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ZUKUNFTSWERKSTATT 2017

IMPROVISATION Dokumentation Universität für Musik und darstellende Kunst Graz


ZUKUNFTSWERKSTATT 2017

IMPROVISATION 14. – 16. MÄRZ 2017 PRÄSENTATIONEN • WORKSHOPS • COACHINGS • DISKUSSIONEN • JAM SESSIONS

Universität für Musik und darstellende Kunst Graz


Dokumentation

ZUKUNFTSWERKSTATT 2017 INHALT Vorwort 5 Tag 1 Welcome & Presentation

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Gäste der Zukunftswerkstatt 2017 Improvisation

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„COOP“-Workshops Keynotes / Diskussion / Praxis

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Back to the Ears – Präsentation & Diskussion

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Rückblick 51 Tag 3 Werkstücke – Abschlusspräsentation

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Vorschau 64


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Vorwort Als Inspiration für die tägliche Arbeit an unserer Universität und im Bewusstsein, dass in der Kunst Vielseitigkeit und die Bereitschaft zu vernetztem Denken und Handeln unabdingbar sind, bieten wir unseren Studierenden und Lehrenden im Rahmen unserer jährlichen dreitägigen ZUKUNFTSWERKSTATT Erfahrungsaustausch mit internationalen Persönlichkeiten an. Diese Tage sollen mithelfen, Einblicke zu verschaffen in wesentliche und innovative Themen des aktuellen Kunstbetriebes und der dazugehörigen Ausbildung und zukunftsträchtige berufsbezogene Tendenzen erlebbar machen. Vom 14. – 16. März 2017 haben wir uns dem Thema „Improvisation“ in seiner ganzen Vielfalt verschrieben. Im Bewusstsein, dass dieses facettenreiche Thema integraler Bestandteil jeder Art künstlerischen Denkens sein könnte oder sollte, haben wir es nicht nur auf Jazz oder experimentelle zeitgenössische Musik bezogen, sondern ebenso auf den klassischen Bereich und das Schauspiel. Es wurde im Verlaufe des Studienjahres immer wieder aufgegriffen und hat dann im Rahmen der Zukunftswerkstatt eine institutsübergreifende und innovative Zusammenfassung gefunden. Eine Zusammenfassung, die natürlich nicht mehr sein wollte und konnte als ein – für viele Beteiligte hoffentlich spannender und anregender – Impuls, sich auf dieses komplexe und vielfältige Thema weiterhin ernst- bzw. dauerhaft einzulassen.

Es ist uns gelungen, hochkarätige internationale Gäste in Graz zu begrüßen, die dieses Thema drei Tage lang gemeinsam mit unseren Studierenden und Lehrenden sowohl praktisch erarbeitet, als auch dessen Relevanz diskutiert haben. In diesen Tagen wurde ebenso vertiefend mit denjenigen gearbeitet, die bereits mit dem Improvisieren vertraut sind, wie auch Möglichkeiten geschaffen, erste Erfahrungen in diesem Bereich zu machen: als ein interessantes Element für das eigene Musizieren und als Impuls für die individuelle künstlerische Entwicklung und Flexibilität. Auffallend und wesentlich war, dass sich keiner unserer Gäste in seiner Arbeit auf sein spezifisches Instrument beschränkte. Mit „Back to the Ears“ gab es ein ganz besonderes – im europäischen Diskurs entwickeltes – Thema: Karst de Jong und Bert Mooiman haben Improvisation als integrierter Bestandteil des Theoriecurriculums am Königlichen Konservatorium Den Haag in den Niederlanden präsentiert. WELCOME & PRESENTATION und WERKSTÜCKE im György-Ligeti-Saal des MUMUTH waren die beiden großen flankierenden Veranstaltungen, bei denen man auf unerwartete und ungewöhnliche Weise unsere Gäste gemeinsam mit Lehrenden und Studierenden der KUG erleben konnte – sowohl für die Beteiligten, als auch für die Zuschauenden ein besonderes Erlebnis, wie zahlreiche Reaktionen zeigen.

Elisabeth von Magnus Vizerektorin für Kunst

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To learn more about your own instrument also means to learn more about yourself. 6

John Kenny / GB


TAG 1 W ELCOME & PRES E N TAT IO N 7


WELCOME & PRESENTATION im György-Ligeti-Saal Der Eröffnungsabend der Zukunftswerkstatt Improvisation brachte internationale ReferentInnen mit Lehrenden der Kunstuniversität zusammen – manche von Ihnen kannten sich bereits einige Zeit, manche lernten sich am Tag des „Gigs“ erst persönlich kennen. Die Struktur des Konzertes war geplant – auf insgesamt acht Lichtinseln im György Ligeti Saal im MUMUTH hatte jeder der Gäste ein Zeitfenster von sieben Minuten, um sich und seine Arbeit zu präsentieren. Mit oder ohne Instrument, mit oder (vorzugsweise) ohne Sprache stand die Herausforderung, das Thema Improvisation vorzustellen und dabei unterschiedliche Ansätze und Möglichkeiten anzutippen. Jahrelange künstlerische Praxis und Entwicklungen flossen in diese Vorstellungsrunde der besonderen Art ein.

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Ein wichtiges Element der Improvisation in allen Kunstgattungen ist das Annehmen der kommunikativen künstlerischen „Angebote“ des Partners oder der Partnerin. Insofern war es naheliegend, den für die Workshops mit den Studierenden gewonnenen Koryphäen dieser künstlerischen Arbeitsweise Partner an die Seite zu stellen, mit denen sie genau dieses im Moment stattfindende musikalische Zwiegespräch führen konnten. Das Ergebnis war spannend für die ZuhörerInnen und anregend für die Studierenden – instrumentale Virtuosität und überraschende musikalische Wendungen gaben einen Vorgeschmack auf die folgenden zwei Tage.

Sieglinde Roth Kunstvermittlung

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SAALPL AN – LICHTINSELN G yörgi-L ig e t i-S aal, 14.0 3. 2 0 1 7

1 Historische Improvisation

4 Joëlle Leandre

Flügel, Cembalo, Orgel

2 Karst de Jong + Andreas Woyke

2 Flügel

3 Florian Willeitner & Eddie Louis

5 Peter van Bergen, Paul Koek & Gerald Preinfalk

Geige & Kontrabass

Schlagwerk, Saxophone

6 John Kenny & Thomas Eibinger

Posaunen

5 1 6

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7 4

9

2 3

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7 Ray Anderson & Ed Neumeister

Posaunen

8 Petra Stransky 9 Anne-Liis Poll

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GÄ S TE D E R ZUKUN F T SWE R KSTAT T 2017 I MPROVIS AT IO N 13


Ray Anderson / USA Neben der technischen Exzellenz in der Beherrschung des Instruments ist es die jeweilige Persönlichkeit, die einen Künstler prägt und diesen wiedererkennbar macht. Genau diese Attribute machen Ray Anderson zu einem der meist gefragtesten Posaunisten weltweit. Bereits im Alter von acht Jahren entschied sich Ray Anderson für die Posaune. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte er seine Musikalität und Virtuosität kontinuierlich weiter. Seine ersten musikalischen Erfahrungen sammelte er bereits als Teenager in diversen FunkRock Bands. Bald schon wurde auch sein Interesse an der freien Improvisation und dem Free-Jazz geweckt. Als international gefragter Solist und Bandleader teilte er sich im Laufe der Jahre die Bühnen dieser Welt mit zahllosen renommierten Musikern und ist auf unzähligen Aufnahmen verewigt. Ab dem Jahr 1987 spielte er in der „George Gruntz Concert Jazz Band“´, der er viele Jahre angehörte. (Benjamin Hrdina) www.rayanderson.org

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Ray Anderson Jazz und freie Improvisation Der berühmte amerikanische Jazz-Posaunist und -Komponist fand für diese Tage folgende Worte: „Left brain marries right brain. Harmony and innovation result“ Sein Partner am Eröffnungsabend war Ed Neumeister – Professor für Posaune an unserem Institut für Jazz.

„We all have this critical voice, which is important when you practice. But sometimes you also have to tell that critical person: Sit down for a minute, let‘s fool around and make some music.“ Ray Anderson

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„We should keep questioning ourselves: How can I put more of myself into the music I play?“ Peter van Bergen

Peter v. Bergen / NL Peter (J. A.) van Bergen, Composer & Multi instrumentalist (reedinstruments, live electronics, computer) is as well PhD Researcher at the University of Brussels and Royal Conservatory Brussels, Founder & Director of the International Institute for Improvisation and Founder/ Director of the LOOS Foundation/Studio LOOS. He studied saxophone at the Royal Conservatory in The Hague with Leo van Oostrom andextended techniques with Evan Parker. Since then he has been working in contemporary composed and improvised music, with or without electronics, and often interdisciplinary. Several composers have written compositions for him. In 2000 he and the LOOS Ensemble were awarded the GENECOprize 2000 for exceptional contributions to contemporary composed Dutch music. In 1987 he received the Dutch Podiumprize for Jazz and Improvised Music. In 1985 he was awarded with LOOS, the Ooyevaer Prize for New Music from The City of The Hague. www.petervanbergen.nl

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Peter (J. A.) van Bergen Expectation – Stability – Syntax – Communication – Instability – Transformation – Unpredictability – Suprise Der Komponist, Multiinstrumentalist, Improvisator und Direktor des International Institute for Improvisation hatte gegensätzliche Begriffe als Basis für seine Arbeit mitgebracht: expectation – stability – syntax – communication – instability – transformationunpredictability – suprise / Improvisation and syntax / Improvisation as the art of instability: communication, transformation, unpredictability and surprise Seine Partner am Eröffnungsabend waren Paul Koek und Gerald Preinfalk – Professor für Saxophon an unserem Institut Blas- und Schlaginstrumente.

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Andreas Böhlen / A Andreas Böhlen ist Blockflötist und Jazz-Saxophonist und sowohl im Bereich der alten Musik als auch der zeitgenössischen Musik und des Jazz tätig. Sein Spezialgebiet ist die Improvisation. Nach einem Blockflötenstudium in Bremen, Köln und Amsterdam folgten Studien der Musikwissenschaften in Bologna und historische Improvisation in Basel und Jazz-Saxophon am Amsterdamer Konservatorium und an der Jazzschule Basel. Als Leiter seiner eigenen Formationen Theatrum Affectuum, Satyr’s Band, Andreas Böhlen Band und Crank, als Mitglied verschiedener Kammermusikformationen und Bands und in Zusammenarbeit mit renommierten Orchestern konzertiert er in ganz Europa, Japan, USA und Australien. Der mehrfach internationale Preisträger produzierte ebenso für internationale Fernseh- und Radiosender als auch zahlreiche CDs – darunter La meraviglia parlante, Satyr’s Band, Airborne, Windgesang, Cruise und Most ravishing things. Er lehrt als Professor für Blockflöte an der Kunstuniversität Graz. www.andreasboehlen.com

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Andreas Böhlen Historische Improvisation Dem Spezialisten für Alte Musik, Jazz und Improvisation ging es um das Erkennen improvisatorischer Strukturen in der Literatur und Anwendung dieser für eigene Improvisationen. Seine Partner am Eröffnungsabend waren Bert Mooiman, Ulrich Walther, Professor für Orgel an unserem Institut Kirchenmusik und Orgel und Manfred Tausch, Professor für Klavier an unserem Institut Klavier.

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Karst de Jong / NL Karst de Jong studied Classical Piano with Geoffrey Douglas Madge and Music Theory with Diederik Wagenaar, Ineke Kien and others at the Royal Conservatoire of The Hague. Shortly after finishing his studies he was appointed as a professor of music theory at the Conservatories of Amsterdam and The Hague, specializing in the relationship between musical analysis, interpretation and performance. In 2003 he was appointed professor of composition techniques and improvisation at the ESMUC (Escola Superior de Música de Catalunya) in Barcelona. Since then he pursues to make the practice and teaching of improvisation an integral part of the curricula in higher music education. Karst de Jong has given concerts with pianosolo improvisations in Europe, the US, China and Japan and taught master classes at many international festivals and institutions. He released two CD’s with piano-solo improvisations: „Improdisiac I & II“. Karst de Jong currently lives in Barcelona. www.karstdejong.com

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„Making music is about the balance between thinking and not thinking.“ Karst de Jong

Karst de Jong Improvisation and Storytelling Als Pianist, Improvisator und Musiktheoretiker war sein Ansatz Improvisation and Storytelling unseren Studierenden bereits bekannt, den er so definiert: „gemeinsam Musizieren – einander improvisierend Geschichten erzählen voller musikalischer Ideen und spontaner Ausdrucksmöglichkeiten und dabei die Kontrolle über das eigene Instrument bewusst entwickeln.“ Sein Partner am Eröffnungsabend war Andreas Woyke – er unterrichtet an unserem Institut Klavier Kammermusik und schrieb rückblickend: „Es war mir eine grosse Freude, bei der Welcome-Präsentation mitzuwirken und gemeinsam mit Karst de Jong ein spontan-freies Impro zu gestalten. Sowohl unsere eigene Performance als auch alle anderen Beiträge des Abends und die anschließenden Begegnungen und Gespräche bis hin zur spontanen Jamsession, an der sich viele Studierende beteiligten, waren für mich ein sehr inspirierendes Erlebnis!“

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John Kenny / GB Trombonist and composer John Kenny is not only a professor at both the Guildhall School of Music and Drama in London and The Royal Conservatoire of Scotland – he also works extensively with improvisation and early music and is particularly active in collaboration with dance and theatre. As a member of the European Music Archaeology Project (EMAP) he became the first person for 2000 years to play the great Celtic war horn known as the carnyx. He now lectures and performs on the carnyx internationally in concert halls and on radio, television and film. John Kenny was the recipient of the International Trombone Association’s Lifetime Achievement Award – only the second British Trombonist ever to be accorded this honour. www.carnyx.org.uk www.warwickmusic.com

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„A real musical conversation is listening to each other.“


John Kenny Pandora‘s Box Der Posaunist, Komponist und vielgesichtige Performer nannte seine Workshops Pandora’s Box und meinte: „We don‘t need to be „clever“ or to have vast structural knowledge to improvise – we simply need to reach out and be open to the human and physical environment in which we find ourselves. Open the channels of communication, and the expression will flow.” Sein Partner am Eröffnungsabend war Thomas Eibinger – Professor für Posaune an unserem Institut Blas- und Schlaginstrumente.

„My response as small person on the sadness and frustrations in the world is: love.“ John Kenny

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Paul Koek / NL Der Schlagzeuger und Regisseur Paul Koek war nach seinem Studium Schlagzeug am Königlichen Konservatorium in Den Haag Mitglied von vielen Ensembles wie Hoketus, LOOS, Theaterensemble De Appel und Theaterensemble Amsterdam. Mit Hollandia von Johan Simons verband ihn eine langjährige Zusammenarbeit, bis er 2003 die Veenfabriek gründete – ein dynamisches Musiktheaterensemble, mit dem Paul Koek als Regisseur in verschiedensten Formen und Zusammensetzungen arbeitet. Dabei sind für ihn die Arbeit an Orten außerhalb des Theaterraumes und elementare Musikalität wesentliche Elemente seines Schaffens. Das neue Masterstudium T.I.M.E. (This is Music-theater Education ) am Königlichen Konservatorium Den Haag basiert auf einer Idee und Initiative von Paul Koek und Peter Slangen in Verbindung mit der Veenfabrik. Im November 2009 wurde Paul Koek für seine Arbeit mit dem Prins Bernhard Cultuurfonds Theaterpreis geehrt. www.veenfabriek.nl

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Paul Koek Create don’t illustrate Der Schlagzeuger und Regisseur ließ Schauspieler/ innen mit Musiker/innen gemeinsam improvisieren: Create don’t illustrate – „mit den Mitteln der Improvisation geht es um die Suche nach Ausdruckskraft und Balance von Musik und Text“

„It’s improvisation without an instrument, the student himself is the instrument and for acting it’s very smart to be that.“ Paul Koek

Seine Partner am Eröffnungsabend waren Peter van Bergen und Gerald Preinfalk – Professor für Saxophon an unserem Institut Blas- und Schlaginstrumente.

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Joëlle Léandre / F The French double bass player, improviser and composer, Joëlle Léandre is one of the dominant figures of the new European music. Trained in orchestral as well as contemporary music, she has played with l’Itinéraire, 2e2m and Pierre Boulez’s Ensemble Intercontemporain. Joëlle Léandre has also worked with Merce Cunningham and with John Cage, who has composed especially for her – as have Scelsi and about 40 composers. As well as working in contemporary music, Léandre has played with several of the great names in jazz and improvisation, such as Derek Bailey, Anthony Braxton, George Lewis and so many others … She has written extensively for dance and theater, and has staged a number of multidisciplinary performances. She got the DAAD at Berlin, is welcomed as artist resident at Villa Kujiyama (Kyoto) and is Visiting Professor at Mills college, Oakland, CA, Chaire Darius Milhaud, for improvisation and composition. Her work as a composer and a performer has put her under the lights of the most prestigious stages of Europe, the Americas and Asia. Joëlle Léandre has about 150 recordings to her credit. www.joelle-leandre.com

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„To improvise is not to play. To improvise is making music together.“ Joëlle Léandre

Joëlle Léandre L’improvisation ne s’improvise pas Improvisation kann man nicht improvisieren Die berühmte Kontrabassistin, Komponistin und Improvisatorin hatte als Grundidee L’improvisation ne s’improvise pas und arbeitete auf der Basis von „risk and invention, responsibility – before all, deep deep listening!” Anstatt für uns zu spielen, hat sie uns am Eröffnungsabend mit Worten überzeugt.

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Petra Stransky / D Petra Stransky ist Tänzerin, Musikund Tanzpädagogin (Studium an der Kunstuniversität Mozarteum Salzburg), Choreografin (Masterstudium an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden) und Logopädin. Tanz, Sprache und Musik in ihrer Beziehung zueinander und als persönliches Ausdrucksmedium inspiriert ihre künstlerische Arbeit und wissenschaftliche Recherche. Seit 2003 realisiert sie interdisziplinäre Projekte in Deutschland, Österreich und Brasilien und unterrichtet im Bereich Tanz-SpracheMusik. Dabei gilt ihr besonderes Interesse der Improvisation als Technik, Kompositionsmittel und Bühnenpraxis. Die künstlerischen Projekte und Unterrichtstätigkeiten richten sich sowohl an Professionelle als auch an Laien. www.impro-visions.de

Angelika Luz / D Angelika Luz war als Koloratursopranistin an verschiedenen Bühnen Europas engagiert und trat in Zusammenarbeit  u. a. mit ensemble recherche, Ensemble Modern, Klangforum Wien und den Neuen Vocalsolisten bei allen wichtigen Festivals der Neuen Musik mit über 150 Uraufführungen auf und machte zahlreiche Rundfunk- und CD-Aufnahmen. Sie leitet das „Studio für Stimmkunst und Neues Musiktheater“ an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und arbeitet als Dramaturgin und Regisseurin. www.angelika-luz.de

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Petra Stransky & Angelika Luz StimmTanzLabor Die Tänzerin und Choreografin hat im Rahmen ihres StimmTanzLabors Improvisation als Technik und Kompositionsmittel zur spielerisch kreativen Erforschung und Erweiterung der eigenen Stimmerfahrungen und Bewegungsmöglichkeiten angeboten. Mit ihr zusammen ist Angelika Luz, Professorin für Gesang/Neue Vokalmusik und Leiterin des „Studios für Stimmkunst und Neues Musiktheater“ an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und deren Studierenden nach Graz gekommen, um uns Ergebnisse ihrer gemeinsamen Arbeit zu präsentieren.

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Bert Mooiman / NL The Dutch pianist, organist, improviser and music theorist Bert Mooiman studied at the Royal Conservatoire in The Hague, The Netherlands. He took his certificates as a solo pianist and organist cum laude, and received the prestigious Fock-medal for his extraordinary artistic achievements. In 2003 he finished his studies as a music theorist with a paper on the relation between the work of O. Messiaen and French tonal harmony, which was rewarded with the Martin J. Lßrsen – prize. The performances of Bert Mooiman encompass piano recitals, chamber music, solo concerts with orchestra, organ recitals and basso continuo playing. His repertoire ranges from the earliest music for keyboard to the most recent compositions. Bert Mooiman frequently publishes about theoretical subjects, and delivered papers at conferences of the Dutch-Flemish Society for Music Theory and the German Gesellschaft fßr Musiktheorie. He gives guest lectures at Leiden University. www.koncon.nl/docenten/bert-mooiman

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Bert Mooiman Historisch inspirierte stilgebundene und freie Improvisation Vom Pianisten, Organisten, Improvisator und Musiktheoretiker konnten unsere Studierenden Folgendes erwarten: „harmonisches, rhythmisches und anderes musikalisches „Material“ dient als Grundlage für kreativ improvisierendes Musizieren und trägt dazu bei, die musikalische Sprache der klassischen Musik aktiv und individuell zu beherrschen“ Seine Partner am Eröffnungsabend waren Andreas Böhlen, Manfred Tausch, Professor für Klavier an unserem Institut Klavier und Ulrich Walther, Professor für Orgel an unserem Institut Kirchenmusik und Orgel.

„The music score is not the holy truth.“ Bert Mooiman 31


Anne-Liis Poll / Est Anne-Liis Poll (PhD, professor at the Estonian Academy of Music and Theatre) has studied singing and received her degree in choir conducting at the Estonian Academy of Music and Theatre in Tallin. As soprano soloist she has appeared as in Bach`s Magnificat, Händel´s Messiah and Israel in Egypt, Mozart´s Mass in Cminor etc., while her chamber choir „Eesti Projekt” became rapidly a significant rival to Estonia`s best choir, winning the Grand Prix at the international choir festival „Tallinn `88”. The participation in the ensemble PROimPRO launched a cooperation with Anto Pett which has become an important part of her life. Currently A.-L.Poll teaches singing and voice improvisation at the Estonian Academy of Music and Theatre drama department on her teaching method of voice and creativity – VOICE GAMES. She appears in many concerts in Estonia and abroad, gives a lot of voice improvisation masterclasses and has recorded several improvisations with different groups.

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www.innovativeconservatoire.com/news/networkmember/aliispoll/ www.emic.ee/anne-liis-poll


Anne-Liis Poll Voice Games & Impro Choir Die Sängerin, Chorleiterin und Improvisatorin hat für Sänger/innen Voice Games „Improvisation mit der Stimme als Möglichkeit der Kommunikation“, sowie für Dirigent/inn/en Impro Choir „Geschichten entwickeln mithilfe eines akkordierten Zeichensystems“ angeboten. Sie hat am Eröffnungsabend nicht eine/n Partner/in sondern alle Anwesenden in ihre Präsentation eingebunden.

„Making music is about how we hear the sound. If we hear it clearly, we can also express ourselves clearly.“ Anne Liis Poll

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„Die richtig guten Jazzmusiker spielen fast nichts, dafür immer an richtigen Stellen. “ Florian Willeitner

Florian Willeitner / D Florian Willeitner (25) ist ein vielfach ausgezeichneter deutscher Violinist, Komponist und Arrangeur. Er schuf Werke für namhafte Orchester, Festivals und Solisten, darunter das Tonkünstlerorchester Niederösterreich, das Musikfest Stuttgart, Starviolinist Benjamin Schmid oder Kontrabassvirtuose Georg Breinschmid. Seine Musik wird in renommierten Spielstätten und Festivals aufgeführt (Musikverein Wien, Großes Festspielhaus Salzburg, Classical:NEXT Festival, Heidelberger Frühling, Podium Festival Esslingen, Mattseer Diabelli Sommer, u. a.) Bei der International Zbigniew Seifert Competition 2016, einem der weltweit größten Wettbewerbe für Jazzstreicher, erspielte er den 2. Preis. Florian Willeitner ist Stipendiat der deutschen „Stiftung Cusanuswerk“.

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www.florianwilleitner.de


Florian Willeitner/D Voice Games & Impro Choir Der Violinist, Komponist und Arrangeur hatte Jazz & Irish Folk auf dem Programm auf der Basis von „Reading beyond the lines. Discovering the secrets of groove and spontaneous interaction on the basis of rhythmical and harmonical elements from Jazz and Irish Folk. Thinking in colors. Discovering new playing/bowing techniques on stringinstruments to create an unique, individual sound. Encouraging young, classical-trained musicians to regain freedom in their playing through improvisation and feeling-based creativity.“ Sein Partner am Eröffnungsabend war Eddie Luis – er unterrichtet an unserem Institut Musikpädagogik.

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Everything needs time. Listen deeply.

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Joelle LĂŠandre / F


„COOP“Workshops Keynotes / Diskussion / Praxis 37


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DIE „COOP“-WORKSHOPS Peter van Bergen gemeinsam mit Karst de Jong, John Kenny, Joelle Léandre, Petra Stransky, Ray Anderson Wie der Name schon nahelegt, wurden die beiden Coop-Workshops von mehreren unserer internationalen ReferentInnen in Zusammenarbeit abgehalten. Der erste dieser beiden Workshops stand unter dem Titel „Improvisation and Syntax“ und begann mit einer Podiumsdiskussion. Peter van Bergen eröffnet ihn mit einer provokanten These:

„Improvisierende lassen sich in drei Gruppen einteilen, die erste drückt Einigkeit aus, die zweite Uneinigkeit und die dritte ist sich nur darin einig, dass sie sich uneinig ist.“ Gegen diese These wird von allen Seiten lautstark Einspruch erhoben, Karst de Jong etwa findet sie simplifiziert, Joelle Léandre reklamiert als Hauptthemen der Improvisation Entscheidung, Auswahl und Verantwortung und fordert ein, dass es zwischen Ausführenden, Improvisierenden und Komponierenden keine Hierarchie geben dürfe.

Das wird von John Kenny noch untermauert: Improvisierende bereiten zwar nicht im engeren Sinne vor, was sie spielen werden, haben aber doch ihr ganzes Leben damit verbracht, sich vorzubereiten. Darauf Peter van Bergen:

„Ich habe immer einen Notenständer bei mir, aber er ist in meinem Kopf.“ Zur Vertiefung des Themas empfiehlt er John Corbetts Buch „A Listener´s Guide to Free Improvisation“ und zitiert John Cages „My music is like the weather“.

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Aber genau diese Freiheit habe für Musik Ausübende, die seit dem Beginn ihrer Ausbildung Rollen und Regeln gewöhnt sind, etwas Furchterregendes. Dabei ist auch improvisierte Musik nicht ohne Struktur und Form, und die Resultate von Komposition und Improvisation können die gleichen sein. John Kenny relativiert die aufkommenden Ängste:

„Wir spielen nur, es ist nicht das wirkliche Leben.“ Joelle Léandre:

„Deshalb kann man Improvisation nicht lehren, weil man das Leben nicht lehren kann.“ Wieder ist es Peter van Bergen, der provoziert, mit Fragen nach der Messbarkeit von Langeweile und dem Wert und der Gefahr der Stille. Im praktischen Teil wird zuerst mit spontan formierten Studierenden-Bands an Grundlagen und Möglichkeiten der Improvisation gearbeitet.

Anschließend lässt Peter van Bergen das Klavier mit Mänteln dämpfen, eine hintereinander angeordnete Reihe von Zuhörern von eng sitzenden Musikern einkreisen und leitet eine reduziert-performative Improvisation an. In der letzten, von Petra Stransky angeleiteten PraxisÜbung vermischen sich Elemente von Tanz, Musik und Performance; dieser Versuch führt zu einer Verbindung ihres Einzelworkshops mit dem von John Kenny.

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Der zweite Coop-Workshop steht unter dem Motto

„Improvisation as the Art of Instability: Communication, Transformation, Unpredictability and Surprise“. Wieder wurde Peter van Bergen gebeten, den Anstoß zu geben, wie es sich für das Thema gehört, überrascht er die Workshopteilnehmer mit der Forderung nach mehr wissenschaftlicher Untermauerung des Themas und stellt die Bilder des glücklichen und des kritischen Improvisators gegenüber, wobei er ersteren mit einem glücklichen Tier im Zoo vergleicht.

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Ray Anderson, der sich dem Coop-Workshop spontan angeschlossen hat, stellt daraufhin ein Zitat zur Diskussion, das er für gleichzeitig wahr und falsch hält :

„Man kann nicht gleichzeitig denken und spielen.“ Ohne Risiko gäbe es jedenfalls keine Kunst. Karst de Jong berichtet von einer wunderbaren Gebrauchsanweisung zum Improvisieren, die auf vier Regeln beruht:

1 2 3 4

Gib nicht dein bestes! Produziere Chaos Jaaaaa! Gib den anderen auch ein wenig Ego-Zeit

Passend dazu gibt auch John Kenny folgenden vier-FragenPlan für Projekte von (Improvisations)-MusikerInnen aus:

1 2 3 4

Was will ich tun? Mit wem? Wo? Wie kann ich jemanden austricksen, dass er mich dafür bezahlt?

Im Praxis-Teil werden wieder studentische Formationen im aktiven Improvisieren gecoacht, besonders bemerkenswert ist die Aufgabe, die Ray Anderson gibt:

„Spielt die schrecklichste, schlechteste Musik der Welt.“ Das Ergebnis: Es funktioniert nicht, denn was auch immer herauskommt, erzählt eine interessante musikalische Geschichte.

Ulla Pilz Kunstvermittlung

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Back to the Ears Präsentation & Diskussion 45


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BACK TO THE EARS A short summary Like many higher music educational institutions in Europe the Royal Conservatoire of Den Haag used to have a music theory curriculum rooted in tradition. With the changing professional outlook of classically trained musicians in mind, we decided to think again about the role of music theory as a supporting discipline, and the role of the various sub disciplines in relation to the principal subjects of study of the contemporary classical music student. General problems we encountered were:

A lack of aural imagination, a lack of experiential connection to theoretical materials and concepts

– Struggle with cerebral activity, resulting

in an aversion of anything ‘theoretical‘

– Large gap between materials in

theoretical subjects and the principal instrumental or vocal subject

– Dissatisfaction with too many different

and seemingly unconnected subjects

As theorists, performing musicians and improvising musicians, we clearly realized that improvisation has the potential to bring many theoretical elements and concepts closer to an aural experience. The theory department of Den Haag is relatively coherent, and consisted of persons who communicated well and were open to discussion. Many of them are performing musicians and oriented toward practice. There was also great willingness of the management (notably vice-principal Martin Prchal) to enable change.

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The outcome of our new plans was to create three central subjects that complement each other, and also overlap in their common goal to bring the aural experience to the foreground. These subjects are:

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Aural skills and Analysis: analysis of the repertoire by experience and through hearing and singing. Things that can be heard, sang and imagined will be stressed in the analysis. Kodรกly related methodology can be used, but also any other method to enhance the aural experience and understanding of a work.

2

Harmony and Keyboard Skills: Mix of keyboard harmony, counterpoint and written harmony. For nonpianists this is an important subject to get acquainted with the piano. Written work should be played and sung. Besides the piano, other instruments can be used in class.

3

Aural Skills and Improvisation: Development of aural skills with the instrument, and through (improvised) ensemble playing and singing. The first two years contain the following subjects: imitation (link to previous dictation), harmony and tonality, playing over chords. Scales, arpeggios, embellishments.

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simple improvisation with tonal elements, going from existing scores to improvisation: taking elements out of the score and play with them, diminutions (varied imitation), the rule of the octave. In the third year the focus shifts completely to improvisation and creative work: instant arranging and composing, elaboration of musical ideas, invention etc.

During the remainder of the presentation Bert Mooiman and Karst de Jong demonstrated various activities which would have a place in the classroom, after which followed a short discussion with the audience about the experiences with the new curriculum so far. For any further information, please contact the authors.

Karst de Jong & Bert Mooiman


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When you improvise with someone else, there always will be clashes. But it‘s all alright. The game is how to get out of the clashes. 50

Bert Mooiman / NL


Rückblick 51


Mir hat die Woche sehr gut gefallen! Das lag vor allem auch an Paul [Koek], der eine sehr inspirierende Persönlichkeit ist. Außerdem habe ich eine neue, viel freiere Form der Improvisation, anders als die im Unterricht, kennengelernt, die mir wiederum neuen Input gegeben hat. Auch dass wir einmal Schauspiel und Musik verknüpft haben, jahrgangsübergreifend, war echt eine Bereicherung. Schade nur, dass dieser Workshop nicht für alle aus dem Schauspiel Institut Platz bot, ist ja auch praktisch nicht möglich, aber kleine Anmerkung wegen der ausgleichenden Gerechtigkeit. Alida Bohnen, Schauspiel

Für mich war diese Woche etwas sehr Besonderes! Wir haben alle Musik gemacht und uns ausgedrückt. Es war eine tolle Erfahrung und ich bin sehr dankbar für alle Improvisatoren, die zu uns gekommen sind! Schlecht finde ich nur, dass wir keine Möglichkeit hatten, mit mehreren Professoren zu arbeiten und von Ihnen zu lernen! Diese Woche war einfach zu schnell vorbei ... Ich wünsche mir, dass bald wieder Improweek bei uns ist!

Für mich war vor allem die Diverstität der Mentoren wichtig und interessant. Sie waren alle extrem gute Künstler, sowie auch sooooo sehr unterschiedlich und interessant. Sašo Fekonja, Saxofon

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Das war wirklich die beste Woche, wo wir wirklich wir selbst sein durften! Patricija Blažek, Klavier


Ich bin derselben Meinung wie Flora. Sehr tolle Erfahrung, viel gelernt ... ich habe echt meine Musik-Familie gefunden und habe das Gefühl, ich könnte mich einfacher zum Ausdruck bringen. Aber ich hatte keine Zeit und keine Möglichkeit, unterschiedliche Kurse zu nehmen. Joëlle Leandre denkt, drei Tage lernen sind nicht viel, um ein echtes ImproKonzert zu spielen. Trotzdem war es sehr sehr toll, ich hatte viel Spaß !! Mathilde Vendramin, Violoncello

Da die Improvisation meiner Meinung nach die höchste Art des Musizierens ist, finde ich es unbezahlbar, mit solchen Mentorinnen und Mentoren zusammenarbeiten zu dürfen. Die Jam Sessions waren eine super Idee. Wenn sowas wieder stattfinden würde, bin ich voll bei Mathilde und wünsche es mir, dass die Kurse länger dauern. Eine sehr sehr tolle Erfahrung auf jeden Fall. Ivan Trenev, Akkordeon

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Ich fand es sehr toll, nur etwas blöd, dass man nur einen Kurs machen konnte, weil immer alles ganz gleichzeitig war! Ich glaube, Musiker, die gern improvisieren, interessieren sich auch oft für unterschiedliche Arten von Improvisation. Flora Geißelbrecht, Viola

Das war für mich eine ganz besondere Erfahrung, weil ich sehr viel Neues und Wertvolles von den Mentoren gelernt habe. Außerdem gab es die Möglichkeit, bei den Jam Sessions und beim Abschlusskonzert nicht nur mit anderen Studierenden, sondern auch mit den Mentoren gemeinsam zu improvisieren! Das Projekt war für mich auch wie ein Ausgangspunkt für mein eigenes Streichtrio, bei dem Improvisation eine wichtige Rolle spielt. Für diese Erfahrung und Anregungen bin ich allen Organisatoren zutiefst dankbar! Das einzige, was ich mir wünschen würde – dass solche Projekte länger dauern. Das war wirklich so interessant, dass ich es gerne mehr als drei Tage genossen hätte. Michael Dukhnych, Violoncello

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Falsche Noten gibt es nicht. Es ist immer eine Frage der Farben. 56

Florian Willeitner / D


TAG 3 WERKSTÜCKE Abschlusspräsentation 57


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WERKSTÜCKE im György-Ligeti-Saal Ein Kernstück des Abschlusskonzertes „Werkstücke“ bestritten Studierende des Studios für Stimmkunst und Neues Musiktheater an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart mit „geister.tanz.stimmen.“, einem Hör- und Seh-Spiel mit Sequenza III von Luciano Berio in einer Fassung für mehrere Stimmen und „Nacht der Hölle“ von Arthur Rimbaud. Wer sonst noch an diesem Abend auftreten sollte, wurde erst ein paar Stunden vor dem Eintreffen des Publikums entschieden. Improvisation im wahrsten Sinne des Wortes also. Ulla Pilz stand vor der Herausforderung, ein Konzert zu moderieren, von dessen Programm sie nichts wissen konnte. Lediglich die Reihenfolge der Auftritte wurde festgelegt, selbst bei der Zusammensetzung der Ensembles gab es noch allerlei Überraschungen. Ein durch und durch lebendiges Konzert, bei dem nicht nur das Publikum, sondern auch die Auftretenden selbst oftmals unerwarteten Wendungen folgen durften.

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Was war geplant, was entstand tatsächlich spontan? Man konnte nur raten und ließ sich treiben in einer musikalischen Vielfalt und einem teilweise aufregenden, teilweise berührenden Zusammenspiel von Studierenden und ReferentInnen. Die Studierenden genossen offensichtlich die Freiheit, ohne vorgegebene Notenblätter zu spielen und dabei auch Dinge abseits des reinen Musizierens auszuprobieren – in welchem Konzert etwa begibt sich die Cellistin eines Dreier-Ensembles auf die Bühne in Startposition und legt zuallererst ihren Bogen ab, um dem Publikum mitzuteilen „I do not want to play tonight. No, I will not play tonight, no!“? In welchem Konzert wird eine Geige plötzlich umgekehrt und auf dem Rücken ihres Spielers gespielt? Wo stürmt ein Schauspieler – dies zumindest völlig ungeplant – nach der Pause die Bühne, um „I want to break free“ auf Deutsch zu rezitieren, nach ein paar Zeilen – ebenso ungeplant – ergänzt von einer Kollegin, die hinzukommt und noch ein wenig später auch ergänzt von einem Klavierspieler, der weiter hinten im Saal das Instrument geradezu entert und den Beitrag somit anheizt? Wo zieht ein weltbekannter Posaunist plötzlich allerhand im Zusammenhang mit ihm nicht erwartetes Instrumentarium aus der Tasche, bis er auf zwei Flöten (waren es Flöten? Konnte man schnell genug hinschauen, um ganz sicher zu sein?) gleichzeitig spielt? Wo improvisieren in EINEM Ensemble zwei Saxophone, ein Kontrabass, ein Akkordeon, eine Posaune und ein Schauspieler in Bewegung, sodass man als Zuschauerin mit Vergnügen beobachtet, wie weit sich alle Beteiligten über ihre jeweils eigene „Spezialisierung“ hinauswagen?

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Alles Elemente, die man da und dort in Konzerten finden mag, allerdings selten in dieser Geballtheit und Originalität und ganz bestimmt bisher nicht in Abokonzerten unserer Universität. Dem Publikum gefiel es – den Rückmeldungen nach nicht nur als Ausnahmesituation innerhalb des sonst programmatisch langfristig durchgeplanten Abonnements, sondern auch als ein sehr positiv angenommener Versuch, neue Konzertformate auszuprobieren und zu entwickeln. Die Studierenden haben, so bleibt zu hoffen, einen kleinen Einblick gewonnen, wozu sie selbst fähig sind, wenn sie mit ihrem Instrument und anderen Ausdrucksmitteln abseits von Repertoire-Stücken unterwegs sind und welche neue Art von Musizieren entstehen kann, wenn man in einen musikalischen Austausch mit anderen tritt, der vom Augenblick lebt.

Sieglinde Roth Kunstvermittlung

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VORSCHAU

ZUKUNFTSWERKSTATT 2018

GRENZENLOS Tango & Vokales 10. – 12. April 2018 Die dritte Auflage der Zukunftswerkstatt ist zwei großen Themen gewidmet: dem TANGO für MusikerInnen, KomponistInnen und natürlich auch TänzerInnen und dem GESANG mit all seinen GRENZENLOSEN Möglichkeiten. Diese drei Tage sollen Lehrenden, Studierenden und interessierten Mitarbeitenden unserer Universität wieder Inspiration und Erfahrungsaustausch ermöglichen.

International renommierte Gäste werden gemeinsam mit uns in wesentliche und innovative Themen des aktuellen Kunstbetriebes eintauchen und uns bei der unermüdlichen Suche nach zukunftsträchtigen und berufsbezogenen Strategien der künstlerischen Ausbildung unterstützen. Im gemeinsamen Musizieren, Komponieren und Tanzen werden neue Perspektiven und Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks entwickelt.

Information & Anmeldung

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