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Das Sprachlabor in der Aktentasche

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PASCH in der Tschechischen Republik Von Willi Krüsemann

Sprachlabors haben in der Tschechischen Republik eine lange Tradition, und so ist es kaum verwunderlich, dass immer wieder Wünsche von Schulen an die dort im Auftrag der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) tätigen Fachberater herangetragen wurden, die Einrichtung von Sprachlabors zu unterstützen. Während aber Sprachlabors in einem sich an der audiolingualen Methode orientierenden Fremdsprachenunterricht eine wichtige Funktion erfüllten, begannen auch in der Tschechischen Republik viele Schulen ihre Sprachlabors abzubauen. Dies geschah spätestens im Zusammenhang mit einer Neuorientierung der Fremdsprachendidaktik auf kommunikative Kompetenzen der Lerner, und es erfüllte auch häufig die geheimen Wünsche der Fremdsprachenlehrerinnen und -lehrer, die oft genug mit der doch sehr komplexen Technik und ihren Unzulänglichkeiten zu kämpfen hatten. Aber auch Schülerinnen und Schüler wurden von Übungen befreit, bei denen sie wie Papageien in unzähligen pattern-drills, losgelöst von Kommunikationssituationen, Sätze nachsprechen mussten.

Da aber Hörverstehen auch weiterhin eine wichtige Fertigkeit blieb, zogen nun Kassettenrekorder und CD-Spieler in den Unterricht ein, und seit etwa 20 Jahren gibt es kaum ein Lehr-

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werk, das nicht wenigstens die Lehrwerktexte auf Audiokassetten und / oder CDs anbietet. Damit ließen sich wesentliche Forderungen der Fremdsprachendidaktik nach authentischen

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Texten in realitätsnahen Kommunikationssituationen mit möglichst vielen Muttersprachlern verwirklichen. Die typische Unterrichtssituation ist erfahrenen Fremdsprachenlehrern bekannt: Der Kassettenrekorder/CD-Spieler wird auf dem Lehrerpult platziert, die Audiokassette oder CD eingelegt und dann beginnt das verzweifelte Suchen nach einem der häufig mehr als sechzig Audiotracks. Durch Knopfdruck wird der endlich gefundene Teil der gesamten Klasse oder Lerngruppe präsentiert, aber eine Individualisierung des Hörens und der damit verbundenen Lernprozesse ist eigentlich nicht möglich. Für die Förderung von Hörverstehenskompetenzen wäre also ein Unterrichtsmedium erforderlich, das folgende Voraussetzungen erfüllt: • einfache Bedienbarkeit (in Bezug auf Einsatz und Wartung); • Einsatz mit möglichst geringem logistischen und technischen Aufwand; • Verwendbarkeit für rezeptive (Hörverstehen) und produktive (Sprechen) Übungssequenzen; • einfache Verwendung von vorgefertigten und selbst erstellten Übungsmaterialien; • individualisierbare, differenzierende und vom Lerner selbst zu steuernde Übungssequenzen; • einfache Aktualisierbarkeit der Materialien. Die Idee, ein solches Medium zu finden und im Unterricht einzusetzen, fand sich in dem Beitrag „Kopfhörer auf und los! Vom Sprachlabor zum MP3-Player, der neben vielen theoretischen Vorüberlegungen auch ein konkretes Projekt an der Deutschen Schule Guayaquil vorstellt (Wicke / Schiffer 2008). Dieser Artikel, der im Frühjahr 2008 erschien, traf mit der Genehmigung von PASCH-Mitteln auch zur Verbesserung der technischen Ausstattung der Deutsch-als-Fremdsprache-Fachbereiche an DSD-Schulen zusammen, sodass Überlegungen sinnvoll waren, auf der Grundlage des oben genannten Artikels alle vierundzwanzig DSD-Schulen in der Tschechischen Republik mit einem mobilen Sprachlabor auszustatten. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die Verwendung von MP3-Playern im Deutschunterricht zur Unterrichtsentwicklung beiträgt, indem ein den Schülern vertrautes modernes Medium sinnvoll zur Neugestaltung des Angebotes und der Bearbeitung von Texten eingesetzt wird. Die Organisatoren des Projektes Das Sprachlabor in der Aktentasche waren sich dessen bewusst, dass sie mit dem Einsatz dieser Geräte die Lehr- und Lernkultur im fremdsprachigen

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Deutschunterricht der tschechischen Schulen einer Veränderung unterziehen würden, und dies war im Sinn der Unterrichtsentwicklung auch intendiert. Es war davon auszugehen, dass neue Ansätze in der Methodik / Didaktik des Deutschunterrichts berücksichtigt werden mussten, indem den Schülern z.B. ein größeres Maß an eigenverantwortlichem Lernen zugestanden wurde. Sprachlabor im Sortierkasten Ausgehend von den Erfordernissen der Schulen besteht die technische Grundausstattung eines solchen Labors aus zwölf bis fünfzehn MP3-Playern (je nach Klassengröße – in der Tschechischen Republik dürfen in einer Fremdsprachenlernergruppe höchstens fünfzehn Lerner sein), zwölf bis fünfzehn Kupplungen (damit gibt es die Möglichkeit, jeweils zwei Schüler mit zwei Kopfhörern an einem MP3-Player arbeiten zu lassen), ein USB-HUB mit sieben USB-Ports, um gleichzeitig auf bis zu sieben Geräte Hörmaterialien von einem Computer überspielen und aufladen zu können. In einem Sortierkasten aus dem Baumarkt können die MP3-Player gut sichtbar aufbewahrt und transportiert werden (Größe etwa 30 cm x 20 cm x 4 cm). Die Gesamtkosten einer solchen Grundausstattung für eine Schule beliefen sich auch durch erhebliche Mengenrabatte auf etwa 550 € bis 650 €. Optional sind noch zusätzliche Speicherkarten sowie Aktivlautsprecher, um Hörtexte auch für die gesamte Lernergruppe abspielen zu können. Bei der Auswahl der MP3-Player waren folgende Kriterien von Bedeutung: einfache Bedienbarkeit, variable Geschwindigkeit, 4 GB-Speicher und zusätzliche Speichermöglichkeit per Micro-SD-Karte, Audiodateien im MP3- und WAVFormat, in denen Videodateien abspielbar sind, KaraokeFunktion, einfache Wiederaufladbarkeit (keine Batterien), eingebautes Mikrofon zur Sprachaufnahme

Technik im Unterricht Während davon auszugehen war, und die ersten Erfahrungen bestätigen dies, dass für die meisten Schülerinnen und Schüler die Benutzung der MP3-Player ein nicht mehr wegzudenkendes Element ihres Alltags ist, also hier keinerlei Akzeptanzprobleme zu erwarten sind, scheint es doch notwendig zu sein, den betroffenen Lehrerinnen und Lehrern Hilfen anzubieten, die ihnen den Einsatz des mobilen Sprachlabors mit einem zumutbaren Aufwand ermöglicht. Dazu gehören zunächst technische Anleitungen, die sowohl die Handhabung der Geräte als auch eine Einführung in die Benutzung der Software zum Erstellen und Bearbeiten von Audio- und Videomaterialien umfassen. Daneben sind aber auch didaktisch-methodische Überlegungen zum Einsatz des Sprachlabors erforderlich, die die Möglichkeiten zur Gestaltung von individualisierten Lernprozessen möglichst konkret und präzise beschreiben,

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beispielsweise die individualisierte Präsentation von Lehrbuchtexten, eine Erweiterung des Literaturunterrichts durch den Einsatz von Hörbuchern, individualisiertes und differenzierendes Arbeiten mit HV-Texten und Videosequenzen. Neben diesen eher rezeptiven Aufgaben können Schülerinnen und Schüler die Geräte durch die integrierte Aufnahmefunktion auch zum Erstellen und anschließenden Präsentieren eigener Hörtexte (z.B. Dialoge, Interviews, Hörspiele) benutzen. Nahezu alle deutschsprachigen Radio- und Fernsehsender stellen mittlerweile ihre Angebote im Internet zur Verfügung (video and radio on demand), sodass es völlig unproblematisch ist, aus dem riesigen Angebot kostenlose, inhaltlich und sprachlich geeignete Materialien zu erstellen bzw. einfach herunterzuladen. Daneben bieten auch alle Schulbuchverlage HV-Materialien auf CDs/Musikkassetten an. Um urheberrechtliche Probleme zu vermeiden, haben wir Schulbuchverlage kontaktiert und sehr preisgünstige Pauschallizenzen erhalten, die es ermöglichen, bestimmte Audiomaterialien (z. B. Audio-CDs zu „Ausblick 1“ und „Ausblick 2“) auf alle Geräte zu übertragen.

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Klärung der Verantwortlichkeiten für Verfügbarkeit, Vollständigkeit, Wartung (technisch, inhaltlich), Hygiene, Ausleihe der Geräte, Verfügbarkeit von Materialien und notwendigen Hilfsmitteln wie Computer, Laptop, Lautsprecher diskutiert werden. Anschließend ist geplant, gemeinsam Unterrichtsmaterialien (Hörtexte, Arbeitsblätter, Unterrichtseinheiten) zu erstellen, die dann in einem Handbuch, aber auch auf der Fachberaterhomepage allen Lehrkräften zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Quantität, aber insbesondere die Qualität dieser Materialien wird ein entscheidender Faktor dafür sein, ob mit dem Sprachlabor in der Aktentasche ein Werkzeug zur Verfügung steht, das das methodische Repertoire der Lehrkräfte erweitert, Schülerinnen und Schüler motiviert und damit die Qualität des Unterrichts erhöht. Literatur Wicke, Rainer-E.: Kopfhörer auf und los! Vom Sprachlabor zum MP3-Player. In: Verband Deutscher Lehrer im Ausland (VDLiA) (Hrsg.): Deutsche Lehrer im Ausland. Heft 2 / 2008. Münster: Aschendorff, 186–188 Huber-Schiffer, Angelika: Das Sprachlabor in der Jackentasche. In: Verband Deutscher Lehrer im Ausland (VDLiA) (Hrsg.): Deutsche Lehrer im Ausland. Heft 2 /2008. Münster: Aschendorff, 188–191

Mobile Sprachlabors in Tschechien Um eine möglichst hohe Akzeptanz zu gewährleisten, haben wir uns entschlossen, die seit einigen Monaten verfügbaren Geräte nicht einfach an die Schulen auszuliefern, sondern nach einer ersten Vorstellung und Erprobung im Rahmen einer Lehrerfortbildungsveranstaltung mit tschechischen, polnischen und deutschen Lehrkräften einigen Schulen die Möglichkeit zu geben, erste Erfahrungen mit dem Einsatz der mobilen Sprachlabors zu sammeln. Danach wurden in mehreren landesweiten Seminaren / Workshops die Lehrkräfte zunächst mit der Technik (Geräte und Software) vertraut gemacht. Um die Unterrichtsentwicklung im Deutschunterricht vorantreiben zu können, ist es darüber hinaus auch dringend notwendig, den Lehrern Gelegenheit dazu zu geben, sich in die Rolle ihrer Schüler zu versetzen und die Handhabung des MP3-Players anwenderorientiert zu erproben. Auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen in Guayaquil und den Erprobungsschulen sollen dann organisatorische und praktische Überlegungen wie Aufbewahrung des Sprachlabors,

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