bei der Hauptversammlung wurde dann ent-

schieden, das »60jährige« auch wieder mit 3 Festtagen vom 23. - 25.7.1982 zu feiern. Trotz unserer verspäte­ ten Einladungen zu diesem Fest haben 24 Vereine ihre Teilnahme zugesagt. Wir möchten diesen Vereinen da­ für heute noch herzlichst danken. Der Festausschuß und die Mitglieder haben bei der Vorbereitungszeit wieder fleißig zusammengeholfen, und so wurde auch dieses Fest ein großer Erfolg. Am 3. Juli 1983 nahm der Verein mit 56 Mitgliedern am lO0jährigen Trachtenfest in München teil. Sicher hat es keiner bereut, bei diesem nicht alltäglichen Fest dabei­ gewesen zu sein. Wir freuen uns sehr, daß sich in den letzten Jahren aus


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dem Verein wieder eine Stubnmusi und ein Frauendrei­ gesang zusammengefunden haben. Auch unsere Tanzl­ musi - die früher _viele Volkstanzabende gestaltete spielt uns heute noch bei verschiedenen vereinsinter­ nen Anlässen auf. Große Anerkennung gebührt unse­ rem Vereinsmusiker Konrad Müller, der bereits über 20 Jahre zu unseren Plattlerproben fleißig aufspielt. Die Gemeinde Schäftlarn hat 24 Ortsvereine. Bei die­ sem Angebot ist es etwas schwierig, Mitglieder zu ge­ winnen. Trotzdem ist unser heutiger Stand mit 149 Mit­ gliedern und 30 Jugendlichen zufriedenstellend. Wir hoffen, daß es so bleibt und daß es immer Trachtler gibt, die sich mit unserem Brauchtum identifizieren und es an die folgenden Generationen weitergeben. Der Verein wurde in den 65 Jahren seines Bestehens von 22 Vorständen geführt. Davon wurden drei Ehren­ vorstände: Willi Noll, Joseph Pauli und Franz Rotten­ steiner. 25 Jahre führt den Verein nun schon unser 1. Vorstand Alois Bäck. Es war sicher nicht immer leicht für ihn, so viele Trachtler unter »einen Hut« zu brin­ gen. Wir hoffen, daß er sein Amt noch lange ausführen kann.

Kassiere gab es in den 65 Jahren nur zehn. Das bedeu­ tet, daß die Vereinskasse immer in guten Händen war. Der unvergessene Josef Hott führte die Kasse zwei Jahrzehnte, Franz Samuel 13 Jahre und seit 1970 ist un­ sere Kasse in den gewissenhaften Händen von Leon­ hard Brandl. Außerdem gab es 23 Schriftführer, wobei Johann Bäck viele Jahre die Ereignisse niedergeschrieben hat. In den letzten 30 Jahren haben immer weibliche Mitglie­ der das Protokollbuch geführt. Seit 1975 ist es Erika Degen, die unser Vereinsgeschehen sehr sorgfältig fest­ hält. Seit 1979 ist Hans StroblJugendvertreter. Mit gro­ ßem Einsatz und Eifer versucht er, den Kindern undJu­ gendlichen das Platteln und Tanzen zu lernen. Auch unser Vorplattler Helmut Kohse - seit 1981 im Amt bemüht sich sehr um die Aktivität im Verein. So feierten wir 1987 unseren 65. Jahrtag und schließen diese Chronik mit unserem Gruß »Treu dem guten, alten Brauch«. gez. Alois Bäck, 1. Vorstand

Der 1. Vorstand Alois Bäck 1987 mit zwei Schalkfrauen, Erika Degen und Ingrid Slavik. 256

Ortsgeschichte von Hohenschäftlarn Der heutige Gemeindebereich Schäftlarn besitzt eine weit zurückreichende Besiedlungsgeschichte: Auf einem Bergsporn am Isarhang befand sich eine ver­ mutlich vorgeschobene Fliehburg, die sogenannte »Birg«. Sie stammt wahrscheinlich aus der Hallstatt-, d. h. der frühen Eisenzeit (um 750-500 vor Chr.) Ihre Anlage dürfte von Wällen des 8. -10. Jahrhunderts nach Chr. überdeckt sein. Große Grabhügel aus der Frühzeit der Birg könnten deren Alter bestätigen. Die Abtei geht auf die Gründung einer Kirche samt Kloster um 762 zu »Sceftilari« durch den Priester Walt­ rich zurück. Da der heutige Gemeindebereich in der Gründungsurkunde namentlich bekannt ist, muß er schon vorher besiedelt gewesen sein. Der Name Schäft­ larn wird als die Bezeichnung einer Gruppe von Schäfte-, d. h. Speerschnitzern, gedeutet und läßt auf einen Gewerbebetrieb, etwa eine Waffenschmiede schließen, die einer großen Grundherrschaft angeglie­ dert war. Die erste deutlichere (lateinische) Erwäh­ nung Hohenschäftlarns dagegen stammt vom 18. Fe­ bruar 778; damals wurde hier eine Kirche genannt. Zweifellos ist sie die Vorläuferin des heutigen Gottes­ hauses; ihr Patrozinium St. Georg läßt auf hohes Alter schließen. Die Häufung von insgesamt drei Kirchen im Schäftlar­ ner Raum schon im 8./9. Jahrhundert zeugt von einer bereits damals dichten Besiedelung: Die Spur des Sel­ cherhofes kann z. B. annähernd in jene Zeit zurückver­ folgt werden. Nach dem Niedergang des Stiftes seit dem 10. Jahrhundert führten Weltpriester die Tradi­ tion des Klosters fort. Bischof Otto I. von Freising er­ richtete es 1140 neu und berief den Prämonstratenser­ orden aus Ursberg hierher. Um 1160 wurden die z. T. schon längst bestehenden Kirchen des Klosters, Hohenschäftlarns und Neufahrns sowie 1206 Zells neu geweiht. Ebenhausen erscheint frühestens 1130. Zell ist erstmals um 1160 bezeugt, aber zumindest seine Kirche ist wahrscheinlich als frühe Ein-


siedelei (?) weit älter. Neufahrn ist seit 1140 nachweis­ bar (frühere Daten beziehen sich wie auch bei Zell wohl auf andere Orte gleichen Namens). Die 10 Urhöfe Ho­ henschäftlarns und je 2 weitere zu Ebenhausen und Zell sowie 4 in Neufahrn sind schon im 12. Jahrhundert aus­ zumachen. Gut hundert Jahre später besteht Hohen­ schäftlarn bereits aus 26 einzeln feststellbaren, größ­ tenteils schon an ihren Namen erkennbaren Häusern: Zell mit Anwänden besitzt damals 8 und Neufahrn schon 10 Wohnstätten. Ebenhausen kommt dann im 15. Jahrhundert auf 5 Häuser und Hohenschäftlarn er­ reicht schon fast den Umfang des heutigen Ortskerns. Im 12. und 13. Jahrhundert erwarb das Stift durch Schenkungen und Kauf zahlreiche Eigentumsrechte weitum. Der heutige Gemeindebereich gehört dazu. Seine Einwohner standen bis zur Klosteraufhebung durch den Staat (1803) im Dienst des Klosters. Bis da­ hin war die Geschichte der Gemeinde weithin die des Stifts. Sein Wappen von 1462 wurde in neuester Zeit als Gemeindewappen übernommen und ist somit eins der ältesten in Bayern. Die Klostergebäude wurden 1702 1717 von Anton Viscardi neu erbaut. 1733 begann der · Neubau der Klosterkirche nach Plänen von Jean Fran­ cois Cuvilliers. Nach längerer Unterbrechung wurde der Bau nach den geänderten Entwürfen von Joh. Bapt. Gunezrhainer und Joh. Mich. Fischer fortgesetzt und 1760 eingeweiht. Deckenfresken und Stukkaturen führte Joh. Bapt. Zimmermann aus: Altäre, Kanzel, Chorgestühl und Orgelgehäuse schuf Joh. Bapt. Straub. Im gleichen Jahrhundert erfolgte der Neubau der Kirche von Hohenschäftlarn (1729/30). Die Klosteraufhebung von 1803 verwandelte die Abtei - in eine Pfarrkirche, das Kloster in eine Fabrik, zeit­ weise in einen Kurort. Erst 1866 übergab König Ludwig II. die Baulichkeiten an den Benediktinerorden. Damit ' erfolgte die dritte Gründung des bisher weit über tau­ sendjährigen kulturellen, wirtschaftlichen und politi­ schen Mittelpunkts der heutigen, seit 1813 mit geringen Veränderungen in ihrer gegenwärtigen Form auftre­ tenden Gemeinde.

Das älteste Ortsbild von Hohenschäftlarn, mit den zwei ältesten Bauernhöfen. Vorne Selcher, hinten Hoanzn. Die Gemeinde Schäftlarn mit den Ortsteilen Ebenhau­ sen, Hohenschäftlarn, Kloster Schäftlarn, Neufahrn und Zell zählt zu den schönsten Plätzen hoch über dem Isartal. Trotz günstiger Verkehrsanbindungen, Bundesauto­ bahn München-Garmisch, Bundesstraße 11 und der S­ Bahnlinie hat die Gemeinde ihren ländlichen Charak­ ter behalten. 5000 Einwohner sind es heute, soviel wie bereits vor zehn Jahren.

Literatur im Einzelnen: P. Abstreiter Leo, »Die Ge­ schichte der Abtei Schäftlarn« (1916). Ferner vorerst die Festschrift »1200 Jahre Schäftlarn« (1978). 257


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »König-Ludwig-Stamm« Schloß Berg Als es im Jahre 1930 aus Anlaß der Standartenweihe des damaligen Trachtenvereins »d'Findlstoana« Percha zu Unstimmigkeiten zwischen den aktiven Trachtlern und der vereinseigenen Musik kam, löste sich der Ver­ ein allmählich auf. Nach einer Aussprache im Vereinslokal Tutzinger Hof verließen die Perchaer den Vereinsabend. Lediglich die beiden Kameraden Mayer Jakob und März Ludwig waren anwesend, als die Trachtenkame­ raden Schuster Jakob, Mader Hans, Hartlmeier Al­ fons, Holzapfel Hans, Holzapfel Sepp und Haberle Hermann nach reiflicher Überlegung beschlossen, ei­ nen neuen Verein zu gründen. Am 1. Oktober 1931 traf man sich im Tutzinger Hof in Berg, um den neuen Verein mit dem Namen »König Ludwig Stamm« Schloß Berg aus der Taufe zu heben. Als erster Vorstand wurde Johann Mader gewählt! Er-

Doppelhochzeit Neumayer und Mayer am 23. Mai 1937

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ster Schriftführer wurde Jakob Schuster; erster Kassier Hermann Haberle. Sie waren die eigentlichen Gründer des Vereins, wobei man beschloß, alle Mitglieder, die innerhalb des ersten halben Jahres dem Verein beitraten, als Gründungs­ mitglieder zu führen. Die damaligen Gründungsmitglieder waren: Deandln: Neumayer Dora Buam: Haberle Hermann, Holzapfel Sepp, Mayer Jakl, Pötzinger Alois, Schuster Toni, Wagner Schorsch, Holzapfel Hans, Mader Hans, Neumayer Fritz, Schuster Jakl, Schweiger Karl. Diese heimatverbundene Gruppe traf sich von Zeit zu Zeit und lernte das Platteln und verschiedene Volks­ tänze. Es sprach sich herum, daß bei den Plattlerpro­ ben immer was los sei, und so kamen noch einige Deandln und Buam aus der näheren Umgebung dazu.

Unsere »Fahne«

Auftritt im Undosa in Starnberg für die Rußlandheimkehrer 1949


Die neue Vorstandschaft fuhr, nach der Gründung, zum damaligen Gauvorstand des Gauverbandes II (heutiger Huosigau) Furter Karl nach Pöcking und bat um Aufnahme in den Gauverband. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt, so daß ein Jahr ein sogenannter wilder Verein existierte. Hierauf beschloß man, den Gauvorstand Hans Raß­ bichler um Aufnahme im Loisachgau zu bitten. Bei ei­ ner Gauversammlung in Königsdorf wurde über den Antrag abgestimmt und der Verein dem Loisachgau angeschlossen.

»Der Sinn des Vereins ist die Erhaltung der Gebirgs­ tracht sowie der Heimattänze, der Volksmusik, der Mundart und insbesondere auch des Volksliedes. So wie König Ludwig, der Märchenprinz, an den Gesta­ den unseres geliebten Sees ein begeisterter Förderer heimatlichen und altbayerischen Wesens war, so müs­ sen wir uns heute bekennen zur Scholle der Heimat mit aufrichtigem Herzen!« Im Anschluß daran wurde der Verein - GTEV »König Ludwig Stamm« Schloß Berg - erneut ins Leben geru­ fen.

Der erste öffentliche Auftritt des Vereins war anläßlich der Doppelhochzeit von unseren Mitgliedern Dora und Fritz Neumayer und Anni und Jakob Mayer am 23. Mai 1937. Nach 1937 mußte der Verein seinen Namen »König Ludwig Stamm« Schloß Berg aus politischen Gründen ablegen und wurde in »Edelweiß Berg KDF« umbe­ nannt! Leider wurden zu dieser Zeit auch einige Mitglieder wegen ihrer regierungsfeindlichen Gesinnung in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert und einige Wochen inhaftiert. Nach einer Auftrittsverweigerung 1939 bei einer politi­ schen Veranstaltung in Starnberg bekam der Vorstand von der damaligen Kreisleitung die Auflage, den Ver­ ein aufzulösen. Das Inventar wurde an die Mitglieder aufgeteilt, die Kasse bis auf RM 3,70 erleichtert. Dieser Betrag wurde von der amtierenden Vorstand­ schaft: 1. Vorstand Schmid Fritz Kassier Schuster Franz und Vorplattler Holzapfel Hans bei der Kreisleitung abgeliefert und somit der Verein aufgelöst. Dann kam der Krieg! Leider konnte über den Zeitraum von 1939 bis 1945 nichts über das Vereinsleben in Erfahrung gebracht werden.

Als man 1946 durch Zufall die Standarte der »Findlsto­ ana« Percha in einer Pferdekammer entdeckte, wurde diese renoviert und auf den Namen - Schloß Berg Percha - umgestickt. Sie war die erste Standarte des »neuen« Vereins, bis 1951. Seine ersten Auftritte nach dem Krieg hatte der Verein unter anderem 14tägig im Soldatenerholungsheim in Niederpöcking. Hierbei versuchten die Buam und Deandln, die Kriegskameraden, die aus der Gefangen­ schaft zurückgekehrt waren, mit Tänzen und Plattlern in ihrem trüben Alltag etwas aufzumuntern.

Fahnenmutter, Fahnenbraut und Ehrenjungfrauen bei der Fahnenweihe 1951

Am 1. Juni 1946 wurde der Verein wieder ins Leben ge­ rufen. Jakob Mayer eröffnete die Gründungsversamm­ lung und schilderte die Vergangenheit; vor allem, wie der Verein aufgelöst wurde! Er begrüßte es, daß sich der Verein wieder zusammengefunden hatte und ge­ brauchte folgende Worte:

Der Verein hatte immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Da er kein eigenes Vereinslokal hatte, wur­ den verschiedene Lokale besucht. Auf Anregung unseres Mitgliedes Hauser Seharsch, der damals Gauvorplattler war, wurde am 11. Mai 1950 im Gasthaus »Zur Post« in Aufkirchen von unserem Verein das erste Gau-Wertungsplatteln ausgerichtet. Jeder Verein erhielt damals als Preis eine selbstgefer­ tigte Tisch-Standarte! Anwesend waren von 22 Gauvereinen 14 Gruppen! Der durch Spenden gestiftete erste Wanderpokal wurde als erster Preis vom Trachtenverein Bad Tölz er­ rungen. Am 20. Mai 1951 wurde dann die neue Fahne in Aufkir­ chen feierlich geweiht! Die Festteilnehmer zogen von Aufkirchen zur Votivkapelle im Schloßpark, wo die Feldmesse mit Fahnenweihe stattfand. Der lange und beschwerliche Rückmarsch war zugleich der Festzug. Patenschaft wurde vom Heimat- und Volkstrachten259


Festzug in Neufahrn 1950

Unsere 1. Jugendgruppe am 1. Mai 1951

Kronprinz Rupprecht bei der Fahnenweihe 1951

Beim Festzug in Polling 1952

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verein Starnberg übernommen. Fahnenmutter Dora Neumayer, Fahnenbraut Therese März und Fahnen­ jungfrau Annerl Heiss fuhren in der Kutsche vor. Der Wettergott meinte es gut mit den Schloß-Berger Trachtlern. Ging es doch nicht nur darum, eine Fah­ nenweihe zu feiern, sondern auch das 20jährige Beste­ hen! Seine kgl. Hoheit Kronprinz Rupprecht hatte sich auch zu diesem schönen Fest eingefunden. Der Verein hatte sich ausgiebig auf sein erstes großes Fest vorbereitet; daß es eine gute Sache wurde, darum hatte sich der Verein bemüht. Und das ist auch gelungen! Der 5. August 1951 war ein wichtiges Datum für den Verein. Beim 24. Loisach-Gaufest in Bad Tölz holten wir sämtliche 1. Preise, die zu vergeben waren. Der wichtigste war wohl der 1. Preis bei der Trachtenschau! Am 28./29. Juli 1956 feierte unser Verein sein 25jähri­ ges Gründungsfest. Die Ehre, das 29. Loisach-Gaufest mit auszuführen, wurde uns gegeben. Der Trachtenverein Seeshaupt-St.Heinrich feierte am 24. Mai 1959 seine Fahnenweihe. Unser Verein über­ nahm die Patenschaft. Unsere Mayer Anni überreichte das Patenband mit einem selbstgedichteten Spruch. Als Ehrentanz hatten wir den Kronentanz für d'Seeshaup­ ter mitgebracht! Im September 1959, am 12., wurde in Grafrath eine Fahnenweihe gefeiert. Unser Verein folgte einer per­ sönlichen Einladung von Sepp Pfleger (dem Gründer unseres Kronentanzes!) und nahm an diesem Fest teil. Unter viel Beifall führten unsere Deandl und Buam den Kronentanz auf! Bei einem Ausflug, zusammen mit den »Werdenfel­ sern« aus München, zu den »Werdenfelsern« aus Nürn­ berg wurden im Oktober 1966 Freundschaften ge­ knüpft und vertieft. In der Generalversammlung unse- · res Vereins, am 5. November 1966, beschlossen die Vorstände der Vereine - »d'Werdenfelser« Nürnberg und »d'Werdenfelser« München zusammen mit unse­ rem Verein - einen Dreierbund zu schließen. Im Jahr 1971, am 1. August, hatte der Verein wieder Anlaß zu feiern. Dies war das 40. Gründungsfest des

Vereins. Die Feierlichkeiten für dieses Fest wurden wieder mit sehr viel Fleiß ausgerichtet. Der ganze Verein war stolz darauf, die Zuteilung für das 54. Loisachgaufest erhalten zu haben. War es doch auch das 50. Gründungsfest des Vereins. Am 11./12. Juli 1981 war es soweit! Die Mühe, den teilnehmenden Vereinen das Fest so schön wie möglich zu gestalten, war uns offensichtlich gelungen. Die Messe wurde zwar wegen anhaltenden Dauerregens im Zelt abgehalten, aber es herrschte eine andächtige Stille. In der Mittagspause wurden die Eh­ rentänze der Jugend abgehalten und, nachdem sich das Wetter zu Mittag aufgeklart hatte, konnte auch ein prächtiger Festzug durch Höhenrain abgehalten wer­ den!

Votiv-Kapelle im Schloßpark bei Berg

Zu den Vereinslokalen gibt es auch einiges zu berich­ ten. Durch verschiedene Umstände war es notwendig, mehrmals das Vereinslokal zu wechseln. Von 1946 bis 1959 war der Verein in Berg etabliert! Von 1959 bis 1965 fand der Verein Herberge in der Gaststätte Pröp­ ster in Percha. Im Jahr 1965 war dann der Wechsel in's Gasthaus »Alter Wirt« in Höhenrain, in dem es sich auch heute noch gut aushalten läßt! Die Wirtsleut bringen sehr viel Verständnis für die Ver­ einsarbeit auf. So konnte sich der Verein »König Ludwig Stamm« Schloß Berg weiterentwickeln. Er bemühte sich hauptsächlich, junge Buam und De­ andln für den Vereinsnachwuchs zu gewinnen. Leider ist es trotz großer Anstrengung nicht gelungen, die Ju­ gend für unsere schöne Sache voll und ganz zu begei­ stern. Die Aktivität des Vereins läßt trotz aller Schwierigkei­ ten der heutigen Zeit in keiner Weise nach. Seit der Gründung des Vereins bemühten sich folgende Vorstände um das Wohlergehen des Vereinslebens und seiner Tradition: Mader Hans 1931 - 1932 Pötzinger Alois 1932 - 1934 Schuster Jakl 1934 - 1935 Neumayer Fritz 1935 - 1936 Schmid Fritz 1936 - 1939 Mayer Jakob 1946 - 1950 Holzapfel Hans 1950 - 1965 Hauser Schorsch 1965 - 1969 Sedlmeier Hans 1969 - 1985 Doll Ludwig seit 1985 Der Verein dankt den verdienten Vorständen und ih­ ren Mitarbeitern für die unermüdliche Arbeit zur Er­ haltung der Tradition und des Brauchtums und wünscht sich für die weitere Zukunft eine echte Trachtlergene­ ration! Mit dem Spruch »Brauchtum, Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten!« schließen wir unsere kurze Ver­ einschronik. 261


König Ludwig Gedenkfeier 1961. Rechts das Kreuz an der Todesstelle.

Totenehrung 1971 beim 40jährigen

Festzug 1971 in Höhenrain zum 40jährigen Jubiläum

Mitglieder-Ehrung bei der Weihnachtsfeier 1980

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Ortsgeschichte von Berg In der uralten Geschichte unserer engsten Heimat nimmt der See als landschaftlich und wirtschaftlich be­ lebendes Element eine Hauptstellung ein. Als zweit­ größter See Bayerns (20 km lang und bis zu 120 m tief) verdankt er seine Entstehung dem Eiszeitalter. Der jüngste Isargletscher hat ihm eine ältere Talfurche zum Seebecken ausgestaltet, dessen langgestreckte Form noch heute die Umrisse der Gletscherzunge spiegelt. Unmittelbar nach der Eiszeit war der Würm- oder Starnbergersee größer als jetzt, und der Seespiegel lag etwa 20 m höher. Der frühere große Fischreichtum ist zurückgegangen. Berühmt geblieben sind vor allem die Renken, die in der Barockzeit an die Fürstenhöfe in Böhmen und Ungarn versandt wurden. In frühbayerischer Zeit war das Land unter den 5 vor­ nehmsten Edelfamilien in Gaue aufgeteilt. Unsere Hei­ mat gehörte zum Huosigau nach dem gleichnamigen Geschlecht der Huosi und grenzte an das östlich der Isar beginnende Stammesgebiet der Hachilinga. Im frühen Mittelalter berichten Urkunden schon anno 822 von Berg als »perke cum basilica«. Also besaß Berg da­ mals schon ein Kirchlein. Die heutige spätromanische Kirche stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhun­ derts. Am Seeufer erbaute 1640 Hans Friedrich von Hörwart das Schloß, das 1676 mit der Hofmark von Kurfürst Ferdinand Maria erworben wurde. Derselbe legte hier einen französischen Lustgarten an, der 1807 zu dem heutigen englischen Landschaftspark umgestaltet wurde. Von den bayerischen Königen Max II. und Lud­ wig II. wurde das Schloß umgebaut und vergrößert. Das Ufer südlich des Schlosses ist der Ort des tragi­ schen Todes König Ludwig� II., der nach seiner Ent­ thronung nach Berg verbracht wurde und am Abend des 13. Juni 1886 hier im_ See ertrank. Die Stelle ist durch ein schlichtes Holzkreuz bezeichnet, am Hang steht die Gedächtniskapelle.

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- Schloß Berg in den Jahren um 1960 Der Ort Berg gehört zur Pfarrei Aufkirchen. Weithin sichtbar auf dem östlichen Höhenzug über dem Würm­ see steht die Pfarr- und Wallfahrtskirche von Aufkir­ chen. In Berg stehen die Geburtshäuser von dem Kir­ chenmaler Augustin Balthasar Albrecht und dem Dich­ ter Oskar Maria Graf. Die Schulverhältnisse in der Gemeinde Berg sind so ge­ regelt: In Aufkirchen ist die Grund- und Teilhaupt­ schule, zur Hauptschule müssen unsere Kinder nach Starnberg. Seit der Gebietsreform ist die Volksschule Höhenrain aufgelöst. Zur weiteren Schulbildung steht die Realschule Kempfenhausen zur Verfügung. Die Gemeinden Berg, Bachhau�n und Höhenrain schlos-

sen sich schon im Jahre 1975, also vor der Gemeindege­ bietsreform, freiwillig zusammen. Die Gemeinde Kem­ pfenhausen wurde schon 1935 an Berg angeschlossen. Zur heutigen Gemeinde Berg mit rund 7 000 Einwoh­ nern und einer Gesamtfläche von 32,4 gkm gehören die Orte Allmannshausen, Assenhausen, Aufhausen, Auf­ kirchen, Bachhausen, Farchach, Haarkirchen, Höhen­ rain, Kempfenhausen, Leoni, Mörlbach und Sibich­ hausen. Neben der Land-Forstwirtschaft und der Fischerei gibt es heute viele kleinere und mittlere Handwerksbe­ triebe. Ludwig Doll


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »D'Osterseer« Iffeldorf-Staltach Am 31. März 1931 wurde der GTEV »d'Osterseer« in der damaligen Bahnhofsrestauration (Wöhrle) gegrün­ det. Es waren nur sechs Gründungsmitglieder, nämlich Amalie Franz Katharina Seidl Max Franz (Vorstand) Sepp Franz Sepp Süß Ulrich Seidl. Die Gründer des Vereins waren keine Bauern, sondern nur einfache Arbeiter. Auch heute finden sich unter den Mitgliedern des Iffeldorfer Trachtenvereins kaum Angehörige des Bauernstandes. Die Gründungsmit­ glieder lebten im Ortsteil Staltach, daher bekam der neugegründete Verein auch den Ortsnamen »Staltach­ Iffeldorf«. Der Sinn und Zweck des Vereins war, die Tracht und das Brauchtum zu erhalten und weiterzu­ pflegen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte der Verein ei­ nen enormen Zulauf, und 1933 konnte man bereits 36 Mitglieder verzeichnen. Während des 3. Reiches und des 2. Weltkrieges jedoch kamen auch auf die »Oster­ seer« schwere Zeiten zu. Im Geheimen wurden Sitte und Brauchtum weitergepflegt, soweit es damals mög­ lich war. Nach dem 2. Weltkrieg durfte der Verein mit Billigung der US-Militärregierung am 13.4.46 die erste öffentli­ che Versammlung abhalten. Vorstand wurde wie 1931 Franz Max. In dieser Versammlung wurde auch der Beitritt zum Loisachgau beschlossen und so wurde der Verein in der 1. Gauversammlung nach dem Krieg am 22.4.46 in Wolfratshausen in den Loisachgau aufge­ nommen. Ein großes Ereignis für den jungen Verein war der Besuch des Gaufestes am 4.8.46 in Königsdorf. Mit einem Festwagen und 30 Mitgliedern waren die If­ feldorfer Trachtler recht stattlich beieinander. Leider hatten zu dieser Zeit noch nicht alle die gleiche, die

Miesbacher Tracht, aber es war zu dieser Zeit auch nicht möglich, sich Trachtenkleidung zu beschaffen. Damals spielte sich das Vereinsleben hauptsächlich im Sommer ab. Im alten Protokollbuch ist öfters zu lesen, daß »der für November 46 festgesetzte Vereinsabend wegen Mangel an Heizmaterial leider ausfallen mußte«. Im Jahre 1947 beschlossen die Mitglieder, eine Ver­ einsfahne zu erwerben. Allerdings war es sehr schwie­ rig, das bei der damaligen »Zigaretten- und Butterwäh­ rung« zu verwirklichen. Die einzelnen Mitglieder brachten für diese Fahne große finanzielle Opfer. Fleisch- und Lebensmittelmarken wurden gesammelt, um die erforderlichen Mittel zu beschaffen; so wurde u.a. von einem Vereinsdeandl aus ihrer Aussteuer Lei­ nen zur Herstellung der Fahne gestiftet. Die Fahne wurde am 20. Juni 1948, dem Tag der Währungsre­ form, geweiht. Fahnenmutter war Anna Gattinger, Fahnenbraut Gusti Bader und Fähnrich Hans Lang. Die Patenschaft übernahmen die »Birknstoana« aus Penzberg. Insgesamt nahmen an der Fahnenweihe noch 13 weitere Vereine teil. Verwirrung stiftete an diesem Festtag das liebe Geld: Niemand wußte, ob er in Reichsmark oder der neuen D-Mark zahlen sollte.

Fahnenmutter und Fahnenbraut bei der Fahnenweihe 1948

Durch das Fest bekam der Verein natürlich einen gro­ ßen Zulauf. Bereits ein Jahr später wurde von den Trachtlern eine Theatergruppe ins Leben gerufen, die lange im sogenannten Pavillon auftrat. In diesem Ge­ bäude veranstaltete der Trachtenverein auch viele Jahre Heimatabende. In Iffeldorf wird zwar alle drei Jahre ein Maibaum auf­ gestellt, aber die Trachtlerburschen stellten am 1. Mai 1950 zum ersten Mal ihren sogenannten »Burschen­ baum« vor dem Vereinslokal auf. Dieser Brauch wurde lange Zeit beibehalten und vor vier Jahren wieder auf­ genommen. 265


1952 wurde die Musikkapelle Iffeldorf als Vereinsmu­ sik beim Loisachgau angemeldet. Seit dieser Zeit wirkt sie bei jedem Gaufest mit. Im kleinen Rahmen wurde am 16. und 17. August 1952 das 20jährige Gründungsfest gefeiert. Der nächste Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Ausrichtung des 28. Loisachgaufestes am 30./31. Juli 1955. Unterstützt von der Bevölkerung Iffeldorfs, bereiteten die Vereinsmitglieder das Fest vor. Das Dorf, der Pavillon und der Fuchsenstadl, der als Fest­ zelt benutzt wurde, wurden festlich geschmückt. Der Heimatabend im vollbesetzten Pavillon wurde ein vol­ ler Erfolg. Am Festsonntag, dem 31.7.55, fand am Heuwinkl die Feldmesse statt. Am Nachmittag setzte sich der Festzug durch den geschmückten Ort in Bewe­ gung, bestaunt und bewundert von vielen Zuschauern. Am Zug beteiligten sich vier Musikkapellen, 30 Trach­ tenvereine und zwei Festwagen. Auf einem Wagen be­ fand sich eine Nachbildung der Heuwinklkapelle, die später noch jahrelang bei Prozessionen im Ort aufge­ stellt wurde. Das Gaufest blieb den Iffeldorfern noch lange in bester Erinnerung.

Die kommenden Jahre verliefen etwas ruhiger, doch der Trachtenverein war immer aktiv. Im September 1965 wurde erstmals eine Trachtenwall­ fahrt zum Heuwinkl durchgeführt. Bereits im nächsten Jahr nahmen 19 Trachtenvereine daran teil. Die Wall­ fahrt wurde 1971 zum letzten Mal veranstaltet, sie mußte leider aus Kostengründen aufgegeben werden. 1977 machte der Verein eine schwere Krise durch, glücklicherweise konnte aber eine Auflösung verhin­ dert werden. In dieser Zeit wurde auch der Ortsname geändert, seitdem nennt sich der Trachtenverein GTEV »D'Osterseer« Iffeldorf-Staltach. An der Fahne aus dem Jahr 1948 war die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Um sie erhalten zu können, beschlossen die Mitglieder, eine neue Fahne anzuschaf­ fen. Eine wichtige Grundlage dazu war ein Spar­ schwein, unsere »Fahnensau«, die an jedem Vereins­ abend tüchtig gefüttert wurde. Weil der Verein auch von den Iffeldorfer Bürgern durch Spenden unterstützt wurde, gestaltete sich die Finanzierung der neuen Fahne natürlich viel einfacher als im Jahre 47. Die Vor­ bereitungen für dieses Fest kosteten allerdings viel Zeit

und Ausdauer, vor allen Dingen, wenn man die geringe Anzahl der Iffeldorfer Trachtler bedenkt. So wurde beispielsweise das Festzelt von uns selbst auf- und abge­ baut. Die Belohnung für diese Anstrengungen blieb aber nicht aus, denn das Trachtenfest wurde für uns ein großer Erfolg. Am 31. Mai 1981 konnte Geistlicher Rat Richard Schneider bei schönstem Sonnenschein unsere neue Fahne weihen. Die Fahnenmutter war Rosina Oster­ maier, Fahnenbraut Sonja Schamberger und Fähnrich Alexander Repman. Die Patenschaft übernahmen die »Inntaler« München. Seit 1982 halten wir jedes Jahr mit unserem Patenverein am letzten Sonntag im April einen gemeinsamen Jahr­ tag ab. Auch am örtlichen Leben Iffeldorfs beteiligt sich der Trachtenverein aktiv. An den Prozessionen an Fron­ leichnam und am Herz-Jesu-Sonntag nimmt er ge­ schlossen teil. Unsere jährliche Nikolausfeier und der Trachtenball werden gut besucht. Auch die Ausrich­ tung des Fohnseefestes vor drei Jahren und die Mitwir­ kung beim bayerischen Abend des Bezirksmusikfestes

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Ehrenkutsche und Gauausschuß beim Gaufest 1955 in Iffeldorf 266

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Fronleichnamsprozession 1980

Fahnenbänder bei der Fahnenweihe am 31.5.1981

Die Weihe der neuen Fahne am 31.5.1981

Kindergruppe am Heimatabend 30.5. 81

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Fahnenabordnung und einige Gründungsmitglieder beim Gaufest 1966 in Bichl

Bei der Fahnenweihe 1981: v. links: Fähnrich Alexander Repman, Fahnenbraut Sonja Schamberger, Fahnenmutter Rosina Ostermaier, Barbara Hiesinger vom Patenverein, Vereinsdeandln mit Fahnenbändern.

Beim Musikfest 1987

1987 fanden bei der Bevölkerung großen Anklang. Wir hoffen, daß die Aktivität und auch die Attraktivität des Trachtenvereins in Zukunft nicht nachlassen, denn in­ zwischen ist eine junge Vorstandschaft nachgewachsen. Wir wünschen uns aber weiterhin den Rat und die Un­ terstützung unserer »alten Hasen«, ohne die wir nicht auskommen können und wollen. Wir möchten, daß der »Eitäschler« auch im Jahr 2000 so vorgetragen werden kann wie ihn die Gründer des Vereins vor nahezu 60 Jahr:n getanzt haben. Auch das »Deanderl, geh her zum Zaun«, seit 30 Jahren unser Vereinsplattler, wird weitergepflegt. Wir wünschen uns, daß wir unseren Kindern die Liebe zur Tracht und zur Trachtensache nahebringen und ans Herz legen können, dann wird un­ ser Wahlspruch »Sitt' und Tracht der Alten wollen wir erhalten« auch in der Zukunft Bestand haben. Die Vorstände waren von der Gründung des Vereins bis heute: Franz Max Gut Bernhard Seidl Ulrich Süß Sepp Ostermaier Raimund sen. Wernhard Arthur Schamberger Adolf Stark Niklaus

Ortsgeschichte von Iffeldorf Um das Jahr 1080 ist Iffeldorf in einem Schenkungs­ buch des Klosters Benediktbeuern zum ersten Mal ur­ kundlich erwähnt. Der Name des Ortes erscheint in den Traditionen des Klosters »St. Ulrich und Afra« in Augsburg Mitte des 12. Jahrhunderts in den Formen Uphelndorf und Uffi­ lindorf. Es handelt sich hier vermutlich um eine Zusam­ mensetzung des Wortes Dorf und dem Personennamen Uffilo bzw. Uffo und deutet auf eine Siedlung durch Angehörige der Sippe Uffo.

Ingrid Ostermaier, 1. Schriftführerin Die Erstellung der vorliegenden Vereinschronik gelang mit Unterstützung des Festausschusses von 1981.

Heuwinklkapelle in Iffeldorf

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Die Hochfreien von Iffeldorf waren ein bekanntes Ge­ schlecht und sehr oft im Gefolge der berühmten Grafen von Andechs zu finden. Um 1200 treten sie in Eschen­ lohe auf, wo sie den Grafentitel erhielten. Ihr Stamm­ vater ist Udalschalk von Iffeldorf (1183 - 1203). Ende des 13. Jahrhunderts kam die Hofmark Iffeldorf an die Herren von Seefeld-Peißenberg. Ab 1385 übernahm das Geschlecht der Höhenkirchner die Hofmark und behielt sie bis 1682. Durch die Folgen des 30jährigen Krieges völlig verarmt, mußten sie die Hofmark an das Kloster Wessobrunn veräußern, das nunmehr Hof­ marksherr wurde. Der Wessobrunner Baumeister Jo­ hann Schmutzer war es auch, der auf dem Heuwinkel, einem Hügel am Ortsrand, das bekannte Marienheilig­ tum errichtete. Im Jahre 1701 wurde die Kapelle feier­ lich eingeweiht und somit fand das Gnadenbild, eine geschnitzte Madonna aus dem 15. Jahrhundert, eine Heimstatt. Die Einweihung ist auf einem großen Votiv­ bild in der Kapelle dargestellt und enthält interessante Einzelheiten über die damalige Tracht, die im Prozes­ sionszug zu erkennen sind. Auf einem weiteren Votiv­ bild danken der Jäger Adam Schöttl (Jägeradam) und seine Frau vor dem Gnadenbild, das damals noch in ei­ ner Eiche aufgestellt war, für die Hilfe der Gottesmut­ ter. An den verheerenden Brand im Jahre 1699, der auch die Pfarrkirche St. Vitus vernichtete, erinnert ebenfalls ein Bild. St. Vitus wurde bis 1701 wieder er­ richtet. Eine Inschrift erinnert an das Jahr 1634, in dem Iffeldorf von der Pest verschont blieb. Damals gelobte die Gemeinde, am Kirchweih-Montag in der Kirche ein Schutzengelamt zu zelebrieren. Außerdem darf an die­ sem Tag keine Tanzveranstaltung stattfinden. Dieses Gelübde wird bis heute eingehalten. Durch die Säkularisation 1803 wurde die Auflösung der geistlichen Reichsstände verfügt und die Gemeinde If­ feldorf kam unter die Oberhoheit des Staates. Nach der »Topographie von Bayern« zählte man 1867 in Iffeldorf mit den dazugehörigen Einöden 367 Ein­ wohner und 96 Gebäude. Seit dieser Zeit hat sich der Ort zu einer fortschrittlichen Gemeinde entwickelt, in der ca. 1800 Einwohner leben. Iffeldorf verfügt über 270

Ortsansicht von Iffeldorf mit Pfarrkirche St. Vitus

ein großzügiges Sportgelände mit Sportplatz und Ten­ nisplätzen; außerdem sind im Sommer an den zahlrei­ chen Osterseen ausreichende Bademöglichkeiten gege­ ben. Im vergangenen Jahr wurde mit dem Bau eines Gemeindezentrums begonnen, das bis 1988 fertigge­ stellt werden soll. Damit können in Zukunft auch grö-

ßere Veranstaltungen in Iffeldorf durchgeführt wer­ den. Zusammengefaßt von Ingrid Ostermaier nach emer Vorlage von Herrn Karl Exner, Iffeldorf.


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »Schloßbergler« Harmating Die meisten Trachtenvereine sind aus Burschenverei­ nen gegründet, und so war es auch im Pfarrl (das Gebiet der früheren Gemeinde Moosham). Bereits 1919 - 1921 gab es Bestrebungen von Knechten der umliegenden Bauern, einen Trachtenverein mit Namen »Trockentaler Reichertshausen« zu gründen. Sie sind jedoch am fehlenden Hintergrund (Geld) ge­ scheitert. Aber im Jahr 1930 taten sich etliche Burschen zusammen, um das Plattln zu erlernen. Man traf sich im Gasthaus Hansch (damals Kastenmüller) in Feldkirchen. Zunächst waren es nur Burschen, die sich regelmäßig trafen. Doch aller Anfang ist schwer, und so kam es zu Ausein­ andersetzungen mit dem Motorsportverein »Frei Weg«, der auch in Feldkirchen sein Vereinslokal hatte. Deshalb hielt man in Harmating am 27. 9. 1930 eine Versammlung und gründete die »Schuhplattlergruppe Moosham«, Sitz Harmating. Alle 14 Tage war eine Plattlerprobe. Der Eifer wurde immer größer, und alle hatten Freude am gemütlichen Beisammensein. In der ersten Quartalsversammlung, am 11.1. 1931, wurde der Name der Plattlergruppe wie­ derum geändert. Sie hieß ab Februar »Plattlergruppe Schloßbergler Harmating«. In der Gründungsversammlung, am 12.4.1932 in Har­ mating wurde aus der Plattlergruppe ein Trachtenver­ ein. Das war das eigentliche Datum der Entstehung dieses Trachtenvereins. Gründungsmitglieder: Michael Walch 1. Vorstand; Jo­ hann Huber 1. Schriftführer; Max Kastenmüller 1. Kas­ sier; Georg Weber 1. Vorplattler; Peter Ruml 2. Vor­ plattler; Leonhard Rieger 1. Revisor; Josef Becker, Luidpolt Greiter, Josef Hamberger, Josef Höger, Josef Kranz, Josef März, Michael März, Alois Reigl, Georg Rieger, Alfons Ruml, Simon Sachenbacher, Peter Sappl, Ignaz Schmid, Alois Stauß, Josef Stein, Josef Walch, Anselm Weber, Heinrich Wiedenbauer.

Ehrenmitglieder: Johann Holzheu, Josef Greiter, Ja­ kob Ilg, Johann März, Mathias Ruml. Die aktiven Mitglieder begannen sogar, Theater zu spielen, um die Vereinskasse aufzubessern. Dazu kauf­ ten sie die Thanninger alte Bühne, und der alte Weiher­ müller richtete sie wieder her. Am 21. Januar 1933 einigten sich die Mitglieder, eine neue Fahne anzuschaffen. Im Mai sollte sie geweiht werden. Der damalige Pfarrer von Thanning hatte keine gute Einstellung zur Trachtensache und lehnte ab. Zum Glück war in Harmating ein Benifiziat, der im Ordinariat in München eine Genehmigung holte. Jetzt stand_der Fahnenweihe nichts mehr im Wege. Da die Trachtler aber nicht wußten, ob ihr Fest ein Erfolg wird oder nicht, waren sie dazu bereit, für 5 Mark gutzuste­ hen, was für damalige Verhältnisse viel Geld bedeu­ tete. Aber das Fest wurde ein Erfolg. In der Chronik steht dazu: »Den ganzen Mai regnete es fast jeden Tag. Trotzdem wurde mit großem Eifer für die Fahnenweihe gerüstet. Am Samstag, dem 20.5.19331 lüftete sich der Wolkenhimmel. Am Sonntag krachten die Böllerschüsse unter blauem Himmel, und die Besucher strömten in großer Zahl herbei. Die Patenschaft hatten die »Wendl­ stoana Thanning« übernommen. Dieser Tag wird allen bet�iligten Mitgliedern in unvergeßlicher Erinnerung bleiben!« Der sehr beliebte Trachtenball wurde alljährlich im Vereinslokal Holzheu in Harmating abgehalten. Am 1. September 1939 wurde die Tätigkeit des Vereins stillgelegt. 6 Mitglieder sind im Krieg gefallen: Franz Obermüller, Josef Linsinger, Josef Hamberger, Jo­ hann Thalhammer, Michael Walch, Leonhard Rieger; vermißt: Josef Walch. 1945 hatte Franz Thalhammer die Genehmigung der Militärregierung herbeige­ schafft. Es begann wieder mit neuem Leben. Im Juli 1948, nach der Währungsreform, beteiligte sich

Fronleichnamszug in Feldkirchen der Verein am 21. Loisachgaufest in Wolfratshausen und erhielt dort den Meistpreis. Die jungen Mitglieder hatten auch wieder mit dem Theaterspielen angefangen. Sie spielten die Stücke: Der Malermaxl (1948), Die Preiskuah (1949), Der Be­ kehrungsanderl, Der schneidige Berliner (1950) und Der Amerikasepperl (1951). Schade, daß sie aufgehört haben! Viele Schwierigkeiten brachten die Jahre nach 1951 mit sich. Es kam immer wieder zu vereinsinternen Ausein­ andersetzungen. Dazu kamen die geburtenschwachen Jahrgänge, und früher war ja noch keine Jugend beim Verein. Der große Aufschwung kam mit dem Gaufest 1963. Der junge, rührige Vorstand Sepp Wiedenbauer setzte besonders auf die Jugend. Er hatte die erste Jugend­ gruppe im Gau. Für viele ältere Mitglieder ist dieses Fest noch in guter Erinnerung.

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Feldgottesdienst bei der Fahnenweihe 1933

Gruppenaufnahme bei der Fahnenweihe 1933

Gruppenfoto beim Trachtenball 1938

»D'Schloßbergler« beim 21. Loisachgaufest in Wolfratshausen (1948)

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Jugendgruppe mit dem »Mühlradl« beim Gaufest 1963

Feldmesse beim Gaufest 1963 in Harmating

Trachtenjahrtag in Harmating; Zug von der Schloßkapelle zum Vereinslokal

Jugendgruppe der »Schloßbergler« 1986 273


Das 40jährige Gründungsfest feierte man am 24. und 25. Juni 1972 im kleinen Rahmen. Beim Heimatabend, am 24. Juni, wurden einige 25jährige Mitglieder unse­ res Vereins geehrt. Umrahmt wurde der Abend mit der »Deininger Blasmusik« und den Tänzen (Mühlrad!, Kronentanz, Holzhacker) und Plattlern unserer akti­ ven Mitglieder. Am Festsonntag konnten wir bei strahlendem Sonnen­ schein unsere Feldmesse vor der Leonhardikapelle fei­ ern. Der Festzug mit drei Musikkapellen und den Nachbarsvereinen wurde in Richtung Golkofen abge­ halten. Das Fest wurde mit einem Johannifeuer been­ det. In der Zeit von 1972 bis 1978 wurde ein reges Vereinsle­ ben geführt, wobei alljährlich der Trachtenball und Veranstaltungen im und außer Gau gut besucht wur­ den. Die Mitgliederzahl nahm ständig zu. Der langjäh­ rige Jugendwart Josef Greiter konnte sich bei den Ver­ anstaltungen mit seiner Jugendgruppe einen Namen machen.

Beim 50jährigen Gründungsfest 1982 in Harmating 274

Was wäre ein Fronleichnamszug am Dreifaltigkeitstag in Feldkirchen ohne die Trachtler? Stirbt ein Mitglied, ist es auch selbstverständlich, daß die »Schloßbergler« zur Beerdigung gehen. Deshalb wollen wir hoffen, daß unser Trachtenverein noch lange erhalten bleibe! Am 60-jährigen Gründungsfest mit Fahnenweihe der »Wendlstoana« Thanning beteiligte sich unser Verein als Patenverein mit 175 Mitgliedern, wofür wir den Meistpreis erhielten. Beim Heimatabend, am Samstag, dem 25. August 1979, präsentierte unsere Trachten­ gruppe den »Achtertanz«. Nicht zuletzt ihrem Vor­ stand Michael Fagner und dem Jugendwart Josef Grei­ ter, die mit viel Einsatz und Mühe den Verein auf- und ausbauten, hatten die »Schloßbergler« ihre hohe Betei­ ligung an diesem Fest zu verdanken. Am 23. Juli 1979 erreichte uns die traurige Nachricht vom Tod des Herrn Baron Otto Karl Freiherr von Schirnding. Er war seit Februar 1970 Ehrenmitglied un­ seres Vereins und ein großer Gönner, der nicht nur fi-

nanziell den Verein unterstützte, sondern sich auch durch rege Anteilnahme an unserem Vereinsleben ver­ dient machte. Mit allen Ehren wurde unser Herr Baron am 26. Juli 1979 in Feldkirchen zu Grabe getragen. Unser 50jähriges Gründungsfest wurde vom 20. - 22. Mai 1982 gefeiert. Festbeginn war am 20. Mai mit dem Bieranstich, den Schirmherr Manfred Nagler vornahm. Am 21. Mai eröffnete die Festmusik aus Thanning den Heimatabend, der zum größten Teil von unseren Ver­ einsmitgliedern gestaltet wurde. Vor allem unsere Ju­ gend begeisterte mit ihren Aufführungen. Auch die ak­ tiven Plattler und die Musikgruppen bekamen viel Bei­ fall. An diesem Abend wurde auch unsere Frau Baro­ nin Freifrau von Schirnding zum Ehrenmitglied unseres Vereins ernannt. Am Sonntag war dann der große Tag der Trachtler. Da es leicht regnete, feierten wir die Messe mit Herrn Pfar­ rer Bräunlich im Festzelt. Am Nachmittag schien die Sonne, und so marschierten wir bei herrlichem Wetter mit 26 Vereinen und 11 Musikkapellen (ca. 2000

Ehrung der Gründungsmitglieder 1982 beim 50jähr. Gründungsfest in Harmating


Trachtler) durch die Fluren Harmatings. Nach den Ehrentänzen klang das Fest mit der Deininger Blaska­ pelle aus. Zur 300-Jahr-Feier der Leonhardikapelle wurde diese 1986 neu renoviert. Anläßlich dieses Festes wurde von der Gemeinde ein Altennachmittag im Festzelt veran­ staltet. Dieser wurde zum Großteil von unserer Ju­ gendgruppe gestaltet. Mit ihren vielen Plattlern und Tänzen, wie Mühlrad!, Sterntanz und Holzhacker, die ihnen Jugendwart Josef Walch (Junior) mit viel Geduld beigebracht hatte, ernteten sie großen Beifall.

1983 ließ der Verein ein neues Gruppenbild anfertigen. Zu dieser Zeit hatte der Verein bereits 180 Mitglieder. 1988 gehören dem Verein bereits 205 Mitglieder an. Der Trachtenjahrtag findet alljährlich in der Schloßka­ pelle Harmating statt. Im Rahmen des lO0jährigen Feuerwehrfestes wurde am Pfingstmontag 1988 im Festzelt in Moosham der Gaujugendtag des Loisach­ gaues durchgeführt.

Unser Verein beim 50jähr. Gründungsfest 1982 in Harmating

Die Vorstände des Vereins: 1. Michael Walch 10.4.1932 - 1936; 2. Josef März 27.9.1936-1.9.1939; 3. Max Kastenmüller Nov. 194528.9.1946; 4. Michael Rieger 28.9.1946-30.10.1949; 5. Georg Weber 30.10.1949 - 20.10.1956; 6. Josef Wie­ denbauer 20.10.1956 - 15.9.1972; 7. Wolfgang Messe­ rer 15.9.1972-3.10.1975; 8. Klaus Gröbmair 3.10.1975 -8.10.1978; 9. Michael Fagner seit 8.10.1978.

Unser Verein beim 50jähr. Gründungsfest 1982 in Harmating 275


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Ortsgeschichte Moosham-Harmating Die ehemalige Gemeinde Moosham bestand aus den Ortsteilen Schalkofen, Feldkirchen, Harmating, Reichertshausen, Siegertshofen, Weihermühle, Säg­ mühle und Golkofen. Mit 1159 ha und 425 Einwohnern schloß sie sich 1973 an die Großgemeinde Egling an. Die kleinen Ortschaften, Weiler und Einzelgehöfte Mooshams sind im hügeligen Gelände weit verstreut. Der Pfarrsitz ist Thanning, die dortige Pfarrkirche wurde 1786 erbaut. Dazu gehören die Filialkirche Feld­ kirchen und die Kapellen Harmating, Reichertshausen und Siegertshofen. Wann erstmals in Harmating eine Leonhardikapelle er­ baut wurde, läßt sich nicht mehr genau feststellen. 1641 ist die Ausweißung durch einen Wolfratshauser Maurer und die Ausbesserung des Altars nachgewiesen. 168085 erfolgte der Neubau der Kapelle. Inschriften aus die­ ser Zeit (1686) weisen auf die Familie Barth hin, die das benachbarte Schloß in Besitz hatte. Der Hochaltar zeigt die Figur des Hl. Leonhard. Rechts des Taberna­ kels finden wir die Statue des HI. Rochus (Pest-Heili­ ger), links die des HI. Johannes Nepomuk. Unter den vielen Votivtafeln, die von den Wallfahrern nach Ge­ betserhörungen gestiftet wurden, befindet sich noch ein Farbdruck des Schweißtuches der HI. Veronika. Seit 1981 sind die bis kurz nach dem 2. Weltkrieg tradi­ tionellen Pferdesegnungen wieder aufgenommen wor­ den. Die Wallfahrten nach Harmating haben wahr­ scheinlich im 17. Jahrhundert begonnen. Unter einem Baum in der Nähe des Reiter-Anwesens soll sich ein Bildnis des Hl. Leonhard befunden haben. Ob dort Wunder geschahen, wissen wir nicht. Jedes Jahr kamen aber viele Pilger, die zum HI. Leonhard um Hilfe für ihre Tiere, besonders die Pferde, beteten. Da der Zu­ strom immer größer wurde, beschloß man den Bau ei­ ner Kapelle, die aber bald zu klein war und durch das heute noch bestehende Bauwerk ersetzt wurde. 1986 wurde die Kapelle neu renoviert. Auf dem höchsten

Ortsbild von Harmating Punkt liegt das weit sichtbare Schloß Harmating. Seit 1140 ist die »Burg Hadmaringen« beurkundet. Nach der im Jahre 1146 bezeugten Namensform Hada­ maringen handelt es sich bei dem Ort Harmating (in dieser Form zum erstenmal 1466) um die Gründung ei­ nes Hadamar. Die Hadamaringer gehörten zu den Ed­ len der Grafschaft Wolfratshausen. Das Schloß wurde im 13. Jahrhundert unter den Herren von Waldeck er­ baut. Seit 1531 war die Hofmark Harmating Sitz des Münchner Patriziergeschlechts Barth. Kaiser Rudolf II. verlieh 1596 Oswald Barth die Edelmannsfreiheit und niedere Gerichtsbarkeit für Harmating. Nach Aus­ sterben der Familie, 1940, fiel Harmating durch Erb­ schaft an die Familie von Schirnding. Das im Kern goti­ sche Schloß wurde im 16. Jahrhundert durch einen Re-

naissance-Erker erweitert. Auch die Räume wurden damals ausgestaltet. Etwa zweihundert Jahre jünger als das Schloß ist die Kapelle. Die Stukkatur des Tonnen­ gewölbes verweist auf das Jahr 1630. Das Kanzelzim­ mer im ersten Stock mit dem Deckengemälde von Mel­ chior Steidl und einem großen blau-weißen Kachel­ ofen, beide im späten 17. Jahrhundert entstanden, trägt seinen Namen nach dem Münchner Bürger- und Stadt­ zeugmeister und Landschaftskanzler des Münchner Umlandes Ferdinand Barth. Auch Hermann von Barth (1845 - 1876), der Erschließer des Karwendels, ist ein Sohn dieser Familie. Siegertshofen erscheint als Besitzer des edlen Regin­ loch de Sigiharteshoven im Jahr 1145 in tegernseei­ schen Documenten. Siegertshofen besitzt auch eine go277


tische Elisabethenkapelle, die 1975 renoviert wurde. Die Filiale gehörte früher zum Dietramszell'schen Pfarrvicariat Thannkirchen. Erst im Jahre 1814 wurde die Filiale der Pfarrei Ascholding zugeteilt. Seit 1974 gehört sie zur Pfarrei Thanning. Schalkofen bestand in seiner ursprünglichen Form aus 3 Bauernhöfen mit einer Privatkapelle. Das Schulhaus der ehemaligen Gemeinde Moosham wurde 1952 in Schalkofen erbaut. Zur Zeit wird es als Sportlerheim genützt. Neben dem Schulhaus steht das Gerätehaus der »Freiwilligen Feuerwehr Moosham«. Reichertshausen (Rihcozeshusir) wird erwähnt unter Bischof Hitto von Freising (810 - 835), indem Priester Erchanbald und ein gewisser Herlolf ihr gemeinsames dortiges Erbe zum Dome in Freising schenkten. Die

Reichertshauser Sankt Coloman Kapelle wurde 1495 im gotischen Stil erbaut. In dieser blieb ein altdeutsches Flügelaltärchen erhalten, nebst einigen alten Gemäl­ den auf Holz. Auch wird daselbst ein Pfeil aufbewahrt, mit dem der Wiedererbauer der Kirche, Hans Gartner, herzoglicher Mundkoch, 1521 auf der Jagd verwundet wurde. Die Pfarrkirche ad Mosahen ist die Filialkirche Feldkir­ chen, die noch im vorigen Jahrhundert zur Pfarrei Dei­ ning gehörte. Im Volksmunde wurde es auch das Pfarrl oder Feldpfarrl genannt. Das Erbauungsjahr der Kir­ che ist unbekannt, erstmals erwähnt wurde sie in einer Beschreibung des Erzbistums München-Freising im Jahr 799. Die im gotischen Stil erbaute Kirche ist dem HI. Georg geweiht.

Trauerzug von Harmating nach Feldkirchen, als H. Baron Freiherr von Schirnding zu Grabe getragen wurde (Juli 1979) 278

Der Name Moosham sagt, daß es sich um eine Siedlung am Moos handelt, nach alter Überlieferung eine Aus­ bausiedlung von Thanning aus. Früher wurde J ahrhun­ derte hindurch Moosheim geschrieben. Die früheste Beurkundung findet sich unter den Güter­ schenkungen an das Kloster Schäftlarn, als 1196/97 bei einem Rechtsgeschäft als Zeuge ein »Sigboto de Mose­ heim« genannt wird. Ein anderer Forscher bezeugte Moos­ ham schon im Jahre 799. Im Scharwerks-Verzeichnis vom Jahre 1574 werden zum ersten Male die Grundherr­ schaften der damals in Moosham bestehenden Höfe ge­ nannt. Von 12 Anwesen gehörten damals 7 geistlichen Grundherren, nämlich 3 dem Kloster Zell ( = Die­ tramszell), 2 der Filialkirche Feldkirchen und 2 der Kir­ che beim Schloß Wolfratshausen. Als 5 weltliche Grundherren werden genannt: der Landesfürst, der Seehofer (ein Münchner Bürger), der Gartner von München, die Gmain und nur ein einziger Bauer ist »Aigen«. Erst 1848 wurden mit der allgemeinen Bau­ ernbefreiung auch die Mooshamer Anwesen frei und selbständig. Das größte Anwesen des Dorfes gehörte 1574 einem Seehofer, 1612 dem Stadtvogt von Augs­ burg und laut Steuerbuch von 1671 dem Gerichtsver­ walter von Tegernsee, Herrn Thalhammer. Seit dem 18. Jahrhundert erst erschienen die Mooshamer Haus­ namen in den amtlichen Quellen. Haus-Nr. 1-Sebald; 2-Kistler; 3 -Gilg; 4 -Gartner; 4 1/2 -Anselm Wiedenbauer; 5 -Schultheiß; 6 -Bern­ hard; 7 -Rucker; 8-Huber; 9-Zellermaier; 10-Stef­ felbauer; 11 -Zimmerlenz; 12 -Riesch; 121/2 - Esch­ baumer (früher Hofgirgl); 13-Berghäusl. Ein weiteres Gehöft ist noch genannt, der Ruckerhof, der im 30jährigen Krieg aber zerstört wurde und 1650 wieder neu entstand. 1973 und 1983 wurden 2 Mammutzähne in der Moosha­ mer Kiesgrube gefunden. Der erste Zahn wird auf 1,2 Mio Jahre geschätzt, also der Günz-Eiszeit zugehörig, und dürfte von einem Mammut stammen, das etwa 4,5 m groß war. Der zweite Zahn ist aus der Würm-Eiszeit (vor 100 000 Jahren). Die Körpermaße dieses Mam­ muts dürften die 3,5 m Höhe bis zum Widerrist kaum Michael Fagner überschritten haben.


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » Reindlbachtaler« Mürnsee Nach dem 1. Weltkrieg wurden Hohenbirken und Bocksberg aufgrund der Rohstoffarmut in Deutschland zu Torfindustrien. Die jungen Leute aus Bocksberg und Hohenbirken gründeten die Trachtengruppe »Blomberger« Hohenbirken. Der industrielle Torfab­ bau endete ca. 1928. Die Eindämmung der Industrie hatte zur Folge, daß viele der Menschen in Hohenbir­ ken und Bocksberg auf der Suche nach Arbeit wegzie­ hen mußten. Dadurch sah sich die Trachtengruppe ge­ zwungen, zu dem Trachtenverein »Loisachtaler« Max­ kron überzugehen. 1929-1930 setzte die große Arbeitslosigkeit ein, und die Arbeiter zerstreuten sich in alle Richtungen, um Arbeit zu finden. 1932 entschlossen sich Deandln und Buam

Erinnerung an die Gründung der Reindlbachtaler 1932

aus Hohenbirken, Bocksberg, Mümsee und der Umge­ bung, wieder eine eigene Trachtengruppe in Mümsee zu gründen. Gründe dafür waren sowohl die geogra­ phisch günstige Lage der nicht weit auseinanderliegen­ den oben genannten Orte als auch die Zugehörigkeit zur Gemeinde Schönrain. Am 23. April 1932 fand im Gasthaus Leingärtner in Langau die Gründungsver­ sammlung statt. Dabei wurden gewählt: 1. Vorstand Georg Englbauer 2. Vorstand Hans Müller Schriftführer Hans Müller Kassier Franz Riegg Vorplattler Edmund Schwer

Im Jahre 1933 wurde der Verein Mitglied im Loisach­ gau und nannte sich nun GTEV »Reindlbachtaler« Mümsee. Im 1. Jahr seines Bestehens wurde der Ver­ ein sogleich auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Eine große Anzahl der Mitglieder verließ den Verein, bedingt durch die Arbeitslosigkeit, durch Weg- oder Umzug. Am 1. Oktober 1933 beteiligte sich der Verein am Trachtenaufmarsch in München. Zu dieser Zeit hatte sich der Verein schon wieder weitgehend erholt und konnte wieder mehr Mitglieder aufweisen. Der Aufschwung des Vereins war eine Folge der Gleich­ schaltung der Trachtenvereine im 3. Reich. Der Verein entwickelte in den folgenden Jahren eine rege, aktive Tätigkeit, wie zum Beispiel Heimatabende, Gartenfe­ ste, Strohpreisplatteln, Besuche zahlreicher Festlich­ keiten und Kameradschaftsbesuche. Er wurde Mitglied der Trachtenvereinigung Penzberg-Maxkron, der auch die Vereine »1895 Stamm« Penzberg, »Birknstoana« Penzberg und »Loisachtaler« Maxkron angehörten.

Maibaum der Reindlbachtaler 1937 bei der Reindlschmiede 279


1935 wurde die 1. Standarte erworben und im kleinen Rahmen- festlich enthüllt. Die Trachtenvereinigung Penzberg-Maxkron wurde 1936 wieder aufgelöst. Im Jahre 1937 stellte der Verein den 1. Maibaum auf, verbunden mit einem Maitanz. Zu dieser Zeit wurden alle Vereine aufgefordert, an ihre Fahnen und Standar­ ten das Symbol des Nationalsozialismus zu heften. Auf die Anordnung des Nationalsozialismus hin wurde der Name Trachtenverein in Trachtengemeinschaft umge­ wandelt. 1939 wurde der 1. Vorstand Hans Müller eingezogen und übergab die Führung des Vereins dem Trachtenka­ meraden Franz Riegg. Bis ins Jahr 1943 lag das Ver-· einsleben still. Am 15. April 1943 versuchten der Kreiswart und der KdF-Wart mit Hilfe des Trachtenwartes Hans Müller wieder Leben in den Verein zu bringen. Teilgenommen wurde an Veranstaltungen in der Kreisstadt, an einem Gauheimatabend in München und am lüjährigen Jubi­ läum »Kraft durch Freude« in Berlin. Zum Auftritt

kam es jedoch nicht, da die Stadt in der vorangegange­ nen Nacht großräumig zerstört worden war. Nach die­ sem Ereignis ruhte das Vereinsleben bis 1946. Leider forderte der 2. Weltkrieg das Leben von 4 Trachtenkameraden: Mathias Mayer, Friedrich Kuch­ ler, Kilian Schudlos und Franz Xaver Riegg. Im Jahre 1946 gelang es dem Trachtenkameraden Ge­ org Grobauer, der politisch verfolgt war, mit der Mili­ tärregierung und den zuständigen Behörden über die Neuformierung des Vereins zu verhandeln und den Verein ins Leben zurückzurufen. Am 24. Februar 1946 wurde eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. Der noch amtierende 1. Vorstand Hans Müller eröffnete die Versammlung und gedachte der Gefallenen und Vermißten. Wegen seiner ehemaligen Zugehörigkeit zur NSDAP mußte Hans Müller jedoch sein Amt niederlegen. Neuer Vorstand wurde Georg Grobauer. Schriftführer Josef Auer Kassier Josef Gerg

Gaufest 1949 in Antdorf. Erster öffentlicher Auftritt der Reindlbachtaler nach dem Krieg. 280

1. Vorplattler Ignatz Kuchler jun. 2. Vorplattler Albert Grimbs Revisor Anton Hackl Inventar Josef Westermeier In den Jahren 1946-1950 wechselte der Vorstand vier­ mal. Als 1. Vorstand waren tätig: Georg Grobauer, Jo­ sef Westermeier, Georg Grobauer, Josef Leingärtner und wieder Georg Grobauer. 1951 erwarb der Verein auf Grund der Bemühungen der Trachtenkameraden Hans Müller und Georg Gro­ bauer eine Fahne. Die Fahnenweihe fand am 14. Mai 1951 in Bad Heilbrunn statt. 1953 fand in Königsdorf das 26. Loisachgaufest statt, welches den »Reindlbachtalern« zugesprochen war. Wegen der räumlichen Platzschwierigkeiten konnte es nicht in Mürnsee abgehalten werden. Darum setzte sich der Verein mit dem GTEV »Alpenrose« Königsdorf in Verbindung. Dank der kameradschaftlichen Zusam­ menarbeit zwischen den Trachtenkameraden von Kö­ nigsdorf und dem Gauvorstand einerseits und dem

Achtertanz der Reindlbachtaler


Ausschuß der »Reindlbachtaler« andererseits kam man für beide Seiten zu einem befriedigendem Ergebnis. Der Auftakt des Festes war der große Heimatabend am 1. August, der im großen Saal im »Hotel Post« in Königs­ dorf stattfand, und den die »Reindlbachtaler« und die Königsdorfer Trachtler gemeinsam gestalteten. Musi­ kalisch wurden sie von der Königsdorfer Blaskapelle unterstützt, die auch am Festtag als Festmusik fun­ gierte. Am Sonntag, dem 2. August, bewegte sich um 10 Uhr ein farbenprächtiger Trachtenzug mit den Fah­ nen von 26 Vereinen zum Gottesdienst. Der Beginn des Festzuges war um 14 Uhr, der in stattlicher Länge durch das geschmückte Königsdorf marschierte. Im Anschluß daran wurden die Ehrentänze vorgeführt. Dieses schöne Loisachgaufest wird in der Geschichte des Vereins immer lebendig bleiben, und es wird die al­ ten wie auch die jungen Trachtler des Reindlbachtaler Vereins mit Stolz erfüllen, daß auch ein kleiner Verein etwas Großes leisten kann. In der Herbstversammlung desselbenJahres wurde das Gründungsmitglied Hans Müller zum letztenmal zum 1. Vorstand gewählt. Am 11. September 1955 fanden Neuwahlen statt. 1. Vorstand Ludwig Belloth Schriftführer Xaver Grobauer Kassier Hans Müller

1. Vorplattler Richard Belloth 2. Vorplattler Michael Schuldlos jun. FahnenjunkerJosef Belloth jun. InventarJosefJaud In der Amtszeit des 1. Vorstandes Ludwig Belloth ver­ lief das Vereinsleben sehr rege und aktiv. Der Verein führte einige Theaterstücke mit großem Erfolg auf. Sein 25jähriges Jubiläum feierte der Verein im Jahre 1957 am 10. Juni. Bei dieser Gelegenheit wurde Grün­ dungsmitglied und Ehrenvorstand Hans Müller mit der silbernen Ehrenplakette ausgezeichnet. 1965 wurde am 14. NovemberJosef Schußmann zum 1. Vorstand gewählt. Damit löste er Ludwig Belloth ab, der von 1955 bis 1965 den Verein zuverlässig und mit vollem Einsatz geleitet hatte.

Gründungsmitglieder beim 50jährigen Gründungsjubi­ läum. V.r.: Ehrenvorstand Hans Müller, Ehrenmit­ glied Therese Müller, EhrenmitgliedJosef Leingärtner

Am 23. Juli 1972 konnte der Verein sein 40jähriges Be­ stehen feiern, zu dem Gauvorstand Franz Sappl die Glückwünsche des Loisachgaues überbrachte. Die Gründungsmitglieder Therese Müller, Hans Müller und Josef Leingärtner wurden mit dem 40jährigen Eh­ renzeichen ausgezeichnet. 1. Vorstand Josef Schußmann verstarb 1978 und Heinz Brieger übernahm sein Amt. Heinz Brieger ist auch heute noch 1. Vorstand. 1980 traf den Verein ein gehöriger Tiefschlag. Die Ju­ gendgruppe hörte geschlossen auf. Der Grund dafür war kein Interesse mehr an der Trachtensache. Darauf­ hin gingen 2. Vorstand Ludwig Belloth und Schriftfüh­ rerin Monika Manhart auf Trachtlersuche. Ihren Be­ mühungen ist es zu verdanken, daß heute wieder eine Jugendgruppe, bestehend aus 9 Jungtrachtlern, tätig ist. Am 1. August 1982 beging der Verein sein 50jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß wurde die Vereinsfahne renoviert und erstrahlte am Jubiläumstag in neuem Glanze. In Anwesenheit der Gauvertretung wurde Ludwig Belloth für 40jährige Vereinsmitgliedschaft ge­ ehrt.

Anläßlich des 50jährigen Bestehens des Trachtenerhal­ tungsvereines »Reindlbachtaler« überreichten am Festabend die aktiven Mitglieder, Michael und Lore Stein, ein von ihnen gestiftetes, handgesticktes Fah­ nenband für die Vereinsfahne, im Namen der Bayeri­ schen Volksbühne, Union, NewJersey (USA). Dies ist der einzige Theaterverein im östlichen Teil der USA, welcher Theaterstücke in bayerischer Mundart auf­ führt. Dieser Theaterverein konnte ebenfalls das Gol­ dene Jubiläum feiern. Michael und Lore sind Ehren­ mitglieder der Volksbühne und dürfen auf eine langjäh­ rige Karriere als Spieler, Vorstand und Protokollsekre­ tärin zurückblicken. Möge dieses Band eine Brücke schlagen zwischen der Alten und der Neuen Welt, unser Brauchtum stärken, einen Beitrag leisten zur Einigkeit aller bayerischen

Jugend von Mürnsee und Bad Heilbrunn 1987. 281


Fahnenweihe 1951 in Bad Heilbrunn. Hintergrund: altes Brunnenhaus in Bad Heil­ brunn.

Fahnenweihe 1951 in Bad Heilbrunn. V.r.: Fahnenmutter Frau Mühlpointner mit Fahnenbraut Rosa Wach, Fahnenjunker Georg Grobauer.

Beim 50jährigen Gründungsfest am Kriegerdenkmal bei der Reindlschmiede.

Jugend von Mürnsee 1987

282


Trachtenvereine und der Erhaltung deutscher Kultur und Sprache in fernen Landen dienen. 1984 wurden erstmals 10 Zunftbilder am Maibaum an­ gebracht. Die Bilder stellen dar: Trachtenbua, Trach­ tenmadl, Kienseer Kapelle, Metzger, Schützenverein Mürnsee, Freiwillige Feuerwehr Mürnsee, Maurer, Bauer und Maler. 1985 wurde die Vorstandschaft am 24. November wie folgt gewählt: 1. Vorstand Heinz Brieger 2. Vorstand Ludwig Belloth Schriftführerin Erni Grobauer Kassier Georg Hutter Der Verein besteht heute aus 19 aktiven und 58 passi­ ven Mitgliedern. Er beteiligt sich rege an Trachtenver­ anstaltungen, und das Vereinsleben verläuft aktiv und mit vollem Einsatz.

Ortsgeschichte von Mürnsee Wie der Name schon sagt, lag Mürnsee einst an einem See. Dieser war ein Überbleibsel des großen Kochel­ sees, der im Laufe der Zeit bis auf seine heutige Größe abgelaufen ist. Dabei entstanden viele kleine Seen und Weiher, wie zu Beispiel bei uns der Mürnsee, der Kien­ see und der Karpfsee, nach denen die gleichnamigen Weiler entstanden. Der Mürnsee und der Kiensee sind vor einigen Jahrzehnten durch die Tieferlegung der Loisach ausgetrocknet. Bei der Namensgebung unseres Vereins haben sich die Gründungsmitglieder an den Namen Mürnsee und Reindlbach orientiert. Der Reindlbach entsteht durch den Zusammenfluß des Ramsauerbachs und des Heu­ bachs. Der Heubach ist ein Ablauf aus den Mooren rund um Fischbach. Der Ramsauerbach wiederum ist der Ablauf aus dem Stallauerweiher und fließt über Ramsau Richtung Loisach. Die beiden Bäche vereinen sich ungefähr in der Mitte zwischen den Ortschaften Ramsau und Reindlschmiede zum Reindlbach. Der Reindlbach fließt durch den Ortsteil Reindlschmiede und zwischen den Weilern Mürnsee und Kiensee vorbei und mündet bei Schönmühl in die Loisach. Zwischen den Weilern Mürnsee und Kiensee steht auf einer Anhöhe die Kienseer Kapelle. Sie ist auch auf un­ serer Vereinsfahne abgebildet. Die Kapelle wurde 1878 von einer gewissen Familie Hutter erbaut, die auf dem Brandlhof in Kiensee ansässig war. Noch heute gehört ein Drittel der Kapelle zum Brandlhof. Besitzer der üb­ rigen zwei Drittel ist die Gemeinde Bad Heilbrunn. Die Kapelle gehört zur Pfarrgemeinde Bad Heilbrunn.

Kapelle »Zum Heiligen Kreuz« auf Hofgut Bocksberg 284

Das heutige Mürnsee entstand aus drei Bauernhöfen. Durch die Ansiedelung von Handwerkern und Arbei­ tern vergrößerte es sich langsam. 1969 wurde das Mürn­ seer Moorfreibad gebaut. Durch die günstige nahe Lage beim Gasthaus Reindlschmiede und die schöne Umgebung wird es auch von Auswärtigen eifrig be­ sucht. Am Ort gab es auch eine Grundschule, die je­ doch 1986 geschlossen wurde.

Kienseekapelle Mürnsee ist 1978 in Bad Heilbrunn eingemeindet wor­ den, als die Gemeinde Schönrain bei der Gebietsre­ form aufgelöst wurde. Erni Grobauer, Schriftführerin


Vereinsgeschichte des ,Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »Veiglbergler« Neufahrn e.V. Bis 1935 gab es in Neufahrn nur den 1906 gegründeten Burschenverein. Einige Mitglieder dieses Burschen­ vereins waren zugleich auch Mitglieder des seinerzeiti­ gen Wolfratshauser Trachtenvereins »Schloßbergler«. In den Jahren reifte bei ihnen der Entschluß, im eige­ nen Dorf auch einen Trachtenverein zu gründen. Ein eifriger Verfechter dieses Gedankens war damals Ge­ org Schmid. Doch dieser Gedanke war leichter gefaßt als in die Tat umgesetzt. So drohte der damalige Gau­ vorstand Hans Raßbichler den Neufahrnern für den Fall einer Vereinsgründung gar an, diesen Verein nicht in den Loisachgau aufzunehmen. Freilich gab es nicht nur Gegner, sondern auch Befürworter eines Trachten­ vereins. Hier sind vor allem zu nennen der damalige 1. Bürgermeister Josef Seitner und auch 2. Bürgermeister Gabriel Sailer. Große Unterstützung fanden die Neu-

Die Tracht in Neufahrn beim Maitanz 1919

fahrner auch beim 1. Vorstand des Münchner Trach­ tenvereins »Isartaler« Thalkirchen Sebastian Schäffler, der Gaukassier war. Er, der damals häufig im Dorf war, bestärkte die Neufahrner in ihrer Absicht zur Vereins­ gründung und versprach, ihnen bei der Aufnahme in den Loisachgau zu helfen. Die letzten Hürden Damit waren aber keineswegs alle Hürden beseitigt. Das Unternehmen hatte auch zahlreiche Gegner im Dorf selbst. Besonders die passiven Mitglieder des Bur­ schenvereins waren gegen die Gründung eines Trach­ tenvereins. Sie hätten ihre Vereinsfahne lieber im Wolf­ ratshauser Heimatmuseum als beim Trachtenverein ge­ sehen. Schließlich kam es dann aber doch nach länge­ rem Hin und Her am 21. Dezember 1935 im Gasthaus Neuwirt zur Gründungsversammlung. Anwesend wa-

ren 17 Burschen und Männer, Mädchen und Frauen waren damals noch nicht zugelassen. Der Burschenver­ ein wurde durch Beschluß aufgelöst und das Inventar und die Vereinsfahne dem Trachtenverein geschenk­ weise überlassen. In dieser Versammlung wurde dem Verein - mit Bezug auf den Berg in der Nähe des Dor­ fes - der Name Veiglbergler gegeben. Gabriel Sailer wurde 1. Vorstand, Georg Schmid 1. Vorplattler. Zum 2. Vorplattler wurde Sebastian Ailler gewählt, der auch die Aufgaben eines Fähnrichs und Kassiers wahrzuneh­ men hatte. Als Monatsbeitrag wurden damals 35 Pfen­ nig festgelegt. Das Amt des Schriftführers übernahm Hans Megele. Schon kurz nach der Gründung schlossen sich 6 Madln dem Verein an. Im Januar 1936 wurde eine Vereinssat­ zung beschlossen. Die ersten Plattlerproben fanden im Gasthaus Neuwirt statt. Die Wirtsleute Huber hatten dem Verein einen Raum zur Verfügung gestellt, den die Mitglieder selbst ausbauten und herrichteten. Für

Fahnenweihe Burschenverein Neufahrn 1927, aus dessen Mitgliedern 1935 der Trachtenverein gegründet wurde. 285


die Musik bei den Proben mußten die Aktiven damals pro Abend 20 Pfennig zahlen. Schon an Fronleichnam 1936 beteiligte sich der Verein an der Prozession. Die erste Tracht bestand für die Burschen aus grauen Jop­ pen mit grünen Kragenrevers und grünen Armstulpen. Die Madln hatten in Anspielung auf die Veilchen, die damals noch auf dem Veiglberg wuchsen, ein hell­ blaues Miedergewand. Knappe Kassenlage Noch im Jahr 1936 ließ man die Fahne umsticken. Der Name Burschenverein wurde in Trachtenverein umge­ ändert. Die Arbeiten führte die Fahnenstickerei Auer in München durch. Die Kosten von 35 Reichsmark mußten die Mitglieder allein aufbringen. Noch immer gab es nämlich im Dorf so viele Gegner des Vereins, daß an eine Sammlung nicht zu denken war. Die ange­ spannte Kassenlage wurde etwas gemildert durch eine Christbaumversteigerung bei der Weihnachtsfeier 1936 im Gasthaus Neuwirt.

Leonhardikapelle mit Dorfkirche 286

Das Jahr 1936 stand weitgehend im Zeichen des Gaufe­ stes in Penzberg-Maxkron, bei dem die »Veiglbergler« den »Zwoasteirer« aufführten. Nahezu geschlossen fuh­ ren die Mitglieder mit einem Lastwagen zu diesem Fest. Ein weiteres Trachtenfest besuchten die Neufahrner in diesem Jahr in Bad Tölz, wo sie einen Plattler aufführ­ ten. Damals bestand der Verein aus 17 Männern, 12 Frauen und 8 passiven Mitgliedern. Bei den Neuwahlen 1937 wurde Georg Schmid zum 1. Vorsitzenden ge­ wählt. Alle weiteren Vorstandsposten wurden in ihren Ämtern bestätigt. Die Plattler bereiteten sich auf das Gaufest in Bichl vor. 1938 machten sich die politischen Verhältnisse schon sehr stark bemerkbar. Beim Kir­ chenzug zum Gaufest in Pullach durften keine Vereins­ fahnen mehr mitgeführt werden. An der Herbstgauver­ sammlung in Bad Tölz konnten die »Veiglbergler« nicht teilnehmen, weil im Dorf die Maul- und Klauen­ seuche ausgebrochen war. Einziger Vereinsvertreter bei dieser Versammlung war damals Josef Megele, der in Ascholding wohnte. Trauer an den Gräbern Zwar wurden 1939 noch bis zum Kriegsausbruch Platt­ lerproben abgehalten, doch zu einem Gaufest kam es nicht mehr. Die jungen Männer mußten zur Wehr­ macht einrücken. Das Vereinsleben kam schnell zum Erliegen. Durch die Wirren des Krieges mußte 1944 der Schulbetrieb ins Vereinslokal beim Neuwirt verlegt werden, da die Klassenzimmer für die Unterbringung von Flüchtlingen aus Ungarn geräumt werden mußten. Während des Krieges blieb auch Neufahrn nicht von Todesmeldungen aus dem Felde verschont. Zum Ge­ denkgottesdienst für die gefallenen Vereinskameraden rückte der Verein trotz Verbots mit einer Fahnenab­ ordnung in die Kirche aus. An den Familiengräbern legte Georg Hörburger, der den Verein seit dem Ein­ rücken des 1. Vorstandes Georg Schmid führte, Kränze nieder. Der Trachtenverein »Veiglbergler« Neufahrn hatte folgende Mitglieder im 2. Weltkrieg zu beklagen: Megele Johann Mayer Johann Pauli Johann Biechele Josef Bichlmayr Thomas Ailler Sebastian -

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Vermißte Trachtenkameraden Eberl Lorenz Steinbacher Johann Biechele Konrad Sailer Gabriel Neuer Anfang Nach dem Krieg hatte die amerikanische Militärregie­ rung zunächst einmal sämtliche Vereine im Lande ver­ boten. Aber schon im Herbst 1945 ergriffen einige Trachtler die Initiative und beantragten bei der US-Mi­ litärregierung die Wiederzulassung des Trachtenver­ eins und hatten mit ihrem Begehren Erfolg. Das Ver­ einsleben konnte wieder beginnen, zumal von einer Gegnerschaft gegen den Verein nach dem Krieg im Dorf nicht mehr viel zu spüren war. Die erste Nach­ kriegsversammlung fand im November 1945 statt. Die Mitglieder wählten Georg Hörburger zu ihrem 1. Vor­ stand und Josef Megele zum Vorplattler. 16 Burschen und 8 Madln kamen neu zum Verein. Die Proben fan­ den wie früher beim Neuwirt statt. Schon im Herbst je­ nen Jahres nahm man mit 2 Wägen an der Leonhardi­ fahrt in Neufahrn teil. 1946 hatte das Vereinsleben im

Leonhardiwagen 1947 mit Schalkfrauen vor dem ersten Neufahrner Schulhaus


gesamten Loisachgau bereits wieder soviel Schwung gewonnen, daß bei der Frühjahrsversammlung in Kö­ nigsdorf ein Gaufest beschlossen wurde, das dann vom dortigen Trachtenverein übernommen wurde. Die »Veiglberger« beteiligten sich an diesem ersten Gau­ fest nach dem Kriege recht zahlreich und führten einen Ehrtanz auf. Das Vereinsjahr 1945/46 brachte für Neu­ fahrn noch zwei besondere Ereignisse. Zum einen wurde erstmals nach dem Krieg wieder das Nikolaus­ spiel aufgeführt, das bis heute alle 7 Jahre im Dorf dar­ geboten wird und zum anderen wurde bei der Beerdi­ gung von Matthias Dissinger und Georg Sehlenz erst­ mals im Verein der Schalk getragen. Im Laufe der Zeit widmeten sich die »Veiglbergler« auch dem Theaterspiel. Am 05. März 1950 kam es im Gasthaus Biechele zur ersten Aufführung, der bis 1959 noch zehn weitere folgten, zuletzt der Einakter »Der Kampf ums Himmelbett«. 23. Loisachgaufest Das Jahr 1950 stand ganz im Zeichen des 23. Loisach­ gaufestes, dessen Ausrichtung den Neufahrner Tracht­ lern übertragen worden war. Ursprünglich für den 31. Juli vorgesehen wurde es kurzfristig wegen des am sel­ ben Tag stattfindenden Oberlandlergaufestes, vor al­ lem aber wegen der in diesem Jahr sehr früh einsetzen­ den Getreideernte auf den 23. Juli vorverlegt. Als Fest­ halle stellte Bürgermeister Dissinger seine Scheune zur Verfügung, in der der Alt- und Neuwirt je einen Aus­ schankplatz erhielten. Für jede ausgeschenkte Maß Bier hatten sie 2 Pfennig an den Verein abzuführen. Am Vorabend des ersten großen Trachtenfestes in Neufahrn, am 22. Juli 1950, fand in der festlich ge­ schmückten Scheune ein großer Heimatabend statt. Daß man den vielen Besuchern zur damaligen Zeit eine so schön geschmückte Halle bieten konnte, war einem alten Neufahrner Freund, Herrn Ludwig Pointner, zu verdanken. Er stellte dem Verein die benötigte Deko­ ration kostenlos zur Verfügung. Für die Musik sorgte die Thanninger Blaskapelle. Den Ansager machte Tho­ mas Stolz aus Benediktbeuern. Das Programm bot Vorführungen von heimischen Tänzen und Plattlern,

behilflich waren. Insgesamt wurden an die 2000 Fest­ zeichen verkauft, die von den Mitgliedern in Handar­ beit gefertigt worden waren. Um 10.00 Uhr zelebrierte Pfarrkurat Franz Bierprigl vor der Leonhardikapelle eine Feldmesse. Anschlie­ ßend wurde den verstorbenen Mitgliedern des Loisach­ gaues ein ehrendes Gedenken gewidmet. Nach Rückkehr der Vereine in die Festhalle fand unter der Leitung des damaligen Gausingwarts Xandl Pölt ein Preissingen statt. Die Preise gingen an die Vereine »Edelweiß« Bad Tölz 1. Preis, »Alpenrose» Königsdorf 2. Preis und Maxkron 3. Preis. Den Höhepunkt des 23. Loisachgaufestes bildete der Festzug durch das festlich geschmückte Dorf, an dem 23 Vereine und 5 Musikkapellen teilnahmen. Den Meistpreis erhielt der Trachtenverein Thanning mit 69 Trachtlern. Der Weitpreis ging nach Hohenschäftlarn. Ehrentänze und Preisverteilung schlossen den offiziel­ len Teil des Tages, der in der Durchführung durch den leicht einsetzenden Regen etwas behindert war, ab. Beim Gaufest zählte der Verein 69 Mitglieder.

Feldmesse Gaufest 1950 sowie den Auftritt verschiedener Sängergruppen, unter ihnen die »Neufahrner Dirndl« (Uschi Biechele und Lotte Petzenhammer), sowie die zwei Sänger - Georg Bichlmayr und Johann Singer. In ihrer typischen Tracht eröffnete die Bergknappenkapelle Penzberg mit dem Weckruf den Festsonntag. Für die ankommenden Trachtler unterhielt die Omnibusfirma Preis einen Pen­ delverkehr zwischen Wolfratshausen und Neufahrn. Motorräder und Fahrräder konnten gegen eine Gebühr von 50 bzw. 20 Pfennig untergestellt werden. Die an­ kommenden Vereine wurden von Johann Holzmayr empfangen, dem zur Einweisung zwei Fahrradmelder

Nach diesem Höhepunkt im Vereinsleben brachte das Jahr 1950 mit der Neuwahl des 1. Vorstandes aber noch eine wenig erfreuliche Situation. Der in der Jahresver­ sammlung am 29. Oktober zum 1. Vorstand gewählte Georg Schmid nahm die Wahl nicht an. Als daraufhin in einem weiteren Wahlgang der bisherige Vorstand Michael Gar die meisten Stimmen erhielt, verweigerte auch er die Annahme der Wahl, weil ihm im ersten Wahlgang nicht das nötige Vertrauen geschenkt wurde. Schließlich kam es am 31. Oktober zu einer neuen Ver­ sammlung. Aus dieser Wahl ging dann Georg Schmid als 1. Vorstand hervor. Aus den folgenden Jahren sind nur einzelne Ereignisse zu erwähnen, so 1953 der abermalige Umzug ins neue Vereinslokal im Gasthaus Biechele und 1955 am 4. No­ vember die Wahl von Johann Mayer aus Ergertshausen zum 1. Vorstand. Am 28. Juni 1959 wurde die restau­ rierte Fahne geweiht. Durch die Initiative und die groß­ zügige Spende des Jagdpächters Toni Ritter wurde die­ ses Vorhaben ermöglicht. Am Nachmittag gings in ei287


nem Festzug vom Neuwirt zum Vereinslokal Biechele; dort fand dann der Trachtenball statt. Gedenktafel für Josef Vogl Das 25jährige Stiftungsfest am 3. September 1960 fand im kleinen Rahmen statt. Da es an geeigneten Räum­ lichkeiten fehlte, wurden keine auswärtigen Vereine eingeladen. In seiner Festansprache regte Pfarrer Bier­ prigl an, einem der Pioniere der Gebirgstrachtenerhal­ tung, dem Volksschullehrer Josef Vogl, der selbst einige Jahre Bürger von Neufahrn war, eine Gedenkta­ fel zu widmen. Am 6. Januar 1961 war es wieder einmal soweit, daß die Mitglieder für einen Wechsel des Vereinslokals stimm­ ten. Diesmal fiel die Wahl wieder auf das Gasthaus Neuwirt. Für die Theaterspieler hatte dies zur Folge, daß sie keinen geeigneten Raum für ihre Aufführungen mehr hatten; so löste sich die Laienspielgruppe auf. Um die Dorfjugend für die Trachtensache anzuspre­ chen, wurde im Jahr 1964 eine Jugendgruppe gegrün­ det. Eine große Anzahl von Buam und Madln trat die­ ser Gruppe bei und sorgte somit wieder für neuen Schwung im Vereinsleben. Zusammen mit den Aktiven

Ehrungen beim 25jährigen Gründungsfest 1960

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nahm diese Gruppe ab 1965 an den vom Loisachgau durchgeführten Wertungsplatteln teil. Dabei konnten schöne Erfolge verbucht werden. Auch auf Vereins­ ebene findet für den Nachwuchs alljährlich ein Wer­ tungsplatteln statt. 2. Gaufest in Neufahrn Die 2. Großveranstaltung in der Vereinsgeschichte war das 38. Loisachgaufest, das am 10. und 11. Juli 1965 aus Anlaß des 30jährigen Gründungsfestes der»Veiglberg­ ler« in Neufahrn stattfand. Auf der von Michael Ailler zur Verfügung gestellten Wiese wurde erstmals ein Festzelt errichtet. Das Fest wurde am Samstagabend bei regnerischer und kühler Witterung mit einem gro­ ßen Heimatabend eröffnet. Das Programm wurde größtenteils von den aktiven Mitgliedern der »Veigl­ bergler« dargeboten. Die neugegründete Jugend­ gruppe hatte an diesem Abend ihren ersten Auftritt. Durch das Programm führte Bertl Heigl aus Heufeld. Als am Festsonntag die Stadtkapelle Penzberg zum großen Weckruf durch das Dorf marschierte, kündigte sich ein herrlicher Sommertag an. Ein Triumphbogen grüßte am Ortseingang die Trachtler der ankommen-

den Vereine. Im Schulgarten war ein Feldaltar aufge­ baut, dort hielt Pfarrer Franz Bierprigl den Festgottes­ dienst ab. Nach dem Gottesdienst marschierten die Fahnenabordnungen aller Vereine zur Leonhardika­ pelle. Dort wurde die Gedenktafel für Lehrer Josef Vogl eingeweiht. Zum Gedenken an die verstorbenen Mitglieder des Loisachgaus legte Gauvorstarld Franz Sappl einen Kranz nieder. Der Festzug am Nachmittag führte an die 1300 Tracht­ ler aus 32 Vereinen mit 11 Musikkapellen durch das festlich geschmückte Dorf. Etwa 3000 Besucher säum­ ten die Straßen dieses Umzugs und erfreuten sich an dem farbenprächtigen Bild der Trachtler. Der Meist­ preis ging wiederum an die »Wendlstoana« aus Than­ ning mit 125 Teilnehmern. Der Meistpreis außer Gau wurde an die »Jasbergler« aus Baiernrain vergeben. Den Weitpreis konnten die Trachtler der »Römasto­ ana« aus Sauerlach mit nach Hause nehmen. Mit einem Festball klang am Abend das 38. Loisachgaufest aus. Bei der Jahresha�ptversammlung 1968 gab es im Ver­ ein einen Vorstandswechsel. Georg Schmid wurde zum

Feldmesse im Schulhof beim Gaufest 1965


neuen 1. Vorstand gewählt. Der bisherige Vorstand Jo­ hann Mayer wurde für seine langjährige Tätigkeit als 1. Vorstand einstimmig zum Ehrenvorstand ernannt. Vereinsvorstände seit der Gründung: 1935-1937 Sailer Gabriel 1937 -Kriegsanfang Schmid Georg 1945 -1949 Hörburger Georg 1949-1950 Gar Michael 1950 -1955 Schmid Georg sen. 1955-1968 Mayer Hans 1968-Schmid Georg Bei der Fahnenweihe des Trachtenvereins St. Sebald Egling am 28. Juni 1970 hat unser Verein die Paten­ schaft übernommen. Resi Schölderle überreichte das Patenband. Das 1. Bergfest Am 16. August 1970 gab es eine Premiere. Auf dem Kraxnbichl wurde das erste Bergfest gefeiert. Es ist in­ zwischen zu einer festen Einrichtung im Vereinsjahr ge­ worden, zu dem viele Besucher aus Stadt und Land kommen.

Jugendgruppe beim Preisplattln in Penzberg 1966

Weihe einer neuen Vereinsfahne Als nächste Großveranstaltung feierten die »Veigl­ bergler« Trachtler ihr 40jähriges Gründungsfest. Die­ ses Fest war mit der Anschaffung einer neuen Vereins­ fahne verbunden, denn die heute noch im Gebrauch befindliche Fahne stammt noch aus der Zeit des Bur­ schenvereins. Am 5. Juli 1975 war es soweit, daß die Blaskapelle Bachhausen mit einem flotten Marsch den Heimatabend eröffnete. Die Darbietungen dieses Abends wurden wiederum zum größten Teil von den ei­ genen Mitgliedern geboten. Titus Stelzl führte durchs Programm. Am Festsonntag, den 6. Juli, feierten 29 Trachtenvereine mit etwa 2000 Trachtlern und 11 Mu­ sikkapellen mit den »Veiglberglern« das Jubiläum. Zum Festgottesdienst versammelten sich die Trachtler am Kraxnbichl, dort hielt Pfarrer Josef Weber die hei­ lige Messe und erteilte der neuen Fahne den kirchli­ chen Segen. Fahnenbraut Lotte Steinlechner und Fah­ nenmutter Maria Wirth überreichten sie anschließend zu treuen Händen an den Fähnrich. Ein Fahnengruß mit der Patenfahne des Trachtenvereins St. Sebald Eg­ ling beschloß diesen kirchlichen Teil des Festes. Böller-

schüsse und Marschmusik kündigten am Nachmittag den Festzug durch das Dorf an. Viele Zuschauer säum­ ten die Straßen und bewunderten diesen prächtigen Festzug. Stärkster Verein war wiederum der Trachten­ verein Thanning, der damit zum drittenmal den Meist­ preis aus Neufahrn mit nach Hause nehmen konnte. Ein großer Festball beschloß am Abend die Feierlich­ keiten. Ohne Vereinslokal 1979 wurde die Situation für den Verein schwierig. Als die »Veiglbergler« nach Differenzen mit dem Pächter beim Neuwirt im Mai auszogen, waren sie ohne Ver­ einslokal, weil das Gasthaus Biechele nicht mehr zur Verfügung stand. So mußte der Trachtenjahrtag notge­ drungen im Singerstadel abgehalten werden. Die Platt­ lerproben wurden auf dem Speicher des Schulhauses abgehalten. In dieser Lage kam bei der Mitgliederver­ sammlung am 2. Dezember 1979 der Vorschlag auf, das damals leerstehende Erdgeschoß des Schulhauses in ein Vereinsheim umzubauen. Die Gemeinde als Eigen­ tümer des Gebäudes stimmte dem Vorhaben unter der Voraussetzung zu, daß der Verein die Umbauarbeiten

Fahnenweihe 1975, Feldmesse am Kraxnbichl 289


auf eigene Kosten durchführe. Auf dieser Basis wurde Anfang Februar 1980 mit dem Umbau begonnen. Nach mehr als 2000 unentgeltlichen Arbeitsstunden der Mit­ glieder konnte das neue Heim am 21. September 1980 mit dem Trachtenball eröffnet werden. Inzwischen wird es auch bei Bürgerversammlungen und ähnlichen Anlässen genutzt. Am 6./7. Juni 1980 beim 25. Deutschen Feuerwehrtag in Hannover vertrat der Verein unser Bayernland; 10 Trachtenpaare wirkten mit beim Festabend sowie beim Festzug. Mitglieder empfehlen sich für Aufgaben im Loisachgau Durch ihren unermüdlichen Einsatz für die Trachtensa­ che haben sich im Laufe der Zeit auch Mitglieder des Vereins für Aufgaben im Loisachgau hervorgetan. So wurde bereits 1962 unser damaliger Vorplattler Johann Schölderle zum 2. Gauvorplattler gewählt. Bei der Herbstgauversammlung 1974 in Deining wurde Sepp Mayer zum 1. Gaujugendwart gewählt. Er hat dieses Amt mit viel Einsatz und Fleiß ausgeübt. Als dann bei der Herbstgauversammlung 1980 in Baierbrunn turnus­ gemäß Neuwahlen anstanden und der bisherige lang-

Verein beim Festzug in Baierbrunn 1978 290

jährige Vorstand Franz Sappl für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung stand, schenkten die Dele­ gierten der Vereine dem Sepp ihr vollstes Vertrauen und wählten ihn mit großer Mehrheit zum neuen Gau­ vorstand. Bei der Wahl seines freigewordenen Postens erhielt Richard Händl, Jugendvertreter der »Veigl­ bergler«, die meisten Stimmen und konnte somit die Nachfolge von Sepp Mayer als Gaujugendwart antre­ ten. Als diese Kunde nach Neufahrn drang, wurde ei­ lends ein Empfang vorbereitet. Als am späten Nach­ mittag die Neugewählten mit einigen Gauausschußmit­ gliedern in Neufahrn eintrafen, wurden sie am Ortsein­ gang vom 1. Vorstand Georg Schmid herzlich begrüßt. Mit der Blaskapelle Deining wurden sie mit einem flot­ ten Marsch zum Vereinsheim geleitet, wo sich eine nette Einstandsfeier anschloß. Im Frühjahr 1980 wurde Vorstand Georg Schmid bei der Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Trachtenvereine des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen in Baiernrain zum 1. Vorsitzenden gewählt. Traditionen beim Jahrestag Schon bald erwies sich das Vereinsheim als zu klein. So

Feldmesse Gaufest 1985

wurde ein Anbau beschlossen, für den der Verein im April 1983 die Baugenehmigung bekam. Nachdem die Mitglieder etwa 1400 wiederum unentgeltliche Arbeits­ stunden geleistet hatten, wurde der Bau im September 1983 im Rahmen des Trachtenjahrtages eingeweiht. Dem Trachtenjahrtag messen die N eufahrner Trachtler noch eine besondere Bedeutung zu. Er beginnt am Vormittag mit einem Gedenkgottesdienst. Beim an­ schließenden Frühschoppen im Vereinsheim werden die anstehenden Ehrungen vorgenommen. Am Nach­ mittag gibt es dann einen geschlossenen Ball für die Mitglieder, bei dem nach alter Tradition eine Zeche kassiert wird. Sie umfaßt den Eintritt für das Trachten­ paar und einen Gutschein für drei Maß Bier. Theaterspieler treten wieder in Aktion Da mit dem Anbau auch eine Bühne geschaffen wurde, fanden sich schnell Interessenten, um die Tradition des Theaterspielens wieder aufleben zu lassen. Ab 1983 führten sie bei der Weihnachtsfeier jeweils einen Ein­ akter auf. Ein gemeinsamer Hoagascht mit dem Trach­ tenverein »Seeröserl« Ammerland-Münsing fand im März 1985 im Vereinsheim statt. Gesangs- und Musik-


gruppen beider Vereine gestalteten diesen Abend, in dessen Verlauf die Münsinger um die Patenschaft für die bevorstehende Fahnenweihe ersuchten. Bei der Fahnenweihe am 11. August 1985 überreichte Chri­ stine Mayer das Patenband. Mit über 150 Teilnehmern konnten wir bei diesem Fest den Meistpreis mit nach Hause nehmen. Der Verein beteiligte sich auch am Jahrhundertfest in München. Am 8. Juli 1984 bei der Schlußfeier des deutschen Ka­ tholikentages im Münchner Olympiastadtion traten beim gemeinsamen Sternpolkaplattler 12 Paare der »Veiglbergler« für den Loisachgau auf.

Ein halbes Jahrhundert Trachtenverein »Veiglbergler« In Verbindung mit dem 58. Loisachgaufest, es war das dritte Gaufest, das der Verein ausrichtete, feierten die »Veiglbergler« ihr 50jähriges Gründungsjubiläum. Die Blaskapelle Deining als Festmusik eröffnete am 29._ Juni 1985 den großen Heimatabend im Festzelt, das diesmal auf der Hanfstinglweide errichtet wurde. Als Schirmherr richtete Bürgermeister Manfred Nagler, er hatte auch 1975 bei der Fahnenweihe bereits dieses Eh-

renamt übernommen, einige Grußworte an die zahl­ reich erschienenen Trachtenfreunde. Das Programm des Heimatabends wurde wie schon in den vorangegan­ genen Festen wieder von vereinseigenen Gruppen ge­ staltet. Die Vereinsjugend war ebenfalls an den Dar­ bietungen beteiligt. Vom Gauvorstand Sepp Mayer wurden die Gründungsmitglieder Anna Gar, Anna Schmid, Martin Huber, Josef Heinrizi und Josef Me­ gele mit dem 50jährigen Gauabzeichen geehrt. Zum Festsonntag am 30. Juni hatten die Neufahrner ihr Dorf wieder auf Hochglanz gebracht. Mit dem Kir­ chenzug marschierten 2186 Trachtler zum südlichen Ortsrand, wo auf der Radlwiese Pfarrer Josef Weber und Diakon Gerhard Neubauer den Festgottesdienst abhielten. Am Ehrenmal legte Gauvorstand Sepp Mayer für die verstorbenen Mitglieder des Gaues einen Kranz nieder. Eine regelrechte Verkehrslawine drohte am frühen Nachmittag Neufahrn zu ersticken, so viele Besucher kamen, um sich den Festzug anzusehen, der mit 3100 Trachtlern aus 34 Vereinen und 20 Musikka­ pellen durch den Ort marschierte. Mit den Ehrtänzen

Ehrungen für 1. Vorstand Georg Schmid für 25jährige Mitgliedschaft 1985 durch 2. Vorstand Bruno Dierl.

der Vereine und der Preisverteilung ging es anschlie­ ßend im Festzelt weiter. Der 1. Meistpreis ging wieder nach Thanning, der 2. nach Königsdorf, den 3. Meist­ preis konnte der Patenverein St. Sebald Egling in Emp­ fang nehmen. Ein Sonderpreis für die stärkste Jugend­ beteiligung ging an die »Waxnstoana« aus Antdorf. Außerdem erhielt jeder Verein als Ehrengabe ein Hin­ terglasbild mit einer Neufahrner Ortsansicht.

Errichtung eines Feldkreuzes

Zum Dank für den guten und unfallfreien Ablauf der vielen Festveranstaltungen und Arbeitseinsätze der letzten Jahre stifteten die » Veiglbergler« im Jahr 1986 für die Neufahrner Flur ein Feldkreuz. Pfarrer Josef Weber weihte dieses Kreuz, das an der Straße nach Ascholding errichtet wurde, am 25. Mai im Beisein vie­ ler Mitglieder und Dorfleute feierlich ein. Dem Aufruf der Vereinigten Bayerischen Trachtenver­ bände folgend wurde am 24. August 1986 zum Geden­ ken an den 200. Geburtstag von König Ludwig I. sowie zum 100. Todestag von König Ludwig II. und des Leh­ rers Josef Vogl am Kraxnbichl auch ein Bergfeuer an­ gezündet.

Gruppenaufnahme 1986 291


Die Erhaltung und Pflege unserer Tracht, des Brauch­ tums und Kulturguts sind auch heute noch, gute 50 Jahre nach der Gründung des Vereins, die Ziele der » Veiglbergler«. Aus den Reihen der Vereinsmitglieder bildeten sich Sänger- und Musikgruppen, die sich des echten Volks­ liedes und der Volksmusik annehmen. Sie verschönern unsere Hoagascht- und Weihnachtsfeiern und vertre­ ten den Verein auch bei Gauveranstaltungen. Es sind dies unsere Neufahrner Sänger, die sich 1970 mit eini­ gen Liedern bei der Weihnachtsfeier vorstellten. Un­ sere Stubnmusi, die Geschwister Walleitner, spielte 1980 zum erstenmal für den Verein auf. Beim Gaufest 1985 stellte sich unser Nachwuchs vor, im Gesang die Schmid Deandln, sowie Anita Dierl mit der diadoni­ schen Ziach. 1988 gehörten dem Trachtenverein Veigl­ bergler 205 Mitglieder an. Der Verein ist seit 1982 als gemeinnützig anerkannt und wurde am 3. 12. 1987 ins Vereinsregister beim Amtsgericht Wolfratshausen ein­ getragen.

Burschen und Madln des Vereins beim Maitanz 1986. 292

Nikolausspiel

Alle 7 Jahre wird in Neufahrn das Nikolausspiel aufge­ führt. Die 9 Spieler ziehen um den 6. Dezember von Haus zu Haus und sagen dort ihre Verse auf. Das Spiel, das so um die 200 Jahre alt sein dürfte, wurde früher von den Burschen des Ortes gespielt und ab 1945 vom Trachtenverein übernommen. Der Goaßlschnalzer kündigt vor den einzelnen Häusern das Kommen der Gruppe an. Als erster geht der Jäger in das Haus und sagt folgenden Spruch auf: »Grüß Euch, grüß Euch, Ihr lieben Eltern und Kinder zugleich. Wer mir folgen tut, dem geb ich vom Himmel­ reich. Wer mir aber nicht folgen tut, dem geb ich nichts von meinem Gut. Ich bin da als Jäger genannt, da sehen wir allerhand, Hab und Gut, wie es der heilige Nikolaus bringen tut. Ich hab aber etwas Gutes bei mir, Äpfel, Birnen, aber auch ein wildes Tier, und dergleichen Sa-

Nikolausspiel 1961

chen mehr, wie es Gott erkennt hierher. Es wird auch kommen der gute Hirt mit seinem Schäferstab, den ihr vielleicht noch nicht gesehen habt. Es wird ein Hirt aus einem Schafstall sein, er wird treten zur Tür herein, wird aber viel der Schönere sein. Und nun ade von Euch allen, ich will meine Rede beschließen und sie den Hirten übergeben«. Dieser betritt die Stube und sagt sein Gsatzl auf. Nach ihm kommt der Pilgram mit seinem Prolog, weiter gehts mit dem Mohrenkönig, der dann den Nikolaus ankündigt. Die zwei Bettlnbuam bitten bei ihrem Auf­ tritt den Nikolaus um einen kleinen Obolus, bevor sie ihre lustigen Versln in Gesangsform vortragen. Dabei werden sie aber vom Scharfrichter in die Schranken ge­ wiesen. Mit dem Auftritt des Klaubauf geht das Spiel zu Ende. Es dauert in jedem Haus ca. 10 Minuten.


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Ortsgeschichte von Neufahrn Neufahrn kann in wenigen Jahren sein 1200jähriges Ju­ biläum feiern. Der Ort auf den Höhen östlich der Pupp­ linger Au ist erstmals im Jahre 804 urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich her von dem Wort »Neufahren«, was soviel bedeutet wie Neusiedler. Es gibt auch noch eine Vermutung, daß sich der Name Neufahrn von dem Hinweis »neue Furth« = neue Fahrt oder neuer Weg ableiten könnte. Eine mächtige Keltenschanze süd­ westlich des heutigen Dorfkerns, deren 4 m starke Um­ wallung 138 m lang und 90 m breit ist, weist auf eine frühe Besiedlung hin. Die Forschung tendiert dahin, daß es in der Gegend von Neufahrn schon zur Zeit der Christianisierung im 7. und 8. Jahrhundert eine Johan­ nestaufkirche gegeben hat. Eine weitere schriftliche Erwähnung findet sich für das Jahr 1107. Es wird be­ richtet, daß das Kloster Tegernsee verschiedene Waren aus einem halben Hofe bei Neufahrn bezieht. U,n 1104 ist erstmals von einem Ortsadel die Rede. 1150 tritt ein Ulfin von Neufahrn als Zeuge zu Tegernsee auf. In je­ ner Zeit wurden in Neufahrn, wo auch die Grafen von Andechs Güter hatten, Schrannen (Getreidemärkte) abgehalten. überliefert ist, daß 1557 ein Hof den Hör­ wartsehen gehörte. Einen anderen Hof »genossen« die Ruedorfer von München, die ihn als Lehen vom Klo­ ster Tegernsee hatten. Der massive Kirchturm des Ortes stammt wahrschein­ lich aus der Römerzeit, wobei er damals als Aussichts­ und Signalturm diente. Der Anbau der Kirche an den Turm erfolgte erst in späterer Zeit. Die Filialkirche St. Johann Baptist in Neufahrn wurde im Jahre 1206 geweiht. Besonders sehenswert sind ihre spätgotischen Fresken (1430-1460) und der Altar aus dem 16. Jahrhundert. Größere Restaurierungen erfolg­ ten 1846 und 1980. Die Sebastiani- und Leonhardika­ pelle am Ortseingang wurde laut Votivtafeln im Jahr 1647 erbaut. Neufahrn gehört seit 1953 zur Pfarrei Egling. In Sendling dabei. Eine markante Erwähnung findet sich für das Jahr 1705. Damals nahmen vier Neufahmer am Bauernauf294

Ortsansicht Neufahrn 1936 stand gegen die Schreckensherrschaft der Habsburger teil, der in der Sendlinger Mordweihnacht endete. Die Gemeindebildung im Bezirk Wolfratshausen er­ folgte nach einem Bericht des Landgerichts Wolfrats­ hausen vom 28. Juni 1818 auf der Grundlage der beste­ henden Einteilung in Steuerdistrikte. Danach gehörte zeitweise ein Teil von Oberegling zur Gemeinde und ab 1876 zum Standesamtsbezirk Neufahrn. Die Bewohner dieses Teils mußten ihre Gemeindeumlage an die polti­ sche Gemeinde Neufahrn zahlen, gehörten aber gleich­ zeitig zur Filialkirchengemeinde Egling und auch zum Schulbezirk Egling. 1906 wurde in einem Rechtsstreit auf Grund eines Gutachtens die gesamte Ortschaft Oberegling zu Egling geschlagen. Eine erste ausführlichere Beschreibung der Gemeinde findet sich für die Zeit um 1860. Sie bestand damals aus der Ortschaft Neufahrn mit 38 Hausnummern, dem

Ortsteil Veiglberg mit 3 Hausnummern, und Obereg­ ling mit 8 Hausnummern und umfaßte 4.588 Tagwerk Grund. Aufgeführt in der Beschreibung sind für Neu­ fahrn ein bewohnbares Gemeindehaus, ein Schulhaus mit 0,41 Tagwerk Grund, ein Gemeindebrunnen und ein Kirchhof. Für die Zeit vor 100 Jahren wird der Ort beschrieben als eine Landgemeinde mit 263 katholi­ schen Einwohnern, in dem es 77 Gebäude gab, wovon 49 Wohngebäude waren. In der Aufzählung finden sich 44 Pferde, 256 Stück Rindvieh, 8 Schweine und 2 Ziegen. Eine Gebühr für Ansässige Als älteste bekannte Akte gilt die Eintragung in das Be­ schlußbuch vom 27. September 1834, in der es um die gemeindliche Aufnahme- bzw. Ansässigkeitsgebühr geht. Eine solche Gebühr hat es auch später noch gege­ ben. Für 1899 ist überliefert, daß die sogenannte Hei­ matgebühr 20 Mark betrug und die Ausstellung der


Heimatsurkunde 2 Mark kostete. Am Ende jenes Jah­ res betrug übrigens der gesamte Kassenbestand der Ge­ meinde 558,04 Mark. Im Jahr 1882 wohnten im Ge­ meindehaus (Armenhaus) 10 Personen. Die erste Kirchturmuhr wurde 1883 angeschafft. Sie wurde im Jahr 1963 durch ein neues Uhrwerk ersetzt und 1987 auf Funksteuerung umgestellt. Da es in Bayern mehrere Orte mit dem Namen Neu­ fahrn gibt, hatte sich hier die Bezeichnung »Neufahrn rechts der Isar« eingebürgert. Josef Vogl in Neufahrn Früher gehörten der Schul- und Kirchendienst vielfach zusammen, so auch in Neufahrn. Im Januar 1876 wurde dieser Dienst dem Schulgehilfen Josef Vogl aus Grafing übertragen. Dieser Josef Vogl, der auch Gemeinde­ schreiber in Neufahrn war, ist kein anderer als der be­ kannte Vorkämpfer für die Erhaltung der Gebirgs­ trachten. Vogl wirkte drei Jahre in Neufahrn, dann wurde er nach Bayrischzell versetzt. Damals gab es in Neufahrn Schulhausprobleme. Durch die Ausschulung der Gemeinden Egling und Obereg­ ling im Jahre 1875 war zwar ein Schulhausneubau zu­ nächst hinausgeschoben worden, doch die Regierung sah ihn wegen der ständig wachsenden Bevölkerung als unerläßlich an. Erst im Jahr 1910 konnte mit dem Bau eines neuen, für die damalige Zeit recht großzügig und modern ausgelegten Schulhauses mit 2 Klassenräumen und einer schönen Lehrerwohnung begonnen werden. Es waren schwierige Verhandlungen zwischen den be­ teiligten Gemeinden Neufahrn und Ergertshausen vor­ ausgegangen, weil der künftige Standort Neufahrn noch nicht feststand. Schließlich einigte man sich unter dem Gesichtspunkt, daß Ergertshausen bereits Sitz des kirchlichen Benefiziums war, dem Neufahrn ange­ hörte, und Neufahrn das Baugrundstück bei der Seba­ stianikapelle kostenfrei zur Verfügung stellte. Das alte Schulhaus, in der Dorfmitte von Neufahrn ge­ legen, wurde nach der Fertigstellung des neuen im Jahre 1912 verkauft. Der älteste Verein in Neufahrn ist die Freiwillige Feu­ erwehr. Die frühesten Eintrittsdaten sind belegt vom 19. März 1873. Vom 15. November 1874 ist bekannt,

daß der Neubau eines »Feuerlösch-Requisiten-Locals« beschlossen wurde. Von dem Bau, der durch Darlehen und den »ab 1875 einzuführenden Lokalmalzauf­ schlag« finanziert wurde, ist noch der Originalplan vor­ handen. 1913, genau vom 01. Juli bis 01. Oktober, wurde dann unter Leitung des Regierungsbaumeisters Hintermayer ein neues Spritzenhaus gebaut. Schwere Zeiten mußten unsere Feuerwehrleute bestehen, als in den Jahren um 1930 zahlreiche Brände unser Dorf heimsuchten. Wegen der Anschaffung eines neuen Feuerwehrautos wurde 1987 an gleicher Stelle in Eigen­ leistung ein neues, größeres Gerätehaus unter Kom­ mandant Hörburger erbaut. Der zweitälteste Verein im Ort ist der Veteranen- und Kriegerverein Neufahrn, der nach dem deutsch-franz. Krieg von 1870/71 im Juni 1877 gegründet wurde. Eigene Wasserversorgung Schon 1895 kümmerte sich die Gemeinde um die Ver­ besserung ihrer Wasserversorgung. Damals entstand der Plan für den Bau einer Wasserleitung von Ergerts­ hausen nach Neufahrn. Die Leitung wurde dann 1897 gebaut. Als diese Wasserversorgung nicht mehr aus­ reichte, ging Neufahrn daran, eine eigene Versorgung zu bauen. Zu diesem Zweck wurde im Jahre 1936 eine Wassergenossenschaft gegründet. In Oberegling wur­ den einige Quellen gekauft und erschlossen. Diese Quellen und der 1956 am Kraxnbichl erbaute Hochbe­ hälter sind heute noch die Grundlage der eigenen Was­ serversorgung im Dorf. Das wirtschaftliche Einkommen der Neufahrner war um die Jahrhundertwende überwiegend von den Ein­ künften aus der Landwirtschaft geprägt. Neben 10 Vollerwerbsbauern mit Dienstboten, einer Ziegelei am nördlichen Ortsrand, die mit Dampfkraft betrieben wurde und 10 männliche Arbeiter sowie 4 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren beschäftigte, waren noch folgende Handwerker: 1 Huf- und Wagen­ schmiede, 1 Wagner, 1 Schreiner, 1 Schuster, 1 Weber, 2 Kramer, 2 Gastwirtschaften (Alt- und Neuwirt), die allesamt nebenbei auch noch Landwirtschaft betrieben oder im Tagwerk bei den größeren Bauern einem Zuer­ werb nachgingen. Zu den gemeindlichen Einrichtun-

gen gehörte auch eine Fuhrwerks- und Viehwaage, die 1916/17 angeschafft und vor etwa 10 Jahren stillgelegt wurde. Die Elektrizität hielt im Dorf Anfang des Jahr­ hunderts Einzug. In der Neufahrner Schule wurde 1920 elektrisches Licht installiert. Nun eine Zusammenstellung aus den letzten 60 Jahren: Im Jahre 1927 wurde mitten im Ort, gegenüber dem al­ ten Schulhaus, eine Milchsammelstelle von den Neu­ fahrner Bauern erbaut. Sie ist heute noch in Betrieb. Im Jahre 1932 wurde eine Milchabsatzgenossenschaft Neufahrn gegründet, die ihre Milch an eine Molkerei nach München verkaufte. Die jährliche Liefermenge betrug: im Jahre 1934 bei 33 Lieferanten 47.958 kg, im Jahre 1950 bei 34 Lieferanten 495.036 kg, im Jahre 1986 bei 18 Lieferanten 1.614.567 kg Die Versorgung von Neufahrn mit der Post ist bis 1931 von Wolfratshausen aus erfolgt. Erst am 11. Januar 1931 wurde in Neufahrn eine eigene Poststelle eröffnet, die auch für Ergertshausen zuständig war. Leider wurde diese Poststelle, die allein über 3 Jahrzehnte von der Familie Walleitner betrieben wurde, im Jahr 1974 aufgelöst und der Poststelle in Egling zugeschlagen. In den Jahren 1956 bis 1961 wurde in Neufahrn die Flurbe­ reinigung durchgeführt. Von 1962 bis 1964 wurden dann die Ortsstraßen in Eigenleistung der Bürger unter Bürgermeister Georg Schmid ausgebaut und geteert. Im Zuge der Schulreform wurde unsere Schule 1969 in die Grund- und Hauptschule Egling eingegliedert. Feh­ lende Klassenräume in diesem neuen Schulverband führten zu einem Schüleraustausch zwischen den bei­ den Orten. Der Schulbetrieb ging deshalb in Neufahrn weiter und wurde erst im Dezember 1979 endgültig ein­ gestellt. Im Rahmen der kommunalen Gebietsreform wurde 1973 die bis dahin selbständige Gemeinde Neufahrn durch die Neubildung der Großgemeinde Egling aufge­ löst. Die Ortschaft Neufahrn hat zur Zeit 416 Einwoh­ ner, davon sind 193 männlichen und 223 weiblichen Ge­ schlechts, 5 Handwerksbetriebe sowie 1 Lebensmittel­ geschäft sind im Ort ansässig. Die Gemarkungsfläche von Neufahrn umfaßt 2.322 Tagwerk. Georg Hörburger, Georg Bichlmayr, Sepp Mayer 295


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »Alpenblick« Berg bei Eurasburg Entstehung und Gründung des Gebirgstrachtenerhal­ tungs-Vereins »Alpenblick« Berg bei Eurasburg. Wenn das Jahr 1948 als Gründungsjahr besonders her­ ausgestellt wird, so darf man nicht vergessen, daß be­ reits im Spätherbst 1947 die ersten Kontakte zur Grün­ dung eines Trachtenvereins geknüpft wurden. Nach den schweren Kriegsjahren 1939 - 1945, den Jah­ ren der Angst, des Hungers und der Not, als die Men­ schen langsam wieder zu hoffen wagten, daß es einer besseren Zeit entgegengehen würde, war es an einem Sonntag nach dem Gottesdienst in Berg, als Alois Wammetsberger zu einer Gruppe junger Burschen aus den umliegenden Ortschaften trat und sagte: »Was is Buam, gründ ma an Tracht'n-Varein, an Hut hobts, Le­ dahosn hobts, und a Trachtnjoppn und a greans Schil­ lee ham a de meistn, d'Wirtschaft hamma a in Berg und da Mittlpunkt war Berg a«. Man muß dazu sagen, im Frühjahr, Sommer und Herbst war in Berg alle 14 Tage Gottesdienst für die umliegenden Ortschaften von Degerndorf mit Sonder­ harn und Bolzwang, Happerg, Eurasburg, Herrnhau­ sen, Haidach und den Einöden Rohr, Schwarzlehen und Steingrub. Im Winter war dann alle 4 Wochen Gottesdienst in Berg. Als Alois Wammetsberger das gesagt hatte, war es mit einmal ganz ruhig. Es war ein Spätsommersonntag, der 25. August 1947, man wollte überlegen und sich dann am Sonntag, dem 1. Sept. 1947, über die Sache nach der Kirche aussprechen. Alois Wammetsberger war Mitglied des GTEV »D'Loi­ sachtaler« in Wolfratshausen und erbot sich, uns das Platteln beizubringen. Bereits am Samstag, dem 7. Sept. 1947, wurde dann in dem vom Gastwirt Georg Willibald zur Verfügung ge­ stellten Raum die erste Probe abgehalten. Warnmets296

berger hatte zu dieser Prob den Vereinsmusikanten von Wolfratshausen, den Demmel Georg (Straßa Schorsch) mitgebracht. Auch hatte Wammetsberger in der Zwischenzeit mit Hans Raßbichler, dem Gauvor­ stand des Loisachgaues, über unser Vorhaben gespro­ chen, in Berg einen Trachtenverein zu gründen. Raßbichler meinte, man sollte es sich gut überlegen und prüfen, ob eine Vereinsgründung zweckmäßig und sinnvoll wäre, und ob sie auf Dauer Bestand haben würde, vielleicht wäre es besser, eine Plattlergruppe heranzubilden und dann den »Loisachtalern« in Wolf­ ratshausen beizutreten. Auch ältere Trachtler der »Loisachtaler« waren für diese Lösung und sagten uns in diesem Falle ihre Unterstützung zu. Nun, aus diesem Vorschlag wurde nichts. Man ent­ schloß sich in der Weihnachtswoche am 28. Dez. 1947, einen eigenen Trachtenverein zu gründen; bei der Gründungsfeier sollte aber der Verein schon mit meh­ reren Paaren auftreten können. Im Jahr 1947 wurden zu diesem Zweck bereits 6 Proben und 1948 nochmals 8 Proben bis zum Gründungsfest abgehalten. Aber jetzt tauchten schon die ersten Schwierigkeiten auf, der Musikant war nicht immer greifbar, da er ja bei den Wolfratshausern spielte und nur zu uns kam, wenn diese keine Probe hatten. Der Rankn Hans von Mün­ sing half zwischenzeitlich aus, bis er nach Hohenschäft­ larn verzog. Wir wollten lernen und besuchten deshalb einen Verein bei seiner Prob, um vor allem die Feinheiten mitzube­ kommen, aber es kam ganz anders, als wir es uns ge­ dacht hatten. Es wurde uns klar gemacht, daß wir jederzeit willkom­ men wären, nur, und jetzt der Ausspruch des damali­ gen Vorplattlers dieses Vereins: »Ihr kennts jeda Zeit zu uns kemma und zuaschaugn, a an Ehrtanz kinnts ma-

Die erste Fahne geweiht 1952 cha bei uns do, aba Probm deats dahoam, wennts scho an Varein gründs, nacha machts a eichane eigna Plattla, was ia iatz machts, des san de unsan und de kemma ausm Varein net naus, und nacha ziagts a gleiche Strümpf o, wennts scho auf B'suach gehts«; unser heu­ tiger Ehrenvorstand hatte damals weiße Strümpfe an, da er noch keine grauen hatte. Ja, so streng waren die damaligen Sitten, oder wollte man uns nur den Schneid abkaufen? So, jetzt wußten wir, wie wir dran waren, aber vielleicht waren gerade diese Worte der letzte Anstoß zur Grün­ dung unseres Vereins. Nun, die gelernten Plattler wurden zum Teil umgemo­ delt, und am 14. März 1948 fand im Gasthaus Willibald in Berg bei Eurasburg die Gründungsversammlung im Beisein vom 1. Gauvorstand des Loisachgaues Hans Raßbichler statt, der auch dem Wahlausschuß ange­ hörte. Die Tagesordnung 1. Wahl des Vereinsausschusses 2. Aufnahme der Mitglieder


Gruppenbild beim Gaufest 1949 in Antdorf

Festzug in Wolfratshausen, der Verein bei der Fahnenweihe der »Loisachtaler« Wolfratshausen 1951

Gruppenbild 1965 Aktive Gruppe

Mitglieder bei der Ehrung für 25 Jahre aktive Vereinstreue 1973

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3. Beschluß des Vereinsnamens 4. Beschluß über den Gründungstag 5. Festlegung des Beitrages und Verschiedenes Die erste Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusam­ men: 1. Vorstand: Noderer Josef, Eurasburg 2. Vorstand: Holzer Josef, Degerndorf 1. Schriftführer: Steigenberger Johann, Degerndorf 1. Kassier: Friedinger Sebastian, Happerg 1. Vorplattler: Wammetsberger Alois, Herrnhausen Nach Aufnahme der Gründungsmitglieder hatte der Verein eine Stärke von 38 Mitgliedern. Nachdem man die eingegangenen Vorschläge für den Vereinsnamen besprochen und geprüft hatte, einigte man sich auf den Namen: »GTEV Alpenblick« Berg bei Eurasburg. Das Gründungsfest wurde auf den 1. Mai 1948 festge­ legt, dazu spielte die Degerndorfer Blasmusik unter Leitung von Georg Hecher.

Eingeladen wurden zum Gründungsfest der Gauvor­ stand des Loisachgaues, Hans Raßbichler, und die Wolfratshauser Trachtler. Vereinslokal ist das »Gasthaus Willibald« in Berg, und alle 14 Tage ist Prob, so man einen Musikanten hat. Der Beitrag wurde für die Buam auf monatlich 30 Pfen­ nig festgelegt, die Deandl zahlen keinen Beitrag. Man entschied sich, die Miesbacher Tracht anzuschaf­ fen. Zur Herstellung der Bühne beim Gründungsfest be­ schloß man, bei den Mitgliedern die dazu notwendigen Bretter und Balken zu sammeln. Am 1. Mai 1948 wurde dann in Berg bei herrlichem Wetter im Beisein von Gauvorstand Hans Raßbichler und den Loisachtaler Trachtlern aus Wolfratshausen mit der Blaskapelle Degerndorf das Gründungsfest ab­ gehalten. Beim Antrag um Aufnahme des neugegrün­ deten Trachtenvereins in den Loisachgau wurde uns zur Auflage gemacht, daß sich der Verein beim Gaufest

Ehrung von Alois Wammetsberger für 40 Jahre aktive Trachtenarbeit. v.l.: Vorstand Kurt Sablowski, Kassier Lorenz Müller und Ehrenmitglied Alois Wammetsberger. 298

am 1. Aug. 1948 in Wolfratshausen in seiner Gesamt­ heit auf punkto Tracht zeigen muß, und dann wird erst über die Aufnahme entschieden. Das war hart zu die­ sem Zeitpunkt, stand doch die Währungsreform vor der Tür und für die alte RM bekam man in den Ge­ schäften nichts mehr. So ging man einfach zum Fechten, nahm da eine Joppe, dort einen Hut, dort eine Lederhose und da eine Weste zu leihen, um beim Gaufest sauber auftreten und in den Augen der Trachtler bestehen zu können, die über die Aufnahme in den Loisachgau entschieden. Am 1. August 1948 fuhren wir dann mit 11 Paaren auf einem Pferdefuhrwerk vom Fendt in Rohr von Berg über Degerndorf nach Wolfratshausen; ein Erlebnis für alle Beteiligten, das ihnen bestimmt in Erinnerung ge­ blieben ist. Wir fanden Gnade vor dem Gremium, das für die Auf­ nahme zuständig war, und am 24. Okt. 1948 bei der Herbstgauversammlung in Wolfratshausen wurde der

Totenehrung beim Gaufest 1973 in Eurasburg


GTEV »Alpenblick« Berg bei Eurasburg einstimmig in den Loisachgau aufgenommen. Ein Vereinstaferl wurde angeschafft, bereits in der neuen Währung für 10,-DM. Schon am 12. Juni 1949 gab es bei der Generalver­ sammlung eine Umbesetzung in der Vereinsführung. 1. Vorstand: Alois Wammetsberger, Herrnhausen 2. Vorstand: Alois Meindl, Baierlach 1. Vorplattler: Rupert Bestel, Eurasburg Im Herbst 1948 wurden vom Stammhaus Mühlpointner in Penzberg 16 neue Lederhosen bestellt, das Stück zu 100,- DM. Mit 1600,- DM in der Tasche holten wir diese Lederhosen am Karfreitag mit dem Radl dort ab, und so brauchten wir zum Gaufest am 6. Aug. 1949 in Antdorf keine Lederhosen mehr auszuleihen. Einheitliche Hosenträger mit Federkielstickerei, das Stück zu 11,-DM, wurden angeschafft, und im Kassen­ buch vom 11.12.1948 ist zu finden: von Kameraden 55,- DM ausgeliehen, um die Christbaumfeier durch­ führen zu können.

Musikkapelle Eurasburg beim Festzug 1973; vorne: 1. Gauvorplattler Rupert Bestel.

Jetzt wurde der Ruf nach einer Fahne laut, man legte eine Fahnenkasse an, nahm Verbindungen zu Fahnen­ stickereien auf und bestellte dann am 20. Sept. 1950 bei der Firma Carl Koch aus Coburg eine Fahne, Lieferung bis zum 1. Mai 1951, zu 1.350,-DM, zahlbar in drei Ra­ ten. Am 4. März 1950 wurde unser Musikant Schorsch Demmel als erstes Ehrenmitglied in den Verein aufge­ nommen, nicht ohne Hintergedanken; Schorsch ist ja dann auch fast 30 Jahre unser Vereinsmusikant geblie­ ben. Georg Willibald stiftete ein gemaltes Vereinstaferl mit den Worten: »Do hobts wenigstens a Tafal, des wo was gleich sieht, mit dem andan schaugts gor a so nackat aus«. Dann gings an die Arbeit, das vom Forstamt Seeshaupt gestiftete Holz mußte gemacht werden, eine mühsame Arbeit, das ganze Holz lag nämlich im Graben und die Scheite mußten mühsam einzeln die steilen Graben­ hänge hochgetragen werden.

Am 27. Okt. 1951 fand eine Versammlung anläßlich der Fahnenweihe in Berg statt, bei der Pfarrer Pöllin­ ger, Bürgermeister Waldherr von Degerndorf, Bürger­ meister Meier von Eurasburg und Gauvorstand Raß­ bichler anwesend waren. Ergebnis: Die Fahnenweihe soll in Berg stattfinden, der Kirchenzug zur Maria­ Dank-Kapelle auf den Fürst-Tegernberg gehen, dort die Weihe der Fahne und anschließend gleich der Fest­ zug zurück nach Berg. Aber es kam ganz anders. Mit Pfarrer Pöllinger hatte der Verein von Anfang an Schwierigkeiten; ihm be­ hagte das Zusammensein von Buam und Deandln bei den Proben nicht und der danach gemeinsame Heim­ weg, und er wurde hierin von einer größeren Zahl von Bauern unterstützt. Es sind von Vereinsmitgliedern wahrscheinlich einige harte und unschöne Worte hierzu gefallen, die dazu führten, daß der Grundstücksbesitzer forderte, entwe­ der ihr entschuldigt euch beim Pfarrer, oder ihr dürft nicht durch meinen Grund zur Kapelle.

v.l.: Gauvorstand Franz Sappl, Vereinigtenvorsitzender Hans Zapf und Vorstand Kurt Sablowski beim Festzug 1973 in Eurasburg. 299


Als man sich daraufhin entschloß, die Fahnenweihe in Eurasburg abzuhalten, gab uns Pfarrer Pöllinger zu verstehen, daß er ohne Entschuldigung unsererseits bei ihm die Fahne auch in Eurasburg nicht weihen würde. Gauvorstand Raßbichler empfahl, um Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, die Fahnenweihe in Wolfrats­ hausen abzuhalten; er würde sich um alles notwendige kümmern, die Leute wären leicht unterzubringen, und die Turnhalle koste nur 120,- DM (ein Zelt hätte 1600,- DM gekostet). Man stimmte dem Vorschlag von Raßbichler zu und beauftragte ihn, die nötigen Schritte zu unternehmen. Jedoch, es wurde im Verein keine Ruhe mehr. Da er­ bot sich Hochw. in Ruhe, Pfarrer Falkner, der im Eu­ rasburger Benefiziatenhaus wohnte und die Seelsorge in Eurasburg versah, im Ordinariat in München die Ge­ nehmigung einzuholen, daß er die Fahne in Eurasburg weihen dürfte. Dem wurde nach kurzem Überlegen zu­ gestimmt, und Pfarrer Falkner fuhr anderntags ins Or­ dinariat und holte sich die Genehmigung ein.

Vereinsdeandl beim Festzug 1973 in Eurasburg 300

Er verlangte aber von uns, daß wir nochmals mit Pfar­ rer Pöllinger sprachen, ihm von der neuen Sachlage be­ richteten und ihn fragten, da Falkner ihm ja unterstellt war, ob dieser die Fahne mit seinem Einverständnis weihen dürfte. Als wir Pfarrer Pöllinger erklärt hatten, um was es ging und ihn baten, seine Zustimmung zu geben, da sagte er: »Wenn es schon nicht anders geht, dann weihe ich die Fahne in Eurasburg schon selber«. Und dabei blieb es. Nun mußten wir schweren Herzens wieder zu Falkner gehen und ihm sagen, was die Anfrage bei Pöllinger er­ geben hatte, aber wie überrascht waren wir, als Pfarrer Falkner nach unserem Bericht lachte und sagte, er habe gewußt, daß Pöllinger so reagieren würde. Ihm mache es nichts aus, daß er die Fahne jetzt nicht weihen könne, er wollte uns nur davor bewahren, daß wir uns später Vorwürfe gemacht hätten, die Fahnenweihe nicht in der Gemeinde, sondern in einem fremden Ort durchgeführt zu haben.

Wir begriffen erst später, was wir Pfarrer Falkner ei­ gentlich verdankten. Nun mußte man dem Gauvorstand von der neuen Sach­ lage berichten. Raßbichler war über unsere Entschei­ dung sehr verärgert und wütend, da er in Wolfratshau­ sen fast alles schon geregelt hatte und nun wieder absa­ gen mußte. Man konnte Raßbichler davon überzeugen, daß es so das Beste war, und auch im Verein kehrte dann wieder Ruhe ein. Und so fand am Pfingstmontag, den 3. Juni 1952, die Fahnenweihe statt, bei der der GTEV »Edelweiß« Bad Tölz Pate stand. Der Kirchenzug ging über den Schloßberg zur Kirche, wo unsere Fahne geweiht wurde, und anschließend nach der Kriegerehrung über den Schloßberg wieder zurück. Von den Festteilnehmern wurden wir wegen dieses Weges bestimmt nicht gelobt, aber ich glaube, daß so mancher, der damals dabei war, mit Schmunzeln daran zurückdenkt.

Weihe der zweiten Fahne 1978 in Eurasburg, Fahnenträger Jakob Müller.


Zur Fahnenweihe der »Birk'nstoana« in Penzberg am 22.6.52 rückten wir erstmals mit unserer neuen Fahne aus. Am 8. Juni 1953 senkte sich unsere Fahne zum ersten­ mal über das Grab eines Vereinskameraden; durch ei­ nen tragischen Unglücksfall war unser 1. Kassier Seba­ stian Friedinger aus dem Leben geschieden. 1954 war eine Fahnenabordnung beim 85. Geburtstag von Kronprinz Rupprecht in Leutstetten. Am 24.6.1956 verstarb völlig unerwartet unser Her­ bergsvater Georg Willibald im Alter von nur 48 Jahren. 1959 bei der Herbstgauversammlung in Königsdorf wurde unser 1. Vorplattler Rupert Bestel zum 1. Gau­ vorplattler gewählt.

plattlerproben im Loisachgau und bei vielen Preisplat­ teln aufgespielt und erhielt dafür vom Loisachgau das Goldene Ehrenzeichen überreicht. Da Schorsch Demmel gesundheitlich und auch vom Al­ ter her nicht mehr so konnte, sprang Sepp Frimmer vor­ erst aushilfsweise als Vereinsmusikant ein, um im Jahr 1973 dieses Amt ganz zu übernehmen. Frimmer Sepp, ein Idealist wie es nur wenige gibt, ist weder in den Vereinsproben noch bei den Gauvorplatt­ lerproben im Loisachgau und den Gauwertungsplatteln als Musikant wegzudenken; ohne ihn würde etwas feh­ len. 1974 führte der Verein den 4. Gaujugendtag des Loi­ sachgaues mit 220 Mitwirkenden durch.

1965 wurde unser 1. Vorstand Alois Meindl zum 2. Gauschriftführer gewählt. Ein alter Trachtler beschwerte sich bei der Gauver­ sammlung über die vielen Kinder, die beim Festzug mitgehen, es wäre schon der Kindergarten dabei. Viel­ leicht vergaß er, daß gerade die Jugend das Ererbte von den Vätern übernehmen und dann weitergeben soll an die ihr nachfolgende Generation. (Diese Aussage wurde im Protokollbuch des Gaues nicht vermerkt!) 1965 nahm der Verein beim Besuch der Königin Elisa­ beth II. von England in München teil. 1967 wurde mit Jakob Müller der erste Jugendwart im Verein bestellt. Im Jahr 1969 wurde das Musikanten- und Sängertreffen des Loisachgaues ausgerichtet. Auch trat 1969 unser 1. Vorstand Alois Meindl aus gesundheitlichen Gründen zurück, für ihn wurde Kurt Sablowski zum 1. Vorstand gewählt. 1971 wurden Alois Meindl zum Ehrenvorstand, Rupert Bestel zum Ehrenvorplattler und Alois Wammetsber­ ger zum Ehrenmitglied ernannt.

Am 25. Okt. 1975 zum 50. Gründungstag der Vereinig­ ten Bayerischen Trachtenverbände führte der Verein beim Festabend in der Inntalhalle in Rosenheim das Mühlradl auf. 1976 meldete sich beim Verein der Rechnungshof zur Überprüfung unserer Kassenbücher an, und schon wa­ ren wir 265,-DM los. Nun wurden die Statuten überarbeitet, eine neue Sat­ zung erstellt und die Gemeinnützigkeit beantragt. Jetzt werden alle drei Jahre die Kassenbücher überprüft.

1973 führte der Verein das 46. Loisachgaufest, verbun­ den mit dem 25jährigen Gründungsfest des Vereins durch. Der Demmel Schorsch aus Farchet, 1972 mit 76 Jahren, der bereits 50 Jahre als Musikant bei den Vereinen die Plattlerproben spielte, hat auch 15 Jahre bei den Vor-

Da die alte Fahne nicht mehr die beste war, beschloß man, eine neue zu beschaffen und diese 1978 zur Weihe zu tragen. 1978 war für den Verein ein schweres Jahr, wurde doch das Vereinslokal geschlossen. Seit damals wurden die Probenräume mehrmals gewechselt; zur Zeit ist der Verein im Gemeindehaus Eurasburg und teilt sich den Raum mit mehreren Vereinen. Am 23. Juli 1978 wurde, verbunden mit dem 30jährigen Gründungsfest, unsere 2. Fahne geweiht, bei der der GTEV »Almrösl« Hohenschäftlarn Pate stand. Am 24. März 1983 fand bei unserem Verein, beim »Alt­ wirt« in Holzhausen am Starnberger See, die Früh­ jahrsgauversammlung statt. Beim Trachtenaufmarsch in München anläßlich »100 Jahre Trachtenvereine in Bayern«, beteiligte sich unser Verein mit der Musikkapelle Eurasburg.

Vereinsmusikant Schorsch Demmel Beim Gauwertungsplatteln belegte unser Verein 1971, 1975 und 1983 jeweils den ersten Platz bei den Aktiven und kam 1979 punktgleich mit dem Ersten auf den 2. Platz. Die Jugend von 14-17 Jahren belegte 1985 den 1. Platz, und 1987 belegte die Jugend bis 14 Jahre ebenfalls den 1. Platz. 1984 wurde vom Verein die Pestsäule in Eurasburg re­ noviert und versetzt, da sie am alten Standplatz hinder­ lich war, die Säule dürfte 350 Jahre alt sein. 301


Ortsgeschichte von Berg bei Eurasburg

Unter der am Fußweg zum Schloß zugekehrten Nische ist ein Täfelchen an der Pestsäule angebracht mit fol­ gender Inschrift: »Bis hierher erstreckte sich die im Jahre 1634 herrschende Pest«, und darunter: »vor Pest und Krieg erlöse uns o Herr«. 1985 stellte sich Kurt Sablowski nach 16jähriger Tätig­ keit als 1. Vorstand nicht mehr zur Wahl, neu gewählt wurde Ludwig Schäffler. Einstimmig wurde Kurt Sablowski zum Ehrenvorstand ernannt.

Der GTEV »Alpenblick« Berg bei Eurasburg zählt der­ zeit 130 Mitglieder. Die Vorstände seit der Gründung: Josef Noderer 1948-1949 Alois Wammetsberger 1949-1953 und von 1953-1970 2. Vorstand Alois Meindl 1953-1969 Kurt Sablowski 1969-1985 Ludwig Schäffler seit 1985 Ehrenmitglieder im Verein: Georg Demmel, Ehrenmitglied t Jakob Müller sen., Ehrenmitglied t Alois Wammetsberger, Ehrenmitglied t Alois Meindl, Ehrenvorstand Rupert Bestel, Ehrenvorplattler Kurt Sablowski, Ehrenvorstand Möge es trotz des Umbruchs der neuen Zeit, in der die Menschen keine Zeit mehr füreinander haben, dem Trachtenverein »Alpenblick« Berg gelingen, das Brauchtum und die Heimattracht zu pflegen und zu er­ halten, um sie der Nachwelt unverfälscht für die Zu­ kunft zu übergeben. Bewahret Sitt und Tracht der Alten, den Glauben und die Liebe zur Heimat in euren Herzen, dann werdet ihr glücklich und zufrieden sein. Gerade heute in unserer schnellebigen, modernen und hektischen Zeit ist es mehr denn je von Nöten. Rupert Bestel

Ortschaft Berg Seht dort im Bayernlande, den windgefürchteten Spie­ gel des Starnberger Sees (Würmsee) und östlich davon am Ambacher - Ammerlander Ufer die schönge­ schwungenen, dunkelbewaldeten Höhen, die ihn tren­ nen vom Talboden der Loisach. Gelt, ein liebliches Bild. Wer über den Bergsattel wandert, dem eröffnet sich ein bezaubernder Fernblick über vielgefächerte Landbrei­ ten, bis hin zu den himmelstrebenden Bergen der glit­ zernden Alpenkette.

Dort auf der fast höchsten Erhebung, 714 m hoch, liegt Berg, nur der Fürst Tegernberg nördlich davon ist ganze 4 m höher. Man kann wohl mit Recht sagen über dieses Gebiet, eine Perle des Bayerischen Alpenvorlandes. Berg zwischen Eurasburg, Degerndorf und Happerg gelegen, war nie eigenständig. Politisch zur Gemeinde Eurasburg gehörend, war auch vor Einführung der Postleitzahlen die Anschrift: Berg bei Eurasburg im Isartal. 303


Berg bestehend aus der Kirche mit dem Gottesacker, sechs Bauernhöfen und dem Wirtshause bis 1950 un­ verändert, erst dann begann dort die Bautätigkeit, und der Ort vergrößerte sich im Lauf der Zeit bis heute auf 25 Häuser. Von den ehemals sechs Bauern sind nur noch zwei übrig geblieben, die Landwirtschaft betrei­ ben, ein Trend der Zeit, der nicht immer nur Gutes bringt. Ihren kargen Lebensunterhalt bestritten die Bewohner von Berg früher hauptsächlich aus den feld- und wald­ wirtschaftlichen Erträgen. Kirchlich gehörte Berg immer schon zu Degerndorf und wurde von dort aus als Schwesterkirche betreut, die für den südlichen Bezirk zuständig war. Degerndorf und Berg behaupteten sich als selbständige Seelsorge-Kirchen bis zur Einverleibung in das Stift Beuerberg 1121. Nach der Säkularisation 1803 wurde Berg der neuerrichteten Pfarrei Münsing einverleibt und hier dem engeren Expositur-Bezirk Degerndorf zugeteilt. Trotzdem muß angenommen werden, daß die Grün­ dung von Berg vor dem Jahre 1000 erfolgte, da zu die­ ser Zeit die Kirche schon bestand. Auch das Alter der Linde, das mit etwa 800 Jahren angegeben wird, aber genauso 1000 und mehr Jahre sein kann, in deren Baumnische sich eine Muttergottes befindet, bestätigt diese Annahme der frühen Gründung. Bis zum Jahre 1897 - nach anderen 1899 - gingen die Kinder von Berg und Happerg zur Schule nach Degern­ dorf, erst im Herbst eines dieser beiden Jahre wurden die Kinder in die neuerbaute Schule in Eurasburg, der eigenen Gemeinde, eingeschult. Wenn man Berg nennt, werden immer die Ortsnamen Degerndorf, Münsing und Beuerberg, von denen aus Berg kirchlich betreut wurde und noch wird, in Erschei­ nung treten. Da sich die Begräbnisstätten der Eurasburger auf dem Friedhof in Berg befinden, dürfte feststehen, daß, da in Eurasburg die jetzt bestehende Kirche erst 1909 einge­ weiht wurde, Berg älter als Eurasburg ist. Hier dürfte es sich ähnlich verhalten wie zwischen Dorfen und Wol­ fratshausen. 304

Berg (Iringsperch), der ältere Ort, als dann die Burg südöstlich davon gebaut war und sich am Fuße des Ber­ ges unter der Burg eine Ortschaft gebildet hatte, über­ nahm diese den Namen vom älteren Ort, heute Euras­ burg, und Iringsperch wurde Berg, der Ort auf dem Berg. Der Name Iring, von dem das Schloß Eurasburg als Iringsburg offenbar seine Benennung erhielt, ist ein Name, der früher eine Person bezeichnete, später zum Geschlechtsnamen wurde und schon 883 nach Ausweis von Urkunden vorkommt. Als die !ringe in die Geschichte eintraten, finden wir sie bereits als ein im Huosigau (Hausengau) blühendes adeliges Geschlecht mit Besitzungen in Bayern, Tirol und der slowenischen Mark. Eurasburg, eine Ritterfeste bis 1626, der einstige spur­ los verschwundene mittelalterliche Ritterhorst, Berg­ feste nebst ihren 2 Höfen, Wohnhäusern, Stadeln und Ställen, dem hohen Turm von zinnenbewehrten Mau-

Schloß Eurasburg um 1910

ern geschützt, einem Ökonomiegut samt Obst- und Hopfengärten, zweitausen Tagwerk, die von der Loi­ sach bis zum Starnberger See reichten, zahlreichen Bauerngütern mit 200 Lehensleuten, etwa 450 Leibei­ genen, Flößerei und Frachtfahrten auf den Flüssen bis München. Um den Besitz der hinge, in dem auch Berg liegt, zu umwandern, brauchte ein rüstiger Läufer in derben Stiefeln, vom Knotenstock unterstützt, minde­ stens 8 gute Stunden. Mit der römischen Kultur kamen in unsere Gegend auch die Anfänge des Christentums, welches sicherlich schon im dritten Jahrhundert hierher verpflanzt wurde, aber bei den nachmaligen Stürmen der Völkerwande­ rung größtenteils wieder niederging. Festen Boden ge­ wann dasselbe erst wieder in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts durch die Missionsmönche des heiligen Rupertus, der um 536 die Kirche zu Wallersee grün­ dete.


Sankt Michael in Degerndorf (Baptisterium) erscheint urkundlich das erstemal im Jahre 824, nach anderen schon 814, in welchem der Priester Oadelscalch (Odel­ schalk) seine eigene Kirche zu Tegardorf in die Hände des Bischofs Otto von Freising zur Domkirche dort­ selbst übergab, gleichen Alters erfreut sich die hl. Mar­ garetenkirche in Berg. Die Missionare, der Klugheit nicht ermangelnd, und im Bewußtsein, wie die Heiden an ihren Göttern hingen, wählten besonders gerne den Sankt Michael. Der Sie­ ger kam an der Stelle des obersten Gottes Wotan, des Gottes des Sieges. Berg sei an der ursprünglich heidnischen Opferstätte der Freyja entstanden, auch sei Berg der Wohnort des Mönchmissionars gewesen, laut Beschreibung vom Jahre 1884 für das Jahr 1110 beurkundet Zell. Das Jahr 900, nach anderen 907, war für unsere Gegend ein leidvolles Jahr durch Einfälle der Ungarn. Nicht nur, daß alle Klöster der Umgebung, Benediktbeuern, Kochei, Schlehdorf, Dießen in Flammen aufgingen, von 53 Klöstern brannten die Ungarn 21 nieder. Auch die Gotteshäuser von Degerndorf und Berg teilten das Los der Zerstörung, das um so leichter möglich war, als damals die Kirchen fast sämtlich aus Holz gebaut wa­ ren. Die zerstörten Kirchen sind wohl bald wieder aufge­ baut worden, man weiß nur den genauen Zeitpunkt nicht, aber 1121 wurden sie ja dem Stift Beuerberg ein­ verleibt. Am Passionssonntag 1434 wurde vom Weihbischof Al­ bert von Freising die Kirche mit dem Gottesacker hier in Berg aufs neue geweiht, ein Zeichen, daß eine Ver­ größerung vorgenommen worden war. 1626 - 1630 wurde das Jagd- und Lustschloß in Euras­ burg von Herzog Albrecht dem Leuchtenberger neu er­ baut. 1630 brannte ein Teil des Klosters Beuerberg ab, dabei verbrannten 3000 Handschriften. Die Möglichkeit be­ steht, daß sich darunter Aufzeichnungen von Berg be­ funden haben. Wie die verhängnisvolle Feuersbrunst entstanden war?

Man maß dem fahrlässigen Pater Bratenwender die Schuld zu, der beim Rösten von Wachtelbrüstchen und gespickten Schnepfen nicht gehörig aufpaßte. Der Dreißigjährige Krieg ging an unserer Gegend nicht spurlos vorüber, ein Schreckensjahr war das Jahr 1632. Nach Einnahme Münchens und Niederbrennung des Marktes Wolfratshausen rückte eine Horde Schweden nach Beuerberg vor, ihren Weg beleuchteten die Fak­ keln der brennenden Häuser. Die Schweden und das eigene Kriegsvolk waren in un­ serer Gegend nicht glimpflich gewesen. In den Städten hielt der Schwedenkönig strenge Zucht, doch das Land überließ er seinen Soldaten als völlig vo­ gelfreie Beute. Wo die Schweden hinkamen, waren Häuser, ihre Einrichtungen und Baumannsfahrnisse si­ cher verloren: kein Wagen, kein Pferd, von 140 Pfer­ den noch drei und von 400 Stück Hornvieh noch vier übrig, kein Schaf, kein Schwein, kein Geflügel. Dazu die Feldarbeit vor der Tür, die an sich gute Ernte konnte nicht eingebracht werden mangels Wagen und Pferden und wegen der argen Entkräftung der in den Wald geflüchteten und von Wind und Wetter dortselbst fast gar nicht geschützten Menschen. Allenthalben entstand ein Verzweiflungskampf auf Le­ ben und Tod, Hungersnot allenthalben. Degerndorf und Berg blieben wunderbarer Weise von der Brandschatzung verschont. Zum Krieg gesellte sich nun auch noch 1634 die Pest, sie soll von spanischen Soldaten eingeschleppt worden sein. Auch bei uns hat sie gehaust, die Pestsäule in Eu­ rasburg erinnert uns daran, forderte aber verhältnismä­ ßig wenig Opfer. Ob in Berg Pestopfer zu beklagen wa­ ren, konnte nicht festgestellt werden. In Degerndorf, beim Tod (Hausname) heißt es, hier habe der Tod sel­ ber gewohnt, drum habe er die Inwohner verschont. Bei Eurasburg kennzeichnet die Pestsäule die Grenze, an der 1634 die Pest zum Stillstand kam. Diesen Um­ stand, daß das Gebiet nordwestlich davon nicht von der Pest befallen wurde, nützten die Mönche des Klosters Beuerberg damals aus, indem sie sich dorthin zurück­ zogen.

Bauernhöfe, ehedem für 2000 Gulden gewertet, wur­ den für 70, ja gar 50 Gulden verkauft unter einer mehr­ jährigen Zahlungsfrist, und noch war der schreckliche Krieg lange nicht zu Ende. Da um diese Zeit (Mai 1635) auch eine eisige Kälte herrschte, war allenorts die höch­ ste Teuerung. »Obwohl«, sagt ein Gewährsmann da­ maliger Zeit wörtlich, »obwohl im Frühjahr wenig Fel­ der angebaut wurden, so ließ Gott doch auch das We­ nige nicht genießen«; eine ungeheuere Menge Mäuse von verschiedenen Gattungen und Farben machten de­ sto größeren Schaden, je weniger Ernte war. Vielen lohnte es die Mühe des Schnittes nicht, sondern sie gru­ ben dem Raub der Mäuse in ihren Höhlen nach. Um Weihnachten gab es trotz Schnee eine unglaubliche Anzahl Mäuse. In einer einzigen Fuchshöhle fand man eine Menge, die leicht 14 Metzen (!) gemessen hätte. Daher wurde von höchster Stelle verboten, einen Fuchs zu fangen, denn sie mußten den Dienst der Katzen ver­ sehen, die von den Spaniern und Welschen ( = Kaiserli­ chen) rein aufgezehrt waren. Dazu waren die rohen Soldatenhorden grausam auch gegen Alte, Gebrechli­ che und Einfältige. 1646 flüchtet alles ins Elend, ohne zu wissen wohin. »Wo geht ihr hin«, fragte man sie. »Wir wissen es nicht«, sagten sie, »wohin Gott und unser Schutzengel uns hinführen«. Doch die Wunden heilten. An der Rückwand der Kirche in Berg befindet sich ein Bild aus dem Jahre 1688, jenem Jahr, in welchem die Bayern im Kampf gegen die Türken Belgrad eroberten, andererseits aber die Franzosen die Rheinpfalz auf das greulichste verwüsteten. Im Jahre 1719 wurde durch Anbau des Presbyteriums die Kirche in Berg bedeutend vergrößert und neu ein­ geweiht. Ach, wie war die Zeit doch so verschieden von der jetzi­ gen und doch wieder so ähnlich. Verschieden in Sitte und Tracht, das Wort Zopfzeit sagt genug, ähnlich aber deshalb, weil das Land so viel durch Kriege gelitten hatte; durch die Türkenkriege, durch den spanischen Erbfolgekrieg, in den der hochfahrende Max Emanuel das Land gestürzt hatte. 305


Die Mordweihnacht 1705 in Sendling. An der Südseite der Berger Kirche ist eine Tafel der gefallenen Söhne von Eurasburg und Umgebung angebracht. Das Jahr 1800 war für Bayern ein Schreckensjahr. Die Franzosen zogen plündernd auch durch unsere Gegend von Ort zu Ort, Degerndorf und Berg aber blieben verschont. Eine interessante Votivtafel in Aufkirchen sagt uns, daß die Gemeinde sich zur Muttergottes dorthin ver­ lobt und Hilfe erlangt habe. Wir sehen auf der Tafel die Franzosen an der Brücke bei Gelting. 1817 herrschte in der Gegend eine ausgesprochene Hungersnot, die Getreideteuerung kam aber mehr vom Wucher als vom Getreidemangel. Von Juden wurde alles erhältliche Getreide zusammen­ gekauft, mit dem Versprechen, nichts abzugeben, bis das Schäffel Weizen (d. i. etwa 280 Pfund) auf 100 fl., also 171 M gestiegen sei, das Pfund also etwa 65 Pfen­ nig. Namentlich die ärmere Bevölkerung hatte darun­ ter zu leiden. Die Kinder schrien und weinten nach Brot. Leute, die diese Zeit miterlebten, erzählten, daß Kleidertaschen nach Brotbröseln ausgesucht wurden. In dieser notigen Zeit wurden für 2 Laib Brot zwei Tan­ nenbäume abgegeben, ein andermal ein Krautbeet für 2 Laib Brot. Viele Kinder bekamen von der Unterernährung die Krätze, und viele starben. Aber obwohl eine Einfuhr vom Ausland damals ohne Bahn mit Gespann sehr um­ ständlich war, erreichten die Wucherer den 100-Gul­ den-Preis nicht, die Getreidepreise senkten sich ganz plötzlich; mehrere Wucherer erhängten sich. Von 1817 - 1860 soll noch zweimal in unserer Gegend durch Hagel und andere Mißstände das Schäffel Ge­ treide bis auf 48 und 50 Gulden gestiegen sein, so hauptsächlich im Revolutionsjahr 1848. An dieser Re­ volution war aber keineswegs die Teuerung schuld. 1919 wurde die 200-Jahrfeier der Kirche abgehalten. Dann die 20er Jahre, die unselige Zeit, der verlorene Krieg, das Königreich wurde abgeschafft, Revolution, Uneinigkeit im ganzen Land, die dem Bankrott zusteu­ erte, Geldentwertung, Inflation, die Mark steigerte sich auf Millionen und dann Billionen, ein Ei kostete 306

beispielsweise 12,- Mark. Hunger, Not und Arbeitslo­ sigkeit prägten diese Zeit. Wärs ein Wunder, daß die Menschen für Versprechungen anfällig wurden? Eine neue Regierung übernahm 1933 die Führung über das Land, aber leider entwickelte sich dieses Regime zu einer rassistischen Diktatur, die das Land direkt dem Abgrund und Verderben entgegenführte, dem 2. Welt­ krieg von 1939 - 1945. Die Jahre, die nun folgten, bezeichnete man später als »Die schlechte Zeit«. Ein Krieg, der verloren wurde, große Verluste bei den Soldaten, durch Bombenan­ griffe auch bei der Zivilbevölkerung, eine zusammen­ gebrochene Wirtschaft und die Kriegsfolgelasten. Eine große Zahl von Flüchtlingen kam dazu, die wäh­ rend der letzten Kriegsmonate teils nach dem Krieg als dessen Folge vertrieben wurden, und viele »Evaku­ ierte« aus den zerbombten Städten ließen die kleinen Ortschaften auf dem Lande fast überquellen. Die Ernährung war schlecht, zum Teil noch schlechter als in den letzten Kriegstagen. Wie bereits erwähnt, Berg war ein Bauerndorf, deren Hofbesitzer mit ihren Angehörigen schon immer Ne­ benerwerbslandwirte waren. Sie verdingten sich als Holzknechte und dürften im früheren 19. Jahrhundert auch überwiegend als Flößer auf der Loisach tätig ge­ wesen sein. 1447 zählte man 1884 Flöße an der Wolfratshausener Lände, 1496 stieg die Zahl auf 3639 Flöße, aber 1909 waren es nur noch 486 Flöße. 1922 wurde Schloß Eurasburg mit allen Liegenschaften verkauft, der neue Besitzer erstellte eine Wollreißerei, die sich nach dem 2. Weltkrieg zu einer großen Tuchfa­ brik entwickelte, in der viele Männer und Frauen der Umgebung Arbeit fanden. Nach der Geldentwertung 1948 ging es wirtschaftlich wieder aufwärts in unserem Lande. Mitte der 50er Jahre begann die Bautätigkeit, und die Dörfer vergrö­ ßerten sich erst langsam. Auch die EG trug dazu bei, daß unsere Kleinbauern zu Pendlern wurden, um ihren Lebensunterhalt zu verdie­ nen. Besonders problematisch ist der Ausverkauf unse-

rer Heimat an Grundstücken. Grundstücksmakler und geldgierige Grundbesitzer ließen die Preise in die Höhe schnellen, sodaß für Einheimische das Bauen kaum mehr möglich ist. Alle und vor allem jene, die mehr Geld haben wollen, ziehen Käufer in unser schönes Heimatland, und weil die höher bieten, erhalten sie auch den Zuschlag. Alles wird von den Neubürgern zugesagt, bis sie einige Zeit ansässig sind, dann dürften keine Kirchen- und Kuhglocken mehr läuten, kein Gockel mehr krähen und keine Turmuhr mehr schlagen, weil dies ja Ruhe­ störung ist. Zweitwohnungsbesitzer bringen den Ge­ meinden keine Leistungen, stellen aber die größten Forderungen an sie, die Nachbarn und Ortsbewohner. Viele Orte in unserem Bayernland sind schon so zersie­ delt, daß es keine dörfliche Gemeinschaft mehr gibt, wie sie früher bestand und gewachsen war. Hier müßte die Regierung sich Gedanken machen und etwas tun, um eine Übervölkerung unseres Alpenvorlandes zu verhindern, das zu einem Zusammenbruch in unserem Bayernlande führen kann. Die Gemeindegebietsreform im Jahre 1978 hat nicht den erwünschten Erfolg gebracht, der Zusammenhalt in vielen Ortschaften wurde dadurch arg gestört, aber das wollte man ja damit bezwecken, die Dorfentfrem­ dung war vorprogrammiert. Genauso die Schulreform 1968, die die Kinder dem Heimatort mehr entfremdet als gut tut. Auch daß in den Schulen und Kindergärten nur noch Hochdeutsch gesprochen werden darf, trägt zur Entfremdung der Heimat bei. Wir haben eine Verpflichtung unserer Heimat gegen­ über, darum müßen wir alles tun, um sie uns zu erhal­ ten. Wenn man heute in größeren Orten auffallen will, braucht man nur normal angezogen zu sein und boa­ risch red'n. Wie sagte Napoleon, als er mit seinem Heere in Ägyp­ ten vor den alten Pyramiden stand, zu seinen Soldaten: »Jahrtausende blicken auf euch herab, zeigt euch wür­ dig der Vergangenheit«. Rupert Bestel


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » D'Inntaler« München-Ottobrunn Am 10.12.1954 kamen 15 Männer und Frauen zur er­ sten Zusammenkunft in der Gaststätte »Tannengar­ ten« München, Pfeufferstraße, zusammen und man be­ schloß, den Trachtenverein »D'Inntaler« München zu gründen. Inntaler deswegen, weil die Frauen die lnnta­ ler-Tracht »Cassettl« tragen.

Anna und Georg Rauscher (Gründungsmitglieder)

Gründungsvorstand war Hans Bergmeier. Der Verein besuchte am 29. und 30. Mai 1955 das Stiftungsfest der 1895er in Penzberg und fragte beim Gauvorstand Franz Sappl um Aufnahme im Loisachgau an. Es wurde der Bescheid zuteil, am Loisachgaufest in Iffeldorf teilzu­ nehmen und uns vorzustellen. Bei der Herbstgauver­ sammlung 1955 wurden wir im Loisachgau aufgenom­ men. Die erste ordentliche Vorstandschaft wurde am 22. Oktober 1955 gewählt. 1. Vorstand wurde Lothar Braun, 1. Vorplattler Georg Rauscher. Der Verein be­ suchte viele Festlichkeiten und war recht aktiv, so konnte er viele 1. Preise beim Preisplatteln mit nach Hause nehmen. Der Gewinn des Wanderpokals vom Loisachgau 1956 bis 1958 war für den Verein eine große Freude. Damit ging er in den Besitz der Inntaler über. Bei der Versammlung am 8. November 1958 wurde Hans Weingärtner zum 1. Vorstand gewählt. Um den Verein zusammenzuhalten, schlug er vor, daß eine Fahne angeschafft wird. Nach der Besichtigung des Entwurfes, der sehr gut gefiel, gab man der Firma Bindl in München den Auftrag, die Fahne zu fertigen. Diese Anschaffung war nur möglich durch die große Opferbereitschaft der Mitglieder Hans und Finny Berg­ meier, Barbara Hiesinger, Georg und Anna Rauscher, Hiasl und Betti Staller, Alfred Schwegle, Else Braun, Helmut Braun, Otto Neumeir und Hans Weingärtner. Am 10. Mai 1959 konnte die Fahne in der Stadtpfarrkir­ che »Maria Hilf« in der Au geweiht werden. Barbara Hiesinger wurde Fahnenmutter und Marille Schwegle die Fahnenbraut. Die Patenschaft übernahm der GTEV »Brünnstoana Stamm« München vom Isargau. Nach der Weihe bewegte sich der Festzug zum Salva­ torkeller. 26 Vereine des Loisachgaues gaben uns die Ehre. Am 28. Oktober 1960 besuchten wir in Leipzig die Trachtengruppe »Berchtesgadner Land«.

Unser lüjähriges Bestehen feierten wir im kleinen Rah­ men am 9. und 10. Mai 1964 im Hackerkeller. Die Messe war in der »Paulskirche«. 16 Vereine beteiligten sich daran. Am 13. September 1964 hielt der Verein das Gauwertungsplatteln ebenfalls im Hackerkeller ab. 1968 wurde den Inntalern für 1969 das 42. Loisachgau­ fest zugesprochen. 44 Vereine in und außer Gau be­ suchten uns, und 13 Musikkapellen waren auch vertre­ ten. Es war ein schönes Fest und ist sicherlich noch al­ len in bester Erinnerung. Die Messe war wieder in der »Maria-Hilf-Kirche« in der Au, der Festakt im Salva­ torkeller. Durch Wettereinflüsse bedingt, war es nötig, die Fahne zu renovieren. Die Renovierung wurde von den Kar­ meliterinnen in Dachau übernommen und am 16. Mai 1971 konnte die renovierte Fahne in der Kirche »St. Ni­ kolaus« in München-Hasenberg! geweiht werden. Pa­ tenverein war wieder unser alter Patenverein »Brünn­ stoana Stamm« München. Nach der Weihe ging es in den »Mathäser« am Hasenberg!. Fahnenbraut war Christa Wagatha. Es beteiligten sich 21 Vereine. Bei der Generalversammlung am 9. Oktober 1971 legte Hans Weingärtner aus gesundheitlichen Gründen den Vorstand nieder. Alfred Schwegle wurde 1. Vorstand. Bei der Versammlung am 13. Oktober 1973 wurde Ge­ org Lechner zum 1. Vorstand gewählt. Am 19. Mai 1979 feierten wir im »Salvatorkeller« im Rahmen eines Heimatabends unser 25jähriges Stiftungsfest, das sehr gut besucht war. Im Mai 1981 haben wir bei den »D' Osterseer« Iffeldorf-Staltach die Patenschaft bei der neuen Fahne übernommen, was für uns eine sehr große Ehre war. Am 12. Mai 1984 haben wir zusammen mit unseren zwei Patenvereinen, den zwei Gauvereinen und den »Berchtesgadner Landsleut« München im klei­ nen Rahmen unser 30jähriges Stiftungsfest gefeiert. Der Gauausschuß hat uns recht zahlreich besucht, was uns sehr gefreut hat. Da es in München immer schwieriger wird, geeignete Lokalitäten für Trachtenvereine zu finden, haben wir uns entschlossen, im Februar 1987 nach Ottobrunn zu gehen. Die meisten Mitglieder wohnen sowieso schon 307


1956 Gaupreisplattln in Bad Tรถlz

1960 Housigaufest in Grรถbenzell

Besuch in Leipzig 1960 bei den Berchtesgadnern Leipzig. Heimatabend im Felsenkeller.

1964 Oktoberfestzug (Hintergrund Maximilianeum)

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dort. Im »Wolf-Ferrari-Haus« haben wir eine neue Heimat gefunden. Wir hoffen, daß dieser Entschluß für die Inntaler gut war und wir uns evtl. vergrößern kön­ nen. Der derzeitige Vorstand lautet: Hans Weingärtner, Ehrenvorstand seit 1971 1. Vorstand Georg Lechner 2. Vorstand Otto Neumeir 1. Vorplattler Harry Schönbuchner 2. Vorplattler Andreas Lechner Kassiererin Maria Schicha Schriftführerin Lieselotte Weingärtner Vorstände im Verein: Hans Bergmeier Lothar Braun Hans Weingärtner Alfred Schwegle Georg Lechner

1954 bis 1955 1955 bis 1958 1958 bis 1971 1971 bis 1973 seit 1973

Beim Gaufest 1964 in Thanning

1966 Oktoberfestzug (in der Ludwigstraße)

1970 Besuch des Isargaufestes in Allach 309


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Ortsgeschichte von Ottobrunn Ottobrunn ist im Vergleich zu anderen Gemeinden des Landkreises München eine junge Siedlung. Es liegt an der ehemaligen Salzstraße Berchtesgaden - Rosenheim - München. Im Herbst des Jahres 1832 bewegte sich ein gar seltsamer Zug diese Straße entlang in Richtung Sü­ den. Bereits Wochen vorher sah man Tausende von bayerischen Soldaten zu Fuß und zu Pferd in dieser Richtung marschieren. Es waren die Truppen, die den 1815 geborenen zweiten bayerischen.Königssohn Otto I. nach Griechenland begleiteten. Er war von der grie­ chischen Nationalversammlung zum König Griechen­ lands gewählt worden. Die Soldaten wurden in Triest eingeschifft. Am 6. Dezember 1832 folgte Otto I. selbst, der von seinem Vater, König Ludwig I. von Bay­ ern und seiner Mutter Therese mit großem Gefolge be­ gleitet wurde. Am Kilometerstein 12, mitten im Wald zwischen Perlach und Höhenkirchen, verabschiedeten sich Vater und Sohn, während die Mutter ihn bis Aib­ ling begleitete. Das Schicksal war dem jungen König nicht hold. Nach dreißig Jahren kehrte er wieder nach Bayern zurück, weil in Griechenland eine Revolution ausgebrochen war. König Ludwig I. ließ an der Stelle, an der er sich von seinem Sohn Otto I. verabschiedet hatte, eine dorische Säule auf einem vierkantigen Sockel errichten, die die Büste Ottos I. trägt. Diese Ottosäule sollte einmal An­ regung zur Namensgebung des Ortes sein, der später hier entstand. Im Jahre 1902 ließ der Münchner Bau­ meister Clemens Schöps an der Rosenheimer Land­ straße, etwa bei km 10, ein Gasthaus erbauen. Ihm wurde aber zur Auflage gemacht, nicht nur ein Ge­ bäude, sondern drei Häuser zu errichten. Die Ursache zu dem Vorhaben ist nicht bekannt. Es entstand daher im Jahre 1902 die Gaststätte »Waldschlößchen« und ein Jahr später wurden die Häuser Nr. 2 und Nr. 3 an der Prinz-Otto-Straße aufgebaut. Sie tragen alle ein kleines Türmchen. So entstanden die ersten Häuser des künfti­ gen Ottobrunn, ohne Namen, ohne Wasser, ohne Licht. Trotzdem fanden manche Münchner den Mut,

Das neue Ottobrunn mit dem Wolf-Ferrari-Haus sich hier anzusiedeln. Erst wurden nur Wochenendhäu­ ser, Blockhäuser genannt, errichtet. Einige Siedler nahmen auch den täglichen weiten Weg zur Stadt auf sich und bauten steinerne Wohnhäuser als Dauerwoh­ nungen. So entstanden nach und nach zwei kleine ge­ trennte Wohnzentren, die »Waldparksiedlung« um das Waldschlößchen herum und der »Ottohain« beim heu­ tigen Ottobrunner Bahnhof. Die Einwohnerzahlen be­ trugen 1912 96 Personen, 1967 11 300 Personen. Heute hat Ottobrunn 21 000 Einwohner. Nach vielen Schwierigkeiten wurde 1912 eine Wasserwerksgenos-

senschaft mit 135 Mitgliedern gegründet. Am 17. Juli 1914 spendete das Wasserwerk erstmals das lebensnot­ wendige Naß. Das Wasserwerk steht heute noch in der Prinz-Otto-Straße. Erst 1936 errichtete die Gemeinde Unterhaching ein zweites Werk am Ranhazweg. Die Verbindung nach München war die Landstraße, auf der man zu Fuß und vielleicht schon mit dem Fahr­ rad in die Stadt gelangen konnte. Erst 1904 wurde die Eisenbahnlinie München-Aying eröffnet. Aber der Bahnhof für Ottobrunn war in Neubiberg. 1925 wurde dann eine Haltestelle »Ottohain« errichtet. 1914 311


schlossen sich Teile der Einwohnerschaft zusammen und gründeten einen katholischen Kirchenbauverein. Nach der Versammlung war der Grundstock für eine Kirche mit 15 Goldmark noch sehr gering. Es wurden in den drei Wirtschaften »Waldschlößl«, »Schwaige« und »Grässmann«, jetzt Bahnhofrestauration, Sammelkas­ sen aufgestellt und Bausteine, das Blatt zu 5 Pfg., ver­ kauft. Dekan Haubenthaler von Oberhaching nahm sich der Sache an und trieb sie zügig vorwärts. Reichs­ rat von Finck stellte beim Gasthaus »Schwaige« eine Gartenlaube zur Verfügung, die dann in ein Notkirch­ lein umgewandelt wurde. Am 1. Dezember 1918 konnte dort der erste Gottesdienst abgehalten werden. Als erster Priester wirkte hier Benefiziat Friedrich Mül­ ler, der allsonntäglich von St. Ludwig in München kam. Es dauerte bis zum 11. April 1937, ehe die katholische Kirche von Ottobrunn fertig war und von Kardinal Faulhaber eingeweiht wurde. Zwei Jahrzehnte hatte Ottobrunn keinen Namen. Erst 1922 genehmigte die Regierung von Oberbayern die jetzige Bezeichnung. Sie erinnert an die Ottosäule. Ot­ tobrunn hat sich organisch stark entwickelt. Besonders

Ottosäule in Ottobrunn 312

Älteste Kirche von Ottobrunn

der Bau der Autobahn trennte den Ort von Unterha­ ching, der Muttergemeinde, weiter ab und zwang fast zur Bildung einer eigenen Gemeinde, die durch die Trennung von Unterhaching am 1. April 1955 legali­ siert wurde. Das kirchliche wie auch das kulturelle Le­ ben in der Gemeinde nahm einen großen Aufschwung durch lebhafte Bautätigkeiten wie in der Josef-Seliger­ Siedlung, der Bundeswehr-Siedlung. Auch Firmen zo­ gen nach Ottobrunn wie z.B. Forschungsgesellschaf­ ten, die sich immer mehr zu einem bedeutenden For­ schungszentrum der Luftfahrt, der Raumfahrt und der Elektronik entwickeln. Vor allem sind es die Firmen Bölkow und IABG. Es wurden dadurch viele Arbeits­ plätze geschaffen. Durch den großen Zuwachs der Bevölkerung war es notwendig geworden, einen Ort der Zusammenkünfte zu schaffen, und 1986 konnte ein großes Gemeindezen­ trum eingeweiht werden. Das Bürgerhaus, »Wolf-Fer­ rari-Haus« genannt, nach Ermanno Wolf-Ferrari, der 16 Jahre lang im damaligen Siedlungsraum Ottobrunn als Komponist lebte, soll nun nach dem Willen der Ge­ meinde dieser Platz im Herzen von Ottobrunn werden. Verfasser: Lieselotte und Hans Weingärtner


Vereinsgeschichte des Heimattrachten-Erhaltungsvereins »Seeröserl« Ammerland-Münsing Es herrschte noch idyllische Ruhe im Fischerdorf Am­ merland, und man schrieb das Jahr 1953, da kam dem Fischermeisterssohn Thomas Huber, dessen Ge­ schlecht seit über 500 Jahren in Ammerland das hoch­ angesehene Gewerbe eines Fischers von 4 ansässigen ausübt, genannt zum »Fischhauser«, der Gedanke, in seinem Heimatort Ammerland eine Trachtengruppe zu gründen, zumal Thomas Huber bereits schon aktives Mitglied des Trachtenvereins »Würmseer« Seeshaupt­ St. Heinrich war. Im Elternhaus von Thomas Huber wurde zu dieser Zeit bereits aktiv Volksmusik und Gesang betrieben. Seine Geschwister machten bei dieser Idee der Grün­ dung einer Trachtengruppe sogleich mit. Um noch mehr Interessenten für sein Vorhaben zu gewinnen, be­ sprach Thomas Huber seine Gedanken mit dem Fi­ schermeister Sepp Bäck »zum Hoffischer« wie sie ihn

nannten. Sepp Bäck fand die Gedanken von Thomas Huber als sehr gut und schloß sich der Überlegung zur Gründung einer Trachtengruppe in Ammerland mit an. Beide Initiatoren zogen zur weiteren Beratung den da­ maligen Kreisheimatpfleger Generalmajor a.D. Leutze aus Ammerland sowie den Gauvorstand des Huosi­ gaues Hans Zellner aus Starnberg hinzu. So wurde am 13. Dezember 1953 die Trachtengruppe Ammerland. gegründet. Da man sich noch im Anfangsstadium befand, traf man sich abwechselnd in den Fischerstuben der Fischermei­ ster Huber und Bäck, um das Platteln und Volkstänze zu erlernen. Hans Zellner äußerte den Wunsch, die Trachtengruppe Ammerland möge sich analog dem Trachtenverein Starnberg eine Seetracht anschaffen, was dann aus fi-

Trachtengruppe Ammerland. Teilnahme am Huosigaufest 1956 in Starnberg

nanziellen Gründen leider nicht in Erfüllung ging, zu­ mal bereits schon die Stopselhüte gekauft wurden und später als normale Sonntagshüte verwendet wurden. Die Trachtengruppe Ammerland entschied sich viel­ mehr für die ebenfalls sehr kleidsame Oberländler Tracht, die heutige Miesbacher Tracht. Auch der ebenfalls geäußerte Wunsch von Hans Zell­ ner, die Gruppe soll sich dem Huosigau anschließen, wurde durch die weiten Anfahrtswege nicht in Erwä­ gung gezogen, sondern man faßte den Gedanken, sich dem Loisachgau anzuschließen und setzte sich mit dem Vorstand des Loisachgaues, Franz Sappl, in Verbin­ dung. Franz Sappl empfahl nach der Befragung, zuerst die Vereinsgründung durchzuführen und dann den Aufnahmeantrag zum Loisachgau zu stellen. Im Jahre 1956 nahm man aber trotzdem noch als Trach­ tengruppe Ammerland am Huosigaufest in Starnberg teil. Um aber offiziell als Verein auftreten zu können, be­ schloß die Trachtengruppe Ammerland, einen Verein zu gründen. Nach intensiven Vorbereitungen und Be-

Schloß Ammerland (Pocci-Schloß). Gehörte im 16. Jahrhundert dem Hofleibarzt Dr. Alexander Carteuser.

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Bei einer Plattlerprobe 1957 ratungen mit dem Loisachgau wurden dann am 4. April 1957 die bereits zur Trachtengruppe gehörenden Mit­ glieder zur Gründungsversammlung ins »Gasthaus Sai­ ler« eingeladen. Bei dieser Versammlung wurde der Heimattrachten-Erhaltungsverein »Seeröserl« Am­ merland gegründet. Zum Gründungsvorstand wurde Johann Baptist Böck gewählt, Thomas Huber zum Vorplattler, zum Schriftführer und Kassier General a.D. Leutze. Nach der Gründung als Verein stellte man sogleich den Antrag auf Aufnahme in den Loisachgau. Der Verein wurde dann mit Beschluß vom 27.10.1957 in den Lois­ achgau aufgenommen. Nachdem nun der Trachtenverein »Seeröserl« Ammer­ land aus der Taufe gehoben war, wurden die Plattler­ proben abwechselnd im Vereinslokal Sailer und im Cafe Hubertus in Ammerland abgehalten. Kurz nach der Vereinsgründung reiften in der jungen Vorstandschaft bereits die Gedanken, sich eine Ver­ einsfahne anzuschaffen. Neben dem 1. Vorstand Bap­ tist Böck waren es Thomas Huber und General Leutze, welche diese Gedanken mit Nachdruck unterstützten. In der Generalversammlung am 22.2.1958 bat Kassier und Schriftführer Leutze aus gesundheitlichen Grün­ den um seinen Rücktritt, bot aber gleichzeitig seine tat­ kräftige Unterstützung zur Beschaffung der neuen Ver314

einsfahne an und stellte den Betrag von DM 1000.-­ dem noch finanzschwachen Verein als Darlehen, wel­ ches später zur Stiftung wurde, zur Verfügung. Für den Entwurf der ersten Vereinsfahne stellte sich Leutze ebenfalls zur Verfügung. In einer kleinen Eh­ rung wurde General Leutze an diesem Tag bereits zum ersten Ehrenvorstand des Vereins mit Urkunde er­ nannt. Zu seinem Nachfolger wurde Fritz Huber als Schriftführer gewählt. Durch einen Spendenaufruf ka­ men noch DM 325.-- zum Darlehen von Herrn Leutze dazu, sodaß der Beschaffung der Fahne nichts mehr im Wege stand. Die neue Vereinsfahne wurde auf Initia­ tive von Herrn Leutze durch Herrn Paul Rattelmüller aus Penzberg entworfen und im Karmelkloster von Aufkirchen gestickt und angefertigt. Die Fahne kostete DM 1.150.--.

Gründungsmitglied Sepp Bäck zum »Hoffischer« mit einem gefangenen Hecht ( t 25. 1. 1975)

Die neue Vereinsfahne wurde im Beisein von 32 Verei­ nen am 16./17. August 1958 in Ammerland geweiht. Als Schirmherr fungierte der Ehrenvorstand G. Leutze, Fahnenmutter Frau Kreszenz Kühn und als Fahnenbraut Komtesse Annemarie von Pocci. Die kirchliche Weihe vollzog Pfarrer Schnell von Münsing. Für die Festtage wurde eigens von den Vereinsmitglie­ dern ein Festzelt in Ammerland aufgestellt, welches von dem Gastwirt Lössl bewirtet wurde. Patenverein war der Trachtenverein »Würmseer« Tutzing, sie fuh­ ren mit dem Schiff über den See nach Ammerland und wurden am Dampfersteg von der Festmusik abgeholt. Festmusik war die Blaskapelle Bachhausen, die um diese Zeit zu den bekanntesten Kapellen im Umkreis gehörte. In seiner Dankansprache würdigte der amtierende Bür­ germeister von Münsing, Herr Sebastian Graf (zum Kellerer), die Verdienste des jungen Vereins zur Vor­ bereitung der Fahnenweihe, allen voran Thomas Hu­ ber, der sich unermüdlich dafür einsetzte. Am Vorabend zur Fahnenweihe fand ein großer Hei­ matabend im Festzelt statt, bei dem die Haunshofner Buam, die Münsinger Deandl, die Ammerlander Hackbrettmusi, der Trachtenverein »König Ludwig Stamm« Schloß Berg und der eigene Verein mitwirk­ ten. Die Fahnenweihe wurde auch zum Höhepunkt der Ortsgeschichte von Ammerland. Nach den Feierlichkeiten der Fahnenweihe wurde es ruhiger im Verein. Auch das Vereinslokal wurde zwi­ schenzeitlich gewechselt, man traf sich nunmehr zu Heimatabenden und Sommerfesten im »Gasthaus Ge­ rer« in Ammerland. Die Beteiligung an den Versamm­ lungen waren wünschenswert. Man ging regelmäßig zu den Fahnenweihen und Gaufesten des Loisachgaues. Am 13.2.1964 verstarb Ehrenvorstand und Vereinsmit­ gründer General a.D. Leutze im Alter von 72 Jahren. Er wurde am 16.2.1964 im Beisein des gesamten Ver­ eins und seiner gestifteten Fahne in Münsing zu Grabe getragen. Der Verein dankte dem Gründungsmitglied und Ehrenvorstand für seinen unermüdlichen Einsatz und seine finanzielle Unterstützung.


Feldgottesdienst bei der Fahnenweihe am 17. August 1958 in Ammerland

Fahnenmutter, Fahnenbraut und Festjungfrauen anläßlich der Fahnenweihe in Ammerland

Schirmherr und Ehrenvorstand General a. ·n. Leutze bei der Festansprache zur Fahnenweihe am 17. 8. 1958

Festzug durch Ammerland anläßlich der Fahnenweihe. Von links nach rechts: Eh­ renvorstand General a. D. Leutze, Bürgermeister Sebastian Graf aus Münsing, Vorstand Johann Baptist Böck 315


Unter Vereinsvorstand Thomas Huber im Jahre 1969 entschloß sich der Verein, das jährliche Waldfest beim Gerer nun als Waldfest auf der Roßwoad in Ammer­ land neu aufleben zu lassen. Johann Sebald (zum Stauderbauer) in Staudach stellte seine Roßwoad für diesen Zweck seither alljährlich zur Verfügung. Das Waldfest hatte bereits unter dem Schützenverein Am­ merland und der einheimischen Bürger vor mehr als 60 Jahren auf der Roßwoad seinen Anziehungspunkt. Es wurden dort zu der damaligen Zeit Standl aufgebaut, und man hockte gemütlich bei Speis und Trank beisam­ men. Das Waldfest ist heute wieder zur großen Beliebt­ heit in der Bevölkerung geworden. Um auch einmal das Loisachgaufest abhalten zu kön­ nen, stellte der Ver�in im Jahre 1973 in der Frühjahrs­ gauversammlung des Loisachgaues den Antrag und er­ hielt den Zuschlag für das Jahr 1974. Nach reichlicher Vorbereitung wurde das 47. Loisach­ gaufest 1974 anläßlich der 1. Münsinger Festwoche am 17. und 18. August in Münsing abgehalten.

Zu diesem Anlaß wurde ebenfalls der Vereinsname in Heimattrachten-Erhaltungsverein »Seeröserl« Am­ merland-Münsing geändert, da bereits die Überzahl der Mitglieder aus Münsing im Verein mitwirkten. Zum Anlaß des Loisachgaufestes wurde die im Jahre 1958 angeschaffte Vereinsfahne renoviert und von Pfarrer Viktor Ley beim Festgottesdienst nachgeweiht. Fahnenmutter war Frau Kreszenz Kühn und Fahnen­ braut Betty Bernlochner. Die Schirmherrschaft für das Loisachgaufest hatte Konrad Albert Graf von Pocci übernommen. Zum Patenverein hatte sich die Vor­ standschaft auf Grund der guten nachbarschaftlichen Beziehungen den Trachtenverein »Würmseer« Sees­ haupt-St. Heinrich ausgewählt. Zu diesem 47. Loisach­ gaufest sind alle Gauvereine nach Münsing gekommen. Als Festwirt war E. u. Ch. Hochreiter aus München be­ stimmt worden. Am Vorabend fand ein großer Heimat­ abend statt. Der Festsonntag war ein Höhepunkt für die Ortschaft Münsing sowie für den Verein selbst. Man hatte dazu keine Mühe und Kosten gescheut. Fest­ musik war die Musikkapelle Münsing.

Adventhoagascht 1984. Vorstand Max Penzkofer bei der Begrüßung. Rechts: Sprecher Schorsch Leinbach 316

Nach diesem Gaufest wollte man das Vereinsleben nicht wieder abflachen lassen, sondern man führte Hei­ matabende ein. Zuerst wurden sie im kleinen Pfarrsaal des Pfarrheimes in Münsing abgehalten, bis man in das neuerbaute Gemeindezentrum der Großgemeinde Münsing umziehen konnte. Am 25. 1. 1975 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit unser Gründungsmit­ glied Sepp Bäck zum Hoffischer. Sepp Bäck war neben Thomas Huber die führende Kraft zur Gründung des Trachtenvereins »Seeröserl« Ammerland. Wir verlo­ ren in Sepp Bäck einen vorbildlichen Trachtenkamera­ den. Ab dem Jahre 1976 wurde der Münsinger »Advent­ Hoagascht« eingeführt, der bis zum heutigen Tage nicht mehr aus der Münsinger Adventzeit wegzuden­ ken ist und große Beliebtheit erfährt. Im Jahre 1981 befaßte man sich doch mit dem Gedan­ ken, eine neue Vereinsfahne auf Grund der Verschlis­ senheit der alten Fahne anzuschaffen. Die Seide der al­ ten Fahne ist sehr brüchig geworden und eine erneute Reparatur ist nicht mehr möglich gewesen. Die neue

Musikkapelle Münsing beim Festzug zur Fahnenweihe am 11. August 1985


Fahne wurde genau nach den Motiven der alten Fahne nachgestickt. Man befragte verschiedene Stickereien we­ gen der Anfertigung, aber letzten Endes kam man auf das Kloster Aiterhofen in Niederbayern, das sich bereit er­ klärte, die Fahne anzufertigen. Die neue Vereinsfahne wurde nun auf gutem Samt mit Hand gestickt. Die Fahnenweihe sollte im Jahre 1983 durchgeführt werden, mußte aber wegen Terminschwierigkeiten um 2 Jahre verschoben werden, so daß sie im Jahre 1985 abgehalten werden konnte. Zu diesem Anlaß stellte der Verein ebenfalls den Antrag auf Durchführung des Gaufestes, der aber bei der Frühjahrsgauversammlung 1984 keinen Zuspruch fand. So ließ man es bei der Fah­ nenweihe 1985. Nach eingehenden Vorbereitungen der Vorstandschaft, vor allem unter Vorstand Max Penzkofer, der seit dem Jahre 1969 die Geschicke des Vereins leitete, ging man ans Werk, um die Fahnenweihe in würdiger Weise durchführen zu können. Es wurde wieder eine Festwo­ che gemeinsam mit dem Kath. Burschenverein Mün­ sing geplant. Nach einer Abstimmung im Vereinsausschuß wurde

unt�r drei auserwählten Vereinen aus dem Loisachgau als Patenverein der Trachtenverein »Veiglbergler« Neufahrn ausgewählt und für dieses Amt befragt. Mit dem Patenbitten in Neufahrn wurde die Patenschaft zwischen unserem Verein und den »Veiglberglern« aus Neufahrn besiegelt. Am 26. April 1985 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit unser Ehrenvorstand und langjähriges akti­ ves Mitglied Otto Baumgartner. Otto Baumgartner trat im Jahre 1958 dem Verein nach bereits langjähriger Tä­ tigkeit beim Trachtenverein »D'Loisachtaler« Wolf­ ratshausen bei. Im Jahre 1970 wurde Otto Baumgart­ ner zum 2. Vorstand gewählt, bis er dann im Jahre 1983 aus freiwilligen Gründen sich nicht mehr zur Wahl stellte. Er wurde 1983 zum Ehrenvorstand ernannt. In Otto Baumgartner verloren wir einen vorbildlichen Trachtenkameraden, der nur schwer zu ersetzen ist. Am 30.4.1985 verstarb nach längerer Krankheit Kon­ rad Albert Graf von Pocci im Alter von 80 Jahren. Graf Pocci war in der Zeit vom 21.3.1964 bis 5.3.1966 2. Vor­ stand des Trachtenvereins »Seeröserl« Ammerland. Er setzte sich stets als Gönner des Vereins ein. Seine Ein-

Neue Vereinsfahne mit Fahnenträgerinnen beim Festgottesdienst am 11. 8. 1985

stellung zum Brauchtum und zur bayerischen Heimat war weit über die Grenzen hinaus bekannt. Auch seine vorzügliche Haflingerzucht auf seinem Hof in Ried bei Ammerland war bei den Pferdeliebhabern geachtet. Mit Graf Pocci verloren wir einen Urbayern, dessen Geschlecht schon seit 1841 das Ammerlander Schloß bewohnte. Vor den Festtagen hielt der Verein einen Festabend für die Gründungsmitglieder und langjährige Mitglieder ab. Bei diesem Abend wurden die Gründungsmitglie­ der, Mitglieder für 25jährige Tätigkeit und 15jährige Tätigkeit im Verein geehrt. Am Vorabend der Fahnenweihe hielt der Verein einen Heimatabend mit dem Patenverein aus Neufahrn und den Gästen aus Todtnauberg im Schwarzwald ab. Fest­ musik war ebenfalls die Musikkapelle Münsing. Mit einem großen Kirchenzug und einer beeindrucken­ den kirchlichen Weihe durch Pfarrer Dr. Gotthard Schulz wurde die neue Vereinsfahne ihrer Bestimmung übergeben. Fahnenmutter war Roswitha Penzkofer, Fahnenbraut Sonja Leinbach , die Schirmherrschaft für diese Fahnenweihe übernahm Bürgermeister Sylvester

Festjungfrauen mit Fahnenmutter und Fahnenbraut

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Der Verein zählt heute 114 aktive und passive Mitglie­ der sowie 43 Jugendliche. Als Vorstände waren seit der Gründung für den Verein tätig: Baptist Böck 1957 - 1959 Willi Behr 1959 - 1962 Georg Strobl 1962 - 1964 Fritz Huber 1964 - 1966

Thomas Huber 1966 - 1969 Max Penzkofer seit 1969 In Trauer und Ehrfurcht gedenken wir unserer bereits verstorbenen Mitglieder und Trachtenkameraden. Mit dem Spruch »Sitte, Tracht und Brauch der Alten wollen wir erhalten« ist diese Vereinsgeschichte am 17. Oktober 1987 vom Schriftführer Schorsch Leinbach niedergeschrieben worden.

Ortsgeschichte von Ammerland-Münsing

Festabend am 3. August 1985. 2. Vorstand Gregor Schmitter überreicht Adam Will für 25 jähr. Mitglied­ schaft die Ehrennadel mit Urkunde, 1. Vorstand Max Penzkofer

Pölt der Gemeinde Münsing. Mit einem großen Fest­ zug mit 40 Vereinen am Nachmittag durch Münsing wurde der Höhepunkt der Fahnenweihe erreicht. Eine Festwoche schloß sich daran in Münsing an. Seit der Gründung des Vereins ist der Heimattrachten­ Erhaltungsverein »Seeröserl» Ammerland - Münsing seinen Verpflichtungen im Loisachgau nachgekommen und hat innerhalb des Vereins gute Aufbauarbeit gelei­ stet. Unter unseren Jugendvertretern Anton Springer und Sonja Leinbach hat man den Nachwuchs gefördert und als wesentlichen Bestandteil des Vereins aufrecht erhalten können. Leider sind bei den Buben immer wieder Lücken eingetreten, die durch Abwanderungen in andere Ortsvereine von Münsing entstanden sind.

Münsing mit Blick zur Zugspitze. Im Vordergrund Pfarrkirche Maria Himmelfahrt 319


Wir haben das Glück, in einer der schönsten Land­ schaften Bayerns zu leben, einer wahren Parkland­ schaft, eingebettet zwischen Isar und Starnberger-See. Wir verdanken diese Schönheit den formenden Kräften der Eiszeiten. Durch eine Klimaveränderung von nur 10 Grad niedriger Jahresdurchschnittstemperatur wuchsen die Gletscher des Gebirges bis in das Alpen­ vorland heraus. Diese letzte Eiszeit, die Würmeiszeit etwa 120 000 bis 15 000 vor Christus, gab unserer Landschaft das heutige Aussehen. Wahrscheinlich ist unser Höhenrücken zwischen Würmsee (Starnberger-See) und Isar schon seit vielen tausend Jahren besiedelt. Der erste Fund, der mensch­ liches Leben nachweist, ist eine Streitaxt, die bei St. Heinrich gefunden wurde und auf die Zeit zwischen 400 - 2000 vor Christus datiert wird. Wann nun der Ort Münsing gegründet wurde, kann man heute nur ahnen. Das »ing« am Ende des Ortsna­ mens zeigt nach heutiger Erkenntnis, daß hier ein Großbauer mit seinem Gefolge gesiedelt hat. Pfarrer Schnell, der Erforscher der Ortsgeschichte glaubt, daß ein Sippenführer namens Munigis Anfang des 6. Jahr­ hunderts den Ort gegründet oder auch neu besiedelt hat. Die Besiedelung war damals äußerst dünn. Viel­ leicht hat jener Munigis, nach dem der Ort in frühester Zeit »Munigisingen« hieß, die verstreuten Höfe, Wei­ ler und Einöden um der größeren Sicherheit willen zu einem Ort zusammengeschlossen. Vielleicht hat aber auch die Christianisierung die Bildung der Ortschaft begünstigt. Im Jahre 740 nach Christus tauchen auch für unser Münsinger Gebiet die ersten urkundlichen Überliefe­ rungen auf. Bei einer Urdotation für das Kloster Bene­ diktbeuern, das damals »wenigstens 5 Höfe und ein Be­ neficium in Münsing« besaß, wird in einer Urkunde aus dem Jahre 740 n. Chr. Münsing genannt. Der Ort Mün­ sing gehört somit zu einer der ältesten bezeugten Ort­ schaften im Landkreis Wolfratshausen. 320

Im Jahre 907 brachen die Ungarn ein. Sie brannten Dorfen und Münsing nieder und zerstörten die Kirchen in Holzhausen und Degerndorf. Im 12. Jahrhundert wird urkundlich auch der Name Ammerland genannt. Die erste Bezeugung geht auf eine Urkunde zurück, in der ein Bewohner namens »Ulrich Schmid« von Ammerland genannt ist. Die Be­ deutung des Ortsnamens ist nicht gesichert. Pfarrer Schnell neigt zu der Erklärung: »Land mit amare = Sommerdinkel bebaut. Eine beachtliche Deutung hat Herr Naager vertreten: Im 12. Jahrhundert gehörte Wolfratshausen nach An­ dechs-Dießen. Die Grafen von Andechs hatten wie be­ richtet eine Burg in Wolfratshausen. Der schnellste Weg von Andechs war eine Überfahrt über den See, so daß man »an der Lände« oder am anderen Land, näm­ lich an anderen Ufern von Andechs aus gesehen an­ kam, sodaß Ammerland ursprünglich »Anderland« oder «An der Land« geheißen haben könnte. Mit dem 16. Jahrhundert treten wir in das Jahrhundert der Reformation und der Bauernkriege ein. Aus dieser Zeit läßt uns eine Reihe von Urkunden einen kleinen Einblick in das Leben von Münsing gewinnen. 1465 wurde uns darin erstmals ein Wirt erwähnt. Eine Ta­ fern, also ein Wirtshaus, hat es aber sicher schon vorher gegeben. Eine Urkunde aus dem Jahre 1510 nennt uns erstmals einen Bader namens »Meister Jörg«. Sein Badhaus betrieb er an der Hacklgasse. Er dürfte auch der Wundarzt gewesen sein. 1570 wird ein Schmid und 1585 ein Schuster bezeugt. 1653 wird ein Ulrich Pfanzelter als Schäffler genannt. Lehrer gab es in den Klöstern und Märkten bereits im 14. und 15. Jahrhundert. Wenn in Münsing der erste 1712 genannt wird, so ist das nicht gesagt, daß nicht schon bedeutend früher ein Schulmeister hier tätig war. Die Zeit des 17. Jahrhunderts ist wohl die kriegsreich­ ste und grausamste Zeit gewesen, die unsere Landbe­ völkerung je zu durchleiden hatte. Im Jahre 1634 kam zudem noch die Pest ins Land, die zur Verödung ganzer Höfe führte. Eine Pestkapelle steht zwischen Münsing und Allmannshausen im Ortsweiler Weipertshausen.

St. Kollomankapelle Weipertshausen. 1608 erbaut, 14. Mai 1985 eingestürzt. Wiedererbaut 1988/89. Sie zeugt aus dieser Zeit. Im Jahre 1789 war die Franzö­ sische Revolution, sie brachte den genialen Empor­ kömmling Napoleon hervor. Seine Truppen kamen auch bis nach Münsing. Nach dem Jahre 1870/71 folgte ein halbes Jahrhundert Frieden. Münsing war inzwischen ein großes und schö­ nes Dorf geworden. Weipertshausen und Ammerland gehörten dazu mit je einem eigenen Ortsvorsteher. Der Ort Münsing selbst war unterteilt in Ost und West mit je einem Ortsvorsteher. Möglicherweise war diese Tei­ lung durch die Brunnen entstanden. Für die »Ou­ schner« wie sie auch heute noch heißen, war ein Brun­ nen beim »Nickler«, für die »Weschner« ein Brunnen beim »Mussl. « Die Teilung der Ortschaft hatte auch ihre Folgen: Jeder Ortsteil hatte seinen Hirten und


seine Hirtenwiese, und jeder hatte seinen Stierfleck, je­ nes Stück Land, das der Bauer nutzen durfte, der den Stier hielt. Noch heute ist die Teilung ersichtlich an den beiden Wirtshäusern, der »Neuwirt« im Osten und der »Altwirt« im Westen, sowie die 2 Maibäume, die je­ weifs alle 5 Jahre von den Burschen im Osten und den Burschen im Westen aufgestellt werden. Um auf den Bauernhöfen die nötige Kraft zum Dre­ schen und Häckselschneiden zu erhalten, hatte man den sogenannten »Göpel«. Es handelt sich dabei um eine drehbare, senkrecht gelagerte Achse mit einem aufgesetzten Zahnrad, das sich mit einigen Lauf-rollen auf einer Grundplatte drehte. An einem im Zahnrad­ kranz eingesetzten Göpelarm wurde ein rundgehendes Pferd oder ein Ochs geschirrt. Als dann im Jahre 1905/ 06 der erste elektrische Strom von den Loisachwerken kam, verloren die Göpel ihre Bedeutung. Münsing hatte in der Mitte des vorigen Jahrhunderts etwa 500 bis 600 Einwohner zu verzeichnen. Ein so gro­ ßes Dorf hatte schon erhebliche Aufgaben gegenüber den Bedürfnissen seiner Einwohner zu erfüllen. Zu den genannten Berufen seien noch erwähnt die Wagner, ein Rechenmacher, natürlich auch Schreiner, Zimmerer und Maurer. Auch Ziegelbrenner waren da. In Ammerland gab es einen Kalkofen, der direkt am Ufer des Sees gelegen war, wo man dort Seesteine brannte. Der Ofenhügel ist heute noch zu sehen. Teil­ weise wurde das Bier für die Münsinger Wirte von der Tutzinger Brauerei über den See gebracht. Der bären­ starke »Fischermichl« von Ammerland holte die Ban­ zen mit dem Bierschiff »Josefine« über den See her­ über. Von da wurden sie nach Münsing gebracht. Aber auch von Flößern wurde seit undenklichen Zeiten vie­ les über den See befördert. Ganze Viehtransporte sind so nach Tutzing gegangen. Seit den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ist der Zuzug von Städtern, die sich besonders in See­ nähe ansiedelten, nicht mehr abgerissen. Auch Som­ merfrischler, die sich für einige Wochen hier in Am­ merland einmieteten, wurden immer zahlreicher. So

entstanden viele Landhäuser und Villen am See. Der Ort Ammerland, der bisher aus dem Schloß, dem Schu­ sterhäusl, dem Schneiderhäusl, 4 Fischern und seit 1844 mit einem Wirtshaus bestanden hatte, wuchs im Lauf der Jahrzehnte entlang dem Ufer und hinauf bis zum Ried. Neue Existenzen konnten sich niederlassen; im Jahre 1865 ein Schreiner und 1883 ein zweites Wirts­ haus. Zur Sicherheit des von Schloß Berg heraufreiten­ den Königs wurde sogar eine Polizeistation eingerich­ tet. Heute ist Ammerland ein beliebter Fremdenver­ kehrsort. In Münsing wurde 1890/91 ein neues Schulhaus gebaut. Im Jahre 1913 wurde per Handsehachtung die Wasser­ leitung von Happerg nach Münsing verlegt. 1914 war das Werk beendet. Einer der ersten Automobilfahrer, die durch Münsing holperten, dürfte Herr Kommer­ zialrat Ludwig Rank gewesen sein. Nach dem ersten Weltkrieg im Jahre 1928 konnte die Post eine direkte Verkehrsverbindung von München nach Ambach über Münsing, Ammerland und Holz­ hausen herstellen. In den 30er Jahren wurden die Orts­ straßen geteert. Der erste Arzt ließ sich im Jahre 1920 in Münsing nieder, vorher mußte man den Weg nach Wolfratshausen gehen. Nach dem 2. Weltkrieg, von dem auch Münsing nicht ganz verschont blieb, erlebte die deutsche Wirtschaft ihren Aufschwung, und die Menschen wurden von Jahr zu Jahr anspruchsvoller. Im Jahre 1955 wurde mit der Flurbereinigung begon­ nen und mit viel Fingerspitzengefühl und Energie nach 3 Jahren abgeschlossen. 1963 errichtete die Gemeinde Münsing ein neues Schul­ haus an der Stelle des im Jahre 1890/91 erbauten Ge­ bäudes. 1967/68 wurde die gemeindliche Wasserleitung erweitert, dabei faßte man ein neues Quellengebiet in der Nähe von Ammerland. Zum Zwecke der Verwaltungsvereinfachung wurde im Jahre 1978 die Gebietsreform bzw. Gemeindereform durchgeführt, sodaß die drei Einzelgemeinden Mün­ sing, Degerndorf und Holzhausen zu einer Großge­ meinde Münsing zusammengeschlossen wurden. Die

Gemeinde sah sich dadurch gezwungen, zum Zwecke der Gemeindeverständigung ein neues Gemeindezen­ trum mit Turnhalle, Verwaltung und Gemeindesaal für Veranstaltungen sowie Feuerwehrhallen zu erstellen. Auf Grund des heutigen Priestermangels mußten die Pfarrgemeinden Münsing, Degerndorf und Holzhau­ sen ebenfalls zu einer Pfarrverwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen werden. Die letzten 30 Jahre haben in Münsing einen guten wirt­ schaftlichen Aufschwung hervorgebracht. Es wurden moderne Wirtschaftsbetriebe errichtet. Auch der Fremdenverkehr nahm stets zu, sodaß heute viele Bür­ ger im Sommer an Fremde vermieten. Leider hat sich die Situation in der Landwirtschaft in den letzten Jahren verschlechtert, sodaß viele Kleinbe­ triebe um ihre Existenz ringen mußten und zu Nebener­ werbslandwirten abgestempelt wurden. Zum Vereins­ wesen sei noch gesagt: Die gesamte Großgemeinde birgt zur Zeit 23 Vereine in sich. Seit dem Jahre 1713 bis zum heutigen Tage waren für die Gemeinde 19 Bürgermeister tätig. Von Münsing sei noch gesagt, daß im Jahre 1314 der er­ ste Pfarrherr erwähnt ist. Von 1314 bis zum Jahre 1802 wirkten in Münsing 43 Priester. Aus dieser großen Zahl wurden 7 Seelsorger Pröbste von Beuerberg und einer sogar Bischof von Bamberg; er hieß Bonifaz Urban. Pfarrer Schnell, von 1954 bis zum Jahre 1963 Pfarrer von Münsing, schrieb eine umfassende Pfarr- und Ge­ meindechronik, aus der Teile für diese Gauchronik herausgeschrieben wurden. Schorsch Leinbach, Schriftführer

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Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins »St. Sebald« Egling Der Eglinger Pfarrherr als Trachtenvereinsgründer Ortspfarrer Franz Seraph Bierprigl, am 27. April 1913 in Partenkirchen geboren, seit 1943 in Egling, war schon immer für das Volkstümliche. Die oberbayeri­ sche Tracht, insbesondere das Werdenfelser »Gwand«, wie es in seiner Heimat rundum getragen wird, gehörte nicht nur bei ihm, sondern schon bald auch bei »seinen Ministranten« zum festen Sonn- und Feiertagsgwand.

Wenn der Pfarrer mit »seinen Buben« zum Ministran­ tenausflug (der fast immer in Richtung Gebirge ging) startete, alle einschließlich er selber in der »Kurzn«, sah es aus, als ob ein kleiner Trachtenverein mit der Ju­ gend unterwegs sei. Bei Feldmessen, Kreuzeinweihungen oder anderen festlichen Anlässen, ministrierten die Buben sehr oft »in der Tracht«. Pfarrer Bier, wie er sich selbst manch­ mal bezeichnete, vertrat zu Recht die Ansicht, die Tracht ist ein Fest- und Ehrengewand, mit dem man sich weder vor den Menschen noch vor dem Herrgott verstecken müsse. Der Pfarrer und seine Ministranten sind letztlich auch Keimzelle und Entwicklungsbeginn des späteren Trachtenvereins. Pfarrer Bierprigl spricht mit dem Eglinger Gastwirt und Metzgermeister Hans Oberhauser, ob er keinen erfah­ renen Trachtler wisse, der den Buben das Schuhplat­ teln lernen könnte. Oberhauser »landet« schließlich in Deining bei Walter Geiger. Geiger ist kein gebürtiger »Oberbayer«, er ist 1930 in Nieder-Bögendorf in Schle­ sien geboren. Er kam als knapp 14jähriger Schulbub nach Oberbayern. In seiner neuen Heimat hat er sich offenbar bald wohlgefühlt und eingelebt. Als Trachtler und Mitglied bei verschiedenen Trachtenvereinen konnte er sich so im Laufe der Jahre ein einschlägiges Wissen in der Trachten- und Brauchtumsangelegenheit aneignen. Walter Geiger war offenbar der richtige Mann, aus den »Ministrantenbuben« Trachtler und Schuhplattler zu machen.

Die um die Zeit der Benefiziumsstiftung (1512) ent­ standene Figur des HI. Sebald. 322

Das Gespräch zwischen Oberhauser und Geiger Walter fand im Januar 1967 statt. Im März stellt Hans Ober­ hauser die elf Buben zwischen 10 und 14 Jahren bei Walter Geiger vor. Es sind: Fleischmann Hans, Egling; Pischulti Albert, Egling; Förg Valentin, Egling; Förg Georg, Egling; Schlosser Michael, Dettenhausen; Förg Franz und Förg Hans

Ortspfarrer und Vereinsgründer Pfarrer Franz Bier­ prigl in seinem Pfarrbüro. (Deiser), Dettenhausen; Westenrieder Jakob, Detten­ hausen; Förg Hans und Förg Peter (Druckermüller), Egling sowie Aumüller Hans, Egling. Man will baldmöglichst mit den Proben anfangen. Für die ersten Proben wird für Kreuzschlag und Hoch­ sprung noch kein Musikant benötigt, dann spielt Mi­ chael Auer, Egling, mit dem Akkordeon. So probt man fast 1 1/2 Jahre lang, alle 14 Tage. 2 gute Gruppen ge-


hen daraus hervor. Durch Fürsprache von Sepp Floß­ mann, Thanning, nehmen die Eglinger erstmals am Ju­ gendwertungsplatteln des Loisachgaues teil und holen einen 1. und einen 2. Preis. Der Auftrieb ist enorm, weitere Buam und auch Deandln kommen dazu. Mit Datum vom 25.09.68 schreibt Gauvorstand Franz Sappl an Pfarrer Bierprigl folgenden Brief, der aus­ zugsweise wörtlich zitiert wird: »Vor längerer Zeit wurde ich schon davon in Kenntnis gesetzt, daß sich in Egling etwas tut. Da ich der Ansicht bin, daß eine sol­ che Sache von innen heraus reifen muß, wollte ich mich nicht vordrängen. Wenn es natürlich gilt, Geburtshilfe für eine größere Sache zu leisten, stehe ich gerne mit Rat und Tat zur Verfügung«. Franz Sappl Am 23. März 1969 wird eine Einladung zur Gründungs­ versammlung eines Trachtenvereins an alle Eglinger verteilt. Die Versammlung findet am 29.03.69 im Eglinger »Post«-Saal statt. 109 P,ersonen sind anwe­ send, 77 tragen sich unterschriftlich als Gründungsmit­ glieder in die Liste ein.

Nachfolgend wird ein Wahlausschuß gebildet, dem fol­ gende Personen angehören: Bürgermeister Balthasar Thalhammer als Wahlvor­ stand, Gauvorstand Franz Sappl als Beisitzer, Wiedenbauer Max, »Veiglbergler« Neufahrn als Beisit­ zer, Lederer Walter, Egling, als Beisitzer, Hauptlehrer Mösbauer August als Protokollführer. Die Wahl der ersten Vereinsvorstandschaft ergab fol­ gendes Ergebnis: 1. Vorstand Hans Oberhauser, Gastwirt und Metzger­ meister, Egling 2. Vorstand Geiger Walter, Maurerpolier, Deining Kassier Bauer Ludwig, Polizeibeamter, Egling Schriftführer Schiller Harald, Postbeamter, Egling 1. Beisitzer Pfarrer Franz Bierprigl, Egling 2. Beisitzer Bürgermeister u. Landwirt Thalhammer Balthasar, Egling 3. Beisitzer Förg Valentin, Hauserbauer, Egling 4. Beisitzer Förg Franziska, Daiserbäuerin, Detten­ hausen

Die 1. Vorstandschaft, v.l. Ludwig Bauer, Franziska Förg, Hans Oberhauser, Wal­ ter Geiger, Valentin Förg. H.l. Harald Schiller u. Balthasar Thalhammer.

1. Vorplattler Geiger Walter, Deining 2. Vorplattler Fleischmann Hans, Feinmechaniker, Eg­ ling Für die Richtigkeit: Franz Sappl, 1. Beisitzer Balthasar Thalhammer, Wahlvorstand August Mösbauer, Protokollführer Die weiteren Besetzungen werden einer späteren Ver­ sammlung vorbehalten. Dies war die Geburtsstunde des Eglinger Trachtenver­ eins. Über einen Namen ist man sich noch nicht einig. Über »Sebaldsleitner« kommt man letztlich in Abspra­ che mit dem bestehenden Schützenverein »St. Sebald« Egling auf den Namen GTEV »St. Sebald« Egling. Der HI. Sebald kommt somit abermals zu Ehren - möge er seine schützende Hand immer über »Seine« Vereine halten. Die Vorstandschaft des neuen Ortsvereins, wie sie am Abend der Gründungsversammlung, am 29.03.69 von den 77 anwesenden Gründungsmitgliedern gewählt wurde, ist links im Bild dargestellt. Im Besitz einer Ver­ einstracht (Werdenfelser Tracht, dem Wunsch Pfarrer

Pfarrer Bierprigl mit »seinen Ministrantenbuam« vor der St. Sebaldus-Kapelle in Egling.

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Bierprigls entsprechend) waren an diesem Abend von den Vorstandschaftsmitgliedern nur Hans Oberhauser und Walter Geiger und die nicht auf dem Foto anwe­ senden Vorstandsmitglieder, Pfarrer Bierprigl und Hans Fleischmann. Nicht unerwähnt soll die Tatsache bleiben, daß nicht alle von dem neuen Verein im Ort mit Begeisterung sprachen. Wenn im Ort selbst auch nur hinter vorgehal­ tener Hand und nur ganz vereinzelt, (mit dem Pfarrer wollte es sich ja keiner verderben) so konnte man von außerhalb schon manchmal Worte hören wie: »Was wollen denn die Eglinger«! »Der Verein wird sich nicht lang halten und dergleichen.

Georg Förg (Kreuzmoar), Marianne Lanzinger, Resi Linsinger, Valentin Förg (Hauser), Angelika Geiger, Franz Förg (Deiser), Anneliese Naderer, Johann Förg (Druckermüller), Anneliese Förg (Hauser), Albert Pi­ schulti. Auszug aus der Vereinschronik nach der Vereinsgrün­ dung 19.04.69 Volkstanzprobe des Loisachgaues im »Post­ saal« in Egling 24.04.69 Der Vereinsgründer, Pfarrer Bierprigl, stirbt 55jährig an Herzinfarkt. Fast 4000 Menschen geben

Freilich war es nicht leicht, mit den großen Traditions­ vereinen, die alle nahezu 50jährige Vereins- und Fest­ erfahrung hatten, die gewachsen war aus der Saat, die von den Eltern und Großeltern schon gesät worden war, mitzuhalten. Da war es gut zu wissen, daß man alte erfahrene Tracht­ ler fragen konnte, wenn man einen guten Rat brauchte. Aus der unmittelbaren Umgebung darf da der unver­ gessene »Sagler Sepp«, Josef Kastenmüller aus Öhn­ böck (»Wendlstoana« Thanning), Gründungsmitglied unseres jungen Vereins und später dann auch Martin Kastenmüller, der »Schnablschuster-Martl«, Max Wie­ denbauer, der »Hof-Max« (»Veiglbergler« Neufahrn) und ganz besonders Walter Geiger und seine Frau Ma­ ria, nicht vergessen werden. Der Grundstock bei der Vereinsgründung war nicht schlecht. Bei der Vereinsgründung waren 7 Dirndln in der Vereinstracht und 4 in der Halbtracht eingekleidet. Die 11 Buben dazu, war schon eine Gruppe, die sich se­ hen lassen konnte. Nachstehend die Buam und Deandln, die zur Zeit der Vereinsgründung schon »angezogen« waren: Andreas Prepsl, Georg Megele, Brigitte Kastenmüller, Hans Förg (Deiser), Ursula und Peter Förg (Drucker­ müller), Sieglinde Holz, Johann Aumüller, Barbara Lederer, Michael Schlosser, Hans Fleischmann, Rose­ marie Förg (Hauser), Jakob Westenrieder, Maier Inge, 324

ihm das letzte Geleit. Weihbischof Defregger hält die Grabrede. 21.09.69 Beim Jugendwertungsplatteln in Thanning nehmen 2 Gruppen teil. Eine erringt den 3. Platz, eine den 5. Platz. Bei den Dirndln über 12 Jahre holt Anne­ liese Förg den 1. Preis im Drehen. Bei den Buam über 12 Jahre macht Bertl Pischulti den 3. und Hansi Fleisch­ mann den 4. Platz. 12.10.69 Herbstgauversammlung in Antdorf. Unser Antrag auf Aufnahme in den Loisachgau wird ohne Gegenstimme befürwortet. 1969 im Laufe des Sommers kommt man überein, 1970 das Fest der Fahnenweihe zu feiern. 1969 Michael Thalhammer, Egling, fertigt u. stiftet dem Verein eine sehr schöne »Sparbüchse« in Form ei­ ner Almhütte. Der Kamin ist der Geldeinwurf. Bei un­ seren Veranstaltungen im Ort wird die Hütte rumge­ reicht. Das eingeworfene Geld ist mit Grundlage für die Fahnenbeschaffung. 15.11.69 1. Heimatabend unseres Vereins mit schönem Programm und gutem Besuch. 12.12.69 Außerordentliche Mitgliederversammlung. Wahl des Patenvereins für die Fahnenweihe, Wahl der Fahnenmutter, der Fahnenbraut u. der Festjung­ frauen. Patenverein werden die »Veiglbergler« Neu­ fahrn. 28.06.70 Fest der Fahnenweihe in Egling. Voraus die Festmusikkapelle Deining, mit 1600 Trachtlern aus dem Loisachgau, Oberlandlergau, Isargau, Altbay­ risch-Schwäbischer Gauverband, 35 Trachtenvereine, 11 Musikkapellen. Patenverein sind die »Veiglbergler« Neufahrn, Fahnenmutter ist Maria Neumeier, Egling. Fahnenbraut Inge Maier, Dettenhausen. Schirmherr­ schaft hatte 1. Bürgermeister Balthasar Thalhammer. Den Festgottesdienst hielt in Konzelebration mit Pater Leo vom Kloster Schäftlarn, Pfarrer Josef Hochreiter. Die Fahne kostete nahezu DM 5.000.--

Fahnenweihe in Egling, Fahnenjunker u. 1. Fähnrich Josef Kastenmüller mit der geweihten Vereinsfahne.

23.08.70 60. Gründungsfest des Heimat- und Volks­ trachtenvereins Gersthofen bei Augsburg. (Der 1. Vor­ stand des festgebenden Vereins, Josef Förg, ist ein ge-


Gruppenaufnahme des Vereins 1970 nach der Fahnenweihe.

Gruppenaufnahme des Vereins 1970 nach der Fahnenweihe.

Der Trommler- u. Fanfarenzug unter Leitung von Walter Geiger. GegrĂźndet 1971, Aufnahme 1974.

Kinder- u. Jugendgruppe (Strohpreisplattln am 23. 10. 81 in Egling)

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bürtiger Eglinger aus dem Druckermülleranwesen). Die Teilnahme war Ehrensache. Unser Verein erhielt den Meistpreis außer Gau. 28.05.72 Der Trachtenverein »St. Sebald« Egling war mit der Ausrichtung eines Gaujugendnachmittags in Egling betraut. 10 Loisachgauvereine waren nach Eg­ ling gekommen. 23.10.81 Strohpreisplatteln des Vereins. Preisrichter waren: Sepp Floßmann, »Wendlstoana« Thanning, Martin Sablowski, »Alpenblick« Berg-Eurasburg u. Richard Händl, »Veiglbergler« Neufahrn. 25.10.81 Herbstgauversammlung des Loisachgaues im Gasthaus »Post« in Egling (1. Gauversammlung in Eg­ ling). 01.07.84 15. Gründungsfest unseres Vereins in Egling. Teilnehmende Vereine waren alle Trachtenvereine aus dem Gemeindebereich (Thanning, Harmating, Dei­ ning, Neufahrn, sowie die Eglinger Ortsvereine. Den Festgottesdienst zelebrierte am Hang neben der St. Se­ baldus-Kapelle Kaplan Andreas M. Zach von St. Mi­ chael in Berg-am-Laim (München). Festmusik war die Blaskapelle Degerndorf. Vereinsvorstände des GTEV »St. Sebald« Egling Die 1. Vorstände seit der Gründung des Vereins: 1969 - 1987 Oberhauser Hans sen. 1987 - Pischulti Bertl Die 2. Vorstände seit der Vereinsgründung: 1969 - 1972 Geiger Walter, Deining 1972 - Bail Fritz, Egling Ehrenmitglied des Vereins: Johanna Kiefer Am 10.04.87 wurde in der Jahresversammlung Bertl Pi­ schulti zum 1. Vorstand gewählt, nachdem Hans Ober­ hauser sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. Der neue 1. Vorstand ist aus den Ministrantenbuben des Vereins­ gründers Pfarrer Bierprigl »herangewachsen« und war von 1984 - 1987 1. Vorplattler des Vereins. Hans Oberhauser sen. wurde beim Trachtenball am 23. Mai 1987 im Gasthaus »Post« in Egling nach 18jähriger Tätigkeit zum Ehrenvorstand ernannt. Die jetzige Vorstandschaft: (Stand 23. Mai 1987) 326

Vereinsaufnahme nach der Fronleichnamsprozession 1984 1. Vorstand Bertl Pischulti, Egling; 2. Vorstand Fritz Bail, Egling; 1. Kassier Walter Lederer, Egling; 1. Schriftführer Ludwig Bauer, Egling; 1. Vorplattler Ro­ bert Werner, Egling; 1. Fahnenträger Max Wieden­ bauer jun., Egling; Jugendvertreter Alexander Kühnl, Egling. Die seit der Vereinsgründung 1969 verstorbenen Mit­ glieder des Trachtenvereins »St. Sebald« Egling: Bierprigl Franz S., Pfarrer und Vereinsgründer, gest. 1969; Mösbauer Maria, gest. 1971; Megele Georg, 1971; Mösbauer August, 1971; Büttner Rudolf, 1972; Kastenmüller Josef (Sagler-Sepp), 1972; Rogalla Her­ mann, 1973; Wedel Gustav, 1974; Förg Valentin

(Hauserbauer), 1977; Thalhammer Balthasar, 1978; Kastenmüller Martin (Schnablschuster), 1978; Nade­ rer Juliane, 1978; Hertel Eva, 1978; Schilcher Josef, 1979; Fleischmann Katharina, 1980; Springer Georg, 1980; Naderer Michael, 1981; Seidl Christoph, 1982; Heinrich Centa, 1983; Westenrieder Josef, 1984; Förg Martin (Moarbauer), 1984; Bäumler Josef, 1984; Ka­ stenmüller Johann (Mesner), 1986; Förg Maria (Hau­ serbäuerin), 1986; Hartig Josef, 1987; Grasmüller Ge­ org, 1987; Westenrieder Marianne, 1987; Ott Andreas, 1987; Büttner Albert, 1988; Heinrich Karl, 1988; Bäumler Therese, 1988; Hanfstingl Sebastian, 1988.


Die Seniorenplattler 1984

Der alte und der neue 1. Vorstand; v.l. Hans Oberhauser, BĂźrgermeister Manfred Nagler und Bertl Pischulti.

Schalkfrauen des Vereins nach der Fronleichnamsprozession 1984.

Die neue Vorstandschaft nach der Wahl 1987.

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Ortsgeschichte von Egling Als zentraler Ort am Schnittpunkt der Straßen Mün­ chen - Bad Tölz'.- Wolfratshausen - Sauerlach (Staats­ straßen 2070 und 2072), liegt Egling knapp 30 km süd­ lich der Landeshauptstadt München und ist Sitz der Ge­ meindeverwaltung. Seit der gebietsreformbedingten Zusammenlegung der früheren Gemeinden Thanning, Moosham, Endlhausen, Ergertshausen, Neufahrn, Deining und Egling ist Manfred Nagler, Thanning, eh­ renamtlicher 1. Bürgermeister der jetzigen Gemeinde Egling. Der Ort Egling mit Dettenhausen hat rund 800 Einwohner. Der Ort und die Landschaft ringsum sind zwar noch weitgehend durch die Landwirtschaft geprägt, die Bau­ tätigkeit der vergangenen 25 Jahre hat aber auch in Eg­ ling das alte Ortsbild etwas verändert. Wälder, Wiesen, Hügel, Tümpel, Moore, Streuwiesen, kleine Fischtei-

ehe und Bäche verleihen der Ortsflur jedoch ihren eige­ nen Reiz. Geschichte, Brauchtum, Sport und viele andere Inter­ essensgebiete, werden von mehreren Traditionsverei­ nen im Ort gepflegt und in Ehren gehalten. Ausbildungs- und Ausrüstungsstand der Ortsfeuer­ wehr sind vorbildlich und erfüllen die Anforderungen einer bei Brand- und Unglücksfällen auch über das Ge­ meindegebiet hinaus zum Einsatz kommenden Stütz­ punktwehr. Die 1973 in Egling erbaute Grund- und Teilhauptschule gewährleistet optimale Unterrichtsbedingungen für Lehrkräfte wie für Kinder. Ortsgeschichte Die ältere Vergangenheit des Ortes Egling war größ­ tenteils verbunden mit den wechselhaften Geschicken und Geschehnissen des Klosters Tegernsee und dem Einfluß des ansässigen Geschlechts der Edelfreien Eglinger. Hauptgrundherrschaft im Ort war, wie auch in vielen anderen Orten im Oberland, das mächtige

Egling, Ortsdurchfahrt, im Hintergrund Pfarrkirche St. Martin.

Kloster Tegernsee. Schon um 800 stand in Egling eine der ältesten bajuwarischen Martinskirchen des Klosters Tegernsee: die Taufkirche St. Martin. Um 740 hat wohl der Hl. Sebald in der Gegend gepredigt. In der Prähi­ storischen Staatssammlung zu München sehen wir Per­ len und Glasschmelz, Kurz- und Langschwerter, Ohr­ ringe, Gürtelspangen und Tongefäße, die aus bajuwari­ schen Reihengräbern bei Egling stammen, aus einer Zeit also, die etwa 13 - 14 Jahrhunderte zurückliegt. Auf eine jedoch noch wesentlich frühere Besiedelung weist eine ehemals vorhandene Viereckschanze aus der Keltenzeit ca. 800 Meter westlich von Dettenhausen hin. Der Ortsname Egling wird von Agilo, Agiloingen, im 8. Jahrhundert Egilinga, abgeleitet. Der Ort ist die Heimstätte der Nachkommen des Egil. So lautet die Deutung von Friedrich Schnell in seiner Abhandlung über Ortsnamen aus dem Landkreis Wolfratshausen von 1962. Im 11. Jahrhundert herrscht in Egling das be­ deutende Geschlecht der Eglinger. Ihr Einfluß ist weit

Wallfahrtskirche St. Sebald 329


über den Ort hinaus festzustellen. Abt Ellinger, ein Ed­ ler von Egling, stellt 1032 das Stift Benediktbeuern wie­ der her. 1273 ist ein Konrad Eglinger als Schenk zu Te­ gernsee genannt. Das Schenkamt befindet sich im übri­ gen schon im Jahre 1095 in den Händen eines Heinrich Eglinger. Von 1294 - 1396 werden die Eglinger als Burg- und Hofmarksherren von Hohenburg bei Lengg­ ries beschrieben. Von 1420 - 1479 besaßen die Eglinger Schloß Harmating. Die jetzige St. Martinskirche im Ortsmittelpunkt ist ein einfacher Barockbau aus dem 17. Jahrhundert mit hübschen Altären und einem Kreuzweg aus der gleichen Epoche. An der linken Seite des Einganges zur Pfarrkirche erinnert ein verwitterter Grabstein an einen Edlen Sebald Eglinger, der am Frei­ tag vor dem St. Veits-Tag 1472 gestorben ist. Mit Leon­ hard, dem Letzten seines Namens - er starb bald nach 1511 - erlosch das altbayerische Uradelsgeschlecht der Eglinger. Die Wallfahrtskirche St. Sebald wird in Urkunden be­ reits im Jahre 1461 und 1512 erwähnt. In der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts erstand in Egling eine spätgotische Sebaldskapelle aus Mauerwerk. Ein kleineres Mauerwerk oder Holzbauwerk dürfte vorher schon vorhanden gewesen sein. Es liegt die Vermutung nahe, daß die Erstellung des größeren Steinbauwerks in Zusammenhang mit der Heiligsprechung Sebalds 1425 durch Papst Martin V. steht. Aus Urkunden geht hervor, daß 1461 die Edlen Eglinger die nahe Mühle, einst »Holzmühle« genannt, besaßen. Wegen der Nähe der Kapelle wurde die Mühle dann »Mühle bei St. Se­ wald« erwähnt. Das Wallfahrtsleben bei St. Sebald dürfte in der Zeit der Gegenreformation, nach 1600 aufgeblüht sein. Damals gelangte wahrscheinlich die 43 cm hohe, um die Zeit der Benefiziumsstiftung (1512) entstandene Figur des hl. Sebald immer mehr zu beson­ derer Verehrung. Sie wurde letztlich das Gnadenbild einer durch 3 Jahrhunderte währenden Wallfahrt. Nach 1675 wurden die beiden Sakristeien mit Emporen darüber angebaut. Zahlreiche Votivtafeln, Votivgaben (Krücken, hölzerne Füße, Kreuze, Hufeisen u.a.) 330

zeugten von Anliegen, die dem hl. Sebald bei Krank­ heiten und Unfällen von Mensch und Tier vorgebracht wurden. Angeführt sei noch, wie aus einem Protokoll des Chur­ fürstlichen Geistlichen Rates in München vom 23. Au­ gust 1673 hervorgeht, daß ein Simon Neißl, Weber­ knapp von Ätti (Attel am Inn) ein Bittgesuch gestellt hat, wonach er als Klausner bei St. Sebald aufgenom­ men werden möchte. Das Bittgesuch wurde weiterge­ leitet an das Gericht Wolfratshausen, mit dem Auftrag und Bericht, wo der Bittsteller das Almosen zu seinem Unterhalt sammeln könne. Aus der beabsichtigten Klausnerei wurde es offenbar nichts, da schriftliche Hinweise diesbezüglich fehlen. Das 19. Jahrhundert begann für die Sebaldswallfahrt mit sehr nachteiligen Ereignissen. Mit der Säkularisa­ tion 1803 erfolgte die Aufhebung des Prämonstraten­ serstiftes Schäftlarn, dem seit 1520 die Betreuung von St. Sebald oblag. 1804 schreibt der Churfürstliche Landrichter Bayrhammer in einem Bericht über die Pfarrei Deining, (Egling gehörte bis Anfang der fünfzi­ ger Jahre, genau bis 1953 zur Pfarrei Deining) daß die Sebaldskirche »als überflüssige Kirchen« angesehen werden könne. Die Kirche solle »demoliert«, abgebro­ chen werden. Als Termin für den Abbruch des Daches war Freitag, der 16. Oktober 1805 festgelegt. Wie es heißt, »hat der Maurermeister mit seinen Gesellen den Auftrag schon erhalten«. Durch den Einsatz verschie­ dener geistlicher Herren, die in München Einfluß hat­ ten, konnte letztendlich der drohende Abbruch von St. Sebald verhindert werden. Schauen wir nochmals zurück in unserem ortsge­ schichtlichen Streifzug. Auch von kriegerischen Hand­ lungen ist zu berichten. Im Dreißigjährigen Krieg ka­ men die Schweden nach Egling. 1632 wurde von Tölzer Bürgern und Bauern der Umgebung südlich von He- . chenberg, bei Habichau, ein schwedischer Geldtrans­ port überfallen. Die Schweden rächten sich, indem sie die ganze Gegend mit Rauben, Morden und Brennen in Angst und Schrecken versetzten. Auch die beiden

Eglinger Kirchen, St. Martin und St. Sebald, wurden ausgeplündert. Weiterhin wird berichtet, daß sich die Eglinger Männer in der Sendlinger Bauernschlacht (Mordweihnacht) tapfer schlugen. Während des Öster­ reichischen Erbfolgekrieges (1740-48) hatten Hohen­ zollerische Dragoner in Egling Quartier bezogen. Auch in der Zeit der Napoleonischen Kriege mußte Egling unter dauernder Einquartierung leiden und zusätzlich eine hohe Steuerlast tragen. An 2 Opfer des deutsch­ französischen Krieges 1870/71 erinnert eine alte Ge­ denktafel am Kircheneingang von St. Martin. 1910 wird von einer Brandkatastrophe im Ort berich­ tet. Bis auf die Grundmauern brennen 2 Höfe am Be­ ginn der heutigen Tölzer Straße ab. Die Hausnamen dieser Anwesen waren »Strobl« und »Rousler«. Der »Rousler« baute auf den übriggebliebenen Mauerwer­ ken wieder notdürftig auf, wurde jedoch in späteren Jahren abgerissen. Der Stroblhof wurde noch im glei­ chen Jahr knapp 200 Meter weiter südlich, rechts der jetzigen Tölzer Straße, wieder aufgebaut. Es ist das jet­ zige stattliche Anwesen des Stroblbauern Balthasar Thalhammer. Die beiden Weltkriege 1914-18 und 1939-45 haben wie überall, auch in Egling durch zahlreiche Vermißte und Gefallene unsagbares Leid über viele Familien ge­ bracht. Den Feuerschutz, so wird berichtet, hielten in dieser schweren Zeit einige altersschwache Veteranen, kriegsverletzte Heimaturlauber und die Frauen auf­ recht. 1943 wurde Franz Seraph Bierprigl Kuratbenefiziat von Ergertshausen. Egling, Neufahrn, Sachsenhausen und Puppling gehören ebenfalls zu seinem Wirkungsbe­ reich und sind Bestandteil der Pfarrei Deining. Erst 1953 wird Egling mit den vorher genannten Orten selb­ ständige Pfarrei und Kuratbenefiziat Bierpriegl wird der erste Pfarrer der neuen Pfarrei Egling. Verfasser: Ludwig Bauer


Vereinsgeschichte des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins » D'Lüßbachtaler« Höhenrain Die Wiedergründung des GTEV »Würmseelust« Hö­ henrain (jetzt: »D'Lüßbachtaler«) am 6. März 1982 ist auch darauf zurückzuführen, daß einige heimatverbun­ dene Menschen bereits im Jahre 1920 in Höhenrain ei­ nen Trachtenverein gegründet hatten. So ist durch alte Fotografien und aus Erzählungen damaliger Mitglieder überliefert, daß der Gründer und spätere 1. Vorstand des Vereins »Würmseelust« Höhenrain, Sepp Eisgru­ ber, Mitglied des Wolfratshauser Trachtenvereins »Die lustigen Wendlstoana« war. Vermutlich war den Trachtlem aus Höhenrain dann der weite Weg zu Platt­ lerproben und Vereinstreffen zu beschwerlich (man mußte ja zu Fuß gehen), jedenfalls gründeten sie am 25. Sept. 1920 einen eigenen Trachtenverein. Die erste Vorstandschaft bestand aus: Vorstand Eisgruber Sepp Kassier Nachtmann Jakob

Revisor Moser Sepp Schriftführer Kerschl Ruppert Vorplattler Lindermayer Paul Vereinsmusiker Eisgruber Hans Nennen wollte sich der Verein »Die grüabigen Mös­ ler«, dieser Name wurde jedoch vom Gau in Penzberg nicht anerkannt, so daß der Verein einen anderen Na­ men erhalten mußte. Dabei standen zur Wahl »Würm­ seelust« Höhenrain oder »Lüßbachtaler« Höhenrain. Entschieden haben sich die Mitglieder für »Würmsee­ lust«. Das Vereinslokal war das Gasthaus in Biberkor. In dem noch vorhandenen alten Protokollbuch ist fest. gehalten, daß am 6. Aug. 1922 eine Standarte um 10.000 Mark gekauft wurde; die Weihe der Standarte fand noch im gleichen Jahr statt. Zu dieser Zeit zählte der Verein ca. 40 Mitglieder.

Gruppenbild des Trachtenvereins »Würmseelust« Höhenrain

Infolge der damaligen schwierigen Wirtschaftslage trat der Verein Ende 1927 aus dem Loisachgau aus. Aus den Protokollen geht aber hervor, daß der Verein wei­ terhin aktiv war, bis er sich 1934 endgültig auflöste. Nach langwieriger Vorarbeit einiger Idealisten konnte nun im Jahr 1982 wieder ein Trachtenverein in Höhen­ rain gegründet werden. Einen entscheidenden Beitrag dazu leistete Peter Mock, der schon vor der Vereins­ gründung mit einer Jugendgruppe von 6 Paaren Schuh­ plattler und Volkstänze eingeübt hatte. Diese Kinder und Jugendlieben waren der Grundstock für die inzwischen zahlreiche und sehr aktive Trachten­ jugend: Diehl Manfred, 9 Jahre, Höhenrain Eisermann Christian, 11 J., Höhenrain Huber Gertraud, 14 J., Attenhausen Kletzenbauer Monika, 11 J., Dorfen Kletzenbauer Stefan, 10 J., Dorfen Krauter Markus, 11 J., Dorfen Leitner Franz, 10 J., Höhenrain Leitner Martina, 9 J., Höhenrain Loth Irmi, 9 J., Dorfen

Jugendgruppe der »Lüßbachtaler« 331


Loth Uschi, 13 J., Dorfen Singer Sepp, 14 J., Dorfen Wacker Birgit, 10 J., Höhenrain Um die bevorstehende Vereins-Wiedergründung der Bevölkerung bekannt zu machen, wurde trotz Fa­ schingssaison im Februar 1982 zu einem Volksmusik­ abend nach Höhenrain eingeladen. Diese Veranstal­ tung war ein voller Erfolg. Bis zur Gründungsversammlung am 6. März 1982 konnten 196 aktive und passive Mitglieder für den Ver­ ein gewonnen werden, darunter einige Trachtler, die bereits beim alten Verein aktiv waren (Moser Sepp, Buchner Martin, Buchner Sepp, Buchner Hanni, Eis­ gruber Anna, Wagner Therese, Haberl Maria).

Vorderseite der Standarte des Vereins »Würmseelust«

Rückseite der Standarte des Vereins »Würmseelust« 332

Die Gründungsversammlung wurde geleitet von Gau­ vorstand Sepp Mayer, seine Beisitzer waren 2. Gaukas­ sier Paul Rieger und Revisor Sepp Floßmann. Als 1. Vorstandschaft wurde gewählt: 1. Vorstand Sepp Märkl 2. Vorstand Peter Mock 1. Kassier Sepp Feichtmair 2. Kassier Thomas Märkl 1. Schriftführer Toni Nachtmann 2. Schriftführer Angelika Brandl 1. Vorplattler Hannes Oberrieder 2. Vorplattler Franz Ruhdorfer Jugendvertreter Peter Mock Gleichzeitig wurde durch einstimmigen Beschluß der Vereinsname von »Würmseelust« in »D'Lüßbachtaler« Höhenrain umbenannt. Außerdem schloß sich die 1980 gegründete »Lüßbacher Blasmusik« dem Verein an. Das erste große Ereignis im Vereinsleben war die Teil­ nahme an der 60-Jahr-Feier des GTEV »Almrösl« Schäftlarn im Juli 1982. 110 Mitglieder sowie die Mu­ sikkapelle stellten sich bei der Gelegenheit dem Gau­ verband vor. Der Antrag zur Aufnahme in den Loi­ sachgau wurde anläßlich des Gaufestes 1982 in Deining gestellt, die offizielle Aufnahme erfolgte bei der Herbstversammlung des Gauverbandes in Antdorf. Genau 1 Jahr nach Vereinsgründung, nämlich am 6. März 1983, konnte nach einem festlichen Gottesdienst

Vorderseite der neuen Fahne

Rückseite der neuen Fahne


ein Feldkreuz eingeweiht werden. Verschiedene Ver­ einsmitglieder hatten unter Anleitung von Sepp Feicht­ mair das schöne eichene Kreuz gefertigt. Die handge­ schnitzte Christusfigur wurde von Lenz Friedrich ge­ stiftet. Beim Gau-Wertungsplatteln am 5. Juni 1983 in Sees­ haupt konnte die von Peter Mock hervorragend ge­ führte Jugendgruppe bei ihrem ersten Auftreten den 1. Platz erreichen. Schon am 26. Juni 1983 wurde die neue Fahne des Ver­ eins geweiht. Die Vorderseite der Fahne zeigt zwei Kinder unter ei­ nem Muttergottesbild, im Hintergrund die Dorfkirche. Die Rückseite der Fahne ziert ein Trachtlerpaar, dieses Motiv wurde originalgetreu von der alten Standarte übernommen. Die ehrenvolle Aufgabe der Fahnenmutter übernahm Elisabeth Friedrich, die der Fahnenbraut Martha Feichtmair. Als Fahnenjungfrauen begleiteten die neue Fahne: Angelika Brandl, Hildegard Feichtmair, Marlene Friedinger, Manuela Geigenfeind, Monika Mock, Rosa Nachtmann, Ursula Nachtmann, Chri-

stiane Schwarz, Claudia Rauscher, Silvia Weinhart und Helga Zehetmair. Die Patenschaft bei der Fahnenweihe übernahm der Verein »Isarlust« Irschenhausen. Beim Jahrhundert­ fest am 3. Juli 1983 in München begleitete die Fahne zum ersten Mal den Verein. Als Dank und Anerkennung für besondere Verdienste um den Trachtenverein wurden am 17. März 1985 Eli­ sabeth und Lenz Friedrich offiziell als Ehrenmitglieder aufgenommen. Beim Gau-Wertungsplatteln am 28. April 1985 konn­ ten die Jugendgruppen der »Lüßbachtaler« den 3., 9., 13. und 20. Platz erreichen. Im August 1985 kamen Vorstandschaft und zahlreiche Vereinsmitglieder der »Werdenfelser« München nach Höhenrain, um den alten Brauch des Patenbittens wie­ der aufleben zu lassen. Die »Werdenfelser« München hatten nämlich bei den »Lüßbachtalern« angefragt, ob sie die Patenschaft bei der Fahnenweihe im Juni 1986 übernehmen würden. Dieser Antrag wurde gerne an­ genommen; denn für den jungen Trachtenverein war es eine Ehre, schon als Patenverein auftreten zu können.

Unsere Heimatgemeinde Berg gedachte mit einer Ge­ denksteinlegung am 14. Juni 1986 des 100. Todestages von König Ludwig II. Dabei wurde in Berg ein Brun­ nen eingeweiht, der an die bayerischen Monarchen Ludwig I., Maximilian und Ludwig II. erinnert. An die­ ser Feierstunde nahmen auch die »Lüßbachtaler« teil. Am nächsten Tag nahm der Verein am feierlichen Ge­ denkgottesdienst für König Ludwig II. bei der Votivka­ pelle am Starnberger See teil, der u.a. von unserer Lüß­ bacher Blasmusik umrahmt wurde. Es war für den Ver­ ein ein großes Ereignis, da diese Feier mit anschließen­ dem Festzug durch das Fernsehen einem großen Publi­ kum zugänglich gemacht wurde. Ein erstes Vereinspreisplatteln für die Kinder und Ju­ gendlichen wurde am 15. März 1987 durchgeführt. Da­ bei konnten 33 Buam und Madln ihr Können unter Be­ weis stellen. Für die drei Ersten jeder Gruppe gab es Pokale, alle anderen Teilnehmer erhielten Sachpreise. Auch bei der dritten Teilnahme an einem Gau-Wer­ tungsplatteln im Mai 1987 konnten ein 2., 5., 9.. 10. und 12. Platz erreicht werden.

Fahnenweihe 333


In den 6 Jahren, die der Trachtenverein »D'Lüßbachta­ ler« jetzt besteht, haben sich außerdem eine Theater­ gruppe und eine Volksmusikgruppe zusammengefun­ den. Die Mädchen treten als »Höhenrainer Saitnmusi« auf und sind über die Grenzen Höhenrains hinaus gern gesehene Gäste bei Volksmusikveranstaltungen. Fer­ ner gab es neben regelmäßigen Plattlerproben zahlrei­ che Veranstaltungen wie Lüßbachfeste, Trachtenbälle, Tanzrundfahrten auf dem Starnberger See, Vereins­ ausflüge, Film- und Diavorträge, Weihnachtsfeiern Hoagascht und anderes mehr. Auch die Veranstaltun­ gen des Gauverbandes und anderer Vereine wurden fleißig besucht.

Fahnenmutter Elisabeth Friedrich

334

Zur Zeit besteht der Verein aus 245 Mitgliedern ein­ schließlich der Lüßbacher Blasmusik. Die derzeitige Vorstandschaft: 1. Vorstand Hermann Reichart 2. Vorstand Sepp Oberrieder 1. Kassier Hubert Fersch 2. Kassier Sepp Feichtmair

Fahnenbraut Martha Feichtmair

l. Vorplattler Hannes Oberrieder 2. Vorplattler Franz Ruhdorfer 1. Schriftführer Angelika Brandl 2. Schriftführer Ursula Mock Jugendvertreter Peter Mock Fähnrich Franz Ruhdorfer Verfasser Hermann Reichart


335


Ortsgeschichte von Höhenrain

Nordwestlich von Wolfratshausen auf einem Moränen­ höhenzug liegt die Ortschaft Höhenrain. In der Nähe, auf dem Weg nach Münsing, liegen Hügelgräber, die auf die Hallstatt- oder Latenezeit um 1200 bis 800 v. Chr. zurückgehen. Es handelt sich dabei um eines der ausgedehntesten Gräberfelder in Oberbayern; auch wurde aus der Hallstattzeit ein Bronzemesser hier ge­ funden. Der Name Höhenrain ist von Houhenraine = am ho­ hen Rain abzuleiten. In die Geschichte tritt Höhenrain mit dem Jahr 806 n.Chr. ein. In dieser Urkunde wird es als eine Bajuwarengründung bezeichnet, und es wird in diesem Zusammenhang von Stiftungen an Kloster Schäftlarn gesprochen. Um 1157 treten Edle von Hö­ henrain auf. Im 12. Jahrhundert gab es hier Besitzun­ gen des Grafen von Andechs. Das Jahr 1251 erzählt vom Ankauf einer Verwaltung in Höhenrain für Klo­ ster Dießen. Außerdem wird der Ort im 12. Jahrhun­ dert im Zusammenhang (Tausch, Stiftung, Schenkung, Kauf) mit den Klöstern Andechs, Benediktbeuern und Tegernsee genannt und urkundlich bezeugt. Im 15. Jahrhundert taucht selbst der Name des Klosters Pol­ ling in der Ortsgeschichte auf. Im Jahre 1497 kamen 3 Güter an das Kloster Beuerberg. Während des 30jähri­ gen Krieges fielen die Schweden ein, und eine Pest brach aus.

Alte Kirche 336

Im Jahre 1080 erscheint »Piberchar« (heute der Ortsteil Biberkor) als Eigentum des Eberhardus. In der Pfarr­ beschreibung von Aufkirchen ist zu lesen: »Das 8. Fi­ liall heißt Piberkha und ist in den Herrn Jörg Gaishou­ ers Burgers zu München Verwaltung«. Die Familie Gaishofers war bereits im 15. Jahrhundert von Lands­ hut nach München gekommen. Hier wurde Georg Gaishofer dann Bürgermeister. 1585 wird in der Chro­ nik Höhenrains von einem Bürgermeister erzählt, der den Ort verwaltet. Nach seinem Tode 1594 trat sein Sohn Hans das Erbe in Biberkor an, das er mit seinem Bruder Jakob verwaltete. Im Salbuch vom Jahr 1631 finden wir den Eintrag: Zu Byberkhor hat es auch vor disem ein Herrenhauß gehabt, so iezt der Pfarrhof zu Aufkhürchen ist. Nachweislich war bis zum Jahr 1677 der Pfarrhof von Aufkirchen hier. Das Ökonomiegut gehörte im 17./18. Jahrhundert zunächst den Hör­ warth, dann den Grafen Rambaldi. Es wurde eigene Hofmark. Heute noch befindet sich dort ein Gut. Die alte Ortskirche von Höhenrain erstand wahr­ scheinlich aus einer Kapelle, die zur Verdrängung des germanischen Sonnenkultes erbaut worden war. Die neue Kirche des Ortes wurde erst 1950 eingeweiht. Bereits im Jahre 1866 wurde in Höhenrain eine Volks­ schule errichtet und 1867 der Lehrer Franz Heckl an die einklassige Schule berufen. 1912 erstellte man ein neues Schulhaus mit 2 Lehrsälen. Von 1913 bis 1935

Neue Kirche

wurde die Schule abwechselnd nach Bedarf einklassig oder zweiklassig geführt. Im Jahre 1961 wurde ein Er­ weiterungsbau geschaffen, gleichzeitig erhielt die Ge­ meinde ein eigenes Gebäude an der Münsinger Straße, das heute Wohnungen und Geschäftsräume beher­ bergt. Das ehemalige Schulhaus dient heute als Kinder­ garten, die übrigen freistehenden Räume werden den Vereinen für Jugendarbeit, Chorgesang, Musikunter­ richt usw. zur Verfügung gestellt. Als politische Gemeinde bestand Höhenrain vom 1. Jan. 1876 bis 31. Dez. 1974. Bis zur Bildung der Großgemeinde Berg am 1.1.1975 im Zuge der Gemeindegebietsreform war Höhenrain 99 Jahre selbständige Gemeinde, deren Ortsteile aber in zwei Gebiete, nämlich das Seegebiet (Ober- und Un­ terallmannshausen, Assenhausen mit Rottmannshöhe, Sibichhausen mit Maxhöhe, Assenbuch und Seeleiten) und die sog. Landseite Höhenrain (Höhenrain-Dorf, Biberkor, Bachhauserfilz mit Ober- und Unterfilz und Bachhauserwies) geteilt war. Bis 30.6.1972 gehörte die Gemeinde dem Landkreis Wolfratshausen an, ab 1.7.1972 dem Landkreis Starn­ berg. Quellenangabe: aus »Der Landkreis Wolfratshausen« v. Heimatbuch­ verlag H. Aigner, München


Zensur in Worten zur Charakteristik des Schülers:

JosefVogl in Neufahrn Bevor Josef Vogl mit einigen Trachtenkameraden 1883 in Bayrischzell den 1. Trachtenverein gründete, wirkte Vogl schon 3 Jahre von 1876 bis 1879 als Lehrer in Neu­ fahrn (jetzt Gemeinde Egling). Zum 100. Todestag von Josef Vogl wurde im Jahre 1986 sein Leben aufgezeich­ net und festgehalten.

Fähigkeiten, dann Fleiß und Betragen in und außer der Schule Gründe für eine schlechte Sittennote.

Über einen 15jährigen Feiertagsschüler: Der häusliche Zwist, der a) gering b) genügend fast stets in Familien c) genügend herrscht, kann niemals wünschenswert fruchtend auf diesen Burschen ein­ wirken.

.Geburts- und Kinderjahre in Emmering Man schrieb das Jahr 1848, es regierte König Maximi­ lian II. in unserem Land. Als am 22. August 1848 im Lehrerhaus in Emmering der jüngste Sohn von Anton und Walburga Vogl auf die Welt kam, waren bereits 2 Buben und 2 Mädchen in der Lehrerfamilie. Das Ge­ burtshaus steht heute noch und wird jetzt als privates Wohngebäude genutzt. Der Vater Anton Vogl, gebo­ ren 1805, war ab 1843 Lehrer in Emmering bei Ebers­ berg, er führte auch zugleich den Mesnerdienst in der Emmeringer Pfarrkirche aus. Zudem hatte die Familie eine Kramerei mit einer Branntweinschenke. Die Wohnverhältnisse waren nicht gut, Heu und Stroh wa­ ren oberhalb des Schulzimmers untergebracht, das war früher keine Seltenheit. Laut eines Schreibens vom 1. 2. 1850 vom dortigen Pfarrer Hager wäre eine Reno­ vierung dringend notwendig gewesen, diese wurde aber erst 1856 durchgeführt. Mit 10 Jahren wurde Josef in der Kreisstadt Ebersberg von Erzbischof Gregorius der Diözese München-Freising gefirmt. Als Firmpate wird der Ökonom Fischer aus Ebersberg genannt. Nach der Schulzeit in Emmering besuchte Vogl bis 1868 die Pä­ parandenschule in Rosenheim und bis 1870 das Lehrer­ seminar in Freising. So wurde er wie sein Vater, seine Brüder Bonifaz und Ludwig ein Schullehrer. Im Perso­ nalakt heißt es: Ohne Vermögen, ist groß, schlank und von nicht zu fester Konstitution; bei den Charakterei­ genschaften: Ist sehr anständig und bescheiden, von sanftem, ruhigem Charakter, »echt religiös« und mu­ sterhaft sittlich. Seine ersten Dienststellen waren von September bis November 1870 in Grafing, eine Woche in Hohenlinden und dann bis 1876 wieder in Grafing.

Bemerkungen über besondere gute oder schlechte Eigenschaften Vergehen, körperliche Gebrechen.

Über einen 16jährigen Feiertagsschüler: a) gering Ist auch schon zu sehr b) gering dem Spiele und dem c) nicht lobenswürdig Wirtshaus ergeben.

Lehrer Joseph Vogl Aus dem Königlichen Bayrischen Kreisamtsblatt von Oberbayern aus dem Jahr 1876 geht hervor, daß dem Schulgehilfen Josef Vogl in Grafing (Bezirksamt Ebersberg) der Schul- und Kirchendienst am 29. Januar 1876 nach Neufahrn r. d. I. übertragen wurde. Aus Zensurbüchern der Schule Neufahrn kann man im Jahre 1877 entnehmen, daß Lehrer Vogl 66 Werktags­ und 34 Feiertagsschüler unterrichtete. Religionslehrer war Pfarrer Ignatz Riedle. Am 16. Mai 1877 führte Lokalschulinspektor Hoch­ würden Herr Ignatz Riedle die öffentliche Schulprü­ fung in der Feiertagsschule Neufahrn durch. Noten wurden für sittliches Betragen, Fleiß, Religion und bi­ blische Geschichte, Lesen, Schönschreiben, Recht­ schreiben, Aufsätze, mündliches Rechnen, schriftli­ ches Rechnen und nützliche Kenntnisse vergeben.

Über einen 16jährigen Feiertagsschüler: a) hinlänglich Verdient die elterliche Erziehung alles Lob, tritt b) groß c) lobenswürdig, aber jedoch der Hang zum manchmal tadelhaft Wirtshausbesuch stark hervor. Über eine 15jährige Feiertagsschülerin: a) viele Wirkt die häusliche b) groß Erziehung wohltuend auf das jugendliche Gemüt. c) sehr lobenswürdig Noch weitere Bemerkungen von Schullehrer Josef Vogl: Über eine 15jährige Feiertagsschülerin: War sehr brav, aber schlechte Beispiele verderben gute Sitten. Über einen 15jährigen Feiertagsschüler: Wird von Seiten der Eltern dem rohen Tun und Treiben auch noch Vorschub geleitet. Daher »wie der Vater, so der Sohn«. Über eine 16jährige Feiertagsschülerin: Ist ein sehr gutes, gutmütiges Mädchen, aber nicht mit vorzüglichen Geistesgaben ausgestattet. 337


In dieser Zeit lernte er die 18jährige Hennenbäckers­ tochter Ursula Kölbl aus Wolfratshausen kennen. Für ihn war es nicht einfach, eine Bürgerstochter zu vereh­ ren. Die Eltern der Braut waren natürlich dagegen, daß sich ihre Tochter mit einem Hungerleider verheiraten wollte. Trotz Verbot trafen sich die beiden, und das blieb nicht ohne Folgen. Bäckermeister Kölbl zeigte den Lehrer bei der Behörde an. Mit der Ehrbarkeit von Josef Vogl war es vorbei, in seiner Personalakte hieß es jetzt: Laut hoher Regierungsentschließung vom 22.12. 1878 wurde dem Lehrer Vogl wegen des von ihm gepflogenen ungeeigneten Verhaltens bei seiner Braut­ werbung sowie wegen des von ihm in seiner Verneh­ mung vom 9. vorigen Monats nicht in Abrede gestellten sittlichen Fehltritts, wodurch er Ärgernis in der Ge­ meinde erregt hat, ein in seiner Qualifikationsliste vor­ merkender Verweis erteilt. Darauf beantragte der Be­ zirksamtmann bei der königlichen Regierung die Ver­ setzung. In diesem Schreiben ist allerdings vermerkt: »Diese Schwängerung ist Tatsache, wie ich von verläss­ licher Seite hörte, soll aber die Tochter des Kölbl selbst nicht weniger Schuld tragen als Vogl«. Nun, eine Hei­ rat für einen Lehrer war damals nicht so einfach; denn nicht nur die Eltern mußten ihr Einverständnis geben, sondern auch die vorgesetzte Behörde.

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So schrieb Lehrer Vogl nun an die Regierung: München, den 16.12.1878 Über eine 9jährige Werktagsschülerin: Was eine Nessel wird, brennt beizeiten. Über einen 9jährigen Werktagsschüler, der als Pflege­ kind bei einem Bauern wohnte: Für das Zuchthaus scheint geboren. Jedes Mittel der Anwendung zur Besserung verloren, dem zu Folge der schlechten Erziehung. Über eine 9jährige Werktagsschülerin: Ein Muster in der Schule, verdient die häusliche Erzie­ hung alles Lob. Seine Diensteinnahmen im Jahr 1877 waren aus dem Schuldienst 393.79 M, aus dem Kirchendienst 65.21 M, 338

Abs. Josef Vogl zudem noch ein Ertrag von 32.82 M, für Hochzeiten, Leichen und Kindsleichen; das ergibt zusammen 491.82. Da aber ein Lehrer damals 600 M Einnahmen haben mußte, entfielen auf die Gemeinden Neufahrn und Ergertshausen nach Abzug der Steuern von 2.04 M noch 110.22 M. Als Gemeindeschreiber in Neufahrn und Ergertshausen erhielt er 200 M. »Derselbe ist ver­ pflichtet, alle gemeindlichen Schreiben zu fertigen, die Registratur in Ordnung zu halten und bei den Aus­ schußsitzungen und Gemeindeversammlungen gegen­ wärtig zu sein.«

Empfänger: König!. Regierung von Oberbayern Betreff: Untertänigst gehorsamste Bitte des Schulleh­ rers Josef Vogl von Neufahrn, königl. Bezirksamt München, um gnädigste Erteilung der dienstlichen Verehelichungsbewilligung. Der ehrerbietigst Unter­ zeichnete, welcher seit 29. Jänner 1876 als definitiver Lehrer dahier sich befindet, beabsichtigt, sich mit der ledigen Bäckerstochter Ursula Kölbl von Wolfratshau­ sen zu verehelichen. Da meine Braut einiges Privatvermögen besitzt und hierdurch in Verbindung mit meinem Diensteinkorn-


men der Nahrungsstand für eine allenfallsige Familie hinreichend gesichert sein dürfte, ich Mitglied des Schullehrerpensions- und im Falle meines zu frühen Ablebens auch Mitglied des Oberbayerischen Witwen­ und Waisen-Pensionsvereins bin, meiner Braut nach beigelegtem Zeugnis ein »untadelhafter Wandel zur Seite steht« , wage ich die ehrfurchtvollste Bitte zu stel­ len, daß hohe königliche Regierung mir die dienstliche Verehelichungs-Bewilligung gnädigst zu erteilen ge­ ruhe. In aller Ehrfurcht zeichnet sich einer hohen Kö­ nigl. Regierung von Oberbayern untertänigst gehor­ samster Josef Vogl, Schullehrer in Neufahrn, königl. Bezirksamt München r. I. Die dienstliche Bewilligung zur Heirat wurde ihm am 11.1.1879 erteilt, er erhielt auch die Nachricht, daß demnächst über seine Versetzung verfügt werde. Ge­ zwungenermaßen hat auch der Bäckermeister Kölbl sein Einverständnis gegeben. Vater und Mutter vom Bräutigam waren inzwischen verstorben. Ursula und Josef schlossen die eheliche Verbindung aber nicht in Neufahrn, sondern in München, wahr­ scheinlich wegen der Schand, weils Kind schon unter­ wegs war. Die Trauung vollzog Kaplan Ostermünchner am 28. Jänner 1879 im Stadtpfarramt Hl. Kreuz in Gie­ sing. Als Trauzeugen sind genannt: Josef Bacher!, Bäcker­ meister, und August Jobst, Sattlermeister, beide 36 Jahre alt und aus Giesing. Nach dem Weggang von Lehrer Vogl übernahm Curat­ benefiziat Riedle aus Ergertshausen vom 26.1.1879 bis 26.3.1879 den Schulunterricht in Neufahrn. Riedle wurde dann am 31. März zum Pfarrer von Holzkirchen ernannt.

Josef Vogl in Bayrischzell Jetzt wirkte Lehrer Vogl in Bayrischzell, übernahm den Schul-, den Mesner- und den Organistendienst. Allmählich vergrößerte sich die Lehrerfamilie. Frau Vogl brachte 3 Kinder zur Welt, den Fritz, den Ludwig und die Ursula.

Es war im Jahr 1883, Josef Vogl saß beim Wirt am Stammtisch. Sie unterhielten sich unter anderem dar­ über, daß die Lederhose immer weniger getragen wird. Das bäuerliche Gewand, die Tracht, verschwindet im­ mer mehr, sie ist nicht mehr geschätzt. Die Modewelle und die einsetzende Industrialisierung zogen auf das Land. Eine neue Zeit brach an. Eisenbahn und Autos setzten die Menschen in Bewegung. Vogl und seine Ka­ meraden waren der Meinung: Hier muß was getan wer­ den, um die bodenständige Kleidung zu wahren. Da kam der Vorschlag von Lehrer Vogl: »Wißt's was, wir gründen einen Verein zur Erhaltung der Volkstracht im Leitzachtal« . So wurde von 6 Mitgliedern der 1. Trach­ tenverein gegründet. Josef Vogl übernahm den 1. Vorstand und das Amt des Schriftführers. Die Pioniere der Trachtenbewegung ernteten in ihrem Mahnen über die modischen Ein­ flüsse mehr Gespött als Anerkennung. Es war für sie wirklich nicht leicht. Bald wurden weitere Trachtenver­ eine gegründet. Das war der Anfang einer großen Be­ wegung in unserem Land. Die vielen Trachtenvereine und das Jahrhunderfest in München beweisen es, daß dies dringend notwendig war, damals wie heute. Jetzt zurück zum Werdegang von Lehrer Vogl. Am 10.3.1885 reichte Lehrer Vogl in Bayrischzell ein Ge­ such um Entlassung aus dem Schuldienst mit der Mög­ lichkeit einer eventuellen Rückkehr ein. In der Begrün­ dung schrieb er: »Mein Schwiegervater erwarb eine Wirtschaft. Ich soll das Anwesen übernehmen. Ich werde dies zu tun gezwungen sein, um meinem Schwie­ gervater und damit meiner Frau, welche noch einen Teil ihrer Mitgift zu erhalten hat, materiellen Schaden zu verhindern.« Dieses Gesuch wurde von der Behörde genehmigt. Im April 1885 verließ die Familie Vogl Bayrischzell und zog nach Baiernrain.

Baiernrain. Die Mutter von Frau Vogl stammte aus die­ sem Wirtshaus, denn sie war eine geborene Schappe­ rer. Lange gab es die Besitzer Schapperer auf diesem Gasthaus. Der Letzte war Hans Schapperer, ein Onkel von Frau Vogl. Der blieb ledig und ohne Nachkom­ men. Dann gab es Schwierigkeiten mit der Erbfolge; denn sie waren 6 Geschwister aus erster und zweiter Ehe. Aus der 1. Ehe war Hans der Älteste, der den Be­ sitz übernahm. Bruder Franz heiratete in einen Bau­ ernhof nach Ebertshausen und die Schwester wurde Wirtin in Helfendorf. Aus 2. Ehe waren 3 Schwestern; Maria, Ursula und Nanni. Maria wurde Wirtin in Ar­ get, die Ursula heiratete den Bäcker Martin Kölbl. Da der Besitzer Hans Schapperer die Anteile seiner Ge­ schwister nicht bezahlen konnte, wurde das Anwesen für 75000 Goldmark verkauft. Der 69jährige Käufer Kölbl stellte dazu einen Wirtschaftsführer ein, einen gewissen Schwibbacher aus Mittenwald. 2 Monate spä­ ter ist Mannes Kasimir als Wirtschaftspächter eingetra-

Der Wirt von Baiernrain Ein Jahr vorher, am 5. Mai 1884, erwarb der wohlha­ bende Bäckermeister Martin Kölbl aus Wolfratshau­ sen, der Vater von Ursula Vogl, die Gastwirtschaft in

Grab und Gedenktafel von Josef Vogl in Baiernrain 339


gen. Am 29.4.1885 übernahm Josef Vogl mit seiner Frau die Tafernwirtschaft von Baiernrain mit Metzge­ rei und Schlachthaus. Nicht lange ist es ihm vergönnt, Wirt zu sein. Neun Tage nach dem tragis�hen Tod von König Ludwig II. stirbt Josef Vogl am 22. Juni 1886, morgens um 6 Uhr, im Alter von erst 37 Jahren an einem Lungenleiden. Er hinterläßt 3 unmündige Kinder. Am 24. Juni wird er in Baiernrain begraben. 2 Tage später bringt seine Frau das 4. Kind zur Welt. Der Bub wird auf den Namen Jo­ hann Baptist getauft. Die Witwe Ursula Vogl verkaufte im Januar 1888 die Gastwirtschaft an Anton Zacher!, Pächter des Gasthofs zur Post in Sauerlach. Sie selbst verehelichte sich mit dem Hilfslehrer von Baiernrain, Johann Nepomuk Teuft, der am 1.1.1888 den Lehrerdienst aufgab. Sie zogen nach Pfaffenberg in Niederbayern und erwarben dort eine Kramerei. Ihr Sohn Fritz wurde Förster. Er starb bereits mit 27 Jahren, genau wie sein Vater an ei­ nem Lungenleiden. Das gleiche Schicksal traf ihren Sohn Ludwig mit 17 Jahren, der Bäcker lernte. Die Tochter Ursula heiratete nach Ludwigshafen. Nach dem Tod ihres Mannes kam sie wieder nach Bayrisch­ zell zurück, dort ist sie auch begraben. Bei der Vogl­ feier 1952 war sie im Schalk dabei. An dieser Gedenk­ feier nahmen 80 Fahnen und Abordnungen aus fast al­ len Gauen teil, dabei würdigten die Vereinigten Baye­ rischen Trachtenverbände die Verdienste von Lehrer Vogl. Zu diesem Anlaß wurde an der Kirchenmauer in Baiernrain eine Gedenktafel mit den Worten von Dr. Conrad Adlmaier angebracht: »Die Saat ging auf, zu­ erst verlacht, nun ist dein Werk in Ehren. In treuer Hut sind Sitt und Tracht, dank deinem Wort und Lehren, Treu dem guten alten Brauch.«

Ehrung für Josef Vogl in Neufahrn Auch in Neufahrn weist eine Gedenktafel an der Leon­ hardi- und Kriegerkapelle auf Lehrer Josef Vogl hin. Sie wurde vom Trachtenverein Veiglbergler zu seiner Ehren gestiftet und erinnert an seine Lehrerzeit in die­ sem Ort. Angeregt hat dies Trachtenpfarrer Franz 340

Einweihung der Gedenktafel durch Pfarrer Franz Bierprigl Bierprigl, der sie beim 38. Loisachgaufest 1965 feierlich einweihte. In seiner Festansprache betonte er: »Schaut ihn an den Lehrer Vogl! Wenn er gesagt hätte, ach, das rentiert sich nicht, sich wegen der Tracht mit der Bevöl­ kerung über die aufkommende Mode in der Öffentlich­ keit auseinanderzusetzen. Er hätte sich das weit beque­ mer machen können. Was wäre da heut unsere Heimat ohne die vielen schönen Trachten, die vielen Gauver­ bände, die dadurch mitentstanden sind? Darum können wir ihm und seinen Gleichgesinnten nicht genü­ gend danken für dieses einmalige Werk in Tracht und Brauchtum.«

Ein Dank gilt bei der Gelegenheit auch Pfarrer Franz Bierprigl, der sich ebenso um die Trachtensache ver­ dient gemacht hat. Er war ein großer Förderer; denn seine Ministranten mußten alle Trachtler werden. Pfarrer Bierprigl war nicht nur als guter Prediger weit bekannt, sondern auch sein Humor, seine Schlagfertig­ keit, seine menschliche Güte zeichneten ihn aus. Es war ihm immer eine große Freude, wenn in seiner Pfar­ rei die Tracht getragen und Brauchtum gepflegt wurde, dies unterstützte er, so gut er konnte. In diesem Sinne bleibt uns Pfarrer Bierprigl unvergessen, wie sein Spruch: »Schöne Menschen werden durch die Tracht noch schöner«.


Über 100 Jahre Trachtenvereine

Ein Gespräch mit Franz Schapperer

Zum 100. Todestag von Lehrer Vogl wurde vom Vor­ sitzenden der Vereinigten Bayerischen Trachtenver­ bände, Hans Zapf, zu einer Gedenkfeier am 22. Juni 1986 nach Baiernrain eingeladen. Am Abend voraus wurde von den Trachtenvereinen der ARGE im Land­ kreis Bad Tölz-Wolfratshausen ein Heimatabend im großen Thomawirtssaal aufgeführt. Zu den vielen Eh­ rengästen gehörten auch Trachtenkameraden vom Landesverband Baden-Württemberg. Zum Festgottes­ dienst kamen die sechs ältesten Trachtenvereine: Bay­ rischzell, Fischbachau, Bad Feilnbach, Hohenaschau, Wendlstoana Stamm München und Miesbach mit Spielmannszug. Zudem nahmen die 3 Trachtenver­ eine, mit deren Ortschaften Josef Vogl Verbindung hatte, teil: in Emmering wurde er geboren, in Neufahrn war er als Lehrer tätig und in Baiernrain wurde er be­ graben; die Trachtenvereine aus diesen Orten kamen mit ihren Blaskapellen. Um den Feldaltar neben der Kir­ che versammelten sich viele Trachtler und Trachtlerin­ nen, dabei waren auch viele Gauverbände mit ihren Vor­ standschaften. Unter den vielen Ehrengästen war auch Staatssekretär Dr. Edmund Stoiber, der ein Grußwort an uns richtete. Beim Festakt am Grab und vor der re­ novierten Gedenktafel von Josef Vogl im Friedhof in Baiernrain legten Hans Zapf, Frieder Weber-Benzig und die Bayrischzeller Kränze nieder. Nach dem Rück­ marsch klang das Fest mit dem gemeinsamen Mittag­ essen aus, im gleichen Gasthaus, das Josef Vogl vor 100 Jahren bewirtschaftete.

Als ich mich umschaute, damit ich über Josef Vogl et­ was erfahre, konnte ich durch Zufall nach 100 Jahren noch etwas über seine Verwandtschaft in Erfahrung bringen. Ich war im Frühjahr 1986 bei einer Beerdigung in Oberbiberg, da fiel mir ein älterer Mann auf. Es wurde mir gesagt: Das ist der 82jährige, alleinlebende Franz Schapperer aus Ebertshausen. Beim Leichen­ schmaus ging ich auf ihn zu, er sagte mir seinen Namen und seine Herkunft. Er fing gleich zu erzählen an, dabei machte er auf mich einen geistig regen Eindruck. Ich wurde immer neugieriger. Tatsächlich stammte sein Großvater vom Wirt aus Baiernrain, wo dann der be­ rühmte Lehrer Vogl Wirt wurde. So wurde ich über die Besitzverhältnisse der Schapperer und über den Ver­ kauf des Anwesens aufgeklärt. Ebenso interessant war, daß er als Firmpaten Franz Kölbl aus Wolfratshausen hatte. Das war der um 2 Jahre ältere Bruder von Ur­ sula, der Frau von Josef Vogl. Franz Kölbl war langjäh­ riger Bürgermeister und wurde Ehrenbürger des Mark­ tes Wolfratshausen, er starb am 28. 7. 1939. Soweit ich Geburts- oder Sterbezahlen prüfen konnte, die mir Franz Schapperer nannte, stimmten alle überein. Diese Unterhaltung war für mich ein freudiges Ereignis. In­ zwischen ist Franz Schapperer verstorben.

Wenn ich nun bei dieser Lebensgeschichte zum Schluß komme, bedanke ich mich beim Vereinigtenvorsitzen­ den Hans Zapf, der sich 1986 große Mühe gab und das Leben von Josef Vogl niederschrieb, sowie bei allen, die ihn dabei unterstützten. Mein besonderer Dank gilt auch Herrn Bürgermeister und Rektor Manfred Nagler, Egling, mit den beiden Rektoren i. R. Hans Seebauer, Dietramszell und Franz Kohlert, Neufahrn, ebenso Herrn Pfarrer Josef Weber, Egling, die mir aus Archiven und Ämtern der ehemali­ gen Gemeinden Neufahrn und Baiernrain Unterlagen beschafften. Es war mir ein persönliches Anliegen als Neufahrner über den Dorfschulmeister Vogl zu forschen und zu schreiben und sein Leben in diesem Buch festzuhalten. Denn Josef Vogl legte den Grundstein in der Trachten­ geschichte, so bleibt er uns immer verbunden, wenn es über die Entstehung der Trachtenvereine geht. Nun können wir mit Stolz sagen: Die Saat ging reichlich auf. Dank aber auch den vielen Gründungsmitgliedern, die bereit waren für Tracht und Sitte einzutreten. So wol­ len wir dieses kostbare Erbe pflegen und unserer Ju­ gend in die nächste Generation weitergeben zum Nut­ zen unserer schönen bayrischen Heimat. Sepp Mayer, Neufahrn

Gedenkgottesdienst für Josef Vogl 1986 in Baiernrain

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Religiöses und weltliches Brauchtum im Jahreslauf Zwischen dem kirchlichen und dem weltlichen Brauch­ tum gab es immer schon eine Verbindung. Manche, die sich mit dieser Materie befassen, behaupten sogar, daß einige der alten Bräuche noch heidnischen Ursprung hätten, also aus einer Zeit stammen, wo die Menschen noch an gute und böse Geister in verschiedenen Gestal­ ten glaubten. Deshalb soll auch das Lärmen, Krach ma­ chen und Schießen bei verschiedenen kultischen Hand­ lungen und Bräuchen zur Abwehr von bösen Geistern geschehen sein. Der alte Brauch des Neujahranschie­ ßens wird kaum der Abwehr von bösen Geistern ge­ dient haben, sondern könnte als Begrüßungssalut für das beginnende Jahr verstanden werden. Seit ein paar Jahrzehnten werden in der ersten Stunde des neuen Jahres Feuerwerksraketen in Massen in die Luft gejagt. Beim Jahresbeginn ist es seit alters her üblich, daß sich die Menschen gegenseitig »a guats neus Jahr« wün­ schen. Leider wurde in letzter Zeit dieser einfache

Sternsinger unterwegs

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Wunsch etwas verunstaltet. Da heißt es dann nur mehr »guten Rutsch«. Der Dreikönigstag ist der Abschluß der Weihnachts­ zeit. Am Vorabend wird in der Kirche das Dreikönigs­ wasser geweiht. Mit dem Weihwasser und Weihrauch werden dann in diesen Tagen die Häuser gesegnet und ausgeräuchert und über den Haustüren wird mit Kreide das Zeichen der Heiligen Drei Könige angebracht. Das Ausräuchern der Häuser wurde früher von den Haus­ leuten meistens selbst gemacht, zum Teil auch von Prie­ stern und Klostergeistlichen. Heute geschieht es durch die Sternsinger. Der alte Brauch der Sternsinger ist in der ersten Hälfte des Jahrhunderts bei uns fast ver­ schwunden. Er wurde in den letzten Jahrzehnten wie­ der aufgenommen. Da ziehen dann Ministranten als Heilige Drei Könige verkleidet von Haus zu Haus und die Spenden, die sie dabei bekommen, werden für Mis­ sionen und caritative Zwecke verwendet. Der Maria Lichtmeßtag am 2. Februar war von alters her ein wichtiger Tag für die Dienstboten in der Land­ wirtschaft. Da ging das Arbeitsjahr zu Ende und wurde

der Jahreslohn ausbezahlt. Je nach Bedarf wurde auch der Arbeitsplatz gewechselt. Es wurde ausgestanden und eingestanden-hieß es. Außerdem gab es ein paar freie Tage, das war dann so­ zusagen der Jahresurlaub. In dieser Hinsicht gäbe es viel über den Lichtmeßtag zu berichten, aber was solls. Mit ganz wenig Ausnahmen gibt es keine bäuerlichen Dienstboten mehr. Ein religiöser Brauch ist an diesem Tag unverändert geblieben: nämlich die Kerzenweihe in der Kirche. Taufkerzen, Kommunionkerzen, Wet­ terkerzen und Opferkerzen, sie werden immer noch ge­ braucht. Mit zwei gekreuzten, brennenden Kerzen, welche der Priester vor dem Hals des Gläubigen hält, wird am 3. Februar der Blasiussegen erteilt. Nach ural­ ter Überlieferung hat der armenische Bischof Blasius einen Buben, der eine Fischgräte verschluckt hatte, das Leben gerettet. Er ist deshalb Schutzpatron gegen Halskrankheiten geworden. Die Fasnacht, die narri­ sche Zeit im Jahr, dauert von Heilig-Drei-König bis Aschermittwoch. Wenn auch der altbayerische Aus­ druck Fasnacht durch das Wort Fasching verdrängt und

Maschkerazug in Bichl 1974, Gruppe mit dem Thema Gebietsreform


auch vom rheinischen Karneval etwas übernommen wurde, so werden doch nach altem Brauch in einigen Orten noch Fasnachtsumzüge gehalten, bei denen Per­ sönlichkeiten und Ereignisse im Ort und in der näheren Umgebung kernig und humorvoll aufs Korn genom­ men und ausgespielt werden. Von einigen Trachtenvereinen werden auch noch die altüberlieferten Fasnachtsgungln abgehalten. Im Maschkeragehen, wie es früher hieß, macht sich in un­ serer Zeit eine gewisse Lustlosigkeit bemerkbar. Das rührt wohl daher, weil die Lustbarkeiten das ganze Jahr andauern und die sogenannten staaden Zeiten kaum mehr berücksichtigt werden. Die vierzigtägige Fasten­ zeit dauert vom Aschermittwoch bis Ostern. In dieser Zeit bestand Tanzverbot und die Gläubigen durften sich laut kirchlichem Gebot nur einmal am Tag sattes­ sen. Um sich bei Kräften zu erhalten, haben die Klo­ sterbrüder in frühester Zeit schon dieses strenge Gebot etwas umgangen und ein stärkeres Bier gebraut, weil ja das Trinken nicht verboten war. Seitdem beginnt jedes Jahr am Josefitag (19. 3.), der früher ein Feiertag war, der Starkbierausschank. Das kirchliche Fastengebot

Karfreitagsgebet an den Kreuzwegstationen

Palmsonntag Einzug in die Kirche

wurde inzwischen weitgehend gelockert. Dafür haben aber heute viele Leute Schwierigkeiten, wie sie ihre überschüssigen Pfunde losbringen. Da sich die Trachtenvereine nach altem Brauch doch noch an das Tanzverbot in der Fastenzeit halten, benüt­ zen einige Vereine diese Zeit dazu, um ein Theater­ stück aufzuführen. Diese Theateraufführungen von Laiengruppen werden immer noch gerne angeschaut. Mit dem Palmsonntag beginnt die Osterwoche, die Karwoche. An diesem Tag tragen Buben die an langen Stangen angebrachten Palmbüschel zur Weihe in die Kirche. Wenn sie hernach die geweihten Palmbüschel in die Häuser bringen, wo die Büschel ein Jahr lang im Herrgottswinkel aufbewahrt werden, wird das natür­ lich mit kleinen Geschenken und Bargeld entlohnt. Vom Gründonnerstag bis Karsamstag schweigen die Kirchenglocken. Dafür treten die Holzratschn, die so­ genannten Karfreitagsratschn in Aktion. Früher wurde am Karfreitag in den meisten Kirchen das Heilige Grab errichtet. Das wurde aber nach dem letzten Konzil ab­ geschafft. In den letzten Tagen vor Ostern werden auch die Ostereier gefärbt. In der Nacht zum Ostersonntag

Das Osterfeuer wird ins Haus gebracht

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findet in den Kirchen die Feuerweihe statt. Mit bren­ nenden Buchenschwämmen tragen dann die Buben wiederum das geweihte Feuer in die Häuser. Das Osterfeuertragen war seit jeher von den Buben auch aus materiellen Gründen sehr begehrt. Am Ostersonn­ tag werden dann Eier, Speck, Fladenbrot und Salz zum Weihen mit in die Kirche genommen. Für die Kinder ist natürlich das Osternestsuchen das wichtigste Ereignis an diesem Tag. Am Ostermontag gingen die Burschen immer zu den Mädchen, wo sie dann gefärbte Ostereier bekamen. An der Farbe konnten sie den Grad der Zu­ neigung erkennen. Die Kinder begnügen sich an den Osterfeiertagen mit Spielen wie Eierrollen, Eierpecken usw. Ein markanter Brauch in unserem bayerischen Ober­ land ist am 1. Mai das Maibaumaufstellen. Die Bur­ schen eines Ortes oder Vereine stellen mit vereinten Kräften Bäume bis 40 Meter Länge in der Ortsmitte oder vor Gasthäusern auf. In unserem Gebiet gibt es zwei verschiedene Arten von Maibäumen. Im südli­ chen Bereich wird der Baum in aller Früh umgeschnit-

Der Maibaum wird aufgestellt 344

ten, sauber geputzt, mit Girlanden verziert und gleich aufgestellt. Beim Mittagsläuten soll der Baum nach Möglichkeit dann schon stehen. Der anschließende Maitanz war früher der erste öffentliche Tanz nach Ostern. Im nördlichen Bereich werden die Maibäume meistens weißblau gestrichen. Dazu werden noch handwerkliche Zunftzeichen angebracht. Aus diesem Grund muß der Baum schon einige Wochen oder Monate früher bear­ beitet werden. Deshalb besteht auch die Gefahr, daß der Maibaum von Burschen der Nachbarorte gestohlen wird, was ja schon öfter geschehen ist. Früher gab es deswegen manchmal schwere Raufereien. Heutzutage wird dann der Baum nach friedlicher Verhandlung mit ein paar Hektoliter Bier ausgelöst. Seit alters her fin­ den an drei Tagen vor dem Feiertag Christi Himmel­ fahrt die Bittgänge durch die Felder und Fluren statt. Es war immer ein Hauptanliegen der bäuerlichen Be­ völkerung, für ein gutes Gedeihen der Feldfrüchte und eine gute Ernte den Segen Gottes zu erbitten.

Im Monat Mai finden bei uns auch die meisten Hoch­ zeiten statt. Für die Bauernhochzeiten, die bei uns schon eine alte Tradition haben, gab es immer schon bestimmte Regeln und der Ehrvater oder Hochzeitsla­ der, der neben dem Brautpaar die Hauptperson ist, hat darauf zu achten, daß alles seine Ordnung hat. Man kann sagen, daß die Hochzeiten - abgesehen von einigen zeitgemäßen Veränderungen - heute noch in altherkömmlicher Weise gehalten werden. Die Gottes­ dienste am dritten Hochfest des Jahres, an Pfingsten werden in den Kirchen ebenfalls feierlich gestaltet. Ein weniger schöner Brauch findet in der Pfingstnacht statt, wo in der sogenannten Freinacht die Burschen Haus­ bänke, Mistkarren, Fensterläden, usw. verziehen und in der Ortsmitte stapeln. Vermutlich sind diese Umtrei­ bereien ein Überbleibsel eines alten Brauches, in dem man früher manchen Mädchen die ausgestopfte Gestalt eines heimlichen Liebhabers, den sogenannten Pfingst­ lümmel auf das Hausdach gesetzt hat. Am Donnerstag - in der zweiten Woche nach Pfingsten - findet das Fronleichnamsfest statt. Der Antlaßtag ge-

Fronleichnam, der Priester mit dem Allerheiligsten unterm Traghimmel wird von den Antlaßschützen begleitet.


hört mit zu den größten kirchlichen Festen im katholi­ schen Altbayern. An diesem Tag, \Y_enn es die Witte­ rung erlaubt, trägt der Priester das Allerheiligste in der Monstranz durch die Straßen und Fluren in einer oft langen Prozession, begleitet von festlich gekleideten Gläubigen und den Vereinen mit ihren Fahnen und Tragfiguren. Bei diesen feierlichen Prozessionen kommt auch die Volkstracht sichtbar zur Geltung. Der alte Brauch des Abbrennens von Sonnwend- oder Jo­ hannifeuer vom 22. bis 24. Juni könnte evtl. noch aus vorchristlicher Zeit stammen. Die Erntezeit dauert vom Juni bis September. Da in der Landwirtschaft frü­ her die Arbeiten ohne maschinelle Hilfe nur in Handar­ beit geschehen sind und daher die Leute in dieser Zeit

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ziemlich ausgelastet waren, wurden in diesen Monaten die Tanzveranstaltungen etwas eingeschränkt. Seit Bestehen der Trachtenvereine wurden in den Som­ mermonaten schon immer Trachtenfeste, Waldfeste und Almkirta abgehalten. In den letzten Jahren haben sich allerdings die Vereins­ jubiläen, Festwochen und Bürgerfeste so vermehrt, daß man schon von einem Übermaß sprechen kann. Gut besucht werden im Sommer auch die Bergmessen, die bei den Gipfelkreuzen gehalten werden. Diese Kreuze wurden meistens von Vereinen zur Erinnerung. an ihre gefallenen und verstorbenen Mitglieder errich­ tet. Das Fest Maria Himmelfahrt am 15. August ist einer der wenigen kirchlichen Feiertage, die noch gesetzlich geschützt sind. An diesem Tag finden auch Wallfahrten zu den bekannten Marien-Wallfahrtsorten statt, und in den Kirchen werden die Kräuterbüschel geweiht. Über die Wirksamkeit der Kräuter bei verschiedenen Krankheiten wußten unsere Vorfahren oft besser Bescheid als wir. Auch die moderne Medizin bedient sich heutzu­ tage wieder mehr der heilenden Kräfte in der Natur.

war eine der meist besuchten Tanzveranstaltungen im Jahr. Aber auch hier macht sich in unserer Zeit auf­ grund der unzähligen Tanzvergnügen eine gewisse Lustlosigkeit bemerkbar. Auch das ehemals begehrte und billige Vergnügen mit der Kirtarutschn (Schaukel) ist heutzutage bei der Jugend nicht mehr gefragt. Im Monat November wird in besonderer Weise der Verstorbenen gedacht. An Allerheiligen und am Aller­ seelentag findet in allen Friedhöfen der Gräberumgang statt. Dabei stehen die Gläubigen an den schön herge­ richteten Grabstellen und beten für ihre verstorbenen Angehörigen. Am 2. oder 3. Sonntag im November ist dann der Volkstrauertag. Da wird mit Ansprachen und Kranzniederlegungen an den Kriegerdenkmälern den Toten der letzten Kriege ein ehrendes Gedenken ge­ widmet.

Das Patrozinium, der Tag des Kirchenpatrons, der kleine Kirta - wie er früher genannt wurde - wird in einigen Orten mit Prozession und abendlichen Kirta­ tanz heute noch gefeiert. Auch am Erntedankfest, das zumeist am ersten Sonntag im Oktober gehalten wird, finden in manchen Ortschaften noch Prozessionen statt.

Fronleichnamsprozession mit der langen Fahne, auch Himmelskratzer genannt.

Am dritten Sonntag im Oktober ist das Kirchweihfest, der große Kirta oder Allerweltskirchweih, wie es ge­ nannt wird. Die Fahne an den Kirchtürmen, der Za­ chäus, wie sie bezeichnet wird, zeigt diesen Tag an. Nachdem sich die Menschen früher durchwegs mit ein­ facher Kost begnügen mußten, freuten sie sich beson­ ders auf das gute Essen und Trinken und es wurde auch dementsprechend gefeiert. Da hieß es dann: da Kirta dauert bis zum Irta (Dienstag), und wenn es si dat schika a bis zum Micka. Der Kirchweihmontag ist heute noch ein Bauernfeiertag. Auch bei einigen handwerkli­ chen Betrieben ruht da die Arbeit. Der Kirchweihtanz

Bergmesse beim Gipfelkreuz 345


Ein besonderer Tag bei uns in Altbayern ist der Leon­ harditag am 6. November. Nachdem die Tiere, beson­ ders die Pferde für die Existenz der Bauern immer schon ganz wichtig waren, hat man sich frühzeitig um einen Schutzpatron für die Tiere umgesehen. Dazu hat man den Heiligen Leonhard, der ursprünglich der Pa­ tron der Gefangenen war, auserwählt. Ihm zu Ehren werden schon seit nahezu zweihundert Jahren Pferde­ wallfahrten durchgeführt. Die bekanntesten in unse­ rem Gebiet sind in Bad Tölz und Benediktbeuern. Die Verehrung des Hl. Leonhard ist bei uns so groß, daß er manchmal sogar als bayerischer Herrgott bezeichnet wird. Als in den fünfziger Jahren die Zugmaschinen in der Landwirtschaft eingeführt und die meisten Pferde zum Metzger gegeben wurden, hätten diese Umritte bald nicht mehr durchgeführt werden können. Da sich aber bald Liebhaber gefunden haben, die wieder Pferde halten und züchten, finden heute wieder in vie­ len Orten Leonhardifahrten und -ritte statt. Bei diesen Fahrten und Umritten werden die Pferde und Wagen festlich hergerichtet und geschmückt und auch die Mit-

Leonhardiritt mit Pferdesegnung 346

fahrer sind feierlich in der Tracht gekleidet. Deshalb ist das nicht nur eine Wallfahrt sondern auch eine großar­ tige Schau-heute noch mehr denn je. Kathrein (25. 11.) stellt den Tanz ein-heißt es, denn am darauffolgenden Sonntag beginnt die Adventszeit. Die erste Kerze am Adventskranz wird angezündet und in der Kirche werden die Engelämter gehalten. Ein wichtiger Tag ist für die Kinder der 6. Dezember, dem sie oft mit gemischten Gefühlen entgegensehen, wenn ihnen der Nikolaus aus seinem Buch ihre Fehler vorliest, aber dann trotzdem mit der Ermahnung zur Besserung Gaben verteilt. Sein Begleiter, der Klaub­ auf, Krampus oder Knecht Rupprecht, wie er genannt wird, hat die Aufgabe, die Kinder einzuschüchtern, da­ mit sie ihr Versprechen zum Bravsein nicht so schnell vergessen. Leider wird jetzt in der vorweihnachtlichen Zeit der ge­ schäftsmäßige Trubel von Jahr zu Jahr größer, so daß von der sogenannten staaden Zeit nicht mehr viel zu spüren ist. Das Weihnachtsfest selber wird hauptsäch­ lich im Kreis der Familie gefeiert. Es beginnt am Heili-

gen Abend, wenn unterm brennenden Christbaum Ge­ schenke verteilt werden und der Höhepunkt ist dann die Mitternachtsmette in der Kirche. Mit dem Sylvestertag geht das Jahr zu Ende und der Rhythmus des Jahresbrauchtums beginnt wieder von Neuem. In einem kurzen Beitrag wurde hier das Brauchtum, das in unserem ländlichen Gebiet noch lebendig ist, aufgezeichnet. Wie unsere Dörfer, Berge, Wälder und Seen gehört das Brauchtum zu unserer Heimat. Es be­ gleitet unser Leben von der Geburt bis zum Tod. Auf­ gabe der Trachtenvereine wird es weiterhin sein, dafür zu sorgen, daß das gute alte Brauchtum erhalten bleibt. Es gibt nichts Schöneres auf Erden, als pflegen Väter­ glauben, Tracht und Brauch; denn wenn des Volkes Sitten schwinden, stirbt des Landes Blüte auch. Franz Sappl

Leonhardiwagen mit Wallfahrerinnen


Lieber bayrisch sterben Über die Sendlinger Bauernschlacht, besser ausge­ drückt Mordweihnacht 1705, ist schon viel geschrieben worden. Wer schon verschiedene Schilderungen dieser traurigen Geschehnisse gelesen hat, kann feststellen, daß die Schreiber oft ohne Rücksicht auf die tatsächli­ chen Begebenheiten, nach Manier der Romanschrift­ steller, die Sache geschildert haben. Da schwankt die Teilnehmerzahl am Aufstand zwischen 3000 und 8000. Einmal wird der Schmied von Kachel als Anführer der Bauern genannt, dann wieder als erfundene Gestalt, die es nie gegeben hat, bezeichnet. Einige lassen dabei die Panduren auf seiten der Österreicher mitkämpfen, obwohl der Pandurenführer Trenk erst fünf Jahre spä­ ter geboren wurde. Über die tatsächlichen Ereignisse, wie sie sich vom 24. auf 25. Dezember bei Sendling ab­ gespielt haben, gibt es keine Aufzeichnungen. Durch das grausame Hinmorden von über Tausend Männern war die Bevölkerung so schockiert, daß sich niemand getraut hat, etwas aufzuschreiben. In einigen Orten wurden manchmal sogar aus Sterbebüchern die Seiten mit den Eintragungen der Toten des Aufstands heraus­ gerissen. Einen wahrheitsbezogenen Bericht über die Bauernschlacht und den Schmied Balthes hätte der Ka­ lender des Schullehrers von Kachel auf 26 Seiten ent­ halten, gedruckt zu Kempten 1734. Sein Nachfolger, Anton Bichlmair, welcher von 1787 an vierzig Jahre da­ selbst Schullehrer war, hatte ihn aus dem Nachlaß sei­ nes Vorgängers in Händen. Leider ist er nach seinem Tod am 7. Juni 1827 abhanden gekommen. Nachdem 1705 der Aufmarsch der Oberländer haupt­ sächlich auf dem Gebiet des Loisachgaues stattgefun­ den hat, ist es doch angebracht, diese traurigen Ereig­ nisse mit einem Beitrag in dieser Chronik in Erinne­ rung zu bringen. Nach Möglichkeit soll dabei alles so geschildert werden, wie es am ehesten der Wahrheit entspricht. Um verstehen zu können, wie es zu diesem Aufstand kam, muß man die Verhältnisse der damali­ gen Zeit etwas berücksichtigen. Das heilige römische Reich deutscher Nation bestand damals ja nur mehr dem Namen nach. Die verschiedenen Landesfürsten

bemühten sich in erster Linie, ihren Besitz und ihre Macht zu vergrößern und kümmerten sich kaum um eine Gemeinsamkeit in einem deutschen Reich. Das Land der Habsburger, die österreichische Donaumo­ narchie reichte damals von Schlesien bis an die Adria. Spanien war zu dieser Zeit mit seinen Besitzungen in Amerika fast eine Weltmacht. König Karl II. von Spa­ nien war kinderlos. Er hatte aber zwei Schwestern. Eine war mit König Ludwig XIV. von Frankreich ver­ heiratet, und die andere mit Kaiser Leopold I. von Österreich. Deren Tochter Marie Antonie war die Ge­ mahlin des bayrischen Kurfürsten Max Emanuel. Des­ halb setzte der spanische König den bayrischen Kur­ prinzen Josef Ferdinand, praktisch den Enkel seiner Schwester, zum Erben der Krone Spaniens ein. 1699 stirbt der bayrische Kurprinz. Sein Vater Max Emanuel glaubt nicht an einen natürlichen Tod. Er nimmt an, Kaiser Leopold, der Großvater des Kurprinzen, hätte ihn vergiften lassen, um dann das spanische Erbe für seinen zweitältesten Sohn Erzherzog Karl zu beanspru­ chen. 1701 - nach dem Tode des spanischen Königs - stellte auch Frankreich Erbansprüche. Deshalb kam es dann zum spanischen Erbfolgekrieg. Es wurde daraus ein eu­ ropäischer Krieg, der vierzehn Jahre dauerte. Unglück­ licherweise verbündete sich der bayrische Kurfürst mit Frankreich und hatte deshalb Österreich zum Gegner. Nach anfänglichen kriegerischen Erfolgen des Kurfür­ sten bricht das Unheil über das Land Bayern herein. Am 13. August 1704 werden die Bayern und Franzosen von den vereinigten österreichischen und englischen Truppen unter der Führung von Prinz Eugen bei Höch­ städt und Blindheim vernichtend geschlagen. Max Emanuel muß sich nach Belgien zurückziehen, wo er Statthalter der spanischen Niederlande ist. Dort gilt sein Interesse - nach Aussage einer Hofdame - in erster Linie der Jagd und den Frauen. Für das bayrische Volk beginnen aber mit der Besetzung durch die Österrei­ cher die Leiden. Einquartierungslasten und Kriegs­ steuern sind gerade noch zu ertragen. Als aber dann bayrische Bauernburschen und Bürgersöhne zum

Dienst an fremden Kriegsschauplätzen gezwungen werden, ist daß Maß voll. Mit dem Ruf »lieber bayrisch sterben als österreichisch verderben« kommt es zum Aufstand. Zuerst erheben sich die Niederbayern und haben Erfolge. Die Städte Burghausen, Braunau, Vils­ hofen und Kelheim werden von den Aufständischen besetzt. Und dann wird der Plan gefaßt, mit Hilfe der Oberländer die widerrechtlich von den Österreichern besetzte Hauptstadt München zu befreien. Dazu war die erste Besprechung am 9. Dezember 1705 im Franziskanerkloster in Tölz. Kriegskommissar Fuchs war der Verbindungsmann zu den Unterländern und der Münchner Weinwirt Jäger - ein gebürtiger Töl­ zer - organisierte die Mithilfe der Münchner Bürger zur Befreiung der Stadt. Der Münchner Weinwirt Kittler, ein gebürtiger Thanninger, gehörte ebenfalls zu den führenden Männern des Aufstandes. Auch einige kurfürst­ liche, bayrische Beamte haben sich an den Vorberei­ tungen zur Befreiung der Hauptstadt beteiligt. Genannt werden unter anderem die Pfleger Tänkel von Tölz, Oberhammer von Tegernsee, Schmid von Aib­ ling, Alram von Valley und Oettlinger von Starnberg. Letzterer hat sich gleich rückversichert und das Unter­ nehmen dem österreichischen Administrator Graf Lö­ wenstein in München vorher verraten. Nur diese Be­ amten waren in der Lage, ihre Untertanen aufzubieten und zum Marsch nach München zu bewegen. So mußte dann von jedem Haus mindestens ein Mann mitgehen. Freiwillig wie es in manchen Berichten heißt, werden wohl die wenigsten gegangen sein, sondern sie wurden zum Mitgehen gezwungen. Es wurden hauptsächlich le­ dige Männer geschickt. Darunter auch Burschen unter 20 Jahren, bei denen dann später in den Sterbebüchern der Pfarreien öfter vermerkt wurde: »Ist für seinen Va­ ter gegangen«. Am 23. Dezember zogen sie los: von Tölz und Bene­ diktbeuern über Königsdorf, von Aibling und Tegern­ see über Thanning zum Sammelplatz nach Hohen­ schäftlarn. Unzureichend bewaffnet. Nur die ca. 500 Tölzer Schützen unter dem Kommando des Oberjägers Adam Schöttl hatten Feuerwaffen. Ohne straffe Füh347


rung und Kampferfahrung wurden die Männer von den Führern des Aufstandes in Bewegung gesetzt. Erst in Schäftlarn wurde der ehemalige bayrische Hauptmann Mathias Mayer gezwungen, das Kommando zu über­ nehmen. Am 24. Dezember, mittags, setzte sich der Zug der Oberländer gegen München in Bewegung. Als in den Abendstunden die Nachricht eintraf, daß die Unterlän­ der nicht kommen konnten und auch von den Münch­ ner Bürgern kein Zeichen kam, wollte Hauptmann Mayer bei Solln den Rückzug einleiten. Dies wurde aber vom Oberjäger Schöttl und Weinwirt Jäger mit Hilfe der Tölzer Schützen verhindert. Diese Männer wollten unbedingt München erobern. Entweder waren sie so große Patrioten oder spielte dabei ihr persönli­ cher Ehrgeiz eine Rolle - man weiß es nicht. Wie sich dann weiterhin die Ereignisse abspielten, das wird im einzelnen nie wahrheitsgetreu geschildert wer­ den können. Der einzige militärische Erfolg wird wohl die Einnahme des roten Turms beim Isartor gewesen sein. Als die Österreicher am Morgen des Weihnachts­ tages Verstärkung heranbrachten und die Bauern von mehreren Seiten angegriffen wurden, war das Ende der Oberländer schon besiegelt. Allerdings haben sich noch einige rechtzeitig abgesetzt. In einem glaubhaften Bericht heißt es: Der Pfleger und kurfürstliche Rat, Jo­ sef Ferdinand Tänkel, hatte den Zug bis München be­ gleitet. Da aber die Inntaler nicht heraufkamen, kein Tor zum Einlaß sich öffnete und die Bürgerschaft den Bauern keineswegs die Hand reichte, schöpfte er Ver­ dacht und trat noch in der Morgenfrühe mit den übri-

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gen Beamten - im ganzen 200 Berittenen - den Rück­ zug nach Tölz an. Auch der Führer der Isarwinkler Schützen, Oberjäger Schöttl, hat sich noch rechtzeitig zurückgezogen. Er mußte sich iwar jahrelang versteckt halten. 1715, als der bayrische Kurfürst wieder in sein Land zurück­ kehrte, wurde ihm die Leitung des Forstamtes Höhen­ kirchen übertragen. Dort ist er 1727 gestorben. Der letzte Akt dieser Tragödie war dann in Sendling. Dorthin haben sich die Bauern zurückgezogen und der letzte Rest hat sich im Friedhof bei der Kirche ver­ schanzt. Als einziger Führer war angeblich noch Hauptmann Mayer dabei. Dort wurden sie dann von den österreichischen Soldaten niedergemetzelt wie eine Herde Schafe. Vermutlich war da noch einer, der sich mit Mut und Kraft bis zuletzt gewehrt hat. Es wird wohl der Schmied von Kachel gewesen sein. Es war keine Ruhmestat für die Österreicher. Dem kommandierenden österreichischen General Kriech­ baum gab man deshalb später den Beinamen »der Schlächter von Sendling « . Der amtliche Bericht des Sendlinger Pfarrers Soyer vom 28. Dezember 1705 an den Bischof Franziskus Baron von Ekher in Freising lautet: »Euer hochfürstliche Gnaden kann ich unbe­ richtet nit lassen. Wie nächst verwichenen Weihnachts­ tag in der früh zu unter Sendling zwischen den kaiserli­ chen Völkern und denen aus unterschiedlichen Gerich­ ten absonderlich bei Tölz zusammen geratenen Bauern ein abscheuliche Aktion und Blutbad vorbei gangen in­ dem in und ausser dem Dorf bei 3000 Bauern abscheu-

lieh seindt niedergehaut massecriert und plessiert wor­ den und was mich zunächsten bestürzt, ist, daß seie so­ gar das Gotteshaus zu Sendling nit verschont. Dieses mit Blutvergiesen und Beraubung der hineingeflüchte­ ten Bauren entweiht, auch auf dem Freithof etliche er­ schossen und niedergemacht haben. « Soweit der Bericht des Pfarrers. Nach zuverlässigen Berichten hatten die Oberländer in der Sendlinger Bauernschlacht zwischen 1000 und 1500 Tote zu bekla­ gen. Wie groß die Verluste in den einzelnen Ortschaf­ ten waren, zeigt zum Beispiel die Pfarrei Königsdorf; 28 Männer aus diesem Ort mußten an diesem einen Tag ihr Leben lassen. Zum Vergleich: in den 4 Jahren des 1. Weltkrieges gab es in der Pfarrei 44 Gefallene. Am 8. Januar 1706 erlitten dann die Unterländer bei Aidenbach eine vernichtende Niederlage. Der Auf­ stand ist zusammengebrochen. Die Anführer Jäger, Kittler und Senser wurden hingerichtet. Was blieb, war ohnmächtige Wut, Trauer, Tränen, Schweigen. Der Friede zu Rastatt 1714 beendete den spanischen Erb­ folgekrieg. Philipp von Bourhon, ein Enkel König Lud­ wig des XIV. von Frankreich wurde König von Spanien. Österreich erhielt die spanischen Niederlande, Mai­ land, Neapel, Sardinien und das bayrische Innviertel. Kurfürst Max Emanuel konnte 1715 wieder in sein Land zurückkehren. Wenn auch der Aufstand 1705 von den Führern unbesonnen voreilig in Bewegung gesetzt wurde und deshalb von vornherein zum Scheitern ver­ urteilt war, so gedenken wir heute noch in Ehrfurcht und Trauer der Männer, die bereit waren, für ihre Hei­ mat zu kämpfen und ihr Leben geopfert haben. Franz Sappl


Bild seitlich: Das Schmied-von-Kochel-Denkmal in Kochel. Nach glaubwürdigen Aufzeichnungen von Professor Dr. Nepomuck Sepp ist der Schmied von Kochel mit dem bürgerlichen Namen Balthasar Mayr auf dem Christi-Anwesen in Waakirchen geboren und hat sich schon in den Türkenkriegen durch besonderen Mut ausge­ zeichnet. Mit 61 Jahren ist er am 25. Dezember 1705 nach todesmutigem Kampf bei Sendling gefallen. Bild unten: Ein steineres Gedenkkreuz an der B 11, unweit der Ortschaft Königs­ dorf, wurde für den Bauernsohn Bartholomäus Pauli aus dem Weiler Heigl errich­ tet. Der Schwerverwundete starb hier kurz vor seinem elterlichen Anwesen, nach­ dem er sich von Sendling über 40 Kilometer bis hierher geschleppt hatte.

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Beim abbrennten Kreuz Wenn man von Bad Tölz auf der alten Straße nach Lenggries fährt, kommt man im Gaißacher Ortsteil Pu­ chen an einer großen Kapelle vorbei, die direkt am Straßenrand steht. Dieser Platz hatte in früheren Jah­ ren bei den Ortsansässigen noch den Namen »beim ab­ brennten Kreuz« (beim abgebrannten Kreuz). Dieser Bezeichnung liegen folgende Ereignisse zu­ grunde: Nach dem spanischen Erbfolgekrieg, bei dem in den Jahren 1705/06 tausende bayrischer Patrioten ihre Treue zum Herrscherhaus mit dem Tode bezahlen mußten, ging es 1740 wieder um Macht und Besitz. Das Haus Habsburg starb 1740 in männlicher Linie aus, doch bestimmte Kaiser Karl VI. mit Umgehung des Sa­ lischen Erbgesetzes seine Tochter Maria Theresia zur Nachfolgerin. Aber die Wittelsbacher waren nicht bloß das älteste deutsche Regentengeschlecht, sondern hatten auch alt­ verbriefte Erbansprüche, welche Frankreich unter­ stützte. Der Bayrische Kurfürst Karl Albrecht, ein Sohn Max Emanuels, ließ sich am 24. Januar 1742 im Dom zu Frankfurt zum deutschen Kaiser krönen. Ob­ wohl ihn die Kurfürsten gewählt hatten, unterstützten sie ihn nicht. Er war ein Kaiser ohne Macht und es kam zum österreichischen Erbfolgekrieg. Die bayerischen Truppen rückten zwar bis gegen Wien vor, aber durch die kopflose Kriegsführung der Feld­ marschälle Graf Törring und Seckendorf mußten sie wieder umkehren und durch die nachrückenden Öster­ reicher wurden dann große Teile Bayerns besetzt. Un­ ter den Besatzern war auch der berühmt berüchtigte Oberst Trenk mit seinen Panduren. Der ostpreußische Edelmann Franz von der Trenk hatte aus Ungarn und Kroaten, Sträflingen und Aben­ teurern ein Freicorps gebildet und bot seine Dienste der Kaiserin Maria Theresia an, die in ihrer verzweifel­ ten Lage die Horde in Sold nahm. Am 13. Februar 1742 wurde München von den Öster­ reichern besetzt und von da aus unternahmen sie auch ihre Beutezüge isaraufwärts bis Lenggries. Unter An350

drohung des Abbrennens der Häuser mußten die ver­ schiedenen Orte Kriegssteuer bezahlen,· womit die Österreicher ihre Feldzüge finanzierten. So mußte Wolfratshausen einmal 7500 Gulden zahlen, das Klo­ ster Beuerberg 2000 und Lenggries 1500 Gulden. Am 19. März 1742 ist der österreichische General Herber­ stein mit seinem Adjutanten Gondola in Tölz einge­ rückt und erhob Brandschatzung. 15000 Gulden muß­ ten angeblich bezahlt werden. Gestohlen und geplün­ dert wurde noch nebenbei. Als am 13. April 1742 eine österreichische Abteilung die Kriegsbeute nach Mün­ chen fortschaffen wollte, wurde sie auf der Straße nach Dietramszell, an der Zwieselbrücke, wo bewaldete Hü­ gel natürliche Schanzen bilden, von isarwinkler Bauern angegriffen. Dabei wurde ihnen die Beute wieder abge­ nommen. In einer Kutsche saß der Adjutant Gondola. In der Annahme, es wäre Trenk, haben ihn die Bauern erschossen. Gondola und fünf Panduren wurden im kleinen Friedhof von Kirchbichl beerdigt. Auf einer Schrifttafel am Kircheneingang wird unter anderem auch dieses Ereignis erwähnt. Der Degen und die Handschuhe des Adjutanten wer­ den noch im Tölzer Heimatmuseum aufbewahrt. An der gleichen Stelle wurde während des dreißigjähri­ gen Krieges am 26. Mai 1632 von den isarwinkler Schüt­ zen eine schwedische Streifschar angegriffen und ver­ nichtet. Allein 53 Pferde wurden dabei lebend erbeu­ tet. Damals ist die Sache gut abgelaufen, das zweite­ mal, wie die Ereignisse bald zeigten, nicht mehr. Schon am 22. Mai 1742 kam Trenk mit seinen Panduren zurück, um sich für den Überfall zu rächen. Die Tölzer Obrigkeit kam dem Wüterich entgegen und bat um Gnade für den Markt, da sie am Überfall nicht beteiligt waren. Trotzdem mußten sie 4000 Gulden Brandsteuer zahlen. Da sie diese Summe nicht mehr aufbringen konnten, streckte sie ihnen der kurfürstliche Salzbe­ amte Friedrich Nokher vor. Er verwandelte später diese Summe, die ihm die Tölzer schuldeten, in eine Stiftung für das Benefizium auf dem Kalvarienberg. Trenk suchte dann den Gaisacher Bauern Josef Heim­ greiter, der angeblich den Gondola erschossen, dabei

erkannt und verraten worden war. Zuerst ließ er dessen Hof, genannt beim Bacher an der Straß, niederbren­ nen. Nachdem seine Landsleute den Bacher, der sich im Wassergraben am Rechelberg versteckt hielt, nicht auslieferten, ließ der Pandurenoberst von Puchen bis Rain 22 Höfe niederbrennen. Dabei kamen auch 10 Menschen, die sich dagegen wehrten, ums Leben. Die gottlosen Gesellen zündeten in ihrer Wut mit Pech­ kränzen auch ein Feldkreuz an, wobei das Kruzifix ver­ brannte und der Stamm verkohlte, während die schmerzhafte Muttergottes auf wunderbare Weise er­ halten blieb. Sie steht heute noch in der Kapelle. Brandspuren sind daran noch zu erkennen. Daher der Name »Kapelle beim obbrenntn Kreuz«. Nachdem Heimgreiter erfuhr, daß das Abbrennen der Häuser seinetwegen geschah, lieferte er sich aus und wurde nach München gebracht, wo er am 7. Juni mit qualvollen Stockschlägen hingerichtet wurde. Kooperator Höck machte durch Vermittlung der Grä­ fin Herwarth von Hohenburg bei Lenggries eine An­ zeige wegen der Greueltaten der Panduren. Daraufhin ließ General Bärenklau Trenk verhaften. Der Obrist Franz von der Trenk wurde 1746 wegen sei­ ner Untaten von einem Kriegsgericht zum Tode verur­ teilt, von der Kaiserin Maria Theresia auf lebenslängli­ che Haft begnadigt. Hinter den Mauern der Festung Spielberg bei Brünn erinnert_e er sich an seine schrecklichen Taten. Im Para­ graph 6 seines Testaments verfügte Trenk die Stiftung eines Spitalhauses für 30 Personen in Wien: »Vor allem aber sollen darin diese Armen aufgenommen werden, die sich legitimieren können;.daß sie in der Stadt Cham oder im Isarwinkel von dem letzten Krieg her verun­ glückt oder verarmt sind. In ewiger Unterhaltung die­ ser meiner Stiftung vermache ich 30.000 Gulden. Trenk starb am 4. Oktober 1749 mit 39 Jahren. Bis zum Jahre 1840 hatten sich 30 Personen von Cham des Ge­ nusses dieser Testamentsverfügung im großen Armen­ haus in Wien erfreut. Ob auch Isarwinkler in den Ge­ nuß dieser Stiftung gekommen sind, ist nicht bekannt.


chen Jahr auf der Post in Füssen mit der Kaiserin Maria Theresia bedingunglos den Frieden ab. Der Isarwinkel wurde seit der Zeit 200 Jahre von Kriegseinwirkungen weitgehend verschont, bis in den ersten Maitagen 1945, als deutsche Truppenverbände in den letzten Kriegstagen gegen die vorrückenden Amerikaner noch sinnlosen Widerstand leisteten. Da­ bei wurden in diesem Gebiet durch Artillerie noch mehrere Häuser in Brand geschossen und auch Men­ schenleben waren noch zu beklagen. Wer noch nie Kriegshandlungen miterlebt hat, wird es nie ganz erfassen können, welche Gnade es ist, in Frie­ den leben zu dürfen.��Möge uns die Muttergottes, die Schutzpatronin Bay­ erns, vor zukünftigen Kriegsgeschehen beschützen. Franz Sappl

Kapelle beim abbrenntn Kreuz in Gaißach-Puchen. Erbaut im Jahre 1752. In der Gegend von Cham in der Oberpfalz hat Trenk mit seinen Panduren damals auch sein Unwesen getrie­ ben und schrecklich gehaust. In Waldmünchen gibt es heute zur Erinnerung an diese Zeit einen Verein, der in original nachgemachten Uniformen der Panduren bei verschiedenen Festzügen zu sehen ist. Als der Preußenkönig Friedrich der Große 1744 in Böhmen einmarschierte, mußten sich die Österreicher aus Bayern zurückziehen und Kurfürst Karl Albrecht konnte am 2. Oktober 1744 wieder nach München in seine Residenz zurückkehren, wo er dann am 25. Ja­ nuar 1745 starb. Sein Sohn Kurfürst Maximilian III. schloß dann im glei-

Der Name Trenk allein schon, verbreitete in den Jah­ ren 1741-43 in verschiedenen Gebieten Bayerns Angst und Schrecken. So auch in den verschiedenen Orten Isar- und Loisachaufwärts bis Beuerberg und Leng­ gries. Trenk war ein großer starker Mann und wurde wegen seiner Tapferkeit und Kühnheit einerseits ge­ achtet, aber wegen seiner Grausamkeit und Beutegier von Freund und Feind auch verachtet und gefürchtet. Auf Grund ihres wilden Aussehens, ihrer Mordlust und Raubgier wurden seine Panduren und Slovacken von der betroffenen Bevölkerung damals als halbe Teufel eingestuft. Ein Chronist schreibt u.a. 14.May seyndt wiederum viele Panduren ankommen abscheulich wüsthe Leuth, dergleichen das Land noch niemals gese­ hen: Diese wilde Horde konnte kein anderer Offizier führen, dem Trenk gehorchten sie denn er hatte eine ei­ gene Art Disziplin zu halten. Laut Überlieferung schlug er, aufsässigen Untergebenen, mit einem Säbel­ hieb den Kopf ab. Der Schrecken der Untaten der Pan­ duren und Slovacken hing der Bevölkerung in den be­ treffenden Gebieten jahrzehntelang nach. Ein in unse­ rem Dialekt früher oft gebrauchtes Schimpfwort »du Schlawack« stammt noch aus dieser Zeit. Trenk war ein Günstling der Kaiserin Maria Theresia, er hatte aber auch viele Feinde und Neider. Deshalb wurde ihm 1746 wegen Kirchenraub, Atheisterei, Grausamkeit, Not­ zucht und Betrug der Prozeß gemacht. Er wurde zum Tode verurteilt. Kurz vor seinem Tod am 4. Oktober 1749 tritt er zum katholischen Glauben über und macht den Kapuzinern noch einige Stiftungen. Aus diesem Grund wurde er in der Kapuzinergruft in Brünn beige­ setzt. F. Sappl

Freiherr von der Trenk

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Ein Streifzug durch das Loisach- und Isartal »Es gibt nur a Loisachtal alloa« und »Im schönen Isartal« So beginnen die ersten Strophen des bekannten Loi­ sachtal-Liedes und des noch bekannteren Tölzer Schüt­ zenmarsches, mit denen unsere engere Heimat besun­ gen und verherrlicht wird. Als 1919 in Penzberg unser Gauverband gegründet wurde und man diesem Trachtengau einen Namen ge­ ben mußte, haben die Gründer den Namen des Flußes, der nahe an Penzberg vorbeifließt, gewählt. So wurde er Loisachgau genannt. Bei der Gründung waren es neun Vereine, zum jetzigen Zeitpunkt gehören 30 Ver­ eine dem Gauverband an und von diesen Vereinen lie­ gen die Hälfte mit ihrem Vereinssitz näher an der Isar wie an der Loisach. Deshalb möchte ich in einem Streif­ zug durch die Landschaft dieser beiden Flußtäler mit diesem Beitrag etwas aus der Vergangenheit wieder auffrischen und Gegenwärtiges kritisch betrachten. Es wird kein Aufsatz über die geologische Entwicklung unserer Landschaft sein, dies soll den Wissenschaftlern überlassen bleiben. Zum Anfang der Menschheitsge-

Das Isar- und Loisachtal rund um die Benediktenwand

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schichte bestand ja die Meinung, daß unsere Erde in der jetzigen Form entstanden ist. Erst durch intensive Forschung sind die Wissenschaftler darauf gekommen, daß unsere Mutter Erde erst in Millionen von Jahren dauernden Entwicklung die jetzige Gestalt angenom­ men hat. Eines Menschen Zeit ist im Vergleich zu die­ sen Zeitspannen nur ein kurzer Moment. Wenn man verschiedene Abhandlungen der Forscher über die Geomorphologie (Gestaltlehre) liest, fällt auf, daß bei den verschiedensten Theorien oft keine Übereinstim­ mung besteht. Über einige Forschungsergebnisse streiten sich die Ge­ lehrten. Auf gut bayrisch könnte man da sagen: »Nix gwiß woaß ma net«. Für einen Laien auf diesem Gebiet ist es vielleicht noch interessant zu wissen, daß unsere Landschaft nach der letzten Eiszeit - der sogenannten Würmeiszeit - die jetzige Form, den letzten Schliff be­ kommen hat. Wenn man von oben von einem Berg aus diese Landschaft betrachtet, kann man sich den Vor­ gang fast bildlich vorstellen. Wie sich die Gletscher aus den Bergtälern herausgeschoben haben und mit zuneh-

Sylvenstein-Stausee

mender Erwärmung langsam abgetaut sind. Zuerst hat sich ein großer See gebildet und durch die Ablagerung der Gletscher - genannt Moränen - sind dann die Hö­ henrücken entstanden, auf denen sich später Menschen angesiedelt haben. Das Wasser- auch als Wolfratshau­ ser See bezeichnet - ist langsam abgelaufen. Es haben sich Rinnsale gebildet, die heutigen Flüsse Loisach und Isar. Zurückgeblieben sind einige Seen und Moore, so daß die Loisach von Murnau bis Wolfratshausen noch hauptsächlich von Moorlandschaften eingesäumt wird. Der Isargletscher hat das Isartal ein wenig anders ge­ staltet. Die Isar ist von Tölz bis hinaus in die Schotter-· ebene meistens begrenzt von Steilufern, im heimischen Sprachgebrauch »Isarleitn« genannt. Die beiden Flüsse haben ihren Ursprung in unserem Nachbarland Tirol. Die Loisach entspringt im Wettersteingebirge bei Ler­ moos, fließt durch den Kochelsee und mündet nach 120 Kilometern unterhalb von Wolfratshausen in die Isar. In früheren Zeiten gab es bei Hochwasser vor der Mün­ dung einen Rückstau. Dadurch hatte der Ort Wolfrats­ hausen immer unter Überschwemmungen zu leiden.


Nach dem 1. Weltkrieg wurde deshalb der Isar-Loi­ sach-Kanal gebaut. Damit wurde ein Teil des Loisach­ wassers schon vor dem Ort in die Isar umgeleitet und somit war die Hochwassergefahr weitgehend beseitigt. Die Isar entspringt im Karwendelgebirge bei der Haller­ anger-Alm und mündet nach 263 Kilometern unterhalb Deggendorf in die Donau. Nachdem Flüsse in Ermangelung von Straßen und son­ stigen Verkehrsmitteln in früheren Jahrhunderten große Bedeutung für den Transport von Gütern hatten, wurde auf beiden Flüssen etwa ab dem 13. Jahrhundert die Flößerei zu diesem Zweck betrieben. Der Chronist J. Baader schreibt zum Beispiel, daß sich auf der Floß­ lände in Mittenwald Passeirer aus Südtirol eingefunden haben, um mit ihren schweren Kraxen voll Edelobst die zwölfstündige Floßfahrt nach München anzutreten, wo sie dann die damals so raren Südfrüchte verkauften. Einmal in der Woche fuhr auch ein fahrplanmäßiges Floß zur Personenbeförderung, das sogenannte Ordi­ narifloß. Eine Fahrt von München nach Wien kostete 3 Gulden. Auf jegliche Bequemlichkeit und Komfort

mußte allerdings verzichtet werden. In den Türken­ kriegen ab 1683 lieferten die Isar- und Loisachflößer Truppen und Kriegsmaterial bis Wien und Belgrad. In den beiden Flußtälern - besonders im oberen Isartal gab es früher auch Dutzende von Kalkbrennereien und auch etliche Gipsmühlen. Diesen gebrannten Kalk und den gemahlenen Gips aus den Gipsbrüchen benötigten besonders die Stukkateure in der Barockzeit. Das Wasser der Flüsse wurde auch von vielen Säge­ mühlen genutzt. Außerdem gab es noch Kohlemeiler und Ölschlägereien, wo Leinöl gewonnen wurde. Auch Rinde wurde zu Lohe für die Gerber verarbeitet. Das war sozusagen die Industrie der vorigen Jahrhunderte im Isar- und Loisachtal. Die Endprodukte, und dabei soll auch das Tölzer Bier und die Tölzer Kästen (Mö­ bel) nicht vergessen werden, wurden größtenteils mit den Flößen abtransportiert - bis München und auch noch weiter. Nur kärgliche Reste dieser ehemaligen Anlagen und Betriebe sind heute noch zu finden. Einige Haus-, Flur- und Straßennamen erinnern noch daran. Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes wurde

Am 15. Mai 1935 fuhr zum letzten Mal ein Pferdepostwagen von Lenggries nach Vorderriß.

die Flößerei bedeutungslos. Heute fahren bloß mehr sogenannte Gesellschafts- und Vergnügungsflöße von Wolfratshausen nach München. Nachdem sich in unserer Zeit der Personen- und Güter­ verkehr großteils auf die Straße verlagert hat, scheint jetzt die Bahn vom gleichen Schicksal betroffen zu sein. Schon in den sechziger Jahren wurde das Teilstück der Isartalbahn zwischen Wolfratshausen und Bichl wegen mangelnder Rentabilität stillgelegt. Weitere Stille­ gungspläne bestehen noch. Brückenzölle waren früher einmal eine wichtige finan­ zielle Einnahmequelle für den jeweiligen Landesherrn. Vor Jahrhunderten kassierten schon die bayerischen Herzöge den Zoll an der Tölzer Isarbrücke. An dieser Stelle überquerte eine alte Saumstraße die Isar, auf der hauptsächlich Salz - das weiße Gold, wie es manchmal genannt wurde - von Reichenhall in Richtung Augs­ burg und bis in die Schweiz befördert wurde. Die Ent­ stehung der heutigen Stadt Bad Tölz dürfte wohl mit dem Flußübergang und der Mautstelle zusammenhän­ gen. Es ist noch nicht allzulange her, daß der Brücken-

Einer der letzten Kalköfen im Isartal 353


zoll aufgehoben wurde. Ich kannte noch einen Mann, den man immer noch den Zolleinnehmer nannte, weil er diese Tätigkeit früher an der alten Isarbrücke ausge­ übt hat. Ab Garmisch wurde auch auf der Loisach die Flößerei betrieben. Vermutlich waren die Flöße auf der Loisach kleiner und durften deshalb nur bis zur Einmündung in die Isar fahren. Es dürfte verständlich sein, daß deshalb oberhalb der Mündung ein wichtiger Umschlagplatz war und