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G Donnerstag der VIERundzwanztigste November

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NUMMER EINS

Autoren: Göran Halit und Luisa Meyn - Fotograf: Frederik Bozada (Archiv 2010)

The Gorleben Project - Die Geschichte Es ist spät und es brennt noch Licht in der Scheune Nr. 12. Rote Wärmelampen leuchten über dem Stroh auf dem sich Isomatten und allerlei Gepäck stapeln.

Hier schlafen vorübergehend junge Journalisten der FH-Hannover, der Jungen Presse Niedersachen (JPN) und freie Journalisten. Diese haben sich ein vermeintlich provisorisches Presse-Camp eingerichtet. The gorleben project nennt sich die junge Organisation, die pünktlich zum CastorTransport angereist ist.

Vor einem Jahr trafen sich einige Jungjournalisten zufällig in Siggi‘s Scheune. Sympathie und einen gemeinsames Ziel heizte Ihnen ein und führte sie trotz klirrender Kälte zu einem angenehmen Arbeitsklima. Anfangs waren es 13 Journalisten: eine überschaubare Einheit mit gemeinsamer Ideologie: Ein Gegenpol zu den

Mainstream-Tageszeitung schaffen. Hier soll Platz sein für Wichtiges, Interessantes und Randgeschichten, unabhängig vom Quotendruck und jenseits der reißerischen Berichterstattung. The gorleben project ist frei von wirtschaftlichen Zwängen. Weiter auf Seite 3

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DEINE STIMME Fotograf: Lennart Helal

Kerstin Rudek, Vorsitzende Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg „Die Politik muss zugeben, dass das Lagerprojekt Gorleben gescheitert ist. Es ist politisch nicht durchsetzbar. Der CastorTransport ist illegal, weil er die Grenzwerte überschreitet.“

Hendrik aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg „Ich bin hier groß geworden. Ich kann also nicht anders, als mich dem Widerstand anzuschließen. Jedes Jahr besetzt die Polizei unseren Ort, wir fühlen uns wie in einem Kriegs- oder Krisengebiet. Dazu kommt, die Medien verdrehen etwas. Sie stellen die Aktivisten als Chaoten dargestellt. Die Medien verdrehen das. Wir fühlen uns von der Regierung verarscht.“

Nicol aus Dannenberg „Ich finde es nicht schön, dass der Atommüll hier her kommt. Man kann nichts dagegen machen.“

Jan Becker von ContrAtom „Im Wendland spitzen sich die Proteste für die Stillegung der Atomanlagen zu. Wir fordern: „Stop Castor! Stop Gorleben!“

Herr Lau aus Dannenberg „Ich war selbst in Salzstock Gorleben. Ich finde die oberirdische Lagerung eine Katastrophe. Eine sichere unterirdische Lagerung ist für mich aber kein Problem. Von den Politikern fühle ich mich verarscht.“

Mohammed Reza, Zahra und Iliya aus Dannenberg mit iranischem Migrationshintergrund „I can´t believe that such a thing is happening in this country and that the gouverment refuses to take care of its citiziens.“

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REPORTAGE Autoren: Göran Halit und Luisa Meyn Fortsetzung vom Titel

Genau diese Ideologie und der Enthusiasmus für die Sache, bringen Schreiber, Fotografen auch dieses Jahr mit dem Hofbesitzer zusammen. Dieses Mal sind es 60 Teilnehmer. Das Project wolle man größer aufziehen, sagt Siggi, Hausherr der Scheune Nr. 12. Es brauchte mehr Platz - eine Aufgabe, der sich Siggi annahm. Stück für Stück richtete er die Scheune

neu ein. Er baute sie um - mit Fleiß und teils aus der eigenen Spardose. Mittlerweile gibt es Separees zum Schlafen, eine abgegrenzte Redaktion, eine

Kaffee-Bar, W-Lan und zahlreiche Steckdosen. Nicht viel weniger Technik als die Redaktionen anderer Tageszeitungen - mal abgesehen von der Kälte,

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die den Atem gefrieren lässt. Dafür gibt es täglich reichlich heiße Suppe und Tee. Welche Redaktion kann das von sich behaupten?

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REPORTAGE Autorin: Luisa Meyn - Fotografin: Linda Dreisen

Tag Eins Es ist Mittwoch, 23 Uhr der Castor ist durch Monterolier-Buchy gefahren – mit anderthalb Stunden Verspätung. The gorleben project ist mitten in den Vorbereitungen für die erste Ausgabe der Zeitung. Seit 13 Uhr laufen alle auf Hochtouren. Mittlerweile sind 20 Journalisten eingetroffen und fast alles ist geschafft. Die Scheune hat sich in ein Arbeits- und Schlafcamp verwandelt. Eine große Strohfläche wird als Schlaflager dienen. Es wurden Redaktionsräume aufgebaut, mit Internet, gefühlten 50 Steckdosen und vielen, vielen Rechnern. In gemeinsamer Arbeit wird das Layout gestaltet

Journalisten von the gorleben project bei der Arbeit

Die „Druckerei“ befindet sich in der Nachbarscheune. Auf dem Beamer in der provisorischen Küche läuft der Castor-Ticker. Doch das wichtigste fehlt noch: Die Zeitung. Die Fotojournalisten

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sind noch fleißig am Bilder Sichten und Bearbeiten während die Schreiber an den Texten feilen. Bis Morgen früh muss alles fertig sein.

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REPORTAGE Autor: David Stumpp - Fotografen: Florian Wilde

Laternenumzug in Langendorf Ein erster Demonstrationszug formierte sich am Mittwoch. Etwa 100 Menschen liefen am späten Abend von Langendorf nach Quickborn. Sie trugen Fackeln und Laternen, auf denen ein X leuchtete. Einige trugen Zipfelmützen und verkleideten sich als Schneewitchen und die Sieben Zwerge.

Mehrere Polizeiautos begleiteten den friedlichen Laternenzug

Schneewitchen verteilte Kekse in X-Form. Auf halben Weg traf der Zug auf andere Atomkraftgegner. Diese waren von Quickborn losgelaufen. Die Demonstration verlief friedlich. Für etwa eine Stunde sperrte die Polizei die Straße zwischen den beiden Ortschaften.

Überall im Wendland: Das Widerstandssymbol

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Fackeln brachten Licht ins Dunkel

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IMPRESSUM Reaktion: the gorleben project c/o breese in der marsch 12 29451 Dannenberg Herausgeber: Junge Presse Niedersachsen e.V. BorriesstraĂ&#x;e 28 30519 Hannover

Handy: 0170 - 100 70 20 Email: hinweise@thegorlebenproject.org

Verantwortlicher Vorstand: Len Sander Registergericht: Amtsgericht Hannover Registernummer: VR 5972 Verantwortlicher im Sinne des Presserechts: Benjamin Richter Irschenhauser Str.79 82057 Icking Lizenz: (cc-by-nc-nd) This work is licensed under the Creative Commons AttributionNonCommercial-NoDerivs 3.0 Germany License. To view a copy of this license, visit http://creativecommons.org/licenses/ by-nc-nd/3.0/de/ or send a letter to Creative Commons, 444 Castro Street, Suite 900, Mountain View, California, 94041, USA.

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the gorleben project 24.11.11