Page 1

WWW.THEO-MAGAZIN.DE

4,80 EURO HEFT 1/2014

theo Katholisches Magazin

Der Sprache dienen: Felicitas Hoppe dichtet, ihr Bruder Ulrich predigt

THEMA

Die heilige Zahl

7


Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben sicherlich bemerkt, dass im Jahr 2013 bloß fünf theo-Ausgaben erschienen sind statt der versprochenen sechs. Wir müssen uns entschuldigen, Ihnen das nicht rechtzeitig bekannt gegeben zu haben. Wir haben es einfach nicht geschafft, noch ein sechstes Heft zu produzieren. Das hat die unterschiedlichsten Gründe, wirtschaftliche, administrative aber auch redaktionelle. Als wir vor zwei Jahren die Erscheinungsweise von vier auf jährlich sechs Ausgaben erhöhten, war das wohl ein bisschen blauäugig. Wir sind eine sehr kleine Redaktion, jede Ausgabe muss über Anzeigen finanziert werden, und das ist nicht immer ganz einfach! Vier Hefte im Jahr, so glauben wir, sind zu wenig, sechs Hefte womöglich zu viel. Wir haben uns also ab sofort auf 5 Ausgaben im Jahr verständigt, zwei in der ersten Jahreshälfte, dann eine Ausgabe mit einer langen Sommerpause und dann wieder zwei Ausgaben in der zweiten Jahreshälfte. Fünf Heilige werden unsere Erscheinungsintervalle begleiten: 1.März: Heiliger Suitbertus, (+ 713 in Düsseldorf ) 2.Mai: Heiliger Antonius von Florenz (*14. Jh) und Heilige Zöe (12. Jh) 3.August: Heilige Lydia (1. Jh)

Heiliger Suitbertus, bitte für uns!

Editorial

und Heiliger Benno von Einsiedeln (*940) 4.Oktober: Heiliger Franz von Assisi (*12. Jh) 3.Dezember: Heiliger Franz Xaver (*16.Jh) Wir möchten Sie herzlich bitten, uns gewogen zu bleiben und den Jahres-Abopreis von 27 Euro auch für fünf Ausgaben im Jahr beizubehalten. Sie unterstützen damit eine gemeinnützige Sache, wir spüren in allen Bereichen der Gesellschaft wie wichtig es ist, dass Kirche sich mehr und mehr einbringt. Mit Papst Franziskus wird es auch uns gelingen, die Menschen für Gott noch mehr zu sensibilisieren. Dieses Heft ist, wir hatten es angekündigt, eine Jubiläumsausgabe: sieben Jahre theo! Wir zeigen Ihnen noch einmal alle Titel und die schönsten Doppelseiten, beleuchten die Zahl sieben aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Im Porträt finden Sie in dieser Ausgabe die Geschwister Felicitas und Ulrich Hoppe, er Inselpfarrer, sie Schriftstellerin, und wie gewohnt erfahren Sie im Kulturteil Wissenwertes aus Film, Musik, Kunst und Literatur. Viel Spaß bei der Lektüre wünschen Ihnen Ihre Brigitte Haertel Ihr Pater Georg Maria Roers sj

spenden für theo theo ist gemeinnützig. Sie können helfen, theo unabhängig zu halten und gleichzeitig die katholische Sache zu unterstützen: mit Ihrer Spende. www.theo-magazin.de


Hallelujah

2

1/2014

theo


Theo Sommer-07 U1, U2, U3, U4_Layout 1 24.01.14 11:44 Seite 2

Titel Theo 2/08_Layout 1 24.01.14 12:51 Seite 2

theo

theo 3,50 Euro

2 Euro Sommer 2/2007

Das katholische Magazin

Kulturkritik Was glaubt Matthias Matussek? Sommerurlaub So zärtlich ist Masuren Utopia Claudia Langer rettet die Welt Lebenszweck Ein Mönch der Manager war

Ferien vom Ich: Immer mehr Pilger unterwegs Mensch, lass los! Peter Seewalds Mönchschule

Umschlag Theo 1-09_Layout 1 24.01.14 13:05 Seite 2

Titel Theo 4-08_Layout 1 24.01.14 12:58 Seite 2

theo

theo

Katholisches Magazin

Katholisches Magazin

Hungrig Die Babys von Herrn Hipp Sinnvoll Muss Leiden sein? Lustvoll Wandern von Hof zu Hof Kritisch Auch die Börse braucht Moral Sprachlich Leser wollen mehr als Fakten

theo

Veronika Peters Einmal Nonne und zurück Preisgekrönt Der ›Spiegel‹-Mann in Rom Psychologie Gefühl schlägt Vernunft

Umschlag Theo 3-2010_Layout 1 24.01.14 13:19 Seite 2

Umschlag Theo 4-2010 5_Layout 1 24.01.14 13:17 Seite 2

theo

theo

Tier tut gut

Wie sag’ ich’s meinem Kinde?

WWW-THEO-MAGAZIN.DE 4 EURO HEFT 3/2010

Katholisches Magazin

Katholisches Magazin

Katholisches Magazin

Das Gebot der Gegenwart

theo

theo

Katholisches Magazin

WWW.THEO-MAGAZIN.DE 4 EURO HEFT 4/2010

Katholisches Magazin

Katholisches Magazin

ReiseSpecial

Wir bringen Licht ins Dunkel: Einsiedler Pater Josef James Turrell Emily Winterburn Michael Schröter-Kunhardt Christine Eichel Bischof Gebhard Fürst

Die nächste Kanzlerin?

Katholisches Magazin

theo

WWW.THEO-MAGAZIN.DE 4 EURO HEFT 4/2011

WWW.THEO-MAGAZIN.DE 4 EURO HEFT 1/2012

Katholisches Magazin

Katholisches Magazin

Katholisches Magazin

Umschlag Theo 1-2012 nhz_Layout 1 24.01.14 16:17 Seite 2

theo

theo

theo

theo

Umschlag Theo 4-2011 2_Layout 1 24.01.14 16:10 Seite 2

WWW.THEO-MAGAZIN.DE 4 EURO HEFT 3/2011

WWW.THEO-MAGAZIN.DE 4 EURO HEFT 2/2011

WWW.THEO-MAGAZIN.DE 4 EURO HEFT 1/2011

Theo Special

Über den Umgang mit unsern Mitgeschöpfen

Oberammergau

Umschlag Theo 3-2011_Layout 1 24.01.14 16:09 Seite 2

Umschlag Theo 2-2011_Layout 1 24.01.14 16:14 Seite 2

Umschlag Theo 1-2011_Layout 1 24.01.14 16:13 Seite 2

Über die Weitergabe des Glaubens

Meine Rolle als Jesus

Dorothee Bär

theo

Im Interview Peter Seewald Im Vergleich Christus und Buddha Im Film Hildegard von Bingen Im Gespräch Darwin oder Schöpfergott Im Grünen Zumthors Kapelle

WWW-THEO-MAGAZIN.DE 4 EURO HEFT 2/2010

WWW-THEO-MAGAZIN.DE 4 EURO HEFT 1/2010

theo

4 EURO HEFT 3/2009

Ver(w)irrung

Umschlag Theo 2-2010_Layout 1 24.01.14 13:14 Seite 2

Umschlag Theo 1-2010_Layout 1 24.01.14 16:51 Seite 2

Umschlag Theo 3-09 v8_Layout 1 24.01.14 16:49 Seite 2

Katholisches Magazin

Strichcode einsetze

Umschlag Theo 4-09 v2_Layout 1 24.01.14 16:54 Seite 2 4 EURO HEFT 4/2009

4 EURO HEFT 2/2009

4 Euro Heft 1/2009

Das letzte Wort wird Liebe sein

Besessen Pro und Contra Exorzismus Sinne Peter Seewald über das Hören Seele Verzeihen kann Menschen heilen Gläubig Hubertine Underberg im Porträt

Umschlag Theo 2-09 v8_Layout 1 24.01.14 16:46 Seite 2

theo

3,50 Euro Winter 4/2008-09

Katholisches Magazin

2/2008

Katholisches Magazin

Gott reist mit: Seelsorge auf dem Rummelplatz Chor und Chianti: Singen in toskanischen Kirchen Leidenschaft: Elisabeth von Thüringen

3,50 Euro Herbst 3/2008

Sommer

Katholisches Magazin

Michaela Meise im Porträt

Der Geist von Occupy Wallfahrt zum Heiligen Rock Die Geschichte der Orden

Katholisches Magazin

theo Katholisches Magazin

4,80 EURO HEFT 6/2012

4 EURO HEFT 5/2012

theo

Umschlag Theo 5-2012_Layout 1 24.01.14 16:20 Seite 2

WWW.THEO-MAGAZIN.DE

so geht katholisch auch!

4 EURO HEFT 4/2012

theo

Die Suche nach dem Selbst

Im Interview: Der Architekt

Peter Zumthor

WWW.THEO-MAGAZIN.DE

Umschlag Theo 4-2012_Layout 1 24.01.14 16:20 Seite 2

WWW.THEO-MAGAZIN.DE

WWW.THEO-MAGAZIN.DE

4 EURO HEFT 2/2012 WWW.THEO-MAGAZIN.DE

So geht katholisch auch!

4 EURO HEFT 3/2012

Umschlag Theo 3-2012 Nils_Layout 1 24.01.14 16:19 Seite 2

theo

Mehr als nützlich: Streuobstwiesen Bitter: Klimawandel als Erntekiller Ertragreich: Gemüsefeld zur Miete Nachgebaut: Noahs Arche

– eine Spurensuche

Zeit zur Einkehr: Kloster Vinnenberg Zeit-Gemäß: Rheinischer Merkur Zeit-Geist: Theologen-Debatte

Umschlag Theo 2-2012_Layout 1 24.01.14 16:18 Seite 2

Wir ernten, was wir säen

Anstand

Innenschau

Ergriffen: Weihnachten in Andalusien Bewahren: Die letzten Kirchen aus Holz Verschenken: Bücher mit Omas Rezepten Geborgen: Gottvertrauen braucht der Mensch

Revolution des Herzens: Franz von Assisi

Katholisches Magazin

Im Porträt

Der Unternehmer Thomas Rusche

theo Katholisches Magazin

4,80 EURO HEFT 5/2013

theo

4,80 EURO HEFT 4/2013

Gotteregeben Zwei Frauen und ihr Schicksal Gesegnet Die Mönche im Stift Heiligenkreuz Geruhsam Imker und Insekten im Herbst

WWW.THEO-MAGAZIN.DE

Katholisches Magazin

4,80 EURO HEFT 3/2013

theo

WWW.THEO-MAGAZIN.DE

Katholisches Magazin

WWW.THEO-MAGAZIN.DE

4,80 EURO HEFT 1/2013

theo

4,80 EURO HEFT 2/2013

Gottgefällig: Wirtschaftslenker und die Zehn Gebote

WWW.THEO-MAGAZIN.DE

Wundersam: Blind gewesen, wieder sehend

WWW.THEO-MAGAZIN.DE

Freddy Leck sein Waschsalon

Engagiert Thomas Beckmann gegen Kälte Gottgefällig Monica Toft und die Rückkehr der Religion Wundersam Heilung durch Liebe und Gebet Erfreulich Stephan Balkenhol und die documenta

Krankhaft: Gesundheit um jeden Preis

Katholisches Magazin

Überfällig Bischof Thissens Umweltpredigt Erfrischend Sibylle Mall und die Ministranten Schwarzweiß Die Welt der Dominikaner

Seifenoper:

Siegessicher: Peter Raue fördert Kunst

theo

theo

wird 7!

Katholisches Magazin

zeitlos Die Märchen der Gebrüder Grimm umtriebig MdB Marie-Luise Dött

tzt theo je p. als ap e 28 Info auf

Seit

Keine halben Sachen: Die Ärztin Karin Mikolitch und ihr Mann Lindsay sehen den Menschen ganzheitlich

vielfältig

Die Dominikanerinnen

Wandlung theo

Armut

Gegen die Finsternis: David Hober und Matthias-Johannes Fischer bringen den Katholizismus ins Internet

Leuchtturmwärter

Wer hören will, muss fühlen Ein Heft übers Ausredenlassen

1/2014

3


zeigen verhüllen verbergen

Schrein

Jahresausstellung bis 25. August | Kunstmuseum des Erzbistums Köln | www.kolumba.de

Anno-Schrein, Köln, um 1183 (Leihgabe der Kirchengemeinde St. Servatius, Siegburg (Foto: Lothar Schnepf)

K O LUM B A


Aus sieben Jahren die schönsten theo-Seiten 3 Die heilige Zahl Triumph der Sieben 14 Unter Freunden sieben theo-Paten erzählen 18 Wahrnehmung die sieben Wochentage in Farben 20 Kunst und Kinder Claudia van Koolwjik ist siebenfache Mutter 22 Architektur Die sieben schönsten Kirchenneubauten 24 Neue Sicht der besondere Sieben-Wochen-Fastenkalender 28 Ratemal Welcher Heilige bin ich? 31

TITEL

SERIE

THEMA

Hier dreht sich alles um die

7

Aufgekreuzt Kleine Meldungen zur Zeit 32 Kolumne Was ich liebe 34 Porträt Felicitas und Ulrich Hoppe 36 theo Akademie Schreiben und Meditieren 42 Ausschau Die Zukunft des Christentums 44 Rückblick theo-Seminar in Berlin 48 Gesellschaft Plädoyer für eine neue Willkommenskultur 50 Altes Wissen Kirchenlatein 53 Hinblick Was es zu Feiern gibt 56 Zu Besuch Im KunstBüro Berlin 58 Kultur Buch / Film / Kunst / Musik 57

Seven from heaven

Titelfoto: Stephanie Härtel

14

42 www.theo-magazin.de

18

44

50

22

36

61


Noch einmal die schönsten Doppelseiten aus sieben Jahren theo – wählen Sie die schönste aus!

2007 Mit Ausblick!

38

2007/1

Das erhellende Mädchenprofil illustriert eine der schönsten Geschichten des Neuen Testaments: Maria Magdalena begegnet als erster Mensch dem auferstandenen Christus, sie wird damit zur Seherin schlechthin.

So schön kann ein Museum sein: Ein Jahr nach der Eröffnung des Kolumba in Köln präsentierte Direktor Stefan Kraus die Schau Der Mensch gehört der Erde. Carl Friedrich Schröer befragte ihn und Oliver Helbig setzte ihn ins Bild.

Aus der Abschiedsrede des christlichen Existenzphilosophen Peter Wust (1884-1940)

an seine Studenten im Dezember 1939 in Münster, drei Monate vor seinem Tod.

Und wenn Sie mich nun fragen sollten, bevor ich jetzt gehe, ob ich nicht einen Zauberschlüssel kenne, der einem das letzte Tor zur Weisheit des Lebens erschließen könne, dann würde ich Ihnen antworten: ›Jawohl‹, doch ist dieser Zauberschlüssel nicht die Reflexion – diese Antwort würden Sie von einem Philosophen erwarten – sondern das Gebet. Das Gebet, als letzte Hingabe gefasst, macht still, macht kindlich, macht objektiv. Gebet kennzeichnet alle letzte ›Humilitas‹ des Geistes. Die großen Dinge des Daseins werden nur den betenden Geistern geschenkt. Beten lernen aber kann man am besten im Leiden.

Foto

6

04/2008

theo

theo

oliver helbig

7

04/2008

Gebet kennzeichnet alle letzte »Humilitas« des Geistes. Beten aber lernt man am besten im Leiden. Diese eher beklemmende Erkenntnis hinterließ uns der Philosoph Peter Wust (18841940), das betende Mädchen visualisiert diese Wahrheit.

6

2008/3

1/2014

10

04/2008

Wessen Torte findet sogar der emeritierte Papst Benedikt zum Niederknien? Richtig: Die des Düsseldorfer Schokoladenpapstes HeinzRichard Heinemann, der sie Benedikt selbst überbringen konnte. Uns erzählte er aus dem Leben, Oliver Helbig machte die Bilder.

theo

theo


AUS SIEBEN JAHREN

2008 Ortstermine

Neue Heimat

Ortstermine

Maria Vesperbild Text carl friedrich Foto oliver helbig

(30 km westlich von Augsburg)

schröer

»Der Mensch verlässt die Erde« unter diesem Titel einer Triologie von Felix Droese stellt sich ein Jahr nach der Eröffnung die zweite Präsentation des Kölner Kunstmuseums Kolumba. Erstmals verantwortet der neue Direktor, Stefan Kraus, die Schau

Altötting (Bayern)

Ein Muss für jeden Marienverehrer, unbestritten die Nummer eins. Im Mittelpunkt stehen die Gnadenbilder Schwarze Madonna und der Heilige Konrad von Parzheim . In diesem Jahr wird die »Goldene Rose« verliehen, eine päpst-liche Auszeichnung für Personen und Wallfahrtsorte.

Es ist kein Kunstmuseum wie jedes andere. Selbstbewusst erhebt sich das »Kunstmuseum des Erzbistums Köln« über der spätgotischen Kirchenruine von St. Kolumba. Der eigenwillige Neubau des Schweizer Architekten Peter Zumthor leistet ein Stück Stadtreparatur dieses seit dem Zweiten Weltkrieg zerstörten Viertels der Kölner Innenstadt. Im Inneren entfaltet sich ein Spiel von Licht und Schatten, Enge und Weitläufigkeit, äußerster Schlichtheit und einer ungewohnt hohen Baukultur, die sich bis in bauliche Details hinein verfolgen lässt. Backstein, Mörtel, Putz und Terrazzo, traditionelle Baumaterialien römischer Baukunst, prägen eine Folge von Ausstellungsräumen, die sich in Lichtführung, Dimension und Proportion wohltuend unterscheiden. In der ersten Ausstellungsetage trifft der Besucher auf figurative Malerei von Benedict Peyrat (Kopfwand, 2006) in einem Raum mit dem Schlafenden Petrus, einer Schnitzerei der oberrheinischen Renaissance. Historische Radio- und Fernsehgeräte in einer Vitrine finden sich neben einer DVD-Projektion von Marcel Odenbach (In stillen Teichen lauern Krokodile, 20022004), neben den eher naiven Betontierplastiken Erich Bödekers (1965-1970), Applikationsstickerei aus dem 14./15. Jahrhundert neben einem Kruzifix aus dem Rheinland (zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts). Im Durchgang zur Treppe ins zweite Galeriegeschoss sind anrührende Kinderzeichnungen versammelt (Wasserfarben, 2000-2004). Unbenommen aller Krisen und Verwerfungen der Moderne feiert sich hier erneut ein Pluralismus der Stile, Formen und Medien in einer dramatischen Abfolge und einem kühnen Nebeneinander der Jahrhunderte und Kontinente, der künstlerischen Intentionen und Innovationen, in dem das spezifisch Christliche keine exponierte oder gar beherrschende Rolle mehr spielt. Alle Gräben zur künstlerischen Avantgarde werden in Zumthors Bau mühelos überbrückt. Wie selbstverständlich präsentiert dieses Kunstmuseum auch nichtkünstlerische Artefakte, Radioempfänger, Kultgegenstände, Kirchenschmuck mit derselben außergewöhnlichen Hingabe, die dieses Museum schon auszeichnet. Das Modell unvermittelter Kombination und Gegenüberstellung von Kunst und Kunsthandwerk, Kinderzeichnung und abstrakter Malerei, Plastiken aus Ozeanien und bäuerliche Hinterglasbilder, das schon der Blaue Reiter am Aufbruch der Moderne um 1900 einführte, setzt sich in Kolumba souverän fort. Nur oben im Raum mit dem bezwingenden Ausblick auf den Kölner Dom hat Stefan Lochners Madonna mit dem Veilchen (vor 1450) ihren Platz behaupten können.

theo

info@altoetting-wallfahrt.de www.altoetting.de

ef

Werl

(Kreis Soest) Die Wallfahrtskirche wurde zwischen 1904 und 1906 erbaut und beherbergt das Gnadenbild, die Trösterin der Betrübten. Jährlich pilgern 150.000 Gläubige nach Werl. Telefon 02922. 9820 info@wallfahrt-werl.de

Im idyllischen Naturpark Augsburg gelegen. Die Wallfahrtskirche wurde 1756 erbaut, das Gnadenbild zeigt Maria, wie sie ihren toten Sohn in den Armen hält. In Lichterprozessionen rufen die Gläubigen die Muttergottes an. Ebenfalls eine Sehenswürdigkeit: die Fatimagrotte. wallfahrtsdirektion@maria-vesperbild.de Telefon 08284. 8038

ef

(Freiburg) Die Wallfahrtskapelle Maria Lindenberg auf einem Höhenrücken bei St. Peter bietet einen schönen Ausblick über den Schwarzwald, das Besondere ist die »Eucharistische Anbetung«. Hier beten Männer von Januar bis Dezember vor dem ausgesetzten Allerheiligsten für den Frieden und die Erneuerung der Kirche im Heiligen Geist. Telefon 07661.3446 maria-lindenberg@t-online.de

SwisttalBuschhoven

ef

(Rhein-Sieg-Kreis)

Die Wallfahrten gehen zurück bis auf das Jahr 1190, und die Marienfigur in der Wallfahrtskirche St.Katharina trägt den Namen »Rosa Mystica« (geheimnisvolle Rose). Die Namensgebung geht auf eine Legende zurück, die besagt, dass die Marienfigur in einem Rosenstrauch gefunden wurde. Pfarrgemeinde St. Katharinen in Buschhoven Telefon 02255. 4418 gemeinde@aldenhoven.de www.aldenhoven.de

Maria Lindenberg

Kevelaer (Niederrhein)

Der Wallfahrtsort für das Rheinland und die Niederlande. Das berühmte Marienbild in der Gnadenkapelle zeigt die Trösterin der Betrübten. Besonders hervorzuheben sind die Kerzenkapelle, die päpstliche Basilika und das abendliche Marienlob. Schöne Kunstwerke von Bert Gerresheim zieren die Gotteshäuser. Telefon 02832. 93380

Mutterstag Die schönsten Marienwallfahrtsorte in Deutschland

28

39

04/2008

2008/1

02/2008

theo

theo

29

02/2008

Das ist sie, die Mutter aller Mütter, umgeben vom Blau des Himmels. theo präsentierte die schönsten Marienwallfahrtsorte Deutschlands. Von Altötting bis Kevelaer. Tillmann Franzen hat die anmutige Marienstatue fotografiert.

2008/2

2009 Speisung

Rettet das Mittagessen! Der Münchener Kochbuchautor Sebastian Dickhaut preist in seinem Internet-Blog die Vorzüge der schönen Halbzeitspeise, die, wie die Esskultur an sich, der Nation mehr und mehr verloren geht. Recht hat er!

Text brigitte haertel Foto oliver helbig

Die schönste Schokoladenseite

von Julia Falkenstein

Es ist fünf vor Zwölf

In seiner Konditorei ist der Düsseldorfer Heinz-Richard Heinemann immer Europameister, manchmal sogar Weltmeister: Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern erschafft er paradiesische Süßigkeiten – in Handarbeit. Seine Torte, beispielsweise, findet auch der Papst zum Niederknien.

Die Menschheit ist auf dem Bewusstheitstrip, so jedenfalls künden es Sinnsucher und Sinnverkäufer, und auch der Autor Sebastian Dickhaut will seine Leser mitnehmen auf eine Erkenntnisreise – mittels ausgefallener Rezepte und Kochbücher. Trotz des etwas angegriffenen Themas hat der Mann es ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geschafft: Seit Jahren verschlingt die Nation seine Kochbuchreihe Basic, Auslöser wohl für die »cool-cooking-Welle«, die heute über die Kanäle schwappt wie Rahmsauce über Bratkartoffeln. Nun also Dickhauts populistischer Aufschrei »Rettet das Mittagessen« – der vor allem den Deutschen ihr heruntergekommenes Essverhalten bewusst machen soll. Auf der Straße, und im Schweinsgalopp, würgen heute die meisten Menschen ihren Mittagsimbiss hinunter, wenn sie nicht gerade einen Backpulver-Muffin über der Bürotastatur zerbröseln, um dann ohne großes Verschnaufen weiterzuwerkeln.

Foto: © Getty Images

Esskultur auf dem Tiefststand zeigt sich auch in Bussen und Bahnen, wo Fahrgäste tropfende Dönertaschen und fettriefende Pommes spazieren fahren, und so noch die letzte Frischluft vertreiben (Gott sei Dank in immer mehr Städten und Gemeinden verboten). Was hat das noch mit Genuss zu tun? Fragt sich nicht nur Sebastian Dickhaut immer öfter und wird auf einmal ganz dünnhäutig. Dabei lechzt der Biorhythmus des Menschen nach einer ritualisierten Mittagsmahlzeit, zwischen 13 Uhr und 14 Uhr sackt er ab, Konzentration und Reaktionsfähigkeit verabschieden sich, die Zeit zum Genießen kommt. Essen in vertrauter Umgebung schafft Sicherheit und

theo

24

2008/4

theo

Dieser Aufruf ist fünf Jahre alt, inzwischen ist es nach zwölf, und der mobile Mensch futtert noch häufiger sein Sandwich im Galopp. Der theo-Text setzte sich für die Rettung des Mittagessens ein. Ob’s was gebracht hat?

1/2014

03/2009

Wärme. Regeln und Konventionen Raum für Kommunikation. Mittagessen ist Kindheit und Schulschluss, ist Ausflug und Heimkommen, ist Alltagsinsel und Wochenende. Der Koch, Autor und leidenschaftliche Mittagesser Dickhaut ist sicher: »Ein gutes Mittagessen kann einen miesen Tag in einen guten verwandeln, dagegen kann selbst das beste Abendessen nur die miesen Reste retten.« Italiener und Franzosen wissen das schon etwas länger, investieren nicht umsonst viel Zeit und Geld in eine ordentliche Halbzeitspeise. Sebastian Dickhaut, der Missionar, will den Deutschen das Mittagessen wieder schmackhaft machen und geht mit gutem Beispiel voraus: Täglich zelebriert er in wechselnden Restaurants seine Zwischenmahlzeit, seine Fangemeinde im Internet lässt er anschließend wissen, wohin ihn sein Gaumen geführt hat, und welches Abenteuer ihm beschwert wurde. Der umtriebige Kostgänger probiert sich durch urige Wirtshäuser, Trattorien, Delikatessläden, Stehtürken und Asia-Foodbars. Die gesamte Münchener Nachbarschaft hat er schon auf ihre Verdaulichkeit hin getestet, Mittag für Mittag fördert er Erstaunliches auf den Teller. Seine Botschaft: Es ist gar nicht wichtig, dass jeden Tag etwas Besonderes auf dem Teller liegt, sondern dass es bewusst gegessen wird. Zuhause oder unterwegs! //

25

2009/1

7


AUS SIEBEN JAHREN

Kaum ein denkender und fühlender Mensch traute sich wohl zu, die Welt zu beschreiben in der Spätmoderne. So zu tun, als ob man sich auskennt in einer Welt, in der sich nichts und niemand auskennen kann, ist die Sache von Trendscouts, von Gurus, Kritikern und den sogenannten meinungsbildenden Medien. Mit dem Niedergang des gemeinsamen Nenners Religion und damit der Traditionen stiegen sie auf zu modernen Hirten im Supermarkt der Lifestyle- und Heilslehren. Die Herde aber, so lehrt es nicht bloß die Bibel, lässt sich schnell verunsichern und genauso schnell in Verwirrung stürzen. Die Verwirrung an sich ist das Diktum der Gegenwart, und fünf Autoren versuchen eine Annäherung an die exponiertesten Sozioherden im Spiegel des Hier und Jetzt

Mit einem Werbeslogan wurde er berühmt: der Unternehmer Claus Hipp, ein Manager, Künstler und Andersdenker. Vor wenigen Wochen ist er siebzig geworden, und für die Reinheit seiner Bio-Babynahrung steht er noch immer mit seinem Namen. Brigitte Haertel (Text) und Tillmann Franzen (Fotos) haben ihn besucht.

Baby, I need you!

Ver(w)irrt?

10

01/2009

theo

theo

11

01/2009

2009/2

Es war noch tiefer Winter, als theo-Redakteure Babykost-Hersteller Claus Hipp in seinem Büro besuchten. Herr Hipp ist vieles in einer Person: Manager, Künstler, Andersdenker und Katholik, und das ist kein Widerspruch.

03/2009

theo

Dieses Heft stiftete ordentlich Verwirrung: Mit dem Niedergang der Religionen suchen Menschen nach neuen Lifestyle- und Heilslehren, fünf theo-Autoren untersuchten die prominentesten Gruppen und stellten sie vor. Von Fitness- und Kunstverwirrten. Report

Begegnung

Es ist das Herz, das korrigiert

10

Der Unternehmer und Tierschützer Marco Lenzen hat in Düsseldorf die erste High-Tech-Tierklink Deutschlands eröffnet. Brigitte Haertel und Tillmann Franzen (Fotos) haben ihn besucht. Manchmal sind neue Projekte das Einzige, was einen Suchenden ruhigstellen kann. Das Loslegen, Organisieren und Entscheiden rückt die Dinge wieder zurecht, beschwichtigt die aufgewühlte Seele, die Furcht, ein Mensch zu sein. Lieber selbst die Rettung der Welt in die Hand nehmen, statt bloß herumzukauen an den großen Themen, das wird er sich gesagt haben, damals, als ihn die Idee hochpeitschte, ein in Deutschland einmaliges Zentrum für Tiermedizin zu erschaffen. »Wie in einem Fieber habe ich das Klinikprojekt aufgezogen«, sagt Marco Lenzen, 52. Eine Menge Geld hat er dafür aufgebracht, und sein Leben in den Dienst des Tierwohls gestellt.  Seit er vor einigen Jahren in Griechenland eine misshandelte, halbtote Hündin von der Straße aufgelesen und (sie) gesund gepflegt hat.  Jetzt liegt diese lebendige Initialzündung in seinem Klinikbüro und schlummert. Sie heißt Lesia und hat dem Haus den Namen gegeben. Und Marco Lenzen erzählt sie, die Geschichten von Tieren und Menschen: Wie eine Frau nachts eine schwerverletzte Ente in das Tierzentrum schleppte, und das Federvieh trotz aller Bemühungen

12

3/2010

theo

theo

3/2010

2010/2

Eine unserer liebsten Ausgaben. »Tier gut gut«! stand auf dem Titel. Das unterschreibt auch Marco Lenzen, der Unternehmer und Tierschützer eröffnete 2010 die erste High-Tech-Klinik Deutschlands in Düsseldorf. Tillmann Franzen hat ihn mit seinem Liebling fotografiert.

8

13

1/2014

16

theo

4/2010

In Deutschland wird nur noch jedes siebte Kind getauft. Der Düsseldorfer Fotograf Lorenz Gaiser holte für ein Fotoprojekt Künstlerfamilien vor die Kamera, und siehe da: Auch unter Künstlern empfangen Kinder, wie das Mädchen auf dem Bild, noch die heilige Taufe.

theo


AUS SIEBEN JAHREN

2010 Philosphisches Quintett

Die Bärin greift an

Die Fitnessverwirrten von Uwe Kopf

Uwe Kopf schreibt für die B.Z. und das Schweizer Magazin Faces. Kopf lebt in Hamburg

Die Hände auf dem Rücken, wie Gelehrte es tun, spaziere ich morgens um die Hamburger Außenalster, über Kopfhörer beruhigen mich meist Gregorianische Gesänge, seit 30 Jahren beginne ich so den Tag an diesem Stadtsee, aber Schweiß liegt in der Hanseatenluft: Von vorne und von hinten schnaufen die Jogger jeder Altersklasse, und da kommt wieder Reinhold Beckmann, er muss trainieren, denn seine Abfragerei beim Fernsehen erfordert Kraft. Obwohl Beckmann schon die Figur eines Skispringers vorzeigen kann, läuft er immer weiter und ermüdet nie. Mitunter begegnet er hier dem Kollegen Johannes B. Kerner, er joggt auch deshalb, weil seine Frau es wünscht – sie war früher Hockeynationalspielerin, gemeinsam machen die Kerners gern Reklame für Geflügelwurst, ja, Gutfried ist gut für sie. Die ersten Inhaber von Kaffeeläden überlegen bereits, ob sie außer dem Coffee-togo zusätzlich einen Coffee-to-run anbieten sollen. Die Fitness ist der Wahn der Moderne, bereits während der Achtziger turnten die Kinostars Jane Fonda und Sydne Rome und verkauften ihre Aerobic an Millionen Frauen. Wer heute keine Alster um die Ecke hat, läuft durch einen Wald oder am Strand, schuftet im Fitness-Studio oder setzt sich zu Hause auf seinen Hometrainer: Eine Etage über mir wohnt Frau Thoma, ihr Geächze beim Strampeln stört mich doch sehr, Frau Thoma schafft es aber nicht, sieben Kilo wegzukriegen, diese sieben Kilo weniger sind ihr Lebensziel – deshalb reiste sie nach Indien, um sich von der Religion und der Armut dort beim Abnehmen helfen zu lassen. Nach sechs Wochen war Frau Thoma zurück und sogar 15 Kilo leichter, sie erzählte, die Spiritualität und das Elend der Inder hätten sie derart erschüttert, dass sie fast keinen Appetit spürte, danke, Indien! Ihre ganze Erscheinung hat nun etwas Schlaffes und Ungesundes, aber Frau Thoma fühlt sich super und möchte demnächst manche Speise der Inder nachkochen.

theo

Joschka Fischer brauchte keine Inder, sondern bloß seinen Willen, der ihn vorher zum Spitzenpolitiker gepeitscht hatte: Fischer war ein Koloss, begann plötzlich mit dem Dauerlauf, konnte nicht mehr aufhören, bis er ungefähr so wenig wog wie Audrey Hepburn. Er schrieb ein Buch für alle Dicken (Mein langer Lauf zu mir selbst), das reichte ihm, jetzt isst er wieder sechs Gänge im Edelrestaurant, jetzt trinkt er wieder Rotwein, jetzt hat er wieder Bauch und Doppelkinn, na und? Joschka Fischer – unter den Fitnessverwirrten ist er wohl der Verwirrteste. Ein anderer Staatsmann, nämlich Winston Churchill, untersagte sich jeden Sport, trank viel Champagner, aß oft ohne Maß und rauchte seine Zigarren, dennoch: Churchill verhinderte Hitlers Weltherrschaft, erhielt den Literaturnobelpreis und wurde immerhin 90; über Hitlers Askese spottete er. Askese und Fitness gehen gern zusammen, dazu ein Schönheitsdoktor, er soll dies und das ausbessern, fertig ist das Idol – die Schlagersängerin Madonna scheint nur noch aus Muskeln und Sehnen zu bestehen, kann sich prima belügen und glaubt, dass sie mit 51 wie 39 aussieht, tatsächlich wirkt sie wie 62, aber ihre Fans versuchen, sie nachzuahmen. Zum Schluss noch ein Buchtipp, 1991 veröffentlichte Patrick Süskind seine Novelle Die Geschichte von Herrn Sommer: Der Held zuckelt ständig durch die Gegend, er rennt nicht, sondern macht eher Walking (ohne Stöcke), und der Leser staunt und seufzt über den Antriebsgrund, denn Herr Sommer will dem Tod davonlaufen – alle Fitnessverwirrten gleichen doch letztlich diesem Herrn Sommer. //

Seit 17 Jahren macht Dorothee Bär Politik, sie ist Mitglied des Deutschen Bundestages und stellvertretende Generalsekretärin der CSU. Die bekennende Katholikin bleibt ihrem Parteikollegen Karl-Theodor zu Guttenberg mächtig auf den Fersen.

Text: Brigitte Haertel Fotos: Oliver Helbig

12

11

03/2009

2009/3

?

Wie sag’ ich’s meinem Kinde? Foto: Lorenz Gaiser

17

1/2011

14

2010/3

theo

13

2010/1

2011 Impulse

Am 11. Mai 2010 war der dänische Künstler Lars Vilks an der Universität Uppsala zu einem Vortrag eingeladen. Lars Vilks ist durch seine Zeichnungen, die den Propheten Mohammed als Rondellhund darstellen, international bekannt geworden. Während des Vortrages wurde Vilks von einer Gruppe Zuhörer körperlich angegriffen. Der Vortrag sollte über das Verhältnis von Kunst und Recht auf freie Meinungsäußerung handeln. Stattdessen endete die Veranstaltung in einem Tumult. Gegenüber standen sich die, die das Recht verteidigten, Religion rücksichtslos angreifen zu dürfen, und die, die meinten, ihre religiösen Auffassungen mit Gewalt verteidigen zu müssen. Die perfekte Religionsfreiheit ist ein unerfüllbarer Traum, und vielleicht ist es gerade das Festhalten an diesem Traum, an dieser abstrakten Idee, das für die alltägliche Religionsfreiheit das größte Problem darstellt. In Wirklichkeit ist Religionsfreiheit ein »Grenzbegriff«. Er bezeichnet einen Zustand, den es nicht gibt. Es gibt weder völlige Freiheit von Religion (denn alle glauben ja an irgendetwas) noch die uneingeschränkte Freiheit, alle religiösen Gefühle auszuleben.Vielmehr ist Religionsfreiheit ein Balanceakt der Toleranz. Toleranz wird von religiösen Menschen verlangt, damit ihre Religionsausübung nicht für andere unterdrückend wird. Sie wird aber auch von denen erwartet, die religiöse Ausdrucksformen bei anderen dulden müssen. Religionsfreiheit setzt vernünftige, verantwortliche Menschen voraus, die verstanden haben, dass kluge Entscheidungen immer Abwägungen und Rücksichtnahmen sind. Vielleicht ist das größte Problem für die Religionsfreiheit gar nicht so sehr die Religion, sondern die Freiheit. Freiheit tut sich schwer mit Grenzen und es ist ihr Hang zur Maßlosigkeit, der sie gefährlich macht. Es ist nicht die Religion, die gewalttätig ist, sondern die Maßlosigkeit ihrer Anhänger – und ihrer Feinde. Für den hl. Ignatius ist Freiheit Indifferenz, d.h. ein innerer Abstand zu den Dingen, ohne den wir nicht verstehen können, was richtig ist. Indifferenz ist Freiheit von Selbstbezogenheit, sie ist innere Freiheit. Diese innere Freiheit hat ihren Ursprung in Gott. Der hl. Ignatius drückt dies in

Religionsfreiheit – eine Illusion

In Deutschland wird nur noch jedes siebte Kind getauft, und wenn es denn getauft wird, ist eine Erziehung im christlichen Glauben noch längst nicht selbstverständlich. Maria Caspari und Sven Schlebes haben sich auf die Suche begeben nach jungen Familien, die ihre Kinder bewusst katholisch erziehen.

4/2010

theo

Auf High-Heels durch den Bundestag: Die Politikerin Dorothee Bär marschierte als stellvertretende CSUGeneralsekretärin schon 2010 zielstrebig nach vorn. Eine theo-Redakteurin traf die inzwischen 2-fache Mutter in Berlin, Oliver Helbig fotografierte sie.

Report

theo

1/2010

Der Jesuit Pater Geister SJ setzt hinter die Frage nach der Religionsfreiheit des Menschen ein ganz dickes Fragezeichen – und zweifelt sie demnach an. Die grafische Gestaltung der Seite übersetzte diesen Gedanken.

1/2014

theo

theo

1/2011

seinem berühmten Gebet aus: »Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit!« Freiheit ist ein Geschenk Gottes. Aber gerade weil Freiheit von Gott kommt, muss sie verantwortlich gestaltet werden. Wenn es zwischen Menschen, die von Religion befreit sein wollen, und anderen, die ihre Religion frei ausüben wollen, immer wieder Konflikte gibt, liegt dies wohl auch daran, dass etwas mit der Freiheit nicht so funktioniert wie es sollte. Das ist nicht nur ein Versagen einer religionsbefreiten Gesellschaft, sondern auch ein Versagen der Menschen, die sich religiös nennen. Als Jesus seine Jünger aussandte, riet er ihnen, klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben zu sein (Mt 10,16). Wenn es um Religion geht, reagieren Menschen verblüffend oft weder klug noch arglos. Offensichtlich fehlt vielen die nötige Distanz, die nötige Indifferenz, sobald es um Religion geht. Aber beide Haltungen sind notwendig für ein gegenseitiges Verständnis und beide sind die Frucht innerer Freiheit. Der Begriff Religionsfreiheit beschreibt ein enormes Potential für den menschlichen Umgang in einer modernen Gesellschaft. Aber es kann nur verwirklicht werden, wenn Freiheit tiefer greift als nur die Beschreibung des Rechtes zu tun oder zu lassen, was man will. Frei ist nur, wer den anderen versteht, das Wertvolle in seiner oder ihrer Auffassung sieht und anerkennt, ja, den anderen liebt. Wenn Menschen einander in diesem Sinne frei begegnen würden, blieben uns hoffentlich nicht nur gewaltsame Konflikte wie der an der Universität Uppsala erspart, sondern religiöse und nicht-religiöse Menschen könnten vielleicht sogar etwas voneinander lernen. //

von Philip Geister SJ

15

2011/1

9


AUS SIEBEN JAHREN

Erzählung

Typologie

Der Schutzengel und ein Hauch von Zeit

Eine Erzählung von Maria Caspari

Wenn ich den Bildhauer besuchte, empfand ich diesen Landausflug stets als etwas sehr Stimmungsvolles, betonte ihm gegenüber jedoch die für mich lebensnotwendige Energie einer Großstadt. Er überhörte diese ihm unbequeme Bemerkung, denn längst hatte die Vorstellung eines gemeinsamen Landlebens sich in seine Gedanken geschlichen.  Dieses Wunschdenken hatte ich an seinen jüngsten Arbeiten ablesen können. Da waren Skulpturen aus Filz entstanden, die in einer seltsamen Bewegung aufeinandertrafen. Ich wusste, der Bildhauer dachte gern seine Arbeit und meinen Beruf als Tänzerin zusammen. »Wie ich«, so schwärmte er und untermalte diese Erkenntnis mit ausholenden Luftgesten, »wie ich erschaffst du Skulpturen, bloß eben mit dem Körper.« Es war Frühling, irgendwo im zerklüfteten Garten des Bildhauers nistete eine Nachtigall, ihr Gesang berauschte seine Sinne und beflügelte seine Träume von der Liebe. An schlechten Tagen, so musste ich erfahren, konnte etwas provokant Rechthaberisches von ihm ausgehen, vor allem, wenn es um sein Lieblingsthema ging: Den respektlosen Umgang der Wohlstandsgesellschaft mit Gegenständen aller Art. Dann produzierte er Endlosmonologe, und ich staunte, wußte ich doch, dass der Bildhauer dem Wort misstraute: »Worte in ihrer Gebrechlichkeit schaffen Missverständnisse, sie können uns den Weg nicht weisen.«  So, so, sagte ich dann und beschwichtigte seinen Absolutheitsanspruch, wie es Frauen eben so tun, so, so, sagte ich auch, wenn der Bildhauer den gängigen

Die Welt in den Händen

Foto: Oliver Helbig

Es waren ein oder zwei Jahre in meinen Dreißigern, die ich mit dem Bildhauer verbracht hatte, einem BeuysSchüler, der »Wege« aus Filz erschuf, Lebenswege, Reisewege, Kreuzwege. Der Bildhauer war überdeutlich älter als ich, seine Frau wenige Jahre zuvor vom Krebs dahingerafft, und seine beiden erwachsenen Kinder von den Eltern schon früh ins Kunststudium manövriert worden.  Es war die Zeit, als zwei Flugzeuge die New Yorker Zwilllingstürme durchbohrten, der Bildhauer zwang diese Katastrophe in einen kunstgeschichtlichen Kontext und verblüffte damit nicht nur seine Freunde. Zur Präsentation seiner Arbeit reisten wir nach New York, nahmen auch teil an einem Gottesdienst für die Opfer und hatten doch zuvor nie über Religion gesprochen. Ich wusste, dass er, Sohn eines protestantischen Pfarrers, sich »Agnostiker« nannte, sich zu jenen Unentschiedenen gesellt hatte, für die Kants Erkenntnis, Aufklärung sei der Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, die Bibel war.  Der Bildhauer hatte sich eingerichtet in einem nach den Gesetzen des Konstruktivismus erbauten Haus nahe Köln, formal einem überdimensionierten Vogelhaus ähnelnd und entworfen von seinem Bruder, einem Architekten. In diesem Ungetüm lebte der Bildhauer auch seine ornithologischen Anwandlungen aus, züchtete Turmfalken und Grünspechte, versuchte es auch mit Eulen.

48

1/2011

theo

theo

1/2011

49

2011/2

Im Augenblick höchster Gefahr, wie bei Unfällen, soll der Mensch blitzartig in einen anderen Bewusstseinszustand übergehen. Davon erzählt diese Geschichte. Oliver Helbig fotografierte das engelgleiche Wesen.

Hausbesuch

36

theo

4/2011

Zeitungen – die meisten stecken in der Krise, das Internet liefert Informationen schneller und preiswerter. Grund genug, noch einmal die größten Tageszeitungen und ihre Leserschaft zu analysieren und vorzustellen.

Tradition

Der Schweizer Beno Kehl war 20 Jahre Franziskanermönch. Dann verließ er den Orden, auch, um zu heiraten. Brigitte Haertel und Manfred Rieger (Fotos) fragten nach, ob er mit sich im Reinen ist.

Ausgerechnet das Land der Schwarzwälder Kirschtorte scheint seines langjährigen Botschafterpaares überdrüssig: Von Kaffee und Kuchen wollen die Deutschen nicht mehr viel wissen, zu viel Kalorien, dabei ist ihnen das Duo so vertraut wie den Iren das Küssen am Nachmittag. Ja, Sie haben richtig gelesen, im katholischen Irland wird nachmittags so oft geküsst wie sonst nirgendwo in Europa, und das auf offener Straße – Soziologen sollen das Unerhörte herausgefunden haben. Küsse unter freiem Himmel – sie sind die Delikatesse unter den fleischlichen Berührungen, aber wovon zeugen Kaffee und Kuchen? Sicher von ähnlichem Verlangen: nach Wohlbefinden, nach Zärtlichkeit, nach Süße! Gelüste, die sich gerade am frühen Nachmittag irritierend oft einstellen. Das hat zu tun mit dem Biorhythmus des Menschen, der zu dieser Tageszeit nur eine Richtung kennt: abwärts. Leider folgen die Chancen für Küsse am Nachmittag dem gleichen Trend. Verantwortlich dafür, so verraten Statistiken, ist der sogenannte Stress, weswegen fürs Küssen bloß noch der Sonntagnachmittag bleibt. Weil aber gerade dann Oma und Opa zur Tür hineindrängen und das süße Leben sprichwörtlich zurück an die Kaffeetafel bringen, sollten sich Röstereien und Konditoren nicht allzu viele Sorgen machen: Das Dreamteam Kaffee und Kuchen, es wird Deutschland erhalten bleiben, und das ist gut so: Rituale verbinden, sind Kultur und Struktur. Womöglich erwächst daraus ein Megatrend: Dann werden mit viel Sahne, Schokoladencreme und Pralinen Themenpartys inszeniert und der prallen Süße mit Sekt oder Likör eingeheizt – damit sich bloß niemand vom Leben betrogen fühlt. //

Ich liebe den lieben Gott, genauso wie vorher

22

3/2012

theo

theo

3/2012

2012/2

Der Artikel über diesen Mann brachte Menschen gegen theo auf. Unerhört!, schimpften sie, einen Abtrünnigen in einem katholischen Magazin hochleben zu lassen. Uns nötigt das Leben von Bruno Kehl, dem ehemaligen Franziskanerbruder, dennoch Respekt ab. Manfred Rieger hat ihn fotografiert.

10

23

1/2014

38

theo

3/2012

Ein Foto, so schön, dass man am liebsten gleich zur Kuchengabel greifen möchte. Aufgenommen hat es Tillmann Franzen, und es soll noch einmal daran erinnern, wie heimelig und wohlig der Sonntagnachmittagskaffee doch ist, Kalorien hin oder her.

theo


AUS SIEBEN JAHREN

2012 Typologie

Spurensuche

Die Welt Wer von sich glaubt, den Durchblick und damit Führungsqualitäten zu haben, braucht einen Freund, der ihn in seiner Haltung bestärkt, jeden Tag. Da kommt Die Welt gerade recht mit ihrem burschikosen Auftritt, vertreibt die Zweifler und Miesepeter und erklärt dem Leser, wie es wirklich war. Der Welt-Leser will alles wissen, aber es soll möglichst nichts kosten, er ist ständig unterwegs zu wichtigen Terminen – um es sich und der Welt zu beweisen. I-Pad und I-Phone weisen ihm den Weg durch die Metropolen. Die großen Geister der Gegenwart findet er nur selten im Blatt, einzig der Papst bekommt Raum, aber manchmal auch ein bisschen Kritik. Den Spaß am Ausprobieren und Konsumieren lässt der Welt-Leser sich nicht nehmen, Hauptsache, es geht voran.

500 Jahre Heilig-Rock-Wallfahrt zum Dom in Trier 13. April bis 13. Mai 2012

Viel ist vom Original nicht mehr zu sehen. Eigentlich gar nichts. Zwischen fünf Beschichtungen aus Seidengaze, Tüll, Filz und Taft befinden sich die Überreste jenes Gewandes, das Jesus Christus getragen haben soll. Lediglich ein paar Partikel aus verfilzter Wollfaser konnten über die Jahrhunderte gerettet werden. Genau genommen handelt es sich um ein eher schäbiges Gewand, das so gar nicht zu seinem vermeintlichen Träger passen mag. Aber ist es nun so wichtig, ob die Tunika echt ist oder nicht? Vermutlich ist sie es nicht. Trotzdem machen sich in diesem Jahr wieder Hunderttausende zur Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier auf. Worum es ihnen geht, ist nicht die Reliquie, sondern der Glaube an den menschgewordenen Sohn Gottes. Zugleich ist das Stück Stoff Sinnbild für die Einheit der Christen, denn das Untergewand von Jesus war, so heißt es bei Johannes (19,23), »von oben her ganz durchwebt und ohne Naht«. Daher ist die Wallfahrt seit 1996, als der Rock zuletzt gezeigt wurde, ökumenisch ausgerichtet. In der gemeinsamen Liebe zu Jesus Christus soll die Zerrissenheit der Gläubigen überwunden werden. Und so steht die Wallfahrt 2012 unter dem Leitwort »... und führe zusammen, was getrennt ist«. Als der Rock vor 500 Jahren zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde, waren die christlichen Kirchen noch nicht gespalten. Kaiser Maximilian I., der 1512 zum Reichstag in Trier weilte, genügte es zu wissen, dass der Heilige Rock in einer Kammer unter dem Altar des Doms verwahrt wurde. Er wollte ihn auch sehen. Er wollte als jener Herrscher in die Geschichte eingehen, der die Tunika wiederentdeckt hat. Ursprünglich kam der Heilige Rock durch die heilige Helena an die Mosel. Einer Legende zufolge brachte die Mutter des römischen Kaisers Konstantin das Gewand von einer Pilgerreise nach Jerusalem mit. Zu sehen bekam es aber so gut wie niemand. Erst dank Kaiser Maximilian I. wurde der Heilige Rock erstmals öffentlich ausgestellt. Die Kunde verbreitete sich so schnell, dass Trier von Wallfahrern geradezu überlaufen wurde. An Reliquien, ob nun echt oder nicht, mangelt es hierzulande gewiss nicht. Beispielsweise werden in der nur knapp 60 Kilometer von Trier entfernten Abtei Prüm Teile der angeblichen Sandalen von Jesus aufbewahrt. Doch waren Wallfahrten dorthin nie ein Thema. Das Schuhwerk des Herrn wird ja auch nicht in der Bibel erwähnt. Der Heilige Rock hingegen mehrfach. Am bekanntesten ist die Erzählung von der Heilung einer kranken Frau (Mk 5,25-34). Sie drängte sich in der Menge von hinten an Jesus heran und berührte sein Gewand. Im gleichen Augenblick war sie von ihrem Leiden befreit, und Christus sprach: »Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen.« Eine ähnliche Geschichte weiß Matthäus (Mt 14,35-36) zu berichten. Alle Kranken, die am See Genezareth zusammen kamen und den Saum von Jesu Gewand berührten, wurden geheilt. Von nichts anderem als ihrem Glauben sind auch die Pilger der Heilig-Rock-Wallfahrt geleitet. Sie sehnen sich nach einer innigen Begegnung mit Gott. In diesem Sinne ist Paulus Brief an die Galater zu verstehen: »Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt.« (Gal. 3,27). Auf eine andere, gleichfalls symbolische Bedeutung hat der Theologe Jörg Peters verwiesen. Für ihn ist das Kleid ein Bild für die Vorläufigkeit, Zufälligkeit, Bedürftigkeit und den Wegcharakter des menschlichen Lebens. So gesehen ist die Frage nach der Echtheit des Rocks völlig marginal. Echt ist nur der Glaube. // Markus Weckesser

Bild

Es muss nicht immer Liebe sein, aber viel Gefühl ist dennoch im Spiel: Beinahe jeder Mensch pflegt als Leser eine Partnerschaft mit seiner Zeitung: Wer welche Tageszeitung warum liest, hat Theo herausgefunden. Von Sven Schlebes

Seit ihrer Gründung 1949 liegt Bild fast überall da aus, wo man einkaufen kann, damit der Leser sie nicht übersehen kann. Und so dürfen all diese Menschen lesen, worüber die Nation sich empört und mit dem Titelgirl vor Augen an die verlorene Schönheit im Alltagsleben glauben. Denn Bild weiß, was nicht nur Frauen wollen, und zeigt in Reportagen, dass auch Zoobewohner eine Seele haben. Schließlich hat der Leser an sich ein gutes Herz und ist für alles zu begeistern, und wenn er sich betrogen fühlt von »denen da oben«, schließt er sich zusammen mit den 4,4 Millionen Lesern und ruft bei Bild an – dem Anwalt des kleinen Mannes. Hier heißt der Papst noch Heiliger Vater und erreicht das ganze Volk. So viel Sicherheit wie Bild kann nicht einmal seine Kirche bieten, aber genau das ist es, was der Bild-Leser sucht: Beistand in allen Lebenslagen, aber ohne etwas zu verpassen.

Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt. Gedenke deiner Christenheit und führe zusammen, was getrennt ist. Amen.

Glaubenssache

Trierer Pilgergebet

FAZ

Foto: Nils-Hendrik Zündorf

Wer die Frankfurter Allgemeine liest, braucht Platz und zwei starke Arme, denn mit gut 30 Quadratmetern bedrucktem Papier pro Tag ist Deutschlands bürgerlichstes Sprachorgan eine Zeitung mit Gewicht. Fast zärtlich streicht der Leser die Titelseite glatt, um sich aufzurichten an der Größe und um eins zu werden mit dem Strom der Zeichen. Hier darf und soll der Papst theologisieren, das Publikum will und begreift seine Gelehrsamkeit. Für den faz-Leser hat das Wort das letzte Wort – nur selten stört ein Bild den Lesefluss, und die Farbe im Layout wurde auf die Sonntagsausgabe verbannt. Schließlich muss der Leser täglich Entscheidungen fällen und braucht dazu die Welt in Schwarz und Weiß – wichtig sind nicht Fragen und Meinungen, sondern Fakten. Er ist fit in Kultur und Wissenschaft, auch ferne Länder sind ihm nicht fern. Im Urlaub sinnt er nach über die Geschicke der Welt und das freie Spiel des Kapitals.

theo

Informationen: www.heilig-rock-wallfahrt.de Teilnehmerservice, Telefon 0651. 710 580 20

1/2012

24

37

4/2011

theo

1/2012

25

Das war ein Ereignis: Hunderttausende machten sich zur Wallfahrt auf, um in Trier den Heiligen Rock zu bestaunen, jene Überreste des Gewandes, das Jesus Christus getragen haben soll. Reine Glaubenssache natürlich.

2011/3

2012/1

Hausbesuch

Er soll bleiben, der

Sonntagnachmittagkaffee

Raues Klima Der Rechtsanwalt Peter Raue hat für die Berliner Kunst mehr getan als die meisten Politiker. Brigitte Haertel und Oliver Helbig (Fotos) haben ihn besucht.

Christoph Schlingensief genoss ein pro-bono-Mandat des Hauses, mit seinem Projekt »Operndorf Burkina Faso«. Pro bono – das sind jene unentgeltlichen Rechtsberatungen, die renommierte Anwaltskanzleien für Belange des Gemeinwohls oder förderungswürdige Personen übernehmen. Schlingensief wurde vom Seniorpartner persönlich beraten: Peter Raue ist spezialisiert auf Urheberrecht und Presserecht, und weil er ein

Foto: Tillman Franzen Text: Brigitte Haertel

theo

3/2012

2012/3

theo

2/2012

12

39

Ein bisschen ähnelt er einem Barockfürsten. Peter Raue, Rechtsanwalt und Kunstsammler aus Berlin, schätzt alles, was den Alltag über sich hinaus wachsen lässt. Oilver Helbig hat ihn in seinen Charlottenbuger Räumlichkeiten fotografiert.

1/2014

theo

theo

2/2012

Feingeist ist und weil er Lust dazu hat, vertritt er nur Künstler oder kulturelle Einrichtungen. An einer der glamourösesten Adressen der Stadt, am Potsdamer Platz 1, dehnt die Kanzlei Raue llp sich auf drei Etagen dem Himmel über Berlin entgegen. Etwa 50 Anwältinnen und Anwälte arbeiten sich hier durch das Recht, blicken nicht nur über die Dächer der Stadt, sondern auch auf sehr viel Kunst: An die 600 Arbeiten zumeist zeitgenössischer Künstler versuchen hier, dem Alltag Bedeutung abzugewinnen, eine beeindruckende Sammlung, die Peter Raue im Laufe der Jahre zusammengetragen hat. Als mit beinahe sakraler Bedeutung aufgeladen gilt ein Raum, der der Gegenwartskünstlerin Rebecca Horn gewidmet ist.

13

2012/4

11


AUS SIEBEN JAHREN

Lebensreise

Gut gerüstet

Der Katholik hat gut lachen: Von der Wiege bis zur Bahre begleiten ihn Glaubenszeugnisse zu jedem Anlass, sogenannte Devotionalien, die ihn daran erinnern, dass da mehr ist als die sichtbare Welt. theo stellt sie vor: wichtige Begleiter auf der katholischen Lebensreise. 

Taufkerze – mit hellem Köpfchen Damit geht die Reise los, bestenfalls. Die Taufkerze halten auch unsere protestantischen Brüder und Schwestern hoch. Als Symbol des Lichtes Jesu demonstriert die Kerze neben dem Taufwasser die Zugehörigkeit zum Reich Gottes. Heute ist es ja in Mode gekommen, dass die für denkfähig befundenen Kinder selbst entscheiden sollen, ob sie dorthin wollen oder nicht. Wie auch immer – auf eine mit schönen Ornamenten geschmückte Kerze sollte kein Täufling verzichten. Sie ist nicht nur spirituell aufgeladen. Sie hat auch Haltung und einen hellen Kopf – und sie führt dem Gotteskind vor, wie es kerzengerade und seelenruhig durchs Leben spazieren kann – und keine flackernde Kerze wird, die an beiden Enden brennt.

Der Weg ins Paradies – Gebet- und Gesangbuch Es soll Bücher geben, ohne die manche Menschen nicht einschlafen können – das Gotteslob gehört sicher nicht dazu. Früher einmal konnte beinahe jedes Kind es auf dem Gabentisch zur ersten heiligen

26

Kommunion bestaunen – mehr oder weniger begeistert. Das in schwarzes Leder gebundene und gern mit Goldschnitt verzierte Gebet- und Gesangbuch erinnerte daran, dass auch am Sonntag die Pflicht rief, die höchste Pflicht sozusagen. Seit 1975 heißt dieses liturgische Wunderwerk Gotteslob, und die kostbare Schatztruhe zwischen Buchdeckeln versammelt Lieder, Gesänge, Gebete und geheimnisvolle Psalmen. Als Geschenk ist es ein bisschen aus der Mode gekommen, denn in den meisten Kirchen liegt es aus, ist aber deswegen noch lange kein Gotteslob-to-go! Dies nur als Hinweis. 2013 wird ein neues, vom Deutschen Liturgischen Institut Trier erarbeitetes Gotteslob die Gemüter der Gläubigen erhellen.

er, auf eine Medaille gepresst, das Schlimmste zu verhindern. Diese Medaille geht inzwischen als echter Verkaufshit im Sortiment der Heiligkeit durch. Sie findet sich auf Armaturenbrettern, an Fahrrädern und mehr und mehr auch auf Bildschirmen: Der vielbeschäftigte Schutzheilige weiß bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht: Nun hat er auch noch ein Auge auf all jene, die täglich im World Wide Web herumirren und dort so manchen Gefahren begegnen. Aber keine Angst: Heilige kennen kein Burn-out.

Rosenkranz – Nur ein Gesegneter ist ein Guter Das Aroma der Reinheit umgibt diese Gebetskette mit 59 Perlen, meditativem Charakter und langer, langer Tradition. Es muss vor mehr als zehn Jahren gewesen sein, als dieses Gebetsutensil plötzlich zum Schmuckstück verkam und pubertierende Mädchen es scharenweise am Hals hatten. »Voll stylisch« schwärmt noch heute eine Bloggerin. Solch temporäre Begeisterung ist verständlich, denn allein das Wort Rosenkranz hat den Charme des Erhabenen, es duftet nach Blüten und Jungfräulichkeit. Und in der Tat symbolisiert der Rosenkranz Maria, die Mutter

Unentwegt unterwegs – Christopherus-Medaille Kaum ein Volk reist so viel wie die Deutschen, durch die Lüfte, übers Wasser, übers Land, das Fernweh treibt sie in alle Himmelsrichtungen. Und wenn sie nicht urlauben, sind sie trotzdem unterwegs: als Pendler, Bus –, Taxi –, oder Seefahrer – und wer passt auf sie auf? Richtig! Der Heilige Christopherus, als ständiger Begleiter all dieser Nestflüchter versucht

6/2012

theo

theo

Jesu. Als Gebet- und Zählkette funktioniert er so: drei Gebete werden im Wechsel gesprochen: Das Vaterunser, das Ave Maria und die Doxologie Ehre sei dem Vater, die sogenannten Gesätze, verbunden mit der Betrachtung des Lebens und Sterbens Jesu. Es gibt den Rosenkranz in tausenderlei Ausführungen, aber ein gescheites Exemplar, das dürfen Sie ruhig glauben, ein gescheites Exemplar sollte gesegnet sein.

Zwischen blitzendem Edelstahl und ebensolchen Pfannen und Töpfen, zwischen Nudelsuppe und Gewürztraminer soll es als Mittler zwischen Himmel und Erde seine Funktion erfüllen, als ein Stück Ewigkeit. //

Weihwasserbecken Alles Gute kommt von oben, das Wasser des Himmels gesammelt im Weihwasserbecken (auch Kessel geannt), das hat doch was. Spricht ein Priester ein Segensgebet darüber, erhält es seine wahre Bestimmung, die des Wassers schlechthin: als Symbol des Lebens, der Reinigung, der Gefahr und der Rettung und auch als Erinnerung an die eigene Taufe. Wie auch der gute alte Herrgottswinkel verströmt das Gefäß mit dem geweihten Wasser beinahe nur noch an den Wänden bäuerlicher Stuben Andacht. Das Benetzen der Finger für das Kreuzzeichen hat sich in den Kirchenraum zurückgezogen. Dabei sollte das kleine Wandbecken dringend zurückkehren in die schicken offenen BulthauptKüchen, genau dort gehört es hin:

27

6/2012

2012/5

Von der Wiege bis zum letzten Ruhebett kann der Katholik auf gesegnete Begleiter bauen: Mit der Taufkerze geht’s los, Gotteslob, Rosenkranz und Weihwasserbecken säumen seinen Lebensweg – theo hat die schönsten Devotionalien untersucht.

Serie

42

theo

3/2012

Reisen, sie haben viel zu tun mit Raum und Zeit: theo hat in sieben Jahren vielfach Leserinnen und Leser eingeladen, mit Gleichgesinnten die Welt zu erkunden – sogar mit geistlicher Begleitung. Hier sollte die Fahrt nach Rom gehen, ins Zentrum der Christenheit. Speisung

Mit den Dominikanern verbinden die Menschen zuerst predigende Männer in Schwarzweiß, die das Evangelium auf ihre Art verkünden. Doch es ist vor allem die große Dominikanische Familie, die die Ordens- und Kongregationsgemeinschaft so außergewöhnlich macht: Weltweit leben und arbeiten über 6000 Brüder, etwa 2700 kontemplative Ordensfrauen, gut 27.000 apostolische Schwestern und rund 140.000 Laienmitglieder in der Nachfolge des Heiligen Dominikus und üben sich in einem Leben in der Umkehr zu Gott. Den Großteil der spirituellen Arbeit verrichten dabei die Frauen. Und das von Anfang an.

Es ist ein wahrhaft katholisches Mysterium: Das Heilig-Wunderbare scheint sich vor allem den Frauen zu offenbaren, damit die Männern es verkündigen können. Denn so wie als Erste Maria Magdalena, die bis heute beliebteste Schutzpatronin der Dominikanerinnen, die Auferstehun Jesu Christi bezeugte, fand auch der heilige Dominikus in einer Prouiller Frauengemeinschaft bei Toulouse den wertvollen Mutterboden für seine besondere spirituelle Arbeit. Zusammen mit seinem damaligen Begleiter, dem Bischof Diego Azevedo, legte der spätere Ordensgründer der Dominikaner bereits 1206 mit dem Aufbau einer Hausgemeinschaft für bekehrte Katharer den Grundstein für eine der erfolgreichsten Ordensgemeinschaften der katholischen Kirche. Bis zur offiziellen Approbation der männlichen Priestergemeinschaft der Dominikaner sollten noch neun Jahre in Land gehen. Damit begegnete Dominikus dem im Hochmittelalter gerade unter Frauen weit verbreiteten Bedürfnis nach einem vollkommen religiösen Leben in gesonderter Gemeinschaft. Aus den unterschiedlichsten Motiven. Für die einen mochte ein Leben in Christus Freiheit von Konventionen bedeuten, für die anderen Hingabe an die Menschen und für andere die Möglichkeit, überhaupt mit Bildung in Berührung zu kommen. Überall in Europa hatten sich zahlreiche freie Frauengemeinschaften gebildet, die vor allem nach einer caritativ-kontemplativen Lebensführung suchten und sich oft denjenigen Gemeinschaften anschlossen, deren Mitglieder sich zuvorderst um sie kümmerten. Vor allem die Katharer (Albigenser und Waldenser) hatten schon sehr früh das Potenzial dieses spirituellen Kapitals entdeckt und die Einbindung von Frauen in die spirituelle Gemeinschaftsarbeit forciert. Und so war für Dominikus die Arbeit mit und für Frauen nicht nur ureigenste Verkündigungsarbeit, sondern vor allem auch der Beginn der Re-Missionierung Spaniens und Frankreichs. Die Aufgabe dieser Frauen war es zunächst, vor allem junge Mädchen in rechtem

In Düsseldorf am Rhein leben die meisten Japaner fern der Heimat, mindestens drei Dutzend Sushi-Restaurants bedienen inzwischen mehr Einheimische als Japaner. Und auch anderswo schwärmen die Deutschen für die zierliche Fischkost aus dem Land des Lächelns, die meist auf kleinen Reisbetten ruht. Schwärme von Meeresbewohnern aus heimischen Gewässern werden indes von Eifersucht geplagt, fühlen sich in die Ecke gedrängt: Heringe sind es vor allem, verbaut zu Rollmöpsen, die langsam aus dem Bewusstsein der Menschen und damit aus den Einkaufswägen verschwinden. An Aschermittwoch und in der Fastenzeit haben sie noch mal ihren Auftritt, danach tauchen sie wieder ab in die Bedeutungslosigkeit. Und wer macht das Rennen auf den Tellern der Großstädter? Richtig, die Sushirolle. Dabei schmeckt der gute, alte Rolli vorzüglich, wenn er denn selbst zubereitet wird, und das geht ganz einfach: halbieren, um ein Stück Gurke wickeln, mit einem Zahnstocher durchbohren, und schon wird der Hering zum Mops. Vier oder fünf Tage muss er in einer Tunke aus Wasser, gutem Essig, Zucker und ein paar Gewürzen schwimmen, und schon entfaltet er sein herbfeines Aroma. Ein so behandeltes Meerestier hat absolut nicht mit diesen armen Fertigmöpsen zu tun, die in einer mit Sacharin und Natirumglutamat angereicherten Suppe in den Supermarktregalen ihrem Ablaufdatum entgegenwesen. Eine Extravaganz haben diese Chemiebomben mit den natürlich hergestellten Rollmöpsen und auch den Sushirollen gemein: Sie wollen per Hand gewickelt werden, brauchen menschliche Wärme auf ihrer kühlen Haut: Bis heute ist es nicht gelungen, eine Maschine Wirklichkeit werden zu lassen, die den Fisch füllt, rollt und spießt. Aus Freude darüber soll schon mal ein Mops eine Rolle rückwärts auf dem Teller geschlagen haben: So was Niedliches muss belohnt werden. Ab jetzt sollten wir den guten alten Rollmops wieder lieb haben, ihn nicht nur zur Fastenzeit auftauchen lassen aus der Versenkung. //

Serie: Die großen Orden

Dominikanerinnen Text: Sven Schlebes

40

6/2012

theo

theo

Fotos: Susanne Troll

1/2013 6/2012

2013/2

Über zwei Jahre erstreckte sich die Serie über die großen Orden, theo-Autor Sven Schlebes recherchierte sich durch die Jahrhunderte. Die Dominikanerinnen sind auf dem Foto von Susanne Troll bloß an ihrem Habit zu erkennen.

12

4141

1/2014

44

theo

1/2013

Auch heitere theo-Seiten haben durchaus einen ernsten Hintergrund. Der Rollmops, von Tillmann Franzen schön in Szene gesetzt, steht für das Ende der tollen Tage und für die beginnende Fastenzeit, die ja bekanntlich bis Ostern währt.

theo


AUS SIEBEN JAHREN

2013 Reise

Rom exklusiv theo-Leserreise mit geistlicher Begleitung in einem sehr besonderen Hotel 08. – 14. November 2012 7-tägige Flugreise ab Düsseldorf

ls das Wünschen noch geholfen hat.

Höhepunkte Santa Cecilia und Santa Maria in Trastevere Villa Farnesina aus dem 16. Jahrhundert Gianicolo (mit S. Pietro in Montorio von Bramante) St. Paul vor den Mauern Santa Maria Maggiore, die bedeutendste Marienkirche Roms San Pietro in Vincoli mit der berühmten Mosesstatue des Michelangelo Colosseum, Forum Romanum und die Kaiserforen Das alte jüdische Ghetto Vatikanische Gärten Vatikanische Museen und Sixtinische Kapelle Galleria Borghese, eines der schönsten Kunstmuseen der Welt Villa d’Este Generalaudienz des Papstes auf dem Petersplatz Anmeldung theo Redaktion Berlin Sven Schlebes Goethestraße 17 10625 Berlin T 030. 48 81 94 40 F 030. 48 81 94 83 redaktion-berlin@theo-magazin.de

Unterkunft ****Hotel Ponte Sisto (ein Hotel im Besitz der Pallottiner) Via dei Pettinari, 64 00186 Roma T 0039. 06. 68 63 13 62 www.hotelpontesisto.it

Vor 200 Jahren erschienen die Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Andreas Öhler über die Verflechtung von Märchen, Legenden, Liedern und Sagen.

Leistungen Flugreise ab/bis Düsseldorf mit der Lufthansa nach Rom alle Flughafensteuern und Gebühren alle Busfahrten in Rom laut Programm Unterbringung in Doppelzimmern mit Bad/Dusche und wc 6 Übernachtungen/Frühstück in Rom 6 x Halbpension durchgängige örtliche Reiseleitung in Rom geistliche Reisebegleitung alle Eintritte laut Programm Kopfhörer für alle Führungen in Rom Insolvenzversicherung Mindestteilnehmerzahl 21 Personen 1.550,- pro Person im Doppelzimmer 450,Einzelzimmerzuschlag

theo

1/2013

22

43

3/2012

theo

theo

23

1/2013

2013 war das Jahr der Gebrüder Grimm, deren Geschichten auch die Sehnsucht der Menschen nach Transzendenz spiegeln. theo griff das Thema auf, und Andreas Öhler schrieb einen schönen Aufsatz über Märchen und Heiligenlegenden.

2012/6

2013/1

KUNST

KUNST

Thomas Schüttes Werkgruppe Frauen ist noch bis Januar in Essen zu sehen. VON MARIA CASPARI

Seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts erschafft der Düsseldorfer Ausnahmekünstler Thomas Schütte Frauenfiguren, Figürchen hießen sie damals noch, Figürchen aus Keramik, die sitzende, liegende und kniende Frauen zeigten. In den Anfängen waren es kleine, weibliche Körper, die in sich verdreht, verknotet schienen, Körper, die kauerten, sich aufrichteten, die Beine übereinander schlugen oder einfach bloß plattgedrückt oder malträtiert dalagen. Dann arbeitete Schütte sich vor zu weiteren Optionen: Er setzte die Körper um in monumentale Skulpturen aus Bronze, wie die Kunstwelt sie kennt von Klassikern wie Picasso, Rodin und Henry Moore. In der Kunstgeschichte kennt Schütte, der bei Gerhard Richter und Fritz Schwegler in Düsseldorf studierte, sich bestens aus, niemals entsteht jedoch der Eindruck, er wolle sich einschreiben in eine berühmte Ahnengalerie. Jede Attitüde geht dem Eigenbrötler, der aus Oldenburg stammt, völlig ab. Vielleicht zählt er gerade deswegen zu den wichtigsten Bildhauern der Gegenwart. Zu den Bronzefrauen gesellten sich bald Figuren aus poliertem Stahl oder aus Aluminium oder jenem Corten-Stahl, der auf der Oberfläche mit einer Rostschicht auftrumpfen kann und somit einen eigenen, einen sehr herben Charme hervorbringt. Manche Aluminium-Frauen von Schütte posieren im Metallic-Look, aber ganz gleich, mit welcher Oberfläche sie glänzen, immer sind sie als »fremde Geschöpfe« zu erkennen. Es heißt, der Künstler habe »aus Frust« über die Frauen (wer kann sie verstehen?) begonnen, seine eigenen zu formen.

Die Wucht des Lebens Der Rollmops japst nach mehr Beachtung Foto: Tillmann Franzen

theo bittet zum Fastenschmaus 54 theo

1/2013

2013/3

theo

5/2013

45

Kunst, eine alte und treue Bekannte in theo. Die Werkgruppe »Frauen« von Thomas Schütte war bis zum Januar im Essener FolkwangMuesum zu bestaunen, und theo-Redakteurin Maria Caspari staunte nicht schlecht, vor allem über die großen Füße der Frauenskulpturen.

1/2014

6/2012 theo

THEO

theo

»Ich habe zu fast jeder dieser Frauen eine halbbiografische Beziehung,« sagt er, und es ist jedem selbst überlassen, sich auf diese Aussage einen Reim zu machen. Jeder »neuen« Frau gehen etliche Arbeitsprozesse voraus, Zeichnungen und Skizzen vor allem, aber auch Modelle aus Keramik, erst dann werden sie zu Nummern: 1-18, das ist der aktuelle Stand. Überhaupt verblüffen Arbeitseifer und Vielseitigkeit Schüttes: In Berlin sind gerade seine Grafikskizzen ausgestellt, in Luzern Architekturmodelle, in Basel die vier Großen Geister und in Essen eben 18 Frauen in verschiedenen Posen, denen eins gemein ist: Sie sind schön und gleichzeitig verletzt, sie haben riesige Füße, sind niemals aber obszön. In ihnen spiegelt sich die ganze Wucht des Lebens. Das Schwere mit dem Leichten gewissermaßen zu balancieren, das sei ihm wichtig, sagt der Künstler, der sich wie kaum ein anderer dem Zeitgeist verweigert und dennoch sehr erfolgreich ist. »Ich mache liebend gern das, was andere nicht machen.« Seine Skulpturen nennt Thomas Schütte Versuche, diese Versuche allerdings sind vielfach preisgekrönt. 2005 auf der Biennale in Venedig erhielt Schütte den renommierten Goldenen Löwen als bester Einzelkünster, 2010 den Kunstpreis der Landhauptstadt Düsseldorf. »Preise sind keine Ehre, sondern sie sind eine Prüfung,« pflegt der Perfektionist zu sagen. Zur Zeit arbeitet er an Plänen für eine Ausstellungshalle auf der Museumsinsel Hombroich ohne öffentliche Gelder, dafür hat er eine Stiftung gegründet. Noch bis zum 14. Januar zeigt das Essener Folkwang-Museum erstmals die ganze Frauenserie Schüttes, der im nächsten Jahr 60 Jahre alt wird. // 5/2013

55

2013/4

Schreiben Sie uns, welche der Seiten Ihnen am besten gefällt: stephanie.haertel@inhousemedien.de Wir verlosen das neue Buch von Martin Mosebach Das Blutbuchenfest 13


DIE HEILIGE ZAHL

Seven

14

1/2014

theo


DIE HEILIGE ZAHL

from Heaven Die Sieben ist die heilige Zahl schlechthin und hat deswegen in der Katholischen Kirche eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Eine Übersicht.

eucharistie Thomas von Aquin nannte sie »das Sakrament aller Sakramente«. Eucharistie bedeutet Danksagung. Das Abendmahl Christi wird vom Priester gegenwärtig gesetzt, denn es ist Quelle und Zentrum des kirchlichen Lebens. Zusammen mit Taufe und Firmung bildet es die »Sakramente der Initiation«. Die Gläubigen feiern sonntags die Eucharistie mit, um den Beginn der Woche im Licht des Glaubens anzugehen. So wie Gott am siebten Tag der Schöpfung ruhte, kommen Christen an diesem Tag zusammen, um zu beten.

7

Die Sakramente sind nach katholischer Lehre die von Jesus Christus eingesetzten, heiligen Zeichen der Gnade. Diese Heiligkeit soll das Leben begleiten – äquivalent zum natürlichen Kreislauf des irdischen Daseins.

taufe gilt als das fundamentale Ur-Sakrament, das einen Bund schließt zwischen Mensch und Gott. Jeder Christ wird so in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Obwohl die meisten Gläubigen sich kaum an dieses Ereignis erinnern können, singen sie im Gottesdienst voll Inbrunst, »Fest soll mein Taufbund immer stehen«.

beichte Ihr wird Heilkraft zugeschrieben, weil der Heiland uns zur Umkehr einlädt. Im Namen des dreifaltigen Gottes spricht der Priester im Auftrag der Kirche denjenigen von seinen Sünden los, der Reue empfindet für das, was er falsch gemacht hat. Das Sakrament der Vergebung schließt Buße und Versöhnung ein. Letztlich ist es, als würde der Mensch Jesus selbst beichten. Mancherorts wurde das Phänomen der »Freundesbeichte«praktiziert, wenn etwa kein Priester zur Stelle war. Die Beichte entspricht auch dem menschlichen Bedürfnis, sich jemandem zu öffnen.

firmung Nach kanonischem Recht spendet der Bischof die Firmung erst nach „Erreichen des Vernunftgebrauch“, also lange nach der Taufe. Der Heilige Geist spendet neue Kraft und teilt seine Gaben in Form von Charismen aus. Nun erneuert der Firmling sein Taufversprechen, das die Eltern stellvertretend in der Taufe gegeben haben.

kranksalbung Was früher einmal „Letzte Ölung“ hieß, wird heute anders gedeutet. Jeder Katholik, der das Bedürfnis hat, kann dieses Sakrament empfangen. Wenn Geist, Körper und Seele gleichzeitig schwach werden, soll das Vertrauen auf Gott besonders gestärkt werden. Das Chrisamöl soll durch seinen Duft und die Annehmlichkeiten für den Leib besonderen Trost spenden.

theo

1/2014

ehe Paulus nannte die Ehe von Mann und Frau ein tiefes Geheimnis. Dieses Sakrament spenden sich die Eheleute gegenseitig. Der trauende Geistliche und die Trauzeugen freuen sich mit den Brautleuten. Das Wort Ehe stammt aus dem althochdeutschen und steht für »Ewigkeit«. Erst wenn die Brautleute sich im tiefsten bejahen und es öffentlich aussprechen, spricht der Priester sie als Mann und Frau an. Dieses Jawort Zueinander gilt ein Leben lang: Was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen. weihe Dieses Sakrament ist in der katholischen Kirche den Ältesten vorbehalten. In der jungen Kirche sind damit jene Männer gemeint, die die Gemeinde leiten und sich als Bischöfe verstehen. Bis heute sehen die Bischöfe sich als direkte Nachfolger der Apostel, die letztlich auf Christus zurückführen. Sie senden Priester und Diakone aus, die Teil des sogenannten Presbyteriums sind. Die Gemeinschaft der Geistlichen wird u.a. im täglichen Stundengebet gestärkt und ist ein geistliches Band. Die Kirche soll ohne Unterlass beten und alle Gläubigen stärken. Jeder Geweihte steht im Dienste dieser Aufgabe.

15


DIE HEILIGE ZAHL

7

habgier Oder Geiz. Das Wesen der Habgier ist das Mehrwollen und Festhalten, nicht bloß beschränkt auf das Materielle. Der Habgierige kann nie genug kriegen, er kann nicht abgeben, der dahinterstehenAlle Sünden, so lehrt es die Moraltheolode Impuls ist die Angst vor Mangel. Geiz gie, gehen von den sieben übelsten Chabedeutet, sich selbst zu beschränken und raktereigenschaften des Menschen aus. Dennoch ist jeder Mensch eingeladen, sich sich nicht weiterzuentwickeln. Molière hat sich in seiner Komödie Der Geizige im Licht der Liebe Gottes als freies Wesen zu entfalten. Dabei mögen unsere Tempe- darüber lustig gemacht. ramente mit uns durchgehen, ob wir nun in unserer Grundstimmung Choleriker, neid Melancholiker, Phlegmatiker oder San»Du sollst nicht begehren deines Nächsguiniker sind. Die Psychologie hat längst ten Gut,« so lautet das zehnte Gebot. Der andere Kategorien entwickelt, die unsere Neidische vergleicht sich mit dem, was der Grundeigenschaften besser beschreiben. andere hat und will es auch. Das führt auf Von unseren Sünden lossprechen aber die Dauer zu übler Laune und Unzufriekann uns kein Psychologe, sondern nur ein Geistlicher, der die Liebe Gottes zu uns denheit. Es wird immer so sein, dass ein anderer Mensch schlauer, schneller und Menschen vermittelt. charmanter ist als man selbst. Darüber sollte man sich sich freuen und Gott dafür danken! Die Demut wäre die Tugend, die stolz für mehr Zufriedenheit sorgt. Der Stolz hat viele Facetten: Anmaßung, Einbildung, Herablassung, Hochmut, zorn Überheblichkeit, Vermessenheit, AffekDer Zornige empfindet die Welt als feindtiertheit, Hybris, Arroganz, Blasiertheit, lich. Anderen Menschen begegnet er mit Dünkel, Eitelkeit, Geziertheit, SelbstFeindschaft statt mit Mitgefühl. Freundgefälligkeit, Hoffärtigkeit, Süffisanz. schaft und Liebe kommen in seinem Letztlich halten stolze Menschen sich für Weltbild nicht vor. Die Folge: ein leidenden Mittelpunkt Welt. Der andere, der Nächste kommt nicht in den Blick. Stolze schaftliches Sinnen auf Rache. Der Weg aus dem Teufelskreis des Zornes besteht Menschen mit ihren kalten Herzen drohen zu vereinsamen. Oft verpassen sie den in der Erkenntnis, dass wahre Sicherheit Zeitpunkt, sich auf eine Welt einzulassen, von innen kommt und dass das Wesentliche im Menschen nicht verletzt werden in der Vertrauen mehr zählt als Eitelkeit. kann. Mein Wesenskern bleibt unberührt Weder Gott noch der Nächste können vom Zorn, wenn ich Gottes Zuversicht im die glatte Oberfläche einer stolzen Seele Innern trage. durchdringen.

Die Todsünden

16

1/2014

wollust Wem die Wollust aus den Augen quillt, wird beherrscht von seinen Trieben. Jede Art von Besinnung ist ausgeschlossen. Irgendein Ziel vor Augen hetzt ein solcher Mensch einer Größe hinterher, die ihn letztlich nicht befriedigen wird. Von der Lust getrieben, kommt ein tiefergehender Gedanke nicht vor. Irgendwann – vielleicht – fragt sich solch ein Mensch, was von der schnellen Jagd übrigbleibt. Sobald er das Objekt der Begierde besitzt, verlöscht die Lust wie die Flamme einer Kerze. unmässigkeit Hieß früher Völlerei. Der Körper des Menschen sendet klare Zeichen der Sättigung. Beachtet er diese Zeichen nicht, geht es ihm schlecht. Das gilt für Speis und Trank. Im selben Maße kann es für anderes Verhalten im Alltag gelten. Wer zu viel Zeit vor dem Computer, dem Smartphone, dem Fernseher verbringt, verroht. Andere Menschen werden nicht mehr in ihrer Würde wahrgenommen, sondern geringgeschätzt. Das Übermaß auf der einen Seite, führt zu einer Unterbelichtung auf der anderen Seite. Nicht alles, was technisch möglich ist, sollten wir Menschen auch umsetzten. Gott ist letztlich das Maß aller Dinge. trägheit Manche Theologen nennen sie die tödlichste aller Todsünden, weil sie letztlich auf einem Desinteresse am Leben beruht. Warum soll ich das Haus überhaupt verlassen, wenn ich alles habe, was ich zum Leben brauche? Wer sich nur treiben lässt vom Schicksal des Lebens, wird irgendwann auf hoher See landen. Der einfachste Weg kann manchmal der falsche sein. Der Träge weigert sich, Verantwortung zu übernehmen. Mit der Zeit breitet sich die Trägheit des Herzens aus – es fehlt die Energie, den Tag frohgemut zu beginnen.

theo


DIE HEILIGE ZAHL

7

7

Die Gaben des Heiligen Geistes

Die Heiligen Zufluchten

Papst Johannes Paul II. nannte diese besonderen Gaben Tugenden der menschlichen Seele. Die Gabe der Erkenntnis befähigt den Glaubenden dazu, die Welt in all ihrer Schönheit wahrzunehmen. Wenn zwei Menschen einander lieben, spricht die Bibel davon, dass sie einander erkennen. Hier geht es also nicht nur um ein Verstandeswissen, sondern um die ganzheitliche Annahme eines anderen Wesens. Auf diese Weise kann auch Gott zum Menschen sprechen. Die Logik Gottes stimmt oft nicht mit dem überein, was wir Menschen vor Augen haben. Davon zeugen die Einsichten der Mystikerinnen und Mystiker in der Tradition der Kirche. Die Gabe der Weisheit gehört zu den Tugenden der Liebe. Im Ersten Testament wird sie als eine schöne und weise Frau beschrieben. Sie lässt die Seele zwischen menschlichem und göttlichem Tun unterscheiden, erkennt mehr und mehr die Gesetzmäßigkeiten des Himmels. Die Weisen aus dem Morgenland gelten als Magier. Was uns unmöglich erscheint, ist dem Weisen nicht verborgen. Die Gabe der Stärke ist eng verbunden mit der Gabe des Verstandes. Damit ist nicht an erster Stelle körperliche Stärke gemeint, sondern seelische Kraft. Der Heilige Geist schenkt uns diese Kraft im Alltag. Seine Stärke macht es möglich, das auszuführen, was der Verstand als richtig erkannt hat. Hindernisse sind dann Herausforderungen. Die Gabe des Rates hilft bei der Suche nach dem rechten Weg. Der Dumme lässt sich nichts sagen, will mit dem Kopf durch die Wand und merkt nicht, wenn er als Folge blutet. Wer Rat sucht und sich gut beraten lässt zeigt seine Schwächen, macht sich verletztlich, wird am Ende klüger sein als zuvor. Gut gemeinte Ratschläge können aber auch eine Sackgasse sein. Hier hilft die Gabe der Unterscheidung, die differenzierter wahrnimmt. Die Gabe der Wissenschaft lehrt die Menschen das Gute zu tun. Warum? Um des höheren Gutes willen. Thomas von Aquin hat die Lehre vom »bonum commune« entwickelt. Nicht alles, was nützlich ist, ist auch gut. Aber alles, was gut ist, kommt

theo

letztlich dem Gemeinwesen zugute. Eine harmonische Gemeinschaft bildet die Schönheit Gottes ab. Die Gabe der Frömmigkeit leitet die Seele dazu an, Gott ganz in den Blick zu nehmen. In allem, was Menschen tun, sei es im Alltag oder in der Liturgie des Gottesdienstes, ist der Geist Jesu Christi am Werk. Dieser verbreitet den Duft der Liturgie als den Wohlgeruch der Kirche, die in ihrem Dienst an Gott und den Nächsten nicht nachlässt. Die Gabe der Furcht vor dem Herrn ist die Gabe, Ehrfurcht zu üben. Das bezieht sich in gleichen Teilen auf Gott und den Menschen. Wer dem Nächsten nicht ehrfürchtig begegnet, seien es Freunde oder Verwandte, der begegnet auch Gott nicht in der gebührenden Weise. Die Ehrfurcht vor Gott bewahrt vor den Anfeindungen des Bösen. Sie umgibt die Seele wie eine Schutzmauer und ist die Hüterin aller anderen Gaben.

Die sogenannten Sieben Zufluchten bezeichnen verschiedene Geheimnisse des Glaubens. Im Gebet wendet sich der gläubige Katholik an die Heiligste Dreifaltigkeit, an Jesus, den Gekreuzigten, an das Allerheiligste Sakrament des Altares, an die Gottesmutter Maria, an die Neun Chöre der Heiligen Engel, an die Gemeinschaft der Heiligen und Seligen des Himmels, an die Armen Seelen im Fegefeuers.

7

Die Freuden Mariens Die Kirche hat früher am 5. Juli, dem Tag der Freuden (lat. »laetitia«) Marias ein besonderes Fest gefeiert. Besonders in den franziskanischen Gemeinschaften war dieses Fest beliebt. Weil jede einzelne Freude Mariens, die sie als Gottesmutter mit ihrem Sohn erleben durfte, einen eigenen Festtag hat, wurde es bei der Kirchenreform des Zweiten Vatikanischen Konzils aus dem liturgischen Kalender gestrichen. Verkündigung Heimsuchung Geburt Jesu Anbetung der Weisen Wiederauffinden Jesu im Tempel Auferstehung Himmelfahrt Mariens

1/2014

// 17


DIE HEILIGE ZAHL

Was Paten verraten SIEBEN THEO-FREUNDE SPENDEN BEIFALL

Mario Filsinger, 36, ist Mediengestalter und Heilpraktiker, er studiert Theologie im Fernkurs, um seelsorgerisch tätig zu werden.

Susanne Storm-Sammeck ist Diplom-Kauffrau, verwitwet und Mutter zweier erwachsener Töchter. 2007 ist sie nach 34 Jahren wieder in die Kirche eingetreten.

Markus Bollen, 51, ist Fotograf, verheiratet, hat vier Kinder und lebt in Köln.

2 3

Michael Ludwig ist Pfarrer in St. Peter und Paul, Bochum

4

Susanne Hempel arbeitet im Bereich Werbung/Marketing. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Düren

5

Tobias Ebert ist Schulseelsorger am Mallinckrodt-Gymnasium in Dortmund. Er unterrichtet die Fächer katholische Religion und Geschichte

Carina Lafite ist Journalistin, verheiratet und hat drei Töchter. Sie schreibt auch für kirchliche Medien in Wien.

18

1

6 7

»theo ist die einzige überregionale katholische Publikation, die ästhetisch viel hermacht und inhaltlich durch Tiefgang und Vielfalt überzeugt.«

»theo ist ein wundervolles Magazin. Ich schätze die Offenheit, den weiten Rundum-Blick, aber auch die liebevoll gestalteten Details. theo erschien im Jahr meines Wiedereintritts und ist mein Wegbegleiter.«

»Mir gefällt an theo der großzügige Umgang mit den wunderbaren Bildern, das phantastische Layout, aber auch die Texte, die Tiefgang haben. So geht eine völlig entstaubte Sicht auf die katholische Kirche.« »Ich freue mich über jede Ausgabe, über das Unbeschwerte in den Artikeln, ohne dass sie seicht sind. Das macht Lust auf ›katholisch‹ und kann neues Interesse wecken. So kann auch Kirche und Glaube gestaltet werden.«

»theo erzählt so über den Glauben, wie ich es mag: eigenwillig, offen,in einer ehrlichen und feinen Ästhetik.«

»theo füllt eine publizistische Lücke. Mir gefällt das frische Layout und die Ausgewogenheit zwischen spirituellen, sozialen und kulturellen Themen.«

»Schon nach der Lektüre des ersten Heftes wollte ich theo-Patin werden. So etwas wie theo gibt es in Österreich nicht. Die Hefte finden immer reißenden Absatz – bei Jung und Alt.« 1/2014

theo


DIE HEILIGE ZAHL

blauer montag Wenn die Welt sich in bunten Tönen darstellt, hat das etwas zu tun mit dem Verschmelzen zweier Sinne: Buchstaben werden fühlbar, Worte kriegen Geschmack und Ziffern klingen. Für unsere Autorin NINA STOLT Z haben sich sogar die sieben Wochentage farblich herausgeputzt.

Es gibt Zahlen, die sind mir deswegen sympathisch, weil sie ungerade sind. Das Ungerade versprüht Schönes, Ausgeglichenes, so paradox das klingen mag. Am besten gefällt mir die Drei, dicht gefolgt von der Sieben, die schlank und rank daherkommt – ohne viel Firlefanz. Meine Augen liegen etwa sieben Zentimeter auseinander, und meine Haare haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von sieben Wochen, eine ganz besondere Beziehung pflege ich zu den sieben Wochentagen. Ich weiß nicht, wer in meinem Kopf die Fäden zieht, aber meine Wochentage haben Farben. Wenn die Sonne scheint, spüre ich sie noch intensiver, als würde das Licht sie durchdringen und ihnen Atem einhauchen. Aber auch sonst sind sie präsent und alltäglich wie die Creme auf der Zahnbürste. Ich habe die Farben nicht bewusst gewählt, um mir die Tage besser merken zu können, es fühlt sich vielmehr so an, als sei ich über Nacht damit bedacht worden. Wie ein Vogel, der einem ins Haus flattert und bleibt, weil es ihm gefällt. Mir fehlt der Bezug zu den Buchstaben, die den Namen eines Tages bauen, ihn ausdrücken, das übernehmen bei mir die Farben; sie bringen 24 Stunden in Form und zeigen mir, wann die Sonne aufgeht – quasi eine 1a-Übersetzung. Auch bei den einzelnen Farben hatte ich keine Wahl, sie kamen und blieben: vom dunkelblauen Montag bis zum maisgelben Sonntag und dazwischen Orange, Hellblau, Lila und Grau. Ich muss zugeben, objektiv betrachtet sind es nicht die schönsten Farben, aber darum geht es gar nicht. In Farben kann ich mich verlieren, sie berauschen meine Sinne weitaus mehr als Buchstaben, sie sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern Grundlage meiner Wahrnehmung. 20

1/2014

theo


DIE HEILIGE ZAHL

Mein Vater ist Kapitän, und als Kind ging ich mit ihm an Bord, auf eine Reise von Rotterdam nach Afrika, bis kurz vor den Äquator. Drei Monate verbrachte ich auf den Ozeanen dieser Welt. Tagein, tagaus kein Baum, kein Strauch, kein Haus, bloß das Meer und die endlose Weite. Mit jeder Meile, die wir damals zurücklegten, schwamm auch das Zeitgefühl davon. Schon ein freier Tag, den man im Nachthemd verbummelt, bringt das Zeitempfinden empfindlich ins Wanken, bei drei Wochen gerät es komplett aus dem Fahrwasser. Meine Farben wirken wie ein Klebefilm, an dem Emotionen und Erinnerungen haften bleiben und somit jeden Tag von einem anderen ganz klar abgrenzen. Diese bunten Gefühlsnotizen helfen mir dabei, Wochentag und Datum zu rekonstruieren – so hat mich mein persönliches Koordinatensystem nicht nur auf dem Atlantik im Gleichgewicht gehalten, auch heute bleibt mein Leben damit in schönster Ordnung. Mein Zahlen- und Farbenfetisch mag kompliziert klingen und verwirrend, und das ist er sicher auch. Auch für mich ist es manchmal anstrengend, alle Dimensionen im Einklang zu halten. Doch ich habe gelernt, diese Besonderheit als schöne Gabe zu sehen, als ein Geschenk, das mich beflügelt. Und die Sieben, ja die Sieben ist zudem sehr hübsch anzusehen. // theo

1/2014

21


DIE HEILIGE ZAHL

KinderReich!

auch schon geistige Anregungen, die Themen, die sie haben, kommen immer auch in mein Leben, wie Design, Mode, Innenarchitektur, spanische und lateinamerikanische Literatur, Jugendkultur etc.

Die Düsseldorfer Künstlerin Claudia van Koolwjik (53) ist Mutter von sieben Kindern, eine Ausnahmeerscheinung also. theo hat ihr sieben Fragen über ihr buntes Leben gestellt

1.)

2.)

3.)

Wie lebt es sich mit so vielen Kindern? Das Leben mit sieben Kindern ist schön, aber auch schwer. Dadurch, dass die Kinder sich untereinander helfen, ist vieles einfacher, sie erziehen sich gegenseitig, trotzdem braucht jedes seine eigene Zuwendung. Wie alt sind die Kinder heute? Sie sind 27 (Joseph), 24 (Hannah), 19 (Clara), 19 (Max), 15 (Teresa), 13 (Antonia) und 9 (Simon) Jahre alt, drei Kinder sind ausgezogen, die von den verbliebenen Kindern sehr vermisst werden. Alle sind an das Leben in der Gruppe gewöhnt, immer ist jemand da, der aufpasst und es ist auch oft Besuch da. Wie kommst du zum Arbeiten, dazu, Kunst zu machen? Wenn die Kinder da sind, ist es schwer zu arbeiten. Das erste Kind war die größte Herausforderung, nach dem zweiten lief es schnell wieder, sie hatten ja einander. Durch die Zwillinge konnte ich drei Jahre nicht arbeiten, sie waren schwer krank und mehrmals dem Tode nah. Durch sie habe ich das Meiste gelernt. Ich bin dankbar, dass sie überlebt und sich zu tollen Erwachsenen entwickelt haben. Von den drei Kindern, die dann kamen, hatte sich jedes schon nach drei Wochen in die Familie eingefügt, lief eben so mit.

4.) Haben die Kinder auch Einfluss auf deine Arbeit?

Kunst ist mir sehr wichtig, und ich wollte immer beides, Kinder und Kunst machen. Die Kinder haben viel Liebe und Wärme in mein Leben gebracht, beides ist in meine Arbeit eingeflossen. Die Gefühle spiegeln sich in meinen Fotografien, die erwachsenen Kinder bringen

22

1/2014

5.)

Wie wirst du allen Kindern gerecht? Es ist schwer, allen Kindern gerecht zu werden. Ich versuche mein Bestes und habe oft das Gefühl, es nicht zu schaffen. Manchmal zerreiben mich die Kunst und die Kinder.

6.)

Was sagt die Gesellschaft zu so vielen Kindern? Ich kenne alle Reaktionen, von begeistert bis entsetzt. Jetzt, da alle gross sind, wird es eher akzeptiert, weil alle ihren Weg gefunden haben und ihre Verbundenheit untereinander zu spüren ist.

7.)

Spielt die Zahl sieben also eine wichtige Rolle in deinem Leben? Die 7 ist eine wichtige Zahl, sieben Sakramente, sieben Wochentage, sieben Tugenden, sieben Todsünden, sieben Zwerge! Zahlen spielen in meinen künstlerischen Papier- und Stoffarbeiten eine große Rolle, die 7 symbolisiert in allen Völkern die sieben Gestirne neben der Erde: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Aus diesen sieben Sternen entwickelte sich die Vorstellung von sieben Himmelsphären und sieben Flüssen, sieben Farben, sieben Tönen, sieben Metallen. // theo


Orientierung. Täglich.

Bild: Š Csaba Peterdi - Fotolia.com

Auf einen Klick www.katholisch.de


DIE HEILIGE ZAHL

Autobahnkirche Siegerland

Sehr Geschichten von Kirchen gespenstern herum, die angeblich niemand mehr braucht, die profaniert, zu Supermärkten oder Restaurants umfunktioniert werden. Doch an vielen Orten entstehen neue, architektonisch überzeugende Kirchenbauten. theo stellt die sieben schönsten vor. Nach etlichen Kilometern im Geschwindigkeitsrausch sehnt sich manch ein Autofahrer an einen Ort der Stille und inneren Einkehr, vielleicht sogar nach einem kurzen Plausch mit Gott. Die Autobahnkirche Siegerland, irgendwo in Deutschlands Mitte in der Nähe des Dreiländerecks Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz gelegen, ist so ein Ort. Das weiße Gebäude hat sich in Falten gelegt wie ein japanisches Origami, innen erscheint es großzügig und warm, die 650 zusammengesteckten osb-Spanplatten schlucken die Geräusche von außen fast vollständig. Das im Mai 2013 geweihte Schmuckstück entwarf das Frankfurter Archtitektenbüro »schneider & schuhmacher«. Die Gemeinde Wilnsdorf stellte das Grundstück zur Verfügung und der Bau wurde ausschließlich über Spenden finanziert. Wer einen solch großen, weltbekannten Bruder hat wie den Regensburger Dom, hat es schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Doch die kleine Kirche St. Franziskus im Regensburger Stadtteil Burgweinting hält dem Vergleich wacker

24

1/2014

stand. Eigentlich wurde sie gebaut, weil Burgweinting immer größer wurde und die so wachsende katholische Gemeinde in der bisherigen Pfarrkirche keinen Platz mehr hatte. Mittlerweile ist sie über die Bistumsgrenze hinaus bekannt. Von außen präsentiert St. Franziskus sich schlicht, die Kölner »Königs Archtitekten« wollten es so: ein rechteckiger Block, der mehr an eine Lagerhalle als an eine Kirche erinnert, und ein freistehender Glockenturm ragen in den Himmel. Der asymmetrisch elliptische Innenraum wirkt weich und einladend, die besondere Sheddachkonstruktion erzeugt mithilfe von Glasfasergewebe in der Decke schöne Lichteffekte. Pfarrer Hans Späth legt besonderen Wert darauf, dass seine Herz-Jesu-Kirche in München-Neuhausen nichts mit dem Glamour und dem Prunk der in Bayern sonst üblichen Barockkirchen zu tun hat. Und doch steht der Monumentalbau seinen vergoldeten Verwandten aus vergangenen Jahrhunderten in nichts nach. Blaue, haushohe Glasportale, von einem Glaskünstler entworfen und dem Leidensweg Jesu gewidmet, erscheinen, einmal geöffnet, wie der Eingang in eine andere Welt. Auch im Inneren wurde nicht gespart und alles durchdesigned – vom Kreuz, über die Orgel bis hin zu den vorhandenen Waschräumen.Einzig der Kreuzweg hebt sich ab von dem sonst überdimensioniertem Bau: Bei allen 14 Stationen wurde

theo


DIE HEILIGE ZAHL

Herz-Jesu-Kirche München-Neuhausen

erbaulich! von Stephanie Härtel

theo

auf das Abbild Jesu verzichtet, statt dessen hängen Fotografien von Alltagssituationen auf der Via Dolorosa in Jerusalem an den Wänden. In München-Riem, da, wo die Stadt sich noch mehr Land nimmt, eröffnete 2005 das Ökumenische Zentrum. Eine zehn Meter hohe weiße Mauer umschließt das Gelände, lässt es wie eine uneinnehmbare Festung erscheinen. Im Innern aber staunt der Besucher über »eine Stadt im Kleinen«: ein durchlässiges, vielschichtiges Gefüge aus unterschiedlichsten Räumen und Nutzungen. Unterschiedlich, weil in diesem Zentrum sowohl die Katholische Gemeinde St. Florian als auch die EvangelischLutheranische Sophienkirche zusammengefasst wurden. Außer dem Glockenturm und einer so genannten »Kirchgasse« verbindet die beiden Gemeinden nicht viel, dafür lässt es sich wunderbar aushalten in der »anderen Welt, die geprägt ist von Ein- und Durchblicken, Dachgärten, Wasserflächen und Höfen unterschiedlicher Dimensionen.« Ganz anders erscheint die Maria-Magdalena-Kirche in Freiburg. Inmitten eines Neubaugebiets erhebt sich dieser graue Betonklotz, der nur auf den ersten Blick düster erscheint. Wenn sich die Sonne blicken lässt, werden aus den grauen Fenstern orangefarbene Lichträume. Die Ökumene nehmen die Gläubigen hier noch ernster als in München. Die benachbarte evange-

1/2014

25


© Jörgens.mi / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

DIE HEILIGE ZAHL

Maria-Magdalena Kirche in Freiburg

lische Kirche trägt den gleichen Namen, wenngleich die Katholische noch ein »Sankt« voranträgt. Die Besonderheit dieses ökumenischen Zentrums aber ist die Betonwand, die die Kirchenräume der beiden Gotteshäuser voneinander trennt. Für den gemeinsamen Gottesdienst wird die Wand ganz einfach eingefahren, und es entsteht ein riesiger Saal. Und wie der Website zu entnehmen ist, wird diese Gelegenheit immer öfter genutzt. Zwischen all den historischen Gebäuden, die Augsburgs Innenstadt schmücken, fällt die Moritzkirche gar nicht groß auf. Gegründet wurde sie schon im Mittelalter und stand lange Zeit unter dem Einfluss der reichen Kaufmannsfamilie Fugger. Nachdem sie im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde, beauftragte die Pfarrei einen Kölner Archtitekten mit dem Wiederaufbau. Doch im Laufe der Jahrzehnte wurde zu viel am vorhandenen Konzept herumgepfuscht, und so schuf der Londoner Architekt John Pawson 2009 einen Innenraum voller Klarheit, der gänzlich ohne SchnickSchnack auskommt. Oder um es mit den Worten von Professor Thomas Erne zu sagen, der in Marburg am Institut für Kirchenbau und Kirchliche Kunst der Gegenwart lehrt: »Ein Raum von beeindruckender moderner Sakralität«. Wahrlich eine gelungene Symbiose aus Geschichte und Moderne. Ein Jahr war die Evangelisch-Lutherische BrückenschlagGemeinde in Köln ohne Kirchenraum, da Anfang 2012 das alte Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum abgerissen worden war. Dann wurde die neue Immanuelkirche eingeweiht. Nach einer Ausschreibung hatte sich das Konzept des Berliner Architektenbüros Sauerbruch Hutton durchgesetzt – eine Kirche aus Holz, das aus Finnland importiert wurde: Für den Innenraum wurde Fichte verarbeitet, für die Außenfassade Lärchenholz. Auch der freistehende Glockenturm – aus Holz. Besonders stolz ist die Gemeinde auf ihre Orgel, die, unsichtbar von außen, in die innere Holzverkleidung eingebaut wurde. //

26

1/2014

Moritzkirche in Augsburg

theo


Alle Kinder, aufgepasst! Ihr bekommt ein Geschenk den Kölner Dom als App Heißen die heiligen Drei Könige »Kaspar, David, Friedrich« oder doch »Kaspar, Melchior und Balthasar«? Was passiert an einem ganz normalen Tag im Kölner Dom? Warum stellen wir Ker-

Nachfragen (auch für Eltern) bitte bei der Redaktion: Petra Dierkes,

zen auf? Und welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Wort

Erzbistum Köln;

»Kathedra«? Das, und noch viel mehr könnt ihr auf der neuen

0221. 1642 3175

App für Kinder über den Kölner Dom erfahren, die Dompropst Dr. Norbert Feldhoff und das Domkapitel herausgeben.

petra.dierkes@erzistum-koeln.de Isabel Gronack-Walz, Cologne Digital; 0221. 4000074

Seid Ihr zwischen 6 und zehn Jahre alt? Dann lädt die Dom App

info@colognedigital.de

euch auch zum Mitspielen ein: »Teste einmal, wie gut Du Dir die

Die App kann auf aktuelle

Töne des Doms merken kannst oder wie viele Bilderrätsel Du

i-Pads, i-phones, Tablets

in 90 Sekunden lösen kannst. Zur Belohnung kannst Du Dir die Geschichte zum jeweiligen Bild erzählen lassen.«

und Android mobiles geladen werden. Die jeweiligen Links,

Auch Geschichten rund um die Historie des Dombaus hält die App für euch bereit. Ihr alle seid eingeladen, spielerisch mehr über den Dom zu erfahren: Im Bereich »Was früher war« könnt ihr den Dom selber auf- und abbauen. Per Klick wird die aben-

um die App kostenlos herunterzuladen, sind hier zu finden www.koelner-dom.de/index. php?id=kinderapp

teuerliche Geschichte des über 700 Jahre alten Bauwerkes erzählt. Noch mehr Geheimnisse über den Kölner Dom erfahrt ihr bei »Domgeschichten«. Hier könnt ihr euch die gruseligen und schönen Geschichten vom Teufel und dem Dombaumeister, der Geistermesse und viele andere erzählen lassen.

Warum stellen wir Kerzen auf? www.dom-fuer-kinder.de


DIE HEILIGE ZAHL

Der Mensch, wir wissen es, ist ein Gewohnheitstier, und natürlich braucht ein Alltag auch viel Routine – wer will schon täglich das Rad neu erfinden? Doch auch Gewohnheit kann zum Zwang werden, Gewohnheiten können versteinern, zu Trägheit und Langeweile führen, eine Beziehung lahmlegen. Die Autorin Anne Albers-Dahnke empfiehlt: Abenteuer statt Alltag, Experimente statt Berechenbarkeit, Staunen statt Gähnen. Doch wie soll das gehen? Für Anne Albers-Dahnke ist der Fastenkalender 2014, der staunenwerterweise rechtzeitig zur Fastenzeit erscheint, der richtige Wegweiser für Menschen, die sich mit dem ewig gleichen Trott nicht zufriedengeben wollen. Die Journalistin serviert 47 Tipps für kreative Gedanken und Möglichkeiten, mit auf dem Tablett liegen Fragen zum Nachdenken und die Ermunterung zum Sich-Zeit-Nehmen, Beten und Durchatmen. Kostprobe gefällig? »Wir schreiben Mittwoch, das ist schon die Mitte der Woche, deine Gehirnhälfte denkt bereits ans Wochenende. Aber nein, dieser Tag ist ein genialer Tag, auch einer, den Gott gemacht hat. Gehe in den Tag hinein, als hättest Du ihn bereits mit Erfolg gemeistert.« Das klingt nach positivem Denken, wogegen ja prinzipiell nichts einzuwenden ist, aber so genial wie der Mittwoch angeblich ist, so genial ist dieser Ratschlag nicht. Von solchen Muntermachern wimmelt es in dem Buch, doch es ist durchaus auch Erhellendes dabei: nicht nur für jene Menschen, für die positives Denken das Evangelium ersetzt.

Genug gegähnt, jetzt wird gestaunt! Wie wird aus jedem All-tag ein Abenteuertag? Dieser Frage geht die Autorin Anne Albers-Dahnke nach: in ihrem Buch 7 Wochen ohne wie immer.

Neukirchener Aussaat 8,99 Euro

28

1/2014

theo


KULTURORT W I N T R I N G E R K A P E L L E | W I N T R I N G E R H O F D I E G R E N Z E N D E S WA C H S T U M S | H E R M A N N B I G E L M AY R F端hrungen auf Anfrage | www.kulturor t-wintringer-kapelle.de

theo

1/2014

29


younger than ever 160|100|20

Jubiläumsausstellung zur Geschichte des Diözesanmuseums seit 1853 bis 25. Mai 2014 Es beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen sakraler Kunst in Deutschland und hat mit hochkarätigen Ausstellungen begeistert. Nun steht das Diözesanmuseum Paderborn, das älteste Museum seiner Art im deutschen Sprachraum, selbst im Rampenlicht. Anlass sind drei Jubiläen: das 160-jährige Bestehen des Museums, der 100. Jahrestag seiner Wiedereröffnung sowie der 20. Jahrestag seines Umbaus. Die Ausstellung „Younger than ever – 160/100/20“ präsentiert anhand dieser drei Daten die eigene spannende Historie. Inszenierungen und erstmals gezeigte Fotodokumente erzählen Geschichten von Höhen und Tiefen und zeichnen die Entwicklung von den provisorischen Anfängen über den kontrovers diskutierten Gottfried-Böhm-Bau aus den 1970er Jahren bis hin zum heutigen Erscheinungsbild und Profil des Hauses nach.

Markt 17 · 33098 Paderborn Tel. 05251 125-1400 Di.–So. 10.00–18.00 Uhr dioezesanmuseum-paderborn.de


RATEMAL

Wer bin ich? das Heiligenquiz in theo VON SVEN SCHLEBES

Manche von uns fürchten den Schlaf. Als kleiner Bruder des Todes schenkt er uns lebensnotwendige Erholung und fordert doch einen Preis: Das Aufgeben der bewussten Kontrolle über Körper, Geist und Seele. Was im Schlaf geschieht, liegt nicht mehr in unserer Hand. Als wir 251 nach Christus mit unserem Kaiser Decius nach Ephesus in der heutigen Türkei reisten, war das Christentum für alle Anhänger noch eine gefährliche Sache. Noch war der alte heidnische Götterhimmel über dem politischen Kosmos des Römischen Reiches aufgespannt und forderte von seinen irdischen Mitspielern die erbitterte Verteidigung gegen das neue Zeitalter des einen Gottes. Christen waren Staatsfeinde, und als solche drohte Ihnen der Tod. Lediglich die öffentliche Anbetung der alten Götter sicherte ihnen das Leben. In Ephesus blieben viele standhaft und erlitten so während der Christenverfolgungen den Märtyrertod. Ihre Leichen wurden zur Abschreckung auf die Stadtmauern gestapelt. Es waren so viele, dass die Mauern an der einen oder anderen Stelle unter der Last zusammenbrachen. Als auch wir Palastdiener öffentlich den alten Göttern opfern sollten, weigerten sich sieben von uns und rechneten mit dem sicheren Tod. Doch Decius mochte uns und gab uns Bedenkzeit. Wer wollte schließlich ein schönes Leben in Prunk und Pracht am römischen Hofe schon gegen den Tod eintauschen? Als Kaiser Decius sich mit seine Truppen ins Umland aufmachte, um versprengte Christengemeinden ausfindig zu machen, sammelten wir Almosen für die Armen in der Stadt und flohen in eine Höhle im Berg Anchilus. Dort wollten wir beten und Gott, unseren wahren und einzigen Herrn, um Rat fragen. Lediglich den Jüngsten von uns sandten wir als Bettler verkleidet in theo

die Stadt, um Nahrungsmittel zu kaufen und den Kontakt zu unseren Familien zu halten. Als Kaiser Decius früher als gedacht nach Ephesus zurückkehrte, blieb unserem Jüngsten nicht mehr viel Zeit. Lediglich einige wenige Brote konnte er in unser Versteck bringen. Decius tobte, als er von unserer Flucht erfuhr und erpresste von unseren Vätern unter Folterandrohung unseren Aufenthaltsort. Im sicheren Glauben, dass wir noch am Leben seien, ließ er den Höhleneingang zumauern: »Daher soll der Zugang zur Höhle mit großen Steinen verschlossen und versiegelt werden, dass sie lebend begraben seien und in jenem Kerker elend sterben«. Doch da hatten wir sieben unsere Seelen schon in die Hände Gottes gelegt. Zum Glück schrieben Theodorus und Rufinus, zwei weitere christliche Diener des Kaisers, unsere Geschichte auf bleierne Tafeln und versteckten diese in einer Schatulle unter den Steinen am Höhleneingang. Fast 200 Jahre schliefen wir so in der Höhle: Mit dem Tode Decius nahm auch die Vorherrschaft der heidnischen Götter ihr Ende, und das Christentum breitete sich im römischen Reich aus, wurde sogar Staatsreligion. Aber der Glaube an die Herrschaft des einen Gottes über Leben und Tod verblasste zunehmend im Gewirr der ausklingenden Antike. Als im 32. Amtsjahr der Regentschaft Kaiser Theodosius II. die Steine der Höhle für Bauarbeiten abgetragen wurden, beschloss Gott, uns neues Leben zu schenken und damit das Christentum zu stärken. Wieder zog der Jüngste von uns in die Stadt, um Lebensmittel zu kaufen. Doch auf unseren Münzen war noch das Antlitz des Decius eingeprägt, so dass man ihn wiederum gefangen nahm und zum Bischof führte. Dort erzählte er unsere Geschichte und wies in unsere Höhle, an deren Eingang 1/2014

man die Schrifttafeln fand und uns selbst. Als kurze Zeit später selbst der Kaiser Theodosius sich von unserer Wiedererweckung überzeugen konnte, entschliefen wir endgültig. Doch mit unserem zweiten Tod starb auch der Zweifel des Kaisers an der Herrschaft Gottes und er baute über unserer Höhle eine Kirche als sichtbares Zeichen für den lebendigen Gott. Seitdem bezeugen wir sowohl im Christentum als auch Islam, dass Gottes Herrschaft über Leben und Tod allgegenwärtigen Bestand hat. Und selbst das Wetter an unserem Gedenktag soll als Zeichen der ewigen Macht sieben Wochen verharren. Wer freut sich bei soviel Herrlichkeit nicht auf die Zeit des süßen Schlafes und das Anbrechen der himmlischen Regentschaft?

Wer bin ich?

Wenn Sie wissen, um welchen Heiligen es hier geht, schicken Sie uns bitte den vollständigen Namen bis zum 15. April per E-Mail an: redaktion-duesseldorf@theo-magazin.de oder eine Postkarte an: Redaktion theo c/o Nicola Bist, Gerhart-HauptmannStraße 11, 40470 Düsseldorf Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir Martin Mosebachs neues Buch Das Blutbuchenfest. Der Gewinner wird postalisch benachrichtigt. Das Los entscheidet. Ohne Gewähr. Die Lösung des Heiligenratens aus Heft 5/2013 lautet: Vinzenz Pallotti. Die Gewinnerin heißt Sabine Ochenhirt-Sroka in Frankfurt am Main. theo gratuliert.

----------------------------------------------

31


AUFGEKREUZT

Der Engel von heute

Magazin mit Klasse

Aus dem Bistum Limburg kommt auch was Schönes und Erhellendes, nämlich Eulenfisch: Das »Limburger Magazin für Religion und Bildung« beruht auf dem theologischen Paarbetrieb Glaube und Vernunft; der Fisch symbolisiert den Glauben und verbindet sich mit der Weisheit der Eule. Das puristische Layout von EulenFisch lässt viel Raum für eigene Gedanken, die aktuelle Ausgabe behandelt das Thema Zeit, die jeden Menschen fortträgt bis ans Ziel – »Wir wissen weder Tag noch Stunde« (Mt 25,13). Den Bibelspruch illustriert eine Armbanduhr des österreichischen Künstlers Leo Zogmayer www.eulenfisch.de

Bibelgeschichten aus dem Heute

Die Kolumnistin und freie Autorin Susanne Niemeyer aus Hamburg begibt sich hinein in die biblischen Geschichten und erzählt sie aus der Gegenwart heraus: Das Paradies beginnt vielleicht gleich hinterm nächsten Gartenzaun, wer weiß das schon? Adam liebt Eva, und Jakob macht die erste Million; David verrät seine Ideale, und Martha kündigt ihren Job – dies sind bloß einige Figuren, die dem Leser aus dem Alten und Neuen Testament begegnen. Auch den unerfüllten Kinderwunsch Sarahs und das Drama um Kain und Abel beschreibt Susanne Niemeyer aus heutiger Perspektive. Die Bibel hat unseren Alltag vorweggenommen, Geschichten über Liebe und Krankheit, Heimat und Tod, Freude und Lachen. Ein Engel geistert durch dieses Buch, er berührt die Menschen. Und Gott? Ist allgegenwärtig!

Das ewige Paar

Susanne Niemeyer Zimmer frei im Paradies, Kreuz-Verlag 16,99 Euro

32

1/2014

theo


AUFGEKREUZT

Bewahren Neues Brevier »Festgaben«

Für ein gelingendes Leben gibt es viele Schlüssel, beispielsweise das Fest, wenn Menschen zusammenkommen und sich kulturell austauschen. Die Beweg- und Hintergründe des Anlasses in ihrer jeweiligen Erhabenheit zu zeigen – das ist eine Kunst. Das schön gestaltete Brevier Festgaben, herausgegeben von Peter Michael Lupp in Saarbrücken, soll ein Beitrag sein, unsere Lebensräume zu bewahren: Es enthält Erzählungen und Essays, da schreiben der kochende Konzeptkünstler Arpad Dobriban, der Pfarrer Fred Schneider-Mohr, der Bildhauer Rudolf Schwarz und der Kulturverantwortliche Peter Michael Lupp. Zu bestellen unter 06842. 1693 www.rscshwarz@kunstschaefer.de

Dieses Haus ragt heraus Kolumba-Museum ausgezeichnet

Das Kunstmuseum des Erzbistums Köln besteht seit sieben Jahren und erhielt Preise reihenweise: Jetzt ist es auch noch Museum des Jahres 2013. Die deutsche Sektion des internationalen Verbandes der Kunstkritiker (AICA) hat das von Peter Zumthor entworfene Museum ausgezeichnet – wegen seiner hervorragenden Architektur und einer Sammlung, »die den Bogen spannt zwischen alter und zeitgenössischer Kunst«. Immer fördert Kolumba auch solche Künstler, die sonst wenig in den Medien sind; der Schweizer Bruno Jakob steht mit seinen Arbeiten nun im Mittelpunkt, drei Monate lang, los geht’s am 30. März mit einer Performance. www.kolumba.de

Er ist Vogel des Jahres 2014

Mein lieber Specht!

theo

Ein echter Kämpfer hat sich zum Erfolgsvogel gemausert: Obwohl in Deutschland viele Vogelarten vom Aussterben bedroht sind, konnte der Grünspecht sich dank vieler milder Winter prima halten. Am wohlsten fühlt er sich auf Streuobstwiesen und in alten Bäumen, in deren Höhlen er ausreichend Futter in Gestalt von Ameisen findet. Durch seinem dynamischen, mehrsilbigen Ruf, der jetzt im Frühling wieder deutlich hörbar im Wind liegt, ist der Grünspecht auch Städtern wohlbekannt, in der Balzzeit trällert er sich gern zu einer lang anhaltenden Strophe hoch. Beinahe alle können helfen, den kleinen Lärmmacher zu erhalten: zum Beispiel durch konsequent ökologisches Gärtnern. www.nabu.de

1/2014

33


KOLUMNE

Was ich liebe Folge 30

Gänsepost Das Jahr war noch jung, Anfang Februar hätte eigentlich der Winter das Sagen gehabt, aber irgendwie wollte er bei uns im Rheinland nicht ran. Ich sah es ihm nach, schließlich hatte er sich im vergangenen Jahr viel Zeit gegönnt. Jetzt ließ er es ruhig angehen, verzichtete darauf, die Vorboten des Frühlings in ihre Schranken zu weisen: Krokusse in Gelb, Violett und Rosa. Ein bisschen Sonne mischte die Farben auf, und ich bekam Lust auf eine Landpartie in die Eifel. Aber ich hätte es besser wissen müssen: die Eifel hängt immer irgendwie hinterher. Mit allem, mit sogenannten Trends sowieso und auch mit den Temperaturen. Von der wärmenden Sonne war hier nichts mehr zu spüren, heraneilende, hastige Regenwolken verdunkelten den Himmel, und ehe sich eine herbe Enttäuschung meiner Seele bemächtigen konnte sah ich sie, und ich sah nur noch sie: Die Wildgänse. Ein großer Schwarm zog über mich hinweg. Ich hielt an, um das fliegende Dreieck am Himmel zu bestaunen. In der Stille der mich umgebenden Landschaft hörte ich das Krächzen und Geschnatter des Federviehs. Was sie sich wohl zu erzählen hatten? Schnurgerade und sehr harmonisch hielten die Gänse ihre Formation, sie schienen zu schweben, und für einen Augenblick stieg der uralte Menschheits34

VON MILA ELISABETH FREISING

traum in mir auf: Ich wünschte, ich könnte fliegen, mit ihnen fliegen. Vogelfrei, dachte ich! Nils Holgersson zog vor meinem geistigen Auge vorbei, jener Märchenbub von Selma Lagerlöf, der allerlei Schabernack treibt, zur Strafe in einem Zwerg verwandelt und auf dem Rücken der Gänse durch die Lüfte ziehen wird. Die Gänseschar war weitergezogen und mit ihnen das raue Krächzen und das Gezeter, und es war mir, als sei Musik verklungen. Ich hätte sie so gern aufgehalten, konnte sie noch gut erkennen, wie sie in der Ferne Kreise zogen, so, als wollten sie sich formvollendet verabschieden. Warum ist ihr Anblick so ergreifend? Vielleicht, weil sie nicht zu greifen sind, weil sie einem geheimnisvollen Ruf folgen, den zu hören wir Menschen verlernt haben. Weil sie zu verschwiegenen Plätzen fliegen, die nur sie allein kennen, und vielleicht auch, weil sie ihre grenzenlose Freiheit in einer Gemeinschaft freiwillig eingrenzen? Das graue Heer drohte meinen Blicken zu entschwinden, doch es machte kehrt, kam zurück. Dann riss der Himmel auf. Mein Herz hüpfte, ich schwang meine Arme zum stummen Gruß und hätte jauchzen können vor Freude. Das Geschwader kam näher, ihr scheppernder Gesang kündigte ihn an. Ich legte meinen Kopf in den Nacken, sie flogen 1/2014

zu hoch, als dass ich eine Einzelne hätte erkennen können. Als Kind gab es bei uns zu Hause einen Notizblock in Gansform, auf dem hinterließen wir einander Nachrichten. Diese Gänsepost, die schönste der Notizen, habe ich aufgehoben, sie fliegen in irgendeiner Kiste herum. Vielleicht, so dachte ich, stehen diese Wildgänse auch für Heimat, die wir so gern verlassen und doch immer wiederkehren. Die Großmutter des Schriftstellers Matthis Baerens empfahl ihm als Kind: »Was immer Dich beschwert, geh hinaus aufs Feld, an den Rand des Waldes und erzähle dort deinen Kummer. Die Wildgänse werden deine Geschichte hören, und wenn sie nach Süden ziehen, werden sie sie mitnehmen. Aber erzähle ihnen auch, wenn du glücklich bist«, mahnte die Großmutter. Langsam drehten die Wandervögel über mir ab, sie flogen endgültig nach Norden. Ich habe ihnen noch erzählt, dass ich glücklich war. //

theo


WEIL IHRE WERTE SINN BRAUCHEN

Rendite und Gemeinwohl im Einklang Als Partner von Kirche und Caritas bieten wir unseren Kunden im In- und Ausland seit 1917 ebenso innovative wie maßgeschneiderte Finanzprodukte. Vom Fundraising oder Immobilienmanagement für gemeinnützige Organisationen bis hin zu sämtlichen Leistungen einer Universalbank für Privatkunden und Institutionen: Unsere Lösungen fußen seit jeher auf dem Anspruch, marktwirtschaftliche Unternehmensziele und christliche Werte zu vereinen. Pax-Bank Köln · Christophstraße 35 · 50670 Köln Tel. 0221/1 60 15-0 · E-Mail koeln@pax-bank.de


Sie schreibt, er predigt: Die Geschwister Felicitas und Ulrich Hoppe haben früh ihre Heimat im Glauben gefunden. MARIA CASPARI und STEPHANIE HÄRTEL (Fotos) haben sie auf Sylt besucht und sich vom Wind und der Sprachmacht erfrischen lassen.

36

1/2014

theo


Wo das Wort endet

DOPPELPORTRÄT

Gelobt sei Jesus Christus. In Ewigkeit, Amen! Jetzt aber los, der Bulli wartet!«
 Der Pfarrer kommt mit Schwung auf den Boden nieder, schlägt das Kreuz, dann stürmt er hinaus aus der Kirche. Geistiges und Praktisches müssen in seinem Beruf zusammengehen, sonst geht gar nichts. 

 Pfarrer Ulrich Hoppe hat seine Gäste eingeladen zu einer Rundfahrt auf Sylt. Das Jahr ist noch frisch wie die Brise, Salz liegt im Wind, die Sonne scheint, und das Leben scheint leicht zu sein. Gegenüber von St. Christophorus in Westerland, der nördlichsten Pfarrei Deutschlands, recken windschiefe Holzkreuze sich dem Himmel entgegen: Hier ruhen jene, deren Namen niemand kennt, die das Meer ausgespuckt und vergessen hat.

 theo

1/2014

37


DOPPELPORTRÄT

Hinten im Kleinbus mit der Aufschrift bonibus sitzt schon Ulrich Hoppes ältere Schwester Felicitas, die gleichfalls Hoppe heißt und eine der interessantesten Schriftstellerinnen deutscher Gegenwartsliteratur ist. Ihr Beruf ist es, den Dingen und Menschen einen Namen zu geben, ihre Geschichten zu erzählen – der bescheidene Versuch, gegen die Zeit und das Vergessen zu arbeiten. Inzwischen hat sie es dabei zu hohen literarischen Auszeichnungen gebracht: Der Georg-Büchner-Preis, den sie 2012 erhielt, gilt als die größte literarische Ehrung Deutschlands. 
»In einer Zeit, in der das Reden in eigener Sache die Literatur mehr und mehr dominiert, umkreist Felicitas Hoppes sensible und melancholische Erzählkunst das Geheimnis der Identität«, so begründete die Jury ihre Entscheidung.
 Im Frühjahr desselben Jahres hatte sie Hoppe in die Welt gebracht, einen tollkühnen autobiographischen Roman, in dem sie sich nicht mehr und nicht weniger als ein neues Leben erfindet. Der Roman spielt auf verschiedenen Kontinenten und Erzählebenen und ist doch zugleich eine Liebeserklärung an Hoppes Heimat: »Ich habe das reale Leben zu meinem Wunschleben umgedichtet und umgekehrt,« sagt sie. Wie in ihren früheren Romanen Pigafetta oder auch Johanna finden sich auch in Hoppe Spuren katholischen Glaubens, wie die Beichte oder die Eucharistie. Ihr Lieblingsmotiv bleibt, an die alten christlichen Ritterromane erinnernd, der runde tisch, an dem Platz für alle ist: »Wer am Tisch des Herrn sitzt, geht niemals hungrig zu Bett,« so heißt es. Und es ist sicher kein Zufall, dass in ihren Texten immer wieder von jenen Königen die Rede ist, die sich auf die Suche nach dem Kind in der Krippe machen. Solche Bezüge allerdings werden von Rezensenten meist überlesen, wie sie ein wenig ironisch bemerkt. Aufgewachsen sind die Geschwister dort, wo Deutschland vielleicht romantisch, aber wenig katholisch ist: in Hameln, der Rattenfängerstadt. Die Eltern, Flüchtlinge aus Schlesien, fanden im Weserbergland ihre zweite Heimat. Bei der Erziehung ihrer fünf Kinder, so dürften sie heute resümieren, haben sie irgendetwas richtig gemacht, zwei Söhne und drei Töchter (Felicitas ist die dritte, Ulrich der jüngste), die alle einen Sitz im Leben gefunden haben. »Wir hatten das große Glück, dass unsere Eltern keine Akademiker waren«, sagt Ulrich Hoppe. »So konnten wir viel unbefangener an die Dinge herangehen.« Als Kind war es sein Traum, Landwirt zu werden, eine innige Beziehung zur Natur trieb ihn, etwas zu tun, »das Früchte trägt«. Mit 14 oder 15 wurde ihm klar, dass es nicht der Landwirt, sondern der Priesterberuf werden würde. 

Gut gelaunt manövriert Ulrich Hoppe 30 Jahre später das Auto über die Insel und nimmt dabei auch schon mal einen Bordstein mit. Ob er es gemerkt hat? Wohl kaum, er erzählt leidenschaftlich, mit unnachgiebiger Energie, auch am Steuer.
Seit acht Jahren verwaltet er den katholischen Glauben an Deutschlands Nordende, und doch macht ihm die verwaltete, die beamtete Kirche Mühe.
 »Mir geht es mehr um die sakramentale Wirklichkeit, alle Sakramente führen uns als mündige Christen zur Eucharistie. Meine Berufung ist es, für die Anderen da zu sein«. Die haben hin und wieder auch die streitbare Seite des sympathischen Pfarrers fürchten gelernt, der seinen kirchlichen Dienst und die Sache des Glaubens mit Eifer und Ernst versieht und dabei vor Konflikten und Auseinandersetzungen keineswegs zurückschreckt. Gelebter Glaube und klare Auffassungen in Sachen Liturgie schließen Kon38

1/2014

frontationen nicht aus und müssen, so Pfarrer Hoppe, »ausgehalten werden«. Am Ende aber steht, meistens, die Versöhnung. Von den knapp 2000 die Insel bevölkernden Katholiken lässt sich ohnehin bloß ein Bruchteil von der »sakramentalen Wirklichkeit« berühren. Im Sommer jedoch sorgt Ulrich Hoppe an Sonntagen für die Seelen von bis zu 600 Gottesdienstbesuchern, mehr als die Hälfte sind Touristen. Anschließend braust er zur »Filialkirche« nach List, um auch dort an den Tisch des Herrn zu laden. In besseren Zeiten waren es vier katholische Kirchen im »säkularen Wallfahrtsort Sylt«, heute versehen hier Ulrich Hoppe als einziger katholischer und sechs evangelische Geistliche den Dienst an Gott und den Menschen. Für einen Beinahe-Einzelkämpfer, der sich für ein spirituelles Leben entschied, ein enormes Pensum. Ulrich Hoppe ist auch Vorsitzender des Kirchenvorstandes, auf eine Haushälterin, einen festen Küster, Organisten oder Pastoralreferenten kann er sich nicht stützen, und wie jeder Andere hat auch er mit den Zumutungen des Alltags zu kämpfen: 
»Nächste Woche habe ich es mal wieder ausgiebig mit Bauämtern zu tun, in den Kirchenmauern von St. Christophorus hat sich Schimmel breitgemacht.« Ein böses Omen für die Zukunft der Kirche?
 Nein, solche Zeichendeuterei ist ihm völlig fremd. Pfarrer Hoppe fühlt sich nicht auf verlorenem Posten, obwohl er es nicht leicht hat mit der Vermittlung des Glaubens.
»Es scheint, als führe Gott sein Volk durch die Wüste. Wir brauchen Geduld. Dabei sind Glaube und Vernunft doch zwei Seiten einer Medaille.« Die ständige Ansprechbarkeit zerstückelt und unterbricht seinen Tag. Manchmal sehnt er sich nach mehr Zurückgezogenheit, um »am Wort« arbeiten zu können. Einzig Ehrenamtliche und Ordensschwestern gehen ihm zur Hand, seine Schwester Felicitas, in Berlin und der ganzen Welt zu Hause, sorgt gelegentlich für geistige Erfrischung, ihre Besuche auf der Insel sind aber, wie sie selbst findet, »viel zu selten.« In früheren Zeiten führte oft eine Schwester ihrem Priesterbruder den Haushalt, ein heute nicht mehr mögliches Rollenmodell. Ein gemeinsames geschwisterliches Leben wäre für die Hoppes, bei allem Respekt für einander, nicht denkbar, dazu sind ihre Leben und Berufe zu verschieden. 
»Aber ich bin beeindruckt von dem Beruf meines Bruder, manchmal sogar ein bisschen neidisch, eine eigene Kirche hätte ich nämlich auch gern.« Felicitas Hoppe lacht hinter ihrer roten Son-

»Wir hatten das große Glück, dass unsere Eltern keine Akademiker waren und dass wir ohne Fernseher, dafür mit Büchern aufgewachsen sind.«

Hoppe und Hoppe, die Künstlerin und der Geistliche, beide fischen sie nach Menschen, arbeiten mit dem Wort.

theo


DOPPELPORTRÄT

»Kunst und Religion haben viel gemeinsam, aber die Kunst kann niemals die Religion ersetzen,« sagt Felicitas Hoppe. »Gedichte sind keine Gebete, ein Gebet ist eine Anrufung, die sich als Gegenüber nicht auf einen Leser, sondern auf Gott bezieht.« Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt: »Ein Gebet ist kein Gedicht – Gedichte erschließen die Welt auf eine ganz andere Art und dienen anderen Zwecken, und das ist gut so. Das Problem ist doch die ständige Vermischung des einen mit dem anderen. Die Kunst beschreibt das Leben auf andere Art, wirft einen ganz anderen Gewinn ab. Aber sie ist nicht sakral, wie hoch auch immer man sie ansetzt.«


nenbrille: »Wenn ich den Leuten erzähle, dass mein Bruder katholischer Inselpfarrer auf Sylt ist, werden sofort altmodische romantische Phantasien wach.« Dabei entsprechen Leben und Wirken von Ulrich Hoppe kaum diesem Klischee: Weder hockt er als letzter Leuchtturmwärter des katholischen Glaubens in einem reetgedeckten Haus hinter dem Deich, noch sitzt er gemütlich Pfeife rauchend und schöngeistige Bücher lesend neben dem Ofen und lauscht auf das Meer, zu dem man längst nur noch per Kurkarte Zutritt hat. Und doch nähren die Geschwister allerlei Phantasien. Zu der Abendveranstaltung »Hoppe & Hoppe: Seinem Stern folgen« waren am Abend zuvor im Gemeindesaal der Pfarrei weit über 100 Zuhörer gekommen, die Kunde vom wortstarken Geschwisterpaar hatte rasch die Insel umrundet. Wo Hoppe draufsteht, ist Eloquenz drin. Gern sprechen die Geschwister über Eltern und Kindheit, über den Glauben und vor allem über das Wort, nicht zuletzt, weil Ulrich Hoppe sich über ein literarisches Thema, den heute so gut wie vergessenen Schriftsteller Werner Bergengruen promovierte. Dabei treten sie allerdings nicht auf wie ein Paar, das das Schicksal oder eine Marketingagentur zusammengezimmert hat; jeder von ihnen steht für sich und die eigene Sache. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind, bleiben sie einander zugewandt, ohne jedwede romantische Verklärung von Kindheit und Glauben. Sie liefern keine Charmeoffensive mit wohltemperiertem Small Talk, sondern eher einen schlichten, intellektuell redlichen Diskurs, in dem sie allem voran um Klarheit bemüht sind.
 Kunst und Religion treffen dabei nicht wie Konkurrenten aufeinander, sondern wie Geschwister, sozusagen. theo

1/2014

Den Bulli hat Pfarrer Hoppe inzwischen nach Hörnum gelenkt. Am südlichsten Inselzipfel hat der letzte Sturm wieder mal Land gerissen und es dem Meer in die Arme getrieben. Reetdachhäuser, zu nah am Wasser gebaut, stehen verwaist, mit leeren Fenstern wie tote Augen. Dickes, hastiges Gewölk hat sich vor den hohen Himmel gedrängt. Ein magischer Augenblick. Die Hoppes stapfen gemeinsam durch die Dünen, dem Meer entgegen, um vor grandioser Kulisse für die Kamera zu lächeln, denn ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Trotzdem nehmen sie die Aufgabe spielerisch: »Wir sind schließlich keine Schauspielerfamilie«, sagt Felicitas Hoppe und lacht wieder. »Im Wort sind wir besser als im Bild, bei uns zuhause wurde das freie Sprechen praktiziert, wir sind alle Vielredner, debattiert wurde immer.« Von allen Hoppe-Kindern hat sie die bewegteste Biografie, reist viel und ausgiebig. Vor Jahren fuhr sie auf einem Containerschiff um die Welt, ihr Roman Pigafetta fasst die Erfahrungen dieser Reise zusammen – so könnte man annehmen. »Aber in der Literatur geht es nicht um die reine Wahrheit, sondern um die Erfindung einer Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit, das ist ein anderes Mittel der Erkenntnis,« sagt die Sprachkünstlerin. Wie in Hoppe hat sie deshalb auch in Pigafetta Biografisches fantastisch verkleidet. Durch märchenhaftes Fabulieren und sprachliche Musikalität versucht Felicitas Hoppe, diese zweite Wirklichkeit zu erfassen; und weiß doch, dass das kaum jemandem gelingen kann, auch nicht einem Schriftsteller.
Vielleicht sind deswegen Märchen ihr liebstes Thema. »In der Literatur wünschen wir uns bis heute jene märchenhafte Klarheit, die das Leben nicht zu bieten hat – die Auflösung aller Konflikte im Happy Ending. Genau wie in der Musik, wo es geradezu eine physische Erleichterung ist, wenn der letzte Akkord in der Musik stimmt. Wie das letzte Lied an der Orgel. Oder wenn am Ende des Gottesdienstes der Priester sagt: ›Gehet hin in Frieden‹«. 

 Solche Segnung kann sie derzeit selbst gebrauchen. Felicitas Hoppe sitzt in der ersten Reihe des Literaturbetriebs, eilt von einer Veranstaltung zur nächsten: Lesungen, Preisverleihungen, Reisen und Fernsehauftritte. Der Mythos von der Einsamkeit der Schreibstube war einmal, heute muss der Künstler sich in der Öffentlichkeit vermarkten. So geht es auch dem Geistlichen, jede Predigt muss er durch seine Person beglaubigen. Felicitas Hoppe liest übrigens fast alle Predigten ihres Bruders. Aber nicht, um Einfluss zu nehmen oder ihm womöglich rhetorisch aufzuhelfen: »Was das Predigen betrifft, da kann ich nur von ihm lernen. Nicht in Sachen Rhetorik, sondern, was die Kunst des genauen Lesens, der Auslegung und der Interpretation betrifft.« 39


DOPPELPORTRÄT

Hoppe & Hoppe, die Künstlerin und der Geistliche, beide fischen nach Menschen, arbeiten mit dem Wort. Aber auf unterschiedliche Weise. Der Dichter steht zwar in der Tradition des Predigers, aber er beseelt die Welt, indem er neue Landschaften und Menschen erfindet, die er, gleich einem Schöpfer, wieder auf eigene Faust leben und sterben lassen kann. Er kann den Zauber eines Wortes auch in Gift verwandeln und das Gift wieder in Poesie. Während der Priester, so sehr er das Wort auch zu veredeln vermag, immer eine Botschaft vertritt, der er treu bleiben möchte. Mit Karacho steuert Ulrich Hoppe den Bulli auf den Parkplatz eines Gebäudes, das bis vor Kurzem noch die katholische Kirche St. Joseph in Hörnum war. Im Sommer wurde es nach vierjähriger Planungs- und Bauphase an den Verein Schutzstation Wattenmeer verpachtet, Umwidmung heißt das heute. Für eine Besichtigung fehlt die Zeit, nach kurzem Zwischenstopp müssen die Geschwister noch mal fürs Foto ran.
 Auf dem Weg dahin greift Felicitas Hoppe ironisch die Frage nach dem rechten Glauben auf. Denn, ganz jenseits des katholischen Glaubens, seien wir doch alle eine Gemeinschaft von Glaubenden oder doch wenigstens blind Vertrauenden: »Sonst könnten wir ja gar nicht leben. Wir glauben an den Führerschein meines Bruders, daran, dass der Zugführer uns sicher über die Schienen manövriert, wir glauben an die Relativitätstheorie, obwohl sie niemand versteht. Und an die Lichtgeschwindigkeit, die das Märchen doch vorwegnimmt, in dem in zwei Zeilen die irrsinnigsten Entfernungen zurückgelegt werden können. Märchen und Heiligenlegenden funktionieren nur deswegen, weil Menschen annehmen, dass es mehr gibt als die sichtbare Welt.« Davon ist Felicitas Hoppe überzeugt. »Heilige, das waren oft Spinner, Verrückte, die heute wahrscheinlich in der Psychiatrie landen würden. Bitte sehr. Aber am Tisch des Herrn ist Platz für alle.« Von solchen »Spinnern« sind nicht nur Künstler und Priester, sondern auch alle Anderen umgeben, sie sind das, was menschliche Gemeinschaft im Kern ausmacht. Der Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen ist für die Hoppes bereichernd, aber, daraus machen sie kein Hehl, auch kraftzehrend. So darf der Pfarrer von heute keine Autorität mehr sein, er soll vor allem Mensch sein, nicht hinter seinem Amt verschwinden. Diese Forderung kennt Ulrich Hoppe nur zu gut und wehrt sich ein bisschen dagegen: »Die Person steht leider im Vordergrund, nicht mehr das Amt. Es soll eben menscheln. Da kann ich nur sagen, ich bin beides: Ich bin ganz Mensch und ganz Priester, das klingt paradox, ist aber nicht voneinander zu trennen.«
 Auch seine Schwester kennt solche Erwartungen von Rezipienten an den Schriftsteller: Während einer Lesung aus Pigafetta ließ ein Hörer verlauten, sie habe ihn mit ihrem zweiten Buch bitter enttäuscht. »Ich habe ihm geantwortet, dass ich ihn gar nicht enttäuschen konnte, da ich beim Schreiben gar nicht an ihn gedacht hätte. Das Problem besteht doch darin, dass wir immer alles auf uns selbst beziehen, da herrscht eine große Egozentrik. Aber die Integrität eines Werkes ist genauso wenig anzutasten wie die Liturgie, der Text löst sich von seinem Schöpfer und entwickelt ein Eigenleben. Auch wenn das seinen Ausdeutern nicht immer passt. In diesem Sinn ist übrigens auch das Feuilleton eine Art Amtskirche.« Mit ihrem Beruf, sagt Felicitas Hoppe, habe sie immer ein wenig gehadert, es sei ein einsamer, ein unsozialer 40

1/2014

Beruf. Am Ende habe sie sich aber doch dafür entschieden. »Mein Bruder war schon immer zielgerichteter und entschiedener als ich. So war er schon als Kind. Aber in mancher Hinsicht habe ich es natürlich leichter, denn das Lesungspublikum ist keine reale Gemeinde wie die meines Bruders.« Dass die Geschwister schon mal füreinander in Haftung genommen werden, kümmert sie wenig: »Ich bin nicht der Hüter meines Bruders, woher auch, das ist sein eigenes Leben, sein eigener Weg. Aber natürlich würde ich ihn in all seinen Belangen unterstützen.« So würde es umgekehrt auch der Bruder ausdrücken.

 Die Eltern daheim im Weserbergland nehmen regen Anteil am Leben ihrer Kinder, christliches Leben heißt für sie, in der Welt anwesend zu sein, sich zur Tagespolitik zu verhalten, etwas zu bewirken.
 Ihre schreibende Tochter haben sie nie kritisiert, ebenso wenig ihren Priestersohn, auch dann nicht, wenn er theologisch andere Wege ging als sie selbst, die tief in der Ökumene verhaftet sind. Der Freiheitsbegriff, so viel kann man sagen, ist Felicitas Hoppe jedenfalls heilig. Mit ihrer katholischen Erziehung hat sie dennoch nie gehadert, im Gegenteil. 
In den Stunden, die sie als Kind in der Kirche habe absitzen müssen, ohne wirklich etwas zu begreifen, habe sie eine Innenwelt entwickelt, die sie heute als kreative Ressource begreifen und nutzen kann. Sie nennt das die »Schule des Durchhaltens«.

 Der letzte Inselstopp kommt in Sicht: Kampen mit Blick über das rote Cliff. Ein paar Spaziergänger stemmen sich unten am Strand dem Wind entgegen »Im Sommer ist es hier schwarz vor Menschen,« sagt Ulrich Hoppe und weist mit ausladender Geste hinunter. Er scheint ein Lied vor sich hin zu summen.
 Seine Schwester summt mit, schaut auf und erzählt davon, dass sie sich wünscht, mal wieder länger mit ihrem Bruder zu verreisen, wie sie das in den letzten Jahren öfter getan haben. Zwei Charismatiker, die, wie alle anderen, gelegentlich auch mal vom Urlaub träumen. Er sei übrigens jederzeit bereit, sollte der Ruf des Bischofs kommen, die so schöne wie enge Insel auch wieder zu verlassen, sagt Ulrich Hoppe, bevor er sich wieder hinter das Steuer setzt: »Ich möchte jedenfalls nicht hierbleiben, bis ich 75 bin.« Die Schönheit des Tages stellt diesen Satz ein wenig in den Schatten. Denn es gibt Augenblicke, in denen Worte nicht weiterbringen: »Dass am Anfang das Wort war, ist ja bekannt«, sagt Felicitas Hoppe – »aber unser Traum vom Paradies ist am Ende die Stille. Das Amen eben.« //

Jenseits des katholischen Glaubens seien wir doch alle eine Gemeinschaft von Glaubenden, könnten sonst gar nicht leben.

theo


ANZEIGE

Mit einer Spende für eines der über 900 Bonifatiuswerk-Projekte in Deutschland, Nordeuropa oder dem Baltikum fördern Sie die Weitergabe des Glaubens, Orte der Begegnung und pastorale Begleitung von katholischen Christen, die in einer Minderheitssituation ihren Glauben leben.

5-€-Charity-SMS* Spendenkonto:

SMS* mit dem Stichwort boni an die 81190!

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken Bank für Kirche und Caritas Paderborn eG BIC: GENODEM1BKC IBAN: DE46472603070010000100

www.bonifatiuswerk.de/spenden

boni

*Der Betrag von 5,- Euro zzgl. SMS-Gebühr wird einmalig über ihre Telefonrechnung oder Ihr Prepaid-Guthaben abgebucht. 4,83 Euro erhält das Bonifatiuswerk. Für Ihre Hilfe per SMS können wir Ihnen aus technischen Gründen leider keine Spenden-quittung ausstellen. Nicht alle Mobilfunkanbieter unterstützen Spenden per SMS.


THEO-AKADEMIE

Exklusiv für theo Leser Kreatives Schreiben und ignatianische Meditation in der Stille des Klosters. Mit Pater Georg Maria Roers sj und Brigitte Haertel Sommer-Wochenend-Seminar im Münsterland vom 13.- 15. Juni 2014 Der Ort: Über 750 Jahre existiert das Kloster Vinnenberg, das vor drei Jahren zu einem völlig neuen Leben erweckt wurde: Religiöse Kultur und kontemplatives Leben finden hier aufs Trefflichste zueinander, unter der Leitung des Priesters und Psychoanalytikers Dr. Carl Möller Brigitte Haertel, theo-Chefredakteurin, wird alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einweisen in die Techniken und Geheimnisse des geschliffenen Wortes. Worum geht es beim Schreiben, wie und wann beginnt der Text und was kann der Autor/die Autorin daraus machen? In praktischen Übungen lernen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auch, ihre eigene Geschichte mit den richtigen Worten zu erzählen und ihren eigenen Stil zu entwickeln. Die Meditationen wird Pater Georg Maria Roers leiten, erzbischöflicher Beauftragter für Kunst- und Kultur in Berlin.

Ort

Kloster Vinneberg Beverstrang 37 48231 Warendorf

Kosten

1 Einzelzimmer mit Bad und Vollpension, Seminar und Meditationen 195 Euro Die Teilnehmerzahl ist auf 15 begrenzt.

Fragen und Anmeldung

Bei Anmeldung wird eine Anzahlung von 50 Euro sofort fällig. Ansonsten können wir den Platz nicht reservieren. theo-Redaktion Gerhart-Hauptmann-Straße 11 40470 Düsseldorf T 0211. 9404319 Redaktion-duesseldorf@theo-maagzin.de

42

1/2014

theo


Aus

Das Beste aus der Natur. Das Beste für die Natur.

Verantwortung für unsere Kinder und eine intakte Umwelt.

Ressource Wasser

Senkung des Wasserverbrauchs um 70% in den letzten 20 Jahren durch technische Innovationen

Nein zu Grüner Gentechnik

Aus ökologischen und ethischen Gründen und zur Erhaltung der biologischen Vielfalt

Erneuerbare Energiequellen

Claus Hipp

Stefan Hipp Das langjährige Engagement für den Klimaschutz ist mit dem Deutschen Solarpreis 2011 ausgezeichnet worden.

Klimafreundliche Produktion

Was vor über 50 Jahren mit dem Bio-Anbau begann, wird in allen Bereichen des Unternehmens gelebt. Der sorgsame Umgang mit Umwelt und Ressourcen, ein respektvolles Miteinander und höchste Qualität sind Anforderungen, mit denen HiPP gewachsen ist und die untrennbar mit dem Namen HiPP verbunden sind. Mit sorgfältig hergestellten Produkten übernehmen wir die Verantwortung gegenüber unseren Kindern und der Umwelt, in der sie groß werden. Dafür steht der Name HiPP und dafür stehe ich mit meinem Namen.

Die Zukunft mitgestalten im Einklang mit der Natur.

CO2-neutrale Energiebilanz durch den Einsatz erneuerbarer Energien und Unterstützung weltweiter Klimaschutzprojekte

Mehr dazu unter www.hipp.de


Serie: Ausschau / o2

Abendmahlszene aus der Graphic Novel Hemispheres. Berlin/Potsdam 2014. http://www.hemi-spheres.eu/.

44

1/2014

theo


ZUKUNFT

Ein neuer Mensch. Ein neuer Gott? Mehr und mehr will der Mensch die Richtung des biologischen Lebens vorgeben: Genetisch veränderte Lebensmittel und Designerbabys sind erst der Anfang. Wo geht es hin?

Fragt theo-Autor SVEN SCHLEBES Der Mensch stammt von Gott und ist sein Ebenbild, das sagen Christen. Der Mensch stammt vom Affen ab, sagen die Evolutionsbiologen und der Mensch wird das sein, was wir daraus machen, sagen Transhumanisten, die sich nach einer technikunterstützten Veränderung des Menschen und seines Körpers sehnen. Es ist ein uralter Menschheitstraum: Mehr zu können, zu wissen und zu bewirken als Andere vor uns. Der Mensch als Grenzenaustester und -überwinder, als Selbstoptimierer und »Self made man«. Wir leben im Antropozän, wie der niederländische Chemiker und Atmosphärenforscher Paul Crutzen unser Zeitalter des Menschen nennt, und haben das Zepter der Weiterentwicklung als Kinder der Aufklärung allen unwägbaren Mächten entrissen und fest in unsere Hände gelegt. Aus »erschaffenen Wesen« sind durch die Jahrtausende hindurch vor allem selbsterschaffende Wesen geworden. Getreu dem Bibelauftrag: »Macht euch die Welt untertan«. Stück für Stück sezieren wir den Schleier der Schöpfung auf der Suche nach den Bausteinen und Rhythmen des Lebens. Wer sind wir? Was hält die Welt im Innersten zusammen? Und wie können wir uns, unser Leben, ja, das Leben an sich verbessern? Mitschöpfertum scheint uns als Gottes Ebenbildern in die Wiege gelegt zu sein, ist unser Auftrag und unser Geschenk zugleich. Wir arbeiten für ein Leben in Glück, Gesundheit, Zufriedenheit, Selbstbestimmung und größtmöglicher Freiheit. Möglichst ohne diffuse Mächte, an deren Fäden wir wie Puppen hängen. Geistig scheint uns das bisher ganz gut gelungen zu sein. Als gebildete Dekonstruktivisten entkörpern wir das kulturelle Leben und seine einengenden Muster wie Matroschkapuppen auf der Suche nach dem kleinsten Kind. Emotional bleiben die meisten von uns wohl ewig verwickelt in den Gefühlsgewirren des Lebens: allen Meditationskursen, Yogasessions und Liebesgeboten zum Trotz. Doch biologisch-materiell könnte uns in diesem Jahrhundert der große Sprung gelingen. Der universelle Cut sozusagen. Aus der totalen Abhängigkeit vom biologischen Leben, unserer Quelle, hin zu einem selbstbestimmten Dasein auf biologischtechnologischer Basis. Wie einst die Computernerds stehen wir an einer Wegscheide: Spiele ich das Spiel mit den mir gegebenen Möglichkeiten so gut es geht, oder knacke ich den Code und werde selbst zum Gott meines Spieles? Biohacking macht weder halt vor den dna-Strängen des Lebens noch vor der Fusion von Technik und biologischen Komplexen. Evolution: Das überlassen wir Menschen nicht mehr länger einfach der Zeit und dem eigenständigen und wechselseitigen Spiel von Molekülen. Mehr und mehr ist es unser Plan, der die Richtung vorgeben soll. Von genetisch veränderten Lebensmitteln über spezielle Zuchttiere bis hin zum sogenannten Designerbaby theo

1/2014

und dem technisch optimierten Menschen als Cyborg-Wesen. Alles scheint möglich. So lange es den Menschen gibt, hat er in den »ursprünglichen« Zustand eingegriffen. Landschaften verändert, Tiere und Lebensmittel gezüchtet und optimiert. In diesem Sinne ist selbst die sogenannte Bildung von uns Menschen eine gewollte Neukonstruktion. Nach dem jeweils herrschenden Bilde vom gebildeten Menschen seiner Zeit. Leben im Ursprung – das ist hochaktuell und doch die immer wiederkehrende romantische Sehnsucht nach dem Paradies, in dem alles vollkommen war und sein wird. Was auch immer das heißen mag. Doch die moderne Prothetik macht den universellen Eingriff in die biologischen Grundlagen jetzt ganz konkret am eigenen Leib spürbar. Moderne Hörgeräte kommunizieren über implantierten Chips mit dem Gehirn, künstliche Extremitäten eröffnen ihrem Träger neue Bewegungsspielräume. Die neuen Möglichkeiten zeigen deutlich die Grenzen von Menschen auf und verweisen auf Brücken darüber hinaus. Wir alle wissen: Was einmal erdacht worden ist, wird realisiert, es ist eine Frage der Zeit. Für uns Christen, die wir an den lebendigen Gott glauben, eine stetige Herausforderung. Denn unser Bild vom Leben, von uns selbst, ja, von Gott wird sich erweitern und damit zugleich radikal verändern. Vom Ansatz her ist das für den katholischen Glauben, der mit seinem allumfassenden Anspruch das Unwägbare zugleich mit umfasst, kein Problem. Doch es sind wir Menschen, die in unserer Begrenztheit dem Allumfassenden begegnen. Und damit wachsen müssen, wenn wir nicht in angstvoller Kleinheit wie das bloße Samenkorn im Sack verkümmern wollen. Es sind großartige Zeiten, die auf uns Menschen warten. Wir können Grundlegendes im wahrsten Wortsinne verändern. Doch neigt der Mensch dazu, den gefühlt gottleeren Ermächtigungsraum mit nichts als sich selbst zu füllen. Und mit dieser Gottvergessenheit Unheil zu stiften. Denn wenn der Rhythmus des Lebens und seine Bausteine entziffert sind, zieht Gott sich für uns Menschen aus dem ausgeleuchteten Bereich des Lebens in das Dunkel des Todes zurück. Hier darf er unumschränkter Herrscher sein. Mit all seiner Größe und Güte und Liebe. Es liegt an uns, ihn bewusst ins Leben zurückzuholen und das Leben aus unserer eigenen Begrenztheit zu befreien.

»

theo-Leserinnen und Leser werfen einen Blick auf die künftige Welt ohne Gott

45


ZUKUNFT

Sascha Grusche, Christopher De La Garza (oben) und Simon Pape vereinen Wissenschaft und Kunst. Mit ihrer mehrfach ausgezeichneten Graphic Novel Hemispheres projizieren sie das gegenwärtige Abbild unserer Gesellschaft in die nahe Zukunft, um auf grundlegende Probleme und Chancen verschiedener Lebenswege des Menschen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufmerksam zu machen. www.hemi-spheres.eu In unserer Geschichte ist die Kirche der Zukunft ein Dienstleister. Der Gläubige von Morgen sucht nach effizienten Lösungen für seine Ängste und Sorgen, welche mit der Modernen Technologie einhergehen. Kontaktarmut und der Verlust von Empathie führen dazu, dass sich die soziale Gemeinschaft gegeneinander ausspielt und entfremdet. Die Menschen sind oberflächlich und kurzsichtig. Soziale Kontakte, Gespräche oder körperliche Nähe werden in sogenannten Kontaktkliniken als Dienstleistung angeboten. Was passiert mit einer Gesellschaft, die ihre Sünden nicht mehr erkennt? Wenn die Sünden selbst nicht mehr als Sünde wahrgenommen werden, werden sie frei interpretierbar. Nach Wahl justierbar, ganz nach eigenem Maß. Das Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Individualisierung tritt noch stärker in den Vordergrund, wodurch sich der Maßstab des Glaubens verschiebt. Der Glaube an sich selbst, die menschliche Schaffenskraft und das, was ich mit meinen eigenen Händen erschaffen kann, werden wichtiger. Pragmatismus und die Maximierung des Nutzens werden zum regelrechten Sport. Probleme werden nicht mehr als solche wahrgenommen, zumindest nicht – wie es kurzfristige Lösungen gibt. Die Angst vor dem Unbekannten ist größer denn je und die Zukunft ungewisser denn je, das exponentielle Wachstum und die damit einhergehende Veränderung schafft extreme Spannungen innerhalb der Gesellschaft. Fundamentalisten und Atheisten sind stark fragmentiert während Bio-Hacker, Transhumanisten und Cyborgs den neuen Olymp des Lebens erklimmen.

46

1/2014

Anette von Wedel, 43, verantwortet als leitende Angestellte den Bereich Diversity Management. Ulrich von Wedel, 47, arbeitet als Organisationsberater und Moderator. Beide leben in Potsdam. An einen Tag wie diesen im Jahr 2014 wird man sich in 100 Jahren ungläubig erinnern. Konnte ein Sonntag je anders als ein Montag sein? Waren es wirklich nur Konventionen, Krisen oder Krankheiten, die Menschen an einen Gott denken ließen – und was dachte man zu normalen Zeiten, als alles noch in Ordnung schien? Die rigide Trennung zwischen weltlichem Dasein und Spiritualität war ein schizophrenes, ein künstliches Konstrukt, deren Folgen sich u.a. in Ressourcenräuberei, Konsumfetisch und Beziehungslosigkeit manifestierten. Wie konnte man je ernsthaft geglaubt haben, die unermessliche Fülle und Vielfalt der Schöpfung in ein Korsett aus Planung und Kontrolle zwängen zu können? Bei allen Herausforderungen, im Großen wie im Kleinen, stellt sich immer dieselbe Frage: Ist das Leben mir wohlgesinnt oder nicht? Bin ich ein Ausdruck der Liebe oder der Ablehnung? Die Zukunft wird geprägt sein von einer Haltung der Verbundenheit. Einer Verbundenheit mit der Schöpfung, die erst dem Leben und seinen Wechselfällen eine Bedeutung verleiht. Der Glaube an einen allgegenwärtigen, liebenden und unfassbaren Gott, der in allen Formen und Lebewesen einen Ausdruck erfährt – dieser Glaube hat nicht die Naivität von Naturreligionen. Es ist schlicht die Anerkennung der Vorläufigkeit von Wissen und Erkenntnissen und die Akzeptanz von Ungewissheit. Es ist die implizite Annahme, dass wir nur begrenzte Vorstellungen des Möglichen besitzen. Die Kapitulation des Kontrollanspruches wird das Fanal für eine gemeinsame, kollektive Entdeckungsreise werden, und selbst Schulbücher werden weiße Seiten aufweisen als Zeichen der Offenheit, der Ungewissheit und des Neuen. Das Credo der Unvoreingenommenheit und des Vertrauensvorschusses wird die Menschen förmlich entfesseln und in achtsame und spielerische Umgangs- und Arbeitsformen münden. Statt theologischer Deutungsgewissheit wird die Kirche Orte der Begegnung und Vernetzung anbieten: Damit wir Menschen uns gegenseitig in dieser Haltung reflektieren und bestärken können. Die Trennung zwischen profaner und heiliger Welt wird Geschichte sein: Alltag und Spiritualität werden sich wechselseitig durchdringen. Das Leben in der Zukunft wird mehr Utopie sein als Dystopie: Denn der Glauben ist Leben, und Leben ist Glauben. // theo


RÜCKBLICK

theo-Akademie: Blick zurück nach vorn! Stiften. Spenden. Kultur schaffen. Gutes tun. Das war das Thema des Seminars in Berlin am 30. Januar 2014. Ein Rückblick. theo ist Christentum konkret: Das heißt, wir sind auf der Suche nach Gott: in uns selbst, im Alltag und unserer Kultur. Ein Abenteuer und eine großartige Herausforderung, der wir zum Glück nicht alleine begegnen dürfen, sondern gemeinsam mit vielen Menschen, die Gott an die eine und das Leben an die andere Hand genommen haben. Acht dieser beherzten Christen und theo-Leser fanden sich am 30. Januar in den Räumen der Kanzlei dtb Rechtsanwälte Berlin zusammen, um mehr über die operative Strategie des nachhaltigen Stiftungsaufbaus zu erfahren. Unter der Anleitung des Rechtsanwalts und Kunsthistorikers Bertold Schmidt-Thomé und des Kanzleigründers Dr. Pascal Decker bekamen die angehenden Stifter einen Einblick in die zahlreichen Möglichkeiten gemeinwohlorientierten Handelns. Aber auch individuelle Fragen konnten in der exklusiven Gruppe umfassend erörtert werden. Besonderes Augenmerk lag diesmal auf der Schnittstelle Spiritualität und Geld: Wie kann Vermögen im christlichen Sinne besonders wirksam gemacht werden? Eine Fragestellung, die wir theo-Macher auch über das Seminar hinaus mitnahmen und für unsere zukünftige Arbeit fruchtbar machen wollen.

Melanie Läge von Goldene Zeiten Berlin und theo-Redakteur Sven Schlebes

Für Fragen zum Thema Stiftungsaufbau stehen auch nach Seminarende die beiden Referenten gerne zur Verfügung: dtb rechtsanwälte Pergamon Palais Am Kupfergraben 4 10117 Berlin T 030. 22 00 24 80 F 030. 22 00 24 899

48

1/2014

theo


Mein Garten – ein Ort,

mit magischer Anziehungskraft. Ein blühendes Blumenmeer, ein frisches Grün und eine Oase der Ruhe: Der eigene Garten ist ein Ort, in den man sich täglich neu verlieben kann. Träumen Sie von einem Schwimmteich, einem Dachgarten oder einem kunterbunten Familiengarten? Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf.

Wir Landschaftsgärtner liefern Ihnen Ideen und übernehmen die Ausführung und Pflege – fachgerecht und zu einem exzellenten PreisLeistungs-Verhältnis. Achten Sie auf unser Zeichen. Nähere Informationen finden Sie im Internet unter:

www.mein-traumgarten.de


Gemeinsam heißt sie Liebe Plädoyer für eine neue Willkommenskultur.

Faruk und Naile

50

1/2014

theo


GESELLSCHAFT

Foto: © Moussa Hakal.

Deutschland diskutiert seit Jahren. Welchen Weg soll das Land gehen? Das Christentum als öffentliche Stimme spielt dabei immer weniger eine Rolle. Das liegt nicht nur an der zunehmend gefühlten Distanz zwischen individuellem Leben und institutionalisierter Religiösität. Dabei ist es gerade das Christentum, das Gott in der Begegnung mit dem Fremden sucht. Wer ihm die Tür zuschlägt, muss damit rechnen, dass der neue Sohn Gottes im Stall nebenan geboren wird. Und nicht unter seinem eigenen Dach. Zeit für eine wirkliche Willkommenskultur, findet theo Redakteur SVEN SCHLEBES .

Faruk kannte ich nur vom Papier. Damals arbeiteten wir beide in der Zukunftskommission einer großen deutschen Stiftung. Ich als Diskutant im Scheinwerferlicht, er als Ghostwriter im Hintergrund. Es waren seine brillanten Essays, die unsere Arbeit für ein neues Miteinander inspirierten und voranbrachten. Irgendwann wurde er selbst aktives Mitglied der Gruppe. Eine Entscheidung, die bei uns allen viel in Bewegung bringen sollte. Da zitierte vorn am Mikrofon auf einmal ein sogenannter Neudeutscher Goethes Faust in geschliffenstem Deutsch und gab Kurzeinweisungen in das deutsche Geistesleben: das Humboldtsche Bildungsverständnis, preussisches Toleranzverständnis, die demokratische Selbstermächtigung der Deutschen beim Mauerfall. Stereotype Bilder von Migranten zerbrachen in unseren Köpfen und machten die Zersplitterung der eigenen Gesellschaft deutlich: weil der andere in der falschen Partei war, einer anderen Kirche angehörte, ein anderes Geschlecht hat. Die Exkurse in die eigene glorreiche Vergangenheit ließen die Augen der zum Teil tief zerstrittenen Seminar-Teilnehmer leuchten. Auf einmal war er wieder sichtbar, der reiche Mutterboden unserer Kultur. Und der utopische Paradiesgarten einer inklusiven, partizipativen und selbstermächtigenden Gesellschaft wurde greifbar. Als Faruk und ich uns im Anschluss an die Arbeit häufiger zum Honigtee trafen, entdeckten wir, dass nicht das Geistesleben den Herzschlag unseres Lebens ausmacht, sondern die Transzendenz. Er nannte sie Allah, ich Gott. Und gemeinsam hieß sie Liebe. Wir erzählten uns gegenseitig unsere Geschichte. Von Brüchen, Umzügen, Isolation und Einsamkeit sprachen wir. Und dem ständigen Anrennen gegen geschlossene Türen: »Du bist es doch, der was will. Also such’ dir dein Zeug zusammen und mach es so wie wir. Wir waren schließlich vor dir da und das Spiel funktioniert auch ohne dich.« So funktioniert das Spiel in Kommunen, Sportvereinen und eben auch in theo

Kirchengemeinden. Das Bestehende wird gesichert und alles dafür getan, dass das Neue den Weg nicht hinein findet. Alles wird abgeschottet und in den alten Netzwerken ausgekungelt. Das Gefühl, fehl am Platze zu sein als Person, mit meiner Art zu leben oder meinen Ideen: das kannte auch ich als Neudeutscher aus unzähligen Situationen, das habe ich auf Ämtern erfahren, an der Universität, in Unternehmen. Und natürlich auch in religiösen und spirituellen Gruppierungen aller Art. Höflich und bescheiden erzählte Faruk von der Reise seiner Großeltern nach Deutschland. Damals, in den siebziger Jahren gab es Arbeit, gab es Wohnraum, gab es andere Landsleute. Mit ihnen war das Zusammenleben ähnlich herausfordernd wie mit den Deutschen: Denn Faruks Familie gehörte einem Sufi-Orden an. Und Sufis sind den meisten Gruppierungen des Islam suspekt: Zu frei vor allem, zu tolerant. Selbst in Zeiten der generellen Individualisierung und Biographisierung des eigenen Lebens kann man froh sein, nicht abgelehnt, sondern still geduldet zu werden: »Ist mir doch egal, was du machst: Solange es nicht meinen Bereich betrifft.« Das gilt für Einwanderer genauso wie für Aufbrecher innerhalb der eigenen Gesellschaft. Klar, da sind die unheilbar gesunden Gutmenschen mit Helfersyndrom, die aufblühen bei jenen, die schwach sind, noch schwächer als sie selbst. Menschen wie Faruk und ich sind aber weder schwach noch hilflos, wir sind einfach auf dem Weg. Wir suchen und wir finden: Begegnungsräume und Menschen vor allem, Menschen, die uns willkommen heißen, uns nicht missionieren und verändern wollen. Das setzt voraus, dass beide Seiten keine Angst voreinander haben, dass sie die Vielfalt schätzen. Vielfalt in der Einheit zu leben: Das war einmal das Motto Europas. Diversitätsfähigkeit und Innovationsoffenheit nennen das Unternehmen heute und fordern gemeinsam mit immer mehr Politikern die Entwicklung einer wirklichen Willkommenskultur in unserer Gesellschaft. Tolerantes Zusammenleben und gemeinsame Weiterentwicklung: Das war das Abschlussthema meiner Abiturfeier in den 90er Jahren. Und als Faruk ein Jahrzehnt später als einer der Jahrgangsbesten seines Gymnasiums das Zeugnis in den Händen hielt, sang man wieder laut das Lied der bunten Gemeinschaft. Doch mediale Dauerthemen sind noch lange keine gelebten Wahrheiten. Eine schweigende Mehrheit lässt das elitäre Agendasetting über sich ergehen, kündigt 1/2014

die Beteiligung am Großdiskurs über die gesellschaftliche Selbstverständigung auf. Und fährt die Schotten hoch: »Mich und meine Insel betrifft der Kulturverfall nicht.« Als Faruk ein Studienstipendium bekam und eine eigene Gruppe für muslimische Stipendiatinnen und Stipendiaten mitinitiierte, war der anfängliche Widerstand groß: »Warum kann nicht alles so bleiben wie es ist?« Selbst unter den angeblich so diversitätsaffinen Akademikern sind Veränderung und eine feine Willkommenskultur keine Selbstverständlichkeit. Echter Kulturwandel braucht Zeit, muss eingeübt werden. Es beginnt mit der Sprache, geht über in die Umgestaltung des uns umgebenden Raumes, diffundiert in die Rituale unseres Miteinanders und erreicht über die innere Haltung und die gelebten Werte die eigentliche dna unserer Kultur. Aus einem einfachen »Hallo« wird ein »Herzlich willkommen« in verschiedenen Sprachen. Aus einer verschlossenen Tür ein offener und transparenter Empfangsraum mit Einblicken in die Abläufe und Regeln des Hauses oder der Kirche. Das Kopfnicken wird zum Händedruck. Die starre Haltung beim Gebet zur echten inneren Verbeugung und das gesprochene Wort zum wirklich gesungenen Choral. Wirkliche Begegnung bereichert und fügt hinzu und nimmt nichts einfach weg. Kurz vor Weihnachten luden Faruk und seine Verlobte Naile mich zu ihrer Hochzeit ein. Zugegeben: Ich hatte Angst vor dem »Neuland«. Doch ich wurde wunderbar an die Hand genommen: Von einem befreundeten Paar und den beiden Familien. Vor Jahren besuchte ich das Musical Wicked. Die Hexen von OZ. Dort sang die »böse« Hexe Elphaba ein Lied, das mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht: »Nur weil ich dich traf, hab’ ich mich verändert.« Als die Zukunftskommission ihre Arbeit beendete, brachte Faruk mich mit dem Bus zum Flughafen Tegel. Ich schenkte ihm zum Abschied eine Taschenbuchausgabe von Goethes West-östlichem Divan worauf er mit Blick auf das vorbeirauschende Gefängnis den Theologen Dietrich Bonhoeffer zitierte: »Von guten Mächten wunderbar geborgen, Erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen. Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.» Lasst uns die Veränderung willkommen heißen. Was soll uns schon passieren? // 51


Sie haben Sozialpädagogik, Politik- oder Sozialwissenschaften studiert und sind berufserfahren. Sie suchen eine Aufgabe, bei der Sie unsere Partner professionell dabei unterstützen, gewaltfreie Konfliktlösungen zu finden. Christliche Werte sind Teil Ihrer Motivation und Sie verstehen Ihr Tun als solidarischen Dienst. Dann sollten wir uns kennenlernen! Die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) ist der Personaldienst der deutschen Katholiken für Entwicklungszusammenarbeit. Wir bieten Ihnen die Chance, in Projekten des Zivilen Friedensdienstes in Afrika, Asien und Lateinamerika aktiv zu werden, auf der Grundlage des Entwicklungshelfer-Gesetzes.

Informieren Sie sich auf www.ageh.de über unsere Stellenangebote im Zivilen Friedensdienst.

Friedensarbeit – Ihr AnlIegen? AGEH_Anzeigen_THEO_100x210mm_mit Rand Dez2013.indd 1

Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) e.V. Ripuarenstraße 8 | 50679 Köln Tel. 0221 8896-270 www.ageh.de jobs@ageh.org

04.12.2013 16:11:32


ALTES WISSEN

Lourdes

L

Vor 125 Jahren starb Bernadette Soubirous im französischen Nevers, 1844 wurde sie in Lourdes geboren und als 12-jährige erschien ihr in der Grotte von Massabielle eine geheimnisvolle weiße Frau, die sich ihr später als »Unbefleckte Empfängnis« zu erkennen gab und ihr eine Heilquelle wies. Aus Lourdes wurde der Marienwallfahrtsort schlechthin, in dem sich bis heute etwa 6800 Heilungen ereigneten.

wie

Noch im Gedächtnis? Kirchenlatein von A bis Z

Liturgie

Ist der Sammelbegriff für die religiösen Zeremonien und Riten des christlichen Gottesdienstes. Die Feier der Liturgie dient der Vertiefung des gemeinschaftlichen Glaubens und natürlich der Verehrung Gottes. Sie umfasst das ganze geheiligte Geschehen: Gebet, Lesung, Verkündigung, Gesang, Gestik, Bewegung, aber auch Gewänder, Geräte, Symbole und die Spendung von Sakramenten.

Levitation

Ist eine Parallele zu der Aufhebung der Schwerkraft beim Wandeln Jesu und Petri auf dem Galiläischen Meer. Bei der Leviation hebt ein Mensch sich ohne die Hilfe Dritter in die Luft, um über dem Boden zu schweben. Nach einer Untersuchung des Jesuiten Wilhelm Schamoni wird über Leviation bei über 200 Heiligen berichtet. Bei keinem Heiligen war das »Schweben« so häufig zu beobachten wie bei dem italienischen Priester und Franziskanerbruder Josef von Copertino (1603-1663).

Litanei

Ist eine Form des gemeinschaftlichen Gebetes, bei der von einem Priester, Vorbeter oder Kantor Anliegen oder Anrufungen vorgetragen und von der Gemeinde mit einem gleichbleibenden Ruf, zum Beispiel »Erbarme dich« oder »Bitte für uns« beantwortet werden. Dieses gleichbleibende Element und der Wechselgesang andererseits verleihen dem Litaneigebet einen meditativen Charakter.

Quelle: »Kult« von Peter Seewald

theo

1/2014

53


EinFach

in theo

Wenn auch Sie Ihr Geschäft, Ihre Produkte oder Dienstleistungen anbieten wollen, hier kÜnnen Sie ein Fach mieten. Weitere Informationen: Telefon 0211. 930 43 19

54

1/2014

theo


theo

1/2014

55


FEST HALTEN

So jung wie nie! Das Paderborner Diözesanmuseum feiert dreifach   Sakrale Kunst in Deutschland gibt’s ja leider kaum noch, aber eine der bedeutendsten Sammlungen leuchtet im Paderborner Diözesanmuseum, das jetzt gleich drei Jubiläen begeht: das 160-jährige Bestehen des Museums, den 100. Jahrestag seiner Wiedereröffnung und den 20. Jahrestag seines Umbaus. Die Ausstellung Younger than ever – 160/100/20 zeigt die Geschichte des Museums; da erzählen Fotodokumente und Inszenierungen von Höhen und Tiefen des Hauses – es begann im gotischen Kapitelsaal des Busdorfstifts, der Gottfried-Böhm-Bau spaltete das Publikum während der 1970-er Jahren, erhaben ist die heutige Pracht. Bisher unveröffentliches Bildmaterial erschließt dem Betrachter eine fremd gewordene Welt, und er lernt gleichzeitig wieder, was er fast vergessen hat: das religiöse Staunen. (Bis 25. Mai.) www.dioezesanmuseum-paderborn.de

Fest-halten Neues aus dem katholischen Kosmos

Rimini in Köln Ein Kulturfestival weist in die Zukunft Freundschaft unter den Völkern! Das Kölner Maternushaus hat das Rhein-Meeting organisiert, die Frage ist »Europa: Identität oder Strategie?« Joachim Kardinal Meissner und das Europäische Parlament gemeinsam betreuen und beschützen ein neuartiges Projekt, verantwortet in Deutschland von der katholischen Bewegung »Communione e Liberazio«. Der Geist des Kulturfestivals in Rimini wird über Köln wehen; seit den 1980er Jahren kommen mehrere Hunderttausend Besucher in die Stadt an der Adriaküste. Es reicht nicht, dass Europa über Wirtschaft und Politik nachdenkt und diskutiert – wir müssen den kulturellen und religiösen Reichtum neu entdecken! (Am 15. und 16. März.) www. rheinmeeting.de  

56

1/2014

theo


www.eulen

fisch.de

da: h c li ths End o R ick r t a P ISE R N SU buch! ör H s al 2 Mp3-CD – Gesamtlänge 930 Min. Für 9,90 Euro (zzgl. Versand) Bestellen unter: www.eulenfisch.de

» Ein spannender Plot nach allen Regeln der Erzählkunst. Patrick Roths Roman fügt der Bibel neue Geschichten hinzu. « Eckhard Nordhofen, Die Zeit


Zu Gast im Kunstbüro Berlin: Hier wirkt seit Februar auch der Kunst- und Kulturbeauftragte der Erzdiözese Berlin, Pater Georg Maria Roers SJ. Für theo berichtet er ab sofort, was sich in der Kunstwelt der Bundeshauptstadt tut. Für Fragen und Führungen steht Pater Roers gern zur Verfügung: T 030. 857 26 240 gmroers@web.de Kunstbüro Berlin Uhlandstraße 162 10719 Berlin www.kunstbueroberlin.de

Das übersteigt deinen Horizont!

58

auseinander, die schon antike Autoren beschäftigt hat. Wo ist der Horizont auf seinem Relief? Wenn wir im unteren Bildteil den Strand vermuten, so bildet die Horizontale den Meeressaum. Der Horizont müsste dann irgendwo darüber liegen. Unsere Wahrnehmung wird in die Irre geführt. Sehr passend und hilfreich liest sich dazu ein Gedicht von Franz Joseph van der Grinten, Leinewebers Kunstlehrer und Stifter der Beuys-Sammlung, Schloss Moyland, das dieser 2013 schrieb (Gedichte, Pagina Verlag). Was wir leisten, ist das Bild der Welt. Es gäb’ sie nicht ohne den, der schauend in den Blick nimmt, was er sieht, und es buchstäblich sich vor Augen stellt in eignes Licht, im Rahmen, der die Schau begrenzt, und mitten drin den Punkt fixiert, zu dem die Tiefe flieht: Ein virtueller Raum, der das fiktive Leben, wie’s sich regt, bestimmt. Was Wirklichkeit, was Traum? So wahrhaft wie ein Held ist sein Gespenst. Hat Alles eignen Sinn. Hast du begriffen denn, dass ohne dich die Welt nicht existiert? Du bist im Wirklichen ihr Gegenpol, 1/2014

der Fokus, der die Dinge Strahlen auf den Punkt bringt und für deine momentane Sicht fixiert: Dieser Augenblick ist Ewigkeit. Kontur: Die Schattengrenze wird zum Strich. Alles verhält sich wohl – jenseits von aller Messung Zahlen. Einzig die Metrik klingt. Welt ist die Befindlichkeit, die deine, die meine, die eines Jeglichen in seinem Raum zu seiner Zeit: Anders gibt es keine. Das individuelle, aktive Schauen hat auch Leineweber prägnant beschrieben: »Sehen lässt sich beschreiben als ein Sehen von etwas, aber auch als ein Absehen von etwas, also einem Sehen in die Tiefe. Wahrnehmung ist sowohl eine Wirklichkeitserfahrung als auch eine Grenzerfahrung von Wirklichkeit«, so der Künstler, der mit seiner Kunst und seinen Theorien fasziniert. Leinewebers Arbeiten sind bis Mitte März im KunstBüroBerlin (Uhlandstraße 162) zu sehen. Ein Künstlergespräch findet am 6. März 2014 um 19.30 Uhr mit Pater Dr. Hermann Breulmann sj in den Galerieräumen statt. // Georg Maria Roers sj

theo

©KunstBüroBerlin, Anna Dietz

Wer hat diesen Satz nicht schon selber gesagt oder gehört? Es ist etwas peinlich, wenn einem so was an den Kopf geworfen wird. Wer diesen Satz sagt, fühlt sich meist überlegen. Das nebenstehende weiße Relief Untiefe (Holz, Nessel, Marmorputz, 200 x 175 x 10 cm) von Norvin Leineweber thematisiert den Horizont. »Der Horizont verdeutlicht vielleicht am eindrucksvollsten die Perspektivität unseres Sehens. Der Horizont zieht einen Kreis um uns. Einen Kreis, den wir nicht verlassen, aber bewegen können. Der Blick in die Tiefe ist potenziell immer schon auf etwas gerichtet, das ich (noch) nicht sehe«, so der Künstler, ein Meisterschüler des zeroKünstlers Günther Uecker. Leineweber will uns, die Betrachter, in seine Räume hineinziehen. Unwillkürlich assoziieren wir den leeren Strand aus Caspar David Friedrichs Mönch am Meer (19081910). Doch Leineweber steht nicht in der Tradition der Romantik, sondern vielmehr in der eines Piero della Francesca. Dieser bekannte Renaissancemaler und Kunsttheoretiker beschäftigte sich in erster Linie mit Perspektive und Geometrie und versuchte als Erster, mithilfe der Mathematik perspektivische Probleme zu lösen. Leineweber setzt sich in seinen Werken mit der perspektivischen Tiefenwirkung,


KUNSTBÜRO ZU BESUCH

Untiefe 3, 2009, Holz, Nessel, Marmorputz≠, 200 × 175 × 10 cm

theo

1/2014


KULTUR

Bücher Der neue Roman von Martin Mosebach, dem die Attitüde des katholischen Hardliners nacheilt, donnerte in die literarische Welt des noch jungen Jahres 2014 wie ein Geschoss. Selbst die härtesten Kritiker des chronisch Umstrittenen mussten einräumen: Hier ist ein Geniestreich über die Welt gekommen, wie er lange nicht war. Einzig das Feuilleton der faz fragte schmallippig nach, wie es sein könne, dass die Protagonisten des Romans munter das Handy nutzen, wo doch im Jahr 1990 – zu dieser Zeit spielt das Romangeschehen sich ab – noch gar kein Mobilfunknetz über Deutschland schwebte. Solch kleinliches Gemäkel haben andere Feuilletonisten sich versagt, stattdessen das Werk hymnisch gefeiert.Worum geht es? Im Mittelpunkt steht Ivana, eine bosnische Putzfrau, die bei wohlhabenden Menschen in Frankfurt putzt: windige, aufgeblasene und kultursatte Figuren lässt der Autor aufmarschieren, wie es in dieser Dichte und Grellheit nur Mosebach kann. Ivana ist auch das im anderen Teil des Romans verankerte Scharnier, jenem Teil, der auf dem Balkan spielt. Just als das dekadente Großbürgertum sich in Frankfurt bei einem üppigen Fest zu vergnügen versucht, bricht in Jugoslawien der Krieg aus. Diese beiden Welten stehen sich im Buch kontrastierend gegenüber, dies alles existiert auf der Welt, das ist es, was der Autor sagen will – und für alles hat er einen verzeihenden Blick.

Martin Mosebach Das Blutbuchenfest

Hanser-Verlag 24,90 Euro

Gisela RammingLeupold Armenien, Land am Ararat sachbuch

Eine Frau auf den Spuren der frühen Christen: Armenien, das Land am heiligen Berg Ararat, hat eine bewegte Geschichte, die eng verbunden ist mit der frühen Christianisierung des Landes. Die Armenier leiten ihre Herkunft aus der Arche ab, die ja am Berg Ararat gestrandet sein soll. Sie sehen sich als Nachkommen von Noahs drittem Sohn Javith. Ihre Unabhängigkeit erlangte die Nation erst nach dem Sieg Alexander des Großen über Darius iii. Codomannus im Jahre 334 vor Christus. Gisela Ramming-Leupold, eine weitgereiste Autorin, begibt sich auf die Spuren dieser Geschichte, verbindet sehr sensibel das erworbene mit dem »erfahrenen« Wissen, objektive Darstellung und subjektives Erleben. Die Kulturgeschichte Armeniens, eines bei uns noch kaum bekannten Landes, schildert sie so faszinierend wie geheimnisvoll. Das Buch bietet einen präzisen Überblick mit einer Fülle an Material, das zu sichten es sich lohnt: Fotografien, Landkarten, Gebete und Lieder einer versunkenen Zeit. Es leitet aber auch über in die Gegenwart zu einem Land mit grandiosen Landschaften, uralten Klöstern und heiligen Stätten. Mitteldeutscher Verlag 24,90 Euro

60

1/2014

theo


KULTUR

Film »Welche Bedeutung hat die Firmung für unser Leben?« fragt Pater Weber vier Mädchen und zwei Jungen, die an einem Holztisch beieinander sitzen. Die 14-jährige Maria schaut ihn unsicher und leicht verstört an. Die Kindheit endet, das geistliche Leben beginnt, so antwortet Pater Weber auf seine eigene Frage. Die Jugendlichen werden streng katholisch erzogen, Maria wächst gar in einer Familie auf, die den Lehren der Piusbruderschaft und deren besonders strenger Auslegung des Katholizismus folgt. Ihren Glauben nimmt sie sehr erst, versucht ihn im Alltag nach jenen Grundsätzen zu leben, die Eltern und der Pfarrer ihr auferlegen. Sie lernt, dass jedes Mitglied ihrer Kirche stets gegen das Böse zu kämpfen hat, welches sich auch in scheinbar harmlosen Versuchungen wie Kino und Comics versteckt hält. In der Schule wird Maria wegen ihrer radikalen, religiösen Position misstrauisch beäugt und verspottet. Nur Christian aus der Parallelklasse zeigt Interesse an dem sonderbaren Mädchen, freundet sich mit ihr an. Derweil setzt Pater Weber weiterhin auf Strenge: Wer das Sakrament der Firmung erhalte, werde ein »Soldat Christi« doziert er und fügt hinzu, die Schlacht werde im Herzen geführt. Der Geistliche bekämpft »aufreizende Kleidung, unkeusche Bilder und anturnende Popmusik im Radio, bei der man sich verführen lässt und Tanzen möchte.« Maria versucht verzweifelt, diesen Verlockungen auszuweichen, sie

gerät in arge Gewissensnöte, als ein Junge sich für sie interessiert, sie aber mit ihm keine Beziehung anfangen darf. Sie entscheidet sich schließlich, Jesus zu folgen, ihm ihr Leben als Opfer darzubringen. Diese Entscheidung jedoch hat fatale Folgen. Regisseur Dietrich Brüggemann kennt aus eigener Erfahrung das Spannungsfeld zwischen »fundamentalistisch geprägten Katholiken und eingefleischten Pietisten«. In seinem Film übt er jedoch nicht ausschließlich Kritik an den Auswüchsen eines rigiden Glaubens, sondern er versucht auch darzustellen »wie schön christliche Kultur sein kann«, wenn sonntags die Kirche schmuck erstrahlt und die Orgelklänge brausen. Brüggemann lässt Kreuzweg in 14 Einstellungen über die Leinwand zittern, die sich an die 14 Stationen der traditionellen Kreuzwegandacht des Leidens und Sterbens Jesu Christi anlehnen. Der Film sollte so authentisch wie möglich werden, sagte der Regisseur im Interview. Bei den Proben soll er dem Team vorgeschlagen haben, am Sonntag in die Kirche zu gehen.

Kreuzweg Deutschland 2014 Regie Dietrich Brüggemann Mit Lea van Acken, Florian Stetter Ab 20. März im Kino

Kreuzweg

theo

1/2014

61


Das Buchhaus des 21. Jahrhunderts

L

esen heißt Sammeln – wie in Weinlese oder Ährenlese – und durch das Sammeln den Dingen einen Sinn geben. Immer mehr Menschen stellen heute wieder die Sinnfrage, Bücher geben Antwort.

U

nsere Fachbuchhändlerinnen Frau Mambour und Frau Hajek in den Abteilungen Philosophie, Religion und Spiritualität freuen sich auf Sie und ein Gespräch mit Ihnen.

BUCHHAUS ANTIQUARIAT

STERN-VERLAG

Friedrichstr. 24-26 40001 Düsseldorf  Talstr. Mo-Sa 9.30-20 Uhr 400.000 Bücher und Medien Antiquariat mit 75.000 Büchern aller Interessengebiete Stöbermarkt mit einem Riesenangebot an Schnäppchen Online-Shop mit 3,2 Mio. Titeln: buchsv.de •  0211 3881-0 Fax 3881-280


KULTUR

Musik

Die wichtigsten Konzert-Termine bis Ostern 2014 Samstag 8. März 2014, 20 Uhr Weimar, Schießhaus (Am Schießhaus 1) Präludium Bach-Biennale »300 Jahre CPhE Bach« frescobalsi & friends Eine hochbarocke Jamsession aus Rom zum Geburtstag Carl Philipp Emanuel Bachs mit Werken von Girolamo Frescobaldi, Johann Hieronymus Kapsberger, Domenico und Virgilio Mazzocchi u.a.

Donnerstag, 10. April 2014, 20 Uhr Köln, wdr-Funkhaus, Klaus-von-Bismarck-Saal (Wallrafplatz 5)

Neu belebt

Vor zwei Jahren stellte die Autorin Regine Müller die Gruppe schon einmal vor: Jetzt erscheint eine neue cd von concerto romano, dem Alte-Musik-Ensemble um den Dirigenten Alessandro Quarta. Mit Sacred Music for the Poor gehen die Musiker natürlich auch auf Tournee

Es war um 1600 in der Kirche Santa Maria in Vallicella, als die Oratorianerbruderschaft und der Priester Filippo Neri mit eingängigen Melodien und volkstümlichen Rhythmen eine »Liturgie für die kleinen Leute«, feierten, populäre geistliche Musik aus der römischen Armenkirche sozusagen. Rom in dieser Zeit war gleichbedeutend mit kolossaler Polyphonie, mehrchöriger Opulenz und konzertierender Virtuosität. In einem übervölkerten, von Armut, Kriminalität und geistiger Verwahrlosung gezeichneten Viertel nahe dem Tiber wollte ein Pater dem Elend Einhalt gebieten und erkannte gemeinsam mit seinen Ordensbrüdern Musik als wichtiges Seelsorge-Instrument. Sie fanden ihr Publikum sprichwörtlich auf der Straße: Über Jahrhunderte waren diese musikalischen Zeugnisse einer bewegten Zeit vergessen, bis der römische Musiker und Komponist Allessandro Quarta das concerto romano gründete, um diese Musik neu zu beleben. Die aktuelle cd Sacred Music for the Poor unternimmt noch einmal eine Reise ins bitterarme Zentrum Roms um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert. Hier traf auch Michelangelo Merisi, alias Caravaggio, auf die Modelle und Szenerien seiner ungeschönt-lebensnahen Heiligendarstellungen (etwa die berühmte Kreuzabnahme, gemalt für Santa Maria in Vallicella). Im geistlichen Musikrepertoire der Vallicella fand sein ästhetisches Ideal eine klangliche Entsprechung: Lauden, Canzonen, Madrigale und Instrumentalmusik sind der »Soundtrack«, der uns von den Bildern Caravaggios direkt in die Straßen, Höfe, Wohnblocks und ins Oratorium von Santa Maria in Vallicella führt. Mit der neuen cd Sacred Music for the Poor übersetzt das concerto romano diese Musik ins 21. Jahrhundert.

wdr Funkhauskonzerte Bernardo Pasquini (1637 – 1710) la sete di christo Passionsoratorium in zwei Teilen (Rom, 1683?) Deutsche Erstaufführung Vier Protagonisten finden sich unter dem Kreuz Jesu auf dem Kalvarienberg ein: Maria, der Heilige Johannes, Joseph aus Arimatea und Nikodemus. Ihre unterschiedlichen Reaktionen auf die Konfrontation mit dem gekreuzigten Messias vertont Bernardo Pasquini in einer Partitur von großer melodischer und kontrapunktischer Meisterschaft. La Vergine: Francesca Aspromonte (Sopran) San Giovanni: Francisco Fernández-Rueda (Tenor) Giuseppe d’Arimatea: Luca Cervoni (Tenor) Nicodemo: Mauro Borgioni (Bariton) Das Konzert wird am darauffolgenden Dienstag, 14. April 2014 ab 20.05 Uhr auf wdr3 und per streaming im Internet zu hören sein.

Mittwoch, 16. April 2014, 21 Uhr Rom, Oratorio del Gonfalone (Via del Gonfalone 32/a) Oratorio del Gonfalone Francesco Foggia (1604-1688) vivtoria passonis christi Passions-Kantate Eine intensiv-suggestive und gleichzeitig kontemplative Erzählung der Passion. Zu den Geschehnissen der letzten Stunden Christi folgen Stimmen, Arien, Duette, Terzette und große Chorfresken von allergrößtem darstellerischen Pathos. Eine wunderbar reife PassionsKantate des großen römischen Meisters.

Vatikan karwoche /ostern 2014 Der Live-Mitschnitt unseres römischen Konzerts (2013) von Bernard Pasquinis Passionsoratorium la sete di christo ist Teil des weltweiten Angebots von Radio Vaticana mit den Sondersendungen zu Karwoche und Ostern 2014. Das Konzert wird auch vorab auf Radio Vaticana selbst gesendet: Sonntag, 6. April 2014, 21.30 Uhr in der Reihe »Concerto Spirituale«

theo

1/2014

63


Das Beste zum Schluss

borro medien empfiehlt Medien auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes.

FEBRUAR

Wo Menschen sich lieben, gibt es Zoff. Doch Zoff und Zärtlichkeit passen zusammen, auch und gerade bei Paaren und in Familien. Aber es gibt gewisse Regeln, die die Streitenden einhalten sollten, damit die Liebe wieder fließen kann. Die bekannte Familientherapeutin stellt in ihrem neuen Buch dar, wie mit Hilfe der emotionalen Konfrontation lebenslange Bindungen gepflegt und erhalten werden können. Kreiner, M./Pfrang, C. In guter Hoffnung Kösel, 18 x 24 cm, 144 Seiten, Broschur Artikelnr. 62-179227

Prekop, Jirina Familie lebt von Liebe Kreuz, 14 x 21 cm, 160 Seiten, Broschur 99 Artikelnr. 62-180539

€ 16

€ 14

99

J A N UA R

Dufner, Meinrad Mitten im Alltag Gott Vier Türme, 15 x 22 cm, 140 Seiten, Hardcover Artikelnr. 62-168291

€ 16

90

NOVEMBER

Kast, Verena Seele braucht Zeit

Campbell, Polly Lebe lieber unperfekt

Kreuz, 13 x 21 cm, 192 Seiten, Hardcover 99 Artikelnr. 62-177880

Knaur, 14 x 21, 272 Seiten, Taschenbuch Artikelnr. 62-177878

unter n e g n pfehlu m E n.de e e r i e t i d e e W rom portofrei ! r o b . www ng im Inland u Liefer

€ 18

Hummel, Peter Generation Franziskus

€ 16

99

Bonifatius, 13 x 21 cm, 170 Seiten, Broschur 90 Artikelnr. 62-157892

€ 14


Impressum

Herausgeber theo katholisches Magazin, gemeinnützige Unternehmergesellschaft mbH (haftungsbeschränkt) Redaktionsleitung Brigitte Haertel brigitte.haertel@inhousemedien.de Art Direction Claudia Ott, Düsseldorf Mitarbeit: Nils-Hendrik Zündorf Theologische Beratung & Lektorat Pater Georg Maria Roers sj Redaktion Maria Caspari, Sven Schlebes, Pater Georg Maria Roers sj Mitarbeiter dieser Ausgabe text: Mila Elisabeth Freising, Stephanie Härtel, Uwe Kopf, Georg Maria Roers sj, Sven Schlebes foto: Anna Dietz, Stefan Müller, Moussa Hakan, Stephanie Härtel, Michael Jörgens, Nils-Hendrik-Zündorf Redaktionsanschrift Gerhart-Hauptmann-Strasse 11 40470 Düsseldorf T 0211. 930 43 19 M 0173 296 59 40 redaktion-duesseldorf@theo-magazin.de www.theo-magazin.de Redaktion & Anzeigenvertrieb Berlin c/o Goldene Zeiten Berlin Goethestrasse 17 10625 Berlin T 030. 488 194 40 F 030. 488 194 83 redaktion-berlin@theo-magazin.de Internet www.theo-magazin.de Erscheinungweise 5mal jährlich

gefördert durch

bonifatius werk

Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt: Brigitte Haertel, Anschrift wie Herausgeber. Die Unternehmensgesellschaft übernimmt für unverlangt eingesandte Unterlagen keine Haftung. Eine Verwertung der urheberrechtlich geschützten Zeitschrift und aller in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung, ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung der theo – Katholisches Magazin Unternehmens­gesellschaft mbH unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrechts­gesetz nichts anderes ergibt. Insbesondere ist eine Einspeicherung oder Verarbeitung der auch in elektronischer Form erschienenen Beiträge in Datensystemen ohne Zustimmung der Unternehmensgesellschaft unzulässig.

Druck Bonifatius GmbH, Druck /Buch/ Verlag, Paderborn Abonnenten-Service Abonnentenverwaltung, Einzelbestellungen und Lieferungen an den Buch- und Zeitschriftenhandel: edv-Dienst Bergholz Langgasse 37 66399 Mandelbachtal T 06803. 391 05 18 F 06803. 89 39 theo@edv-bergholz.de Jahresabonnement mit fünf Ausgaben Deutschland 27,00 Euro (inkl. Versand) Österreich 27,00 Euro (zzgl. Versand) Schweiz 27,00 Euro (zzgl. Versand) Einzelpreis Deutschland 4,80 Euro (zzgl. Versand) Österreich 4,80 Euro (zzgl. Versand) Schweiz 4,80 Euro (zzgl. Versand)


Lebensmittel Brot · Feingebäcke · Konfitüren · Trüffel, Schokoladen und Pralinen Liköre · Fertige Gerichte · Wurstwaren · Frischkäse · Apfelsaft und -wein

Handweberei Liturgische Gewänder individuell hergestellt

Schmiede Kreuze und religiöse Zeichen · Grabgestaltung und Grableuchten Ausstattungen für Kirchen · Damaszenerstahl · Schmuck

Tischlerei Kreuze · Möbel und Küchen · Fenster und Türen · Innenausbau

Töpferei

aus der Regel des hl. Benedikt

Klosterberg 11 · 59872 Meschede 0291.2995-0 · abtei@koenigsmuenster.de

...damit in allem Gott verherrlicht werde.

Abtei Königsmünster

Handgedrehte Tonarbeiten

www. abteiladen.de Produkte aus den Werkstätten · Bücher · Karten · Kunsthandwerk · Kerzen · Schmuck

0291.2995-109 abteiladen@abteiladen.de


theo. Katholisches Magazin. 01/2014  

Die Jubiläumsausgabe von theo, dem freien Magazin für Geist und Poesie des katholischen Glaubens. Die heilige Zahl 7.

Advertisement
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you