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Nummer 232

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Mai 2010

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h c Fas CHAUVINismus RASSISMUS SMUS i L A N NATIO

RECHTS UM ...

und dann ?

Für MitarbeiterInnen, Freundinnen und Freunde der Katholischen ArbeitnehmerInnen Bewegung Oberösterreich

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10.05.2010 13:08:22 Uhr


Vorwort Schwerpunkt

Annemarie Hudec, Linz Vorsitzende der KAB OÖ

Liebe Freundinnen und Freunde der KAB!

Wer mit offenen Augen und Ohren durch den Alltag geht, hört häufig die Aussage: „Ein starker Mann muss her, der sagt wo’s lang geht!“ Was ist mit so vielen Menschen los, dass sie lieber die Verantwortung an jemand anderen abgeben wollen, als selbst nachzudenken, zu entscheiden und eigenständig zu handeln? Die Wahrnehmung eines allgemeinen „Rechtsrucks“ hat uns dazu gebracht, diese Ausgabe unter den Titel „Rechts um … und dann?“ zu stellen. Woher kommen diese rechten bzw. rechtsextremen Einstellungen, was fördert sie, wo nehmen wir sie wahr? Und: Kann man hier gegensteuern und wie? Das ist die entscheidende Frage.

Jede und jeder von uns kennt alltägliche Situationen, in denen jemand als Sündenbock herhalten muss, einfach dadurch bedingt, dass er/sie anders ist: z. B. Ausländer, Behinderte, alte oder arbeitslose Menschen. Und in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist die Tendenz, sich „Schuldige“ zu suchen, noch größer. Doch ich denke, so kann es nicht weitergehen. Gefragt ist hier das ganz konkrete Eintreten für Menschen, die angegriffen und ausgegrenzt werden, gefragt ist die eigene Courage durch Richtigstellen, Handeln, Widersprechen …, wo ich Menschen abgewertet und ihre persönliche Würde verletzt sehe. Natürlich ist das Leben und die Welt

heute komplex und viele Zusammenhänge sind schwer zu durchschauen. Doch wer im Laufe seines Lebens Wertschätzung und Solidarität erfährt und dadurch Selbstbewusstsein entwickeln kann, ist eher in der Lage, selbst nachzudenken und für ein wertschätzendes Miteinander einzutreten. Solche Menschen brauchen keine einfache Schwarz-WeißZeichung, keine Aufteilung in gut und böse, keine Sündenböcke. Voraussetzung ist, dem/der anderen offen und ohne Vorbehalte zu begegnen, dafür wollen wir uns als KAB einsetzen. Euch allen wünsche ich Mut und Offenheit für diese Herausforderung! Annemarie Hudec

Inhalt

SCHWERPUNKT Theologisches

Rechts, Recht und Richten

Elisabeth Mühlböck .............................. Seite 3

Die Rückkehr der ...

Josef Goldberger .............................. Seite 4–5

Was ich rundum wahrnehme

Waltraud Wührer ................................... Seite 7

Gibt es eine Verrohung ...

Irene Huss ............................................. Seite 8

Warum orientieren sich ...

Markus Feichtinger ............................... Seite 9

Blick in die Seele ...

August Thalhamer ......................... Seite 10–11

Impuls

Herbert Kuri ......................................... Seite 11

Warum es Hassprediger ...

Bernhard Rudinger ............................. Seite 14

Buchtipp

BERICHTE Flaschenpost – lebendiges ...

Fritz Käferböck-Stelzer ........................ Seite 14

Reinhard Gratzer ................................. Seite 15

Herbstblätter

Hans Gruber ....................................... Seite 16

Mit 66 Jahren, da fängt ...

Edith Rohrhofer ................................... Seite 16

Aus meiner Runde

Erwin Pichlik ....................................... Seite 17

Sommerangebote ................. Seite 17

Aufeinander zugehen

Tag der Arbeitslosen ............ Seite 19

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Konsumententipp .................. Seite 18 Termine .................................... Seite 20

Rechtsextremismus in Ö

Berichte Wels ......................... Seite 18

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Filmtipp ...................................... Seite 8

Reinhard Gratzer ................................. Seite 12

Christian Schörkhuber ........................ Seite 13

SERVICE

KA-Kolumne

IMPRESSUM:

Kommunikationsorgan der Kath. ArbeitnehmerInnenbewegung Oberösterreich (KAB OÖ) Alleininhaberin, Herausgeberin und Redaktion: Diözese Linz, KAB OÖ, Kapuzinerstr. 84, 4020 Linz, kabooe@dioezese-linz.at, www.mensch-arbeit.at Zulassungsnummer: GZ02Z031831M Redaktionsteam: Gudrun Bernhard, Reinhard Gratzer, Heinz Mittermayr, Karl Queteschiner, Margit Savernik, Otto Singhuber, Heinz Stricker, Andreas Ullmann, Waltraud Wührer, Elisabeth Zarzer Titelbild: Edith und Kurt Rohrhofer Fotoquelle: KAB OÖ, falls nicht anders angegeben Korrektur: Claudia Höglinger / Layout: Renate Moser Herstellerin: Diözesandruckerei des Pastoralamtes, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz Verlags- und Herstellungsort: Linz Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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Theologisches Schwerpunkt

Elisabeth Mühlböck, Theologin und Pädagogin, Zwettl an der Rodl

Rechts, Recht und Richten Das Wort „richten“ hat viele Bedeutungen: z. B. die räumliche (ein schief hängendes Bild gerade richten) oder die symbolische (jemanden aufrichten). Richten heißt aber auch werten, bewerten, urteilen, verurteilen.

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ir (re)agieren mit unseren Gefühlen, mit Rücksicht auf unsere Weltsicht, „was man darf“ und „was nicht“. Dabei verwandeln wir oft Sachprobleme in Personenprobleme1 und unterscheiden zwischen „Wir“ (= Freund) und „den Anderen“ = Gegnern unserer Werte). Deutlich sichtbar z. B. bei den Parteireden am Aschermittwoch: Das „Wir” der FPÖ wird von dieser als positiv deklariert (u. a. mit konservativen Werten wie Heimat, Familie, Volkstum ...). Die „Anderen” sind die Gegner solcher Werte, u. a. deklariert als „linke Chaoten”; sie erwecken Ängste und sind eine Bedrohung. Der nächste Schritt geht vom „Wir“ zum „Super-Wir“, das Autorität beansprucht und auch erhält. Das „Super-Wir” verkörpert die Hoffnungen des „Wir”: der „Erlöser“, der „starke Mann“ ... Was auf der einen Seite das „Super-Wir“ ist, sind auf der anderen Seite die „Sündenböcke“, die man am liebsten „in die Wüste schickt“.

Die Neugierde hat Grenzen Kleine Kinder „fremdeln“ gegenüber neuen Gesichtern und in einer unbekannten Umgebung. Erwachsenen geht es ähnlich. In ihrer familiären und beruflichen Welt finden sie sich zurecht, kennen Land, Sprache und die Reaktionen ihrer Landsleute, schätzen ihre Bräuche. Um nicht im täglichen Trott zu stagnieren, entwickeln sie eine gewisse Neugierde. Anderes hat einen exotischen Reiz, man kann davon auch einiges lernen und in die eigene Weltsicht integrieren. Aber die Neugierde hat Grenzen. Wenn zu schnell zu viel Neues einstürmt, zerbricht die Stimmigkeit der gewohnten Umwelt, geht der Orientierungssinn verloren. Die Folgen sind Abwehr, Rückzug nach innen, Aggression nach außen. Ist es einmal soweit gekommen, haben Populisten jede Chance, über die Benennung von Sündenböcken zu beeinflussen. Armut und massenhafte Arbeitslosigkeit2, die zunehmende Unübersichtlichkeit der Politik, die Vielfalt der Ursachen für das

eigene Unbehagen in einer globalisierten Welt wirken verwirrend und machen ratlos. Da sind viele Menschen dankbar, wenn auf eine einzige Ursache mit dem Finger gezeigt wird. Ist einmal der Schuldige ausgemacht, so senkt die Behauptung seines Verschuldens die Hemmschwelle bei seiner Demütigung und Verfolgung. „Der Sündenbock ist ein wichtiges Vieh im Stall der Mächtigen. Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, wenn die sozialen Probleme zunehmen, wenn man das Ganze nicht mehr schönreden und wegreden kann, dann bleibt immer noch eins: Man öffnet die Stalltür und reitet den Sündenbock.“ Martin Schenk, 2005 Vorurteile gegen Sündenböcke können nicht rational-kritisch aufgelöst werden, weil sie im Bereich irrationaler Gefühle verwurzelt sind. Sie sind bestenfalls als Verdrängungen anzusprechen, die eigene, ungelöste Probleme als Hintergrund haben. Kritische Auseinandersetzung mit den pluralen Weltbildern sowie den eigenen identitätsstiftenden Glaubenssätzen kann diese Mechanismen durchbrechen. Religionen bieten Riten der Vergebung, Versöhnung und Friedensstiftung an.

Ein genialer Ritus Am jüdischen Versöhnungstag, dem Jom Kippur, wurde gemäß der biblischen Vorschrift ein Ziegenbock per Los ausgewählt, symbolisch mit den Sünden des Volkes beladen und in die Wüste geschickt – als Zeichen der Vergebung und der Befreiung von der Last der Vergangenheit. Dieser Ritus ist in mehrfacher Hinsicht eine geniale Erfindung. Er kommt dem menschlichen Bedürfnis entgegen, Schuld loszuwerden, und stellt dieses Bedürfnis zugleich als Folge menschlicher Uneinsichtigkeit bloß. Selbsterkenntnis, Reue und Buße stehen im Mittelpunkt. Im sozialen und politischen SündenbockMechanismus ist von Selbsterkenntnis

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keine Rede. Auch werden keine symbolischen Handlungen vollzogen, sondern ganz reale Menschen zu Opfern gemacht und „in die Wüste geschickt“. An die Stelle eines Ritus tritt die handfeste Verschiebung von Schuld. Menschen werden beschuldigt, die Übeltaten begangen zu haben, die man sich selbst nicht eingestehen will. Wir alle können vom biblischen Sündenbock-Ritus lernen, zuerst die Fehler bei sich selbst zu suchen und keinesfalls Menschen zu Opfern des Bedürfnisses zu machen, eigenes Verschulden abzuschieben.

Der letzte Sündenbock Christliche Erlösungslehre geht davon aus, dass Jesus diesen Kreislauf des Opferns endgültig durchbrochen hat. Mit seinem Tod „für unsere Sünden“ (Hebräerbrief 9,12 f) wird das letzte Opfer dargebracht: Jesus, der letzte Sündenbock und zugleich der letzte Hohepriester, der befugt ist, zu opfern. Er opfert aber keinen Bock, sondern sich selbst. Wenn es christliche Herausforderung ist, Frieden zu stiften, dann heißt das auch, die Bedingungen für den Südenbock-Mechanismus zu minimieren: Ethnische und religiöse Durchmischung, Auflösung abgegrenzter Milieus. Verkehr, Globalisierung der Wirtschaft und die Medien fordern uns bis zur Unerträglichkeit heraus. Hier ist Orientierung gefragt! Biblische „Vorlebegeschichten“ gibt es – Gott sei Dank! _______________________

1) Rechtsradikale Web-Foren arbeiten mit diesem Prinzip: Sie eröffnen Räume, die ungehemmte Dammbrüche gesellschaftlich verpönter und illegaler Semantik zulassen: Wir begegnen dort nicht Personen, sondern betrachten eine erstellte Identität. Es sind primär Rollenangebote einer Gruppenidentität, die sich der omnipotenten Stimme der rechtsextremen Sinnstiftung unterordnen, Aufrufe zur Identifikation und zur Nachfolge auf der Handlungsebene und die Generierung einer homophonen Sinnstiftung, die sich von der Welt „der Anderen“ – des als Gefahr charakterisierten Pluralismus – absetzt im Raume der Illegalität, der durch Schimpf- und Fluchworte bewahrt, ja gleichsam bewacht wird. 2) Professor Dr. Armin Falk, Ökonom am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Universität Bonn hat den Zusammenhang von Ökonomie und Rechtsextremismus untersucht und stellt folgende These auf: „Die Zunahme von rechtsextremen Strafdaten hängt unter anderem von der wirtschaftlichen Lage ab. Bei ökonomischen Problemen kommen versteckte rassistische Ressentiments an die Oberfläche und die Bereitschaft, sich für ausländische Mitbürger einzusetzen, sinkt.“ Eine hohe Erwerbslosenquote erhöht die Existenzangst auch bei denen, die Arbeit hätten. „In einem solchen Umfeld sinkt dann die Bereitschaft, Zivilcourage zu zeigen und gegen rechtsextreme Ausschreitungen einzutreten. Und das wirkt wie eine zusätzliche Ermutigung für die eigentlichen Täter.“, so Falk.

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Schwerpunkt

Josef Goldberger Historiker, Wilhering

Die Rückkehr der ängstlichen Männer! Oder: Mögliche Ursachen für eine Entwicklung nach rechts.

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ann, wenn nicht jetzt, sollte der Mann an sich – je männerbündischer organisiert, umso mehr – durch Wirtschaftskrise und munter vor sich hin erodierende Geschlechterrollen verängstigt, verunsichert, irritiert sein. Und dass die Flucht ins Autoritäre in erster Linie eine Folgeerscheinung von Angst ist, wissen wir nicht erst seit Erich Fromm und der Theorie zum autoritären Charakter oder seiner Studien über Autorität und Familie. Wenn Ich-Stärke und männliches Selbstvertrauen ohnehin schon angeknackst sind und man(n) sich von der Angst mangels ökonomischer Mittel auch nicht mehr entledigen kann, wird’s eng. Eigentlich alles erklärt und gesagt zum Rechtsruck der vergangenen Jahre. Doch so leicht wollen wir es uns nicht machen, denn die Reduktion der Komplexität werfen wir ja schließlich täglich den Rechtsextremisten vor.

Bestandteile des Rechtsextremismus Rechtsextremismus ist keine gesellschaftliche Randerscheinung. Immer öfter müssen wir feststellen, dass er (auch) aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Auch etablierte PolitikerInnen und populäre Zeitungen bedienen sich rechtsextremer Argumente. Bereits in den 1950er-Jahren führte der Soziologe Seymour Martin Lipset den umstrittenen Begriff des „Extremismus der Mitte“ ein. Ein Extremismus, der sich im demokratischen Spektrum verortet und in der westlichen Welt als massentaugliche Normalität und patriotischer Gemeinschaftssinn wahrgenommen wird. Bei aller Vielschichtigkeit seiner Ursachen und Erscheinungsformen gibt es zwei Begriffe, die zusammen als Wurzeln des Rechtsextremismus bezeichnet werden können: Nationalismus und Rassismus. Beiden gemeinsam ist die Vorstellung, dass die ethnische Zugehörigkeit zu einer Nation oder „Rasse“ (ein Begriff, der in Bezug auf den Menschen falsch ist) über

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allen anderen Interessen und Werten (auch den Menschen- und Bürgerrechten) steht. Womit wir schon bei den zentralen Bestandteilen wären, aus denen sich der Rechtsextremismus zusammensetzt und über deren kombiniertes Auftreten er definiert werden kann. Die Nähe jedes einzelnen Merkmals zu historischen Vorbildern ist frappant. Der Rechtsextremismus ist eine biologistisch argumentierende Ideologie der Ungleichwertigkeit. Ihre Vertreter glauben an eine natürliche ethnische und „rassische“ Ungleichwertigkeit der Menschen, worauf sie einen minderen Wert und Rechtsstatus bestimmter Individuen und Gruppen begründen. In der Politikwissenschaft wird daher für Rechtsextremismus auch der Begriff „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ verwendet. Daraus ergibt sich als Konsequenz der völkische Nationalismus und die rassistisch motivierte Ablehnung oder Geringschätzung anderer Völker sowie die Ablehnung einer „Vermischung“ der Völker. Beinahe immer geht mit dem Rechtsextremismus eine Verharmlosung des Nationalsozialismus (Revisionismus) einher. Auch der Antisemitismus und (besonders in Österreich) der Antislawismus sind Bestandteile des Rechtsextremismus. Ihre Agitatoren bedienen sich dabei oft eines sachpolitischen Deckmantels (Kritik an Israel, Temelin). Neben einem autoritären Staatsverständnis ist – wie schon erwähnt – auch die Reduktion der gesellschaftlichen Komplexität durch starre Freund-Feind-Muster (AusländerInnen, religiöse Minderheiten, sozial Schwache als Sündenböcke) und Verschwörungstheorien (Ostküste, Weltjudentum, Freimaurer, UNO, EU, USA ...) typisch für rechtsextreme Ideologien.

Demokratiekritik Neben all dem erscheint jedoch das Merkmal der Demokratiekritik am gefährlichsten. Gibt es doch gerade hier eine große Schnittmenge mit der politikverdrossenen

Unzufriedenheit des „kleinen Mannes“ und der populären Stammtischkritik an der repräsentativen Demokratie, an Parteien und Politikern, an der „Quatschbude“ Parlament und jeder Form des Pluralismus. Genau über dieses Einfallstor wird rechtsextreme Ideologie in der Mitte der Gesellschaft salonfähig. Der Staat solle von einem „starken Mann“ geführt werden, der den „Willen des Volkes“ ausführt und nach innen und außen mit aller Härte „für Ordnung sorgt“. Weltanschauungen, Meinungen, Gruppen, die diese „Volksgemeinschaft“ stören, sollten bekämpft und als Nestbeschmutzer angeprangert werden. Denken wir nur an den „nationalen Schulterschluss“, der von der Regierung anlässlich der EU-Sanktionen im Jahr 2000 empfohlen wurde. Po l i t i k w i s senschaftler sprechen im Rahmen der Demokratiedebatte der letzten Jahre von einer Renaissance des „ Vo l k s w i l lens“. Diese Vorstellung einer „wahren Volksherrschaft“ geht vom einheitlichen Volkswillen und einem vorgegebenen Gemeinwohl aus, betrachtet das Volk und die Gesellschaft als homogen strukturiert und leugnet die Legitimität von Interessenskonflikten. Diese Ansicht ist ebenso populär wie gefährlich. Auch der Nationalsozialismus strebte das Konstrukt der homogenen und harmonischen Volksgemeinschaft und der Identität zwischen Regierenden und Regierten an. In einer pluralistischen Demokratie ist jedoch das Gemeinwohl weder vorgegeben noch objektiv erkennbar. Gleichförmiges Handeln und Empfinden einer Nation gibt es im Normalfall nicht. Die Gesellschaft zeichnet sich durch eine Vielfalt unterschiedlicher, miteinander rivalisierender Quelle: dugspr – Home for Good

Ein österreichischer Politiker hat eine rechtspopulistische österreichische Partei einmal als die „Partei der ängstlichen Männer“ bezeichnet. Und damit mit wenigen Worten den Nagel auf den Kopf getroffen.

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Schwerpunkt

und berechtigter Interessen aus. Der offene Prozess der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen tastet nur ein Minimum gemeinsamer Überzeugungen nicht an. Eine pluralistische Gesellschaft bedeutet ständigen Konflikt zwischen den unterschiedlichen Interessen. Das ist vielen unbequem. Diese Interessenskonflikte müssen aber ausgehalten werden, denn die Alternative ist die Aufgabe der individuellen Selbstbestimmung in einer monopolisierten Gesellschaft.

Opfertheorie Neben der Popularität und weiten Verbreitung vieler Merkmale rechtsextremer Ideologien gibt es aber auch noch einen historischen Erklärungsansatz, warum rechtsextreme und neonazistische Ansichten in Österreich stärker von der politischen Mitte toleriert (und zum Teil rezipiert) werden, als etwa in Deutschland. Es ist dies die verspätete Konfrontation Österreichs mit seiner NS-Vergangenheit. Bis in die späten 1980er-Jahre prägte die so genannte Opfertheorie Selbstverständnis, Selbstdarstellung und Umgang des offiziellen Österreichs mit seiner NS-Vergangenheit. Dieser Theorie zufolge wurde Österreich im März 1938 gewaltsam besetzt und im April/Mai 1945 vom österreichischen Widerstand und den Alliierten befreit. Die Jahre 1938 bis 1945 wurden als Fremdherrschaft dargestellt und unter dem Aspekt von Widerstand und Verfolgung vor allem als Kampf um die Befreiung Österreichs betrachtet. Während die BRD die NS-Zeit als Negativereignis verinnerlichte, wurde der Nationalsozialismus in Österreich nach außen verlagert. Die NS-Herrschaft war Teil der deutschen, aber nicht der eigenen Vergangenheit. Kaum ein Wort über die breite Zustimmung zum „Anschluss“ in Österreich und die NS-Machtübernahme von innen her, die Identifikation vieler Österreicher mit der Deutschen Wehrmacht, den aggressiven Antisemitismus, die Enteignung, Vertreibung und Ermordung österreichischer Juden, den hohen Anteil österreichischer Nationalsozialisten, die führende Rolle von Österreichern innerhalb des nazistischen Besatzungs- und Terrorapparates.

Im Gegensatz dazu konzentrierte sich die internationale Aufmerksamkeit auf die BRD, die als Nachfolgestaat des Dritten Reiches für die Folgen des Holocaust haftete und ihre demokratischen Lernprozesse in einer kritischen Öffentlichkeit unter Beweis stellen musste. Auch die konkreten Maßnahmen im Umgang mit Opfern und Tätern waren von der Opfertheorie geprägt, sowohl was (zum Teil bis heute) die Entschädigungs- und Wiedergutmachungspolitik gegenüber Opfern (Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, „Asozialen“, Kriegsdienstverweigerern, Opfern der Zwangssterilisation) als auch die Entnazifizierung der Täter nach 1945 betraf, die relativ schnell in Entlastungsbemühungen und Integrationsmaßnahmen für ehemalige Nationalsozialisten mündete. Sowohl das Buhlen von ÖVP und SPÖ um die Stimmen der Ehemaligen wie auch die Eskalation des Kalten Krieges wirkten sich dabei sehr integrativ aus. Mit Antikommunismus und dem Feindbild Sowjetunion konnten sich auch ehemalige Nationalsozialisten identifizieren.

Gefallen für’s Vaterland In ihrer Widersprüchlichkeit zur Opfertheorie fast unbemerkt schlich sich ab den 1950er-Jahren mit der Errichtung von Gefallenengedenkstätten in fast jeder Gemeinde eine Antithese zum Geschichtsbild der Opfertheorie und somit eine widersprüchliche Gedächtniskultur ein. Während sich Österreich in der offiziellen Selbstdarstellung und in den Schulbüchern weiterhin als erstes Opfer und antinazistischer Staat präsentierte, dessen Bevölkerung gezwungen wurde, für die Ziele Hitlers in den Krieg zu ziehen, sprachen österreichische Politiker (und Bürgermeister machen es zum Teil bis heute) bei den jährlichen „Kriegerehrungen“ davon, dass die österreichischen Wehrmachtssoldaten für das Vaterland gefallen seien. Den „Helden“ gebühre Dank für die Tapferkeit und Opferbereitschaft bei der Verteidigung des Vaterlandes. Was unser Vaterland und dessen Verteidiger in der afrikanischen Wüste und der russischen Tundra verloren hatten, wurde da meist nicht hinterfragt.

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Und wenn die Frage nach der Verantwortung für die Verbrechen des NS-Regimes gestellt wurde, gaben und geben dieselben Leute zur Antwort, dass zwischen 1938 und 1945 kein österreichisches Vaterland bestanden hätte. Anton Pelinka bezeichnet diese Politik des „double speak“ als Charakteristikum der österreichischen Geschichtspolitik. Erst die Auseinandersetzung mit der Kriegsvergangenheit Kurt Waldheims 1986 und die Verdichtung des öffentlichen Interesses im Gedenkjahr 1988 hat die Legitimität der Opferthese entscheidend in Frage gestellt. Erst jetzt wurde Österreich mit seiner NS-Vergangenheit konfrontiert. Erstmals wurde die Frage nach der Rolle Österreichs beim Zustandekommen und Funktionieren des Nationalsozialismus gestellt. Erst mit der Bruchlinie 1986 wurde in der offiziellen Selbstdarstellung Österreichs nach und nach der Nationalsozialismus als Teil der eigenen Geschichte aufgenommen, die zumindest moralische Mitverantwortung für die Gewaltverbrechen anerkannt und etwa den politischen Opfern des NS-Regimes die gleiche offizielle Ehrung zuteil wie den gefallenen Wehrmachtssoldaten. Der Umgang mit dem antidemokratischen Erbe in Österreich bleibt eine spannende Herausforderung. Umso mehr, als der Zweiten Republik mit dem austrofaschistischen Ständestaat und dem Nationalsozialismus zwei Diktaturen vorangingen, von denen die erste aufgrund der Verstrickungen der Vorgängerorganisationen der heutigen Großparteien noch viel stärker tabuisiert ist. Die Auseinandersetzung damit ist wichtig, um dem Rechtsextremismus, der Angstmache, der Schwarzweißmalerei und dem gefährlichen Halbwissen den Nährboden zu entziehen. Nicht vorschnelle Schlüsse sind gefragt, sondern eine differenzierte Analyse. Diese Differenziertheit ist zwar anstrengend und gibt viele Rätsel auf, ist aber der Wahrheit immer noch näher als die Zuflucht zu billigen „Gut-böse-Schablonen“.

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Schwerpunkt Buchtipps

Andreas Ullmann, Buchhändler, Puchenau

Bücher zum Thema Rechtsradikalismus Das aktuelle Schwerpunkt-Thema ist ein heikles aber gut beschriebenes. Ich möchte euch einige Titel zum Thema Rechtsradikalismus empfehlen.

Das Buch gegen Nazis Rechtsextremismus – Was man wissen muss und wie man sich wehren kann von Holger Kulick und Toralf Staud (Hg.), 2. aktualisierte Auflage 2010, Verlag Kiepenheuer und Witsch, Euro 13,40 Erste Hilfe gegen Nazis – das Handbuch gegen R ec hts ex tr emi s mus. Eine neue Studie zeigt: Neonazis haben unter SchülerInnen immer mehr Zulauf. Rassismus und Fremdenhass nehmen zu in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Was tun gegen Nazis? Erste Hilfe bietet dieses Buch. Rechtsextremismus breitet sich aus, nicht nur unter Jugendlichen. Neonazis erkennt man längst nicht mehr an Springerstiefeln und Glatze. Ihre Anführer geben sich cool – sie locken mit Musik, Abenteuern und modischem Chic. Immer mehr Menschen fragen: Was tun? Welche Rezepte gibt es, um friedlich und kreativ gegen Rechtsextreme und Rassisten vorzugehen – sei es als Nachbar, im Sportverein, in der Schule oder am Arbeitsplatz? Und was ist Rechtsextremismus überhaupt? Soll man mit Nazis eigentlich diskutieren? Woran erkenne ich sie? Wie soll man auf Drohungen von Rechtsextremisten reagieren? Was tue ich, wenn meine beste Freundin plötzlich NPD wählt? Hilft ein Verbot der Partei? Und sind Sitz-Blockaden bei Neonazi-Demonstrationen eigentlich strafbar? Das Buch gegen Nazis vermittelt kompaktes Wissen und gibt praktische Tipps. Es stellt beispielhafte Initiativen vor und empfiehlt Ansprechpartner für Ratsuchende. Ein Anhang mit zahlreichen Fotos erklärt die Erkennungszeichen der Nazis von heute.

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Hintergründe zur geschichtlichen Entstehung und dem Weg bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Die Reihe K.L.A.R. (kurz, leicht, aktuell, real) bietet Lesehefte für 12- bis 16jährige und dazupassende Materialien für LehrerInnen und Ge-

Es enthält Vorworte von Thomas Krüger und Giovanni di Lorenzo sowie Beiträge von zahlreichen Fachautoren und ist ein Projekt der ZEIT und der Bundeszentrale für politische Bildung. Das Christentum gilt vielen Neonazis als Feind – nicht nur wegen der jüdischen Wurzeln. Die Kirchen verkörpern Werte, die strikt abgelehnt werden. Und in der Jugendarbeit ist sie oft die härteste Konkurenz. Zitat aus „Das Buch gegen Nazis“ Vervollständigen möchte ich die Bücherliste mit folgenden Titeln:

Der rechte Rand Extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft Heribert Schiedel, 2007, Edition Steinbauer, Euro 22,50 Dieses Buch beschreibt als österreichische Publikation sehr genau die politische Situation des rechten Lagers. Die Beobachtungen des Autors über einen langen Zeitraum verfolgen und beschreiben die Szene umfassend. In der Reihe Herder Spektrum erscheint die Serie „Wissen, was stimmt“. Hier ist 2009 von Volker Koop das Bändchen

Nationalsozialismus zum Preis von Euro 9,20 erschienen. Der Autor bietet einen knappen und übersichtlichen Einblick in die Zeit des Nationalsozialismus. In Form von grundsätzlichen Fragen und klaren Antworten erfährt der/die interessierte LeserIn

sprächsleiterInnen. Von Luisa Hartmann ist soeben der Titel

Na und, dann sind sie eben rechts! erschienen. 126 Seiten, Euro 5,20 Kristin wohnt zusammen mit ihren Stiefgeschwistern bei ihrer Mutter. Sie kümmert sich um die Kleinen und erledigt die ganze Hausarbeit, fühlt sich dafür aber kein bisschen respektiert. Zum Glück gibt es Carl, Kristins neuen Freund. Er versteht sie wirklich und gibt ihr endlich die Aufmerksamkeit, die sie sich immer gewünscht hat. Und auch in seinem Verein findet sie immer mehr Akzeptanz. Dass seine Freunde ziemlich rechts sind, will Kristin nur langsam einsehen. Und selbst wenn, deshalb ist Carl doch kein schlechter Mensch … Gerade bei Themen wie diesem gilt: Information und Argumentationshilfen sind wichtig und hilfreich, um die geschickt geflochtenen Ideenstränge zu widerlegen und Alternativen nennen zu können. Demokratie ist besser, weil du mitmachen kannst – Diktatur ist schlechter, weil du mitmachen musst. Zitat aus „Das Buch gegen Nazis“

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Waltraud Wührer, Autorin, Steyr

Schwerpunkt

Was ich rundum wahrnehme Wer mit offenen Augen und Ohren durch unser Land geht, dem kann nicht entgehen, dass Parolen immer salonfähiger werden, die einem friedlichen und gerechten sozialen Klima nicht wirklich förderlich sind.

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icht nur einmal ist es mir passiert, dass ich mit afrikanischen FreundInnen und deren Kindern auf der Straße unterwegs war und hinter unserem Rücken der Ruf erschallte: „Zurück nach Afrika“. Kürzlich in einem kleinen Beisl stürmt ein Mann herein: „Ich hasse alle Türken, dieses Gesindel gehört ausgerottet, das macht unsere Heimat kaputt, meine Kinder trauen sich nicht mehr auf die Straße.“ Im Bus reagieren sich angesichts einiger, sich vollkommen unauffällig verhaltender, dunkelhäutiger Jugendlicher ein paar Fahrgäste ab: „DIE sollen DA UNTEN bleiben, die passen nicht hierher.“ Oder einer Frau in meinem Bekanntenkreis entreißt es plötzlich den Satz: „Eine Mutter in Karenz kriegt in Österreich weniger Unterstützung als ein Asylant.“ Auf meine Frage, woher sie denn das so genau wisse, weiß sie dann allerdings auch keine Antwort und bricht verlegen das Gespräch ab. Ich vermute, sie hat zuviel dem Geist der Einheitszeitung zugesprochen, der ja konsequent seit Jahrzehnten die Köpfe und wohl auch die Herzen des österreichischen Staatsbürgers beeinflusst und den Leuten vorgibt, was sie zu denken haben. Und selbst Menschen, von denen ich es nicht vermutet hätte, die selber Auslandserfahrung haben und eine anspruchsvolle Stelle bekleiden, reden über ihr Unbehagen angesichts der „Ausländerflut“ und fürchten um die eigene Identität. Die billigsten, undifferenziertesten Behauptungen werden hervorgekramt, um ein fremden- und minderheitenfeindliches Klima zu schaffen, eine „Mir-san-mir-Mentalität“ greift um sich, die meiner Meinung nach schon von vornherein jede behutsame Annäherung, geschweige denn einen fruchtbaren Dialog im Keim erstickt.

Was ist mit diesem Land passiert, das doch früher seine Grenzen offenhielt und von den Einwanderern immer profitiert hat?

Sozialabbau und Umverteilung Soziale Beschneidungen in vorher selbstverständlich vorhanden gewesenen Bereichen: Behinderte, chronisch Kranke, Frauen (bevorzugt Alleinerziehende) und Kinder zuerst – das Erbe der Sozialdemokratie geht flöten, aber warum? Es wäre genug für alle da, vor allem für die oben genannten Bedürftigen! In mir tief drinnen keimt der Verdacht, dass sich, jenseits der schönen Worte und Lippenbekenntnisse der die materiellen Güter des österreichischen, demokratiegewillten(?) Staates verwaltenden und austeilenden Personen, ein Korruptions- und Selbstbereicherungsbezirk gebildet hat, der schon längst die Grundbedürfnisse der wirklich Armen kaltschnäuzig ignoriert bzw. (das ist der eigentliche Skandal) gar nicht mehr imstande ist, zu erkennen, wer jetzt eigentlich wirklich zu den wirklich Bedürftigen zählt. Mit deutlicheren Worten: Das ohne Zweifel vorhandene Sozialbudget kommt bei den tatsächlich Bedürftigen gar nicht mehr an, bzw., um es mit Martin Schenk zu sagen: 40 % der Sozialdringendstbedürftigen holen sich die für sie geschaffene und ihnen, UND NUR IHNEN zustehende Sozialhilfe gar nicht mehr ab!!! WAS IST DA PASSIERT?

Nahrung für rechte Umtriebe Mit einem kurzen einfachen Rechtsruck lassen sich solche Entwicklungen leider nicht erklären. Da steckt schon ein gewaltiges System dahinter: nämlich ein gewaltiger Sozialabbau in Österreich in den letzten Jahrzehnten, der den rechten Umtrieben Nahrung bietet und in den Menschen Ängste schürt, mit denen sie anscheinend nur auf die oben beschriebene Weise fertig werden und die sie in die Arme von falschen Heilsversprechern treiben.

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Wie gegensteuern? Bei meinem letzten Besuch in der Gedenkstätte Mauthausen erwarb ich drei Bücher, die zugleich anregend und verstörend waren. Sie beschrieben penibel die Entwicklung der rechten Strömungen in den letzten Jahrzehnten: „Aufbruch der Völkischen. Das braune Netzwerk“, „Die Ordnung, die sie meinen. >Neue Rechte< in Österreich“ und „Die ordentlichen Rechten: Die Aula, die Freiheitlichen und der Rechtsextremismus“. Alle drei erschienen im Picus-Verlag, herausgegeben von dem Tiroler Journalisten Wolfgang Purtscheller und dem an der Innsbrucker Universität lehrenden Politologen Reinhold Gärtner. Die Beiträge sind sorgfältig recherchiert ... eine umfassende Darstellung der braunen Szene und ihrer Vernetzung, ihrer Köpfe und Mitläufer, ihrer Publikationen und ihrer Traditionen. Um den unsäglichen Entwicklungen entgegenzusteuern, um gegen den Strom zu schwimmen, ist diese Lektüre sehr hilfreich. Sie listet Daten und Fakten auf und nennt die Personen, die hinter diesen grausigen Ideologien stecken. Letztendlich kommt es auf jeden und jede Einzelne an, im persönlichen Umfeld den Mut zu haben, zu widersprechen und der Wahrheitsfindung zu dienen, was natürlich auch mit Ängsten verbunden ist – zumindest mir geht es so, aber Haltung zu zeigen, ist wohl auch eine Sache der Übung. Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen. Zitat aus „Das Buch gegen Nazis“

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Schwerpunkt

Irene Huss, Betriebsseelsorgerin, Uttendorf

Gibt es eine Verrohung der Sprache und wie wirkt sich die Sprache auf unser Umfeld aus? Für mich ist Sprache ein ganz wichtiges Instrument. Mit Sprache kann ich ganz viel steuern – bewusst und unbewusst. Sprache schafft Wirklichkeit und Wirklichkeit schafft Sprache aber auch Sprachlosigkeit. Und auch Sprachlosigkeit schafft Wirklichkeit.

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in Auszug aus einem Protokoll1 fasst Wesentliches zusammen: „Mit unserer Sprache erschaffen wir die Welt, in der wir leben. Wofür wir keine Worte haben, das existiert für uns nicht. Verwenden wir – bewusst oder unbewusst – mit negativen Emotionen geladene Sprache, dann wird sich das negativ auf die bezeichneten Objekte bzw. Handlungen auswirken. Und umgekehrt! Wir verwenden Sprache weitgehend unbewusst, die Begriffe, die wir verwenden, fließen meistens aus uns heraus, ohne dass wir uns oft bewusst und überlegt für sie entscheiden. Aber Sprache ist kein Zufallsprodukt: Sie beruht auf gesellschaftlichen Werten und Normen, kulturellen Bildern und Lebensstilen sowie auf wirtschaftlichen Strukturen und Machtverhältnissen. Sprache ist ein mächtiges Ausdrucks- und Gestaltungsinstrument.“ Vor allem rechte PolitikerInnen wissen Sprache für negative Propaganda gut zu gebrauchen. Sie machen sich Angst und Unwissenheit der Menschen zunutze, gehen so auf Stimmenfang und verändern das Leben – meist von Minderheiten – negativ. Auf den ersten Blick verändern sie „nur“ das Leben von Minderheiten, wenn man genauer und länger hinschaut, verändert sich das Leben einer gesamten Gesellschaft negativ. Wie oben beschrieben: Negative Sprache wirkt sich negativ auf die bezeichneten Objekte bzw. Handlungen aus. Insofern sehe ich einen Zusammenhang zwischen der Veränderung der Sprache und einem Rechtsruck in der Gesellschaft.

Sprache prägt Jede/r ist also gefordert, mit den eigenen Worten sehr bewusst umzugehen. Ein Beispiel aus meinem Leben zeigt, wie man, ohne es eigentlich zu wollen, andere manipuliert, in verschiedenen Kategorien zu denken: Ich wurde immer wieder gefragt, wie es denn in Uttendorf (meiner

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Wohngemeinde) mit den Ausländern wäre und ob das nicht recht arg im Kindergarten sei. Meine fünfjährige Tochter hat von sich aus noch nie etwas von AusländerInnen erzählt. Ich fragte sie also, ob in ihrer Gruppe viele ausländische Kinder wären. Sie sah mich nur verständnislos an und wusste nicht, was ich meine. Denn: Für sie sind einfach alle Kinder. Sie denkt nicht in „inländisch“ und „ausländisch“. Ich habe mir geschworen, meiner Tochter nie wieder so eine Frage zu stellen, denn so manipuliere ich sie. Ich gebe vor, in zwei Kategorien zu denken und nehme ihr somit das Bild, dass Menschen einfach nur Menschen sind. (Tatsächlich sind in ihrer Gruppe mit 24 Kindern acht ausländischer Herkunft.) Dieses kleine Beispiel macht sehr deutlich, wie schnell wir unbewusst in Fallen tappen und auch mit scheinbar harmlosen Fragen oder Aussagen eine negative Botschaft weitertragen. In verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten werden unterschiedliche Sprachen und Ausdrucksformen verwendet. Jedes Berufsfeld und jede Zeit entwickelt eine eigene Sprache. Sprache verändert sich

ständig, mit ihr die Gesellschaft und umgekehrt. Ist unsere Sprache heute verroht? Das lässt sich für mich schwer mit einem klaren JA beantworten, denn es hat immer schon Gewalt in der Sprache (und eben leider nicht nur dort) gegeben. Befragt man Mägde oder Knechte, die vor etwa 55 Jahren bei Bauern gearbeitet haben, werden sie sagen, dass sie jetzt in einem goldenen Zeitalter leben. Es hat Zeiten gegeben, in denen vor allem im Schriftverkehr eine sehr verschnörkelte und verschönende Sprache verwendet wurde. Trotzdem waren diese Zeiten geprägt von Ausbeutung und Respektlosigkeit, vor allem gegenüber ärmeren Menschen. Gewalt in der Sprache hat es also immer schon gegeben und wird es immer geben, es verändert sich jedoch die „Zielgruppe“, die manipuliert wird. Ich denke, dass wir ständig gefordert sind, sehr bewusst mit unseren Worten und auch mit unserem Schweigen umzugehen. Sicher gibt es aber immer wieder (Krisen)Zeiten, in denen wir noch mehr aufpassen müssen. _______________________

1) Projekt „Zukunft Pflegen“ (ein grenzüberschreitendes Projekt der AK und der InnSalzachEuregio von 2008 bis Aug. 2010; www.zukunft-pflegen.info)

Filmtipp

Rechtsextremismus im Internet DVD EDUCATIV, 15 Min. DVD-Video, D

Dateien mit Neonazi-Musik aus dem Internet, Techno und HipHop im Dienst des Neonazismus. Verfassungsschützer sprechen von einer neuen Qualität der Aufbereitung und warnen vor der Okkupation von Jugendsubkulturen durch Neonazis. Die Filmemacher Barbara Kernbach und Rainer Fromm zeigen unter anderem, wie die entsprechenden Zielgruppenangebote an Jugendliche durch Lernangebote pseudodidaktischer Computerprogramme gestützt werden, die über amerikanische Anbieter abrufbar sind. Eine zweite Linie zielt auf die Verfälschung der Geschichte, die immer professioneller wird. Revisionisten haben vor allem Jugendliche im Visier, die das Internet als Informationsmedium nutzen. Michel Friedman, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Man merkt erstens, dass es mehr wird, und man merkt auch, dass es besser im Sinne der Propaganda-Wirkung wird. Es ist nicht flach, es ist nicht mehr dümmlich, es ist nicht mehr sofort erkennbar, was der Hintergrund der Absender ist. ... und wenn sie dann anfangen zu lesen, dann lesen sie letztendlich den Stürmer in modernster Version, das ist unerträglich.“ Erhältlich im Medienverleih der Diözese Linz, 0732/76 10-3883

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Markus Feichtinger, Organisationsreferent der Katholischen Jugend, Linz

Schwerpunkt

Warum orientieren sich Jugendliche „rechts“ oder „rechtsextrem“? Februar 2010: Zum wiederholten Male wird das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen geschändet. „Türk‘ und Jud‘, giftig‘s Blut“ steht auf den Außenmauern der Gedenkstätte. Nationalratswahl 2008: Die unter 30jährigen wählen Strache mit 33 % zum Wahlsieger der JungwählerInnen! Strache for Bundeskanzler! Öffentlich fremdenfeindliches Auftreten ist also in Österreich nicht nur „salonfähig“ geworden, sondern auch erwünscht! Aber warum ist das so?

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remdenfeindlichkeit kommt von Xenophobie, ein Wort aus dem Griechischen und bedeutet „Fremdenangst“ oder „Furcht vor dem Fremden“. Es geht also um Angst! Um Bedrohung! Um Scheue vor dem Unbekannten! Die Fremdenfeindlichkeit liegt in Österreich sehr hoch. Laut der umfangreichen Studie von Rathner (2001) sind in der österreichischen Bevölkerung 22 % stark und 26 % sehr stark fremdenfeindlich. Ein Viertel ist eindeutig nicht fremdenfeindlich, der Rest „neutral“. Kein schönes Bild von uns „freundlichen“ und „hilfsbereiten“ ÖsterreicherInnen! Xenophobie ist ein Grund, warum sich Jugendliche „rechten“ oder „rechtsextremen“ Gruppierungen und Organisationen anschließen. Was sind weitere Gründe?

Die für meine Diplomarbeit mit dem Titel „Jugendliche und Rechtsextremismus – Gesellschaftliche Hintergründe und Gegenstrategien“ befragten 18 ExpertInnen kommen zum Schluss, dass die betroffenen Jugendlichen aus allen sozialen Schichten kommen und die unterschiedlichsten Erziehungen genossen haben. Das heißt, der Grund für rechtsextreme Orientierung bei Jugendlichen kann nicht an einer bestimmten falschen Erziehung oder an der Familienzugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht festgemacht werden. Die ExpertInnen beobachten aber, dass viele Jugendliche davon betroffen sind, die aus zerrütteten Familienverhältnissen mit fehlender sozialer Wärme kommen. Sie haben etwas gemeinsam: Sie sind bedürftig nach Zuneigung, Anerkennung, Geborgenheit, Liebe, Schutz und Stärke. Darüber hinaus hängt rechtsextreme Orientierung mit den sozialen und individuellen Lebensumständen und Problemen der Jugendlichen zusammen.

Umbruchszeit Pubertät Insbesonders während der Pubertät sind die Jugendlichen für rechtsextreme Gruppierungen anfällig. Die Jugendlichen machen sich auf, sie suchen außerhalb der Familie ihre Peergruppe. In dieser Zeit der Unsicherheit in Bezug auf die eigene Geschlechterrolle fallen Kraft- und Gewaltideologien auf einen relativ fruchtbaren Boden. Man ist nicht mehr Kind, aber noch kein Erwachsener, orientierungslos, und begibt sich auf die Suche nach neuen Identifikationsfiguren. Die Peergruppe hilft den Jugendlichen, die Ängste in Bezug auf den eigenen Entwicklungsprozess ein Stück weit zu bannen. Bedürfnisse wie Geborgenheit, Schutz, Stärke, Identifikation, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Liebe und Akzeptanz können diese Gruppen oft befriedigen. Die Peergruppe wird zu einer Art Ersatzfamilie. Manche Jugendlichen finden ihre Peergruppe, ihre „Clique“ in der „rechten“ oder „rechtsextremen“ Szene. Alle ExpertInnen waren sich darüber einig, dass beim Eintritt in die rechtsextreme Szene für die große Mehrheit nicht die Zustimmung zur Ideologie im Vordergrund steht. Beim ersten Kontakt mit rechtsextremen Gruppierungen kennen die Jugendlichen diese Ideologie meist nur sehr wenig. Erst in der rechtsextremen Gruppe kommt es zur Aneignung der Ideologie. Es ist also nicht die politische Weltanschauung das dominierende Motiv der Jugendlichen, in rechtsextremen Kreisen zu verkehren, sondern die Faszination an Thrill und Action, sowie die soziale Beheimatung und die Steigerung des Selbstwertgefühls. Rechtsextreme Organisationen sprechen Jugendliche mit Freizeitaktivitäten und klassischer Jugendarbeit an. Sie veranstalten Partys, Veranstaltungen, Zeltlager,

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Volleyballturniere usw. Das wird im Alltag mit ganz üblichen Mitteln und Methoden umgesetzt. Sie spendieren Bier, man spielt gemeinsam Fußball, man hört gemeinsam Musik und die Ideologie wird Stück für Stück präsentiert und transportiert. Damit wird die Ideologie zu einem wichtigen Träger. Sie gibt den nötigen „Halt“ für die Einstellungsmomente. Im nationalsozialistischen Weltbild zum Beispiel bin ich automatisch besser und höhergestellt, weil ich „arisch“ bin. Zur Untermauerung, dass man „recht“ hat, braucht es dann noch Verallgemeinerungen, Klischees und Falschinformationen.

Prävention durch Beziehungsarbeit Eine (von vielen) ganz konkrete Möglichkeit, diesem Phänomen präventiv entgegenzuwirken, ist Beziehungsarbeit. Je mehr Jugendliche unsere Gesellschaft mit Beziehungsarbeit erreicht, desto weniger Jugendliche werden in extremistischen Kreisen (gleich welcher Couleur) landen. Mit Beziehungsarbeit meine ich eine Atmosphäre zu schaffen, in der Beziehungen mit und zwischen Jugendlichen entstehen können, in denen Jugendliche Zuneigung, Wertschätzung, Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Selbstvertrauen bekommen – also all dies, was ihnen zusteht und nach was sie sich sehnen. Buchtipp: Lindahl, Kent: EXIT – Ein Neonazi steigt aus. München: DTV 2001. Markus Feichtinger setzte sich im Rahmen seiner Diplomarbeit „Jugendliche und Rechtsextremismus – Gesellschaftliche Hintergründe und Gegenstrategien“ und in der Mitarbeit an einem Diversionsprojekt für rechtsextreme Jugendliche längere Zeit mit dem Thema Rechtsextremismus auseinander. Dabei hatte er nicht nur persönlichen Kontakt zu Jugendlichen in der rechten und rechtsextremen Szene, sondern führte auch Interviews mit ExpertInnen in diesem Bereich (SozialarbeiterInnen, StreetworkerInnen, BewährungshelferInnen, WissenschaftlerInnen, Angehörige von Justiz und Polizei, MitarbeiterInnen von Antirassistischen Organisationen) durch. Bei Interesse an der Diplomarbeit: markus.feichtinger@dioezese-linz.at

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Schwerpunkt

August Thalhamer, Theologe und Psychologe, Linz, www.thalhamer-haase.at

Blick in die Seele des Rechtradikalen Psychologische Anmerkungen In der Bundesrepublik sind Morde an MigrantInnen, an Obdachlosen, Schändungen jüdischer Einrichtungen, Skinhead-Konzerte mit Texten voller Menschenverachtung, Massenaufmärsche neofaschistischer Organisationen beinahe alltäglich geworden.

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n Österreich (noch?) nicht in diesem Ausmaß, aber doch in den Köpfen. Am Anfang war die Angst: Arbeitslosigkeit, Unsicherheit der Pensionen, Wirtschaftskrisen, Umweltkatastrophen etc. – es gibt viele gute Gründe, Angst zu haben. Die dafür Verantwortlichen sind aber schwer zu fassen, teils ist es das Schicksal, teils sitzen sie in den Chefetagen der Konzerne oder in den mit unglaublichen Summen ausgestatteten Lobbys, aber auch in den Redaktionen mancher Verblödungsblätter. Das fragwürdige Wirtschaftssystem ist für den einzelnen schwer durchschaubar. Da richtet man seine durch die Ängste ausgelöste Wut lieber auf konkret Fassbare wie Ausländer etc. Nationalismus (Wir sind die Edlen, die Besseren, nicht so ein Gesindel wie diese Schmarotzer.) und Rechtsextremismus (Da gehört eine starke Hand her. Unterm Hitler hätt’s das nichtgegeben.) helfen, leichter mit diesen Ängsten zurechtzukommen. Auch wenn Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt nicht nur ein Problem der Jugend sind, möchte ich im Folgenden vor allem auf Jugendliche eingehen.

Unterscheidung Rechtsextreme: * Rechtfertigung oder Verharmlosung des Nationalsozialismus * Weltbild, in dem das eigene Volk höherwertig ist * Gewaltbereitschaft Rechtsextreme Tendenz: * Nur einer oder zwei der drei Faktoren ist/sind vorhanden. * Innere Ambivalenz: Er sagt z. B.: „Ausländer raus!“, doch später unter dem Einfluss seiner Schulklasse: „Ich kann mich auch in einen Ausländer hineindenken, der attackiert wird. Ich finde das auch nicht gut.“ Bei einer Arbeit von Klaus Ottomeyer und seinem Team (einer Gruppe von Forschern, die zugleich therapeutische und pädago-

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gische Praktiker sind) mit österreichischen SchülerInnen (v. a. aus Kärnten) im Jahre 1998 kam heraus, dass ein Anteil von ca. 16 % der Schüler (fast ausschließlich Burschen) diesen beiden Gruppen zugerechnet werden kann. In den meisten kämpft ein rechtsradikaler gegen einen liberalen Seelenanteil. Das gilt sogar für Skinheads und Hooligans etc., die aus ihrer Ansicht über AusländerInnen und Gewalt keinen Hehl machen.

Was steckt dahinter? Früher wuchs eine rechtsextreme Einstellung meist auf dem Boden eines patriarchalen Familienmilieus, oft mit einer idealisierten Vaterfigur, was eine autoritär-zwanghafte Persönlichkeitsstruktur förderte. Heute haben Rechtsradikale oft eine offene Rechnung mit ihrem Vater. Sie sind beziehungshungrig und anfällig für agitatorische Verführung – zumal dahinter meist eine depressive Problematik steckt. Sie leiden unter dem Verlust von Halt und Selbstwert, der in der radikalen Gruppe gestärkt wird. Rechtsextremismus kann man psychologisch auch als Selbstheilungsversuch sehen, indem man Unsicherheit mit Aggression überspielt und so aushaltbar macht. Statt des in der Pubertät als unvollständig und minderwertig erlebten Körpers wird nun der Fremde abgewertet und verachtet. Das ist einfacher und angenehmer. Unsicherheit und eigene Angst wird immerhin kurzfristig aushaltbarer, wenn man sie anderen einjagt. Gewalt wirkt dabei wie eine Droge, die das männliche Selbstwertgefühl vorübergehend hebt, und verhindert, dass sich das eigene Gewissen meldet. Schuldgefühle vertreibt man zusätzlich, indem man erfindet, der andere hätte einen provoziert – woran man dann auch glaubt. So wird aus dem Täter ein Opfer und aus den Opfern werden Täter. Oft gibt es eine ambivalente psychische Verstrickung mit dem Vater oder Großvater, die oft aktive Nazis gewesen waren. So entwickelt man ein gnadenloses Über-Ich,

das keine Schwäche zulässt. Man muss also einiges tun, um die eigene Menschlichkeit und das Mitgefühl zurückzuhalten. Z. B. braucht man dazu die Vorstellung vom lebensunwerten Leben, von der minderwertigen Rasse ... Ungeziefer gehört eben vertilgt, da darf (und muss) man schon brutal sein! Interessanterweise fand die Forschergruppe um Klaus Ottomeyer für die Verhinderung des Mitgefühls auch eine Kultur des feindseligen und abwertenden Witzes bedeutsam. Im Prinzip spielt es keine Rolle, welche Gruppen man auswählt – sie fungieren wie ein Rohrschachtest auf zwei Beinen: Man kann alles in sie hineinprojizieren, v. a., was einen an einem selbst (bewusst oder unbewusst) stört. Unterstützt wird man dabei durch Kameradschafts- und Gedenk-Rituale in Bezug auf den 2. Weltkrieg mit deren Verherrlichung des Heldentodes, wodurch es möglich wird, dass die Verantwortung und die riesige Schuld, die auf unserem Volk lastet, abgewehrt und nicht wahrgenommen werden kann.

Was tun? Die Ängste der Bevölkerung, die rechte Populisten wie Seismographen aufzeigen, sollten ernst genommen werden. Statt dass Bürgerliche und sogar Sozialdemokraten – der Wählerstimmen wegen – den Rechten nachhecheln, wäre es richtig, öffentlich klar Stellung zu beziehen und entsprechende mutige politische Handlungen zu setzen, wie z. B. Kontakte mit Asylanten zu unterstützen, statt sie einzusperren, die Integration von Ausländern aktiv zu fördern etc. Die Koalition von Wolfgang Schüssel mit der FPÖ hat rechtsextremes Gedankengut wieder salonfähig gemacht – wie nie seit dem Ende der Hitler-Diktatur. Bis heute noch spürbar z. B. in den Positionen des Innenministeriums oder in der Besetzung des Nationalratspräsidiums. Was nützt es, wenn die Holocaust-Leugnung geächtet wird, aber die dahinter stehende Ideologie fröhliche Urstände feiern

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S F aktuell

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Nummer 232

Informationen des Solidaritätsfonds der KAB / KAJ der Diözese Linz www.mensch-arbeit.at

Spendenkonto: 644757 BLZ 54000

Solifonds unterstützt Wiederaufbau der KAB in Haiti Mit Hilfe einer internationalen Solidaritätskampagne der WBCA (Weltbewegung der Christlichen ArbeitnehmerInnen) soll die KAB (ACO) in Haiti wiederbelebt werden.

Bewegung. Die Bewegung in Haiti hatte wegen der sehr schwierigen politischen und wirtschaftlichen Si-

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tuation des Landes in den letzten Jahren große Schwierigkeiten. Ohne den hartnäckigen Willen einiger Ak-

ufgrund eines Aufrufes des Weltnotwerkes der deutschen KAB im letzten Zeitzeichen (Magazin der KAB Österreich) beriet das Kuratorium unseres Solidaritätsfonds über unsere Möglichkeit, den Wiederaufbau der ACO in Haiti zu unterstützen. Haiti ist das ärmste Land Amerikas. Es besteht dort eine „KAB“Liebe LeserInnen und UnterstützerInnen, während das Weltsozialforum im Jänner in Brasilien die radikale Abkehr von der Wachstumslogik fordert, genehmigt das Umweltministerium der brasilianischen Regierung im April dieses Jahres den Bau des drittgrößten Wasserkraftwerkes der Welt am Xingu. Während sich die Aktionäre der Antriz-AG über einen möglichen Großauftrag bei diesem Staudammprojekt freuen, unterstützt die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar den österreichischen Bischof Dom Erwin Kräutler in Brasilien, der gemeinsam mit den Indianern und vielen anderen Unterstützern diesen Bau verhindern will. An diesem Beispiel sehen wir ganz deutlich, dass sich der Kampf um die Sicherung eines „Guten Lebens für Alle“ längst über unseren gesamten Globus spannt und wir gefordert sind, uns weltweit zu vernetzen, um der zerstörerischen Wachstumslogik Einhalt zu gebieten. Weltweite Vernetzung braucht es aber genauso, um demokratische Strukturen besonders auch in den ärmsten Ländern der Erde zu stärken. Dies ist mit eines der Ziele der Solidaritätskampagne der WBCA (siehe nebenstehenden Artikel), wenn sie uns ersucht, den Wiederaufbau der ACO in Haiti zu unterstützen. Unsere Solidarität ist also immer wieder und in recht unterschiedlicher Weise gefordert. Nicht um „Österreich zuerst“ geht es, wie dies durch die Einsparungen bei den Entwicklungshilfegeldern der österreichischen Regierung den Anschein hat, sondern um „Gemeinsam für ein Gutes Leben für Alle!“ Karl Queteschiner

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tivisten wäre sie verschwunden. Sie hatten mit sehr wenig Mittel den Aufbau der Bewegung betrieben. Das gewaltige Erdbeben, das Port-au-Prince und die umliegenden Städte betroffen hat, hat auch die Bewegung sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Die WBCA ist gerade dabei, über die KAB der Dominikanischen Republik Kontakt zu den Überlebenden der KAB Haiti herzustellen. Das ACO-Sekretariat wurde komplett zerstört. Die Dateien, die Projekte, die Archive sind verschwunden. Trotz dieser enormen Probleme haben AktivistInnen aus Haiti den Mut und den Willen zu einem Neubeginn der ACO. Solidaritätsbekundungen aus verschiedenen Ländern der Erde ermutigten die WBCA, eine Solidaritätskampagne unter dem Titel „Unsere Hilfe für die ACO in Haiti“ zu starten. Die Unterstützung soll der Wiederbelebung der ACO dienen. Nach dem Erdbeben wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass soziale christliche Organisationen wie die ACO stark sind, um zu erreichen, dass die zivile Gesellschaft in den Wiederaufbauprozess miteinbezogen wird und das Geld aus den internationalen Spendenaktionen bei den am meisten Bedürftigen ankommt. Dazu braucht es die Bildung von Verantwortlichen der ACO, die Begleitung der Mitglieder in der Reflexion und den Aufbau von Basisgruppen. Die MTC (KAB) der Dominikanischen Republik hat sich bereit erklärt, dabei mitzuhelfen. Das Kuratorium des Solifonds hat beschlossen, den Wiederaufbau der ACO in Haiti mit 1.500,-- Euro zu unterstützen.

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Aus aktuellem Anlass übernehmen wir aus „zeitzeichen“, dem Magazin der KABÖ folgenden Artikel1:

Brasilien baut Mega-Stausee – das Projekt polarisiert auch in Österreich! Indigene in Brasilien leisten Widerstand – mit ihnen der Österreicher Bischof Erwin Kräutler.

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ie brasilianische Regierung will im Bundesstaat Pará das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt errichten. Das Großprojekt polarisiert auch in Österreich: Börsianer reagierten erfreut, weil sich der Andritz-Konzern einen Großauftrag erhofft. Bischof Kräutler unterstützt die Kraftwerksgegner und erhält Unterstützung aus Österreich.

„privilegiert, die die politische und wirtschaftliche Macht im Land besitzen“. Die angestrebte Entwicklung habe nicht soziale Gerechtigkeit zum Ziel: Neben vielen ökologischen und wirtschaftlichen Punkten kritisieren die Bischöfe außerdem, dass nicht die Armen profitieren würden, sondern dass der Großteil der produzierten Energie Industrieunternehmen, etwa der Aluminium-Herstellung, zugute kommen würde.

Andritz-Aktie stieg rasant Als die brasilianische Regierung verkündete, dass das umstrittene Projekt doch durchgezogen werden soll, war das für Brasilien-Solidaritätsgruppen in Österreich ein Schock. Auf der anderen Seite vermeldete das Wirtschaftsblatt, dass die Aktie des Grazer Technologiekonzerns Andritz dadurch an einem Tag „mehr als sechs Prozent zulegte und damit Top-Performer im Wiener Leitindex ATX“ wurde. Andritz ist sehr an einem Auftrag in Brasilien interessiert. Andritz-Chef Wolfgang Leitner darf sich zum engeren Favori-

Bischof Erwin Kräutler Damit ein 11-Giga-Watt-Kraftwerk entstehen kann, soll der Xingu-Fluss aufgestaut werden. Das Projekt wurde bereits früher aufgrund des Widerstands der am Xingu lebenden indigenen Bevölkerung gestoppt. Der aus Österreich stammende Dom Erwin Kräutler, Bischof der Prälatur Xingu und Präsident des Indianermissionsrats der brasilianischen Bischofskonferenz CIMI, stellt sich trotz ständiger Bedrohungen seiner Person auf die Seite der indigenen KraftwerksgegnerInnen. Der derzeitige Präsident Brasiliens, Lula da Silva, hatte sich mit seiner Arbeiterpartei vor seiner Wahl noch gegen das Projekt ausgesprochen. Im Präsidentenamt machte er es unter dem neuen Namen „Belo Monte“ zu einem der zen-

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tenkreis rechnen, weil es weltweit nur eine Handvoll Anbieter für Wasserkraftwerke gibt – und weil der Konzern in Brasilien schon so manchen Großauftrag an Land ziehen konnte, vor allem bei Zellstoff-Technologie, schreibt das Wirtschaftsblatt.

Gespräche in Österreich Ein Solidaritäts-Netzwerk rund um die Dreikönigsaktion will die Befürchtungen der brasilianischen Partner auch direkt mit der Andritz AG besprechen: „Wenn die brasilianische Regierung das Genehmigungsverfahren durchpeitscht und sich nicht die Zeit nimmt, die Negativeffekte von ‚Belo Monte’ ernsthaft zu analysieren sowie die betroffene Bevölkerung anzuhören, kann sich ein Unternehmen, das seine soziale und ökologische Verantwortung wahrnimmt, an diesem zweifelhaften Projekt sicher nicht beteiligen“, meint Herbert Wasserbauer von der Dreikönigsaktion.

tralen Projekte seines „Programms zur Beschleunigung des Wachstums“.

Weitere Infos: www.dka.at/Aktuelles/„Pandora in Amazonien“ Unterschriften gegen den Bau des Wasserkraftwerkes und für den Erhalt der Xingu unter: www.belomonte.org/petition

Die Bischöfe von Pará kritisieren das Projekt und das dahin-

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terliegende Entwicklungskonzept der Regierung, das jene

tion. Foto: Claudemir Monteiro, CIMI

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1) Aus „zeitzeichen“ Nr. 1/2010 S. 10 mit freundlicher Genehmigung der Zeitzeichen-Redak-

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Katholische Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit entsetzt über Einsparungspläne der österreichischen Bundesregierung1

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Budgeteinsparungen auf dem Rücken der Ärmsten öllig entgegen der Absichtserklärung im aktuellen Regierungsprogramm (siehe SF-aktuell August 2009) wurden Gelder für Entwicklungszusammenarbeit voriges Jahr ge-

kürzt und eine weitere Einsparung für 2010 angekündigt. „Es ist ein Schlag ins Gesicht für jene, die ohnehin nichts mehr haben und sich vor allem auch nicht wehren können“, so beschreibt Dietmar Schreiner, HORIZONT3000-Vorsitzender die Einsparungspläne der österreichischen Bundesregierung im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und äußert das Entsetzen im Namen der katholischen Trägerorganisationen von HORIZONT3000. Die bei Regierungsantritt verkündete Absichtserklärung war, die österreichischen Entwicklungshilfeleistungen bis zum Jahr 2010 auf 0,51 % des BIP (Bruttoinlandsprodukts) und bis 2015 auf 0,7 % zu steigern, entsprechend der schon 1970 eingegangenen internationalen Verpflichtung. Die Realität sieht aber ganz anders aus: 2007 betrug der österreichische Beitrag 0,50 %, 2008 0,42 % und 2009 ging er sogar auf 0,30 %

– „und das gerade bei den Bedürftigsten der Bedürftigen. Schließlich bedeutet jeder eingesparte Euro einen unmittelbaren Anstieg von Hunger und Armut in den ärmsten Regionen der Welt.“ „Gerade jetzt ist es notwendig, solidarisch zu handeln und eine humane Lösung für alle zu finden“, fordert HORIZONT3000 die Regierung auf, die gute Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in der Entwicklungszusammenarbeit nicht in Frage zu stellen: „Als reiches Land ist es einfach unsere Pflicht, unserer globalen Verantwortung gegenüber den Ärmsten der Armen gerecht zu werden.“ _______________________

1) Q.: APA-OTS vom 10.03.2010

zurück. Konkret wurden 378 Millionen Euro eingespart

Weltsozialforum fordert neues Wirtschaftssystem Das Konzept des „Guten Lebens“ soll an die Stelle der zerstörerischen Entwicklungslogik und Wachstumsfixierung treten.

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ährend heuer im Jänner in Davos (Schweiz) das Weltwirtschaftsforum mit Vertretern von Regierungen und Wirtschaft tagte, fand zur gleichen Zeit in Porto Alegre (Bra-

silien) zum zehnten Mal das Weltsozialforum, ebenfalls mit namhaften Vertretern aus vielen Ländern der Erde, statt. Auf beiden Veranstaltungen war die Weltwirtschaftskrise, ihre Folgen und mögliche Gegenmaßnahmen Hauptanknüpfungspunkt der Diskussion. Während man in Davos zwar schärfere Kontrollen der Finanzmärkte forderte, das System

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selbst aber nicht in Frage stellte, wurde in Porto Alegre ein neues Wirtschaftssystem gefordert. Trotz vieler kontroversieller Diskussionen hatte man beim Weltsozialforum gewisse gemeinsame Vorstellungen dieses neuen Wirtschaftssystems: Es sollte auf dem Konzept des „Guten Lebens“ basieren. Gutes Leben heißt nicht das Streben nach mehr Konsum, sondern nach Autonomie, Selbstbestimmung und Selbstentfaltung. Dazu gilt es auch, die Wachstumslogik radikal zu überwinden und zu einer Umverteilung des Zugangs zu den Gemeingütern zu kommen. Gutes Leben heißt auch „Teilen statt Wettbewerb“ und „Mittel zur Klimarettung statt für den Krieg“.

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Schwerpunkt

Reinhard Gratzer, KAB-Organisationsreferent, Gallneukirchen

Warum es Hassprediger leicht haben Warum ist es so einfach, die Menschen „auseinander zu dividieren“ und viel schwerer, zu solidarisieren? Diese Frage beschäftigt mich nun schon längere Zeit.

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n einem Seminar hörte ich vom „fundamentalen Attributionsfehler“ des menschlichen Gehirns. Klingt kompliziert, ist aber leicht erklärt. Übersetzt ist es schon vorstellbarer: grundsätzlicher Zuweisungsfehler – oder umgangssprachlich bezeichnet: die Sündenbocksuche. Diese „Gehirnprogrammierung“ stammt aus Urzeiten der Menschheit und hatte damals auch ihre Bedeutung. Wenn etwas schief ging, war die erste Frage: Wer ist daran schuld? Heute jedoch ist die Welt um ein Vielfaches komplexer. Neuere Konfliktforschungen haben ergeben, dass heute die „Schuld“ an einem Fehler oder Konflikt zu einem sehr hohen Anteil nicht an Personen, sondern an Systemen und Strukturen liegt. Natürlich sind Systeme und Strukturen großteils von Menschen gemacht und es ist zu einfach und falsch zu sagen „Da kann man nix machen“. Das sind die berühmten „Sachzwänge“, hinter denen sich so manches Interesse gut versteckt. Richtig ist, dass es eben nicht so einfach zu lösen ist. Falsch aber ist es, die Schuld vordergründig bei den unmittelbar betroffenen Menschen zu suchen. Wie schon der berühmte Satz, vermutlich aus dem alten Griechenland, besagt: „Der Überbringer der schlechten Botschaft wird geköpft.“ Zusammengefasst heißt das, dass die Frage „Wer ist schuld?“ fast immer die falsche (steinzeitliche) Frage ist. Die aktuellere Frage ist „Was ist schuld?“ Ist die alte „Gehirnprogrammierung“ einmal erkannt, wird die „Fehlersuche“ gleich viel entspannter.

Be-Nutzung Autoritäre Denkmuster nutzen den fundamentalen Attributionsfehler (un-)bewusst. Die FPÖ ist ein klassisches Beispiel dafür. Für komplexe Probleme – die es ja auch wirklich gibt – ist sofort ein „Sündenbock“ und manchmal auch eine scheinbar einfache Lösung zur Hand. Als Sündenböcke werden dann immer schwächere Gruppen identifiziert. Die Faulen, die Unanständigen, die Arbeitslosen, die Asylanten …

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Dazu sind mir zwei Dinge wichtig festzuhalten: Wer legt fest, ob jemand faul bzw. unanständig ist(?) und das Wort Asylant ist – zumindest in meiner Erinnerung – eine bewusst diffamierende Wortkreation aus dem Umfeld von Jörg Haider. Die richtigen, nicht abwertenden Bezeichnungen sind nach meiner Auffassung Asylsuchende oder Asyl(be)werberInnen. Das Wort „Asylant“ ist inzwischen unhinterfragt in den normalen Wortgebrauch eingedrungen. Eine wichtige Rolle dabei spielen meines Erachtens auch die Medien: Es gibt in Österreich derzeit ca. 26.000 asylsuchende Menschen. Das sind 3 Promille der Bevölkerung, oder vorstellbarer ausgedrückt auf 320 EinwohnerInnen kommt ein asylsuchender Mensch. Warum ist es so, dass diese kleine Anzahl von fast ausschließlich in Not geratenen Menschen in einem der reichsten Länder der Welt zum einen soviel Platz in den Medien „findet“ und zum anderen fast täglich kriminalisiert wird? Recht extreme Männlichkeit: Wenn junge Männer in rechtsextreme Gruppen einsteigen, sehen Psychologen das unter anderem als Versuch, dort klare Ordnung und Autorität zu finden, die ihnen in der modernen Gesellschaft fehlen. Im Ausländerhass schwingt auch die Angst sexuell Frustrierter mit, sie könnten einheimische Frauen an potentere Männer aus der Fremde verlieren. Zitat aus „Das Buch gegen Nazis“ Ein weiteres Beispiel, wie die Medien die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen: Als der Skandal um die Hypo-Alpe-AdriaBank, mehr oder weniger offensichtlich maßgeblich von Jörg Haider und seiner damaligen Partei (wie immer sie gerade geheißen hat) verursacht, öffentlich wurde, war das Thema in der wichtigsten Diskussionssendung des ORF (der von meinen/unseren Steuergeldern und Gebühren bezahlt wird) „Wohin geht das 3.

Lager?“ Allen braunen (in der Farbenlehre ergibt blau und orange einen hässlichen Braunton) „Spitzenfunktionären“ wurde vom ORF eine Bühne geboten.

Wie aber geht solidarisieren? Solidarisieren ist vor allem in Zeiten, in denen es für viele Menschen zunehmend anstrengender wird, das „normale Leben“ zu organisieren, wesentlich schwerer als die einfache und medienwirksame Sündenbocksuche, also der Rückgriff auf im Stammhirn gespeicherte Automatismen. Der Druck auf ArbeitnehmerInnen (ganz zu schweigen von arbeitsuchenden Menschen) steigt seit Jahren stetig an. Eine aktuelle Untersuchung der Arbeiterkammer hat ergeben, dass jede zweite Arbeitnehmerin/jeder zweite Arbeitnehmer unter starker psychischer Belastung leidet. Es bleibt kaum Energie, sich über die eigene Lebensbewältigung hinaus für einander zu interessieren. Ich glaube, wir sollten uns viel mehr um unsere eigenen Sehnsüchte kümmern und diese auch unseren Mitmenschen zugestehen, als auf das Geschwafel von wegen „Leistung, Wettbewerb, Kostenwahrheit, Freiheit (für wen oder was?), Konkurrenzfähigkeit …“ zu hören. Ich glaube, dass die Frage „Welche Werte wünsche ich mir wirklich?“ oder „Wonach sehne ich mich wirklich?“ viel wichtiger ist. Will ich „besser“ sein als andere (Konkurrenz, auseinander dividieren) oder will ich gemeinsam gut leben (Kooperation, solidarisch)? Dann gilt es noch zu überlegen, wie ich das in für mich machbare Schritte umsetze. Wenn Neonazis berichten, wie sie in die Szene gerutscht sind, spielt Musik auffallend oft eine herausragende Rolle. Ob Rock, Hardcore, Hip-Hop oder Liedermacher – fast jeden Musikstil gibt es mittlerweile auch als rechtsextreme Variante. Zitat aus „Das Buch gegen Nazis“

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Schwerpunkt

Christian Schörkhuber, GF der Volkshilfe Flüchtlings- & MigrantInnenbetreuung und Vorstandsmitglied Land der Menschen, Linz

Aufeinander zugehen Fremdenfeindliche und rechtspolitische Entwicklungen haben zugenommen. Es ist Zeit, dagegen anzukämpfen.

Konkret seien hier drei Projekte von „Land der Menschen“ herausgegriffen:

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OÖN-Serie – Mein Nachbar, der Migrant Gemeinsam mit den OÖ Nachrichten werden in diesen Wochen jeweils in der Samstagsausgabe zehn Beispiele für gelungene Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in OÖ aus Sicht des/r Migranten/in und eines/r Nachbarn/in oder Arbeitskollegen/in präsentiert.

ebruar 2010 in einer Gemeinde in Oberösterreich: Um 5.00 Uhr früh dringen Polizisten in eine Flüchtlingsunterkunft ein. Was wie eine Suche nach einem Schwerverbrecher aussieht, ist eine „normale“ Abschiebeaktion einer Asylwerberfamilie. Die Eltern und ihre kleinen Kinder werden brutal aus ihrem Schlaf gerissen und abtransportiert. Sie haben keine Zeit sich von ihren FreundInnen zu verabschieden, sie dürfen nur das Allerwenigste einpacken. Die Kinder haben keine Gelegenheit, ihren MitschülerInnen auf Wiedersehen zu sagen. Am späten Vormittag wird sich die Lehrerin an die Volkshilfe wenden, um anzufragen, warum die Kinder nicht zur Schule gekommen sind – um diese Zeit befinden sie sich schon im Flugzeug zurück in ihr alte Heimat, von der sie geflohen sind. Die Kinder weinen, die Eltern zittern voller Angst vor der Zukunft. Mit 1. Jänner 2010 trat das neue Asyl- und Fremdenrecht in Kraft. Trotz vernichtender Kritik wurde es mit breiter Mehrheit im Parlament beschlossen. Leichtere Abschiebungen durch Reduzierung der Rechte, Ausweitung der Schubhaft, Missachtung der Kinderrechtskonvention, u. v. m. wurde in den Stellungnahmen zu den neuen Gesetzen kritisiert. „Diese Aspekte stellen aus Sicht von UNHCR (UN-Flüchtlingshochkommissariat) einen ungerechtfertigten Eingriff in menschenrechtliche und verfahrensrechtliche Standards von Asylsuchenden dar“ oder „Die Verhängung obligatorischer Schubhaft ist mit Grundwerten der Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte unvereinbar“ (Öst. Rechtsanwaltskammertag) urteilten zwei angesehene Institutionen. Leider umsonst.

Wir leben in einer Welt „An der Schwelle zum 21. Jahrhundert ist klar: Wollen demokratische Politikformen überleben, dann wird Demokratie neu konzipiert werden müssen.“ So ist im Vorwort zum Buch „Demokratie und das

Fremde“, Hrsg. Erna Appelt, zu lesen. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir in EINER Welt leben. Nicht Abschottung nach außen, Abschiebung der Fremden, sondern intelligente und multiple Grenzziehungen, die im Dienste der ökonomischen Entwicklung, der politischen Selbstbestimmung der Menschen stehen, werden zu entwickeln sein, so zusammengefasst die Kernthesen des Buches. 10 Jahre sind seit dem Erscheinen des Buches vergangen. Die Welt hat sich verändert – leider nicht unbedingt zum Besseren, wie das Beispiel zu Beginn des Artikels zeigt. Vorurteile gegen die „Fremden“ sind an der Tagesordnung. Salonfähig gemacht auch von PolitikerInnen der beiden Regierungsparteien. „Wir müssen die Gemäßigten stärken, damit wir die Fundamentalisten, die im Vormarsch sind, im Zaum halten und aus Österreich eliminieren.“ „Ich will nicht mit meinen Abgaben Familienbeihilfe für Jugendliche zahlen, die nichts tun, außer einbrechen zu gehen“, so die für Integration zuständige Ministerin anlässlich der Verleihung des Sicherheitspreises in der Raiffeisenlandesbank. Solche Aussagen verstärken fremdenfeindliche und rechtspolitische Entwicklungen, wie auch die österreichische Wertestudie vom Jahr 2009 bestätigt. So hat das Vertrauen in österreichische Institutionen massiv abgenommen. Nur noch 13 % haben Vertrauen in die politischen Parteien, 19 % gaben zur Antwort, die Demokratie ist nicht gut, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. 21 % meinen, man sollte einen starken Führer haben, der sich nicht um ein Parlament und um Wahlen kümmern muss.

Argumentationshilfen gegen Stammtischparolen Das Pixi-Büchlein „Da mach‘ ich nicht mit! ... Argumente gegen „rechte“ Sprüche ...“ von „Land der Menschen“ kann heruntergeladen oder in gedruckter Form kostenlos bestellt werden. „Land der Menschen“ will damit Vorurteile gegenüber sogenannten AusländerInnen, Asylsuchenden oder wie auch immer angebliche „Fremde“ im Volksmund genannt werden, abbauen.

Es ist Zeit dagegen anzukämpfen. Ein Verein, der sich für Aufklärung stark macht und gegen Vorurteile ankämpft, ist der Verein „Land der Menschen“. Aufeinander zugehen – so lautet das Motto des nunmehr 10-jährigen Vereins. Ein Motto, das notwendiger denn je ist!

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Projekt Xchange: Botschafter in den Schulen projektXchange will in punkto Migration, Integration, „Ausländern“ andere, spannende Zugänge eröffnen: Durch persönliches Kennenlernen des jeweils anderen, „Fremden“, wollen wir mithelfen, Vorurteile, Ängste und Konflikte abzubauen und stattdessen gegenseitiges Verständnis, Miteinander und Austausch zu unterstützen. projektXchange bietet LehrerInnen und SchülerInnen eine Teilnahme auf drei Ebenen an. Mehr dazu unter: www.projektxchange.at

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KA-Kolumne Schwerpunkt

Bernhard Rudinger, KA-Generalsekretär OÖ, Wartberg/Aist

Widerstand gegen Rechtsextremismus ist Christenpflicht Fremdenfeindlichkeit und Rassismus werden in Österreich in zunehmendem Maße öffentlich zur Schau getragen. Einerseits nehmen rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten und Neonazi-Schmieraktionen zu, andererseits drohen unter dem Deckmäntelchen der Meinungsvielfalt diskriminierende rechte Parolen schleichend salonfähig zu werden.

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usgrenzung, Aufhetzung und Angstmache in der politischen Auseinandersetzung wirken sich in unserem Land immer stärker auf die Umgangskultur und das soziale Miteinander aus.

wird. Aus christlicher Überzeugung handeln bedeutet in diesem Falle, gegen die oft in neuem Gewand auftretende nationalsozialistische und rassistische Gedankenwelt klar Position zu beziehen.

Die Katholische Aktion Oberösterreich sieht ein Gebot der Stunde und eine „Christenpflicht“ darin, entschiedenen Widerstand gegen menschenverachtende Propaganda und demokratiefeindliche Strömungen zu leisten. Selbstverständlich ist politische Pluralität legitim und wichtig, sie stößt aber dort an eine absolute Grenze, wo die Menschenwürde verletzt und die Gleichheit der Menschen in Frage gestellt

Das war auch der Grund, warum die KA und ihre Gliederungen im Vorjahr den „Lichterzug gegen Rechts“ unterstützt haben. Die diözesanen Vorsitzenden von kfb und KMB haben dazu folgende Statements abgegeben:

Bericht

Erika Kirchweger, Vorsitzende der kfb: „Aufhetzung und Angstmache, wie sie von einigen Gruppen unserer Gesellschaft

praktiziert werden, sind für die Katholische Frauenbewegung in OÖ nicht der richtige Weg zur Bewältigung von Zukunftsängsten. Wir lehnen politische und gesellschaftliche Strömungen, die die Menschenrechte missachten und demokratiefeindliche Ansichten verbreiten, entschieden ab.“ Dr. Franz Gütlbauer, Diözesanobmann KMB: „Die Katholische Männerbewegung wendet sich entschieden gegen jegliche ausländerfeindliche Tendenzen in unserer Gesellschaft, insbesonders gegen menschenverachtende Parolen in Wahlkämpfen und hetzerische Aufmärsche von rechten Gruppierungen. Wir setzen uns ein für einen respektvollen Umgang mit allen Menschen, ganz speziell mit denen, die unseren Schutz brauchen – und das sind sehr oft MigrantInnen, Asylsuchende und Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen.“

Fritz Käferböck-Stelzer, Betriebsseelsorger, Enns

Flaschenpost – lebendiges Denkmal im Vorübergehen „Das Vergessen des Bösen ist die Erlaubnis zu seiner Wiederholung ...“ Erinnern vermittelt zwischen Vergangenem und Zukünftigem. Erinnern bedeutet wachhalten, am Leben halten, einmahnen.

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eim diesjährigen Gedenken an die Todesmärsche der ungarischen Jüdinnen und Juden, die im April 1945 vom KZ Mauthausen nach Gunskirchen führten, wurde an der Kremsbrücke in Ansfelden mit einem lebendigen Denkmal der Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft inszeniert. Unter dem Titel „Flaschenpost“ wurden beim Gedenken Texte und Gedichte gelesen und diese Botschaften in Flaschen an bunten Stoffbändern von der Krems-

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brücke in die Krems gehängt. Gedenken im Vorübergehen ist die Idee dahinter. In den nächsten Wochen sollen diese Texte und Gedanken berühren und anrühren, zum Nachdenken bewegen. Vorbeigehende sollen die Flaschen hochziehen, die Botschaften lesen und die Flaschen dann wieder in die Krems zurückwerfen. Mit dem lebendigen Denkmal soll der Ermordeten der Todesmärsche gedacht und erinnert werden, dass solche Unmenschlichkeit nicht wieder passieren darf.

„Zu den Steinen hat einer gesagt: Seid menschlich! Die Steine haben gesagt: Dafür sind wir noch nicht hart genug!“ In Anlehnung an diesen Spruch Erich Frieds gilt es Unrecht anzuklagen, unsere Menschlichkeit zu entwickeln und für eine solidarische, menschliche Welt einzustehen. Flaschenpost will ein Mosaikstein auf diesem Weg sein. Flaschenpost wurde initiiert von der Plattform „Wider das Vergessen“, ein Personenkomitee von antifaschistisch eingestellten Menschen aus dem Raum Haid-Ansfelden.

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Reinhard Gratzer, KAB-Organisationsreferent, Gallneukirchen

Schwerpunkt Bericht

Rechtsextremismus in Österreich „Rechtsextremismus und Wirtschaftskrise“ war das Thema des 93. Sozial-Stammtisches am 17. März 2010.

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r. Robert Eiter, Vorsitzender der Welser Initiative gegen Faschismus (Antifa) und Sprecher des OÖ. Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus, informierte über den Rechtsextremismus und seine Ideologie (siehe unten). Sein Referat enthielt einen aufschlussreichen historischen Exkurs, vermittelte aber auch sehr aktuelle Erkenntnisse.

Rechtsextremismus ist kein Randthema Das wird durch die große Zahl jener rechtsextremen Umtriebe und Delikte, die allein in Oberösterreich während der letzten Monate zu verzeichnen waren, deutlich. Es geht nicht nur um ein paar „dumme Jugendliche“ oder „verbohrte Alte“, wie das Thema oft bagatellisiert wird. Laut einer aktuellen Studie können sich 10 Prozent der Bevölkerung vorstellen, eine Partei rechts der FPÖ zu wählen. Einer weiteren Studie zufolge stellen 20 Prozent der Bevölkerung die Demokratie in Frage. Der Druck und die psychischen Belastungen, unter denen immer mehr Menschen leiden, werden durch die Wirtschaftskrise weiter verschärft. Das erhöht die Bereitschaft vieler Betroffenen enorm, Sündenböcke und „einfache Lösungen“ zu suchen.

FPÖ ist Hauptkraft des Rechtsextremismus in Österreich

die Linkspartei einen wesentlichen Grund dar, warum die dortigen rechtsextremen Parteien zumindest auf Bundesebene chancenlos sind.

Neoliberalismus und Rechtsextremismus sind nicht identisch Sie weisen aber bedeutende Überschneidungen auf und begünstigen sich gegenseitig. Dadurch ergeben sich demokratiegefährdende Rahmenbedingungen, die jedoch nicht zwangsläufig über die konkrete politische Entwicklung entscheiden. Diese wird noch von anderen wichtigen Faktoren geprägt, vor allem von den demokratischen Parteien und den zivilgesellschaftlichen OrDr. Robert Eiter ganisationen. Wichtige Forderungen an die demokratischen Parteien und die Gewerkschaften: • Bewusster Antifaschismus und Antirassismus – weg vom „schlampigen Umgang mit dem Rechtsextremismus“, klare Abgrenzung von der rechtsextremen FPÖ. • Keine rechtsextremen Ideologieelemente übernehmen (Beispiel Fekter,

Dies wurde vom Referenten durch viele Beispiele belegt. Er betonte aber, dass FPÖWählerInnen deshalb nicht automatisch rechtsextrem seien. Der relativ hohe Stimmenanteil der FPÖ kommt auch daher, dass es in Österreich für ProtestwählerInnen keine ansprechende Alternative gibt. In Deutschland stellt

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Niessl …), denn das ist mittelfristig nur Wasser auf den Mühlen der Rechtsextremen. • Interessenpolitik der ArbeiterInnenbewegung klar und kantig gestalten und dabei die Betroffenen aktivieren (weg von der „StellvertreterInnenpolitik“). • Die gemeinsamen Interessen von inund ausländischen Beschäftigten hervorheben und erlebbar machen. Rechtsextrem oder rassistisch auffällige Beobachtungen sollten gemeldet werden an: ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismusarbeit unter office@zara.or.at bzw. 01/929 13 99 oder an DÖW – Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, office@doew.at bzw. 01/22 89 469 – 319

Ideologie des Rechtsextremismus (idealtypisch, Robert Eiter) Nationalismus: Volk als „natürlicher“ Organismus „Volksgemeinschaft“: „natürliche“ und „harmonische“ Hierarchie Nationales Geschichtsbild: Geschichte als Abfolge völkischer Konflikte Rassismus und Minderheitenfeindlichkeit: Ausgrenzung „Andersartiger“ und Andersdenkender aus der „Volksgemeinschaft“ Antiliberalismus (im politischen Sinn): Ablehnung der Menschenrechte und der parlamentarischen Demokratie Antisozialismus: Zerschlagung der ArbeiterInnenbewegung, aller Arbeiterparteien und Gewerkschaften, letztlich auch des Sozialstaates Autoritarismus und Führerprinzip: starker Mann, starker (repressiver) Staat, „einfache Lösungen“ (Schwarz-Weiß-Sicht) Sozialdemagogie: in der Propaganda für den „kleinen Mann“, praktisch für das Kapital Autoritär-aggressive Denk- und Verhaltensmuster: Unterordnung, Anpassung, Kritiklosigkeit, latente Gewaltbereitschaft nach außen

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Schwerpunkt Bericht

30. April – Tag der Arbeitslosen Arbeitslosigkeit ist heute keine Ausnahmeerscheinung – jeder und jede kennt Menschen aus seinem/ ihrem Familien- und Bekanntenkreis, die arbeitslos waren oder sind.

im Rahmen einer Performance aufgebaut, mit einer Einladung zur Stellungnahme, Musik und einem Imbiss endete die Aktion.

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Auch das jährliche Josefifest im Treffpunkt mensch & arbeit Braunau am 30. April thematisierte Arbeitslosigkeit. Ein Quiz mit Fragen zum Thema Arbeitslosigkeit rief die Thematik ins Bewusstsein und vermittelte ein Gefühl dafür, in welchem Ausmaß der Bezirk durch die Wirtschaftskrise von Arbeitslosigkeit betroffen ist. Elisabeth Zarzer

ie Zahl der Menschen, für die bereits jeder Tag ein Tag der Arbeitslosigkeit ist, nimmt ständig zu. Mit diesem hohen Ausmaß an struktureller Arbeitslosigkeit dürfen wir uns nicht abfinden, denn Arbeitslosigkeit ist die Schnellstraße in Richtung Armut. Die Aktionsgemeinschaft zum Tag der Arbeitslosen am Linzer Taubenmarkt forderte daher ein „Fair-Teilen“: • Erhöhung von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe • Mindestsicherung, die zum Leben reicht • faire Verteilung der vorhandenen bezahlten Arbeit • gleiches Geld für gleiche Leistung • Mindesteinkommen von 1.300,-- Euro • Steuergerechtigkeit bei Arbeit und Vermögen Mit verschiedenen Aktionen wurde auch regional auf die Lebenssituationen von Arbeitslosen aufmerksam gemacht:

Falle „Armut“ am Taubenmarkt in Traun zu einem senfrühstück ein. es neben Kaffee chen Zeit für GeKontakte und In-

So lud etwa am 30. April 2010 vormittags der Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf in Kooperation mit streetwork, Integrationsbüro Ansfelden und mosaik Traun vor dem AMS ArbeitsloDabei gab und Kuspräche, formation.

Ähnlich gestaltete der Treffpunkt mensch & arbeit Wels seine Aktion. Als Aktion in Rohrbach Zeichen der Fairness und der Solidarität mit arbeitslosen Menschen wurde vor dem AMS in Wels zum Frühstück eingeladen. In Rohrbach veranstaltete der Treffpunkt einen Informations- und Solidaritätsgang zu verschiedenen Arbeitsloseneinrichtungen unter dem Titel „Wege zur Arbeit – Gehe mit!“ Ziel der Aktion war die Ermutigung von Arbeitslosen und ein solidarisches Eintreten für die Hilfseinrichtungen. An zehn Stationen gab es „Aufbausteine“ (= aufbauende Texte und Geschichten), die in Scheibtruhen mitgeführt wurden. Am Ende des Rundgangs wurden sie

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P.b.b. ZLNR: GZ02Z031831M; Erscheinungsort Linz; VPA: 4020 Linz

Termine

www.mensch-arbeit.at

Treffpunkt mensch & arbeit Vöcklabruck

07672/22 036 mensch-arbeit.voecklabruck@dioezese-linz.at Lange Nacht der Kirchen

attac und MIRA, Evangelische Kirche Vbk. Fr., 28.05.2010, 20.00 Uhr

Frauenausflug Hallstadt

So., 30.05.2010, Treffpunkt 8.00 Uhr Attnang

Meditation

Di., 01.06.2010, 18.00 Uhr

Mit Leib und Seele singen

Mi., 08.06.2010, 19.30 Uhr, Mutterhaus

fair.gehen – Marsch für Gerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt Treffpunkt Industriestraße bei der Volkshilfe/ pro mente, Vöcklabruck Fr., 18.06.2010, 17.00 Uhr

Ausflug für Frauen aus aller Welt – Bad Ischl So., 20.06.2010

Treffpunkt mensch & arbeit Steyr Tel. 07252/75 929

mensch-arbeit.steyr@dioezese-linz.at

Zukunft der Arbeit

Vortrag mit Mag. Hans Holzinger im Museum Arbeitswelt Do., 17.06.2010,

Sommerabschlusswanderung

an der Steyr nach Unterhimmel zum Café „Drahtzug“, Treffpunkt Museumsparkplatz Fr., 25.06.2010, 17.00 Uhr

Treffpunkt Pflegepersonal

0732/79 75 04 mensch-arbeit.pflegepersonal@dioezese-linz.at Metamorphische Methode und Kinesiologie im Pflegebereich Mi., 19.05.2010, 9.00–17.00 Uhr

Mobbing und Burnout – gibt es bei uns nicht!? Ein Seminar für Führungskräfte Do., 20.05.2010, 16.00–21.00 Uhr

Leben mit innerer Zustimmung – Grundbedingungen für ein erfülltes Leben Mi., 16.06.2010, 9.00–17.00 Uhr

Sommerfest

Mi., 07.07.2010, Beginn 19.30 Uhr

KAB & Betriebsseelsorge OÖ 0732/76 10/3631 mensch-arbeit@dioezese-linz.at Kultur – Sozial-Stammtisch

„Du kannst mich haben – (aber nicht) um jeden Preis!“ Musikkabarett mit Christina Scherrer in Linz-Mitte Do., 17.06.2010, 19.00 Uhr

KAB-Frauenwochenende Solidarisch sein – von Frau zu Frau Bildungshaus Bad Dachsberg Sa., 03.07, 9.30 Uhr bis So., 04.07.2010, 12.00 Uhr

Exerzitien 2010

Brunnbachschule in Großraming Mo., 12.07. bis Fr., 16.07. 2009 Nußdorf am Attersee Mo., 02.08. bis Fr., 06.08.2009

Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf Tel. 07229/88 015

mensch-arbeit.nettingsdorf@dioezese-linz.at

BIBELABEND –

Die Bibel ins Leben geholt ... Di., 25.05.2010 und 29.06.2010, 19.00 Uhr

Mutter-Kind-Frückstück

Mi., 02.06.2010, 9.00–11.00 Uhr

Arbeitslosenfrühstück

Ort: Streetwork Traun, Neubauerstraße 9, Beratung und Tipps, Austausch, Mo., 07.06.2010, 9.00–11.00 Uhr

Impro-Theater-Treff

Di., 08.06.2010, 19.00–21.00 Uhr

Treffpunkt „Plaudertasche“

Bergtage Rottenmann Hütte Mo., 26.07. bis Mi., 28.07.2010

Begleitung Ilse Lorenz, Treffpunkt für Interessierte an Literatur, Philosophie ... Fr., 11.06.2010, 19.00 Uhr

Familienurlaubswoche Grundlsee

Lesekreis

Sa., 07.08. bis Sa., 14.08.2009

Familien-Reflexions- & Urlaubswoche Deutschlandsberg So., 08.08. bis Sa., 14.08.2009

Bergmesse – Richtbergtaferl bei Pinsdorf So., 19.09.2010

Herbstreise der KAB OÖ nach Pécs in Ungarn

Mo., 27.09. bis Do., 30.09.2010

Treffpunkt mensch & arbeit Linz-Mitte

0732/65 43 98 mensch-arbeit.linzmitte@dioezese-linz.at Seminar Migration in Österreich verstehen.komm.at 2. Teil, Gesetzliche Lage Di., 18.05.2010, 18.00 Uhr 3. Teil, Kultur-Identität-StereotypenVorurteile-Wahrnehmungen Di. 25.05.2010, 18.00 Uhr

Sparvereinseinzahlung Mi, 02.06.2010, 19.00 Uhr

„Solidarische Ökonomie – solidarisch Leben“ Mo., 14.06.2010, 17.00–19.30 Uhr

Treffpunkt Sommerfest

Fr., 25.06.2010, ab 17.00 Uhr

Treffpunkt mensch & arbeit Standort voestalpine

0732/30 71 29 mensch-arbeit.voest@dioezese-linz.at Männerwanderung Nordwaldkammweg Fr., 14.05. bis Sa., 15.05.2010

Benefizkonzert für Neubau Carmina Burana voestalpine Chor Linz, CV Liederkranz Böhlerwerk, Kienzlchor Waizenkirchen Kirche St. Michael, Linz-Bindermichl Fr., 11.06.2010, 19.00 Uhr Frauenausflug Sa., 26.06.2010

Erlebniswoche Gerlos

So., 04.07. bis Fr., 09.07.2010 Unser Treffpunkt ist von Mo., 02.08. bis Di., 31.08.2010 geschlossen!

Gottesdienst im Treffpunkt Sa., 12.06.2010, 18.00 Uhr

Sparvereinsausflug So., 13.06.2010

Multi Kulti – Frauenfest Fr., 18.06.2010

Sommerfest

Fr., 25.06.2010

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